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Inhalt:

Jahrbücher

des

Vereins für meklenburgische Geschichte
und Alterthumskunde,

 

gegründet von                  fortgesetzt von
Geh. Archivrat Dr. Lisch. Geh. Archivrath Dr. Wigger.

 


 

Siebenundsechszigster Jahrgang

herausgegeben

von

Geh. Archivrath Dr. H. Grotefend,
als 1. Sekretär des Vereins.

 


Mit Abbildungen und angehängtem Jahresberichte.

 

Auf Kosten des Vereins.

 

Schwerin, 1902.

Druck und Vertrieb der Bärensprungschen Hofbuchdruckerei.
Kommissionär: K. F. Koehler, Leipzig.

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Inhalt des Jahrbuchs.

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Seite  
I. Ueber die Bede in Meklenburg bis zum Jahre 1385. Von Dr. F. Techen=Wismar 1-73  
II. Noch einmal der Stargardische Arm. Von Dr. Crull=Wismar 74-82  
III. Die Gräber der älteren Bronzezeit in Meklenburg. Erster Theil. Von Dr. Robert Beltz 83-196
IV. Der Güstrowsche Erbfolgestreit. Von Dr. Richard Wagner. Erster Theil 197-376
Vignette
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I.

Ueber die Bede in Meklenburg

bis zum Jahre 1385.

