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Inhalt:

Geschichte

der

Stadt Plau

und

deren Umgebungen,

von

G. C. F, Lisch,
großherzoglich = meklenburgischem Archivar.


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I.

Vorbereitende Abhandlungen

über

die fernern Umgebungen der Stadt Plau.


 

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1.

Der germanische Burgwall von Zislow

und

die Burgen um den plauer See.


N ahe an dem östlichen Ufer des südlichen Theiles des plauer Sees erhebt sich ein mächtiger Burgwall 1 ), welcher die Gegend weithin beherrscht und von großem Interesse ist. Er liegt auf einer hohen Landecke, die hier den plauer See zusammendrängt, und gewährt einen schönen Blick auf die weite Fläche des großen Wassers. Gegen Nordost liegt an dem Fuße des Burgwalles ein ziemlich großer Landsee, der Große Peetsch, der nur wenig höher als der plauer See und von diesem durch einen schmalen Landstreifen getrennt ist; gegen Südost liegt mehr landeinwärts ein kleinerer Landsee, der Kleine Peetsch. Rings um den Burgwall, nur nicht gegen Süden, dehnt sich eine tiefe Wiesenfläche aus mit einer Wasserrinne, welche mit den beiden Seen in Verbindung steht. In alten Zeiten war also der Burgwall ohne Zweifel fast ganz von Wasser umgeben; nur an der Südseite lag er ungeschützt und in Verbindung mit dem festen Lande.

In diesen tiefen Umgebungen ragt an 100 Fuß hoch ein mächtiges, natürliches Plateau empor, dessen Gipfel zu einem länglichen Viereck abgegraben und mit einem hohen Walle um=


1) Die Entdeckung und Untersuchung dieses Burgwalles verdanke ich der freundlichen Theilnahme und Beförderung des Herrn von Flotow auf Kogel, Besitzers von Zislow.
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geben ist, der noch an mehrern Stellen unberührt steht. Die Ausdehnung dieses Walles ist ungefähr 200 Schritte in die Länge und 100 Schritte in die Breite. Dieser künstliche Wall, welcher vorzüglich an der steilen Nordost= und Ostseite erhalten ist, hat nach außen hin eine Höhe von 25 bis 30 Fuß; nach innen dacht er sich mehr allmählig gegen den innern Burgraum ab und ist an den gut erhaltenen Stellen, namentlich an der innern Seite, mit rohen Feldsteinen dicht belegt oder gepflastert. - Gegen den Gr. Peetsch hin ist ein kleineres, niedrigeres Plateau vorgeschoben.

Die ganze Beschaffenheit dieser ausgezeichneten Stelle, welche, mit Ausnahme des Walles, jetzt beackert und zu Erbzins ausgegeben ist, hat so viel Merkwürdiges, daß sich die Ansicht nicht zurückweisen läßt, die Stelle sei eine uralte Befestigung. Und wirklich fand sich diese Ansicht bei genauerer Forschung auch bald bestätigt. An mehreren aufgewühlten Stellen an der innern Seite des Walles fanden sich viele Gefäßscherben. Diese Scherben hatten aber eine ganz andere Beschaffenheit, als alle diejenigen, welche sich auf den bekannten wendischen Burgwällen aus der letzten Zeit der Eisenperiode finden; es fehlen durchaus jene bekannten dunkelbraunen und schwärzlichen Scherben mit den wellenförmigen Verzierungen aus der letzten Wendenzeit und die festen schwarzblauen Scherben aus der ersten Zeit des Mittelalters ganz. Alle Scherben des zislower Burgwalles haben eine sehr grobkörnige, mit zerstampftem Granit durchknetete Masse, sind oft sehr dick und haben eine hellbraune Oberfläche, gleichen also ganz den Gefäßen aus der heidnischen Bronze = Periode. Es fand sich auf dem Burgwalle auch ein Stück von einer Lehmwand (Klehmstaken).

Und zu diesen Erscheinungen stimmt denn auch die Lage des Burgwalles. Die bekannten wendischen Burgwälle sind stets in tiefen Morästen aufgeschüttet und haben immer einen gedrückten, finstern Charakter: sie waren zu ihrer Zeit nur durch den Morast fest. Der zislower Burgwall ragt aber hoch und luftig in colossalen Ausdehnungen empor und imponirt eben so sehr durch seine gewaltigen Massen, als durch seine Höhe, welche auf einem natürlichen weiten Plateau steht und an der einen Seite durch die Natur durchaus nicht befestigt ist.

Wir müssen daher annehmen, daß der Burgwall von Zislow aus der vorwendischen Zeit, der Zeit der germanischen Bevölkerung stammt. Es muß dieser Burgwall auch deshalb sehr alt sein, weil er außer allem Zusammenhange mit der Geschichte steht; zu keiner Zeit wird der Burgwall in den Urkunden und Acten genannt und des Dorfes Zislow als einer besonders

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merkwürdigen oder geschichtlich wichtigen Stelle erwähnt. Der Burgwall von Zislow wird daher eine germanische Residenz und Tempelstätte mit einer ziemlich starken Bevölkerung gewesen sein. Die Lage dieses Walles giebt wieder ein redendes Zeugniß für den hochsinnigen Charakter des edlen Volkes: daß sie ihre Wohn= und Tempelstätten an hoch und frei gelegenen Stellen mit schönen Aussichten anlegten, wie auch die Gräber alle Höhen des Landes zieren, während die Wenden ihre Schlupfwinkel in Sümpfen und Morästen suchten.

Der Burgwall von Zislow ist um so wichtiger, als er der älteste und erste seiner Art ist, der in Meklenburg bekannt geworden ist. Zwar kennen wir einen ganz ähnlichen Burgwall zu Ilow, an der Grenze von Madsow (vgl. Jahrb. VIII, S. 167), von dem bekannten wendischen, im Sumpfe liegenden Burgwalle Ilow eine Viertelmeile weit entfernt, und einen ziemlich ähnlichen, jedoch viel niedrigern zu Klein = Lukow (vgl. Jahresber. VIII, S. 96); aber diese und vielleicht einige andere Burgwälle sind meistentheils mit Hochwaldung besetzt und haben nie Gelegenheit gegeben, auch nur die geringste Spur von Alterthümern zu entdecken, aus denen sich ein Schluß auf die Bestimmung hätte wagen lassen können. Zu Zislow fanden sich zuerst die unverdächtigen Zeugen einer alten und zwar sehr alten Benutzung. Hiezu stimmt denn auch der ebenfalls mit alter Hochwaldung besetzte große Burgwall zu Rülow in Meklenburg = Strelitz (vgl. Jahresber. VI, S. 105 u. 106), auf welchem viele prachtvolle Bronzen gefunden wurden, der also gewiß zur Zeit der Bronze = Periode bewohnt war. Freilich sind diese alten Burgwälle auch wohl zur Wendenzeit benutzt worden, und es dürften sich auf denselben nicht ausschließlich Alterthümer aus der Bronzezeit finden.

Was nun das Verhältniß zu den fernern Umgebungen betrifft, so läßt sich ein doppeltes betrachten: entweder zum plauer See oder zum Lande Malchow oder Röbel.

Der Burgwall von Zislow am östlichen Ufer des plauer Sees beherrscht einen großen Theil dieses weiten, tiefen und schönen Wassers. Er liegt der Stadt und Burg Plau schräge, dem alten Burgwalle auf der Feldmark Gaarz (der Swartepapenburg) grade gegenüber; dieser Burgwall von Gaarz ist auch sehr alt, da das Gut bei der Christianisirung der Gegend eine Domaine des alten Borwin war und im J. 1223 von diesem an die Geistlichkeit verschenkt ward.


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Burgstätten am plauer See.

Um den plauer See liegen viele merkwürdige Burgstätten, deren Alter sich jetzt genauer bestimmen läßt:

1) der Burgwall von Zislow aus der germanischen Zeit;

2) der Burgwall auf der Feldmark Gaarz 1 ) die sogenannte Swartepapenburg), südlich von Plau, im plauer Stadtholze, eine wahrscheinlich aus der germanischen Zeit stammende und in die Wendenzeit übergegangene Burgstätte;

3) der Burgwall von Quetzin 2 ) (oder Cutzin), beim Dorfe Quetzin auf einer Insel im plauer See, eine in ihrer jetzigen Beschaffenheit aus der letzten Zeit des Wendenthums stammende Gau= oder Fürstenburg;

4) der Burgwall von Stuer, am südlichen Ende des plauer Sees, eine wahrscheinlich alte wendische Burgstätte, da der plauer See im J. 1177 der stuersche See heißt, welche im Anfange des 14. Jarhunderts Hauptrittersitz der adeligen Familie v. Flotow 3 ) ward und noch jetzt ansehnliche Ruinen 4 ) besitzt;

5) der Burgwall von Plau 5 ), gegründet im J. 1287, in seiner jetzigen Gestalt aus dem J. 1448 stammend;

6) der Burgwall auf dem Lenz 6 ), am östlichen Ufer des plauer Sees, beim Einflusse der Elde in den See, im J. 1448 zur Unterdrückung der märkischen Raubfehden gegründet.

7) Die am plauer See liegenden Wallberge von Sukow 7 ) scheinen mittelalterlichen Ursprungs zu sein.

8) Nördlich von der Elde hatten die v. Gamm zu Alt = Schwerin ohne Zweifel eine Burg, deren Stelle jedoch nicht erforscht ist.


Was nun ferner das Verhältniß des Burgwalles von Zislow zu den Ländern oder Vogteien Malchow und Röbel betrifft, so ragt derselbe auch hier durch seine Mächtigkeit und sein Alter hervor. Der plauer See bildete die Grenze zwischen den beiden größern Ländern Warnow im Westen und Müritz im Osten, welche wieder in kleinere Gaue getheilt waren; auf der westlichen Seite grenzte zunächst der Gau Cutzin (Quetzin), auf der östlichen Seite die Gaue Malchow und Röbel oder Vipperow. Unmittelbar bei Alt = Malchow, dem jetzigen Kloster


1) Vgl. unten Abhandlung Nr. 4.
2) Vgl. unten Abhandlung Nr. 5.
3) Vgl. Jahrb. XIII, S. 346 und 348.
4) Vgl. Jahrb. XV, S. 317.
5) Vgl. weiter unten und Urk. Nr. XV.
6) Vgl. S. 9.
7) Vgl. Jahrb. XIII, S. 409.
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Malchow, ist keine Spur einer wendischen Umwallung zu finden; jedoch steht nahe bei Malchow zu Laschendorf ein großer heidnischer Burgwall 1 ), welcher jedoch nicht das Alter und die Größe des zilower Burgwalles erreicht. Der letzte wendische Burgwall von Röbel ist wohl die Höhe, auf welcher jetzt die alt = röbelsche Kirche 2 ) steht. Und so ist auch in Beziehung auf das umherliegende Land der Burgwall von Zislow der älteste der Gegend.

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2.

Die Burg auf dem Lenz

und

der Lenzkanal.


Der sogenannte Lenz, am östlichen Ufer des plauer Sees in schöner Gegend, der Stadt Plau gegenüber, am Ausflusse der Elde in den plauer See, ist eine sehr bekannte Oertlichkeit geworden, namentlich seit der Schiffbarmachung der Elde und der Befahrung der Eldeseen von Plau bis Röbel durch ein albansches Dampfboot. Die Stelle hat aber auch eine bedeutende geschichtliche Wichtigkeit und verdient deshalb eine gründliche Behandlung.

Von der Stadt Malchow bis zum plauer See wird die Kette der obern Eldeseen (Müritz, Cölpin und Flesen) durch die benachbarten Höhen sehr zusammengedrängt und am Ausflusse in den plauer See bis auf einen schmalen Ausfluß zusammengeschnürt, welcher zu allen Zeiten immer sehr verstopft und versandet gewesen ist. Das Wasser zunächst oberhalb heißt von dem angrenzenden Dorfe der petersdorfer See.

Schon bei der Stiftung des Bisthums Schwerin erhielt der Bischof ein Dorf im Lande Müritz 3 ) und ein Dorf im Lande Warnow (also am westlichen Ufer des plauer Sees, da dieser die Grenze zwischen beiden Ländern bildete). Dieses Dorf im Lande Müritz ist das Dorf, welches bald darauf Bischofsdorf genannt ward und jetzt abgekürzt Bisdorf heißt und nördlich am Ausflusse der Elde in den plauer See liegt. Das Gut Petersdorf am südlichen Ufer, ohne Zweifel mit der Hälfte des petersdorfer Sees, gehörte den von Flotow auf Stuer, welche alle Güter vom Südufer des petersdorfer Sees am plauer


1) Vgl. Jahrb. VIII, S. 133; vgl. XIII, S. 380.
2) Vgl. Jahrb. VIII, S. 112.
3) Vgl. Lisch Meklenb. Urk. III, S. 26.
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See entlang bis Stuer besaßen. - Am 27. März 1232 bestätigten die Landesherren dem Bischofe die beiden Dörfer in den Ländern Müritz und Warnow und legten dazu den "halben Theil des Wassers, so von Malchow (Malchowe) heruntergehet in den See Cuzhin" 1 ) (d. i. Quetz = plauer See). - Im J. 1408 gab der Bischof von Schwerin den v. Flotow das Dorf Bischofsdorf zu Lehn 2 ). So kamen beide Ufer und das dazwischen liegende Wasser in den Lehnsbesitz der v. Flotow, welche es noch im 16. Jahrh. besaßen 3 ); damals lag das Dorf Bisdorf wüst.

Der plauer See blieb Eigenthum der Landesherren. Durch das schwache Gefälle des Eldeabflusses und die große Tiefe und den hohen Wellengang des plauer Sees hatte sich aber seit alter Zeit in der Mündung des Eldestromes in den plauer See eine weite Wiese, ein Delta, gebildet, welches die Landesherren wohl stets als zum plauer See gehörig und als ihr Eigenthum betrachtet haben, da es seit 400 Jahren in ihrem Besitze erscheint. Und dieses Delta ist der Lenz, in alter Zeit der Lentzik oder Lenzke genannt.

In der Mitte des 15. Jahrhunderts gewann nun der Lenz eine ganz besondere Wichtigkeit. Seit dem Anfange des 15. Jahrh. waren die Einfälle und Raubfehden des märkischen Adels in das südliche Meklenburg an der Tagesordnung; Wiedervergeltung und Ansteckung trieben manchen meklenburgischen Edelmann zu gleichem Gewerbe. Die Sünden = und Schadensregister über die Räubereien jener Zeit sind endlos und es ist ein Jammer zu lesen, wie alljährlich, ja allmonatlich, die Hoffnung des armen Bauern wild zertreten ward; denn die "Auspochung" der armen Bauern oder "armen Leute", wie sie seit jener Zeit, und mit Recht, genannt wurden, war das Ziel und Ende aller Raubfehden. Auch die Stadt Plau hatte viel von den Einfällen der Märker zu leiden. Eine Schadensrechnung 4 ) giebt einen Ueberblick über die Verluste, welche die Stadt in der letzten Zeit vor der Befestigung der Burg Plau erlitten hatte. Diese beklagenswerthe Zeit war noch nach hundert Jahren sprichwörtlich; in den ersten Jahrzehenten des 16. Jahrh. nannten die Enkel jener schwer geprüften Bauern diese Zeit: die Zeit "als man aus der Mark zu rauben pflegte" ("do men plach to rôuende vth der Marcke vnd Priggenitze int lant to Stettin vnd Meckelnborch"). Endlich entschloß


1) Vgl. Lisch Meklenb. Urk. III, S. 80.
2) Vgl. Jahrb. III, S. 148.
3) Vgl. Jahrb. VI, S. 181.
4) Vgl. Urk. Nr. LV.
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sich um die Mitte des 15. Jahrh. der Herzog Heinrich d. j. von Meklenburg = Schwerin, dem Unwesen ein Ende zu machen. Die ganze Linie der Eldeniederung war zum Uebergange und zur Vertheidigung die wichtigste, und daher wurden alle Burgen dieser Linie stark befestigt, um die nöthige Mannschaft zu einer nachdrücklichen Verfolgung sicher bergen zu können. Besonders wichtig waren die Ufer des plauer Sees, weil hier die Straßen aus der Mitte der Mark in die Mitte Meklenburgs gingen und von dem westlichen Ufer, von Plau her, die Gegend bis gegen Lübz, - von dem östlichen Ufer das ganze Land Röbel beherrscht werden konnte; denn weiter östlich vom plauer See schützten die großen Seen vor Ueberfällen, und es gab hier nur drei leicht zu bewachende Uebergänge über die Elde: bei Eldenburg, bei Malchow und beim Lenz. Der Lenz war aber noch nicht befestigt und daher beschloß der Herzog Heinrich, nicht nur die Burg Plau stark zu befestigen, sondern auch auf dem Lenz eine hinreichend starke Befestigung anzulegen, um so mehr, da beide Burgen durch den plauer See in unmittelbaren und ungestörten Verkehr mit einander kommen konnten.

Der Herzog übergab daher das Schloß Plau dem Lüdeke Hahn 1 ) auf Basedow, welcher es aus dem Grunde neu aufbauete 2 ) ("alz he uns dat slot Plawe uth der grund gemuret und gebuwet hefft"). In einer Rechnung der Vogtei Plau 3 ) vom J. 1448 heißt es:

"Item tom ersten amme iare XLVIII do Ludeken Plawe wart antwardet in sunte Bartolomeus daghe".

Es wurden sogleich in der Nähe und Ferne die großartigsten Anstalten zur Anlage von Ziegel = und Kalköfen gemacht, um den Bau rasch auszuführen; was von der Burg Plau noch steht, stammt gewiß aus jener Zeit.

In demselben Jahre ward auch die Feste auf dem Lenz gegründet. In derselben Rechnung vom J. 1448 heißt es bald darnach:

"Item do de heren den Lentzick buweden, do sande ik mineme heren XVI dromet haueren, den schepel vor VIII witten".

Es ist hiedurch ein sicherer Anfangspunct in der mittlern Geschichte der Burg Lenz gegeben. Früher als im J. 1448 wird der Lenz nicht genannt. Jedoch war er schon früher bebauet,


1) Vgl. Jahrb. XIII, S. 245.
2) Vgl. Urk. Nr. LIX.
3) Vgl. Urk. Nr. LVI.
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vielleicht auch befestigt, wenn auch nicht stark. In einer im J. 1448 angefertigten Berechnung 1 ) der den Plauern durch die Märker in der letzten Zeit zugefügten Schäden wird ausdrücklich gesagt, daß die Märker, unter denen auch die markgräflichen und bischöflich = havelbergischen Mannen waren, bei einem Einfalle bis gegen Karow, nördlich bei Plau, wo sie 480 Kühe raubten, auch den Lenz abbrannten:

"Item de Blomendale mit des marggreuen vnde des bisschopes mannen nêmen to Karow bâuen VIII schock kôge vnde branden den Lentzik af".

Dieser Einfall wird im J. 1447 oder im Frühling 1448 geschehen sein.

Nach der Aufbauung der neuen Burg 1448 - 49 muß der Lenz so wichtig geworden sein, daß er bald die Hauptrolle in den märkischen Fehden spielte: denn vom Lenz aus wurden vorzüglich die märkischen Raubfehden gestillt. In einem Zeugenverhöre aus dem Anfange des 16. Jahrh. 2 ) heißt es:

"Item do men plach to rovende vth der Marcke vnd Priggenitze int lant to Stettin vnd Meckelnborch, ehr die Lentzke gebuwet wart, is vnse dorp Ghylow gedahn in bescherminge Olrich Moltzane, Wedige Moltzans grotevader, vorschenen by sostich iaren".
"Item do die Lentzke gebuwet was vnd dat rouent nableff, wart Olrich Moltzane de bescherminge vorbaden."

Zwar begannen am 15. Sept. 1449 mit dem perleberger Receß 3 ) die Verhandlungen über die Wiederherstellung des Landfriedens; aber alle Verhandlungen hätten ohne Rüstung zur nachdrücklichen Abwehr nichts gefruchtet. Man schrieb daher der Burg aus dem Lenz die wirkliche Unterdrückung der Raubfehden zu, die denn auch seit der Erbauung derselben wirklich aufhörten.

Diese für die Geschichte sehr wichtigen Angaben sind in unscheinbaren Correspondenzen und Verwaltungs = Acten zerstreut und versteckt gefunden.

Nach dieser Zeit wird der Lenz aber nicht wieder genannt; er kommt erst in der zweiten Hälfte des 16. Jahrh. wieder zum Vorschein.

Die neuere Geschichte des Lenzes muß mit der Beschreibung der Lage desselben Hand in Hand gehen.


1) Vgl. Urk.= Samml. Nr. LV.
2) Vgl. Lisch Maltzan. Urk. III, S. 141.
3) Vgl. Rudloff Mekl. Gesch. II, S. 771.
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Der petersdorfer See oder das "Wasser, das von Malchow herkommt", verengert sich beim Lenz so sehr, daß sich nur zwei Floßfahrzeuge ausweichen können. Dieser Ausfluß der Elde geht jetzt in grader Richtung in den plauer See. Früher war es ganz anders. Der Lenz bildete ein Dreieck, ein Delta, in der Eldemündung, in dessen Mitte die Burg stand. Jetzt liegt links stromabwärts ein Erbzinsgehöft und rechts ein Försterhaus, zwischen denen der jetzige Ausfluß, der sogenannte Lenzcanal, mitten durch geht. Früher ging der Hauptabfluß links von dem jetzigen Erbzinsgehöfte und dem Delta und ein wahrscheinlich künstlicher, kleinerer Abfluß rechts hinter dem Försterhause in den plauer See; diese beiden Abflüsse, welche das Delta zu einer Insel machten, liegen jetzt trocken.

Alle bedeutendern meklenburgischen Fürsten neuerer Zeit haben sich mit der Schiffbarmachung der Elde, welche erst in neuern Zeiten verwirklicht ist, beschäftigt. Zu den Hauptschwierigkeiten gehörte die Erweiterung und Vertiefung der Abflüsse bei Eldenburg und beim Lenz und die Schleuse bei Plau.

Das großherzogliche Archiv besitzt mehrere alte Pläne über den Lauf der Elde zum Zweck der Schiffbarmachung derselben. Der älteste Plan, aus dem Ende des 16. oder dem 17. Jahrh., giebt uns die erste Abbildung des Lenzes. Der Ausfluß der Elde, der "Lentzer Strom", geht noch links stromabwärts von dem Lenz. Auf dem Lenz steht ein altes Gebäude mit einem starken viereckigen Thurme. Damals war der Lenz nur ein "Aalfang", wie auf dem Plane steht. - Darauf folgt ein Plan von dem herzoglichen Baumeister Gert Evert Piloot vom 8. Sept. 1621; auch auf diesem Plane steht noch das alte Gebäude auf der Lenzinsel und der Hauptabfluß geht links, ein Graben rechts von der Insel. - Dieselbe Beschaffenheit zeigt ein etwas jüngerer Plan (vom J. 1650?), auf welchem ebenfalls der Thurm viereckig ist.

Hierauf beginnen die Acten. Am 14. Juni 1636 sprach der wackere Herzog Adolph Friederich I. die Absicht aus, den "Eldestrom novigabel zu machen". Aber die Zeiten waren zu trübe; erst im J. 1642 ging ein Bericht des Küchenmeisters Friedrich Thesandt zu Neustadt ein über die "Einrichtung der vorhabenden Schifffahrt" auf der Elde. Dieser berichtet über den Lenz:

"Der pas Lentzsche müste außgereumet vnd an beden seiten mit Brettern außgesetzt werden, damit die Schiffe die Tieffe vndt Weite hetten; die Ahlfange konten darumb gleichwol verpleiben".

Es hatten nänlich die Fürsten in dem Graben rechts Aalfänge,

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welche seit dem J. 1633 dem Sophienstifte zu Lübz beigelegt waren; in dem Hauptabflusse links hatten die angrenzenden adeligen Gutsbesitzer auch Aalwehren. So war die ganze Verbindung zwischen den großen und schönen Gewässern durch ein Paar jämmerliche Aalfänge verstopft, welche jährlich einige Gulden einbrachten.

Nach hergestelltem Frieden machte der Herzog Adolph Friederich, als er die Verbesserung der Verwaltung des Amtes Plau betrieb, für seinen Pflegesohn, den Herzog Gustav Adolph, im J. 1650 ernstlich Anstalt zur Fortsetzung der Schifffahrt und befahl den baldigen Bau einer Schleuse bei Plau, als des wichtigsten und nothwendigsten Werkes zur Ausführung des Planes. Aber, wie häufig, fand der Herzog überall Schwierigkeiten bei den Städten und der Ritterschaft und richtete nichts aus. Eben so wenig fruchteten die Bemühungen des Herzogs Gustav Adolph von Güstrow in der Zeit 1669 - 1681. In einer Relation vom J. 1680 heißt es über den Lenz:

"Es ist auch ferner durch die Seen überall sehr guth, biß an die Lentz, welche mit pfahlen vnd wehren sehr enge gesperret, auch von der See der Strohm beworffen. Dieses müste herausgeräumet undt mit einem Bollwercke von 100 Fuß lang, vor die spühlung der See den Strohm zu conserviren, auf beyden Seiten vorgebawet werden, alßdan selbige seine tieffe bis in die See behalten wirt".

Nun ruhte der Plan wieder 100 Jahre, bis im J. 1792 der damalige Regierungsrath und nachmalige Geheime = Raths = Präsident von Brandenstein die Sache mit dem glühendsten Eifer aufnahm und vermittelst einer Actiengesellschaft durchsetzte. Die Sache ist allgemein bekannt, da in derselben öffentlich mehrere Streitschriften gewechselt sind. Nach mehreren fruchtlosen Vorverhandlungen im J. 1791 ward die Sache im J. 1792 amtlich eingeleitet. Am 1. Juli 1797 ward mit dem Mühlenmeister Peters zu Plau ein Contract über die "Anfertigung der Schiffbarmachung des Lenz = Kanals (65 Ruthen lang) und wegen Vertiefung und Schiffbarmachung des Kanals auf der Eldenburg" geschlossen dahin, daß wenn künftig die Müritz um 4 Fuß) der Kölpin um 2 Fuß 9 Zoll und der plauer See um 27 Zoll im Wasserspiegel gesenkt und dadurch sämmtliche drei großen Gewässer in ihrer Oberfläche im Niveau sein würden, das Fahrwasser in beiden Kanälen 24 Fuß breit und mindestens noch 4 Fuß tief sein sollte. Dieser Contract ward am 4. Mai 1798 mit Peters dahin erweitert, daß beide Kanäle 40 Fuß Breite haben sollten. Die Arbeit begann im J. 1798. Im

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J. 1803 waren die Kanäle bei der Eldenburg und beim Lenz bis auf 40 Fuß erweitert und von allen Stauungen befreiet und alle Mühlenwerke und Schleusen bei Plau gesenkt, so daß alle Gewässer oberhalb Plau in völlig gleichen Wasserspiegel gesetzt waren, nachdem man seit 1798 angefangen hatte, bei Plau ganz allmählig immer mehr Wasser laufen zu lassen 1 ), und in den trockenen Sommern 1802 und 1803 die Senkung um 2/3 bewirkt hatte.

Dennoch ward die erfolgreiche Beschiffung der Eldegewässer erst durch eine seit dem J. 1831 ins Leben getretene Actiengesellschaft und durch Unterstützung derselben aus Landes = und landesherrlichen Mitteln erreicht und dadurch die ungehemmte Eldenfahrt erst im J. 1837 ins Werk gesetzt.

Uns interessirt hier besonders der Lenz = Kanal. Statt der Vertiefung und Erweiterung des alten Ausflusses links von der Lenz = Insel und Burg legte man einen neuen Kanal an, der jetzt mitten durch die Lenz = Insel geht.

Hier wird es am Orte sein, die Beschreibung der alten Lenzburg 2 ) von 1448 zu liefern, da deren Lage und Beschaffenheit noch deutlich zu erkennen ist. Hart an dem alten Eldenausflusse links vom Lenz stand, ungefähr in der Mitte der Länge des Kanals, ein großer viereckiger Thurm, dessen Erdgeschoß erst in neuern Zeiten abgetragen ist; die Fundamente stehen noch in einer Erhöhung und mittelalterliche, große Ziegel liegen in der Erde und zerstreut umher; es sind auch bei der Grabung des Kanals viele alte eiserne Geräthe und Waffen gefunden. Stromaufwärts, dort wo der alte linke Abfluß sich abzweigte, stand auf runder Erhöhung das Thorhaus, von welchem eine Brücke über den alten Eldekanal ging, von welcher die Pfähle noch in dem Moraste stehen. Von dieser Seite war die Burg durch den Strom geschützt. Der weite Burghof lag stromabwärts rechts hin und war rechts rings umher von der Elde bis an den plauer See durch einen noch stehenden hohen Wall und doppelte Gräben geschützt, welche sich an den festen Landhöhen rechts im Bogen ausdehnen. Dieser Burggraben war Abfluß der Eldegewässer rechts vom Lenz. Noch auf der letzten, für die seit dem J. 1792 beschlossene Schiffbarmachung der Elde entworfenen Charte (ohne Jahr) wird der alte Ausfluß links der "Adeliche Einfluß", der Burggraben rechts der "Fürstliche Einfluß" genannt; beide waren mit Aalwehren


1) Im J.1834 ward bei Erbauung der neuen Schleuse bei Plau die alte hölzerne Schleuse ausgegraben.
2) Die Untersuchung des Lenzes verdanke ich der freundlichen Beförderung des Herrn von Flotow auf Kogel.
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verstopft. Der "Fürstliche Einfluß" soll nach Acten vom J. 1821 früher auch der "Lübzer Graben" genannt worden sein, ohne Zweifel weil das von der verwittweten Herzogin Sophie zu Lübz im J. 1633 aus Dankbarkeit für die Rückkehr ihrer Söhne gelobte und gestiftete Wittwenstift oder Sophienstift zu Lübz auch mit dem Aalfange auf dem Lenz dotirt war. In den alten Stiftsrechnungen werden die Aale von dem Aalfange vom Lenz immer in Einnahme und Ausgabe gebracht.

Bei der Einrichtung der neuen Schifffahrt seit dem J. 1798 ward nun ein neuer Kanal gegraben, welcher mitten durch den Burghof der Lenzburg geht: die in der erhöheten Erde liegenden Ruinen der Burg und der Vorburg liegen jetzt hart stromabwärts links am Kanal neben dem Erbzinsgehöfte, der Burghof und die Umwallung liegen rechts von dem Kanale neben dem Försterhause.

Der alte Abfluß ist größten Theils zugeworfen, der Burggraben ausgetrocknet.

So sind jetzt nur noch geringe Reste dieser ehemals wichtigen und berühmten Burg für den Eingeweiheten erkennbar; die Sage weiß nichts mehr von einer Burg, sondern meint, es habe an der Stelle der Ruinen ehemals eine Ziegelei gestanden.


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3.

Die Kirche und Pfarre zu Kuppentin.

Die Geschichte der Kirche und Pfarre zu Kuppentin ist für die Geschichte der Stadt Plau und deren Umgegend insoferne von Bedeutung, als sie in die frühesten Zeiten der Colonisation jener Gegend hineinführt.

Die Kirche zu Kuppentin, ritterschaftlichen Amtes Lübz, ist ein sehr bemerkenswerthes Gebäude in der Geschichte der Baukunst Meklenburgs. Sie bildet ein langes Oblongum, ohne Seitenschiffe, und besteht aus zwei wesentlich verschiedenen Theilen, einem Schiffe im W. und einem Chor im O.

Das Schiff ist aus Feldsteinen (Granitgeschiebe) fest, aber ziemlich plump aufgeführt. Es hat an jeder Seite drei sehr niedrige, im Uebergangsstyle zugespitzte Fenster, welche in der Nordwand von außen und innen ohne Gliederung schräge und glatt einlaufen, in der Südwand aber von innen eine grade Seitenwand haben und von außen in 3 rechtwinkligen Absätzen einlaufen. Die Pforte ist im rohen Uebergangsstyle gewölbt und

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mit rechtwinkligen Gliederungen eingefaßt. Die Länge des Schiffes beträgt ungefähr 3 Gewölbe, so daß unter jedem Gewölbe an jeder Seite ein Fenster gestanden hätte; der Raum ist jedoch nicht gewölbt, sondern nur mit einer Balken = und Bretterdecke bedeckt. Dieser Theil der Kirche ist der ältere und die eigentliche alte Kirche, welche zuerst ohne Zweifel eine kleinere Altarnische oder einen andern Chor hatte, als jetzt. Diese Altarnische ist später weggebrochen und an deren Stelle der jetzige Chor aufgeführt.

Der Chor ist das Merkwürdigste an der Kirche. Er ist offenbar an das Schiff angebauet und daher jünger, als dieses, wenn auch nicht sehr viel. Der Chor ist auf einem Fundamente von behauenen Granitquadern ganz aus Ziegeln aufgeführt und ein für eine Landkirche ungewöhnlich hohes Gebäude von guten Verhältnissen. Es hat eine Länge von 3 schmalen Gewölben, wenn man die Altarnische für ein Gewölbe rechnet. Zwischen den Fenstern stehen Strebepfeiler. Die Altarwand ist im Fünfseit construirt; dies ist ohne Zweifel der erste und einfachste, jedoch immer kunstvolle Uebergang von der halbkreisförmigen zur vielseitigen Altarnische. In jeder dieser 5 Seiten steht ein sehr hohes, zweigetheiltes, im ernsten Spitzbogen gewölbtes und mit Wulsten verziertes Fenster. In den beiden Seitenwänden stehen in jeder Wand zwei eben so construirte, aber dreigetheilte Fenster; in der Nordwand hat jedoch der dem Altare zunächst stehende Fensterraum kein solches Fenster, sondern in der Höhe eine kreisförmige, jedoch vermauerte Vertiefung (eine Rose), und darunter im Innern drei schmale, fensterartige Nischen im Uebergangsstyle. Im Aeußern ist die Wand glatt, mit Ausnahme der Rose und einer kleinen, flach überwölbten Nische. Ueber den Fenstern unter dem Dache ist der ganze Chor mit einem Friese von Halbkreisen verziert, der jedoch an einigen Stellen abgeschlagen ist. Das Innere ist, dem Schiffe zunächst, mit zwei sehr flachen und schmalen Gewölben bedeckt, welche keine Gurtbogen, sondern nur feine, zugespitzte Näthe an dem Zusammenstoße der Gewölbekappen haben. Die 5 Gewölbekappen über dem Altare sind quadratisch construirt. Alle Schlußsteine sind rund. Die Träger und Pilaster sind sehr zierlich. Die Pforte ist eben so, wie die Fenster construirt, auch nicht mehr geschmückt. Der über das Schiff emporragende westliche Giebel ist mit schmalen, fensterartigen Nischen im Uebergangsstyle verziert. Leider ist dieser ganze hübsche Bau nicht sehr fest und schon früh durch viele hohe Strebepfeiler gestützt; ja durch zwei Strebepfeiler sind zwei Fenster ganz zugedeckt. Schon im J. 1486, feria sexta post

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Jubilate, hat der "Bischof Conrad zu Schwerin der Kirche Kuppentin einen Bettel = und Indulgentienbrief gegeben", wahrscheinlich zur Restauration des Kirchengebäudes.

Dieser Chor ist dadurch interessant, daß er zu den frühesten Bauten im Spitzbogenstyl gehört und die letzten Reste vom Rundbogenstyle in dem Rundbogenfriese und den Gewölben aufzuweisen hat; der Spitzbogenstyl ist nach allen Verhältnissen und Gliederungen schon vollständig durchgeführt. Vielleicht giebt es in Meklenburg kein Gebäude im ausgebildeten Spitzbogenstyle, welches noch so klare Ueberreste vom Rundbogenstyle hat.

Wahrscheinlich ist das Schiff als erste Kirche bei der Einführung des Christenthums, der Chor um die Mitte des 13. Jahrh. bei der Befestigung der christlichen Cultur angebauet.

An Alterthümern besitzt die Kirche nichts. Der Altarstein, von Ziegeln, ist noch alt; er besitzt noch die Höhlung für die Reliquien und die Weihurkunde: die Höhlung ist mit einer viereckigen Felsenplatte zugelegt, aber früher schon geöffnet, und die Höhlung ist leer. Außerdem sind noch die bischöflichen Weihkreuze auf dem Altare bemerklich.

Der Thurm ist nur aus Holz gebaut. Von den Glocken ist die eine alt, jedoch ohne alle Verzierungen, die zweite jung.

Die Pfarre Kuppentin ist alt und hatte in den frühesten Zeiten einen Sprengel von ungewöhnlich großer Ausdehnung, so daß er den größten Theil des Raumes zwischen den Städten Plau, Goldberg und Lübz, die zur Zeit der Stiftung der Kirche zu Kuppentin noch nicht gegründet waren, füllte. Schon am 3. August 1235 bestätigte der Bischof Brunward von Schwerin die Kirche und bestimmte namentlich die Dörfer 1 ), die zu ihrem Sprengel gehören sollten:

Kuppentin (Kobandin), Wessentin (Wazutyn), Brook (Brůk), Bobzin (Babazyn), Weisin, Zahren (Syarnitze), Kressin (Krosyna), Plauerhagen? (nova villa Guthani), Groß = Poserin, Klein = Poserin (duo Posirina), Penzlin (Pentzarin), Daschow (Darsekow) und Glin (indago Glyna).

Diese Dörfer sind fast alle noch heute zu erkennen. Die nova villa Guthani (das neue Dorf Guthans) ist nicht mehr bekannt, ist aber wahrscheinlich Plauerhagen. da dieses Dorf im 16. Jahrh. als Filial von Kuppentin erscheint. Der Hagen (indago) Glin ist ohne Zweifel das Dorf Gallin,


1) Vgl. Urk. Samml. Nr. VI. Der Abdruck dieser Urkunde in Westphalen mon. ined. IV, p. 927, ist äußerst schlecht, so.daß sich die Namen der Dörfer fast gar nicht erkennen lassen.
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welches dem Kloster Doberan seit dessen Stiftung gehörte und daher wohl als Hägerdorf colonisirt war, wie das Cistercienserkloster Doberan viele Hagendörfer hatte.

Diese unmäßig große Pfarre, welche 5 Kirchen hatte, nämlich Kuppentin mit den 4 Filialen Poserin, Glin, Zahren und Plauerhagen, ward schon früh zerstückelt. Zuerst, und schon sehr früh, ward die Pfarre Poserin mit Gr. Poserin, Kl. Poserin und Kressin abgenommen und dazu die Pfarre Karow mit dem Filial Damerow gelegt, welche im Mittelalter eine eigene Pfarre bildete. Andere Dörfer kamen zu den benachbarten Pfarren: Wessentin und Brook zur Pfarre Barkow, Bobzin zur Pfarre Lübz, Weisin zur Pfarre Benthen. Dagegen kam Zarchelin, welches noch im 16. Jahrh. zur Pfarre Quetzin gehörte, die seit alter Zeit eine selbstständige Pfarre bildete, zum kuppentiner Filial Plauerhagen.

Die Frühere Filialkirche zu Gallin oder Glin war im Mittelalter eine Kapelle. Sie war kurz vor dem 20. Mai 1354 erbauet und von dem Bischofe Andreas von Schwerin geweihet, auch mit einem Kirchhofe versehen, auf welchem jedoch nur Fremde und Wanderer, die dort sterben würden, begraben werden sollten, und der auch zum Asyle (?) (ad defensionem) dienen könnte. Uebrigens sollte der Pfarrer in der Kapelle jährlich vier Male Messe lesen, sonst aber die Dorfschaft mit allen kirchlichen Handlungen an die Mutterkirche zu Kuppentin gebunden bleiben. Jetzt ist schon lange keine Spur mehr von der Kirche vorhanden.


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4.

Der Burgwall von Gaarz bei Plau

oder

die Swartepapenburg.

Am 29. Decbr. 1223 schenkte der Fürst Borwin I. dem Dom = Capitel zu Havelberg das Dorf Gaarz 1 ), dessen Feldmark späterhin mit in die Feldmark der Stadt Plau hineingezogen ist; zur Zeit dieser Schenkung stand wahrscheinlich die Stadt Plau noch nicht. Das Dom = Capitel gab diese Besitzung schon früh zu Lehn weg; am 17. März 1375 verpfändete Brüning von Restorf mit seinen Söhnen der Stadt Plau 2 Hufen in Gaarz,


1) Vgl. Urk. Samml. Nr. IV.
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wie er dieselben geerbt hatte, und am 14. Febr. 1376 verkaufte Barthold Swartepape der Stadt die Hälfte des Dorfes Gaarz, wie er sie von seinem Vater geerbt hatte 1 ). Um diese Zeit muß das Dorf ganz in den Besitz der Stadt gekommen sein; denn am 11. Nov. 1388 gab der Propst des Dom = Capitels zu Havelberg der Stadt Plau das ganze Dorf Gaarz zu Lehn, wie Barthold Swartepape und Brüning von Restorf es bis dahin von dem Dom = Capitel zu Lehn gehabt hatten 2 ). Seit dieser Zeit trug die Stadt Plau fortwährend das Lehn dieses Dorfes von dem Dom = Capitel.

Die Familie Swartepape war eine sehr angesehene, reiche Patricierfamilie der Stadt Plau, von ritterlicher Verwandtschaft 3 ), und hat ihren Namen bis heute in der Sage fortgepflanzt, obgleich sie schon am Ende des 14. Jahrh. ausstarb; die Familie ist wohl die bedeutendste, welche je in Plau gewohnt hat. Auf dem gaarzer Felde der plauer Stadtfeldmark liegt nun ein Burgwall, auf welchem der Sage nach ein Raubritter gewohnt haben soll. Der Professor Schröter sagt 4 ) über diesen Burgwall:

"Ungefähr eine halbe Stunde von Plau liegt zwischen vier, durch schmale Sumpfwiesen jetzt getrennten, früher gewiß verbundenen Seen, dem Garzer =, Gripen =, Burg = und Leber = See, eine Art von Halbinsel, zu welcher gegenwärtig nur Ein fahrbarer Zugang führt. Sie ist mit schöner Hochwaldung bestanden und zeigt an ihrer äußersten Spitze eine Umwallung von etwa 200 Schritten im Umfange. Die Breite des Walles beträgt 12 Schritte, seine Höhe gegen 30 Fuß. Er bildet drei Seiten eines nicht ganz regelmäßigen Quadrats, die vierte ist offen und wird unmittelbar vom Burgsee bespült und beschützt; mehrere geräumige Vertiefungen in seinem Innern deuten ehemalige Gebäude an. Der Name Borgwall und Swartepapenborg erhält aus den mitgetheilten Urkunden seine völlige Erläuterung und beweiset zugleich, wie lange Localerinnerungen sich durch Tradition erhalten können. Die Sage macht den Swartepapen zu einem gefürchteten Räuber. Uebrigens müßte es


1) Vgl. Beil. zu Wöchentl. Rostock. Nachr. 1824, Stück 42 flgd., Nr. VIII u. IX.
2) Vgl. daselbst Nr. XIII.
3) Die Geschichte der Familie Swartepape ward Gegenstand einer ausführlichen Untersuchung in Lisch Berichtigung einer von dem Staatsminister v. Kamptz gemachten Aeußerung, Schwerin, 1844, in welcher auch alle dazu gehörenden Urkunden gedruckt sind. Vgl. auch weiter unten.
4) Vgl. Beil. zu Wöchentl. Rostock. Nachr. a. a. O. S. 192, Not. 2.
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ergötzlich sein, wenn die unmythischen Urkunden nicht erhalten wären, diese Umwallung von gläubigen Alterthumsforschern in eine uralte heidnische Zeit versetzen zu sehen, wie man es mit der völlig ähnlichen, mir wenigstens sehr zweideutigen Herthaburg auf Rügen gemacht hat. Der Schwarzpfaffe würde dann zum dunkeln Heidenpriester im Gegensatze des christlichen Lichtpriesters, oder noch kürzer, das alte Gaarz würde zum Heiligthume Czernebogs, des schwarzen Gottes. Ein benachbarter Heidensee diente dann zur völligen Begründung".

Wenn auch in dieser Beschreibung, die mich der Wiederholung überhebt, der Alterthumsforscher Schröter über die Alterthümelei längst entschwundener Zeiten spottet, so scheint ihn doch dieser Spott irre geführt zu haben; er geht theils zu weit, theils nicht weit genug, und der Spott könnte doch vielleicht eitel Wahrheit werden.

Im Herbste des J. 1849 untersuchte ich den Burgwall mit dem in der Geschichte der Stadt Plau seit vielen Jahren bewanderten Herrn Senator Schultetus. Zuvor bemerke ich, daß nach sichern Erkundigungen der Wall nie und nirgends "Swartepapenburg" genannt wird; diesen Namen erfindet Schröter hier selbst. Die Volkssage nennt die Erhöhung nur "Burgwall" und fügt hinzu, daß er der Sitz eines "alten Raubritters Barthold Swartepape" gewesen sei; nach andern Sagen soll Barthold Swartepape in der Stadt, sein Bruder aber auf der Burg gewohnt haben 1 ). Freilich ist es interessant, daß der Name Barthold Swartepape sich an 500 Jahre lang in der Volkssage erhalten hat; aber der Burgwall trägt nicht seinen Namen, wenn er auch auf demselben gewohnt haben soll. Am frühesten wird die Umwallung in den noch vorhandenen Urkunden und Acten in den "Beschwerden" der Stadt Plau vom J. (1563) nur "Borchwall" genannt:

"Thom Negenden iß den Borgeren vnnd Innwanerhenn vom Rade vorbadenn, dath se erhe vihe immhe Stadtholthe, der Borchwall genanth, darmith datsuluhe vpgeheget wurdhe, wie idt dhenn ock vmhero vpgegrauenn vnnd befredeth, keineß wegeß hudenn mothenn".

Auch schon Chemnitz, in seinem Genealochron. in v. Westphalen Mon. ined. IV, p. 212 - 213, um die Mitte des 17. Jahrh., kennt den Burgwall, indem er sagt:

"Es hat aber in vorzeiten ein Schloß daselbst auffm


1) Vgl. Berichtigung a. a. O. S. 25 - 26.
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Werder gelegen, wie der Nahme des Burgwals daselbst zeiget, wans aber destruiret, ist zwar ungewiß, doch duncket mir, das es in den langwierigen mit den Brandenburgischen Marggraffen mit den Herren von Werle geführten Kriegen verstöret und folgends gahr verfallen sey".

Uebrigens kann die Sage von Barthold Swartepape auch wiederholt von kundigen Stadtschreibern aus den Urkunden der Stadt aufgefrischt sein, um so mehr, da die Stadt fortwährend das Lehn muthen mußte, also im Verständnisse der Besitzerwerbung blieb.

Der Burgwall sieht aber gar nicht mittelalterlich aus. Es ist ein Ringwall von der räthselhaften Art der sehr alten Burgwälle. Die Gestalt ist nicht genau so regelmäßig, wie Schröter sie beschreibt. Im Innern ist eine ziemlich ebene Fläche von unbedeutender Ausdehnung. Umher erhebt sich ungefähr 10 Fuß eine Umwallung, die fast ganz kreisförmig und hin und wieder niedriger ist, auch nach dem Burgsee hin fast ganz verschwindet; nach außen hin fällt die Umwallung wohl über 20 Fuß tief hinab. Der Boden weit umher ist trocken und fest und bis auf den Burgwall mit großen Buchen bestanden: der Burgwall liegt ganz im alten Buchenwalde. Dieser Burgwall unterscheidet sich also wesentlich sowohl von den wendischen, als von den mittelalterlichen Burgwällen. Diese sind in der Regel oder wohl immer viereckig, gewöhnlich oblong, selten quadratisch, und sind durch Moor und Wasser oder Gräben geschützt; die Oberfläche ist eben; in ältern Zeiten sind die wendischen Burgwälle wohl am Rande umwallt, die mittelalterlichen Burgwälle durch Ringmauern oder feste Wände der Gebäude, welche am Rande umher standen, geschützt gewesen. Ganz anders ist der kleine, runde Kessel des gaarzer Burgwalles, der von außen gar nicht geschützt ist, wenigstens nicht in der nächsten Entfernung, und alle Feuchtigkeit in sich aufnimmt. Dazu ist weder innerhalb, noch außerhalb der Umwallung, auch nicht in dem Ringwalle irgend eine Spur von Alterthümern, von Feldsteinen, Ziegeln, Gefäßscherben, Kalk etc. . zu entdecken, auch ist hier nie etwas gefunden. Die Umwallung liegt in einem offenbar alten Buchenwalde und hat auch wohl immer in einem solchen gelegen.

Daß die Swartepapen das Dorf Gaarz zu Lehn trugen, und dazu nur zur Hälfte, ist noch gar kein Beweis, daß sie auch auf dem Gute gewohnt haben. Im Gegentheile wird Gaarz nie als Rittersitz bezeichnet und nie ein Swartepape als auf Gaarz wohnhaft; vielmehr werden die Swartepapen nur Bürger (cives, oppidani) in Plau genannt und erscheinen nur in der Stadt Plau, so haufig sie in den Urkunden auch

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genannt worden. Ja, der Vater Barthold Swartepape war im J. 1335 fürstlicher Vogt zu Plau. Die Swartepapen hatten übrigens viele Güter in der Nähe von Plau, z. B. Samot, Malchow, Drosenow, Clippatendorf und mehrere Hufen zu Kuppentin und Schlemmin und endlich halb Gaarz 1 ); keines von diesen Dörfern scheint ein Rittersitz gewesen zu sein. Samot, Drosenow und Clippatendorf sind auch längst untergegangen.

Ich für meinen Theil erkenne in dem Burgwalle aus der gaarzer Feldmark keinen mittelalterlichen Burgwall, sondern, trotz Schröter, eine uralte heidnische Umwallung, die wohl noch über die letzten Wendenzeiten hinausreicht. Der Burgwall ist ganz so, wie viele andere ähnliche im Lande, welche eben so gebauet sind und eben so, und zwar alle, in Hochwaldung liegen, z. B. die Burg von Schlemmin, von Ilow (nicht der im Moor liegende wendische Wall) u. a. m. Der Burgwall scheint wirklich mehr ein heidnisches Heiligthum, als eine mittelalterliche Feste gewesen zu sein. Daher war sie auch wohl eine Domaine Borwins, die er schon früh an eine geistliche Stiftung weggab, wie andere Domainen von ähnlicher Bedeutnng. Das Dorf Gaarz wird aber in der geschichtlichen Zeit nur ein Bauerdorf gewesen sein und keinen Rittersitz gehabt haben.


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5.

Die Burg Kutsin oder Quetzin.

In den Jahrb. X, S. 36 flgd. ist ausführlich auseinandergesetzt und begründet, daß das alte wendische Land Kutsin zwischen den Ländern Parchim und Malchow lag und die späteren Vogteien Plau und Goldberg umfaßte. Es gab in Meklenburg drei wendische Länder mit Burgen ähnlichen Namens: Kissin (das jetzige Kessin bei Rostock), Kussin (an dessen Stelle im J. 1219 das neue Kloster Sonnenkamp oder Neukloster aufgebauet ward) und Kutsin, auch Kutin genannt. Das Land Kutsin wird zuerst in der Confirmations = Urkunde des Kaisers Friederich für das Bisthum Schwerin vom J. 1170 2 ) genannt, indem sie die südlichen Provinzen des Landes und des Bisthums in folgender Ordnung aufführt:

"Parchim, Kutin und Malchow, mit allen Dörfern an beiden Ufern des Flusses Elde, welche zu diesen Burgen gehören".


1) Ueber alles dieses vgl. die angeführte Beurtheilung.
2) Vgl. Lisch Mekl. Urk. III, Nr. 1.
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("Parchim quoque., Kutin et Malchow, cum omnibus villis ex utraque parte alvei, qui dicitur Elde, ad ipsa castra pertinentibus.")

Es ist also außer Zweifel, daß das alte Land Kutsin zwischen den Ländern Parchim und Malchow lag, also das spätere Land Plau bildete, und später noch die Vogtei Golbberg mit umfaßte. Da im 13. Jahrh. noch die Pfarren Wahmkow, Pritz und Karow zur Herrschaft des Fürsten Pribislav von Parchim = Richenberg gehörten, so wird sich das Land Kutsin von Lübz bis zum plauer See und nördlich bis gegen Sternberg erstreckt haben.

Ebenso unzweifelhaft ist es nach der kaiserlichen Urkunde vom J. 1170, daß das Land Kutsin eine Gauburg hatte, wenn dies nicht schon an und für sich anzunehmen wäre. Wie jeder Gau in den Wendenländern eine fürstliche Gauburg hatte, auf welcher ein landesherrlicher Vogt wohnte, so mußte auch das Land Kutsin eine Gauburg haben. Urkundliche Zeugnisse geben den Beweis, daß das Dorf Quetzin bei Plau das alte Kutsin sei. Auch die Burg von Kutsin ist nicht unbekannt, da in mehreren Urkunden ein "Burgwall" bei dem Dorfe Quetzin genannt wird: in den Jahren 1264 und 1271 1 ) besaß die Kirche zu Quetzin "zwei Katen vor dem Burgwall"

"duas kotas in villa Quitzin sitas ante borchwall",

und noch in den Jahren 1348 und 1355 wird in Urkunden genannt (vgl. Urk. Samml. Nr. XXXIII)

"de borchrûm, dat man den borchwal nometh to endest deme dorpe Quitzyn belegen".

Der plauer See hieß noch im J. 1232 der "See Cuzhin", die Waldung vom Dorfe Quetzin bis gegen Plau hin der Wald Quitzin und ein Vorsprung der Feldmark Quetzin in den plauer See hieß 1295 Cutzinerorth (d. h. Kutziner Ecke) und heißt noch heute Quetziner Ort. Der alte Burgwall Kutsin war also sicher in dem Dorfe Quetzin bei Plau zu suchen. Die Burg Cutzin mit ihrem Gebiete lag wohl an der Grenze des gleichnamigen Landes oder Gaues, wie gewöhnlich die Gauburgen an den Grenzen gelegen zu haben scheinen. Das Land Kutzin reichte wohl nur bis zur Elde. Mit den politischen Grenzen pflegen gewöhnlich die kirchlichen Grenzen zusammenzufallen. Die Pfarren Quetzin und Plau gehörten zum Bisthume Schwerin, die Pfarre Gnevsdorf und die Feldmark Gaarz bei Plau zum Bisthume Havelberg.


1) Vgl. Urk. Samml. Nr. XI und XII.
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Im Sept. 1849 stellte ich eine Nachforschung an Ort und Stelle an und fand auch sehr bald, was ich suchte. Der "Burgwall" ist noch heute unter diesem Namen in dem Dorfe Quetzin bekannt und liegt am Ende des Dorfes ("to endest deme dorpe Quitzyn"), d. h. in der Richtung von Plau her, dem jetzigen Kirchhofe gegenüber, auf welchem früher auch die jetzt spurlos verschwundene Pfarrkirche lag, auf einer kleinen Insel.

Einige hundert Schritte vom Lande liegt eine kleine Insel von einigen hundert Schritten Umfang, welche durchaus keine feste Verbindung mit dem Lande hat, weder durch Moor, noch durch eine Fuhrt; man konnte von je her nur zu Wasser zu dieser Insel gelangen, da das Wasser zwischen derselben und dem Lande noch heute tief und klar ist. Die Insel ist an den Rändern rings umher sumpfig und schilfig, so daß eine genaue Ausmessung des Umfanges nicht möglich war. Die Insel ist ebenso groß, als die Insel des alten Burgwalles bei Schwerin, auf welchem das fürstliche Residenzschloß steht, und hat eine ähnliche Lage. Auf dieser Insel ist ein viereckiger Burgwall aufgeschüttet, der so groß ist, wie die übrigen wendischen Burgwälle im Lande; er ist vielleicht zwischen 5 und 10 Fuß hoch über den Wasserspiegel erhaben, so hoch als der schweriner Burgwall 1 ) zur heidnischen Zeit gewesen sein mag, etwas niedriger, als diejenigen Burgwälle, welche in Mooren liegen und einen festen Zugang zu Lande haben. Daß diese Insel wirklich der Burgwall sei, geht aus der Urkunde vom 6. Dec. 1271 hervor, da nach derselben die Pfarre eine Aalwehre zwischen dem Burgwalle und dem Seeufer hatte:

"âlewêre a spacio borchwal usque ad littus". Die Aufschüttung besteht ganz aus sehr lockerer, schwarzer Wiesenerde, welche von den nächsten Ufern herbeigeschafft sein mag. Das sichere Kennzeichen fand sich sogleich überall: zahlreiche Gefäßscherben aus heidnischer Zeit, mit zerstampftem Granit durchknetet und mit den bekannten leichten, wellenförmigen Randverzierungen bedeckt, lagen überall umher; danebcn fanden sich häufig Lehmstücke mit Stroheindrücken von den niedergebrannten Gebäuden. Mittelalterliche, blaugraue, feste Topfscherben und gebrannte Ziegel waren nirgends zu entdecken. Die Gefäßscherben sind denen völlig gleich, welche sich auf allen niklotschen und andern Burgen des 12. Jahrhunderts finden. Aus dem gänzlichen Mangel an mittelalterlichen Alterthümern läßt sich aber schließen, daß der Burgwall zur christlichen Zeit nicht mehr bewohnt ward.


