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Inhalt:

Jahrbücher

des

Vereins für meklenburgische Geschichte
und Alterthumskunde,

aus

den Arbeiten des Vereins

herausgegeben

von

Dr. G. C. F. Lisch,

großherzoglich=meklenburgischem Archivar und Regierungs=Bibliothekar, Aufseher der großherzoglichen Alterthümer= und Münzensammlung zu Schwerin,
auch
Ehren= und correspondirendem Mitgliede der geschichts= und alterthumsforschenden Gesellschaften zu Stettin, Halle, Kiel, Salzwedel, Voigtland, Leipzig, Sinsheim, Berlin, Kopenhagen, Hamburg, Breslau, Würzburg, Riga, Leiden, Regensburg, Meiningen, Lübeck, Cassel, Christiania und Reval,
als
erstem Secretair des Vereins für meklenburgische Geschichte und Alterthumskunde.


Zwölfter Jahrgang.


Mit zwei Steindrucktafeln und zwei Holzschnitten.


Mit angehängtem Jahresberichte


Auf Kosten des Vereins.

Vignette

In Commission in der Stillerschen Hofbuchhandlung zu Rostock und Schwerin.


Schwerin, 1848.

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Gedruckt in der Hofbuchdruckerei in Scjhwerin.      

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A.

Jahrbücher

für

Geschichte.


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I.

Geschichte

der

Besitzungen auswärtiger Klöster

in Meklenburg,

von

G. C. F. Lisch.

D ie Geschichte der auswärtigen Klöster in Beziehung auf ihre Besitzungen in Meklenburg ist von so großer Bedeutung für die Bildungsgeschichte unsers Landes, daß es in der That Wunder nehmen muß, daß bisher so wenig, eigentlich fast gar nichts, dafür geschehen ist. Der Mangel an Aufklärung über diesen Gegenstand hat ohne Zweifel darin seinen Grund, daß es bisher an den Gesichtspuncten fehlte, welche für eine solche Forschung zu nehmen waren, und daß zu wenig urkundliche Forschungen voraufgingen. Der Verfasser ist gesonnen, die Besitzungen und den Einfluß der auswärtigen Klöster in Meklenburg nach und nach zur Untersuchung zu ziehen. Zwar hätten zuerst die Besitzungen der Klöster Alten=Camp, Amelungsborn und Arendsee, als der Hauptmutterklöster der vorzüglichsten meklenburgischen Klöster, an die Reihe kommen sollen; aber die Besitzungen des Klosters Michaelstein haben für andere Forschungen in der Geschichte der Ostseeländer eine so dringliche Wichtigkeit, daß urkundliche Untersuchungen über sie ohne Noth nicht länger aufgeschoben werden durften, wenn dadurch auch die chronologische Folge etwas gestört wird; auch ist die Forschung über die genannten Mutterklöster viel leichter und der Stoff dazu viel bekannter und schon mehr bearbeitet. Es hat daher dem Kloster Michaelstein vor allen anderen der Vorzug in der Bearbeitung gegeben werden müssen.

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1.

Geschichte

der

Besitzungen des Klosters Michaelstein
in Meklenburg.

B ald nachdem am Ende des 11. Jahrhunderts durch die Reformation des Benedictiner=Ordens der berühmte und wirksame Cistercienser=Orden entstanden war, welchem auch Meklenburg zum großen Theile seine Christianisirung und Germanisirung verdankt, ward von dem Kloster Morimund, einem der vier ersten Hauptklöster dieses Ordens, im J. 1122 das erste Cistercienserkloster in Deutschland zu Alten=Camp bei Cölln gestiftet, welches wieder ein Mutterkloster sehr vieler Cistercienserklöster in Deutschland ward, so auch des Klosters Amelungsborn, von welchem 1170 wieder das Kloster Doberan gegründet ward. Von dem Kloster Alten=Camp ward nun um das J. 1147 das Kloster Michaelstein 1 ) gestiftet;. Michaelstein liegt am Nordharze, einige Meilen von Halberstadt, in der Diöcese Halberstadt. So viel man weiß, hat Michaelstein kein Kloster in Meklenburg gegründet, jedoch auf andere Weise ohne Zweifel seinen Einfluß geltend zu machen gesucht.


Die Stadt Güstrow, die Lieblingsstiftung des Fürsten Heinrich Borwin II., welche bald die Hauptstadt des Fürstenthums Werle ward, war im J. 1222 gegründet. Diese Stadt, später die Altstadt genannt, lag vor dem Mühlenthore am rechten Ufer der Nebel, gegen das Dorf Sukow hin. Die wohl nicht sehr bedeutende Feldmark dieser ersten Stadt lag ohne Zweifel ebenfalls an dem rechten Ufer der Nebel. Die alte Fürstenburg lag auf der linken Seite des Flusses. In der Nähe derselben


1) Vgl. J. G. Leuckfeldi Antiquitates Michaelsteinenses et Amelunxbornenses, Wolfenbüttel, 1710.
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gründete Heinrich Borwin II. am 3. Junii 1226, am Tage vor seinem Tode, unter dem Einflusse des schweriner Bischofs Brunward, das Dom=Collegiatstift Güstrow, zu Ehren der H. Cäcilie, späterhin die westlichste Stiftung des Bisthums Camin; der Fürst verordnete in dem Stiftungsbriefe ausdrücklich die Einrichtung der Stiftung nach der Ordnung der bischöflichen Kirche zu Hildesheim (precipue secundum ordinem venerabilis ecclesie Hildensemensis). Die junge Stiftung, Zunächst für 16 Domherren bestimmt, dotirte der Fürst aus seinem Erbgute (de mea propria hereditate, quam juste et racionabiliter ab omnibus progenitonibus meis possedi) mit den Dörfern Gutow, Bölkow, Gantschow, Dehmen und 4 Hufen in Sukow, und zu einem besondern Altare mit 4 Hufen in Camin und den Zehnten von 4 Hufen in Carow.

Im J. 1228 bestätigten H. Borwins Söhne die Privilegien der Stadt Güstrow und schenkten ihr Mast= und Holzungsgerechtigkeit in den Wäldern Primer und Kleest, welche ebenfalls am rechten Ufer der Nebel liegen; ferner verliehen sie ihr Mast= und Holzungsgerechtigkeit auch am linken Ufer der Nebel bis an die Feldmark Rosin.

Bald, namentlich seitdem der kräftige und hoch verdiente Fürst Nicolaus I. von Werle nach der Landestheilung vom J. 1229 den ihm zugefallenen Landestheil zur selbstständigen Beherrschung angetreten hatte, bildete sich um die Fürstenburg und den Dom eine neue Stadt, welche die alte Stadt so sehr verdunkelte, daß diese schon um die Mitte des 13. Jahrh. eine untergeordnete Rolle spielte. So ward die Stadt auf das linke Ufer der Nebel versetzt.