Von
Dr. F. Techen.
~~~~~~~~~~~~~~
  Motto: Allgemein=logischen Begriffen bin ich in der Grammatik feind; sie führen scheinbare Strenge und Geschlossenheit der Bestimmungen mit sich, hemmen aber die Beobachtung.     Jakob Grimm.

I m 65. Bande der Jahrbücher hat Dr. Brennecke eine sehr lehrreiche und in den Hauptresultaten unanfechtbare Darstellung über die Bede in Meklenburg veröffentlicht. Wenn ich dennoch auf den Gegenstand zurückgreife, so geschieht es aus dem Grunde, weil bei der von meinem Vorgänger gewählten systematischen Art der Darstellung die Ausdrucksweise der Urkunden nicht gebührend beachtet und in Folge davon einmal die Belege nicht genügend gesichtet, dann aber auch über die Entwicklung der Steuer nicht die Klarheit gewonnen ist, die vielleicht erreicht werden könnte. Außerdem will verschiedenes berichtigt sein. Ob meine eignen Ergebnisse der darauf verwendeten Mühe und Zeit entsprechen, mag fraglich erscheinen. Immerhin mußte ein Versuch gemacht werden, was eine Betrachtung von streng historischem Standpunkte aus ergeben möchte.

Das Material, mit dem ich arbeite, danke ich den Registerbänden des Meklenburgischen Urkundenbuchs, für die älteste Zeit aber bis zum Jahre 1300 eigner Sammlung, die ich mir durch Benutzung der Citate Brenneckes und des betreffenden Registers erleichtert habe. Außerdem sind die Urkundensammlungen für die Geschichte der Behr, der v. Maltzan, der v. Qertzen, der Hahn, der v. Blücher, der v. Zepelin, die in den Jahrbüchern gesammelten

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Urkunden und Fabricius, Urkunden zur Geschichte des Fürstenthums Rügen durchgesehen und, soweit es angängig war, benutzt. Die spätern Wismarschen und Neuklosterschen Urkunden werfen fast nichts ab. Weit mehr, als aus den fast zahllosen Urkunden über Befreiung von Bede oder Verleihung davon zu entnehmen ist, würde zu lernen und zu sagen sein, wenn nur ein paar leidliche Bederegister auf uns gekommen wären: aber gerade daran fehlts. Mit M. U.=B. 3721, 4402 und Fabricius, rügische Urkunden Nr. CCCCL allein ist wenig anzufangen. Ob aus den von den Herzogen Magnus und Balthasar im Jahre 1489 geplanten Registern 1 ) etwas geworden und was etwa davon erhalten ist, weiß ich nicht, aus den veröffentlichten Bruchstücken aber noch späterer über die Landbede 2 ) ist über die Institution nichts zu gewinnen.

Was ich prüfend vorführen will, ist, wie schon angedeutet, in erster Linie die Benennung, die die Steuer und was mit ihr zusammenhängt, in den Urkunden findet. Gewohnheitsmäßig richten sich die Blicke zuerst auf die ältesten Urkunden, die aus dem 12. Jahrhundert.

Ausdrücke bis 1250.

Im Jahre 1150 erlaubt König Konrad dem Bischöfe von Havelberg, Kolonen anzusetzen ea libertate, ut nullus dux, nullus marchio, nullus comes seu vicecomes, nullus duocatus seu subaduocatus aliquam exaccionem exinde extorquere audeat . . ., nullus peticiones publicas ibi faciat . . ., was vielmehr allein deBim Bischofe zustehn solle; er bestätigt der Kirche 20 Hufen zu Rogätz, Hof und Dorf zu Burgstall und zu Wittmohr . . ., ut absque omni exactione possideant. . . . et quoniam aduocati plerumque solent grauare ecclesias, precipimus, ut nullus aduocatus aliquid exigat preter consuetum jus aduocacie tempore placiti (M. U.=B. 52). Gerade so drückt sich, abgesehen vom mittelsten Satze, im Jahre 1179 Kaiser Friedrich aus (M. U.=B. 130). - Im Jahre 1158 stattet Herzog Heinrich von Sachsen das Bisthum Ratzeburg mit 300 Hufen aus, wozu die Grafen von Ratzeburg beneficium suum a nobis liberum ab omni exactione nobis pro deuotione restituerunt. . . . constituimus firmiter inhibentes, ut nulli liceat in predictis mansis aliquas exactiones uel petitiones facere, sed liberi sint ab


1) Maltzansche Urkunden IV, S. 116 f.
2) Fromm, Geschichte der v. Zepelin, B, S. 121; Wigger, Geschichte der v. Blücher, I, Nr. 605, S. 534.
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omni grauamine et a wogiwotniza . . . (M. U.=B. 65). Der letzte Satz ebenso wiederholt im Jahre 1174, M. U.=B. 113. - Im Jahre 1169 ordnet derselbe Herzog zu Gunsten der drei Bisthümer im Wendenlande an, ut nulli liceat in predictis mansis (je 300 für jedes) exactiones facere, uel paratas accipere, angarias requirere, sed inmunes sint ab omni exactione et grauamine et censu ducis (M. U.=B. 90). Wiederholt im folgenden Jahre, M. U.=B. 96. - Nachdem schon im Jahre 1170 Kasimar von Pommern dem Domstifte Havelberg Broda zur Gründung eines Klosters unter Befreiung ab omni exactione juris, quod in eo habuimus, geschenkt (M. U.=B. 95; die Urkunde ist freilich gefälscht), befreit 12 Jahre später sein Bruder Herzog Bugislav daraufhin Broda ab omni exactione juris, quod ullo modo in eo habere possemus (M. U.=B. 135). - Derselbe Herr Kasimar befreit im Jahre 1174 die vom Kloster Dargun zu berufenden Kolonen ab omni exactione baronum nostrorum et omnium nobis et eis famulantium und von Diensten (M. U.=B. 114, S. 113), was Herzog Kasimar im Jahre 1219 bestätigend wiederholt (M. U.=B. 247, S. 233). - Im Jahre 1192 stattet Herr Heinrich Burwi das Kloster Doberan aus und verzichtet peticionibus et exactionibus, seruiciis. . . . homines . . . liberi sint . . . ab exstructione vrbium et pontium, ab exactione vectigalium et theloneorum (M. U.=B. 152). - Zwischen den Jahren 1196 und 1200 wird bezeugt, daß die Gräfin von Ratzeburg dem Ratzeburgischen Bisthume ihre Anrechte an Walksfelde gegeben hat: expeditiones, petitiones, borcwerch, brucwerch et omnes que fieri solent angarias siue exactiones (M. U.=B. 160), was gleichlautend im Jahre 1238 vom Herzoge Albrecht von Sachsen bestätigt wird, M. U.=B. 480. - Ums Jahr 1200 schenken die Grafen von Schwerin den Johannitern das Dorf Goddin und das Pfarrgut zu Eixen unter Befreiung ab omni exactione preter eam, quam terre defensio poscit (M. U.=B. 165); um dieselbe Zeit befreit Herr Heinrich Burwi zu Gunsten des Lübecker Domkapitels Fährdorf auf Pöl ab omni uexationis et exactionis onere . . . ita videlicet ut . . . coloni nec burchwerk operentur nec expeditiones sequantur, et a collectis et talliis, si que nomine nostro in illa prouincia facte fuerint, omnino sint immunes (M. U.=B. 167), und um die gleiche Zeit fällt die falsche Ausfertigung des Stiftungsbriefs für das Bisthum Schwerin, wonach durch Herzog Heinrich von Sachsen ville et coloni der Kirche ab omni

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exactione seculari befreit sein sollen preter judicium sanguinis (M. U.=B. 100B, S. 99).

Schon aus diesen wenigen Beispielen, deren älteste allerdings dem Zweifel Raum geben, ob sie wirklich Schlüsse auf die Zustände im Koloniallande zulassen, ist zu entnehmen, daß exactio ein weiterer Begriff ist, der vielleicht mehr vom Charakter einer Erpressung als dem einer Steuer an sich gehabt haben könnte, und bis auf Eine Ausnahme handelt es sich stets um Befreiungen davon.

Mehr bringen die nächsten 50 Jahre an Stoff und an Wechsel im Ausdruck. So gleich die dem Jahre 1208 zugewiesene Urkunde des Bischofs Philipp von Ratzeburg, M. U.=B. 182, wonach 4 Hufen des Dorfs Bentin pro omni exactione comitis, expeditione scilicet, peticione et burgwerch 4 Maß Weizen geben sollen. Befreiungen ab omni exactione schlechthin treffen wir [1217] M. U.=B. 231, 1232 M. U.=B. 408 (sine aduocatorum exactione, Pommern), 1237 M. U.=B. 461, 1239 und 1241 M. U.=B. 500 und 522 (ab aduocatia . . . et exactione), 1243 und 1252 M. U.=B. 550 und 707 (Siedepfannen in Sülze) und 1247 M. U.=B. 595 (Mühle zu Malchin), von exactio im Jahre 1217 M. U.=B. 230, ab omni exactione et aduocatorum nostrorum grauamine im Jahre 1231 M. U.=B. 386, von omni aduocacia et seculari exactione im Jahre 1244 M. U.=B. 563 (Pommern). Die Befreiung der Schweriner Bürger ab omni telonio et exactione im ganzen Herzogthume Sachsen durch Kaiser Otto IV. (M. U.=B. 202, im Jahre 1211), die der Hamburger durch Graf Albert von Holstein ab exactionis que vngelt dicitur et thelonei grauamine an genannten Zollstätten (M. U.=B. 221, im Jahre [1216]) und die der Lübecker durch die Grafen von Dannenberg, sofern sie ihren rechten Zoll zahlen (M. U.=B. 466, im Jahre 1237), gehört auf ein anderes Blatt, ist aber zur Bestimmung des Begriffs exactio in diesem Zusammenhange anzuführen. 1 ) Doppelt erscheint das Wort in M. U.=B. 239, wonach Herr Heinrich Burwi die von Doberan berufenen Kolonen befreit ab omni exactione comitum, 2 ) aduocatorum et judicum,


1) Vergl. noch die Befreiungen durch die Schweriner Grafen von theloneo et exactione que dicitur vngelt (M. U. B. 345 und 1585) und die Verleihung von libertas thelonei et exactionis (M. U.=B. 505).
2) Das für hiesige Verhältnisse unzutreffende Wort, das später ausgelassen oder durch advocatus abgelöst wird, erklärt sich daraus, daß offenbar Amelungsborn das Formular lieferte.
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ab exstructione urbium necnon ab exactione uectigalium et theloneorum et omni expedicione (im Jahre 1218), und diese Fassung halten mit unwesentlichen Abweichungen andere von Doberan oder seinem Mutter=Kloster Amelungsborn in den Ländern Rostock, Rügen, Werle erwirkte Urkunden fest M. U.=B. 415 (1233), 538 (1242), während in noch anderen derselben Klöster der Anfang ersetzt und erläutert wird durch ab omni jure uel seruicio secularis potestatis M. U.=B. 409 (1232; die vorangehende Urkunde begriff das Ganze in den drei Worten sine aduocatorum exactione) oder ab omni inquietudine comitum, aduocatorum judicum M. U.=B. 557 f. (1244), statt des zweiten exactione aber in M. U.=B. 557 f. exstorsione vorgezogen ist. Die zeitlich zunächst folgende Urkunde M. U.=B. 245, erhalten im Diplomatar des Klosters Reinfeld, bewährt in der Zusammenstellung von petitiones, precarie, exactiones von Neuem den schlechten Ruf der Urkunden dieses Klosters:: denn erst sechzig bis siebzig Jahre später finden wir diese oder ähnliches in echten Urkunden. Während nach M. U.=B. 255 vom Jahre 1219 Herr Heinrich Burwi die Hintersassen Neuklosters ab omni grauamine judicii exactionis, expeditionis et seruitiorum, quibus ceteri coloni terre grauari possunt, befreit hat (gemäß der von ihm selbst ausgestellten vorangehenden Urkunde, worin die Freiheiten Doberans zugestanden werden), so sind, was immerhin anzumerken ist, 1 ) die Befreiungen, die sein Urenkel Herr Heinrich I. im Jahre 1271 bestätigt, weit enger gefaßt, und es ist außer einem Theile der Gerichtsbarkeit nur die Freiheit vom Landdinge zugestanden (M. U.=B. 1215). Wenn im Jahre 1223 Heinrich Burwi dem Havelberger Kapitel Gaarz verliehen hat, ab incolis nichil omnino seruitii vel exactionis exigentes nisi ad communem terre defensionem (M. U.=B. 299), so erhebt sich die Frage, ob in dem aus dem Jahre 1300 stammenden Auszuge M. U.=B. 298 nicht Gardin in Gardiz zu verbessern und damals die Befreiung in die Worte sine petitione qualibet et seruitio zusammengezogen sei, was mir nicht unwahrscheinlich vorkommt. Die nächsten Stellen bringen wieder petitiones neben exactiones gestellt, so gleich M. U.=B. 260 aus dem Jahre 1219, wonach derselbe Herr dem Michaelis=Kloster zu Lüneburg Cesemow


1) Bekanntlich hat v. Buchwald in seinen Bischofs= und Fürstenurkunden S. 250 ff. aus andern Gründen die Echtheit von M. U.=B. 254 f. in Zweifel gezogen. Eine Vergleichung der Siegel von M. U.=B. 254, 268 und 284 müßte die Entscheidung bringen. Ueber all das Andere läßt sich lange hin und her streiten.
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schenkt unter Absehen von peticionibus et exactionibus et serviciis, que wlgo bur[c]werk et b[ruc]genwerk dicuntur, necnon expedicionibus. Die Form der Verleihung ist in M. U.=B. 344 vorgezogen, worin Herr Johann und seine Brüder im Jahre 1227 den Johannitern Mirow bestätigen cum . . . pet[itioni]bus et exactionibus. Dagegen vereignen im Jahre 1238 die Markgrafen von Brandenburg dem Kloster Dünamünde 30 Hufen zu Zachow und 52 Hufen zu Siggelkow derart, vt nullus aduocatorum nostrorum . . . habeat potestatem . . . siue exactiones vel peticiones in eos (homines) faciendi wider den Willen des Klosters (M. U.=B. 488). Aehnlich wie in M. U.=B. 260 ist wiederum die Befreiung Seedorfs im Lande Dassow für das Lübecker Kapitel durch Herrn Johann im Jahre 1244 (M. U.=B. 554) und auch die zwei Jahre früher erfolgte Verleihung von Rechten in Johannsdorf an dasselbe Kapitel, nur daß hier an die Stelle der Befreiung die Schenkung tritt von borcgwerc, censum porcorum, petitiones, exactiones et alia seruitia . . . preter hec que nobis et nostris aduocatis de eadem uilla exhiberi consueuerunt (M. U.=B. 534). Oefter steht beides im Singular und in der Regel mit Burgwerk und Brückenwerk verbunden sowohl in Urkunden der Fürsten von Rügen und des Herzogs von Pommern wie auch der Herrn von Meklenburg und Werle und des Grafen von Schwerin M. U.=B. 312 (1225), 331 (1226), 348 und 355 (1228), 458 (1236: omni exactione et petitione a domino terre, dapifero, aduocato et ipsorum nunciis cessante), 514 (1240), 517 (um 1240: Befreiung ab omni exactione et grauamine aduocati, uidelicet burgwerc, brugwerc, uexatione, petitione) oder 543 und 572 (1242, 1245: ab aliis angariis . . . uidelicet expeditione, petitione et quod uulgo dicitur borchwerk). Eine unechte Urkunde für das Kloster Reinfeld aus dem Jahre 1218 (M. U.=B. 246) mag sich anschließen. In drei andern ebenfalls unechten oder verdächtigen Urkunden für dasselbe Kloster aus den Jahren 1248, 1249 und 1301 taucht wieder der Plural auf und das in so ungeschickter Konstruktion, daß man einen Genetiv von exactiones abhängig zu glauben verleitet werden könnte. Es wird Freiheit zugesichert ab omni jure secularis potestatis, utpote peticionibus, exactionibus, poncium siue constructionibus cujuscumque municionis (M. U.=B. 617 und 2728) oder ab omni onere et infestatione aduocatie, peticionibus, exactionibus, pontium siue cujuscumque municionis faciende (M. U.=B. 621). Nicht daß ich bestreiten wollte, daß man die

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exactio nicht durch einen Genetiv bestimmt habe, der in der That häufig genug davon abhängt und wofür M. U.=B. 323, 391 und 552 als Beispiele gelten können, indem Herr Heinrich von Rostock im Jahre 1226 die Güter des Domstifts Güstrow ab omni exactione tam peticionum quam uectigalium et expedicione(m) et edificacione urbium et poncium befreit, im Jahre 1231 aber die Herrn von Meklenburg und Rostock dem Kloster Doberan seinen Besitz unter Befreiung von exactione vectigalium et teloniorum bestätigen und Herr Nicolaus von Werle im Jahre 1243 demselben Kloster 50 Hufen zu Zechlin verleiht und die Kolonen frei gibt . . . ab exactione vectigalium et theloneorum . . . ita ut nemini quicquam seruicii debeant ex debito nisi soli deo et Doberanensi monasterio. - Noch stehn einige Urkunden aus, worin peticio oder peticiones ohne Begleitung von exactio erscheint M. U.=B 284 aus dem Jahre 1222, wo Herr Heinrich Burwi zu Gunsten des Bistlmms Ratzeburg bewilligt, daß Manderow, Hohenkirchen und Gressow, in andern Verpflichtungen ungleich gestellt, peticiones non dabunt, M. U.=B. 252 und 582, wonach in den Jahren 1219 und 1246 die Grafen von Schwerin (in bedenklichen Urkunden) für das Kloster Reinfeld die Bauern von Lübesse und Uelitz und künftig zu erwerbenden Gütern von petitionibus befreien, und M. U.=B. 340, die zu Gunsten der Johanniter die Bauern von Moraas ab expedicione, petitione, borghwerc et brucwerc u. f. w. frei spricht (1227), wie auch Herzog Wartislav von Pommern die Bauern des Klosters Dargun zu Dukow und in der Einöde Scharpzow im Jahre 1229 a peticione befreit hat (M. U.=B. 373). - Mit bede endlich wird Clandrian vermuthlich in seinen Auszügen M. U.=B. 234, 237, 349 exactio der Vorlagen wiedergegeben haben. Im mittleren Falle (vom Jahre 1217) würde es sich, wenn der Auszug genau ist, um Verleihung gehandelt haben.

Erörterung.

Der zunehmende Reichthum an Stoff verbietet in gleicher Weise wie bisher alle Stellen mit allen Abweichungen vorzulegen. Ueberblicken wir aber die bisherigen Zusammenstellungen, so verstärkt sich nur der Eindruck, daß der exactio 1 ) ein Steuercharakter nicht bedingungslos zugeschrieben werden dürfe, wofern man nicht auch willkürliche Eintreibungen von Geld oder andern


1) Die päpstlichen Urkunden über exemptiones secularium exactionum habe ich absichtlich zurückgehalten. exactiones uel collecte seu subsidia als kirchliche Steuer M. U.=B. 5155.
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Leistungen als Steuern ansehen will. Und da petitio 1 ) ebensowohl Forderung als Bitte sein kann, so wird durch seine fast ständige Verbindung mit exactio ebenfalls zweifelhaft, ob man es schon mit Bede übersetzen darf und ob die Urkunden anderes als gelegentliche, mehr oder weniger erzwungene oder freundliche und rechtmäßige Forderungen im Auge haben, um so mehr als sie vorzugsweise Befreiungen aussprechen und die Anführung von infestacio aduocatorum oder vexatio auch zu berücksichtigen ist. Einmal ist petitio der exactio als Theil des Ganzen untergeordnet, meist aber erscheinen exactio und petitio im Singular wie im Plural in Gesellschaft von Fuhrdiensten, Diensten zu Burg= und Brückenbau, auch Kriegsdienst, seltner neben Gerichtszwang, 2 ) aber auch exactio als der allen diesen übergeordnete Begriff. Es werden also theilweise diese Leistungen den Inhalt der exactiones, 3 ) vielleicht auch der petitiones gebildet haben, 4 ) theilweise mag die Ablösung von solchen (wie auch von procuratio und hospitium z. B. M. U.=B. 1293. 1826 oder der custodia thelonei M. U.=B. 2750) sich als diese dargestellt haben. Daß daneben ohne Anlehnung an jene Verpflichtungen je nach Gelegenheit Forderungen geltend gemacht sind, ist wahrscheinlich. Auch als Strafe konnte die exactio in Anwendung kommen. 5 )

Wie es im Leben herging, kann man etwa aus folgenden Stellen abnehmen, unbeschadet, daß sie fast alle später fallen, während die ersten vorher hätten eingereiht werden können. Nach diesen bestätigte im Jahre 1237 der Herr von Rostock dem Kloster


1) Angemerkt sei das Vorkommen des Worts in besonderm Sinne in M. U.=B. 3264, wo ein Pfarrer seinen Pfarrkindern Freiheit a peticione et a denariis vnctionum zugesteht.
2) Leistungen zum Landdinge an Geld und Dienst bezeugt M. U.=B. 6450 im Jahre 1344.
3) Vgl. M. U.=B. 542 (pommersche Urkunde) ab omni exactione, ab vrbium uidelicet exstructione, pontium positione, ab expeditione. Aehnlich Fabricius, Urkunden zur Geschichte des Fürstenthums Rügen Nr. XIII und XIX.
4) Als Object von exactio begegnet am öftesten thelonei z. B. M. U.=B. 95. 135. 600. 917. 1182, vectigalium et teloniorum M. U.=B. 239. 258. 391. 409. 552, decime M. U.=B. 1256, peticionis et theloneorum Fabricius, Urkunden zur Geschichte des Fürstenthums Rügen Nr. XXXIX, de denariis monete, de precaria et omni genere seruitutis ebd. Nr. DCXLVIII; die peticio erstreckt sich in M. U.=B. 235 auf ein Pferd, das den Grafen von Schwerin in Rubow und Medewege zu liefern ist, quando necessitas faciendi itineris nos coarctat.
5) Der Propst des Klosters zum hl. Kreuze zu Rostock hatte die Befugniß, ungehorsame Bauern zu beschatten M. U.=B. 7710 (im Jahre 1353).
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Doberan, quod tam ipsi fratres quam fratrum homines liberi sint et immunes ab omni infestatione aduocatorum et judicii, ab urbium, pontium, aggerum exstructione, a uectigalium et theloneorum extorsione . . . seu etiam qualibet secularis juris exactione (M. U.=B. 463) und erklärten im Jahre darauf die Herrn von Mellenburg und Rostock wesentlich ebenso die homines des Klosters Dargun für befreit (M. U.=B. 479 und 490), nur daß es in M. U.=B. 490 heißt theloneorum, petitionum, vectigalium extorsione et ab omni expeditione und daß der Schluß fehlt. Im Jahre 1245 befreite Graf Günzel von Schwerin zu Gunsten des Bischofs von Ratzeburg Boissow und andere Dörfer von Diensten et omni peticione seu qualibet exactione und von lantthinc uel etthinc mit der Begründung, daß seine Beamten cum . . . racione jurisdictionis cujusdam . . . injunctum officium exercerent, ad ulteriora manus extendentes insolita et indebita exegerunt (M. U.=B. 566). Das Kloster Zarrentin hatte im Jahre 1258 Klage zu führen gehabt, daß die Vögte der Grafen von Schwerin und deren Diener seine Güter uastarent multis incommoditatibus, exactionibus uidelicet necnon peticionibus inportunis(M. U.=B. 822), und entsprechend begnadete Herr Johann von Werle das Kloster Doberan wegen der Mühle vor Plau dahin, daß keiner der Seinen es quolibet genere exactionis seu inportune peticionis valeat infestare (M. U.=B. 1614 im Jahre 1282). Herr Johann von Meklenburg aber verlieh im Jahre 1239 dem Kloster Dargun Cantim und vier Hufen zu Stassow frei et sine omni uexatione . . . ita ut nemini quidquam faciant ex debito nisi soli deo (M. U.=B. 493). Die Grafen von Schwerin verpflichteten sich im Jahre 1271 gegenüber dem Schweriner Kapitel non petitiones, non exactiones aliquas indebite in ejusdem ville (Dalberg) homines faciemus (M. U.=B. 1213). Gegen insultus und pressuras seiner Vögte wollte Herr Nicolaus von Werle die Bauern Neuklosters schützen M. U.=B. 1254 (im Jahre 1272). Im Jahre 1283 hatte Herzog Bugislav von Pommern Ursache, das Kloster Dargun für injurie et dampna zu entschädigen, si que forte aliquociens per nos vel per officiales nostros . . . fratribus sint irrogate, videlicet ipsos inquietando 1 ) vel subditos suos minus debite grauando (M. U.=B. 1687). Endlich hatte das Kloster Doberan sich im


1) Befreiung von inquietudo comitum vel juris nostri executorum oder aduocatorum vel judicum findet sich noch in Werlischen Urkunden für Amelungsborn und Doberan. M. U.=B. 557. 558. 1314. 2621.
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Jahre 1286 darüber beklagt, daß iniquitatis filii es im Dorfe Grenze exactionibus et talliis inconsuetis et indebitis passim et contra omnem justiciam non desinunt molestare (M. U.=B. 1828); der Markgraf von Brandenburg aber befreite im Jahre darauf Hof und Hufen zu Starsow ab illo quod vnrecht proprie dicitur . . . et ab omni vexacione et molestia, quibus per nostros officiales grauari poterit (M. U.=B. 1917).

Anderes hierher Gehörige wie exactiones juste et injuste weiter unten.

Spätere Ausdrücke.

In den Anführungen von Urkunden aus der folgenden Zeit erstrebe ich Vollständigkeit bis zum Jahre 1350, wogegen ich später nur die wichtigeren Stellen auswähle. Befreiung von exactio der pommerschen Herzoge oder ihrer Edlen (barones) und beider Amtleute bestätigt Herzog Barnim von Pommern dem Kloster Dargun für seinen von seinen Vorfahren erhaltenen Besitz und befreit die Bauern des Klosters in bonis, que nos donauimus, von omni exactione seculari, M. U.=B. 1071 (1266). Sonstige Befreiungen von (jeder) exactio (in der Regel in Verbindung mit Burg= und Brückenbau und Fuhrdienst) sind beurkundet in M. U.=B. 749 (1255), 792 und 807 (1257), 952 (1262), 1039 und 1047 (1265), 1282 (1273), 1509 (1279), 1578(1281), 1687 und 1694(1283), 1826 (1286), 2118(1291), 2336 (1295), 2873 (1303), 3457 und 3475 (1311), 7275 (1313), 4563 (1324). Verleihung sine exactione speciali M. U.=B. 714 (1253). Befreiungen von exactiones M. U.=B. 1469 (1278), 1766 (S. 156, 1284), 1809 (1285: exactiones juste et injuste. Reinfelder Urk.), 3221 (1308). Kaum anders sind M. U.=B. 1165 (1269) und 1251 (1272) zu verstehn, worin Herr Waldemar von Rostock der Königin Margarete von Dänemark das Eigenthum seu jus, qvod ratione dictorum agrorum (die sie erwerben will) ad nos contingit in exactionibus, decimis, siluis u. s. w., diese aber in ähnlicher Weise dem Kloster zum h. Kreuze das Dorf Schmarl schenkt. Vereinbarung über die jährliche Leistung, wenn die Hufe im Lande Werle in exactione soluerit vnam marcam M. U.=B. 3271 (1309). - Befreiung von exactio und (oder) petitio wird ertheilt in M. U.=B. 674 (1251), 958 (1262), 982 (1263), 1146 und 2695 (1268), 1170 (1269), 1195 (1270), 1293 (1273), 1371 (1275), 1403 (1276), 1444 (1277), 1492 (1279), 1576 (1281), 1770, 1784, 1797, 1814 und 18I7 (1285), 1873 (1286), 1940 und 1990 (1288), 2001 (1289), 2163 (1292), 2239 (1293), 2335 (1295), 2496 u. 2525 (1298), 3175 u. 3187 (S. 360, 1307), 6402 (1344);

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von peticio siue exactio uiolenta und exactio siue peticio unter Vorbehalt einer gewissen peticio 1550 (1280); von jeder actio seu peticio 1919 (1287). Verleihung mit petitione et exactione qualibet, seruitio, extructione vrbium et pontium M. U.=B. 672 (1251), eines Antheils in peticione, exactione 1633 (1282), cum seruitio, petitione, exactione M. U.=B. 1196 (um 1310; vgl. Jahrb. 43, S. 83 Anm. 3). Befreiung von exactiones und (oder) peticiones (fast zur Hälfte in Reinfelder Urkunden) M. U.=B. 916 f. und 928 (1261), 1013 (1264), 1185 (1270), 1224 (1271), 1243 (1272), 1729 (1284), 1804 (1285; juste vel injuste, Reinfelder Urk.), 3491 (1311). Verkauf mit peticiones und exactiones M. U.=B. 1324 (1274; bestätigt 2928 im Jahre 1304, 4233 im Jahre 1320), 1466 (1278). Befreiung von ungebührlichen petitiones und exactiones M. U.=B. 1213 (1271), von quolibet genere exactionis seu inportune peticionis M. U.=B. 1614 (1282). Befreiung von exactione, que dicitur annua petitio M. U.=B. 2165 (1292); von exactio peticionis oder peticionum s. weiter unten unter petitio; von allen exactiones preter peticionem solitam M. U.=B. 3237 (1308). - Die Herzoge von Sachsen beurkunden die Befreiung von Gütern des Ratzeburger Kapitels von peticione majore et minori, ab exactionibus . . . in porcis (pecoribus), in pecunia, in annona M. U.=B. 2275 (1294) und 2307 (1295; bestätigt 4493 im Jahre 1323), 2793 (1302; bestätigt 4016 im Jahre 1318), 2794 (1302), 3540 (1312).

Ohne exactio erscheinen peticio oder peticiones in folgenden Urkunden. Graf Günzel von Schwerin gewährt dem Kloster Zarrentin die Gnade, daß seine Beamten hinfort nicht mehr bona sua siue ad pignora accipienda siue ad peticiones uel alias quascunque angarias faciendas betreten, vielmehr der Propst, si quid ad nos pertinet in hiisdem bonis siue ex jure siue ex peticione, das abliefern soll M. U.=B. 822 (1258). Befreiung von peticiones M. U.=B. 1233 (1271), 2004 (1289), 3850 (1316), 4665 (1325); von omnis peticio dominorum 2238 (1293); von peticio M. U.=B. 789 (1257), 1413 f. (1276), 1504 (1279), 2162 (1292); von exactio peticionis 1781 (1285), von exactio peticionum M. U.=B. 1292 und 1347 (1273 und 1274). Bestätigung von Besitz ohne Vorbehalt von peticio M. U.=B. 1868 (1286). Verleihung von peticiones M. U.=B. 2200 (1293), 2929 (1304), der peticio M. U.= B. 2549 1 ) (1299). Be=


1) Diese Urkunde ist trotz 2549n. noch als 7262 unter falschem Jahre nachgetragen.
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dingter Vorbehalt der peticio M. U.=B. 801 (1257), 3090 (1306). peticio generalis M. U.=B. 801 (1257), 1472 (1278), 3694 (1314). communis et generalis p. 3425 (1310). communes peticiones 1213 (1271). Verleihung der minor peticio M. U.=B. 4794 (1326), Vorbehalt derselben M. U.=B. 3540 (S. 654, im Jahre 1312), der p. eines Pferdes M. U.=B. 235 (1217).

Neben exactiones oder exactio treten collecte . . ., munera et onera M. U.=B. 1199 (S. 391, im Jahre 1270), 1285 (1273), tallie M. U.=B. 1828 (1286), 4167 (1320), talliaciones M. U.=B. 2947 (1304), tallie, peticiones majores et minores, incisiones porcorum M. U.=B. 3198 (1307), tallie et peticiones pecudum aut pecuniarum M. U.=B. 8893 (1361), prestacio M. U.=B. 5643 (1336). Allein erscheinen collecte et tallie M. U.=B. 730 (1254), 3996 (1318), 4802 (1327), talliare 2920, 2929 (1304), munera seu prestaciones M. U.=B. 2381 und 2536 (1296 und 1299). Vgl. den genaueren Ausdruck in M. U.=B. 2480.

Nun erst treffen wir auf das Wort, das fürder der terminus technicus für die Bede werden sollte, precaria. Ursprünglich ist es adjectivisches Attribut zu exactio, seltner zu peticio. Befreiung ab omni exactione precaria seu violenta M. U.=B. 1788 (1285), 2311 (zwischen 1292 und 1296, vollständig als 8426,1), 2612 (1300), 2777 (1302), 3126 (1306), 3244 (1308), 4178 (1320), oder von peticio violenta uel precaria M. U.=B. 2570 (1299), peticiones precarie auf violente M. U.=B. 3425 (1310), oder neben precaria exactionum violentarum grauamina und wiederum neben exactiones peticiones precarie M. U.=B. 4435 f. (1323), endlich precarie exactiones et violente M. U.=B. 8925 (1361) - lauter Urkunden für das Domkapitel oder den heiligen Geist zu Lübeck oder für dortige Bürger: nur 2311 und 8925 für Hospitäler des h. Geistes zu Ribnitz und Gadebusch. Ferner findet sich exactio precaria seu quelibet alia M. U.=B. 2169 (1292), 2502 (1298), precaria peticio 1 ) M. U.=B. 3022 (1305), 3220 (1308), 3379 (1310), 3645 (seu tallia 1313), 4436 (1323), 8988 (1362), exactio precaria M. U.=B. 1548 (1280), 1610 (1282), 1917 und 1936 (1287), 2290 (1294), 2938, 2939, 2942, 2954, 2959 (alle vom Jahre 1304), 3323 und 3329 (1309), 3543 (1312), 3883 (1317), 4056 und 4147 (1319),


1) Als vollkommen sicher ist es natürlich nicht zu behaupten, daß pr. hier in jedem Falle als Attribut gemeint sei, ebensowenig wie später, daß es beigeordnet und nicht auch einmal untergeordnet sein soll.
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5745 (1337) - fast lauter werlische, brandenburgische, pommersche Urkunden, nur eine einzige meklenburgische. solucio precaria M. U.=B. 2924 f. (1304). precaria pensio M. U.=B. 4972 (1328). Auch die Gegenüberstellung von peticio seu exactio aliqua violenta und einer mit dem Lande vereinbarten Steuer M. U.=B. 1550 (1280) gehört hierher. Des weitern erscheint precaria 1 ) oder precarie selbständig und so häufig, daß man fragen kann, ob es gerechtfertigt sei, alle Stellen herzuzählen. Ich thue es auch nur darum, weil so die vorherrschende Stellung des Ausdrucks am besten anschaulich wird. M. U.=B. 1317 (1274), 1409 [1276], 1490 [1279], 7203 (1280), 2181 (1292), 2413 (1296), 2499 und 2509 (1298), 2617 (1300), 2743 (1301), 2792, 2820, 2825, 2828 (1302), 2861, 2870, 2872 (1303, hierunter die ersten meklenburgischen Urkunden, bisher hauptsächlich werlische), 2922 f., 2937(1304), 3081, 3083, 3085, 3094, 3121, 3129(1306), 3154, 3163, 3190, 3199 (1307), 3222, 3247 (1308), 3281, 3299, 3305, 3308, 3315, 3321, 3327, 3337, 3339, 3345, 3346 (1309), 3387, 3394 (1310), 3463, 3497, 3532, 3568, 3587, 3598, 3660, 3687, 3715, 3721, 3740, 3759, 3782, 3789, 3833, 3841, 3847, 3970, 4010, 4030, 4060, 4063, 4065, 4173, 4175, 4178, 4180, 4187, 4221, 4257, 4324, 4329, 4340, 4402, 4422, 4426, 4433, 4435, 4451, 4474, 4475, 4477, 4479, 4525, 4526, 4532, 4544, 4554, 4572, 4585 (precaria uel peticio), 4586, 4616, 4622, 4623, 4667, 4692, 4694 f., 4708, 4738, 4763, 4772, 4778, 4827, 4833, 4835, 4843, 4864, 4866, 4875, 7312, 4887, 4900, 4960, 4966, 4999, 5007, 5014, 5017, 5123, 5134, 5152, 5153, 5154, 5175, 5229, 5263, 5276, 5312, 5313, 5343, 5363, 5370, 5375, 5411, 5442, 5447, 5495, 5496, 5528, 5546, 5605, 5608, 5646, 5649, 5675, 5703, 5713, 5726, 5732, 5733, 5738, 5776, 5793, 5803, 5827, 5832, 5848, 5857, 5864, 5865, 5894, 5945, 5965, 5971, 5980, 5981, 5999, 6022, 6027, 6029, 6033, 6112, 6124, 6130, 6152, 6198, 6229, 6249, 6257, 6301, 7378, 6309, 6327, 6334, 6338, 6341, 6353, 6379, 6380, 6386, 6390, 6401, 6409, 6418, 6440, 6450, 6451, 6485, 6496, 6537, 6549, 6565, 6586 (über 6402 berichtend, wo die Steuer exaccio, peticio genannt wird), 6612, 6613, 6658, 6659, 6683, 6796, 6831, 6838, 6895, 6916, 6934, 6976, 6978, 6991, 7003, 7008, 7041, 7069, 7118, 7124, 7125 und so fort.

Der deutschen Benennung bede begegnen wir zuerst (da von Uebersetzungen aus späterer Zeit natürlich abgesehen werden muß)


1) Auch in den Urkunden des Fürstenthums Rügen kommt pr. nicht früher vor, zuerst im Jahre 1284, Nr. CLXII.
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i. J. 1257 in der Zusammensetzung bedecorn (M. U.=B. 792), dann erst i. J. 1304 solucio precaria, que bede dicitur in wigari (M. U.=B. 2924), 1311 precaria que vulgariter bede dicitur (M. U.=B. 3497), i. J. 1312 M. U.=B. 3563 (einer unechten Urkunde), 3564, 1323 (M. U.=B. 4452, 4154 fällt nach 1320) und in der Folge öfter M. U.=B. 4459, 4612, 4717, 4793, 4959, 5081, 5169, 5242, 5584, 5949 B, 6169, 6282, 6458, 6536, 6559, 6757, 6898, 6915, 6918, 6928, 6931, 6950, 6975, 7009, 7010, 7033, 7049. Außerdem in Zusammensetzungen penninchbede (M. U.=B. 5764, 5765, 6206), kornebede (M. U.=B. 5764, 5765, 6206, 7009, 7010) und - das aber in Uebersetzungen - landtbede M. U.=B. 7258 und 7290. - Oft findet sich precaria neben exactio im Singular wie im Plural, auch eins im Singular und das andere im Plural. Befreiungen davon M. U.=B. 2718 und 2719 1 ), 1971 (1288), 2415 A (1296 ab omni exactione precaria et molestia; in B: precaria . . ., denarii monete . . . seruitia petitionum), 2431 (1297), 2582 (1299), 2750 (1301), 2948 (1304), 3023 (1305), 3238 (1308: jus precarium), 3443 und 3500 (1311), 3659 und 3663 (1313), 3698 (1314), 3956 (1318 Bestätigung; in der zu Grunde liegenden Urkunde 1788: exactio precaria seu violenta), 4303 (1321), 4699 (1326), 5002 (1328; in 5017 zusammen gefaßt in precarie), 5461 (1333), 5550 B und 5561 (1334), 5567 (1335), 5873 (1338), 6360 (1343). Verleihungen derselben M. U.=B. 2429 (1297), 3641 (1313), 3698 (1314), 3932 (1317), 4025 (1318), 4203 (1320), 4301 (1321), 4597 (1325; in 5343 nur precarie), 5689 (1336), 5802 (1337), 5846 (1338), 6297 (1343), 6378(1344), 10014(1370). Verleihung von precarie, exactiones und Befreiung von speciales exacciones seu precarie 6539 (1345). Normirung der Leistung bei generalis exactio seu precaria 3040 (1305). Neben precaria und exactiones stehn ministracio exactionum et precariarum prestacio 5415 (1333), precariarum exactiones 6457 (1344).

Hieran schließe ich eine Anzahl Stellen an, nach denen man glauben sollte, daß zwischen exactio und precaria kein wirklicher Unterschied bestanden hätte und nur die beliebte Häufung gleichartiger Bezeichnungen vorliege, womit man sein Recht desto besser zu sichern wähnte, um darauf andere folgen zu lassen, die beides deutlich unterscheiden.


1) Diese Urkunden aus dem Jahre 1285 sind verdächtig, wie außerdem die beiden ältesten das Wort precaria enthaltenden M. U.=B. 245 und 1017, worüber S. 5 und 19.
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Während der Ritter Gottschalk Storm eine Hufe zu Meklenburg absque precaria et exactione quacunque verkauft (M. U.=B. 4978), spricht Herr Heinrich von Meklenburg sie frei von jeder Verpflichtung ad aliquam precariam pensionem seu ad aliquod seruicii onus (4972, 1328). Aehnlich hat Herr Albrecht von Meklenburg von zwei Hufen zu Lüdershagen und Bartelshagen precarias et quascunque alias exactiones, quo nomine eciam censeantur, verliehen und die Bauern ab omni exactione et angharia ac molestia befreit (6269, 1343), wogegen im Berichte darüber (6280) nur precarie genannt werden. Derselbe Herr bestätigt dem heil. Geiste zu Wismar den Hof Klüßendorf frei von precaria, die er sich nur vorbehalten wissen will, wenn Hufen davon an Bauern ausgethan oder verpachtet werden, wogegen sie ihm bei Eigenwirthschaft oder bei Verheuerung um einen Antheil am Ertrage ad nullam exactionem et seruicium verbunden sein sollen (6179, 1342). Zu Alt=Gaarz aber hatte er kurz vorher zwei Hufen verliehen cum omni precaria und Hufen wie Bauern von Burgdienst, Landwehr und allem ihm schuldigen Dienste befreit, dem Käufer aber omne onus exactionis et seruicii zugesprochen (6084, 1340). Dem Kloster Ribnitz verkaufte er zu Schmachthagen und Klockenhagen außer dem Eigenthume omnem exactionem qua(m)cunque de causa recipiendum und zu Dalwitz 3 1/2 Hufen cum . . . precaria (5949 A, 1339), was in der deutschen Ausfertigung wiedergegeben wird durch alle bede, also dat wi dorg nynerleye sake bede nemen scolen van den vorghenanten hagenen (5949 B). Eine Vicarei wird mit Einkünften von fünf Hufen . . . precaria et exactione . . . errichtet; davon liegen drei Hufen in Kleinen, wovon 4 M. pro precaria fallen, zwei Hufen zu Biendorf mit precaria (6110, 1341). Die v. Stralendorf verkaufen dem heil. Geiste zu Lübeck zu Seedorf, Brandenhusen u. s. w. omnes precarias, exactiones, deriuationes, die Bauern aber verpflichten sich, von jeder Hufe loco precarie 2 M. lüb. zu zahlen (6469, 1344).

Nun die andern Urkunden. Im Jahre 1323 verkaufen die Preen und Genossen Weitendorf und drei Hufen zu Wangern an den heil. Geist zu Lübeck zum Theil mit, zum Theil ohne precaria, de quibus mansis precaria dabitur, prout de mansis per communem terram Pole dabitur, unter Befreiung von seruicia, prestaciones vel exactiones seu vectigalium onera (4433). Aehnlich 6208 (1342). In der Bestätigung des Verkaufs einer Hebung aus Niendorf auf Pöl, wobei die precaria vorbehalten war, bestimmt Herr Heinrich von Meklenburg, quod . . . nobis . . .

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et prenominatis collatoribus (den Preen und Genossen) . . . ad nulla seruicia . . . auf exactiones tenebuntur, sed solummodo . . . collatores . . . reseruabunt . . . precariam (4889, 1328). Herr Albrecht von Meklenburg: cum . . . Ericus rex Dacie dem Kloster Doberan precariam in Parkentin, Bartenshagen, Stöbelow . . . obligasset . . . und Doberan propter eandem precariam ab aduocatis nostris vexaciones multiplices sustineret, so verpfändet er precariam totalem et integram cum judicio majori ohne Vorbehalt für die Vögte und befreit die Bauern ab omni exactione aduocatorum uel judicum (5411, 1333). Derselbe bestätigt den Kauf von Hufen zu Niendorf bei Drewskirchen absque aliquo seruicio et exactione, precaria nostra nichilominus excepta (5941, 1339), behält sich in andern die gewöhnliche precaria vor, nichilque vitra hoc indebiti seruicii seu exactionis velimus postulare (6021, 1340); behält in Pepelow die gewöhnlichen precarie und verbietet seinen Vögten cum aliquibus exactionibus seu oneribus, preterquam premissum est, aliqualiter inbrigent vel offendant (6772, 1347). Die Herrn von Werle verpfänden Hufen zu Rittermannshagen cum . . . omnibus precariis, majori et minori, annona canina, moneta . . . in istis bonis nos nostrique aduocati . . . nulla seruicia nec precepta exigere debent nec habere (6978, 1349). Die Herzoge von Meklenburg bestimmen die Freiheiten des Doberanschen Dorfs Bastorf cum omnibus precariis unter Befreiung ab omnibus seruiciorum oneribus, videlicet vectigalibus . . . theoloniis seu aliis angariis <et exactionibus> quibuscumque (7036, 1350, wobei anzumerken ist, daß in einer Ausfertigung et exactionibus fehlt). Im Jahre 1361 vereignet Herzog Albrecht Saunstorf . . . precariis nobis . . . reseruatis und verbietet seinen Beamten Hof und Dorf cum aliquibus exaccionibus seu oneribus heimzusuchen (8919). Endlich verkauft Joachim Nortman Hebungen aus Glasewitz und Prutzekendorp, nec debent coloni per me . . . vitra debitam et consuetam precariam terre seu annonam canum . . . angariari . . . nec michi . . . ad aliqua seruicia seu exactiones obligari (9325, 1365).

Außer exactio begegnet noch petitio neben precaria, öfter so, daß die Konstruktion zweifelhaft ist. Zuerst in Fälschungen des Klosters Reinfeld, deren eine gerade durch die Vorzeitigkeit des Ausdrucks als solche erwiesen wird. Sie bezeugen Befreiungen von obsequio, petitionibus, precariis, exactionibus et expeditionibus et aduocatorum grauaminibus (245,

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1218) und von omni onere et grauamine aduocatorum, peticionibus, expedicionibus, precariis, exactionibus et a censu et peticione, quod dicitur hundekorn (2821, 1302). Befreiung von exactio und peticio generalis oder precaria (2873, 1303), ähnlich 3694 (1314). Verleihung von precaria und peticio generalis an Ivenack unter Verbot für die Beamten in dessen Gütern aliquid petere vel exigere (2937, 1304; falsche Urkunde). Unter Verzicht auf exactiones werden dem Grundherrn peticiones, precarie zugewiesen (4436, 1323. Vgl. 4435, wo precaria in Gegensatz zu exactiones violente gestellt war). Im Jahre 1327 verkauft Herr Heinrich von Meklenburg dem Kloster Dargun zu Walkendorf, Polchow u. s. w. außer andern Rechten omnes precarias seu peticiones, exactiones et requisiciones und bewilligt, daß seine Vögte die Dörfer nicht mehr betreten ad judicandum, prejudicandum, inpignorandum vel quicquidlibet exigendum et requirendum occasione judiciorum, precariarum, sectionis lignorum, vectigalium, angariarum et necessitatum quarumcunque (4797, was in 4798 referirend unter precarie zusammengefaßt wird). Die Herren von Werle belehnen Andreas v. Flotow mit Stuer cum omni precaria unter Verzicht auf exactio, so daß die Bauern frei sind ab omni onere vectigalium, peticionum, exactionum u. s. w. (6069, 1340) und befreien die Bauern von Kakeldütten von precaria . . . exactiones . . . vel aliqua seruicia peticionum (6188, 1342). Die Herzoge von Meklenburg befreien die Güter des Klosters Neuenkamp im Lande Barth für drei Jahre ab omnibus exactionibus, peticionibus, precariis et grauaminibus . . ., licet ad omnia hujusmodi predicta minime teneantur, in Wirklichkeit, so daß durch niemand cujuslibet eciam occasionis seu noue adinuentionis pretextu aliqualis exactio uel peticio . . . extorqueatur (6625, 1346). Und schließlich verbietet Herzog Albrecht seinen Beamten, Rüggow cum aliquibus precariis, peticionibus, exactionibus, seruiciis . . . inpetant (6758, 1347).

Die precaria und exactio begegnen noch in anderer Begleitung zunächst mit petitiones, hernach ohne diese. Gegen Erhöhung des Zinses befreit Herr Heinrich von Meklenburg die Bauern von Gr.=Görnow ab omni exactione uiolenta siue precaria, firmiter promittentes eos aliquibus exactionibus seu petitionibus nicht zu beschweren (3244, 1308; in der Bestätigung collecte et tallie ac precarie 3245). Joh. v. Plessen und Joh. Moltke befreien die Güter des Klosters

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Neuenkamp im Lande Barth für sieben Jahre ab omnibus exactionibus, peticionibus oportunis et inportunis, requisitionibus justis vel injustis, grauaminibus seu talliacionibus precariarum, annone, pecorum aut aliarum quarumcunque rerum, que . . . generali vel speciali exactione vel requisitione . . . poterunt quomodolibet extorqueri (5627, 1335), desgleichen Herr Albrecht von Meklenburg für vier Jahre ab omnibus inpeticionibus, exactionibus, peticionibus seu talliacionibus precariarum, annone, pecorum aut aliarum quarumcunque rerum (5889, 1338; eine spätere etwas anders gefaßte Befreiung ist kurz vorher gegeben). Herr Nicolaus von Werle verzichtet auf omni juri . . . exactionum, precariarum . . . et generaliter omnium munerum et onerum von den Besitzungen der Johanniter, und es sollen von ihm und seinen Beamten nie precaria . . . vel aliqua seruitia petitionum seu expeditionum verlangt werden (2726, 1301.). Obgleich das Lübecker Kapitel von Herzog Heinrich d. L. her Fährdorf frei von vniuersis seruitutibus, muneribus et exactionibus besitzt, bestätigt Herr Heinrich von Meklenburg ihm die Freiheit ab omni vectionis et exactionis onere und von collectis, talliis et precariis (2480, 1298) und verleiht im gleichen Jahre dieselbe für Duden=Stiten (2481) und Hagebök (2482). Befreiung wird ertheilt von exactiones, precarie auch für Fälle, wo von Kirchengut tallie seu collecte mit Recht erhoben werden könnten (5002, 1328; in 5017 zusammenfassend nur sine precariis), von talliacio vel exactio ohne Vorbehalt in precaria (5576, 1335), von contribucio et exactio unter Vorbehalt der precaria nuda (6174, 1342). Auf die Klage des Lübecker Kapitels über zu Unrecht erfahrene offense, tallie et exactiones (8599. 13) wird es frei gesprochen von injurie, violencie, tallie et exactiones . . . aut vectigalia oder precarie (8599. 14, 1360), was Herzog Albrecht von Meklenburg anerkennt (8890, 1361). Den v. Lützow verleiht derselbe Fürst im Jahre 1365 in Dörfern des Landes Gadebusch omnes et singulas precarias tam estiuales quam hyemales nobis de jure uel consuetudine debitas, hactenus inpositas uel inponendas, . . . et eciam quascunque alias exacciones et talias nobis dari consuetas (9337). Helmold von Plessen und Genossen verkaufen fünf Hufen zu Timmendorf mit precaria, weiter sollen jedoch weder Bauern noch Käufer ad aliqua . . . vectigalium onera nec ad aliqua violentarum exactionum, prestacionum seu precariarum grauamina herangezogen werden (4178, 1320); ebenso 4180 und

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ähnlich, nur daß hier und da die precaria vorbehalten wird, 4433, 4479 (1323), 4525 (1324), 4692, 4695 (1326); precarie, exactiones, prestaciones, ministraciones 4927, 4928 (1328), 5221 (1331), 5404 (1333); prestationes, donationes, angarie, exactiones, precarie et depactaciones (5363, 1332); precaria . . ., exactionum, prestacionum, ministracionum, donacionum aut quorumcumque aliorum grauamina (5610, 1335). Verkauf von A.=Bukow cum omni precaria solita et insolita unter Befreiung von exactiones, prestaciones, seruicia et vectigalium onera solita vel insolita (6060 f., 1340). Der precaria steht gegenüber prestaciones vel (et) exactiones in 6208 (1342), 7432 (1351), exactio siue prestacio in 7433 (1351). Verleihung von Dörfern cum omnibus precariis et ministracionibus, unter Befreiung von exacciones oder exacciones, prestaciones für Landesherrn und Vögte 5359 (1332), 5748 (1337), 11228 f. (1379). Befreiung von exactio . . ., precarie, depactaciones 3063 (1306). - Als eigenartig, wie man jetzt gern sagt, füge ich noch eine Urkunde an, wonach Bischof Herman von Schwerin die von Schlemmin nach Moisall verlegte Pfarre mit zwei Hufen dort ausgestattet und für den Fall, daß aliqua depactacio seu exactio ibidem vigeret, den Pfarrer ab his oneribus und zugleich ab omni exactione, precaria et depactacione befreit und ihm und seinen etwaigen Bauern alle geistliche und weltliche Freiheit zugesichert haben soll (1017, 1264). Ich halte diese nur in Abschriften eines spätern Transsumpts erhaltene Urkunde für eine Fälschung wegen ihres Inhalts und ihres Ausdrucks, und die Ueberlieferung mag auch nicht ohne Ursache so mäßig sein. Die genannten Zeugen vermögen den Verdacht nur zu bestärken, wogegen Datirung und Beschreibung des Siegels für die Echtheit sprechen.

Es folgen die Urkunden, worin neben precaria petitio steht (wegen petitio violenta und precaria, petitio precaria s. vorher). An drei Stellen tritt das eine Wort für das andere ein M. U.=B. 1865 (1286), 2873 (1303) und 3089 B (1306); an andern ist petitio das umfassendere, wie es scheint: Verleihungen cum omni precaria . . . oder von omnes et singule precarie . . . et quicquid a nobis peticio dici potest (in futurum) oder quicquid a nobis . . . petere contingat in futurum M. U.=B. 10857 (1376), 11633 (1384), 11004(1377). precaria major et minor, simpliciterque illa peticio scilicet precaria, quam . . . petere contingerit 3022 (1305). precaria und seruicia petitionum 2415 B (1296; in A: exactio, precaria

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et molestia), 2514 (1298), 2726 (1301). peticio und (oder) precaria 3422 (1310), 5261 (1331, referirend in 5313 nur precaria), 11471(1382). precaria siue peticiones 4165 (1320). - peticio violenta uel precaria neben prestacio 2570 (1299). precaria, peticio seu tallia, exactio tallie seu precarie (Gen. Sing.), precaria et tallia in Einer Urkunde M. U.=B. 3645 (1313).

Andere Leistungen neben precaria: tallie M. U.=B. 5001 (1328). contributiones, vecture, vexaciones, angarie et p[a]rangarie et alie infestaciones 5316 (1332). Graf Nicolaus von Schwerin bestätigt dem Schweriner Kapitel seine Rechte und Privilegien circa aduocacias, prestaciones, euectiones, precarias justas et injustas 4786 (1326). prestaciones et donaciones neben precaria 4257 (1321), 4919, 4924 (1328), 5031, 5033, 5098 (1329), 7788 (1353). Verleihung cum omnibus precariis et ministracionibus quibuscunque 2452 (1297), 5611 (1335).

Wichtiger, aber unerklärt 1 ) ist das Auftauchen von grevenscat neben der Bede allerdings nur in zwei Urkunden, worin die Herrn Heinrich von Meklenburg, Vater und Sohn,, oder der letzte allein dem Lübecker Domkapitel sechs Hufen zu Holzendorf oder Gr.=Görnow bestätigen und die Bauern befreien ab omni exactione violenta seu precaria, a seruitio, quod borchwerch et bruchwerch dicitur, a greuenscat, vectura et aratura M. U.=B. 2612 (1300), 3126 (1306). - Nur der Vollständigkeit wegen sei endlich erwähnt, daß eine einmalige Leistung, zu der sich das Kloster Ivenack gegenüber Herrn Johann von Werle wegen Grischows und Weitendorfs verstand, in Gegensatz zu peticio seu precaria, deren es sich mit Erfolg erwehrte, subsidium caritatiuum benannt wird M. U.=B. 11471 (1382).

Der Verbindung exactio und precaria entspricht im Deutschen die von schattinge und bede, die freilich spärlich und spät 2 ) auftaucht. Zuerst in einer Uebersetzung von zweifelhafter Zuverlässigkeit. Verleihungen von alle landeschattinge (aller hande sch.?) vnd bede M. U.=B. 4026 (1318), mid aller bede . . . vnd mid aller schattinge 8220 (1356), bede, schattynghe . . . edder yengherhande vmplycht, de nu bedacht ys, efte de me bedenken moghe 10596 (1374), mit . . . bede . . . unde


1) Denn mit exactio comitum (S. 4 f.) kann es nicht auf gleiche Stufe gestellt werden, wenn jenes auch die genaue Uebersetzung hiervon ist.
2) M. U.=B. 377 kann als Fälschung (s. die Anm. zu M. U.=B. 1284) dem nicht entgegengehalten werden. scattinghe bei Fabricius, rügische Urkunden Nr. CCLXXXV i. J. 1300.
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mit al deme, dat de heren bidden vnde beden moghen . . . mit aller beschattinghe vnde dwanghe 11019 (1377). Verleihung von Besitz mit Eigenthum sunder alle denest vnde beschattinghe unter Vorbehalt der beede 9136 (1363). Befreiungen: will nyne hede . . . grot edder luttik edder andere bede, de noch nicht bedacht is, nyne boschattinghe d o n, nyne voderinghe, nyn legher, nyne hulpe esschen to lantwere edder to hervart 10604 (1374). Verleihung mit aller bede unter Befreiung von schattinge, bede, plicht edder vnplicht, deze jo tø van der herschop ghewezen syn edder nog mochten werden 11538 (1383). bede oder schat 9374 (1365). -Nach 1351 erscheint öfter die Formel bede, de wi bidden edder beden mogen. Die Stellen sind den Registern mühelos zu entnehmen. - In Schweden anlaghe edder bede M. U.=B. 10654 (1374).

Erörterung.

Aus dem Bisherigen dürfte sich ergeben, daß exactio (schattinge) von precaria (bede) sehr zu unterscheiden ist, wenn auch unleugbar daneben Beispiele vorliegen, wonach es auch als der umfassendere Begriff für dieses und synonym mit petitio und precaria angewendet worden ist. Vorzugsweise scheint es die Leistungen begriffen zu haben, die die Fürsten und ihre Beamten kraft ihrer obrigkeitlichen Gewalt entweder schlechthin erzwungen 1 ) oder an der Hand der Verpflichtungen zu Diensten oder des Gerichtszwanges den Unterthanen abgedrungen haben oder womit sie sich Erleichterungen hierin haben abkaufen lassen. petitio wird meist der precaria entsprechen, einem Ausdruck, der erst im letzten Viertel des dreizehnten Jahrhunderte in werlischen und erst nach 1300 in meklenburgischen Urkunden vorkommt, um rasch die technische Bezeichnung zu werden. Denkbar ist daneben, daß bede auch exactio vertreten kann. Durchaus zurückzuweisen ist die Auffassung Brenneckes, der auf Seite 31 gesetzmäßige Steuern, zu denen jeder einzelne gehalten und die er zu leisten gezwungen werden kann, mit gewaltsamen Erpressungen, exactiones violente gleichstellt. 2 )


1) So in M. U.=B. 1578 exactionem fecimus contra libertatem, quam habent. peticiones vel exactiones juste vel injuste M. U.=B. 1804.
2) Durch unerlaubte Auslassungen und Zusammenfassungen kommt B. hier und auf Seite 27 zu falschen Citaten. Weder steht in M. U.=B. 2570 precaria violenta noch in M. U.=B. 1550 peticio violenta. Daß B. solche »peticio violenta« für ordentliche Bede erklären kann (S. 27), würde unbegreiflich sein, wenn es nicht mit der oben zurückgewiesenen Auffassung zusammenhinge. Merkwürdig ist auch der Ausspruch (S. 31), daß die Bede in M. U.=B. 2893 precaria debita vel obligatoria genannt (  ...  )
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Von weit größerer Bedeutung und mehr Aufschlüsse verheißend sind die Urkunden über gemeine und außerordentliche Bede, die Brennecke von seiner Behandlung ausgeschlossen hat. Hierbei wird sich auch herausstellen, ob beides wirklich und immer dasselbe ist. Es empfiehlt sich eine Sonderung nach den Gebieten.

Stellensammlung.

I. Grafschaft Schwerin. Graf Günsel verleiht dem Kloster Zarrentin das Eigenthum von Bantin unter Vorbehalt der peticio, peticione in terra nostra habita generali M. U.=B. 801 (1257). Die Grafen verkaufen dem Schweriner Kapitel Dalberg und wollen nicht indebite petitiones und exactiones machen preter communes petitiones secundum consuetudinem actenus habitas et circa aliarum villarum nostri di[s]trictus homines obseruatas M. U.=B. 1213 (1271). Dieselben verleihen dem Domkapitel das Eigenthum von fünf Hufen zu Kramon unter Aufrechterhaltung der Verpflichtung der Bauern ad petitionem generalem M. U.=B. 1472 (1278). Im Jahre 1279 begnaden sie ihre Mannen in den Ländern Wittenburg und Boizenburg dahin, quod subditi ipsorum hoc anno tantum dabunt nobis pro peticione de quolibet manso marcam Lub. den. ea tamen condicione, quod . . . ipsos ab omni


(  ...  ) werde, wozu die in der Anmerkung gegebene Erläuterung in sonderbarem Kontraste steht. In Wirklichkeit erklären die Herzoge von Sachsen, eine im Lande Ratzeburg [und Dutzow] erhobene peticio sei nicht [ex. debito] vel ex jure, nec ipsam intendimus debitam vel obligatoriam reputare. Wenn sich hieraus auch ergibt, daß man eine peticio debita vel obligatoria kannte, so wird doch nimmermehr mit M. U.=B. 2893 belegt werden können, daß Bede precaria debita vel obligatoria genannt werde. B. hat natürlich in bestem Glauben citirt, aber doch falsch in fahrlässiger Weise. Leider kann ihm der Vorwurf nicht erspart bleiben, daß er das auch sonst gethan habe. So steht in M. U.=B. 9033 kein Wort davon, daß eine Pfändung na hovenrecht ausgeführt sei (S. 93), sondern nur daß der Vogt zu Teterow einem dortigen Bürger 7 1/2 Mark wendisch na hovenrecht vor bede unde denest an einem Bauern gewiesen habe, worauf jener, als der Bauer fluchtverdächtig ward, pfänden ließ. Die Urkunde ist schlecht überliefert, läßt sich aber herstellen. Z. 5 ist statt »vore« »woe« zu lesen. Z. 6 ist keine Lücke vor »heft«. Z. 9 l. »neddene. Des wart«. In derselben Zeile wird der Name falsch und statt dessen »Wangheline« zu lesen sein. Z. 12 mag es geheißen haben »dar he sine scnulde af hebben wolde«. Z. 15 »quam dar alz mit rechte to, dat Wangeline dar nicht af worden sine penninghe«. Auch in M. U.=B. 5123 finde ich keine precaria presentanda (S. 89 f.). sondern einen Vorbehalt von 40 marcis . . . ratione precarie presentandis. Diese Ungenauigkeit hat sich sofort gerächt. Denn auf die precaria presentanda gründet sich die Annahme einer Gesamtbesteuerung (S. 89), während in Wirklichkeit der Grundherr dem Landesherrn jährlich eine Abfindung für die Bede zahlte.
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peticione perpetuo habebimus supportatos, hoc tamen excepto 1) si aliquis nostrum occasione gwerre siue aliter casu inopinato ab hostibus caperetur . . .      2) vel saltem parwlos nostros thoro legitimo . . . locaremus tunc terram nostram petere possumus, ut nobis subueniant in subsidium expensarum M. U.=B. 1504. - Im Jahre 1313 verpfändet Graf Nicolaus dem Kloster Zarrentin precariam, peticionem seu talliam von Kl.=Welzin und elf andern Dörfern, hec autem precaria et tallia . . . stabit ad taxum illum et modum, quo cetere ville territorii Wittenborch talliabuntur a nobis M. U.=B. 3645. Aehnlich verkauft im Jahre 1330 Graf Heinrich der Stadt Schwerin Turow und verleiht ihr die bete dess gedachten gantzen dorffs uffzuheben nach summa der bete, die da alle jahr pflegt gegeben zu werden von den dörffern und gütern bey dem wasser Stepenitz gelegen M. U.=B. 5142. Zwei Jahre darauf verkauft er dem Kloster Reinfeld Wittenförden unter Befreiung von prestationes, donationes . . . exactiones, precarias et depactaciones mit dem Vorbehalte jedoch, cum precaria per totam terram danda fuerit, prouisor dicte ville de quolibet manso culto et possesso nobis duas marcas denariorum slauicalium presentabit, eciam si per totam terram de manso plus fuerit tribuendum; si vero minus quam duas marcas de manso dandum fuerit, et ipsi cum ceteris minus dabunt M. U.=B. 5363. Endlich verbessert Graf Nicolaus eine mit Pingelshagen u. s. w. bewidmete Vicarei mit der Bede und Diensten davon, ita videlicet quod quando, quociens aut quantumcunque nos . . . precariam de mansis territorii Zuerinensis recipere contingerit, tociens et tantum . . . vicarius . . . secundum quotam libere subleuabit M. U.=B. 8391.

II. Land Ratzeburg. Herzog Johann von Sachsen hat sich gegen gewisse Gnaden zur Schuldentilgung von jeder Hufe 12 ß. Hamb. bewilligen lassen und verspricht, nullam in bonis liberis 1 ) nostrorum vasallorum debemus facere peticionem siue exactionem aliquam de cetero uiolentam, sed prorsus predicta; et liberi homines . . . vasallorum absque aliqua exactionis siue peticionis specie deinceps remanebunt,


1) »Freie Güter« der Mannen dürften in Meklenburg nicht bezeugt sein außer in M. U.=B. 1040, wofür das Lübecker Kapitel das Formular geliefert haben wird. Bei uns hat man den Ausdruck Eigenthum vorgezogen, damit aber sehr häufig »frei« oder »Freiheit« verbunden. In M. U.=B. 1550 handelt es sich aber schwerlich um Eigenthum.
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exclusis illis qui nobis ad dandam sunt astricti peticionem et ligati (M. U.=B. 1550, 1280), eine Befreiung, die nach vollendetem Schuldabtrag bestätigt wird (1990, 1288). entsprechend erklärten im Jahre 1303 die Herzoge Albrecht und Erich, quod peticio, quam facimus in nostros homines et vasallorum nostrorum in terra Raceborch [et Duzow, non est ex debito] vel ex jure, nec ipsam intendimus debitam vel obligatoriam reputare M. U.=B. 2893.

III. Land Boitin. Der Bischof von Ratzeburg sichert dem Kapitel zu: in petitione, in exactione, cum fuerit instituta . . . de hominibus vestris dumtaxat mediam partem ad episcopum, mediam partem ad vsus vestros uolumus deuenire. . . . ordinando . . . ut peticio, quam confirmatus episcopus uel consecratus per totam terram Boytin facturus est, ad ipsum illa vice tantum ex integro pertineat . . . . libertas autem petendi, exigendi tam homines nostros quam vestros, dummodo fiat communiter de vtrisque, apud episcopum remanebit. M. U.=B. 1633 (1282).

IV. Mark Brandenburg. Im Jahre 1280 jurauimus (die Markgrafen) omnibus nostris vasallis promittentes . . . omne genus exactionis, precarie et parangarie per totam terram nostram omnimode esse mortuum et deletum M. U.=B. 1548. Im Jahre 1311 aber bestätigt Markgraf Waldemar dem Kloster Altenkamp den Hof Kotze mit den Dörfern Winterfeld, Wüsterade u. s. w. und befreit die Bauern . . . insuper ab omni exactione, si quam vniuersaliter in omnes vel particulariter in singulos nostre terre colonos facere nos contingat M. U.=B. 3475.

V. Land Werle. Von Schulden bedrückt petiuimus (die Herrn von W. Güstrow im Jahre 1276) nostros vasallos in den Ländern Gnoien und Güstrow vna cum subditis nostris spiritualibus, vt nobis venirent in auxilium . . . exaudientes nos taliter, quod de quolibet manso . . . simul cum mansis sub cultura ipsorum debent per triennium quolibet anno octo solidos . . . ministrare und befreien sie für die Zukunft ab hac peticione vorbehalten den Fall 1) aliquem filiorum nostrorum suscipere militaris dignitatem, 2) vel aliquam filiarum nostrarum marito copulandam, et per nos ipsos festum filii nostri vel filie nostre fecerimus, tunc vasalli nostri cum subditis nostris spiritualibus ad festum filii nostri de quolibet manso duos solidos, cultura eorum excepta, et ad festum filie nostre quatuor

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solidos in subsidium nobis dabunt M. U.=B. 1413 f. - Im Jahre 1285 danken andererseits die Herrn Nicolaus und Gebrüder von W.=Parchim ihren Mannen zu Röbel, Malchow, Wenden (Wredenhagen) für Uebernahme eines Theils ihrer Schulden und uasallos . . . cunctosque prefatorum terminorum agricolas . . . protestamur presentibus ab omni exactione peticionis fore perpetualiter liberos et exemptos tali autem condicione . . . interposita 1) si . . . nos . . . contigerit matrimonium contrahere 2) siue militarem recipere dignitatem, et si festa hec per nos . . . fuerint celebrata, tunc uasalli nostri de quolibet manso, cultura tamen eorum excepta, duos solidos nobis dabunt 3) si uero filiarum nostrarum aliqua desponsata fuerit, ad tale festum de manso quolibet nobis quatuor solidos erogabunt M. U.=B. 1781. - Allgemeineren Umfangs liegen, um das gleich anzuschließen, noch zwei Verträge vor. Einmal bestätigen im Jahre 1357 die Herren Nicolaus und Bernhard als Vormünder Herrn Johanns IV. von Goldberg der Stadt und dem Lande Malchin ihre Rechte, sie sollen nyne bede bydden oder beden yn der stad vnde yn deme lande bouen de bede, de by vnser vedderen tyden wesen hebben, tů sůnte Wolberghe daghe ene wendesche marc van der hůue, tů vnser vrůwen daghe alse se boren wart ene wendesche marck van der hůue, tů sůnte Mertens daghe twe wendesche marc van der hůue. Wy enscolen ock darbouen nycht bydden, wy endůn dat na rade vnde vulborth man vnde stede M. U.=B. 8310. Im Jahre 1374 aber verbinden sich die Städte Parchim, Malchin, Teterow, Lage zum Schutze ihrer Privilegien, ok schal neen stad zunderghen der h ee rscop nyner bede allene entwiden, wi enryden edder komen tůzamende vp ene stede vnde dreghen des ee n M. U.=B. 10635. - An einzelnen Befreiungen und Verleihungen ist anzuführen: Herr Johann I. verleiht im Jahre [1279] der Pfarre zu Wattmannshagen das Eigenthum von drei Hufen und acht Kathen daselbst cum omni precaria, qvotiescunque, qvandocunque et qvantumcunque de aliis mansis in terris nostris petierimus, toties et tantum predicto rectori . . . debent cedere M. U.=B. 1490. Herr Nicolaus II. befreit im Jahre 1301 zu Gunsten Darguns die Bauern zu Benitz und Gilow von den Münzpfenningen et ab omni prorsus precaria et exactione, si quam vniuersaliter in omnes siue particulariter in quosdam nostre terre colonos facere nos contingat M. U.=B. 2750. Er sieht

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den Fall vor, quod dominus Johannes (v. Bellin) a nobis suum judicium et precariam (d. h. die auf seine Erbgüter bezüglichen) emerit, sicuti alii milites et vasalli M. U.=B. 2861 (1303). Nach einer falschen Urkunde hätte er im Jahre 1304 dem Kloster Ivenack seinen Besitz cum precaria bestätigt; preterea si contigerit necessitate cogente nos . . . facere peticionem generalem vel peticiones generales in nostro territorio, eciam quociens hoc contigerit, volumus null[u]m nobis . . . fieri a predictarum villarum villanis subsidium, sed volumus illam peticionem seu peticiones ex eisdem villis dem Kloster zu Gute komme M. U.=B. 2937. Der Stadt Plau verkauft er im Jahre 1308 das Eigenthum von Quetzin frei ab omni precaria petitione, quam nos petere contigerit in futurum M. U.=B. 3220. In demselben Jahre ferner verleiht er dem Domkapitel zu Güstrow das Rodeland zu Simitz, ut . . . numquam ad exactionem aut jus precarium, si quod in terra fuerit, . . . teneantur M. U.=B. 3238. Aehnlich sind M. U.=B. 3345 (1309) und 5154 (1330). Uebersetzung davon wird landtbede sein, das im Jahre 1308 und 1320 M. U.=B. 7258 und 7290 vorkommt in Vereignung von zwei Hufen zu Möderitz »mit der landtbede, der ihn thokumptiger tidt vns in vnserm lande tho biddende nodig werden vorfallen« und in Verpfändung derselben über zwölf Hufen ebenda »vnsere landtbede . . . , die landtbeden m o gen nomen hebben wo sie jummer konnen . . . dat sie gelick, also wi alle jar die landtbede konnen vnd mogen . . . ihnfordern«. - Im Jahre 1309 gewähren die Herren Nicolaus und Johann dem Kloster Neuenkamp, daß die Mönche von Augzin in Zukunft, cum mans[u]s in terra nostra in exactione soluerit vnam marcam, fünfzehn Mark zu zahlen haben M. U.=B. 3271. In den Jahren 1341 und 1344 aber verleiht Herr Johann III. precarias oder precariam, quando et quociescumque ips[a]s nobis petere contingerit M. U.=B. 6124. 6401. - Herr Bernhard verkauft im Jahre 1350 nach einer vielleicht fehlerhaften Uebersetzung von drei Hufen zu Varchentin alle bede . . . myt der ringhesten bede tor brudtlacht der hoghene efte alle der anderen, efte wy welke in deme gantzen cerkel des jares beden M. U.=B. 7033. Derselbe vereignet sechs Hufen zu Gotthun cum omni precaria . . . generali et speciali M. U.=B. 8628 (1359). - Herr Nicolaus III. vereignet im Jahre 1353 dem Kloster zum hl. Kreuze zu Rostock Schwisow.Zeez u. s. w. und verleiht alle bede vryg, dat wy øk ene mene lantbede deden th oe vnsen noden,

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der bede schølen desse vorscr. dorp . . . vryg wesen vnde darth o al der bede, de wy edder vnse eruen bydden edder beden møghen tø th oe komenden tyden M. U.=B. 7710. - Joachim Nortman verkauft im Jahre 1365 Hebungen aus Glasewitz und Prutzekendorp, nec debent coloni per me . . . vltra debitam et consuetam precariam terre . . . angariari . . . nec michi . . . ad aliqua seruicia seu exactiones obligari M. U.=B. 9325. - Herr Johann IV. verleiht im Jahre 1370 Eigenthum von fünf Hufen auf dem Stadtfelde von Parchim und Hebungen aus vier Kathenstellen zu Möderitz cum . . . precariis majoribus et minoribus et . . . exaccionibus . . . et si nos . . . in terris nostris aliquas exacciones speciales facere contingeri(n)t seu precarias, illas . . . de cultoribus dictorum mansorum [et] de kotis . . . sibi optinebunt M. U.=B. 10014. - Herr Lorenz endlich verpfändet im Jahre 1371 seine Rechte an sechs Hufen zu Gutow mid allerleye bede, de wy pleghen to biddende vnde noch vp eyn nye bidden moghen an tokomende jaren (M. U.=B. 10169), verkauft eine Rente zu Niex de precariis nostris, wobei ein etwaiger Fehlbetrag zu ersetzen ist ex aliis precariis nostris specialibus annone uel pecunie, eciam que pro nunc excogitari non poterunt (M. U.=B. 10296), vereignet im Jahre 1377 Karnitz myd aller bede, de me bydden edder beden mach . . . weret ouer dat wy dorch vnser nod edder vnses landes nod willen ouer dat land ene mene bede beden, der vns de mene man twydeden, der scolen se vns nicht weren (M. U.=B. 11015), verpfändet im Jahre 1382 Stadt und Land Neu=Kalen mit aller beede . . . , de loss ist oder noch loss werden magk, welche tidt vnd wanne wy . . . bidden edder beden se in vnsen anderen landen (M. U.=B. 11402), desgl. zu Gerdshagen alle bede . . . , de wy bidden edder to tokomener tyd beeden edder bidden moghen. . . . weret dat wy . . . dorch vnser vnde vnses landes noet willen ene bede beden van vsen mannen menliken gestlik vnde werlik, der ze vns twydeden van gnaden, der scholen de bůre . . . vs nicht gheuen, wy en moghen dat beholden van gnaden . . . des prouestes vnde conuentes (M. U.=B. 11480 B).

VI. Land Rostock. Herr Waldemar spricht im Jahre 1271 die homines des Klosters Dargun in seinem Gebiete frei ab omni infestatione aduocatorum et judicum, ab . . . theloneorum, peticionum, vectigalium extorsione . . . , ut nemini quicquam ex debito nisi soli deo et monasterio teneantur, nisi forte . . .

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vniuersalis necessitas nobis et terre nostre incumbat (M. U.=B. 1233).

VII. Meklenburg. Herr Heinrich II. bestätigt im Jahre 1298 zu Gunsten des Lübecker Domkapitels die Freiheit von Fährdorf und Duden=Stiten ab omni vectionis et exactionis onere und von collectis, talliis et precariis, etiam si nostro nomine per totam terram facte fuerint (M. U.=B. 2480 f.), ähnlich im Jahre 1308 wegen Gr.=Görnow 1 ) (M. U.=B. 3245). Dem entsprechend wird auf die Klage des Kapitels wider Herzog Albrecht wegen unrechtmäßig geforderter tallie et exactiones im Jahre 1360 erkannt, daß die Herzoge von seinen bedefreien Gütern non debent . . . aliquas injurias, violencias, tallias et exactiones . . . auf vectigalia siue aliquas precarias, etiam si speciales siue generales precarias auf subsidia per totum eorum dominium et districtum peterent et reciperent, quacunque causa vel necessitate . . . inponere vel inferre vel ab eis petere und daß in jenen Fällen das Kapitel solche Bede für sich erheben könne (M. U.=B. 8599, 14), was der Herzog im folgenden Jahre anerkennt (M. U.=B. 8890). -. Aehnlich befreit Herr Heinrich im Jahre 1303 zu Gunsten Cismars die Bauern zu Warkstorf ab omni onere exactionis . . .; si eciam peticionem in terra nostra recipere decreuerimus generalem, coloni . . . nullam precariam nobis dabunt (M. U.=B. 2873). Während er aber im Jahre 1305 die Bauern von Mittel= und Hinter=Wendorf ab omni jure secularis potestatis entbindet, bedingt er, quod, si generalem exactionem seu precariam per totum nostrum dominium fecerimus, tunc . . . , licet quod mansi alibi . . . plus dederint quam vnam marcam, . . . predictorum mansorum cultores semel in anno . . . nobis . . . simpliciter dabunt vnam marcam, si vero minus quam vnam marcam de manso per territorium nostrum pecierimus, tunc . . . similiter minus dabunt M. U.=B. 3040. Wiederholt M. U.=B. 6629 (1346). Die Höhe dieser Bede ward im Jahre 1328 secundum statutum communis terre auf 8 ßl. lübisch normirt 2 ) M. U.=B. 4891, vgl. 6629. Noch anders gestaltet sich


1) Im Jahre 1325 vereignet Herr Heinrich den Brüdern v. Zernin dies Dorf cum . . . omni precaria seu exactione, sicut generaliter . . . in terra nostra singulis annis ordinamus precariam seu exactionem M. U.=B. 4597. Vertrag zwischen dem Kapitel und den v. Zernin 5343.
2) Es handelt sich keineswegs, wie man es nach dem Regest der Urkunde glauben sollte und wie Brennecke Jahrb. 65 S. 51. Anm. angibt, um eine Herabsetzung der Abgabe, sondern einfach um eine Umrechnung gemäß den veränderten Währungsverhältnissen.
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die Behandlung Kritzows. Auch dies wird im Jahre 1314 ab omni jure secutaris potestatis befreit, indessen, cum generalem peticionem per nostrum dominium fecerimus, abbas . . . quemadmodum aliarum ecclesiarum prelati . . . non inmerito nos tenebitur exaudire salvis novem et dimidio mansis . . . quos prefatus Heyno (v. Stralendorf) de curia sua coluit aliquando, quos ab hac exactione seu precaria omnimode libertamus M. U.=B. 3694 (im Jahre 1327 verkauft Cismar eine Hufe sine precaria 4827). - Herr Heinrich vereignet lübischen Bürgern im Jahre 1310 halb Redentin zu kirchlicher Freiheit ita, quod . . . nec nobis . . . teneantur ad aliquas exactiones, Diensten, seu peticiones precarias aut violentas, nisi communem et generalem peticionem in terra nostra tollere nos contingat (M. U.=B. 3425), verleiht Hufen zu Gögelow und Pastin myt aller bede . . . , wan ere dat wy . . . auer vnse gantze land bede d oe n, so scholen desse . . . nynerleye wys bede gheuen (M. U.=B. 4612, 1325). Im Jahre 1355 verpfändet Herzog Albrecht dem Kloster Doberan Gerichtsbarkeit und precarias majores zu Gr.=Grenz, Gr.=Bölkow, Ibendorf in einem Ertrage von 30 Mark, si vero precarias medias vel integras aliquibus collatas seu obligatas vniuersaliter per terras nostras petere nos contigerit, tunc abbas et conuentus 30 m. . . . subleuabunt (M. U.=B. 8044). Herzog Johann von Stargard vereignet im Jahre 1366 Besitz zu Küssow), sunder de bede, de wi menelicken bidden in dat landt, de beholde wi (M. U.=B. 9530). - Im Jahre 1306 vereignet Herr Heinrich dem heil. Geiste zu Lübeck Wolde als vier Hufen haltend frei von Nachmessung et de eis questus peticionis nostre, cum imminet cunctis ecclesiis terre nostre, nisi (nur) pro quatuor mansis recipiatur (M. U.=B. 3090). Er unterstellt im Jahre 1315 neun Hufen zu Kl.=Raden ecclesiastice ditioni dergestalt, si persone claustrales, quibus simili modo ut istis precaria libertata est . . . , una cum vasalli[s] nostri[s] communiter ad instantias nostras precariam nobis tribuerint, ipsi . . . talem precariam similiter et nullam aliam nobis dabunt (M. U.=B. 3782). Er schenkt endlich im Jahre 1328 dem Kloster Ribnitz das Land Zwantwustrow unter Verzicht auf omnibus justiciis et seruiciis, que nobis . . . de consuetudine uel de jure jam competunt uel competere poterunt in futurum, sicut sunt exactiones, precarie . . . , quod eadem in posterum eciam de gracia petere non debemus, non obstante necessitate quacunque nobis uel terris nostris quomodolibet imminente,

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in qua eciam de bonis ecclesiarum vel personarum ecclesiasticarum de mero jure possemus recipere tallias seu collectas, und überträgt die vorerwähnten Gerechtigkeiten dem Kloster (M. U.=B. 5002). - Herzog Albrecht bestätigt im Jahre 1333 dem Kloster Boitzenburg Rosenow cum precaria, exactionibus mit dem Vorbehalte, daß Kloster und Bauern ad ministracionem exactionum et precariarum prestacionem . . . ut ceteri subditi vasallorum nostrorum proprietatem eciam suorum habentium bonorum nobis . . . obligentur (M. U.=B. 5415). Derselbe verpfändet kraft einer etwas verdächtigen Urkunde im Jahre 1355 die Vogteien Kriwitz und Meklenburg mit schote, mid pacht . . . mit aller bede, wanne, wo dicke vnd wo vele wi se bidden in vsen anderen landen, se si welkerleye se si, beyde van egendome vnd van anderen gude (M. U.=B. 8073). Sein Bruder aber Herzog Johann von Stargard vereignet im Jahre 1354 zu einer kirchlichen Stiftung acht Hufen zu Konow mit aller bede . . ., weret ouer dat wy . . . ene bede beden ouer den meynne eyghendom in vnseme lande, der vns ghetwydet worde, so scholen dy vorbenumeden. achte huuen nicht mer beden wenne vor vier huuen (M. U.=B. 8016). - Lübische Bürger erwerben von Berthold Preen und Genossen Hufen zu Timmendorf und Neuburg unter Befreiung de omnibus seruiciis, precariis, exactionibus, prestacionibus, ministracionibus et quibuscunque aliis grauaminibus nobis (Verkäufern) aut cuicumque alteri (sublimi vel humili) siue sollempnitatibus nupciarum, puerperiorum vel miliciarum siue in necessitatibus gwerrarum, oppressionum (in 5221 verschrieben expressionum), indigenciarum, egestatum seu causarum aliarum quibuscumque casibus emergencium faciendis, was auch in den Bestätigungsurkunden vom Herzoge als ihn verbindend anerkannt wird M. U.=B. 4927 f. (1328), 5404 (1333), 5221 (1331). Aehnlich bestätigt Herzog Albrecht auch lübischen Bürgern den Hof auf dem Felde und dessen Freiheit de omnibus seruiciis, precariis, exactionibus et ab vniuersis aliis grauaminibus gemäß alten Urkunden, nec eciam in sollempnitatibus nupciarum, puerperiorum siue in necessitatibus gwerrarum nobis . . . seu aliquibus aliis personis aliqualem opem rebus uel corpore tenebuntur ministrare M. U.=B. 6360 (1343). - Herzog Albrecht bestätigt Gerh. Bussel Hufen zu Gr.=Niendorf cum . . . precariis . . . exactionibus . . ., et si nos . . . in terris nostris aliquas speciales exacciones seu precarias

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facere contingerit, quas (d. i. eas) dictus G. B. suique heredes . . . sibi obtinebunt M. U.=B. 6539 (1345). - Frau Anastasia behält im Hofe auf dem Felde zu Pol für ihre Lebenszeit den questus peticionis, sicut est in tota terra Pole seruatus, cum communiter imminet (M. U.=B. 3089 A; in B von Herrn Heinrich beurkundet: si peticionem in terris nostris facere nos continget, 1306). Ebenso wird bei Verkäufen von andern Gütern auf Pöl unter Befreiung von violente exactiones, prestationes seu precarie die entweder dem Käufer oder den v. Plessen und Genossen zu leistende precaria auf den Satz festgelegt, prout de mansis per communem terram Pole dabitur (oder ähnlich) M. U.=B. 4433, S. 103 (1323), 4525 (1324), 4692 (1326), sicut eam per communem terram de singulis mansis aliis duxerimus sustollendam M. U.=B. 4479 (1323), secundum communem inposicionem . . . per totam terram dominii Magnopolensis M. U.=B. 4257 (1321), 4919, 4924 (1328), 5031, 5033, 5098 (1329), 7788 (1353), sicut dominus noster Magnopolensis eam in tota terra sua Magnopolensi duxerit postulandam M. U.=B. 4695 (1326), 4887 (1328), wogegen es in der Bestätigung heißt: sicuti nos . . . eam de mansis in terris nostris duxerimus assumendam M. U.=B. 4889. Andere Verleihungen ut nos . . . in terra nostra annis singulis ordinamus et statuimus precariam seu exactionem M. U.=B. 3932 (1317), sicut generaliter . . . in terra nostra singulis annis ordinamus precariam seu exactionem 4597 (1325). Vorbehalt der precaria nuda, prout ipsam dominus noster Mangnopolensis in terris suis generaliter pecierit, vltra quod ipsam non exaltabimus 6174 (1342), von precaria nostra, quam et qualem ab aliis mansis et bonis nostri dominii pecierimus, nichilque vitra hoc indebiti seruicii seu exactionis velimus postulare 6021 (1340), precaria nostra, quantam super omnes terras nostras generaliter accipimus et accipiemus 6353 (1343), precarie nostre, quales communiter per terras nostras in aliis villis accipimus, oder der precaria, qualem communiter per terras nostras de aliis villis pro tempore petimus unter Befreiung von weiteren exactiones (und prestaciones) 6772 (1347), 7432 (1351), von talis precaria (für die v. Barnekow), qualem ex aliis mansis in terris nostris communiter petemus, unter Befreiung von weiterer exactio siue prestacio 7433 (1351); reseruata duntaxat dominis terre precaria . . ., sicut alii mansi in territorio communiter dare precariam solent 8096 (1355. Vgl.

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8114. 8116 f.). Verleihung von precaria tociens et tanta, quociens et quantam nos . . . recipiemus ab aliis colonis nostre terre unter Befreiung von weitem exactiones und prestaciones (oder ähnlich) M. U.=B. 5359 (1332; wiederholt 11228 f. 1379), 5748 (1337), ohne Hervorhebung dieser Befreiung 5864 (1338), 6341 (1343), 6976 (1349), 9379 (1365), quotienscunque, quandocunque et quantumcunque de aliis mansis in terris nostris petierimus 6084 (1340). precariam, quam eundem dominum nostrum Magnopolensem de in colis terre sue recipere contigerit singulis annis, . . . episcopus . . . recipere potest de dictarum villarum colonis 5803 (1337). - Vorbehalt der consueta oder solita precaria M. U.=B. 3305 (1309; unter Verzicht auf alles, quicquid nobis . . . vom Neulande posset deriuari nomine precarie), 5999 (1339). - Gewisse Hufen sollen nur halbe Bede geben und auch were dat wy . . . to jeneghen tyden . . . bede m er beden in vnsen landen, so schollen de . . . gheuen halue bede 11118 (1378). - Wenig Greifbares bieten precaria annalis, quam . . . tollere debuimus 3315 (1309), bede wy bydden wo dicke wy bydden 3564 (1312), precaria quocienscumque ipsam petere nos contigerit 4772 (1326), watte bede wy bidden in vnsen landen 4959 (1328), Vorbehalt von annona tantum, que racione precarie nobis . . . de mansis uillarum terre nostre dabitur, pro sua porcione 4960 (1328), precarie quas in nostro dominio petierimus 5971 (1339), bede . . . vnde wor wy dat an biddet vnde wor dat van vallen mach, vnde wes wy biddet in vnsen landen oder an vnseme (l. vnser) lande en oder an anderen voghedyen 8220 (1356), bede de me ouer di houe alle jar likes biddet vnd wen me si biddet 9596 (1367; Abschrift), wen me sie biddet vnd wu me si biddet 9691 (1367), wo wy se in vsem lande bidden 10152 (1371), wo dicke, wo vaken vnd wo vele wy bidden 10379 (1372), wenne vnd wo dicke wy de bidden in vsem lande 10624 (1374), 10983 (1377), also dicke vtthogheuende vnde vpthoborende, also dicke vnde wo vele vnse here van Mekelenborgh bede biddet in dem lande 10798 (1375), de de heren van deme lande bidden 11545 (1383), 11604 (1384).

Erörterung.

Nehmen, wir vorweg, was auf der Hand liegt, so zeigt sich, daß in gewissen Fällen die Landesherren besondere Beden von allen Bauernhufen (Werle), vom Lande (Schwerin) beanspruchen konnten: bei Ausstattung von Töchtern (Schwerin, Werle, Meklen=

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burg), bei eigner Heirath (Werle, Meklenburg), beim Ritterschlag von Söhnen oder auch der jungen Herren selbst (Werle, Mellenburg), bei Kindbett der Frauen (Meklenburg), bei Gefangenschaft (Schwerin). Dabei ist zu bemerken, daß nur werlische Urkunden dafür feste Ansätze geben und zur Bedingung machen, daß die Herren die Feste selbst aussteuern, und daß die meklenburgischen Urkunden fast ausnahmelos Pöl betreffen und in erster Linie das Recht der damaligen Eigenthümer dieser Insel, der v. Plessen, Preen, v. Stralendorf, auf solche Steuer zu bezeugen scheinen. 1 ) Eine dieser Beden besteht noch als Prinzessinnensteuer zu Recht.

Anders wird es um die Bede in Anlaß von Kriegsnoth und Schulden bestellt gewesen sein, obgleich sie in den Pöler Urkunden unmittelbar neben jenen und scheinbar ihnen gleich steht. Denn auf dies Nebeneinanderstehn läßt sich, weil es sich um Freisprechen von solchen Forderungen handelt, kein Beweis gründen, zumal andere Urkunden für diese Bede ständische Bewilligung voraussetzen. So sind im Lande Werle in den Jahren 1276 und 1285 von Mannen und Geistlichkeit Beden zu Schuldentilgung bewilligt (M. U.=B. 1413 f., 1781), und ebenda wird mit der Möglichkeit allgemeiner Beden necessitate cogente, tho vnsen noden, dorch vnser nod edder vnses landes nod willen, dorch vnser vnde vnses landes noet willen gerechnet in Urkunden von den Jahren 1304, 1353, 1377, 1382 (M. U.=B. 2937, 7710, 11015, 11480 B), von denen die erste zwar unecht ist, die beiden letzten aber das Erforderniß einer Bewilligung von den Mannen oder von diesen und der Geistlichkeit bezeugen. Bloß angedeutet werden Ansprüche des Herrn des Landes Rostock im Falle einer vniuersalis necessitas seiner und des Landes M. U.=B. 1233 (1271). Für Meklenburg liegen nur zwei Zeugnisse 2 ) für Bewilligung vor, wobei freilich der Anlaß nicht erwähnt wird, aber nicht fraglich sein kann; denn daß ohne Bedürfniß, ohne not oder necessitas an keine ungewöhnliche Bede zu denken war, versteht sich von selbst. Beden wegen Nothlage werden außer in den Pöl betreffenden Urkunden aus den Jahren 1328-1333 (M. U.=B. 4927, 4928, 5221, 5404) und 1343 (M. U.=B. 6360) noch zweimal erwähnt im Jahre 1328 (M. U.=B. 5002) und im Jahre 1360 (wo ein Erkenntniß auf


1) Nach Aufzeichnungen des Jahres 1573 fordern die v. Maltzan von den Bauern zu Gilow die Zulage, wenn ein Maltzan eine Tochter ausgibt oder selbst Hochzeit hält. Lisch, Maltzansche Urkunden III, S. 147.
2) M. U.=B. 3782 (1315), 8016 (1354).
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Bedefreiheit erwirkt wird quacunque causa vel necessitate M. U.=B. 8599, 14; anerkannt im folgenden Jahre 8890).

Wenn hiernach in besonderen Notfällen die Landesherren damit rechneten, von ihren Ständen, insbesondere ihren Mannen und der Geistlichkeit 1 ) besondere Bede bewilligt zu erhalten und solche Bede einige Male bezeichnet ist als peticio generalis M. U.=B. 2937 (Werle), mene lantbede 2 ) M. U.=B. 7710 (Werle), mene bede gehend ouer dat land M. U.=B. 11015 (Werle), als ouer den meynne eyghendum gehend M. U.=B. 8016 (Stargard), speciales siue generales precarie per totum dominium M. U.=B. 8599, 14, 8890 (Meklenburg), so scheint es damit entschieden zu sein, daß generalis petitio oder precaria, die mene bede oder mene lantbede eine außerordentliche Bede gewesen sein müsse. Und doch wäre es möglich, daß dieser Schein trügt. Schon im letzten Beispiele finden wir speciales siue generales precarie beisammen und begegnen dieser Verbindung auch M. U.=B. 8628 (Werle) und allein exacciones speciales seu precarie M. U.=B. 10014 (Werle) und 6539 (Meklenburg). 3 ) Zudem finden wir in der Grafschaft Schwerin Unpflichtige petitiones und exactiones geschieden von communes petitiones secundum consuetudinem . . . et circa aliarum villarum . . . homines obseruatas (M. U.=B. 1213) und müssen uns der mehrfachen Beschränkung der Bedeforderung auf den Betrag oder in Anlehnung an den Betrag, in dem die Bede in der Nachbarschaft oder im ganzen Lande (cum communiter imminet, sicut generaliter . . . ordinamus, sicut per communem terram . . . dabitur, prout . . . generaliter pecierit, secun-


1) Angemerkt sei, daß die Geistlichkeit bei Gelegenheit außerordentlicher Bewilligungen, um unliebsamen Folgerungen vorzubeugen, die Bezeichnung Bede zu vermeiden suchte und lieber den Titel Geschenk wählte. Vgl. M. U.=B. 2922, 2923; auch 3383 und 11471, f. S. 20.
2) Später ist das anscheinend ständige Einrichtung. Vgl. die Bruchstücke aus erhaltenen Registern über Landbede in der Geschichte der Geschlechter der v. Zepelin (B. S. 121, 1518) und v. Blücher (I. Nr. 605, 1528), die Berufung auf die Bewilligung der gewonlichen landtbeth durch die Stände, Jahrbuch 13, S. 306 f. (1529), die Verhandlungen mit den v. Pentz wegen der ingerumden landtbede eren forsten tho geuende noch gewo[n]liker wysze (v. Meyenn, Pentz I S. 298 f., 1530).
3) Die precarie speciales von M. U.=B. 10296 sind anders zu erklären, nämlich aus der gemeinsamen Herrschaft der Brüder Lorenz und Johann V. Wie die Vereignung von Zarchelin sine exactione speciali vel seruiciis, que ad edificia castrorum pertinent (M. U.=B. 714 im Jahre 1253) zu deuten sein mag, lasse ich in Ermangelung aller Anhaltspunkte auf sich beruhen.
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dum communem imposicionem) eingefordert werden würde, erinnern, ebenso der für das Land Boitin im Jahre 1282 gestellten Bedingung dummodo fiat communiter (M. U.=B. 1633), endlich auch der in Werle und Brandenburg in den Jahren 1301 und 1311 gemachten Unterscheidung si quam (precariam et exactionem) vniuersaliter in omnes siue particulariter in quosdam nostre terre colonos facere nos contingat (M. U.=B. 2750. 3475) gedenken. Denn wenn auch einzuräumen ist, daß speciales petitiones neben generales gestellt nur eine Füllung sein könnte, wozu der Ausdruck lockte, so sind doch die übrigen Stellen nicht anfechtbar und es kann nicht bestritten werden weder, daß die speciales petitiones Beden aus besonderm Anlaß, außerordentliche Beden gewesen sein müssen, noch daß es zu nahe lag, die per communem terram, communiter, generaliter eingeforderte oder gezahlte Bede, also die ordentliche, gemeine Bede als generalis petitio, communis petitio, mene bede, mene lantbede zu bezeichnen, als daß es nicht geschehen sein sollte. Zu ungleichmäßiger Behandlung aber der Bedepflichtigen forderten alle Verhältnisse heraus, da die Bauern des Domaniums Bedeforderungen wehrloser gegenüber standen als die der Mannschaft und der Geistlichkeit, denen daran liegen mußte, ihren Zins nicht durch übermaßige Bedeforderungen beeinträchtigt zu sehen, so daß eine verschiedene Behandlung nicht nur denkbar, sondern auch wohl thatsächlich eingetreten ist. Zu weitern Ungleichheiten konnte es nach den verschiedenen Territorien kommen 1 ). Auch kann man mit der Möglichkeit von Ermäßigungen oder selbst des Fortfalls gerechnet haben, wie man sich noch weit später, theilweise vielleicht jetzt noch, Illusionen bei Steuern hingegeben hat und hingibt, oder so thut. 2 ) Zu einer sichern Kenntniß dieser Dinge reichen die Urkunden bei weitem nicht. Daß aber Beträge und Hebungstermine verschieden gewesen, steht


1) Hierfür bietet das Verzeichniß über die Martini 1314 im Lande Rügen erhobene Bede einen trefflichen Beweis. Denn während sonst von jedem Haken 12 ß zur Hebung kamen, wurden im Lande Wittow nur 8 ß erhoben. Fabricius, rügische Urkunden, Nr. CCCCL.
2) Einige Urkunden von besonderer Beweiskraft finde ich im Nachbarlande Rügen, wo im Jahre 1306 Fürst Wizlav von Rügen Besitz zu Rothenkirchen verkauft reseruantes nobis . . . peticionem seu precariam semel in anno, et eciam si pluries peticionem receperimus in anno in aliis nostris bonis, si vero nullam peticionem in bonis aliis nostre terre receperimus, extunc antedicta tercia pars ville siue ejus inhabitatores sint liberi et soluti (oder ähnlich). Fabricius, rügische Urkunden Nr. CCCLIV-CCCLVI.
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fest. 1 ) Andererseits muß die Willkür eine Grenze gehabt haben, da einige Male solita petitio, solita und consueta, debita et consueta precaria erscheint: in Meklenburg 1308, 1309, 1339, 1340 (M. U.=B. 3237, 3305, 5999, 6060 f.), in Werle 1357 und 1365 (M. U.=B. 8310, 9325) und in der Grafschaft Schwerin schon im Jahre 1271 communes petitiones secundum consuetudinem (M. U.=B. 1213).

Ich behaupte also, daß generalis oder communis petitio oder precaria, mene bede, mene lantbede nicht ohne weiteres außerordentliche Bede ist und insbesondere nicht die in Anlaß von Hochzeit und Ritterschlag geforderte Bede bedeutet hat. Dagegen leugne ich nicht, daß mit diesen Ausdrücken auch eine ungewöhnliche oder außerordentliche Bede bezeichnet worden, indem der Fall in Betracht gezogen, daß die Landesherren entweder unter Aufhebung der Befreiungen und Verleihungen die gewöhnliche Bede in ihrem ganzen Gebiete oder neben der gewöhnlichen ihnen z. Th. abhanden gekommenen Bede eine neue allgemeine Bede fordern wollten. Denn daß des öftern die generalis precaria, die mene bede Nichtherkömmliches meint, ist außer Streit und beweisen für die Grafschaft Schwerin M. U.=B. 5363 (1332), für Werle M. U.=B. 2937 (unechte Urkunde vom Jahre 1304), 7710(1353), 11015(1377), 11480 B (1382), für Meklenburg M. U.=B. 2873 (1303), 3040 (1305), 3425 (1310), 3694 (1314), 4612 (1325), 8599 (14, 1360), 8890 (1361). Zweifelhaft erscheint mir dagegen die Auslegung von M. U.=B. 801 (1257, Grafschaft Schwerin), 8628 (1359, Werle) und 9530 (1366, M.=Stargard), und es wird sich die Möglichkeit nicht abweisen lassen, daß Aussteller und Empfänger der Urkunden sich in diesen und ähnlichen Fällen Verschiedenes gedacht haben, wie es Herzog Albrecht und seinen Berathern offenbar nicht leicht geworden ist, zuzugeben, daß die collecte, tallie et precarie, etiam si nostro nomine per totam terram facte fuerint (M. U.=B. 2480 f., 3245, 1298 und 1308) anderes als die gewöhnliche über das Land gehende Bede bedeuten sollte, und wie die Auslegung vieler der auf S. 31 f. angeführten Urkunden jederzeit Streit heraufbeschwören konnte.

Daß nun die über das ganze Land in Ausnahmefällen vom Landesherrn eingehobene Bede keine außerordentliche zu sein brauchte, erweist wenigstens Eine Urkunde M. U.=B. 8044 (1355), wonach Herzog Albrecht an die Möglichkeit dachte precarias . . .


1) Darüber unten.
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aliquibus collatas seu obligatas vniuersaliter per terras nostras petere, wenn nicht im ganzen Betrage, doch wenigstens zum Theile. Was aber hier unzweideutig ausgesprochen ist, wird auch der Sinn anderer Stellen sein, namentlich von M. U.=B. 5415, 8016 und 8073. 1 ) Dann hätten nur nach dem Muster kirchlicher Besteuerung die in den Besitz von Bede gekommenen Geistlichen, Mannen und Bürger einmal auf diese Hebungen verzichten sollen, ohne daß die Bauern neu besteuert wären. Denn Befreiung und Verleihung von Bede wird wenigstens in dieser Zeit für die Bauern im ganzen auf dasselbe hinausgekommen


1) S. die Auszüge auf S. 30. So wird auch 7859 zu verstehn sein, obgleich der Ausdruck der nur in später Abschrift (oder Uebersetzung) erhaltenen Urkunde reichlich dunkel ist. Auf keinen Fall ist Eigenthum hier als liegendes Gut in Gegensatz zu fahrender Habe aufzufassen, wie Brennecke die Stelle auf S. 39 Anm. 3 ausdeuten zu müssen glaubt, denn von fahrender Habe ist, wenn nicht Erträge der Landwirthschaft als solche angesehen werden sollen, nie Bede erhoben. Noch auf S. 18 Anm. 1 äußert sich B., hier unter Berufung auf Hegel, über den Begriff des Eigenthums in den meklenburgischen Urkunden in einer Weise, die ich als richtig nicht anzuerkennen vermag. Er sagt, dieser Ausdruck werde allgemein gerade für Ueberlassung herrschaftlicher Rechte gebraucht und bedeute nicht etwa gänzliche Uebereignung, Aufgabe des Lehnsverhältnisses, sondern das bleibe dabei bestehn. Das ist eine Erklärung, die das Mißverständniß geradezu herausfordert, während Hegels Darstellung viel weniger der Anfechtung unterliegt. Der Begriff des Eigenthums ist in unsern Urkunden nicht abgerundet und fest umrissen, und es macht einen Unterschied, wem es verliehen wird. In der ältesten Zeit erwerben es fast nur die Kirche oder kirchliche Institutionen, höchst selten Bürger und Mannen, und diese in der Regel mit der Absicht, es zu Stiftungen zu verwenden. Eins ist aber unleugbar, daß der Hauptgegensatz zu Eigenthum das Lehnsverhältniß mit seinen Verpflichtungen ist, daß an Stelle der Leihe ein festes Besitzrecht treten sollte, Dienste, Nachsuchen um Bewilligung im Veräußerungsfalle, die Beschränkungen in der Vererbung, Anfall aus irgend welchem Anlaß in Wegfall kamen und nicht zum wenigsten auch Lehnsmuthung beim Wechsel im Landesregiment, mag auch gerade von dieser bisher im Urkundenbuche nichts zu Tage getreten sein. Meist ist auch wohl Befreiung von Bedepflicht und vielfach Ueberlassung zunächst eines Theils der höchsten Gerichtsbarkeit, später der ganzen damit verbunden gewesen, ohne daß solche Befreiung oder Ueberlassung dem Begriffe Eigenthum inhärirt hätte. Daß sich spätere Erwerber von Eigenthum dies der Regel nach vom Landesherrn besonders übertragen ließen, geschah dem klaren Wortlaute vieler Urkunden nach nicht aus Pflicht, sondern freiwillig, der Sicherheit halber. Wenn man sich dann hierbei der im Lehnswesen üblichen Formeln bediente, so ist das durchaus nicht auffallend, und auch der bei Vereignungen einzeln vorkommende Vorbehalt des Verlehnungsrechts bei Besitzwechsel kann gegen die Regel nicht verschlagen. Abstufungen und Modificationen der Rechte sind ja im Mittelalter zahllos wie Sand am Meer.