1) Vgl. Jahrb. XV, S. 161.
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Der Burgwall wird jetzt von der Dorfschaft als Gemüsegarten benutzt und mit dem Spaten bearbeitet; er ist ungewöhnlich fruchtbar, sobald die Pflanzen in dem leichten Boden erst Wurzel gefaßt haben.

Das Dorf Quetzin liegt eine halbe Stunde nördlich von Plau am Ufer des plauer Sees. Geht man von Plau nach Quetzin, so ist das Feld, wie überhaupt im Norden und Westen der Stadt, bis gegen das Dorf hin flach und eben. Dicht vor dem Dorfe Quetzin wird aber der Boden hügelig und öffnet sich gegen die Burgwallinsel hin. Die Lage des Burgwalles von Quetzin ist ganz der Lage des Burgwalles von Bisdede 1 ) bei dem Dorfe Bölkow, im Insel = oder rosiner See in der Nähe von Güstrow ähnlich, nur daß zwischen dieser Burg und dem festen Lande jetzt eine Wiesenverbindung ist; auch der Burgwall des Residenzschlosses Schwerin auf der Insel wird in alter Zeit eine ähnliche Lage gehabt haben.

Der Burgwall von Kutsin liegt in der Linie zwischen dem Dorfe Quetzin und dem Lehngute Alt = Schwerin; die große Insel Werder im plauer See, welcher hinter dieser Insel seit alter Zeit die Satzik 2 ) heißt, liegt rechts von dieser Linie. Die Güter Schwerin (d. i. Thiergarten) und Werder (d. i. Insel) waren in den ältesten Zeiten unserer urkundlichen Geschichte Lehen der alten Familie von Gamm, welche anch in der Nähe der alten Burg Güstrow Burgen, Dörfer und Burglehen, z. B. Bülow und Glin, besaß. Die Familie v. Gamm mit den Lehngütern Schwerin und Werder (früher: Gammenwerder) stand in den ältesten Zeiten gewiß in Beziehung zu dem Burgwalle Kutsin.

Alterthümer sind auf dem Burgwalle bisher nicht gefunden, so weit die Erinnerung der Bewohner des Dorfes Quetzin reicht; jedoch herrscht bei denselben die Sage, daß Quetzin in den ältesten Zeiten nur aus einigen "Fischerhütten" bestanden habe, seit der Aufführung des Burgwalles aber fürstliche Residenz und ein großer Ort geworden sei.

Der Burgwall ward schon früh als Lehn weggegeben. In früheren Zeiten hatte Quetzin eine eigene Pfarre, welche schon früh, sicher vor 1264, gestiftet war und die Dörfer Quetzin, Zarchlin und Leisten 3 ) (früher Leesten) umfaßte; die benachbarten Pfarren waren Karow, welche auch lange nicht mehr existirt, Kuppentin, welche viel größer war, und Plau.


1) Vgl. Jahrb. XII, S. 453 flgd.
2) Vgl. Lisch Berichtigung einer von dem Staatsminister v. Kamptz gemachten Aeußerung, 1844, S. 8, Urk. Nr. V und VII.
3) Vgl. Urk. Samml. Nr. XI.
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Der Lehnträger des Burgwalles und des Dorfes war ohne Zweifel ein Ritter von Quitzin, dessen Familie sehr bald ausgestorben sein muß. Am 24. Juni 1264 schenkte der Knappe Reinward von Quitzin der Kirche und Pfarre zu Quetzin zwei vor dem Burgwalle gelegene Katen in dem Dorfe Quetzin, wie er sie von den Landesherren zu Lehn trug, und der Pfarre allein zwei kleine, von ihm erbauete Aalwehren bei dem Walde Quetzin (apud sylvam Quitzin) 1 ). Nachdem bald darauf die Pfarre abgebrannt und in dem Brande die Kirchen = Urkunden untergegangen waren, verfaßte der Pfarrer Heinrich am 6. Dec. 1271 in Gegenwart des Knappen Reinward von Quitzin und der Kirchen = Juraten ein amtliches Verzeichniß des Kirchen= und Pfarrvermögens; hiernach hatte der Pfarrer 6 Hufen und 4 Katen im Dorfe Quetzin, Ellernholz in der Waldung am See bis zum Hainholz (also nicht: Heidenholz, wie jetzt gesagt wird) und eine Aalwehre am Burgwalle und eine andere beim Lanken am quitziner Holze; ferner hatte die Pfarre aus einem Geschenke des Knappen Reinward von Quitzin zwei Katen am Burgwalle, deren Bewohner der Kirche jährlich vom dem Raume des Burgwalles (de spacio borchwal) 2 ) ein Pfund Wachs als Pacht geben mußten etc. . Im J. 1308 kaufte die Stadt Plau das Dorf Quetzin und im J. 1348 nahm die Stadt die 6 Pfarrhufen in Erbpacht, bei welcher Gelegenheit die Stadt dem Pfarrer 3 Katen (oder 2 Hofstätten und 1 Katen) überließ, zu deren einem der Burgwall gelegt ward: "spacium castri quod dicitur borchwal, situm infra terminos ville Qwitzin", welche Worte eine alte plattdeutsche Uebersetzung wiedergiebt durch: "tho endest deme dorpe Qwitzin belegen".

Nach dem Visitations = Protocolle vom J. 1541 hatte damals der Pfarrer den

"Borchwahl, darauf gewint er jerlich vor II fl. Rohr oder mehr".

Es ist also keinem Zweifel unterworfen, daß der Burgwall von Quetzin schon im Anfange des 13. Jahrh. an eine rittermäßige Familie zu Lehn gegeben ward, welche von dem Burgwalle den Namen führte. Der Knappe Reinward von Quitzin wird schon der letzte seines Geschlechts gewesen sein, da er in der Schenkungsurkunde vom 24. Juni 1264 von seinen Vorfahren und seiner Frau Coneke, aber nicht von Kindern oder Erben redet, als er mit der Schenkung Seelenmessen für sein Geschlecht stiftete; wahrscheinlich gab er seinen ursprünglichen


1) Vgl. Urk. Samml. Nr. XI.
2) Vgl. Urk. Samml. Nr. XII.
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Lehnsbesitz weg, weil er keine Erben hatte. Auch ist von einer Familie von Quitzin in den meklenburgischen Urkunden weiter nirgends die Rede.

Die älteste Kirche von Quetzin mußte bald einer bessern Platz machen. Am 17. April 1325 weihete der Bischof Johann von Schwerin die Kirche zu Quetzin und den Hochaltar daselbst zu Ehren des Heil. Nicolaus, bestätigte ihren Besitz und verlieh ihr einen Ablaß zum Besten des Kirchenbaues 1 ). Gegenwärtig ist von Kirche, Pfarre, Kirchen = Katen. u. s. w. keine Spur mehr zu finden, mit alleiniger Ausnahme des Kirchhofes, welcher noch zum Begräbnisse dient. Dem Burgwalle gegenüber ist nur freies Ackerland.

Vignette

1) Vgl. Urk. Samml. Nr. XXX.
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II.

Geschichte der Stadt Plau.


1. Diplomatische Einleitung.

D ie Stadt Plau hat zu allen Zeiten in der Geschichte Meklenburgs eine gewisse Bedeutung gehabt, die sie ohne Zweifel ihrer Lage verdankt: nahe an der südlichen Grenze des Landes gegen die Prignitz und an einem Endpuncte der großen Seekette Meklenburgs, am Ausflusse der schiffbaren Elde aus dieser gelegen, hat sie immer ein Hauptthor gebildet, durch welches eine bedeutende Straße von den brandenburgischen Marken in die Mitte Meklenburgs ging; und daher ist die Geschichte der Stadt Plau stets mehr oder minder mit der Geschichte des ganzen Landes verflochten gewesen. Es spiegelt sich die Geschichte des ganzen Landes in der Geschichte von Plau mehr ab, als in der Geschichte irgend einer andern kleinern, selbst mancher größern Stadt Meklenburgs.

So oft nun auch die Stadt in der Vaterländischen Geschichte genannt wird, so ist bisher doch von ihren Schicksalen wenig im Zusammenhange bekannt gewesen, weil es fast ganz an Urkunden fehlte, welche Licht hätten verbreiten können; es war nicht viel mehr als die erste Privilegienbestätigung vom J. 1235 bekannt.

Den ersten Schritt zur Förderung der Geschichte der Stadt that im J. 1824 der Professor Schröter zu Rostock, indem er die 16 größtentheils Original = Urkunden, welche noch im Besitze der Stadt sind und ihm von dem damaligen Burgemeister Dr. Rothbart mitgetheilt waren, in den Beilagen zu den Wöchentl. Rostock. Nachrichten und Anzeigen, 1824, Stück 42 - 49 abdrucken ließ. Diese Urkunden sind freilich in mehrfacher Hinsicht interessant, gehören jedoch nicht zu den wichtigern Privilegien der Stadt, geben auch wenig Aufschluß über die Schicksale derselben.

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Mehr Original = Urkunden besitzt jedoch die Stadt nicht. Wahrscheinlich sind alle übrigen Urkunden entweder bei den kaiserlichen und polnischen Durchmärschen und Plünderungen 1659 und 1660, bei welchen die Stadtpapiere zerrissen und zu Patronen verbraucht wurden, oder in dem großen Brande vom 6. Nov. 1697, welcher auch das Rathhaus verzehrte, untergegangen und die noch vorhandenen Urkunden mit einigen alten Acten nur durch einen Zufall gerettet worden. In der ersten Hälfte des 17. Jahrh. werden die Original = Privilegien der Stadt noch wiederholt erwähnt; seitdem ist aber von denselben nicht mehr die Rede.

Ich hatte aber das Glück, im J. 1849 sämmtliche Urkunden der Stadt in Abschrift zu entdecken. In der Stadt = Registratur ward ein altes Stadtbuch aufbewahrt, welches allein durch einen glücklichen Zufall aus den wiederholten Unglücksfällen, welche die Stadt getroffen haben, gerettet zu sein scheint. Der Herr Senator Schultetus, welcher mit besonderm Eifer die Geschichte der Stadt verfolgt, legte mir dieses interessante Buch vor, in welchem ich sogleich eine "Matrikel" sämmtlicher Stadturkunden fand, von denen ich sodann Abschrift nahm. Im J. 1553 legte nämlich der Stadtschreiber Sebastian Gildehof (1541 † 1558) ein neues Stadtbuch an und trug in dieses auf Begehren des Magistrates eine Abschrift sämmtlicher Stadturkunden nach ihren rechten Originalen in ihrer Originalsprache ein, von ihm selbst "Matrikel" genannt, denen er eine deutsche Uebersetzung beifügte. Er schickte seiner Arbeit eine sehr originelle, launige Einleitung 1 ) (protestatio consulatus acta anno domini 1553) vorauf, durch welche er die Verdienstlichkeit seiner Arbeit begründet, über die er viele treffende Ansichten vorträgt. Außer der Abschrift der durch Schröter bereits veröffentlichten Urkunden enthält diese Matrikel noch ungefähr 25 Urkunden, welche bisher ganz unbekannt gewesen und die wichtigsten und interessantesten Urkunden sind, welche die Stadt je besessen hat. Sebastian Gildehof hat somit nach 300 Jahren seinen Zweck erreicht, nämlich daß man, wenn auch die Original = Urkunden untergehen möchten, "noch eine Anleitung zur rechten Wahrheit habe"; denn er habe die Arbeit nicht unternommen "zu Gefallen den Muthwilligen, die nichts anders suchen, alsAufruhr zu erwecken, daß sie daraus etwas spinnen möchten, womit sie sich kitzeln könnten, nicht vom Streben nach Einigung beseelt, sondern nur um Muthwillen zu erregen, Ungehorsam gegen ihre gebührliche Obrigkeit, unangesehen woher


1) Vgl. Urk. Samml. Nr. I.
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und von wem sie alle ihre Güter und Freiheiten erhalten, denn man müsse sich wohl zuweilen zu einer Dienstbarkeit gebrauchen lassen, zu der man nicht verpflichtet sei, namentlich in Betracht jener alten Zeit, in der wohl manches habe geschehen können, dessen sich die jetzige Zeit nicht rühmen dürfe, daher man alle Dinge mit Unterschied und nach Gelegenheit behandeln und ein Ding oft anders wissen müsse: wer nicht zuweilen durch die Finger sehen kann, der kann nicht lange regieren; wer sich zu hart schneuzt, dem blutet die Nase; wer oben hinaus will, stößt sich am Dache; man kann nicht immer den Sticken treffen, sondern es ist genug, wenn man zum Male schießt. Aber es gehe allen jungen Regimentern gleich; wenn sie das Amt angreifen, so wollen sie allewege elf Kegel treffen, und es stehen doch nur zehn auf der Bahn" u. s. w.

Zu diesem Schatze kommen noch ungefähr 40 Urkunden des großherzoglichen Archivs zu Schwerin, welche nach und nach entdeckt sind und entweder die Geschichte der Stadt berühren oder auch ganz in die Reihe der städtischen Urkunden gehören.

War früher die Armuth an Urkunden über die Stadt Plau drückend, indem nur die erste Privilegienbestätigung vom J. 1235 bekannt war, so ist es jetzt der Reichthum. Jedoch soll mit den nöthigsten Forschungen das Wichtige und Bedeutende in den folgenden Zeilen zur Darstellung kommen.


2. Die Gründung und das Stadtrecht.

Wahrscheinlich bestand schon vor der Gründung der deutschen Stadt ein kleinerer, wendischer Ort an der Stelle der Stadt, da der Name 1 ) derselben (Schwemme) noch wendisch und die Lage an der Ausströmung eines Flusses aus einem großen und schönen Landsee zu wichtig ist, als daß sie nicht Ansiedler, namentlich Fischer herbeigelockt haben sollte. Jedoch wird der Ort nicht von Bedeutung gewesen sein, da zur heidnischen Zeit eine Viertelmeile


1)

Plawe oder Plawis, wie die alte Form des Stadtnamens lautet, heißt auf deutsch: (Schwemme. Im oberlausitzer Dialekte heißt:

plawa: die Schwemme, von
plawicz: schwemmen, von
pluwacz: schwimmen;

im böhmischen Dialekte:

plawnice; die Schwemme, von
plawim: schwemmen, flößen, schiffen, von
plynu: schwimmen, fließen.

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nördlich davon, am See, die fürstliche Gauburg Quitzin 1 ) und eine Viertelstunde südlich, im Walde, die fürstliche Domaine Garz 2 ) mit einer Burg lag, welche beide erst bei der Christianisirung der Gegend untergingen. Auch wird vor der Gründung der Stadt weder der Ort Plau, noch der See nach demselben genannt, und die mittelalterliche Burg bei Plau ward erweislich erst in der zweiten Hälfte des 13. Jahrh. gegründet, obgleich die Lage derselben sehr vortheihaft ist.

In welchem Jahre die Stadt gegründet sei, läßt sich nicht urkundlich bestimmen, da die Stiftungsurkunde schon längst verloren gegangen ist und schon im J. 1553 fehlte, indem der Stadtschreiber Sebastian Gilbehof in der Rathsmatrikel ausdrücklich sagt:

Der allerirsten wendisken hern, de irstlig de stadt gesticht vnnd to bowende vorgundt hebben, de is nich vorhanden; who ouersth dar eyne geweset is, szo is de des andern, dede volget, ludesz geweset, vnnd sinth der suluigen hern veder vnnd eldern geweset, vnd werth sich velichte vp ein iar edder XVI vorlopen twisken der tydt.

Die erste Urkunde der Stadt, die Bestätigung der Privilegien, ist vom J. 1235. Die Angabe, daß die Stadt im J. 1228 gegründet sei, ist daher rein erdichtet. Diese Angabe findet sich zuerst bei v. Behr 3 ) und Klüver 4 ), darnach bei Franck 5 ), worauf v. Kamptz 6 ) ganz bestimmt von den "ältesten landesherrlichen Privilegien von 1228 und 1235" redet, sich dabei aber nur auf die angezogenen Stellen bezieht, in denen aber von einem "Privilegium" von 1228 nirgends die Rede ist. Schon Rudloff 7 ) sagt nur das allein Richtige, nämlich daß die vier fürstlichen Brüder im J. 1235 die Stadt Plau mit erweiterten Freiheiten begnadigt haben, indem er die Gründung der Stadt ganz allgemein und unbestimmt in eine etwas frühere Zeit 8 ) hinaufrückt. Diese ältern, falschen Angaben sind allein aus Chemnitz 9 ) gezogen, welcher ganz unbestimmt berichtet: "Es


1) Vgl. die voraufgehende Abhandlung Nr. 5.
2) Vgl. die voraufgehende Abhandlung Nr. 4.
3)

v. Behr Rer. Meclenb. libr. p. 1764 und 186:

"Condidit illud (oppidum Plawe) Henricus I. Burwinus anno 1218, vel rectius ejusdem nepos Johannes II. Theologus anno 1228, cum communibus auspiciis provinciae praeesset".

4) Klüver Beschr. des Herzogth. Meklenb. II, S. 306.
5) Franck A. u. N. Mekl. IV, S. 115.
6) Vgl. v. Kamptz Civilrecht des Herzogth. Mecklenb. I, 1, S. 206.
7) Vgl. Rudloff Mecklenb. Gesch. II, 1, S. 34.
8) Vgl. das. I, S. 209 und 241.
9) Chemnitz Genealochron. Meclenb. in Westphalen Mon. ined. IV, p. 212.
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haben aber die Brüder - - eben in diesem Jahr, so baldt ihr Vater mit Todt vorfahren, die Stadt Plawe gebawet", und dabei den Tod Borwin's II. bald in das Jahr 1228, bald in das Jahr 1235 setzt.

Es ist nun die Frage, wann die Stadt gegründet sei. Wie oben bewiesen ist, ist die Stiftungsurkunde schon im J. 1553 verloren gewesen. Die Privilegienbestätigung vom J. 1235 1 ), die älteste Urkunde der Stadt, giebt daher allein einen Anhaltspunct. In dieser sagen die vier Söhne Heinrich Borwins II.: Johann, Nicolaus, Heinrich (Borwin) und Pribislav, daß ihre verstorbenen Väter die Stadt Plau erbauet und mit Rechten begnadigt haben:

"patres nostri - - ciuitatem Plawe construxerunt, iura ei et iudicia praestants" etc.

Hieraus geht mit Sicherheit hervor, daß schon Borwin I. und sein Sohn Heinrich Borwin II. die Stadt Plau gegründet haben, aber es ist ganz unbestimmt, wann dies geschehen sei. Daß es nicht im J. 1228 geschehen sein könne, geht daraus hervor, daß Borwin der Sohn am 4. Jun. 1226 und der Vater am 28. Jan. 1227 starb; vor der Mitte des J. 1226 muß also die Stadt gegründet worden sein. Das der Stadt Plau im J. 1235 bestätigte Recht ist wörtlich das parchimsche Stadtrecht. Die Stiftungsurkunde der Stadt Parchim 2 ), von Heinrich Borwin II. ausgestellt und von diesem und dem Vater Borwin I. besiegelt, ist nicht datirt, wird jedoch gewöhnlich in das J. 1218 gesetzt, sicher aber wohl einige Jahre zu früh 3 ); nach dem J. 1218 ist sie unzweifelhaft ausgestellt, da sie von dem Fürsten Heinrich von "Rostock" besiegelt ist, Borwin II. diesen Titel aber erst seit diesem Jahre führte. Plau ist aber jedenfalls nach Parchim gegründet. Die Zeit der Gründung der Stadt Plau läßt sich daher ziemlich genau bestimmen. Der Fürst Borwin I. schenkte nämlich mit seinen Söhnen dem Dom = Capitel zu Havelberg am 23. Dec. 1223 das Dorf Gardin 4 ) und am 29. Dec. 1223 das Dorf Gaarz 5 ), beide in unmittelbarer Nähe der Stadt Plau gelegen und jetzt zur Feldmark derselben gehörend; in beiden Urkunden wird aber der Stadt Plau nicht gedacht, was ohne Zweifel geschehen sein würde, wenn sie damals schon gestanden hätte. Die Stadt wird also in der Zeit


1) Vgl. Urk. Samml. Nr. V. Diese Urkunde ist früher schon zwei Male gedruckt in Westphalen Mon. ined. I, p. 2100 und IV, p. 928, beide Male schlecht.
2) Gedruckt in Cleemann's Parchim. Chron. S. 94 flgd.
3) Vgl. Beyer in Jahrb. XI, S. 46, Not. 1.
4) Vgl. Urk. Samml. Nr. III.
5) Vgl. Urk. Samml. Nr. IV. und Rostock. Wöchentl. Nachr. 1824, S. 165.
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vom Anfange des J. 1224 bis zur Mitte des J. 1226 gegründet worden sein; wahrscheinlich ist sie um das J. 1225 gegründet, nachdem die havelberger Geistlichkeit in der Nähe den Anfang zur Cultivirung gemacht hatte.

Es ging mit der Gründung und dem Aufbau der Stadt gewiß sehr langsam, indem die Gegend noch sehr wild und verlassen war. Die Privilegienbestätigung vom J. 1235 deutet darauf hin, daß erst damals der ernsthafte Anfang zur Ordnung der Stadt gemacht ward; vielleicht war über die erste Gründung gar keine schriftliche Urkunde ausgestellt gewesen.

Daß übrigens im J. 1235 das städtische Leben schon im Gange war, beweiset der Umstand, daß am 3. Aug. 1235 der Pfarrer Hermann von Plau mit dem Pfarrer Engelbert von Kuppentin bei dem schweriner Bischofe Brunward zu Warin 1 ) war, um nicht allein eine Bestimmung des Sprengels der nahen kuppentiner Pfarre zu erwirken, sondern wahrscheinlich auch die Verhältnisse der plauer Pfarre zu ordnen.


Der Bau der Stadt Plau und die Cultivirung der Stadtfeldmark scheint aber erst seit dem J. 1235 mit Eifer betrieben zu sein. In diesem Jahre nämlich, ohne Angabe des Tages, bestätigten die 4 Söhne des Fürsten Heinrich (Borwin II.) von Rostock oder Werle: die Brüder Johann, Nicolaus, Heinrich und Pribislav, Herren von Werle, der Stadt Plau die ihr von ihren Vätern gegebenen Privilegien 2 ). Damals standen die beiden jüngeren Brüder noch unter der vormundschaftlichen Obhut der beiden älteren, es trat aber gerade der Zeitpunkt ein, wo der dritte der Brüder volljährig ward 2 ); daher existirte früher auch noch eine zweite Ausfertigung dieser Confirmation, in welcher die Fürsten die Namen Johann, Nicolaus, Borwin und Pribislav trugen 3 ): der dritte der Brüder erhielt den Namen Borwin mit seiner Volljährigkeit.

Das Land Plau mit der Stadt gehörte zur Herrschaft des jüngsten der 4 Brüder, des Fürsten Pribislav. Diesem war in der Hauptlandestheilung das alte Land Warnow zugewiesen, welches die Gaue Parchim mit Brenz, Ture (Lübz), Kutsin oder Quitzin (Plau), Goldberg und Sternberg oder Richenberg umfaßte. Im J. 1238 trat nun der Fürst Pribislav I. von Parchim, oder später von Richenberg


1) Vgl. Urk. Samml. Nr. VI.
2) Vgl. Urk. Samml. Nr. V.
2) Vgl. Urk. Samml. Nr. V.
3) Vgl. Jahrb. X, S. 19 und 46.
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genannt, selbstständig die Regierung seines Landes an 1 ), und als Herren dieses Landes sehen wir ihn denn nun auch in zwei bisher noch nicht bekannten Urkunden von 1244 und 1255 für die Stadt Plau wirken. Das Fürstenthum Parchim = Richenberg reichte gegen Osten bis an den plauer See einschließlich; das östlich am See liegende Land Malchow gehörte schon zum Fürstenthum Werle.

Mit dieser Geschichte der Gründung der Stadt stimmt nun auch der Baustyl der Kirche 2 ) überein. Der Chor der Kirche stammt wohl aus der ersten Zeit der Gründung der Stadt (1225), da er noch eine im Rundbogen gewölbte Pforte und andere Spuren des Rundbogenstyls besitzt, auch ganz von Feldsteinen aufgeführt ist. Das Schiff ist im schönen, alten Uebergangsstyle aus Ziegeln gebauet und stammt wohl aus den ersten Jahren nach der Privilegienbestätigung vom J. 1235, da es noch den bekannten Rundbogenfries auf Lissenen und mehrere Rundbogennischen hat. Das in einem Ziegel in der Hauptpforte unten rechts eingegrabene Zeichen II Symbol 2 übereinanderstehende  Kreise 7 kann natürlich nicht die Jahreszahl 1187 bedeuten, sondern ist irgend ein Bau = oder Zieglerzeichen; denn vor dem J. 1235 ist das Schiff sicher nicht erbauet und vor der Mitte des 14. Jahrh. brauchte man keine arabische Ziffern.


Das der Stadt Plau durch die Privilegienbestätigung vom J. 1235 gegebene Recht ist wörtlich dasjenige, welches der Stadt Parchim 3 ) verliehen ward und darnach alle Städte des Fürstenthums Parchim = Richenberg erhielten, nämlich Plau 4 ) und Goldberg 5 ), nach den noch erhaltenen Urkunden, endlich Sternberg 6 ), nach der Aussage einer nach dem Brande der Stadt im J. 1309 ertheilten Urkunde, später auch noch Lübz 7 ); es ist dieses Recht unter dem Namen des parchimschen Rechts ("Parchimmes Recht") 6 ) bekannt. Das parchimsche Recht, wie es in den drei bekannten Handschriften der Städte Parchim, Plau und Goldberg übereinstimmend enthalten ist, enthält nun zwar kein ausführliches Rechtsbuch, ist jedoch nicht so ganz arm an verliehenen Rechtsgrundsätzen, wie v. Kamptz 8 ) meint, wenn er


1) Vgl. Jahrb. X, S. 20, und XI, S. 49.
2) Vgl. Jahresber. VIII, S. 120.
3) Vgl. Cleemann Parchim. Chronik. S. 94.
4) Vgl. die Confirmation Urk. Samml. Nr. V.
5) Vgl. v. Kamptz Civil = Recht der Herzogth. Mecklenburg I, 2, S. 129.
6) Vgl. Lisch Maltzan. Urk. I, S. 154.
7) Vgl. v. Kamptz a. a. O. I, 1, S. 289.
6) Vgl. Lisch Maltzan. Urk. I, S. 154.
8) Vgl. v. Kamtz a. a. O. I, 1, S. 285.
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sagt, daß das Privilegium "keines besondern Rechts erwähne". Zwar sind die meisten Verleihungen nicht Rechtsgrundsätze, sondern Freiheiten und Gerechtigkeiten, z. B. daß die Bürger die Stadt frei bewohnen, daß sie keinen Feldzug außerhalb Landes mitmachen, daß sie keinen Marktzoll im Lande geben, daß sie freie Fischerei, ausgenommen mit der Wade, im Gau haben sollen u. s. w.; aber das Privilegium enthält doch manche Rechtsgrundsätze, welche die feste Grundlage zu einer weitern Rechtsausbildung sein und werden konnten, z. B. feste Bestimmungen über das gleiche Erbrecht der Söhne und Töchter, über Verjährung nach Jahr und Tag, über das ganze Gerichtswesen u. s. w. Namentlich ist das Privilegium in Beziehung des Gerichtswesens von großem Werth und Interesse. Zu den ausgezeichneten Bestimmungen gehören die Satzungen über den Gerichtsstand: die Bewohner des Landes Plau (Parchim oder Goldberg) sollten nicht vor das Markding (consilium marcething) oder Lehnrecht oder, wie es im plauer Codex heißt, Landrecht (jus feudale in allen Handschriften), sondern allein vor das Mannrecht (tantum ad jus quod manrecht vulgo sonat) gefordert werden. Diese drei Ausdrücke sind sehr dunkel; die in ältern Zeiten darüber geführten Untersuchungen 1 ) sind um so müssiger, als sie sich auf schlechte Urkundenabschriften stützen. Die Glossen zu der Uebersetzung des plauer Stadtrechts in der Raths = Matrikel vom J. 1553 geben aber Erklärungen, welche in Beihalt anderer Verhandlungen sehr wichtig und richtig zu sein scheinen. Die Glosse von 1553 nämlich

übersetzt marcthing durch Hofgericht,
- lantrecht durch Landding,
- manrecht durch Bürgerrecht.

Es waren demnach die Bürger von allen Klagen und Appellationen an das Landding und Hofgericht befreiet und dagegen in allen Stadt = und Bürgersachen an die Urtheilsfindung der Bürgerschaft auf dem vierteljährlichen ungebotenen Ding (Etting oder Quartal) gewiesen. Hiedurch gewann die Bürgerschaft große Freiheit, indem sie vor allen Belästigungen der fürstlichen Vögte geschützt war. Nun ergiebt sich aus vielen Verhandlungen des 17. Jahrh. unbestreitbar, daß in Plau damals in höchster Instanz noch das Bürgerrecht 2 ) oder das Quartalgericht bestand, vor welches alle städtischen Sachen gebracht wurden, welche vor dem Rathe der Stadt nicht entschieden werden konnten.


1) Vgl. Beyer in Jahrb. XI. S. 47.
2) Vgl. Beyer in Jahrb. XIV, S. 147 und 181 - 184.
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Es giebt mehrere interessante Zeugenverhöre über das Bürgerrecht zu Plau, namentlich das im Folgenden im Auszuge mitgetheilte vom 13. Juni 1617 im plauer Stadt = Archive.

Es sei alle Jahr: des Dienstages nach Michaelis, Trium Regum, Ostern und Johannis (oder: alle Jahr vier Mal des Dienstags nach den Vierzeiten = Festen) zu Plau Bürgerrecht auf dem Rathhause gehalten worden, und niemals solches Recht ein Niederrecht genannt worden, sondern wäre jedem Bürger kund, daß es das Bürgerrecht heiße.

Wenn solches Bürgerrecht gehalten, sei allewege eine Glocke auf dem Thurme um 4 Uhr des Winters, im Sommer aber wann der Tag angebrochen, zu dem Behuf gezogen, damit sich des Tages niemand ausheimisch mache, (oder: damit die, so im Felde, sich bei Zeiten wieder an die Stadt verfügeten) und müßten dann um 8 Uhr, wenn das Glöcklein vor dem Rathhause gezogen, die Bürger sämmtlich bei der Stadt Pfande (oder: bei Strafe der wirklichen Pfandung) zusammen kommen.

Das Gericht, so vom Stadtvogt und dessen Beisitzern täglich gehalten, werde das Niedergericht genannt, weil man von den Sachen, so alda nicht konnten vertragen werden oder wenn man mit dem von solchem Gerichte gefällten Spruche nicht friedlich wäre, an das öffentliche Bürgerrecht appellire.

Wenn man mit dem Urtheil, so von den Bürgern im Bürgerrecht gesprochen nicht content wäre, so könne man an den ganzen sitzenden Rath appelliren.

Wenn die Bürger aus dem Felde etwas zu klagen hätten. (oder: Feldklagen, z. B. wenn einer dem andern etwas abgehaket oder sonst zu nahe gethan, - oder: wenn Gewalt an Acker, Garten, Wiesen und dergl. zugefügt wäre), solches werde allezeit vor dem regierenden Bürgermeister geklagt.

Das Quartalgericht sei ein frei Bürgerrecht und werden in demselben keine Gerichtskosten erlegt.

Wenn nach dem Glockenziehen die ganze Bürgerschaft aufs Rathhaus kommt, hegt der Stadtvogt in Gegenwart der ganzen Bürgerschaft zum Anfange das Gericht in der Herzoge von Meklenburg und des ganzen Rathes Namen und fragt in solchem Hegen einen aus der Bürgerschaft ob es so viel Tages, daß er das Recht hegen möge, worauf der Bürger mit Ja zu antworten pflegt, und ferner: was in dem Gerichte solle verboten sein, und der Bürger antwortet: Alles Schmähen, Höhnen, Schelten, und daß einer dem andern nicht solle ins Wort fallen.

Dann fängt der Burgemeister sofort an, indem er die Stadtgüter an Aeckern, Gärten, Wiesen, Holzungen, Wassern, deren Ab= und Zuflüssen, Haide und Weide, Rusch und Busch,

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in allen ihren Grenzen und Scheiden alter Gewohnheit nach beispricht mit folgenden Worten: Ich spreche hiemit im Namen eines ganzen ehrbaren Rathes die Stadtgüter bei an Aeckern, Gärten, Wiesen, Holzungen, Wassern, deren Ab = und Zuflüssen, Haide und Weide, Rusch und Busch, in allen ihren Grenzen und Scheiden.

Dann pflegen alle diejenigen, welche über eine Rathsperson oder über den Stadtvogt oder über einen Bürger zu klagen haben, solches anzubringen, und die ganze Bürgerschaft spricht über solche Klagen das Urtheil.

Wenn einer den andern im Bürgerrecht zu schmähen sich untersteht, so kann ihn der Burgemeister oder ein Rathsherr ermahnen, daß er sich des Schmähens enthalte.

Eben so muß der Burgemeister fragen, wenn er die Stadtgüter beispricht. Darauf fragt der Burgemeister denselben Bürger ferner, ob er die Stadtgüter habe beigesprochen, wie sich das gebühre. Und wenn es der Bürger bejahet, so spricht der Burgemeister: Das gebiete ich euch Bürgern alle mit einander zu gedenken, und ferner: Mein gethanes Beisprechen sollt ihr also verstehen, daß alle Feldklagen vor den Burgemeister sollen und müssen gebracht werden und nicht vor den Richter.

Wenn dann im Bürgerrecht der Kläger seine Klage angebracht und der Beklagte darauf geantwortet, treten die Bürger zusammen und vergleichen sich eines Urtheils. (Im Bürgerrecht spricht der Stadtvogt kein Urtheil).

Wenn die Bürger nicht alsbald zusammentreten, spricht der Burgemeister oder eine Rathsperson zu den Bürgern: Gehet hinunter und tretet in die Quartel und bringet hierauf ein rechtmäßiges Urtheil ein, daß Ihr davon keinen Schimpf haben möget und es zu verantworten wisset.

Das Urtheil wird von zwei Bürgern nach altem Gebrauch eingebracht. Das Urtheil in den Sachen, welche vor dem Untergerichte gewesen, nahm der Stadtvogt, - in den Sachen, welche nicht vor dem Untergericht gewesen (als an Aeckern, Wiesen, Gärten) nahm der Burgemeister im Namen des Rathes an sich, um darin die Execution zu verrichten.

Was im Quartal von Klägern und Beklagten proponirt, werde protocollirt, und jede Parthei gebe für solch Protocoll 1 ßl., und habe der Schreiber sonsten deswegen keine andere Besoldung.

Hiemit hängt noch eine andere Bestimmung des parchimschen Rechts zusammen, nämlich die des Rechts der Innung (inninge) und des Friedeschillings (vredeschilling) ("damus prouentum, qui vulgo sonat inninge et vredeschilling, ad emendationem et structuram ciuitatis"), das ist das

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Recht der Selbstregierung. Der Rath der Stadt hatte das Innungsrecht, d. h. das Recht, Zunftinnungen und andere Gemeindeeinrichtungen zu stiften, sie zu regieren und von ihnen Einkünfte zu beziehen; zunächst ist hier freilich nur von der Aufkunft der Innnug für die Stadtcasse die Rede, also von Bestätigungs = und Schutzgeldern. Unter dem Friedeschilling wird ohne Zweifel die Abgabe der Innungen für Vergehungen (die sogenannten Brüche) an den Rath oder die Stadtcasse verstanden. Es war also von landesherrlichen Zunftbestätigungen, Freimeistern u. dgl. nicht die Rede. Mit dem Rechte der Innung war denn wieder der Zunftzwang und die Ausschließung fremder Gewerbethätigkeit verbunden. Daher sagt denn auch die Rathsglosse vom J. 1553: Inde manarunt omnia conventicula (meinskop) et ordinationes, quae ad civitatem pertinent: Hieraus flossen alle Gemeinschaften (conventicula, meinskop) und Ordnungen, welche die Stadt betreffen; die Fürsten ordneten zuerst den Rath, der Rath die übrigen Ordnungen, und zwar theils allgemeine, wie die Quartalgerichte (quartales), die Stadtwachen, Marktordnungen, Eheverträge, Gerichtsboten u. s. w., theils besondere, wie die Zünfte der Schuster, Schneider, Schmiede, Bäcker, Fischer, Fleischer; zuletzt, fügt sie in dem Geiste der Reformationszeit hinzu, hat der Teufel seine Priester mit Vigilien und Seelenmessen angeordnet. - Daher sind auch die Zunftordnungen der Fleischer 1 ) vom 8. Sept. 1306 und der Fischer 2 ) vom 6. Mai 1307 vom Rathe der Stadt ausgegangen.

Diese Einrichtung wird noch durch sehr späte Vorgänge bewiesen. Im J. 1615 bekannten alle Zünfte zu Plau einzeln in einem Rechtsstreite zwischen dem Stadtrathe und dem fürstlichen Stadtvogte über die Gerichtsbarkeit, daß die Zünfte

1) jährlich zu Laetare zusammenkommen und in der Morgensprache festsetzen mußten, wie sie sich das ganze Jahr zu halten hätten (dies ist ein wesentliches Recht der Innung);

2) dem Rathe jährlich auf Laetare Schutzgeld geben mußten (dies ist wohl der Friedeschilling);

3) einen Rathsverwandten zum Beisitzer hätten;

4) die widerspenstigen Amtsmitglieder selbst straften, und wenn sie sich nicht strafen lassen wollten, dieselben vor den Rath zur Verurtheilung brächten;

5) von den Jüngsten einen Beitrag (12 ßl.) an den Rath zu entrichten hätten.

Der Instanzenzug, wenn man so sagen darf, ist in der


1) Vgl. Rostocker Wöchentl. Nachr., 1824, S. 194.
2) Vgl. Urk. Samml. Nr. XXVI.
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Mitte des 17. Jahrh. von dem Rathe in einer Replik gegen die Herzoge (im plauer Stadt = Archive) also angegeben:

"Pro tertio das auch die Aembterklagen, wan unter Schustern, Schneidern, Wollenwebern, Bäckern und andern Aembtern in ihren Aembtern und Zusammenkünften streitigkeiten vorfallen, vor dem Rathe und nicht vor dem Stadtvoigte gehören, undt wan alda dieselbe nicht können entschieden, vor das Quartal alß Bürgerrecht undt nicht vor das Niedergerichte verwiesen werden, undt daß es vor undencklichen Jahren also zu Plawe gehalten."

Der Instanzenzug in bürgerlichen Angelegenheiten lag also in: Innung, Rath, Bürgerrecht.

In den das Allgemeine der Stadt betreffenden Verwaltungsangelegenheiten bildete ebenfalls die gesammte Bürgerschaft die oberste Instanz. Im J. 1667 hatte es sich die Bürgerschaft herausgenommen, die Stadtanlagen allein nach ihrem Gefallen zu bestimmen. Der Rath ließ aber "nach altem Gebrauch die ganze Bürgerschaft zu Rathhause convociren und sie die Sache, worin sie denn sämmtlich consentiret, wissen, folgends aber ergriff der Rath mit Zuziehung der Viertelsmänner und eines Ausschusses der Bürgerschaft, alles mit Bewilligung der Andern, einen modum contribuendi".

Hiezu kamen denn noch andere Gerechtigkeiten. Die Fürsten hatten der Stadt den Scheffel ("modium, qui dicitur sesling") verliehen, woraus die Glosse das Recht über Gewicht und Wage, Maaße, Pfund und Elle herleitet; hieraus stammt denn auch wohl noch das eigene Maaß des parchimschen Scheffels, der größer ist, als der sonst im Lande gebräuchliche rostocker Scheffel; er wird hier mit einem eigenen Namen Sechsling (sesling) genannt; der Sechsling (= sextarius) war auch ein altes Kornmaaß, das freilich an verschiedenen Orten verschieden war. Im J. 1704 wird ausdrücklich gesagt, daß im plauer Amte, zu Ganzlin, der parchimsche Scheffel gelte.

Ferner hatten die Bürger das Recht, kein höheres Bruchgeld als 12 ßl. zu zahlen, es sei denn für Todtschlag oder Verwundung durch Waffen; hieraus leitete die Glosse die Freiheit von Gerichtskosten her. Ferner hatte die Stadt das Recht, fremde Schuldner durch Einfangung und Einkerkerung in der Stadt zur Leistung ihrer Schuldigkeit anzuhalten ("mit der zingel [Stadtthor] töwen"), und andere Gerechtigkeiten mehr.

Dieser Versuch, etwas Licht in die alten, trocken und oft wunderlich erscheinenden Stadtrechte zu bringen, mag Kundigere veranlassen, sich der Erforschung derselben ganz hinzugeben.


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Ueber die Besetzung der Obrigkeit enthält die Rathsmatrikel folgendes Statut:

Anno 1610 ist auff allgemeinen Rechtstage verabscheidet, auch von der gantzen burgerschaft erkant worden, wann ein Bürger zu einer Rahts Persohnen erkoren vnd solchen standt nicht annehmen wurde, das er alßedann dem Rahthause 50 Thall. entrichten vnd nach erleggung deroselben verschonet bleiben soll.

Wurde sich aber gleichfals eine burgerliche Persohne vorwiedern, dem Gots = undt Armenhause oder der Kirchen alhie vor einen Juraten gebrauchen zu laßen, soll derselbige, so offter es geschicht, dem Rahte 25 Thll. zur straffe geben vnd alsedann nach deroselbigen erlegung mit dem Juraten Ambte verschonet sein.

Inmaßen es dann mit denen, so zu Quartier = Meister erwehlet, also vnd nicht anders soll gehalten werden, das er auff der Vorwiederung dem Erb. Rahte 15 fl. entrichten soll.


Da auch einer bürgerlichen persohnen vom Rathe eine Vormundtschafft auffgetragen vnd dieselbe nicht annhemen oder vorweyern wurde, soll dieselbe Persohne dem Erbaren Rathe 10 fl. endtrichten vnd alsdan verschonet pleiben.


Aus der plauer Raths = Matrikel. Der letzte Absatz ist von anderer Hand geschrieben.


Ueber die Einkünfte des Raths enthalten die Acten des großherzogl. Archivs folgende Nachrichten.

Im J. 1667 klagten Burgemeister und Rathmänner von Plau, daß sie, bei der großen Mühe und Arbeit, bei welcher "sie fast täglich zu Rathhause gehen und das Ihrige versäumen müßten, der worthabende Burgemeister nicht mehr als 5 fl. 9 ßl., der andere Burgemeister 2 fl. 9 ßl. und ein Rathsherr 1 fl. jährlich vom Rathhause zu heben hätten". Dagegen gab die Bürgerschaft

"Nachricht, was Burgermeister und Rath einhebet."

1) Den Schoß.
2) Wen ein junger Man das Bürgerrecht gewinnet, die Gebühr.
3) Wen erbschichtung fürgehen 5
4) Wen ein Bürger außerhalb der Stadt eine Fraw freyet 2  .

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5) Der Rath das dritte theil der straffe einhebet.
6) Die Erntestraffe hat der Rath a parte.
7) Wen ein frömbder erbschichtung hohlet, nimbt der Rath den Zehen davon.
8) Wen Mast in der holtzung, hat ein jeder Rathsverwanter gewiße Schweine frey.
9) Wen weiche holtzung ausgekaffelt wird, nimbt der Rath die besten Kaveln.
10) Hat der Rath den ahlfangk.
11) Hat der Rath ihre absonderlichen Wischen und leinlender vor der Stadt.
12) Hat der Rath die pechte von den Stadtbauren zu heben.
13) Genießen die Buden beim Rathhause und noch eine Bude vorm Eldenthor.
14) Wen Jahrmarckt werden, hat der Rath das seine.
15) Haben das ihrige von der Weinschenck.
16) Haben von der Cemmerey acker die abnützung ein,
17) wie auch die hueffenpacht.

Außerdem hatten Burgemeister und Rathmänner, wie alle andern Hausbesitzer, Ackerkaveln, Weide, Holz etc. ., was in einer Zeit, wo die von den Häusern und den dazu gehörenden Ländereien getriebene "bürgerliche Nahrung" der wichtigste Erwerbszweig war, nicht geringe anzuschlagen ist.


3. Die Patricier= und Rittergeschlechter.

Die Stadt Plau wird eben so gut, wie alle andern Städte, im Mittelalter ihre Patriciergeschlechter oder Rathsgeschlechter gehabt haben, d. h. die allein rathsfähigen Geschlechter der Stadt oder der übrigen Städte gleichen Stadtrechts. Wir finden schon in der zweiten Hälfte des 13. Jahrh. im Rathe Geschlechter, welche alte Namen tragen, theils Eigenschaftsnamen, welche auch unter den Patricierfamilien anderer und großer Städte oft vorkommen, wie Johann Witte (Albus), Johann vom Berge (de Monte), Johann Rîke (Dives), Heinrich von der Mölen (de Molendino), Bernhard Brûn, theils von großen, bekannten Städten und den Städten desselben und andern Stadtrechts, wie Eckhard von Braunschweig (Brunswich), Gottfried von Goldberg, Albert von Malchow, Johann von Marlow, theils von nahe gelegenen Dörfern, wie Hermann Burow, Heinrich Karow, Dietrich Brüsewitz u. s. w.


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Das Patriciergeschlecht der Swartepapen.

Die Stadt Plau giebt aber außerdem ein unter den kleinern Landstädten merkwürdiges und im Mittelalter seltenes Beispiel einer großen, reichen und bedeutenden Patricier = Familie, welche zum Besitze vieler Landgüter und ungewöhnlicher Ehrenstellen gelangte und mit der Geschichte der Stadt innig verflochten ist: wir meinen die Familie Swartepape 1 ). Die Familie Swartepape stammte ohne Zweifel von der Familie Pape und trug zur Unterscheidung von irgend einer Eigenschaft den Beinamen Swart (= schwarz), wie es auch z. B. Rodepapen, Langpapen etc. . in andern Städten giebt. Der Name Pape (Pfaffe), welcher im Mittelalter ein Ehrentitel für einen Priester, namentlich für einen Domherrn war (daher noch: Dompfaffe), war sehr verbreitet 2 ), namentlich in den Rathsgeschlechtern der norddeutschen Städte. In der Nähe von Malchow, also auch nahe bei Plau, war auf den Gütern Kisserow und Wicsol ein rittermäßiges Geschlecht Pape angesessen, welches sich von dem Ritter Dietrich Pape (1292 - 1303) bis gegen das J. 1400 bestimmt verfolgen läßt. Wahrscheinlich war diese Familie mit den plauer Swartepapen stammverwandt, da beide gleiches Wappen führten, indem sie auf dem Helme

Wappen

ein Pelicansnest hatten; im Schilde führten die Swartepapen einen linken Schrägebalken mit drei Sternen, von den Papen ist bis jetzt noch kein Schild bekannt. Auch in Plau wohnte zu jener Zeit eine Bürgerfamilie Pape: am 8. September 1306 war Heinrich Pape Aeltermann der Schlachterzunft in Plau. Die plauer Familie Swartepape war aber sicher kein rittermäßiges Geschlecht, sondern eine Patricierfamilie; sie war eine ächte plauer Familie und seit alter Zeit in der Stadt wohnhaft und im Besitze von Landgütern in der Nähe derselben. Der älteste bekannt gewordene Swartepape ist der plauer Bürger Heinrich Swartepape (oder lateinisch: Niger Clericus). Am 28. September 1284 verpfändeten ihm 3 ) (Hinrico Nigro Clerico, burgensi in Plawe) die Fürsten von Werle für 200 Mark lüb. mehrere Hebungen aus der Mühle zu Plau;


1) Die Geschichte dieser Familie Swartepape ist urkundlich und ausführlich dargestellt in Lisch Berichtigung einer von dem Herrn Staatsminister v. Kamptz zu Berlin in dessen Prüfung der landständischen Rechte der bürgerlichen Gutsbesitzer in Meklenburg gemachten Aeußerung, Schwerin, 1844, ja es handelt diese Schrift vorherrschend nur von dieser Familie.
2) Vgl. Lisch Berichtigung S. 20.
3) Vgl. Jahrb. XI, S. 482.
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am 1. Mai 1295 war er nach einer zu Kopenhagen aufbewahrten Original = Urkunde bei dem Fürsten Nicolaus von Werle Zeuge 1 ) hinter den Rittern (!) und unter den plauer Bürgern ("burgenses de Plawe: Heynricus Niger Clericus, Johannes Marlowe"), als der Fürst zu Plau dem Kloster Rühn das Kirchen = Patronat von Frauenmark und Severin verlieh. Die letztere Urkunde ist für den Stand der Familie entscheidend, da Heinrich Swartepape ohne Zweifel unter den Rittern oder als Knappe aufgeführt wäre, wenn er einen rittermäßigen Stand geführt und nur seinen Wohnsitz in Plau gehabt hätte. Zu gleicher Zeit finden wir die Familie auch schon im Landbesitze in der Nähe der Stadt Plau. Das Dorf Slapsow, welches im Norden der Stadt vor dem Thore derselben lag, gehörte der rittermäßigen Familie von Schnakenburg, welche dasselbe im J. 1259 an die Stadt Plau zur Stadtfeldmark verkaufte 2 ); aber auch die Familie Swartepape hatte in demselben Dorfe einen kleinen Landbesitz von 6 "Reihen" ("rîgen, rêgen", ein in Plau häufig vorkommendes Ackermaaß), welchen im J. 1298 "Eberwin und Heinrich die Swartepapen", vielleicht Brüder, auch an die Stadt Plau verkauften 3 ). Diesen folgte ein namhafter Mann Barthold Swartepape, welcher 1313 - 1338 häufig genannt wird und die bedeutendste Persönlichkeit in der Geschichte der Stadt Plau ist. Auch Barthold Swartepape war nur Bürger von Plau und wird in zwei Urkunden 4 ) ausdrücklich so genannt: am 23. Aug. 1322 "Bertoldus dictus Swartepape oppidanus in Plawe" und am 15. Febr. 1327 "Bertoldus Swartepape civis in Plawe". So oft ihn auch die Urkunden nennen, so wird er doch nirgends Ritter oder Knappe genannt 4 ). Er hatte im J. 1313 Brüder, welche zugleich mit ihm mit dem Dorfe Samot belehnt wurden 4 ); einer derselben war wahrscheinlich der plauer Rathmann Nicolaus 5 ), Niger Clericus, welcher im J. 1299 im Rathe saß. Die Familie war also sicher eine Raths = oder Patricierfamilie. Barthold Swartepape war ein reicher und angesehener Mann und erwarb, zum Theil mit seinen Brüdern, nach und nach viele Land = und Lehngüter 4 ) in der Nähe von Plau, jedoch mit Befreiung von Lehnsdiensten, wie 1313 Samot (bei Carow), 1337 Hof Malchow und Drosenow, mit der Mühle, 1338 Clippatendorf (oder Clippat 6 ), in neuern


1) Vgl. Jahrb. XI, S. 482.
2) Vgl. Urk. Samml. Nr. IX.
3) Vgl. Urk. Samml. Nr. XXIII.
4) Vgl. Lisch Berichtigung.
4) Vgl. Lisch Berichtigung.
4) Vgl. Lisch Berichtigung.
5) Vgl. Urk. Samml. Nr. XXV.
4) Vgl. Lisch Berichtigung.
6) Vgl. Jahrb. XIII, S. 410.
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Zeiten Klipperhof), halb Garz, 1320 vier Hufen und die Mühle zu Kuppentin, 1332 drei Hufen in Schlemmin, 1330 und später mehrere Seepächte von dem plauer See. Daß Barthold Swartepape bei allen Gütererwerbungen von allen Vasallendiensten befreiet ward, ist ein sicheres Zeugniß, daß er nicht von rittermäßiger Herkunft war; eine gleiche Erscheinung zeigt sich bei Patriciern der Seestädte. Vorzüglich bemerkenswerth ist Barthold's Swartepapen Besitz in Garz 1 ). Dieses Dorf, wahrscheinlich eine alte fürstliche Domaine, dessen Feldmark jetzt zur Stadtfeldmark von Plau gehört, war am 29. Dec. 1223 von dem Fürsten Borwin I. dem Dom = Capitel zu Havelberg geschenkt, welches dasselbe im Laufe der Zeit zu Lehn ausgab. Im 14. Jahrh. besaßen dieses Gut von dem havelberger Dome zu Lehn die adelige Familie von Restorf und die Patricierfamilie Swartepape, jede zur Hälfte. Im J. 1376 verkauften die Familie Swartepape und im J. 1381 die Familie von Restorf ihre Hälfte des Gutes an die Stadt Plau, welche am 11. Nov. 1388 von dem havelberger Dom = Capitel mit dem ganzen Gute belehnt ward und noch im Besitze desselben ist. Die geschäftige Sage, welche noch heute den "Barthold Swartepape" kennt, hat ihn zu einem "alten Raubritter" gemacht und ihm seinen Wohnsitz auf dem auf der Feldmark noch stehenden Ringwalle 1 ) angewiesen, obgleich dies alles nicht wahr ist, um so weniger, da der Wall keine mittelalterliche Burgstelle ist und das Gut gar nicht im alleinigen Besitze des Swartepape war, er auch wohl andere Landgüter hatte, auf denen er wohnen konnte. Er wohnte übrigens in plau und war urkundlich sicher 1332 - 1335 fürstlicher Vogt zu Plau 2 ) (Bartholdus Swartepape advocatus in Plawe) und hatte als solcher seinen Sitz auf der fürstlichen Burg zu Plau. Er war dabei mit Agnete Man von Schlemmin aus einer rittermäßigen Familie verheirathet. Dieser Fall eines hoch angesehenen und bedeutenden Patriciats in einer kleinen Landstadt ist der auffallendste und merkwürdigste in der ganzen Geschichte von Meklenbnrg.

Nur einer von Barthold's Söhnen, ebenfalls Barthold (1354 - 1377), ward Knappe ("Bertoldus Swartepape famulus" 1372, Bertold Zwartepape knape 1376), ein freilich seltener, jedoch nicht unerhörter Fall in Patriciergeschlechtern. In Rostock kommt dieser Fall noch um das Jahr 1500 vor.

Der Stammbaum dieser Familie, welche wohl um das J.1400 ausstarb, gestaltet sich urkundlich und sicher folgendermaßen:


1) Vgl. oben S. 19 flgd. und weiter unten.
1) Vgl. oben S. 19 flgd. und weiter unten.
2) Vgl. Lisch Berichtigung.
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Stammbaum der Familie Swartepape.


Stammbaum der Familie Swartepape: Heinrich, Bürger zu Plau. 1284-1298.; Eberwin, 1298. - Barthold I., Bürger zu Plau. Vogt zu Plau 1332-1335, 1313-1338. Gem. Agnete Man, (deren zweiter Mann Zwertze).; Nicolaus, Rathmann zu Plau. 1299.; Barthold's Brüder, 1313. - Dietrich, Priester. 1354 - 1375.; Henning, 1354-1372.; Barthold II., Knappe 1354 - 1377. - Claus, 1386 - 1396; Gerhard, 1386 - 1388.; Werner, 1386 - 1396.; Barthold III., 1386 - 1396.; Schwester, Gem. Iwan Samekow auf Daschow, 1388.

Es gab späterhin noch manche Traditionen über diese Familie. So z. B. werden in den plauer Stadt = Registern von 1448/9 noch "Swartepapen hoven" 1 ) auf der Feldmark Retzow bei Lübz aufgeführt.


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Die Ritterfamilie von Plau.

Bei weitem die meisten rittermäßigen Geschlechter führten ihre Namen von ihrem ersten Lehn, welches gewöhnlich ein Landgut war; manche trugen aber auch Namen von Städten und fürstlichen Burgen. Diejenigen, welche von einer Stadt den Namen trugen, mögen entweder wohl den Ort zuerst zu Lehn besessen haben, ehe derselbe zur Stadt erhoben ward, oder späterhin bei Anlegung einer fürstlichen Burg in der Stadt sich besonders betheiligt haben. So finden wir in der Nähe von Plau eine rittermäßige Familie von Quitzin, welche ihren Namen von dem fürstlichen Burgwalle Cutzin oder Quitzin trug, den sie im Anfange der Germanisirung zu Lehn erhielt.