Zum bessern Verständniß der folgenden Darstellung wird eine Schilderung der frühern Umgebungen der Stadt Güstrow willkommen sein. Nördlich von der alten Stadt am rechten Ufer der Nebel lag die alte Stadtfeldmark. Südlich und östlich, flußaufwärts, am linken Ufer der Nebel, zwischen diesem Flusse, der Feldmark Rosin, dem gutower See, der Feldmark Gutow und dem tebbeziner See, jetzt Sumpf=See genannt, lag das Dorf Glewin. Nordwestlich lag das Dorf Glin, welches den Gamm gehörte. Südwestlich lag das Dorf Tebbezin, von welchem früher der Sumpf=See seinen Namen trug. Alle diese Dörfer erwarb die Stadt Güstrow zur Stadtfeldmark in blühenden Zeiten: 1293 Tebbezin, 1323 Glewin, 1375 Glin. Die beiden letzten Dörfer leben noch in gebräuchlichen Namen, wie Glewiner Straße, Thor, Mühle, Burg etc. ., Gliner Wiesen etc. .

In der Nähe der Stadt Güstrow, nicht weit vom linken Ufer der gegen Nordwest strömenden Nebel liegen in gleicher

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Richtung, von Nordost gegen Südwest gestreckt, nebeneinander drei langgestreckte Seen von nicht unbedeutender Ausdehnung, nämlich in der Folge von Westen nach Osten: der parumer See, der tebbeziner oder Sumpf=See und der rosiner See, welcher in seinem südwestlichen Theile auch gutower oder Insel=See genannt wird, weil hier in demselben eine bebauete Insel liegt, Schön=Insel genannt. An das westliche Ufer des parumer Sees grenzten die Güter des Bischofs von Schwerin; zwischen dem parumer und tebbeziner oder Sumpf=See lagen die Dörfer Bülow und Tebbezin; zwischen dem tebbeziner und rosiner See lagen theilweise die Dörfer Gutow und Glewin; am südlichen oder südöstlichen Ufer des rosiner Sees lagen die Dörfer Rosin, Bölkow und Badendik. Sind alle diese, für die historische Gestaltung des Landes wichtigen Ortsverhältnisse auch klar, so bleibt doch noch der Raum vor der fürstlichen Burg bis gegen den rosiner und Sumpf=See und das Dorf Gutow, auf welchem der fürstliche Bauhof und die fürstliche Meierei Magdalenenlust liegen, ein Gegenstand sehr schwieriger Erörterung, da von den genannten Dörfern in alter Zeit fast aller Raum weggenommen zu sein scheint.


Es fehlte im Lande Werte an den mit Land= und Volks=Cultur vertraueten Cisterciensermönchen. Zur Stiftung eines Klosters mochte es wohl an Mitteln fehlen, da erst so eben das Domstift Güstrow reich dotirt war. Deshalb rief der Fürst Nicolaus, später von Güstrow oder Werle zugenannt, sogleich in den nächsten Monaten nach der Landestheilung 1 ) auf einen Hof in seiner Nähe Cistercienser=Mönche aus dem Kloster Michaelstein, welches obwohl in der Diöcese Halberstadt, doch nicht weit von der bischöflichen Kirche zu Hildesheim lag, der die Einrichtung und Obhut des Domstiftes anvertrauet war; das Bisthum Hildesheim hat aber seit der ältesten Zeit Einfluß auf die kirchliche Entwickelung Meklenburgs gehabt: für die ältesten Zeiten, die Zeiten vor der allgemeinen Christianisirung Meklenburgs, möchten dies die alten bischöflich=hildesheimischen Münzen beweisen, welche verhältnißmäßig häufig in Meklenburg gefunden werden. Dies möchten die Veranlassungen sein, welche dem Kloster Michaelstein Grundbesitz in Meklenburg verschafften. Freilich ist es auffallend, daß nicht Mönche aus dem Hildesheim näher liegenden Amelungsborn oder aus dessen Tochterkloster


1) Vgl. Jahrb. X, S. 11.
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Doberan nach Güstrow kamen, jedoch lassen sich nicht alle Verhältnisse jener Zeiten mehr ergründen; vielleicht mochte man auch dem etwas altern Kloster Michaelstein einen Vortheil gönnen, vielleicht mögen auch uns unbekannte Culturverhältnisse auf die Berufung eingewirkt haben.

Sofort nach Vollendung der Landestheilung schenkten am 1. Junii 1229 1 ) die beiden damals noch zusammenstehenden Brüder Nicolaus und Heinrich (später Borwin geheißen), beide noch Herren von Rostock genannt, unter Zustimmung der beiden andern fürstlichen Brüder Johann und Pribislav, dem Kloster Michaelstein die Güter 2 ) auf der Haide oder Einöde (in solitudine), welche seit alter Zeit zum Dorfe Rosin gehörten, frei von aller weltlichen Gewalt, und bestimmten, daß die Grenzen dieses Güterbesitzes sein sollten: im Osten ein kleiner See Namens Tiefer=See (Dêpensê), 3 ) im Westen eine Niederung Namens Tiefes=Thal (Dêpendille, 1233 vallis profunda), 4 ) im Norden die Nebel, im Süden der große See Bisdede und die Feldmarken Bölkow (Belichowenses) und Bellin (Belliconenses). Es ist schwer, nach den Charten noch jetzt diese Grenzen genau zu verfolgen, um so mehr, da die Himmelsgegenden von Norden gegen Osten etc. . verschoben zu sein scheinen, indem der große See nicht gegen Süden, sondern mehr gegen Westen liegt, und auch die Nebel mehr an der östlichen Grenze fließt; von großer Wichtigkeit aber ist, daß der große See, welcher neben dem Dorfe Bölkow die Grenze bildet, und kein anderer als der rosiner oder gutower See sein kann, der große See Bisdede (magnum stagnum Bisdede) genannt wird: von demselben soll weiter unten die Rede sein. Die Gegend des Tiefen Sees (Dêpensê) wird in der Gegend des Dêw-Winkels (Diebswinkels) sein, welcher noch heute eine große Waldung oder Haide, wie man in ändern Ländern sagt, bildet. Die Schenkung umfaßte also die Güter, welche heute Kirchen=Rosin und Mühlen=Rosin heißen.

Bald nach der Stiftung des noch vom schweriner Bischofe Brunward bestätigten Domes zu Güstrow entstanden zwischen den Bischöfen von Schwerin und Camin die heftigen und lang=


1) Vgl. Urk. Samml. Nr. I., mit der Urk. vom J. 1233 eine sehr wichtige Entdeckung.
2) Interessant ist es, daß unter den Formeln für die Besitzstücke auch Weinberge (cum vineis) genannt werden. Grade in dieser Gegend, am andern Ufer des Sees, der Schön=Insel gegenüber, ist auf dem "Weinberge" bis auf unsere Tage zu verschiedenen Zeiten Wein gebauet.
3) Der Dêpensê ist vielleicht der Teuchelsee, in den der Teuchel=Bach fließt, im Süden an der Grenze; dieser See kommt noch häufig vor.
4) Das "Tiefe Thal" mit der Schulzenwiese kommt noch im J. 1709 vor.
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wierigen Streitigkeiten über die Ausdehnung ihrer Sprengel und die Erhebung der Zehnten aus dem Lande Circipanien und den vorpommerschen Gauen, in deren Besitz der Bischof von Camin sich gewaltsam gesetzt hatte. Schon am 16. Oct. 1235, mitten im Streite, bestätigte der Bischof Conrad von Camin das Dom=Collegiat=Stift Güstrow und beschenkte es mit Zehnten und Rechten, jedoch unter der Bedingung, daß die Domherren für die Zukunft ihrem Dechanten nach der Regel des Bisthums Camin folgen sollten. 1 ) Schon vorher, im J. 1233, verlieh 2 ) der Bischof Conrad von Camin dem Kloster Michaelstein die diesem schon von den Landesfürsten bei der Schenkung der Güter versicherten Zehnten, da die Fürsten Nicolaus und Heinrich von Rostock die Zehnten von der ganzen Haide Bisdede von ihm zu Lehn trügen; zugleich beschrieb der Bischof ebenfalls die Grenzen der rosinschen Güter, welche seien: ein kleiner See, die Nebel, das Tiefe Thal, der große See Birdede, Bölkow (Belichowe) und Bellin.