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sein, nur daß der Empfänger ein andrer ward und manchmal eine Zusammenschmelzung von Bede und Pacht eintrat. 1 ) Daß aber auch allgemeine Beden bewilligt wurden, erweisen M. U.=B. 1413 f. und 1781 (Werle; 1276, 1285), 1504 (von Mannen in der Grafschaft Schwerin; 1279), 1550 und 1990 (von Mannen des Landes Ratzeburg; 1280 und 1288). Auch die Bede, die dem bestätigten und geweihten Bischofe vom ganzen Lande Boitin zustand (M. U.=B. 1633), wird hierher gehören. Verwegen würde es sein, darüber etwas aussagen zu wollen, wie sich die gewöhnliche Bede zu solcher außerordentlichen Bede stellte. Sie können ganz wohl im allgemeinen gesondert neben einander erhoben sein (wie sich die außerordentliche Bede im Lande Werle M. U.=B. 8561 außerhalb der üblichen Termine hält), es ist aber auch denkbar, daß sie mit einander verschmelzen konnten, wodurch sich gegebenen Falls die außerordentliche Bede nur als Erhöhung der gewöhnlichen herausgestellt hätte und überall da, wo diese veräußert war, nur der Ueberschuß dem Landesherrn zu Gute gekommen sein würde. Ward nur eine erhöhte Bede bewilligt (was den Ständen des Landes Werle unter der vormundschaftlichen Regierung vorbehalten bleibt, M. U.=B. 8310, 1357), so mußte auch andern Bedeinhabern die Erhöhung des Ertrags zu Gute kommen. In der Regel wird auch die allgemeine Landbede über die Bauernhufen allein ergangen sein (was M. U.=B. 3694 besonders verbrieft ward, indem frühere Hofhufen auch von allgemeiner Bede frei bleiben sollten) und sich nur in besondern Ausnahmefällen (wie M. U.=B. 1413 f., im Lande Werle; 1276) über Hofhufen erstreckt haben.

Die Bewilligung wird den Mannen zugeschrieben im Lande Werle (M. U.=B. 1781, 11015), auch wohl in der Grafschaft Schwerin (M. U.=B. 1504), den Mannen und Geistlichen im Lande Werle (M. U.=B. 1413 f., 11480 B), in Meklenburg den Mannen und Klöstern (M. U.=B. 3782), den Geistlichen (M. U.=B. 3694), wobei einzelne sich nicht ausschließen sollen M. U.=B. 11015 (Werle), 3782 (Meklenburg). Erhöhte Bede ist im Lande Werle von Mannen und Städten zu bewilligen (M. U.=B. 8310), und mehrere Städte verbinden sich ebenda, in Bedebewilligungen nicht einzeln zu handeln (M. U.=B. 10635).

Daß auch die allgemeine Bede wieder Ausnahmen zuließ, kann nur den befremden, der das Mittelalter nicht kennt. In Einem Falle wird in Werle die Betheiligung in den guten Willen


1) Etwas mehr hierüber bei Behandlung des Betrags der Bede.
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des Klosters Dobbertin gestellt (M. U.=B. 11480 B), ohne weiteres dagegen Befreiung zugestanden in Werle für das Kloster Ivenack (M. U.=B. 2937; allerdings ist die Urkunde unecht) und für das Kloster zum heil. Kreuze zu Rostock (M. U.=B. 7710) und in der Form einer Verleihung für den Kaland zu Röbel (M. U.=B. 8628), in Meklenburg aber für das Lübecker Domkapitel (M. U.=B. 2480 f. 3245. 8599, 14. 8890), für Cismar (M. U.=B. 2873), für die v. Kramon (M. U.=B. 4612), Doberan (M. U.=B. 8044), und in der Beschränkung auf frühere Hofhufen M. U.=B. 3694 (für Cismar). Diese Befreiungen beschränken sich indessen mit Aufnahme der falschen Urkunde für Ivenack und außer denen für das lübische Domkapitel und das Kloster zum heil. Kreuze immer nur auf die Bede aus einzelnen Dörfern oder Hufen. Begünstigungen, so daß nicht der volle Satz, der die andern Hufen trifft, geleistet zu werden braucht, werden zugestanden M. U.=B. 5363 (in der Grafschaft Schwerin für das Kloster Reinfeld) und 3040 (in Meklenburg für Cismar).

Zusammenfassung.

Für die Geschichte der Bede in Meklenburg dürfte sich ergeben, daß wahrscheinlich mit der Eroberung eines Theils des Landes und mit der Kolonisation des ganzen aus dem alten Sachsen die Gewohnheit eingezogen ist, neben Burgdiensten und Fuhrdiensten, Gerichtszwang und Kriegsdiensten, mehr vielleicht aber in Ablösung dieser oder gegen Erleichterung darin noch andere Leistungen kraft obrigkeitlicher Gewalt zu fordern und einzutreiben, und daß solche Leistungen vorzüglich unter dem Ausdrucke exactiones begriffen sind, obgleich auch jene Dienste und Pflichten selbst Objekt dazu sein können. Vielfach ist neben exactio, vielleicht theils synonym, theils um mehr freiwillig oder in Folge Vereinbarung zu Leistendes zu bezeichnen petitio gestellt, zuerst in Meklenburg im Jahre 1192. Der Ausdruck collecte und tallie kommt zuerst um das Jahr 1200 vor (M. U.=B. 167, Meklenburg), petitiones allein zuerst im Jahre 1222 (M. U.=B. 340, Meklenburg), bede in der Zusammensetzung bedecorn im Jahre 1257, für sich im Jahre 1304 (M. U.=B. 792, 2924), precaria (in zuverlässigen Urkunden) im Jahre 1274 (M. U.=B. 1317 in Werle; in Meklenburg i. J. 1303, M. U.=B. 2861; als Attribut zu exactio im Jahre 1280, oder wenn das nicht gelten soll 1282, in brandenburgischen Urkunden M. U.=B. 1548, 1610). Wenn nun die Beobachtung zeigt, daß precaria rasch der terminus technicus wird, daß im Jahre 1271 in der Grafschaft Schwerin, in den Jahren 1308 f. in Meklenburg Zeugnisse dafür vorliegen, daß Beden üblich, gewöhnlich sind (M. U.=B. 1213, 3237, 3305, 3315),

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wenn im Jahre 1281 und 1292 für Werle jährliche Beden bezeugt sind (M. U.=B. 1578, 2165), wenn außerdem die Mannschaft der Länder Wittenburg und Boizenburg für ihre Bauern mit Ausnahme bestimmter außerordentlicher Fälle im Jahre 1279 eine Befreiung von aller Bede erlangt (M. U.=B. 1504), die des Landes Ratzeburg im Jahre darauf für ihre freien Bauern ausnahmelose Befreiung erzielt (M. U.=B. 1550; vgl. 1990), wenn im Jahre 1285 die Herren von Werle die Bauern der Länder Röbel, Malchow, Wredenhagen bis auf bestimmte außerordentliche Fälle von aller Bede befreien (M. U.=B. 1781), wenn endlich im Jahre 1280 die Markgrafen von Brandenburg in ihrem ganzen Lande die Bede für abgetan erklaren (M. U.=B. 1548), so wird mit Fug angenommen werden dürfen, daß die Bede sich seither eingebürgert hatte, das Bewußtsein von ihrer Nothwendigkeit aber an keiner Stelle durchgedrungen war und man nur fühlte, daß in gewissen Fällen ohne sie nicht auszukommen sei, wie auch gerade die obgedachten Befreiungen durch Bewilligung außerordentlicher Bede erkauft waren. Weiter unten wird sich nach Erledigung der Kornbede und der Münzpfenninge der Schluß aufdrängen, daß die Abscheidung dieser in der Zeit des Herrn Pribislav von Parchim vor sich gegangen sein und sich demgemäß die Bede schon damals gefestigt gehabt haben muß. Erst in der zweiten Hälfte des vierzehnten Jahrhunderts ward neben den sich häufenden Einzelbefreiungen und Einzelverleihungen von Bede mehr und mehr Sorge angewendet, sich für Notfälle ein allgemeines Bederecht zu wahren. Andererseits ward aber auch in solche allgemeine Bede durch einzelne Privilegirungen Bresche gelegt, und erreichte gewitzigte Erfahrung im Lande Werle, wo man in Bedesachen dem übrigen Meklenburg stets um einige Schritte voraus war, nicht nur Befreiung von aller zukünftigen Bede (M. U.=B. 3220, 7258, 7290, 7710), sondern auch von etwaiger neuer Bede (M. U.=B. 10169) und noch unerdachter Bede (M. U.=B. 10296, 10596, 10604). Wären die Urkunden alle in den fürstlichen Kanzleien und mit solchem Bedacht entworfen, daß sie eine haarscharfe Auslegung vertrügen und Schlüsse aus Schweigen zuließen, und hätten nicht Usurpationen specieller Rechte entgegen allgemeinen Verzichten statt gehabt, so würden auch Zeugnisse negativer Natur heranzuziehen sein und sich aus deren Untersuchung wohl feststellen lassen, wie man die Bede jeweils andern Rechten gegenüber eingeschätzt hat, 1 )


1) Z. B. ist im Verkaufskontrakte über Rosin, Jahrb. 12, S. 332f. die Bede nicht besonders erwähnt, während ihre Verleihung in der Bestätigung mitverbrieft wird, ebd. S. 330.
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und es würde sich daraus vielleicht erheblicheres über die Entwicklung der Bede von sporadischer zu regelmäßiger Forderung ergeben. Ich denke dabei auch an Urkunden, die allgemein eine Befreiung ab omni jure secularis potestatis 1 ) aussprechen, oder ab omni jure, quod ad nos spectabat 2 ) oder auch an Befreiungen von omnis vexatio, ita ut nemini quidquam faciant ex debito nisi soll deo 3 ) an Verleihungen cum omni plenitudine juris, quo nos dictam uillam dinoscimur habuisse, 4 ) und Aehnliches. Dabei würde es unter andern Umständen lohnen, aufzumerken, was spätere Urkunden über die Bede in so verliehenen Gütern bieten. Aber wie die Zustände und Urkunden sind, scheint eine derartige Untersuchung aussichtslos. Gibt es doch Fälle, wo trotz Befreiung von exactio und petitio, auch von precaria et exactio später dennoch precaria bestand, so daß kaum eine andere Annahme übrig bleibt, als daß entweder spätere Landesherren die Verleihungen ihrer Vorfahren nicht geachtet oder daß Privilegirte sich gutwillig ihre Güter mit Bede zu belasten herbeigelassen haben. Wie weit aber solche rückläufige Bewegung gegriffen haben mag, darüber ist Wissen und sogar Vermuten zu haben unmöglich. 5 )


1) M. U.=B. (147) 369. 385. 536. 558 (vgl. Jahrb. 13, S. 297). 591.1314. Vgl. auch S. 4 f.
2) M. U.=B. 397.
3) M. U.=B. 493.
4) M. U.=B. 1730.
5) Die Belege, die mir, ohne daß ich danach gesucht hätte, vor die Hand gekommen sind, seien hier mitgetheilt. Obgleich Herr Heinrich Burwi dem Bischofe von Ratzeburg im Jahre 1222 verbrieft hatte, daß Manderow, Mirisdorp (Hohenkirchen) und Gressow peticiones non dabunt (M. U.=B. 284, bestätigt 859) und im Jahre 1248 Herr Johann dem Kloster Reinfeld Bekerwitz vereignet und die Bauern ab omni jure secularis potestatis utpote peticionious, exactionibus u. s. w. befreit hatte (M. U.=B. 617), verfügte im Jahre 1308 Herr Heinrich über eine Rente de precaria nostra Bekeruitze, Honkerken et Manderowe (M. U.=B. 3247) und verpfändete, nachdem im Jahre 1351 das Bisthum seine Rechte zu vertheidigen Bedacht genommen (M. U.=B. 7451), die Herzogin Katharina im Jahre 1441 Bede u. a. aus Bekerwitz (auch Herzog Heinrich verfügte im Jahre 1475 über Bede aus B.) und Hohenkirchen, Manderow und Gressow (v. Oertzen II. Urkunden S. 112 f., 115). Ebenso verpfändete Herzog Heinrich im Jahre 1453 Bede aus Brunshaupten (ebd. S. 143 f.), obwohl nach der Befreiung von precaria et exactio durch M. U.=B. 3500 seine Berechtigung dazu nicht recht verständlich ist. Ebensowenig aufgeklärt ist der Widerspruch zwischen den Befreiungen von Nemerow von omni aduocacia et seculari exactione (M. U.=B. 563) und von precaria (M. U.=B. 2499) und der Verpfändung von Bede im Jahre 1474 (Jahrb. 9 S. 275). Endlich ist der Umstand, daß die v. Stralendorf (als Inbaber der Vogtei Meklenburg) im Jahre 1353 Rente aus der Bede zu Metels= (  ...  )
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Es ist die Frage aufgeworfen und von Brennecke auf S. 1.8-22 erörtert worden, auf welchen Rechtstitel der Bedeanspruch gestützt sei, ob er auf der Kriegshoheit oder der Gerichtsbarkeit 1 ) sich gründe. Die Urkunden sagen nichts aus, was zum Zwecke diente. Sie lassen die Bede beruhen auf Recht oder Gewohnheit (M. U.=B. 5002. 9337. 11538), auf Recht oder Hebung, Gewohnheit oder Usurpirung (M. U.=B. 3491), wie schon im Jahre 1291 eine Befreiung ab omni exactione et seculari consuetudine zu verzeichnen ist (M. U.=B. 2118). Das Einlässigste ist noch das jus secularis potestatis (M. U.=B. 3040, 3694) und darüber ist ohne Luftsprung nicht hinauszukommen. Handhaben zur Einforderung mehr oder weniger rechtmäßiger Auflagen oder als Vorwand zu Erpressungen boten sich, wie mehrfach bemerkt worden, den Landesherren und ihren Vögten oder Richtern genug sowohl im Bereiche der Kriegshoheit als auch der Gerichtsbarkeit. Aber ob daraus und gar aus welchem dieser sich die ordentliche Bede entwickelt hat, oder ob sie nicht denselben Bedürfnissen entsprungen, woraufhin in späteren Zeiten außerordentliche oder erhöhte oder verallgemeinerte Beden vom Landesherrn als solchem erbeten und ihm zugestanden wurden, darüber sich mit einiger Zuversicht äußern und das erörtern zu wollen, scheint mir ebenso waghalsig zu sein wie aussichtslos. Und wenn Brennecke aus der oftmaligen Vereinigung von Bede und Gerichtsbarkeit in Einer Hand die Wahrscheinlichkeit einer innern Verbindung folgern will, so ist dem entgegen zu halten, daß es ein sehr natürliches Streben der Grundherren war, ihre Rechte zu arrondiren (vgl. M. U.=B. 2924), und daß aus denselben und früheren Zeiten erheblich mehr Beispiele für Trennung beider Rechte zu Gebote stehn, als nöthig sind, um der aus der öfteren Vereinigung jener gezogenen Folgerung allen Halt zu nehmen. Zur Eintreibung gutwillig nicht geleisteter Bede bediente man sich, wofern man auf dem Wege Rechtens verblieb, selbstverständlich der Gerichtsgewalt, indem man pfänden ließ, und daraus erklärt sich zur Genüge, daß sich das Kloster Reinfeld,


(  ...  ) torf vertaufen und im Jahre 1389 Bede zu Metelstorf und Martensdorf an den hl. Geist zu Wismar verpfänden konnten (M. U.=B. 7714. 12087), nicht mit der Tatsache zu vereinbaren, daß Herr Heinrich von Meklenburg die Güter dieses Hospitals im Jahre 1325 ohne Einschränkung von peticionibus befreit hatte (M. U.=B. 4665. Vgl. wegen des Hofs Metelstorf 4303).
1) Es soll doch angemerkt werden, daß in M. U.=B. 344 und 507 jurisdictio offenbar Landeshoheit bedeutet, wofür es an einem geeignetern Ausdruck mangelte.
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um sich gegen fernere Turbirungen wegen ungegründeter Bedeforderungen zu schützen, die Gerichtsbarkeit verschaffte (M. U.=B. 5646).

Große und kleine Bede.

Die Scheidung in große und kleine Bede kommt nicht vor dem Jahre 1294 vor. Zeugnisse (vollständig bis zum Jahre 1350): petitio major et minor M. U.=B. 2275, 2307 (4493), 2793 (4016), 2794, 3198, 3540 - lauter Urkunden der Herzoge von Sachsen zu Gunsten des Ratzeburger Kapitels; precaria major et minor M. U.=B. 2617 (Werle), 2861, 2872 (Meklenburg), 3022, 3121, 3190, 3379, 3463, 3660, 3715, 5827, 5864, 5894, 5971, 6390, 6506 B, 6539, 6978 u. s. w.; precaria parva cum magna 5276; bede luttyck edder grot (grot vnde luttik) 3564, 6282, 7009, 7010 u. f. w.; grot vnde cleyne 4612; groteste efte lutkeste 7033 (Uebersetzung); watte bede wy bidden ... se sy voghe edder grot 4959. Allein werden precarie majores verpfändet 8044, wird die minor peticio vorbehalten 3540, verschenkt 4794. Nach M. U.=B. 2872 fiel die große Bede im doppelten Betrage der kleinen an Geld wie an Korn zu Martini, die kleine Walpurgis (M.=Stargard). Sonst findet sich neben der Scheidung in große und kleine Bede die in Geld und Korn. Zunächst befreien die Herzoge von Sachsen zu Gunsten des Ratzeburger Kapitels von peticione majore et minori, ab exactionibus . . . in porcis (pecoribus), in pecunia, in annona M. U. = B. 2275, 2307 (4493), 2793 (4016), 2794, 3540. Weiter begegnet precaria major et minor tam denariorum quam annone 2617, 3379, 3463, 3660, 5827 oder precaria pecuniaria et annonalis, major et minor 6390, oder precarie majores et minores tam annone quam nummorum 6506 B, myd der lutteken beede vnde myd der groten bede vnde myd der kornebede 7009, 7010, alle bede groteste efte lutkeste so wol der penninghe alse (mis)kornes myt der ringhesten bede tor brudtlacht der hoghene 7033 (Uebersetzung), myt der ghroten bede vnde myt der lutteken bede, myt pennyngbede vnde myt kornebede 7597.

Sommer und Winter=Bede.

Andererseits Sommer= und Winterbede: precarie . . ., siue tales bede siue ouerbede siue wynterbede vel zomerbede dicantur . . . nec . . . debent colonos . . . pro aliqua precaria qualicunque, ymmo nec pro majori nec pro minori quomodolibet angariare M. U.=B. 9918. Alle Bede klein vnd groß alß die Somerbede, Manbede vnnd Winterbede 10143, al vse beede luttek vnde gr o t alse somerbeede vnde winterbeede 10527, precaria major et minor tam estiualis quam yemalis

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11004, oder dasselbe im Plural 11633. Allein finden wir die Trennung in Sommerbede und Winterbede und zwar zuerst im Jahre 1342 precarie hyemales et estiuales M. U.=B. 6198, dann M. U.=B. 6934, myt aller bede wynter vnde somer 6928, winter- vnde somerbede 6975, precaria yemalis denariorum 6418. Die spätern Beispiele sind leicht aus den Registern zu ersehen. In M. U.=B. 10379 ist angereiht wo dicke, wo vaken vnd wo vele wy bidden. Nach M. U.=B. 11383 bringt die Winterbede das Dreifache der Sommerbede ein (Ritzerow).

Herbstbede.

Außerdem begegnet eine Herbstbede 1 ) in M. U.=B. 10808: bede, de wy plegen to biddende to sůnte Micheles dage, dat de heruestbede geheyten ys (Meklenburg), während in 8917 Rente verschrieben wird ex precariis . . . quolibet festo beati Michaelis uel quandocunque precarias ygymales pecierimus.

Termine.

Die Termine zu Martini und Walpurgis (M. U.=B. 2872, M=Stargard) sind schon erwähnt. Daneben findet sich ein dritter, Marien Geburt, im Lande Werle (M. U.=B. 8310), wobei die Martinibede ebenso viel bringt wie die früheren zusammen. Den Michaelis=Termin bezeugen noch M. U.=B. 7539. 9002. 10808, Martini 8062. 10634, Martini und Epiphanias 7609. Die nach M. U.=B. 8561 im Laufe des Januar zu erhebende Bede muß als außerordentliche angesehen werden.

Vorbede. Nachbede.

Eine prima precaria treffen wir M. U.=B. 3970, 4402 (S. 75; S. 76 dafür: anteprecaria), 6496, 6796; precaria prima et vitima 4864; prima, media et vltima 5649 (Meklenburg), 8642 und 8661; primaria et secundaria 6069 (tam denariorum quam annone); primaria allein 6451; anteriores precarie 5981; anteprecaria 4402 (S. 76; auf S. 75 prima precaria), was in 9121 wohl mit furbith übersetzt ist. Später begegnet eine Scheidung in vornste bede im Betrage von 24 ßl. [lüb.]von der Hufe und nabede, de de heren des landes jarliken plegen tho biddende im Betrage von 1 Mk. [lüb.] von der Hufe zu Saunstorf. 2 )

Geldbede.

Vielfach findet sich die Unterscheidung von Geldbede und Kornbede. 3 ) Weit voraus im Jahre 1257 annona, que bede-


1) Oefter in Pommern, z. B. Maltzansche Urkunden III, S. 254, 269 aus den Jahren 1456 und 1460, Blücher I, Nr. 598, S. 527 vom Jahre 1522, an letzter Stelle in doppeltem Betrage der Sommerbede, ein Verhältniß, das in Meklenburg wohl zwischen Winterbede und Sommerbede statt hat.
2) Wismarsche Urkunden, gedruckt Schröder, Papistisches Mecklenburg, S. 1623 f. vom Jahre 1396.
3) Bei Fabricius, Urkunden zur Geschichte des Fürstenthums Rügen auch nicht vor 1322, Nr. DCXVII.
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Kornbede.

corn uocatur M. U.=B. 792. Dann Befreiungen durch die Herzoge von Sachsen zu Gunsten des Ratzeburger Kapitels ab . . . peticione majore et minori, ab exactionibus . . . in porcis, in pecunia, in annona M. U.=B. 2275, 2307 (4493), 2793 (4016), 2794, 3540. Die precaria major et minor von Staven besteht aus 24 ßl. und je 2 Scheffeln Roggen, Gerste und Hafer von jeder Hufe zu Martini und dem halben Betrage zu Walpurgis, M. U.=B. 2872. precaria petitio, quam nos petere contigerit . . . annonam et denarios 3220. precaria tam denariorum quam annone M. U.=B. 2617, 2937 (tam pecuniarum quam annone; falsche Urkunde), 3379, 3463, 3659, 3660, 4694, 4960, 5370, 5689, 5827, 6069, 6124, 6257, 6401, 6549, 7913, 8659, 10296; p. nummorum et annone 4404; tam annone quam nummorum 6506 B; tam pecuniaria quam annonalis 5857, 6029, 6390, 6991, 7041, 8628; tam denariorum quam frugum 3412; pennighbede vnd kornbede 4793, 5764, 5765, 6206, 7597; bede penninghe vnde kornes 4959; bede . . . so wol der penninghe also (mis)kornes 7033; bede an korne vnde an penninghen 8739; bede beyde penninghe vnde korn 7545; kornebede 7009, 7010; precarie annone 5627, 5889; pr. cum anona 3129; pr. excepta annona 5154; numquam ad exactionem auf jus precarium . . . aut frumentum . . . teneantur 3238. Die tota precaria denariorum et annone in M. U.=B. 8659 entspricht den precarie prime, medie et vitime in M. U.=B. 8642 und 8661.

Hundekorn.

Später erst taucht der Ausdruck Hundekorn auf, wovon es Wigger einigermaßen wahrscheinlich gemacht hat, daß er eine andere Benennung der Kornbede sei. Zuerst kommt er deutsch in falschen Urkunden von den Jahren 1302 und 1312 vor (M. U.=B. 2821, 3563), als annona canum oder canina im Jahre 1309 (M. U.=B. 3281, 3346) als hundekorn in einer echten Urkunde erst im Jahre 1336 (M. U.=B. 5634). Den Beweis Wiggers zu verstärken ist Brennecke nicht gelungen. Denn wenn er angibt, Hundekorn käme nie neben Kornbede vor, so ist das nicht richtig. Vielmehr verleiht Herr Nicolaus IV von Werle im Jahre 1352 Bristow myt bede, myt der ghroten bede vnde myt der lůtteken bede, myt pennyngbede vnde myt kornebede, myt pacht, myt hundekorne, myt muntepenninghen (M. U.=B. 7597) und glücklicher Weise ist die Urkunde noch im Originale vorhanden (Lisch, Hahn IIB S. 47). Außerdem belegt Wigger (Hundekorn S. 366) Bedehaber neben Hundekorn (im Jahre 1520). Und was die aus der Syntax der Urkunden gefolgerte Zusammen=

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gehörigkeit von Bede und Hundekorn (Jahrb. 65, S. 110 f.) angeht, so ist darauf nicht das Mindeste zu geben. Sicher ist eine genaue Worterklärung auch für mittelalterliche Urkunden nicht nur erwünscht, sondern unerläßlich. Aber es gibt gewisse Schranken. Wie die Partikeln aut, vel, seu mit großer Freiheit gebraucht sind, so darf man auch aus der Verwendung der Präpositionen cum und sine und aus der Anfügung eines excepto nicht auf engere Zusammengehörigkeit schließen. In der Aneinanderreihung verfuhr man im Allgemeinen recht frei und scheute sich ebenso wenig Synonyma sinnlos zu häufen, nur damit nicht spitzfindige Interpretation (die man aus Erfahrung kannte) ein Recht abstreiten könne, das man verbrieft haben wollte. Dabei gab es gute und schwache Köpfe, geübte und schlechte Lateiner, geschickte und höchst jämmerliche Stilisten. Es heißt also genau lesen, aber auch mit Vorsicht lesen. Uebung und Aufmerksamkeit sind die Vorbedingung richtiger Auffassung. Nichts ist nun, wenn man von dem eben Gesagten absehen will, leichter als Brenneckes Beispielen andere gegenüber zu stellen, aus denen das Gegentheil mit größerer Wahrscheinlichkeit zu folgern wäre. Und ein paar markantere anzuführen, mag vielleicht nicht zwecklos sein, z. B. M. U.=B. 7597, 6198, 6918, 2821, 8484, 10322, 11402, 11480 B. - Indessen berührt das nur die Art des Beweises, der in der That mit Hülfe des seit Wiggers Abhandlung weiter fortgeschrittenen meklenburgischen Urkundenbuchs verstärkt werden kann, indem dies verschiedene Orte nachzuweisen erlaubt, wo dieselbe Abgabe (wie wir wenigstens annehmen müssen) zu verschiedenen Zeiten erst Kornbede, später aber Hundekorn genannt ist: Gr.=Burow, Demzin, Gessin, Herzberg, Kisserow, Sabel, Varchentin, Vietzen.

Während nämlich im Jahre 1341 Herr Johann III. von Werle dem Ritter Gebhard v. Welzin in vier Hufen zu Gr.=Burow omnes precarias denariorum et annone schenkt (M. U.=B. 6124), verleiht (bestätigt) Herr Johann IV. den v. Welzin ebd. (dieselben) vier Hufen myd aller bede, grod vnde luttik . . . vnde myd deme hundekorne (M. U.=B. 9348). Herzberg im Lande Sternberg aber, das Herr Heinrich von Meklenburg den von Plessen im Jahre 1328 mit aller bede, penninghe vnde kornes verpfändet hatte (M. U.=B. 4959), wird ihnen von Herzog Johann von Stargard im Jahre 1367 verliehen myt aller manbede vnde herenbede beyde lutke vnde grote, myt hundekorne, myt muntepennighe (M. U.=B. 9641). Von einer Hufe zu Kisserow wollte im Jahre 1309 Herr Günther von Werle

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3 Mk. pro precaria sine 1 ) annona canum beziehen (M. U.=B. 3281). Ebenda verpfändete im Jahre 1350 Herr Nicolaus IV. an einen gewissen Stephan einen Hof und Hufen cum omnibus et singulis precariis pecuniariis, nobis saltim annonali precaria reseruata (M. U.=B. 7041). Im Jahre 1366 wieder verpfändete Dietrich von Flotow dem Kloster Malchow aus zwei Hufen des dortigen Klosterhofs vnum tremodium annone canine, quod in wlgho hundecorne nominatur (M. U.=B. 9459) 2 ). Vgl. noch M. U.=B. 11004 (1377). Ferner verliehen die Herren von Werle in den Jahren 1310 und 1311 an Arnold Quast zu Sabel omnem precariam majorem et minorem tam denariorum quam annone et simpliciter omnem illam petitionem 3 ) precariam, quam in toto vel in parte nos in futurum in terra nostra petere contingerit, et nummisma nostrum (M. U.=B. 3379, 3463). Im Jahre 1362 aber bestätigte Herr Lorenz den Quast im selben Dorfe omnem precariam majorem et minorem denariorum cum annona canina et simpliciter omnes illas peticiones precarias, quas in toto vel in parte nos in futurum nostra in terra petere continger[i]t, et nostrum nummisma (M. U.=B. 8988). Ferner vereignete im Jahre 1352 Herr Bernhard von Werle den Johannitern zu Mirow 14 Hufen zu Vietzen mit aller Nutzung in precaria, in denariis monete, in canum annona (M. U.=B. 7573), während nach M. U.=B. 7545 vom vorangehenden Jahre die Hebungen von sieben dieser Hufen außer in Pacht und Münzpfenningen in bede beyde penninghe vnde korn bestanden. In Urkunden endlich über Finkenthal scheint in M. U.=B. 8094 f. und 8100 unter bede und precarie die annona canum mit einbegriffen zu sein, die in der Bestätigungsurkunde 8484 neben den precarie angeführt wird.

Hieran mag sich eine Zusammenstellung der Gebiete und Orte schließen, wo in Meklenburg im Urkundenbuche und den sonst benutzten Sammlungen Hundekorn und Kornbede bezeugt sind, und woraus sich auch die Nachweise für Demzin, Gessin und Varchentin ergeben. 4 )


1) Das dürfte doch mehr Wahrscheinlichkeit für sich haben als die nahe liegende Konjektur si[u]e.
2) Diese Urkunde ist in einem Auszuge mit falschem Datum überliefert M. U.=B. 5634.
3) Dies Wort fehlt in M. U.=B. 3463.
4) In einer Anmerkung seien noch ein paar Notizen zur Sache untergebracht. In den Landtheilungsakten des Hauptarchivs zu Schwerin zum Jahre 1555 habe ich vor Jahren eine Angabe gefunden, wonach im (  ...  )
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I. Hundekorn. Zwischen den Jahren 1341 und 1347 bestimmen die Herren Nicolaus III. und Bernhard von Werle in ihrem Vertrage über gemeinsame Regierung und Hofhalt das Hundekorn zur Bestreitung ihres Haushalts und Hofhalts M. U.=B. 6169. - Land oder Vogtei: Werle = Goldberg M. U.=B. 8404. Gnoien, Hahn II Nr. 242 im Jahre 1458. Neu=Kalen 11402. Krakow 9560. Malchin 10791. Parchim 10757. Penzlin, Maltzan II Nr. 393, im Jahre 1414. Plau M. U.=B. 9560. Stavenhagen 10763. Ture 4959. Waren 11119. - Besitzungen des Klosters Broda 3563, der Nortman 11414. - Im einzelnen in den Werlischen Ländern zu Hohen=Augzin M. U.=B. 7875. Bellin 9989. Bobbin 10350. Böck, Hahn II Nr. 221 im Jahre 1392. Bredenfelde M. U.=B. 7829. Bresen 10081. Gr.= und Kl.=Bresen 9989. Bristow 7597. Gr.=Burow 9348. D.=Bützin 6743 f. Kl.=Dalwitz 11166. Damerow 3346. 11399. Damm 7710. Demzin, Hahn II Nr. 222, im Jahre 1404. Deperstorf M. U.=B. 11527. Deven, Hahn III Nr. 262, im Jahre 1539. Dobin M. U.=B. 10143. Domsühl 10090. Neu=Drewitz 7840. Oldenburg 4959. Fahrenholz, Maltzan II Nr. 370 im Jahre 1401. Finkenthal M. U.=B. 8484. Gehmkendorf 9902. Gerdshagen 11480 B. Gessin, Hahn III Nr. 262 im Jahre 1539. Gischow M. U.=B. 10024. 11395. Glasewitz 9325. Glasow 11222. Glin 10768. Gloveke 10425. Gömtow 10018. Grammow 8887. Granzow 10836. Grüssow 11004. Gutow 10169. Hagenow bei Waren, Maltzan II Nr. 374, im Jahre 1404. Jabel ebd. Kadow M. U.=B. 8943. Kankel 7710. 11533. Karnitz 11015. Kisserow 3281. 9459. 11004. Kittendorf 6934. Kleesten ebd. Klenz M. U.=B. 10322. Kleth 2821. Klingendorf 11666. Klöden, Maltzan II Nr. 372, im Jahre 1402. Klokow bei Stavenhagen 6934. Klokow bei Waren, Maltzan II Nr. 374, im Jahre 1404. D.=Kobrow M. U.=B. 8758. 8968. Kirch= und Wend.=Kogel 9989. Hohen=Kowalz, Maltzan II Nr. 351, im Jahre 1389. Lanken M. U.=B. 10089. Laschendorf 10857. Liepen bei Basedow, Hahn II Nr. 236, im Jahre 1443. Loppin M. U.=B. 9460. Lübz 4959. Malchow bei Parchim 8396. Mamerow,


(  ...  ) Lande Neu=Kalen 10 Drömpt 9 Scheffel Hunderoggen erhoben sind und ebensoviel Gerste und Hafer. Daneben 6 Drömpt 11 1/2 Scheffel Ablagergerste, 21 Drömpt 7 Scheffel Hafer und 20 Drömpt Pachtroggen. Nach einer Rechnung vom Jahre 1610 sind für die Hunde des Hauptmanns von Neukloster im betreffenden Jahre 3 Drömpt und 2 Scheffel verbacken, für die Hunde der Wildschützen zu Güstrow und Doberan zusammen 10 Scheffel.
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Maltzan IV Nr. 675, im Jahre 1482. Markow 7499. Matersen 4772. Medow 10596. Melz 11193. Mestlin 7875. Mistorf 10250. Moltzow 10174. Netebow 11419. Neuhof 7875. Kl.=Niendorf 11025. Niex 11365. Nütschow 10081. Oldenstorf, Maltzan II Nr. 372, im Jahre 1402. Paarsch M. U.=B. 10010. Pannekow 10836. Panschenhagen, Hahn III Nr. 252, im Jahre 1481. Pisede M. U.=B. 9643. 11405. Plaaz, Oertzen II Nr. 208, im Jahre 1447. Pölitz, Hahn III Nr. 262, im Jahre 1539. Prisannewitz M. U.=B. 11521. Prutzekendorp 9325. Gr.= und Kl.=Reez 11403. Reimershagen 9989. Reknitz 9873. Remlin 9163. Retzow 7658. Rey 11138. Rittermannshagen 6978. Ritzerow 6934. 11383. Rothspalk, Maltzan IV Nr. 675, im Jahre 1482. Rüst M. U.=B. 7875. Sabel 7710. 8988. Schwarz 8493. Schwinkendorf 6198. Schmisow 7710. Seedorf bei Malchin, Hahn II Nr. 221, im Jahre 1392. Sehlstorf M. U.=B. 6918. 10527. Sommerstorf 8402. Gr.= Sprenz 7710. Stralendorf 6916. Sukow bei Güstrow 10568. Sülten 6934. Teschow 11505. Upost 8681. Varchentin, Maltzan III Nr. 577, im Jahre 1461. Vietzen M. U.=B. 7573. Walmerstorp 9643. Walow 11633. Wargentin, Maltzan II Nr. 375, im Jahre 1404. Hahn III Nr. 262, im Jahre 1539. Wendfeld M. U.=B. 11166. Wygendorp 9989. Wohrenstorf, Zepelin Nr. 80, im Jahre 1403. Oertzen II Nr. 208, im Jahre 1447. Woltow M. U.=B. 9502. Zeez 7710. Zidderich 10527. Zielow 8493. Zierzow, A. Wredenhagen 8774. - Außerdem im Lande Sternberg: Herzberg 9641; im Lande Stargard: Podewal 9848. Weitin 6565. 8723. Wulkenzin 8097.

Kornbede.

II. Kornbede. Im Lande Malchin 5154. - In den Besitzungen des Klosters Ivenack 2937. - Im einzelnen in den Werlischen Landen zu: Basedow 5764. Benzin 2617. Bokhorst 4960. Bristow 7597. Brok 2617. Buchholz 6991. Gr.=Burow 6124. Demzin 6401. Diederichshagen bei Warnemünde 4694. 8659. Drosenow 5827. Gallin 3659. 7913. Gessin 5764. 7009. Godekendorp 5689. Gotthun 8628. Grabow 6401. Jamen 7010. Kisserow 7041. Kratel 2617. Kritzow 2617. Lärz 6390. Lexow 5370. 6549. Sand=Liepen 5764. 7009. Kl.=Lukow 6029. Malchow bei Plau 5827. Wend.=Massow 6401. Quetzin 3220. Restorf 2617. Rogeez 6401. Rukiten 3129. Sabel 3379. 3463. Samot 3660. Sanz 6401. Satow 6401. Simitz 3238. Sitow 5857. 6390. Stuer 6069. Kl.=Stuer 6401. Sukow bei Stuer 6401. Varchentin 7033. Vietzen 7545. Gruben=Wangelin 6257. Wardow 6206. Wessentin 2617. Wozeken 4404. Wozeten

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5765. Zarchlin 3659. 7913. - Im Lande Sternberg werden außer Gr.=Niendorf (6506 B) in 4959 vierzehn Dörfer genannt, die Kornbede entrichteten: Passow, Ruthen, Lutteran, Greven, Werder, Lindenbek, Granzin, Herzberg, Lenschow, Woeten, Kosbade, Grabow, Zölkow, Badegow. - Im Lande Bukow: Wischür 792. - Im Lande Stargard: Brohma, Dahlen, Jatzke, Jahrb. 25, S. 120, im Jahre 1475. Kublank M. U.=B. 8739. Lichtenberg 8739. Pinnow, Maltzan II Nr. 393, im Jahre 1414. Rosenow M. U.=B. 4793. Sadelkow, Jahrb. 11, S. 326, im Jahre 1408. Jahrb. 25, S. 120, im Jahre 1475. Schönfeldt, Jahrb. 25, S. 120, im Jahre 1475. Schwandt, Maltzan II Nr. 393, im Jahre 1414. Staven M. U.=B. 2872. 8739 (?). Stolpe 8739. Usadel, Maltzan II Nr. 386, im Jahre 1408. - Ganz im Westen befreien die Herzoge von Sachsen die Güter des Ratzeburger Kapitels im Lande Ratzeburg und zu Mist, Schlagsdorf und Schlagbrügge auch von Kornbede M. U.=B. 2275. 2307 (4493). 2793 (4016). 2794. 3540.

Hundekorn.

Wenn wir nun von der letzten vereinzelten Gruppe absehen, so zeigen sich sowohl Hundekorn wie Kornbede innerhalb Meklenburgs nur in werlischen oder zeitweilig werlischen Gebieten und in einem beschränkten Theile von Stargard, Pommern zu. Aus dem wenn auch seltenen Vorkommen im Lande Sternberg wird sich später ein wichtiger Schluß ziehen lassen. Am meisten nach Westen finden wir im Lande Schwan Matersen und in der Drenow Diederichshagen. Wischür aber mit seinem Bedekorn steht wie der Zeit nach, dem Ausdrucke nach und der Lage nach ganz allein. Weder im eigentlichen Meklenburg noch in der Grafschaft Schwerin noch im Lande Boitin kommt Kornbede oder Hundekorn vor, und auf diesen Unterschied zwischen dem östlichen und westlichen Theil Meklenburgs mag die Angabe Kirchbergs (M. U.=B. 5019 n) zurückführen sein, daß Herr Heinrich testamentarisch das Hundekorn abgeschafft habe, so falsch sie auf alle Fälle und in jeder Beziehung ist. Endlich ergibt sich, daß in demselben Maße, wie die Bezeichnung Hundekorn vordringt, die Kornbede zurückweicht. Ueber den Hebungstermin liegt kaum etwas anderes vor als das Zeugniß von M. U.=B. 2872, wonach aus Staven die Kornbede wie die Geldbede in zwei Terminen, Martini und Walpurgis, fällig war. Auch für den Betrag stehn nur wenig Daten zur Verfügung. Nach der eben angeführten Urkunde vom Jahre 1303 sollte die Hufe zu Staven zu Martini je 2 Scheffel Roggen, Gerste und Hafer geben, zu Walpurgis aber die Hälfte. Andere Urkunden zeugen nur von je 2 Scheffeln der

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drei Kornarten: M. U.=B. 6743 (1347, D.=Bützin), 8402 (1357, Sommerstorf) und 11383 (1381, Ritzerow; statt 1 1/2 Scheffel Gerste wird 2 Scheffel das Richtige sein. Für die Geldbede hier zwei Termine). Und das scheint nach Wigger S. 366 die Regel gewesen zu sein. Spätere Urkunden wie Hahn II Nr. 262 aus dem Jahre 1539 mit abweichenden Angaben dürften unzuverlässig sein. Wenigstens muß mit der Möglichkeit gerechnet werden, daß bereits Pacht und Hundekorn confundirt sind (vgl. Maltzan IV Nr. 815, 1510). In M. U.=B. 9989 scheinen die Sätze der Geldbede und des Hundekorns in festen Beziehungen zu stehn, indem regelrecht 3 Mk. Bede 18 Scheffel Korn entsprechen. Leider fehlt aber der Schlüssel, die Angabe der Hufenzahl, und die Heranziehung von M. U.=B. 2861 gibt nur neue Räthsel auf. M. U.=B. 5461 (und 5550 B), die Brennecke noch anzieht, gehört nach Pommern und trifft besondere Vereinbarungen zu Gunsten des Klosters Dargun. Gewarnt sei schließlich davor, zur Ermittlung des Satzes des Hundekorns unbesehen alle die Urkunden zu benutzen, worin sich ein gleicher Betrag von dreierlei Korn findet, wozu eine Aeußerung Wiggers einladen könnte. Denn, wenn auch nicht oft, so kommen doch Pachtsätze vor, in denen die Leistung in den drei Kornarten gleich stand, jedoch scheinen sie stets erheblich höher zu sein als die für das Hundekorn beglaubigten Beträge.

Viehbede.

Außer Geldbede und Kornbede begegnet seltner eine Viehbede, wenn das in Wirklichkeit eine Bede ist. Das Kloster Neuenkamp erhält für seine Güter im Lande Barth zu verschiedenen Zeiten auf bestimmte Jahre von den Vögten oder Herzog Albrecht von Meklenburg selbst Befreiung ab omnibus exactionibus, peticionibus . . . requisitionibus . . . grauaminibus seu talliacionibus precariarum annone, pecorum auf aliarum quarumcumque rerum M. U.=B. 5627 (1335), 5889 (1338) und das Kloster Doberan für kurze Zeit die Zusicherung der Verschonung mit exactiones, tallie et peticiones pecudum aut pecuniarum 8893 (1361). Früher schon hatte Herzog Erich von Sachsen dem Ratzeburger Kapitel das Eigenthum seiner Güter im Lande Ratzeburg unter Befreiung ab omni grauamine et peticione seu precaria . . . et ab omni genere exaccionum, siue consistent in porcis seu in pecoribus siue annona siue pecunia bestätigt (M. U.=B. 4493, 1323), wogegen in älteren Urkunden desselben Belangs und andern nur einzelne Güter zu Mist, Schlagsdorf und Schlagbrügge betreffenden allein von exactiones in porcis die Rede ist (M. U.=B. 2275. 2307. 2793.

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4016. 2794. 3540). Ebenso hatte bereits im Jahre 1288 der Bischof von Ratzeburg dem Kapitel von dessssen Bauern im Lande Boitin peticiones in [porc]is zugestanden M. U.=B. 1940. Sonst kommt die Schweinebede nur noch wenige Male vor, hauptsächlich auf Pöl. Dort sind von zwei Hufen des Hofs auf dem Felde 10 1/2 ßl. wend. zahlbar racione precarie exactionis, que in wlgo dicitur swynebede M. U.=B. 2757 (1301). Im Jahre 1302 sschenkt die Fürsstin Hebungen de petitione porcorum aus Malchow 1/2 Mk., aus Wangern 2 Mk. 4 ßl., aus Timmendorf 6 Mk. (M. U.=B. 2779), und im Jahre 1306 bewidmet Herr Heinrich eine Vicarei zu Pöl mit 3 ßl. pro peticione porcorum und mit je 6 ßl. aus 10 Hufen zu Niendorf unter demsselben Titel (M. U.=B. 3080). Pro decima porcorum, que swynebede dicitur, überweist Graf Nicolauss von Schwerin dem Kalande zu Wittenburg 2 Mk. 3 ßl. lüb. aus A.=Granzin (M. U.= B. 3050, 1305). Aus Kuhss ssind auss 2 Hufen 4 ßl., aus einer Hufe 2 ßl. pro swinebede zu leisten (M. U.=B. 3823, 1316); auss Gr.=Strömkendorf von der Hufe pro peticione porcorum 41/2 ßl. (M. U.=B. 4435, 1323), auss Goldewin von einigen Hufen 2 ßl., von andern 1 ßl. ad swynebede (M. U.=B. 6120. 6645. 6726. 1341. 1346. 1347; bei andern Hufen wird die Abgabe nicht erwähnt), und endlich begegnet zu Passin de swinebede, de tho rekende to halveme werde alze zoven lubesche schillinghe (M. U.=B. 11456, S. 154). Ess muß aber für wahrscheinlich gelten, daß die gleiche Abgabe auch unter andern Namen geht, nämlich zuerst als census porcorum zu Gr.=Strömkendorf, Wester=Golwitz und Osster=Golwitz, wofür dort der gleiche oder nahezu der gleiche Betrag wie für die peticio porcorum gezahlt wird: 4 1/2 ßl. oder 4 ßl. (M. U.=B. 4479. 4919. 4924. 5610, S. 533. 5618). Auch zu Prebberede hat der Grundherr von jeder Hufe 4 ßl. de censu porcorum, quod wlgare suinscult dicitur (M. U.=B. 2398, 1296), wogegen zu Weitendorf auf Pöl 2 Hufen 12 ßl. wend., 4 Hufen 21 ßl., 1 1/2 3 ßl. und 2 3 ßl. derselben Münze zahlen (M. U.=B. 4433, S. 102 im Jahre 1323; andere Hufen ssnd frei), zu Polchow aber der census pro porco 1 ) im Jahre 1271 auf 2 ßl. besstimmt wird (M. U.=B. 1236). Zu frühest kommt diesser census in den Jahren 1242 und 1244 vor, wo Herr Johann von Meklenburg ihn zu Johannsdorf und Seedorf dem Lübecker Kapitel sschenkt oder zu


1) Diese Stelle will B. Jahrb. 65, S. 84, Anm. 1 anders erklären. Ich sehe nicht ein, aus welchem Grunde.
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seinen Gunsten davon befreit (M. U.=B. 534. 554). In M. U.=B. 8661 wird nach Maßgabe verwandter Urkunden census pecorum zu lesen fein (s. M. U.=B. XVII S. 359). War in M. U.=B. 2398 census porcorum durch suinscult glossirt, so begegnet auch dieser Ausdruck allein. Es zahlt im Jahre 1325 ein Hof zu Barnstorf 3 ßl. redditus, qui swineschult dicuntur, ein anderer 2 ßl. redditus to swineschult (M. U.=B. 4608, S. 254). Zu Bröbberow aber bestätigt im Jahre 1344 Herr Albrecht von Meklenburg dem Schwaner Pfarrer Meinhard von Hamm außer Bede monete denarios seu swineschuld (M. U.=B. 6451), worüber dieser im Jahre 1357 verfügt, indem er andere Hebungen vergibt cum redditibus decem et octo marcarum Rozstoccensium denariorum de precariis totidem mansorum ville B. cum octo solidis dicte monete dictis swyneschult necnon et vna kotha ibidem, von der 32 Hühner fallen (M. U.=B. 8420, S. 226). Ferner sind von 3 Hufen zu Reknitz je 2 1/2 ßl. an debita porcorum zu zahlen (M. U.=B. 9728, S. 277), von 3 Hufen zu Vorbek bei Schwan aber je 2 ßl. swineschult (8443, S. 252), und aus Barnstorf erhebt Rostock 1 Mark für swinescult (11247, S. 467). Endlich treffen wir auf diese Abgabe noch ohne Angabe des Ertrags zu Kl.=Bützin und Weitendorf bei Tessin (9873, S. 406), aus Riekdahl aber werden 4 1/2 Mk. und 20 Pfg. gebucht ad vngelde, id est swinescult et ouerland (11247, S. 467). Nichts anderes wird in M. U.=B. 6110 (1341) gemeint sein, wonach 3 Hufen zu Kleinen 4 1/2 ßl. pro justa pensione porcorum zahlen. Und auch die swinepenninge werden dasselbe bezeichnen. Diese sind zuerst als denarii pro porcis im Jahre 1252 zu Zweedorf bei Wittenburg bezeugt (704), sonst denarii, qui dicuntur muntepenninghe et swinepenninghe zu Sabel (8479, 1358). Aus Bantow hatte jede Hufe bis auf eine 4 ßl. als solche zu zahlen, aus D.=Trechow 6 Hufen je 8 ßl. lüb., aus Gr.=Baumgarten 1/2 Hufe 6 ßl. lüb. (8427, S. 236; 11068. S. 276; 10866. S. 58; 11268). 1 ) Zwei Hufen zu Zepelin entrichteten jede pro porco 1 Mk. wend., eine halbe Hufe zu Wolken 4 ßl. mend. (5601, S. 522, 1335). Endlich ist der incisio porcorum zu gedenken, von der die Grafen von Schwerin im Jahre 1307 Porep befreien (3175), die aber sonst in unserm Urkundenbuche nur in Urkunden vorkommt, die das Bisthum Ratzeburg betreffen, und das ziemlich häufig: M.


1) In Pommern waren zu Miltzow im Jahre 1325 von jeder Hufe 5 ßl. wend., qui dicuntur svynepenninghe zu entrichten. Fabricius, rügische Urkunden Nr. DCLV b.
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U.=B. 2759, S. 34 zu Lockwisch u. Rubenstorf [130l], 3198 von den Tafelgütern des Bischofs (1307), 3540 zu Lankow (1312), 3765 zu Panthen (1315), 4794 zu Mustin (1326), 7400 zu Mechow (1351), 8120 zu Pätow (1355), 9068 f. zu Schlagbrügge u. Schlag=Restorf (1362), 9072 zu Goldensee (1362), 10293 unter den Einkünften des Propstes (1372), 11006 zu Stove, Kronskamp, Neschow, Farchau, Damker, Pötrau (1377) und 11014 u. 11023 zu Gr.=Rünz (1377). Dabei scheint sie in M. U.=B. 2759 und 8120 mit der Waldnutzung in Beziehung zu stehn, indem sich das eine Mal der Propst nemorum seu lignorum dominium und porcorum incisio, cum fuerit opportuna, reservirte, das andere Mal ein Vertrag abgeschlossen ward super porcionibus siluarum et lignorum et inscisionibus porcorum während sie sonst meist neben Zehnten genannt wird. Im Register über die Einkünfte des Bisthums vom Jahre 1525 heißt es nach Schröders Druck Evang. Mecklenburg I S. 84 ff. entweder: dant porcum oder sniedesuine, inscisionem porcorum, porcum incisorium und bei Schwanbek sind »für schniedeschwin van den haluen houen 4 ßl.«, »noch für schnideschwin vnd findelam 4 ßl.«, bei Gr.=Bünstorf bei jeder Hufe 4 ßl. »pro inscisione porci et agni« angesetzt. Incisio ist nach Ducange mit tallia gleichbedeutend, eigentlich das Einschneiden in das Kerbholz (talea), wobei es merkwürdig ist, daß es bei uns fast ausschließlich in dieser Verbindung vorkommt. 1 ) Was aber die so verschieden benannte Abgabe selbst betrifft, so ist es trotz der Verzwickungen der verschiedenen Bezeichnungen keineswegs ganz gewiß, daß stets eine und dieselbe gemeint ist, wenn auch die ungleiche Höhe des Abkaufpreises sich aus der Verschiedenheit der Zeit seiner Vereinbarung erklären mag. Mehrfach läßt sich der Landesherr als der anfangs Empfangsberechtigte erkennen, aber doch nicht behaupten, daß er es immer gewesen sei. Jedesfalls baben wir ein hervorragendes Zeugniß unstät schwankender Terminologie vor uns, und es dünkt mich wahrscheinlich, daß petitio und bede hier nicht in eigentlichem Sinne gebraucht sei, zumal im Lateinischen nur ein einziges Mal der terminus technicus precaria gebraucht ist. Die beregte Abgabe aber von den Schweinen, mag sie eine einheitliche gewesen sein oder nicht und welchen Ursprung sie immer habe, scheint über das ganze Land verbreitet gewesen


1) Höchst selten incisio vacce (solidi pro vacca M. U.=B. 704, kopenninghe, Fabricius rügische Urkunden Nr. CCLXXV im Jahre 1300), und im Ratzeburger Verzeichnisse noch incisio porcorum, agnorum, lini und Aehnliches, einmal auch allein agnus inscisorius.
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zu sein. Irrthümlich jedoch wird die Verbindung mit den monete denarii sein, die auf S. 53 angeführt ist und durch die spätere Urkunde unerklärt bleibt. Möglicherweise ist indessen das verbindende seu im Sinne von et gebraucht, was hundert Jahre früher nicht auffallend sein würde. Die Stelle, die nach Brennecke (S. 83) als einzige die Spezifizirung einer Viehbede geben soll, ist von ihm sehr willkürlich gedeutet worden. Ich kann aus der Urkunde (M. U.=B. 5123) nichts anderes herauslesen, als daß zu Martini ratione precarie eine recht erhebliche Geldzahlung geleistet, zu Walpurgis aber zwei Kühe geliefert werden sollten, quas . . . inscidi per famulum nostrum faciemus.

Krugbede.

Nur ein einziges Mal scheint kr u ghbede, und zwar zu Ritzerow belegt zu sein M. U.=B. 11383. Oefter, aber immerhin selten begegnen crochpenninge (5764 f. 6206), denarii tabernarum (5370 und 6549 tabernarum et domunculorum, 5802, 8628), crochgelt (7033, Uebersetzung), stets in Verbindung mit Münzpfenningen und ausschließlich in Werle. Zweifellos wird auch de teyde pennyng an kroghen vnde an molen verschiedener werlischer Orte (9989) hierher gehören. Außerdem sind noch allerhand Geldhebungen aus Krügen (die ältesten M. U.=B. 147 und 871; andere in den Sach=Registern Bd. XII und XVII unter Krug) und Leistungen an Hühnern, Wachs, Korn und Pfeffer (M. U.=B. 1191 und in den Sachregistern wie vorher) bezeugt. Die oben genannten Krugpfenninge mögen wirklich der Bede zuzurechnen sein.

Mannbede.
Herrenbede.

Nicht allzu oft findet sich noch eine andere Unterscheidung der Bede in Mannbede und Herrenbede. Zuvörderst die Stellen. Im Jahre 1337 verkaufen die v. Kramon an Nic. Wamekow omnem precariam nostram zu Pastin, scilicet de quolibet manso vnam marcam (M. U.=B. 5738) und Herr Albrecht von Meklenburg verleiht dem Käufer diese Bede als precaria vasallica, videlicet de manso quolibet annis singulis vnam marcam (M. U.=B. 5793). Ebenda verkauft der Ritter Werner v. Kramon eine Hufe cum omni jure et precaria vasallorum (M. U.=B. 6327, 1343). - Herr Nicolaus IV. von Werle belehnt Dankwart v. Gustevel mit Mestlin samt dem Neuen Hofe, Rüst und Hohen=Augzin myd aller bede, myd manbede, myd wynterbede vnde myd der zomerbede . . . (M. U.=B. 7875, 1354). - Im gleichen Jahre schenkt Herzog Johann von Meklenburg=Stargard dem Kalande zu Sternberg das Eigenthum zweier Hufen und zweier Kathen zu Zülow cum . . . precaria dominorum et talento piperis, quod nobis de jam dictis mansis

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annuatim dabatur, ac precaria vasalorum decimoque denario interclusis (7930). Derselbe gestattet im Jahre 1366 Bürgern zwei Hufen ebenda zu einer kirchlichen Stiftung zu verwenden ane de herenbede, de beholde wy vnß vnde vnßen eruen (9542). - Herzog Albrecht von Meklenburg verkauft dem Canonicus Jakob v. Krumbeke 10 Mk. Rente aus Degetow, prout nos dictas precarias primas predicte ville D., que proprie precarie dominorum terre nuncupantur, liberius hactenus habuimus (8075, 1355). - Herzog Johann von Meklenburg=Stargard wieder verleiht im Jahre 1367 den v. Plessen Herzberg myt aller manbede vnde herenbede, beyde lutke vnde grote, myt; hundekorne (9641). - Schließlich verpfändet Herr Johann von Werle dem Ritter Raven v. Barnekow Gischow an aller bede, de me hidden edder beden mach, myd zomerbede, myd manbede vnde grote bede . . . myd hundekorne (10024 1370), an Klawes v. Wozenitz all seine Rechte an Domsühl, alle bede vnde hundekorne vnde den teynden penning ouer de koten vnde de muntepenninghe . . . sunder den borchdenst vnde de manbede, de hadde he tovorne in deme gude, dat schal he vnde sine eruen (auch nach der Einlösung) beholden (10090, 1370) und verläßt im Jahre 1371 dem Kloster Dobbertin zu Dobin alle Bede klein vnd groß alß die Somerbede, Manbede vnnd Winterbede vnd alle Hundekorn (10143).

Ueberlegen wir diese Stellen für sich, so sind die Gegenüberstellung von Mannbede und Herrenbede, von Mannbede und großer Bede, wie die Gleichsetzung von Herrenbede und erster Bede und die Angabe des Betrags der Mannbede in einem Falle feste Punkte. Ferner ist klar und stimmt zu Früherem, daß die große Bede und Winterbede gleichstehn und damit nur die Martini=Bede gemeint sein kann. Den weitern Schluß, daß unter erster Bede immer diese Martini=Bede gemeint sein müsse und folglich auch nach S. 44 die Vorbede die Martini=Bede sei, wage ich nicht zu ziehen, obgleich er sich mit logischer Notwendigkeit aufdrängt. Denn vereinzelte, zeitlich und räumlich auseinanderstehende Urkundenäußerungen scheinen mir nur mit großer Vorsicht vereinigt werden zu dürfen und durch die Zusammenstellung von recaria prima, media et vltim (5649) und Sommerbede, Mannbede, Winterbede, die sich von Rechts wegen entsprechen müßten, würde man ad absurdum geführt werden. Wenn es natürlich war, das Finanzjahr mit Martini zu beginnen - ob man damit begann, weiß ich nicht, - wo die Leistungsfähigkeit der Bauern anfing, und zu dieser Zeit die

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erste Bede zu erheben, so machte andererseits die Sprache ihr Recht geltend und stellte den Sommer voran und den Winter hinterher, und danach scheint es mir nicht ausgeschlossen, daß unter der ersten Bede öfter die Walpurgis=Bede zu verstehn sei. Dies muß ich also auf sich beruhen lassen, und um so mehr als nach einer spätern auf S. 44 angezogenen Urkunde vom Jahre 1396 die vornste bede der nabede, de de heren des landes jarliken plegen tho biddende, gegenüber steht, die erste aber den größern Ertrag brachte. Wenn wir aber mehrfach in werlischen Urkunden die Mannbede zwischen die Sommerbede und große oder Winterbede gesetzt finden, so scheint daraus zu folgen, daß Mannbede und Herbstbede oder Michaelis=Bede gleich sind, wie man ja auch gerade in Werle wiederholt die Termine Walpurgis, Michaelis, Martini antrifft. Ausgeschlossen ist angesichts der gegebenen Zusammenstellungen die Deutung von Herrenbede als außerordentlicher Bede, 1 ) woran man wohl hätte denken können, zumal man Stellen anziehen kann wie M. U.=B. 11019 (mit . . . bede luttich vnde grot vnde mit al deme, dat de heren bidden. vnde beden moghen . . . an thokomender tid) oder 11383 (wat de heren des landes bydden edder beden moghen) oder 10688 (alle bede, de de heren in deme lande byddet), wobei die außergewöhnliche Bede sicher eingeschlossen ist. Die Urkunden M. U.=B. 2238 f., anscheinend hierher gehörig, kommen aus dem Grunde nicht in Betracht, weil die peticio oder die exactio et peticio dominorum, qualiscunque in terra fuerit, über die Mühle vor Plau dem Zusammenhange nach städtischer Besteuerung entgegen gestellt ist.- Die Benennung hat Brennecke, der auf S. 15 f. in der Anmerkung und auf S. 27 auch in der Anmerkung über die Mannbede handelt, darauf zurückführen wollen, daß die kleine Bede wie die niedere Gerichtsbarkeit anfangs vorzugsweise an die Mannschaft veräußert worden, die große Bede aber wie die hohe Gerichtsbarkeit der Regel nach von den Landesherren vorbehalten worden sei. Er stützt sich dabei nicht zum wenigsten auf M. U.=B. 9641, die er auf eine Weise benutzt, die ich mich vergebens geplagt habe zu verstehn. 2 ) Ich halte diese Erklärung,


1) Daß Mannbede nicht außerordentliche, von den Mannen bewilligte Bede sein kann, darüber ist kein Wort zu verlieren. Solche Benennung wäre nur in modernem Zeitungs=Deutsch möglich.
2) Ich verstehe nur, daß er hier herenbede als lutke unde grote (Bede) umfassend annimmt, was ich nebenbei gesagt nicht für richtig halte, sondern manbede unde herenbede für parallel ansehe mit beyde lutke unde grote (sowohl kleine wie große).
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wie sie auch immer mit M. U.=B. 941 zu begründen sein möge, so lange für verkehrt, bis es gelingt nachzuweisen, daß gerade vorzugsweise nur die kleine Bede an die Mannschaft veräußert worden sei. Einstweilen fehlt dafür aber jeder Nachweis. Alle die zahlreichen Bedebefreiungen und Bedeverleihungen umfassen bis auf wenige Aufnahmen die ganze Bede ober, was damit gleichbedeutend ist, die Bede, unsere Bede, und vorbehalten wird nur hier und da der Fall allgemeiner oder außerordentlicher Bede. Eine Trennung von großer und kleiner Bebe, von Mannbede und Herrenbede, so daß nur eine der beiden verliehen oder erlassen, die andere vorbehalten wird, findet sich äußerst selten: M. U.=B. 3540, 4794, 5793, 6327, 8044, 9542, 10090, allenfalls noch 8075. 1 ) Und das ändert sich auch nicht, wenn wir die wenigen Stellen hinzurechnen, wo es sich aus dem Ertrage der veräußerten Bede wahrscheinlich machen läßt, daß der eine Termin abgetreten ist, der andere nicht. Man muß sich indessen sehr in Acht nehmen, daraus, wenn man Bede im Betrage von einer Mark, die nach M. U.=B. 5793 den Inhalt der precaria vasallica bildete, für sich findet, oder wenn Hebungen aus der Bede auftreten, die dem Ertrage eines Bedetermins gleich sein möchten, zu schließen, daß ein Termin für sich fortgegeben sei. Viel wahrscheinlicher ist es, daß der Hebungsberechtigte an allen Terminen betheiligt gewesen ist. Vgl. M. U.=B. 8156. Meist wird also die Bede nicht geteilt, wo sie aber getheilt wird (S. 43 ff., S. 55 ff.), werden beiderlei oder dreierlei Beden zusammen verliehen oder erlassen. Getrennt sind nur, nicht freilich der Regel nach, aber immerhin häufig, Geldbede und Kornbede (Hundekorn). Auch in M. U.=B. 2861, wo der Fall vorgesehen wird, daß der Ritter Joh. v. Bellin suum judicium et precariam (d. h, die auf seine Erbgüter bezüglichen) emerit sicuti aliimilites et vasalli des werlischen Landes, ist nur von Bede überhaupt und nicht von einer besondern die Rede. Auf dem rechten Wege indessen ist Brennecke gewesen, wenn er die Verhältnisse der Gerichtsbarkeit zur Erklärung heranziehen wollte. Denn wie man die niedere Gerichtsbarkeit Vasallen=Gerichtsbarkeit nannte, wie man Mannrecht und Herrenrecht unterschied, so dürfte man eine Zeit lang in Analogie hierzu die den geringern Ertrag ab=


1) Anmerken will ich doch, daß eine Rente, die Herzog Heinrich im Jahre 1450 aus der ganzen Bede des Dorfs Niendorf im Kirchspiel Drewskirchen verkauft hatte, im Jahre 1475 als eine Rente aus der Herrenbede angeführt wird (Wismarsche Urkunden 1450 Januar 31, 1475 September 20).
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werfende Bede Mannbede und die größere Herrenbede genannt haben. Solche Art der Benennung ist wenigstens denkbar, und diese Erklärung thut den Thatsachen keinen Zwang an.

Markbede

Markbede, die im Beginne des fünfzehnten Jahrhunderts einige Male durch Urkunden des Geschlechts Behr neben Sommerbede belegt ist (III Nr. 366, 373), erklärt sich einfach genug daraus, daß sie eine Mark betrug.

Ueberbede.

Endlich ist, da Königsbede und Kaiserbede 1 ) spätern Datums sind, noch der Ueberbede zu gedenken, die im ganzen Urkundenbuche nur ein einziges Mal bezeugt ist in M. U.=B. 9918, und die ich auch sonst nur noch Jahrb. 13 S. 292 f. vorgefunden habe. Nach M. U.=B. 9918 aber verkauft Herzog Albrecht i. J. 1369 an den heil. Geist zu Lübeck Warnkenhagen und daselbst precarias nostras, siue tales bede siue ouerbede, siue wynterbede vel zomerbede dicantur . . . . nec nos . . . debent colonos . . . pro aliquo vecture aut aliquorum seruiciorum onere aut pro aliqua precaria qualicunque, ymmo nec pro majori nec pro minori quomodolibet angariare. Wobei zur Konstruktion zu bemerken ist, daß tales nicht Attribut zu bede, sondern Subject und bede Prädicatsnomen ist. Nach der andern Stelle ward im Jahre 1422 dem Kloster Doberan eine ihm von Herzog Johann vermachte jährliche Rente von 12 Mk. lüb. an der ouerbede zu Satow oder an deme halben vnde ghude to der Zatowe an der ouerbede zu Memorien bestätigt. Auch hier kann ich der Erklärung Brenneckes nicht zustimmen, daß ouerbede die Bede vom Ueberlande sei. Das wäre in dem einen Falle eine sonderbare Zusammenstellung: Bede oder Bede vom Ueberlande oder Sommerbede oder Winterbede! Im andern aber war gerade Satow seit langem landesherrlicherseits von Nachmessung befreit (M. U.=B. 1893. 7037) und das Kloster im Besitze der Bede (M. U.=B. 7730). Man wird also an einen Zuschlag 2 ) zur Bede zu denken haben, über


1) Königsbede habe ich zuerst aus dem Jahre 1460 notirt (Oertzen II Nr. 232), aus dem Jahre 1508 Freiheit von koninges efte landtbede (ebd. Nr. 338). In den Streitigkeiten über die Landestheilung mit seinem Bruder Herzog Ulrich beansprucht Herzog Hans Albrecht von sechs Dörfern des Klosters Neukloster Königsbede und Stolbede für die Vogtei Bukow. Wegen der Kaiserbede liegt im Wismarschen Archive eine Anfrage Rostocks vom Jahre 1492 vor über den von Wismar geleisteten Betrag, Rostock habe ehedem 5000 Mk. Sund. gezahlt.
2) Zu vergleichen ist overgeld zur Pacht. Gemäß Wismarschen Urkunden von 1491 März 30 und Dec. 20 verkaufen Henneke und Bernd v. Plessen an S. Marien zu Wismar aus Triwalk Renten ouergeldes (  ...  )
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den wir übrigens einstweilen (wenigstens für burgMeklenburg) so wenig unterrichtet sind wie über die Besteuerung des Ueberlandes. Mit allem Vorbehalte will ich dem Gedanken Raum geben, daß overbede und manbede gleich sein könnten, wie sie in Urkunden gleich stehn.

Orbör.
Schoß.

Ueber die öfter und namentlich anfangs bei noch nicht ausgebildeter Terminologie 1 ) gleichfalls Bede genannte Orbör der Städte will ich mich nicht verbreiten. Denn wo wir hierüber genauere Wissen haben, ist diese stets auf ein Fixum behandelt, und nur die von Brennecke auf S. 60 richtig gewürdigte Güstrower Urkunde M. U.=B. 1015 läßt erkennen, daß zum Theil ein anderer Modus vorangegangen, wobei der Landesherr die Bürger direkt besteuerte. Aber weder hier noch in den unentwickelten Zuständen Marlows und vielleicht Neu=Bukows (a. a. O. S. 66 f.) läßt sich erkennen, nach welchem Grundsatze solche Steuer umgelegt sein mag, wenn es auch nahe liegt, aus M. U.=B. 2171, wonach Herr Nicolaus von Werle der Stadt Güstrow) jährlich de collecta communi, que uulgariter schot dicitur, eine Rente verkauft de parte nos legitime contingente, zu schließen, daß sie Schoß war. Denn stringent in dieser Hinsicht beweisend ist diese Stelle nicht einmal für Güstrow), geschweige denn für andere Städte. In Gründungs=Urkunden und den Bewidmungen mit Stadtrecht wird der Orbör nicht gedacht, und es ist gemäß der verschiedenen Stellung der Städte auch ihr Verhältniß zu Bede ober Orbör verschieden. Daß je von Rostock oder Wismar der Landesherr oder seine Beamten Bede erhoben haben, ist durchaus unwahrscheinlich, vielmehr wird hier das Schoß älter sein als die Orbör. Das Schoß aber, die in den Städten von den Bürgern erhobene Steuer, ist, soweit wir etwas darüber wissen, eine reine Vermögenssteuer, die abgesehen von dem jeden gleich treffenden Vorschoß nach einem gewissen Prozentsatze von aller Habe, Liegenschaften und Kapitalien und sogar vom Geschmeide 2 ) zu leisten war. Vgl. darüber jetzt M. U.=B. 11741 mit der Anmerkung und wegen einiger Nachträge das Register. Hier will


(  ...  ) van der kornepacht, teghetlammeren, teghetvlaß vnde rockhon oder van deme ouerghelde deß kornes neben Rente rechter pacht aus verschiedenen Bauernhöfen.
1) Hernach schied man offenbar absichtlich im Ausdrucke. Man vgl. M. U.=B. 7118, wo neben precaria aus Kassebohm und Barnstorf collecte aus Warnemünde gebucht wird.
2) et viri talliabunt pro clenodiis sub juramentis eorum. Nachtrag zur Wismarschen Bürgersprache vom Jahre 1397 bei Burmeister S. 27.
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ich nur die Gelegenheit benutzen, einige Irrthümer und Schiefheiten in Brenneckes entsprechendem Kapitel (S. 56-74) richtig zu stellen. Ausdrücklich bei der Gründung verbriefte Steuerfreiheit von Städten (S. 56) ist nicht nachgewiesen. Die ältesten Grabower Urkunden sind bekanntlich unecht, und die für [A.=]Kalen angezogene Urkunde (M. U.=B. 713, nur in einer späten Abschrift erhalten) besagt, wenn ich sie recht verstehe, nur daß nicht ferner gemäß Landrecht vom Grund und Boden (nach Hufenzahh Bede geleistet werden, sondern daß ferner Lübsches Recht gehandhabt werden solle. 1 ) Dagegen ist nach M. U.=B. 2756 (vom Jahre 1301, nur in Abschrift erhalten) der Stadt Boizenburg von dem Grafen Nicolaus von Schwerin die Bedefreiheit verkauft. - Falsch ist auf S. 65 die Urkunde für Güstrow gedeutet (M. U.=B. 1015), deren Ausdruck allerdings ungewandt genug ist. Auf alle Fälle ist zu excedant nicht consules, sondern cives als Subject zu denken, denn die betreffende Stelle lautet: ciuibus in Guzstrowe . . . contulimus petitionem pro C marcis annis singulis persoluendis, ita tamen quod prefatum numerum petitionis in perpetuum non excedant. Es kann nur gemeint sein, daß nie mehr als 100 Mark der Stadt für die petitio abverlangt werden solle. - Bei Bestellung Dritter, an die eine Stadt sich wegen Schosses von Grundstücken und Renten halten sollte (S. 69) ist der springende Punkt der, daß die städtischen Grundstücke und die darin fundirten Renten als inhärirende Theile der Grundstücke auf keine Weise der städtischen Gerichtsbarkeit entzogen werden sollten und deshalb im gegebenen Falle Vertreter gestellt werden mußten, die dieser unterstanden. Unmündige mußten einen Vormund haben, Geistliche waren in specie in Liegenschaftssachen dem Rathe gegenüber unmündig (vgl. M. U.=B. XVII unter geistlich). Was nun die Steuerpflicht der Geistlichkeit betrifft (S. 70), so sind Person und Besitz zu unterscheiden. Für ihre Person und ihre fahrende Habe waren die Geistlichen, weil Nichtbürger, auch in unsern Städten steuerfrei (wofern sie nicht etwa später durch die Accise mitgetroffen wurden), wenn sie dagegen geneigt waren, für erworbene Grundstücke dieselbe Freiheit und geistliches Recht zu


1) Sonst würde daraus gefolgert werden müssen, daß die deutschen Städte überhaupt steuerfrei waren, was mit den thatsächlichen Zuständen nicht in Einklang steht. Unmöglich aber ist, weil widersinnig in sich, die Auslegung, daß A.=Kalen von dem in deutschen Städten üblichen Schosse frei sein solle. Jedenfalls hatte eine solche Befreiung einen ganz andern Ausdruck finden müssen.
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beanspruchen, so hielt der Rath daran fest, kein Grundstück seiner Jurisdiction und den bürgerlichen Pflichten entziehen zu lassen, und in beiderseitigem Interesse schloß man Compromisse entweder dergestalt, daß die betreffenden Grundstücke einem Bürger im Stadtbuche (zu treuer Hand) zugeschrieben wurden und dieser dem Rathe gegenüber als Eigentümer verpflichtet war (s. M. U.=B. XVII und XX unter Hand), ober man trat direkt mit den Geistlichen in Verbindung und vereinbarte einen festen Satz für Schoß und andere Bürgerpflicht; auch kam es vor, daß man Klöstern Vormünder gab. Kirchen oder Kapellen (S. 70) an sich als Gebäude und mit ihrem Schmucke zu besteuern, solcher Gedanke ist dem Mittelalter gänzlich fremd. Klostergebäude als Behausung und Wirthschaftsbaulichkeiten aber unterlagen als Ganzes dem vereinbarten Schosse, wenn man die z. B. auf den Höfen Doberans oder Neuklosters oder Cismars in Rostock und Wismar errichteten Gebäude als Klostergebäude ansieht. Mit dem Besitze der Kirchen (denen Bürger als Vorsteher gesetzt waren) mag es verschieden gehalten sein: in der zweiten Hälfte des funfzehnten Jahrhunderts war er in Wismar nicht schoßfrei. Die Ritterbürtigen behandelte man wegen Grunderwerbs ähnlich wie die Geistlichen. - Ob wegen des dampnum aree (S. 74) des Nicolaus _Tunneke von einem Nachlasse im Schosse gesprochen werden darf, etwa weil sich der Werth des Grundstücks gemindert hatte, kann einigermaßen fraglich erscheinen. Wahrscheinlicher ist mir, daß ihm und zwar in mehreren Raten durch Abzug vom Schosse beglichen ward, was ihm die Stadt für einen Theil seiner Wurt schuldig geworden war, den sie für die Befestigung benutzt hatte (s. M. U.=B. 1476 B 1 ) S. 594).

Grevenschat.

Noch erübrigt einiger Abgaben flüchtig zu gedenken, über die man wenigstens ein Wort bei Brennecke zu erwarten berechtigt gewesen wäre. Für grevenscat, das zwei Male neben Bede vorkommt M. U.=B. 2612, 3126 (Holzendorf unund Gr.=Görnow),

Kathenpfenninge.

habe ich keine Erklärung, 2 ) und auch die Kathenpfenninge, die öfter neben den Krugpfenningen auftauchen, will ich nur nennen, da ich nicht hoffen kann, darüber etwas auszumitteln.


1) Es ist kein Einnahmeregister, sondern ein Register über [Zwangs=]Darlehen ähnlich dem in den Rostocker Beiträgen III, 1 S. 32 ff. abgedruckten. Wenn solche oder andere Darlehen oder Schulden durch Abschläge bei der Schoßzahlung getilgt werden, darf man doch nicht von Erkaufen von Schoßfreiheit reden.
2) In M. U.=B. 239 und andern Urkunden erklärt sich das im Lateinischen entsprechende exactio comitum aus dem zu Grunde gelegten Formulare. S. S. 4 Anmerkung 2.
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Möglich, daß damit eine Abgabe irgend wie in Zusammenhang steht, die nach M. U.=B. 7033 - leider fehlt das Original - von Webern und Weberinnen erhoben zu sein scheint. Auch der

Brugpenninge.

Brugpenninge (in Beziehung zu Brückendienst?) in M. U.=B. 1904 muß ich mich begnügen zu erwähnen. Wolthaver wird mit avena silvestris oder nemoris übersetzt und gehört demnach

Münzpfenninge.

nicht hierher. Dagegen ist bei den Münzpfenningen längeres Verweilen geboten. Ich gebe zuerst die Namen, mit denen diese Abgabe belegt wird, immer mit den ältesten Stellen und nach der zeitlichen Folge geordnet. denarii monete M. U.=B. 1317 (1274). 2181 (1292). 2415 B (1296). 2514 (1298). denarii monetales 7203 (1280). 2718 f. (verdächtige Urkunden). 4835. denarii monetarum 2165 (1292). 2825 (1302). 4772. numisma 2617 (1300). 3345. 3660. nummisma 3063 (1306). 3190. 3202. moneta 2743 (1301). 3238. 3687. denarii numismatis 3121 (1306). 3220. 4475. můnthepenninghe 3563 (unechte Urkunde), muntepenninge 5764. 5802. 6918. muntegelt 3932. muntpenninghe 4959. můnte 7292. 9989. 11019. můnthe 7009. munthe 7033 (Uebersetzung). mit der munte, mit muntepennigen 11402 (Abschrift).

In der Regel stehn die Münzpfenninge mit der Bede in engem Verbande. Allein begegnen sie nur dreimal. Im Jahre 1307 verleiht Herr Nicolaus von Werle dem Kloster Doberan proprietatem quinque marcarum slauicalium denariorum, quas de consulibus oppidi nostri Kracow de nummismate nostro . . . recipient quouis anno M. U.=B. 3202. Ein Jahr darauf überläßt Herr Heinrich von Meklenburg den Johannitern zu Mirow vniuersos denarios monete, quos in villis predictorum fratrum scilicet Myrowe, Zirtow, Pezich, Lenst, Vlit, Repent, et in IIII or mansis Starsow tam denarios monete quam XXVIII solidos Brandenburgenses de tributo, quod dicitur thins, percipere annuatim consuevimus M. U.=B. 2885 (bestätigt 2922). Endlich verleihen die Herren von Werle dem heil. Geist=Hospitale zu Parchim proprietatem ville Rome . . . excluso solum nummismate M. U.=B. 3368. Außerdem finden wir die Münzpfenninge noch einige Male neben der Bede, aber von ihr losgelöst. Indem nämlich Herr Johann VI. von Werle dem Kloster Malchow Laschendorf und Kisserow und zwei Hufen zu Grüssow cum omni precaria, majore et minore, et annona canum que hundekorne dicitur verleiht, befreit er die Bauern ab omni castrensi seruitio et a denariis monete (quocunque nomine censeantur) M. U.=B. 10857. 11004. Herr Heinrich

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von Meklenburg aber schenkt dem Sternberger Kalande das Eigenthum von 4 Hufen zu Kl.=Raden cum omni jure moneta inclusa excepta duntaxat precaria, die Johann von Raden sich beim Verkaufe vorbehalten hat (M. U.=B. 3687) und vereignet 9 Hufen ebenda zu Vicareien in Sternberg, die Joh. von Raden abgekauft sind cum . . . judicio et moneta (eine Wiese und Hebungen nur cum judicio), wobei eine Entfreiung von der Bebe aus dem weiteren Tenor der Urkunde zu erschließen ist (M. U.=B. 3782). Myt hundekorne, myt muntepennighen, aber unter Vorbehalt großer und kleiner Bede verpfändet Herr Bernhard von Werle 24 Hufen zu Schwarz an die v. Marin M. U.=B. 8493. Wiederum verpfänden Herr Johann von Werle oder Herr Lorenz von Werle zu Moltzow oder zu Mistorf alle bede lutke und grot . . . vnde muntepenninge, behalten aber das Hundekorn (M. U.=B. 1017. 10250), und verleiht Herr Heinrich von Meklenburg Matersen an Dobbertin cum dimidia precaria denariorum . . . et cum denariis monetarum . . ., reseruata tamen nobis dimidia precaria denariorum et annona canina M. U.=B. 4772. Endlich sind hier die beiden Parallel=Urkunden anzuführen, in denen Herr Nicolaus von Werle und seine Brüder den Johannitern zu Mirow Qualzow und zwei Hufen zu Leussow vereignen (M. U.=B. 2415). Denn während nach A Dorf und Hufen befreit werden ab omni exactione, precaria et molestia oder ab exactione, precaria, seruiciis justis et injustis, befreit B von precaria . . . denarii monete . . . seruitia petitionum. - Der Vollständigkeit halber weise ich noch auf zwei Urkunden hin, wo die Münzpfenninge mit der Schweineschuld ober den Schweinepfenningen durch seu oder et verbunden sind M. U.=B. 6451 und 8479. Die Stellen sind auf S. 53 ausgeschrieben und auf S. 55 ist ein Wort darüber gesagt.

Das Gebiet der Münzpfenninge ist dasselbe wie das des Hundekorns, nur daß es im Lande Sternberg weiter nach Norden und Westen reicht. Wir finden sie nämlich in den werlischen Ländern mit Einschluß von Gnoien, Kessin und Schwan in folgenden Bezirken und Ortschaften:

Stadt und Land Neukalen M. U.=B. 11402. Stadt (?) Krakow 3202. Vogtei Parchim 10757. Land Penzlin, Maltzan II Nr. 393, im Jahre 1414. St. und L. Stavenhagen M. U.=B. 10763. St. und L. Teterow 11261. St. und L. Waren 11119. - Besitzungen des Klosters Broda 3563. - Hohen=Augzin 7875. Babke 6796. Basedow 5764. Bellin 9989. Benitz 2750.

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Benzin 2617. Blankenförde 3698. Böck, Hahn II Nr. 221, im Jahre 1392. Gr.= und Kl.=Bresen 9989. Bristow 7597. Bröbberow 6451. Brok 2617. Brokhusen 2743. Brusdorf 1317. Buchholz 6991. Dalmersdorf 3698. [Damm] 3063. Demzin 6401, Hahn II Nr. 222, im Jahre 1404. Dobbin 10527. Domsühl 10090. Drosenow 5827. Oldenburg 4959. Fahrenholz 2743. Finkenthal 7312. 8484. Fleeth 2885. 2922. Gaarz 2514. 2726. Gedin 2165. Gerdshagen 11480 B. Gessin 5764. Gilow 2750. Gischow 10024. 11395. Glevin 4475. Gotthun 8628. Grabow 6401. Granzin 3698. Granzow 10836. Grapentin 2165. Grapenwerder 3345. Grüssow 11004. Hove 7292. Jamen 7010. Jürgenshagen 5528. 5894. Kisserow 11004. 11019. Klöden und Kleesten, Maltzan II Nr. 372, im Jahre 1402. Kirch= und Wend.=Kogel 9989. Kratel 2617. Kratzeburg 3698. Kritzow 2617. Kuppentin 2718 f. (verdächtige Urkunden). 10362. Langhagen 1317. Laschendorf 10857. Lenst 2885. 2922. Leussow 2415 B. 2726. Lexow 5370. 6549. Sand=Liepen 5764. 7009. Lübkow 1317. Kl.=Lukow 6029. Lupelow 1317. 2181. Malchow bei Plau 5827. Malchow bei Parchim 8396. Marin 3121. Wend.=Massow 6401. Matersen 4772. Mestlin mit dem Neuen Hofe 7875. Mirow 2885. 2922. Mistorf 10250. Moltzow 10174. Kl.=Niendorf 11025. Nienhusen 2743. Oldenstorf, Maltzan II Nr. 372, im Jahre 1402. Paarsch 10010. Pannekow 10836. Peccatel 1317. Petsch 2885. 2922. Pisede 11290. Gr.= und Kl.=Poserin 2718 f. (verdächtige Urkunden). Priborn? 2825. Qualzow 2415 B. 2726. Quetzin 3220. Reimershagen 9989. Repent 2885. 2922. Restorf 2617. Retzow 7658. Rittermannshagen 6978. Ritzerow 11383. Rogeez 6401. Roggentin 2726. Rom 3368. Rosenow 2181. Rüst 7875. Sabel 3379. 3463. 8479. 8988. Samot 3660. Sanz 6401. Satow 6401. Schillersdorf 2938. Schmort 4835. Schönberg bei Waren 8402 (S. 207). Schwarz 8493 (S. 325). Schwinkendorf 6198. Sendorf, Hahn II Nr. 221, im Jahre 1392. Sehlstorf M. U.=B. 6918. 10527. Simitz 3238. Spitzkuhn 2825. Starsow 2885. 2922. Stribbow 1317. Kl.=Stuer 6401. Sukow 6401. Techentin 3698. Varchentin 7033. Gr.= und Kl.=Vielen 1317. Vietzen 2514. 2726. 7545. 7573. Wale 5802. Wardow 6206. Wargentin, Maltzan II Nr. 375, im Jahre 1404. Wessentin 2617. Wygendorp 9989. Wozeten 5765. Wulkenzin 8097. Zahren 1317. Zeez 3190. Zidderich 10527. Hohen=Zieritz 1317. Zierzow 8774. Ziplow 1317. Zirtow 2885. 2922. Zisendorf 2743.

Im Lande Sternberg: im Kirchspiel Kladow 3932. Zu Herz=

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berg 9641. Kritzow 3932. Gr.=Niendorf 6506 B. Kl.=Raden 3687. 3782. Turloff 3833. Vithusen 3932.

Auch östlich von Meklenburg in den Pommerschen Landen treffen wir die Münzfenninge ebenso wie das Hundekorn. Einzelne Beispiele dafür bietet das Meklenburgische Urkundenbuch, mehr die Urkunden des Fürstenthums Rügen und die des Geschlechts der v. Maltzan.

Es stellt sich also heraus, daß sich in Meklenburg Kornbede oder Hundekorn und Münzpfenninge nur in den Gebieten finden, die in der Hauptlandestheilung den werlischen Linien zugefallen sind, und da auch das Land Sternberg diese Abgaben aufweist, so wird geschlossen werden müssen, daß Ursprung und Scheidung der Steuern in die Zeit der Herrschaft des Herrn Pribislav von Parchim=Richenberg, in die Zeit zwischen 1238 und 1256, fällt, wogegen dem einmaligen Vorkommen des bedekorns im Lande Bukow größere Bedeutung nicht beigemessen werden kann.

Voraussetzung ist dabei allerdings, daß die Münzpfenninge eine Steuer sind. Das wird aber nicht zu bestreiten sein, denn, wenn auch öfter von der Bede getrennt, erscheinen sie in Meklenburg und im Fürstenthume Rügen durchweg mit dieser auf gleicher Linie. Einmal werden sie außerdem geradezu als talia bezeichnet (M. U.=B. 3932), M. U.=B. 9153 aber würde sie neben Bede und Gerichtsbarkeit den Gefällen der Vogtei zuweisen, wenn nicht die besondern Umstände hier über die Auffassung des Worts můnte Zweifel ließen.

Ueber den Betrag liegt aus Meklenburg nur Ein Zeugniß vor: M. U.=B. 7545, wonach von jeder Hufe zu Vietzen sechs Pfenninge zu entrichten waren. 1 ) Denselben Betrag ergeben pommersche Urkunden. 2 ) Auch nach M. U.=B. 8484 war die Hufe (Finkenthal) das Steuerobjekt, nach M. U.=B. 2750 aber Hufe und Wurt (Benitz und Gilow). Ob auch Mühlen zu den Münzpfenningen herangezogen sind, bleibt zweifelhaft, da M. U.=B. 2825 nicht zum Beweise genügt, und noch mehr liegt es im


1) M. U.=B. 11383, wonach es auf den ersten Blick scheinen könnte, als ob Münzpfenninge und Hundekorn zusammen in Korn entrichtet seien, scheue ich mich doch bei näherer Ueberlegung so scharf auszulegen.
2) Behr III Nr. 366 und 373 aus den Jahren 1402 und 1403 (Stielow, Gustebin, Vierow, Lossin). Dagegen dürfte Blücher I Nr. 598 aus dem Jahre 1522 für Düvier in Anhalt an den gewöhnlichen Betrag des Hundekorns auf 1 ßl. für die Hufe führen, wie sie 6 Pfg. für den Kathen bezeugt. Aus der Rechnung bei Fabricius, Urkunden zur Geschichte des Fürstenthums Rügen Nr. CCCL aus dem Jahre 1314 ist ein bestimmter Satz nicht zu errechnen, indessen von 4 Pfg. für den Haken als einigermaßen wahrscheinlich zu vermuthen.
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Dunkel, aus welchem Grunde die Rathmannen von Krakow eine Rente de nummismate des Herrn Nicolaus von Werle zu zahlen verpflichtet werden konnten (M. U.=B. 3202).

Ueber die Benennung kann man sich nur mit Vorsicht äußern. Die Zusammenstellung von munte und muntepennige (M. U.=B. 11402) wird nicht mehr Bedeutung haben, als die von Kornbede und Hundekorn in einer andern Urkunde. Die Erklärung als Schutzgeld lehne ich rundweg ab, da in diesem Falle die Formen munt und muntpenninge als vorherrschend, namentlich in älteren Zeugnissen erwartet werden müßten; wogegen muntpenninge nur Einmal, und das ziemlich spät bezeugt ist und die ständige und frühzeitige Uebersetzung 1 ) mit moneta oder numisma stark ins Gewicht fällt. Auch scheint der Betrag für ein Schutzgeld 2 ) zu geringfügig. Einstweilen halte ich noch einen Zusammenhang der Münzpfenninge mit der Münze für das Wahrscheinlichste, wobei ich mich auf die bei Fabricius, rüg. Urkunden Nr. DXXXIV abgedruckte Urkunde berufe, der zu Folge im Jahre 1319 Fürst Wizlav an Stralsund vnse muntepenninghe vnde munte vnde wesle darsulues tume Sunde verkauft unter Vorbehalt der Münzpfenninge draußen im Lande und in den Städten, und daran erinnere, daß die Grafen von Schwerin sich gegen den Verzicht auf eignes Münzen eine Abgabe von zwei Pfenningen von jeder Schüssel, also eine Art Kopfsteuer, im ganzen Lande zusichern ließen (M. U.=B. 1504).


Anhangsweise erübrigen noch einige kritische Anmerkungen zu Kapiteln der Abhandlung, an die ich anknüpfe, wofür aber in meiner eignen Untersuchung ein Rubrum nicht zu eröffnen war.

Betrag der Bede.

Ueber den Betrag der Bede läßt sich Sicheres aus dem zu Gebote stehenden Material wenig ermitteln, weil nur selten wirklich feststeht, daß die vorkommenden Zahlen den Betrag der


1) Falsche und sehr wunderliche Uebersetzungen kommen genug vor, aber wohl stets vereinzelt.
2) Ein solches ist unter dem gleichfalls räthselhaften Titel von denarii episcopales bezeugt, qui in signum tuicionis et recognicionis ipsius proprietatis dari solent M. U.=B. 3199 (Rottmannshagen, Rützenfelde und Zettemin). Aber eine Brücke zu den Münzpfenningen wird sich schwerlich schlagen lassen, um so weniger, als die Güter, von denen diese erhoben wurden, keineswegs regelmäßig Eigenthum waren, und es sich bei den den. ep. möglicherweise im Grunde um eine Recognition wegen des Zehnten handelt (vgl. M. U.=B. 2704).
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Bede und nicht Hebungen 1 ) daraus darstellen, und hier und da mit der Möglichkeit besonderer Abmachungen zu rechnen ist. Wahrscheinlich ist es, daß in den verschiedenen Landestheilen ungleiche Bebe erhoben ist und auch eine Veränderung im Laufe der Zeit stattgefunden hat (trotz Brenneckes Ausführungen auf S. 81). An eine Berücksichtigung der Bonität glaube ich nicht, und auch nicht daran, daß man sich an die Pachtsätze angelehnt habe, wofür M. U.=B. 4748 und 8214 angezogen werben können. 2 ) Manchmal mag eine zu knappe Ausmessung des Landes Anlaß gewesen sein, die Bede herabzusetzen, wofür wenigstens zwei Zeugnisse, M. U.=B. 3271 und 6457, zu Gebote stehn, und womit ich mir auch die Differenz in M. U.=B. 6379 zu erklären vorziehe. In M. U.=B. 9033 geht der Relativsatz alse sin nabure gheven boven unde nedde[ne] zunächst auf das von B. im Citat S. 78, 4 ausgelassene Substantiv denst, und auf alle Fälle ist es eine unzulässige Art der Interpretation, wenn darin eine Andeutung gefunden werden soll, daß die Hufen in Bezug auf Bede ungleich behandelt seien. Sicher ist, daß im Lande Malchin im Jahre 1357 der Satz von 4 Mk. wend. von der Hufe jährlich in drei Terminen, zu Walpurgis und Marien Geburt je zu einem Viertel und zu Martini zur Hälfte hergebracht war (M. U.=B. 8310), ein Satz der auch noch für das Jahr 1381 für Ritzerow bezeugt ist, wo 1 Mk. Sommerbede und 3 Mk.


1) Um solche Hebung handelt es sich zweifellos in der von B. auf S. 81 Anm. 4 erörterten Urkunde, wodurch seine daraus abgeleiteten Folgerungen entfallen.
2) Hier werden besondere Abmachungen vorliegen. Häufiger sind Beispiele früher Vermengung mit der Pacht, indem entweder wegen ungebührlich erhöhter Pacht Bede erlassen ward (M. U.=B. 3083. Diese von B. auf S. 8 benutzte Urkunde ist aber verdächtig) oder gegen Wegfall der Bede die Pacht in die Höhe gesetzt ward (M. U.=B. 3244. 4927. 5221. 2238-2240. In den letzten drei Urkunden über ein und dasselbe Rechtsverhältniß handelt es sich vielleicht um Schoß). Von Hufen zu Barnstorf soll erst Bede fällig werden, wenn spätere Bebauer höhere Pacht zahlen M. U.=B. 5229. Waren Hufen unbesetzt, so fiel natürlich wie Pacht so Bede aus. Manchmal ward dem neuen Besitzer noch für Jahre die Bede erlassen M. U.=B. 4572. Nur in den frühesten Zeiten, so lange Kolonisten anzulocken waren, dürfte den Bauern daraus, daß die Grundherren Bedefreiheit erlangten, wesentliche Erleichterung zu Theil geworden sein. Vielleicht erwuchs schon damals zum Theil und später ganz gewiß regelmäßig allein den Grundherren Nutzen daraus, indem diese erhöhte Pacht (wie in den angeführten Urkunden) oder andere Leistungen (vgl. M. U.=B. 252) erreichten, oftmals werden sie die Bede für sich erhoben haben. Später sind nämlich erweislich Befreiung von Bede und Uebertragung von Bede dasselbe. Vgl. M. U.=B. 7658 und Brennecke S. 55 Anm. 4.
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Winterbede auf die Hufe entfielen (M. U.=B. 11383). Ob die Hebung von 6 Mk. wend. de majori et minori precaria von 2 Hufen zu Sommerstorf (M. U.=B. 8402) die Bede erschöpfte, ist zweifelhaft, mag aber für wahrscheinlich gelten. - Denselben Betrag wie im Lande Malchin und zu Ritzerow finden wir mehrfach auf Pöl oder in der Nähe von Pöl, indem derzeit 2 Mk. lüb. den Werth von 4 Mk. wend. hatten. Und wenn auch diese Zahlungen öfter als nomine precarie (4435), loco precarie (6469. 7609), einmal als de precaria (6208) geleistet bezeichnet werden, so scheint es sich dort doch um Bede und deren vollen Betrag zu handeln. Zeugnisse: für Gr.=Strömkendorf 4435, Weitendorf 6208, Wester=Golwitz 6379, Seedorf, Brandenhusen, Weitendorf, Wangern 6469 1 ), Wangern 7609. 1 ) Für Timmendorf ergeben sich aus dem Vergleiche von 4927 mit 4178 aber nur 30 ßl. Ueber den der Rechnung nicht entsprechenden Ansatz von 3 ßl. von 1/8 Hufe (de dimidio quartali) in M. U.=B. 6379 s. auf der vorigen Seite. Einen höheren Satz erhob Rostock aus Kassebohm, nämlich 2 1/2 Mk. lüb. von der Hufe (M. U.=B. 11247, S. 467), und dieselbe Summe ergeben auch. die vornste und die nabede aus Saunstorf zusammen (Schröder, Pap. Mecklenburg S. 1623 f., vom Jahre 1396), wogegen nach Fabricius, rügische Urkunden Nr. DXXXXIX eine Reihe pommerscher Dörfer in der Gegend von Barth im Jahre 1319 noch höher, nämlich zu 5 Mk. [sund.] von der Hufe veranlagt waren. Weniger waren dagegen die Bauern zu Staven im Lande Stargard und zu Evershagen belastet. Die ersten hatten zu Martini 24 ßl. leichten Geldes und zu Walpurgis 12 ßl. gleicher Münze aufzubringen (M. U.=B. 2872 im Jahre 1303), ein Satz, der schon fünfundzwanzig Jahre später den 18 ßl. lüb. gleich gewesen sein würde, die wir in Evershagen nach M. U.=B. 10798 und 10896 vorfinden. Für die angegebene Zeit indessen mögen die 36 ßl. leichten Geldes noch mit 24 ßl. lüb. gleichwerthig gewesen sein. - Unklar ist leider M. U.=B. 9337, wonach Herzog Albrecht im Jahre 1365 alle Bede zu Ganzkow, Wakenstadt u. s. w. verlieh, quantumcunque ex eisdem precariis videlicet VIII, X ultra uel infra exigi uel recipi contingerit solidis Lubicensium denariorum. Es wäre aber nicht unmöglich, daß in dieser verdrehten Ausdrucksweise der derzeitige Betrag der Bede auf 18 ßl. lüb. angegeben sein sollte. - Für Beseritz betrug die volle Bede 30 ßl. brandenburg. von der Hufe (M. U.=B. 8156), was für jene Zeit (im


1) Halb zu Martini und halb zu Epiphaniae.
1) Halb zu Martini und halb zu Epiphaniae.
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Jahre 1355) wenig mehr als 1 Mk. lüb. ausmachte. - Eine Mark lübisch war von der Hufe zu Gömtow in zwei Terminen, jedesmal die Hälfte, zu leisten M. U.=B. 10018. - Bei M. U.=B. 7545 (1351) ist wohl die größere Wahrscheinlichkeit dafür, daß sich die Bede von der Hufe zu Vietzen auf 24 ßl. wend. gleich 12 ßl. lüb. beschränkte, und bei M. U.=B. 4532 (1324), daß sie für Neu=Gaarz auf 1 Mk. [wend.] festgelegt war. Auch für Bröbberow wird es das Wahrscheinlichste sein, daß die volle Bede 1 Mk. Rost. gleich 2/3 Mk. lüb. von der Hufe nicht überstieg (M. U.=B. 6450. 6451. 6457; im Jahre 1344). - Nehmen wir noch hinzu, daß die Mannbede zu Pastin 1 Mk. [wend.] oder 8 ßl. lüb. von der Hufe betrug (M. U.=B. 5793, 1337), so sind alle Stellen angeführt, wo der Belauf der Bede, wenn nicht immer mit völliger, so doch mit einiger Sicherheit anzugeben ist. Die andern Stellen zusammenzutragen ist so lange unnöthig oder gar von Schaden, bis sie etwa aus spätern Bederegistern die richtige Beleuchtung empfangen. Die Bede, die Herr Nicolaus III. von Werle im Betrage von 24 ßl. lüb. von jeder Hufe ausschrieb (M. U.=B. 8561), war außerordentlich.

Bedefreiheit.

Auf S. 34 f. wirft Brennecke die Frage auf, ob und wann der ursprünglich persönliche Anspruch der Mannen auf Bedefreiheit für die von ihnen selbst bebauten Hufen zu einem dinglichen Rechte geworden sei. Auch hier scheinen mir seine Ergebnisse vor einer Nachprüfung nicht Stich zu halten. Denn M. U.=B. 1919, 4187 und 1146 neben 2695 beweisen nicht, was sie sollen. Es kann nämlich einmal aus der Thatsache, daß Mannen die Steuerfreiheit ihrer von ihnen bewirthschafteten Hufen beurkundet wird, nicht geschlossen werden, daß diese Freiheit nicht mehr durch die Eigenwirthschaft an sich erlangt ward: dafür liegen zu viele Beispiele vor, daß der Sicherheit halber überflüssiger Weise Rechte beurkundet wurden. Ferner handelt es sich in M. U.=B. 4187 nicht um einen Erwerb von Steuerfreiheit, sondern um Bestätigung von deren Besitz so nebenbei, und es ist in M. U.=B. 1919 und 2496 nicht ausgemacht, daß die betreffenden drei Hufen Hofhufen sind, und es wird mit der Annahme gerechnet werben dürfen, daß die Befreiung von Bede in der Absicht einer Veräußerung an Doberan nachgesucht sei. Auch darf bemerkt werden, daß die dingliche Bedefreiheit in M. U.=B. 1919 einen sonderbaren Ausdruck gefunden haben würde, indem dort, nicht wie in 2496 die Hufen, sondern die Besitzer für bedefrei erklärt werden. Endlich ist die Annahme, daß es sich in 1146 und 2695 um Hofhufen handelt, rein willkürlich. Sind

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demgemäß die aus den eben besprochenen Stellen abgeleiteten Schlüsse wenig bindend, so spricht die in die Anmerkung verwiesene M. U.=B. 4402 sehr deutlich für das persönliche Recht, da dieselben Hufen so lange bedefrei waren, als die v. Gögelow sie unter ihrem Pflug hatten, nachher aber, als sie an Bauern ausgethan waren, steuern mußten. Wäre die Steuerfreiheit von Bestand geblieben, dann hätte sich B. für seine Ansicht auf diese Urkunde berufen können. Ob nun die aufgeworfene Frage auf Grund unserer Urkunden mit Aussicht auf ein Ergebniß erörtert werden kann, darauf mir eine Antwort zu erlauben, bin ich zu wenig juristisch gebildet: das weiß ich aber, daß man im Mittelalter den Unterschied so wenig empfand, daß ein bezeichnender Ausdruck dafür nicht geprägt ist. Und noch eins scheint mir sicher, daß die Eigenwirthschaft nicht nur der Mannen (vgl. auch M. U.=B. 11100), sondern auch anderer Grundherren mit Bedefreiheit privilegirt war. Man vergleiche M. U.=B. 7041, wo Hufen zu Kisserow an einen Stephan verpfändet werden, über den sonst nichts bekannt ist, M. U.=B. 6229 1 ) und 6179, wo dem Kloster Dobbertin oder dem Hospitale zum heil. Geiste zu Wismar Besitz zu Sitow oder Klüßendorf übertragen wird, wobei jedesmal eigne Bewirthschaftung mit Befreiung von Bede bevorrechtet wird, andere Art der Benutzung diese hinfällig macht und nur in einem Falle (6179) beim Austhun um einen Antheil am Ertrage die Bedefreiheit bestehn bleiben soll. Eine Ausnahme ist in M. U.=B. 7545 statuirt, aber eine solche, die die Regel bestätigt, wenn angeordnet wird, daß auch bei eintretender Eigenwirthschaft des Johanniter=Komthurs zu Vietzen Pacht und Bede bleiben sollen. Hier war nämlich vorzubauen, daß der Komthur sich nicht etwa auf diesem Wege der auf Pacht und Bede fundirten Belastung zu entziehen vermöchte. Als besondere Vergünstigung wird es anzusehen sein, daß für die Höfe des Klosters Neukloster 2 ) und des heil. Geistes zu Wismar die Bedefreiheit


1) M. U.=B. 5857 ist offenbar als Vorbereitung des hier beurkundeten Rechtsstandes anzusehen und danach zu beurtheilen.
2) Für seinen übrigen Besitz hatte Neukloster die Bedefreiheit, die es nach M. U.=B. 255 hätte haben müssen, nicht aufrecht erhalten können. Die Begnadigung in M. U.=B. 1215 ist weit enger. Vgl. S. 5 Anm. Merkwürdig ist das Recht zu Sellin, wo dem Kloster schon im Jahre 1399 die Bede von 2 Hufen zustand (Lisch, Mekl. Urkunden II S. 163 f.), die dieselben sein werden, die nach M. U.=B. 511 erworben und in M. U.=B. 4040 als freie und dem Schulzen zustehend bezeichnet sind. Erst im Jahre 1460 erwarb das Kloster die Bede im übrigen Dorfe (Lisch, Urkunden II S. 224 ff.).
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auch in dem Falle andauern sollte, wenn sie in Dörfer verwandelt würden (M. U.=B. 3500. 7796; vgl. 4303), und für Neukloster auch, wenn sie veräußert werden sollten, wie es sicher ist (und zwar im Pfandverhältnisse begründet) für den Hof Herm. Storms zu Scharfstorf, der, auch an Bauern ausgethan, nicht zur Bede heranzuziehen war (M. U.=B. 9374). Unklar sind die Verhältnisse in M. U.=B. 5229, wonach die Vrese die Bede von Barnstorf an die Stadt Rostock verkaufen außer von 3 1/2 Hufen, die sie selbst bebauen. Indessen soll auch hiervon die Stadt die Bede haben, sobald jene Hufen zu höherer Pacht verkauft werden, als die Vrese zahlen.

Nach M. U.=B. 3299 scheint es fast, als ob zu Stadtfeldmarken gelegte Dörfer der Bede ledig wurden. Im vorliegenden Falle sollten auch zu entlegene Hufen, die mit Bauern besetzt blieben, bedefrei sein. Auch für die wismarschen Erwerbungen scheint die Annahme zuzutreffen.

Steuer=Objekte.

Besteuert wurden durch die Bede nach den urkundlichen Zeugnissen hauptsächlich Bauernhufen und ihre Theile, Grundherr mochte sein, wer wollte, 1 ) die Kathenländereien und Mühlen. Hofhufen waren nach dem kurz vorher Dargelegten bebefrei. 2 ) Ueber die Krüge s. S. 55. Ob die Besteurung der Sülze nach mittelalterlichen Begriffen und Ausdruck Bede war, bezweifle ich. Besteurung des Fischfangs, wie in Pommern, ist für Meklenburg unbezeugt. Die städtischen Steuern sehe ich, als nach anderen Grundsätzen erhoben und anders benannt, nicht als Bede an. Wenn aber Brennecke (nachdem er sich auf S. 37 recht wunderlich über das Verhältniß von Grundsteuer und Gebäudesteuer ausgelassen hat, während die angezogenen Urkunden sich auf das Natürlichste über die Steuer=Freiheit oder Bevorzugung von Grundstücken ausdrücken, die noch nicht bebaut sind, aber bebaut werden sollten) auf S. 38 darthun will, daß auch Hofstätte und Gebäude von der Bede betroffen seien, so ist er meines Erachtens den Beweis besser zu führen schuldig, ehe er auf Zustimmung rechnen kann. Fast noch schlimmer steht es mit seinem Beispiele für die Besteurung der Almende. Freilich verrechnet M. U.=B. 7118 Steuereinkünfte, aber daneben auch andere Einnahmen, und man wird nicht fehlgehn, wenn man die 6 Mark von der Wiese als


1) Daß die Kirche meist Bedefreiheit erlangte, thut nichts zur Sache, da diese Privileg und nicht Prinzip war.
2) Man unterschied in Folge davon wohl bedehouen und vrie hauehoue (Maltzan IV S. 102, vom Jahre 1482) wie sonst und öfter Zinshufen und freie Hufen.
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Pacht ansteht, wofür man sich in Ermangelung eines Beweises wenigstens auf die übrigen Einnahmen Rostocks aus Wiesen berufen kann (vgl. u. a. M. U.=B. 2195 und die Register). Den auf S. 39 gegebenen Beispielen für Bedefreiheit der Almende läßt sich noch M. U.=B. 3305 hinzufügen, wonach Herr Heinrich von Meklenburg zu Bonnhagen, auch wenn Wald gerodet und das Rodeland den Hufen zugelegt wird, nur die bisher übliche Bede von 6 Hufen verlangen will und auf das verzichtet, quicquid nobis . . . in perpetuum vom Neulande posset deriuari nomine precarie. Eigentlich versteht sich das aber von selbst.


Während des Drucks war Herr Archivar Dr. Stuhr so aufmerksam, mir eine Uebersicht über die ältesten im Großherzoglichen Haupt=Archive zu Schwerin vorhandenen Bederegister mitzutheilen. Sie gehören folgenden Aemtern und Jahren an: Bukow 1426, 1429 ff., Gadebusch 1436 ff., Neustadt 1407, 1412 f., 1427, 1429 ff., Plau 1437 ff., Schwan 1428 f., 1438 ff., Schwerin 1409 f., 1423, 1431 (Jabeler Heide), 1433 ff., Wittenburg 1423, 1432 ff. In den Aemtern Boizenburg, Goldberg, Güstrow, Krakow, Crivitz, Lage, Lübz, Marnitz, Meklenburg, Parchim, Stavenhagen, Teterow reichen sie durchweg bis in die vierziger Jahre des fünfzehnten Jahrhunderts zurück. Diese Register noch zu benutzen, habe ich mir leider versagen müssen, auf sie hinzuweisen aber nicht unterlassen wollen mit dem dringenden Wunsche, daß sie bald einen gerüsteten Bearbeiter finden mögen.

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Noch einmal der Stargardische Arm.

Von

Dr. Crull =Wismar.