So gab es auch eine rittermäßige Familie von Plau, welche früher ganz unbekannt gewesen ist und sich nur schwer verfolgen läßt. Sie erscheint in den Urkunden erst nach der Gründung des Schlosses zu Plau (1287). und es ist möglich, daß der Stammvater der Familie erster fürstlicher Vogt und Leiter des Baues der Burg war.

In den Jahren 1303 und 1304 war ein Ritter Johann von Plau fürstlicher Vogt (dominus Johannes de Plawe


1) Vgl. Jahrb. XIII, S. 408.
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miles und dominus Johannes de Plawe, advocatus, miles, Jahrb. II, S. 247 und 249), welcher mit dem Ritter Henning von Plau 1304 (Henningus de Plawe miles, Jahrb. IX, S. 263) ohne Zweifel dieselbe Person ist. Dieser erscheint immer im Lande Stargard als Zeuge bei dem Fürsten Heinrich dem Löwen, und es steht daher sehr zur Frage, ob er nicht zu dem alten stargardischen Adel gehört und aus der Mark stammt. Er ist also nicht sicher Stammvater der Familie zu nennen, welche in dem Fürstenthume Parchim = Richenberg wohnte.

Sicher zu der parchim = richenbergischen Familie gehört der Knappe Hermann von Plau (Hermannus de Plawe oder de Plawis famulus), welcher am 12. Jan. 1301 in einer parchimschen Kirchenurkunde 1 ) und am 22. Febr. 1305, 27. Sept. 1310 und 10 März 1311 in ungedruckten Urkunden des Klosters Neuen = Camp als Zeuge bei dem Fürsten Nicolaus von Weril auftritt. Dieser hatte zwei Söhne, Heinrich und Reimar, und eine Tochter Margarethe; am 22. Sept. 1328 verkaufte das Nonnenkloster Dobbertin an das Kloster Neuen = Camp 22 Scheffel Korn jährlicher Hebung aus der dem Kloster Neuen = Camp gehörenden Mühle in der Stadt Goldberg, welche Hebung der Knappe Hermann von Plau (de Plawis) seiner Tochter Margarethe bei ihrer Aufnahme in das Kloster Dobbertin auf Lebenszeit und nach ihrem Tode zum Anfall an das Kloster mitgegeben hatte; dieser Verkauf geschah bei Lebezeiten der Nonne Margarethe unter Zustimmung ihrer Brüder Heinrich und Reimar von Plau (de Plawis), welche ohne weitere Standesbezeichnung aufgeführt sind und daher ohne Zweifel Knappen waren.

Nach diesen kommen wiederum zwei Glieder dieser Familie vor: Heinrich und Reimbern von Plau. Heinrich war nach zwei ungedruckten Urkunden aus den Jahren 1375 und 1377 Pfarrer an der St. Georgen = Kirche zu Parchim (parrer to Parcham to sunte Jurgen) und am 9. Sept. 1375, bei der Einlösung von Plau von dem Herzoge Albrecht von Meklenburg, Canzler der Fürsten Lorenz und Johann V. von Werle = Güstrow (Hinricus de Plawe, noster cancellarius; vgl. Franck A. u. N. M. VI, S. 303, und Besser's Gesch. von Güstrow, S. 208). Am 20. Sept. 1377 stellt dieser den Claus, Heinrich, Curt und Otto Brusehaver den Wiederkauf des Gutes Melchow frei, zugleich mit seinen Mitgelobern Johann von Grabow, Ritter, Henneke Weltzin, Claus von Below und Reimbern von Plau (van Plawe), Knappen (knechten).


1) Vgl. Lisch Urk. des Geschl. Hahn II, B, S. 7.
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Bei dieser Gelegenheit lernen wir auch das Wappen der von Plau kennen. Der Knappe Reimbern von Plau führt am 20. Sept. 1377 ein rundes Siegel mit einem Schilde, auf welchem ein rechts aufgerichteter Löwe steht, mit der Umschrift: Umschrift

Zuletzt erscheint noch am 10. Mai 1435 bei der Stiftung einer v. Flotowschen Vicarei in der Kirche zu Grüssow Johann von Plau, Pfarrer zu Alt = Schwerin, als Zeuge.

Der Stammbaum der rittermäßigen Familie von Plau ist also folgender:

Stammbaum der Familie von Plau: ? Henning, Ritter. 1303 - 1304. - Hermann, Knappe. 1301 - 1328. - Heinrich, (Knappe) 1328.; Reimar, (Knappe) 1328.; Margarethe, Nonne zu Dobbertin. 1328. - Heinrich, Pfarrer an St. Georg zu Parchim. 1375 - 1377.; Reimbern, Knappe. 1377. - Johann, Pfarrer zu Alt = Schwerin. 1435.

4. Die Stadtfeldmark und die Stadtgüter.

1.

Die alte Stadtfeldmark Plau.

Bei der Gründung der Stadt wurden derselben 60 Hufen verliehen und durch die Confirmation vom J. 1235 bestätigt:

Super hec omnia iura concedimus civitati in Plawe LX mansos et modium, qui dicitur sesling (scepele?), ad usum et profectum civitatis.

Es ist nicht wahrscheinlich, daß die Stadt gleich 60 Hufen geschenkt erhielt; vielmehr ist diese Bestimmung wohl nur so zu verstehen, daß die Stadtgemeinde die Freiheit haben solle, zu dem Stadtgebiete noch Acker bis zu 60 Hufen zu erwerben, diese zur Stadtfeldmark und nach alter Weise zu den Bürgerhäusern und

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zu Bürgerrecht zu legen. Dadurch erhielt die Stadt allerdings eine große Begünstigung, indem sie Freiheit hatte, angrenzende Bauerdörfer bis zu dieser Hufenzahl zu kaufen, dieselben aufzuheben und den Acker als Theil der Stadtfeldmark ohne die Lasten der Lehngüter und Bauerdörfer zu Stadtrecht zu besitzen. Daher sagt auch die Glosse in der Rathsmatrikel von 1553:

Hir uth de frig acker, erfflig tho verkopende, irstlig thor stadt guder genamen, intokopende alze de umliggenden dorper und wosten velde.

Die älteste Stadtfeldmark scheint auch im Anfange nicht 60 Bauerhufen groß gewesen zu sein, wenn man bei einem Blicke auf die jetzige Stadtfeldmark bedenkt, wie viele Dörfer im Laufe der Zeit zur Stadtfeldmark zugekauft sind. Die älteste Stadtfeldmark lag zum größten Theile südlich von der Stadt und der Elde, obgleich die Stadt am nördlichen Ufer der Elde liegt. Sie reichte hier von der Elde gegen Süden hin am Ufer des plauer Sees hinab, zwischen dem plauer See und der Chausse von Plau nach Berlin, bis gegen die Grenzen der untergegangenen Dörfer Wozeken und Gaarz, nach Legung derselben bis gegen das Dorf Drosenow hin, welches im 14. Jahrh. die Swartepapen besaßen und von welchem nur noch die Drösenower Mühle übrig ist, und gegen Westen hin bis zu den Grenzen der der plauer Pfarre gehörenden Feldmark Klebe, bis zum Hospitale S. Jürgen, welches hier an der Grenze der alten Stadtfeldmark lag. Südlich von der ursprünglichen Stadtfeldmark erwarb die Stadt im J. 1323 das Dorf Wozeken (vgl. unten), welches zwischen der plauer Stadtfeldmark und Drosenow lag. Nördlich von der Elde hatte die Stadt nur sehr wenig Acker, da hier die fürstliche Burg und zwei Dorffeldmarken (Slapsow und Quetzin) nicht weit von den Thoren der Stadt lagen.

Dennoch blieb die Stadt nicht bei der Beschränkung der Feldmark auf 60 Hufen, sondern erwarb noch viel mehr Grundeigenthum durch Ankauf und Legung von Dörfern dazu, wozu sie jedoch jedes Mal eine besondre fürstliche Erlaubniß haben mußte, wie aus den folgenden Darstellungen hervorgehen wird; auch mußte sie bei solchen Erwerbungen gewöhnlich besondere Grundlasten ablösen, wenn sie den Acker zur Stadtfeldmark legen wollte.

Ueber die an der Südgrenze der jetzigen Stadtfeldmark liegende Appelburg vgl. man den folgenden Abschnitt über Gaarz.

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2.

Das Dorf Gaarz.

Der interessanteste und schönste Theil der jetzigen Stadtfeldmark bildet die Feldmark des ehemaligen Lehngutes Gaarz, welche südlich von der Stadt westlich an die alte Stadtfeldmark grenzt und zwischen der Chaussee nach Berlin und der Feldmark von Reppentin liegt. Mit diesem Gute beginnt die Cultur in der Gegend der Stadt Plau. Gaarz war, nach dem alten Burgwalle zu urtheilen, eine alte Domaine 1 ) der heidnischen Fürsten, in der Nähe der alten Gauburg Kutzin oder Quitzin. Schon am 29. Dec. 1223 schenkte der Fürst Borwin I. von Meklenburg dem Dom = Capitel zu Havelberg (in usus et sustentationes canonicorum in Havelberg) von seinen Domainen (de nostris possessionibus) das Dorf Gaarz 2 ) ("Kartze"), zur Beförderung der Memorien und Seelenmessen für ihn und seine verstorbene Gemahlin Mechthild. Dies geschah kurz vor der Gründung der Stadt Plau (um das J. 1225), höchst wahrscheinlich vor derselben, da die angrenzende Stadt in der Schenkungsurkunde noch nicht genannt wird.

Ohne Zweifel übte das havelberger Dom = Capitel einen großen Einfluß auf die Cultivirung der Gegend in den ersten Zeiten der Stadt, um so mehr da es die nächste geistliche Besitzung war. Das Dom = Capitel behielt aber das Gut nicht lange zur eigenen Bewirthschaftung, sondern gab es bald zu Lehn aus. Im 14. Jahrh. finden wir die rittermäßige Familie von Restorf (Redekestorp) und die plauer Patricierfamilie Swartepape, jede zur Hälfte, im Lehnsbesitze des Dorfes Gaarz. Schon am 12. Febr. 1364 hatte der plauer Bürger Hermann Deterkow von der Wittwe und den Söhnen des Vogtes Barthold Swartepape 4 Hufen in Gaarz 3 ) gekauft. Am 17. März 1375 verpfändete Brüning von Restorf mit seinen Söhnen dem Rathe der Stadt Plau zwei Hufen auf dem Felde des Dorfes Gaarz 4 ). Aber schon am 14. Febr. 1376 verkaufte Barthold Swartepape dem Rathe der Stadt Plau seine Hälfte des Dorfes Gaarz 5 ). Am 15. Febr. 1377 löseten die Swartepapen noch das an die plauer Bürgerfamilie Marlow verpfändet gewesene Gut in Gaarz ein, was die Knappen Henneke und


1) Vgl. S. 22 flgd.
2) Vgl. Urk. Samml. Nr. IV.
3) Vgl. Wöchentl. Rostock. Nachr. 1824, S. 177.
4) Vgl. daselbst, S. 178, und Lisch Berichtigung, S. 50.
5) Vgl. daselbst, S. 181, und ebendaselbst, S. 53.
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Raven Dessin in einer eigenen Urkunde bezeugten 1 ). Am 14. April 1376 verkaufte auch Brüning von Restorf dem Rathe der Stadt zwei Hufen 2 ) und am 24. Sept. 1381 derselbe mit seinen Söhnen dem Rathe und der Bürgerschaft die andere Hälfte des Dorfes 3 ) mit allen Freiheiten, mit der höhern und niedern Gerichtsbarkeit, mit Beden, Diensten, Abgaben und allen Freiheiten, so frei, wie Klöster Landgüter zu besitzen pflegten. Die Swartepapen und die v. Restorf versprachen, dem Rathe das Gut vor den Lehnherren aufzulassen und die Belehnung zu bewirken.

Nachdem also die Stadt durch Kauf zu dem freien Besitze des ganzen Dorfes gelangt war, suchte sie die Belehnung mit demselben zu erhalten. Am 11. Nov. 1388 belehnte 4 ) denn auch der Propst Gerhard von Havelberg im Namen des Dom = Capitels die Rathmänner und Bürger der Stadt Plau mit dem Dorfe Gaarz, so wie die Swartepapen und Restorf es zu Lehn getragen, unter der Bedingung, daß jedesmal nach dem Tode eines Propstes und der Wahl eines neuen Propstes der Rath zwei Bevollmächtigte aus seiner Mitte sende, um die alten Lehnbriefe aufzuweisen, von neuem die Belehnung zu empfangen und eine Lehnwahr von 10 Mk. lüb. Pf. zu entrichten; werde der Rath durch Fehde oder Krieg verhindert, Rathsmitglieder zu senden, so könne er andere Bevollmächtigte schicken; sollte aber der Propst den Rathmännern selbst das Dorf lieber verleihen wollen, als ihren Gesandten, so solle er ihnen nach Witstock oder Pritzwalk oder an eine andere sichere Stätte entgegenziehen.

Bis nach Vollendung der Reformation schweigen nun die Nachrichten über dieses Dorf ganz. Um das J. 1541 war das Dorf schon wüst und ward die Feldmark gleichmäßig getheilt, so daß jeder Bürger und Einwohner davon 3 Morgen und 1 Viertel bekam. Der damalige Burgemeister Joachim Kröger (vgl. weiter unten) erhielt wegen seines bei dieser Theilung bewiesenen treuen Fleißes einen übrig gebliebenen Ort Ackers von etwa 1 1/2 Scheffeln.

Darauf wird Gaarz im J. 1562 wieder erwähnt und zwar als wüstes Dorf. Damals wurden die weiten Holzungen auf der Feldmark das "Stadtholz der Burgwall" genannt; in einer Beschwerdeschrift des Rathes gegen den fürstlichen Hauptmann ungefähr vom J. 1563 heißt es:

"Thom negenden iß denn Borgerenn vnnd Inwanerhenn


1) Vgl. Wöchentl. Rostock. Nachr., 1824, S. 184, und Lisch Berichtigung, S. 35.
2) Vgl. daselbst S. 182.
3) Vgl. daselbt S. 185.
4) Vgl. Urk. Samml. Nr. XLIV. und Riedel Cod. dipl. Brand. I, 1, S. 33.
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vom Rade vorbadenn, dat sehe erhe vihe immhe Stadtholthe, der Borchwall genanth, darmith datsulue vpgeheget wurde, wie idt dhenn ock vmhero vpgegrauenn vnnd befredeth, keineß wegeß hudenn mothenn, Solcheß werth vom Schepher mothwillig vorachtet vnnd leth de Schape darinne hudenn, dar doch neinn sunsthenn vonn der Stadt vihe henne kumpt, dardorch dath junge holt vordoruhenn werth, welches der houethman schall vorbethenn hebbenn."

Es geht hieraus hervor, daß der nahe bei der Stadt gelegene Theil der Feldmark schon früher getheilt ward. Die Wald =, See = und Moorgegend um den Burgwall ward früh zur Stadtfeldmark gelegt und "Stadtholz" genannt; der von Wald freie Acker jenseit des Holzes hieß Gaarzer Haide und lag nicht zur Stadtfeldmark, sondern war Lehn vom Domstifte Havelberg. Die ganze Zeit des 15. Jahrh. hindurch und namentlich im 16. Jahrh. während der Zeit der Reformation findet sich keine Spur von der Erneuerung der Belehnung 1 ); es wird in der Urkunde vom 11. Aug. 1562 bestimmt ausgesprochen, daß die Stadt Plau "viele Male ihre Belehnung muthwillig versäumt" habe. Im J. 1545 beschwerte sich das Dom = Capitel zu Havelberg bei dem Kurfürsten: "Wiewol die Stadt Plawe von vns vnd vnserer Kirchen eine wuste feltmarcke Gartz genandt bei irer stat gelegen mit allen gnaden vnd zugehorung nichts ausgenohmmen zu Lehen trage, vnd so offte Not vnd gewonheit, die Lehen zu furdern, entpfangen vnd Lehenpflicht zu thun schuldig, - - vnd wiewol wir sie zweimal die Lehen zu entpfangen bei verlust derselbigen schrifftlich erfordert, so sind sie dennoch aussenplieben". Hierauf forderte der Kurfürst Joachim am 29. Jan. 1545 den Herzog Albrecht auf, die Stadt Plau anzuhalten, die Feldmark vom Capitel zu Lehn zu nehmen.

Während der Zeit war nun auch mit dem havelberger Dom = Capitel eine große Veränderung vorgegangen, indem dasselbe im J. 1506 den Prämonstratenser = Mönchsorden verließ und in ein weltliches Stift verwandelt ward. Die Propstwürde ward für die Folge zwar beibehalten, jedoch in ihrer Wirksamkeit sehr, ja fast ganz zurückgedrängt; dagegen ward dem Decanat, welches mehr an die Stelle des aufgehobenen Priorats trat, ein viel


1) Wenn Schröter a. a. O. S. 191, Not. 7 sagt, es sei ein Lehnbrief am Tage Vocem Jucunditatis 1524 ertheilt, wie aus einem Vorschreiben des Dom = Capitels an den Herzog Ulrich hervorgehe, so ist dies ein Versehen, da es damals gar keinen Herzog Ulrich gab. Dagegen ist eine Belehnung vom Montage nach Vocem Jucund. 1574 vorhanden, was denn auch allein richtig ist.
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größeres Ansehen beigelegt, so daß jetzt der Dechant das wahre Oberhaupt des Dom = Capitels ward, dem auch die Verwaltung der äußeren Capitelangelegenheiten zustand 1 ). Der letzte katholisch gesinnte Dechant war Peter Conradi (1547 - 1561), ein zwar papistischer und unsittlicher, jedoch gelehrter, umsichtiger, thätiger und milder Mann 2 ), der die äußern Capitelangelegenheiten mit großer Einsicht wahrnahm. Der Thätigkeit dieses Mannes ist es wohl zuzuschreiben, daß seinem nächsten Nachfolger, dem Dechanten Hieronymus Muderich, einem trägen Manne, dem ersten lutherischen Dechanten, wieder von Gaarz gehuldigt werden mußte.

Die Stadt Plau hatte "vielmal ihr Lehn muthwillig versäumt und nicht empfangen", auch die ihr gegebenen Siegel und Briefe verachtet, weshalb sie ihre Gerechtigkeit billig verscherzt hatte. Jedoch auf inständiges Bitten und auf fürstliche Fürbitte belehnte das Dom = Capitel am 11. Aug. 1562 aufs neue die Stadt Plau mit dem "wüsten Dorfe Gaarz", nahm jedoch von der Stadt eine "Aussöhnung" von 200 Gulden und machte zur Bedingung, daß die Stadt fernerhin nach alter Weise die Belehnung bei dem Dechanten suchen sollen, sobald ein neuer Dechant gewählt sei 3 ).

Seit dieser Zeit hat denn auch die Stadt Plau durch Rathsbevollmächtigte stets die Belehnung nachgesucht und erhalten. Die Urkunden und Acten, welche im Archive der Stadt Plau aufbewahrt werden, liefern das nachstehende Ergebniß:

Die Stadt Plau erhielt von dem Dom = Capitel zu Havelberg über das Dorf Gaarz folgende Belehnungen:
1562. Aug.11. Lehnbrief. Jahr der
Wahl
unter d. Dechanten Hieronymus Muderich (1561).
1574. Mai 17. Lehnbrief
unter. d. Dechanten Matthaeus Lübeke (1573).
1607. März 7. Lehnbrief
unter d. Decanten Reimar von Karstedt (1606).
1619. Juli 9. Lehnbrief
unter d. Dechanten Hans von Jagow (1619).
- - (Lehnbrief fehlt)
(unter d. Dechanten Samuel von Winterfeld (1626).
1644. dec. 30. Lehnbrief
unter d. Dechanten Johann Georg v. Bardeleben (1644).
- - (Lehnbrief fehlt)
(unter d. Dechanten Balthasar v. Dequede (1651).

1) Vgl. Riedel Cod. dipl. Brand. I, 1, S. 13, und I, 3, S. 12 und 43.
2) Vgl. das. I, 3, S. 71 flgd.
3) Vgl. Urk. Samml. Nr. LXII, und Riedel Cod. dipl. Brand. I, 1, S. 34.
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1664. Febr. 9. Lehnbrief Jahr der
Wahl.
unter d. Dechanten Thomas von Grote (1663).
1669. Oct. 27. Lehnbrief
unter d. Dechanten Friedrich Dietrich v. Kapelle (1668).
1683. Sept. 10. Lehnbrief
unter d. Dechanten Conrad Barthold v. Stille (1682).
1699. Juni 16. Lehnbrief
unter d. Dechanten Dietrich Hartwig v. Estorf (1698).
1708. Jan. 12. Lehnbrief (Muthung 1701 Febr. 25.)
unter d. Dechanten Johann Adolph v. Hagen, sonst genannt Geist (1701).
1719. April 8. Ladung zur Belehnung (Sehnbrief fehlt)
unter d. Dechanten (Ernst Friedrich von Happe) (1718).
- - (Lehnbrief fehlt)
(unter d.Dechanten Johann Friedrich v Printzen (1720).
1741. Sept. 30. Lehnbrief
unter d. Dechanten Samuel von Marschall (1740).
1751. Jan. 25. Ladung zur Belehnung (Lehnbrief fehlt)
unter d. Dechanten (Werner Christoph v. d. Asseburg) (1749).
- - (Lehnbrief fehlt)
(unter d. Dechanten Caspar Wichart v. Platen (1753).
1754. Juli 23. Ladung zur Belehnung (Lehnbrief fehlt)
unter d. Dechanten (Wichart Joach. Heinr. v. Möllendorf) (1754).
(letzter Dechant 1816).

Es ergiebt sich hieraus, daß die Belehnung nur in unruhigen Zeiten, z. B. im dreißigjährigen und siebenjährigen Kriege unterblieb.

Endlich ward, nachdem der letzte Dechant, der General = Feldmarschall von Möllendorf am 28. Jan. 1816 gestorben war, nach dem Befreiungskriege die Aufhebung des Domstiftes Havelberg am 10. April 1817 beschlossen und im J. 1819 ausgeführt, und damit hörte denn auch die Belehnung auf, welche überdies, da die Stadt das Eigenthum der Feldmark besaß, nichts weiter als eine leere Förmlichkeit war und mehr Kosten verursachte, als die Lehnwahr von 5 Thalern einbrachte.

Von dem Dorfe Gaarz sind noch viele Anzeichen auf der Feldmark. Der zunächst an die Stadtfeldmark grenzende Theil der Feldmark Gaarz bis zur Appelburg ist sehr wasser = und holzreich. Hier liegt zwischen dem Burg = und dem Gripen = See der Burgwall; nördlich davon liegen der Gaarzer und Ziegel = See; zwischen diesen 4 Seen liegt das Hofstättsche Moor, die Kornhof = und Holzhofstelle. Nach der Appelburg hin liegt hinter dem Leber = See der Vordere Burgwall. Das Feld von Gaarz, (früher immer Gaarzer Haide genannt), liegt noch mehr gegen Südwest an der Grenze des Domanialdorfes Reppentin.


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Das nicht weit von Plau gelegene Nonnenkloster Stepenitz besaß schon in alter Zeit 2 Hufen in Plau ("2 mansos in Plawe") 1 ), deren Eigenthum der Fürst Nicolaus von Werle schon im J. 1274 dem Kloster nebst andern Gerechtigkeiten übertrug. Wo diese Hufen gelegen und welches Schicksal sie ferner erlitten haben, ist völlig unbekannt. Im J. 1488 klagt Johann Gans, Hauptmann der Prignitz, für das Kloster Stepenitz, daß einige zu Plau wohnhaftige meklenburgische Unterthanen "dem Kloster etlichen Acker abgesäet" hätten, und bittet um Schutz.



Die Gaarzerheide.

Die Feldmark Gaarz (vielleicht mit der Feldmark Gardin) 2 ) schied sich schon sehr früh in zwei Theile. Der zunächst bei der Stadt gelegene Theil bis zur Appelburg, welcher viel Waldung, Moor und Seen hat, war schon sehr früh mit Wald bestanden und ward zum Stadtholze gerechnet; schon im J. 1563 klagte die Stadt gegen den fürstlichen Hauptmann zu Plau und den Schäfer auf dem Hofe Malchow: "Thom negenden iß denn Borgherenn vnnd Inwanherenn vom Rade vorbaden, dath sehe erhe vihe imme Stadtholthe der Borchwall genanth, darmith datsuluhe vpgeheget wurde, wie idt dhenn ock vmhero vpgegravenn vnnd befredeth, keineß wegeß hudenn mothenn, Solcheß werth vom Schepher mothwillig vorachtet vnnd leth de Schape darinne hudenn."

Der darüber hinaus liegende Theil war Acker und Weide und ward die Gaarzerhaide genannt, vielleicht weil dieses Feld in alten Zeiten, etwa im 15. Jahrh., wie später im 17. Jahrh., unbeackert lag und zur Weide benutzt ward, indem es außerhalb der Landwehr lag. An einer Stelle im J. 1610 wird sie auch "die gantze Feldt = Marck der Gartzer Heyde und "Gartzer Wohrde" genannt. Mit der Zeit ward aber das Feld wieder bebauet, blieb jedoch immer ein Hauptweideplatz für die Stadt. Das "fürstliche Haus Plau besaß auf der Feldmark, worauff etzliche 100 Morgen Ackers, nicht über 3 oder 4 Morgen." Die Stadt kam aber mit den fürstlichen Beamten wegen der Gaarzer Haide in häufige Streitigkeiten, indem diese auf den Dörfern Reppentin und Malchow Schäfereien angelegt hatten, welche die Zwistigkeiten veranlaßten.

Im J. 1560 hatte der fürstliche Vogt dem plauer Hofe


1) Vgl. Riedel Cod. dipl. Brand. I, 1, S. 245.
2) Vgl. den folgenden Abschnitt S. 60.
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Gaartzerhaide gegenüber auf dem Felde des Gutes Reppentin eine Schäferei angelegt, durch welche Gaarzerhaide vielfach durch Hütung beschädigt ward, namentlich durch den Schäfer, welcher der Stadt feindselig gesinnt war. Nachdem die Stadt im J. 1562 wieder einen Lehnbrief über Gaarz hatte nehmen müssen, hatte der Schäfer 1563 hinterbracht, die Stadt habe die Gaarzerhaide erst im J. 1562 von dem Dom = Capitel zu Havelberg ohne Consens der Landesherren gekauft. Die Stadt beschwert sich über diese Verläumdung im J. 1563 folgendermaßen.

"Thom Teiendenn Iß die Stadt mit vnwarhafftigenn vnnd mildenn berichte kegen ihren Landesfursten ahngegeuen, alse hetten sie die Gartzerheide genant, - by welcher vor dren Jarenn dorch angeuenn deß gedachtenn Schepers eine Scheperie der armhenn Stadt thom ewigenn vorderuhe vnnd schadhenn gebuweth, - nhu erstlich vorm Jare von denn Domherenn edder Capittel tho Hauelberge ahne vorwethenn vnnd Consens hochgedachtenn vnsers Landesfürstenn vnnd Herrenn erkofft, welcheß warlich vele anderß darthodhondhe; Idt hefft auher ein Capittell sich darinne etliche herlicheit vor lange vorjerthenn beschenhenn erfflichenn koephe vorbeholdenn, die inhenn vonn der Stadt eine Tidtlanck nicht vorrechenth wordenn, solcheß hebbenn die Inwanere itzo erleggenn vnnd bethalenn mothenn, dath sehe solcke Feldtmarcke also vnnd nicht anderß mith gudhem Titell inne hebbenn vnnd besytthenn."

Im J. 1610 heißt es: "Das die Stadt Plawe eine Feldtmarck vom Erwürdigen Thum = Capittell zu Hauelberge, die Gartzer Heyde genant, in verleihung hat, - - darauf treiben die Beambten nicht allein teglich mit ihren vielfeltigen Schafen (von Reppentin), besondern vnterfangen sich, den Stadthirten zu wehren, daselbst auf ihrem grundt vnd boden ihre schaffe zu weyden, da doch vor vndencklichen Jharen, ehe dann die Schäfferei zu Repentin gelegt, solche Feldtmarck bei der Stadt Plawe gebracht worden, vnnd noch an itzo ist, vnnd den Schäfern nicht mehr alß eine rutte auf den enden des Ackers am Felde zu Gnewestorpff zur Trifft eingereumet, - - denn wenn dieselbige Drifft durch die Heyde nicht durchginige, könnten meines gnedigenn Fürstenn vnnd Herrnn Schafe nicht aufs Feldt Drosenow gehenn, dieses alles also vonn Alters hero gewesenn bei Hertzogk Ulrichenn sehligenn Zeittenn, - - Inmassen dann auch die

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Pauren von Gnewsstorff ebener gestaldt der orter von ihren Höuen eine Ruete zur Trifft eingereumet, damit die Schäffer mit dem Viehe desto beßer auff das Feldt Gantzlin treiben, die Schaffe daselbst weyden vnd die Gartzer Heyde vnangefochten vnd vnbeweidet bleiben laßen möchtenn. Worbey es fürs funffte gleichfalls nicht bleiben thuett, besondern das Dorff Gnewestorpff vnd Gantzlin lassen teglich ihr Rindtviehe auch darauf treiben vnd zwar alles zu der Stadt verderbe vnd vntergange.

Die Plawer Bürger hatten macht, viertzehen tage vor Pfingstenn ihre Schaffe inn der Heyde zue hüetenn, wann ihnenn die wolle ist abgenommenn , vnd dann hernacher vier Wochenn für Michaelis wieder darauß pleibenn mußen, Wann aber die Heyde dresch liegt vnnd nicht beseyet wirdt, habenn die Plawer burger nicht weiter macht zue huettenn, denn biß an die drifft. Wann aber die Heyde durchauß vann denn Plawer Burgernn vnnd Gnewstorffernn Paurenn zuegeseyet mußen die Bürger, sowoll die Paurenn damit friedtlich seinn, das die drifft wirdt abgedrebenn."

Das Ackerland der Feldmark Gaarz, welches jenseit des Burgwalles bei dem Domanialhofe Reppentin liegt, hat dem Rathe der Stadt wiederholt Veranlassung zur Anlage von Gehöften gegeben, da das Feld zu weit von der Stadt liegt und vortheilhafter von fremden Händen bewirthschaftet wird.

Schon zur ersten Zeit der Reformation (um die Zeit 1525 - 1530) hatte ein einsichtsvoller Mann, der Rathsherr Joachim Kröger es bei dem Rathe bewirkt, daß auf der gaarzer Feldmark Niederlassungen oder ein Hof angelegt wurden, welche den Namen Gaarzerhaide führte Jochim Kröger - - autor erat, quod colonia, quae dicta est Gartzerheide, deducta erat). Das Stadtbuch in der Rathsmatrikel erzählt hierüber folgende lehrreiche Geschichte. Kröger hatte die Anlegung dieser Colonie ins Werk gesetzt, und dadurch der Stadt einen wesentlichen Vortheil verschafft. Hierüber zürnten ihm viele unzufriedene Bürger im Stillen , weil sie lieber die Aecker zu ihren Häusern gehabt hätten. Die Zeit der Reformation war überhaupt sehr aufgeregt und gewaltthätig. Als nun Kröger einmal von den v. Flotow auf Stur eine Wade oder ein Zugnetz (verriculum) geliehen und damit die Stadtseen zum Besten des Raths befischt hatte, regten einige schlechte Bürger die ganze Bürgerschaft so auf, daß es zu einem offenen, gewaltthätigen Aufstande kam (cumulatim sine certa racione prorupuerunt), in welchem die Aufrührer die ihnen Mißliebigen schlugen und beschimpften und das Fischernetz wegnahmen.

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Es herrschte eine große Erbitterung des Volkes gegen Kröger; jedoch, giebt das Stadtbuch den schlechten Trost, das Volk ist immer das alte und vergilt Wohlthaten mit Uebelthaten. Der Rath stillte zwar den Aufruhr, aber die feindselige Gährung zwischen den Verwundeten und den Haupträdelsführern dauerte noch lange fort, namentlich gegen Kröger, dem man die Anlegung von Colonien in der Gaartzer Haide mit Schmähreden vorwarf. Nach langer Zeit legte sich im J. 1541 der friedfertige Herzog Heinrich ins Mittel und söhnte die feindseligen Partheien aus; es ward ein herzoglicher Sühnbrief vor der versammelten Bürgerschaft verlesen, die Feinde vertrugen sich und überließen Gott die Bestrafung der Schuldigen. Um dieselbe Zeit (vgl. oben S. 51) erwarb sich Joachim Kröger, damals Burgemeister, durch die Vertheilung des Ackers der Feldmark Gaarz an die Bürgerhäuser wieder viele Freunde, so daß die Bürger ihm sogar für seine treue Bemühung ein Stück Acker mehr zulegten.

Nachdem die traurigen Zeiten des dreißigjährigen Krieges überwunden waren, in denen viele Ackerbesitzer wegstarben, fingen die plauer Bürger im Anfang des vorigen Jahrhunderts wieder an, "die sogenannte Gaarzer Haide, worauf der Amthof Reppentin seine beste Weide hat (!), neuerlich umzureißen und zu großem Nachtheil auch Schmälerung der Amtsweiden (!) zu Acker zu machen, gestalt dann diesen Herbst über ein großes Stück davon wiederum ausgerissen und besäet worden", wie ein Bericht des Beamten vom 10. Oct. 1712 sagt.

Von dieser Zeit an verkaufte die Stadt nach und nach Ackerstücke an einzelne Bürger, so daß ein großer Theil der Feldmark allmählig in den Besitz einzelner Bürger kam. In den neuesten Zeiten hat aber die Stadt den Nutzen einer größern Bewirthschaftung wieder eingesehen, die einzelnen Bürger nach und nach ausgekauft und auf der Gaarzer Haide einen Pachthof angelegt, welcher noch keinen bestimmten Namen erhalten hat.



Die Appelburg.

An der südlichen Grenze der Stadtfeldmark, an der Landwehr, liegt im anmuthigen Walde nicht weit vom See ein kleines Gehöft, die Appelburg, welche ein Vergnügungsort der Einwohner der Stadt zu sein pflegt.

Den Namen erhielt die Appelburg von dem angrenzenden Gehölze, welches schon im Mittelalter das Apfelholz hieß.

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In einer im J. 1448 aufgenommenen Schadensrechnung 1 ) über die Verluste durch die märkischen Raubeinfälle heißt es:

"Item nêmen Ciliacus Roer, Hans Dupow etc. vôr Plawe ûte deme appelholte XXIIII hôuede grôtes rintvêes unde dêden dat to Putlist aff unde to."

Es ist für die Geschichte der Stadt von Interesse, zu wissen, wozu das Apfelholz ursprünglich gehört habe, ob zur alten Stadtfeldmark oder zur Feldmark von Gaarz. In einer Klage des Rathes vom 12. Sept. 1645 heißt es von dem

"Appelholtz, so unsere Vorfahren, vermüge einkommenden Kauffbrieff, cum superiori et inferiori manus et colli iudicio gekaufft, dahero wir noch zur Zeit zu Havelbergk, wan der Decanus daselbst mit todte abgehet und ein newer elegiret wird, praestito laudemio das Lehn suchen und empfangen müssen."

Es gehörte also das Apfelholz ursprünglich zu der Feldmark Gaarz, ward aber schon früh mit den übrigen Waldungen dieser Feldmark zum "Stadtholze" gelegt.

Im J. 1508 wird die Appelburg zuerst in den Kämmereirechnungen mit 1 fl. Pacht aufgeführt. Im J. 1542 wird sie gelegentlich in der Rathsmatrikel genannt:

1542. Jochim Kröger proconsul emit partem agri sitam super foveas argilli ad viam versus Appelborch a vidua Clawes Malchowen pro 10 fl.

Wahrscheinlich war die Appelburg ursprünglich eine Befestigung in der dort noch vorhandenen Landwehr der Stadtfeldmark, an der wichtigen, in die Mark Brandenburg führenden Heerstraße.

Durch den Ankauf des südlich davon liegenden Dorfes Wozeken (im J. 1323) ward sie weiter von Stadtfeld umgeben.

Im J. 1583 zahlte die Appelburg 5 fl. Pacht.

Im dreißigjährigen Kriege ward die Appelburg zerstört. Im J. 1670, nach Beendigung der Kriege, hatte der Rath die Absicht, sie wieder aufzubauen; dies geschah auch nach der Zeit, obgleich der damalige Pfandträger des Amtes Plau, Ernst von Erlenkamp, noch im J 1693 es zu verhindern suchte. Am 30. Jan. 1702 erhielt der Pächter Peter Scheller eine Prolongation der Pachtung Appelburg auf 6 Jahre gegen eine jährliche Pacht von 7 Thlr.; jedoch ward am 16. Aug. 1703 mit


1) Vgl. Urk. Samml. Nr. LV.
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dem Pächter Ulrich Wulf ein Contract auf 6 Jahre für eine Pacht von 10 Thlr. abgeschlossen.

Im J. 1721 ward die Appelburg abgebrochen, das unbrauchbare Holz von dem abgebrochenen Wohnhause für 2 Thlr. 6 ßl. verkauft und zur Ergänzung des Ausfalles der Pacht eine Stadtanlage von 2 ßl. von jedem Haupt Rindvieh und jeder Ziege beliebt, welche Anlage jährlich ungefähr 4 Thlr. brachte.

Im J. 1769 sollte die Appelburg wieder aufgebauet werden; jedoch kam die Wiederaufrichtung erst im J. 1823 zu Stande.


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3.

Das Dorf Gardin.

Einige Tage vor der Schenkung des Dorfes Gaarz, am 23. Dec. 1223, hatte der Fürst Borwin I. dem Dom = Capitel zu Havelberg das Dorf Gardin geschenkt. Die Urkunde über diese Schenkung ist weder im Originale, noch in Abschrift mehr vorhanden; die Schenkung erhellt nur aus einem nach dem Originale angefertigten Urkundenauszuge 1 ), welcher in einer Bestätigung vom J. 1300 enthalten ist. Man könnte argwöhnen, da die Original = Urkunde nicht erhalten ist, daß diese Schenkung eine Verwechselung mit der Schenkung des Dorfes Gaarz oder des Dorfes Gedin sei, welches die Stadt Plau am 11. Mai 1292 erwarb; aber die Urkunde über Gardin hat mehrere bezeichnende Stellen, welche in der Urkunde über Gaarz nicht zu finden sind, namentlich den Consens der Söhne des Fürsten Borwin I., der Fürsten Heinrich von Werle und Nicolaus von Gadebusch. Ueberdies ist die bisher unbekannte Verleihung des Dorfes Gardin durch mehrere jüngere Urkunden gesichert. Im J. 1255 gab der Fürst Pribislav von Richenberg der Stadt Plau die Erlaubniß, von den vier Dörfern (in quatuor villis) Quitzin, Grapentin, Gardin und Gedin nach ihren Bedürfnissen (zur Stadtfeldmark) zu kaufen 2 ). Hier werden nun die Dörfer Gardin und Gedin ganz bestimmt von einander geschieden. Das Dorf Gardin muß also auch, wie Gaarz, an den Grenzen der Stadtfeldmark gelegen haben. Im J. 1300 bestätigte der Fürst Nicolaus II. von Werle dem Dom = Capitel zu Havelberg die Schenkung des Dorfes Gardin 3 ) in Gemäßheit der Schenkungsurkunde vom 23. Dec. 1223. Es unterliegt also keinem Zweifel, daß auch das Dorf Gardin bis zum J.


1) Vgl. Urk. Samml. Nr. III.
2) Vgl. Urk. Samml. Nr. VIII.
3) Vgl. Urk. Samml. Nr. III.
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1300 im Besitze des havelberger Dom = Capitels war. Nach dieser Zeit wird weder das Dorf, noch die Feldmark selbstständig genannt. Da das Dorf auch dem havelberger Dom = Capitel gehörte, so wird es wohl unmittelbar neben Gaarz gelegen haben, von der Stadt Plau gekauft, zu Gaarz gelegt und mit diesem zugleich untergegangen sein (vgl. den vorhergehenden Abschnitt).

Im J. 1591 war die Feldmark Gardin noch bekannt und lag neben Grapentin; Grapentin aber lag unmittelbar am rechten Ufer der Elde, an der Grenze der Stadtfeldmark. Es wird im J. 1591 gesagt:

"Die Hege belangend, obwoll damit von alters die gelegenheit gehabt, das zu Grapentin nur eine hege von Pfingsten vnd Krautweihe, wenn die Zeit ist, außgestickt worden, darauf die Schäfer kommen können, so wolte dennoch ein Rath vnd gemeine E. f. g. folgende Orter mit Dero Schafen behüten zu laßen vnterthenig verstaten, nemtlich vom Eichholtz biß auf den Franckendamm vnd biß vf den Dornberg, von dannen zwerg vber aufs Krumme Mohr vnd biß aufs Plawerheger Feld, vnd wurden also drei Feldtmark, so ihnen, den Plawern, zustendig: Grapentin, Gardin vnd Goddin, welchs fast ein meil wegs groß wehre, doch ihrem Zug= vnd andern Viehe außerhalb schaff ohn schaden."


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4.

Das Dorf Slapsow.

Schon am 7. April 1244 gab der Fürst Pribislav I. von Parchim der Stadt Plau die Erlaubniß zur Erwerbung des Dorfes Slapsow 1 ) mit allen Rechten, mit alleiniger Ausnahme des höchsten Gerichts und der Verpflichtung zur Landwehr oder allgemeinen Landesvertheidigung, und ließ ihr die Freiheit, die Feldmark entweder an Ackerbauer auszuthun, oder wenn sie ohne Bauern sein würde, zur Stadtweide zu legen. Es erhellt aus dieser Urkunde noch nicht ganz bestimmt, ob die Stadt damals schon das Dorf gekauft hatte, oder ob der Fürst durch dieselbe nur seinen vorläufigen Consens zur Erwerbung gab. Im J. 1259 besaß aber die Stadt das Dorf schon sicher. Die Stadt hatte es von dem Ritter Johann von Snakenburg 2 )


1) Vgl. Urk. Samml. Nr. VII.
2) Die v. Schnakenburg waren ursprünglich im Lande Cutzin oder Plau an= (  ...  )
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mit eigenem Gelde gekauft; das Dorf war also in den frühesten Zeiten unserer Geschichte ein Lehngut gewesen. Der Ritter Johann von Snakenburg kommt einige Male im Gefolge der Fürsten Pribislav I. von Parchim = Richenberg vor; später bewegen sich seine Nachkommen aber nur im Lande Rostock. Wir lernen den Ankauf des Dorfes aus spätern Verhandlungen kennen. Die Stadt hatte das Dorf mit allen Einkünften aus demselben, auch mit dem Zehnten, von dem Ritter Johann von Snakenburg gekauft. Die Zehnten aus den Ländern des Fürsten Pribislav I. von Parchim = Richenberg waren die Veranlassung zu den heftigen Streitigkeiten 1 ) zwischen diesem Fürsten und dem hochfahrenden und kriegslustigen Bischofe Rudolf I. von Schwerin, in Folge deren und anderer Verwickelungen der viel beunruhigte Fürst seine landesherrliche Stellung nicht länger behaupten zu können glaubte, sondern am Ende des J. 1256 sein Land verließ 2 ), dessen Regierung er auch nicht wieder antrat. Nachdem der Bischof aus dem Streite mit dem Fürsten siegreich hervorgegangen war, machte er in Folge des Schlußvertrages vom 28. Nov. 1256 seine Ansprüche auf die landesherrliche Eintreibung der Bischofszehnten aus den Ländern Parchim und Plau 2 ) geltend und forderte demgemäß auch wohl die Zehnten von dem Dorfe Slapsow. Zwar hatte die Stadt Plau die Zehnten mit dem Dorfe von dem frühern Besitzer desselben gekauft, aber der Bischof nahm sie für sich in Anspruch und forderte den Nachweis der Erwerbung der Zehnten durch den früheren Besitzer. Dies geschah denn auch: am 24. Juni 1259 bezeugt der Fürst Nicolaus I. von Werle, als einer der Bürgen des Friedens zwischen dem Bischofe und dem Fürsten und als Landesherr in Pribislavs Abwesenheit, daß der Ritter Johann von Schnakenburg mit seinen Erben in der Franziskanerkirche zu Rostock vor dem Bischofe in des Fürsten Gegenwart sein Recht auf den Zehnten von dem Dorfe Slapsow bestimmt nachgewiesen


(  ...  ) gesessen und mit der Familie von Reppentin (nach dem gleichnamigen Gute in der Nähe von Plau) stammverwandt. Am 4. April 1277 nennt Hermann v. Repentin den wailand Ritter Johann v. Snakenburg seinen leiblichen Bruder ("germanum" und "fratrem"); Johann v. Schnakenburg hatte dem Kloster Stepenitz Schenkungen in dem Dorfe Kreien gemacht, an welchem beide Brüder und ihre Nachkommen Erbrechte hatten. Vgl. Riedel Cod. dipl. Brand. I, 1, S. 244, Nr. VI. - Am 3. Febr. 1412 schlossen, nach einer ungedruckten Urkunde, wieder die Brüder Claus Wozenitz und Joachim (Snakenburg die gesammte Hand. - Ob beide Familien v. Schnakenburg dieselben sind, läßt sich noch nicht ermitteln, da die Wappen der Snakenburg, so wie der Repentin noch nicht genau genug erforscht sind.
1) Die Schnakenburg hatten sonst noch Streitigkeiten über Zehnten mit dem Bischofe. Vgl. Beyer in Jahrb. XI, S. 62.
2) Vgl. Beyer in Jahrb. XI, S. 62 flgd., 68 flgd. etc. .
2) Vgl. Beyer in Jahrb. XI, S. 62 flgd., 68 flgd. etc. .
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habe 1 ). Diese Urkunde ist auch dadurch interessant, daß der Fürst Nicolaus I. von Werle in derselben als Stellvertreter und Nachfolger Pribislav's I. in der Herrschaft des Landes Plau auftritt. Nach des Bischofs Tode bezeugte dasselbe im J. (1263) auch der Ritter Gerhard von Snakenburg, Johanns Sohn, nämlich daß sein Vater den an die Stadt Plau verkauften Zehnten von Slapsow vor dem wailand Bischofe Rudolf von allen Ansprüchen befreit habe, und bestätigte das, was sein Vater beim Verkaufe und bei der Befreiung des Zehnten ausgemacht habe 2 ).

Im J. 1298 war das Dorf schon aufgehoben und dessen Feldmark zur Stadtfeldmark gelegt; auch kaufte damals die Stadt die letzten Lehnsbesitzer aus. Im J. 1298 kaufte nämlich der Rath der Stadt von den plauer Patriciern Eberwin und Heinrich Swartepapen "sechs Reihen Ackers", welche diese noch im Felde Slapsow besaßen 3 ).

Es ist nun die Frage, wo das Dorf Slapsow gelegen habe. Während das Dorf sonst gar nicht bekannt war, besitzen wir jetzt darüber hinreichend Urkunden. Nachdem der Fürst Nicolaus II. von Werle am 8. Mai 1295 dem Kloster Neuencamp die Mühle 4 ) in der Stadt Plau mit der Gerechtigkeit, bei derselben einen Fischer zu halten, und einen Aalfang ("Serrahn") anzulegen, verkauft hatte, schenkte er demselben Kloster im J. 1295 auch den Aalfang 5 ) im plauer See zunächst bei der Stadt und bezeichnete dessen Grenzen: von der Metkow, wo die Elde aus dem plauer See fließt, bis zum Quetziner = Ort, von dort bis zum Sonnenberge, der auch Goldekenberg genannt wird, und von hier bis zu einem "Baume an einem Orte (" ad cuiusdam loci arborem") Namens Slapesow", von wo die Grenze bis an die Eldenbrücke bei Plau zurückging 6 ). Unter diesem also begrenzten Raume ist ohne Zweifel die große Wiesenfläche nordöstlich von der Stadt und der Burg am plauer See zu verstehen, welche vor 600 Jahren gewiß noch ein seichtes Wasser war, und die einzelnen Grenzzeichen sind Punkte oder Erhöhungen über und unter dem Wasser, welche bis gegen diese Wiesenfläche reichten oder von derselben besonders sichtbar waren. Nach dem Vorgetragenen wird nun die früher dunkele Benen=


1) Vgl. Urk. Samml. Nr. IX.
2) Vgl. Urk. Samml. Nr. X. Diese Urkunde ist auch dadurch interessant, daß sich "Gerardus miles dei gratia de Snakenborch" nennt, wenn dies nicht ein Fehler der Abschrift ist.
3) Vgl. Urk. Samml. Nr. XXIII. Die Original = Urkunde war im J. 1553 nicht mehr leserlich.
4) Vgl. Urk. Samml. Nr. XVIII.
5) Vgl. Urk. Samml. Nr. XIX.
6) Vgl. weiter unten.
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nung eines "Ortes Slapesow" ganz klar: er lag zwischen Quetzin und der Stadt Plau, dem Sonnenberge oder Goldekenberge, jetzt Göhlkenberg, einem Berge im See, gegenüber. Dieselben Grenzen werden noch genannt, als am 11 Sept. 1483 die Herzoge Magnus und Balthasar die Aalwehre und den Aalfang an die Stadt abtraten 1 ); nur ist die Grenzbezeichnung mit Slapsow, welche ohne Zweifel der alten Urkunde von 1295 entnommen ist, nicht mehr verstanden, indem sie 1483 als "beth to dem some tho Schlapsouw" gehend bezeichnet wird, statt "beth tho dem bome".

Es ist also keinem Zweifel unterworfen, daß das Dorf Slapsow nördlich nahe bei der Stadt lag, rechts an dem Wege von Plau nach Plauerhagen, zwischen diesen beiden Orten und dem See. In dieser Gegend liegt am Wege von Plau nach Kuppentin noch ein Ackerstück Namens Slâpshorn, welches ohne Zweifel von dem Dorfe Slapsow den Namen trägt und die Ecke der slapsower Feldmark gegen die Stadt Plau hin bildete, da das Wort Horn = Ecke bedeutet. Auch heißt ein Landvorsprung in den See zwischen Plau und Quetzin noch "de Slâps."


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5.

Das Dorf Grapentin.

Im J. 1255 gab der Fürst Pribislav von Richenberg der Stadt Plau die Versicherung, wenn sie Güter in den "vier" Dörfern Quitzin, Grapentin, Gardin und Gedin, auch in Plauerhagen, für eigenes Geld kaufen könne 2 ), er ihr dieselben verleihen wolle, und daß Niemand anders in den genannten vier Dörfern Güter kaufen solle. Die Stadt konnte von dieser Erlaubniß auch bald Gebrauch machen: am 11. Mai 1292 verkauften ihr der Fürst Nicolaus von Werle und seine Brüder für 300 Mark rostock. Pf. das Eigenthumsrecht der Dörfer Grapentin und Gedhin 3 ), befreieten die Stadt von allen Lehns = und sonstigen Lasten von diesen Dörfern und gaben ihr die Erlaubniß, die Aecker dieser Dörfer, wenn die Bürger es beschließen sollten, unter die Hausbesitzer der Stadt zu vertheilen, also zu den Bürgerhäusern zu legen. Als Gerichsbarkeit über diese Dörfer verliehen die Fürsten der Stadt die Vasallengerichtsbarkeit und den dritten Theil der Brüche.


1) Vgl. Urk. Samml. Nr. LX.
2) Vgl. Urk. Samml. Nr. VIII.
3) Vgl. Urk Samml. Nr. XVI.
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Die Bürgerschaft machte von dieser Erlaubniß auch sogleich Gebrauch und beschloß, zum allgemeinen Besten die Dörfer abzubrechen und die Aecker an die Bürgerhäuser zu vertheilen. Dadurch entstand ein Streit zwischen der Stadt und der Pfarre, indem die Pfarre durch die Entfernung der Bauern die Einkünfte von diesen verlor. Diesen Streit schlichtete 1 ) im J. 1293 der bischöflich = schwerinsche Archidiakonus Johannes von Waren 2 ) dahin, daß die Stadt der Pfarre zu dem Pfarrhofe an der einen Seite einen Gang (semitam), an der andern Seite eine Hausstätte (aream) von 12 Fuß Breite, zur Vergrößerung des Pfarrgebäudes, und zum Ersatze für die Einbuße aus den beiden Dörfern zu den Pfarreinkünften 5 Morgen Acker, einen Hopfengarten und Bürgertheil (portio legitima) an Holz, Wiesen und Weide, wenn diese zur Vertheilung kommen würden, überließ.

Seit dieser Zeit ist von den Dörfern und Feldmarken Grapentin und Gedin nicht weiter die Rede. Jedoch ist auf der plauer Stadtfeldmark noch der Name der Dorffeldmark Grapentin zu finden: "Der Grapentin" liegt am westlichsten Ende der Stadtfeldmark, unmittelbar am rechten , nördlichen Ufer der Elde, in der Mitte zwischen der Feldmark Slapsow (Slapshöhrn) und der sogenannten "Söhring", gegen Osten, und dem Acker des Hofes Malchow, gegen Westen, gegen Osten hin dem Hofe Klewe und gegen Westen dem Dorfe Barkow gegenüber, in der Mitte zwischen beiden am linken Eldeufer gelegenen Ortschaften. So bezeugen Pläne vom Laufe der Elde aus dem J. 1730. Uebrigens grenzte "der Grapentin" mit Gardin und Gedin. Vgl. oben bei Gardin S. 60 flgd.


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6.

Das Dorf Gedin.

Das Dorf Gedin hat ganz dieselbe Geschichte mit dem Dorfe Grapentin und wird auch nicht weiter, als dieses, erwähnt. Der Name ist auf der plauer Stadtfeldmark nicht zu finden, obgleich dies Schröter a. a. O. S. 169, Note, "von beiden Dörfern" behauptet. Daher ist die Lage des Dorfes Gedin auch nicht ganz sicher zu ermitteln. Wahrscheinlich lag es nördlich unmittelbar an Grapentin, da sich hier die Stadtfeldmark weit gegen Plauerhagen hinaus erstreckt und die Stadt im


1) Vgl. Urk. Samml. Nr. XVII.
2) In der Urkunde wird der Archidiakonus in Plau ("archidiaconus in Plawe") genannt. Es ist aber nicht bekannt, daß in Plau ein Archidiakonus seinen Sitz gehabt habe, vielmehr gehörte die Stadt Plau zum bischöflich = schwerinschen Archidiakonat Waren. Der Name Plau wird also wohl ein Schreibfehler sein.
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J. 1255 auch Erlaubniß erhielt, nicht allein die Dörfer Grapentin und Gedin, sondern auch einen (zu diesen Dörfern bequem gelegenen) Theil von Plauerhagen (Hagen=="Indago") zu erwerben. Im J. 1591 werden die Feldmarken Grapentin, Gardin und Goddin als eine zusammenhängende Ackerfläche geschildert (vgl. Gardin S. 60 flgd.); Gedin lag also ohne Zweifel in der angegebenen Gegend.


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7.

Das Dorf Wozeken.

Im J. 1323 verliehen 1 ) die Fürsten Johann II. von Werle = Güstrow und Johann III. von Werle = Goldberg dem Rath und der Bürgerschaft der Stadt Plau das Eigenthumsrecht des (ohne Zweifel von denselben gekauften) Dorfes "Wozeken", mit der Befreiung von allen Lehn = und andern Lasten, und gaben denselben die Freiheit, das Dorf abzubrechen und dessen Feldmark unter den eigenen Pflug zu nehmen. Dies ist denn ohne Zweifel bald geschehen, da von dem Dorfe im Besitze der Stadt ferner nirgends eine Spur zu finden ist. Die Frage, wo dieses Dorf gelegen habe, ist sehr schwierig zu beantworten, da der Name desselben nur dieses eine Mal in den Stadturkunden vorkommt; jedoch giebt eine andere Nachricht hinreichende Auskunft. Am 15. Aug. 1396 verkauften die Swartepapen das Dorf Drosenow (später Drösenow, darauf Dresenow) am südwestlichen Ufer des plauer Sees an das nahe gelegene Nonnenkloster Stepenitz 2 ), welches schon im 13. Jahrh. viele Gerechtsame an Landgütern in den Aemtern Plau und Lübz erworben hatte, und beschrieben die Grenzen dieses Dorfes, von dem noch die Drösenower Mühle nicht weit von der südlichen Grenze der plauer Stadtfeldmark übrig ist: Drosenow ward begrenzt vom plauer See, Zechelin, Ganzelin und Wozeken ("termini transeunt a stagno Plawensi et campimarchiis villarum Tzechelin, Gatzelin et Wotzeken"). An Drosenow (welches in Ganzlin untergegangen ist) 3 ), grenzte der plauer See östlich, Ganzlin westlich, Zechelin (welches ebenfalls in Ganzlin untergegangen ist) 4 ) südlich; Wozeken muß also


1) Vgl. Urk. Samml. Nr. XXIX.
2) Vgl. Lisch Berichtigung S. 66.
3) Im J. 1704 gab die Bauerschaft von Ganzlin, als ein Inventarium aufgenommen ward, zu Protocoll, daß der Meierhof Repentin Mitbenutzung der Schaaftrift "auf ihrem. sogenannten Feld Drösenow" habe.
4) Das Dorf Zechlin lag an der südwestlichen Ecke des plauer (Sees, an den Grenzen von Stuer; noch bei der Grenzvermessung von 1726 heißt es öfter: "Auf den zachelinschen Stücken von der sturischen Scheide an."
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nördlich an Drosenow gegrenzt haben. Wozeken lag also ohne Zweifel zwischen Drosenow südlich und der alten Stadtfeldmark von Plau und dem Dorfe Gaarz nördlich, und es wird die ursprüngliche Stadtfeldmark von Plau gegen Süden durch die Feldmark des Dorfes Wozeken bis an die Grenzen des Dorfes Drosenow vergrößert sein. Im J. 1396 scheint das Dorf Wozeken noch gestanden zu haben.