So gelangte das Kloster Michaelstein zum vollständigen Besitze der Güter Rosin. Nach spätern Urkunden 3 ) hatte das Kloster hier: den Hof Rosin (zwischen Kirchen=Rosin und Lüdershagen), das Dorf Mühlen=Rosin mit einer Kornmühle und einer Walkmühle 4 ) und das Dorf Kirchen=Rosin und befaß in diesen Gütern das Eigenthumsrecht, alle Gerichtsbarkeit, alle Dienste, die Zehnten, die Beden, alle Freiheiten der weltlichen Herrschaft und das Patronat der Kirche zu Kirchen=Rosin; auf dem Hofe Rosin wohnte ein michaelsteinscher Mönch als Hofmeister (magister oder rector curiae) mit andern Klosterbrüdern zur Verwaltung der Güter und zu Kirchen=Rosin hatte das Kloster einen Pfarrer (rector ecclesiae oder plebanus).


Die südlichen Grenzen von Rosin werden für das Mittelalter durch ein Dorf Kotekendorf verdunkelt, welches später durch Abtrennung von Bölkow entstand und früh unterging. Das Dorf, bekannter unter dem Namen der koitendorfer Feldmark, gehörte aber nicht zu Rosin, sondern dem güstrowischen Dom=Capitel zu dessen Gütern Bölkow und Badendik. Bei der


1) Vgl. Urk. Samml. Nr. IV.
2) Vgl. Urk. Samml. Nr. II.
3) Vgl. Urk. Samml. Nr. XIV.-XVII.
4) Die Betriebsamkeit der Cistercienserklöster lernt man z. B. aus der Anlegung dieser Walkmühle, ohne Zweifel für die Gewerke in Güstrow, kennen; bis 1580, wo die Wasser ausbrachen und die Mühlen bei Rosin aufs Trockene kamen hatten die güstrowischen Beutler ihre Felle zu Rosin gewalkt.
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statistischen Bedeutsamkeit dieser Feldmark ist das Dorf Kotekendorf in einem Anhange zu dieser Untersuchung behandelt.

In der Feldmark Rosin war aber das Dorf Pustekow oder Pustow untergegangen, von welchem in Urkunden nirgends die Rede ist. Wir erfahren von dem frühern Vorhandensein desselben nur durch die Vermessungen aus dem Anfange des 18. Jahrhunderts. Hier ist im J. 1709 von dem "Pustowschen Felde", als einer eigenen Bauerhufe, die Rede, ferner von dem Kamp und dem Braakschlag auf der Dorfstätte, von einem Schlage vor dem Hofe, von einem großen und einem kleinen Kamp an der Loßnitz (einer Gegend der Feldmark Kirchen=Rosin), von der neuen Radewiese zwischen der Dorfstätte und der Loßnitz.


Uebrigens muß die Gegend von Rosin, welche vor der Verleihung an das Kloster Michaelstein fürstliche Besitzung war, in wendischer Zeit eine gewisse Bedeutung gehabt haben; auf einer von der Feldmark Bölkow in den See sich erstreckenden Landzunge, der Schön=Insel gegenüber, ist auf der großen schmettauschen Charte ein "Borgwall" verzeichnet und nach der Vermessung vom J. 1709 lag gegenüber landeinwärts zwischen der Nebel und dem "Borgwald" ein "Borgwalds=Bruch." 1 )

Der See Bisdede, welcher unter diesem Namen weiter nicht vorkommt, bedarf ebenfalls noch einer Betrachtung. Der südwestliche Theil, so weit die Ufer des güstrowschen Dom=Capitels reichten, nächst der Schön=Insel, heißt von dem Dorfe Gutow der gutower See, der nordwestliche Theil von dem Dorfe Rosin der rosiner See. Der See war ursprünglich fürstliches Eigenthum. Heinrich Borwin schenkte dem Domstifte Güstrow bei dessen Gründung im J. 1226 für den Bedarf der Domherren die ("Privat") Fischerei auf dem See Gutow und die in diesem See liegende Insel (priuatam piscacionem canonicis in eadem ecclesia degentibus pro eorum commodo in stagno Gutowe cum insula adjacente). Diese Gerechtigkeiten wurden dem Dom=Capitel 1273 und 1313 von den Landesherren mit denselben Worten bestätigt. Es läßt sich annehmen, daß die an den See grenzenden Dörfer Rosin, Glewin und der fürstliche Bauhof Fischereigerechtigkeit an den Grenzen ihrer Feldmarken hatten; das Eigenthum aber verblieb einstweilen der Landesherrschaft. Am 7. April 1307 verkaufte jedoch der Fürst Nicolaus von Werle, unter Zustimmung des Bischofs


1) Ueber diese Burgwälle und deren Umgegend vgl. man die folgende Abhandlung II. über die Länder Bisdede und Tribedne.
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Friederich von Camin, welcher für seine Diöcesan=Angehörigen am Dome zu Güstrow und zu Rosin handelte, das Eigenthum des gutower Sees an die Stadt Güstrow 1 ), welche dasselbe noch heute besitzt. Durch den Erwerb des Dorfes Glewin im J. 1323 gewann die Stadt Güstrow auch Rechte an der Fischerei in dem der Stadt zunächst gelegenen Theile des Sees.