~~~~~~~~~~~~~

O bschon über den Stargardischen Arm im landesherrlichen Wappen von Dr. Lisch eingehend gehandelt ist, 1 ) auch Teske in Anschluß daran über denselben sich ausgelassen hat, 2 ) ist die bezüglich der Herleitung jenes Wahnbildes bestehende Controverse doch keineswegs ausgeglichen, so daß es mir nicht ungerechtfertigt erscheint, diesen Gegenstand noch einmal zur Sprache zu bringen, zumal sich inzwischen noch ein paar Nachrichten gefunden haben, welche, wenn sie gleich nicht ausschlaggebend sind, doch berücksichtigt werden wollen.

Die Brandenburgischen Markgrafen gewannen 1236 durch den Vertrag von Kremmen von den Herzogen von Demmin das Land Stargard, das Land Beseritz und das Land Wustrow bis zur Tollense und gründeten dort 1244 Friedland, 1248 Neubrandenburg, (auch Lichen), und 1259 Stargard, während das Gründungsjahr von Woldeck unbekannt ist, aber in dieselbe Zeit fallen dürfte, wenn der Ort auch erst 1298 und nicht früher genannt wird; das Prämonstratenser=Kloster Broda hatten die Pommerschen Fürsten schon 1190 auf dem besagten Gebiete gegründet, und die Askanier stifteten dazu 1290 das Kloster Wanzka für Cistercienserinnen und bestätigten 1298 die Johanniter=Komthurei Nemerow. Dies Territorium erwarb Heinrich II. von Meklenburg durch seine Vermählung mit Beatrix, Tochter des Markgrafen Albrecht III., im Jahre 1292, kam jedoch erst 1304 durch den Vietmannsdorfer Vertrag als Brandenburgischer Lehnsmann zu vollem Besitze, so daß, wenn er sich gleich schon 1302 Herr zu Meklenburg und Stargard nennt, diese Titulatur erst


1) Jahrb. 25, S. 93 f.
2) D. Wappen d. Großhgth. M., S. 11. 78. D. Wappen d. Großhgl. Hauses M., S. 52.
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nach dem genannten Vertrage mehr ständig wird. 1 ) Ein Wappenbild hat Heinrich für dies Land in sein Siegel nicht aufgenommen, wie er das demnächst nach dem Erwerbe der Herrschaft Rostock für diese gethan hat, was sich daraus erklären dürfte, daß letztere ein abgeschlossenes Gebiet mit eigenen Fürsten gebildet hatte, während das Land Stargard nur einen Theil des den Pommern abgedrungenen Landes ausmachte. Auch Heinrichs Sohn, Johann I. von Meklenburg=Stargard, und dessen Nachkommen haben bis zu dem Aussterben dieser Linie unseres Fürstenhauses im Jahre 1471 niemals dem Meklenburgischen Stierkopfe ein Bild für das Land Stargard hinzugefügt, und es ist ohne Zweifel eine Täuschung gewesen, wenn der Friedländische, hernach Meklenburgische Sekretär Martin Bökel auf einem zu einer Neubrandenburger Urkunde von 1466 gehörigen fürstlichen Siegel ein Stargardisches Wappen als "Arm und Ringk" hat erkennen wollen; 2 ) würde ein solches existirt haben, müßte es schlechterdings Lisch doch bekannt geworden sein, was zweifellos nicht der Fall gewesen ist.

Nach Lischs Ermittelungen hat die Vermehrung des herzoglichen Wappens durch Hinzufügung des Feldes mit dem Ringarme 3 ) gemäß dem ältesten Abdrucke nicht früher als 1483 und zwar unter den Herzogen Magnus II. und Balthasar stattgefunden, und es besteht kein Zweifel, daß jenes Wappenbild das Land Stargard repräsentiren soll und zwar das Land Stargard im weiteren Sinne, also vermehrt durch Arnsberg und Strelitz, durch Wesenberg und Fürstenberg, wie es durch Aussterben der jüngeren Linie des Meklenburgischen Hauses an die ältere gefallen war. Lisch meint freilich, es wolle scheinen, als ob F. A. Rudloff Siegel mit dem fünffeldrigen Wappen gekannt habe, welche vor 1480 datirten, aber diese Zahl dürfte ein Schreib= oder Lesefehler Rudloffs für 1489 sein, welches Jahr in der Uebersicht der Siegel=Abbildungen zu G. Westphals Meklenburgischem Diplomatarium an der betreffenden Stelle sich findet, 4 ) falls nicht etwa 1480 als eine runde Zahl zur ungefähren Zeitbestimmung gemeint sein sollte. Ein Versehen Rudloffs ist aber um so wahrscheinlicher, als er sich offenbar auf die gedachte Uebersicht stützt, indem er sagt, 5 ) so viel man wisse, habe Herzog Magnus


1) Der Titel fehlt auch noch in späteren Urkunden, z. B. 3018. 3063. 3079. 3123 u. s. w.
2) Klüver, Beschr., 2. A., II, S. 25.
3) Nach v. Retberg, G. d. D. Wappenbilder, S. 35.
4) Westphalen mon. IV., p. 1255.
5) Handbuch d. M. G. II, S. 910.
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um 1477 zuerst angefangen, einen aus den Wolken (!) reichenden Arm mit einem Ringe im Wappen zu führen, da die Uebersicht das a. a. O. Taf. 10 unter 44 - mit der Wolke - abgebildete Wappen des Herzogs in der ehemaligen Kirche zu Stargard ebenfalls von jenem Jahre datirt. 1 ) Ob man nun mit Rudloff, welcher übrigens für das Aufhängen des Schildes in jener Kirche als Motiv vermuthet, daß derzeit dem Herzoge Magnus das Land Stargard als Apanage angewiesen sei, der Angabe des Jahres 1477 trauen, oder in Hinblick auf die offenbaren Erfindungen und Entstellungen in den Abbildungen der Monumenta keinen Glauben schenken will, muß ich anheimgeben; ich für meine Person bin geneigt anzunehmen, daß man nicht bloß die Datirung, sondern auch die Nachricht von der Existenz des Schildes mit einigem Mißtrauen zu betrachten habe. Sicher ist allein, daß Siegel mit dem Wappen von fünf Feldern, die vor 1483 datirten, bisher noch nicht zum Vorschein gekommen sind. 1 )

Verzwickter steht es mit der Beantwortung der von Lisch aufgeworfenen Frage, wie Herzog Magnus, beziehentlich Herzog Balthasar zu dem mit einer Zwehle umschlungenen, einen Ring haltenden Arme als Wappenbild für das Land Stargard gekommen sei. Von den älteren Erklärungsversuchen, welche sogar Anthyrius und die fabelhafte Siwa in dem vorgeblichen Schilde Pribislavs von Richenberg heranziehen, darf man billig absehen, wohl aber sind gegen einander zu halten die ältere und wohl am meisten bekannte und verbreitete Deutung, nämlich daß der Ringarm auf den Gewinn des Landes Stargard durch eine Vermählung sich beziehe, und die von Lisch gegebene, nach welcher jene Schildfigur dem Insiegel der Stadt Fürstenberg entlehnt sei.

Wie die ältere Geschichte des südöstlichen Theiles unseres Landes trotz F. Bolls verdienstlichen Buches theilweise sehr im Dunkeln liegt, so ist dies auch bezüglich Fürstenbergs in hohem Grade der Fall. Nach Latomus sollen dort schon 1278 kirchliche Stiftungen von den v. Reder und Schinkel gemacht worden sein, 2 ) der Ort wird bei Gelegenheit der Stiftung von Kloster Himmelpfort 1299 als Grenzpunkt, 1317 mit der Mühle genannt und ist durch eine Urkunde von 1318 als Stadt mit Schulzen, mit


1) Die von Lisch a. a. O., S. 94 angezogene Stelle aus Slaagert steht freilich zwischen einer Nachricht von 1493 und einer von 1498, aber das an den Rand gesetzte Anno 1494 gehört nicht Slaagert an, sondern ist ein Zusatz aus späterer Zeit. Die Nachricht bei Franck, A. u. N. M. VIII, S. 268, wo statt 1493 das Jahr 1495 steht, ist nicht belegt.
1) Die von Lisch a. a. O., S. 94 angezogene Stelle aus Slaagert steht freilich zwischen einer Nachricht von 1493 und einer von 1498, aber das an den Rand gesetzte Anno 1494 gehört nicht Slaagert an, sondern ist ein Zusatz aus späterer Zeit. Die Nachricht bei Franck, A. u. N. M. VIII, S. 268, wo statt 1493 das Jahr 1495 steht, ist nicht belegt.
2) Franck, ebd. V, S. 70.
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Rath, mit Insiegel beglaubigt. 1 ) Im Jahre darauf erscheint Fürstenberg mitten unter Städten der Ukermark. 2 ) Zu dieser gehörte Fürstenberg aber keinesfalls, da die Ukermark erst 1250 von Pommern an die Markgrafen abgetreten wurde, während schon zwei Jahre früher der Markgraf Johann das östlicher, der Ukermark näher als Fürstenberg belegene Lichen gegründet hatte, und ebensowenig zum Lande Stargard, unterstand auch nicht gleich diesem dem Bischofe von Havelberg, sondern gehörte wie Lichen zum Bisthum Brandenburg. 3 ) Man wird daher mit großer Wahrscheinlichkeit annehmen dürfen, daß das Land Fürstenberg ein Theil der Mark Brandenburg war und daß die Stadt gleich Lichen von einem Markgrafen gegründet worden ist. Durch urkundliches Zeugniß ist das allerdings nicht nachzuweisen und auch nicht durch das alte Siegel der Stadt, da sich weder der Stempel erhalten hat, noch auch ein Abdruck desselben. Jener fehlte schon 1568, denn Herzog Johann Albrecht hat in seinem der Stadt unter dem 18. Juli gedachten Jahres ertheilten Privileg derselben aufgegeben, "ein ehrlich Siegel zu unser Stadt Nutz und Wolfahrt" machen zu lassen, 4 ) ein Befehl, dem die Stadt ersichtlich alsbald nachgekommen ist, da der älteste Abdruck des Fürstenbergischen Stadtsiegels, der auf uns gekommen, eben auch aus dem genannten Jahre datirt, wie denn die Arbeit durchaus auf die Mitte des sechzehnten Jahrhunderts hinweist. Nun hat aber das Privilegium weiter bestimmt, daß das neue Siegel "nach dem alten Stadt=Siegel" gemacht werden solle, und da das neue Siegel den Ringarm mit der Zwehle zeigt, so liegt es nahe zu folgern, daß auch das alte dies Bild enthalten haben werde, ein Schluß, welcher jedoch meines Erachtens fehlgeht.