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8.

Das Dorf Quetzin.

Das Dorf Quetzin, oder in alten Zeiten Cutzin, gehörte in den ältesten Zeiten zu der neben dem Dorfe in dem plauer See liegenden fürstlichen Gauburg Cutzin 1 ), welche mit dem Wendenthume unterging und der Stadt Plau und der bei derselben erbaueten fürstlichen Burg weichen mußte. Bei der Christianisirung des Landes Plau finden wir das Dorf im Lehnsbesitze der rittermäßigen Familie von Quetzin, welche ohne Zweifel von dem Burgwalle den Namen trug und während des 13. Jahrh. auf Quetzin wohnte, aber schon gegen das Ende dieses Jahrhunderts ausstarb 1 ). Im J. 1308 war die Familie ohne Zweifel schon ausgestorben und das Lehn an die Landesherren heimgefallen; denn in diesem Jahre verkaufte der Fürst Nicolaus von Werle mit seinen Brüdern dem Rath und der Bürgerschaft der Stadt Plau das Eigenthumsrecht des Dorfes Quetzin 2 ) mit Befreiung von allen Lehns = und andern Lasten und der Erlaubniß, das Dorf abzubrechen und die Aecker nach ihrem Willen ("secundum suae voluntatis judicium") zu bebauen; diese Clausel ist etwas anders gestellt, als die in den übrigen der Stadt ausgestellten Urkunden, in welchen gewöhnlich die Legung zur Stadtfeldmark oder zu den Bürgerhäusern gestattet wird.

Der Rath der Stadt Plau wird denn auch bald darauf das Dorf Quetzin erworben haben, da es schon im J. 1337 im Besitze der Stadt war. Am 19. Mai 1337 erwarb nämlich die Stadt Plau für sich und die Bauern des Dorfes Quetzin die kleine Fischerei 3 ) auf der sogenannten Weichen Seite im plauer See.

Die frühern Verhältnisse des Dorfes Quetzin in sich und zur Stadt Plau erhellen ganz klar aus einem Vertrage 4 ),


1) Vgl. die Abhandlung über die Burg Kutsin S. 23 flgd.
1) Vgl. die Abhandlung über die Burg Kutsin S. 23 flgd.
2) Vgl. Urk. Samml. Nr. XXVII.
3) Vgl. Urk. Samml. Nr. XXXI.
4) Vgl. Urk. Samml. Nr. XXXIII.
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welchen die Stadt am 22. Aug. 1348 mit dem Pfarrer zu Quetzin (Albern von Tralow) schloß.

Die Pfarre zu Quetzin, welche fürstlichen Patronats war und zu welcher die drei Dörfer Quetzin, Zarchelin und Leisten eingepfarrt waren, besaß auf der Feldmark Quetzin in den J. 1271 und 1348 sechs Hufen und drei (1348) oder vier (1271) Kathen und außerdem aus einem Geschenke des Knappen Reinward von Quetzin vom J. 1264 noch zwei vor dem Burgwalle gelegene Kathen, welche zu Pfarrkathen bestimmt waren; ferner besaß sie das Ellernholz vom Dorfe bis zum Hainholze zwei größere Aalwehren, am Burgwalle und am Lanken, und zwei kleinere Aalwehren am quetzinschen Holze, welche einst Reinward von Quetzin angelegt und darauf der Pfarre geschenkt hatte, endlich vom Burgwalle einen Zins von 1 Pfund Wachs und den dritten Theil der Pacht, wenn der Pfarrer nicht darauf verzichten wollte.

Im J. 1348 wollte die Stadt das Dorf reguliren und benutzte dazu auch die Besitzungen der Pfarre; die Stadt besaß in dem Dorfe wohl nicht viel unmittelbares Eigenthum, da die Familie von Quetzin vor ihrem Austerben wohl schon manches von ihrem Lehnsbesitze weggegeben hatte. Die Stadt nahm, zugleich in Betracht des der Pfarre daraus entstehenden Nutzens, die sechs Hufen der Pfarre mit drei Kathen für 12 Mark wendischer Pfennige, welche damals 2 Mark reinen Silbers werth waren, an jährlicher Pacht in Erbpacht, um sie zu Stadthäusern zu legen und zu vermiethen, und gab ihr für die drei Kathen einen andern Kathen und zwei Hofstätten mit dem Raum der Burg, welcher Burgwall hieß; dies war wahrscheinlich der letzte Lehnsbesitz der Familie von Quetzin gewesen. Dazu erhielt die Pfarre, zum Ersatz für das durch die Legung der Bauern auf den ehemaligen Pfarrhufen verloren gehende Opfergeld, einen Kamp von neun Morgen freien Ackers, jedoch so, daß nach Beendigung der Aernte dieser Kamp zur gemeinschaftlichen Weide der Stadt und des Dorfes benutzt werden sollte. Statt des von der Pfarre bisher gebrauchten Holzes gab die Stadt der Pfarre, der Küsterei und Schulmeisterei und den Pfarrkathen (subditis rectoris ecclesiae) die Benutzung des Erlenholzes vom Kirchhofe bis zu den Dörfern Leisten und Plauerhagen (Hagen), jedoch unter der Bedingung, daß die Pfarre kein Holz ausroden dürfe, um daraus urbaren Acker zu machen, sondern daß der abgeholzte Waldboden zur gemeinschaftlichen Weide der Stadt Plau und des Dorfes Quetzin liegen solle; auch ward der Pfarre in den Eichenholzungen des Dorfes Mast und Nutzholz und Antheil an den Vasallengerichtsbrüchen im Verhältniß der Zahl der Pfarrhufen zugesichert.

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Nach dieser Regulirung bedingte sich der Rath die Freiheit, das Dorf Quetzin, welches mit Einschluß der erwähnten 6 Pfarrhufen im Ganzen 40 Hufen umfaßte, zu wenigstens 12 Kathen, welche von den Käufern 1 ) persönlich bewohnt werden mußten, pachtweise zu legen, und machte sich verbindlich, die Zahl dieser Kathen nicht zu verringern. Es ist hiemit nicht gesagt, daß aller Acker zu diesen 12 Kathen gelegt werden sollte, sondern nur gemeint, zu jedem derselben so viel zu legen, als herkömmlich war, d. h. 1 bis 2 Hufen. Ein großer Theil der quetziner Feldmark ward zur Vergrößerung der plauer Stadtfeldmark genommen, welche nach der Seite des Dorfes hin nicht weit ging, wenigstens die von der Pfaree in Erbpacht genommenen 6 Hufen.

Auch ward in diesem Vertrage bestimmt, daß das Dorf Quetzin auch fortan gehalten sein solle, zum Bau und zur Besserung der Pfarre beizutragen, wie die übrigen Dörfer der Gemeinde, und daß der Küster und Schulmeister seinen seit Alters herkömmlichen Lohn (pretium) aus Quetzin, nämlich 3 Scheffel Roggen und 9 Scheffel Hafer, auch ferner genießen solle.

Der Fürst Nicolaus von Werle bestätigte am 22. Aug. 1348 diesen Vertrag und der Rath ratificirte denselben am 24. März 1355.


9.

Das Dorf Kleve oder Kleben.

Zur Stadtfeldmark gehörte gewissermaßen das Feld des Dorfes Kleve, 27 Hufen groß, zwischen der Stadtfeldmark und der Dorffeldmark von Barkow , am linken Ufer der Elde, südlich von der Feldmark Grapentin gelegen. Die Feldmark gehörte seit alter Zeit der Kirche und war ursprünglich zur Erhaltung einer Vicarei, seit der Reformation zum Unterhalt des Pfarrers bestimmt, war jedoch seit früher Zeit der Bürgerschaft der Stadt in Pacht gegeben, so daß jeder Bürger einen Theil der Feldmark beackerte. Man vgl. das Nähere unten bei dem Abschnitte über die Pfarre.



1) Es geht aus dieser Stelle unwidersprechlich hervor, daß die Bauern die Bauerstellen zu Eigenthum oder Erbe kaufen konnten, jedoch gewisse Pächte und Dienste von den Stellen leisten mußten. Es heißt ausdrücklich: wer einen Kathen kaufe, solle ihn auch selbst bewohnen (quicunquce hominum aliquam ipsarum kotharum emerit, debet ipsam personaliter inhabitare). Daß die Bauerstellen erblich und frei verkäuflich waren, geht aus unzähligen Stellen hervor, in denen gesagt wird, es solle das verkaufte Bauer = "Erbe" vor den Schulzen verlassen werden.
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So ward schon in dem ersten Jahrhundert nach der Gründung der Stadt die Feldmark derselben durch den Ankauf von fünf Dorffeldmarken und noch in der zweiten Hälfte des 14. Jahrh. durch die Erwerbung von noch zwei Landgütern vergrößert: ein glänzender Beweis von der lebensreichen Kraft der jungen Pflanzen, von der wir heute gar keinen Begriff haben.

Die Landumgebung von Plau.

Wie viel mehr bevölkert und lebhaft früher das Land war, davon giebt die Gegend von Plau ein sehr lebhaftes Bild; namentlich ist an den südlichen Grenzen von Meklenburg durch die märkischen Raubfehden ("rôvekrîgh") schon im Mittelalter eine große Menge von Dörfern untergegangen, welche sämmtlich von Bauern bewohnt waren und fast alle aus der slavischen Zeit stammten, in welcher der Grund und Boden viel mehr vertheilt war, als in spätern Zeiten. An dem wesllichen Ufer des plauer Sees, ungefähr eine gute Meile westlich landeinwärts, also auf dem Raume von höchstens 1 1/2 Meilen Quadrat lagen die in der folgenden Uebersicht aufgeführten 44 Dörfer.

Die frühere Existenz und Lage aller untergegangenen Ortschaften ist jetzt sicher ermittelt. Die meisten sind bei den topographischen Untersuchungen in Jahrb. XIII, S. 402 flgd. beleuchtet. Nur eine Feldmark ist noch nicht ganz sicher nachgewiesen. Bei Retzow, am Wege von Retzow nach Gnevstorf, lag in alten Zeiten ein Pfarrdorf Görgelin (oder Gallin?), dessen Feldmark später an Retzow fiel; der Name Görgelin ist urkundlich gesichert. Nun lag aber eine gute Viertelmeile westlich davon eine andere wüste Feldmark, welche 1704 wiederholt Gaillen genannt wird und damals an Karbow, Wilsen und Dartze vertheilt war. Es ist nicht ganz klar ob Görgelin (oder Gallin?) und Gaillen zur Feldmark eines und desselben Dorfes gehörten.

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Ortschaften am westlichen Ufer des plauer Sees. * )

Ortschaften am westlichen Ufer des plauer Sees

*) Die gesperrt gedruckten Namen sind Pfarrsitze. Außerdem hatten viele von den andern Dorfern Fialkirchen und Kapellen.
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Es ist noch übrig, die Verhältnisse zu dem für die Stadt Plau höchst wichtigen See und den an der Elde liegenden Mühlen, so wie einige andere wichtige gerechtsame und Pflichten der Stadt in Erwägung zu ziehen, um das Bild der alten Zustände völlig abzurunden.


Der plauer See.

Der große, tiefe und theilweise von schönen Ufern umgebene plauer See 1 ), der letzte See in der großen Kette der Gewässer der obern Elde, welche bei Plau den Charakter eines schiffbaren Flusses annimmt, ist für die Stadt Plau von großer Bedeutung und verdient daher eine aufmerksame Beobachtung.

In den ältesten Zeiten, vor der Gründung und dem Ausbau der Stadt Plau (1225 - 1235). hatte der See Namen von den an demselben liegenden großen Burgen. Im J. 1177 wird er der Stursche See genannt, von der auf dem südlichen Ufer des Sees, ungefähr 1/2 Meile landeinwärts liegenden alten Burg Stur 2 ), welche nach der Germanisirung des Landes ein Lehn der ritterlichen Familie von Flotow ward. Im. J. 1177 versicherte nämlich der Papst Alexander dem Bischofe von Schwerin zwei Dörfer am Stûrich - zê ("circa lacum Sturichze villas duas") 3 ); so nämlich: Stûrich - zê (Stûrich = oder Stûrsche = See), ist ohne Zweifel zu lesen und zu interpretiren (statt Sturizche). Darauf heißt er der See von Kutzin (oder Quetzin), nach der fürstlichen Burg auf einer kleinen Insel 4 ) bei dem jetzigen plauer Stadtdorfe gleiches Namens. Am 27. März 1232 versicherten die Fürsten Nicolaus und Heinrich von Rostock dem Bischofe von Schwerin, bei der Bestätigung des eigentlichen Stiftslandes (Bützow und Warin) und dessen Grenzen, die zwei Dörfer (zusammen von 60 Hufen) an dem See Cuzhin 5 ), mit demselben Theil des Wassers, welches von Malchow herunterfließt in den See Cuzhin:

"Obgemelte hern geben auch in diesem brieffe dem Bischoffe vnd seiner Kirche zwei Dörffer, die sechtzig hufen haben, mit allem rechte, dienst, gerichte vnd aller


1)

Der. Dr. Nic. Marschalk sagt in seiner meklenburgischen Reimchronik:

Der grossen sehe ist einer Plawe,
Daran so stossen 12 Städte genawe.

2) Im J. 1240 war ein Ritter Conradus de Sture unter den Rittern des dobriner Ordens; vgl. Lisch Mekl. Urk. II, S. 23 - 24, und Jahrb. XIV, S. 18 und 196 - 197.
3) Vgl. Lisch Mekl. Urk. III, S. 35 und 15.
4) Vgl. oben S. 23 flgd. und S. 67 flgd.
5) Vgl. Lisch Mekl. Urk. III, S. 80.
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nutzung, weide vnd wasser, auch den halben teil des wassers, so von Malchowe herunter gehet in den See Cuzhin, und die andern wasser, so weit sich das landt daran erstreckt des Dorfes Crazneierst; das ander Dorff feind sie ihnen gleichßfalls einzuantworten verpflichtet."

Diese beiden Dörfer sind ohne Zweifel in dem alten bischöflich = schwerinschen Dorfe Bischofsdorf, jetzt Bîsdorf 1 ), mit dem Lenz, untergegangen, welches nördlich an der Wasserverbindung zwischen der Stadt Malchow und dem plauer See liegt und im Mittelalter dem Bischofe von Schwerin gehörte.

Nach der Ausbildung der Stadt Plau wird der See aber immer der plauer See genannt.

Nach der Erwerbung des Dorfes Quetzin ward das westliche Ufer des Sees fast ganz von der Stadt Plau beherrscht. Das östliche Ufer wird durch die Elde in zwei Hälften, eine südliche und eine nördliche getheilt: das südliche und südöstliche Ufer des Sees besaßen die v. Flotow, welche hier auf der Burg Stur wohnten und viele ihrer zahlreichen Güter am südöstlichen Ufer des Sees hatten; an dem nordöstlichen Ufer saßen auf der Burg Schwerin oder Alt = Schwerin die von Gamm, deren alte Stammgüter in dieser Gegend lagen. Daher heißt seit alter Zeit das südlche schmalere Ende des Sees das Stursche Ende. In einem Zeugenverhöre vom J. 1537 wird gesagt, dem Kloster Malchow seien zuständig: "etlike wadentoge sinth geheten dat Stursche Ende vnde horth darumme nicht den Vlotowen". An dem schwerinschen Ufer liegt in dem See eine große Insel (oder Werder), welche ein eigenes Rittergut bildet und im Mittelalter ebenfalls den Gamm gehörte und daher Gammenwerder hieß, jetzt aber schlechtweg Werder genannt wird. Der zwischen dem Werder und dem östlichen Festlande liegende Theil des Sees heißt die Satzik 2 ), noch jetzt Sàtzk. Die Sàtzik 3 ) gehörte den v. Gamm eigenthümlich; diese verkauften 1330 und 1335 Pächte aus den Wadenzügen dieses Seetheils an Barthold Swartepape, dessen Enkel dieselben mit andern Seepächten im J. 1386 an die v. Bülow, denen Stadt und Land Plau zu Pfande stand, wieder verkauften.

Das nördlichste schmale Ende des Sees bei dem Gute Leisten


1) Vgl. Jahrb. III, S. 147, und V, S. 219; vgl. auch II, S. 72.
2) "Stagnum, quod in vulgo Satzich dicitur, sita apud insulam, que Gammenwerder nuncupatur." Vgl. Lisch Berichtigung einer von dem Hrn. Minister v. Kamptz gemachten Aeußerung S. 33.
3) Vgl. Lisch Berichtigung S. 33, 37 und 58.
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heißt die Lanke. Nach dem Vertrage mit der Pfarre zu Quetzin vom 22. Aug. 1348 1 ) überließ der Rath von Plau der Pfarre alles Ellernholz vom Kirchhofe zu Quetzin bis zum Wasser Lanken (usque ad aquam Lancken) und weiter bis zur Furth des Dorfes Leisten. Es ist hiedurch also die Sage ziemlich genau angegeben. Ein schmaler Busen, der beim Gute Leisten ins Land geht, wird die Leister Lanke genannt.

Von Interesse ist die Bezeichnung der Weichen Seite im plauer See, welche im J. 1591 auch "die weiche Seite oder "Poperitz am Ufer" genannt wird. Dies ist das Uferwasser der nördlichen Hälfte der Westseite des Sees, also an den Ufern des nördlichen Theils der plauer Stadtfeldmark (Plau und Slapsow) und des Dorfes Quetzin bis zum Dorfe Leisten oder bis zur Lanke. Am 19. Mai 1337 verlieh der Fürst Johann von Werle der Stadt Plau und den Bauern des Dorfes Quetzin die kleine Fischerei auf der weichen Seite im plauer See 2 ) ("in stagno Plawe in parte quadam, que vulgariter wêke syde dicitur"). Die Lage, welche hiedurch ziemlich genau angedeutet ist, wird auch durch spätere Berichte bestätigt. Was dieser Ausdruck bedeutet, hat nicht ermittelt werden können. Er ist aber jedenfalls sicher, da die weiche Seite der harten Seite entgegengesetzt wird.

Am 21. Dec. 1386 verkauften 3 ) die Brüder Swartepape den Brüdern Heinrich und Vicke von Bülow, Pfandträgern von Plau, die von ihren Vorfahren nach und nach erworbenen Gerechtigkeiten 4 ) auf dem plauer See, nämlich die Hälfte der harten Seite ("de harden sîde") auf dem plauer See, die Hälfte des Aalfanges auf der harten Seite, alle Pacht aus dem Schmalzuge im plauer See (up dem see tů Plawe), den dritten Teil der Aalwehre (Tzaran) auf der Elde unter der Brücke zu Plau und 12 Mark Pacht aus der Satzik, welche die Swartepapen im J. 1300 von den Gammen erworben hatten. Hier sind alle Theile auf dem plauer See so bestimmt geschieden, daß sich nicht annehmen läßt, der Ausdruck "Harte Seite" sei eine allgemeine Benennung für irgend einen größern Theil des Sees, da hier der "plauer See" und die "Satzik" ausdrücklich besonders genannt werden. Es ist also die Frage, wo die harte Seite gewesen sei; dies wird sich nur ermitteln lassen, wenn man die Besitzungen der Swartepapen durchgeht und dabei die Benennung der einzelnen Theile des Sees im Auge be=


1) Vgl. Urk. Samml. Nr. XXXIII.
2) Vgl. Urk. Samml. Nr. XXXI.
3) Vgl. Urk. Samml. Nr. XLIII.
4) Vgl. Lisch Berichtigung etc. .S. 58.
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hält. Auf dem nördlichen Theile des Sees kann die harte Seite nicht gelegen haben: an diesen Ufern hatten die Swartepapen keine Besitzungen und das nordöstliche Ufer hieß die Satzik, das nördliche die Lanke und das westliche die weiche Seite. Also wird die harte Seite am süblichen Ende gelegen haben. Hier hatten aber die v. Flotow das östliche Ufer inne und die südlichste Verengerung des Sees hieß das stursche Ende. Es bleibt also nichts weiter übrig als anzunehmen, die harte Seite habe am westlichen Ufer des südlichen Theiles des plauer Sees gelegen, also südlich von der weichen Seite, von der Elde und von Plau. Hier besaßen denn auch die Swartepapen das Dorf Drosenow, welches jetzt zwar untergegangen ist, von welchem jedoch noch die Drösenower Mühle nicht weit von der Südgrenze der plauer Stadtfeldmark liegt. Am 4. Dec. 1337 verlieh der Fürst Nicolaus von Werle dem Barthold Swartepape das Eigenthum des Dorfes Drosenow 1 ) mit der Mühle daselbst und den Fischereien. Dieses Gut verkauften 2 ) Barthold's Enkel am 15. Aug. 1396, nachdem sie schon am 21. Dec. 1386 die Fischerei auf der harten Seite an die v. Bülow verkauft hatten, an das nahe märkische Nonnenkloster Stepenitz, indem sie dabei ausdrücklich sagen, daß das Dorf am plauer See liege ("termini transeunt a stagno Plawensi"). Es ist also mehr als wahrscheinlich, daß die harte Seite am westlichen Ufer des südlichen Theils des Sees, an Drosenow und der eigentlichen Stadtfeldmark von Plau lag und den Namen davon erhielt, daß hier die Ufer höher und steiler sind, als an der nördlichen weichen Seite, welche flachere Ufer hat.

Das Eigenthum des plauer Sees, wie ursprünglich aller großen Landseen, gehörte den Landesherren. Dies geht nicht allein aus wiederholten Verleihungen, sondern auch aus dem ungestörten Besitze hervor. Directe Zeugnisse giebt es wenig. Als am 21. März 1425 die von Plessen auf Lübz sich mit dem Fürsten Wilhelm von Werle auseinandersetzten und sich zu dessen Dienst stellten, empfingen sie von ihm 200 lüb. Mark und das Dorf Schlemmin, wogegen sie ihm das höchste Gericht zu Sukow und Stüvendorf (bei Vietlübbe) und den plauer See ("de zee to Plawe") 3 ) abtraten. Dieses Recht ist auch stets anerkannt und nie bestritten gewesen. So berichtet der Amtmann von Plau am 19. März 1591, daß

"der sehe mit seinen Ein = vndt Ausflüssen E. f. g.


1) Vgl. Lisch Berichtigung etc. . S. 39.
2) Vgl. daselbst S. 66 und Riedel Cod. dipl. Brand. I, 1, S. 255.
3) Vgl. Urk. Samml. Nr. LII.
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ohne Mittel zuständig vnd welche darauff mit Garnekorffen, Brassennetze vndt Ahllangell fischen oder fischen lassen wollen, die mussen E. f. g. jährliche Sehe = Pacht gebenn."

Und so wird zu allen Zeiten und häufig berichtet und anerkannt. Daher erhob das Amt Plau auch nicht allein die Seepacht, sondern hatte sich auch stets das Recht vorbehalten, die große Fischerei auszuüben oder mit der Wade zu fischen, wozu die Fürsten auf der Burg immer einen Wademeister hielten.

Die Landesherren hatten aber, wie gewöhnlich, manchen um den See liegenden Ortschaften die kleine Fischerei (mit kleinen Netzen) überlassen.

Auch die Stadt Plau hatte ihre besondern Gerechtsame an dem plauer See. In dem Stadt = Privilegium vom J. 1235 ward der Stadt die kleine Fischerei, mit Ausnahme der Wadenzüge, verliehen.

"Item piscatio per omnem provinciam communis et libera est cum sportis, hamis et retibus, exceptis solis sagenis",

wörtlich nach dem parchimschen Rechte. Die Uebersetzung vom J. 1553 ist richtig:

     szehe

"Item de viskerye is im lande ghemein vnnd fryg mit koruen, angeln vnnd neththen, vthenamen de waden."

Eine alte Randbemerkung will dies zwar in Zweifel ziehen:

"In stagnis navigare, drencken 5 bornen licet, piscari non idem, sed conceditur per dominos."

Dagegen rührt sich eine andere Hand für den Wortlaut des Privilegii:

"Textus durabit, glossa peribit iners."

Allerdings ist aber das Privilegium mit Beschränkung zu interpretiren. Das Privilegium enthält das parchimsche Recht im Allgemeinen, die "Grundrechte" für alle Bewohner des Fürstenthums Parchim = Richenberg, in dem Sinne:

die Fischerei, mit Ausnahme der Wadenzüge, ist im Fürstenthume "für jedermann frei",

d. h. für jedermann, der ein Recht an einem Gewässer hat, d. h. wer einen Grundbessitz und darin oder daran Gewässer hat, kann auf denselben die kleine Fischerei frei, ohne besondere Erlaubniß, üben, also auch an den Ufern der großen Seen und Flüsse, obgleich diese landesherrlichen Eigenthums sind. Man hat in frühern Zeiten das plauer Stadtprivilegium dahin interpretiren wollen, die Bewohner der Stadt Plau könnten im ganzen

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Lande oder Amte Plau (per omnem provinciam) frei fischen, wo sie wollten. Diese Interpretation ist aber durchaus verkehrt; es kann in besonderer Anwendung auf die Stadt Plau nur heißen: die Bürgerschaft hat die kleine Fischerei auf und an ihrem Gebiete, also auch auf dem plauer See und der Elde, d. h. in so weit nicht andere Rechte entgegenstehen, und auch dieses Recht kann durch die Communalbeschlüsse wieder beschränkt werden. Und in diesem Sinne ist auch die Fischereigerechtigkeit immer nur ausgeübt.

Da nun der große und schöne See für die Stadt von großer Wichtigkeit war und die Stadt an dem westlichen Ufer auf einer großen Strecke die kleine Fischerei hatte, wie alle übrigen Anwohner des Sees, so errichtete der Rath am 6. Nov. 1307 eine Fischerzunft 1 ), um Ordnung in der Fischerei zu halten, und machte in der Zunftrolle Anordnungen für den Verkauf der Fische. Damals war das Recht der Magistrate zur Errichtung von Zünften nach dem Rechte der "Innung" noch unbeschränkt. Es ward den Amtsfischern zur Pflicht gemacht, alle gefangenen Fische "zur Befriedigung der Einwohner und Gäste" zu Markte zu bringen; nur nach Vollendung des Sonnabendmarktes war es ihnen erlaubt, die übrig gebliebenen Fische nach Gelegenheit sonst zu verkaufen. Auch sollten nicht lebendige und todte Fische zusammen, sondern die todten Fische nur allein und mit Bewilligung der Fischermeister verkauft werden.

Die Fischer 2 ) mußten an den Landesherrn und den Rath der Stadt Pacht geben oder doch wenigstens Erlaubniß zur Fischerei von beiden erhalten; in den Zunftstatuten ist ausdrücklich gesagt:

"efft iênnig van den vischeren van gunst wegen des eddelen herrn Niclawsen von Werlen vnd des râdes der stadt Plawe schepede vp dem sêhe, vische tho fangende."

Bei diesen Bestimmungen ist es denn auch immer geblieben; wer grade ein bestimmtes Recht hatte, konnte es auf das Fischeramt übertragen.

Die Stadt hatte das Recht, der kleinen Fischerei an den Ufern ihrer ursprünglichen Feldmark, ferner an den Ufern der nach und nach zur Stadtfeldmark erworbenen Dörfer: Wozeken, südlich, und Slapsow und Quetzin, nördlich von der Stadtfeldmark.


1) Vgl. Urk. Samml. Nr. XXVI.
2) Im J. 1615 bezeugen die Aelterleute der Fischer in dem "uralten Fischeramt" zu Plau die Einrichtung ihrer Zunftverfassung durch Unterzeichnung mit ihren darunter gesetzten "Hausmarken."
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Bei der Ausübung dieser Gerechtigkeit kam die Stadt schon früh mit dem Ritter Johann von Dessin, der wahrscheinlich auf Leisten wohnte, in Streit. Die Fürsten von Werle hatten diesem die Fischerei mit kleinen Netzen, ohne Waden, auf der sogenannten Weichenseite 1 ) des plauer Sees, d. h. an dem nördlichen Theile des westlichen Ufers, verliehen. Hiedurch fühlte sich der Rath der Stadt beschwert, weil er ebenfalls auf einen großen Theil dieser Fischerei Anspruch machte, und klagte bei den Landesherren. Am 19. Mai 1337 verglich nun der Fürst Johann von Werle beide streitende Parteien dahin, daß Ludolf von Dessin mit seinen Erben der Stadt Plau diese Fischerei für 100 Mk. abtrat und der Fürst dieselbe auf die Stadt Plau und die Dorfschaft Quetzin übertrug 2 ).

Am 11. Sept. 1483 schenkten die Herzoge der Stadt, gegen Erlegung bestimmter Naturallieferungen, den von dem Kloster Neuen = Camp früher ausgeübten Aalfang auf der Metkow, beim Ausflusse der Elde aus dem plauer See, und an dem nördlichen Ufer des Sees bis an die Grenze des Dorfes Quetzin 3 ).

Diese Gerechtsame: die kleine Fischerei an den Ufern der Stadtfeldmark und auf der weichen Seite und der Aalfang auf der Metkow und dem nördlichen Ufer der Stadtfeldmark, gehörten der Stadt, welche dieselben an die Fischer verpachten konnte. Alle übrige Fischerei mußten die Fischer von dem fürstlichen Amte oder von den am Ufer wohnenden Vasallen pachten. Die Fischerzunft war olso wesentlich zur Erhaltung der Ordnung in der Stadt errichtet.

Das fürstliche Amt behielt immer das Recht, mit der Wade und sonst auf der Höhe des großen Sees zu fischen, und wenn es auch einen Theil dieser Fischerei an die Fischermeister verpachtete, so hielt es doch selbst auch immer einen Wademeister für bestimmte reservirte Züge und für den täglichen Gebrauch auf der Burg.

Bei der großen Mannigfaltigkeit der Grenzen konnte aber Streit nicht vermieden werden, der denn auch oft genug entstand.

So heißt es in einem Amtsbuche aus der Mitte des 16. Jahrhunderts:

"Im Ambte Plawe ist nichts mehr Sehe als de Plawer Sehe belegen vndt hebben v. f. g. tho nottruft des huses so vele frische visch als bedarff is vndt holden II grote waden."

In einem Amtsregister von 1448 kommt vor:


1) Vgl. oben. S. 74.
2) Vgl. Urk. Samml. Nr. XXXI.
3) Vgl. Urk. Samml. Nr. LX.
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"Item III mk. van den Gammen water."
"Item III 1/2 mk. van dem wademester to Plawe."
"Item VIII s. waterpacht von IIII cleyntouwen."

und in dem Amtsbuche aus der Mitte des 16. Jahrh.

"Waterpacht von den wehren alle jar V fl. vnnd XXX stige Aal."
"VIII Mk. gefelth des Jars vor ale de vorkofft werdt" Summa XV 1/2 Mk. von Wasserpacht und verkofften Ael."
"Summa noch XX stige All."

Gegen das Ende des 16. Jahrh. ward die Fischerei streitig. In einem deshalb aufgenommenen Commissions = Protocolle vom J. 1591 heißt es:

"das der fischerei halben hiebevor niemals jeniger streit gewesen, ohn allein fur 12 Jaren, do E. f. g., so der Zeitt alda gegenwertig gewesen, wißen wollen, mit was fug sie sich der Fischerei anmasten vnd derwegen Georg Belowen, Jochim von der Luhe, D. Martin Bollfras, D. Hoffman vnd Gabriel Bruggeman, alle gottselig, zu dem behuff verordnet, worauf von E. f. g. nach langer furerwenten Personen gepflogener tractation, auch Revision ihrer Brief vnd Siegel dieser abscheidt erfolgt, das sie E. f. g. zu vnderthenigen gehorsamb hindter dero Veste den eingang nach S. Jurgen wehrts 12 ruten in die Metkow 1 ) gewilligt etc. . - - - , Item was im Großeu Sehe mit dem Stacknetz vnd Handangel, auch binnen Rohrs außerhalb der Stacknetz konte gefangen werden, solte dem Rath vnd gemeiner Burgerschafft in der weichen seiten ohn entgeldtnuß frei sein. Da aber vber das Jemand dar auf fischen wolte, das der nach gelegenheit seines Fischerzeugs, so er brauchte, E. f. g. amptleuten gewonliche Pächte entrichten solte, Alß sie nun hirinnen beschweret" (daß die Reke nicht frei geblieben), "hetten sie davon protestiret, da bei es bißhero geblieben, dann da der Korb solte da hingesetzet werden, wurde nicht allein der Aell vnd alle flumenfische aufgehalten, sondern auch dem Rath dadurch ihre herligkeit vnd gebur entzogen."

und:

Das aber nach der Zeit eingerißen, das ihre priuilgien zuwidern die stadfischer, so wol als die leute zu


1) Vgl. weiter unten den Abschnitt über die Metkow.
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Quitzin pension oder Sehepacht gegeben, mitt allen Fischerzeug, ohne die große wade, bey Quitzin am Ufer zu fischen. - - Ob nun gleich vff der Metkow die haußwade in notfellen, wenn man damit furs haus nicht kommen konnen, darauff gezogenn, So were doch solchs erstlich bey dem worthabenden Burgemeister gesucht vnd dem Rath der Vorhecht vnd dem gottshause der dritte Fisch, wie im Fuelen Sehe gegeben worden, dem Rath dagegen frey gelaßen, mit der wade zur noth auch zu fischen."

Am 31. Oct. 1590 faßt der Herzog Ulrich d. d. Conow,

"das wir auf jetziger reise anhero nacher Conow augenscheinlich befunden, das auf dem Plawer Sehe, welcher vns ohn mittel allein eigenthümblich zustendig, frombde leutte, wie wir deßwegen nachfragens gehabt, in vnd mit etlichen kanen gefischet. Nun seint wir auf solchem Sehe niemandem, er sei auch wer er wolle, einiger gerechtigkeit gestendigk, darumb vns auch bemelt fischen, so wir in der Person gesehen, nicht weinig befrombdt vorkommen. Weil wir aber hernach vormerkett, das leutten auß vnser Stadt Plawe, wie auch auß dem Dorf Quitzin, imgleichen eins teilß der Flotowen vnd Gammen vnderthanen dermassen fischen, jedoch auf gewisse masse, vergunstiget vnd erlaubt sein soll, Dagegen sie dan gedachtem vnserm Ampt Plawe jerlich eine benante Sehehüre erleggen, welchs wir zwar, do dem also, geschehen lassen konnen."

Im J. 1602 ward der Stadt die in ihren Urkunden begründete Fischerei rechtlich zugesprochen.

Die Seepacht war im J. 1591:

Einname: Sehe = Pacht.
3 fl. 6 ßl. Auß dem Dorffe Quitzin deß Raths zu Plawe Pauren, darunder 8 Pauren, deren ein jeder 7 ßl. 8 Pf. vndt einer 15 ßl. gibt, fischen mit drachgarn, hecht = vnd gemeinen Netzen.
1 fl. 4 ßl. Auß dem Dorffe Sißlouw von 7 Personen, ein jeder 4 ßl., den Flotouwen zustendigk, fischen mit hecht = vnd gemeinen netzen.
- 20 ßl. Die Suckauwer, den Flotouwen zustendig.
1 fl. - Ganzlin, m. g. h. vnderthanen, auch das Dorff Satouw vnd Stur, den Flotouwen zustendig.
3 fl. 11 ßl. Die Plawer Fischer geben zum theill 18, 12, 4 vnd 3 ßl., nachdem ein jeder mit Ahlthouwen, hecht=
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vndt andern gemeinen Netzen, auch mit dem Drachgarn fischet.
- 16 ßl. Die Schwerinschen, der Gammen leute.

Ferner heißt es im J. 1610 in des Raths zu Plau Beschwerung:

"Der Amtmann vnterfenget sich, vnsern armen Leuten im Dorpffe Quitzin ihre Kahne vnd Netze zu nehmen, da doch dieselbigen je vnd allewege vor vndencklichen Jharen das jus piscandi gehabtt, - - vnnd obwoll die beambten dagegen einwenden wollen, das solch Dorpff die Sehepacht gibt, so wirt doch dieselbige nicht deßwegen oder halber solcher erkaufften Fischerei entrichtet, besondern das sie über ihre gewonliche vnd vorgedachte erkauffte vnd alte im Plawer Sehe gehabte Gerechtigkeit der Fischerei die Draggarne gebrauchen, deßwegen dann auch alle andere Fischer, so in E. f. g. Stadt Plawe in Ambtt vnd Gilden sitzen, vnd ohne das mit gemeinen Netzen sonsten zu fischen befuget sein;" und:

"Vnnd ist je vnnd allewege vonn vndencklichen Jharen hero mit den Wademeistern dieser gebrauch gehalten, das sie die Fische, so zue E. f. g. haußhaltung nicht nötig gewesen, ann die Stadt bei die Eldenbrucke gebracht vnnd den Inwohnern vmb ein billiges verkaufft, - - ja mehr alß man verkauffen konnen, Nun aber werden allerhandtt tuckische mittell von den Wademeistern vor die Handt genommen, das sie dieselbigen Fische, welche sie gefangenn, an den eußersten vnd weit abgelegenen ortern, in der Lancken vnd im Stuerschen Ende, denen aus der Marcke vnd andern frembden nationen zum teuersten bei Tonnen, Corben vnnd Karren verkauffen, damit die Armuth zu Plawe nichtes bekommen vund dagegen des trucknen brodes sich ersettigen mußten."


Die Metkow
und der Aalfang auf derselben.

Im J. 1295 schenkte der Fürst Nicolaus von Werle dem Cistercienser = Kloster Neuencamp in Festland Rügen (jetzt Franzburg), welches viele Besitzungen in Meklenburg hatte, das Eigenthumsrecht an dem Aalfange in dem See 1 ) bei der Stadt Plau und beschrieb dessen Grenzen folgendermaßen:


1) Vgl. Urk. Samml. Nr. XIX.
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von der Medekow, wo sich der Eldefluß zuerst in den plauer See ergießt, bis zu einem Orte Cutzinerorth genannt, von hier bis zu einem Orte Namens Sonnenberg, welcher ganz zu dem Aalfange gehören sollte, von hier bis zu einem Baume an einem Orte Namens Slapesow und von dort bis zu der Brücke, welche über die Elde in die Stadt führt.
(prope civitatem Plawis in stagno, prout hiis terminis concluditur: primo a Medekowe, ubi se Eldena fluvius prefato stagno Plawis primitus infundit, usque in locum, qui dicitur Cutzinerorth, et abhinc usque in locum, qui vocatur Sunnenberge, qui totaliter ad prefatam capturam pertinet, et abhinc usque ad cuiusdam loci arborem, qui Slapesowe dicitur., et sie usque ad pontem, quo trans flumen Eldenam transitur in civitatem).

Alle diese Oertlichkeiten sind für die Topographie und Geschichte der Gegend von Wichtigkeit, aber noch nicht bekannt. Der Aalfang sollte vor der Stadt in der Gegend der Elde ausgeübt werden; es ist also im Allgemeinen die jetzige große Wiesenfläche um die Burg bis an die Elde und den plauer See, vielleicht auch gar noch die Stelle der Burg, welche damals wohl noch nicht die Ausdehnung hatte, wie jetzt, unter dieser Begrenzung zu verstehen. Diese ganze Wiesenfläche stand früher unter Wasser; noch bei Menschengedenken standen große Wasserflächen in den Wiesengründen und einige sind erst vor gar nicht langer Zeit trocken gelegt, namentlich durch die bei der Schiffbarmachung der Elde (seit 1792) in den Jahren 1802 und 1803 vorgenommene Senkung des plauer Sees um 27 Zoll. Nach einem Grundrisse der Burg Plau aus dem Ende des 16. Jahrh. bespülte damals der See die östlichen Wälle der Burg. Die Gegend des Aalfanges ist diejenige, welche in Meklenburg in Bildern IV im Vordergrunde abgebildet ist.

Die angegebenen Grenzpunkte bezeichnen die Ausdehnung des Aalfanges.

Vor dem Ausflusse der Elde aus dem plauer See liegt eine Insel mit Wiesengrund, welche die "große Wiese" heißt. Diese theilt den Ausfluß in zwei Arme. Der nördliche, breitere und tiefere Arm, das Fahrwasser für größere Fahrzeuge, zwischen der großen Wiese und dem Seeufer nördlich von der Elde, heißt die Elde; der in der Richtung der Elde einströmende Arm, zwischen der großen Wiese und dem Seeufer südlich von der Elde, heißt die Reke, eben so ein noch mehr südlicher

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Einfluß: so daß die große Wiese nordwestlich von der Elde, südlich von der Reke und östlich von dem plauer See bespült wird. Dort wo diese beiden Arme zusammenfließen, also zwischen der Stadt und der großen Wiese, erweitert sich die bei der Stadt sich bald verengende Elde, und diese Erweiterung heißt die Metekow, noch heute die Metow, auch wohl die "tiefe Metow", im Gegensatze zu der "flachen Metow", wie die große Wiesenfläche um die Burg genannt wird, welche früher ganz unter Wasser stand. Auf alten Plänen und Charten ist ringsum die Burg bis zur großen Wiese nichts als Wasser. Hat auch die Urkunde von 1295 darin Unrecht, daß sie hier die Elde in den See fließen läßt, während sie aus demselben fließt, so bezeichnet sie doch bestimmt hier den Anfang ("primitus infundit") der Elde. Die Metkow wird in den Acten sehr häufig genannt und einige Male genau bezeichnet, z. B. im J. 1610:

"Das geringe Wasser, die Metkow genannt, zwischen der großen Wischen und der Elden = Brücke gelegen."

Dagegen war im J. 1590

"der Wasserstrom die Reke genandt zwischen dem Plawer Sehe und der Metkow gelegen."

Von der Metow ging die Grenze bis an den Cutzinerort. Cutzin ist das jetzige Dorf Quetzin, nördlich von Plau, am See, und Ort heißt: Ecke, Spitze, wie: Klützer Ort = Klützer Ecke. Cutzinerort heißt also: Cuetziner Ecke. Noch heute führt ein südlicher Vorsprung der Feldmark Quetzin in den plauer See den alten Namen Quetziner Ort. Die Stadt Plau erwarb im J. 1348 das Eigenthum des Dorfes Quetzin und zu Erbpacht die 6 Pfarrhufen in Quetzin; die Ausdehnung des alten Dorfackers ist daher nicht mehr genau zu erkennen, da quetziner Dorfacker zur plauer Stadtfeldmark genommen ist.

Vom Quetziner Ort erstreckte sich das Gebiet des Aalfanges bis zum Sonnenberge, welcher ganz zum Aalfange gehören sollte. Diese Stelle ist sehr schwer zu erforschen und hat erst nach Jahre langen Bemühungen ermittelt werden können. Der "Sonnenberg" existirt unter diesem Namen nicht mehr; jedoch läßt sich die Stelle durch Vermittelung eines andern Namens erforschen. Auf der Rückseite der Original = Urkunde von 1295 steht eine gleichzeitige Registratur des Inhaltes, daß die Angabe verschieden und es unbestimmt sei, ob der Berg Sonnenberg oder Goldekenberg heiße:

"In presenti priuilegio est vocabulum quoddam pro ostensione terminorum angvillarum capture

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in stagno Plawe, quod Sunnenberge hic notauimus, dubitantes propter diuersorum relatus hominum, utrum, vt habetur in priuilegio isto, Sunnenberge, an Goldekenberghe uocitetur."

Deshalb ward von der Urkunde gleichzeitig ein zweites Original ausgefertigt, in welchem der Name Sonnenberg gar nicht vorkommt, sondern die Grenze nur mit dem Namen Goldekenberg bezeichnet wird, damit das Kloster: nach Belieben seine Rechte wahrnehmen könne, wenn ein Name dunkel werden sollte.Aber auch der Goldekenberg war lange nicht zu finden. Es mußte, nach langem Forschen, eine Stelle im plauer See sein, da alle übrigen Grenzbezeichnungen, mit Ausnahme der Metkow, Landgrenzen sind. Nun liegt im See, ungefähr in der Mitte der Entfernung von der Stadt bis zum Quetzinerort, eine ganze Strecke weit vom Ufer entfernt eine Bank oder ein "Berg", über welchem nur 12 Fuß hoch Wasser steht und welcher noch heute Göhlkenborg 1 ) genannt wird. Dies ist ohne Zweifel der Goldekenberg; zwar stimmt die letzte Sylbe (-borg) nicht zu der alten Ausprache (-berg), aber schon am 11. Sept. 1483, als die Herzoge diesen Aalfang an die Stadt Plau verkauften, ward diese Grenzbezeichnung Goldekenborch 2 ) genannt. Die Göhlkenborg ist also ohne Zweifel der Sonnenberg.

Von der Goldekenburg ging die Grenze des Aalfanges bis zu einem Baume an einem Orte, welcher Slapesow genannt wird. Dies ist ohne Zweifel eine Landgrenze. Slâpsow war ein Dorf, welches nördlich dicht bei der Stadt lag; die Stadt Plau kaufte es im J. 1244 mit dem Rechte, es zur Stadtfeldmark zu legen, was im J. 1298 auch schon geschehen war, da damals nur noch von dem Felde Slapesow die Rede ist. Die Feldmark des Dorfes Slapsow streckte sich nördlich von der Stadt, zwischen dieser und der Feldmark Quetzin, bis zum plauer See. Der östliche hohe Vorsprung des festen Ackerlandes bis an die Wiese am See heißt noch jetzt die "Slâpshöhrn". Das Wort Horn oder plattdeutsch Höhrn oder Hührn heißt: Spitze, Winkel, und dahern heißt Slâpshörn = die Spitze des Dorfes Slâpsow. Auf dieser Slâpshöhrn stand noch bei Menschengedenken eine uralte Eiche, welche den Seefahrern zum "Merkzeichen" diente; diese Eiche ist gewiß der Baum,


1) Ich verdanke die Aufkklärung über diese und mehrere andere Oertlichkeiten bei Plau der kundigen Führung des Herrn Kaufmanns Daries zu Plau, weldcher auf der Wiese in der Mitte des alten Aalfanggebietes jetzt eine Kalkbrennerei am See besitzt.
2) Vgl. Urk. Samml. Nr. LX.
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auf dem Orte Slapesow, welcher in der Urkunde genannt wird. Der Wiesenvorsprung unter dieser Höhe bis an den See heißt noch jetzt: de Slâps. Das Endungs - s in Slâps und Slâpshöhrn ist in der Volkssprache noch ganz klar.

Von dem Baume auf der Slâpshörn ging die Grenze des Aalfanges zurück bis an die Eldenbrücke vor der Stadt, also nahe bis zu dem Ausgangspuncte der Grenzen bei der Metkow.

Der Aalfang umfaßte also die Metkow, den Eldeneinfluß bis zur Brücke, abwärts die Wiesen von dem Eldeneinflusse, der Stadt und der Burg am festen Lande entlang nördlich von der Stadt bis zur Grenze des Dorfes Quetzin (Quetzinerort) und von Westen gegen Osten die Wiesenflächen und das Wasser vom Slâps bis zur Göhlkenborg.

Als am 11. Sept. 1483 die Herzoge ihren Aalfang in dem plauer See und Wasser an die Stadt verkauften 1 ), zogen sie die Grenze

"von der Eldenbrücke vor Plau bis an den Quetziner Ort, von hier bis zur Goldekenborg und ferner bis zum Saume zu Schlapsow".

Das Wort "Saum" (sôme) ist schon ein Mißverständniß für "bôm", welches im J. 1295 durch "arbor" bezeichnet wird.


Die plauer Mühlen.

Die Mühlen der Stadt Plau in Verbindung mit der Fischerei und dem Aalfange sind für die Geschichte nicht allein der Stadt, sondern auch des Landes von Interesse. Plau hatte zwei Mühlen, eine Binnenmühle und eine Außenmühle, d. h. eine Mühle in der Stadt und vor der Stadt, wie häufig die Städte Mühlen innerhalb und außerhalb der Stadt hatten, um durch die Binnenmühlen für den Fall einer Belagerung gesichert zu sein. Beide Mühlen gehörten in der ältesten Zeit den Landesherrn. Am 12. Mai 1273 verlieh 2 ) der Fürst Nicolaus von Werle den Bürgern Bernhard Bödeker und Dieterich Theneke die beiden Mühlen, mit der Fischerei für einen Fischer, gegen eine jährliche Pacht von 22 Wispeln von der Binnenmühle und von 11 Wispeln und 1 Pfund von der Außenmühle, halb Roggen und halb Gerstenmalz, und die Aalwehre oder Aalkiste (Ceran) 3 ) bei der Mühle gegen eine Pacht von 7 Mark 4 Schil=


1) Vgl. Urk. Samml. Nr. LX.
2) Vgl. Lisch Gesch. des Geschlechtes Hahn, I, B, Nr. XXII, S. 49.
3) Der wendische Name für eine Aalwehre, Aalkiste oder Aalfang ist Ser= (  ...  )
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lingen. Von diesen Pächten verpfändeten 1 ) am 25. Febr. 1278 die Fürsten Heinrich und Johann von Werle den lübeker Bügern und Patriciern, auch Knappen 2 ) (famuli) genannt, Wedekind von der Brügge und Bernhard von Wittenborg 2 ) 7 1/2 Wispel Roggen und 7 1/2 Wispel Gerstenmalz aus der Binnenmühle zu Vasallenrecht, unter der Bürgschaft von 4 Rittern und Knappen 3 ), welche sich zum Einlager in Parchim verpflichteten. Die Pfandnehmer waren ohne Zweifel lübeker Patricier, da die Fürsten ihnen die Summe von 300 Mark lüb. Pf., für welche sie ihnen die Pächte verpfändet hatten, in Lübek zurückzuzahlen versprachen. Am 28. Sept. 1284 verpfändeten die Fürsten Nicolaus von Werle und seine Brüder aus derselben Binnenmühle dem plauer Patricier und Bürger Heinrich Swartepape 4 ) 10 1/2 Wispel Roggen und 1 Pfund Pfenninge zu Lehnrecht für 200 Mark lüb. Pf., ebenfalls unter Bürgschaft von 2 Rittern, die sich zum Einlager in Plau verpflichteten.

Bald darauf vekauften die Fürsten beide Mühlen. Am 20. Febr. 1282 verkaufte der Fürst Johann von Werle dem Kloster Doberan für 485 Mark Pf. die Außenmühle 5 ), oder vielmehr die Kornpächte aus derselben, mit Ausnahme von 3 Mark Pf., welche dem Vasallen Radeke von Kardorf verpfändet waren, stellte dem Kloster die Erwerbung des Eigenthumsrechts frei und versprach demselben, wie im J 1273 den lübeker Bürgern, daß Niemand eine Meile ober = oder unterhalb eine andere Mühle anlegen dürfe; auch schenkte der Fürst dem Kloster die Zollfreiheit für alles Getreide, welches es von seinen Mühlen in der Herrschaft Werle ausführen würde.


(  ...  ) rahn oder Zerrahn, ein Name, der sehr häufig vorkommt, und von dem auch wohl das Dorf Serrahn den Namen hat. Ein alter Graben am linken Ufer der Elde, von der Metow bis hinter die Mühlen, welches das wilde Wasser des Sees ableitete, hieß noch in neuerer Zeit der Zerrahn.
1) Vgl. Urk. Samml. Nr. XIII.
2) Diese Pfandnehmer sind ohne Zweifel lübeker Patricier, da Glieder von beiden Familien öfter im lübeker Rath sitzen. Von Interesse ist, daß beide im Verlaufe der Urkunde wiederholt ausdrücklich Knappen (famuli) genannt worden, wenn auch nicht bei ihren Namen. Ein Johann von Wittenborg aus dieser Familie war im J. 1246 meklenburgischer Vasall von einem Theile von Tarnewitz, der nach ihm Wittenborgerhagen hieß, vgl. Jahrb.XIII, S. 396 und 339. Bis zum J. 1351 besaß der Knappe Heinrich Wittenborg 5 Hufen in Klippatendorf bei Malchow (vgl. Lisch Beurtheilung S. 13 - 14) und bis zum J. 1338 der Vasall Nicolaus Wittenborg 3 Hufen in demselben Dorfe vgl. das. S. 41). Also waren die Wittenborg auch in der Gegend von Plau ansässig.
2) Diese Pfandnehmer sind ohne Zweifel lübeker Patricier, da Glieder von beiden Familien öfter im lübeker Rath sitzen. Von Interesse ist, daß beide im Verlaufe der Urkunde wiederholt ausdrücklich Knappen (famuli) genannt worden, wenn auch nicht bei ihren Namen. Ein Johann von Wittenborg aus dieser Familie war im J. 1246 meklenburgischer Vasall von einem Theile von Tarnewitz, der nach ihm Wittenborgerhagen hieß, vgl. Jahrb.XIII, S. 396 und 339. Bis zum J. 1351 besaß der Knappe Heinrich Wittenborg 5 Hufen in Klippatendorf bei Malchow (vgl. Lisch Beurtheilung S. 13 - 14) und bis zum J. 1338 der Vasall Nicolaus Wittenborg 3 Hufen in demselben Dorfe vgl. das. S. 41). Also waren die Wittenborg auch in der Gegend von Plau ansässig.
3) Diese Urkunde ist auch dadurch wichtig, daß hier einmal der Begriff Adel in alter Zeit vorkommt, indem die Fürsten versprechen, daß, wenn von diesen bürgenden Rittern und Knappen einer sterben sollte, sie dafür einen andern von eben so großem Adel (tantae nobilitatis: d.h. vornehmer Geburt), Rechtssinn und Vermögen einstellen wollen.
4) Vgl. Lisch Gesch. des Geschlechts Hahn I, B, Nr. XLVIII, S. 109.
5) Vgl. Urk. Samml. Nr. XIV.
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Darauf verkaufte der Fürst Nicolaus von Werle dem Kloster Neuen = Camp am 8. Mai 1295, an demselben Tage, an welchem er dem Fürsten Wizlav von Rügen, dem Landesherrn des Klosters, die Stadt Plau verpfändete, für 415 Mark Pf. das Eigenthum der Binnenmühle 1 ) mit aller Gerichtbarkeit und Freiheit und mit der Erlaubniß zur Haltung eines Fischers und Serrahns (Aalkiste), unter der Vergünstigung, daß eine Meile weit ober = und unterhalb keine andere Mühle angelegt werden dürfe.

Die Cistercienser = Klöster strebten, bei ihren landwirthschaftlichen Bemühungen um die Cultur des Landes in alter Zeit, vorzüglich nach dem Besitze der Mühlen, theils um die Producte von ihren zahlreichen Landgütern gleich auf verschiedene Weise verarbeiten und besser verwerthen, teils um die für die Lebensbedürfnisse so wichtigen Anstalten, bei denen Holzbau und Wasserbau eine so bedeutende Rolle spielen, fortwährend verbessern und zum eigenen und Anderer Nutzen gebrauchen zu können. Außerdem besaßen diese Klöster auch Höfe, Speicher und andere Häuser in den Städten, wo sie Mühlen und bei denselben gewöhnlich einen Hofmeister hatten. In diesem Streben suchten diese Klöster nach und nach in den Besitz solcher Mühlen zu kommen, die ihnen am bequemsten lagen; deshalb tauschten und verkauften sie oft unter einander, so bald sie ihre Besitzungen einigermaßen abgerundet hatten.

Das Kloster Neuen = Camp besaß in Meklenburg als Hauptbesitzung die Mühle und einen Hof in der Stadt Goldberg und viele Aecker bei der Stadt undt die Landgüter Zidderich, Below, Woosten, Augzin, Wendisch Wahren und Kl. Poserin und die Mühle zu Distelow in der Nähe der Stadt, auch die Mühle zu Kuppentin 2 ) zwischen Goldberg und Plau. Das Kloster strebte jetzt darnach, günstige Wasserverbindungen zur Ausfuhr seiner Producte zu gewinnen; und da lag demselben nichts bequemer als die nur einige Meilen von Goldberg entfernte Stadt Plau mit ihren beiden Mühlen, an dem plauer See, der aufwärts durch die große Seenkette und abwärts durch die Elde genug Verkehrsstraßen bot. Wir sehen also hier zum ersten Male in Plau eine lebhaftere Industrie durch die Mühlen aufblühen. Der im J. 1327 in Plau auftretende "Bruder Johann Semelow" 2 ), war ohne Zweifel ein Klosterbruder von Neuen = Camp, der in Plau wohnte, da das Kloster nach der Urkunde vom 29. April 1437 auch einen Wohnhof in der Stadt besaß.