Um seine Besitzungen mehr abzurunden und bis gegen die Stadt Güstrow hin auszudehnen, auch damit den größern Verbindungsstraßen näherzukommen, trachtete das Kloster Michaelstein schon früh nach der Erwerbung des Dorfes Glewin, dessen Feldmark fast bis an das Thor der Stadt reichte; vorzüglich war die glewiner Mühle, welche an einem bei Güstrow in die Nebel mündenden Ausflüsse des rosiner Sees liegt, das Augenmerk des Klosters. Die Cistercienser=Klöster suchten nämlich in den Städten die Mühlen, bei welchen sie große Kornspeicher unter der Aufsicht von Hofmeistern hatten, zu erwerben, vorzüglich diejenigen Stadtmühlen, in deren Nähe sie Landgüter hatten, aber auch entferntere, um den Ertrag ihrer Güter möglichst vortheilhaft zu verwerthen, da der Ackerbau und dessen Verbesserung ihre vorzüglichste Sorge war. Daher hatten sie sich in frühern Zeiten in den Besitz der meisten Mühlen der meklenburgischen Landstädte zu setzen gesucht. Die Gelegenheit zur Erwerbung der Mühlen in der Stadt Güstrow hatte das Kloster ungenutzt vorübergehen lassen, indem diese schon seit dem J. 1287 von dem Kloster Doberan erworben waren. Das Kloster Michaelstein mußte also mit der glewiner Mühle vor dem Thore Güstrow's zufrieden sein. Am 24. April 1292 schenkte der Fürst Nicolaus von Werle dem Kloster Michaelstein das freie Eigentum der Mühle bei Glewin, wie es dieselbe von Johann Hagemeister, der sie von den Lehenherren zu Lehn getragen, erworben hatte, mit denselben Gerechtigkeiten, mit welchen das Kloster die Güter Rosin besaß. 1 ) Zugleich bestimmte der Fürst: daß niemand den Fluß abgraben oder ableiten, auch im See keine neuen Wehren, außer den vorhandenen, anlegen dürfe, damit das Kloster nicht im Aalfange in dem Bache beeinträchtigt werde, welcher ihnen ganz überlassen sei. Das Kloster erwarb also in der That den ganzen Abfluß des rosiner Sees; aus diesen Bestimmungen geht aber hervor, daß es den rosiner See nicht besaß, sondern nur Fischereigerechtigkeit auf demselben, wie die übrigen Anwohner. Endlich stellte


1) Vgl. Urk. Samml. Nr. VI.
1) Vgl. Urk. Samml. Nr. VI.
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die Landesherrschaft den Zufluß und Abfluß des Wassers ganz in die Macht des Klosters.

Diese unbeschränkte Freiheit über einen Wasserstrom, welcher durch fremdes Gebiet läuft, mußte aber notwendig Streitigkeiten hervorrufen: und dies geschah sehr bald. Das Dom=Capitel zu Güstrow besaß das Eigenthum an 3 Hufen in dem Dorfe Glewin 1 ) und ward durch die übermäßige Stauung des Flusses beeinträchtigt. Daher mußte sich das Kloster Michaelstein am 21. Junii 1296 unter Vermittelung des Fürsten Nicolaus von Werle zu einer Regulirung des Wassers bequemen 2 ), dergestalt, daß das Wasser über dem Grundwerk der Mühle vor dem Schüttbrett nur bis zu einer Elle hoch, weniger 1/8 Elle, stehen solle und nach dieser Regulirung am Flusse Pfähle mit der Bezeichnung der größten Höhe des Wasserstandes gesetzt wurden.

Dieser isolirte Besitz einer Mühle vor den Thoren einer befestigten und rasch aufblühenden Stadt, mitten in fremdem Eigenthume, konnte aber dem Kloster in damaliger Zeit nicht sonderlich helfen; daher entschloß es sich noch in demselben Jahre zum Erwerb des ganzen Dorfes Glewin. Am 13. Nov. 1296 verkaufte der Fürst Nicolaus von Werle, unter Zustimmung seiner Brüder Günther und Johann und ihrer Mutter Sophie, dem Kloster Michaelstein das ganze Eigenthum des Dorfes Glewin mit allen Zubehörungen, jedoch nur mit der Vasallengerichtsbarkeit bis zur Buße von 60 Schillingen und dem dritten Theile der Criminal=Gerichtsbarkeit, in der Grenze, wie das Gut zwischen Rosin, dem gutower See, dem Dorfe Gutow, dem tebbeziner (Sumpf=) See und der Nebel lag 3 ). Den Besitz des Dorfes hatte das Kloster von mehreren Besitzern erkaufen müssen.

Der Besitzstand des in der Nähe einer Residenzstadt mit vielen Burgmännern gelegenen Gutes war aber nicht ganz sicher. Zuerst besaß das Dom=Capitel zu Güstrow das Eigenthumsrecht an den erwähnten 3 Hufen. Zwar hatten die Landesherren in einer besonderen Ausfertigung der Urkunde vom 13. Nov. 1296 dem Kloster die Befreiung von den Ansprüchen des Dom=Capitels versprochen und dafür auch besonders 30 Mark Geldes entgegengenommen; aber erst am 2. März 1298 empfing das Kloster die schriftliche Versicherung dieser Befreiung und zugleich die Zusicherung des vollen Eigenthumsrechts an dem ganzen Dorfe 4 ). Aber einige Jahre darauf trat die ritterliche Familie von Geetz mit Ansprüchen an Glewin hervor. Der Ritter Johann


1) Vgl. Urk. Samml. Nr. VII. und Nr. VIII.
2) Vgl. Urk. Samml. Nr. VII.
3) Vgl. Urk. Samml. Nr. VIII.
4) Vgl. Urk. Samml. Nr. IX.
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von Geetz und seine Vettern behaupteten nämlich, es gehörten ihnen 2 Hufen, einige Worthen und einige Aecker (gildeland unde burland) aus Erb= und Lehenrecht, und sie hätten diese Besitzungen nie aufgelassen; der Abt von Michaelstein führte dagegen an, er habe die Güter unter der Bedingung gekauft, daß er von denselben jährlich 2 Drömt Roggen an die Domherren zu Güstrow und 1 Drömt Roggen, 1 Drömt Hafer und 4 Schillinge an die Pfarre in Geetz (d. i. jetzt Karcheetz) entrichte: damit sei allen Verpflichtungen genügt, und der Erwerb sei rechtsbeständig geschehen. Da sich die Partheien nicht einigen konnten, so compromittirten sie auf ein ritterliches Schiedsgericht vor dem Fürsten, welches denn am 2. April 1304 entschied 1 ), daß das Kloster dem Ritter Johann von Geetz und dessen Oheim Ludolph 150 Mark wendischer Pfenninge zu zahlen habe, wogegen diese das Kloster nicht nur von allen Ansprüchen, sondern auch von den obengenannten Abgaben zu befreien hätten, so daß das Kloster das Dorf völlig frei besitze.

Diese urkundlichen Thatsachen gönnen gelegentlich einen Blick in die bekannten Güter Geetz, jetzt Karcheetz (d. i. Kirch=Geetz) und Mühlen=Geetz, welche in damaligen Zeiten noch die sonst wenig bekannte ritterliche Familie von Geetz besaß; diese ist nach den zu der Urkunde beschriebenen Siegeln nicht mit der altmärkischen Familie von Jeetze mit der Greifenklaue im Schilde zu verwechseln.

Die Nähe einer volkreichen Stadt, deren Thore oft verschlossen waren, mochte das Kloster theils in dem ruhigen Besitze stören, theils nicht die erwarteten Vortheile genießen lassen. Daher entschloß es sich bald zur Veräußerung der jungen Besitzungen. Schon am 26. Aug. 1323 hatte das Kloster das Dorf Glewin mit der Mühle an die Stadt Güstrow verkauft und die Landesherren bestätigten dieser nicht nur das Eigenthum und alle anderen Rechte, welche das Kloster an dem Gute besessen hatte, sondern verkauften ihr noch die Abgaben der Beden und der Münzpfenninge, die ganze höhere Gerichtsbarkeit und alle anderen fürstlichen Gerechtsame an Dorf und Mühle, welche fortan zu Stadtrecht lagen 2 ). Das Kloster hatte aber ein eigenes Schicksal mit diesen Besitzungen. Auch über den Verkauf derselben an die Stadt entstanden Streitigkeiten; diese beendigten jedoch die Landesherren am 2. Junii 1326 durch ihre Vermittelung 3 ) und verschafften der Stadt eine reine Quittung über die Kaufsumme.