Sobald die Städte in ihre Siegel nicht bloß ihren Patron - wie in Meklenburg Hagenow, Grabow, Neustadt - oder ihren Stifter - Schwerin - oder schlechthin ein Stadtbild - Boizenburg und Dömitz - oder etwas Aehnliches, z. B. eine Kirche, ein Schiff, eine Brücke - Malchow - und dergl. setzten, fügten sie solchen das Wappenbild des Stifters, beziehentlich des Landesherrn ganz oder theilweise hinzu - so Friedland, Goldberg, Kriwitz, Malchin, Neukalen, Neubrandenburg, Plau, Waren, Wesenberg, Wismar, Wittenburg - oder aber sie beschränkten


1) M. U.=B. 2582. 3894. 3976.
2) Ebd. 4130.
3) Boll, G. d. L. Stargard I, S. 177.
4) Klüver a. a. O. S. 191.
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sich auf letzteres schlechthin - so Bützow, Gabebusch, Krakow, Lage, Lübz, Marlow, Rehna, Rostock, Stargard, Stavenhagen, Strelitz, Teterow, Warin - falls sie nicht noch ein besonderes Beizeichen hinzufügten, wie Grevesmühlen, Güstrow, Kröpelin, Neubukow, Parchim, Ribnitz, Sülze und Woldeck. Einige wenige Meklenburgische Städte haben ihr Siegelbild förmlich wappenmäßig gestaltet, indem sie in einen gespaltenen Schild oder Kreis vorne einen halben Stierkopf und hinten besondere Figuren setzten, deren Bedeutung bei Brüel und Sternberg 1 ) wohl sicher, bei Penzlin möglicherweise 2 ) erklärt ist, deren Deutung bei Gnoien und Tessin sowie bei Röbel aber noch völlig aussteht. Ein reines Phantasiestück bietet allein das dem fünfzehnten Jahrhundert entstammende Siegel der Stadt Schwan mit dem redenden Wappenbilde eines Schwans. In Holstein hat unter 13 Städten nur Krempe ein besonderes Siegelbild, in Pommern unter 69 sieben, in der Altmark und der Prignitz unter 25 nur zwei. Somit ist es wahrscheinlicher, daß auch Fürstenbergs ursprüngliches Siegel, wenn nicht den Stifter so doch eine Hinweisung auf denselben enthalten hätte, als irgend ein besonderes Bild, mithin nach dem oben Gesagten wie Friedland, Stargard und Woldeck einen Adler oder wie Neubrandenburg den bezüglichen Helm. Wäre das nicht der Fall gewesen und hätte das alte Siegel in der That schon den Ringarm mit der Zwehle enthalten, so würde nichts übrig bleiben als anzunehmen, daß auch Fürstenberg, wie Kiritz und Wusterhusen von den Edlen von Plate, Meienburg, Putlitz und Wittenberge von den Gans, Schlawe und Rügenwalde von den Swenzonen, Strelitz von den Grafen von Fürstenberg, von einem Dynastengeschlechte Stadtrecht erhalten hätte, welches einen Ringarm im Schilde geführt. Es ist aber nicht die geringste Spur von Dynasten in oder bei Fürstenberg, geschweige solcher, die jenes Wappenbild geführt hätten, und die Geschlechter der Mannschaft, denen ein Ringarm (oder zwei) eignete, wie die v. Oertzen, v. Stockflet und v. Schwerin, können um so weniger in Betracht kommen, als diese im dreizehnten und vierzehnten Jahrhundert für Land und Stadt Fürstenberg ohne alle Bedeutung sind.

Allerdings muß man aber auch an die Möglichkeit denken, daß das Siegelbild der Stadt aus freier Wahl hervorgegangen sei, und es ist zuzugeben, daß solche, so zu sagen, Phantasiebilder grade bei den mindest bedeutenden Städten gefunden werden.


1) Jahrb. 21, S. 67. 69.
2) Teske, d. W. d. G. M., S. 53.
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Das sind aber durch die Bank sogenannte natürliche Figuren, wie Pflanzen, Bäume, Thiere und dergl., keine Menschen oder menschliche Glieder und am wenigsten Gegenstände, die auf ritterliche Sitten und Bräuche zurückzuführen wären, wie es bei dem mit einer Zwehle umschlungenen Ringarme doch der Fall zu sein scheint. Schon Fürst F. K. zu Hohenlohe hat auf den Zusammenhang zwischen dem Wappenbilde des Landes Stargard und einem bereits für das zwölfte Jahrhundert nachzuweisenden und in der Folge vielfach vorkommenden aufmerksam gemacht, 1 ) welches aus einem einen Ring, eine Blume oder dergl. haltenden Arme, von dem ein langer Aermel herabhängt, besteht und auf die Sitte zurückgeführt wird, daß die Damen ihrem Geliebten oder ihrem Gemahl ein Stück ihrer Kleidung gaben, wenn letztere zum Kampfe auszogen, und zwar besonders die an das Kleid nur lose befestigten Aermel, welche der Kämpe dann selbst anzog oder am Helme, am Schilde oder am Speere befestigte. 2 ) Eine Zwehle ist freilich kein Aermel, aber leicht eine Umformung aus diesem in jene, die zu einer Zeit, wo es mit dem Ritterthume längst vorbei war, doch recht wohl möglich erscheint. Schwerlich aber würde eine Stadt ein auf Minne oder eheliche Treue deutendes Bild 3 ) aus freier Wahl in ihr Siegel gesetzt haben.

Zu Gunsten der Vermuthung von Lisch, daß der Ringarm mit der Zwehle in der That das der Stadt Fürstenberg eigene Siegelbild gewesen sei, läßt sich nun freilich darauf hinweisen, daß, wie oben bereits angegeben, Herzog Johann Albrecht in seinem Privileg ausdrücklich verordnet hat, daß das neu zu beschaffende Siegel "nach dem alten Stadtsiegel" gemacht werden solle, doch ist dies Argument wirklich weniger stark, als es auf den ersten Blick zu sein scheint. Fürstenberg muß zu jener Zeit, wo es das gedachte Privileg erlangte, in großem Verfalle gewesen sein, denn sonst würde die Stadt kaum um ein Privileg angehalten haben, dessen Eingang nahezu so lautet, als handele es sich um eine neue Gründung, und zwar in einem Verfalle, welcher schon von lange her datirte, da in dem Anschlage der 1506 zu stellenden Mannschaft, 4 ) wenn dem erbärmlichen Abdrucke zu glauben, Fürstenberg unter den Stargardischen Städten gar nicht aufgeführt ist. Waren aber so jämmerliche Zustände in dem Städtchen vorhanden, so wird man auch annehmen dürfen, daß unter den Ein=


1) Sphragist. Aphorismen, 1882, S. 9.
2) A. Schulz, D. höfische Leben I, S. 253 f. 604.
3) Retberg a. a. O., S. 13. 14.
4) Klüver a. a. O. I, S. 181.
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wohnern des heruntergekommenen Ortes niemand mehr das alte, offenbar in Verlust geratene Stadtsiegel kannte. Daß man dann in solcher Verlegenheit das Wappenbild desjenigen Landestheils, in welchem Fürstenberg liegt, in das Siegel gesetzt hat, erscheint natürlich genug, und daß jenes der Ringarm war, daran zweifelte kein Mensch. 1 ) Uebrigens ist eine solche Veränderung auch keineswegs unerhört, denn nicht allein hat man in Grabow, wie Lisch schon hervorgehoben hat, im sechzehnten Jahrhundert ein neues Siegel sich zugelegt, sondern auch in Stavenhagen im siebenzehnten einen Stierkopf an die Stelle des (Pommerschen) Greifen gesetzt, und fast scheint es, als ob auch in dem ursprünglich Wendischen Wesenberg, nachdem es 1276 an Brandenburg gekommen, eine Mutation stattgefunden hatte.

Zur Unterstützung seiner Meinung hat Lisch noch auf den Umstand hingewiesen, daß noch lange nach dem Eingehen der Grafschaft Fürstenberg die Erinnerung an dieselbe eine lebhafte gewesen, ja noch im Anfange des sechszehnten Jahrhunderts nicht erloschen sei, und macht, um zu zeigen, daß die Herzoge Gewicht auf den Besitz der Grafschaft gelegt, auf mehrere Urkunden aufmerksam, in denen sie sich Grafen zu Fürstenberg tituliren. Es scheint mir jedoch, daß in allen Fällen andere Motive, als das von Lisch vermuthete, dem Titel zu Grunde gelegen hätten. Wenn Herzog Heinrich 1475 in einer Urkunde 2 ) Graf zu Fürstenberg nennt, so könnte leicht der Gegenstand, welchen sie betrifft, nämlich die Beleibzuchtung der Wittwe des letzten Herzogs zu Stargard, Anlaß zum Gebrauche jenes Titels gegeben haben, insofern etwa Heinrich durch denselben sich in jeder Hinsicht und Ausdehnung als wohlberechtigt zur Verfügung über den ganzen ihm angefallenen Landestheil hinstellen wollte. Anlangend aber die beiden Urkunden des Bischofs Rudolf, Herzogs zu Meklenburg=Stargard, von 1406 und 1408, 3 ) so halte ich dafür, daß die Einfügung des Titels eines Grafen zu Fürstenberg nicht so sehr von dem Bischofe selbst, sondern von seinem damaligen diensteifrigen Kanzler Dietrich Witte herrühre, welcher wünschen mochte die Bedeutung seines Herrn zu steigern und dem Grafen=Titel der älteren Linie einen gleichen gegenüberzustellen. Das dünkt mich um so annehmlicher, als der Kanzler in den gedachten beiden Urkunden selbst genannt wird und in einer von ihm persönlich


1) Krantz, Vand. 14, 34. Klüver a. a. O. II, S. 226.
2) Jahrb. 25, S. 118.
3) Ebd. S. 117. 121.
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ausgestellten (ungedruckten) Urkunde vom 3. September 1404 ebenfalls seinen Herrn als Grafen zu Fürstenberg bezeichnet, während in den mir bekannten übrigen Urkunden des Bischofs, 1 ) in denen der Kanzler nicht genannt ist, und die in die Jahre 1392, 1394, 1397, 1399, 1408, (Juni 29) und 1413 fallen, jener Titel sich nicht findet.

Endlich hat Teske, 2 ) welcher sich für Lischs Meinung entschieden hat, auch eine unter den Herzogen Magnus und Balthasar geprägte Münze - bei Evers II, S. 41 - herangezogen, welche auf der einen Seite den "wendischen" Büffelskopf, auf der anderen die Schilde von Meklenburg, Rostock und Schwerin so im Triangel gestellt zeigt, daß in dem zwischen ihnen freigebliebenen dreieckigen Felde noch der Ringarm mit der Zwehle Platz gefunden hat, und erachtet, daß durch diese Anordnung letzteres Wappenbild als den bisherigen nicht gleichwerthig, "gewissermaßen als symbolischer Zusatz zu demselben" habe gekennzeichnet werden sollen. Mir scheint, die Sache verhält sich viel einfacher. Wie Teske selbst angibt, sind die besagten Münzen (halbe Speziesthaler) den Vier=Städte Münzen nachgebildet, die auf der Vorderseite je nach der Prägestelle den Schild von Lübeck oder von Hamburg oder von Wismar oder von Lüneburg zeigen, auf der Rückseite aber die Schilde der drei übrigen Städte mit dem unteren Rande zusammengestellt, so daß dazwischen ein kleiner dreizipfeliger Platz übrig blieb, in welchen bei den Lübecker und Wismarschen Prägungen das bezügliche Flaggenwappen, bei den Hamburgischen die Jahreszahl und bei den Lüneburgischen ein Löwe zur Füllung angebracht ist. Sollte nun von Seiten Meklenburgs eine Prägung nach diesem Muster ausgeführt werden, so blieb, da die vier Schilde des herzoglichen Wappens nicht anzubringen waren, nur der Ausweg, eines der Bilder in den von den Flaggenwappen u. s. w. eingenommenen Platz zu setzen und zwar frei und nicht auf ein Schildchen, da das Bild sonst zu undeutlich geworden sein würde. Daß dann aber zu dieser Darstellung der Ringarm mit der Zwehle bestimmt wurde, das erklärt sich doch genügend daraus, daß das Land Stargard der zuletzt der älteren Linie des Meklenburgischen Hauses zugefallene Besitz war.


1) Fromm, G. d. v. Zepelin, U. 48. Schröder, P. M., S. 1610. 1662. 1746. Westphalen l. c. p. 1005. Die Urkunde von 1397 ist noch nicht gedruckt.
2) D. W. d. Großhgl. H. M., S. 54.
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Meiner Meinung nach sprechen die vorstehend angeführten Thatsachen und Umstände gegen die Herleitung des Wappens des Landes Stargard aus dem Siegel der Stadt Fürstenberg und vielmehr für die ältere, sagen wir volksthümliche Deutung des Ringarms, als symbolisire nämlich derselbe die Art der Erwerbung jenes Landestheils, also die Vermählung Heinrichs II. mit Beatrix von Brandenburg, dem nicht entgegengehalten werden darf, daß erst durch Opfer von Blut und Geld das Land fest gewonnen worden ist, da zu diesem Erwerbe doch jene Vermählung das grundlegende Moment bildete.

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Inhalt:

III.

Die Gräber der älteren Bronzezeit in Meklenburg.

Erster Theil.