1) Vgl. Urk. Samml. Nr. XVIII.
2) Vgl. Lisch Berichtigung etc. . S. 32.
2) Vgl. Lisch Berichtigung etc. . S. 32.
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Das Kloster Doberan hatte freilich auch Ursache zum Erwerb einer Mühle in Plau gehabt, da es seit alter Zeit in der Nähe der Stadt die Landgüter Gallin und Zarchelin besaß; es besaß im J. 1296 eine Mühle zu Parchim, Gnoien und Plau. Aber Doberan lag zu weit von diesen Gütern entfernt, als daß es nicht gerne mit dem befreundeten Kloster Neuen = Camp irgend einen bequemen Vertrag sollte geschlossen und das Koster Neuen = Camp befördert haben , wenn diesem besonders daran gelegen war. Dazu waren Streitigkeiten zwischen den Besitzern beider plauer Mühlen nicht zu vermeiden, und es war günstiger, beide in Eine Hand zu bringen.

Am 24. Juli 1296 vertauschte das Kloster Doberan die in seinem Besitze befindliche Außenmühle an das Kloster Neuen = Camp 1 ) gegen 1 1/2 Chor Salz aus einer Gungpfanne links in dem Hause Derntsing in der Saline zu Lüneburg; das Eigenthum der Mühle hatte das Kloster Doberan jedoch noch nicht erworben, konnte es also auch nicht auf das Kloster Neuen = Camp übertragen, obwohl der Fürst Nicolaus von Werle den Tausch am 29. Juni 1296 bestätigte. Im J. 1298 erwarb das Kloster Doberan die beiden bei der Stadt Krakow liegenden Seen 2 ), den großen krakower See und den oldendorfer See, welche dem Kloster wohl Gelegenheit zur Anlegung einer Mühle gaben.

Im J. 1295 hatte der Fürst Nicolaus von Werle dem Kloster Neuen = Camp den Aalfang 3 ) bei der Mühle, in der Metkow und auf dem großen See bis zur Göhlkenborg und bis zur Grenze von Quetzin mit dem Eigenthumsrecht und aller Gerichtsbarkeit geschenkt.

Diese Erwerbungen des Kosters Neuen = Camp sind für die Stadt Plau für die Folgezeit von der höchsten Wichtigkeit.

Am 6. Dec. 1298 gab der Fürst Nicolaus von Werle dem Kloster Neuen = Camp aus besonderer Zuneigung das auschließliche Mühlen = Privilegium 4 ) für Plau, indem er bstimmte, daß auf den plauer Stadtäckern und den benachbarten Feldern Niemmand Wind =, Roß = oder andere Mühlen zum Nachtheil der dem Kloster gehörenden Wassermühlen anlegen dürfe. Am 13. Jan. 1299 gab der Fürst Nicolaus dem Kloster Neuen = Camp die Erlaubniß 5 ), die Außenmühle nach Belieben abzubrechen, und die Versicherung, daß Niemand auf der Stelle derselben, wenn das Kloster den Abbruch für zweckmäßig befinden sollte,


1) Vgl. Urk. Samml. Nr. XX.
2) Vgl. Urk. Samml. Nr. XXI.
3) Vgl. Urk. Samml. Nr. XIX.
4) Vgl. Urk. Samml. Nr. XXII.
5) Vgl. Urk. Samml. Nr. XXIV.
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oder sonst wo, gegen den Willen des Klosters eine andere Mühle zu bauen Macht haben solle.

So kam das Kloster Neuen = Camp noch vor Ablauf des 13. Jahrh. in den vollständigen Besitz sämmtlicher und ausgedehnter Mühlengerechtsame in der Stadt Plau, wenn es auch nicht bekannt ist, daß es das Eigenthumsrecht an der Außenmühle besonders erworben haben sollte.

Als aber einige plauer Bürger anfingen, die Mühlen des Klosters zu beeinträchtigen, bestätigte der Fürst Johann von Werle demselben alle erworbenen Privilegien und versicherte ihm die Freiheit der Mühlenfuhr, das Recht, einen Mühlenwagen zur An = und Abfuhr der Producte zu halten, und die Mattengerchtigkeit nach herkömmlichem Gebrauche.

Störend war jedoch für alle Zeiten, daß das obere Ende der eigentlichen Elde, so weit sie bis zur Mühle die Stadt berührt, nicht in den Besitz des Klosters kam; es wären dadurch alle die Stadt unmittelbar bespülenden Gewässer in Eine Hand gekommen und dadurch manche Streitigkeiten vermieden worden, um so mehr da auch die Gräben der fürstlichen Burg in Verbindung mit der Elde standen und es mit den fürstlichen Vögten oft zu vielfachen Streitigkeiten über die Benutzung der Wasser kam. So hatten wahrscheinlich die Fürsten unter der Brücke zu Plau in der Elde einen Serrahn (Tzaran) oder Aalfang (âllewêre) aus welchem die Swatepapen am 21. Dec. 1386 den ihnen schon lange gehörenden dritten Theil der dort gefangenen Aale den Brüdern Heinrich und Vicke v. Bülow, denen das Land Plau zum Pfande stand, verkauften 1 ).

So blieb das Kloster Nuen = Camp an 150 Jahre im Besitze der beiden Mühlen zu Plau und der dazu gehörenden Fischereigerechtigkeiten.

In der ersten Hälfte des 15. Jahrh. veräußerten aber die entferntern ausländischen Cistercienser = Klöster nach und nach ihre Besitzungen in Meklenburg, namentlich die kleinern Besitzungen: die Klöster hatten ihre Bestimmung erfüllt, d. h. die landwirtschaftliche Bildung gesichert, erweitert und verbreitet, und konnten bei ihrer großen Entfernung die entlegenen Güter nicht mehr mit Vortheil bewirthschaften.

Bald nachdem die Herzoge von Meklenburg das Land Werle durch das Aussterben der Fürstenhauses (1436) ererbt und der Stadt Plau am 25. Januar 1437 ihre Privilegien bestätigt hatten, kauften 2 )2 sie am 29. April 1437 von dem Kloster


1) Vgl Urk. Samml. Nr. XLIII.
2) Vgl. Urk. Samml. Nr. LIV.
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Neuen = Camp für 1600 Mk. sund. Pf. dessen Mühlen in und vor der Stadt Plau mit der Fischerei und dem Aalfange ("vischeryen, wêren vnde tzerane"), mit aller Gerichtsbarkeit und mit einem Wohnhause in der Stadt Plau, welches das Kloster seit alter Zeit zu der Mühle zu Stadtrecht besessen hatte. Für das Kaufgeld verpfändeten die Landesherren dem Kloster eine jährliche Hebung von 120 Mk. sund. Pf. aus der Orbör der Stadt Ribnitz.

Seit dieser Zeit sind die Landesherren im Besitze der plauer Mühlen geblieben.

Der Aalfang aber, welcher dem Kloster Neuen = Camp gehört hatte, ging an die Stadt Plau über. Am 11. Sept. 1483 schenkten die Herzoge Magnus und Balthasar "aus besonderer Gunst und Gnade" der Stadt die Aalwehren und den Aalfang 1 ), welchen sie in dem See und Wasser zu Plau besaßen, zum freien und ausschließlichen Besitze, in den Grenzen 2 ), in welchen das Kloster Neuen = Camp im J. 1295 hier den Aalfang geschenkt erhalten, nämlich von der Eldenbrücke (über die Metkow) bis an den quetziner Ort in die Länge und von dem Ufer von Slapsow bis an die Göhlkenborch in die Breite. Diese Schenkung bestand jedoch mehr in dem Rechte über die Gewässer, als in einem unbeschränkten Genusse des Ertrages; der Stadt ward nämlich bei dieser Schenkung aufgelegt, jährlich an die Landesherren 20 Stiege Aale (à 20 Stück) und 10 stralsund. Mark zu geben und ferner alle bisher gewöhnlichen Pächte von dem Aalfange zu leisten: nämlich dem Kloster Neukloster 14 Stiege Aale und dem Rathe und den an der Kirche bestätigten Vikarien zu Plau die herkömmlichen Pächte, welche jedoch nicht genannt sind. Dem Nonnenkloster Neukloster oder Sonnenkamp ward schon am 1. Aug. 1272 von dem Fürsten Nicolaus von Werle eine Lieferung von 40 Bund ("snesas, bunde") Aale aus der Fischerei zu Plau 3 ) versichert, und am 14. April 1483 bestätigten die Herzoge Albrecht, Magnus und Balthasar dem Kloster eine jährliche Lieferung von 14 Stiegen guter, getrockneter und gesalzener Aale 4 ), durch den Vogt zu Plau kostenfrei zu übersenden, wogegen die Herzoge den Aalfang zu Plau ungeschmälert benutzen sollten.

Auf diese Weise ist die Metkow an die Stadt Plau gekommen, nämlich durch den im J. 1295 dem Kloster Neuen = Camp geschenkten Aalfang auf diesem Wasser, mit dem Eigen=


1) Vgl. Urk. Samml. Nr. LX.
2) Vgl. die Abhandlung über den Aalfang des Klosters Neuen = Camp, S 81 flgd.
3) Vgl. Lisch Mekl. Urk. II, S. 52.
4) Vgl. das. S. 238.
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thumsrechte und aller Gerichtsbarkeit und mit der ausdrücklichen Bestimmung, daß niemand anders weder mit Wehren, noch mit irgend einem Fischergeräthe in diesem Wasser Aal fangen dürfe. Dazu hatte der Rath der Stadt besonders seit alter Zeit den Genuß einer bestimmten Aallieferung von dem jedesmaligen Besitzer des Wassers. Ein gleiches Recht besaßen die Vikarien der Kirche; aus diesem Verhältnisse ergiebt sich, daß nach der Reformation neben der Stadt die plauer Geistlichkeit als Miteigenthümerin der Metkow angesehen ward.

Dieses Verhältnisses wird in den Acten sehr oft gedacht. So heißt es in den "Beschwerungen der Stadt Plau gegen den Hauptmann" vom J. 1563:

"Thom Andern hefft dath Gadeshuß sampt der Stadt eine gerechticheit ihn dem Wather, so ahn der Stadt, die Metkow gehethenn, dath anhe vorwethenn des Rades vnnd Gadeshußlude nich mith Wadenn daruppe gefischet mach werdhen, welches der Houethman nichteß achtet, besunder wenß ehme gelegenn, daruppe fischen leth."

Seit dieser Zeit herrschten aber das 16. und 17. Jahrhundert hindurch beständig heftige Streitigkeiten zwischen den herzoglichen Amtleuten auf der Burg und dem Rathe der Stadt über die Fischerei auf der Metkow, indem jene sich oft übermüthige Uebergriffe, die Bürger und Fischer oft Ueberschreitung ihrer Gerechtsame erlaubten. So heißt es z. B. im J. 1610:

"Das Sie (der Rath) E. f. g. zu vnderthenigem gehorsamb hindter Dero Veste den eingang nach S. Jurgen wehrts 12 ruten in die Metkow (welche damals, als die flache Metkow, bis an die Burg ging) gewilliget, So auch alßbaldt mit 2 Pfählen gemercket worden, welchs in Johans vom Hagen, Hauptmans der Zeit alda, ankunft geschehen, wehre auch hernacher ferner verabscheidet, das die Metkow, so viel die Blencke betrifft, solte abgepfälet werden, also das niemandt jenigen Korb oder Reusen innerhalb der Pfälen zu setzen sich vnderstehen solte; so solten auch die Rerke frei sein vnd offen bleiben, damit der Aal keine Hinderung, auch dahero den Pastorn vnd andern kein mangel wiederfuhre."

Ferner heißt es z. B. im J. 1610 in des Raths Beschwerung:

"Auch haben fur etlichen Jahren die Beambten, durch etlicher naseweiser Fischer angeben, welche dem Rahte hieselbst die einige vnd ghar geringe hebung des Ahlfanges nicht gegonnet, fur dem Elden = Thor den

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Dam durchbrochen, einen newen waßerlauff anrichten vnd daran einen Zerrahn hangen vnd bawen laßen, damit der Aal einen andern wegk in den Zerrahn geleidet werden mochte, welcher Anschlag doch übell geraten;"

und:

"Vnnd obwoll wegen des geringen Waßers die Metkow genant, zwischen der großen Wischen vnnd Elden Brucke naher der Stadt gelegen, von E. F. g. Vorfahrten hochloblicher gedechtnuß verordenten hochweisen Rähten vnnd Commissariis, nach langem gehabtem Cantzlei = Proceß, die anordnung gemacht, das gedachte Metkow, so dem Rahtte vnd dem Gotteshause vor vndencklichen Jharen zuegehorig gewesen, von dem Rahtte vnnd Gotteshauße auch ferner solle gefischet werden, allein wan Windes halber ein großer Sturm vorhanden vnnd in der großen Sehe nicht konne gezogen oder gefischet werden, das alßdann des Haußes notturfft dem Wademeister darauff zu ziehenn solle vorstattet sein, So wirt doch solcher Abscheidt sehr mißbrauchet vnd von den sembtlichen Garnmeisters, so offter es ihnen geliebt vnnd ohne das stille vnd guett Wetter vorhanden ist, ohne einige vntersagung der Beambten darauff gezogen."

Im vorigen Jahrhundert, ehe die Seen gesenkt und die Eldengewässer schiffbar gemacht und regulirt wurden, hatte die Stadt, nach einem alten Risse, mehrere Mühlen an der Elde. Diese Mühlen lagen kurz vor dem Ausgange der Elde aus der Stadt an der Stadtmauer. Hier liegt eine Insel in der Elde, wodurch sich der Fluß in zwei Arme theilte. Auf dieser Insel stand den Binnenmühlen gegenüber ein "alter Thurm, bis zu welchem die Stadtmauer über den Eldenarm hinüber fortgeführt war." An dem rechten Ufer der Elde, dem Thurme gegenüber, in der Stadt ein der Stadtmauer, dort, wo jetzt die Fabrikgebäude stehen, standen die Binnen = Kornmühle und die Walkmühle. Am linken Ufer der Elde, also am linken Eldenarm, außerhalb der Stadt, lagen den Binnenmühlen gegenüber die Graupenmühle auf dem festen Lande, die Sägemühle auf dem Flusse, die Aalkiste und an der Insel die Schleuse für die Holzflöße. Von der Metow ging durch das feste Land ein Graben, der Zerrahn genannt, durch das feste Land am linken Ufer und mündete unterhalb der Mühlen; dieser Graben diente dazu, das überflüssige Wasser des Sees von der Mühle abzuleiten.


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5. Geschichte der Stadt Plau im Mittelalter.

1.

Plau unter den Borwinen bis zur Landestheilung.

Als nach den verheerenden Kreuzzügen des braunschweigischen Heinrichs des Löwen die alten wendischen Burgwälle von den Landesfürsten verlassen waren und diese ihre Sitze in die heiterern, an bequemern Stellen gegründeten deutschen Städte verlegt hatten, blüheten diese neuen Stiftungen kräftig und lustig auf und erstarkten schon in dem ersten Jahrhundert ihres Bestehens zu einer Durchbildung, welche man bei der Gründung wohl kaum geahnt hatte. Die fürstliche Burg Quitzin 1 ) verschwindet als solche mit dem Untergange des Heidenthums aus der Geschichte und die um das Jahr 1225 an dem Ausflusse der Elde aus dem plauer See und an einer bedeutenden Landstraße gegründete Stadt Plau 2 ) nimmt sehr bald ihre Stelle ein.

Die deutsche und christliche Cultur beginnt in diesen Gegenden damit, daß der alte Fürst Borwin I. im J. 1223 am 29. Dec. seine Domäne Gaarz 3 ) mit einem alten Burgwalle und einige Tage vorher, am 23. Dec., das Dorf Gardin 4 ), beide dicht bei Plau, dem Dom = Capitel zu Havelberg schenkte. Einige Jahre später, um das Jahr 1225, wird von den Fürsten Borwin, Vater und Sohn, die Stadt Plau gegründet sein, welche mit dem parchimschen Stadtrechte bewidmet ward, da sie in dem Lande oder der Vogtei Parchim , früher Land Warnow, lag; der plauer See bildete die Grenze zwischen den größern heidnischen Ländern Warnow und Müritz, seit der Germanisirung Parchim und Malchow genannt. Im Besondern aber ward Plau der Hauptort des kleinern Gaues Cutzin (Quitzin), wie der Gau Cutzin das spätere Amt Plau bildete.

Der alte Fürst Borwin I. starb am 28. Jan. 1227, nachdem sein Sohn Heinrich Borwin II. schon am 4. Juni 1226 vor ihm gestorben war, und ließ seine vier Enkel in Minderjährigkeit zurück, für welche eine Vormundschaft von Großen des Landes oder Vasallen das Land regierte. Als der älteste, Johann I. der Theologe, volljährig geworden war, ward, das Land im J. 1229 zuerst in zwei Herschaften getheilt 5 ), und bestimmt, daß immer einer der beiden ältern Brüder einen der


1) Vgl. Abhandlung oben S. 23 flgd.
2) Vgl. oben S. 31 flgd.
3) Vgl oben S. 19 flgd. und S. 50 flgd.
4) Vgl. oben S. 60.
5) Lisch in Jahrb. X, S. 1 bis 22.
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jüngern zu sich nahm und für ihn dessen Landesantheil in gemeinschaftlicher Regierung mit verwaltete. Der älteste Bruder Johann, dem der nordwestliche Landestheil zugefallen war, nahm seinen jüngsten Bruder Pribislav zu sich, dem später der südwestliche Landestheil zufiel; dieser ward sicher erst nach dem J. 1234 volljährig. Im J. 1235 bestätigten noch alle vier Brüder die Privilegien der Stadt Plau und wiederholten in der Bestätigungs = Urkunde 1 ), der ältesten Urkunde der Stadt Plau, das der Stadt Plau verliehene parchimsche Stadtrecht; wahrscheinlich wirkten sie, obgleich schon die drei älteren Brüder sicher selbstständige Landesherren waren, hier noch ein Mal zusammen, weil Pribislav noch nicht volljährig oder noch nicht selbstständiger Landesherr war, und um die Stiftung ihres Großvaters, dessen Erben sie alle gewesen waren, zu versichern; denn wenn auch die Stadt Plau schon 10 Jahre vorher gegründet war, so mochte doch der Aufbau und die Ordnung derselben nur langsame Fortschritte gemacht haben. In dem Zeitraume von 1225 - 1235 wird denn auch schon die Kirche zu Plau gegründet und der Chor derselben in seiner jetzigen Gestalt vollendet sein, da er noch mehrere Eigenthümlichkeiten des Rundbogenstyls besitzt. Der erste Pfarrer von Plau hieß Hermann (sicher 1235 - 1244), ein Mann, welcher ohne Zweifel viele Verdienste um die junge Pflanzung hatte.

In demselben Jalhre 1235 bestätigte der Bischof Brunward von Schwerin die an die Pfarre Plau grenzende alte Pfarre Kuppentin 2 ), ohne zweifel eine der ältesten Pfarren in dieser Gegend.


2.

Plau unter richenbergischer Herrschaft.

Im J. 1238 trat Pribislav die Regierung 3 ) über den südwestlichen Theil Meklenburgs, das Land Warnow, an (von Brenz bis Plau und von der Elde bis Sternberg) und nahm seinen Sitz auf dem Burgwalle neben der Stadt Parchim, von welcher er sich den Titel Herr von Parchim beilegte.

Die Stadt Plau blühete jetzt ungewöhnlich kräftig auf, indem sie in dem ersten Jahrhundert ihres Bestehens nicht allein in sich vollständig ausgebaut und geordnet ward, sondern auch fünf angrenzende Dörfer zu der Stadtfeldmark erwarb.


1) Vgl. Urk. Samml. Nr. V.
2) Vgl. Abhandlung oben S. 16 flgd. und Urk. Samml. Nr. VI.
3) Vgl. Beyer in Jahrb. XI, S. 49.
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Am 7. April 1244 verlieh zu Plau der Fürst "Pribislav von Parchim" der Stadt das nördlich an die Stadtfeldmark grenzende, zwischen Plau und Quetzin liegende Dorf Slapsow 1 ), mit der Erlaubniß, es zur Stadtfeldmark zu legen, was denn auch bald geschehen sein wird. Die Stadt hatte das Dorf von dem Ritter Johann von Schnakenburg gekauft 2 ) und ordnete bald die Zehntenlieferung von demselben 3 ). Noch im J. 1298 kaufte die Stadt die Swartepapen 4 ) aus, welche einige Aeker auf der Feldmark Slapsow besaßen.

Schon im J. 1247 soll die Schmiedezunft in Plau gestiftet sein. Im J. 1615 bezeugt das Amt der Grob = und Kleinschmiede nebst den Metzmachern, "daß das Amt der Schmiede von einem E. Rath der Stadt Plauwe im Jahr nach Christi Geburdt Ein Tausendt Zwehe hundert vnd Sieben vndt viertzigsten fundiret vnd gestifftet" worden sei.

Im J. 1249 bezog der Fürst Pribislav seine von ihm neu gegründete Residenz zu Richenberg 5 ), an der nördlichsten Krümmung der Warnow bei Critzow, nicht weit vom östlichen Ufer des schweriner Sees, und nannte sich von jetzt an "Herr zu Richenberg". Bald darauf gerieth er mit dem Bischofe Rudolf I. von Schwerin, einem übermüthigen und kampflustigen Priester, in die heftigsten Streitigkeiten 6 ) über die ungemessene Ausdehnung der bischöflichen Gerechtsame und die Zehntenerhebung; aus einem der Kämpfe führte Pribislav im J. 1252 den Bischof gefangen auf seine Feste Richenberg, entließ ihn jedoch gegen ein mäßiges Lösegeld bald seiner Haft. Wenn auch Pribislav sehr versöhnlich und freigebig gegen die Geistlichkeit war, so schützte ihn dies doch nicht vor neuen Zerwürfnissen mit dem Bischofe, der wegen der von mehreren Vasallen und den Städten Parchim und Plau 7 ) ihm angeblich gebührenden Bischofszehnten in Streit gerieth, da der Bischof die Ausdehnung seiner Zehntengerechtigkeit zu weit ausdehnte.

Im J. 1230 hatten nämlich die Fürsten Johann und Pribislav mit dem Bischofe von Schwerin, damals Brunward, einen Vertrag dahin abgeschlossen, daß der Bischof 8 ) den Fürsten die Hälfte des ganzen Zehntens von dem ganzen Lande Warnow überließ und dieselben mit den ganzen Zehnten von den damals


1) Vgl.Urk. Samml. Nr. VII.
2) Vgl. Urk. Samml. Nr. IX.
3) Vgl. Urk. Samml. Nr. X.
4) Vgl. Urk. Samml. Nr. XXIII.
5) Vgl. Jahrb. X, S. 30 und XI, S. 55.
6) Vgl. Beyer in Jahrb. XI, S. 57 flgd.
7) Vgl. Beyer a. a. O. S. 62.
8) Vgl. Beyer a. a. O. S. 46 flgd.
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schon zu Lehn ausgegebenen Vasallengütern belehnte, wogegen die Fürsten sich zur Beitreibung der andern, dem Bischofe gebührenden Hälfte dieser verhaßten Abgabe verpflichteten. Der Bischof wollte aber seine angeblichen Rechte weiter ausdehnen und griff in Verfolgung derselben zu den kräftigsten Mitteln, welche er benutzen konnte. In Folge derselben schlossen beide Parteien am 3. März 1255 zu Dobbertin einen Vergleich, durch welchen der Bischof 1 ) zwar dem Fürsten das Recht auf die Zehnten aus den vor 1230 erbaueten Städten Plau und Parchim, so wie aus den Dörfern Stieten und Zölkow einräumte, dieselben aber dem Fürsten als Lehn des Bischofs übertrug. Dennoch entstanden hierüber wieder Streitigkeiten, indem bei dem Abschlusse des Vertrages wohl nicht an besondere Einzelnheiten gedacht war. So machte z. B. der Bischof gleich auf die Zehnten aus dem Dorfe Slapsow, welches die Stadt Plau im J. 1244 von dem Ritter Johann von Schnakenburg zur Stadtfeldmark gekauft hatte, ohne Grund Anspruch; dies wird der bisher im Einzelnen unbekannte Streit sein, den der Bischof mit den Schnakenburg 2 ) führte. Der Bischof ließ seine Ansprüche erst fahren, als am 24. Juni 1259 in dem Franziskaner = Kloster zu Rostock der Ritter Johann von Schnakenburg vor dem Fürsten Nicolaus von Werle in Gegenwart des Bischofes den schon von ihm erworbenen Besitz der Zehnten von Slapsow vollständig nachwies 3 ).

Der Fürst Pribislav kam in den letzten Jahren seiner Regierung auch mitunter nach Plau, obgleich dort noch kein Schloß war, als er z. B. dort am 23. April 1254 die Pfarre zu Carow mit 5 Hufen verbesserte 4 ).

Als Pribislav im J. 1255 die Rathmänner seiner Städte (nämlich Parchim, Sternberg und Plau, denn die 1248 gegründete Stadt Goldberg mochte noch nicht geordnet sein) zu Plau versammelt hatte, schenkte er der Stadt Plau die Erlaubniß, von den Feldmarken der Dörfer Quetzin, Grapentin, Gardin und Gedin so wie von dem Hagen, d. i. Plauerhagen, nach ihren Bedürfnissen zu kaufen 5 ); die Dörfer Grapentin und Gedin kaufte 6 ) die Stadt schon im J. 1292 zur Stadtfeldmark 7 ), die Dörfer Quetzin und Gardin erst im 14.


1) Vgl. Beyer a. a. O. S. 63 flgd. und S. 241.
2) Vgl. Beyer a. a. O. S. 62.
3) Vgl. Urk. Samml. Nr. IX.
4) Vgl. Jahrb. XI, Nr. 240.
5) Vgl. Urk. Samml. Nr. VIII.
6) Vgl. Abhandlung oben S.64 flgd.
7) Die Legung der Dörfer zur Stadtfeldmark, d. h. den Abbruch der Dörfer und die Vertheilung und Legung der Aecker zu den Bürgerhäusern, bezeichnet die im (  ...  )
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Jahrh. so legte Pribislav den Grund zu dem Wohlstande der Stadt, welche durch ihre bedeutende Feldmark immer eine Mittelstadt unter den kleinern Städten des Landes blieb. Ueberhaupt sind alle vier Städte Pribislavs (Parchim, Plau, Sternberg und Goldberg) reich mit Ländereien bedacht und gegen Noth hinlänglich gesichert. Zugleich erließ Pribislav der Stadt einen Roßdienst (servitium falerati dextrarii), welcher auf diesen Landgütern ruhete, und die Wehrpflicht zu Kriegszügen außerhalb Landes, verpflichtete sie jedoch, bei Landesnoth zur allgemeinen Landesvertheidigung mit Arbeiten an den Schanzen und Anfuhr von Planken (Pallisaden) zu helfen. Diese Befreiung von Kriegszügen außerhalb Landes ward der Stadt von ihren neu erworbenen Landgütern versichert; eine allgemeine Befreiung der Stadt selbst war schon in dem Stiftungsprivilegium ausgesprochen. Einen zweiten Roßdienst, welcher auf den übrigen Ländereien der Stadt ruhete, erließ erst im J. 1299 der Fürst Nicolaus II. der Stadt.

"Aber mitten unter häufigen frommen Werken des Friedens ward Pribislav plötzlich ein Opfer der Rache seines unversöhnlichen Gegners." Durch schändlichen Verrath seines Ritters Wekind von Walsleben ward er wehrlos gefangen und dem Bischofe gefesselt ausgeliefert. Durch die Vermittelung seiner Brüder Johann von Meklenburg und Nicolaus von Werle und des Grafen Günzel von Schwerin. ward er in Folge eines durch diese Fürsten verbürgten Vertrages vom 28. Nov. 1256 aus der Gefangenschaft befreiet, aber unter so drückenden Bedingungen, daß ihm eine selbstständige Regierung unmöglich ward. Er mußte also das Land meiden, dessen Regierung die drei vermittelnden Fürsten ergriffen. Diese nahmen auch bald von seinen Ländern Besitz, indem Parchim zur Grafschaft Schwerin, Sternberg zur Herrschaft Meklenburg und Goldberg, Plau und Lübz zur Herrschaft Werle gelegt wurden.

So kam Plau, zuerst vorläufig, dann aber bald bestimmt, an das Fütstenhaus Werle. Der Fürst Nicolaus I. von Werle, welcher es ebenfalls gut mit Plau meinte, nahm sich auch bald der Stadt kräftig an, indem er am 24. Juni 1259 gegen den Bischof die Zehntenfreiheit von dem von dem Ritter Johann von Schnakenburg erkauften Stadtdorfe Slapsow 1 ) erkämpfte.


(  ...  ) J. 1553 angefertigte Uebersetzung der Urkunde von 1255 durch: "de velde mit lantweren befreden". Wahrscheinlich ward die Landwehr, d. h. die Umwallung der plauer Stadtfeldmark, im 14. Jahrh. aufgeworfen. Die Landwehren sollten die Städte gegen die Wegtreibung des Viehes, den im Mittelalter gewöhnlichen Kriegsbrauch in Fehden, schützen.
1) Vgl. S. 62.
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Diese Freiheit erkannte 1 ) Johann's Sohn, der Ritter Gerhard von Schnakenburg, nach dem Tode des Bischofs wiederholt an.

Die drei Bürgen des Vertrages vom J. 1256 behandelten bald die ihnen zur Verwaltung anvertraueten Länder Pribislav's "wie angefallenes Erbe". Pribislav war zu seinen Verwandten nach Pommern gegangen und hatte hier die Herrschaft Wollin gewonnen; er nannte sich seitdem Herr von Wollin, genannt von Wenden. Im J. 1270 kam er persönlich nach Schwerin, wo er mit seinen Verwandten und den Grafen von Schwerin über den Verkauf seiner Länder verhandelte. Diese Abtretung kam im J. 1272 zu Stande; Parchim, Plau und Goldberg fielen hiedurch bestimmt an das Fürstenthum Werle.

Ungefähr um dieselbe Zeit starb der vielgeprüfte Pribislav I. in Pommern. Mit seinem Sohne Pribislav II, der mit seiner Gemahlin Katharine, einer Tochter Mestevins II. von Hinterpommern, die Herrschaften Daber und Belgard besaß und sich davon nannte, starb diese Linie des Fürstenhauses gänzlich aus.


3.

Plau unter werlescher Herrschaft.

Der Fürst Nicolaus I. von Werle waltete seitdem in den ihm zugefallenen Landestheilen als rechtmäßiger Landesherr. Schon am 12. Mai 1273 verlieh er 2 ) den Bürgern Bernhard Bödeker und Dietrich Theneke die beiden Mühlen 3 ) zu Plau mit der dazu gehörenden Fischerei.

Der alte wackere Fürst Nicolaus I., der Stammvater des Fürstenhauses Werle, starb am 7. Mai 1277 wahrscheinlich zu Plau und ward zu Doberan begraben; denn am 14. Mai waren seine Söhne Heinrich und Johann, wahrscheinlich zur Abholung der Leiche ihres Vaters, in Plau und schenkten 4 ) der Geistlichkeit ihres Landes das Recht des Gnadenjahres zum Seelenheile ihres Vaters.

Zunächst regierten Nicolaus I. Söhne Heinrich I. und Johann I. das Land gemeinschaftlich; beide verpfändeten 5 ) zu Plau am 25. Febr. 1278 den Knappen Wedekind von der Brügge und Bernhard Wittenburg aus lübekischen Patricier = Familien eine jährliche Hebung von 8 1/2 Wispel Roggen und 8 1/2 Wispel Gerstenmalz aus der Binnenmühle zu Plau.


1) Vgl. S. 63.
2) Vgl. Lisch Gesch. des Geschl. Hahn, I, B, S. 49, Nr. XXII.
3) Vgl. S. 85.
4) Vgl. Lisch Gesch. des Geschl. Hahn I, B, S. 71.
5) Vgl. Urk. Samml. Nr. XIII.
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Um das J. 1280 theilten die beiden Brüder das Land in die Herrschaften Güstrow und Parchim: an den Fürsten Johann I. fiel die Herrschaft Parchim, zu der auch Plau gehörte. Am 20. Febr. 1282 verkaufte 1 ) dieser die Außenmühle zu Plau dem Kloster Doberan. Aber schon am 15. Oct. 1283 starb Johann I. und hinterließ eine Wittwe, Sophie, Gräfin von Lindow = Ruppin, und sehr junge Kinder unter der treuen Obhut ihrer kräftigen Mutter und mehrerer Ritter, vorzüglich des hochverdienten Ritters Nicolaus I. Hahn 2 ). Am 28. Sept. 1284 verpfändete 3 ) die Vormundschaft, oder wie es in der Urkunde heißt: der Fürst Nicolaus mit seinen Brüdern, dem plauer Bürger Dietrich Swartepape 10 1/2 Wispel Roggen und 1 Pfund Pfennige jährlicher Hebung aus der Binnenmühle zu Plau für eine Schuld von 200 lüb. Mark, für welche sich außerdem zwei Ritter unter Verwillkührung des Einlagers in Plau verbürgten.

Der älteste der sechs fürstlichen Brüder, Nicolaus II., war ein Mann von bedeutenden Regententugenden, der eine Landestheilung glücklich verhütete und zuerst mit seiner Mutter Sophie und seinen weisen und kräftigen Räthen, dann aber, seitdem er im J. 1289 den Ritterschlag empfangen hatte, selbstständig und kräftig die Alleinherrschaft bis zu seinem Tode (1316) führte und in der Zeit großer Noth und Verwirrung viel Segen über alle meklenburgischen Landestheile brachte.

Es war noch nicht ein Jahrhundert seit der Gründung des christlich = germanischen Staates verflossen und schon strebten alle Elemente in kräftiger Ueppigkeit empor. Wunderbar ist das rasche Aufblühen der Städte, welches sich vorzüglich in dem rostocker Landfrieden vom 13. Juni 1282 offenbart, den die Städte Lübek, Wismar, Rostock, Stralsund, Greifswald, Stettin, Demmin und Anklam mit den norddeutschen Fürsten schlossen und welcher der erste Grundstein zu dem Bau der mächtigen Hanse ward. Diesen Städten strebten nun nach Vermögen alle kleineren Städte nach und kamen in diesem Ringen mit den Fürsten und Vasallen, die ebenfalls häufig die Grenzen ihres Rechtes überschritten, oft in feindselige Berührung. Aber eben die Kraft, welche oft die Grenzen überschritt, war auch mächtig genug, die Zügel wieder straff anziehen.

Der Fürst Nicolaus II. hielt sich in der ersten Zeit seiner Regierung viel im südöstlichen Meklenburg auf. Hier wohnte zu Röbel, in einem fruchtbaren und angenehmen Lande, seine


1) Vgl. Urk. Samml. Nr. XIV.
2) Vgl. Lisch Gesch. des Geschl. Hahn I, A, S. 66.
3) Vgl. daselbst I, B, S. 109, Nr. XLVIII.
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Mutter Sophie, seine vormundschaftliche Mitregentin; in Röbel waren zwei Pfarren, zwei Klöster: ein Büßerinnen = Nonnenkloster, das 1298 nach Malchow verlegt ward, und ein Dominikaner = Mönchskloster, in welchem des Fürsten Nicolaus jüngere Brüder Bernhard und Heinrich Mönche waren, und endlich zwei bischöfliche Archidiakonate oder Propsteien (eines des Bischofes von Schwerin, das andere des Bischofes von Havelberg). Dieser ungewöhnliche Reichthum an geistlichen Stiftungen in einer kleinen Stadt mochte der verwittweten Fürstin den Aufenthalt in Röbel angenehm machen. Der Sohn lebte viel auf der nahen Burg Wredenhagen, welche damals Neuburg Wenden 1 ) genannt ward. Im J. 1285 bestätigte 1 ) der Fürst Nicolaus mit seinen Brüdern, unter Zustimmung ihrer Mutter, seinen Vasallen in den Ländern Röbel, Malchow und Wredenhagen ("castri Wenden") dafür, daß sie den dritten Theil ihrer Schulden des Betrages von 2000 Mark übernommen hatten, alle ihre Gerechtsame und befreiete sie von allen außerordentlichen Beden, indem er zugleich das Landding von den genannten Burgen in eines der nahe gelegenen Dörfer verlegte, um Zwiespalt zwischen den Vasallen und Städtern zu entfernen ("ut eo minor inter vasallos nostros ac civitatenses oriatur discordia"), und aus demselben Grunde ("ad majorem dicte discordie evitationem") bestimmte, daß kein Vasall in den Städten des Landes gefänglich gehalten werden solle. Diese Urkunde gönnt uns einen klaren Blick in die damaligen Verhältnisse aller Stände.

Die Stadt Plau war bis dahin von allen unangenehmen Berührungen frei geblieben. Zwar hatten die Fürsten zu Plau schon einen Vogt, in der ersten Zeit der Regierung des Fürsten Nicolaus II. den Ritter Johann v. Koß 2 ), damals einen der ältesten Landräthe; aber sie hatten noch kein Schloß zu Plau, obgleich sie in allen übrigen Städten eines besaßen. Das Schloß zu Plau war am 6. Mai 1287 fertig geworden, sicher aber noch nicht von Bedeutung. Als der Fürst Nicolaus mit seinen Brüdern, unter Zustimmung seiner Mutter, am 6. Mai 1287 der nahen Kirche zu Kuppentin, an welcher damals der fürstliche Secretär Martin v. Malin aus einem angesehenen Adelsgeschlechte Pfarrer war, zwei eingetauschte Hufen zu Kuppentin bestätigte, datirte er die Urkunde 3 ) auf der Burg Plau zur Zeit der ersten Gründung derselben" ("in castro Plawe,


1) Vgl. Lisch Gesch. des Geschl. Hahn I, B, S. 113-116.
1) Vgl. Lisch Gesch. des Geschl. Hahn I, B, S. 113-116.
2) Vgl. Jahrb. II, S. 226: "Johannes Koz aduocatus in Plawe"; vgl. Lisch Gesch. des Geschl. Hahn I, A, S. 67.
3) Vgl. Lisch Gesch. des Geschl. Hahn I, B, S. 128.
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tempore primae fundationis ejusdem castri"). Diese Nachricht ist ausführlich und bestimmt genug, aber einzig in ihrer Art; die Ausführlichkeit und Sonderbarkeit dieser Datirung deutet darauf hin, daß die Gründung dieser Burg eine besondere Wichtigkeit hatte. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß die Bürger in der Zeit kräftiger Gährungen die Gründung der Burg vorher eine Zeit lang verhinderten und den Landesherren feindlich gegenüberstanden.

Und zu dieser Ansicht führt denn auch ein bald darauf zwischen den Fürsten und der Stadt abgeschlossener Aussöhnungsvertrag. Am 11. März 1288 versöhnte sich 1 ) der Fürst Nicolaus, wieder unter Zustimmung seiner Mutter und seiner Brüder, mit dem Rath und der Bürgerschaft zu Plau über gewisse Kränkungen ("super quibusdam excessibus")., welche die Stadt nicht allein ihm und seinen Brüdern, sondern auch seinem Vater Johann und seinem Oheim Bernhard, ja selbst seiner mit Recht zu verehrenden (jure diligenda) Mutter innerhalb und außerhalb der Stadt zugefügt hatte; der Fürst ertheilte der Bürgerschaft vollständige Amnestie und bestätigte alle erweislichen Privilegien der Stadt, wogegen die Stadt eine bedeutende Buße von 800 Mark Pf. zahlen mußte. Von dieser Summe erließ der Fürst der Bürgerschaft aber 200 Mark, welche sie jedoch zur stärkern Befestigung der Stadt verwenden sollte; unter dieser Befestigung ("munitio") sind wohl nicht allein Mauern, Wälle und Gräben, sondern auch die Landwehr um die Stadtfeldmark zu verstehen; nach derselben Urkunde hatte die Stadt im J. 1288 schon Stadtmauern ("muros") und einen Stadtgraben ("fossatum quod muros civitatis circuit"). Außerdem machte der Fürst die Bedingung, daß seine Mutter 2 ), welche wahrscheinlich nicht allein Röbel, sondern auch Plau mit Crakow 3 ) zum Leibgedinge besaß, Fischreusen in den Stadtgraben setzen könne, es jedoch nicht solle wehren können, daß zur Kriegszeit und in dringender Noth die Stadt den Weg, auf welchem die Wächter die Stadt umschifften, erweitere. Zur Be=


1) Vgl. Schröter Beilagen zu Rostock. Wöchentl. Nachr. u. Anzeigen, 1824, Stück 42, S. 166.
2) Die Fürstin Sophia wird von ihrem Sohne hier "vidua sancta" genannt, wahrscheinlich weil sie das Gelübde abgelegt hatte, nicht wieder zu heirathen; die Wörter sanctitas und sanctimonium werden im Allgemeinen zur Bezeichnung der Ehelosigkeit und Keuschheit gebraucht; daher heißen die Nonnen sanctimoniales. Sonst nennt der Fürst Nicolaus seine Mutter gewöhnlich auch oft "praecordialissima mater" (seine herzlich geliebte Mutter) ein Wort, welches Schröter a. a. O. S. 167, Note 1, in Zweifel zu ziehen scheint und unrichtig lieset. In der Urkunde vom 11. März 1288 nennt er seine Mutter auch "jure diligenda". Alles dies deutet auf die ungewöhnliche Verehrung, welche die Fürstin genoß.
3) Vgl. Urk. Samml. Nr. XXI.
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zeigung seines ernsten Willens schließt der Fürst die Sühne mit der ungewöhnlichen Clausel: "Dies alles soll von uns und unsern Nachfolgern unverletzlich gehalten werden". Zur Abschließung des Vertrages mit den 9 namentlich aufgeführten Rathmännern der Stadt Plau war der Fürst nicht allein mit einer großen Anzahl von (11) Rittern und (4) Knappen, sondern auch mit 5 Rathmännern von Röbel in Plau erschienen.

Mit dieser Urkunde war die Ausbildung der Stadt abgeschlossen.

Das Fürstenhaus Werle schien glücklich und fest bestellt zu sein, als eine entsetzliche That den Frieden störte. Die Fürsten Heinrich und Nicolaus von Werle = Güstrow erschlugen auf der Jagd am 8. Oct. 1291 ihren Vater Heinrich I., des verstorbenen Fürsten Johann I. von Werle = Parchim Bruder. Unser Nicolaus II., Johann's I. Sohn, erhob sich mit seinem Volke strafend gegen seine Vettern, welche bei ihren Nachbaren Schutz fanden. Der verwüstende Krieg gegen die Uebermacht der Feinde war schwer. Besonders nahmen sich des ältern Vatermörders Heinrich dessen Schwiegervater, der Herzog Bugislav von Pommern, und der Fürst Wizlav von Rügen thätig an, wenn auch der letztere vermittelnd zu wirken bemüht war. Wizlav nahm von Gnoyen Besitz, welches zu der Herrschaft des unter der Vormundschaft des Fürsten Nicolaus II. stehenden minderjährigen Fürsten Nicolaus von Rostock gehörte, ward aber selbst gefangen und nach Parchim gebracht. Nicolaus II., gegen die Uebermacht der nachrückenden Feinde zu schwach, verband sich daher mit dem gewaltigen und bekannten Ritter Hermann Ribe und trug so im J. 1293 in einer Schlacht bei Parchim einen entscheidenden Sieg davon, den er rasch weiter verfolgte. Zuletzt hielt sich noch der junge Fürst Heinrich von Meklenburg in der Stadt Waren; aber Nicolaus brachte den Gegner durch Belagerung zu Lande und zu Wasser, wozu zahlreiche Fahrzeuge bei Röbel und Plau ausgerüstet waren, zur Ergebung.


Verpfändung von Plau an Hermann Ribe.

Zur Führung dieses Krieges hatte der Fürst Nicolaus II. Stadt und Vogtei Plau an den Ritter Hermann Ribe verpfändet 1 ). Die in Waren gemachten Gefangenen, unter den Hauptleuten Friederich Hasenkop und Conrad von Cramon,


1) Ueber die ganze Theilnahme des Hermann Ribe an diesem Kriege und die Verpfändung von Plau an denselben giebt es nur Chroniken = Nachrichten, jedoch keine einzige Urkunde.
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brachte der Fürst nach Parchim und übergab sie dem Ritter Ribe, der das Lösegeld für dieselben zur Bezahlung für "Sold und Schuld" erhielt. Dadurch ward Plau von Hermann Ribe wieder abgelöset: 1 )

mit dysen gevangin unvirwant
brachte her Plawe an syne hant
von hern Herman Ryben wider,
dem es stunt, und hielt es sider
mechtig yn synre gewalt alsus
von Werle her Nicolaus.

So gewann Nicolaus II. den vollständigen Sieg. Der Vatermörder Heinrich mußte, nachdem sein Bruder während der Zeit gestorben war, sich mit dem Besitze von Penzlin zufrieden geben; Nicolaus II. stellte aber in den werleschen Landen eine kräftige Alleinherrschaft wieder her und herrschte hier und als Vormund im Lande Rostock mit Kraft und Ehre.


Verpfändung von Plau an Wizlav von Rügen.

Der Fürst Wizlav von Rügen ward nun auch aus seiner Gefangenschaft befreiet, nachdem er sich entschlossen hatte, Gnoyen wieder abzutreten. Dagegen finden wir ihn bald als Pfandbesitzer von Plau 2 ); er blieb dem Fürsten Nicolaus II. von Werle wahrscheinlich lange verpflichtet und konnte sich der Hülfeleistung, wenn sie nöthig war, nicht gut entziehen.

Die Stadt Plau nahm an dem Kriege den Antheil, den das ganze Land nahm und der hier besonders berührt ist. Während des Krieges kaufte am 11. Mai 1292 die Stadt von dem Fürsten Nicolaus II., der wohl Geld gebrauchte, für 300 Mark rostock. Pf. das Eigenthum der Dörfer Grapentin und Gedin 3 ), deren Ankauf schon im J. 1255 der Fürst Pribislav I. von Richenberg bewilligt hatte, mit der Erlaubniß, die Acker der Dörfer zur Stadtfeldmark und zu den Bürgerhäusern zu legen; zugleich befreiete er die Stadt in Beziehung auf diese beiden Dörfer von der jährlichen bestimmten Bede und den Münzpfennigen, vom Brückenbau und allen andern Diensten,


1) Vgl. Ernst v. Kirchberg Mekl. Chron. in v. Westphalen Mon. ined. IV, p. 831.
2) Wie die Verpfändung von Plau an Hermann Ribe bekannt, aber nicht urkundlich bewiesen ist, so war bisher die Verpfändung an Wizlav von Rügen nicht bekannt und doch oft in Urkunden genannt, welche freilich bisher nicht bekannt waren. Die in Rudloff M. G. II, S. 89, Not. n, berührte Ablösung betrifft nicht mehr die Verpfändung an Hermann Ribe, sondern die Verpfändung an Wizlav von Rügen.
3) Vgl. Urk. Samml. Nr. XVI.
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welche für den Staat und die Landes = Vertheidigung zu leisten waren, und gab derselben nach Vasallenrecht ein Drittheil von den Brüchen aus diesen Dörfern und ihren Feldmarken. Im J. 1293 vermittelte der schweriner Domdechant und Archidiakonus Johannes zu Plau 1 ), auf Rath des Fürsten Nicolaus II., die Entschädigung des Pfarrers Dietrich zu Plau, nachdem die Stadt beschlossen hatte, die beiden Dörfer abzubrechen, die Einwohner zu entfernen und die Aecker zu den Bürgerhäusern zu legen. Für die Einkünfte von den Bewohnern dieser Dörfer, welche der Pfarrer nun verlor, erhielt er von der Stadt einen Gang an der einen Seite des Pfarrhofes und von der andern Seite einen Raum von 12 Fuß zur Vergrößerung desselben, 5 Morgen Acker, einen Hopfenhof und verhältnißmäßig vergrößerte Theilnahme an Wiesen, Weide und Mast.

Am 8. Mai 1295 verpfändete 2 ) nun der Fürst Nicolaus II. die Stadt Plau an den Fürsten Wizlav II von Rügen (1260 - 1302). Dies geht klar aus der zu Plau in Gegenwart des Fürsten Wizlav und des Fürsten Heinrich des Löwen von Meklenburg ausgestellten Urkunde von demselben Datum hervor, durch welche der Fürst Nicolaus II. von Werle dem Kloster Neuen = Camp die Binnenmühle 3 ) zu Plau mit der dazu gehörenden Fischerei und Aalwehre (Serrahn), mit aller Gerichtsbarkeit und Freiheit, und einen Ritterhof in der Stadt Goldberg mit 9 Hufen und der Insel Kerseber = (d. i. Kirschen =) Werder mit denselben Gerechtigkeiten verkaufte; der Fürst Wizlav besiegelte diese Urkunde mit, weil dessen Consens nöthig war, indem der Fürst Nicolaus II. von Werle ihm an demselben Tage die Stadt Plau verpfändet hatte "quia ipso die principi (Wizlao Ruyanorum principi) civitatem nostram Plawe in pignus posuimus". Diese Besitzungen waren die ersten, welche das im Lande Rügen belegene Cistercienser = Kloster Neuen = Camp (jetzt Franzburg) in den meklenburgischen Landen erwarb, theils durch das Streben der Cistercienser = Klöster nach dem Erwerb von Landgütern und Mühlen, theils durch die Beförderung des Fürsten Wizlav, Landesherrn des Klosters. In demselben Jahre, wohl etwas später, schenkte 4 ) der Fürst Nicolaus, als er im Kloster Neuen = Camp war, dem


1) Vgl. Urk. Samml. Nr. XVII. Der Archidiakonus Johann wird hier "archidiaconus in Plawe" genannt. Der Archidiakonus für Plau hatte aber seinen Sitz zu Waren. Es ist Plau daher ein Schreibfehler, oder die Stadt war in dem unruhigen Kriegsjahre 1293 temporär Sitz des warenschen Archidiakons.
2) Vgl. Urk. Samml. Nr. XVIII.
3) Vgl. oben S. 87.
4) Vgl. Urk. Samml. Nr. XIX.
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Kloster das Eigenthum des Aalfanges 1 ) im plauer See beim Ausflusse der Elde aus dem plauer See, an dem nördlichen Ufer von der Metkow bis an die Grenze von Quetzin, eine wichtige Erwerbung, welche später an die Stadt Plau überging. Im J. 1296 vertauschte das Kloster Doberan die Außenmühle zu Plau und die Mühlen zu Gnoyen und Parchim gegen Salzhebungen aus der Saline zu Lüneburg und der Fürst Nicolaus II. gab am 29. Juni 1296 dazu seinen Consens 2 ); unter den Zeugen war auch "Heinrich von der Osten, Marschall des Fürsten von Rügen", der auch im J. 1295 bei der Verleihung des Aalfanges zu Neuen = Camp Zeuge gewesen war. Am 24. Juli 1296 trat das Kloster Doberan zu Dargun die Außenmühle zu Plau dem Kloster feierlich ab 3 ), wobei als Grund die nicht zu vermeidende Irrung zwischen verschiedenen Mühlenbesitzern in derselben Stadt angegeben ward.


Der Fürst Wizlav von Rügen behielt aber den Pfandbesitz von Plau nicht lange. Im J. 1298 lösete der Fürst Nicolaus II. von Werle das Pfandgut Plau wieder ein; denn am 21. Mai 1298 verkaufte 4 ) er zu Rostock, aus unvermeidlicher Noth und zum Besten des ganzen Landes, dem Kloster Doberan die beiden Seen bei Krakow und Oldendorp für 900 Mark, welche er zur Wiedereinlösung der Stadt und des Landes Plau ("in redemptionem civitatis nostre ac terre Plawe") verwandt hatte. An demselben Tage zu Rostock 5 ) gab des Fürsten Mutter Sophie ihre Einwilligung, da ihr die Aufkünfte aus diesen Seen auf Lebenszeit, wahrscheinlich zum Leibgedinge, versichert waren.

Der Fürst Nicolaus sorgte aber fernerhin für das Kloster Neuen = Camp nicht weniger, als wenn dessen Landesherr Besitzer von Plau gewesen wäre. Am 6. Dec. 1298 gab er dem Kloster aus besonderer Neigung die Versicherung 6 ), daß bei der Stadt Plau niemand anders Wind =, Roß = oder andere Mühlen sollte erbauen dürfen, und am 13. Jan. 1299 mit seiner Mutter Sophie, wahrscheinlich als Leibgedingsbesitzerin, die Erlaub=


1) Vgl. oben S. 81 flgd.
2) Vgl. oben S. 88.
3) Vgl. Urk. Samml. Nr. XX.
4) Vgl. Urk. Samml. Nr. XXI. und v. Westphalen mon. ined. III, p. 1560 sq.
5) Wahrscheinlich war Nicolaus von Werle mit seiner Mutter Sophie, geb. Gräfin von Lindow, am 21. Mai 1298 zu Rostock zur Feier der Verlobung des Fürsten Nicolaus von Rostock mit einer Gräfin von Lindow.
6) Vgl. Urk. Samml. Nr. XXII.
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niß 1 ), die Außenmühle bei Plau nach Belieben abzubrechen und an derselben oder an einer andern Stelle wieder aufzubauen.

Im J. 1298 hatten die jüngern Brüder Günther und Johann ihre Zustimmung zu den Verleihungen gegeben, welche das Kloster Neuen = Camp von ihrem regierenden Bruder Nicolaus ("a dilecto fratre nostro domino Nycolao de Werle, qui noster tunc in hereditate paterna provisor existit") empfangen hatte, und ihre Mutter Sophie (des Grafen Günther I. von Lindow Tochter) und ihre Oheime (von mütterlicher Seite) Burchard und Walther Grafen von Lindow 2 ) ("avunculorum nostrorum dominorum Borchardi et Wolteri comitum de Lyndowe") hatten diese Versicherung durch Anhängung ihrer Siegel bestärkt.

Mit dem letzten Monate des 13. Jahrh. erhielt die Ausbildung der Stadt Plau einen vollständigen und würdigen Abschluß. Am 9. Dec. 1299 schenkte 3 ) der Fürst Nicolaus II. zu Plau vor dem versammelten Rathe der Stadt das Eigenthumsrecht von ihrem ganzen Grundbesitze und erließ ihr einen Roßdienst und die Lieferung von einem Pfunde Pfeffer 4 ), welche Leistungen noch auf den Stadtgütern ruheten.

In Folge dieser innern Kräftigung und äußern Abrundung ward denn auch das Bedürfniß der innern Gliederung fühlbar: der Rath setzte in Gemäßheit der Stadtprivilegien und des ihm durch dieselben ertheilten Rechtes Zünfte ein. Schon im J. 1247 soll der Rath das "Amt der Grob = und Kleinschmiede nebst den Metzmachern" gestiftet haben, jedoch ist das Privilegium nicht mehr vorhanden. Am 8. Sept. 1306 gab der Rath 5 ) den Schlachtern zu Plau das Recht der Innung ("innigge"), d. i. eine Zunftrolle 6 ); bemerkenswerth 7 ) ist


1) Vgl. Urk. Samml. Nr. XXIV.
2) Diese Urkunde ist sehr interessant, da sie die Alleinherrschaft des Fürsten Nicolaus II. klar ausspricht. In welchem Verwandtschaftsverhältnisse diese Grafen von Lindow zu den Fürsten stehen, ist nicht ganz klar; Riedels Stammtafel in Cod. dipl. Brand. I, 4, S. 16, ist an mehreren Stellen nicht richtig; Burchard war Sophiens Bruder, also ein Oheim mütterlicher Seite (avunculus); den Walther kennt Riedel aber gar nicht: vielleicht war er ein bisher unbekannter Bruder Burchard's.
3) Vgl. Urk. Samml. Nr. XXV.
4) Die Pfefferlieferung war eine gewönliche Krugabgabe, hier vielleicht aus der Zeit vor der Gründung der Stadt, wo an der Stelle derselben wohl nur eine Fähre (Schwemme: plawa) und ein Krug waren.
5) Auch in der mit parchimschem Rechte bewidmeten Stadt "Sternberg" gründete und bestätigte der Rath; am 25. Jan. 1306 die Zunftordnung der Schuster und Bäcker, denen am 12. Dec. 1365 unter ganz gleichen Bestimmungen die Schmiede folgten. Vgl. Jahrb. XII, S. 341 flgd.
6) Vgl. Rostock. Wöchentl. Nachr. 1824, S. 194.
7) In der Zunftrolle wird auch die Bestimmung getroffen, daß die Innung nicht vor der Mündigkeit mit 18 Jahren ("nisi ad annos discretionis per= (  ...  )
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dabei, daß damals die Stadt schon ein Schlachthaus besaß oder, wie es niederdeutsch heißt ein Küterhaus: "domus foetorina" wie auch das Handwerk das Küterhandwerk ("opus foetorinum") hieß. Am 6. Mai 1307 ertheilte der Rath den Fischern eine Zunftordnung 1 ); in dieser Zunftordnung, welche der Rath allein giebt, wird aber doch gesagt, daß es zum Nutzen der Stadt und des Fürsten Nicolaus von Werle geschehen sei, ohne Zweifel weil der See 2 ), ohne den eine Fischerzunft in Plau nicht denkbar ist, den Landesherren gehörte.