1) Vgl. Urk. Samml. Nr. X.
2) Vgl. Urk. Samml. Nr. XII.
3) Vgl. Urk. Samml. Nr. XIII.
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Die Stadt hob hierauf das Dorf auf, legte die Feldmark zum Stadtfelde und versetzte die Mühle, welche noch heute die glewiner Mühle heißt, weiter stromabwärts in die Nähe des glewiner Thores 1 ).

Wahrscheinlich in jenen Zeiten, ohne Zweifel um einen Stapelplatz für seine Erzeugnisse zu haben, erwarb das Kloster Michaelstein einen Hof mit Haus in der Stadt Güstrow am Ziegenmarkte, also in der Nähe der dem Kloster Doberan gehörenden, in der Stadt liegenden Mühlen, mit aller Freiheit von Bürgerpflichten, nur mit der Verpflichtung einer jährlichen Abgabe von 1 lüb. Mark Schoß. Wir lernen diese Besitzung nur aus den Verkaufsurkunden vom Jahre 1433 2 ) kennen.

Dies waren, so viel uns überliefert ist, sämmtliche Besitzungen des Klosters Michaelstein in Meklenburg.

Endlich aber entschloß sich das Kloster zur Veräußerung aller ihm noch übrig gebliebenen Güter in Meklenburg. Der Boden der rosinschen Güter hat viel Sand und ist nicht sehr ergiebig; der Mangel einer Mühle in der Stadt Güstrow mochte dem Kloster immer fühlbarer werden; vielleicht konnte es das Geld zu Erwerbungen in der Nähe des Klosters besser benutzen, als aus so weit entfernten Gütern Gewinn ziehen; endlich war die Landescultur schon so verbreitet, daß die Cistercienserklöster mit ihren entfernten Colonien nicht mehr bedeutend wirken konnten. Das Kloster Michaelstein fand auch leicht einen geneigten Abnehmer in dem Kloster Doberan. Im J. 1433 nämlich verkaufte das Kloster Michaelstein dem Kloster Doberan alle seine Güter in Meklenburg, nämlich den Hof Rosin, das Dorf Kirchen=Rosin mit einer Kornmühle und einer Walkmühle und ein Haus mit einem Hofe in der Stadt Güstrow am Ziegenmarkte, damals zwischen Hans von Schonen und Curt Risserd belegen, mit allen Freiheiten und Gerechtigkeiten, welche das Kloster Michaelstein an diesen Gütern bis dahin gehabt hatte, für 730 rheinische Goldgulden und 100 sundische Mark.

Schon am 7. Junii 1433 hatte das Kloster Michaelstein durch seine Bevollmächtigten, nämlich den Pfarrer Henning von Goslar zu Kirchen=Rosin, den Hofmeister Heinrich Laspe zu Hof Rosin und den Schatzmeister Johann Herdessen aus Michaelstein, den Verkauf der Güter abgeschlossen und dieselben vor dem Fürsten Wilhelm von Werle aufgelassen; dieser gab auch zu der Veräußerung an das Kloster Doberan seine Zustimmung, damit in


1) Vgl. Besser's Beitr. S. 214.
2) Vgl. Urk. Samml. Nr. XIV. und XV.
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diesem Kloster, in welchem seine Vorfahren begraben lägen, der Gottesdienst gemehret und das Andenken seines Hauses ewig erhalten werde, machte jedoch die Bedingung, daß die Güter, welche zum Gottesdienste bestimmt seien, bei einem etwanigen Verkaufe nicht in weltliche Hände übergehen sollten 1 ). Am 26. Junii 1433 stellte das Kloster Michaelstein eine feierliche Verkaufsurkunde 2 ) aus und beurkundete an demselben Tage, daß das Gedächtniß des Fürsten und seines Hauses, dessen Aussterben nahe (1436) bevorstand, in dem Kloster stets gefeiert werden, dazu auch ein bestimmter Tag zur Jahresfeier angesetzt werden solle, auch daß das Kloster mit den durch den Verkauf ihm zufließenden Geldern andere unbewegliche Güter erwerben wolle, um das Gedächtniß des Fürsten und seiner Vorfahren ewig im Kloster feiern lassen zu können 3 ).

So gab das Kloster Michaelstein alle seine Besitzungen in Meklenburg auf. Um ganz reine Sache zu haben, ließ sich auch der Rath der Stadt Güstrow den schon vor mehr als hundert Jahren geschehenen Ankauf des Dorfes Glewin mit der Mühle von dem Kloster am 11. Nov. 1434 noch ein Mal bestätigen, mit der Versicherung, daß das Kloster keine Urkunden über dieses Dorf behalten wolle; zugleich machte das Kloster den Rath und die Bürgerschaft von Güstrow "guten Dienstes halber" aller guten Werke ihres Klosters theilhaftig 4 ). Damit waren denn alle Verhältnisse des Klosters Michaelstein zu Meklenburg völlig aufgelöset.

Die Walkmühle zu Rosin erwarb in der Folge von dem Kloster Doberan der Herzog Heinrich von Meklenburg, welcher sie im J. 1445 wieder an die Stadt Güstrow verkaufte 5 ).


1) Vgl. Urk. Samml. Nr. XIV.
2) Vgl. Urk. Samml. Nr. XV.
3) Vgl. Urk. Samml. Nr. XVI.
4) Vgl. Urk. Samml. Nr. XVII.
5) Vgl. Besser's Beitr. S. 283.
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Anhang.


Die Dörfer Kotekendorf und Godekendorf

und

die daran haftenden Präbenden des Dom=Capitels zu Güstrow.

E in an der südlichen Grenze von Rosin liegendes Dorf tritt mit demselben und dem güstrowischen Dom=Capitel so häufig in Beziehung, daß es bei dieser Gelegenheit einer Nachweisung bedarf. Alle Besitzungen des Domstifts Güstrow sind mit Bestimmtheit nachzuweisen, nur die Präbende in Kotekendorf macht Schwierigkeiten in der Erforschung. Im J. 1301 vereinigte nämlich der Fürst Nicolaus von Werle die Kirche zu Malchin mit der Präbende in Kotekendorf. Ein solches Dorf existirt aber lange nicht mehr; es ist also als wüste Feldmark aufzusuchen. Das Domstift Güstrow ward nach den Stiftungsurkunden im J. 1226 mit den Dörfern

Gutow, Bölkow, Gantschow, Dehmen

dotirt. Mit der Zeit wurden diese Dörfer mehr angebauet, regulirt und in die Domherren=Präbenden vertheilt. In einer Bestätigung der Gründung des Domstifts durch den Fürsten Nicolaus von Werle vom J. 1273 werden als erste Schenkungen des Fürsten Heinrich Borwin II. aber aufgeführt:

Gutow, Bölkow, Kotekendorf, Badendik, Gantschow
Dehmen,

oder mit den Worten der Urkunde:
"Gutowe, Belecowe, Kotekendorpe, Bodendike, Gancekowe, Demene." Die beiden Dörfer Kotekendorf und Badendik waren also ohne Zweifel von dem Domcapitel gegründet, da keine Schenkungsurkunden über sie vorhanden sind; schon ihre deutschen Namen bezeichnen sie als jüngere Stiftungen.