Von Dr. Robert Beltz.

~~~~~~~~

N achdem in den letzten Jahrgängen der Jahrbücher die steinzeitlichen Erscheinungen im Lande Behandlung gefunden haben, soll im Folgenden in ähnlicher Weise die Bronzezeit besprochen werden. Wir beginnen mit den hervorragendsten Bildungen dieser in Meklenburg bekanntlich sehr gut vertretenen Periode, den Gräbern, und beschränken uns auf den älteren Abschnitt, da die neueren Beobachtungen aus der jüngeren Bronzezeit erst vor einigen Jahren (Band 61) behandelt sind. Auch hier werden wir zunächst nur neuere Ausgrabungen und Funde mittheilen, von denen sich eine beträchtliche Zahl (39) aufgesammelt hat. Eine Statistik des gesammten bronzezeitlichen Materials mag dann später nachfolgen. An unsere meklenburgischen Bronzegräber knüpfen sich eine große Anzahl Fragen und Probleme, zum Theil von einer Bedeutung, die weit über lokale Interessen hinausgeht, deren Löfung dem Schreiber dieser Zeilen nicht möglich ist. Immerhin sind einige allgemeine Bemerkungen für das Verständniß der Einzelberichte unumgänglich.

Es ist bekannt, daß Meklenburg einen Theil des nordeuropäischen Bronzegebietes bildet, eines Gebietes, das außer den skandinavischen Ländern einen kleinen Theil Norddeutschlands umfaßt, etwa einen durch eine Linie Wesermündung-Harz-Odermündung eingeschlossenen Ausschnitt, dessen südliche Ausdehnung elbwärts kein Zufall ist. In der ganzen Bronzezeit haben an dem Materiale, auf das sich unsere Kenntniß dieser Periode beschränkt, in unserem Lande dieselben Veränderungen in derselben Reihenfolge stattgefunden, wie dort; die Ordnung der Altsachen,

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die man hauptsächlich auf Grund des skandinavischen Materials vorgenommen hat, hat sich auch bei uns als richtig erwiesen. Das Hauptwerk über die Systematik der nordischen Bronzezeit ist Montelius Tidsbestämning inom Bronsålderen, Stockholm 1885, geblieben (im Folgenden abgekürzt mit M. genannt); hier werden die gesammten bronzezeitlichen Typen auf 6 Perioden aufgeteilt. Daß die Reihenfolge der Typen das Richtige trifft, ist wohl unbestritten. Weniger sicher ist es, ob man auf Grund dieser Eintheilung berechtigt ist, von sechs im Wesentlichen gleichartigen, nach Montelius sogar gleich langen Kulturperioden zu sprechen. Ich habe schon 1887 (Jahrb. 52, S. 3) hervorgehoben, daß die Perioden II III als ältere Stufe einerseits, IV V als jüngere anderseits sich enger aneinanderschließen, und an andrer Stelle (Vorgeschichte 1899, S. 36 u. s.) betont, daß weder die Anfangserscheinungen (M. I) noch die Schlußerscheinungen (M. VI) spezifisch nordisch sind. Das ist im Wesentlichen auch die Auffassung von Sophus Müller (Ordning af Danmarks Oldsager II Bronzealderen, im Folgenden mit dem bloßen Namen zitirt, Ordning af Bronzealderens Fund in den Aarböger for nordisk Oldkyndighed 1891 und Nordische Alterthumskunde 1898), der die Periode M. I nur als Anfang gelten läßt und von einer älteren Bronzezeit in zwei Stufen und von einer jüngeren in ebenfalls zwei Stufen spricht (I 1-2, II 1-2); diese vier stimmen mit M. II-V überein. Aus Deutschland liegt bisher nur aus einem Gebiete eine berechtigten Ansprüchen genügende Bearbeitung der nordischen bronzezeitlichen Erscheinungen vor: Splieth, Inventar der Bronzealterfunde von Schleswig=Holstein 1900, welches sich fast ganz an die Eintheilung von Montelius anschließt. Auch wir werden im Folgenden, allein schon der leichteren Verständigung wegen, stets nach Montelius zitiren. Die Funde, die wir behandeln, gehören der älteren Bronzezeit an, also M. I-III, und zwar ganz überwiegend der Periode M. III; von den 39 Grabfunden ist ein einziger (Warrenzin) in M. I, nur zwei (Wozeten und theilweise Hallalit) in M. II zu setzen, dagegen 31 in M. III (fünf geben keine genügenden Bestimmungspunkte). Und dem entsprechen unsere älteren Funde durchaus. M. II ist nur sehr schwach vertreten, die große Masse unserer älteren Bronzen gehört M. III an, und hier werden sich sicher noch zeitlich zu trennende Gruppen herausschälen lassen; einige Andeutungen werden unten gegeben werden. Wenn schon dieses Zahlenverhältniß der Vertheilung unserer Bronzegräber auf M. II und M. III einen scharfen Unterschied zwischen Meklen=

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burg einerseits und Schleswig=Holstein und Dänemark anderseits bedeutet, so wird dieser noch stärker, wenn man die einzelnen Typen ins Auge faßt. Es ergiebt sich daraus, daß Tracht und Bewaffnung des bronzezeitlichen Menschen, wie sie aus der Ausstattung der Gräber hervorgeht, in gar manchen Stücken von den dortigen Erscheinungen abweicht. So sind die steinernen Pfeilspitzen der Männergräber dort fremd, Handbergen, Halskragen mit einer bestimmten Spiralverzierung, große Nadeln mit flachem Kopfe, die Bandfibel mit Kreuzbalkennadel, die Fülle von Armschmuck in Frauengräbern eine hiesige Eigenthümlichkeit; wir werden wiederholt Typen zu besprechen haben, die über die Grenzen Meklenburgs wenig hinaufgehen und als lokale Formen anzusehen sind, allerdings nur in M. III. Diese Verschiedenheiten sind zweifellos durch eine stärkere Beeinflussung unseres Landes von der Bronzezeit südlicher Länder mitbedingt. Wir sind daher wohl berechtigt, von einer meklenburgischen Bronzekultur zu sprechen, die besonders gegen den Schluß der älteren Bronzezeit hervortritt.

Wenn sich in der angegebenen Weise ein Komplex wiederkehrender Erscheinungen zu dem Begriffe einer "älteren nordischen Bronzezeit" zusammenfassen ließ, dessen räumliche Grenzen, wenn auch nur in großen Zügen, bestimmbar sind, so können wir im Gegensatz dazu auch von einer südlichen Bronzezeit sprechen, welche Ungarn, Nieder= und Ober=Oesterreich, Böhmen und Süddeutschland umfaßt. Gewiß sind die lokalen Unterschiede hier größer als auf dem Gebiete der nordischen Bronzezeit; mit dieser verglichen aber zeigen ihre Typen eine Aehnlichkeit, die es uns im Norden bisher unmöglich macht, zu bestimmen, aus welchem Theile dieses weiten Gebietes die jener Gruppe angehörenden, hier auftretenden Stücke eingeführt sind. In diesem Sinne will das im Folgenden oft gebrauchte "südlich" verstanden sein. Eine ganz besondere Rolle in den Beziehungen zwischen der nordischen und der südlichen Bronzezeit hat das südwestliche Böhmen gespielt, wo wir ganz überraschende Analogien gerade zu unserer meklenburgischen älteren Bronzezeit finden. Im einzelnen sei auf folgende Behandlungen verwiesen, die im Folgenden mit den Namen der Verfasser genannt werden sollen: für Ungarn hat P. Reinecke in den Archaeologiai Ertesitö Budapest 1899 Band 19, S. 225 ff. eine Periodeneintheilung durchgeführt, die sich im allgemeinen an die von Montelius anschließt und die ganze Bronzezeit hindurch einen Parallelismus der dortigen Typen mit den nordischen erkennen

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läßt; die zweite ungarische Periode (Tafel V-VII) entspricht M. II, die dritte (Tafel VIII-X) M. III. Für Böhmen liegt jetzt das große Werk von Pič, Cechy predhistoricke, vor, dessen Band II 1900 die Hügelgräber des südwestlichen Böhmens behandelt, der Text für mich leider ganz unverständlich. Die österreichische Bronzezeit behandeln Heger, Mitth. d. pähist. Kommission d. K. K. Akademie I 1893 und Hörne Mitth. d. anthrop. Gesellschaft in Wien XXX, 1900, S. 72. Die bayerischen Verhältnisse hat Naue mit Hineinziehung eines weit über sein engeres Forschungsgebiet hinaufgehenden Materials in seinem großangelegten Werke "Die Bronzezeit in Oberbayern 1894" dargestellt und im wesentlichen zwei Gruppen, eine ältere und eine jüngere Bronzezeit, festgestellt, eine Zweitheilung, die für ganz Süddeutschland durchführbar erscheint. "Alt" und "jung" hat hier aber eine ganz andere Bedeutung wie bei uns, indem die ältere süddeutsche Periode unserer M. II, die jüngere unserer M. III entspricht, Perioden, die wir als ältere Bronzezeit zusammenfassen. Auf die jüngere Bronzezeit folgt dort die Hallstattperiode, welcher zeitlich im Norden die "jüngere Bronzezeit" gleichsteht.

Zwischen diesen südlichen und den nordischen Bronzezeitgebieten liegen nun weite Landstriche, auf denen überall bronzezeitliche Erscheinungen auftreten, die aber im Zusammenhange überhaupt noch nicht behandelt worden sind. Auf welchem Wege die Berührung zwischen nordischer und südlicher Bronzezeit sich vollzogen hat, muß daher hier unerörtert bleiben. Ein Weg weist westwärts durch Hannover, deutlicher tritt ein Saale 1 ) und Elbe abwärts gebender Weg hervor, und auch Einwirkungen von Osten her, besonders von Pommern, auf welches Land die reichentwickelte ungarische Bronzekultur schon früh bedeutenden Einfluß geübt hat, wohl auf dem Oderwege durch die Gebiete der "Karpodaker" Kossinnas, sind unverkennbar (vgl. unten Hallalit). Daß überall der Süden der gebende Theil gewesen ist und die nordische Bronzezeit eine isolierte Kulturerscheinung darstellt, die keine wesentlichen Rückwirkungen ausgeübt hat, scheint mir bei dem Gange der europäischen Kulturentwickelung selbstverständlich. In dem nordsüdlichen Verkehre nimmt nun unser Land eine ganz besondere Stellung ein; besonders in der Periode M. III haben wir eine ganze Anzahl von Gegenständen, die entweder direkt von Süden eingeführt sind, und von Typen, die dortigen nachgebildet sind; wir werden im Verlauf unserer Darstellung wiederholt darauf


1) Vgl. dazu Kossinna, Deutsche Geschichtblätter II S. 25.
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zurückzukommen haben. Schon ein Vergleich mit dem benachbarten Schleswig=Holstein zeigt wie ein stärkeres Hervortreten von M. III, so auch ein bedeutendes Vorwiegen südlicher Typen bei uns. Die meklenburgische ältere Bronzezeit macht als Ganzes entschieden einen jüngeren Eindruck als die dänisch=cimbrische.

Die Beziehungen, die zwischen den nordischen und den südlichen Bronzekulturen bestanden, festzustellen, ist nun schon darum von der größten Wichtigkeit, weil dies der einzige Weg ist, auf dem man absolute zeitliche Werthe für unsere Bronzezeit zu erlangen hoffen darf. Die Chronologie der klassischen Völker nützt uns hier nichts, für Griechenland und Italien sind die dort der nordischen Bronzezeit entsprechenden Zeitperioden ebenso gut vorgeschichtlich wie für uns; erst in den alten orientalischen Reichen geht das zeitlich fixirbare staatliche Leben in die entsprechenden hohen Zeiträume hinauf, und von den Regierungszeiten ägyptischer Könige hängt schließlich auch die chronologische Festlegung der meklenburgischen Bronzegräber ab. Das giebt natürlich eine sehr komplizirte Rechnung mit sehr weiten Fehlergrenzen, und von gesicherten Ergebnissen kann hier noch keine Rede sein. Wie weit die Ansichten kompetenter Forscher hier auseinandergehen, möge umstehende schematische Tabelle zeigen, bei der wohl nicht besonders hervorgehoben zu werden braucht, daß die geraden Linien in Wirklichkeit ganz beträchtliche Kurven bedeuten. Am eindringlichsten ist bekanntlich Montelius dem chronologischen Probleme zu Leibe gegangen, welcher sogar für die einzelnen Perioden seines Systems Jahresgrenzen gefunden zu haben hofft. Ich kann dem verdienten Forscher, dessen Systematik ich mich sonst fast ganz anschließe, auf diesem Gebiete nicht folgen; ich halte es für einen Grundfehler, jeder "Periode" eine bestimmte Anzahl Jahre (200) zuschreiben zu wollen, wo doch unsere Kenntniß der Perioden fast nur auf gewissen Typen beruht, deren zum Theil recht geringfügige Formenveränderungen zeitlich überhaupt nicht faßbar sind. Wir werden uns bei dem jetzigen Stande der Forschung, soweit ich ihn zu übersehen vermag, was mir bei der theilweisen Entlegenheit und der Vielsprachigkeit der betreffenden Veröffentlichungen nur in sehr bedingtem Maaße möglich ist, mit einigen groben Umrissen begnügen müssen, und da wird die Ansetzung von Montelius, daß die ältere (reine) nordische Bronzezeit um das Jahr 1000 herum zu Ende geht, das Richtige treffen. Wie weit man sie noch in das zweite hinauf= oder in das erste herunterrücken soll, wird einmal von der Fixirung des Dipylonstils in Griechenland und des Villanovastils in Italien abhängen, sodann

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Tabelle
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aber auch von der Herstellung eines Synchronismus zwischen den dortigen und hiesigen Erscheinungen, beides noch ungelöste Fragen; vor einer zu hohen Ansetzung möge der Skalleruper Wagen warnen! Den Beginn der Bronzezeit rückt man jetzt bis in den Anfang des zweiten Jahrtausends hinauf, und es wird dagegen nichts einzuwenden sein, aber für die Zeit, wo die fast gemeineuropäische älteste Periode (M. I) sich von der spezifisch nordischen Bronzezeit (M. II) scheidet, ist bisher kein überzeugendes Datum beigebracht. Ich kann mich also nur zu der ganz allgemeinen Ansetzung:

Erste Periode:    
  Beginn der Bronzezeit 2000-X,    
zweite Periode: Vertikale Klammer X-1000
  ältere nordische Bronzezeit, erster Abschnitt
dritte Periode:
  ältere nordische Bronzezeit, zweiter Abschnitt

entschließen, werde aber sehr erfreut sein, wenn die auf genauere Werthe und Herstellung eines Synchronismus gerichtete Betrachtungsweise, wie sie neuerdings besonders von P. Reinecke mit weitem Blick und eindringender Sachkenntniß geübt ist, recht bald Erfolg haben wird.

Unsere Kenntniß der Bronzezeit beruht nach dem Gesagten in erster Linie auf den Geräthtypen. Dazu kommen die Gräber. Von anderen Kulturerscheinungen ist wenig erhalten: Wohnplätze in verschwindender Anzahl, Befestigungs=Anlagen fehlen. Also fast alle unsere Kenntniß des bronzezeitlichen Lebens entnehmen wir seinen Gräbern. Neben den niedergelegten Objekten sind die Grabgebräuche und Grabbauten der Gegenstand unserer Studien. Und da ist es zuerst eine Frage, die sich hier aufdrängt, das ist die Bestattungsart; besonders das Verhältniß von Beerdigung und Leichenbrand. Es ist unmöglich, alle hier zu beachtenden Gesichtspunkte zu berühren, und es sei auf die bahnbrechende Arbeit von Olshausen über Leichenbrand (Verhandlungen der Berliner anthropol. Geseilschaft 1892, S. 129 flgd.) verwiesen. Abweichend von Olshausen werden wir aber, und glauben damit dem Sprachgebrauche näher zu kommen, Bestattung als Allgemeinbegriff, Beerdigung (für die Beisetzung unverbrannter Leichen) und Verbrennung als Unterbegriffe fassen. "Begräbnisse" im gewöhnlichen Wortsinne kennt die ältere Bronzezeit nicht.

Es ist nun sehr merkwürdig, daß das Verhältniß von Leichenbeerdigung und Leichenbrand in der Bronzezeit auf sehr weiten Gebieten dasselbe ist, indem in älterer Zeit die Todten beerdigt, in jüngerer verbrannt wurden, und zwar geht die Analogie noch weiter: überall treten zur Zeit der entwickelten Bronzezeit Hügel=

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gräber zunächst mit Beerdigung auf, die später meist durch Flachgräber mit Leichenbrand (Urnenfelder) ersetzt werden; auch die Zwischenstufe, Hügelgräber mit Leichenbrand, scheint meist vorhanden. So finden sich in Ungarn in der unserer Periode M. II entsprechenden Stufe Hügelgräber mit Beerdigung, in der Zeit von M. III Hügelgräber und Flachgräber mit Leichenbrand; ähnlich in Böhmen und Oesterreich; in Bayern hat die ältere Periode (M. II) Beerdigung in Hügeln, die jüngere (M. III) ebenfalls in Hügeln Leichenbrand, sehr selten in Urnen, aber noch immer vereinzelt Skelette. - Auf unserem Gebiete haben wir ziemlich komplizirte Vorkommnisse: für M. II ist unser Material zu gering, um von einer Regel in der Bestattungssitte sprechen zu können; soweit ich sehe, herrscht hier die Beerdigung in Hügeln durchaus. In M. III aber haben wir eine reiche Fülle von Erscheinungen, und die folgenden Berichte werden manches neue Material bringen, ohne die Frage aber schon vollständig lösen zu können. Klar ist, daß die Beerdigung die überwiegende Bestattungsart ist, daß aber der Leichenbrand daneben sehr früh auftritt und gegen das Ende der Periode zu den Sieg gewinnt; in den auf die ältere Bronzezeit folgenden Perioden herrscht er ja auch viele Jahrhunderte, ja über ein Jahrtausend, ausschließlich. Nachweisbar ist auch, wie die Form des Körpergrabes noch beibehalten wird (Alt=Meteln S. 96), als die Verbrennung schon Sitte geworden ist, und wie die in der Folgezeit allgemeine Beisetzung der Gebeine in Urnen auf unserem Gebiete in dieser Periode nur ganz ausnahmsweise (s. Basedow) vorkommt. Der alte Brauch der Beerdigung hat sich also hier entschieden länger gehalten als im Süden. Wie aber der Uebergang sich vollzogen hat, das bleibt noch dunkel. Ich glaube wahrscheinlich machen zu können, daß der Leichenbrand in Frauengräbern häufiger ist als in Männergräbern, ohne aber doch allgemein geworden zu sein; wir werden eine ganze Reihe Beerdigungen von Frauen aufzuzählen haben. Wie sorgsamer Beobachtungen es hier bedarf, wird unten z. B. das Grab von Blengow zeigen, wo unter dem Beerdigten verbrannte Gebeine doch wohl für ihn verbrannt, also Opfer, lagen. Solche Erscheinungen sekundären Leichenbrandes sind natürlich gesondert zu betrachten; doch liegt in ihnen vielleicht zum Theil die Erklärung der Sitte überhaupt. Man neigt jetzt dazu, die Sitte des Leichenbrandes in vorgeschichtlicher Zeit auf die Anschauung der Befreiung der Seele von den Banden des Körpers zurückzuführen und hat darin eine mächtige Stütze in Homerischen Anschauungen. Zweifellos darf man diese für

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die Denkweise des bronzezeitlichen Menschen heranziehen, da die Homerischen Gedichte ihren Stoff und einen guten Theil ihrer Vorstellungen der jüngeren Mycenezeit entnehmen, welche zeitlich dem Ende unserer älteren Bronzezeit (M. III) entspricht. Eine frühere Erklärung (die von Jakob Grimm) sah im Leichenbrande ein Opfer, und zwar dachte man dabei an ein Opfer für die Götter. Wenn wir nun in den bronzezeitlichen Gräbern und schon sehr früh (vgl. den zu dem Grabe von Blengow angeführten Fund von Schülp M. I) Leichenbrand als Opfer antreffen und weiterhin die Weiber verbrannt neben den beerdigten Mannern, so liegt der Gedanke nahe, daß auf diesem Wege der Leichenbrand überhaupt zur Sitte geworden ist, vielleicht allerdings in Verbindung mit neuen, von Süden her eindringenden Vorstellungen, die sich an ihn knüpften.

Die Grabform der älteren Bronzezeit schien auf unserem Boden so durchgehend das Hügelgrab zu sein, daß Lisch die ganze Periode (mit Einschluß sogar der jüngeren Bronzezeit) als "Periode der Kegelgräber" bezeichnet hat. Wir werden sehen, daß, wenn auch ganz vereinzelt, Flachgräber vorkommen. Die Form der Hügel ist recht verschieden; es sind ja jetzt meist rundliche Kuppen von sehr verschiedener Höhe (1 1/2 bis 9 m), und mir ist kein Grab bekannt, das eine ausgesprochene Kegelform bewahrt hätte, doch ergiebt sich bei der Ausgrabung oft, daß der ursprüngliche, an den Umfassungssteinen erkennbare Durchmesser im Verhältniß zu der vorauszusetzenden Höhe nicht bedeutend war, also eine dem Kegel nahekommende Gestalt vorauszusetzen ist, und ich habe daher den traditionellen Namen bei allen größeren Hügeln beibehalten. Die bronzezeitlichen Hügelgraber vertheilen sich nun durchaus nicht gleichmäßig über das Land, sondern lassen sich zu einer Anzahl von Gruppen vereinigen, über die auf meine Vorgeschichte S. 38 verwiesen sein mag. Wir ordnen in der folgenden Besprechung die Gräber in der dort gegebenen Art, also beginnend mit dem Nordwesten des Landes und mit dem Nordosten schließend. Auch unter den unten zu besprechenden Gräbern werden die dort als bevorzugt erscheinenden Gebiete besonders hervortreten; neu ist, daß auch die wenig durchforschten Gruppen 2 und 6 jetzt einige hervorragende Funde ergeben haben. Ob auch im Inhalt der Gräber sich lokale Verschiedenheiten von Bedeutung zeigen, bleibe noch unerörtert; jedenfalls hat sich auch hier die Ausbeute der Gräber im Westen des Landes als sehr ärmlich herausgestellt, und auch der Osten hat keine reicheren Funde ergeben. Die Zahl der Gräber, wo keine oder nur geringfügige Alterthumsfunde gemacht sind, ist überhaupt

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verhältnißmäßig groß, und man pflegte solche Ausgrabungen in einer Zeit, wo nur der Erwerb interessanter Gegenstände das Ziel von Untersuchungen vorgeschichtlicher Denkmäler war, als ergebnislos zu bezeichnen. Wir denken heute darüber anders; die Kenntniß der Grabanlagen hat einen selbstständigen Werth, und die Aufschlüsse über die in ihnen sich offenbarenden Sitten sind die einzigen Mittel, mit denen wir in die hinter ihnen stehenden Anschauungen, also das geistige Leben der alten Bevölkerung einzudringen hoffen dürfen, sie sind uns oft werthvoller als der Besitz der sich so oft wiederholenden Objekte. Daß in den älteren Berichten, auch in denen von Lisch, so wenig auf die Grabanlage geachtet ist, ist ein nicht zu überwindender Verlust. Es wird die Aufgabe einer späteren Behandlung sein, auf Grund der an den neueren Ausgrabungen gemachten Erfahrungen die älteren Berichte zu revidiren. Ich gebe im Folgenden im Wesentlichen nur Berichte über Ausgrabungen der letzten Jahrzehnte und Funde, die bisher unveröffentlicht geblieben sind; nur wo es zur richtigen Würdigung neuerer Ausgrabungen erforderlich war, (z. B. bei Retzow) sind ältere Fundberichte herangezogen. Unter den zu besprechenden Funden sind eine ganz Anzahl, und gerade einige der bedeutendsten, die sich nicht im Schweriner Museum befinden, sondern in kleineren öffentlichen Sammlungen oder in Privatbesitz. Ich bin erfreut, diese Sachen, die naturgemäß schwerer zugänglich sind und für die wissenschaftliche Behandlung leicht verloren gehen, hier bekannt geben zu können und sage auch an dieser Stelle den Herren, die sie mir zu dem Zwecke überlassen haben, meinen herzlichsten Dank.


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Kegelgräber von Upahl (bei Grevesmühlen).

Der an steinzeitlichen Funden so reiche Nordwesten des Landes hat für die Bronzezeit nur wenig ergeben; größere Grabanlagen, die man in Zusammenhang bringen könnte, sind nur südöstlich von Grevesmühlen bekannt geworden: hier liegen noch jetzt zwei schöne, in ihrem Kern anscheinend unberührte Kegelgräber gegenüber dem Sternkruge (Gemeinde Meiersdorf); vergl. Jahrb. 6 B, S. 69. Drei werden zu Groß=Pravtshagen erwähnt (Jahrb. 18, S. 246), von denen zwei nicht mehr zu erkennen sind, während das dritte, der große und schön gelegene "Rauhe Berg", zum größten Theile abgetragen und niedergeackert ist, wobei man wohl Steinsetzungen und Kohlenschichten, aber keine Altsachen gefunden hat; ein weiteres liegt bei Hilgendorf, nahe dem Plüschower

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Holze; und dazu kommen nun zwei bisher nicht beachtete bei Upahl, welche Verfasser im Juli 1894 mit Hülfe des Herrn Lehrer Däbler in Upahl untersucht hat.

1. Der "Ramberg" liegt auf der Hufe des Erbpächters Schulzen Greve, gleich östlich vom Orte am Wege nach Gr.=Pravtshagen. Das Gelände ist uneben, und der Boden besteht aus schwerem Lehm. Die Bestimmung der ursprünglichen Höhe ist nicht möglich, da der Hügel stark niedergeackert ist. Auch sind ihm schon beträchtliche Steinmengen entnommen; beobachtet ist damals, daß im ganzen Hügel in geringer Tiefe ein Steinkranz aus Blöcken von etwa 40 cm lief, zwischen denen Asche und Kohlen lagen. Altsachen sind dabei nicht gefunden. An den Hügel knüpft sich folgende Sage: Zur Erntezeit erschien auf der Spitze täglich ein gedeckter Tisch, der wieder verschwand wenn die bei der Ernte beschäftigten Leute abgegessen hatten. Eines Tages blieb er stehen, man fand, daß eine Gabel fehlte. Diese hatte ein Knabe entwendet; sie wurde zurückgebracht, der Tisch verschwand, kam aber nie wieder.

2. Der "Twäschenbarg" (Zwillingsberg) liegt etwa 200 m südöstlich vom Ramberge, gleich links von einem Feldwege auf der Hufe des Erbpächters Evert. Er war bedeutend niedriger als der Ramberg und schien im Wesentlichen unberührt zu sein; auch hier war man auf Steine gestoßen; ich habe ihn daher bis auf den Grund durchgraben lassen. Der Hügel war regelmäßig rund geformt und bestand aus Lehm mit Sand gemischt. Bei 1 m Tiefe schon wurde der Grundboden erreicht (schwerer und fester Lehm), der Durchmesser der Grundfläche betrug 10 m. Im Mantel des Hügels lagen einige Kohlenstücke und kleine Thongefäßscherben, auf dem Grunde ein ovaler Steinkranz aus Blöcken von etwa 50 cm Höhe, 8 m ostwestlich, 6 m nordsüdlich; am nördlichen Ende außerhalb des Steinkranzes ein fest gefügter Steindamm 3 m ostwestlich, 1,5 m nordsüdlich. Von einer Bestattung zeigten sich keine irgendwie erkenntlichen Reste. Da aber bei mehreren der weiterhin zu besprechenden Gräber (Wittenburg, Brahlstorf, Retzow, Deperstorf) sich ergiebt, wie außer ordentlich geringfügig oft die Spuren der Beisetzung sind, dürfen wir auch hier eine oder mehrere Bestattungen vermuthen.

Die Anlage des rundlichen Grabhügels auf einem natürlichen Hügel wird uns auch sonst begegnen (Wittenburg, Hallalit, Waren, Blengow, Deperstorf). Eine genauere zeitliche Bestimmung der Anlage würde noch verfrüht sein.

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Kegelgrab von Alt=Meteln (bei Schwerin).
(Katalog=Nummer Br. 487-490.)

Am Wege von Alt=Meteln nach Zickhusen nordöstlich vom Orte liegen zwei große und schöne mit Gestrüpp bewachsene Grabhügel, danach die "Strowelbarge" (oder "Strubbenbarge") genannt: der eine rechts vom Wege im Pfarracker 1 Kilometer vom Dorfe entfernt, der andere links etwas weiter im Acker des Erbpächters Facklam. Zahlreiche Sagen knüpfen sich an die Hügel; auf dem ersten soll in gewissen Nächten eine "Spinnmutter" sitzen, im zweiten sollen Unterirdische hausen, für welche die Bauern, wenn sie ihr Korn nach Wismar fuhren, einige Garben niederlegten; bei der Rückfahrt fanden sie dann das Geld, nach anderer Erzählung eine gedeckte Tafel vor, von der ein Bauer einmal einen goldenen Becher mit nach Hause genommen hätte. Eine ähnliche Sage ist eben bei Gelegenheit des Kegelgrabes von Upahl erwähnt.

Im Winter 1898/99 hatte der Pfarrpächter Buse einen Theil der Erbe des ersten Hügels zur Wiesenverbesserung abgefahren, und es hat darauf Ende März 1899 eine Ausgrabung stattgefunden. Der Hügel zeigte die Form eines Ovals von etwa 15 m Länge (nordsüdlich) und 12 m Breite, hoch scheint die ursprüngliche Form rund gewesen zu sein; die Höhe war etwa 3,40 m, er bildet die Spitze eines langsam ansteigenden Ackerstücks, in Folge dessen er noch höher erscheint.

Um den Hügel ging früher ein Steinkranz, der allmählich entfernt ist; seine Form ließ sich nach Angabe der Arbeiter und einigen noch gebliebenen Steinen herstellen und führt auf einen (inneren) Durchmesser von 14 bis 15 m. Der Auftrag bestand aus schwerem, kalkhaltigem Lehm und schien festgestampft zu sein, wenigstens bildete er eine fast steinharte Masse die zum Theil mit der Spitzhacke entfernt werden mußte, ähnlich wie bei dem Kegelgrabe von Radelübbe (unten S. 97). Die Ausgrabung war unter diesen Umständen schwierig und ging nur langsam vor sich. Auch ist noch immer ein beträchtlicher Theil des Hügels an den Rändern (etwa 1/4 des ganzen) stehen geblieben. Ich fand das Grab nicht intakt mehr; das ganze nordöstliche Viertel fehlte, sodaß meine Ausgrabung nur etwa die Hälfte umfaßt hat und nicht den Anspruch machen kann, alle Geheimnisse der Spinnmutter entschleiert zu haben.

Zwischen dem Erdauftrag fanden sich zahlreiche Kohlen und kleine Bronzestücke. Schon 60 cm unter der Oberfläche, etwa

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2,40 m nordwestlich von dem vorauszusetzenden Zentrum war eine starke Brandschicht von 50 cm Durchmesser, dazwischen kleine geschmolzene Bronzestücke unbestimmbarer Art, wohl ein Opferfeuer. Größere Steinsetzungen waren im Hügel überhaupt nicht, doch fanden sich zwei Gräber, beide auf dem Urboden:

Grab I. Steinhäufung von 0,40 m Höhe, 3,30 m Länge (südostnordwestlich) und 0,95 m Breite, 2 m vom Zentrum nach Nordosten. Der innere (Grab=) Raum war abgedämmt und bildete eine flache Mulde von 2,75 und 0,45 m. In diesem Räume lagen zahlreiche zerbrannte Knochen, nicht gleichmäßig vertheilt, sondern besonders in der Mitte, dazwischen kleine Stücke von zarten Bronzegegenständen, erkennbar die Reste von Nadeln und eine feine Fibel. Der Bügel ist gerade gestreckt, rund und mit ganz feinen Querstricheln (Nachahmung der Torsion) versehen; die Spiralscheiben nur 1 cm Durchmesser; das Ende der Nadel leider unkenntlich, aber sehr wahrscheinlich in der Art des bekannten Typus, von dem wir beistehend ein Stück abbilden. 1 )

Fibel

Wir werden der für M. III charakteristischen Form noch begegnen bei Ruthenbeck, Sarmstorf, Liepen, Blengow (in Gold) und Stülow; zwei anderen, aber verwandten, gleichzeitigen Typen bei Retzow und Sarmstorf.

Dieses Grab reichte bis an den Rand der Abgrabung. Nach Angaben der Arbeiter sind in dieser hier auch Steine angetroffen und dazwischen Reste eines bronzenen Ringes, sehr wahrscheinlich ein zweites Grab. Die Bronzereste sind offenbar im Feuer gewesen und entstammen anscheinend einem gedrehten Halsringe, wie wir sie im Folgenden bei gleichstufigen Gräbern von Radelübbe, Ruthenbeck, Turloff, Schlemmin, Sarmstorf, Boldebuck, Vogelsang und Kl.=Grenz bekommen werden.

An der Südostecke des Grabes war eine starke Brandschicht (Asche und Kohlen).

Grab II. 2,50 m vom Mittelpunkte nach Süden; in der Anlage dem vorigen gleich, doch bestehen die Wände aus größeren, aufrecht gestellten Steinen. Länge (ostwestlich) 2,20, Breite 0,70 m (innen 1,90 und 0,40 m). In einer Mulde zerbrannte Knochen, durch das Grab zerstreut, am Westende zu einem Haufen ge=


1) Die Abbildung ist genommen nach einem im Moor bei Krassow bei Güstrow gefundenen 12,5 cm langen Stück (K.=N. 2693, vgl. Jahrb. 16, S. 271).
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sammelt; überdeckt mit einer Steinschicht, sodaß hier eine Abdeckung nach oben stattgehabt zu haben scheint.

Auch hier lag im Süden des Grabes eine Brandschicht. Oberhalb des Westendes, etwa 40 cm unter der Oberfläche des Hügels (das Grab selbst lag 2,40 m tief) standen zwei glatte, große Steine, die wohl die Lage des Grabes im Hügel bezeichnen sollten (ähnliches unten bei Waren).

Außerdem fanden sich im westlichen Theile des Hügels, 4 m vom Mittelpunkte, im Halbrund gesetzte Steinblöcke, deren Bedeutung unklar bleibt.

Die zeitliche Stellung des Grabes ergiebt sich aus der Bestattungsart. Die eigenthümliche Sitte, die Reste des Leichenbrandes in Gräbern zu bergen, welche die Form des Körpergrabes noch bewahren, ein Kennzeichen einer Zeit, wo der Leichenbrand über die alte Sitte der Gestaltung den Sieg davontrug, wird uns noch weiter begegnen. so in dem Grube von Sarmstorf unten S. 139, wo auch eine fast gleiche Fibel gefunden ist. Mit diesem hat es auch den sparsamen Gebrauch der Steine gemein, während die große der bronzezeitlichen Gräber sehr bedeutende Steinmassen verbrauchen. Hierin ähnelt es auch sehr dem "Beierbarge" von Brahlstorf (unten S. 106), wo ganz gleich gebaute Gräber auch fast ohne Ausstattung, aber mit Leichenbeerdigung, sich fanden.

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Kegelgrab von Radelübbe (bei Hagenow).
(Katalog=Nummer Br. 298-300.)

Am Wege von Radelübbe nach Gammelin links, etwa 600 m westlich vom Dorfe, lagen in ganz ebenem Gelände auf sandigem Boden neben einander drei sehr auffallende Hügel, "Dreibergen" genannt. Zwei sind allmählich abgetragen, da der Lehm, aus dem sie bestanden, zur Ackerverbesserung und auch sonst sehr erwünscht war; Brandstellen und Gefäßscherben sind dabei beobachtet, größere Steinsetzungen und Metallsachen aber nicht. Der dritte, zur Erbpachthufe Nr. 4 gehörig, wurde im Winter 1889/90 angegriffen, und man stieß dabei auf eine Steinsetzung, in der sich Bronzen fanden. Ich habe daraufhin am 27. und 28. Mai 1890 und 19. bis 21. Mai 1891 den Hügel durchgraben.

Derselbe war mit Gebüsch bewachsen und ganz aus schwerem Lehm, der über den Grabstellen noch besonders fest gestampft war, aufgeführt, was auffallend ist, da Lehm in der Nähe gar nicht zu finden, das Material also weiter hergeholt sein muß.

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Die Achsenhöhe betrug 3,50 m, der Durchmesser war nicht genau zu bestimmen, da die Ränder beschädigt waren und Umfassungssteine fehlten, wird aber etwa 20 m betragen haben. Der Hügel glich also in Anlage und Form genau dem von Alt=Meteln, was um so mehr zu beachten ist, als die ganze Gegend westlich und südlich von Schwerin an Kegelgräbern sehr arm ist. An das Radelübber Grab knüpfte sich in unbestimmter Form die übliche Sage von einem goldenen Sarge oder einer goldenen Wiege.

Die Ausgrabung ergab mehrere Grabstellen.

Grab I. Nach der Lage das Hauptgrab. Ziemlich in der Mitte des Hügels, die Südostecke unter dem jetzigen Mittelpunkte, eine Steinsetzung auf dem Urboden; zwei Schichten größerer Dammsteine (etwa 15 cm Durchmesser), an den Längsseiten mit aufgeschichteten Wänden aus größeren (bis 60 cm hohen) Steinen; Länge 4 m (ostwestlich), Breite 3,40 m. Auf den Steinen Spuren von Knochen, sehr wahrscheinlich von einem beerdigten Leichnam; von Beigaben keine Spur.

Grab II. 4 m östlich vom Mittelpunkte, nicht auf dem Urboden, sondern etwa 1 m höher, ein einfacher Damm aus kleineren Steinen, 5,60 m lang (ostwestlich), also bis an den (jetzigen) Rand des Hügels gehend, und 2,20 m breit. Darunter war eine muldenartige Vertiefung, die etwa 60 cm tief ging, nicht mit Steinen ausgesetzt. Die Mulde war gefüllt mit lockerer Erde, die mit Asche durchsetzt war. Auch hier fanden sich nur Spuren von Knochen, keine zerbrannten Gebeine, sodaß auch hier die Beerdigung wahrscheinlich ist. Nahe dem östlichen Ende fand sich ein viereckiges Ortband mit Resten der hölzernen Scheide. Es hat die Form eines Pyramidenstumpfes und ist mit längslaufenden Linien verziert. Breite (unten) 1,25, Höhe 1 cm. Es ist die S. Müller 93 abgebildete, der dritten Periode eigenthümliche Form des Abschlusses der Schwertscheiden. Es scheint also wirklich, daß dem Beerdigten nur die Schwertscheide mitgegeben ist, von einem Schwerte fand sich keine Spur. Beispiele für diese Seltsamkeit sind mir nicht bekannt.

Grab III. Nördlich von I, etwa 4 m vom Mittelpunkte, an I fast anschließend. Es ist dieses das Grab, welches bei der Abtragung des Hügels angetroffen und zum größten Theil zerstört wurde. Ich fand noch unberührt den südlichen Theil, 4 m lang (ostwestlich), 2 m breit, doch war die ursprüngliche Anlage sicher so gewesen, daß die Längsrichtung nordsüdlich war. Es war aus mehreren Schichten größerer Dammsteine errichtet, an den Rändern aufrecht stehende Granitblöcke. Zwischen den Steinen fand ich noch

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Scherben starkwandiger Thongefäße, Asche, Kohle und zerbrannte Menschenknochen. In dem abgegebenen Theile waren eine Anzahl Bronzen gefunden, über die ich aber nur weniges in genauere Erfahrung bringen konnte; ein zerbrochener Ring (anscheinend der Rest eines gedrehten Halsringes) ist in Privatbesitz gekommen. Einen Tutulus (Zierkegel mit Steg auf der Unterseite) konnte ich noch erwerben.

Tutulus

Er ist verziert mit konzentrischen Kreisen auf dem Mantel und geht jetzt spitz zu; ob er ursprünglich in einer kleinen Scheibe endigte wie das unten zu besprechende Stück von Klein=Grenz und das S. Müller 116 abgebildete, ist nicht mehr zu entscheiden. Höhe 4, Durchmesser der unteren Seite 5,5 cm. Ein ganz gleicher stammt von Boldebuck (S. 144 dieser hier abgebildet), und wir werden ähnliche noch bei Retzow, Schlemmin, Liepen, Stülow und Klein=Grenz antreffen.

Außerdem fand sich noch im südwestlichen Theile, 1,60 m unter der Oberfläche, eine kleine zerdrückte Henkelurne, welche umgestülpt in einer Schicht schwärzlicher, mit Brandresten durchsetzter Erde stand, dabei eine Anzahl zarter zerbrannter Knochen. Ob das eine Nachbestattung ist oder Reste eines Todtenopfers, welches, als der Hügel halb fertig war, gebracht ist (ähnlich wie in Alt=Meteln), bleibe dahingestellt.

Wenn auch die Ausbeute des großen Hügels nur geringfügig ist, so genügt sie doch zur zeitlichen Bestimmung. Das Grab gehört sicher in eine Reihe mit unseren bekannten großen Gräbern der dritten Monteliusschen Periode, Alt=Sammit, Ruchow, Friedrichsruhe, Peckatel u. s. w., einer Gruppe, von der wir unten in den Gräbern von Boldebuck, Blengow, Stülow noch drei hervorragende Vertreter zu behandeln haben werden. Daß das Grab, in dem man nach der Lage das Hauptgrab zu erwarten habe, überhaupt keine Ausstattung zeigt, wird uns noch wiederholt (Brahlstorf, Retzow, Deperstorf) begegnen. Fast allgemein zeigen in dieser Periode das Hauptgrab oder die Hauptgräber Beerdigung, während am Ende der Periode der Leichenbrand den Sieg davon getragen hat (vergl. Alt=Meteln, Sarmstorf). Neben der Beerdigung des Hauptgrabes erscheint

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aber sekundärer Leichenbrand und zwar in mehreren Fällen, so besonders im Kannensberge von Friedrichsruhe so, daß der männliche Leichnam beerdigt, die Frau verbrannt beigesetzt ist. Dahin ist auch das Radelübber Grab zu rechnen, denn daß die Beigaben des nördlichen Grabes (III) eine weibliche Ausstattung enthalten haben, kann nach den erhaltenen Gegenständen nicht zweifelhaft sein; ein Beispiel vollständiger weiblicher Ausstattung wird uns unten bei Boldebuck beschäftigen.

Auffallend ist auch hier die ungleiche Vertheilung der Gräber im Hügel: alle drei lagen im Norden und Osten; ganz leer war der Westen. Das Gleiche werden wir bei Wittenburg und Blengow zu bemerken haben, während umgekehrt bei Stülow der östliche Theil leer war. Einen Zufall in solchen Erscheinungen zu sehen, ist in dieser Zeit, der älteren Bronzeperiode, die ein sehr ausgebildetes Grabrituell gehabt hat, nicht angängig. Deutungen zu wagen, werden wir aber erst berechtigt sein, wenn noch sehr viel mehr Beobachtungen gesammelt sind, als wie bisher vorliegen.

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Kegelgräber von Perlin (bei Wittenburg).
(Katalog=Nummer B 360.)

In dem Gehölz südwestlich vom Gute nahe der Scheide zu Pogreß liegen eine Anzahl sichtlich aufgetragener Hügel. Ich zählte im Jahre 1884 acht; wohl eine Gruppe von bronzezeitlichen Gräbern, ähnlich wie auf dem benachbarten Felde von Pogreß. Einen habe ich im Mai 1884 aufgegraben. Dieser hatte eine Höhe von etwa 1 1/2 m und bestand zum großen Theil aus Steinen (unter diesen war ein muldenförmiger Mühlstein). Da er mit alten Bäumen bestanden war, hatten die starken Wurzeln ihn völlig durchzogen und die ursprüngliche Gestalt sowie die Lagerung des Inhalts unkenntlich gemacht. Beobachtet wurden auf dem Urboden ein Haufe zerbrannter Gebeine. An Beigaben dabei:

Armring Armring
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1. Einige Scherben von braunen unverzierten Tongefäßen.

2. Ein bronzener Armring 1 ), zerbogen und zerbrochen (alter Bruch), anscheinend im Feuer gewesen. Die Größe ist nicht mehr bestimmbar. Er hat einen scharfen Mittelgrat und ist innen konvex. Die Verzierung besteht aus schräg gestellten Linienstreifen, die sich in der Mittellinie (welche leicht gekerbt ist) berühren. Sehr ähnliche Verzierungen zeigen die auch sonst gleich geformten Ringe aus Gräbern von Toddin, Reinstorf (Jahrb. 4 b, S. 37), Wittenburg (Jahrb. 5 b, S. 62), Gr.=Methling (Jahrb. 11, S. 374), Spornitz (Jahrb. 11, S. 388; abgebildet auf nebenstehender Seite), Tessenow (Jahrb. 48, S. 318) und von den unten zu besprechenden die Ringe von Schlemmin und Kl.=Grenz und die Handberge von Liepen. Alle diese Gräber sind der Periode III zuzuschreiben. Daß aber dieser Form und Ornamentation ein relativ hohes Alter zukommt, ergiebt der Vergleich mit den von Naue a. a. O. S. 182-184 besprochenen Typen, z. B. aus einem böhmischen Grabe (Pič, Pamatky) 1886, S. 535), wo ein fast gleicher Ring mit einem Flachcelt zusammen erscheint (gleichzeitig etwa mit M. II).

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Kegelgräber von Pogreß (bei Wittenburg).
(Katalog=Nummer Br. 355-359.)

Auf dem Felde südöstlich von Pogreß nahe dem Orte lagen früher mehrere Erhebungen, die sich in dem leichten, ebenen Boden leicht als künstlich erkennen liesen. Im Laufe der Zeit sind sie niedergeackert, und es zeigte sich dann, daß sie keine beträchtlichen Steinsetzungen, wohl aber auf dem Grunde einen Steindamm hatten. Der langjährige Pächter von Pogreß, Herr K. Peitzner, hat stets ein aufmerksames Auge auf diese Hügel gehabt und einem eine Urne mit Leichenbrand und Bronzebeigaben (Hohlwulstring) entnommen (vgl. Jahrb. 41, S. 165, der Fund ist dort zur Bronzezeit gerechnet ist aber sehr wahrscheinlich gleichzeitig dem ebenda S. 167 beschriebenen eisenzeitlichen Urnenfelde und von den unten zu besprechenden Bronzen zu trennen). Ich selbst habe mehrmals die Steindämme durchgraben, aber nichts gefunden als Brandstellen. Dagegen sind beim Ackern in dem Felde, wo die Gräber liegen, wiederholt Bronzen


1) Wir bezeichnen hier wie im Folgenden stets die größeren Ringe als Armringe, die kleineren als Handringe.
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im Charakter der Kegelgrabfunde aufgedeckt, die zum großen Theil sicher zerstörten Gräbern entstammen. Mit der Peitzner'schen Sammlung (vgl. Jahrb. 63, S. 2) sind 1893 in die Großherzogliche Sammlung folgende Stücke gelangt:

1. Ein Celt mit rechteckig abgesetzter Schaftrinne, stark, mit kräftiger Mittelrippe, schwer; Länge 16,5 cm, der Schaftansatz ziemlich in der Mitte, Breite der Schneide 5 cm.

Die Form ist die wohlbekannte, oft abgebildete, in der Schweriner Sammlung durch 32 Stücke vertreten. Die Mehrzahl davon sind Einzelfunde im Acker oder noch häufiger in Mooren; daß sie aber Gräbern nicht fremd sind, zeigen die Funde von Wohld (Jahrb. 4 B, S. 30) und Hallalit (s. unten), die unsicheren Funde von Steinbeck (Fr. Fr. 54), Lüssow und Zepkow mögen hier aus dem Spiele bleiben. Wie sie sich auf Männer= und Frauengräber vertheilen, ist noch nicht klar.

Celt

Auch in dem interessanten Funde von Wiek bei Schwaan (M. II oder III ?) kommt die Form vor (Jahrb. 12, S. 414). Wie bei uns, sind sie auch in Dänemark (S. Müller 133) in Gräbern verhältnißmäßig selten und scheinen dort ebenso wie in Schleswig=Holstein einem früheren Abschnitte der älteren Bronzezeit (also etwa M. II) anzugehören. Da eine verwandte, nur graciler gebildete Form typisch M. II ist und da auch in Meklenburg Schaftcelte ("Paalstäbe") in den charakteristischen Gräbern vom Ende der Periode (Peckatel, Friedrichsruhe u. s. w.) gänzlich fehlen, (über Lappencelte vgl. unten bei Roggow) werden wir sie auch hier in eine frühere Zeit zu setzen haben, also M. II.

2. Die Schneide eines kräftigen Hohlceltes; 5 cm breit, Form nicht weiter erkennbar (schwerlich hierher gehörig).

3. Eine Dolchklinge mit hoher, schmaler Mittelrippe, sich nach oben verschmälender Schaftzunge und drei Nietpflöcken. Länge 19, Länge der Schaftzunge 2,5, größte Breite 3,5 cm.

Die Form unterscheidet sich von der des unten zu besprechenden Dolches von Goldenitz durch den Mittelgrat und die besondere Form der Schaftzunge und ist typologisch zweifellos jünger, erscheint aber durch Mittelformen mit ihr verbunden. Sie ist hier nicht gerade häufig; außer in einigen Einzelfunden ist sie vorhanden in den unten zu besprechenden Gräbern von

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Ruthenbeck, Hallalit, Liepen und Stülow, ferner in Gräbern von Tessenow (Jahrb. 48, S. 315), Zepkow, Friedrichsruhe (Kannensberg, Jahrb. 47, S. 266), diese alle außer Hallalit aus M. III. Auch der hierneben abgebildete Dolch vonBorkow (Jahrb. 38, S. 145)und ein zwischen Güstrow und Dobbertin gefundenes Stück (15 cm lang, größte Breite 3 cm, Museum in Güstrow, K.=N. 410a) entstammen wahrscheinlich Kegelgräbern.

Dolch

4. Ein Schmuckring (ob für Hand= oder Fußgelenk ist zweifelhaft, daß ganz gleiche Ringe am Hand= und am Fußgelenk getragen würden, zeigen z. B. die in situ gefundenen Ringe von Loiz unten S. 135), innen flach, außen leicht gewölbt, mit scharf abschneidender Oeffnung und an der Oeffnung leicht verstärkt. Durchmesser (hier wie immer innen) 9 und 7,25 cm, Höhe 1 cm. Reichverziert: vier Felder mit Spitzovalen, die mit je zwei Linien eingefaßt und mit Querstricheln begrenzt sind, abgeschlossen durch je vier senkrechte Linien, ebensolche Linienstreifen trennen die Felder von einander.

Hand= und Fußringe sind gerade in den meklenburgischen Gräbern außerordentlich beliebt, man kann diese Vorliebe direkt als eine Eigenthümlichkeit der hiesigen Bronzezeit bezeichnen; doch sind die Formen wenig abwechselnd und bisher zu einer genaueren Klassifizirung der Funde nicht verwendbar. Wir haben dem besprochenen ganz gleiche aus Kegelgräbern von Boizenburg (Jahrb. 20, S. 353), sehr ähnliche von Steinbeck, Lehsen, Friedrichsruhe; alle derselben Zeit (M. III) gehörend. In Dänemark (S. Müller, 106) sind sie wesentlich seltener; die zeitliche Stellung ist dieselbe wie bei uns. (Wenn Splieth, Inventar Nr. 159, die Form zur Periode IV rechnet, so liegt wohl, wie die sicher zu III gehörende Nadel Nr. 157 des einzigen dortigen Gesammtfundes zeigt, ein Mißverständniß vor.) -

Armring Armring
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Die Verzierung mit Spitzovalen ist sicher nicht nordisch, sondern, wie so vieles, mit süddeutsch=österreichischen Formen zu uns gekommen. In Bayern gehören ähnliche Ringe (mit Endstollen) nach Naue in dessen "ältere" Bronzezeit (vgl. Bronzezeit in Oberbayern S. 192), für Ungarn rechnet sie Reinecke in seine Periode III (Arch. Ert. 1899, S. 247, Fig. 13); über Funde zwischen Bayern und Ungarn vgl. Hein, Mitth. d. anthrop. Ges. in Wien 28 (1898) S. 54; zahlreiche Beispiele auch in Pič aus Hügelgräbern derselben Periode.

5. Der Rest eines kleinen Fingerringes, zwei Stücke, verbogen und mit Rissen, als ob sie im Feuer gewesen waren. In der kleinen Schachtel, wo Peitzner sie verwahrte, liegt ein Stück zerbrannter Menschenknochen. Sehr wahrscheinlich werden also die Pogresser Gräber zum Theil Leichenbrand enthalten haben.

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Kegelgrab von Wittenburg. Nr. 8.
(Katalog=Nummer Br. 549-552.)

Südlich und südwestlich von Wittenburg lagen in früheren Jahren eine größere Anzahl bronzezeitlicher Gräber: ein offenbar einem Grabe entstammendes Bronzeschwert von hier ist bereits 1837 in die Vereinssammlung gekommen (vergl. Jahrb. 3 B, S. 78), ein Grab von etwa 1,8 m Höhe und 14,5 m Durchmesser hat Ritter 1838 aufgegraben und darin drei Grabsetzungen ohne Inhalt gefunden (Jahrb. 4 B, S. 28), sechs weitere dann 1839 (Jahrb. 5 B, S. 58); diese gehören offenbar verschiedenen Zeiten an und haben eine, im Verhältniß zu der Größe der Hügel nur geringe Ausbeute an Bronzen der Periode M. III und an Urnen der jüngeren Bronzezeit ergeben. Die Stellen mehrerer stark niedergeackerter Gräber, zu denen vielleicht die von Ritter untersuchten gehören, sind noch jetzt erkennbar.

Die Kenntniß eines bisher nicht untersuchten Grabes verdanken wir Herrn Oekonom Dittmann in Wittenburg. 1 km südlich vom Schützenhause, links von einem in den Wellbusch führenden Wege, liegt auf ebenem sandigen Acker eine weithin sichtbare Erhebung, der "Gelbe Berg". Beim Ackern stieß man hier auf Steine, die entfernt werden sollten und in denen Dittmann mit Recht die Umfassungssteine eines Grabes vermuthete. Dieses ist dann am 5. Juni 1900 ausgegraben. Die Steine waren Blöcke von etwa 1 m Höhe und bildeten eine zusammenhängende Mauer, deren Fugen mit kleineren Steinen und Keilsteinen geschlossen waren, so künstlich, wie ich es bisher noch nirgends zu beobachten Gelegenheit hatte. Der Durchmesser der

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Mauer betrug 23 m ostwestlich und 20,5 m nordsüdlich. Der dazwischen befindliche Erdmantel (sandiger Boden) war noch 2 m hoch, ursprünglich sicherlich beträchtlich höher, so daß wir hier ein Grab von den Ausmessungen derer von Radelübbe, Brahlstorf, Blengow u. s. w. vor uns haben. Der Urboden wurde in 1 m Tiefe erreicht, also war auch dieses Grab, wie so viele andere (vergl. oben S. 93 Upahl) durch Aufhöhung des natürlichen Bodens gebildet. In dem aufgetragenen Boden fanden sich einige Scherben und zwei Brandstellen, Reste des üblichen Ceremonialfeuers. Auf dem Urboden waren folgende Grabstellen:

I. Ziemlich in der Mitte des Hügels Steinsetzung von etwa 1,5 m Länge und 0,50 m Breite bestehend aus aufrecht stehenden kleinen Randsteinen und darüber gehäuften Decksteinen. Darin zerbrannte Knochen in geringer Anzahl, zum Theil grün gefärbt ganz geringfügige Bronzereste, ein kleines steinernes Messer und eine sehr einfache steinerne Pfeilspitze.

II.-IV. Die anderen drei lagen neben einander im nordöstlichen Theile des Grabes; sie schlossen sich so einander an, daß sie im Allgemeinen der Rundung der Abschlußmauer folgten, etwa 5 m von dieser entfernt. Der Bau war der gleiche: rahmenartige Steinsetzungen von 2 m Länge und 1,70 m Breite, gebildet durch flache Steinplatten von durchschnittlich 25 cm Höhe, überdeckt mit kleinen Steinhaufen, darin fand sich schwarze Erde, offenbar von Brandstellen, aber keine Spur des Beerdigten, der vollständig vergangen war. Wir werden eine ähnliche Grabanlage unten S. 106 bei Brahlstorf bekommen. Der ganze westliche Theil des Hügels war leer, wie wir es schon bei Radelübbe bemerkten.

Die Ausbeute des Grabes ist also eine sehr geringfügige, wie bei mehreren der von Ritter in derselben Gegend ausgegrabenen und gleich gebauten. Wo diese Inhalt hatten, gehörten sie der Periode M. III an. Vermuthlich wird auch das unsere dahin zu stellen sein.

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Kegelgrab von Brahlstorf (bei Boizenburg).
(Katalog=Nummer Br. 234.)

Aeltere Berichte reden von einer größeren Anzahl von Hügelgräbern, die in einer Reihe auf einer Hügelkette von Brahlstorf bis Melkof sich hinziehen (Jahrb. 5 B S. 107). Größere und kleinere wechselten. In diesen Hügeln sind die ersten Ausgrabungen gemacht, von denen wir etwas genauere

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Kunde haben und von denen Ergebnisse bewahrt sind. Hier grub nämlich im Auftrage des Herzogs Christian Ludwig (1747-1756) der fürstliche Leibmedikus Hornhardt, dessen Sammlung 1759 an den Erbprinzen Friedrich ausgeliefert wurde und den Kern der jetzigen Großherzoglichen Alterthümersammlung bildet. Als aus Brahlstorf stammend sind in dem alten Kataloge verzeichnet (vgl. Friderico-Francisceum Text S. 3 und S. 55):

1. Eine Dolchklinge mit hohem Mittelgrate und zwei Nieten, die wir anbei abbilden, da wir die Form wiederholt (vgl. unten bei Goldenitz S. 108) zu erwähnen haben werden.

Dolchklinge

2. Eine Fibel (erhalten ein Theil des Bügels, zwei Spiralscheiben, Nadel), von der hier zu Lande häufigen, sonst seltenen Form der größeren Spiralfibeln mit länglichem flachen Bügel und Kreuzbalken an der Nadelendigung; abgebildet Frid.-Franc. XI, 2. Es ist eine Charakterform der Periode M. III in Meklenburg, die uns unten bei Retzow (S. 119) und Karow (?) wieder begegnen wird; ähnliche, aber größere Stücke z. B. in den berühmten Kegelgräbern von Alt=Sammit und Friedrichsruhe.

3. Ein Halsring, gewunden, an den Enden sich verbreiternd mit ineinander greifenden, in Spiralen endigenden Haken; abgebildet Frid.-Franc. X, 1, vgl. Text S. 118.

Offenbar sind diese Stücke nicht demselben Grabe entnommen; die Dolchklinge und die Fibel sind zu einander passende Stücke der älteren Bronzezeit (M. III); der Halsring aber gehört zweifellos einer viel jüngeren Zeit an (M. V. vgl. Tidsbest. 114), wie die Zusammensetzung zahlreicher Funde auch auf unserem Boden zeigt, vgl. Jahrb. 61, S. 230. Es hat das ja auch nichts Befremdendes, da ausdrücklich erwähnt wird, daß größere Hügel (also im Charakter der älteren Bronzezeit) und kleinere (also im Charakter der jüngeren) auf dem Gebiete, wo die Ausgrabungen stattgefunden haben, mit einander wechselten. 1 )

Erhalten sind zur Zeit auf dem Brahlstorfer Felde noch zwei


1) Doch mag, da solche Ringe in Gräbern sonst nicht gefunden werden, nicht unerwähnt bleiben, daß auf dem benachbarten Düssiner Gebiet, wo Hornhardt auch gegraben zu haben scheint, später ein Hängegefäß gefunden ist, welches derselben Zeit (M. V) angehört wie der Halsring; vgl. Jahrb. 37, S. 204, und Jahrb. 61, S. 224.
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Hügel, die den Namen "Beierberge" führen. Es knüpft sich an sie die Sage, daß in ihnen Gnomen ("Unterirdische") gehaust hätten, die aber zu einer Zeit ausgewandert ("über die Elbe gegangen") wären. Der Name enthält vermuthlich den Stamm "beiern" = "mit der Glocke anschlagen" und weist auf eine Sage von unterirdischem Glockenlauten, wie sie sich häufig an Grabhügel knüpft und auch, wo die Sage vergessen ist, oft noch im Namen (z. B. Glockenberg) weiter lebt. Der eine Hügel liegt an der Düssiner Scheide links vom Wege dahin und ist wohlerhalten; ihm gegenüber auf Düssiner Gebiet ein fast ganz gleicher; der andere liegt in einem kleinen Tannenbestande, nordöstlich vom Orte auf etwas ansteigendem Terrain. Dieser Hügel ist ganz aus Sand aufgetragen und mit Kaninchenröhren durchsetzt. In dem aufgeworfenen Sande einer solchen fanden Angehörige der gräflich Oeynhausenschen Familie vor einigen Jahren eine bronzene Pincette.

Pincette

Diese hat eine schöne helle Patina; die Zwingen sind verhältnißmäßig breit und greifen unten in einander; auf jeder Seite sechs getriebene Buckel; Länge 8, Breite unten 3,5 cm. Das Stück ist ungewöhnlich groß. Nach S. Müller 86, 87 gehört die Form Mannesgräbern aus dem jüngeren Abschnitt der älteren Bronzezeit an, womit, wie wir sehen werden, der Befund unseres Grabes durchaus stimmt. Häufig sind Pincetten in dieser Periode noch nicht (vgl. Naue S. 118), während sie in der folgenden zu dem fast regelmäßigen Grabinventar gehören. Doch haben wir immerhin einige, so aus älteren bronzezeitlichen Gräbern von Toddin, Lüssow, Friedrichsruhe (vgl. Frid. Franc. XIX, 5 und 6; in dem Exemplar von Friedrichsruhe scheint doch ein von S. Müller 18 vermißter Uebergangstypus von den Pincetten der Periode. M. II zu denen von M. III zu stecken); auch Splieth (94) und Montelius (57) setzen sie in M. III.

Ich habe darauf am 30. September 1901 den Hügel durchgraben. Es ergab sich, daß er aus Sand besteht, während der Grund kiesig ist. Der Hügel bildete eine ziemlich unregelmäßige halbrunde Kuppe von 3 m Achsenhöhe und 18 m Durchmesser. Gefunden sind darin drei Grabanlagen:

Grab I. Rahmenartige Steinsetzung; die Nordwestecke 1,6 m vom Mittelpunkte südlich, 1 m über dem Urboden, 1,80 m lang (ostwestlich), 1 m breit, am Westende größere Steine (bis 30 cm), sonst kleinere Geschiebesteine. Darin war eine Brandschicht, die noch unter der Steinsetzung bis auf den Urboden ging.

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Grab II. Damm größerer Steine, 4,5 m nördlich vom Mittelpunkte mit der Südostecke, 1 Meter über dem Urboden, darunter eine Brandschicht, und unter dieser ein Steinrahmen mit Steindamm von 2,30 und 1,10 m. Auf dem Pflaster war deutlich erkennbar die Lage eines Leichnams, allerdings in so geringfügigen Spuren, daß näheres nicht zu bestimmen ist, und Holzreste, wohl von einem Sarge stammend; außerdem Bronzespuren.

Grab III. An II nach Westen anschließend, ähnlich gebaut, aber einfacher; genauere Maaße waren wegen der Störung der Steinsetzung durch die Kaninchen nicht zu nehmen. Auch hier zeigten sich Spuren eines beerdigten Leichnams.

Außerdem fand sich im nordöstlichen Theile eine starke, bis auf den Urboden gehende Brandschicht.

Die Anlage der Gräber erinnert an die von Alt=Meteln, Sarmstorf und andere, die dem Ende der älteren Bronzeperiode entstammen. Während aber dort schon Leichenbrand herrscht, ist in Brahlstorf noch beerdigt. Die Brandspuren in den Gräbern stammen wohl von Feuern, die vor der Beisetzung hier abgebrannt sind. Wir werden analogen Erscheinungen noch mehrfach begegnen.

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Kegelgrab von Goldenitz (bei Lübtheen).
(Katalog=Nummer Br. 469-471.)

In dem Tannengehölz zwischen dem Gute, der Bahnlinie und der Scheide von Pritzier befinden sich mehrere Hügel, die man für künstliche Auftragungen halten kann. Einer derselben, welcher nahe dem Hofe am Ende des Gehölzes lag, ist beim Sandfahren allmählich zerstört, und es sind ihm, ohne daß auf die Fundverhältnisse näher geachtet wäre, mehrere Bronzen entnommen, die Herr Rittmeister von Könemann auf Goldenitz im Juni 1898 der Großherzoglichen Sammlung übergeben hat. Die Patina ist dunkel, körnig und geht ziemlich tief; der Metallkern hat, wie oft bei alten Bronzen, eine röthliche Färbung angenommen.

Es sind:

1. Ein Schwert mit platter Griffzunge und flach gewölbter Klinge. Die Griffzunge, wie üblich mit leicht erhöhten Rändern und drei Nietlöchern in der Mitte, je einem an der Seite, ist 7 cm lang, die Klinge jetzt noch 21 cm, der untere Theil ist abgebrochen.

2. Ein Schwert mit breiter Griffangel und flach gewölbter Klinge. An der Griffangel sitzt noch der Knauf des Griffes, bestehend aus einer flachen, unregelmäßig vierseitigen Platte, die

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in der Mitte in einem niedrigen Knopfe schließt; die Platte ist verziert durch ein Saumband mit leichten Stricheln und acht symmetrisch vertheilte, kleine konzentrische Doppelkreise mit Mittelpunkt; unter der Platte ein leicht erhöhtes Band mit Stricheln, nach unten gerichtete Lappen und zwei, durch Rinnen getrennte Bänder mit Stricheln, die im stumpfen Winkel zusammenstoßen (Tannenwedelverzierung). Die Klinge hat in der Mitte eine flachrundliche Erhöhung, die mit Parallellinien abgefaßt ist. Die Länge beträgt jetzt noch 32 cm, ursprünglich 55 bis 60 cm.

3. Eine Dolchklinge; der Mittelgrat flach gewölbt, oben halbrund abschließend, mit zwei Nietlöchern. Länge 16, Breite 3 cm.

Die Geräthformen sind die wohlbekannten unserer älteren Bronzezeit; das erste Schwert ist der Typus S. Müller 34 das zweite 90, die Dolchklinge 22. Daß das Grab einem jüngeren Abschnitt der Periode angehört (Montelius III) ergiebt die entwickeltere Form des Knaufes an dem zweiten Schwerte, an dem die ursprünglichen Spiralen schon zu Kreisen und die ovale Platte zum Rhombus geworden ist (vergl. Montelius, Compte rende du congrès de Stockholm 1876, S. 887, Figur 6, s. auch Splieth, a. a. O. 78 und 80 a). In unserer Sammlung befinden sich noch sieben Schwerter dieses Typus aus Grabfunden und zwar gerade in einigen der bekanntesten aus dem späteren Abschnitt der älteren Bronzezeit (Friedrichsruher Glockenberg, Dabel, Peckatel, Brunstorf) vergl. auch unten S. 113 Ruthenbeck und Roggow. Ein besonders schönes Exemplar wird unten S. 169 abgebildet werden. Sie gehören unsern schönsten und bekanntesten Gräbern an und stellen den Höhepunkt unserer entwickelten Bronzezeit dar.

Weniger charakteristisch sind die Griffzungenschwerter, von denen in unserer Sammlung ungefähr 50 aus Gesammtfunden sich finden, alle der älteren Periode der Bronzezeit angehörend, aber überwiegend dem jüngeren Abschnitt. Wir werden sie im Weiteren noch bei Retzow, Karow, Loiz, Roggow (Abbildung siehe dort), Blengow, Stülow und Stubbendorf zu besprechen haben und zwar überall, wo die zeitliche Stellung nachweisbar ist aus M. III.

Anders ist das zeitliche Verhältniß der Dolchklingen. Klingen der besprochenen Art sind in älteren Veröffentlichungen gewöhnlich als "Lanzenspitzen" bezeichnet; daß es sich in der That um Dolche handelt, ergiebt sich aus zahlreichen Fällen, wo die Schäftung oder auch die Scheide erhalten ist; so in Meklenburg in dem unten zu besprechenden Kegelgrabe von Stülow; aus

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Dänemark s. z. B. Sophus Müller a. a. O., Abb. 26; aus Bayern Naue, S. 68 flgd.

Daß die Grundform dieser Klingen in die ältesten Abschnitte der nordischen Bronzezeit hinaufreicht, ergeben die ganz alten, an den Anfang unserer Bronzezeit zu stellenden "triangulären" Dolche, von denen mehrere, hier in Meklenburg die von Malchin, Prieschendorf und Waren (vergl. Vorgeschichte S. 35, Abb. 56, Montelius, Chronologie der ältesten Bronzezeit S. 49, Abb. 134 und 137) die breite Mittelrippe haben, ebenso wie die Klingen der gleichzeitigen "Kommandostäbe", z. B. Müllers Nordische Alterthumskunde I, S. 310. Montelius hat demnach in seiner Tidsbestämning alle diese Klingen seiner ersten Periode zugeschrieben. Ein dem Goldenitzer entsprechendes Stück ist dort unter Fig. 6 abgebildet. Auch Splieth (Inventar der Bronzealterfunde), der sich völlig an Montelius anschließt, bildet sie nur bei der ersten Periode ab (Tafel I); ein dem unsern ganz entsprechendes fehlt. Aus den Verzeichnissen S. 30 und 48 ergiebt sich aber, daß sie dort in der zweiten Periode noch häufig sind, in der dritten aber, allerdings mit der einen Ausnahme des interessanten sichtlich unsern Friedrichsruher Gräbern gleichzeitigen Grabes von Uelsby (Mitth. d. anth. Ver. in Schlesw.=Holst. 1900), fehlen. Auch in Dänemark scheinen sie im Wesentlichen in Sophus Müllers "älteren Abschnitt der älteren Bronzezeit", also M. II, zu gehören (vergl. das Verzeichniß Aarbøger 1891, S. 194 flgd.).

Dem gegenüber ist es doch bemerkenswerth, daß in Meklenburg die besprochene Dolchform in Gräbern M. III durchaus nicht selten ist; es seien nur erwähnt Grabfunde von Püttelkow, Wittenmoor, Friedrichsruhe, Zachow, und von den hier besprochenen die von Brahlstorf, (s. oben S. 105, allerdings wie auch die andern mit schärferem Mittelgrate als das Goldenitzer Stück), Retzow, Liepen. Und auch in den südlichen Bronzegebieten reicht die Form in eine jüngere Zeit hinein; so rechnet sie Naue für Oberbayern in seine jüngere Bronzezeit, die dem Ende unserer älteren entspricht (sein Typus IV. Naue S. 79), und in der Schweiz soll sie gar in die der nordischen vierten Periode entsprechende "Pfahlbauzeit" reichen (Heierli Urgeschichte der Schweiz, S. 214 und 266).

Es scheint demnach der Gebrauch des Dolches in Meklenburg ebenso wie in Süddeutschland in eine (absolut) jüngere Zeit zu reichen als im weiteren Norden.

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Kegelgrab von Peckatel (bei Schwerin) Nr. 3.
(Katalog=Nummer Br. 315-317.)

Auf der Feldmark von Peckatel, welche in zwei Hügeln die weitbekannten Grabfunde des Kesselwagens u. s. w. ergeben hat vgl. Jahrb. 9, S. 369 flgd. und 11, S. 366 flgd.), ist beim Bahnbau Ende der achtziger Jahre ein Hügel durchschnitten, der ebenfalls eine Grabanlage enthüllte. Die Gegenstände sind 1890 von der Großherzoglichen Eisenbahn=Direktion dem Großherzoglichen Museum übergeben.

I. Eine Urne groß, hellbraun, am unteren Theile rauh, oben mit glattem Ueberzug; von breiter Standfläche ausgebaucht, mit starkem Bauchwulst, dann zu einem hohen Halse sich allmählich verjüngend. Höhe 32, Durchmesser oben 20,5, unten 14, größter Umfang (13 cm von unten) 96 cm. Es ist eine bei den Ossuarien der jüngeren Bronzezeit häufige Form, die in altbronzezeitlichen Gräbern noch nicht vorgekommen ist; und es ist daher wahrscheinlich, daß das Gefäß einer Nachbestattung jüngerer Zeit entstammt, wie sicher auch die ähnlich geformten von Hallalit (vergleiche unten S. 160).