Noch waren die Zeiten für die Städte einigermaßen günstig, so daß sie noch zu außerordentlichen Erwerbungen Kraft hatten. Im J. 1308 kaufte die Stadt Plau von dem Fürsten Nicolaus II. das Eigenthum des Dorfes Quetzin 3 ) an der Nordgrenze des Stadtgebietes mit allen Freiheiten und dem Rechte, es zur Stadtfeldmark zu legen; schon im J. 1255 hatte die Stadt das Recht zum Ankaufe dieses Dorfes erhalten, es aber wohl erst jetzt, wahrscheinlich bei dem Aussterben der adeligen Familie von Quetzin 4 ), ausüben können. Der Rath legte jedoch nur einen kleinen Theil von Quetzin zur Stadtfeldmark, etwa so viel, als zur Abrundung derselben an den Grenzen von Slapsow zweckmäßig sein mochte, und behielt den Rest zum Besten der Gemeindeverwaltung als "Kämmereigut". Im J. 1348 ordnete der Rath die Verhältnisse des Dorfes 5 ) und der Pfarre, deren Acker er in Erbpacht nahm; bei dieser Gelegenheit ward festgesetzt, daß das Dorf mindestens 12 Katen oder Bauerhäuser behalten solle. - Um diese Zeit wird die Stadt auch das Dorf Gardin 6 ) von dem Dom = Capitel zu Havelberg gekauft haben. Ueber die Erwerbung dieses Dorfes durch die Stadt ist nichts bekannt geworden: es wird überhaupt seit der Verleihung nur das eine Mal genannt, als der Fürst Nicolaus II. im J. 1300 dem Dom = Capitel die Verleihungsurkunde vom J. 1223 bestätigte 7 ); daß diese Urkunde im Besitze der Stadt war, giebt den


(  ...  ) venerit videlicet qui sunt decem et octo" erworben werden könne, es sei denn daß der Vater stürbe, in welchem Falle dem Sohne, auch wenn er noch nicht 18 Jahre alt sein sollte, die Innung nicht verwehrt werden dürfe. Wir sehen auch hier wieder die frühere Selbstständigkeit der Menschen, wie im ganzen Mittelalter; die Menschen waren damals gewiß nicht anders organisirt, aber die Verhältnisse waren nicht so sehr verkümmert und beengt, wie jetzt.
1) Vgl. Urk. Samml. Nr. XXVI. In dieser Urkunde wird auch die Morgensprache erklärt: die Versammlung der Zunft des Morgens, wenn sie am Abend vorher angesagt wird.
2) Vgl. oben die Abhandlung über den plauer See S. 77 flgd.
3) Vgl. Urk. Samml. Nr. XXVII.
4) Vgl. oben Abhandlung S. 27 flgd.
5) Vgl. Urk. Samml. Nr. XXXIII.
6) Vgl. oben Abhandlung S. 60.
7) Vgl. Urk. Samml. Nr. III.
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Beweis für die Erwerbung des Dorfes. - Im J. 1323 erwarb die Stadt das Eigenthum des Dorfes Wozeken 1 ) an der Südgrenze der Stadtfeldmark mit voller Freiheit und dem Rechte, die Aecker zur Stadtfeldmark zu legen.

Mit dieser Erwerbung hört der rasche Wachsthum und die innere Kräftigung der Stadt auf: die Stadt ist fertig, in hundert Jahren vollkommen fertig geworden, und das folgende Halbjahrtausend ist nur ein Kampf um die Erhaltung; denn die späteren Erwerbungen und Anstrengungen stehen in Hinsicht auf den Zeitraum in gar keinem Verhältnisse zu den frühern Fortschritten. Im 14. Jahrh. entwickelte sich die Politik, die Bewegung des Staates in auswärtigen Verhältnissen, welche fortwährend alle Kräfte verzehrte.

Der edle Fürst Nicolaus II. von Werle, unter dessen Regierung Plau die glücklichste Zeit verlebt hat, starb am 12. Oct. 1316, mit Hinterlassung eines einzigen Sohnes Johann III. Henning von Werle = Goldberg, weil er zu Goldberg ein Schloß bauete, das erst vor einigen Jahren abgebrochen ist, und dahin von Parchim seine Residenz verlegte. Der jüngere Bruder seines Vaters Nicolaus II., Johann II., der bei der Alleinherrschaft seines Bruders von der Regierung ferne gehalten war, machte jetzt Anspruch auf einen Antheil an der Herrschaft. Es kam daher am 2. Dec. 1316 eine Landestheilung zu Stande, durch welche zum Herrschaften, Werle = Güstrow und Werle = Goldberg (oder Parchim), gebildet wurden, jedoch so, daß beide Fürsten die gesammte Hand behielten; der ältere Fürst Johann II. erhielt die Herrschaft Werle = Güstrow, zu welcher auch Plau und Krakow gelegt wurden.

Die Staatsverhältnisse wurden in den gewaltigen Kriegen des meklenburger Heinrich des Löwen gegen die Brandenburger auf die äußerste Spitze getrieben. Dadurch vorzüglich gewann Plau, an der großen Durchgangsstraße von Brandenburg nach Meklenburg durch die werleschen Länder, eine besondere strategische Wichtigkeit. Deshalb entband auch die Gemahlin des Fürsten Johann II. von Werle, Mechthild, die Stadt Plau, welche ihr ohne Zweifel zum Leibgedinge verschrieben war, am 22. Mai 1318 von der ihr geleisteten Huldigung 2 ) und wies sie an ihren Gemahl, demselben, oder wessen Beistand dieser vertrauen würde, Gehorsam zu leisten.

Johann II. fand auch bald Gelegenheit, die Entsagung seiner Gemahlin zu benutzen. Das Austerben des askanischen


1) Vgl. Urk. Samml. Nr. XXIX.
2) Vgl. Rost. Wöchentl. Nachr. 1824, S. 171.
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Hauses der Markgrafen von Brandenburg am 20. Aug. 1320 setzte ganz Norddeutschland in Bewegung, vorzüglich aber Heinrich den Löwen von Meklenburg, den überlegenen Feind der Markgrafen, welcher wenigstens alle Prätensionen geltend zu machen hoffte. In den kurz vorher, am 25. Nov. 1317, mit dem Markgrafen geschlossenen templiner Frieden war Johann II. von Werle nicht mit aufgenommen, vielmehr sah man mit Verdacht und Unzufriedenheit auf ihn, so daß am 4. April 1318 sogar ein Bündniß gegen ihn geschlossen war. Jetzt aber söhnten sich im Hinblick auf das Eine gemeinsame Ziel alle Feinde aus. Am 23. Dec. 1320 leistete die Stadt Plau dem Fürsten Heinrich dem Löwen von Meklenburg auf Geheiß der beiden Fürsten Johann II. und Johann III. von Werle, weil sie die gesammte Hand hatten, Eventualhuldigung 1 ) dahin, daß, wenn die Fürsten von Werle den mit dem Fürsten Heinrich geschlossenen Freundschaftsvertrag nicht halten würden, die Stadt so lange bei den Fürsten von Meklenburg bleiben wolle, bis der Friedensbruch gesühnt sei. Diese Eventualhuldigung ist keinesweges so zu verstehen, daß Heinrich gleich in den Besitz der Stadt 2 ) gekommen sei.

So kriegerisch nun auch die nächsten Zeiten wurden, so hatte die Stadt Plau doch noch Mittel genug, um im J. 1323 das Dorf Wozeken an der Südgrenze der Stadtfeldmark 3 ) zu erwerben, wozu die beiden Fürsten von Werle ihre Zustimmung 4 ) gaben, weil sie beide die Stadt dem Fürsten von Meklenburg hatten huldigen lassen.

Nachdem mit Brandenburg im J. 1325 Friede geschlossen war, hatte die Eventualhuldigung der Stadt Plau gegen den Meklenburger Heinrich keine rechtliche Kraft mehr. Kaum aber war der brandenburgische Krieg beendigt, als in demselben Jahre 1325 der rügianische Erbfolgestreit ausbrach, welcher erst am 27. Juni 1328 durch den Frieden von Bruderstorf beendigt ward, kraft dessen die Fürsten von Meklenburg und Werle die Länder Triebsees, Grimme und Barth für ihre Abfindung zu Pfande erhielten; das Kloster Neuen = Camp erhielten beide Fürstenhäuser jedes zur Hälfte. Daher bestätigte am 24. Juli 1329 der Fürst Johann II. dem Kloster Neuen = Camp dessen Privilegien auf die Mühlen zu Plau, deren Gerechtigkeiten die Bürger zu stö=


1) Vgl. Urk. Samml. Nr. XXVIII.
2) So versteht die Urkunde Rudloff M. G. II, S. 236, und ich nach ihm in Jahrb. XIII, S. 188.
3) Vgl. oben S 66.
4) Vgl. Urk. Samml. Nr. XXIX.
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ren suchten, und versicherte demselben die freie Mühlenfuhr und die Mattengerechtigkeit.

Darauf wurden von der Stadt und den Bürgern mehrere Gerechtigkeiten auf dem plauer See erworben. In den J. 1330 und 1335 erwarb Barthold Swartepape mehrere Hebungen auf der Satzik 1 ) von den Gammen 2 ) auf Schwerin; bei der Erwerbung im J. 1330 war der plauer Rath gegenwärtig. - Am 19. Mai 1337 schlichtete der Fürst Johann II. die Streitigkeiten zwischen dem Ritter Johann v. Dessin und der Stadt Plau über die kleine Fischerei auf der Weichen Seite 3 ) des plauer Sees, welche der Fürst der Stadt verlieh 4 ), nachdem Johann v. Dessin derselben entsagt hatte.

Während der Kriege mit den Markgrafen von Brandenburg waren die märkischen Vasallen an den südlichen Grenzen des Fürstenthums Werle etwas wild geworden 5 ) und beunruhigten die werleschen Lande häufig. Die beiden werleschen Fürsten Johann schlossen daher am 5. Oct. 6 ) ("mandaghes na Michaelis") 1332 ein Bündniß zur gegenseitigen Hülfleistung; der Fürst Johann III. von Werle = Goldberg sagt in der von ihm ausgestellten Ausfertigung der Urkunde:

"Desse brêf is gegeuen vôr unses veddern (Johann III.) stad tho Plawe in deme holte".

Bei der Verleihung der Weichen Seite des plauer Sees an die Stadt am 19. Mai 1337 war der Fürst Johann II. wohl schon dem Tode nahe, da er die Urkunde zu Güstrow mit Zustimmung seiner Söhne ausstellt; am 27. Aug. 1337 starb er und hinterließ zwei Söhne Nicolaus III. und Bernhard III., welche im J. 1347 die Erbschaft ihres Vaters wieder so theilten, daß Nicolaus III. die Städte Güstrow, Plau, Krakow und Kalen, Bernhard aber Waren, Röbel, Penzlin und Wredenhagen erhielt; Plau blieb also wieder bei dem Fürstenthume Güstrow.

Nachdem im J. 1329 der Löwe von Meklenburg heimgegangen war und sein Land zweien unmündigen Söhnen unter der Vormundschaft der Vasallen und Seestädte hinterlassen hatte, fehlte es an einer kräftigen Hand zur schwierigen Zügelung der wild aufgeregten Gemüther. Die Raub = und Fehdesucht nahm überhand, namentlich als im Herbste des J. 1341 der kräftig


1) Vgl. oben S. 73.
2) Vgl. Lisch Berichtigung S. 33 und 37.
3) Vgl. oben S. 74.
4) Vgl. Urk. Samml. Nr. XXXI.
5) Vgl. Rudloff M. G. II, S. 274.
6) Rudloff M. G. II, S. 174, setzt diese Urkunde irrthümlich auf den 28. Sept. 1332.
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aufstrebende Albrecht von Meklenburg von dem Grafen Günther von Schwarzburg gefangen 1 ) genommen war. Das werlesche Land war zerstückelt und seine Fürsten waren schwach; daher griffen die Fürsten von Werle zu dem äußersten Mittel, indem sie die Selbsthülfe zu Recht und Gesetz erhoben. Im J. 1341 beschlossen 2 ) die Fürsten Johann III von Werle = Goldberg mit seinem Sohne Nicolaus IV. und Nicolaus III. von Werle = Güstrow mit seinem Bruder Bernhard III., in Uebereinstimmung mit ihren Landständen, Städten und Vasallen ("râthgeveren, steden vnde mannen"), daß sie diesen Macht gaben, zu richten über alle Missethäter, welche rauben, brennen und morden würden innerhalb des Friedens, bis an das Ende, ohne jegliches Hinderniß, jedoch so, daß Städte und Vasallen bei ihren Rechten bleiben sollten; dabei ward die strengste Polizei ausgeübt, indem bestimmt ward, jeder solle nur auf dem rechten Wege reiten, in Krüge an den Landstraßen einkehren und dort seine Zeche bezahlen; würde jemand außerhalb Weges sich aufhalten ("holdt, d. i. Aufenthalt, hadde buten weges") oder in den Dörfern Leuten Schaden thun, der solle für einen "unrechten Mann" gehalten werden. Zugleich ward eine Art von Kriegsrecht publicirt, indem jeder Mann, er sei Laie oder Pfaffe, gehalten ward, sich an weltlichem Rechte genügen zu lassen, bei einer Strafe von 60 Mark. Diese Bestimmungen wurden bestätigt zugleich "mit dem alten und neuen Rechte". - Die Noth und Unsicherheit mußte entsetzlich sein, denn diese Anordnung findet ihres gleichen nicht in der meklenburgischen Geschichte. - Der plauer Stadtschreiber fügt zu diesem Gesetze hinzu, daß es nur (!) sechs Jahre gedauert und gegolten habe, d. h. bis zur werle = güstrowschen Landestheilung vom 14. Juli 1347. Bald nach der Landestheilung. am 22. Aug. 1348, vermittelte der Fürst Nicolaus III. einen Vertrag 3 ) zwischen der Stadt Plau und der Pfarre zu Quetzin, durch welchen zugleich alle Verhältnisse der Pfarre und des Dorfes geordnet wurden, bevor die lange dauernde Verpfändung von Plau eintrat.

Um die Mitte des 14. Jahrh. gehörte Plau zu den Mittelstädten des Landes, indem nach dem Landfrieden vom 14. März 1354 4 ) die Städte: Parchim 40, Güstrow und Malchin 30, Röbel, Malchow, Plau und Kalen 10, Teterow und Lage 5 Gewaffnete bei der Ausrüstung zur Aufrechthaltung des Landfriedens zu stellen hatten.



1) Vgl. Jahrb. XV, S. 49.
2) Vgl. Urk. Samml. Nr. XXXII.
3) Vgl. Urk. Samml. Nr. XXXIII. und oben S. 67.
4) Vgl. Lich Maltzan. Urk. II, S. 121.
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4.

Die Verpfändung von Plau

und der Herzog Albrecht von Meklenburg.
1356.

In der zweiten Hälfte des 14. Jahrh. hatte Plau kein beneidenswerthes Schicksal, indem es als Pfand von einer Hand in die andere ging; die Lage der Burg war für das Mittelalter von so großer Wichtigkeit, daß Erreichung des Pfandbesitzers von Fremden und Wiederablösung durch die Landesherren immer Gegenstand der eifrigsten Bemühungen blieb.

Zuerst ward Plau von den Fürsten von Werle an den Herzog Albrecht von Meklenburg verpfändet. Der Pfandbrief ist nicht mehr vorhanden 1 ) und es muß also Zeit, Umfang und Veranlassung aus andern Urkunden ermittelt werden. Der Herzog sagt in der Urkunde vom 2. Juni 1361 2 ), daß er "Plau habe von den edlen Herren von Werle:"

"als wy dat hebben van den eddelen heren van Wenden",

und in der Urkunde vom 23. Juni 1362 3 ), daß "der Fürst Bernd von Werle und dessen verstorbener Bruder Claus ihm Stadt und Land Plau für 6000 löthige Mark zu Pfande gesetzt" haben. Bei der Ablösung 4 ) dieser Verpfändung am 10. Sept. 1375 sagt der Herzog, daß er die Briefe auf Plau gehabt habe von "Herrn Claus vonWenden genannt Stauelike".

Es ist also keinem Zweifel unterworfen, daß es die Brüder Nicolaus III. von Werle = Güstrow († 1360) und Bernhard III. von Werle = Waren († 1378), beide aus dem Hause Werle = Güstrow, waren, welche Plau an Albrecht von Meklenburg verpfändeten. Nicolaus III. von Weile = Güstrow führt auch in dem alten gleichzeitigen Stammbaume zu der parchimschen Genealogie (Jahrb. XI, zu S. 26) den Beinamen: "stauelke:"

"Nicolaus III de Gustrowe stauelke."

Diese Verpfändung kann also nur in der Zeit von 1347 - 1360 geschehen sein. Und hiezu stimmt auch die Huldigung. welche die Stadt dem Herzoge am 25. Juni 1356 leistete. An diesem Tage nämlich bestätigte 5 ) zu Plau der Herzog Albrecht


1) Die Pfandverschreibung der werleschen Fürsten ward bei der Afterverpfändung am 2. Juni 1361 bei dem Rathe der Stadt Rostock zur Sicherheit der Pfandnehmer deponirt.
2) Vgl. Urk. Samml. Nr. XXXVI.
3) Vgl. Urk. Samml. Nr. XXXVII.
4) Vgl. Urk. Samml. Nr. XLII.
5) Vgl. Urk. Samml. Nr. XXXIV.
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der Stadt, den Vasallen des Landes und dem "gemeinen Lande" Plau alle Gerechtigkeiten, welche ihnen von ihren Landesherren versichert seien, nachdem ihm von seinen "Ohmen ("bolen") den Fürsten Nicolaus und Bernd Stadt und Land Plau zu einem rechten Pfande gesetzt waren und diese ihm auf derselben Geheiß gehuldigt hatten". Ohne Zweifel war also das Pfandgut an demselben Tage dem Herzoge tradirt, da dieser sich persönlich zu Plau befand und die Verpfändungen durch Ueberweisung und Huldigung der Städte und Vasallen verwirklicht zu werden pflegten. Man kann also mit Sicherheit annehmen, daß die Verpfändung Johannis 1356 geschah.

Der Gegenstand der Verpfändung war nicht das Land Plau allein, sondern Schloß ("hûs"), Stadt und Land Plau mit dem Lande oder der Vogtei Krakow. Dies wird während der Pfandzeit öfter gesagt, z. B. in der Urkunde vom 23. Juni 1362, 31. Oct. 1366, 6. Juli 1369 ("dat slod tu Plawe unde land unde dat land tu Cracowe"), 30. Nov. 1396, 9. Oct. 1403, 27. März 1405. Das Land Krakow ward während der Herrschaft der werleschen Fürsten gewöhnlich mit zu dem Lande Plau gerechnet; in der Stadt Krakow war nämlich keine fürstliche Burg, sondern das Land Krakow ward von dem Vogte auf der fürstlichen Burg zu Plau mit verwaltet, so daß das Land oder die Vogtei Krakow zu dem Hause oder Schlosse Plau gehörte.

Die Pfandsumme war nach der Urkunde vom 23. Juni 1362: 6000 löthige Mark Silbers.

Die Veranlassung dieser Verpfändung lag ohne Zweifel in den Familienverhältnissen zwischen den fürstlichen Häusern Meklenburg und Werle. Im J. 1354 war der Fürst Nicolaus IV. von Werle = Goldberg gestorben und hatte seiner Wittwe Agnes außer einem unmündigen Sohne Johann IV., mit dem die Linie im J. 1375 ausstarb, zwei Töchter. Mechthild und Agnes, hinterlassen. Wie überall, so suchte der Herzog Albrecht von Meklenburg auch in dem Lande Werle durch politische Verbindungen und Verhandlungen sich eine einflußreiche Stellung zu verschaffen. Am 29. Aug. 1355 schloß der Herzog Albrecht mit der Wittwe Agnes dahin einen Vertrag 1 ), daß ihre Tochter Mechthild dem jüngsten Sohne des Herzogs, Magnus, versprochen und für den Fall des unbeerbten Ablebens ihres Sohnes Johann ihren beiden Töchtern die Erbfolge in dessen Ländern versichert ward. Der Fürst Nicolaus III. von Werle = Güstrow, auch Herr der Stadt Plau, der älteste und nächste Agnat im Hause Werle, verhei=


1) Vgl. Rudloff M. G. II, S. 324, und Lisch Maltzan. Urk. II, S. 130.
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rathete aber, mit Recht um seine Successionsrechte besorgt und voll Verdacht gegen die eingeleiteten Verbindungen, seinen eigenen Sohn Lorenz mit der goldbergischen Prinzessin Agnes und verlobte seine Tochter Katharine mit dem meklenburgischen Prinzen Magnus, den sie jedoch auch nicht zum Gemahle erhielt. Wahrscheinlich wollte sich der Herzog Albrecht, nachdem seine Pläne gescheitert waren, für die Haltung dieses letzten Vertrages sichern und suchte deshalb die werleschen Fürsten dahin zu bringen, daß sie ihn gegen eine Pfandsumme in den wirklichen Besitz des wichtigen Schlosses zu Plau setzten, dessen Verpfändung die Fürsten von Werle späterhin für eine gefährliche erkannten.

Die Stadt Plau sollte bald erfahren, wie nachtheilig die Verpfändung an den Herzog Albrecht für sie war. Der Graf Otto I. von Schwerin war im J.1357 gestorben, ohne Söhne zu hinterlassen; seine Tochter Richardis war an des Herzogs Albrecht Sohn Albrecht verlobt, und der Herzog machte nun sogleich Ansprüche an die Grafschaft Schwerin, welche ein Hauptziel seiner Bestrebungen war. Diesem widersetzte sich aber des Grafen Otto Bruder Nicolaus, welcher von seiner Mutter her die Grafschaft Teklenburg 1 ) beherrschte. Es kam zu einem heftigen Successionskriege, in welchem sich namentlich die Stadt Schwerin ungewöhnlich heldenmüthig zeigte. Auf der Seite des Grafen von Teklenburg standen die Herzoge von Sachsen = Lauenburg, welche seit jeher den Grafen von Schwerin benachbart und vertraut gewesen waren. Die Herzoge von Meklenburg waren mit den Grafen von Holstein verbündet, welche mit dem Könige Waldemar von Dänemark im Kriege lagen; für diesen Krieg verbanden sich die meklenburgischen Herzoge auch mit dem Könige Erich von Schweden.

Das Jahr 1358 war ein ungewöhnlich bewegtes. Der Krieg begann schon zu Anfange dieses Jahres und ward vielleicht deshalb gleich so hartnäckig, weil der Herzog Albrecht die "Gräfin von Schwerin" gefangen genommen hatte und lange gefangen behielt, um sie zur Entsagung ihrer Leibgedingsgüter zu zwingen. Diese Gräfin war des letzten Grafen Otto I. Wittwe Mechthild, des Fürsten Johann III. von Werle = Goldberg Tochter, eine Enkelin des Herzogs Otto von Pommern; der Herzog Baruim von Pommern klagt in einem (undatirten) Schreiben an den Kaiser:

"Eciam sciat Vestra Magnificencia, quod Magnopolensis detinuit comitissam Zwerinensem captiuam; quam adhuc hodierna


1) Vgl. Jahrb. XV S. 37.
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die detinet, volens vitalicium eiusdem ab ea detalliare".

Der Krieg gegen die Grafschaft Schwerin begann im Januar 1358. Wir lernen den Feldzug genau aus einer Kriegskostenrechnung kennen, welche der Ritter Otto von Dewitz dem Herzoge Albrecht ausstellte. Dieser Ritter, welcher Pfandbesitzer des Schlosses und Landes Gnoyen war, war einer der kräftigsten Stützen des Herzogs und zog ihm in seinem Dienste mit dem Ritter Nicolaus v. Lewetzow auf Lunow und vielen andern Knappen und Reisigen zu Hülfe. Am 28. Jan. 1358 zog Otto v. Dewitz von Gnoyen aus, zuerst nach Gadebusch; aber die Wege waren zu schlecht, als daß ein Feldzug hätte mit Erfolg geführt werden können. Am 25. Febr. sammelte der Herzog die Seinen wieder zu Meklenburg. Am 6. April begann die Belagerung der Stadt Schwerin, vor welcher der Herzog eine Burg Neu = Schwerin ("castrum novum Schwerin") hatte aufführen lassen; auch wird die Schelfburg genannt, wahrscheinlich eine zweite Feste. Die Neue Burg lag sicher vor dem ehemaligen Schelfthore der Altstadt Schwerin, also dort, wo die Friedrichs =, Scharfrichter =, Apotheker = und Münzstraße zusammenstoßen. Die lübeker Chronik 1 ) von Detmar sagt:

"Umme de stad to Swerin buwede he ok ene hele stad hoge uppe enen berghe ieghen der "stad uppe"

Dies war also ein befestigtes Lager auf dem Schelffelde, wahrscheinlich auf der Höhe der (Stephans=) Bergstraße.

Aber die Schweriner wehrten sich nicht allein herzhaft, sondern neckten auch die Belagerer mit seltener Kühnheit und ergaben sich nicht. Die erfolglose Belagerung währte bis in den Anfang des Monats November. Im Anfange des Monats September ging den Belagerern das Futter aus ("amplius non potuerunt pabulum de campis procurare" Sept. 2); freilich holten ihnen die Schweriner sogar die Pferde ab: so wurden z. B. dem Otto v. Dewitz allein am 14. und 15. Sept. 18 Pferde von den Belagerten genommen.

Während der Belagerung mußte der Herzog Albrecht den Grafen von Holstein gegen Dänemark folgen. Kurz vorher mußte er nach Pommern, um in dem Kriege zwischen Brandenburg und Pommern die beiden Theile am 26. Juli 1358 zu Triebsees zu vergleichen; er lag auf diesem Zuge eine kurze Zeit bei dem Kloster Neuen = Camp und Otto v. Dewitz mußte ihm zu diesem und dem dänischen Zuge 400 Mk. vorstrecken. Gleich


1) Detmar's lüb. Chronik beim Jahre 1354.
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nach Beendigung dieses Geschäfts zog er nach Neustadt in Holstein, wo Otto v. Dewitz einen silbernen Gürtel für 30 lüb. Mk. für ihn verpfänden mußte. Von hier ging der Zug zur See nach Femern und Schonen. Der Herzog hatte aus diesem Zuge den Reimar v. Plessen auf Barnekow und den Heinrich v. Bülow auf Plüschow bei sich, welche ihm 2587 Mark lüb. Pf. auf diesem Zuge liehen. Nach der Beilegung aller Streitigkeiten verpfändete der Herzog am 31. März 1359 diesen beiden die Länder Wittenburg und Hagenow für a) 1800 Mark, die sie ihm baar geliehen hatten; b) 300 Mark "der se vs vpghewuruen (verschafft) hebben, also dat vns ghenoghede in der tyd, do wy volgheden vsen vrunden den Holzsten heren; c) 487 Mark, de se myd vsen mannen van vseme hete in der tyd vnd in der suluen reyse der Holzsten heren by vs in vseme denste vortereden vp Schone vnde vp Vemeren vnde anders war vp deme watere".

Während dieses Seezuges nahm der Krieg gegen Schwerin, der überhaupt bei der Zersplitterung der meklenburgischen Kräfte und der unerwarteten Kühnheit der Schweriner ganz erfolglos blieb, eine unglückliche Wendung, indem der Herzog Erich II. von Sachsen = Lauenburg (zu Lauenburg und Ratzeburg) mit Unterstützung seiner Vettern, der Brüder Albrecht V. und Erich III. zu Mölln und Bergedorf, und der Grafen von Schwerin am 24. Aug. 1358 die Stadt und Burg Plau, welche dem Herzoge Albrecht zu Pfande stand, einnahmen, in der richtigen Ansicht, daß dem Herzoge diese Burg für irgend einen andern nicht vorher zu sehenden Kriegsfall von großer Wichtigkeit war. Detmar sagt in seiner lüb. Chronik:

"In deme suluen iare 1 ) do wan hertoghe Erik to Sassen, here to Lowenborch, de stad to Plawe in sunte Bartholomeus daghe".

Die Eroberung der weit über die meklenburgischen Grenzen hinaus liegenden Burg Plau giebt den Beweis, wie weit der unglückliche Krieg um sich gegriffen hatte.

Der Herzog Erich II. von Lauenburg nahm fortwährend thätigen Antheil an dem Kriege; so griff er, nach der Rechnung des Ritters Otto v. Dewitz, im Sept. 1358 zwei Male einen Proviant = Transport auf, als die Herzoglichen schon Noth zu leiden anfingen:

"Dux Saxonie cum suis spoliauit currus cibariorum"


1) Detmar erzählt diese Begebenheit fälschlich zum J. 1360.
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und nahm dem Otto v. Dewitz z. B. 5 Pferde, 9 Drömt Hafer, 14 Tonnen Bier, 14 Schock Brot, u. s. w.

"Item secundario hostes currus cibariorum spoliaverunt."

Da schickte Otto von Dewitz dem Herzoge Albrecht dessen ältesten Sohn, den Herzog Heinrich, nach Schonen nach; er rüstete ihm ein kleines Schiff, eine Schute ("scuthen"), aus und gab ihm fünf seiner Freunde mit: Bodo von Dewitz, Henning von Havelberg, Schele Crakow, Heine von Helpte und Nicolaus Strune. Am 8. Sept. segelte der Herzog zu seinem Vater ab, hatte aber so viel Unglück, daß das Schiff sieben Wochen unterweges war und endlich dem Vogte zu Helsingborg gelassen werden mußte. Der Ritter Otto von Dewitz erzählt über diesen Zug folgende interessante Einzelnheiten, welche um so größere Wichtigkeit haben, als die Urkunden aus dieser Zeit nicht häufig sind.

"Quum rex Dacie iacuit coram Helschenborgh, tunc dominus Otto (de Dewitze) misit cum domino Hinrico Magnopolensi V que viros cum galeis ad dominum Albertum Magnopolensem; tunc dominus Otto duxit proprie êne scûthen, quam nauem, proprie scuthen, habuit a natiuitate Marie usque ad IIII septimanam post festum Michahelis. - - - Item consumpserunt XII. mr. lub. in carnibus recentibus et allecibus et piscibus coram Helschenborgh. - Tunc dominus Magnopolensis nullum habuit ventum ad nauigandum, sed nauigauit versus Copenhauen. Postmodum dominus Magnopolensis dedit eis cibaria in quantum indegerunt, donec venerunt ad terram. - Vltra tunc dominus Magnopolensis dimisit suas naues iacere Cøpelhauen et equitauit versus opidum Køyk (= Köge); do vorhuf zyk eyn styk vnd en storm, dat de scepe dryuende worden, dar dref de scuthe vor wynde vnd vor waghe, dar her Otten vrunde er harnesch vppe hadden vnde er gherede bed tho Helschenborgh. Ibi perdiderunt coram quinque arma, quelibet arma pro XIII mr. lub. - - Item notandum, quod illam nauem proprie scuthen cum omni proprie rede accepit aduocatus in Helschenborgh, nomine Nekel Peters sone."

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Vier Wochen nach der Eroberung von Plau schlug der Herzog Erich von Lauenburg das Heer des Herzogs Albrecht von Meklenburg, in welchem wohl 150 Ritter und Knappen kämpften; Detmar sagt zum J. 1360:

"In demesuluen iare wan hertoge Erik van Sassen enen stryd up deme Yellande 1 ) deme van Mekelenborch af, wol anderhalf hundert riddere unde knapen 2 ), unde was binnen verweken darna, als he Plawe wunnen hadde."

Zugleich wurden die Holsteiner von den Lauenburgern bei Siebenbäumen 3 ) geschlagen:

"In deme suluen iare leghen de Holsten vor Krumesse; des hertoghen man van Sassen togen to en unde venghen en wol LXX ghewapent af; dit schach bi den Sevenbomen".

Zu Helsingborch vermittelte der Herzog Barnim von Pommern am 18. Oct. 1358 einen allgemeinen Frieden, in dessen Folge auch König Waldemar von Dänemark die meklenburgischen und lauenburgischen Herzoge dergestalt aussöhnte, daß Herzog Erich Plau wieder herausgeben und dafür Gadebusch so lange besetzen sollte, bis ihm Boizenburg überantwortet werden könne. Erich gab darauf Plau heraus, erhielt aber weder Gadebusch, noch Boizenburg. Detmar erzählt (irrthümlich zum J. 1360):

"Darna deghedinghede de konink van Denemarken Woldemer twisschen hertoghen Alberte van Mekelenborch unde hertoghen Eriken van Sassen vorbenomet, dat hertoghe Erik scholde deme van Mekelenborch Plawe antworden unde de van Mekelenborch scholde eme Godebuz weder antworden; dat scholde.he beholden so langhe, dat he eme Boytzeneborch antworde. De hertoghe van Sassen antworde Plawe van sik in des van Mekelenborghe hant, men eme enwart der slote nên, weder Godebuz edder Boytzeneborch, men deme ko-


1) Wo das Jelland liegt, habe ich nirgends finden, auch von meinen gelehrten Freunden, trotz des eifrigsten Forschens, nicht erfahren können.
2) Rudloff a. a. O. S. 335 erzählt, daß die Meklenburger 400 Ritter und Rittermäßige eingebüßt hatten, allerdings sehr viel. Aber davon steht in der Chronik nichts. - v. Kobbe erzählt in seiner lauenburg. Gesch. II, S. 90 dies Rudloff nach, ohne selbstständige Prüfung.
3) Siebenbäumen liegt an der nordöstlichen Grenze des Herzogthums Sachsen = Lauenburg, im Amte Steinhorst südöstlich von Oldeslohe.
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ninghe wart Helsingheborch dorch desser deghedinghe willen. Aldus wart de gude hertoghe Erik van Sassen bedroghen."

Am 30. Oct. 1358 stellte der Herzog Barnim die Aussöhnung zwischen Waldemar und den Grafen von Holstein zu Stralsund urkundlich 1 ) fest, nachdem die Verabredung zu Helsingborg geschehen war ("dat wy desse deghedinghe tu Helsenborgh tu us nehmen").

Ueber die Zeitrechnug und Aufeinanderfolge dieser Begebenheiten herrscht überall Verwirrung und Dunkel. Die falsche Jahresangabe bei Detmar verwirrt nicht viel, da die Begebenheiten nur bei unrichtigen Jahren eingerückt sind. Aber Rudloff (Mekl. Gesch. II, S. 335), und nach ihm v. Kobbe (Lauenburg. Gesch. II, S. 90), reißt die Begebenheiten auseinander und nimmt an, Herzog Erich habe Plau erst überantwortet, und als er sich in seiner Entschädigung getäuscht gesehen habe, den Krieg wieder aufgenommen. die Meklenburger auf dem Jellande geschlagen, Plau wieder erobert und danach wieder abgetreten 2 ). Diese zweimalige Eroberung von Plau ist sicher grundlos und ist auch gegen den Bericht Detmar's, der nichts davon sagt. Der Friede ward in der zweiten Hälfte des Monats October verabredet und bestimmt; die Ratification der Urkunde und die Räumung von Plau nahm auch Zeit fort.

Und so ward denn am 1. Dec. 1358 (des sunauendes na s. Andreas daghe) der Hauptfriede zwischen dem Herzoge Albrecht von Meklenburg und den Grafen Nicolaus und Otto von Teklenburg geschlossen, in dessen Folge die Grafen dem Herzoge die Grafschaft Schwerin verkauften. Für die Hälfte des Kaufgeldes, nämlich für 10,000 Mk. löthigen Silbers, hatten sich die Grafen von Holstein für die Herzoge von Meklenburg verbürgt 3 ).

Bei Abschluß dieses Friedens war von dem Herzoge Erich II. von Sachsen = Lauenburg gar nicht mehr die Rede; er hatte also ohne Zweifel Plau schon ausgeliefert. Die hier zur Frage stehende Genealogie der Herzoge von Sachsen = Lauenburg gestaltet sich folgendermaßen:


1) Vgl. Schlesw. holst. lauenb. Urkunden = Sammlung Bd. II, H. 2, S. 237; vgl. S. 404.
2) Etwa um in demselben Jahre zum zweiten Male nichts dafür zu erhalten?
3) Vgl. Schlesw. holst. lauenb. Urk. II, 2, S. 238.
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Genealogie der Herzoge von Sachsen=Lauenburg: Johann I., H. von Sachsen Lauenburg, 1260 † 1285. - Johnn II.,  zu Mölln und Bergedorf, 1280 † 1321. - Albrecht III., ohne Leibeserben, † 1308. - Erich I., zu Lauenburg und Ratzeburg, resigniert um 1339, † 1361. - Albrecht IV., † 1344. - Erich II., 1339 †1368. - JohannV., † vor 1359. - AlbrechtV., † vor 1370. - Erich III.  † 1401.

Die Hauptperson in dem Kriege war Herzog Erich II. von Lauenburg. Aber seine Vettern Albrecht V. und Erich III. von Mölln und Bergedorf hatten ihm geholfen und daher, ohne Zweifel für ihre Kosten, von Erich II. einen Theil in Plau versichert erhalten. Erich II. hatte freilich Plau ausgeliefert, konnte aber wohl nicht noch obendrein die Ansprüche seiner Vettern befriedigen; dies übernahm der Herzog Albrecht. Daher ward in dem Vertrage zwischen dem Herzoge und den Grafen von Schwerin bestimmt:

"Vortmer in hertoghen Albertes deel van Sassen to Molne, dat he in Plawe heft wes dar de vorbenomeden greuen vmme segghen tuschen em vnde vns, dar schal dat bi bliuen; wolde ouer de hertoghe van Molne en des nicht horen, so schole wi mid em vnde he mid vns in deme slote to Plawe wissenen vnde holden enen borchvrede, also borchvredes recht is."

Auch der Graf von Teklenburg hatte Antheil an Plau; auch die Wiederabtretung dieses Antheils an den Herzog Albrecht ward durch den Vertrag vom 7. Dec. 1358 folgendermaßen arrangirt:

"Vortmer zo zcolen de vorbenomeden greuen beschatten de vanghenen , de vt der Nyenstat, Mernitze vnde Plawe vns affghevanghen zyn, vnde zcolen dar mede ere houetlude affleghen van den landen vnde sloten vornompt; breke en dar wes an, zo zole wy en to hulpe gheuen veer hundert lodyghe mark vnde scholen de vryghen vnde ledyghen to welkerme houetmanne ze vns wyzet, vnde dar mede scholen ze vns ern deel an Plawe weder antwerden ledich vnde los, alze ze dat van aneghenghe vnde ghehat hebben."

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Zu derselben Zeit berechneten 1 ) die Grafen von Holstein den Herzogen von Meklenburg die Schäden, die sie nach dem Abschlusse des Helsingborger Friedens erlitten hatten.

In Folge aller dieser Begebenheiten und Verhandlungen verkauften 2 ) die Herzoge Albert und Erich von Mölln und Bergedorf am 31. März 1359 dem Herzoge Albrecht von Meklenburg den Theil, den sie in Plau hatten, für 200 löthige Mark. Diese Handlung erklärt sich jetzt durch die voraufgehenden Verhandlungen ganz klar.

Die völlige Ausgleichung zwischen den Herzogen Albrecht von Meklenburg und Erich II. von Lauenburg kam erst am 10. Aug. 1360 auf einer persönlichen Zusammenkunft zu Helsingborg zu Stande 3 ).

Am 31. März 1359 mußte der Herzog Albrecht an Reimar v. Plessen auf Barnekow und Heinrich von Bülow auf Plüschow die Länder Wittenburg und Hagenow verpfänden, um die Kosten für die Unterstützung der Herzoge von Holstein bezahlen zu können.

Und hiemit war die Sache einstweilen abgemacht.

Eine fernere Folge dieser verwickelten und wichtigen Begebenheiten war, daß des meklenburgischen Herzogs Albrecht bedeutender Canzler Bertram Bere in Ungnade fiel. Der Ritter Heinrich von Stralendorf hatte ihn beim Herzoge angeklagt, er habe "um die Briefe des Grafen von Teklenburg" schlecht gesprochen; Bertram Bere erwiderte 4 ) dagegen, er habe nicht allein "um die Briefe, sondern um alle böse Handlungen, die er gegen den Herzog und andere Herren ausgeübt haben sollte, weshalb ihm der Herzog to eneme ungnedigen heren maket worden, solche Worte gesprochen, um seine Ehre zu wahren; er habe nur die gemeint, die ihm das zugeschoben und mit Rath und That dazu geholfen hätten". Jedoch schon im J. 1361 wirkte Mag. Johannes Cröpelin als meklenburgischer Canzler. Dennoch wird noch am 12. Juli 1363 "Bertram Bere des heren (Albrecht hertogen tu Meklenborch) cenceler" genannt (vgl. Lisch Maltzan. Urk. II, S. 173).



1) Vgl. Schlesw. holst. lauenb. Urk. II, 2, S. 404.
2) Vgl. Urk. Samml. Nr. XXXV.
3) Bgl. Scheidt vom hohen und niedern Adel S. 410.
4) Nach einem undatirten Briefe des Canzlers Bertram Bere.
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5.

Afterverpfändung von Plau

durch den Herzog Albrecht von Meklenburg.
1361.

Durch einen umfassenden Frieden wurden am 10. Aug. 1360 zu Helsingborg alle norddeutschen und nordischen Händel geschlichtet und geordnet, so daß über die Vergangenheit ein ziemlich verhüllender Schleier geworfen ward. Aber die nächste Zukunft barg in ihrem Schooße den Keim zu unabsehbaren Verwickelungen, welche Meklenburg bis tief in das 15. Jahrh. hinein auf das empfindlichste berührten.

Im J. 1360 ward der schwedische Königsthron erledigt und der Herzog Albrecht verfolgte jetzt, bei seinem bedeutenden Ansehen im ganzen Norden und namentlich bei den Hansestädten, das Hauptziel seines Strebens und Lebens, die nordischen Reiche an sein Haus zu bringen, das er auch wirklich erreichte, indem sein Sohn Albrecht im J. 1363 auf den schwedischen Thron erhoben ward. Zu den bedeutenden Vorrüstungen dazu war viel Geld nöthig.

Am 2. Juni 1361 gab zu Rostock, der mächtigsten Stadt der wendischen Hanse, der Herzog Albrecht dem Ritter Heinrich von Stralendorf, dem Ritter Otto von Dewitz und dem Knappen Danquard von Bülow Schloß, Stadt und Land Plau, so wie er es von den werleschen Fürsten zu Pfande hatte, zum nießbräuchlichen Afterpfande für 17,809 Mark lüb. Pf., von denen Heinrich v. Stralendorf 8809, Otto v. Dewitz 4500 und Danquard v. Bülow 4500 Mark hergaben 1 ).

Die Ritter Heinrich von Stralendorf und Otto von Dewitz gehörten um diese Zeit zu den bedeutendsten und einflußreichsten Männern in den Umgebungen des Herzogs Albrecht; auch Danquard von Bülow war ein angesehener Mann: er war z. B. mit Otto von Dewitz. Heinrich und Vicke v. Bülow und andern am 27. März 1359 unter den Bürgen 2 ) des Friedens zwischen dem Herzoge Albrecht und den Grafen von Holstein.

Für die Zinsen, ("renthe, gulte") auf die erste Pfandsumme bei der Verpfändung an den Herzog Albrecht, falls der Ertrag aus den Ländern Plau und Krakow dieselben nicht decken sollte, war dem Herzoge Albrecht das Land Waren zum eventuellen Pfande verschrieben 3 ). Nachdem aber im J. 1360 der Fürst Nicolaus III., der Landesherr von Plau, gestorben war


1) Vgl. Urk. Samml. Nr. XXXVI.
2) Vgl. Schlesw. holst. lauenb. Urk. Samml. Bd. II, H. 2, S. 238, Nr. CXC
3) Vgl. Urk. Samml. Nr. XXXVII.
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und sein Bruder Bernhard III. von Waren seinen Landestheil für sich allein frei haben wollte, ward dieses Verhältniß am 10. März 1362 aufgelöset: der Herzog Albrecht entsagte der eventuellen Zinszahlung aus dem Lande Waren und seines Pfandrechtes auf dasselbe und setzte die Pfandsumme von 6000 löth. Mk. Silbers auf 4500 Mk. herab, indem der Fürst Bernhard für seinen Antheil 1500 löth. Mk. zurückzuzahlen versprach. Für diese und andere Schulden verpfändete der Fürst Bernhard von Werle am 10. März 1362 dem Herzoge das Land Röbel 1 ), welches fortan bei dem Hause Meklenburg blieb. Der Fürst Bernhard sagt:

"De gultde, de wy to Plawe toleghen sculden vt dem lande to Warne, de scal vse veddere vnde sine eruen vs lôs lâten, vnd dat vêrdendêl des gheldes, dâr em Plawe vôr steyt; vnd vôr de anderen pennighe vnd suluer de dâr na bliuen, scal dat slot Plawe myt sînen tobehôringen sîn pant blîuen brûkelken, als vse brêue dâr vp lûden."

Am 23. Juni 1362, nachdem die Verpfändung des Landes Röbel in Ordnung gebracht und versichert war, quittirte 2 ) der Herzog Albrecht den Fürsten Bernhard von Werle, für sich und die Kinder seines verstorbenen Bruders Nicolaus, über die zurürckgezahlten 1500 löthigen Mark von der Pfandsumme auf Plau und Krakow und entsagte seinen Rechten auf das Land Waren.

Der Fürst Nicolaus III., nach der Theilung der Herrschaft Güstrow in die Herrschaften Güstrow und Waren Landesherr von Plau, war im J. 1360 gestorben und hatte zwei Söhne, Lorenz und Johann V., hinterlassen, von denen der ältere Lorenz zu Güstrow die Regierung führte. Der Fürst Johann IV. von Werle = Goldberg stand seit dem J. 1354 unter der Vormundschaft seines Vetters Lorenz. Nachdem Johann IV. von Werle = Goldberg seine Volljährigkeit erreicht hatte, schloß er mit seinen Vettern Lorenz und Johann V. von Werle = Güstrow am 21. Sept. 1365 einen Hausvertrag 3 ), durch welchen sie sich die gesammte Hand und Hülfe vorzüglich zur Wiedereinlösung der wichtigen Schlösser Plau und Stavenhagen versicherten; sie errichteten landständische Ausschüsse (tu hôvetlûden use man unde usen rât - - na der heren und der stede râde) zu Güstrow, Parchim und Malchin zur Erhebung der Landeseinkünfte und Beisteuern, um mit denselben diese Schlösser ein=


1) Vgl. Jahrb. XIII, S. 326 und 189 flgd.
2) Vgl. Urk. Samml. Nr. XXXVII.
3) Vgl. Lisch Maltzan. Urk. II, S. 186 flgd.
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zulösen. Zuerst sollte Plau wieder eingelöset und dazu überall im Lande Hülfe gesucht werden; es ward festgesetzt,

"dat wy, na râde vses râdes, man vnde stede, dor lôsinghe willen vser slote alse Plawe vnde Stouenhagen dor vredes willen vser land vmme de sâmeden hant vser herschop vs hebben verênet. - - To deme îrsten mâle Plawe; dâr scolen de hôuetlûde hulpe tu s oe ken an steden, an landen, an mannen, ghêstlek vnde werlek. Van stâdan wan dat ghelôset is, so schal me Plawe antwarden deme vôrsprôken vedderen her Laurencius vnde synem brôder Johanne."

Es sollte also das Schloß Plau den Fürsten von Werle = Güstrow übergeben werden, sobald es eingelöset worden sei.

Die Einlösung von Plau wollte sich aber nicht so leicht ausführen lassen, und doch schien den werleschen Herren sehr viel daran zu liegen. Am 31. Oct. 1366 schlossen die Fürsten Lorenz und Johann V. von Werle = Güstrow und Johann IV. von Werle = Goldberg ein Bündniß 1 ) mit dem Herzoge Albrecht und dessen Söhnen Heinrich und Magnus, der gerne die Hand dazu bot, um immer mehr Einfluß auf die werleschen Lande zu gewinnen; an die Spitze dieses Bündnisses ward die Vereinbarung gestellt: der Fürst Johann IV. von Werle = Goldberg sollte des Herzogs Heinrich von Meklenburg kindliche Tochter Eufemia, Albrecht's Enkelin, nach "12 Jahren" heirathen und der Prinzessin Haus, Stadt und Land Plau mit der Vogtei Krakow statt eines Ehegeldes von 2000 löthigen Mark mitgeben. Zur Sicherung dieses Vertrages sollten die Ritter Ulrich Maltzan und die Knappen Claus Hahn, Heinrich von Lewetzow und Hennecke von Grabow von beiden Seiten sogleich Haus, Stadt und Land Plau einnehmen. Würde innerhalb der 12 Jahre der Verlobte oder die Verlobte sterben, so sollte der Fürst Johann den Danquard von Bülow, oder den, der Plau dann inne haben würde, wieder an den Herzog Albrecht weisen, so lange bis ihm Plau abgelöset worden sei. Danquard von Bülow war also damals noch im eigentlichen Pfandbestize von Plau; die drei Afterpfandinhaber Heinrich von Stralendorf, Otto von Dewitz und Danquard von Bülow waren unter den Bürgen dieses Vertrages. An demselben Tage, 31. Oct. 1366, verpflichteten sich 2 ) die vier bestellten Verwalter des Schlosses, die zu Rostock ver=


1) Vgl. Lisch Maltzan. Urk. II, S. 191.
2) Vgl. Lisch Maltzan. Urk. II, S. 203.
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abredete Vereinbarung binnen 14 Tagen besiegeln zu lassen und die Urkunde bei dem Rathe der Stadt Rostock verwahrlich niederzulegen, bei dem Vertrauen, in welchem ihnen das Schloß Plau überantwortet sei.

In dieser Aussicht auf die Erwerbung von Plau versicherte 1 ) der Fürst Johann IV. von Werle = Goldberg am 22. Nov. 1366 der Stadt und Vogtei Plau bei seiner Anwesenheit daselbst, derselben alle ihre erworbenen Gerechtigkeiten halten und schützen zu wollen. Der Fürst Johann ist zwar in der Urkunde, welche offenbar nur eine Eventual = Bestätigung ist, nicht genauer bezeichnet, aber ohne Zweifel Johann IV. von Werle = Goldberg, da von der güstrowschen Seite sicher der Fürst Lorenz mit genannt worden wäre.

Bei der immerfort wachsenden Macht des herzoglichen Hauses Meklenburg konnten aber die werleschen Fürsten die Verpfändung des wichtigen Schlosses Plau nicht ertragen. Sie machten also die größten Anstrengungen, die Afterpfandinhaber auszukaufen. Am 6. Juli 1369 quittirte der Ritter Heinrich von Stralendorf 2 ) die Fürsten Lorenz und Johann V. von Werle = Güstrow auf 800 Mark löthigen Silbers weniger 22 lüb. Mk. von der Summe, für welche ihm Schloß und Land Plau und Land Krakow verpfändet waren. In den nächsten Jahren machte der Fürst Lorenz die kräftigsten Anstalten, die beiden andern Pfandbesitzer auszukaufen. Am 23. Febr. 1371 verkaufte z. B. der Fürst Lorenz der Stadt Güstrow alle seine Rechte an 6 Hufen auf dem Felde des Dorfes Gutow zwischen der Landwehr und dem güstrowschen Bürgeracker für 100 Mark lüb. Pf.,

"de se vns rêde lêgen hebben vnde betâlet vnde de wi an vnse nôt vnde an vnse slot to Plage keret hebben."

Endlich erreichte der Fürst Lorenz seinen Hauptwunsch, die Einlösung der "gefährlich" an Meklenburg verpfändeten Stadt Plau, im J. 1375 vollständig. Er verkaufte, mit seinem Bruder Johann zu diesem Zwecke, am 9. Sept. 1375 das vor den Thoren der Stadt Güstrow liegende Dorf Glin 3 ) an diese zur Einlösung der Stadt Plau:

"in redemptionem oppidi nostri Plawe pro ducentis millibus marcarum argenti carissimo nostro patruo domino Alberto duci Magnopolensi periculose obligarti."


1) Vgl. Urk. Samml. Nr. XXXVIII.
2) Vgl. Urk. Samml. Nr. XXXIX.
3) Vgl. Frank A. u. N. Meklb. VI, S. 301, und Beffer Gesch. von Güstrow S. 260.
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Endlich, am 10. Sept. 1375, verzichtete der Herzog Albrecht 1 ) auf alle Rechte an Plau, nachdem ihm der Fürst Lorenz Stadt und Land abgelöset hatte, und entsagte nicht nur allen Briefen, die er von dem Fürsten Nicolaus, genannt Stavelike, darauf hatte, sondern auch der ihm geleisteten Huldigung.

Am 8. Sept. 1375, zwei Tage vor dieser Entsagung, versicherte der Ritter Heinrich von Bülow 2 ) der Stadt Plau alle ihre Gerechtsame, da diesem Stadt und Land Plau von dem Fürsten Lorenz wieder verpfändet waren.

Aus der Vermählung des Fürsten Johann IV. von Werle = Goldberg mit der meklenburgischen Prinzessin Eufemia ward nichts, da der Fürst vor Ablauf der stipulirten 12 Jahre im J. 1375 kurz vor der Einlösung von Plau starb und damit der Vertrag vom J. 1366 aufgehoben war. Die Prinzessin vermählte sich jedoch im J. 1377 mit dem Bruder des Fürsten Lorenz, dem Fürsten Johann IV. von Werle = Güstrow, der ihr gleichfalls Plau und Krakow zum Leibgedinge 3 ) anwies.

Zu derselben Zeit erreichte der Fürst Lorenz seinen zweiten Wunsch, die Einlösung des Landes Stavenhagen, welches er am 24. Aug. 1375 an den Ritter Bernhard Maltzan wieder verpfändete 4 ).

Ueber die Einzelnheiten der Ablösung sind keine Urkunden mehr vorhanden. Es ist aber wahrscheinlich, daß der Fürst Lorenz manche Güter und Gerechtsame verkaufen und verpfänden mußte, um die Einlösung von Plau zu erreichen. Am 5. Jan. 1393 (zu Dobbertin) cedirte "Eckhard von Dewitz wohnhaft zu Wredenhagen" dem Kloster Stepenitz die ihm von dem Fürsten Lorenz von Werle verpfändeten Aufkünfte an "Bede, Hundekorn, Münzpfenningen, Burgdienst, Pflicht und Unpflicht" aus den in der Vogtei Plau liegenden Dörfern Damerow und Ganzelin, bis zur Ablösung des ihm verpfändeten Schlosses Wredenhagen, bei welcher er entweder diese Dörfer dem Fürsten wieder frei zurückgeben oder sich auch die damerow = ganzlinsche Pfandsumme von 500 Mark wend. Pf. abziehen lassen wolle. Diese Verpfändungen sind mehr als wahrscheinlich noch Folgen der Verpfändung von Plau an Otto von Dewitz 5 ) und dessen Mitpfandbesitzer; jedoch ist die Geschichte der Familie von Dewitz 6 ) noch zu dunkel, als daß sich augenblicklich mit Sicherheit mehr sagen ließe.


1) Vgl. Urk. Samml. Nr. XLII.
2) Vgl. Urk. Samml. Nr. XLI.
3) Vgl. Rudloff Meklb. Gesch. II, S. 494.
4) Vgl. Lisch Maltzan. Urk. II, S. 277 flgd.
5) Vgl. Lisch Maltzan Urk. II, S. 173, und Jahrb. XIII, S. 191.
6) Vgl. Boll Gesch. des Landes Stargard, II, S. 53 flgd.
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6.

Verpfändung an die von Bülow.

1375.