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Im J. 1301 schenkte der Fürst Nicolaus von Werle dem Domstifte Güstrow die den Landesherren bis dahin zuständige Kirche zu Machin, wie sie damals Martin von Malin besaß, unter dem Patronat des jedesmaligen Domdechanten, und vereinigte sie auf immer mit derjenigen Domherren=Präbende, welche mit Kotekendorf dotirt war und welche Martin von Malin ebenfalls inne hatte. Es ward jedoch bei dieser Stiftung die Bedingung gestellt, daß der Inhaber der Präbende jedem der 13 Domherren, denn so groß war damals schon ihre Zahl, wöchentlich 14 feine Waizenbrote von einem Scheffel Waizenmehl gebe; das Dom=Capitel von Güstrow und das Bisthum Camin bestätigte diese Abgabe und legte der Präbende dazu noch die Last auf, dem jedesmaligen Landesherrn oder in seiner Abwesenheit seiner Gemahlin ebenfalls 14 solcher Brote wöchentlich zu liefern. Dies ist der Ursprung des oft erwähnten "Präbenden=Brotes." Im J. 1303 bestätigten die Brüder des Fürsten von Werle und der Bischof Heinrich von Camin diese Stiftung, und selbst der Papst Benedict (XI). Nach einer Feststellung der Statuten und Gewohnheiten des Dom=Capitels durch einen Capitel=Beschluß vom J. 1302 war die Präbende in Kotekendorf die neunte in der Ordnung:

"nona in Kotekendorp",

und der jedesmalige Besitzer hatte zwei Vicareien zu verleihen:

"Canonicus prebende in Kothekendorp conferet vicariam, quam tenet Gerhardus Hoppensac, et vicariam, quam tenet Johannes Medowe; prime vicarie redditus sunt in villa Kusiz, secunde vicarie sunt in Dalekendorpe."

Früher hatten die Fürsten von Werle das Patronat der Kirche zu Malchin; bald nach dieser Vereinigung der Kirche mit der Präbende Kotekendorf trat der Fürst von Werle dem Dom=Capitel das Patronat der Malchiner Kirche ab, wie aus einer Bulle des Papstes Benedict hervorgeht und spätere Vocationen beweisen. 1 ) Im J. 1382 bestimmte der Bischof Philipp von Camin, daß der jedesmalige Domdechant die Pfarre Malchin verleihen solle. Wegen vernachlässigter Lieferung des Präbendenbrotes war nun öfter heftiger Streit zwischen dem Dom=Capitel und dem zur Lieferung verpflichteten Domherrn; Vernachlässigungen und Unterschleife riefen oft ärgerliche Scenen hervor. Dazu war gegen das Ende des 15. Jahrh. "das Dorf Kotekendorf fast verwüstet" und die Last der Lieferung mochte wohl viel auf die Pfarre Malchin fallen. Daher kam es, daß


1) Vgl. Urk. Samml. Nr. XVIII. u. XIX.
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am 6. März d. J. 1489 zu Güstrow der Bischof Simon von Reval als päpstlicher Legat auf Bitte der Herzoge Magnus und Balthasar von Meklenburg die Kirche zu Teterow der Präbende Kotekendorf und der Pfarre Malchin incorporirte, damit die Besitzer der Präbende die Präbendenbrote, "sintemal es ihnen sonst beschwerlich", desto leichter entrichten könnten; am 1. Febr. 1491 bestätigte Georg Putkammer, in Abwesenheit des Bischofs Benedict von Camin Stellvertreter ("inspector generalis"), und im J. 1492 der Bischof Benedict selbst diese Incorporirung. Aber schon im J. 1494 mußte der Domherr Dr. Liborius Meyer für die Pfarre zu Teterow einen Vicar bestellen.

Dieses Dorf Kothekendorf ward schon im 15. Jahrhundert wüst. Es lag südlich von Mühlen=Rosin und Bölkow und grenzte mit Rosin, Bölkow, Badendik und Bellin. Bei den Vermessungen im Anfange des 18. Jahrh. ward der Acker noch als eigene wüste Feldmark unter dem Namen Koitendorf, (zur "Vogtei Rosin" gehörig) behandelt; ungefähr die Hälfte des Ackers hatte damals die Pfarre zu Badendik; den übrigen Acker hatten die Bauern zu Badendik und Bölkow in Pacht. Noch heute sind an der angegebenen Stelle auf der großen schmettauschen Charte die koytendorfer Tannen und der koitendorfer See verzeichnet.

Die Frage, wohin Kotekendorf oder Koitendorf gehört habe, läßt sich hiernach leicht dahin beantworten, daß es vor der Säcularisirung des Domstifts Güstrow diesem gehörte und von demselben an die Landesherrschaft überging; ohne Zweifel ward bei der Erbauung der Dörfer Kotekendorf und Badendik der Acker derselben von den alten Dörfern Gutow, Gantschow und Bölkow genommen.


Mit Kotekendorf ist ein anderes Dorf Godekendorf nicht zu verwechseln. Am 1. Sept. 1336 stiftete nämlich der Fürst Johann III. von Werle eine neue große oder Domherren=Präbende zu Güstrow und dotirte sie, sich und seinen Nachfolgern das Patronat vorbehaltend, mit seinem ganzen Dorfe Godekendorf, welches in der Vogtei Teterow lag und 15 Hufen hatte:

"fundauimus et de nouo creauimus vnam prebendam maiorem et capitularem, dotantes ipsam prebendam cum nostra villa Godickendorpe in aduocacia Theterowe sita, - - cum cunctis mansis adiacentibus, qui quindecim sunt in numero."

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Das Dorf Godekendorf war bis dahin ein Lehn der Familie von Havelberg gewesen, welche außer andernandern Gütern auch den nicht weit entfernten Hof Striggow in der Pfarre Lüdershagen bei Güstrow besaß (vgl. Jahrb. V, S. 225; III, S. 152; II, S. 98). Am zweiten Pfingsttage, dem 20. Mai 1336 hatten die Brüder Johann und Otto v. Havelberg dem Fürsten Johann von Werle das Dorf Godekendorf verlassen und am 2. Aug. 1336 hatte Heyne v. Havelberg in die Verlassung gewilligt. Am 1. Sept. 1336 stiftete der Fürst Johann mit dem Dorfe die Präbende, welche der Bischof Friederich von Camin am 28. Sept. 1336 bestätigte; am 9. Nov. 1336 räumte das güstrowsche Dom=Capitel dem Fürsten das Patronatrecht ein. Am zweiten Pfingsttage, dem 16. Mai 1337 bezeugten Henneke und Otto v. Havelberg, daß sie sich mit dem Fürsten Johann wegen des Dorfes Godekendorf verglichen hätten.