2. Eine Handberge, in drei Theile zerbrochen, schön, groß, von der gewöhnlichen Form. (Das nebenbei abgebildete Stück stammt von Alt=Sammit, vgl. Jahrb. 12, S. 408, es ist das schönste in der Sammlung erhaltene.) Die Spiralscheiben haben 10 cm Durchmesser. Ein Röhrenknochen steckt noch in der Windung.

Handberge

"Handbergen" sind bekanntlich die auffallendste Charakterform der meklenburgischen entwickelten Bronzezeit, hervorgegangen aus südlichen Ringen mit Spiralwindungen durch eine sehr starke Vergrößerung dieser Endigungen. Ich zähle in unserer Sammlung 47 Exemplare aus

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Gräbern, zu denen noch 7 aus Moorfunden und annähernd 12 uncharakterisirbare Einzelfunde kommen, und die Verzierungsart ist, abgesehen von sehr wenigen unverzierten, sehr gleichförmig, überall gleich der der Handringe von Retzow (abgebildet unten S. 119) u. s. w. Wir werden im Folgenden sie bei Dabel, Boldebuck, Ganschow, Liepen, Kargow, Stülow stets unter denselben Erscheinungen zu besprechen haben. Nur bei dreien, denen von Teterow (Jahrb. 26, S. 137), Boizenburg (Jahrb. 20, S. 283) und Liepen (unten S. 156), haben wir ein anderes Ornament in der Art der Handringe, wie oben bei Perlin, S. 99, einer abgebildet ist. Auf einen zeitlichen Unterschied ist darum aber nicht zu schließen. Wohl aber scheinen einige Exemplare mit breitem flachen Bügel (z. B. von Vogelsang und Güstrow) einer jüngeren Periode, etwa M. IV, anzugehören.

Der (wahrscheinlich weibliche) Leichnam ist also beerdigt, mit seinem Schmucke beigesetzt.

Das Grab gehört sicher derselben Zeit an wie die anderen von Peckatel (M. III).

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Kegelgräber von Ruthenbeck (bei Crivitz).
(Katalog=Nummer 4521. Br. 318, 319, 351-354, 407, 408.)

Oestlich vom Dorfe Ruthenbeck nahe der Scheide zu Gut Ruthenbeck und Friedrichsruhe fanden sich eine größere Anzahl Hügel, die immer weiter niedergeackert sind und in denen man schließlich auf Steinhäufungen stieß, die Gräber bargen. In mehreren sind Bronzegegenstände gefunden, von denen die Mehrzahl achtlos verworfen wurden, einige aber von den Findern an das Großherzogliche Amt in Crivitz abgegeben und so in die Sammlung gelangt sind, andere von den Herren Lehrern Linshöft in Ruthenbeck und Wildhagen in Stubbendorf, unserm langjährigen Freunde, dessen früheres, durch sehr glückliche Funde bekannt gewordenes Arbeitsgebiet Friedrichsruhe an Ruthenbeck grenzt, geborgen wurden.

Ich habe im Herbst 1893 die Fundstellen besucht, fand sie aber schon zur Unkenntlichkeit entstellt. Die Grundflächen der Hügel waren noch erkennbar, sie waren kleiner als bei den meisten Kegelgräbern, höchstens 8 m Durchmesser; auch scheinen die Hügel keine bedeutende Höhe gehabt zu haben. Ueber die innere Einrichtung der Gräber ist nichts beobachtet; Thongefäße sind überall gefunden, aber nichts bewahrt.

Die eingesandten Bronzen zeigen keine Spur von Leichenbrand, doch werden wir darauf hier so wenig wie bei den nächsten

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Gewicht legen. In den benachbarten Gräbern von Friedrichsruhe überwiegt übrigens die Beerdigung.

Grab 1.

Lanzenspitze, zerbrochen; flach ausgebogene, ziemlich tief sitzende Flügel, scharfer Mittelgrat, zwei umlaufende Ringe an dem Schaftloch, zwei seitliche Löcher. In der Schaftöffnung sitzt noch jetzt das Holz des Schaftes. Länge noch 10 cm, Oeffnung des Schaftlochs 2 cm. Der schlechte Erhaltungszustand ermöglicht eine Einreihung in die Formenreihe der Lanzenspitzen nicht; am nächsten scheint das Stück dem Typus Montelius 29 = S. Müller 159, gehörend in M. II, zu kommen; wenigstens stimmt es, soweit es erkennbar ist, genau mit dem nebenstehend abgebildeten Exemplar von Radepohl bei Crivitz überein (K.=N. 684; vgl. Jahrb. 5 B S. 65, gefunden mit einem gleichen in einer Mergelgrube). Lanzenspitzen in Gräbern sind bei uns ungewöhnlich, doch haben wir sie z. B. in Friedrichsruhe (Frid.-Franc. S. 50, abgebildet VIII 6, J. 47, S. 285), Toddin (Frid. Franc. S. 54), Retzow (unten S. 121) und Tarnow.

Lanzenspitze

Grab 2 (Büdneracker 5).

1. Zwei Reste eines Halsringes mit Schrägkerben (nachgeahmte Torsion).

2. Handring, dünn, fein, nach beiden Seiten leicht gewölbt; verziert mit Streifen leichter Vertikalstriche, zwischen denen unverzierte Stellen; etwas verbogen. Durchmesser jetzt 5 cm, Höhe 0,5 cm. Ein sehr ähnliches Stück haben wir aus Kegelgräbern von Steinbeck.

Grab 3 (Büdneracker 6).

1. Drei Reste eines Halsringes, ganz gleich denen des zweiten Grabes; die Enden bestehen aus ineinander greifenden Haken.

2. Fünf Reste eines gedrehten Halsringes, dünner als der vorige.

3. Reste einer sehr zarten Fibel: zwei Spiralplatten von 1 cm Durchmesser; Nadelkopf mit 2 Schrägbalken, sicher von der Form der Fibel von Krassow, über die oben (Alt=Meteln S. 95) gesprochen ist.

4. Ein Klumpen zusammengerosteter Spiralröhrchen, wie

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sie mit durchgezogenem Bande und Hängezierathen als Halsschmuck dienten; vgl. unten bei Gelegenheit des Grabes von Hallalit.

Grab 4.

1. Der Knauf eines Schwertes, flach, rhombisch mit abgestumpften Ecken, mit kleiner länglicher Spitze, verziert mit sechs gegossenen Spiralen. Es ist die von Montelius, Compte rendu S. 887, 6 besprochene Form (vgl. bei Goldenitz S. 109), die der dritten Periode angehört und verwandt (wohl etwas älter) ist mit dem Typus des Schwertes von Walow (unten S. 169).

2. Rest eines Dolches mit spitz abschließender Griffzunge und drei pflockartigen Nieten, flacher Mittelgrat mit zwei Seitenlinien. Analoga s. oben bei Pogreß S. 102.

Die zeitliche Stellung der Gräber als zu M. III gehörend ist also gesichert.

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Kegelgräber von Friedrichsruhe (bei Crivitz).
(Katalog=Nummer Br. 161-163, 263.)

Im Verlaufe unserer Darstellung werden wir sehr oft die 1880 bis 1882 ausgegrabenen Kegelgräber von Friedrichsruhe zu erwähnen haben, die durch den Reichthum ihrer Funde fast die wichtigsten unserer bronzezeitlichen Grabfunde geworden sind. Grab 1-12 ist Jahrb. 47, S. 257 flgd. besprochen. Ein kleiner Nachtrag mag hier folgen.

Grab 13.

Auf dem Acker des Erbpächters Thießen II sind beim Wegräumen eines Steinhügels, offenbar also in einem niedergeackerten Kegelgrabe gefunden und 1884 eingeliefert:

1. Zwei goldene Spiralfingerringe aus Doppeldraht von der gewöhnlichen Form, jeder 8,5 Gramm schwer, von 5 1/2 und 4 Windungen und 2 cm Durchmesser.

Spiralfingerring

2. 21 durchbohrte Bernsteinperlen, flach, mit gleichmäßig gewölbten, in scharfen Kanten zusammenstoßenden Seiten.

3. Ein Nadelkopf, rund, 0,75 cm Durchmesser. Wahrscheinlich von einer Nadel wie die aus dem Kannensberge Grab C a. a. O. S. 266 Nr. 3. Die Form, wahrscheinlich sogar die Stücke, ist sicher aus dem Süden importirt, ähnlich den großen Nadeln, von denen unten S. 145 bei Boldebuck zu sprechen sein wird. Für Ungarn bildet Reinecke, S. 245, 3 ein Exemplar als der

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dritten Periode gehörend ab, Naue, S. 165, bespricht sie als seiner jüngeren Bronzezeit angehörend; ähnliche bei Pič mehrfach, z. B. 8, 8.

Ueber die Art der Bestattung ist nichts beobachtet.

Grab 14. (?)

Im Jahre 1890 ist beim Pflügen eine Nadel gefunden und von Herrn Oekonomierath Schwieger eingesandt. Ueber die Fundverhältnisse ist nichts Näheres bekannt geworden, und es muß daher zweifelhaft bleiben, ob sie zu den Kegelgräberfunden zu rechnen ist, zumal sie durch Patina und auch Form sich von diesen etwa unterscheidet. Die Nadel hat eine helle, schwache Patina, ist sehr zierlich, hat einen flachen, eingeschnürten Kopf und darunter schräg um den Hals laufende Windungen, Länge 9,5 cm. Diese zierlichen "Vasenkopfnadeln" (vgl. Naue, S. 174) erinnern an gewisse zarte Nadeln unserer jüngeren Bronzezeit (Jahrb. 51, Tafel II), scheinen doch aber im Süden einer etwas älteren Zeit anzugehören, so daß eine Zusammengehörigkeit mit den anderen Friedrichsruher Funden nicht ausgeschlossen wäre.

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Grabfund von Granzin (bei Lübz).
(Katalog=Nummer 480, 481.)

In der Sammlung des verstorbenen Herrn Paul Langermann, welche im Dezember 1898 als Schenkung des Herrn Amtsanwalt Langermann in Hagenow in das Großherzogliche Museum gelangt ist (vergl. Jahrb. 64, S. 161) befanden sich auch, in einem Kasten zusammengelegt, die hier zu besprechenden Stücke. Ein Fundort war nicht angegeben. Da sich aber in einem Briefe Langermanns an mich die gelegentliche Bemerkung findet: "auch aus Granzin habe ich einen schönen Grabfund mit Bronzen bekommen", andere unbezeichnete Bronzen aber in der Sammlung nicht vorhanden waren, halte ich mich für berechtigt, die Sachen unter der obigen Ueberschrift zu behandeln. Eine innere Unwahrscheinlichkeit der Zuweisung nach Granzin liegt nicht vor. Kegelgräber bei Granzin werden schon Friderio-Francisceum S. 79 erwähnt und sind noch jetzt vorhanden, und auch aus einer jüngeren Periode der Bronzezeit stammen von hier hervorragende Funde ("Italische" Eimer, Jahrb. 47, S. 288; ein goldener "Eidring", Jahrb. 61, S. 217). Auch entsprechen die Stücke solchen, die in dem nicht weit entfernten Friedrichsruhe gefunden sind.

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Es sind:

1. Bruchstücke eines getriebenen Bronzegefäßes in Tassenform, unverziert, mit leicht nach außen gebogenem Rande und eingezogenem Boden, ganz wie das Gefäß aus dem Glockenberge von Friedrichsruhe (Jahrb. 47, Tafel VI, Fig. 10, Text S. 273). Mit den bei der Besprechung dieses Stückes aufgezählten von Ruchow, Peckatel und Weisin ist es das vierte seiner Art.

2. Rest einer bronzenen Nadel, 2 1/4 cm lang; die ursprüngliche Form ist unbestimmbar.

3. Eine steinerne Pfeilspitze mit Einkerbung, annähernd 4 cm lang, ganz wie die von Friedrichsruhe (a. a. O. S. 261 u.s.w.). Zu den dort aufgezählten Fundorten steinerner Pfeilspitzen in bronzezeitlichen Gräbern (Friedrichsruhe, Pölitz, Dabel, Slate, Brunstorf, vergl. auch unten S. 123 bei Retzow) kommt noch außer unserem Stück ein Grabfund von Loiz (unten S. 135). Alle diese Funde gehören in M. III. Gewöhnlich kommen die steinernen Pfeilspitzen zusammen mit Schwertern vor; wahrscheinlich stand auch das Granziner Gefäß wie das des Glockenberges zu Füßen des Beerdigten. Ist also unsere Zuweisung richtig, so haben wir es hier mit einem schönen Grabe der dritten Periode zu thun.

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Kegelgrab von Tessenow (bei Parchim).
(Katalog=Nummer Br. 208.)

Ueber eine größere Anzahl von Fundstücken aus niedrigen Kegelgräbern, welche bei Tessenow im Laufe der Jahre allmählich zerstört sind, ist bereits in den Jahrbüchern 48, S. 314 flgd. berichtet worden. Die Niederackerung der Grabhügel ist in der Folgezeit weiter gegangen, und bei der Gelegenheit ist ein Bronzeschwert gefunden, welches 1889 der damalige Besitzer von Tessenow, Herr Senator Wallbrecht, der Großherzoglichen Sammlung als Geschenk übergeben hat.

Das Schwert zeigt eine helle, nicht tiefe Patina; es ist schlank und von einfacher, aber seltener Form. Die Klinge ist flach gewölbt, unter dem Griff leicht eingezogen und dann sich etwas verbreiternd. Der Griff wurde gehalten durch eine kurze, oben dünne Griffangel, die am obern Ende ein Loch hat; zwei andere Löcher befinden sich an den Seitenrändern der Klinge; eine Griffniete ist erhalten, unregelmäßig viereckig, mit flach gehämmerten Enden. Der Griff hatte, wie die verschiedene Farbe

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der Patina zeigt, einen halbrunden Ausschnitt. - Die ganze Länge betragt 55 cm, die Länge der Griffangel nur 4 cm, die Breite der Klinge 2,75 bis 3 cm; der Griffnagel ist verhältnißmäßig lang, 2 cm.

Die Schwertform ist ungewöhnlich. Durch Form und Länge der Klinge schließt es sich an die große Masse der Griffzungenschwerter aus dem jüngeren Abschnitte der älteren Bronzezeit an, wenn auch unser Stück etwas schmäler ist; Griffangeln mit Loch sind mir aber sonst aus nordischen Funden nicht bekannt. Das von Schumacher, Fundberichte aus Schwaben, Heft VII, Abb. 18 gegebene Stück ähnelt mehr den länglichen Schwertern jüngerer Zeit. Ob eine Verwandtschaft mit den schlanken (älteren) Myceneschwertern besteht, bleibe hier dahingestellt. Ueber die Form des Griffes läßt sich nichts bestimmen. Zeitlich wird kaum ein Unterschied von den bekannten Griffzungenschwertern sein, von denen auch ein Stück bei Tessenow gefunden ist, doch mag der Typus immerhin eine Art Uebergangsform von diesen zu den rappierförmigen, z. B. "Vorgeschichte von Meklenburg" S. 75, Abb. 111 dargestellten sein.

Ich habe, durch diesen Fund veranlaßt, am 29. September 1889 den Fundort besucht und eine Ausgrabung veranstaltet. Der Fundplatz ist ebener sandiger Acker und liegt nordöstlich vom Gute Tessenow, rechts von dem Wege nach dem Vorwerke Mühlenberg, nahe bei diesem. In dem flachen Gelände heben sich neun Erhöhungen ab, davon sechs als flache Bodenwellen, drei mit deutlich erkennbarer Hügelform. Die ersten sind, wie auch Gräben, die sie durchziehen, zeigen, die bereits untersuchten Gräber denen die früher (1882) in die Sammlung gekommenen Bronzen entstammen; einem der liieren war das Schwert entnommen. Alle Hügel waren aus gelbbraunem, reinem Sande aufgeschichtet und hoben sich schon durch ihre Färbung von dem weißgrauen, kiesigen Sande des ursprünglichen Bodens ab.

Die Ausgrabung hat sich auf den Hügel beschränkt, in dem das Schwert gefunden war. Dieser hatte noch eine Achsenhöhe von 1,40 m und auf dem Urboden einen Durchmesser von 12 m; der ursprüngliche Umfang läßt

Schwert
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sich nicht bestimmen, da die üblichen Umfassungssteine fehlten. Auf dem Grundboden standen zwei Steinschichtungen aus mittelgroßen Geschiebesteinen errichtet, genau rechteckig mit steilen Wandungen, die zum Theil sogar aus flachen, glatten Steinen (Sandsteinplatten) aufgesetzt waren. Die größere lag in der Mitte des Hügels und war 3 m lang, 2,30 m breit und 0,70 m hoch, mit nordwest=südöstlicher Richtung, die andere, näher dem östlichen Ende des Hügels zu und west=östlich gerichtet, zeigte 2,30 × 1 × 0,70 m. Zwischen den Steinen und unter ihnen auf dem Grunde fanden sich zerbrannte Knochen, Kohlenstückchen und Asche, aber verstreut und in geringer Menge. Zwischen den beiden Steinschichtungen in der Höhe der oberen Kante, etwas über 1/2 m unter der jetzigen Oberfläche lag ein größerer Haufe verbrannter Gebeine. Das Schwert hatte nicht auf einer dieser Steinschichtungen gelegen, sondern ist unmittelbar unter der Oberfläche, reichlich 1/2 m oberhalb der größeren Steinsetzung, etwas westlich von dem Mittelpunkte des Hügels gefunden.

Ein deutlich erkennbares Grab ist also in dem Hügel überhaupt nicht gefunden. Ob der Todte spurlos vergangen ist oder die Bestattung in einem der benachbarten Hügel stattgefunden hat, bleibe dahingestellt. Die beiden Steinsetzungen sind wohl als tischartige Erhöhungen, auf denen Ceremonien bei den Leichenfeiern stattfanden, aufzufassen. Erinnert sei an die beiden "Altäre" aus dem bekannten Grabe von Peckatel (Jahrb. 11, S. 369), die aus Lehm gebildet und höher waren, aber sonst den besprochenen glichen. Auch die zerbrannten Knochen zwischen den Steinsetzungen rühren wohl eher von Ceremonien her, als daß sie die Gebeine des Bestatteten darstellen, wenigstens kommt ähnliches oft vor, und eine so formlose Beisetzung der Leichenbrandreste wird sonst nicht geübt. Das Schwert an der Oberfläche ist dann wahrscheinlich eine Weihegabe, wie sie ja nicht selten in dem Mantel von Kegelgräbern sich findet. Die allgemeine zeitliche Zusammengehörigkeit des Schwertes mit den anderen Tessenower Altsachen (M. III) ergiebt sich schon aus dem völlig gleichen Erhaltungszustande.

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Kegelgräber von Dorf Retzow (bei Plau).
(Katalog=Nummer Br. 400-403.)

Die ebene Sandgegend an der Landesgrenze zwischen Lübz und Plau, das Land Ture (=Urstierland) der wendischen Zeit, bot noch vor wenigen Jahrzehnten ein ungemein reiches Bild

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vorgeschichtlicher Denkmäler. Hünengräber und zahlreiche stattliche Kegelgräber, die der Kultur entzogen, nur mit Haide bewachsen und so in ihrer Form trefflich erhalten waren, beherrschten auf der ebenen Fläche das Landschaftsbild. Eine Reihe von Jahren war hier das Arbeitsgebiet des trefflichen Pastor Ritter in Vietlübbe, dem wir eine Anzahl guter Ausgrabungen und Berichte verdanken; seitdem (1848) ist die Gegend für die meklenburgische Alterthumsforschung vergessen geblieben, und als wir vor einigen Jahren wieder einsetzten, war es zu spät. Die alten Denkmäler waren den gesteigerten modernen Wirthschafts= und Verkehrsansprüchen schonungslos zum Opfer gefallen.

Eine besondere Fülle bronzezeitlicher Denkmäler hatte bei Dorf Retzow gelegen. Zu Gruppen vereint standen hier eine große Anzahl größerer und kleinerer Grabhügel, die früh die Aufmerksamkeit auf sich gezogen und zum Theil schon 1804 von Zinck untersucht worden sind; später hat hier Ritter gegraben. Einzelne verschwanden schon damals, da ihre Steine in der steinarmen Gegend eine willkommene Beute waren. Das Jahr des Verhängnisses wurde aber erst 1896, wo der Weg von Ganzlin nach Lübz chaussirt wurde. Die Hügel sind damals Steinbrechern ohne jede Cautel zur Ausbeutung, überlassen und diese haben ihr Zerstörungswerk gründlichst betrieben, ein Akt der Barbarei, der hoffentlich der letzte in seiner Art sein wird. Ich habe dann im Herbst 1896 die Stellen besichtigt, den Thatbestand aufgenommen und durch Ausgrabung zu retten gesucht, was noch zu retten war. Die ziemlich kümmerlichen Ergebnisse dieser Ausgrabungen seien im Folgenden mit der Besprechung der älteren Funde und Berichte verbunden.

Schwert

Ohne Angabe der genaueren Fundverhältnisse sind früher eingesandt:

1. 1826, ohne Fundbericht, aber doch sicher ebenso gut wie alle bezeichneten Retzower Bronzen aus einem Grabe, welches wir in Folgendem, um die alte Zählung in den Jahrbüchern beibehalten zu können, als Grab 8 bezeichnen sollen: Ein prächtiges Schwert, 53 cm lang, beschrieben Friderico-Francisceum XIV, 1, bei Gelegenheit des ähnlichen Schwertes von Lehsen,

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von diesem (beistehend nach Jahrb. 26, S. 146 u. s. abgebildeten) unterschieden dadurch, daß der Griff massiv ist und die Hohlräume zwischen den Spiralen aus kleinen Vertiefungen bestehen; die Zahl der (ornamentalen) Nietköpfe ist sechs. Man sieht allgemein (Montelius, Tidsbest. 24, Compte-rendu du congrès de Stockholm 1876 II, S. 886, S. Müller, Ordning 27, Splieth 36) in dieser Schwertform eine der ältesten auf nordischem Boden, und die Nachweise bei Müller und Splieth führen auf die zweite Monteliussche Periode.

2. 1837 als "beim Steinbrechen gefunden" (Jahrbuch 3 B, S. 68), bezeichnet als Grab 1: ein Armring der üblichen Form von spitzovalem Querschnitt; Verzierung unter der Patina nicht erkennbar;

zwei Handringe, innen flach, außen leicht gewölbt, verziert in der sehr häufigen Weise mit Schräglinien, beistehend abgebildet;

Armring Armring

eine Bronzefibel mit flachem, geradem Bügel(abgebildet untenstehend mit Ergänzungen), Spiralscheiben, Nadel mit zwei parallelen Balken; zerbrochen; die Form ist in Meklenburg nicht selten, wir haben sie z. B. aus Gräbern von Alt=Sammit, Friedrichsruhe und sonst, vgl. auch oben bei Brahlstorf, unten bei Karow, also Montelius III; es scheint aber eine uns eigenthümliche Form zu sein, deren einzelne Elemente in anderen Kombinationen in anderen Theilen des nordischen Bronzegebietes und darüber hinaus in Norddeutschland weit verbreitet sind. Vgl. z. B. Undsel, Etudes, S. 75. Typologische und stratigraphische Betrachtungen weisen sie gleichmäßig nach M. III.

Bronzefibel
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3. Ebenso 1839 (Jahrb. 5 B S. 64), bezeichnet als Grab 2: ein Celt, Flachcelt mit aufgehöhten Rändern und stark ausbiegender Schneide, 14 cm lang, von der beistehend wiederholten Grundform, die man allgemein der ältesten Periode der Bronzezeit zuzuschreiben gewöhnt ist;

Flachcelt

ein Handring, zerbrochen, gleich denen des vorigen Grabes.

4. 1843 (Jahrb. 9, S. 381), "unter einer Erhöhung gefunden", bezeichnet als Grab 3: ein Celt, gleich dem des vorigen Grabes, 10,5 cm lang; ein Armring scharfkantig, auf beiden Seiten flach gewölbt, sehr zart, verziert gleich den Handringen von Grab 1 und 2, nur 0,5 cm hoch;

zwei Windungen eines spiralförmig gewundenen Armringes.

Auffallend ist das Auftreten der Flachcelte, und ich würde sie für eine zufällige Beimengung halten, wenn sie nicht eben in zwei verschiedenen, zu verschiedenen Zeiten gemachten und von verschiedenen Leuten geborgenen Funden aufträten. Es muß doch auch bemerkt werden, daß wir noch mehrere Flachcelte haben, die nach den Berichten Gräbern entstammen sollen, Nachrichten, die man ja bei der Ungenauigkeit der älteren Ausgrabungen einer Systematik nicht zu Grunde legen, aber doch auch nicht einfach ignoriren darf; so von Marnitz (Frid.-Franc., Text S. 71, abgeb. XIII, 7) und Goehlen (Frid.-Franc., Text S. 53), wo ebenfalls eine Pincette ältester Form (Frid.-Franc. XIX, 3=S. Müller 18, Naue XVIII, 17) gefunden ist, die zeitlich sehr gut zu dem Flachcelt paßt. Auch in Pommern kommen diese in M. II vor (vgl. Schumann zu dem Depotfunde von Arnimshain in den Mitth. d. Uckermärkischen Museumsvereins I, 1, 1901, S. 4), und ebenso in gleichstufigen südlichen Gräbern, z. B. in Böhmen, vgl. Pič I, 3. Jedenfalls berechtigen sie uns, den Gräbern ein relativ hohes Alter zuzuschreiben, also M. II.

Grab 9:

Ein isolirter Hügel lag östlich vom Orte, etwa 500 m entfernt, rechts vom Wege nach Ganzlin auf dem zur Windmühle gehörenden Acker. Er war etwa 1 m hoch, umgeben von einem Steinkranze und bestand fast ganz aus Steinen. Als diesem Hügel 1896 Steine entnommen wurden, fand der Besitzer, Gastwirth Doll

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in Dorf Retzow, darin mehrere Bronzen von ausgezeichneter Erhaltung und schöner Patina, über deren Lagerung nichts Näheres beobachtet ist. Die Gegenstände, die in Dolls Besitz geblieben sind, sind folgende:

1. Eine Lanzenspitze mit durchgehender Schafttülle, von der die mittelhoch sitzenden Flügel scharf absetzen; zwei Löcher an den Seiten. Länge 14 cm, größte Breite 3,5 cm. Grundform Montelius 29, Splieth 42, dort zur zweiten Periode gerechnet; vergl. oben S. 112 bei Ruthenbeck.

2. Eine Nadel; der Kopf kolbenförmig verdickt und geriefelt; die Spitze fehlt; Länge noch 13,5 cm. Vergl. S. Müller 120, dort ist sie dem zweiten Abschnitte der älteren Bronzezeit zugeschrieben und als eingeführt betrachtet. (Aus Böhmen vergl. Pič 11, 22.) Ueber die meklenburgischen Stücke (bisher fünf, alle aus derselben Zeit, M. III, angehörenden Gräbern) vergl. Jahrb. 48, S. 317.

3. Ein Messer; sehr schön. Klinge gewölbt, Spitze nach unten; der Griff flach mit aufgehöhten Rändern und zwei Nietlöchern; der Griff in einem Ring schließend. An der Klinge unter dem Rücken verziert mit kleinen Halbkreislinien und Punkten, ganz gleich einem von Slate (Jahrb. 33, S. 129), ähnlich Naue 18,6. Länge 20 cm, Länge der Klinge 10 cm. Der Griff ist absichtlich verbogen. Schon in zwei Fällen sind gleichzeitigen meklenburgischen Gräbern (Alt=Sammit, Friedrichsruhe) ganz gleiche Messer, ebenfalls verbogen, entnommen (vergl. Jahrb. 47, S. 275), und merkwürdiger Weise findet sich die Sitte, diese Messer zu verbiegen, in weit entlegenen Ländern wieder; z. B. in dem auch sonst für uns wichtigen Grabe von Velka Dobra, Pič 6, 14.

4. Ein goldener Spiralring von 2 cm Durchmesser, mit 7 1/2 Windungen. Die Windung ist nicht gleichmäßig, sondern geht von der Mitte an nach der entgegengesetzten Seite.

Das Grab ist sicher M. III zuzuschreiben.

Hügelgruppe vor der Krim.

Nordwestlich vom Dorfe, etwa 800 m entfernt, am Wege nach der Krim links lagen zwei etwa 1 m hohe Hügel, anscheinend früher beträchtlich höher, wenigstens ist der eine für seine Höhe auffallend lang. Auch sie sind nach Steinen durchwühlt und dabei sind mehrere Bronzegegenstände gefunden; die meisten sind achtlos verworfen, nach den Angaben der Leute scheinen es Armringe und Tutuli gewesen zu sein; bewahrt sind einige Bronzen, die in den Besitz des Herrn Voß jun. in Lübz=

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Bauhof gelangt sind (Grab 10), und über welche dieser freundlichst berichtet hat:

1. Eine Lanzenspitze mit durchgehender Schaftrinne und ziemlich tief sitzenden Flügeln; Länge 16,5, größte Breite (7,5 cm von unten) 4 cm.

2. Ein Messer mit gebogener Klinge, die unter dem Rücken mit kleinen in Dreieck gesegten Schrägstreifen verziert ist, sonst ganz gleich dem Vorgeschichte S. 50 abgebildeten Messer von Dabel, der Griff besteht aus einer länglichen Rinne mit Randleisten, aber rund abschließenb. Eine Niete ist erhalten, 1,75 cm lang, oben kegelförmig, unten sich Zuspitzend. Länge 17 cm, Höhe 3cm. Die Griffform ist uns, und soweit ich sehe, dem ganzen Norden fremd (wir besitzen nur zwei gleiche Stücke, eins gefunden bei Kreien, nicht weit von Retzow, unter unsicheren Umständen, und eins aus den Gräbern von Tessenow, Br. 104)); es ist der von Naue, S. 102, Abb. 34, gegebene Typus, sehr ähnlich den Tafel XVII 2 und 3 gegebenen Stücken, dort der Uebergangszeit von der älteren zur jüngeren Bronzezeit angehörend, also unserem M. III.

3. Eine vierseitige kleine Stange, 9 cm lang, 0,4 cm dick.

4. Ein Handring mit Einkerbungen gleich dem unten S. 143 zu Boldebuck abgebildetem Stücke. Durchmesser 6 und 5,5 cm, Dicke 0,80 cm.

5. Ein geschlossener Ring mit rundlichem Querschnitt. Durchmesser 3, Dicke 0,9 cm.

Die Hügel scheinen die Reste einer Gruppe zu sein, die Ritter, Jahrb. 10, S. 278, erwähnt.

Ein damals abgetragener Hügel von etwa 0,75 m Höhe und 6 m Durchmesser ergab (bezeichnet als Grab Nr. 4): 1. eine "Speerspitze", richtiger Dolchklinge, ähnlich den oben schon mehrmals besprochenen Formen (Brahlstorf S. 105) mit halbrundem oberen Ende, zwei Nieten, scharf hervortretendem Mittelgrate, 12 cm lang, ursprünglich etwas länger. Es ist der Typus III von Naue (Bronzezeit S. 79, die auf Tafel XIII, 4 und XIV, 2 abgebildeten Stücke entsprechen dem unsern auch in der Größe); vgl. S. Müller 22, 26 (dort selten); angehörend wahrscheinlich im allgemeinen einem älteren Abschnitte der Periode.

2. Einen Spiralring, zerbrochen, innen scharf, außen scharfkantig, erhalten sind 5 Windungen; 6 cm Durchmesser. Zu zeitlichen Bestimmungen ist diese weit verbreitete Form nicht zu verwenden. (S. Müller, 55.)

Ueber die Bestattungsart sagt Ritter nichts; da Leichenbrandreste ihm schwerlich entgangen sein würden, ist Bestattung

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wahrscheinlicher. Ob das Grab in M II oder III zu setzen ist, bleibe dahingestellt.

Hügel bei der Krim.

Noch etwa 700 m weiter an dem Wege ebenfalls links lagen früher eine Anzahl Hügel (auf dem Meßtischblatt Meyenburg, welches auf einer Aufnahme von 1879 beruht, sind noch fünf verzeichnet). Erkennbar waren bei meiner Anwesenheit nur noch drei, gelegen auf der Hufe des Erbpächters Engel vor der Krim.

1. Großer, schöner, regelmäßig runder Hügel von etwa 2 m Achsenhöhe, zwecks Steingewinnung ganz durchwühlt; bronzene Ringe und Thongefäße sind gefunden, aber verworfen. Auch schon früher sind an den Rändern zahlreiche Bronzegegenstände zu Tage getreten.

2. Der Form nach gleich dem ersten, mit Buchen bestanden; auch schon durch Steinsucher etwas beschädigt, aber im wesentlichen erhalten. An den Rändern sind sehr viele Urnen gefunden und zerschlagen.

3. Regelmäßig runder Hügel von 1 m Achsenhöhe, halb schon entfernt.

Aus der Bemerkung von Ritter, Jahrb. 10, S. 278, geht hervor, daß hier schon Zinck gegraben hat. Im Friderico-Francisceum wird von einer Ausgrabung von Kegelgräbern bei Retzow nicht berichtet (über andere Hügelgräber vgl. unten S. 125), doch enthält die Schweriner Sammlung mehrere Bronzen aus der Zeit der Zinckschen Ausgrabungen (1804), die sicher nicht aus den Frid.-Franc. S. 71 berichteten Ausgrabungen stammen und daher mit großer Wahrscheinlichkeit hier aufzuführen sind; wir bezeichnen sie als Grab 11, es sind:

1. 2. Zwei bronzene Pfeilspitzen mit leicht gewölbten Flügeln, von 3,5 cm Länge; eine selten vorkommende Form.

Unter den nordischen Bronzen sind Pfeilspitzen sehr selten. S. Müller, Alterthumskunde I, S. 253, bemerkt, daß sie in Gräbern der älteren Bronzezeit ganz fehlen und schließt daraus, daß damals nur der Nahkampf, entsprechend der Kampfweise der Ilias, von eigentlicher Bedeutung gewesen wäre. Das stimmt noch für Schleswig=Holstein (Splieth a. a. O. S. 41 und 58), aber nicht mehr für Meklenburg. Hier kommen steinerne Pfeilspitzen in der dritten Periode verhältnißmäßig häufig vor. Die Nachweise sind oben S. 114 und unten S. 136 bei den Gräbern von Granzin und Loiz gegeben worden, und auch bronzene Pfeilspitzen finden sich z. B.

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in Peckatel und Friedrichsruhe. Es ist das wiederum ein Verhältniß, in dem sich Meklenburg mehr als die andern Provinzen des nordischen Bronzegebietes an südliche Bronzegediete anschließt. In Ungarn (Reineckes Periode II, s. A. E. S. 237, Fig. 5), Nieder=Oesterreich (Heger a. a. O. Fig. 17, 21, 22, vgl. S. 20 und 23; dort auch steinerne Pfeilspitze, Hörnes a. a. O. S. 76), Böhmen (Pič mehrfach, aber keine steinernen), Bayern (Naue S. 100), sind sie häufiger und die Form mit Röhren gehört dort anscheinend einer jüngeren Stufe an, entsprechend ungefähr wie bei uns M. III. Ein interessanter Fund ist der von Neu=Haldensleben, wo in einer Gruppe niedriger Hügelgräber auf dem dortigen Fuchsberge, die nach den Fundstücken der Periode M. III. anzugehören scheinen, eine ganze Anzahl steinerner Pfeilspitzen mit bronzener Schäftung und mit bronzenen zusammen gefunden sind (vgl. Wegener, Gymnasialprogramm Neu=Haldensleben 1897, S. 10 und 12).

3. Kleine Schmuckkegel aus Bronzeblech, wie sie unten S. 145 bei einem Grabe von Boldebuck zur Besprechung kommen werden.

4. Ein größerer Tutulus mit flach gewölbter Scheibe und kleiner Spitze, 5,5 cm Durchmesser, eine Uebergangsform von den großen Schmuckscheiben (s. Dabel S. 133) zu den gewöhnlichen Tutuli (z. B. Boldebuck unten S. 144).

5. Eine Pincette = S. Müller, Ordning 87, 5 cm lang. Ueber Pincetten in Kegelgräbern s. oben S. 106 bei Brahlstorf.

Der mit 2 bezeichnete Hügel ist von mir am 29. September 1896 ausgegraben (Grab 12). Der Aufbau der Grabanlage im Innern war außerordentlich deutlich. Der Urboden wurde bei 3 m Tiefe erreicht; da aber die Oberfläche schon abgegraben war, muß die ursprüngliche Höhe annähernd 4 m betragen haben. Der Durchmesser war nicht genau zu bestimmen, da die Ränder Beschädigungen zeigten; regelmäßige Anlage vorausgesetzt, wird er 20m betragen haben. Der Erbauftrag bestand aus gemischter Erde. 70 cm unter der jetzigen Oberfläche stieß man auf eine fast quadratische Steinplatte von 60 cm Durchmesser unter der ein regelmäßiger Steinkegel von 2,30 m Höhe und etwa 8 m Durchmesser aus Sammelsteinen aufgeschichtet war. In halber Höhe war er umstellt mit etwas größeren (etwa 30 cm hohen) aufrecht stehenden Steinen. Auf dem Grunde des Hügels war ein Steinpflaster und hier wurde auch das Grab gefunden; doch brachte es eine große Enttäuschung. Es fanden sich wohl

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Spuren des Leichnams, besonders deutlich ein Stück der Schädeldecke, aber nicht die geringste Beigabe. Einige schwarze Streifen sind vielleicht als Reste eines Sarges zu deuten. Auch einige Kohlenstücke lagen auf dem Grunde zwischen den Steinen, sonst nichts.

Es gehört also auch dieses Retzower Grab, das letzte einer einft stattlichen Menge, zu den unausgestatteten, von denen wir im Verlauf unserer Darstellung schon mehrere (vergl. Upahl, S. 93) aufzuzählen gehabt haben. Ob die Urnen vom Rande Nebengräbern angehören oder Nachbestattungen einer späteren Zeit sind, muß unentschieden bleiben.

Hügel an der Dammerower Scheide.

Am Wege nach Dammerow, rechts unmittelbar vor der Scheide, sind auf dem Meßtischblatt fünf Hügel neben einander angegeben, eine Gruppe, zu der noch drei daneben auf Dammerower Gebiete und ein ebendort etwas weiter nördlicher gelegener gehören. Ich zählte im ganzen auf Retzower Seite sieben Stellen, sechs fast ganz nieder geackert; eines in seiner Form sehr gestört, aber noch immer stattlich, mährend auf der Dammerower Seite fünf flache, ebenfalls stark niedergeackerte und zum Theil durchwühlte Gräber erkennbar sind. Nach Angabe der Arbeiter sind in den niedrigen Hügeln massenhaft Thongefäße gefunden, aber keine Bronzen.

Hier hat schon Zinck gegraben. 1806 sind mehrere Hügel aufgedeckt, die in der Mitte eine kleine Steinkiste mit Urnen enthielten (Friderico-Francisceum, S. 71, vgl. auch S. 56), wir bezeichnen sie als Nr. 13; erhalten ist von dem Inhalte nichts, doch gehören sie nach der Beschreibung sicher der jüngeren Bronzezeit an. Metallgegenstände sind damals anscheinend hier nicht gefunden, wohl aber in den anliegenden Dammerower Hügeln und später auch hier von Ritter.

Drei Gräber hat Ritter geöffnet (Jahrb. 11, S. 384); bezeichnet als Grab 5 bis 7.

Nr. 5. Steinkegel, 1,5 m hoch, 9 m Durchmesser. Darin sechs Graburnen mit zwei kleinen Thongefäßen und bronzenem Kleingeräth im Charakter der jüngeren Bronzezeit.

Nr. 6 und 7. Steinkegel, 1,2 m hoch, 9 m Durchmesser. Darin je eine Graburne mit bronzenem Kleingeräth, ebenfalls zweifellos jüngere Bronzezeit.

Ich habe den größeren Hügel am 28. September 1896 durchgraben (Grab 14), er war aus Sand und Kies aufgeschichtet

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und hatte die stattlichen Ausmessungen von 3,50 m Höhe und 21 bis 24 m Durchmesser. Es ergab sich aber, daß er schon ganz durchwühlt war. Urnenscherben und zerbrannte Knochen fanden sich zerstreut in der Erde, aber keine erkennbare Grabanlage mehr. Da der Hügel wesentlich höher ist, als die von Ritter hier ausgegrabenen, wird er zu den schon zu Zincks Zeiten durchsuchten "Urnenhügeln" gehören.

Hügel in der Niederung (Grab 15).

Etwa 500 m von der Gruppe an der Scheibe liegt auf abfallendem Terrain nahe der sumpfigen Niederung, die durch den Bach entwässert wird, ein auffallend großer Hügel, dem allein 96 Fuder Steine entnommen sind. Es fanden sich zwischen den Steinen mehrere Mahlsteine steinzeitlichen Charakters, eine schon wiederholt in bronzezeitlichen Gräbern beobachtete Erscheinung (vgl. Jahrb. 12, S. 420; 48, S. 323 und oben S. 99); über die Form und Ausstattung der Gräber, die der Hügel barg, sind keine Beobachtungen gemacht, doch hat man ein bronzenes Schwert geborgen, welches der Besitzer der Hufe, Herr Erbpächter Meyer, der Großherzoglichen Sammlung geschenkt hat. Es ist ein schönes Griffzungenschwert, breit, mit geringer Ausbiegung der Schneide, mit breitem flachen, scharf absetzenden Mittelgrate. Der (beschädigte) Griff hatte wohl drei Nietlöcher, an den Seiten sind je zwei. Länge noch 54 cm, Länge der Klinge 49 cm, größte Breite 4 cm. Das Schwert gleicht fast ganz dem viel besprochenen von der Akropolis in Mycenä (vgl. z. B. Naue, Bronzezeit, S. 87, und, mit besserer Abbildung, Montelius, Chronologie S. 168, Fig. 405), eine Form, die schon in der Periode M. II im Norden erscheint, in Meklenburg allerdings noch in keinem dieser Zeit mit Sicherheit zuzuschreibenden Grabe, aber in Menge in der folgenden Periode (vgl. z. B. oben S. 108), sodaß wir bei der zeitlichen Einordnung dieses Grabes keine sichere Entscheidung zwischen II und III treffen können.

Ueberblicken mir die Retzower Gräber als ganzes, so erhellt zunächst, daß es sich um mindestens zwei ganz verschiedenzeitliche Gräbergruppen handelt, solche der älteren und solche der jüngeren Bronzezeit. Zu der letzteren gehören die Hügel der Gruppe von der Dammerower Scheibe, also die als 5 bis 7, 13 und 14 bezeichneten. Alle andern sind der älteren Bronzezeit angehörig. Eine Scheidung zwischen dem früheren und späteren Abschnitt dieser Periode ist zum Theil durchführbar: 2, 3 und 8 sind in M. II; 1, 9, 10 und 11 sind nach III zu versetzen; die Stellung von 4, 12 und 15 muß unentschieden bleiben. Hätten wir ausreichende

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Nachrichten, so würde sich hier, wo so verschiedenartige Gräber neben einander liegen, der Unterschied zwischen den einzelnen Perioden, besonders der der Grabgebräuche in II und III haben feststellen lassen, wie an keiner zweiten mir bekannten Stelle im Lande. Leider aber fehlen Fundberichte über die Gräber mit reicherem Inhalt ganz, und das einzige sorgsam durchgrabene (12) hat keine Ausbeute ergeben. So bedeutet die sinnlose Zerstörung der Gräber im Jahre 1896 einen unwiderbringlichen Verlust für die heimische Alterthumskunde.

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Kegelgrab von Karow (bei Plau).
(Katalog=Nummer Br. 175-182.)

Auf dem ausgedehnten Felde von Karow lagen früher mehrere Kegelgräber, die schon seit langem Ausbeute ergeben haben. In der Großherzoglichen Sammlung finden sich die Reste der hölzernen Scheide eines Bronzeschwertes mit dem Vermerk: Carow 1805. Vom Schwerte selbst ist nichts erhalten. Der am meisten in die Augen fallende Hügel führte den Namen "Blocksberg" (schon Jahrb. 9, S. 355 kurz beschrieben). Es war ein mächtiger Hügel von annähernd 6 m Achsenhöhe, bestehend aus Erde und beträchtlichen Steinmassen. Nachdem diese für Chausseebauten und sonst im Bedürfnißfalle ausgebeutet sind, ohne daß sich etwas Bemerkenswerthes zeigte, ist der größte Theil des Hügels im Winter 1884/85 zwecks Moorkultur abgetragen, und hierbei ist man auf Grabstellen gestoßen. Ich habe im Februar 1885 unter Führung des damaligen Besitzers, des Herrn Rittmeister von Clewe den Ort besucht, fand das Grab aber schon zerstört; die gefundenen Alterthümer, mit Ausnahme der Goldringe, hat mir Herr von Clewe für die Großherzogliche Alterthümersammlung übergeben. Nach Mittheilungen des genannten Herrn und einem Verhör der Arbeiter ergiebt sich Folgendes über die Grabanlage:

In der Mitte des aus lockerer Erde aufgetragenen Hügels fand sich eine starke Steinhäufung 4 m unter der Spitze; sie war ganz überzogen mit einer sehr festen Lehmschicht, die sich deutlich von der Erde des aufgetragenen Hügels unterschied. Zwischen den Steinen fand sich (über die Lagerung ist leider nichts Genaueres beobachtet):

1. Ein Schwert, an dem Griffe etwas beschädigt, sonst vollständig; in sechs Stücke zerbrochen, von der üblichen Form

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des Griffzungenschwertes: vier Nietlöcher in der Griffzunge, je zwei am Klingenansatz, flacher Mittelgrat, nur leicht ausbiegende Klinge. Ganze Länge 62 cm, Länge des Griffs 9 cm, größte Breite der Klinge 3,5 cm.

2. Ein Doppelknopf; die Oberseite flach und mit vier von dem Mittelpunkte ausgehenden vertieften Linien verziert. Höhe etwas über 1 cm, Durchmesser der Scheiben 2 cm.

3. Ein goldener Handring, gewunden, mit übereinander greifenden Enden; 6 cm Durchmesser; fast ganz gleich dem Ringe von Friedrichsruhe (Jahrb. 47, S. 263).

Im Mantel des Hügels sind noch mehrere andere Steinsetzungen angetroffen und zwischen diesen folgende Gegenstände (die Zahl der Grabbauten und Vertheilung der Fundstücke auf die einzelnen ließ sich nicht mehr feststellen):

4. Der Rest einer bronzenen Axt, die im Schaftloch zerbrachen ist; erhalten nur das Bahnende, spitz zugehend; Länge des Stückes 4 cm, Durchmesser des Schaftloches 2 cm, Höhe 1,2 cm. Das Stück hatte sehr wahrscheinlich eine ähnliche Form

Axt

wie das nebenbei abgebildete Stück aus dem Depotfund von Wiek, doch ist dieses schlanker. Ueber diese Aexte, die besonders in Ostpreußen häufig sind und von denen wir in Schwerin außer den beiden Stücken noch eins von Basedow haben, vgl. S. Müller 95, Splieth 83, besonders Tischler, Sitzungsberichte der physik.=ökonomischen Gesellsch. in Königsberg 28 S. 13, auch Lissauer, Alterthümer der Bronzezeit in Westpreußen II, 21.

Daß die Form der nordischen Bronzezeit angehört, ist wohl unbestritten, ebenso klar aber, daß sie dort aus südlichen Formen sich entwickelt hat, wie sie besonders in der ungarischen Bronzezeit sehr häufig sind. Dieser Umstand ebenso wie die Fundumstände, unter denen diese Axtform erscheint, z. B. in unserem Grabe, machen für sie M. III wahrscheinlicher als II.

5. Ein Halskragen ("Diadem") mit Spiralreihen von der im Verlauf unserer Darstellung noch mehrmals zu besprechenden

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eigenthümlichen meklenburgischen Form; eine Seite abgebrochen. Höhe 5,5 cm. Die beistehende Abbildung ist nach unserem schönsten Exemplar, dem von Alt=Sammit, genommen (vgl. Jahrbuch 12, S. 408).

Halskragen

Unsere Sammlung besitzt aus Grabfunden 13 Halskragen dieses Typus, die sich in der Form und Verzierung nur sehr wenig von einander unterscheiden und stets in derselben Zusammensetzung, besonders häufig mit Handbergen und großen Scheibennadeln auftreten. Alle diese Funde gehören in die dritte Periode, die Form ist jünger als die, wo die Fläche, ohne Spiralen, mit Parallelstreifen besetzt ist.

Zu der Auffassung dieser diademartigen Bleche als Halsschmuck berechtigt nicht nur der Umstand, daß sie sehr wahrscheinlich einer Garnitur übereinander gelegter Halsringe ihre Entstehung verdanken (vgl. Montelius, Chronologie S. 34), sondern auch, daß sie wirklich mehrfach in dänischen Gräbern und auch bei uns in dem Grabe von Stülow am Halse beerdigter Leichen gefunden sind, und zwar in Frauengräbern. Ihre Entwickelung ist deutlich erkennbar: die älteste Form sind sichtlich die mit parallelen Längsrippen, wie sie weit verbreitet und auch in Mecklenburg zahlreich (vgl. unten Hallalit) vorhanden sind (M II). Dann kommen einige mit parallelen Streifen und Strichornamenten, wie unsere von Friedrichsruhe und Pisede (Jahrb. 47, S. 266), sodann die mit Spiralreihen (beide M. III); diese scheinen eine meklenburgische Spezialität zu sein, wenigstens giebt es nirgends so viele und sich gleichende Stücke wie bei uns. Dagegen fehlen umgekehrt bei uns Varianten, wie sie in Dänemark, Schleswig=Holstein und sonst vorkommen (z. B. Splieth a. a. O. 104), mit falschen Spiralen, Kreisen u. s. w. Eine andere interessante Variation hat das nordwestliche Deutschland, eine Verzierung mit Buckeln, die aber nicht getrieben, sondern mitgegossen sind, z. B. ein Stück aus Gandersheim (Museum in Braunschweig), andere im Museum zu Hildesheim, auch bei von Estorff, Alterthümer von Uelzen XI, 7. Wir werden der

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Form weiter unten noch bei Turloff, Dabel, Schlemmin, Boldebuck, Kargow, Stülow, Kl.= Grenz, überall in derselben Umgebung begegnen.

6. Ein Handring; glatt abschneidende, eng an einander schließende Enden, Querschnitt spitzoval, verziert mit senkrechten Strichen, die an vier Stellen durch senkrechte Doppelstreifen mit Schrägstricheln unterbrochen werden, gleich dem unten S. 132 abgebildeten Ringe von Turloff. Durchmesser 6 und 5 cm, Höhe 0,75 cm, also eine kleine Form.

7. Reste einer Fibel; leider nur erhalten eine Spiralscheibe (3 cm Durchmesser) und Theile der Nadel. Nach der Größe dieser Stücke wird das Ganze eine jener großen Fibeln mit breitem geraden Bandbügel gewesen sein, wie sie von Friedrichsruhe, Alt=Sammit u. s. w. aus dieser Periode bekannt sind (vgl. oben S. 119).

8. Ein goldener Spiralring von 6 Windungen und 2 cm Durchmesser.

9. Ein kleine Henkelgefäß; einfach gearbeitet, rothbraun, der Hals gleich nach der größten Ausbauchung eingezogen, Rand leicht ausbiegend, Henkel vom Rande bis zum Ansatz des Halses. Höhe 9 cm, Durchmesser oben 6,5, unten 5 cm, größter Umfang 33 cm (4,5 cm von unten).

10. Einige unbestimmbare Scherben ähnlicher Art.

(Ein zugleich mit eingeliefertes eisernes Messer gehört offenbar neuerer Zeit an.)

Die Ausstattung des Hauptgrabes stimt sehr mit der des Grabes von Blengow überein; die anderen Gegenstände gehören in ihrer Mehrzahl sicher weiblichen Nebengräbern an, wie z. B. bei Ruchow. Bebrannte Stücke sind nicht dabei, doch beweist das nichts gegen Leichenbrand. Die Nebengräber können ebenso gut verbrannte wie unverbrannte Leichen enthalten haben. Die zeitliche Stellung ist unbedenklich M. III.

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Grab von Turloff (bei Sternberg) Nr. 4.
(Dialog=Nummer Br. 371-374.)

Wir betreten mit der Besprechung dieses Fundes den an vorgeschichtlichen, besonders aber bronzezeitlichen Funden überreichen Boden der Gegend von Sternberg, Bützow, Güstrow. Bereits im Jahre 1868 sind bei Turloff drei niedrige Grabhügel zerstört und haben für die Großherzogliche Sammlung einige Bronzen ergeben (vgl. Jahrb. 38, S. 139): 1. zwei Handringe,

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2. zwei Halsringe, 3. drei Armringe, einen Tutulus, eine Bernsteinperle, alles in den bekannten Formen des Frauenschmuckes M. III.

Im Winter 1894/95 ist beim Stämmeroden im Forste, östlich und unweit der Chaussee, ein viertes Grab desselben Charakters angetroffen, dessen Inhalt der seitdem verstorbene Herr Förster Hunger in Turloff eingesandt hat. Aeußerlich war das Grab nur als niedrige Erhöhung erkennbar gewesen. Es wurde gebildet durch eine Steinhäufung von 2 m Länge,

Halsring

0,80 m Breite und 0,60 m Höhe mit geringem Erdauftrag. Unter den Steinen wurden nahe bei einander folgende Bronzen gefunden, alle mit schöner Patina und unverletzt; über die Art der Bestattung liegt keine Beobachtung vor und ist auch kein Schluß statthaft; daß es ein Frauengrab M. III war, ergeben die Fundstücke:

I. Ein Halskragen ("Diadem") von der gewöhnlichen Form (vgl. oben S. 128).

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2. Ein Hering, gedreht. stark und schön, mit Oesen, an den Enden verziert mit dem bei den Handringen beliebten Strichornament, welches gelegentlich auch bei Halsringen zur Anwendung kommt (vgl. Friedrichsruhe=Kannensberg, Boldebuck unten S. 143). Durchmesser 14,5 und 15 cm, größte Dicke 1 cm. (S. Abbildung auf vorhergehender Seite.)

3. 4. Zwei Handringe, scharfkantig, innen und außen leicht gewölbt, mit Linienverzierungen, abwechselnd Querstriche und Strichzonen (vgl. Abbildung), Durchmesser 6 und 4,75 cm, Höhe 1,1 cm.

Handring

Daneben lag noch:

5. Eine kleine Steinaxt, besprochen Jahrb. 63, S. 62, von einem einfachen, in der Steinzeit in zahlreichen Exemplaren vorkommenden Typus.

Steinäxte in bronzezeitlichen Gräbern sind sonst nicht beobachtet, und daß diese echt steinzeitliche Form damals noch nachgebildet sein sollte, ist kaum wahrscheinlich. Wohl aber ist noch mit einer andern Möglichkeit zu rechnen. Die Steinsachen können in die Gräber als Gegenstände eines abergläubischen Gebrauches hineingelegt sein. Vielleicht gelingt es noch einmal, Kriterien dafür zu finden. In Turloff lag die Axt neben weiblichem Schmuck. Als Gebrauchsgegenstand? schwerlich; vielleicht also als Amulet, Zaubermittel u. s. m. Wie ja noch heute Steingeräthen vielfach eine übernatürliche Kraft, besonders bei dem Wetterzauber, angeschrieben wird.

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Kegelgrab von Dabel (bei Sternberg) Nr. 5.
(Katalog=Nummer Br. 238-240.)

Die Feldmark von Dabel hat schon vor Jahren einige unserer schönsten Grabfunde ergeben; über drei Gräber ist Jahrb. 22, S. 279 flgd. und 23, S. 279 flgd. berichtet; aus einem vierten sind später beim Chausseebau zwei Handbergen entnommen (Jahrb. 38, S. 144). Zwei der Hügel, aus denen diese älteren Funde stammen, sind in ihrer Form noch gut erhalten. Nicht weit von diesen ist beim Bau der Wismar=Karower Eisenbahn 1887 ein niedrigerer Hügel durchschnitten, in dem einige Bronzen gefunden sind, die das Großherzoliche Amt in Warin eingesandt hat. Ueber die Fundverhältnisse ist nichts Näheres zu erfahren

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gewesen, doch handelt es sich zweifellos auch hier um ein bronzezeitliches Grab.

Die Gegenstände sind:

1. Ein Halskragen ("Diadem") mit Spiralstreifenornament von der bekannten, hier wiederholt erwähnten Form (s. oben S. 128), an den Enden beschädigt; 4,5 cm hoch.

2. Eine Handberge der bekannten schönen Form; in drei Theile zerbrochen und etwas verbogen, die Spiralscheiben haben einen Durchmesser von 14 cm.

3. Eine Schmuckscheibe, unvollständig. Unterteile ganz leicht gewölbt auf der Oberseite eine kleine Spitze. Verziert mit zwei konzentrischen Streifen, in denen schraffirte Dreiecke, die Spitzen nach dem Rande zu, neben einander stehen; die Streifen sind getrennt und abgeschlossen durch Punktreihen. Durchmesser 9,5cm, Höhe des Stachels 1,25 cm.

Schmuckscheibe

Solche Schmuckscheiben sind auf unserem Boden nicht gerade häufig und von ziemlich verschiedener Form. Wir hatten bisher nur aufzuzählen:

1. Vorderbollhagen; der von Dabel an Größe gleich, in der Mitte unverziert, am Rande mit konzentrischen Linienstreifen, gefunden in einem niedrigen Kegelgrabe mit einem Halskragen älterer einfacher Form (Jahrb. 20, S. 285); der ganze Fund scheint einer älteren Periode (M. II) anzugehören.

2. Kl.=Grenz (s. unten S. 189); dem vorigen Stücke ähnlich; zusammen gefunden mit Halskragen, Handringen u. s. w. in einer Schmuckgarnitur, die vollständiger ist als die der übrigen Schmuckscheibenfunde.

3. Peckatel; aus dem berühmten Grabe; beschrieben Jahrb. 11, S. 368 als besonders großer Tutulus (mit Bezugnahme auf Frid.-Franc. XXXIII, Fig. 10, nicht, wie gedruckt ist, XXIII), verziert mit konzentrischen erhabenen (im Guß hergestellten) Linien; die hohe Spitze mit einer Scheibe mit Sternmuster abschließend; eine offenbar jüngere Bildung, wie aus S. Müller 115 hervorgeht.

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4. Aus einem im Amte Grabow (ohne nähere Fundangabe)1826 ausgegrabenen Kegelgrabe (vgl. Frid.-Franc. Text S. 68, Abb. Tafel XXXIII, Fig. 8).

Schmuckscheibe

Prachtstück, verziert mit Streifen von Spiralen, wobei die einzelnen Spiralen durch ausgezogene Linien, nicht, wie bei unseren einheimischen Stücken übliche, durch Punktlinien verbunden sind, eine Verzierungsart, die allein schon das Stück als Importstück kennzeichnet; 15 cm Durchmesser. Ein größeres, aber sonst ganz gleiches s. S. Müller 58. Zu dem Funde gehört noch eine Handberge, ein Halsring und (sehr wahrscheinlich) ein später eingelieferter Halskragen, also dieselbe Zusammensetzung wie in Dabel.

5. Wieck. Dem vorigen ähnlich, aber kleiner (9,5 cm Durchmesser), verziert mit getriebenen Buckeln, die von Kreisen umgeben sind und so an Spiralen erinnern, mit einander durch ausgezogene, mit Punkten umgrenzte Linien verbunden. Aus einem Kegelgrabe zusammen mit Halsringen, Armringen und Tutuli (Jahrb. 20, S. 282). Auch die hier angewendete Verzierungsart, zu der hier auf S. Wide, "Nachleben mykenischer Ornamente", Athen. Mittheilungen XXII, S. 150 u. f. verwiesen sein mag, ist der meklenburgischen Bronzezeit fremd, kommt aber auch sonst im Norden und auch gerade an solchen Zierscheiben vor, z. B. in Norwegen (Rygh, Norske Oldsager 135).

Die Bestimmung dieser Schmuckscheiben als Gürtelschmuck und zwar in weiblichen Gräbern ist durch dänische Funde gesichert, wo sie in ihrer ursprünglichen Lage angetroffen sind (vgl. die Abbildung S. Müller 49, auch Nordische Altertumskunde I, S. 374:); das größte und wohl schönste aller gefundenen Stücke ist Ordning 58 abgebildet und mißt 28,5 cm Durchmesser. Sie gehören in Dänemark schon dem älteren Abschnitte an (M. II), gehen aber noch in den nächsten hinein; ähnlich liegt das Verhältniß in Schleswig=Holstein (Splieth 69).

In Meklenburg erscheinen sie nach dem Gesagten, vielleicht als Fremdlinge, stets in derselben Zusammensetzung; die unter 2-5 aufgezählten sicher der Periode III angehörend. Weiterhin nach Osten werden sie noch seltener; ein Stück ist in der Uckermark in dem schönen Depotfunde von Angermünde gefunden, der auch

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M. II (oder III?) angehört; vgl. Schumann, Nachr. über deutsch. Alterthumsfunde 1901, Heft 2 und Mitth. des Uckermärk. Vereins I 1.

Daß auch das Dabeler Grab ein Frauengrab M. III ist, ergiebt sich aus der Darstellung; ob es Beerdigung oder Leichenbrand enthielt, läßt sich nicht mit Bestimmtheit sagen, doch ist nach den Befunden der früheren Gräber das erstere wahrscheinlicher.

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Flachgräber von Loiz (bei Sternberg).
(Katalog=Nummer Br. 395-399. 495. 496.)

Ueber ein im Jahre 1893 aufgedecktes Urnenfeld jüngerer Bronzezeit auf dem "Kirchhofschlage" bei Loiz ist Jahrb. 61, S. 198, berichtet. Auf demselben Schlage, aber von den Urnensetzungen getrennt, weiter dem See zu, und auf dem angrenzenden, dem Erbpächter Bülow gehörenden Felde, sind nun seitdem Gräber anderen Charakters angetroffen. Zwei von diesen sind untersucht. Man war nämlich beim Tiefpflügen wiederholt auf Steindämme gestoßen; als bei dieser Gelegenheit einige Bronzen freigelegt wurden, machte Herr Erbpächter Ahrens, dem wir auch die früheren Funde verdanken, Mittheilung, und ich habe am 26. September 1896 ein Grab ausgegraben.

Grab I. Auf einer flachen, ausgedehnten Kuppe in sandigem Acker, 25 cm tief, ein Steindamm von kleineren Geschiebesteinen (10 cm Durchmesser), 2,25 m lang (ostwestlich) und 1,50 m breit. Auf dem Damme lag ein beerdigter Leichnam, von dem noch hinreichend Reste erkennbar waren, um seine Lage zu bestimmen; der Kopf war im Westen; in der Gegend, wo bei gestreckter Lage die rechte Hand gelegen haben mußte, lag ein Handring, wie die übrigen Sachen mit heller grüner Patina; innen flach, nach außen leicht gewölbt, fast ganz gleich, auch in der Verzierung, dem oben S. 119 abgebildeten von Retzow. Durchmesser 6,25 und 6 cm, Höhe 1 cm. In der Gegend der linken Hand die Reste von einem (oder zwei) spiraligen Fingerringe (13 Windungen, Durchmesser 1,5-2 cm. Am östlichen Ende zwei Ringe, zwischen denen noch Knochen steckten, also Fußknöchelringe; verbogen und unvollständig; ganz gleich dem Ringe von der Hand. Noch weiter Reste eines kleinen zerdrückten Thongefäßes, derbwandig, mit absetzendem Boden, Form nicht genauer erkennbar. In der umgebenden Erde Holzspuren, ob von einem Sarge, einem Bretterbau u. s. w., ist nicht bestimmbar. Da ein

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Steinschutz nach oben fehlte, mögen Bretter oder Bohlen zur Abdeckung verwendet worden sein.

Spuren eines aufgetragenen Hügeln sind nicht beobachtet; ist einer vorhanden gewesen, so kann er nur ganz niedrig gewesen sein. Der Boden war nur soweit berührt, als es zur Aufnahme des Beerdigten erforderlich war.

Grab II. Ein ganz gleiches Grab hat Ahrens 1899 aufgedeckt. 30 bis 40 cm unter dem jetzigen Boden ein Steindamm, auf dem in der Mitte ein Bronzeschwert und zur Seite steinerne Pfeilspitzen lagen. Reste des Beerdigten sind nicht beobachtet.

1. Ein Schwert mit Griffzunge von dem schon wiederholt erwähnten Typus. Die Griffzunge ist abgebrochen, doch ist erkennbar, daß der Griff halbrund abschloß und unten vier Nieten hatte. Der Mittelgrat ist sehr breit und flach, mit Linien begrenzt. Länge noch 58,5 cm. Größte Breite 4 cm (34 cm von unten).

2. 3. Zwei steinerne Pfeilspitzen mit halbmondförmigen Kerben, dünn und fein. Damit erweitert sich die Zahl der aus Meklenburg bekannten Gräber mit steinernen Pfeilspitzen wieder um eins; fast stets sind sie in Gesellschaft von Schwertern gefunden, wie hier (vgl. oben S. 115 bei Granzin).

Es handelt sich also um Körpergräber der dritten Periode, ein weibliches und ein männliches, für die zahlreiche Analogien vorhanden sind und auch im Verlauf unserer Besprechung mehrfach zur Behandlung kommen.

Eigenartig und zu beachten ist aber die Bestattungsart. Bronzezeitliche Flachgräber mit Beerdigung sind eine früher nicht beobachtete Erscheinung, die wir noch einmal (bei Dobbin s. S. 153) zu behandeln haben werden. Wie sie sich zeitlich zu den andern Grabformen verhalten, ist noch nicht zu bestimmen. Die bei Loiz gefundenen Sachen stimmen genau mit dem Inventar der typischen Gräber (Friedrichsruhe u. s. w.) überein, während die Dobbiner etwas jünger sind.

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Kegelgrab von Schlemmin (bei Bützow).

In dem ausgedehnten Forstrevier Schlemmin finden sich eine Anzahl Hügel, welche zweifellos künstlichen Ursprungs und sehr wahrscheinlich bronzezeitliche Grabstellen sind. Bei dem Abtragen eines solchen sind eine Anzahl Bronzen gefunden, die als Geschenk eines Schülers 1886 in die Sammlung zu Neubranden=

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burg gelangt sind. (Katalog=Nummer 1669-1675). 1 ) Sie haben eine hellgrüne, z. Th. blaue Patina. Die Stücke sind:

1. Ein Halskragen ("Diadem"), erhalten nur der mittlere Theil. Die Form und Verzierung ist genau dieselbe wie bei dem Stücke von Karow (oben S. 129) u. s. w.

2. Ein gedrehter Halsring; unvollständig. Da die Enden fehlen, ist der Verschluß nicht mehr zu bestimmen.

3. 4. Zwei starke Armringe; der eine ist an den Enden beschädigt, der andere zerbrochen, und nur drei Stücke sind erhalten; innen glatt, nach außen mit ziemlich scharfem Mittelgrate, also von stumpfdreieckigem Durchschnitt, Durchmesser 9,5 cm, Höhe in der Mitte 1,5 cm, aber nach den Enden zu abnehmend. Die Verzierung ist selten: ein Saum mit Schrägstricheln und eine leicht erhöhte Linie, die Mitte leer; ähnliche haben wir an Ringen von Pisede, Lehsen, aber hier abwechselnd mit senkrechten Strichstreifen, und von Bobzin, Steinbeck, Lehsen, Friedrichsruhe, Boizenburg, aber abwechselnd mit Spitzovalen (vgl. oben Pogreß S. 102); auch in Stülow ist ein ähnlicher gefunden (s. unten S. 183). Die scharfkantige Form, die Verjüngung und die Verzierung, ausschließlich mit horizontalen Linien, weist auf gewisse alte süddeutsche Formen mit Horizontalrippen als Urform hin, über die Naue, Bronzezeit, S. 179 flgd., zu vergleichen (das Bobziner Grab gehört nach den andern Fundstücken wohl noch in M. II).

5. Ein starker Armring, den beiden vorigen sonst gleich, aber innen konvex; Durchmesser 8,5 und 7 cm, Höhe 1,25 cm, nach den Enden zu abnehmend. Verziert mit zarten Querstrichen, ähnlich dem oben bei Perlin, S. 99, besprochenen Ringe und dem Bügel der Liepener Handberge (unten S. 156). Doch verhindert die Patina einen genaueren Anblick.

6. 7. Zwei kleine Tutuli, genau von der oben S. 98 bei Radelübbe abgebildeten Form. Höhe 3,25 cm, Durchmesser 2,75 cm.

Der Fund entstammt, wie die große Mehrzahl der hier zu besprechenden, sichtlich einem Frauengrabe der dritten Periode; ob Beerdigung oder Leichenbrand vorliegt, muß auch hier dahingestellt bleiben.


1) Dem Vorstande des Neubrandenburger Museums, Herrn Schlosser, schulde ich Dank für zeitweilige Ueberlassung des Fundes.
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Kegelgrab von Sarmstorf (bei Güstrow).
(Katalog=Nummer Br. 380-390)

Bei Sarmstorf liegen östlich von der Chaussee, etwa 2 Kilometer vom Dorfe (gerechnet von der Kirche aus) entfernt, auf den Hufen 1 (Besitzer: Schulze Jörn) und 3 Besitzer: Erbpächter Kindt) vier Hügel in unregelmäßigem Rechteck zu einander. Der Boden ist wellig, Lehm und Sand wechseln, die Hügel sind stark niedergeackert, zeigen aber deutlich Spuren künstlichen Auftrags ober doch Bearbeitung. Drei haben sich als Grabstätten erwiesen, zum Theil schon seit langer Zeit. Nachdem bei der Anbringung eines trigonometrischen Zeichens auf dem einen Thongefäße gefunden waren, habe ich ihn am 9. September 1895 unter thätiger und dankenswerther Mitwirkung des Herrn Lehrer Zierow in Sarmstorf ausgegraben und Nachrichten über frühere Funde gesammelt.

Nr. I (Kindt). Hoher Hügel, der nördlichste der Gruppe von dem schon an die 100 Fuder Erde abgefahren sind, ohne daß man auf Steine oder eine Grabanlage gestoßen ist.

Nr. II (Jörn) stark niedergeackert; 1881 sind Steine weggebrochen und dabei ein Grab zerstört; dabei soll man auf eine "Urne mit Asche" und einen goldenen Ring gestoßen sein, der in die Güstrower Alterthümersammlung gelangt ist (Nr. 105). Es ist ein einfacher Spiralring von drei Windungen; die Enden sind abgebrochen; 2,6 Gramm schwer.

Nr. III (Kindt). Ebenfalls 1881 zerstört durch große Abgrabungen; es war ursprünglich der größte der vier Hügel, jetzt noch eine flache Bodenwelle; einige erhaltene Bronzen ("Diadem", Armring) und der Rest eines Thongefäßes sind in die Schweriner Sammlung gelangt und Jahrb. 47, S. 288, kurz beschrieben.

Nr. IV (Jörn). Der südlichste, jetzt hervorragendste, früher "Timpberg" genannt und mit Gehölz bestanden; als dieses in den sechziger Jahren abgeräumt und der Hügel urbar gemacht wurde, stieß man auf einen Steindamm; darunter stand eine Urne mit "Asche", in welcher kleine zerbrochene Ringe und mehrere goldene "Stricknadeln" lagen, daneben lag ein "grüner Dolch". Die Goldsachen sind verkauft, die andern Sachen verworfen. Was unter den "Stricknadeln" zu verstehen ist, wird wohl dunkel bleiben; ich kenne keine Altsachen, die damit Aehnlichkeit haben. Von da an hat der Hügel im Wesentlichen seine Form behalten; 1894 sind dann "Urnen mit Asche" in größerer Anzahl angetroffen und zerstört.

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Die Ausgrabung ergab, daß der Hügel, der etwa 2,5 m Achsenhöhe bei einem bedeutenden Umfange (an 50 m Durchmesser) hatte, nicht aufgetragen war, sondern in geringer Tiefe die natürlichen Schichtungen des Lehmes zeigte. Auf eine Grabstelle stieß man etwa 3 m nordöstlich von dem Endpunkte des trigonometrischen Zeichens entfernt. Das Grab lag 1 m unter der jetzigen Oberfläche im natürlichen Boden. Es bildete ein Rechteck mit abgestumpften Kanten von 2,50 m Länge (südwest=nordöstlich) und 1,20 m Breite, aufgeschichtet aus Steinlagen in etwa 40 cm Höhe und 30-35 cm Breite, am stärksten am südwestlichen (Kopf=) Ende, sodaß der innere Raum ungefähr 1,80x0,80 m betrug. Dieser war mit einer doppelten Steinlage gepflastert. Ueberall stieß man auf Asche und Kohle, die den ganzen Raum schwarz färbte, dazwischen lagen regellos über die ganze Fläche zerstreut zerbrannte Menschenknochen; ziemlich in der Mitte auf ganz engem Raume (etwa 10 cm Quadrat) in einander gepackt und umgeben von Gewebe= und Holzresten einige kleine Schmucksachen, meist aus Bronze, anscheinend Beigaben für den Bestatteten, die in ein Tuch gewickelt und in ein Holzkästchen gelegt hier beigesetzt waren. Sie sind verbogen und beschädigt, als wären sie mit auf der Brandstätte gewesen, und haben eine dunkle, grüne Patina. Es sind:

1. Ein Doppelknopf mit einfachem Sternmuster auf der ganz flach gewölbten Oberseite. Höhe 1 cm, Durchmesser der oberen Patte 1,75, der unteren 1,5 cm.