Nachdem der Fürst Lorenz von Werle = Güstrow mit den größten Anstrengungen endlich im Sept. 1375 das wichtige Schloß Plau von dem Herzoge Albrecht wieder eingelöset hatte, verpfändete er es sogleich wieder an den Ritter Heinrich von Bülow; wahrscheinlich hatte dieser einen Theil der Abfindungssumme für den Herzog Albrecht hergeschossen und dafür Plau zum Pfande erhalten. Die Verpfändungsurkunden sind nicht mehr vorhanden; jedoch ist noch die Urkunde 1 ) vorhanden, durch welche Heinrich v. Bülow am 8. Sept. 1375 der Stadt die Haltung ihrer Privilegien versichert: es geschah also die Uebergabe der Stadt an ihn an diesem Tage. Die Verpfändung erstreckte sich ebenfalls auf die Städte und Länder Plau und Krakow für 5000 lüb. Mark 2 ); die Söhne des Ritters Heinrich von Bülow sagen bei der Ablösung ausdrücklich. daß "Herr Laurentius ihrem Vater" Plau und Krakow verpfändet 3 ) habe. Die v. Bülow blieben bis 1403 und 1405 in dem Besitze von Plau. Es ist also sicher, daß der Fürst Lorenz von Werle = Güstrow dem Ritter Heinrich v. Bülow am 8. Sept. 1375 die Städte und Länder Plau und Krakow für 5000 lüb. Mark verpfändete.

Die Person des Ritters Heinrich v. Bülow ist schwer zu erforschen, da der Name Heinrich in der Familie v. Bülow sehr häufig vorkommt; wir besitzen zwar eine gedruckte Genealogie der Familie v. Bülow, jedoch ist diese für die ältern Zeiten zu unbestimmt und mangelhaft, als daß sie einen sichern Führer abgeben könnte. Die Verpfändung von Plau und andere Studien werden jedoch die Verwandtschaftsverhältnisse genugsam aufklären können. Der Ritter Heinrich v. Bülow war der Stifter der Linie auf Plüschow und Besitzer dieses Gutes. Er war dem Herzoge Albrecht sehr vertraut; auf dem Hofe zu Plüschow ward am 7. Dec. 1358 der Verkauf der Grafschaft Schwerin an den Herzog Albrecht abgemacht. Am 31. März 1359 verpfändete der Herzog Albrecht dem Reimar v. Plessen auf Barnekow und dem Heinrich v. Bülow auf Plüschon ("Hinrike van Bulowe to Pluzkowe") , der damals noch Knappe war, für ihre zu dem Zuge des Herzogs zu den holsteinschen Grafen geleistete Hülfe und Anleihe (2587 Mk. lüb.


1) Vgl. Urk. Samml. Nr. XLI.
2) Vgl. Urk. Samml. Nr. XLVIII.
3) Vgl. Urk. Samml. Nr. XLVII.
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Pf.) Wittenburg, Schloß, Stadt und Land, und Hagenow. Am 13. März 1362 verpfändete der Herzog Albrecht dem Knappen Heinrich v. Bülow Stadt und Vogtei Grevismühlen. Im J. 1371 war er schon Ritter. Am 8. Sept. 1375 empfing er die Städte und Lande Plau und Krakow zum Pfande. Heinrich v. Bülow war also ein sehr angesehener und begüterter Mann. Er starb vor dem J. 1387. - Danquard v. Bülow, welcher vor ihm Plau zum Afterpfande von dem Herzoge Albrecht gehabt hatte und auch vor 1387 gestorben war. war sein Vetter und Besitzer von Bülow und Zibühl.

Die Genealogie des Ritters Heinrich v.Bülow gestaltet sich, so viel hier davon zur Sprache kommt, folgendermaßen:

Genealogie des Ritters Heinrich v.Bülow: Heinrich 12., Ritter, auf Plüskow, Pfandinhaber von Wittenburg und Hagenow, Grevismühlen und Plau mit Krakow. 1335 - 1375. - Henneke. - Heinrich 16., auf Prensberg. (zu Neustadt.) - Werner, Domherr, - Vicke 6.,  zu Plau. 1388 - 1405. - Eckart, Ritter. 1388 - 1405. - Claus, Stammhalter der Linie Plüschow. - Heinrich 18., Stifter der Linie Gartow. 1388. -  Hartwig, Sttifter der Linie Wehningen, Gudow u.Marnitz. 1388 - 1436. - Vicke, kurbrand. Rath, auf Gartow. 1434 - 1443.

Die 6 Söhne des Ritters Heinrich 12. auf Plüschow scheinen sich zunächst in zwei Gruppen getheilt zu haben, indem die älteren Söhne und ihre Nachkommen, von der einen Seite, und die drei jüngeren Vicke, Eckhart und Claus, von der andern Seite, eine geraume Zeit hindurch zusammenstehen und die gesammte Hand an ihren Gütern zu haben scheinen. Von jeder Gruppe führte immer einer die Geschäfte, zunächst Heinrich und Vicke. Von diesen war Vicke wieder besonders mit der Verwaltung von Plau beauftragt und wohnte zu Plau. Am 28. Juni 1391 wird er ausdrücklich "Vicke van Bulowe van Plawe" genannt.

Die v. Bülow scheinen sich zunächst den nießbräuchlichen Pfandbesitz von Plau möglich nutzbar gemacht und auch etwas

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dafür gethan zu haben. Am 21. Dec. 1386 kauften 1 ) die Brüder Heinrich und Vicke v. Bülow (also des Ritters Heinrich Söhne) von den Brüdern Swartepape die harte Seite des plauer Sees 2 ) mit allen Pächten, Schmalzug und Aalfang, den dritten Theil des Aalfanges (Zaran) unter der Eldenbrücke bei Plau und 12 Mark Pacht aus der Satzik 3 ), welche die Swartepapen von den Gamm erworben hatten 4 ).

Außerdem erwarben die Söhne des Ritters Heinrich v. Bülow noch andere ansehnliche Besitzungen. Schon vor dem Jahre 1391 nahmen sie von den Herzogen von Meklenburg die Schlösser, Städte und Länder Neustadt und Dömitz 5 ) für 14000 Mk. lüb. Pf. zum Pfande; diese wurden ihnen im J. 1403 wieder abgelöset. Die Pfandurkunde ist nicht mehr vorhanden; jedoch wird das Verhältniß aus der Wiedereinlösung und aus einer andern Urkunde klar.

Den Pfandbesitzern von Plau waren zunächst die Söhne des Danquard v. Bülow 6 ) verwandt, welchem früher Plau verpfändet gewesen war, nach folgender Genealogie, so viel davon hier zum Verständnisse nöthig ist:

Genealogie der Söhne des Danquard v. Bülow: Heinrich 3., Ritter, Burgmann zu Gadebusch. 1286.; Gottfried, Ritter.; Reimar. 1335.;Heinrich 12, Ritter, auf Plüskow, zu Plau 1375. 1335 - 1375 († vor 1386.); Danquard, Ritter, auf Bülow und Ziebühl, früher zu Plau 1361 - 1375. 1346 - 1386.; Heinrich 16. auf Prensberg, zu Neustadt. 1367 - 1386.; Vicke 6. zu Plau. 1386 - 1405.; Eckhart, Ritter. 1388 - 1405.; Claus auf Plüskow. 1395 - 1405.; Joachim auf Bülow u. Ziebühl. 1387 - 1405.; Heinrich 17. auf Tarnow.1387 - 1405.; Heinrich 18 auf Gartow.  1388.; Hartwig auf Wehningen. 1388 - 1436.; Vicke.- 1443.

1) Vgl. Urk. Samml. Nr.XLIII.
2) Vgl. oben S. 74.
3) Vgl. oben S. 73.
4) Vgl. Lisch Berichtigung S. 33, 37 und 58.
5) Vorher besaß Henning v. Halberstadt das Schloß und Land Dömitz, welches ihm im J. 1372 der Herzog Albrecht verpfändete.
6) Danquard v. Bülow war im J. 1387 todt, da in diesem Jahre genannt werden: "vor Alheyd, her Danquardes wif van Bulowe, deme got gnedich "sy, vnde Joachim van Bulowe myn zone."
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Am 28. Juni 1391 cedirten "Joachim und Heinrich Brüder v. Bülow", also Danquard's Söhne, Schloß, Stadt und Land Schwan, welches ihnen von den Herzogen von Meklenburg verpfändet war, an Heinrich Moltke und zu dessen treuer Hand den übrigen Moltken und dem Ritter "her Eghard van Bulowe, Hinrik van Bulowe to der Nygenstadt, Vicken van Bulowe van Plawe, Vicken van Bulowe van der Zimen vnd Thydeke van Bulowe van Ghultzow." Eckhard, Heinrich zu Neustadt und Vicke zu Plau, v. Bülow, sind Söhne des Ritters Heinrich 12. auf Plüskow, des Pfandnehmers von Plau; Vicke auf Siemen und Thideke auf Gülzow sind von einer andern Linie.

Es setzte sich also die ältere Hälfte der Söhne des Ritters Heinrich 12. in die Verwaltung von Neustadt und Dömitz, wie die jüngere Hälfte von Plau. Die Verpfändung von Dömitz war wohl die Veranlassung zu der Erwerbung der nahen Schlösser Wehningen und Gartow, aus denen berühmte Linien des Geschlechts entsprossen.

Inzwischen waren die ältern Söhne des Ritters Heinrich 12. gestorben, während die drei jüngern noch im Anfange des 15. Jahrh. lebten. Heinrich 16. starb nicht lange nach dem Vater; derselbe hinterließ zwei Söhne: Heinrich 18. auf Gartow und Hartwig auf Wehningen. Von diesen starb der ältere Heinrich 18. wieder sehr früh, entweder schon vor oder bald nach dem Vater, und hinterließ einen Sohn Vicke, welcher noch im J. 1405 unter der Vormundschaft Hartwigs stand. Wir erblicken daher das Schauspiel, daß Plau bei der Ablösung im Besitze theils der Söhne, theils der Enkel und Urenkel des Ritters Heinrich 12. war, nach folgender jetzt geltenden Genealogie:

Genealogie des Ritters Heinrich 12.: Heinrich 12., Ritter.; Vicke. 1396 - 1405.; Eckhart.  1396 - 1405.; Claus. 1396 - 1405.; Hartwig. 1396 - 1405.; Vicke 1396 - 1405.

Vicke, Eckhart und Claus werden noch im J. 1403 des Ritters Heinrich Söhne genannt.

Im J. 1396 waren Heinrich 16. und 18. schon todt. Denn am 30. Nov. 1396 nahmen die Herzoge Johann und Ulrich von Meklenburg = Stargard die Vettern Vicke und

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Hartwig v. Bülow mit den Pfand = Schlössern und Ländern Plau und Krakow in ihren Dienst 1 ). Auffallend dabei ist, daß von einer Zustimmung der werleschen Landesherren gar nicht die Rede ist und die Bülow wie vollständige Herren von Plau handeln. Die Herzoge von Stargard waren zu jener Zeit im Kriege mit den Märkern. Der Beistand der v. Bülow aber mochte ihnen wohl deshalb angenehm sein, weil die stargardischen Herzoge seit dem J. 1376 im Pfandbesitze des an das Land Plau grenzenden Landes Röbel 2 ) waren.

Im Laufe der Zeit, als die v. Bülow sich mehr mit ihren nach und nach erworbenen Landgütern beschäftigten, mochte ihnen die Bewachung einer damals wichtigen Feste lästig werden. Daher übergaben am 24. April 1399 die Brüder Vicke, Eckhart und Claus und deren Vettern Hartwig und Vicke den Rathmännern der Stadt Plau die Thore der Stadt 3 ), dieselben zu bewahren, so lange Plau der v. Bülow Pfand von den wendischen Herren sei. Dadurch zogen sich die v. Bülow auf das Schloß Plau zurück und die Stadt gewann freiere Bewegung.

Im J. 1400 starb der Fürst Lorenz von Werle. Seine regierenden Söhne Balthasar und Johann dachten nun ernstlich an die Einlösung von Plau. Am 9. Oct. 1403 löseten 4 ) die Fürsten Baltasar und Johann von Werle zu Güstrow von den Brüdern Vicke, Eckhart und Claus v. Bülow die Städte und Länder Plau und Krakow ein, wie ihr Vater Lorenz diese ihnen versetzt hatte, mit Allem, was die v. Bülow dazu erworben ober erhalten hatten, und zahlten ihnen die Pfandsumme von 5000 Mk. lüb. zurück, wogegen die v. Bülow allen Ansprüchen entsagten. An demselben Tage entsagten 5 ) dieselben Brüder v. Bülow ausdrücklich allen Ansprüchen aus der Verpfändung und stellten zu Bürgen dafür Joachim v. Bülow auf Zibühl, Heinrich v. Bülow auf Tarnow und Henneke v. Bülow auf Kritzow.

Um dieselbe Zeit, am 17. Nov. 1403, löseten auch die Herzoge von Meklenburg, König Albrecht und Herzog Johann, den Vicke, Eckhart und Claus und Hartwig und Vicke v. Bülow die Schlösser, Städte und Länder Neustadt und Dömitz ab und zahlten ihnen auf die Pfandsumme von 14,000 Mk. lüb. Pf. die Summe von 10,000 Mk. aus. Eckhart, Vicke,


1) Vgl. Urk. Samml. Nr. XLV.
2) Vgl. Jahrb. XIII, S. 191.
3) Vgl. Urk. Samml. Nr. XLVI.
4) Vgl. Urk. Samml. Nr. XLVII.
5) Vgl. Urk. Samml. Nr. XLVIII.
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Hartwig und Claus besiegelten die Quittung mit für ihren "vedder Vicke, de noch unmundich is."

Die Fürsten von Werle mußten zu der Ablösung von Plau Geld aufnehmen. Daher verpfändeten z. B. die Fürsten Balthasar und Johann am 18. Oct. 1403 den Brüdern Eckhart, Vicke und Claus v. Bülow, des wail. Ritters Heinrich Söhnen, 80 lüb. Mk. jährlicher Hebung aus dem Schosse der Stadt Plau für 1000 Mk. lüb. Pf. 1 ).

Im J. 1405 entsagten auch die übrigen v. Bülow ihren Ansprüchen an Plau. Am 27. März 1405 bezeugte auch Hartwig v. Bülow 2 ) für sich und seinen Vetter Vicke, Heinrich's Sohn, dessen Vormund Hartwig war, daß ihnen die wendischen Herren abgelöset haben die Städte und Länder Plau und Krakow und dazu alles, was sie zu Erbe in diesen Ländern gekauft und erhalten hatten, liefern auch alle Urkunden aus und verzichten auf alle Güter, Pfand oder Erbe, die sie im Lande Wenden gehabt haben, mit Ausnahme des Schosses aus Parchim. Erst am 17. März 1405 hatten nämlich die beiden werleschen Fürsten 100 Mk. aus dem Schosse der Stadt Parchim an Hartwig und Vicke v. Bülow verpfändet.

Am 29. März 1405 erklärt Hartwig v. Bülow für sich und in Vormundschaft seines Vetters Vicke alle Briefe, die er von den wendischen Herren anf Plau gehabt hat, für erloschen 3 ), alle Gelübde für erledigt und weiset den Rath und die Bürger der Stadt Plau wieder an die Fürsten Balthasar, Johann und Wilhelm von Werle, indem er denselben dafür dankt, daß sie mit Ehren und Freundschaft von ihnen geschieden seien.

So kam die Stadt Plau nach fast 50 Jahren wieder an ihre Landesherren.


Während Plau an die v. Bülow verpfändet war, brachte die Stadt nach und nach das Dorf Gaarz 4 ) an sich und ward am 11. Nov. 1388 von dem Dom = Capitel zu Havelberg mit demselben belehnt 5 ); am 22. Nov. 1388 leistete der Rath dem Propste den Lehneid 6 ). Diese Erwerbung ist die letzte von Bedeutung, welche die Stadt Plau machte, wie überhaupt die Städte seit dem 15. Jahrh. nach und nach immer tiefer sanken.



1) Vgl. Urk. Samml. Nr. XLIX.
2) Vgl. Urk. Samml. Nr. L.
3) Vgl. Urk. Samml. Nr. LI.
4) Vgl. oben S. 50 flgd.
5) Vgl. oben S. 51.
6) Vgl. daselbst.
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7.

Die Stadt Plau im 15. Jahrhundert.

Die Städte hatten ihre Blüthe im 14. Jahrh. erreicht; zwar entwickelten die größern Hansestädte auch noch ein Jahrhundert später viel Macht und Glanz, aber sie gingen doch allmählig ihrem Verderben entgegen, und die kleineren Städte versanken im 15. Jahrh. viel rascher in Unbedeutendheit, wenn sie auch von den heftigen Revolutionen verschont blieben, welche die größern Städte erschütterten.

Von der Stadt Plau ist im 15. Jahrh. nicht viel zu sagen und nur der geschichtlich merkwürdige Ausbau des Schlosses ist von hervorragender Wichtigkeit. Plau hat seine bedeutendere Geschichte im 13. und 14. Jahrh. gehabt. Freilich schweigen davon die frühern Geschichtschreiber ganz, indem sie den Anfang der Geschichte der Stadt Plau in das Jahr 1414, 1415 oder 1418 setzen. Selbst Franck 1 ) sagt nach den ältern Chronisten: "1415 soll der Markgraf Johann von Brandenburg das damals schon befestigte Schloß Plau erobert haben und dies das erste Vorkommen von Plau sein." Dies ist aber ein arger Fehler, da nach den Quellen das Schloß Plau an der Havel in der Mark Brandenburg gemeint ist. Die lübische Chronik des Rufus 2 ) sagt ausdrücklich:

"1414. Do sulues ok bestalleden bischop Gunter van Meydeborch unde markgreue Frederik van Brandenborch das hus to Plawe belegen in der marke unde stormeden dat ok mit bussen unde anderen instrumenten unde wunnen dat to deme lesten."

Eben so berichten Corner und alle märkischen Quellen 3 ). Von der Eroberung des meklenburgischen oder werleschen Schlosses Plau ist nirgends die Rede.

In der ersten Hälfte des 15. Jahrh. hatte aber die Stadt Plau sehr viel durch die Raubfehden der märkischen Edelleute zu leiden. Der dichterische Geist, der den Adel im 12. und noch im 13. Jahrh. durchwehte, verließ ihn im 14. Jahrh. ganz; im Gegentheil beherrschte ihn im 15. Jahrh. eine wilde, ungezügelte Raub = und Fehdelust, in welcher die letzte Spur der alten Bildung unterging. Allbekannt und viel berüchtigt sind vorzüglich die Raubzüge, welche der Adel der Prignitz in das


1) Vgl. Franck A. u. N. M. VII, S. 142.
2) Detmar's lüb. Chron. herausgeg. von Grautoff, II, S. 482.
3) Vgl. Riedel Cod. dipl. Brand. II, 3, S. 251 und 275 flgd.
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Land Werle that; sie waren am stärksten in der Zeit von 1420 bis 1440, wie die vielfachen Schadensrechnungen zeigen, und wandten sich vorzüglich in die Länder Plau und Röbel. Der märkische Adel brach jede Gelegenheit vom Zaune, um einen Streifzug zu machen, und der häufig mit ihm verschwägerte meklenburgische Adel fand nicht selten Geschmack an solchen unmenschlichen Treibjagden; wenn dieser sich auch gewöhnlich seiner Haut wehren mußte und von ehrenhafterer Gesinnung war, so verdarb doch oft das böse Beispiel gute Sitten. Diese Raubzüge sind keinesweges mit den sogenannten "ehrlichen, angesagten Fehden" zu vergleichen. Die Zeit der ersten Hälfte des 15. Jahrh. war noch im Anfange des 16. Jahrh. bei den Enkeln so berüchtigt, daß man sie die Zeit nannte, "do man plach to rôwende uth der Marcke und Priggenitz int lant to Stettin und Mecklenborch" 1 ).


8.

Plau unter meklenburgischer Herrschaft.

Am 7. Sept. 1436 starb mit dem Fürsten Wilhelm der Mannsstamm des Fürstenhauses Werle aus, ein bedeutendes Ereigniß, welches auf manche Stadt des Fürstenthums einen wehmüthigen und fühlbaren Eindruck machte, für das ganze Land und das Fürstenhaus aber von günstigen Folgen war, indem jetzt alle Lande unter das Eine, meklenburgische Fürstenhaus und bald unter Einen Regenten gestellt wurden. Die meklenburgischen Herzoge nahmen am 22. Nov. 1436 die Huldigung der Stände an und versicherten ihnen alle Privilegien, wobei sie denselben versprachen, das Land Wenden nicht zu theilen 2 ), sondern gemeinschaftlich zu gebrauchen. Darauf ergriffen sie Besitz von den einzelnen Theilen des Landes und bestätigten auch hier die Privilegien 3 ) derselben. Am 25. Jan. 1437 bestätigten zu Plau alle Herzoge von Meklenburg, in Gegenwart der Rathmänner der wendischen Vorderstädte Parchim und Güstrow, die Privilegien der Stadt Plau 4 ) und wiederholten dabei das Versprechen, das Land Wenden nicht zu theilen.

Der Anfall der werleschen Lande an Meklenburg fiel in die Zeit, in welcher die auswärtigen Cistercienserklöster meisten Theils ihre Besitzungen in Meklenburg veräußerten. Am 29. April 1437 verkaufte das Kloster Neuen = Camp an die schwerinsche


1) Vgl. Jahrb. XIII, S. 245.
2) Vgl. Rudloff M. G. II, S. 738.
3) Vgl. das. S. 741.
4) Vgl. Urk. Samml. Nr. LIII.
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Landesherrschaft, nämlich an die Herzogin Katharine und ihre Söhne Heinrich und Johann, die Mühlen zu Plau 1 ) mit dem dazu gelegenen Wohnhause in der Stadt, welche sie seitdem immer behalten haben. Bemerkenswerth ist hiebei daß die Herzogin Katharine hier noch mit ihren Söhnen handelnd auftritt, während sonst angenommen wird, daß diese schon im J. 1436 bei dem Aussterben des werleschen Fürstenhauses volljährig geworden seien. Für das Kaufgeld von 1600 Mark stralsund. Pf. verpfändeten die Herzoge dem Kloster eine jährliche Hebung von 120 Mk. aus der Orbör zu Ribnitz.

"Die gemeinschaftliche Regierung der werleschen Länder ward demnächst am 4. Dec. 1438 auf einer gemeinschaftlichen Zusammenkunft aller Herzoge mit ihren Räthen zu Plau von den beiden herzoglichen Linien zu Schwerin und Stargard dahin näher bestimmt 2 ), daß alle schuldenfreien Güter von jedem Theile zur Hälfte genutzt, alle Gerichte, Zölle und andere Einkünfte gleich getheilt, die geistlichen Lehne wechselweise vergeben und alle wegen des Landes Wenden besorglichen Kriege mit vereinten Kräften abgewendet werden sollten." Es wurden hiebei von den schwerinschen Herzogen ausdrücklich nur die so eben erkauften Mühlen zu Plau ausgenommen, von denen die stargardischen Herzoge erst dann die Hälfte haben sollten, wenn sie den schwerinschen Herzogen die Hälfte des Kaufgeldes nachbezahlt haben würden.

Tome ersten alz wii Hinrick vnde Johan brodere sundergen de molen tho Plawe koft hedden van deme abbate vnde conuente tome Campe, - - de suluen molen hebben wii vnsen fedderen halff gegund vnde laten - - to eghendome, wenne se vns die helfte des summen geldes quitet vnde entfryet hebben, dar vnse orbare to Ribbenitze vor steyt."

Ohne Zweifel vereinigten sich die Regenten beider Linien je nach Bedürfniß öfter über die besondere Verwaltung der einzelnen Städte und Aemter. Und so erblicken wir das wichtige Schloß Plau öfter unter der Obhut der schwerinschen Herzoge.

Nach dem Aussterben des werleschen Fürstenhauses erhob der Kurfürst Friederich II. von Brandenburg sogleich Ansprüche an das Fürstenthum Werle. Die darüber entstandenen Streitigkeiten führten zwar fürs erste zu keinem Ergebnisse, jedoch nach einigen Jahren, im J. 1442, zu dem von Brandenburg längst


1) Vgl. Urk. Samml. Nr. LIV. und oben S. 89 flgd.
2) Vgl. Rudloff a. a. O. S. 741.
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ersehnten Ziele der Eventual = Succession in die meklenburgischen Lande 1 ). Nachdem der Vergleich am 12. April 1442 zu Witstock 2 ) geschlossen war, ließen die Markgrafen die Eventual = Huldigung einnehmen, zu Plau am 26. Oct. (am fritage vor Simonis et Jude) 1442 3 ) durch den Bischof Conrad von Havelberg, die Ritter Bernd von der Schulenburg und Mathias von Jagow, den Knappen Bernd Rohr und den kurfürstlichen Secretär Johann von Eykendorf. An demselben Tage (am fridage na der elffdusent jungfrowen dage) stellten "Burgemeister, Rathmänner und ganze Gemeinde der Stadt Plau" in Gegenwart einer großen Deputation der meklenburgischen Landstände die Huldigung schriflich aus; zu Plau waren damals "Meineke Bleise und Heinrich Flügge Burgemeister und Rathmann."

Zu gleicher Zeit schlossen, am 8. Mai 1442, die Markgrafen von Brandenburg, da es in ihrem Interesse lag, mit den Herzogen von Meklenburg ein Hülfsbündniß zur Unterdrückung der Raubfehden, in Erwägung der "swaren loufte desser lande vnd manicherleye vnrechtferdicheit, die leider in den landen syn und sik van dagen to dagen meren"; der Zweck des Bündnisses ward in folgenden Worten ausgesprochen: "Ok schal vnser eyner des andern vyent nicht werden vmme nymandes willen, noch vmme neynerley sake willen, noch en beschedigen oder beschedigen laten, oder vnsen mannen, denern vnde vnderdanen, die an vnsen landen oder an andern landen beseten syn, des nicht gestaden to donde in neynerley wise."

Der Herzog Heinrich von Schwerin machte zwar sogleich einige Anstalten zur Rüstung und Abwehr, indem er, nach einer verloren gegangenen plauer Urkunde, im J. 1442 "einige Ruthen Landes von der Stadt Plau zur Erweiterung des Burggrabens erhandelte"; aber so unbedeutende Mittel halfen nicht viel.


9.

Befestigung des Schlosses Plau

durch Lüdeke Hahn.

Die märkischen Raubfehden wollten aber kein Ende nehmen. Sie wütheten immer ärger, und auch die Stadt Plau hatte viel durch dieselben zu leiden. Eine Schadensrechnung 4 ) aus


1) Vgl. Rudloff Mekl. Gesch. II, S. 750 flgd.
2) Vgl. Riedel Cod. dipl. Brand. II, 4, S. 256 flgd. und Rudloff S. 754.
3) Vgl. das. S. 260 und 263.
4) Vgl. Urk. Samml. Nr. LV. vom J. 1448.
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der letzten Zeit vor der Befestigung der Burg Plau, aus den Jahren 1447-48, giebt einen klaren Ueberblick über die fortwährenden Ueberfälle: so wurden dem einen Burgemeister 28 Pferde genommen, einem andern Burgemeister 2 1/2 Fuder Salz und dessen Sohn abgefangen, einem andern Bürger die Beine im Gefängnisse zerschlagen, ein ander Mal 24 Stück großes Rindvieh aus dem Holze weggetrieben. Zwar verfolgten die Plauer 1 ) mitunter die märkischen Edelleute, aber ihren Schaden gewannen sie nicht wieder.

Da entschlossen sich im J. 1448 endlich die Herzoge zu ernster Abwehr derselben. Sie beschlossen, zu diesem Zwecke an jeder Seite des plauer Sees, am Ein = und Ausflusse der Elde, eine Achtung gebietende Festung anzulegen, um den Süden des Landes von der Mitte aus nach beiden Seiten hin beherrschen und beschützen zu können. Der Herzog Heinrich d. j. von Meklenburg = Schwerin übernahm die Ausführung dieser wichtigen Angelegenheit und übertrug dieselbe dem rüstigen und bewährten Knappen (seit 1470 Ritter) Lüdeke Hahn auf Basedow, welcher schon bei seinem ersten Auftreten am 1. Jan. 1443 als herzoglicher Vogt auf dem wichtigen werleschen Schlosse Stavenhagen 2 ) erscheint. Lüdeke Hahn ist in jener wilden und verwirrten Zeit der wahre Held des Friedens und während seiner langen Wirksamkeit († 17. März 1480) als Landrath, der zugleich das Schwert mit Tapferkeit führte, die kräftigste Stütze der Herzoge; in seiner edlen Würde traf er am 4. Sept. 1467 in einem Familienvertrage die in ihrer Art einzige und merkwürdige Bestimmung: 3 )

"Ok schal nement krîgh effte feyde mâken van Basedow, sunder he schal sick erst tobeden rechte vnde an rechte nogen laten."

Diesem wackern Mann übergab der Herzog Heinrich d. j. von Schwerin im J. 1448 die starke Befestigung des im J. 1287 angelegten 4 ) Schlosses Plau und die Anlage eines


1) In einer Schadensrechnung der Märker, die sich gegen die meklenburgischen Schadensrechnungen sehr winzig ausnimmt und viel Verlust an Räuberhandwerkszeug aufzält, heißt es:
"Bolte von Grabow claget ouer die Flotowen vnde ouer den voget van Plawe, don sie vor Gultorp weren, don bleff sin vedder Vullert Schile dot vp der Thure."
2) Vgl. Lisch Gesch. des Geschl. Hahn II, A, S. 98, und Rudloff M. G. II, S. 741.
3) Vgl. Lisch Gesch. des Geschl. Hahn II, A, S. 99, und B, S. 140.
4) Vgl. oben S. 100.
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Schlosses auf dem Lenz, an dem Ausflusse der Elde in den plauer See, Plau gegenüber.

Die Befestigung und Erbauung der Burgen Plau und Lenz geschah ohne Zweifel in Folge des ernsthaften Bündnisses vom J. 1442, welches die Herzoge mit den Markgrafen von Brandenburg abgeschlossen hat. Der Kurfürst Friederich II. der Eiserne von Brandenburg, dessen Charakter früher selten klar erkannt ist, strebte mit Kraft und Erfolg nach Aufrechthaltung der landesherrlichen Macht und Einführung eines geordneten Friedens in seinen wildbewegten Staaten und schloß zu diesem Zwecke kraftvolle Landfriedensbündnisse 1 ) mit seinen Nachbaren zur Unterdrückung der Räuberei des Adels und der Widerspenstigkeit der Städte: am 9. Juni 1447 mit den Herzogen von Braunschweig = Lüneburg und den nahe gelegenen Reichsstädten, am 2. Juli 1447 mit den Herzogen von Sachsen = Lauenburg und den Städten Hamburg, Lübek und Lüneburg, am 19. Aug. 1447 mit dem Herzoge Joachim von Pommern, am 3. Jan. 1448 mit den Herzogen von Sachsen und am 29. Mai 1448 mit den Herzogen Wartislav und Barnim von Pommern. Mit den Herzogen von Meklenburg schloß er kein neues Bündniß, da es nur der kraftvollen Ausführung des am 8. Mai 1442 geschlossenen Vertrages bedurfte. Jedoch begann mit dem perleberger Receß vom 15. Sept. 1449 eine Reihe von Verhandlungen, welche, im Vereine mit ernsthaften Rüstungen, den Frieden endlich herstellten. Alle diese erfolgreichen Bündnisse gehören zu den wichtigsten Landfriedensbündnissen, indem sie die Ordnung im nördlichen Deutschland endlich wieder herstellten.

Am 30. Mai 1448 war der Herzog selbst zu Plau, um den Plan mit Lüdeke Hahn zu überlegen:

"Item in den achte daghen na des hilghen lichams was myn here to Plawe."

Am 24. Aug. 1448 übergab der Herzog Heinrich d. j. dem Lüdeke Hahn die Burg Plau, auf welcher er längere Zeit als herzoglicher Vogt saß, und die Anlage der Burg Lenz 2 ). In einer Rechnung des Amtes Plau 3 ) vom J. 1448 heißt es wörtlich:

"Item tome ersten amme iare XLVIII, do Ludeken Hane Plawe wart antwerdet in s. Bartholomeus daghe etc. Item 4 s. unde II mark deme borghermester vor der, do Lutken Plawe wart antwerdet."


1) Vgl. Riedel Cod. dipl. Brand. II, 4, S. 395 flgd.
2) Vgl. Jahrb. XIII, S. 245, und oben S. 9 flgd.
3) Vgl. Lisch Gesch. des Geschl. Hahn II, B, S. 112 flgd. und Urk. Samml. Nr. LVI.
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Lüdeke Hahn machte sogleich bedeutende Anstalten zum Bau der Burgen. Er nahm nicht allein die beiden Brennöfen des Zieglers zu Plau in Beschlag, sondern setzte auch zu Wattmannshagen, Belitz und Bartelshagen (in der Pfarre Warnkenhagen) die Ziegler, jeden mit 2 Oefen, in Thätigkeit. Zu dem Kalk nahm er Mergelkalk von Malchin (oder Gilow) und Steinkalk von Stieten, einem untergegangenen Dorfe bei Alt = Gaarz ,und auch von Alt = Gaarz selbst; im J. 1448 kaufte Lüdeke Hahn auch für 22 Mk. Kalk von Claus Tessen zu Gaarz ("Item Clawes Tessen to Ghartze XXII mk. vor calk"). Den Kalk ließ er bei der Baustelle zu Plau brennen 1 ), wozu er einen eigenen Kalkofen vor Plau bauen ließ:

"II lub. mark vor den calkâuen to murende vor Plawe."

In der Besorgung und Anfuhr der Steine und des Kalkes halfen ihm sein Bruder Hans Hahn und Claus und Marquard von Oldenburg (auf Gremmelin, Wattmannshagen) treulich.

So förderte Lüdeke Hahn das Werk mit aller Kraft. Der vor Kurzem restaurirte Thurm und die Mauern auf dem Burgwalle zu Plau stammen ohne Zweifel noch von Lüdeke Hahn.

In demselben Jahre baueten die Herzoge die Burg auf dem Lenz: 2 )

Item do de heren den Lentzik buweden do sande ik myneme heren XVI dromet haveren."

Die Lenzburg baueten die Herzoge selbst, wahrscheinlich aber unter Beistand des Lüdeke Hahn.

Von der Lenzburg sind nur unbedeutende Reste von Wall und Graben, Thurmfundament und Brücke 3 ) übrig geblieben.

Die Herzoge erreichten mit Hülfe des Lüdeke Hahn bald ihren Zweck, den märkischen Raubfehden einen Damm entgegezusetzen und ein Ende zu machen. Das Kloster Dargun sagte 4 ) im Anfange des 16. Jahrh.

"Item do men plach to rôuende vth der Marcke vnd Priggenitze int lant to Stettin vnd Meckelnborch, ehr die Lentzke gebuwet wart, iss vnse dorp Ghylow gedahn in bescherminge Olrich Moltzane."

"Item to die Lentzke gebuwet was vnd


1) Vgl. Jahrb. XV, S. 324 flgd. und XVI, S. 182 und 185 flgd.
2) Vgl. Lisch Gesch. des Geschl. Hahn a. a. O. und Jahrb. XIII, S. 245.
3) Vgl. oben S. 9 flgd.
4) Vgl. Lisch Maltzan. Urk. III, S. 141 flgd.
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dat rôuent nableff, wart Olrich Moltzane de bescherminge vorbâden."

Und wirklich verschwinden auch um diese Zeit jene massenhaften Raubzüge aus der Mark. Einzelne Fehden wurden freilich noch in der zweiten Hälfte des 16. Jahrh. geführt; am häufigsten aber sind die seit 1450 nach dem allgemeinen Landfrieden in der ersten Hälfte des 16. Jahrh. Im J. 1452 scheinen die Unruhen gänzlich gestillt gewesen zu sein, da der Kurfürst am 7. Februar 1452 mit den Herzogen ein kräftiges Bündniß zur Aufrechthaltung des Friedens 1 ) schloß.

Die folgenden Verhandlungen bestätigen alle diese Angaben über die Erbauung der Burg Plau vollkommen.

Am 21. October 1449 wohnte Lüdeke Hahn zu Plau, als die Herzoge Heinrich d. ä. von Stargard und Heinrich d. j. von Schwerin dort bei ihm waren und dem Kloster Malchow die von den Hahn demselben überlassenen Dörfer Hagenow und Jabel bestätigten, in denen Lüdeke Hahn jedoch den in das Kloster gegebenen Töchtern aus der hahnschen Familie das besondere Vorrecht einer doppelten Hebung reservirt hatte.

Hier waltete nun Lüdeke Hahn mehrere Jahre lang bis zur vollständigen Erreichung des vorgesteckten Ziels. Am 19. März 1462 legte der Herzog Heinrich d. j. von Schwerin in Gegenwart seiner Söhne Albrecht und Johann, mit "Lüdeke Hahn, Vogte zu Plau" Rechnung 2 ) zu, nach welcher der Herzog ihm, nach Abrechnung aller Einnahmen, noch 911 1/2 lüb. Mark schuldig blieb.

Im Anfange des J. 1463 befreiete der Herzog Heinrich d. j. von Schwerin den Lüdeke Hahn auf Basedow von der Verwaltung der Vogtei und Burg Plau. Er berechnete sich mit ihm noch ein Mal und stellte ihm für alle seine Forderungen am 13. Jan. 1463 schließlich eine bürgliche Schuldverschreibung 2 ) auf 1600 lüb. Mark aus,

"de he vns rêde îr mâkinge desses brêues gelêgen hefft vnd in vnnse, vnnser eruen, land vnde lûde merkliken beste gekamen vnd gekeret sind, alz an vnnse slot Plawe., dat he vnns dâr mede vth der grund gemûret vnde gebûwet hefft."

Hiernach ist es wohl unzweifelhaft, daß wenigstens der noch stehende Thurm von Lüdeke Hahn auf Basedow im J. 1448 - 1449 gebauet ist.


1) Vgl. Rudloff Mekl. Gesch. II, S. 772, und Riedel Cod. dipl. Brand. II, 4, S. 467.
2) Vgl. Urk. Samml. Nr. LVIII. und LIX.
2) Vgl. Urk. Samml. Nr. LVIII. und LIX.
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Seit dieser Zeit erscheint Lüdeke Hahn nicht mehr auf der Burg Plau.


Nachdem die Ruhe gesichert war, gab der Herzog Heinrich von Schwerin seinen beiden ältesten Söhnen Albrecht und Johann, die schon am 19. März 1462 mit dem Vater zu Plau waren, am 16. Febr. 1464,

"vppe dat se sik deste beth entsetten vnde bekomen mogen hebben,"

auf 6 Jahre die Schlösser, Städte und Vogteien Güstrow, Plau, Lage und Stavenhagen, wie diese die fürstlichen Vögte bis dahin gehabt hatten, unter der Vergünstigung:

"hagede denne vnsen kinderen nicht an deme lande to Wenden to bliuende, so mogen wy vnse kokene wedder to hope leggen."

Es kann diese Verleihung natürlich nur von der den schwerinschen Herzogen zustehenden Hälfte dieser werleschen Länder verstanden werden.

Die Herzoge von Meklenburg = Stargard hielten ihre Rechte an ihrem Antheil an Plau fest. Am 4. Juni 1465 versicherte der Herzog Heinrich d. ä. von Stargard seiner dritten Gemahlin Margarethe von Braunschweig = Lüneburg noch ein Mal ihr Leibgedinge und verschrieb ihr namentlich von den ursprünglichen Gütern der Linie Stadt und Land Sternberg und von den ererbten werleschen Gütern seinen "Theil an Plau Stadt, Schloß und Vogtei", und bestimmte namentlich, daß sie auf dem Schlosse zu Plau ihre Wohnung haben und daß dasselbe zu diesem Zwecke ausgebauet werden solle:

"vnd ifft wy erbenompte here in got vorstoruen vnd dodes wegen affgingen, dar got to langen tiden vor sy, vnnd dat slot Plawe noch nicht gebuwet were, so schullen vnse eruen vnd nakomelinge der vorbenompten vnser lêuen husfrwen dat slot Plaw bwen sunder eren schaden, dat se dar slotes woninghe vppe hebben kan.

Der Herzog machte dabei jedoch die Bedingung, seine Gemahlin dürfe

"nemande to vogden vp sodan vorbenompte sloth vnd vesten setten, besundern he sy der mekelborgeschen heren belehnede vnd geborn mann, geistlik ifft wertlik."

Unter dem Bau des Schlosses Plau kann hier natürlich nur ein standesmäßiger Ausbau verstanden werden.

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Der Herzog Heinrich d. ä. von Stargard starb schon im J. 1466. Sein Sohn Ulrich gerieth sogleich mit den schweriner Herzogen in heftige Uneinigkeit. Auf einer verabredeten Zusammenkunft beider Theile zu Plau 1 ) am 15. Juni 1467 wollte sich keine Einigung finden, und nur den am 8. Oct. 1467 verwillkührten, wiederholten Verwendungen des Kurfürsten Friederich von Brandenburg gelang es, den Frieden herzustellen, der jedoch erst am 8. Mai 1468 zu Wilsnack vollendet ward.

Erst am 13. Juli 1469 bestätigte er zu Plau die Privilegien der Stadt und des Landes Plau.

Im J. 1470 pilgerte er nach Jerusalem und zum Grabe der Heiligen Katharina auf dem Berge Sinai. Nachdem er heimgekehrt war, erlosch mit ihm am 13. Juli 1471 der Mannsstamm der herzoglichen Linie Meklenburg = Stargard.

Sämmtliche meklenburgische Lande wurden durch diesen Tod endlich wieder zusammengebracht. Nachdem auch der Herzog Heinrich von Meklenburg = Schwerin im J. 1477 gestorben war, stellte sein Sohn Herzog Magnus sehr bald mit kräftiger Hand eine Alleinherrschaft her, obgleich er noch einen ältern Bruder Albrecht und einen jüngern Balthasar hatte; ähnliche Beispiele von kräftiger Alleinherschaft finden wir zu derselben Zeit auch in Brandenburg und Pommern.

Am 8. Mai 1477 nahmen die Herzoge Albrecht und Magnus, nach dem Tode ihres Vaters, zu Plau die Erbhuldigung der Stadt und des Landes ein und bestätigten die Privilegien derselben.

Am 11. Sept. 1483 gaben die Herzoge Magnus und Balthasar der Stadt Plau den Aalfang vor der Stadt Plau, in der Elde, der Metkow und dem großen See, so wie die Herzoge denselben von dem Kloster Neuen = Camp erworben hatten 2 ).

Unter dem Herzoge Heinrich dem Friedfertigen erfreuete sich Plau noch einmal der besondern Aufmerksamkeit des Landesherrn; der Herzog scheint ein besonderes Wohlgefallen an der Lage der Stadt gehabt zu haben und verweilte öfter daselbst.

Nachdem des Herzogs Magnus Söhne, Heinrich, Erich und Albrecht am 18. April 1505 die Privilegien der Stadt bestätigt hatten, kam im J. 1513 zwischen den beiden herzoglichen Brüdern Heinrich und Albrecht ein Vertrag zu Stande, nach welchem der Herzog Heinrich einstweilen allein die Landesregierung gewann. Später, im J. 1520 ereichte der Herzog Albrecht eine


1) Vgl. Boll Gesch. des Landes Stargard II, S. 173.
2) Vgl. oben die Abhandlung über die Metkow, S. 90.
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Landestheilung, in welcher Heinrich Plau für sich behielt. Die Sorge dieses Fürsten war für die Stadt Plau von mehrfacher Bedeutung.


6. Die Stadt Plau im Anfange der neuern Geschichte.

1.

Der Weinberg zu Plau.

Der Herzog Heinrich der Friedfertige muß viel Sinn für die Natur und für Gartenanlagen gehabt haben, da er an vielen Stellen im Lande mit großem Eifer Weinberge anlegte und bis zu seinem Tode ausdauernd unterhielt. Die Weinberge vertraten damals die Lustgärten, da die Fürsten noch in umwallten Schlössern wohnten; der Herzog wollte nun wenigstens die Wälle seiner Schlösser und deren Umgebungen mit Weingängen schmücken, um doch eine Augenweide in den finstern Umgebungen zu haben. Diese Anlagen sind das erste Zeichen des Strebens nach einer größern Freiheit in der Häuslichkeit. Für Lust = und Blumengärten kommen dagegen in den fürstlichen Rechnungen jener Zeit noch keine Ausgaben vor. Die Weingärten wurden jedoch, wie im südlichen Deutschland, auch zu Obstgärten benutzt; als der Herzog Heinrich im J. 1512 seinen Weinmeister Hans und seinen Winzer Hans mit zur Vermählungsfeier nach Torgau nahm, mußte dieser unterweges "Kirschen zu dem Weingarten" kaufen.

Die im Anfange des 16. Jahrh. in Meklenburg betriebene Weincultur stammte ohne Zweifel aus der Mark Brandenburg. Hier soll der Kurfürst Fiedrich I. aus dem Hause Hohenzollern in der ersten Hälfte des 15. Jahrh. die ersten Weinberge bei Treuenbriezen angelegt haben. Im Anfange des 16. Jahrh. war der Weinbau in der Mark schon ziemlich ausgebildet: im J. 1509 bestellte z. B. der Kurfürst Joachim einen "Weinheckermeister" 1 ) für seine beiden Weinberge vor der Stadt Cölln a. d. Spree und im J. 1535 bestätigte er die Statuten der Weingärtner = Gilde 2 ) zu Alt = Brandenburg. Bekannt ist es, daß schon in der Mitte des 16. Jahrh. Gubensche Weine überall in Norddeutschland verkauft wurden.

Schon seit dem 13. Jahrh. waren in Meklenburg Weinstöcke gezogen, ohne Zweifel in Folge des christlichen Gottesdienstes.


1) Vgl. v. Raumer Cod. dipl. Brand. cont. II, S. 250.
2) Vgl. das. S. 295.
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Im Großen ward aber der Weinbau erst unter dem Herzoge Heinrich getrieben. Schon im ersten Jahre seiner Regierung (1504) war der Weinbau in ernstlichen Angriff genommen. Am 12. Jan. 1505 schickte er einen Weinmann nach dem Rheine um Reben zu holen, und im Frühling d. J. ward in den Weingärten fleißig gearbeitet; in demselben Jahre erhielt der Herzog einen Weinmann von (Dietrich) v. Bevernest, welcher mit seinen Brüdern aus der Mark kam, im J. 1505 Schloß und Vogtei Wredenhagen auf eine Zeit lang erhielt und 1503 schon das Lehngut Lüsewitz besaß. Im J. 1505 waren "Weingärten" zu Schwerin und Lübz. Um Ostern 1506 ward der schweriner Winzer wieder nach dem Rheine geschickt, um Weinreben und Knechte zu holen. Im J. 1508 waren die fürstlichen Weinberge zu Schwerin, Lübz, Plau, Grevismühlen und Stargard schon im vollen Gange. Mehr fürstliche Weinberge von größerer Ausdehnung kommen nicht vor; von diesen aber verbreitete sich der Weinbau im 16. Jahrh über das ganze Land. Die Weinberge zu Schwerin und Plau waren die Hauptpflanzungen im Lande. Die Winzer gehörten zu der Hofdienerschaft und erhielten jährlich Hofkleider.

Am 28. Juli 1507 bestellten die Brüder Herzoge Heinrich und Erich den Hans Peetz (auch Pietsch genannt) zu ihrem "Winzerdiener" zu Plau und verpflichteten ihn und seine Frau, den "Weingarten mit allem Fleiße und nach aller Nothdurft zu bearbeiten und zu versorgen"; der Winzer erhielt jährlich zwei Hofkleidungen, wie sie das fürstliche Hofgesinde trug. Um Ostern 1508 kommt Hans Peetz zum ersten Male mit seinem Gehalte in den Renterei = Rechnungen vor. Am Anfange des Monats November 1508 ward er in das Land zu Franken geschickt, um Weinholz zu kaufen. Wahrscheinlich war also Hans Peetz aus Franken. Im J. 1511 ward zu Plau ein ztweiter Winzer Paul Khune (oder Köne) angestellt; er wird zwar erst später genannt, aber im J. 1512 werden nach den Renterei = Rechnungen "die beiden Winzer zu Plau" gelohnt. Am 24. Oct. 1511 war nämlich Hans Pietsch zu Plau zu einem "Weinmeister" angenommen, "daß er mit seinem Weibe, Jungen und zweien Knechten dem Weinberge zu Plau und anders, wohin der Herzog ihn gebrauchen würde, vorstehe; er erhielt auch höhern Lohn und auch seine Frau und sein Junge einen Rock. Hiernach wird er in der Renterei = Rechnung vom J. 1512 der "oberste Winzer" genannt.

Der Herzog Heinrich hatte nämlich große Absichten mit dem Weinbau, indem er einen neuen großen Weinberg zu Plau anlegte. Am 27. Dec. 1513 trat die Stadt Plau den Herzogen

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Heinrich und Albrecht "einen Ort Feldes ab, wo sie ihren Weinberg vor der Stadt bauen ließen (eynen orth feldes, dar vp wy vnnsen winbergk vor berurde stat buwen laten"), wogegen die Herzoge der Stadt die Theilnahme an der Mast auf dem Felde Reppentin überließen 1 ), nämlich für jedes Haus für 3 Schweine und für jeden Büdner für 1 Schwein, so oft Mast vorhanden sein würde. Dieser ausgedehnte Berg liegt dicht im Süden neben der Stadt und fällt in bedeutenden Abhängen gegen Süd und Südost in die Tiefe ab; er führt in seiner ganzen Ausdehnung den Namen "Klüschenberg" und in dem südlichen Abhange noch heute den Namen "Weinberg." Man genießt von demselben eine vortreffliche Aussicht auf den plauer See und die ganze Umgegend. Auf der Hochebene des Berges steht jetzt das Schützenhaus; am südlichen Fuße des Berges liegen jetzt ausgezeichnete Gemüsegärten, welche einen ungewöhnlich frischen Anblick gewähren; vom Weinbau ist an dieser dazu vortrefflich gelegenen Stelle keine Spur mehr.

Die Arbeit an diesem Weinberge ging nun rüstig fort. Im J. 1516 finden wir zu Plau: zwei Winzer und drei Weinknechte, namentlich Asmus Rön und Andreas, welcher Letztere jedoch im Anfange des J. 1516 abgelohnt ward. Im J. 1517 wird "Paul Kone Winzer zu Plau" mit seinem Zunamen zuerst in den Rechnungen genannt. Im J. 1518 lebte noch der "alte Winzer zu Plau", als er dem Herzoge Heinrich im October eine Tonne "weiß Kraut" ("wis crudt") nach Güstrow brachte und dafür 16 Schill. erhielt. Wahrscheinlich führte dieser Winzer also hier den Anbau des weißen Kohls (in Süddeutschland Kraut genannt) ein, oder doch wenigstens die Einschlagung desselben in Tonnen.

Im J. 1527 bestellte der Herzog Heinrich den "Paul Khune" aufs neue auf ein Jahr lang zum Weinmeister in Plau zur Bearbeitung mit eigenen Kräften und Leuten; jedoch wollte der Herzog den "Berg umzäunen" lassen und Pfähle und Dung liefern.

Michaelis 1532 bestellte der Herzog Heinrich den Hans Brandenburg auf ein Jahr zum Winzer zu Plau. Der Herzog versprach ihm, "in der Hacke und auch zu anderer Zeit, "wenn es die Nothdurft erfordern würde, jedes Mal 3 oder 4 Tage lang etliche Bauern zu Hülfe zu schicken."

Bei einer Visitation des Amtes Plau in der ersten Hälfte des 16. Jahrh. beschwerten sich die Dorfschaften Plauerhagen, Dammerow, Gnewstorf, Ganzlin, Zarchlin, Zahren und Glin,


1) Vgl. Urk. Samml. Nr. LXI.
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daß sie vor der Zurichtung des Weinberges nur zur Ackerbestellung, seitdem aber auch zur Bestellung des Weinberges ("den winberg to begadende") helfen müßten, die Ackerbarkeit aber nicht verringert sei.

Seit der Einrichtung der Weinberge in Norddeutschland ward an den Höfen viel norddeutscher Wein gebraucht. Im J. 1517 ward für den Hof zu Schwerin zuerst Gubenscher Wein gekauft, im J. 1519 13 Fuder, das Fuder für 12 Gulden; im J. 1548 kostete das Fuder 22 Gulden.

Auch auf den meklenburgischen Weinbergen ward gekeltert; im J. 1520 ward der ganze Kelterapparat inventirt. Von dem plauer Weinberge heißt es:

"Up dem Winberge."

"Item u. g. h. hebben vor Plaw I weinberch, drecht alle Jar auch nich glicke viele, vnnd sin im vorgangen Jahre XXI wistocker vathe vull weins gefallen, vnd drecht tho gemeinen jaren nith allens, vnd werden vp geholden etzliche winknechte, hebben ehten vndt drincken von der Borch vnd Loehn, wie hier na volget:
De Winmester mit I knecht des winters vndt des Sommers mit II knechten vnd etzlichen Dachlonern, vnd hebben de Knechte des Sommers VI Mk. von der Pacht tho boren; III Mk. vngeuerlich min offt mehr den Dachlonern alle jar."

Im J. 1516 heißt es in den Renterei = Rechnungen:

"XVI Mark lüb. geuen vor II thunnen lanthwyn, dar weren inne LXIIII stoueken, dat stoueken IIII ß. lüb."

Im J. 1520 heißt es in den Renteren = Rechnungen:

"XXIX mark II ß Heinrich wintzapfer vor zwo thonn lanthwein vnd vor I 1/2 schogk glesser, weren von em geholt worden, als hertzog Gorge von Pommern zur Wismar vnd Greuesmohel was, an dage Vincencii. - XLII ß vor kredentzbecher vnd vor Zypkannen, eodem die."

Am 13. Juli 1533 schrieb der Schloßbeamte Conrad Schulte an den Herzog Heinrich:

"Ik wil I. F. G. nicht bergen, wie die wein tho Plawe im keller langk beginnet thu werden, ock ist nein füllewyn mher dartho, und ist tho befurchten, dat hie vorderuen wert, wo I. F. G. ehn nicht wil vorschicken edder afthiehn laten dorch I. F. G. schencken edder suß dorch einen andern, die darumme

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weyth. Ok wil I. F. G. nicht vorentholden, dat Mester Peter sampt seinen knechten hertogen Albrechts arbeit tho Luptz heft angenomen."

Der plauer Wein wird aber nicht besser gewesen sein, als der grüneberger heut zu Tage, da schon der Herzog Heinrich an den Burgemeister und Rath zu Plau den Befehl ergehen ließ, für Leute, die für ihn Schulden halber gelobt hatten und in Plau im Einlager lagen, guten rheinischen Wein aus Wismar oder Rostock holen zu lassen, da diese Leute nicht gewohnt seien, sauren Wein zu trinken.

Im J. 1548 kommt in den Renterei = Rechnungen noch ein Winzer zu Plau mit seinen Knechten vor.

Mit des Herzogs Heinrich Tode im J. 1552 hört aber der Weinbau im Großen auf. Am 1. Oct. 1571 trug der Herzog Ulrich beim plauer Magistrat darauf an, daß der im J. 1513 geschehene Tausch der Mastgerechtigkeit gegen den Weinberg wieder rückgängig gemacht werde.

Im J. 1576 bei des Herzogs Johann Albrecht Tode lagen im Hofkeller zu Schwerin noch 6 Ohme brandenburgische Weine (außer den gubenschen), 1 gubensch Viertel voll schwerinschen Weines und 1 Tonne voll mirowschen Weines.

Im J. 1552 lagen zu Mirow im Comthurei = Keller "25 Faß Weins groß und klein, aber mehrentheils mirowscher saurer Wein."

Die Geschichte dieses Weinbaues lehrt, daß in Norddeutschland allerdings Weinbau getrieben werden kann; war auch der mirowsche Wein sauer, so lag dies wohl an den Reben. Es giebt Reben, welche bei uns in jedem Jahre vollkommen reif und kelterfähig werden.

Im J. 1610 heißt es in des Raths Beschwerung:

"Ob man nun auch woll wegen des Weinberges gueten schein vnd beweiß hatt, das ein jedes hauß in dieser Stadt Plawe, so offter in dem Mollenbrucke Mast ist, 3 Schweine frei jagen solle, so wirt doch dieselbige, wann sie vorhanden, dermaßen mit den Vasel vnd frombden Schweinen betrieben, das man beinahe in etlichen vielen Jharen keines feist bekommen oder haben muge, der Weinberg aber wirt von Jharen zu Jharen mit Buchweitzen vnd Rogken beseiet vnnd dauon nicht weinig abnutzunge genommen, es komme denn vmb die Mast, wie es wolle."

Die Ueberlassung des Weinberges gegen die Mastgerechtigkeit auf dem reppentiner Felde ist bei einer Permutationsver=

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handlung zwischen der Stadt und der herzoglichen Kammer am 28. Sept. 1767 rückgängig gemacht.


2.

Die Burg Plau zur Festung ausgebauet

durch den Herzog Heinrich 1538 - 1550.

So wie früher die Geschichte der Stadt Plau erst mit dem J. 1418, und dazu noch mit einer falschen Nachricht, begann 1 ), so beginnt die bisherige Geschichte der Burg Plau erst mit dem J. 1546. Aus der bisher dargestellten Geschichte geht aber hervor, daß die Burg Plau schon im J. 1287 gegründet und im J. 1448 ausgebauet und stark befestigt ward.