Die darauf entstandenen Irrungen zwischen den Brüdern Johann und Otto von Havelberg und dem güstrowschen Domherrn Johann von Sternberg, Pfarrer zu Teterow, wurden am 18. Mai 1343 geschlichtet. Die neue Präbende hatte, da die Stiftungsurkunde nicht rückwirkend sein konnte, keinen Theil an dem viel besprochenen Präbendenbrot, welches von der mit dem Dorfe Kotekendorf fundirten Domherrenstelle geliefert ward. Es entstand sogleich zwischen dem ersten Besitzer der neuen Stelle und dem Domkapitel Streit über die Lieferung des Präbendenbrotes, welches jener forderte und dieses versagte Der Streit ward am 14. April 1347 dadurch geschlichtet, daß der Fürst Johann III. von Werle mit seinem Sohne Nicolaus, unter besonderer Zustimmung ihrer Vettern Nicolaus und Bernhard und des Bischofs Johann von Camin von demselben Datum, dem Dom=Capitel das Eigenthum an 5 Hufen im Dorfe Deutsch=Bützin, welche dasselbe früher von den Brüdern Janeke und Lüdeke Buggelmost gekauft hatte, schenkte und dabei verordnete, daß aus diesen 5 Hufen in Deutsch=Bützin und aus den 15 Hufen des Dorfes Godekendorf jährlich 10 Drömt dreierlei Kornes und 5 Mark wendisch an den Domherrn, welcher die Präbende Kotekendorf und die Pfarre zu Malchin besaß, nach Güstrow geliefert werden sollten, damit dieser dem Besitzer der neuen Präbende Godekendorf das wöchentliche Präbendenbrot wie den übrigen Domherren liefere.

Uebrigens hatten die v. Havelberg Godekendorf nicht allein besessen. Der Besitzer der neuen Präbende mußte am 19. Dec. 1390 den Brüdern Claus, Heinrich und Henneke Muggesfeld und am 1. Aug. 1418 dem Gemeke Muggesfeld, einem Sohne

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des Claus Muggesfeld, deren Rechte abkaufen, welche sie an Godekendorf hatten. 1 )

Dieses Dorf Godekendorf muß nach dem Zusatze, daß es in der Vogtei Teterow liege, und nach dem Umstande, daß es erst im J. 1336 in den Besitz des güstrowschen Dom=Capitels kam, ein anderes als Kotekendorf gewesen sein, wenn auch mitunter die Namen beider Dörfer gleich geschrieben werden. Schon in einer herzoglich=meklenburgischen Bestätigung des Domstifts Güstrow, vom Cäcilien=Tage (22. Nov.) 1436, nach dem Aussterben des Fürstenhauses Werle, wurden als Güter des Domstiftes aufgeführt;

"Ghutowe, Bolkowe, Cotekendorpe, Badendyk, Ganscow, Demen, Cankel, Pletzanewitze, Marquardeshaghen, Domherenhaghen, Butzyn, Wustenuelde, Daluitze, Rachowe, Godekendorp, Critzcowe, Kutze."

Das Dorf Godekendorf kommt in den erhaltenen Capitel=Urkunden wenig vor und muß schon früh wüst geworden sein.

Nach der Säcularisirung des Stifts war Godekendorf bei der Oekonomie geblieben. Der Herzog Ulrich kaufte dieser im J. 1568 "die Feldmark Goitkendorff" für 50 fl. 2 ßl. jährlicher Pächte aus verschiedenen Dörfern ab, 2 ) und so ward die Feldmark fürstliche Domaine.

Der Oekonomus war in der Folge mit diesem Verkaufe für seine Casse nicht zufrieden. Hierdurch erklärt sich der nachfolgende Bericht der güstrowischen Domgeistlichkeit vom 6. Sept. 1575:

"Was E. F. G. Oeconomus Jochim Foisan gegen vnß ausgeredett wegen der Gottkendorffer Veltmarke, waß dieselbe vnnd insonderheit das Holtz) so darauff stehet, woll werdt sein solte vnnd wie viel korns er vff einer iglichen Hueffe seins bedunckens nach bawen wolte vnnd konte, - - bitten wir vnterthenigen, E. F. G. woltenn von ihme selbst sein eigenn bekenntnis gnedig forderenn."

Hierauf heißt es in einem undatirten Memoriale aus den nächst folgenden Zeiten:

"Der Hoff zu Mamerow ist ein schon Bawhoff gewesen und haben 2 Paurnn darauff gewont, daß nicht viell gebawet halt werden dorffen. Darzu ein Felt=


1) Die vorstehende Entwickelung über Godekendorf ist dem Urkunden=Inventarium des Dom=Capitels Güstrow entnommen, da die Urkunden selbst, mit Ausnahme der ersten Stiftung und Bestätigungs=Urkunde, verloren gegangen sind.
2) Nach dem Inventarium der Urkunden des Dom=Capitels.
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marcke das koitkendorffer Felt genannt gelegt wurden. Diß hatt Dittrich Moltzan seliger von H. Hans Albrechtenn vor Zeiten erbitten vnd dofür 400 fl. geben wollen; es ist ime aber durch H. Vlrichen gewehret, vnd weill der Oeconomus gesagt, die Feltmarke wehre 10000 fl. wert, hatt sie Moltzan darumb geben sollen, welchs inne vngelegen gewesen, vnd soll der Oeconomus von der holtzung gesagt habenn, die uff der Feltmarcke stehet, wan sie vor Gustrow lege, wehre sie 6000 fl. wertt. Diß hatt H. Vlrich vnd gibt darfur 50 fl., da sie zuuor 29 fl. 11 ßl. gebenn."

Die Feldmark Godekendorf lag also unstreitig bei dem Hofe Mamerow, unweit Teterow. Die Maltzan von Grubenhagen hatten seit dem 15. Jahrh. bedeutende Besitzungen und Rechte in Mamerow und den angrenzenden und nahe gelegenen Gütern Rothspalk, Rahden, Nienhagen etc. . und hatten schon 1458 dem Dom=Capitel für die Feldmarken Marquardeshagen (Marxhagen) und Domherrnhagen oder Papenhagen (Ulrichshusen) Pächte aus Mamerow und Rothspalk abgetreten. Daher erklärt sich die Verhandlung der Maltzan über diese Feldmark. Uebrigens waren die Feldmarken in jener Zeit viel mehr vertheilt; auch auf der Feldmark Mamerow gab es Hof und Dorf Mamerow, außer Godekendorf. Die Lage von Godekendorf wird nun durch eine im J. 1711 vorgenommene Vermessung des fürstlichen Hofes Mamerow außer Zweifel gesetzt:

"Der Hoff Mamerow 1 ) im Ambte Gustrow liegt von der Stadt Gustrow 2 Meilen. Der Acker bey selben Hoff ist in dreyen ordentlichen Schlägen abgetheilet. - - - Der Sommerschlag wird an einem Orth, allwo vor diesem ein Dorff soll gestanden haben mit Namen Götendorff, durch den Schatten von den Bäumen verdorben, so findet man auch allda einige Börne, viel Schluep undt am langen Berge, auch sonsten auff den Hoffstetten berge Sandtlandt."