2. Ein stark verbogener Halsring; unvollständig, erhalten drei Stücke. Gewunden, mit zurückgebogener Oese.

3. Eine Fibel, zerbrochen und unvollständig, von der oben S. 95 abgebildeten Grundform, doch ist der Bügel etwas gedrungen und das obere Ende der Nadel fehlt, so daß das Stück schon einem etwas jüngern Typus (etwa S. Müller 71) angehören kann. Länge etwa 8 cm, Durchmesser der Spiralscheiben 1,25 cm.

4. Ein spiraliger Fingerring, zerbrochen und unvollständig, erhalten sechs und eine halbe Windung; Durchmesser 2, Höhe 1,25 cm. Gleich S. Müller 56.

5. Zwei glatte Fingerringe aus einfachem Draht, zerbrochen. Gleich S. Müller 220 (dort zur jüngeren Bronzezeit gerechnet).

6. Ein spiraliger Goldring aus Doppeldraht, das eine Ende offen; vier Doppelwindungen. Durchmesser 1,5, Höhe 0,75 cm.

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Am östlichen Ende ein ganz zerdrücktes Thongefäß, derb, mit rauher Wandung; die Form ist nicht mehr zu bestimmen.

Neben diesem Grabe war in höherer Lage (50 cm unter dem Urboben) eine starke Brandschicht von 1 m Durchmesser, vielleicht die Stätte der Leichenverbrennung, vielleicht auch von Opferfeuern ("Ceremonialfeuern") stammend.

Da bei dem Eingraben des Zeichens Urnen zerstört waren, habe ich die Umgebung durchgraben lassen und noch die Stellen von drei Urnen gefunden, die aber bei jener Arbeit schon völlig zerdrückt waren. Interessant war nur, daß zerbrannte Menschenknochen in ziemlicher Anzahl dazwischen lagen, die Thongefäße also wirklich als Urnen, d. h. Behälter des Leichenbrandes aufzufassen sind; es waren nach den Scherben gut gearbeitete, braune Gefäße mit starker Ausbauchung, wie sie schon in der älteren Bronzezeit vorkommen.

Eine Anzahl Gegenstände, die bei der Anlage des Zeichens gefunden sind, sind in das GüstrowerAlterthumsmuseum gelangt 1 ) (Nr. 345). Diese sollen in einer großen Urne mit Knochen gelegen haben, in der auch ein kleineres Thongefäß sich befand, offenbar das übliche Beigefäß. Die bewahrten Bronzen sind sehr stark zerbrannt und im Einzelnen nicht zu erkennen. Die Stücke, denen die Reste entstammen, waren:

1. Handringe (von zwei bis drei Exemplaren) mit starken Kerben (wie bei Boldebuck unten S. 143).

2. Ein spiraliger Armring, in der Art dessen aus dem älteren Grabe von Sarmstorf, welcher sich in Schwerin befindet (Jahrb. 47, S. 288).

3. Zwei (?) dünne tordirte Halsringe (von den Enden nichts erhalten).

4. Ein spiraliger Fingerring von 1,5 cm Durchmesser.

5. Eine Fibel, erhalten eine Platte, flach, dünn, 2 cm Durchmesser, und das Ende der Nadel, bestehend aus einer gleichen flachen Platte, welche an den Rändern Strichverzierungen zeigt.

Fibel

Es ist eine am Ende der älteren Bronzezeit öfter vorkommende Form, über die z. B. Jahrb. 54, S. 100 bei


1) Die Notizen über die Fundverhältnisse und die Kenntnißnahme der in Güstrow befindlichen Funde verdanke ich der Freundlichkeit des Herrn Gymnasialprofessor Markwardt dort.
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Gelegenheit des Fundes von Blücherhof gesprochen ist. Danach ist die beistehende Abbildung genommen.

Die zeitliche Stellung des Grabes ist im ganzen dieselbe wie die der eben besprochenen und noch weiter zu besprechenden Gräber. Vielleicht gehört es einer ein wenig jüngeren Stufe an, wie die Gräber von Boldebuck, Ganschow, Liepen u. s. w. Interessant sind aber die Grabanlagen, die auf eine relativ späte Entwickelung weisen: noch besteht die Form des Hügelgrabes, aber man wählt natürliche Hügel, deren Umrisse man ja vielleicht absichtlich regelmäßiger (wenigstens bei dem von mir ausgegrabenen) gestaltet hat; noch giebt man dem Grabe die Form des Körpergrabes, aber man verbrennt schon den Todten und streut die zerbrannten Gebeine in den Raum, eine sehr interessante Sitte aus einer Zeit des Uebergangs von Beerdigung zu Leichenbrand, die auch in den Ländern mit verwandter Kultur (Dänemark und schon Schleswig=Holstein) beobachtet ist; dahin gehört z. B. das wegen seines Kesselwagens hochinteressante Grab von Skallerup auf Seeland; wir haben in Meklenburg ganz gleiche Erscheinungen in dem großen Grabe von Alt=Meteln (oben S. 95), vielleicht auch in einem der Wittenburger Gräber. Und auch ältere Berichte lassen sich am leichtesten durch die Annahme von Brandgräbern in Form von Körpergräbern erklären, so ein von Ritter, einem bekanntlich sehr exakten Beobachter, 1838 bei Wohld (bei Wittenburg) geöffnetes Kegelgrab (Jahrbuch 3 B, S. 61). Das Grab, dessen Inhalt in Güstrow ist, scheint die zerbrannten Gebeine in einer Urne gesammelt enthalten zu haben, ein in Meklenburg seltener und sicher erst einem jüngern Abschnitt von M. III angehörender Gebrauch, der uns noch weiterhin (unten S. 163 bei Basedow) begegnen wird.

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Kegelgräber von Boldebuck (bei Güstrow).
(Katalog=Nummer Br. 271-295.)

Ueber einen weiteren interessanten Grabfund in jener reichen Gegend, aus der die zuletzt besprochenen Funde stammen, berichtet Herr Karl Mann in Wismar, unser langjähriger Freund, der zugleich im August 1889 den schönen, von ihm bis dahin treu behüteten Fund der Großherzoglichen Sammlung übergeben hat.

"In Boldebuck bei Güstrow lagen etwa 1000 Schritte westwärts vom Hofe auf einer freien Anhöhe im Ackerlande und

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etwa 50 Schritt von einander entfernt zwei kegelförmige Hügel, welche mit Dorngebüsch bewachsen und auf der Gutskarte mit dem Namen "Trielberge" bezeichnet waren.

Als im Jahre 1851 in dem Ackerschlag, in welchem diese beiden Hügel belegen, mehrere der vorhandenen offenen Gräben durch Drainage entbehrlich geworden, wurden zur Ausfüllung derselben diese beiden Hügel auf Anordnung des Oberinspektors Herrn Oekonomierath Metelmann daselbst verwandt und abgetragen. Da solche mit einem Steinring nicht abgegrenzt waren und auch auf der Wölbung sowie im Innern derselben keine Steine gefunden werden konnten, sondern sie gänzlich aus reiner aufgetragener Erde nur zu bestehen schienen, so fehlten anfangs alle Merkmale, daß es Grabhügel. Als jedoch der Hügel Nr. 1, dessen Höhe in der Mitte fast 12 Fuß und dessen fast kreisrunde Grundfläche etwa 35-40 Fuß Durchmesser betrug, bis gegen dessen Mitte abgetragen war, fand ich in der Grundschicht desselben 4 rundliche Steine von 1 1/2 bis 2 Fuß Durchmesser, welche ein Viereck bildeten und soweit von einander gesetzt waren, daß solche etwa 3 □Fuß mittleren Zwischenraum enthielten. Dieser gleichfalls mit fester Erde ausgefüllte Zwischenraum enthielt aber die Ueberreste eines Leichenbrandes, bestehend aus Asche und zerbröckelten Kohlen= und Knochenresten, zwischen welchen folgende Schmuckgegenstände aus Bronze: 1 Diadem mit Längs= und Spiralverzierungen, 1 Kopfring aus gewundenem Drahte, 1 desgl. mit eingeschlagenen Verzierungen, 2 dünne Armringe und 4 stärkere mit eingeschlagenen Verzierungen, 6 trichterförmige Hütchen, in deren Höhlung eine Oese zur Befestigung, 2 große Handbergen, 1 große Nadel mit plattem Kopfe, 1 kurzes Schwert mit kurzer Griffzunge und 6 Nietlöchern mit Nieten, 7 kleine hohle halbrunde Hütchen, in deren Spitze ein kleines Loch zum Anheften, 1 kleiner Fingerring, dessen Enden spiralförmig gewundene Platten bildeten, und 1 kleiner Fingerring in runder geschlossener Form. Es ist mit Sicherheit anzunehmen, daß die Leiche mit diesen Gegenständen geschmückt gewesen, als solche auf dem Scheiterhaufen verbrannte, da diese Schmuckgegenstände durch die Glut des Feuers eine theilweise Verbiegung sowie auch Verschmelzung zeigen und auch das Metall so mürbe geworben, daß es größtentheils leider zerbrochen und kleinere Gegenstände gar nicht konservirt werden konnten.

Der kleinere Hügel (Nr. 2), dessen Höhe in der Mitte fast 10 Fuß und dessen kreisrunde Grundfläche etwa 30 Fuß betrug,
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bestand gleichfalls aus reiner Erde. Ich fand in der Mitte desselben 2 kleinere, jedoch nur flach vergrabene Urnen, neben oder zwischen welchen ein Kopfring aus gewundenem Draht und 4 kleine Armringe mit eingeschlagenen Verzierungen aus Bronze lagen; etwas weiter seitwärts ein Skelett, ausgestreckt liegend, neben welchem ein Doppelknopf aus Bronze lag. Es gelang mir leider nur diese Ringe, welche zerbrochen, zu bergen. Die beiden Urnen waren jedoch so sehr mit Wurzeln durchwachsen und das Gerippe nebst Kopf gleichfalls so mürbe geworden, daß solche schon bei der ersten leisesten Berührung gänzlich zerfielen. Ich bemerke hierbei noch, daß außer diesen beiden Kegelgräbern sich damals auf der Boldebuckschen Feldmark keine weiteren mehr befunden haben."

Ueber einen weiteren Grabfund bei Boldebuck hat Lisch, Jahrb. 25, S. 214, kurz berichtet. Es soll danach "vor vielen Jahren" [geschrieben 1860] ein Kegelgrab von 12 Fuß Höhe abgetragen sein, in 6 Fuß Tiefe ein bronzezeitliches Begräbniß, darunter eine steinzeitliche Grabkammer. Alterthümer von Bedeutung seien nicht gefunden. Ob dieses Grab mit dem oben beschriebenen identisch ist oder ein drittes, wird sich nicht mehr bestimmen lassen.

Die gefundenen Bronzen sind:

1. Halskragen ("Diadem"), in vier Stücken erhalten, an den Seiten und in der Mitte zwei erhabene Bänder mit Einkerbungen, auf den Feldern dazwischen Spiralbänder, Länge (auf der Oberfläche gemessen) 30 cm, größte Höhe 4,5 cm. Zur Form vgl. S. 129.

2. Drei Stücke eines gedrehten Halsrings.

3. Ein Halsring mit spitzen Enden, verziert mit jenem Muster von Schräglinien, welches bei den Handringen, Handbergen u. s. w. so beliebt ist (vgl. oben den Halsring von Turloff, S. 131). Durchmesser 18 und 15 cm, doch ist das Stück etwas verbogen. Vgl. S. Müller, 103.

4. Ein starker Handring, 8 und 6 cm Durchmesser, 1,5 cm hoch, etwas verbogen, Innenseite flach, Außenseite leicht gewölbt; verziert, soweit der tiefe Rost erkennen läßt, gleich dem Halsringe.

Handring Handring
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5-8. Vier Handringe mit rundlichem Querschnitt, verziert mit senkrechten, dicht stehenden Einkerbungen. Durchmesser 6 und 6,5 cm. (Abbildung auf der vorigen Seite.)

9. 10. Zwei den vorigen gleiche Handringe, nur kleiner. Durchmesser 6 und 5,5 cm.

Die einfache Verzierungsart dieser Ringe ist wesentlich seltener als die des Rings 4 u. s. w., aber durch zahlreiche Zwischenglieder damit verbunden. (Vgl. z. B. den Ring von Turloff, oben S. 132.)

11. 12. Zwei große Handbergen, sehr stark zerbrannt und ganz zerbrochen. Die Form war die übliche, mit dem bekannten Schrägstrichmuster.

13-17. Fünf Tutuli; flach gewölbt, mit Spitze, verziert mit concentrischenLinien, auf der unteren Seite ein Steg, 5,5 cm Durchmesser, 4,4 cm hoch.

Tutuli

18. 19. Zwei kleine Tutuli, 3 cm Durchmesser, ungefähr 3 cm hoch. Ueber diese weit verbreiteten "Tutuli", die zweifellos als Kleiderschmuck vorkommen, gewöhnlich in größerer Anzahl und in Frauengräbern, vgl. S. Müller, 59; sie gehören z. Th. schon in M. II. In Meklenburg haben wir Tutuli der gleichen Form (andere sind hier selten) in neunzehn Grabfunden (s. oben S. 98 bei Radelübbe, unten S. bei 190 Kl. Grenz), fast stets in mehreren Exemplaren und, soweit die dabei befindlichen Sachen ein Urteil gestatten, aus Frauengräbern, M. III. Sie kommen fast stets in derselben Zusammenstellung vor wie hier in Boldebuck, besonders die Funde von Gädebehn, Dabel, Holzendorf, Karbow, Stülow gleichen diesen bis in das einzelne. Merkwürdigerweise fehlen sie in den großen Grabfunden von Alt=Sammit, Friedrichsruhe und Ruchow.

20. Ein Fingerring mit Spiralplatten von 2 cm Durchmesser; in drei Stücke gebrochen; ähnliche sind mehrmals in Kegelgräbern gefunden (vgl. Jahrb. 47, S. 268). Zu chronologischen Besimmungen sind sie nicht zu verwenden, da sie z. B. in Dänemark schon in

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der älteren Bronzezeit=M. II (S. Müller, a. a. O., 57), bei uns noch in der jüngeren (= M. IV/V) vorkommen, vgl. Jahrb. 51, S. 27.

21. Kleine halbrunde Hütchen, zerbrochen, erkennbar die Reste von vier, nach dem Fundbericht ursprünglich sieben; etwa 1,25 cm hoch. Die Befestigungsart ergiebt sich aus einem dem unsern fast ganz gleichen Funde, dem von Gädebehn, wo eine Anzahl gut erhaltener bewahrt sind; hier sind unten kleine einwärts gebogene Häkchen; die Hütchen sind also sicher als Schmuck auf Kleidern (Lederpanzern, Gürteln u. s. w.) aufgesetzt gewesen, der "Panzer" von Peckatel, Jahrb. 9, Tafel Abbildung 8 zeigt ähnliche, nur etwas rundere, noch an ihrer ursprünglichen Stelle; auch in Gräbern von Retzow sind gleiche gefunden (oben S. 124).

22. Eine große Nadel, zerbrochen in sechs Stücke und unvollständig. Beistehende Abbildung ist nach dem Funde von Karbow. Länge noch 36 (ursprünglich über 40) cm.

Nadel

Der Kopf ist platt (4 cm Durchmesser); unter ihm fünf verschieden starke umlaufende Wulste mit Längskerben. Diese großen Nadeln sind eine Besonderheit unserer Bronzegräber. Wir haben außer der besprochenen in Schwerin acht Exemplare aus Gesammtfunden, von denen die meisten aus Gräbern von ganz derselben Zusammenstellung wie das Boldebucker stammen und dadurch als Frauenschmuck gesichert werden (Gädebehn, Weisin, Karbow, Friedrichsruhe=Kannensberg C, Ruchow); dazu kommt noch der in Neu=Ruppin aufbewahrte ganz gleiche Grabfund von Bellin (Leichenbrand; Halskragen, Armringe, Handbergen; vgl. Quartalbericht 1895, S. 29). Auch in dem Grabe von Dabel (Jahrb. 22, S. 281) wird die Nadel nicht zu dem Leichnam, dem das Schwert u. s. w. gehörte, zu rechnen sein, sondern zu dem unmittelbar rechts davon gelegenen (nach der Lage der Fundstücke wahrscheinlich auch unverbrannt beigesetzten) weiblichen, so daß die Folgerungen von Lisch, der in den Nadeln eine Art Stecken (zum Antreiben der Pferde) zu sehen geneigt war, hinfällig werden. In einem Kegelgrabe von Rakow soll eine ähnliche Nadel neben Schwertern gefunden sein, (vgl. Frid.-Franc. S. 48. erster Bericht S. 9), doch fehlt ein ausreichender

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Ausgrabungsbericht, bei Zachow ist eine Nadel mit drei Dolchen gefunden, Dolche sind aber als Ausrüstung von Frauengräbern wohl bekannt.

Die Vertheilung dieser Nadeln ist nun recht merkwürdig; in Dänemark und Schleswig =Holstein fehlen sie gänzlich; ein Stück aus Lauenburg, S. Splieth 157 (dort zu M. IV gerechnet); aus Hannover eins von Barskamp (bei Lüneburg); aus Pommern ist ein interessantes, aber doch abweichendes und sicher lokales Stück bekannt (Glendelin, vgl. Pommersche Monatshefte 1889, Tafel II 2); ein dem Boldebucker ganz gleiches Exemplar stammt aus der Lausitz (Koschen, Berliner Merkbuch V, 33); an dieses schließen sich die sicher verwandten "Spindelnadeln" ebd. 35-37 aus Sachsen, Schlesien u. s. w. an. Etwas abweichend und wohl jünger ist das Stück aus Posen, Album prähist. Denkmäler I, 19 1. Gleiche oder ähnliche Nadeln kommen dann in Süddeutschland vor (vgl. Lindenschmit, Alterth. uns. heidn. Vorzeit I, IV, 4, 7 und 17, von Tröltsch, Fundstatistik 77a. S. auch R. Reinecke, Correspondenzblatt der Deutschen anthropologischen Gesellschaft 1900, S. 25.). Verwandte s. auch bei Naue, Bronzezeit S. 154 flgd., auch hier zum Theil älteren Funden angehörend. In Böhmen sind ähnliche Nadeln sehr häufig gefunden (Pič, fast auf jeder Tafel), zum Theil mit Sachen, die älter sind als unsere Periode III, zum Theil in Grabhügeln, die ihr genau entsprechen. Wir sind also wohl berechtigt, die besprochenen Nadeln als eine Nachahmung südlicher Stücke auf unserm Boden aufzufassen und damit als einen neuen Beleg für die Einwirkung der südlichen Bronzezeit auf Meklenburg, die stärker ist als auf die nördlich anschließenden Länder. Neben Handbergen, Halskragen mit Spiralstreifen und breitbändigen Fabeln erscheint die Scheibennadel als eine meklenburgische Charakterform dieser Periode.

23. Ein Dolch (oder Kurzschwert), zerbrochen in drei Stücke. 29 cm lang. Flache Griffzunge mit aufgehöhten Rändern und vier Nietlöchern, zwei Nietlöcher am Klingenansatz, leichter, flach gewölbter Mittelgrat. Die Form ist die übliche der Griffzungenschwerter (s. unten S. 172 u. s.); in so kleinen Dimensionen bisher hier nicht vertreten.

Ueberblicken wir den Fund als Ganzes, so bietet er eine ungemein reiche und einheitliche Ausstattung eines weiblichen Grabes aus der dritten Periode der Bronzezeit; er erinnert am meisten in seiner Zusammensetzung an die Ausstattung des Grabes C im Kannensberg von Friedrichsruhe (Jahrb. 47, S. 264);

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es fehlen in Boldebuck die dort auftretenden Perlen aus Glas und Bernstein, sowie die Goldringe, während in Friedrichsruhe die Tutuli und kegelförmigen Besatzstücke nicht vorkommen. Auch das haben die beiden Gräber gemeinsam, daß die Sachen offenbar gesammelte Beigaben verbrannter Leichen sind.

Anders ist der Charakter des zweiten Grabes. Hier hat eine Beerdigung stattgefunden, und zwar wahrscheinlich von zwei Leichen: die eine mit Doppelknopf (vgl. Blengow, unten S. 178) war wohl männlich, die andere weiblich. Die erhaltenen Stücke zeigen keine Brandspuren; sie haben eine helle, gleichmäßige Patina, leider sind sie sehr zerbrochen:

1. Ein gedrehter Halsring; vier Stücke, Enden und Verschluß nicht erhalten.

2. Zwei (oder drei?) größere Handringe; zehn zusammenhangslose Reste, dünner als gewöhnlich, innen flach, außen ganz leicht gewölbt; 1,25 cm hoch, verziert in der sehr beliebten Art mit schrägen Linienstreifen, deren Zwischenräume durch kleinere, die ersten rechtwinklig treffende Linien ausgefüllt sind (Abbildung oben S. 119).

3. Ein (oder zwei?) kleinerer Handring; nur 1 cm hoch, sonst dem vorigen gleich.

Ein zeitlicher Unterschied zwischen Grab I und II ist nicht zu machen. Der Wechsel von Beerdigung und Leichenbrand, selbst in derselben Gräbergruppe, ist hinlänglich belegt.

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Kegelgrab von Ganschow (bei Güstrow).
(Katalog= Nummer Br. 259, 260.)

Ganschow liegt südlich von Güstrow in jener Gegend, die an Bronzegräbern vielleicht die reichste im Lande ist und wo fast jedes Dorf bronzezeitliche Erscheinungen aufzuweisen hat. Auf der Hufe des Erbpächters Gratopp befand sich ein niedriger Hügel, der immer weiter niedergeackert wurde. Auf seinem Grunde stieß man auf Steine, und zwischen diesen wurden einige Bronzen gefunden, die Gratopp im Oktober 1889 dem Großherzoglichen Museum übersandt hat. Sie haben eine helle Patina und zeigen tiefe Risse und Sprünge; die Bronze innen hat eine röthliche Färbung angenommen. Die Stücke sind:

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1-2. Zwei ganz gleiche Handringe, innen und außen leicht gewölbt, die obere Seite des einen zeigt eine scharf kantige gerade Fläche, während die des anderen rundlich ist. Diese garnicht selten vorkommende Erscheinung weist darauf hin, daß solche Ringe an einem Arm über einander getragen sind. (Ein Beispiel vgl. unten S. 150.) Die Enden schließen glatt und gerade ab. Durchmesser 6,5 und 5, Höhe 1,30 cm. Die Verzierung besteht in dem bekannten Motiv der Streifen, das uns hier (S. 119 u. s.) schon wiederholt begegnet und das überhaupt das häufigste in dieser Periode ist.

3. Eine Windung einer Handberge der gewöhnlichen Form.

Ueber die Beisetzung des Leichnams ergiebt sich aus den Stücken nichts; weibliche Schmuckgarnituren kommen bei verbrannten (Friedrichsruhe, Boldebuck) und unverbrannten (Stülow) Leichen vor. Auch dieses Grab gehört sicher in die zahlreiche Gruppe der Frauengräber M. III.

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Kegelgrab (?) von Vogelsang (bei Güstrow).
(Katalog=Nummer Br. 560, 561.)

Im Jahre 1869 sind bei Vogelsang in einem aufgeworfenen Haufen Erde, über dessen Herkunft nichts weiter beobachtet ist, einige Bronzen und ein Spiralring von Gold gefunden, vgl. Jahrb. 36, S. 140. Der Sohn des damaligen Besitzers, Herr Bernhard Rudloff in Rostock, hat einige Stücke bewahrt und im Dezember 1901 der Großherzoglichen Sammlung überlassen. Die Sachen zeigen eine starke, z. Th. glänzende dunkle Patina und alte Bruchstellen. Daß sie einem Grabe entstammen, ist nur wahrscheinlich. Es sind:

1. Eine Anzahl Reste einer Schmuckdose mit flachem Boden und flachem (unverziertem) Deckel; der Durchmesser wird etwa 8 cm betragen haben. Die Verzierung ist außerordentlich schön: am Rande längliche Lappen, dann ein Streifen konzentrischer Linien z. Th. mit Strichelungen, nach der Mitte zu Halbkreise; das Ganze im Charakter der großen und schönen Schmuckschale von Kritzmow (Jahrb. 37, S. 199. Vorgeschichte S. 55 und 58). Vgl. S. Müller 123,124; Montelius 64, angebend M. III.

2. Drei Reste eines großen Halsrings mit nachgeahmter Torsion; 1 cm dick; gleich dem von Turloff oben S. 131.

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Flachgräber von Dobbin (bei Krakow).
(Katalog=Nummer Br. 433-437.)

Die Feldmark von Dobbin gehört schon seit längerer Zeit zu den ergiebigsten an Alterthumsfunden: steinzeitliche Hünengräber und mehrere Einzelfunde, ein ausgedehntes jungbronzezeitliches Urnenfeld, eine ausgezeichnet schöne römische Bronzeschale und ein wendischer Burgwall sind Reste der Besiedelung aus den verschiedensten vorgeschichtlichen Perioden. Vieles war noch im Boden verborgen. Da traf im Winter 1896 auf 1897 diese noch nicht gehobenen Schätze das Unheil, daß eine Chaussee gebaut und der Boden berufsmäßigen Steinschlägern zur Ausbeutung überlassen wurde. Dabei ist das Urnenfeld fast ganz zerstört; von Herrn Ministerialrath H. Krause, damals Amtsrichter in Plau, benachrichtigt, habe ich am 22. und 23. April 1897 durch Ausgrabung unberührter Stellen zu retten gesucht, was zu retten war. Die Ausgrabung bezog sich zunächst auf das Urnenfeld bei der Mühle am Einflusse der Nebel in den Krakower See, welches schon seit Jahren (1845) bekannt ist und Funde ergeben hat (vgl. Jahrb. 11, S. 377). Die dort gemachten Funde werden in anderem Zusammenhange behandelt werden, da das Grabfeld als ganzes einer jüngeren Periode als der hier zu besprechenden angehört. Neu bekannt wurde dagegen eine zweite Grabstelle, welche ich mit dankenswerther Unterstützung des Herrn v. Brocken, des damaligen Besitzers, und des Herrn Lorenz in Krakow untersuchen konnte. Der Ort liegt von dem Urnenfelde etwa 1 1/2 km nördlich (1 km westlich vom Hof Dobbin), auf hügeligem Gelände und bildet eine Bergkuppe, die als "hilge Barg" (Heiligenberg) bekannt war; sie erhebt sich 6-7 m über das umgebende Ackerland und ist mit Ulmen bestanden. Die obere Fläche ist fast eben und bildet ein Oval von 44 m in nordsüdlicher und 37 m in ostwestlicher Richtung. Der Boden ist mit Steinen durchsetzter Lehm. Hier ist man in geringer Tiefe (30-50 cm) auf Steine gestoßen, die sich als Grabanlagen herausstellten. Bei meiner Ankunft war das Verwüstungswerk der Steinschläger noch im Gange, und ich konnte daher zwei noch unbeschädigte Graber aufdecken. Aus den Angaben der Leute und den Vertiefungen, die im Boden geblieben waren, auch einigen Resten von Steinsetzungen ergab sich, daß hier im ganzen acht Gräber gelegen hatten, sechs in nordsüdlicher Reihe mit westöstlicher Orientirung, die äußersten etwa 8 m vom Ende entfernt, also über eine Strecke von 28 m hin, und zwar über diese ungleichmäßig vertheilt;

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zwei lagen zur Seite, ziemlich in der Mitte, also mit nordsüdlicher Orientirung. Die gut erhaltenen Gräber waren die beiden südlichsten. Wir geben daher die Aufzählung vom Süden her:

Grab I. In den Urboden etwa 1,25 m tief war eine flache Mulde gegraben, diese mit faustgroßen Steinen gepflastert und mit einer festen Lehmschicht versehen. Darauf lag der Leichnam, noch leidlich erhalten und in seiner Lagerung deutlich erkennbar: der Kopf im Westen, die Arme zur Seite, die Füße übereinander. In der Gegend der linken Hand fanden sich zwei kleinere bronzene Handringe, zu Füßen zwei Stachelknöpfe, links von den Füßen die zerdrückten Scherben von mehreren (vier?) Thongefäßen. Der Grabraum war eingefaßt mit mauerartig geschichteten Steinen (drei bis vier Lagen über einander) und abgedeckt mit einer kleinen Steinhäufung; die Länge betrug (außen) 3 m, die Breite etwa 1,75 m.

Grab II. 7 m von I nördlich anders gebaut; aufrecht stehende glatte Steine von etwa 60 cm Höhe umschließen im Rechteck einen flachen Steindamm; am Ostende statt der abschließenden Seite eine kleine rundliche Steinsetzung; einige Steine zur Ueberdeckung; Länge 2,5 m, Breite 1,25 m. Auf dem Damme einige Knochenspuren. Wir haben also wohl einen beerdigten, ohne jede Beigabe gelassenen Leichnam vor uns.

Grab III bis V. Bis auf wenige Steine, aus deren Lagerung hervorgeht, daß es dem ersten geglichen haben wird, zerstört; nach Aussage der Arbeiter war die Ausbeute an Steinen nicht bedeutend, es können die Grabstellen also nur mit kleinen Steinhaufen überdeckt gewesen sein.

Grab VI. Das nördlichste, erhalten noch die nördliche Seitenwand, ganz gleich der des ersten Grabes; hier wurde zwischen den Steinen, anscheinend in der Fußgegend des Beerdigten, ein bronzenes Messer gefunden.

Grab VII. Westlich von Grab IV (nördlich gerichtet), etwas rundlicher als die anderen, sonst zur Unkenntlichkeit zerstört.

Grab VIII. Oestlich von Grab IV, ebenfalls nordsüdlich, der Anlage nach Grab II gleichend, aber auch schon zerstört.

Ueber die gefundenen Altsachen ist zu bemerken:

1. 2. Zwei Doppelknöpfe mit Stachel, sehr zerbrochen, aber in ihrer Form deutlich erkennbar. Abbildung umstehend. Die obere Platte ist am Rande mit einem gestrichelten Saum verziert und hat fünf Einkerbungen. Der Stachel enthält zwei umlaufende Strichbänder und schließt oben in einer kleinen Scheibe. Höhe etwa 3 1/2 cm.

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Ueber die hier aufbewahrten Stachelknöpfe ist Jahrb. 51, S. 28 gesprochen.

Doppelknopf

Es gehörte dazu ein auf dem Dobbiner Urnenfelde gefundenes Stück. Alle dort aufgezählten mußten nach den Fundverhältnissen der jüngeren Bronzezeit zugeschrieben werden. Daß die Form dieser Periode aber nicht eigenthümlich ist, sondern schon früher vorkommt, ergiebt sich aus den Funden von Slate (4048, Jahrb. 33, S. 132), wo ein dem unsern recht ähnliches Stück der Leichenbrandurne eines Grabhügels der ausgesprochenen dritten Periode entnommen ist, und Stülow und Zepkow, worüber unten weiter gesprochen werden soll. Auch Montelius zählt den Typus (Tidsbestämning 65) seiner dritten Periode zu, und S. Müller 207 führt aus, daß sie in Dänemark dem Ende der älteren Bronzezeit und dem Anfang der jüngeren angehören. Ebenso wird es bei uns sein, und es bleibe nicht unbemerkt, daß diese Form in unseren reich ausgestatteten Gräbern der dritten Periode, wo doch Doppelknöpfe (als Gürtelschließen) ganz allgemein im Gebrauch sind, mit Ausnahme des von Stülow, ganz fehlt, also ein relativ junges Alter wahrscheinlich wird.

3. 4. Zwei Handringe, stark verbogen und nur in Resten erhalten; ungleich, klein, der eine von rundem Durchmesser, der andere innen glatt, außen gewölbt, verziert nur an den Enden mit feinen Geradstrichen und einer leichten Erhöhung nahe der Oeffnung. Die Ringe sind im Vergleich zu der großen Masse zart und klein, ähnlich denen von Steinbeck (Friderico-Francisceum, S. 54), Malchin (Jahrb. 1 B, S. 12), Püttelkow (Jahrb. 6 B, S. 33), Ruthenbeck (s. o. S. 112) und Zepkow (s. u. S. 170), alles Gräber der dritten Periode. Uebrigens scheint die Form auch in den gleichstufigen böhmischen Gräbern eine Hauptform zu sein (Nachrichten bei Pič zahlreich). Innerhalb der Periode M. III aber wird diese Ringform, die sich schon den Stollenringen der vierten nähert, eine ganz junge Stellung einnehmen.

Bronzemesser

5. Ein Bronzemesser, der Griff gerade, an den Enden sich flügelartig erweiternd, mit hohen Rändern und vertieftem

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Mittelste zur Aufnahme eines Griffbelages und drei Nietlöchern; die Klinge stark geschweift, mit gewölbtem Rücken und in die Höhe gebogener Spitze; zwischen Klinge und Griff vier umlaufende Erhöhungen, die beiden äußern gestrichelt. Der Rücken und die Aufhebungen der Klinge sind reich mit Strichornamenten in dem Geschmack der Bronzeringe verziert. Ganze Länge 27 cm, Länge der Klinge 1 cm. Ueber die zeitliche Stellung s. unten.

6. Die Thongefäße waren leider zerdrückt. Sie bestanden aus der üblichen Masse und zeigten die übliche hellbraunröthliche Oberfläche. Erkennbar ist z. Th. ein Henkelgefäß mit steilem Rande, Schrägkerben an der Schulter und drei Grübchen unter dem Henkel, und ein einfacheres Henkelgefäß mit nach außen gebogenem Rande.

Die Grabanlage ist von besonderem Interesse. Nichts weist darauf hin, daß über den Gräbern einst ein größerer Hügel errichtet gewesen ist, wir haben sie als Flachgräber zu bezeichnen, die in einem natürlichen Hügel in natürlichem Boden angelegt sind. Das ist eine auf dem Gebiete der nordischen Bronzezeit bisher kaum beobachtete Erscheinung. Was man in Meklenburg hierher zählen konnte, ist meist mehrdeutig.

1. Reinstorf bei Bützow Jahrb. 4 B S. 37): "auf einem natürlichen Abhang in einer Tiefe von 4 Fuß, . . . in einen dunkel gefärbten 4 1/2 Fuß langen Erdstrich gehüllt, der von Osten nach Westen laufend 1 bis 2 " hoch und 5 bis 6 " breit war": eine Anzahl Ringe und ein Tutulus, alle vom Typus M. III. Erwähnt wird auch eine "Aschenurne", von Gebeinen ist nicht die Rede. Ob also ein Flachgrab mit Beerdigung (Typus Dobbin) oder Leichenbrand (Typus Sarmstorf oben S. 139) vorliegt, muß leider dahingestellt bleiben.

2. Pisede bei Malchin (Jahrb. 21, S. 234): "Begräbnisplatz von 70' und 50' Durchmesser mit ganz flacher Erhebung", darin angeblich Brandurnengräber mit einzelnen Bronzen und ein Skelettgrab mit schönen Bronzen, Typus M. III. Der Hügel soll früher höher gewesen sein; es kann sich also auch um ein niedergearbeitetes Kegelgrab handeln.

3. Parchim (Jahrb. 29, S. 182). Auf einem eisenzeitlichen Urnenfelde in flachem Boden und in gleicher Lagerung wie die Urnen zwei bronzene Armringe, die auf ein früheres bronzezeitliches Grab schließen lassen; da der Boden schon gestört ist, läßt sich nicht mit Bestimmtheit sagen, daß der Fund hierher gehört.

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4. Lankow bei Schwerin (erster Bericht S. 12): "beim Steinbrechen unter Steinen, . . . der Begräbnißplatz bildete eine große kreisförmige Mauer aus Feldsteinen, an deren innerem Rande die einzelnen Begräbnisse mit den Urnen standen, welche jedoch alle zertrümmert waren. In den Urnen waren gefunden": Tutulus, Hals= und Handringe aus Bronze, ganz wie die oben erwähnten von Reinstorf, also M. III. Auf den Passus des Berichtes "in den Urnen" ist nichts zu geben; die Anschauung, daß, wo Altsachen und Urnen zusammen gefunden sind, die Sachen in den Urnen gelegen haben müßten, durchzieht alle unsere älteren Publikationen, ebenso wie eine ganz unberechtigte Ausdehnung des Leichenbrandes (selbst für die Steinzeit!), und die Angaben sind daher von Fall zu Fall auf ihre Wahrscheinlichkeit zu prüfen. Diese ist nun hier sehr gering. Ist der Bericht wörtlich richtig, so handelt es sich hier um ein Urnenfeld schon in der dritten Periode, eine ja nicht undenkbare, aber doch bisher durch nichts belegte Erscheinung; Leichenbrandurnen mit Inhalt sind in dieser Periode bei uns überhaupt noch sehr selten und finden sich nur in Hügeln (vergl. Basedow); es ist demnach ebenso wahrscheinlich, daß das Lankower Grab zu den Flachgräbern mit Beerdigung (Typus Dobbin) zu rechnen ist, und mit allem Vorbehalt sei es darum hier mit aufgezählt.

5. Loiz bei Sternberg s. S. 135.

Wir haben also in dem Dobbiner Grabtypus eine im Wesentlichen neue Erscheinung, die in den Entwickelungsgang der Grabgebräuche einzureihen oder, bescheidener gesagt, deren Zusammenhang mit den andern zu bestimmen unsere Aufgabe ist. Daß das künstlich auf getragene Hügelgrab, das "Kegelgrab" Lischens mit überwiegender Bestattung, die typische Grabform unserer älteren Bronzezeit (M. II/III) ist, ist unbestritten. Wie es entstanden ist, wissen wir noch nicht. Gräber aus der ersten Periode der Bronzezeit fehlen ja zur Zeit noch fast ganz (s. unten S. 194 Warrenzin), werden aber hier wie sonst in Norddeutschland niedrige Hügelgräber gewesen sein. Anknüpfungen an die Steinzeit sind nicht vorhanden. Aber wie es sich gegen den Schluß der Periode zu verändert hat, ist deutlich erkennbar. An Stelle der Bestattung in künstlichen Hügeln tritt die in natürlichen, der Leichenbrand ersetzt die Bestattung und zwar so, daß zunächst die Form des Körpergrabes beibehalten wird. später die Gebeine in einer Urne gesammelt werden. So ergeben sich zahlreiche Kombinationen, die etwa

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folgende Schema ausdrückt, wobei die typischen Fundstellen aus den von uns hier besprochenen Gräbern gewählt sind.

  Form des Körpergrabes Urne
  mit beerdigten Leichen mit verbrannten Leichen mit verbranntem Leichnam
künstliche Hügel "Kegelgrab" Radelübbe u. s. w. Alt=Meteln Basedow
Natürliche Hügel Dobbin Sarmstorf Sarmstorf?
Flacher Boden Loiz   "Urnenfeld" (erst in der jüngeren Bronzezeit üblich)

Wir haben also in der III. Periode sechs (oder sieben?) verschiedene Grabformen; diese werden schwerlich neben einander hergehen, aber wie sie zeitlich zu trennen sind, dafür sind noch weitere genauere Untersuchungen nöthig. Es erübrigt hier nur noch eine bestimmtere chronologische Fixirung des Dobbiner Grabes zu geben. Nach den besprochenen Typen steht es auf der Grenze von M. III zu IV. Wenn wir es hier unter III besprechen, so veranlaßt uns besonders die Grabform. Von besonderer Bedeutung erscheint da der Messertypus. Man bezeichnet diese sehr charakteristischen, geschweiften, mit scharfer Spitze in die Höhe gebogenen Klingen wohl als "Schweizer Pfahlbautypus", da sie dort in Massen gefunden werden und im Norden sicher zum großen Theil Importstücke sind. (Vgl. z. B. Heierli, Vorgeschichte der Schweiz S. 215, Fig. 179 ein dem unsern fast ganz gleicher Messer aus dem berühmten Pfahlbau von Wollishofen bei Zürich.) Daß diese Schweizer Pfahlbauten im ganzen jünger sind als unsere dritte Periode, daß sie der vierten zeitlich gleichzustellen sind und daß die große Anzahl nordischer Nachbildungen solcher Messer noch jünger sind (Periode V), ergiebt eine jede Statistik der Bronzefunde (vgl. z. B. Splieths Inventar, vergleiche auch Naue, S. 100 flgd., Müller, 183). Auch in Ungarn scheinen sie in einem unserer

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fünften Periode entsprechenden Abschnitt zu gehören (Arch. Ertesitö 1896, S. 383, Reineckes Periode IV Schluß, S. 329, Abb. 20). Doch brauchen wir damit unser Dobbiner Grab noch nicht in die vierte Periode zu rücken, wo es eine ganzsel seltsame Ausnahmestellung einnehmen müßte, da damals der Leichenbrand bei uns wie überall in kulturell verwandten Gebieten zu unbestrittenem Siege gelangt ist. Es kam der Typus des geschweiften Messers, besonders die Form mit Griffzunge, wie wir sie hier vor uns haben, und einer Ornamentation, die ganz der der Armringe der dritten Periode entspricht, einer etwas älteren Periode entstammen. So findet er sich in Italien im Pfahlbau von peschiera (Montelius, Civilisation primitive de l'Italie 5, 11) mit einem Inventar, das sicher älter ist, als die vierte nordische Periode (Montelius, dritte italienische Periode), und in Ober=Bayern in Gräbern der Naueschen jüngeren Bronzezeit (vgl. a. a. O. Tafel 13, 6), die unserer dritten Periode entspricht. Ich würde also kein Bedenken sehen, das Dobbiner Grab noch in jene Periode zu versetzen und damit der hier behandelten Gruppe anzugliedern. Es liegt überhaupt nicht so, daß unsere jüngere Bronzezeit, beginnend mit M. IV, chronologisch zugleich mit der Schweizer Pfahlbautenkultur (den Larnaudien der Franzosen), der älteren Hallstattzeit, dem italischen Villanova einsetzte, sondern es finden sich Importstücke dieser Kulturperioden schon am Ende unserer älteren Bronzezeit (M. III); es sei hier nur wiederholt auf den Fund von Skallerup (Seeland) hingewiesen, wo ein bronzener Kesselwagen, ähnlich dem von Peckatel, aber mit Hallstattvogel und französisch=schweizerischem Klappermerk (wie z. B. Groß, Protohelvètes 14, 11. 12. 43, de Mortillet, Musée préhistorique 961) in einem nach der ganzen Ausstattung (Pferdekopfmesser, Goldring mit glatten Enden, Bronzeschwert mit Griffzunge) und Anlage (Form des Körpergrabes mit Leichenbrand) unzweifelhaft dem Ende der Periode III angehörenden Grabhügel gefunden ist. (Vgl. Blinkenberg, Aarböger 1895, S. 360 flgd. Mémoires des antiquaires du Nord 1896, S. 70 flgd.)

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Kegelgrab von Liepen (bei Malchow).
(Katalog= Nummer Br. 472-476.)

Im Sommer 1898 trug der Erbpächter Niehusen in Liepen einen Steinhaufen auf seinem Felde ab und fand darunter ein größeres Thongefäß, welches zerbrach und nicht weiter be=

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achtet wurde und in welchem ein kleines wohl erhaltenes lag. Dabei lagen mehrere bronzene Gegenstände mit heller, ziemlich tief gehender Patina. Es handelt sich offenbar um ein zerstörtes Grab, dessen Anlage nicht mehr bestimmbar ist, das aber sicher einer Frau angehört hat. Ob die Gegenstände mit den Resten der Leiche in dem großen Gefäße gelegen haben, wie in dem gleich zu besprechenden Falle von Basedow, oder wie die Leiche sonst bestattet ist, bleibt ungewiß. Die jetzt im Großherzoglichen Museum aufbewahrten Gegenstände sind:

1. Eine Handberge, zerbrochen, aber in Stücken erhalten. Die Spiralscheiben bestehen aus neun Windungen und haben 7 cm Durchmesser, der Bügel hat 7 bezw. 5 1/2 cm Durchmesser und eine von der großen Mehrzahl der Handbergen unterschiedene Ornamentirung, nämlich Schrägstreifen aus zarten Linien, die in der Längsachse in scharfen Winkeln zusammenstoßen; eine Verzierungsart, wie wir sie oben S. 99 bei dem Handringe von Perlin zu besprechen hatten; Beispiele hierfür sind S. 111 gegeben.

2. Ein Handring, zur Hälfte erhalten, mit rundem Querschnitt, verziert mit leichten Strichstreifen ähnlich den Dobbiner Ringen (oben S. 151).

3. Eine kleine Spiralscheibe von 1,25 cm Durchmesser, wohl der Rest einer Fibel.

4. Eine Dolchklinge, zerbrochen, aber in Stücken fast ganz erhalten; länglich mit flachem schwachem Mittelgrate, oben rundlich schließend, mit drei Nietlöchern (1 Niete erhalten). Länge 16 cm, größte Breite 2,25 cm. Zur Form s. oben S. 109.

5. Ein kleines Thongefäß; mit scharf absetzendem Halse, kleinen Henkelösen an der größten Ausweitung, flacher Standfläche. Höhe 10 cm, Durchmesser der Oeffnung 6,25 cm, Durchmesser des Bodens 4,5 cm, größter Umfang

Thongefäß
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27 cm (also größte Weite 8,75 cm). Farbe schwärzlich. Sehr ähnliche Beigefäße aus gleicher Zeit sind in Friedrichsruhe (Kannensberg) und Basedow (s. unten S. 164) gefunden.

Das Liepener Grab gehört geographisch zu jener sehr großen Gruppe von Gräbern, die in einem breiten Streifen von Waren bis Lalendorf etwa sich erstrecken. Auch sonst sind bei Liepen schon Gräber angetroffen und haben gleichartige Funde ergeben. Im Museum von Güstrow (Rr. 292 a-d) liegen ohne näheren Fundbericht, mit dem Vermerk "Angekauft von einem Unteroffizier, der ihn auf dem Manöver selbst erworben hat 1892":

1. Eine Handberge, schön, groß, allerdings verbogen. Die Form ist die übliche, der Bügel hat, wie gewöhnlich, Schräglinienverzierung; die Platten haben 11 Spiralwindungen und 9,5 cm Durchmesser.

2. Eine Dolchklinge mit hohem Grat und spitzer Griffangel, ähnlich denen von Regreß u. s. w. s. oben S. 102, in vier Stücke zerbrochen, aber beschädigt, noch 19 cm lang.

Während diese beiden Gegenstände keine Spur von Brandeinwirkung zeigen, sind die folgenden stark verbogen und zum Theil zur Unkenntlichkeit zerschmolzen:

3. Ein Tutulus, klein, flach, mit stumpfer Spitze.

4. Reste eines "Diadems" (Halskragen) mit den üblichen Spiralverzierungen.

5. Armringe mit Kerben verziert, von der bei dem Boldebucker Funde besprochenen Form (S. 143).

6. Reste einer Handberge.

7. Rest eines Dolchmessers.

Außerdem ein kleines becherartiges Thongefäß mit schmaler Standfläche und weiter scharfrandiger Oeffnung. Höhe 7 cm, Durchmesser der Oeffnung 7 cm, des Bodens 4,5 cm.

Wahrscheinlich lag das Gefäß als Beigabe in einer größeren Urne, welche die Leichenbrandreste barg, ähnlich wie bei Basedow (unten S. 163) und wohl auch Sarmstorf (oben S. 140). Es ist anzunehmen, daß die Güstrower Stücke zwei verschiedenen Gräbern angehören, einem Körpergrabe und einem Brandgrabe; beide werden Frauen angehört haben; Handberge und Dolchmesser gehören ganz allgemein zu der weiblichen Aufrüstung; daß sie demselben Grabfelde und derselben Zeit (M; III), wie die in Schwerin befindlichen entstammen, ergiebt der Charakter der Gegenstände und die Patina.

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Kegelgrab von Hallalit (bei Teterow).

Auf dem Felde südlich von Hallalit liegen eine größere Anzahl niedriger Hügel, meist mit Bäumen und Gebüsch bewachsen, zum Theil auch schon in Folge der Ackerkultur zu flachen Bodenwellen niedergeackert, die sicher alle vorgeschichtliche, und zwar bronzezeitliche Gräber bergen. Ein früher durchgrabener hat fünf Thongefäße und einen bronzenen Dolch ergeben, Sachen, deren Verbleib nicht bekannt ist. Ich zählte noch dreizehn solcher Hügel. Sie alle werden überragt von einem sehr stattlichen Grabe, welches, auf ansteigendem Gelände gelegen, mit alten Eichen bestanden ist, und auf der einen Seite mit steilen Wänden seine ursprüngliche, annähernd kegelförmige Gestalt noch bewahrend, ein so schönes Bild bronzezeitlicher Grabanlage giebt, mie man sie nur noch selten sieht. Der Hügel wird der "Königsberg" genannt nach der Sage, daß ein König darin begraben sei. Einer sehr freundlichen Einladung des Herrn von Tiele=Winckler auf Vollrathsruhe folgend und mit dessen Unterstützung habe ich am 8. und 9. Juni 1900 das auch inhaltlich hervorragenbe Grab durchgraben, dessen Ausbeute in Vollrathsruhe aufbewahrt wird. An der Ausgrabung nahm auch der durch seine Untersuchungen der steinzeitlichen Gräber im Weichselgebiet und seine Studien im Kaukasus rühmlichst bekannte Herr General von Erkert Exc. Theil.

Der Umfang des Grabes ließ sich durch einen, wenn auch nicht mehr vollständigen Kranz von Umfassungssteinen, die an seinem Fuße stehen, bestimmen. Der Durchmesser betrug darnach annähernd 22 m; eine genaue Bestimmung der Höhe ist nicht möglich, da das Grab auf einer natürlichen Erhebung liegt und die Umfassungssteine nicht in einer Ebene liegen; sie beträgt 4 bis 5 m.

Bei der Ausgrabung stellte sich heraus, daß nicht der ganze Hügel aufgetragen war, sondern hier wie in so vielen anderen Fällen (vgl. oben S. 93 Upahl u. s. w.) eine natürliche Bodenerhebung benutzt war. Der Urboden wurde in 2,50 m Tiefe erreicht. Die alte Bodenoberfläche hob sich deutlich ab, nicht nur durch die natürliche Schichtung, sondern auch durch dicke Brandschichten, die ihn auf einem großen Theile seiner Fläche bedeckten. In diesen Brandschichten, zum Theil auch zerstreut auf dem Boden lagen zahlreiche zerbrannte Gebeine, offenbar Reste von Todtenopfern, die nach der Versenkung des Todten und vor

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Aufhebung des Hügels dargebracht waren. In den Urboden hinein war eine Grube mit abgeschrägten Wänden gegraben und in dieser, genau unter dem Mittelpunkte des Hügels, fand sich das Grab, etwas über 4 m tief, also etwa 1,5 m unter dem ursprünglichen Boden. Das Grab war überdeckt mit einem Steinhaufen, der die ganze Grube füllte. So weit stimmt die Anlage genau mit der des Grabes von Blengow, von der unten S. 175 eine schematische Skizze gegeben ist. Aber während dort der Hügelauftrag aus Erde besteht, ist hier über dem Niveau des Urbodens ein Steinkegel aufgeschüttet, und erst dieser ist mit einem Erdmantel umkleidet. Die Steine gehen bis fast unmittelbar unter die jetzige Oberfläche.

Auch die Art der Beisetzung ist eine andere. Von einem Holzsarge fand sich hier keine Spur. Dafür war in der Tiefe durch aufrecht stehende flache Steine von etwa 80 cm Höhe ein rundlicher Raum von 2,50 m Länge (nordsüdlich) und 1,80 m Breite gebildet, in dem auf einem Steinpflaster die Bettung des Beerdigten stattgefunden hat. Knochenreste lagen in ostwestlicher Richtung, aber zu wenig, um genaueres bestimmen zu können.

Nach der Lage der Beigaben scheint er nach Osten blickend beigesetzt zu sein. Es fanden sich nämlich ziemlich in der Mitte des Grabes ein spiraliger Fingerring aus Bronze; 60 cm davon nach Südost ein Messer in einer Scheide von Holz und Leder, von seltener Form; der Rücken ist gekrümmt, die Spitze aber leicht nach oben gebogen, das Griffende wird gebildet durch eine Griffzunge mit zwei Nietlöchern. Noch etwas weiter östlich eine durchbohrte Bernsteinscheibe, flach, groß, sodann ganz am Rande des Grabes ein merkwürdiges Thongefäß.

Diese Lage der Beigaben erklärt sich am einfachsten so, daß der Beerdigte an der linken Hand einen Ring trug, an der rechten Seite das Messer und daß ihm, wie in vielen anderen Fällen (vgl. Blengow), ein Thongefäß zu Füßen gestellt wurde. So bleibt nur die Lage der Bernsteinscheibe unerklärt.

Zu den Fundstücken sei noch bemerkt:

1. Das Thongefäß ist sehr groß und in viele Stücke zertrümmert; erkennen läßt sich aber doch noch, daß es von einer verhältnißmäßig schmalen Standfläche sich stark ausbaucht, dann zu einem mäßig hohen Halse zusammenzieht und dieser in einen starken (6 cm breiten) nach außen gebogenen Rand ausladet. Die Farbe ist schwarz, an der Wandung sind tiefe Strichverzierungen, Streifen aus schrägen, sich treffenden Parallelstrichen, und Punkte. Die Form ist der nordischen Bronzezeit fremd; wir

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können höchstens ein bei Slate gefundenes Buckelgefäß als Analogon anführen vom Charakter der älteren Lausitzer Keramik (Jentsch, Niederlausitzer Mitteilungen II, 1892, Tafel I, oben links). Dagegen finden sich Aehnlichkeiten im Gebiete der südlichen Bronzezeit (z. B. Gemeinlebarn in Oesterreich); vgl. über diesen Zusammenhang die Ausführungen von Reinecke, Correspondenzblatt der deutschen anthropologischen Gesellschaft 1900, S. 26, der, sicher mit Recht, das Vorbild für den ausgebogenen Rand in Metallgefäßen wie in dem Wagen von Peckatel sieht. Ueber Süddeutschland vgl. Naue, S. 210 flgd. Das Gefäß gehört einer jüngeren Periode an und kann nicht älter sein als M. III.

2. Das Messer erinnert an die bei Naue, TafeI XVI flgd. abgebildeten, S. 102 flgd. besprochenen Typen und hat schon Aehnlichkeit mit der jungbronzezeitlichen Form des "Pfahlbaumessers"; es ist ebenfalls höchstens der Periode M. III zuzuschreiben. Das Grab ist demnach dem Blengower und andern, denen es im Aufbau gleicht, auch zeitlich gleichzusehen.


Am Ostende der Abdeckung, kaum 30 cm unter der Oberfläche, fand sich eine aus Steinplatten regelmäßig gesetzte Steinkiste von 1,30 m Länge (nordnordwest=südsüdöstlich), 0,45 m Breite und 0,50 m Höhe. Darin stand:

1. Eine größere Urne mit gewölbter Wandung und schmälerem Hals, etwa von der Form der Urne von Loiz, Vorgeschichte, S. 83, Abbildung 139. Sie war gefüllt mit zerbrannten Gebeinen; zwischen diesen lagen: eine einfache Bronzenadel ohne Kopf und eine Bronzenadel mit Einbiegung, ähnlich der Vorgeschichte, S. 90, 148 abgebildeten.

2. Ein leeres Thongefäß, ähnlich dem Vorgeschichte, S. 82, 136 abgebildeten. Die Gegenstände gehören ebenso wie die Bestattungsart der jüngeren Bronzezeit an, und die Steinkiste stellt offenbar eine Nachbestattung aus dieser Periode dar.


Südwestlich an diesen großen Hügel schloß sich, mit dem Rande ihn berührend, ein wesentlich kleinerer, bei dem sich nach der Durchgrabung eine Höhe von 1,50, ein Durchmesser von 9,80 m ergab. Der größte Theil des Hügels, etwa 1,50 m vom jetzigen Rande bis fast zur Spitze, bestand aus einer Steinschichtung. Auf dem Grunde derselben fand sich ein Steinpflaster und hierauf ein Röhrenknochen ohne Brandspuren. Der Todte ist also auch hier beerdigt.

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Eine wichtige Beobachtung wurde am Südende gemacht. Im Mantel des Hügels, etwa 1,50 m vom Rande außerhalb der Steinhäufung lagen eine Anzahl Bronzen, die wohl als Weihegaben für den im Hügel Beerdigten oder, wie wir sehen werden, die Beerdigte aufzufassen sind.

Schon 30 cm unter der Oberfläche stieß man auf eine starke Brandschicht auf einem Steinpflaster mit Kohlen und angebrannten Thierknochen, die anscheinend von einer Mahlzeit herrührten; die Brandschicht war etwa 20 cm dick und über 1 m breit. In ihr lagen vermengt mit den Kohlen u. s. w. eine Menge interessanter Dinge, die aber anscheinend dem Brande nicht ausgesetzt waren, nämlich:

1. Eine kleine dreieckige Dolchklinge mit Spitze und zwei Nieten, ohne Mittelgrat; alte Form.

2. Eine Dolchklinge mit Schaftzunge, gleich den oben S. 102 bei Pogreß besprochenen Stücken.

3. Ein Celt mit Schaftrinne von der bekannten oben S. 101 besprochenen Form.

4. Ein Tutulus seltener Form, spitzer massiver Kegel, mit runder Fußplatte und Steg.

5. Ein Halskragen ("Diadem") mit Längsrippen.

6. Ein großer Spiralarmring aus breitem Bronzebande von 3 Windungen mit Spiralen an den Enden. Es ist die Reinecke S. 241, 4 abgebildete Form; auch Jahrb. 61, S. 233 besprochen (die dort gegebene Zuweisung in die jüngere Bronzezeit ist irrig). Die Ringe gehören einer relativ alten Periode (M. II) an; vgl. dazu Schumann, Nachr. über deutsche Alterthumsfunde 1897, S. 9. In einem Grabe ist hier bisher ein solcher Ring nur einmal gefunden, bei Schwasdorf (Frid. Franc. XXI, 5 Text S. 135), merkwürdiger Weise auch zusammen mit einem Hängeschmuck = Nr. 8.

7. Eine große Anzahl kleiner Spiralröllchen; diese steckten in der Höhlung des Spiralarmringes fest, die sie fast ganz füllten.

8. Hängeschmuck, fünf Scheiben mit erhabenen konzentrischen Ringen und einer zurückgebogenen Oese, sehr wahrscheinlich zusammengehörend mit den Spiralröllchen, mit denen sie einen Halsschmuck gebildet haben werden. Dieses im Süden weit verbreitete Stück (vgl. z. B. Reinecke, S. 241, 6, Periode II) kommt auch in Pommern oft vor, auch dort M. II angehörend, erscheint auch in Hannover (bei Uelzen, s. von Estorff, Alterthümer IX, 25), ist aber den Kernländern der nordischen Bronze=

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zeit fremd. In Meklenburg hatten wir bisher nur den einen Fund von Schwasdorf.

9. Hängeschmuck aus Spiralscheiben mit Bügel. ("Brillenspiralen".) Ein sehr altes und zeitlich tief hinabreichendes Schmuckstück, über welche Naue, S. 130 zu vergleichen; es ist dem Norden fremd, in Meklenburg aber doch schon dreimal beobachtet: in Schwetzin (bei Teterow) zusammen mit alten Bronzen, die vielleicht noch in M. I zu setzen sind (Jahrb. 14, S. 319), in Sophienhof bei Waren, (vgl. Jahrb. 8 B, S. 54,) und in Rülow bei Neubrandenburg, (vgl. Jahrb. 6 B, S. 108,) ebenfalls mit alten Bronzen (M. I/II), z. B. denselben Halskragen wie bei Hallalit. Wenn Lisch schon damals die Bemerkung machte, daß diese "brillenförmigen Haarspangen" (richtiger Brustschmuck) dem östlichen Theile Meklenburgs zuzuschreiben sein würden, so hat sich das durchaus bewährt; sie sind sicher vom Osten her hier eingeführt.

10. Reste einfacher glatter Handringe (zweier?); Verzierung nicht erkennbar.

11. Ein Fingerring mit kleinen Spiralscheiben, verbogen. Die Gesammtheit dieser Fundstücke ist merkwürdig genug und für Meklenburg ohne Beispiel. Analogien finden sich in Pommern, z. B. in den Funden von Crüssow bei Pyritz, Rosow bei Randow (vgl. Schumann, Baltische Studien 1901, S. 1 und 8), und Bruchhausen (Spiralarmring, Brillensiralen u. s.w., Pommersche Monatshefte 1892, S. 17), auch in der Uckermark, z. B. Blankenburg (Montelius, Chronologie S. 47) und Arnimshain (Schumann, Mitth. d. Uckermärkischen Museumsvereins 1901). Demnach gehört der Fund als ganzes der Periode M. II an; bei dem Ueberwiegen von Schmucksachen ist wohl an eine weibliche Ausstattung zu denken, die sich allerdings ganz wesentlich von den sehr gleichmäßigen der Periode M. III unterscheidet. Es ist kein Zufall, daß der Fund mehr an pommersche als an schleswig=holsteinische oder dänische sich anschließt. Es ist schon oft bemerkt, daß zwischen Pommern und Ungarn in dieser Periode (II) engere Beziehungen bestehen, deren Richtung sich vielleicht erfolgen läßt (vgl. z. B. den Spandauer Bronzefund); wir haben in den Hallaliter Funden ein Uebergreifen dieses Einflusses auch in unser Land, während er nach Westen zu erlischt.


Ganz oben im Hügel standen zwei Steinkisten aus flachen Platten errichtet, die eine mit einem Binnenraum von 60 und 40 cm, die andere, etwas gestörte, etwa 40 und 40 cm. In

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der größeren standen zwei zerdrückte Urnen mit zerbrannten Gebeinen, einfache Gefäße mit gewölbter Wandung, ähnlich der Vorgeschichte S. 82, 136 abgebildeten jung bronzezeitlichen Urne. Die andere Kiste war leer. Sicherlich liegt hier ebenso eine Nachbestattung vor, wie in der gleichen Steinkiste des ersten Hügels.


Der Hügel barg also, wenn unsere Auffassung der Erscheinungen richtig ist: 1. einen beerdigten weiblichen Leichnam, über dem ein Steinhaufen gewölbt ist; 2. dessen Ausstattung, bestehend in weiblichem Schmuck und Gebrauchsgegenständen der Periode M. II, niedergelegt mit Speiseresten in einer Brandschicht im Mantel des Hügels am Südende; 3. eine Nachbestattung aus jüngerer Bronzezeit auf der Höhe des Hügels.

Ueber das Verhältniß des großen Hügels zu dem kleinen gestatte ich mir noch kein abschließendes Urtheil. Die Gesammtheit der Funde im kleineren ist zweifellos älter, und es würde demnach am nächsten liegen, in der Nähe der beiden Hügel einen Zufall zu sehen und anzunehmen, daß sie gar nichts mit einander zu thun haben, daß der jüngere große, in späterer Zeit neben dem älteren kleinen errichtet ist. Doch wage ich es bei der derzeitigen Lage der Studien über bronzezeitliche Synchronismen nicht, die Möglichkeit, daß die Funde der beiden Hügel sich zeitlich berühren und also die Fundstücke in beiden gleichzeitig geborgen seien, schlechthin zu leugnen.

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Hügelgräber von Basedow (bei Malchin).

Ueber eine Gruppe vorgeschichtlicher Hügelgraber im "Thiergarten" bei Basedow nahe der Rothenmoorer Scheide ist schon Jahrb. 64, S. 121, kurz berichtet. Es handelte sich dort um ein schönes und gut charakterisirtes steinzeitliches Steinkistengrab. Nachdem durch die Entdeckung dieses Grabes die Aufmerksamkeit auf die Hügel in jenem Walde, die man bis dahin für natürliche gehalten hatte, gelenkt war, sind noch mehrere angeschnitten worden, unter denen besonders einer interessante Ergebnisse gebracht hat. Verfasser hat diesen dank der freundlichen Einladung und Unterstützung des Herrn Grafen Hahn auf Basedow am 30. Dezember 1898 ausgegraben. Die Funde werden auf Schloß Basedow bewahrt. Der Hügel liegt nicht weit von dem "Hünengrabe" auf der rechten Seite der Chaussee und stellte sich äußerlich

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als eine runde Kuppe dar, die stark verwachsen war und deren ursprüngliche Höhe in Folge davon nicht zu bestimmen ist; sie mag 1 1/2 bis 2 m betragen haben. Gleich unter der Oberfläche stieß man auf Steine und 1 m tiefer auf eine Steinplatte, ganz wie bei dem Hünengrabe, sodaß man glauben durfte, eine gleichartige Anlage vor sich zu haben. Zur großen Ueberraschung stellte sich aber heraus, daß es sich um eine ganz anderartige, nämlich bronzezeitliche Grabanlage handelte. Die Steinplatte, aus Sandstein, unregelmäßig dreieckig, 10 cm dick, überdeckte eine rundliche Steinsetzung von ungefähr 1 m Durchmesser (außen), die aus großen, eng an einander und in mehreren Reihen hinter einander gestellten, nach oben etwas geneigten Platten von etwa 60 cm Höhe gebildet war. Diese Steinkiste war bis auf ihren Grund mit Steinen überdeckt. In ihr stand in einem runden Kessel von etwa 50 cm Durchmesser eine sehr große Urne, mit einer kleineren Steinplatte überdeckt. Der Raum zwischen der Urne und den Wandungen war mit weißem, klarem Sande ausgefüllt.

Die Urne war annähernd 40 cm hoch und hatte einen oberen Durchmesser (Halsweite) von etwa 35 cm; sie war leicht ausgebaucht und hatte sehr starke Wandungen (am Boden 2 cm dick), die Oberfläche war rauh und schmutzig braun; sie war schon so mit Rissen und Sprüngen durchsetzt, daß eine Erhaltung unmöglich war; die Grundform war die wie in meiner Vorgeschichte, S. 82, Abbildung 136, aber etwas schlanker.

Die Urne war gefüllt mit starken, wenig gebrannten Knochen, die stark versintert und nur schwer zu entnehmen waren; dazwischen lagen eine Anzahl Gegenstände, die anscheinend nicht dem Feuer ausgesetzt gewesen waren, aber anderweitig beschädigt sind:

1. Ein kleines Henkelgefäß etwa gleich Vorgeschichte, Abbildung 145 von einer schon in der älteren Bronzezeit bekannten Form, wie sie in Friedrichsruhe ("Kannensberg" s. Jahrb. 47, S. 269 oben) und bei Liepen (s. oben S. 156) gefunden sind und gewöhnlich als Beigaben in größeren Urnen auftreten; sie ist 15 cm hoch und hat 3 cm oberen Durchmesser.

2. 3. Reste von zwei Messern der bekannten Form mit durchbrochenem Griff und nach unten gebogener Schneide etwa 10 cm lang. Die Form ist z. B. Jahrb. 54, Tafel II, 3, abgebildet bei Gelegenheit der Gräber von Blücherhof, und ebenda S. 99 sind die analogen, alle M. III angehörenden meklenburgischen

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Stücke besprochen. Ueber ähnliche, zeitlich gleiche Funde aus Pommern, den interessanten Hügelgräbern von Glendelin bei Demmin s. Lemcke, pommersche Monatsblätter 1889, S. 85, aus Schleswig=Holstein: Splieth 93; vgl. auch Montelius 56, Sophus Müller 81; die Zeitstellung ist überall die nämliche.

4. Ein flaches Messer mit leicht gewölbter Klinge und kleinem Griffansatz, an dem nicht mehr zu erkennen ist, wie er endete, vielleicht in einen Pferdekopf; Länge etwa 9 cm, Breite etwa 2 cm. Vergl. Vorgeschichte Abbildung 67, auch unten S. 185; Splieth 91; Montelius 54; S. Müller 85.

5. Ein Doppelknopf (Gürtelknopf) von 3 cm Durchmesser mit Sternmuster, ebenfalls eine bekannte Form; so aus Slate, Jahrb. 33, S. 131; Splieth 88; Montelius 66; S. Müller 76; ebenfalls stets M. III.

6. Eine "Rollennadel", d. h. Nadel, deren Kopf durch eine Breithämmerung und Umbiegung des Griffendes gebildet wird. In diesem Zusammenhange bei uns etwas befremdlich, da die bisher hier und sonst in Norddeutschland gefundenen Stücke einer jüngeren Periode angehören (vgl. Jahrb. 51, S. 22), doch kommen sie anderwärts in gleichstufigen Hügelgräbern vor (Böhmen: Pič, XI, 13; Bayern: Naue, S. 155), und wir brauchen ihretwegen das Grab nicht tiefer zu rücken.

Außerdem fanden sich zwischen den Knochen und besonders am Knopfe Stücke von Leder.

Ein zweites, ähnlich gebautes Grab wurde in größerer Entfernung östlich von diesem aufgegraben. Der Hügel hatte etwa 1 1/2 m Achsenhöhe und bestand aus dem lehmigen Boden der Umgebung. Der Umfang war nicht mehr zu bestimmen. 20 cm Humus und aufgetragene Erde, dann 60 cm hohe Steinschichtung, darunter die Steinkiste, rechteckig aus hinter einander stehenden Platten, von außen gemessen 1,50 m (nordwest=südöstlich) und 1 m (nordost=südwestlich), von innen 7 × 50 cm breit, die Platten etwa 60 cm hoch, der Deckstein 70 × 50 × 25 cm. Darin eine sehr große Urne, in die der Deckstein gesunken war, sodaß sie ganz zertrümmert ist. Die Wandung ist rauh, der Rand gerade, an der Stelle der größten Wölbung geht ein Band rundlicher Vertiefungen, ein in der jüngeren Bronzezeit beliebtes Motiv. Die Knochen waren ziemlich stark gebrannt, und zwischen ihnen lag ein kleines Stück Feuerstein dreieckiger Form, welches vielleicht als Pfeilspitze anzusehen ist.

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Die Basedower Gräber sind in mehrfacher Hinsicht von Interesse. Ihre zeitliche Stellung ist zweifellos, Daß in der dritten Periode der Leichenbrand allgemeiner wird, ist längst bekannt; wir hatten aber bisher Urnenbestattungen als Hauptbestattung noch nicht; wo verbrannte Gebeine in Urnen in einem Hügel vorkamen (Friedrichsruhe, Slate u. s. w.), war die Beisetzung eine sekundare, die verbrannte Frau neben dem beerdigten Manne. In Dänemark ist man, Dank dem sehr reichen Material, längst dahin gekommen, aus der Ausstattung eines Grabes Männer= und Frauengräber zu scheiden; man wurde dort unser Grab Nr. I als Männergrab bezeichnen, und mir müssen dem folgen. In den Ländern nun, die uns in der älteren Bonzezeit am nächsten stehen, Dänemark und Schleswig=Holstein, sind Urnenbestattungen wie in Basedow schon langer bekannt geworden, auch bei Männergräbern, wenn auch immerhin nicht in großer Anzahl, und weiter südlich, z. B. in Böhmen, sind sie schon in dieser Periode allgemein. Das Basedower Grab schließt also eine Lücke unserer Kenntniß; vielleicht sind auch die oben erwähnten Gräber von Sarmstorf (S. 140) und Liepen (S. 157) so gebaut gewesen.

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Gräber von Kargow (bei Waren).

Ueber eine jungbronzezeitliche Begräbnisstätte bei Kargow ist Jahrb. 61, S. 217 kurz berichtet; die dort erwähnten Funde sind seitdem als Schenkung des Herrn Neumann auf Kargow dem Großherzoglichen Museum zugegangen. Noch auf einer anderen Stelle bei Kargow, auf der Hufe dev Erbpächterse Knöchel ist man auf Gräber gestoßen, von denen nur bekannt geworden ist, daß sie Urnensetzungen mit starken Deckplatten enthielten. Die "Urnen" (alle zerbrochen) sollen verziert gewesen sein und zwischen den Scherben eine Anzahl Bronzegegenstände gelegen haben. Diese sind stark oxydirt, verbogen und zeigen alte Brüche; es ist nicht unwahrscheinlich, daß sie vom Scheiterhaufen gesammelt und mit den Leichenbrandresten in den Urnen geborgen sind, es sich also um Gräber von dem oben bei Basedow besprochenen Typus handelt. Die gefundenen Bronzen sind in den Besitz des Herrn Senator Geist in Waren gelangt, dessen Freundlichkeit wir ihre Kenntniß verdanken. Es sind:

1. Ein Halskragen ("Diadem"), genau von der oben (S. 129) besprochenen Form.

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2. Ein Messer; der Griff durchbrochen, gleich dem Messer von Basedow (oben S. 164); die Klinge leicht nach oben gebogen.

3. Zerbogene Bänder mit Strichverzierungen, wohl die Reste einer Handberge der bekannten Art.

4. Ein Handring aus gewundenem Draht, 4 cm Durchmesser; ähnlich dem von Zepkow (S. 170), aber stärker.

Die Zusammensetzung des Fundes entspricht also genau der der Frauengräber der dritten Periode, von denen unter den hier besprochenen das von Boldebuck das reichste ist. Die große Mehrzahl von jenen Funden gehörten der Mitte des Landes an; im Südosten sind, wie überhaupt wenige Bronzefunde, Funde dieses Charakters bisher nicht bekannt geworden.