Es ist aber eben so gewiß, daß der Herzog Heinrich der Friedfertige in den letzten Jahren seines Lebens, in richtiger Erkenntniß der wichtigen Lage, die Burg wieder ausbauete und stark befestigte. Der meklenburgische Geschichtschreiber v. Behr 2 ) sagt, der Herzog Heinrich habe "zuerst das Schloß Plau zu befestigen gesorgt." Diese Nachricht fließt aus der Chronik des Archivars Chemnitz, welche so häufig als Quelle dienen muß; Chemnitz sagt:

"Es hat aber in vorzeiten ein Schloß auffm Werder gelegen, wie der Nahme des Burgwals daselbst zeiget, wans aber destruiret, ist zwar ungewiß, doch duncket mir, daß es in den langwierigen mit den Brandenburgischen Marggraffen mit den Herren von Werle geführten Kriegen verstöret und folgends gahr verfallen sei. Aber an dessen stat ist ein anderes Haus näher bei der Stadt gebawet, welches Hertzog Heinrich der Friedmacher sieben Jahr für seinem tödtlichen abgang zur Vestung gemacht und zirlich gebawet hat."

Hiernach sagt auch Latomus:

"Im J.1546 hat Hertzog Hinrich zu Meckelenburg das Haus Plawe zu befestigen und zur Festung zu machen angefangen."

Dies wiederholt Schröder im Pap. Mekl. I, S. 574, Not. 9.

Der Herzog Heinrich der Friedfertige, der besondere Gönner der Stadt Plau, ließ nun auch wirklich die Burg statt =


1) Vgl. oben S. 133.
2) Vgl. v. Behr Rer. mecl. libr. p. 1765: Henricus dux "primus castellum Plaw curaverat firmandum."
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lich ausbauen und stark befestigen. Er fing aber früher damit an, als gewöhnlich angenommen ist. Am 10. Mai 1538 schloß der Herzog zu Plau mit dem Maurermeister Wulf Krebel einen Contract zur Erbauung eines neuen Büchsenhauses auf dem Schlosse zu Plau, nach Riß und Angabe des Baumeisters Gabriel Wulf 1 ), welcher zu Boizenburg wohnte und dem Herzoge zu vielen seiner Bemühungen, auch zur Herbeiziehung evangelischer Prediger, behülflich war; dieses Haus sollte "aus der Grund neu gebauet werden", von der Hauptmauer bis an den Thurm, 56 Ellen in die Länge, 16 Ellen weit und 13 Ellen hoch, mit 6 Fenstern oben und unten, einem gewölbten Thor und einem gewölbten Keller; die Mauern sollten unten 2, oben 1 1/2 Ellen dick sein. An demselben Tage schloß der Herzog mit demselben Maurermeister einen Contract über den sofortigen Abbruch der S. Georgen = Capelle, ohne Zweifel um die Steine derselben zu dem Büchsenhause zu verwenden.

An demselben Tage schloß der Herzog mit demselben Maurermeister einen Contract über die Erbauung eines Kellers zum "Albrechtshagen". Dies muß ein Hof in oder bei Plau gewesen sein, da in einer Registratur auf der Rückseite steht: "in der Alberßhagen Hauß zu Plawe."

Am 7. Sept. 1541 schloß der Herzog einen Contract mit dem "Wasserkünstner Dietrich Bergmann" über die Anlegung eines Grabens vom Thore "bis an den See, wo die Wasserkunst" war. Es ging also der See damals urkundlich bis an den Schloßwall.

Es wurden auch die Brustwehren erhöhet, weil die alten Brustwehren nicht mehr gegen die Kugeln deckten.

Im J. 1543 schloß Lüdeke Maltzan auf Grubenhagen mit dem Maurermeister Berend und dem Rath zu Plau wiederholt Contracte über die Errichtung eines Pfeilers am Thurme und die Verstärkung der Mauer.

Die Erneuerung der Befestigung ward aber in der Zeit 1546 - 48 ausgeführt. Die Renterei = Rechnungen geben hierüber allein noch Auskunft: So heißt es z. B. in der Rechnung von Mich. 1546 - 47:

"II c XXXVII gulden den grebern zu plaw, by mester erhard maler zugeschigkt"
"X gulden noch den grebern zu plaw by meister Erhard maler zugeschickt."

Der Maler Erhart Altdorffer 1 ) war viele Jahre


1) Vgl. Jahrb. V, S. 22.
1) Vgl. Jahrb. V, S. 22.
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hindurch, sicher seit 1522, dem Herzoge Heinrich zugethan, diente ihm auch in Bauangelegenheiten und scheint zuletzt oft auch als Baumeister gebraucht worden zu sein; der Herzog hatte ihm ein Haus in Schwerin geschenkt.

In der Rechnung von 1548 heißt es:

"V c XLI gulden geuen dem kuchemeister tho plawe, damit to betalen alle hantwerker und arbeideslude, so itzunt tho plawe arbeiden, als greuer, murlude, timmerlude, schmede und anders, am Sonnauent na Luce anno 48."

Ferner im J. 1549:

"VIIII c marck geschicket dem kuchenmeister tzu plawe, darmit alle vordinge mit den walgrebern, meurleuten, tzimmerleuten, sagern, smiden, karrenmachern vnd sunst alle notorfft vff den dach margarete gar abe bezalt anno 49.
III c geben dem kuchemeister zu Plaw vff ein neue vordinge, vff Donnerstag nach Bartelmei 49."

Endlich 1550:

"VIII c LI gulden VIII ß. geben dem kuchmeister tzu plawe, darmit alle vording, so mit den walgreuern gemacht, tzu betzalen, auch alle andere, meurleute, tzimmerleute, schmide, karrenmacher, alles vff einmal abtzubetzalen, am Sonntag Bartolomei anno 50, vnd ist mein g. h. aldar der arbeit halber niemandts schuldich bliben."

In dem Giebel des Pforthauses stand das "fürstliche Wappen" des Herzogs Heinrich, welches noch im J. 1650 vorhanden war.


So ward das Schloß zu Plau die erste herzogliche Festung des Landes, ehe der Herzog Johann Albrecht die Festungen Dömitz und Schwerin nach neuerer Kunst befestigen ließ. Die Burg Plau blieb auch eine wichtige Landesfestung bis zum Ende des dreißigjährigen Krieges. Nach einem Grundrisse aus dem Ende des 16. Jahrh. und jüngern Beschreibungen hatte die Burg folgende Beschaffenheit. Das Schloß hatte eine viereckige Gestalt und war im Osten von dem plauer See und an den andern Seiten von einem breiten Graben umgeben; an den 4 Ecken erhoben sich 4 Thürme; umher standen hohe Wälle und 14 Fuß dicke Mauern von Feldsteinen. Die Gebäude, deren 7 waren, standen im Viereck neben einander und schlossen einen engen Hof ein; abwärts am See stand die Wasserkunst und ein

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anderes, größeres Gebäude, wahrscheinlich die Pulvermühle. An der Ecke stadtwärts, am Eingange, im Winkel zwischen den beiden größten Gebäuden, von denen das eine wohl das Zeughaus war, stand der noch stehende Thurm. Von hier ging ein 70 Schritte langes, niedriges und finsteres Gewölbe zur Brücke am Aufgange, an welcher vor dem Gewölbe das Thorhaus stand.

Die Personen, welchen die Festung gewöhnlich anvertrauet war, waren: ein Hauptmann, der zugleich fürstlicher Vogt war, ein Büchsenschütze, welcher die Aufsicht über das Zeughaus und das Wallgeschütz führte, das Pulver machte und die Kanoniere beim Laden unterwies, ein Wachtmeister, der Tag und Nacht für die Bewachung und Ordnung sorgte und die Kriegsknechte anzuwerben hatte, und endlich mehrere Landsknechte. - Im J. 1546 - 48 kommen unter den fürstlichen Hofdienern auch die Büchsenschützen zu Plau, Schwan und Sternberg vor; der Büchsenschütze zu Plau, im J. 1548 Meister Lodewig, hatte 25, die beiden andern nur 10 Gulden Jahressold. - Im J. 1551 waren aus der Burg Plau 10 Landsknechte:

"I c XVI gulden vff X Landtzknechte, so zu plawe im pforthause sitzen, Mitwochen nach Letare 51."

Kaum hatte der Herzog Heinrich diesen Bau vollendet, als er am 6. Febr. 1552 starb. Der Herzog Johann Albrecht ergriff nun sogleich mit fester Hand die Zügel der Alleinherrschaft und machte augenblicklich die kräftigsten Anstalten zur gründlichen Durchführung der Reformation und Rettung des deutschen Wesens. Sogleich ließ er auch durch Werner Hahn von Basedow, der späterhin als vieljähriger Landrath bekannt ist, das Schloß Plau besetzen. Werner Hahn war noch im J. 1547 herzoglich = braunschweigischer Rittmeister; bald darauf ging er in die Dienste des jungen Herzogs Johann Albrecht, führte demselben Reiter zu und war eben in dessen Angelegenheiten von einer Gesandtschaft nach Preußen zurückgekehrt, als er das Schloß Plau besetzen mußte. Werner Hahn nahm sogleich ein Inventarium des Schlosses auf und schrieb bei der Uebersendung desselben am 9. Febr. 1552 dem Herzoge:

"Ich achte, E. f. g. werden die nottorfft dises hauses, ob es damit genuchsam versehen, zu erwegen haben: aber dennoch sege ich es fur gut an, das man mit der Zeit etwas mer vnd nottorfftlicher das haus bespeisede, auch noch vngeferlich sechs oder acht knechte, so beglaubet vnd versucht, herauff ordnete, nach gelegenheit der geschwinden leuffte, welchen E. f. g. doch onhe mein erinnern woll werden wissen nachzudenken."

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Zugleich war die Absicht ausgesprochen, der blödsinnige Sohn des Herzogs Heinrich des Friedfertigen habe die Absicht, innerhalb vier Wochen mit einigen Personen auf dem Schlosse zu sein. Werner Hahn hatte geantwortet, wenn es mit Wissen des Herzogs Johann Albrecht geschehe, so könne es geschehen, obwohl er es nicht für "sonderlich Noth" erachte, und äußerte gegen den Herzog Johann Albrecht, "es könne auch wohl verbleiben."

Es dauerte nicht lange, daß die unglückliche Eifersucht des Herzogs Ulrich gegen seinen Bruder Johann Albrecht, welche mehrere Jahre eine offene Feindschaft und späterhin eine ununterbrochene Spannung herbeiführte, sich Luft machte. Am folgenden Tage, den 10. Febr., schrieb der Herzog Ulrich an Werner Hahn, er "habe gar keinen Bericht, auf was Art und Maaß er das Haus Plau angenommen" habe, und befehle ihm, ihm durch den rückgehenden Boten den Befehl seines Bruders zu senden und zu melden, "auf was Mittel und Wege er das Haus Plau inne habe, da ihm "auch dasselbe zu wissen von nöthen sei." Werner Hahn schickte aber am 14. Febr. des Herzogs Ulrich Brief an den Herzog Johann Albrecht mit der Bitte, die Angelegenheit selbst zu besorgen, damit "ihm nicht von Nöthen sei, an den Herzog Ulrich zu schreiben, wie er ihm denn auch jetziger Zeit schriftlich zu antworten nicht wisse." Schon am 9. Febr. bat Werner Hahn, daß er bald wieder von Plau kommen möge.

Plau ward als wichtige Landesfestung betrachtet. Nach dem Tode des Herzogs Albrecht (1547) und später des Herzogs Heinrich (1552) waren die Geschütze und die von den Herzogen hinterlassenen Kleinodien und Baarschaften auf die Festung Plau gebracht, hier inventirt und von den beiden Herzogen Johann Albrecht und Ulrich in einem Gewölbe unter Schloß und Siegel gelegt 1 ). Der Herzog Johann Albrecht hatte aber zur Zeit des oberländischen Krieges in seiner Verlegenheit durch seinen Canzler Johannes Lucanus einseitig die Siegel abreißen und die Kleinodien herausnehmen, auch einige Geschütze umgießen lassen.

Durch die Landestheilung kam Plau 1556 an das herzogliche Haus Meklenburg = Güstrow 2 ), bei welchem es bis zum Aussterben dieses Hauses blieb. Seit dieser Zeit geschah für Plau nicht viel und das Schloß ging durch die trüben Zeiten nach und nach seinem Verfall entgegen.



1) Vgl. Franck A. u. N. M. X, S. 102.
2) In den fernern Vergleichs = Verhandlungen war auch Streit über die Theilung der "Haus = Artillerie auf dem Schlosse zu Plau." Vgl. Rudloff M. G. III, 1, S. 193.
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Ueber die Stadtbefestigung enthält die Rathsmatrikel folgende Aufzeichnungen.

Das Stucke Mauren ahm Burgkdhorre, so anno 1586 Zeitenn der Burgmeister Jacop Leppin, Jochim Klingenn, Gorgeß Klingen, Mattis Voigten, Christian Turman, Siluester Hinningen vnnd Jochim Wolffen, Ratspersonen, gemacht, vnnd kostet anfencklichen

10,000 Meuerstein, daß 1000: 5 fl., ist 50 fl.
140 Tunne Kalck, die tunnen 12 ß. macht 70 fl.
Vff vordingent vor die Arbeith denn Meurern gegebenn 40 fl.
vormuge des kemerers Register, darein dieser Post berechneth.
Vor speisent der Stadtdiener 1 fl.
____________
Summa 161 fl.

Ahnne wasz die burger midt der handt vnd dan midt wagenn vnnd pferdenn gethaen.

Anno 1615 ist abermahl eine stucke Maur vor dem steindhor new erbawett. Was dasselbe vor Auszlagen gefurdertt, wirtt Samuel Kienasten Register d. Jhar gewesener Kemmerher nachrichtinge geben. Actum ut supra.

Anno 1595 ist das newe gebewde ans Rathhausz gebawet, ob es wol inwendig nicht recht fertig, so hatt es doch vormuge des Registers, so von Matteo Francken in specie berechnet worden. 166 fl. 8 ß. 6 pf. gekostet.

Anno 1620 ist abermahl ein stucke Mauren neuw gebawet vber 16 Roden langk vnd sonst allenthalben auszgebeszert, vorm Steindohre bey der Fronerey, welche das Jahr der grosze sturm niedergeworffen. Wasz dieselbe gekostet, wirt Paull Kohls Register auszweisen.

Anno 1621 hatt Martinus Schultz einen groszen newen Piiler gebawet an die itzgedachte Mauer, dauon in selbiger nachrichtung.

Anno 1624 ist bei B. Samuel Kinasten vnd Paul Kohlen R. Zeiten das Glindt vber dem Waszer bei der Mullen widerumb erbawet, imgleichen auch die 3 Rathhauses Buden, wie alles solches Jhar Register beibringet.


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7. Die geistlichen Stiftungen.

Die Pfarre.

Die Stadt Plau hat nur eine Kirche, welcher zur katholischen Zeit ein Pfarrer ("Pfarrherr, plebanus, rector ecclesiae") vorstand. Außer ihm standen an der Kirche mehrere Vicare, welche den Gottesdienst an den Nebenaltären verwalteten und dafür die mit denselben verbundenen Lehne genossen.

Die ganze Reihe der katholischen Pfarrer ist schwerlich zu ermitteln; die thätigsten und bekanntesten sind:

1235 - 1244 Herrmann.}?
1277 Herrmann.}?
1282 - 1294 Dietrich (Theodoricus.)
1300 - 1309 Ludolf.
1327 - 1330 Hermann Röbelmann.
1454 Henning Grabow.

Die Geistlichkeit besaß seit alter Zeit die Feldmark eines Dorfes Kleve oder zur Kleven, in neuern Zeiten auch Kleben genannt. Die Art und Zeit der Erwerbung ist nicht mehr zu ermitteln, indem darüber gar keine Urkunden mehr vorhanden sind. In einer "Nachricht vom Felde Kleben" aus dem Ende des 17. Jahrh. heißt es:

"Vom Ursprung und quo jure die Oeconomie in Plaw das Feld Kleben besitze, hat man nichts gewißes; gewiß aber ist, daß sie daßelbe von undencklicher Zeit besitzet. Zur Zeit des Pastors Hn. Vetten seel. (um 1672) ist ein Kirchenkasten geöffnet, darinnen viel Briefschaften gewesen, vnd weil dieselben alle vermodert, hat man die gründliche Nachricht vom Felde Kleben nicht haben können."

Aus den ältesten Visitations = Protocollen geht hervor, daß dieses Feld zur Feldmark des westlich an Plau grenzenden Dorfes Barkow gehörte und ursprünglich zu einem "Lehn Katharinä und Urbani" gestiftet war, welches zur katholischen Zeit gewöhnlich der Pfarrer besaß, zur protestantischen Zeit aber bestimmt zur Pfarre gelegt ward. Daher ward noch in der ersten Hälfte des 18. Jahrh. die Feldmark Kleve auch die Feldmark Urbani genannt. Das Verhältniß ist ganz eigenthümlich, indem schon bei dem Hereinbrechen der Reformation das Feld an die Bürger der Stadt vielleicht vererbpachtet, oder doch verpachtet war.

Es heißt in dem Visitations = Protocolle vom J. 1534:

"Plawe. Dat kercklehn etc. . - Johannes Wegener. - - - Pechte darto de veltmarcke to Kleuen

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belegenn in dem velde to Barchow vnd heft in sick XXVII houenn landes, vnnde werden von den borgernn to plawe alle Jar twe drudden del gebuwet, dar kricht de kerckhere des jars vann jeder morgen I schepel korns vnd dat druddendeil blifft liggende tor brake vngeseiet, - - also alle III jar in Summa XXVII drompt korns ."

In dem Visitations = Protocolle von 1541 heißt es:

"Das achte lehen S. Catharinä vnd Vrbani ist das veldt zu Cleuen, ist zur wedeme verordent, hat der pastor."
"Er Johan von der Heide pastor hat ein veltmarcke Kleuen."

Und im J. 1591 klagt die Stadt:

"So triebe auch der Schäfer von Malchow vor Barkow vorüber auf das Feld Cleue, welches sie von der Kirchen zur heur hetten."

In den "Statuten" oder der Bürgersprache der Stadt Plau, wie sie im Anfange des vorigen Jahrhunderts (1707) auf Lätare der Bürgerschaft auf dem Rathhause vorgelesen ward, heißt es:

"Weil das Feld Kleven, so zur Unterhaltung der Herren Prediger unsere Vorfahren uns zugebracht, dasselbe auch von der Stadt nicht kann gemisset werden, als sol ein jeglicher Bürger sein Antheil davon in Gebrauch zu nehmen verbunden sein, er brauche es nun oder nicht, soll er dennoch schuldig sein, die gebührende Pacht davon zu entrichten."

Das Feld Kleve liegt am linken Ufer der Elde, der Feldmark Grapentin gegenüber, zwischen der Stadtfeldmark (dem Orte, wo das S. Georg = Hospital stand) und dem Dorfe Barkow.

Die plauer Prediger waren viel auf Ackerbau angewiesen und trieben denselben in älterer Zeit mit großem Eifer. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrh. beklagt sich der Rath der Stadt bei den Herzogen wiederholt bitter darüber, daß die Prediger Valentin Grön und Christoph Danneke ungebührlich starken Ackerbau trieben und ihre Studien gänzlich vernachlässigten; statt bei den Büchern zu sitzen, trieben sie sich im Felde umher: so hielten sie z. B. 6 Pflugochsen.

Durch die unglücklichen Zeiten des dreißigjährigen Krieges kam die Stadt sehr herunter und die Feldmark Klebe ward im höchsten Grade vernachlässigt. Die Prediger mußten den Acker theils an Bürger, theils an Bauern verpachten, erhielten jedoch nur wenig Pacht, da sowohl der Acker im elendesten Zustande

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war, als auch die Pachtliebhaber wenig Vermögen hatten, und mußten dazu das wenige "unter beständigem Zank und Streit gleichsam erbetteln", wenn sie es überhaupt erhielten.

Daher ließ sich auf den Wunsch der Prediger die herzogliche Domainen = Kammer im J. 1752 bereit finden, die Feldmark Kleve oder "Sanct Urbani von der Pfarre in Erbpacht zu nehmen, wobei die Kammer die Absicht hatte, die Feldmark Kleve mit der angrenzenden, damals öde liegenden Feldmark Lalchow zu vereinigen und zu beiden Feldern einen neuen Meierhof zu bauen. Es entwickelten sich aber bald vieljährige Streitigkeiten, ehe das Project zur Ausführung kam, was denn doch endlich geschah.

In neuern Zeiten (im J. 1834) ist auf der Feldmark Kleve ein neuer Erbpachthof unter dem Namen Klebe aufgeführt.


Die Reformation.

Die Reformation ging zu Plau in ruhiger Entwickelung vorüber; vielleicht hatte dieses günstige Ereigniß darin seinen Grund, daß der Herzog Heinrich, welcher die Reformation begünstigte, zu jener Zeit gerne und viel zu Plau war, wo er seinen vorzüglichsten Weinberg besaß und das Schloß ausgebauet hatte, und hier durch seinen persönlichen Einfluß den Gemüthern die von ihm erwünschte Richtung gab.

Die katholische Geistlichkeit in Plau war nicht sehr zahlreich. Der letzte Priester war Johannes Mowe, welcher noch längere Zeit nach dem Ausbruche der Reformation in Plau lebte und im Besitze seiner Pfründen gelassen ward. Bei der evangelischen Kirchen = Visitation vom J. 1535 1 ) berichtet der schwerinsche Reformator Egidius Faber nichts weiter, als:

"Plaw. Da ist vns einer mit Namen Johannes Mowe furkhumen, der hatt auss dem sacramentheusslein vnd monstranczen daryn das sacrament verloren, weis nicht, wo es hyn yst khumen. Dy andern werden sich nach der Zeit wol schicken etc. ."

Der Herzog Heinrich war grade in Plau anwesend, als seine beiden reformatorischen Visitatoren. M. Egidius Faber und Nicolaus Kutzke, dort ankamen; denn Egidius Faber sagt über die Visitation zu Schwerin: 2 )

"Ich must gen schweryn meiner frawen halben, dy da schwach vnd fast kranck war. Nu weyss E. g., das


1) Vgl. Jahrb. VIII, S. 44.
2) Vgl. Jahrb. VIII, S. 47.
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ych ynn gegenwertikeit ern Nicolaus Kuczen vnter andern czu Plaw ynn der hoffstuben gedacht, da ych mit E. g. redete, - - das wir wolden den kircherrn vnd seinen Caplan czu Schweryn freuntlich ansprechen etc. ."

Leider sagt der Bericht nicht mehr über die damaligen geistlichen Verhältnisse der Stadt Plau.

Johannes Mowe behielt mehrere geistliche Lehen, namentlich die beiden, die früher zu den Altären des heil. Kreuzes und S. Jacobi gehört hatten; mit denselben waren ziemliche Einkünfte und ein Haus verbunden. Noch bei der Kirchen = Visitation vom J. 1541 heißt es:

"Das Lehen s. crucis hat er Johan Mowe zu Plawe. Item dartzu gehort auch ein haus."

In einem etwas ältern Verzeichnisse der "Lehne in der Stadt Plau" (1530 - 1540) heißt es:

"Eyn Lhen, heth Laurencii, horeth dem Rade Juspatronatus. Der itzige possessor is Er Johan Mowe, de suluige residert."


Uebersicht der ersten protestantischen Prediger.
Uebersicht der ersten protestantischen Prediger: Pastoren: Johann Wegener 1532-1535; Johann von der Heide 1536 -1556; Valentin Grön 1557-1574; Christoph Daneke 1574 † 1607; Christoph Lemme 1608 † 1630; Heinrich Lützing 1630 † (1658) -  Capellane: Johann Buddin 1535; Johann Maaß .1541-(1552); Johann Bossow 1552-(1564); Adam Schütte . 1572 † 1585; Nicolaus Schröder 1586 † 1594; Christoph Lemme 1595 - 1607; Johann Busch 1608 † 1625; Heinrich Lützing 1626 - 1630; Heinrich Lange 1631 † 1638; Johann Northausen 1639 † 1663

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Johann Wegener, Pastor.

Der erste evangelische Pfarrherr und der Reformator von Plau war wohl ohne Zweifel Johannes Wegener, welcher im J. 1532 die Pfarre von dem Herzoge Heinrich erhalten hatte. Bei der ersten Kirchen = Visitation vom J. 1535 heißt es:

"Plawe. Dat kercklene is der furstenn, besitter Johannes Wegener, vorlennth dorch herenn Hertzogk Hinrick vngeuerlick binnen II negest vorgangenn jarenn."

Johannes Wegener war ein ehemaliger Franziskaner = Mönch, wahrscheinlich zu Schwerin, und darauf kurze Zeit des Herzogs Heinrich Prädicant oder Hofprediger, neben M. Egidius Faber

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zu Schwerin. Ohne Zweifel gab ihm der Herzog die erledigte, gute Pfarre, weil er sich oft zu Plau aushielt. Hederich sagt in seiner schwerinschen Chronik (S. 101):

"Johannes Wegener, ein Franziskaner = Mönch, Fabri collega, wird nach Plawen transferirt."

Wahrscheinlich derselbe Johannes Wegener 1 ) war

"Er Johannes Wegener, Herzog Heinrichs Prädicante",

welcher nach dem Visitations = Protocolle vom J. 1534 seit dem J. 1531 eines von den drei Fürstenlehnen in der Kirche zu Grabow hatte.

Leider ist von Johann Wegener nicht mehr bekannt geworden. Er war nicht lange auf der Pfarre, da schon im J. 1541 der Pastor Johann von der Heide sein Nachfolger war, welcher sicher schon im J. 1536 zu Plau war, da er bei seinem Tode im J. 1556 über 20 Jahre im Dienst gestanden hatte.

Die Pfarre ward gleich im Anfange der Reformation sehr gut dotirt, indem sie alle alten Einkünfte behielt, wozu namentlich der Ertrag der ganzen Feldmark Klewe gehörte.


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Johann Buddin, Capellan.

Schon bei der Einführung der Reformation zu Plau ward eine zweite Predigerstelle errichtet, welche jedoch lange Zeit hindurch sehr schwach besoldet war und nur allmählig größere Einkünfte gewann. Der Besitzer derselben hatte den Titel eines Capellans; der erste ward jedoch nach der ältesten Bezeichnung aus der ersten Zeit der Reformation Prädicant genannt. Johann Buddin war der erste Capellan oder Prädicant zu Plau. Es ist nicht mehr zu ermitteln, ob er oder Johann Wegener der erste lutherische Prediger zu Plau gewesen sei; jedoch ist wohl anzunehmen, daß Johann Buddin nach Johann Wegener zu dessen Hülfe berufen ward, da bei der Berufung Wegeners von einem andern evangelischen Prädicanten nirgends die Rede ist, dagegen Johann Buddin erst später genannt wird. Johann Buddin kommt zuerst in einem Verzeichnisse der "geistlichen Lehne der Stadt Plau" wahrscheinlich vom J. 1535 (sicher zwischen 1530 - 1540) vor; hier heißt es:

"Dat lhen Trium Regum horet deme Rade. Poffessor Er Johan Buddyn. Is er dat beste geweset vnd itzs gantz vorkamen. Hefft ein egen Hus."


1) Ein anderer Johannes Wegener war zu derselben Zeit (1531 - 1535) Propst des Nonnenklosters zu Zarrentin, zugleich Inhaber der Pfarre zu Boitzenburg (noch 1541).
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Im J. 1541 war er entweder todt oder nicht mehr in Plau; es heißt in dem Visitations = Protocolle von diesem Jahre:

"Das 13 lehen Trium Regum hat er Johan Boddin gehat, vaciert, ist nu dem Organisten verordnet worden."

"Bisher hat er (der Capellan) nicht meher dan XXII fl. gehat."

Leider ist auch von ihm nicht mehr bekannt; nur mit großer Mühe hat sich seine Existenz ermitteln lassen können. Auch in der plauer Raths = Matrikel wird er einmal genannt, indem sein späterer Nachfolger Johann Bossow im J. 1558 "her Johan Buddins Lehn" erhielt; der Name ist aber so undeutlich geschrieben, daß er nur durch die andern hier mitgetheilten Stellen hat festgestellt werden können.

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Johann von der Heide, Pastor.

Wegeners Nachfolger war Johann von der Heide. Schon im Visitations = Protocolle von 1541 heißt es:

"Er Johan vonn der Heide pastor, hat ein veltmarcke Kleuen."

In dem Manuale des Kirchen = Visitations = Secretairs M. Simon Leupold zu diesem Protocolle steht:

Er Johan von der Heide, pastor. Testimonium bonum dederunt et doctrina et vita."

Die Gemeinde war also mit ihm zufrieden.

Er wird im J. 1536 nach Plau gekommen sein, da im J. 1556 nach seinem kurz vorher erfolgten Tode gesagt wird, daß er mehr als 20 Jahre im Amte gestanden habe. Er kann vor dem J. 1541 auch Capellan zu Plau gewesen sein, jedoch fehlt es hierüber an sichern Nachrichten.

Er starb ungefähr in der ersten Hälfte des J. 1556, indem der Herzog Ulrich am 22. Juli 1556 befahl, daß die Bitten der Wittwe des verstorbenen Pfarrherrn von der Heyde, der mehr als 20 Jahre im Amte gestanden habe, berücksichtigt werden sollten. Sein Nachfolger Valentin Grön wird zuerst am 1. April 1557 genannt. In der plauer Raths = Matrikel wird im J. 1559 " der olden kerckherschen hus" erwähnt, wobei man auch nur an Heiden's Wittwe denken kann. Diese Frau hatte noch bis zum J. 1564 geklagt; in dem Visitations = Protocolle von diesem Jahre heißt es:

"Ist ein Rath Ehr Johan von der Heyde frawen halben vermahnet, daß sie ihr gewissen betrachten vnd ihr einen abtrag thun, sollen ihr ein gleiches bieten,

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der Herr Doctor (Superintendent Conrad Becker) wil wol mitler sein, damit des clagens ein Ende werde. Rath andtwordt wieder: Ein Rath wehre im todtbette bey ihm gewesen, do hette er ihnen nichts gesagt, sondern dem Rathe seine Kinder beuolhen; wehre ihm etwas ausstendig gewesen, würde ehr wol gesprochen haben. Zudem soll ehr auch keine Cappelane neben sich haben leiden können. Wusten nichts das sie ihm schuldig wehren, auch wen schon schuldt vorhanden, wovon sie es nemen solten."

Seine Wittwe forderte 1562 und 1563 die von ihrem verstorbenen Manne 11 Jahre hindurch verdienten Capellangebühren. Es ist nicht anzunehmen, daß Johann von der Heide vor Antritt seines Pfarramtes so lange sollte Capellan gewesen sein; aus der Aeußerung, daß er keinen Capellan neben sich habe dulden können, scheint hervorzugehen, daß er während mehrerer Vacanzen wiederholt den Capellandienst mit verwaltet habe und dafür die rückständigen Gebühren forderte.


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Johann Maaß, Capellan.

Boddins Nachfolger im Capellanamt wird nur einmal genannt. Im Visitations = Protocolle vom J. 1541 heißt es:

Was der Capellan zu Plawe inne hat. Bisanher hat ehr nicht mehr dan XXII fl. gehat. Nun ist ime von den geistlichen lehnenn dißmahl so viel verordent worden, das ehr hinfurder jerlich zu besoldung sol XXXIII fl. haben."

Sein Name wird in dem Protocole nicht genannt, jedoch heißt es in des Visitations = Secretairs M. Simon Leupold Manuale zu diesem Protocolle:

"Ehr Johan Maeß Cappelan, non potest se sustentare et habet malas aedes."

Es sah also damals noch sehr schlecht um den Dienst aus, da sich die Visitatoren bemerkten, daß er seinen Mann nicht ernähren könne, eine Klage, die noch öfter erhoben wird.

Johann Maaß wird um das J. 1552 gestorben oder versetzt sein, da sein Nachfolger im Amte, Johann Bossow, im J. 1564 schon 11 Jahre Capellan gewesen war; er mag auch schon früher abgegangen und der nächste Pastor Valentin Grön zuerst Capellan gewesen sein, jedoch ist hierüber nichts bekannt.


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Valentin Grön, Pastor.

Heidens Nachfolger im Pastorat war Valentin Grön; wahrscheinlich war er dem Namen nach ein plauer Stadtkind, da im J. 1594 ein Bürger Valentin Grön zu Plau vorkommt. Er wird zuerst am 1. April 1557 in den plauer Stadtacten und darauf im Visitations = Protocolle vom J. 1558 genannt,

"Ehr Valtin der Pastor",

und seitdem öfter z. B. 1562, 64, 72, jedoch ohne weitern Bericht über sein Leben und Wirken. Nur bei der Kirchen = Visitation von 1564 wird gesagt, daß die Kirchendiener ihr Amt fleißig verwalteten. Valentin Grön hatte ein neues Pfarrhaus erhalten, da "Ehr Valtin aus der alten Wedeme zwei Buden gemacht, darum er auch dieselben bessern lassen sollte."

Im J. 1573 zeigte er dem Rathe an, nachdem er lange Jahre das Predigtamt verwaltet, sei seines Leibes Kraft so sehr gesunken, daß er ferner das Pastorenamt zu führen wegen seiner Schwachheit sich sehr beschwert fühle, und bat den Rath, daß dieser sich nach einem andern Pastoren umsehen möge. Da aber die "Bürger seiner gewohnt" waren, so erging an ihn die Bitte, daß er sie nicht verlassen möge, um so mehr da er bei ihnen große Arbeit und Mühe gehabt habe. Hierauf erklärte er sich bereit, bei ihnen zu bleiben und in den Fasten und sonst, wenn viel zu thun sei, Hülfe zu beweisen und zu Zeiten alle 8 oder 14 Tage nach seiner Gelegenheit zu predigen, falls er nicht zu schwach sei; dafür wolle er von des Pastoren Besoldung jährlich abgeben, wie er sich mit dem Hülfsprediger deshalb vertragen werde; er schlage den Magister Christoph Daneke, damals zu Rostock, zu seinem Gehülfen und Nachfolger vor. In Folge dieser Erklärungen ging der Rath der Stadt Plau auf Gröns Erbieten ein und sprach sich gegen Christoph Daneke (des Raths "besunder gunstigen Gunner und guten Freundt") in folgender Weise aus.

"Vociren demnach E. G. hiemidt in vnser kirchenn alhie zu Plawhe vor einenn Pastorenn craft dieser Vocation vff vorangezeigte vnsers Pastoren Herr Valentins Condition etc. . Isth derhalbenn vnser freundtlich pittenn, E. G. wollen euch vndbeschwerdt ertzeigen vnd alhie zu Plawhe vff S. Johannis tagk erscheinenn vnnd einstellenn, Euch vff der Cantzell horen lassenn vnnd vor vns, vnsere gemeine predigen, nach denn godtlichenn gabenn, vndt dho ihr euch midt herr Valentinen wegen seiner midthelfunge in der kirchenn vortragen wegen deß jerlichen deputats, wie

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wir nicht zweifeln, daß ihr euch daruber woll vortragen werden etc. ., als schickenn wir hiemidt einen wagen, midt freundtlicher Pitte, E. G. wollen sich umbeschwerdt ertzeigen vnnd midt demselbigenn also fordt herüber kommen etc. ."

Daneke, wahrscheinlich auch ein plauer Kind, wird diese Berufung angenommen haben, da er nach einigen Jahren als Gröns Nachfolger auftritt.

Mit dieser "Vocation" begannen die vielen Streitigkeiten, welche wegen der Predigerwahl in den nächsten Zeiten zwischen der Stadt und dem Fürsten entstanden. Den Fürsten gehörte ohne Zweifel das Patronat, das die Stadt eigenmächtig an sich zu bringen suchte, indem sie bei spätern Vorkommenheiten sich auf die frühere Ausübung berief; namentlich bezog sich in der Folge der Rath darauf, daß er den M. Daneke vocirt habe.

Valentin Grön erholte sich aber durch diese Hülfe bald so sehr, daß er schon nach einem Jahre eine andere Predigerstelle annehmen konnte, wenn der ganze Vorgang nicht darauf angelegt war, dem M. Daneke das Pfarramt zu verschaffen. Am 2. Oct. 1574 ward Grön von dem Herzoge Johann Albrecht zum Pastor zu Lübz berufen, nachdem der bisherige Pastor Hermann Kirchhof wegen vieler Streitigkeiten entlassen war. Die Stadt Lübz ward sehr spät lutherisch, da sie der Wittwensitz der eifernd katholischen Herzogen Anna († 1567), Wittwe des gleichgesinnten Herzogs Albrecht, war. Als der Herzog Johann Albrecht im J. 1560 einen lutherischen Prediger einsetzen wollte, protestirte sie sehr entschieden und wollte lieber von ihrem Leibgedinge abgelöset sein. Der erste lutherische Prediger zu Lübz war seit 1560 Nicodemus Bergen oder Bergius, der 1569 zum Special = Superintendenten im Braunschweigschen berufen ward.

Valentin Grön wirkte noch ein Vierteljahrhundert zu Lübz und wird hier sicher 1589, 91, 93, 95 als Prediger aufgeführt. Daß dieser Valentin Grön dieselbe Person mit dem ehemaligen Pastor zu Plau sei, beweiset die Aussage der Plauer, die ihn im J. 1586 den "gewesenen Pastor zu Plau" nennen. Wahrscheinlich starb Valentin Grön im J. 1601, da im J. 1602 Peter Risch zum Prediger in Lübz berufen ward. Valentin Grön erlangte in Lübz in so ferne eine wichtige Stellung, als er die ersten kummervollen Wittwenjahre der Herzogin Sophie zu Lübz erlebte.


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Johann Bossow, Capellan.

Johann Bossow war Capellan zur Zeit des Pastors Valentin Grön. Er wird im J. 1552 das Amt erhalten haben, da er bei der Visitation im J. 1564 sagt:

"Ehr habe 11 Jahre das Cappelan = Ambt furgestanden vnd nicht mehr als 5 fl. von Gildehaue (dem Stadtschreiber) darauf entfangen";

er hatte nämlich geklagt, daß ihm 8 1/2 fl. an seiner Besoldung rückständig seien. Deshalb nahmen die Visitatoren von den Monitoren von den Jahren 1559 - 1563 Rechenschaft und fanden, daß ihm noch 5 fl. rückständig seien.

Bei der sehr beschränkten Lage, in welcher die Capellane zu Plau lebten, kann es denn nicht auffallen, daß nach Sebastian Gildehofs Tode, welcher ungefähr 1541 - 1558 Stadtschreiber war, der Capellan Johann Bossow zum Stadtschreiber von dem Rath ernannt ward. In der plauer Raths = Matrikel heißt es:

"1558. Ick Ern Johan Bossow, itziger caplan der stad Plaw, bekenne offentlich mit desser miner handtschrifft, dat ein ersam radt mich tho einen stadschriuer gefordert, daruor se mi thor besolding her Arndes commend vnd her Johan Buddins lhen mit twen. garden vnd einem huse, darin her Arnd gewant, tho geuen thogesecht, mit dem bescheid vnd vorbehalt, dat sulchs nicht thor caplanei, allene thor stadschriuerei sol gelecht sin."

Bei der Visitation vom J. 1564 ward endlich dem Capellan etwas Gewisses verordnet, nämlich 40 fl. zu seiner jährlichen besoldung, ferner aus der Oekonomie (von den Einkünften der zur Pfarre gehörenden Feldmark Kleve) fortan jedes erste Jahr 2, das zweite Jahr 1, das dritte Jahr 3 Wispel Roggen, ferner von den Stücken, von denen der Pastor bisher die zehnte Garbe gehabt. die Hälfte, jährlich 6 Scheffel Roggen vom herzoglichen Amte ("Hause"), zwei Hopfengärten, ein Sandgarten und zwei Tage in der Woche die Mahlzeit auf dem fürstlichen Hause, wie von Alters her.

Nach dieser Zeit wird Johann Bossow nicht mehr genannt.


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M. Christoph Daneke, Pastor.

Der M. Christophorus Daneke oder Christophorus Danichius ward im J. 1573 aus Rostock zum Hülfsprediger des Pastors Valentin Grön auf dessen Vorschlag be=

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rufen und rückte nach dessen Berufung zum Pastor zu Lübz im J. 1574 in dessen Stelle ein. Daneke, der sich mit seines Vorgängers Tochter Elisabeth Grön verheirathet hatte, führte sein Amt zur Zufriedenheit der Gemeinde und starb am 10. Nov. 1607. Drei Wochen darauf starb auch der Burgemeister Joachim Klinge zu Plau. Während Danekes Zeit lebten drei Capellane neben ihm.


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Adam Schütte, Capellan.

Adam Schütte war Johann Bossow's Nachfolger im Capellanamte; er war "aus dem Dorfe Pinnow nach Plau vocirt" und wird im J. 1572 zuerst genannt. Schütte hatte auch nur die geringe Besoldung, welche seinem Vorgänger bei der Visitation im J. 1564 zugesichert war, dabei aber 6 Kinder; er lebte also in großer Armuth und war stark verschuldet. Er hatte sich daher "des Schreibens befleißigen" müssen und war deshalb oft von dem Herzoge Ulrich, den er übrigens wiederholt seinen "Gevatter" nennt, "gestraft" worden. Im J. 1580 gab er 5 Predigten über die Weissagung Esaiä 9 heraus, die er am 9. März 1580 dem Rath der Stadt Plau überreichte. und im J. 1581 wieder 5 Predigten, die er in Plau zu Ostern, Himmelfahrt, Pfingsten, Trinitatis und Michaelis in der "Frühmesse" gehalten hatte. Im J. 1581 wollte er zwei Morgen von dem S. Jürgen = Acker haben, die der Oekonomus Turmann an sich genommen hatte, welcher ihn dabei beschuldigte, daß er leichtfertig sei und in Städten und Dörfern umher vagire. Er starb im J. 1585 an der Pest.


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Nicolaus Schröder, Capellan.

Nachdem Adam Schütte im J. 1585 an der Pest gestorben war, präsentirte der Herzog Ulrich am 14. Jan. 1586 der Gemeinde den Pastor Nicolaus Schröder zu Retschow bei Doberan. Obgleich der Herzog ihn zu seiner Befriedigung vor sich hatte predigen lassen und auch die plauer Gemeinde dessen Probepredigt nicht zu strafen wußte, so hatte sich doch die Gemeinde in ihren Wünschen gespalten, indem einige ihren (1566) Schulmeister Laurentius Hüning, des plauer Stadtschreibers Sylvester Hüning Sohn, begehrten, der "während der Zeit der Pest und Gift treulich bei ihnen ausgehalten, ihnen und ihrer Jugend beigestanden und nach Adam Schütte's Tode sich zum Predigen hatte gebrauchen lassen, jetzt aber von dannen wollte, wenn er den Capellandienst nicht erhalten würde, auf den ihn

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die Gemeinde während der Pest vertröstet hatte." Laurentius Hüning war noch sehr jung; er war in der kurfürstlichen Schule zur Pforte vorgebildet, aber nur kurze Zeit auf der Universität Rostock gewesen. Bei Besetzung dieser Stelle traten die Gelüste der Gemeinde nach dem Patronat schon deutlicher hervor. Der Herzog ließ sich aber nicht irre machen, sondern berief im März 1586 den Nicolaus Schröder, den die Gemeinde auch bis an sein Ende "gerne sah und liebte." Laurentius Hüning ward 1594 († 1607) Capellan an der Marienkirche zu Parchim 1 ). Nicolaus Schröder starb schon am 7. Juli 1594 und hinterließ eine junge Wittwe. Am 9. Juli besichtigte, nach dem Gerichtsprotocolle der Stadtvogtei, eine Gerichtsdeputation von 8 Bürgen, unter denen Valentin Grön und "M. Andreas der Balbirer" waren, seine Leiche, weil es vermuthlich sei, daß er nicht natürlichen Todes gestorben; sie fanden die Leiche zwar geschwollen und mit blauen und braunen Flecken bedeckt, aber die Untersuchung, welche wohl keinen Grund hatte, ward nicht fortgesetzt.


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Christoph Lemme, Kapellan und Pastor.

Bei der Besetzung der Stelle nach dem Tode des Capellans Nicolaus Schröder traten alle Leidenschaften und Gebrechen hervor, an welchen fortan fast zwei Jahrhunderte hindurch die Predigerwahlen im Lande gelitten haben.

Der Pastor Daneke schlug beim Herzoge im J. 1595 den plauer Schulmeister Lazarus Walter, aus Neustadt in Meklenburg gebürtig, zu der Stelle vor, der 6 Jahre auf der Universität Rostock studirt hatte und bei dem Dr. Simon Pauli zu Tische gegangen und auch von diesem zum fleißigsten empfohlen war. Walter machte sich auch anheischig, die "junge Wittwe" seines Vorgängers zu heirathen. Er hatte aber in der Stadt Gegner, welche die Gemeinde aufhetzten. Obwohl dem Herzoge das Patronat zustand, so wollte damals doch "jeder in Plau die Macht haben, Prediger ein = und abzusetzen." Nach den verschiedenen Berichten sollte Walter keine Gaben haben; er sollte ungeübt sein, keine ausreichende Stimme besitzen und "das meißnische Idioma" (d. h. die hochdeutsche Sprache) gebrauchen, "des die Gemeinde ungewohnt sei und nicht verstehen könne." Lazarus Walter erhielt die Stelle nicht, sondern sollte 1596 auch den Schuldienst verlassen, ohne daß er gekündigt war oder hatte.


1) Lorenz Hüning, "der neue Capellan zu Parchim. war dem Urbano, itzo zu "Newen = Calen, succediret."
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Der darauf vorgeschlagene Pastor Johann Gisenhagen 1 ) zu Proseken, ein Bruder des Nicolaus Gisenhagen, Hofpredigers des Herzogs Ulrich zu Güstrow, gefiel der Gemeinde auch nicht, weil er nicht Gaben genug habe. Die Plauer hatten im geheimen einige Bürger nach Proseken geschickt, welche sich dort für lübeker Bürger ausgaben und eine Katechisation anhörten und den Pastor im Krugr spachen.

Da schlug der parchimsche Superintendent Antonius Bocatius den Christoph Lemme vor. Dieser war ungefähr 30 Jahre alt, eines Pastoren Sohn von Conow, im Amte Eldena, wo der Vater, der noch lebte, wohl 40 Jahre Pastor gewesen war. Er hatte auf seines Vaters Kosten seine Studien in Rostock eifrig getrieben und sich die folgenden 2 oder 3 Jahre fleißig im Predigen geübt. Er mußte erst bei Hofe vor dem Herzoge predigen und ward darauf von dem Herzoge am 9. Sept. 1595 zu dem Amte vocirt, wogegen denn auch die Gemeinde nichts einzuwenden hatte.

Christoph Lemme, Pastor.

Nach dem am 10. Nov. 1607 erfolgten Tode des Pastors Christoph Daneke rückte der Capellan Christoph Lemme in dessen Stelle ein, die der Herzog Carl ihm bei seiner Anwesenheit in Plau versprochen hatte. Der Burgemeister Turmann hatte zwar die Gemeinde zur Berathschlagung zusammenrufen lassen und man war darüber einig geworden, daß man gegen die Lehre und das Leben Lemme's nichts einzuwenden habe, aber darin "habe er unrecht und übel gehandelt, daß er diese Sache nicht vor dem Rathe, sondern bei dem Landesfürsten gesucht habe, denn das Patronat stehe bei dem Rathe; er habe daher die Pferde hinter den Wagen gespannt und man sei gesinnt, einen andern ihres Gefalles vermöge ihres Rechts zu vociren." Der Herzog ließ sich aber nicht irre machen, sondern den Christoph Lemme in das Pfarramt einführen, wobei sich denn auch die Gemeinde beruhigte.

Christoph Lemme, "der älteste Pastor", starb mit seiner Frau im J. 1630 an der Pest.


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Johann Busch, Capellan.

Bei der Beisetzung des Capellanats oder Diakonats nach Lemme's Aufrückung ins Pastorat wiederholten sich alle Auftritte,


1) Vgl. Jahrb. XII, S. 248.
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welche bei Lemme's Berufung zum Capellandienst vorgefallen waren. Es war theils durch die menschenfreundlichen, persönlichen Bemühungen der Landesherren für die hinterlassenen Wittwen und Waisen, theils durch den in den nächsten Zeiten nach der Reformation noch herrschenden Mangel an Veranstaltungen zur Versorgung derselben aus den Mitteln des Staats oder der Kirche, jetzt schon dahin gekommen, daß die "Conservirung" der Wittwen und Töchter bei den Pfarren "ein landsittlicher Gebrauch und Gerechtigkeit", ein "meklenburgischer wohl hergebrachter Gebrauch" und eine "landsittliche Wtttwengerechtigkeit" genannt ward. Ja es kam endlich gar so weit, daß in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts Prediger = Wittwen und Töchter "Exspectanz" auf die nächste ihnen anstehende Pfarre erhielten, um sich damit einen Mann ihres Gefallens nach Gelegenheit zu erheirathen.

Der Pastor Daneke hatte eine Wittwe und eine Tochter von 16 Jahren hinterlassen. Der Herzog Carl wollte das Amt dem Subconrector Johannes Buschius an der Domschule zu Güstrow geben; die Stadt verlangte das Amt für ihren Schul = Rector Georg Kenast (Kenatz oder Kienast). Beide erboten sich, das Mägdelein zu heirathen, nach der zur Erlangung des Amtes als unerläßlich zu erfüllenden Bedingung, welche überall offen ausgesprochen ward.

Busch reisete am 1. Dec. 1607 nach Plau, um sich nach der Tochter umzusehen, worauf er dem Herzoge berichtete, "daß ein ehrliebender Geselle sich mit ihr ehelich einzulassen, nicht groß Bedenken nehmen solle." Nachdem er nun auf des Herzogs Befehl am Sonntage Judica 1608 seine Probe = Predigt gehalten hatte, berichtete der Rath nach Anhörung der Gemeinde, daß sich "die ganze Gemeinde über das ausländische Idioma und die hohe Sprache desselben nicht wenig beschweret, daß sie mit solcher unbekannten Sprache nunmehr im Gottesdienste sollten versorgt und vorgestanden werden, sintemal der meiste Theil der einfältigen Bürger nebst Frauen und Kindern, auch anderm Gesinde davon das wenigste verstehen und behalten konnten; wenn auch der Herzog und dessen hochweise Räthe den Subconrector wohl verständen, so komme dies daher, daß sie täglich mit solchem Idioma umgingen und solcher hohen Sprache gewohnt seien, dagegen der meiste Theil der Bürger in Plau Zeit ihres Lebens solche hohe Sprache nicht gehört; auch sei des Herrn Magisters Tochter bei solch einem ausländischen Gesellen schwerlich zu bringen, weil man sein Gemüth nicht erkannt, wie und welchergestalt er gesinnt und gegen männiglich sich verhalten werde. Der Herzog habe leichtlich

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abzunehmen, welch einen Ausgang es gebaren und wie der Satan und Eheteufel darüber frohlocken und sich belustigen würde." Der Rath behauptete dazu, daß er das Vocationsrecht habe, da er es bei Daneke's Berufung ausgeübt habe. Der Herog verwies ihm dagegen nicht nur diese "kecke und unbedachtsame" Anmaßung hart, sondern auch den "erdachten Fund und Griff unbekannter Sprache, die doch ein jeder Bauer, wie schlecht der immer sei, wohl vernehmen könne, er sei darin geübt oder ungeübt." Es ist hier offenbar von der hochdeutschen Sprache 1 ) die Rede.

Die Gemeinde suchte dagegen einhellig ihrem Rector Georg Kenast die Stelle zuzuwenden. Georg Kenast war zu Plau geboren und erzogen, Bruder des plauer Rathsherrn Samuel Kenast und in der Gemeinde sehr beliebt. Er war ein "gelarter Geselle", in den drei Hauptsprachen, der lateinischen, griechischen und hebräischen und in der Theologie sehr bewandert, wie er denn auch gewöhnlich lange griechische Briefe an seinen Superintendenten Neovinus schrieb, der auch ein guter Grieche war, "augenscheinlich mit sonderlichen Gaben gezieret", ein sehr gewandter, fleißiger Lehrer und tüchtiger Prediger und überall sehr beliebt, daher ihn denn auch die Gemeinde "einhellig" zum Prediger verlangte, da er ohne Zweifel "der Stadt nicht undienstlich sein und endlich zu einem vornehmen Prediger des Wortes Gottes gedeihen" werde.

Der Wittwe, welche auch für Kenast gebeten hatte, erwiederte der Herzog Carl am 24. März 1608, es müsse bei der geschehenen Anordnung bleiben,

"Sintemal die Kirchenordnung nicht mehr erfurdert, dan das des verstorbenen Pastoren successor und nachfolger die widtwe oder tochter eheliche, und durch solch mittel die kinder nicht verstoßen werden, Ist also die electio vnd wahl bei dem successoren oder breutigam, vnd nicht bey der tochter, dan do er den Dienst haben will, kan er die tochter nehmen, doch nicht also, das eben der dienst der tochter brautschatz


1) Der parchimsche Superintendent M. Johannes Neovinus nennt sie "nostrum Saxonicum idioma." Die plattdeutsche Sprache war damals noch Kanzelsprache. Noch im J. 1592 hielt der Pastor Joh. Werkentin zu Lübow eine plattdeutsche Leichenpredigt auf die Frau des Wolfrath v. Bassewitz auf Maslow, welche im J. 1593 zu Rostock gedruckt ward. Noch im J. 1595 schrieb der Pastor Joachim Gade zu Grabow und im J. 1599 der Pastor Paulus Lanckmann zu Herzfeld plattdeutsche Briefe an ihren Superintendenten Bocatius. - Das plauer Stadt = und Gerichtsbuch ist bis 1564 in plattdeutscher Sprache geführt. Im Jahre 1564 (also nach dem Capellan Johann Bossow) findet sich die erste hochdeutsche Registratur. Seit dem J. 1564 wird die hochdeutsche Sprache in dem plauer Stadtbuche vorherrschend und bald allein gebräuchlich.
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oder väterlichs erbe sey, sondern es auß mitleiden vnd vmb des verstorbenen vaters willen geschehe. Will aber die tochter so zart sein vnd den von vns dahin verordneten gesellen sich nicht gefallen lassen, so soll darumb keine gezwungene ehe gestifftet werden, sondern sie magk bey dem pleiben, welchen sie selbst außerwehlet, vnd wirdt sie Gott mit demselben woll erneren."

Die Herzogin Anna zu Grabow hatte am 27. Nov. 1607 den Studiosus Johann Gade zu Grabow, einen Sohn des dortigen Predigers Joachim Gadow, empfohlen.

Mochte nun auch Kenast zu der Stelle wohl geeignet sein, so befahl der Herzog Carl doch am 30. Mai 1608 die förderlichste Ordinirung des Johann Busch. Der Rath und die Gemeinde schwiegen, Busch ward ins Capellanenamt eingeführt und heirathete sogleich die Tochter Daneke's; Lemme rückte ins Pastorat ein und Kenast blieb Rector.

Georg Kenast war noch im J. 1609 Rector zu Plau. Für die seltene Begabung des Mannes redet aber der Umstand, daß er im J. 1610 zum Prediger an der Kirche zu Bristow berufen ward, welche Werner Hahn aus dem Hause Basedow im J. 1597 sehr gediegen erbauet und mit einer neu gegründeten Pfarre verbunden hatte. Hier blieb er jedoch nicht lange, sondern ward zum Prediger nach der Neustadt Röbel berufen, wo er schon 1617 war. Er starb im J. 1638 an der Pest, welcher alle 4 Prediger zu Röbel und alle andern Prediger der Umgegend erlagen, mit alleiniger Ausnahme des Pastors Nicolaus Fabricius zu Vipperow.

Johann Busch starb im J. 1625.


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Heinrich Lützing, Capellan und Pastor.

Nach dem Tode des Capellans Johann Busch ward des Pfandinhabers von Plau "Gregorii Bevernesten Kinder = Präceptor Heinrich Lützing" aus Westphalen am 11. Jan. 1626 präsentirt und vocirt, weil er seines Vorgängers hinterlassene "junge" (ungefähr 36 Jahre alte) Wittwe heirathen wollte, deren Mann, Vater und Großvater wohl verdiente Leute im Predigtamt daselbst gewesen seien. Die Frau war eine Tochter des Pastor Daneke, der eine Tochter des Pastors Valentin Grön zur Frau gehabt hatte. Heinrich Lützing erlebte und überlebte die traurigen Jahre des dreißigjährigen Krieges. Sicher kommt er noch im J. 1649 vor. Wahrscheinlich starb er im J.1658, da Möller im J. 1659 berufen ward.


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