Das Dorf Godekendorf ist also in der Feldmark des Hofes Mamerow untergegangen.



1) In dem Feld=Schlag=Register heißt es:
     "der Meyerhoff mit dem Weinberge, Garten und Backhaußkoppel."
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2.

Geschichte

der

Besitzungen des lüneburgischen Michaelisklosters
in Meklenburg.

D ie Geschichte der Besitzungen des uralten Michaelisklosters zu Lüneburg, Benedictiner=Ordens, ist zwar in unsern Jahrbüchern schon verhandelt; es möge hier aber der Vollständigkeit wegen ein kurzer Ueberblick Raum finden, wenn auch nur aus dem Grunde damit die Besitzungen dieses Klosters nicht etwa mit denen des Klosters Michaelstein verwechselt werden. Der Stoff ist bereits in Jahrb. II, S. 24 und 291, und VI, S. 173 flgd. vollständig mitgetheilt.

Im Jahre 1219 schenkte der Fürst Borwin dem Michaelis=Kloster zu Lüneburg das Dorf Cesemow oder Szizimouwe; die Urkunde ist gedruckt in Gebhardi Diss. de re literaria coenobii S. Michaelis, 1755, Wedekind Noten zu einigen Geschichtschreibern des deutschen Mittelalters, III, Heft 10) S. 309, und Jahrb. II, S. 291. Diese Schenkung Borwins geschah, weil sein Vater Pribislav, welcher am 30. Dec. 1178 auf einem Turnier zu Lüneburg den Tod fand, in diesem Kloster begraben lag. Die Leiche Pribislavs ward nach einiger Zeit von Lüneburg nach Doberan versetzt: als Tag der Versetzung wird der 1. Oct. 1215 angegeben; daher ist denn entweder diese Angabe oder das Datum der Urkunde nicht richtig: vielleicht war die Urkunde im J. 1214 ausgestellt (XIV statt XIX), indem sie nicht mehr im Originale, sondern nur aus einer spätern Vidimation bekannt ist. Borwin schenkte dem Kloster dieses Dorf zur Feier von Seelenmessen für seinen verstorbenen Vater und machte diese Schenkung vielleicht kurz vor der Abführung der Leiche nach Doberan.

Die Lage des Dorfes, welches im 13. Jahrh. eine Kirche hatte, ist in Jahrb. VI, S. 173 flgd. ermittelt. Schon im

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13. Jahrhundert hatte es den Namen Michaelisberg (Mons sancti Michaelis) erhalten und war von dem Kloster an mehrere Vasallen zu Lehn gegeben. Dies ist wahrscheinlich die Veranlassung gewesen, daß das Dorf bald aus dem Besitze des Klosters kam. Im 15. Jahrhundert war das Dorf schon wüst. Schon am 18. März 1436 verpfändete der Ritter Helmold von Plessen zu Lübz, Pfandträger des Amtes Lübz, fünf Hufen auf dem Felde Michaelsberg an den Schulzen zu Karbow (vgl. Jahrb. VI, S. 175).

Das Dorf Michaelsberg lag im Amte Lübz bei dem Dorfe Karbow und ist in der Feldmark des jetzigen Hofes Karbow untergegangen; noch im 16. Jahrhundert hatte das Amt Lübz nur 4 Höfe (Lübz, Ruthen, Bobzin und Schlemmin): alle übrigen Ortschaften waren Bauerdörfer. Nach den Mittheilungen des Herrn Pastors Ritter zu Vietlübbe und nach eigener Anschauung bildet ein Theil der alten Feldmark eine eigene Localität. Auf dem Felde des Hofes Karbow erhebt sich links am Wege nach Darse und Quaßlin über die weit ausgedehnten Wiesen ein "Berg" von 40 bis 50 Fuß Höhe, welcher in den dortigen flachen Gegenden ziemlich weit sichtbar ist. Dieser Berg heißt noch heute der "Geelsberg" (eine gewöhnliche Abkürzung aus Michaelsberg), und der Bach, welcher durch die Wiesen am Fuße des Berges fließt, bei Ganzlin entspringt, Retzow, Dammerow und Wilsen berührt und bei der Niedermühle unweit Gr. Pankow in die Elde sich ergießt, heißt in der ganzen Gegend der Geelsbach (d. i. Michaelsbach). Es lag also Michaelisberg auf der jetzigen Feldmark des Hofes Karbow nördlich von dem Michaelisbache, an der langen Wiesenfläche, welche sich bis an die schlemminer Feldmark hinzieht. Hier stoßen nahe bei einander die Grenzen von Karbow, Wilsen, Darse, Quaßlin, Dammerow und Vietlübbe zusammen. Hiemit stimmt auch das Amtsbuch von Lübz vom J. 1570 überein, in welchem es heißt:

"Es gebraucht auch diese Dorfschaft Karbow die Sukower, Michelsbergischen und Kritzower Hufen."

Nach der Hufenvertheilung dieses Registers hatte aber auch die Dorfschaft Wilsen 15 1/2 Darse 1 1/2 und Quaßlin 1/2 michelsbergische Hufen zur Benutzung; das ganze Dorf hatte nach der Verleihungsurkunde 24 Hufen. Ein großer Theil der Feldmark Michaelisberg ist also unter die angrenzenden Dörfer zur Vertheilung gekommen. 1 )


1) Südlich von Lübz sind viele Dörfer untergegangen: es lag südlich an Lübz und Benzin das Dorf Restorf (vgl. Jahrb. VIII, S. 223), bei Kreien und Benzin (  ...  )
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Die Berghöhe Michaelisberg beim Hofe Karbow ist aber das Hauptfeld des untergegangenen Dorfes Michaelisberg. Auf dieser Höhe liegt, nach Ritter's Untersuchungen, noch eine Kirchhofsmauer, welche einen ovalen Raum von 96 Schritten Länge und 42 Schritten Breite einschließt; innerhalb dieses Raumes sind noch einzelne Erhöhungen, vielleicht von der untergegangenen Kirche und größern Gräbern (fast Kegelgräbern ähnlich) sichtbar, und auf einer solchen Erhöhung steht ein Dornbusch, welcher bei dem Volke im Ansehen der Heiligkeit steht, denn, sagt man, "wer ihn ausrodet, muß sterben." Unterhalb dieses Berges liegt in den Wiesen eine runde Erhöhung von nur 35 Schritten im Durchmesser, welche früher deutlich von einem Graben umgeben war; vielleicht stand in alten Zeiten hier ein Thurm oder ein festes Haus, eine kleine Burg.

Die Gegend von Michaelisberg war in alten Zeiten gewiß nicht ohne Bedeutung, da das Dorf, im Lande Ture gelegen, eine Domaine Borwin's war und in den Wiesen am Fuße des Berges die noch heute nicht unbedeutende Wallerhöhung der Burg Stuvendorf lag.

Vignette

(  ...  ) das Dorf Kratel (vgl. Jahrb. a. a. O.), bei Karbow die Dörfer Sukow, Michaelisberg (und Kritzow), bei Vietlubbe das Dorf Stuvendorf, bei Retzow das Dorf Görgelin.
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II.

Ueber

die Länder Bisdede und Tribedne,

von

G. C. F. Lisch.

D ie Länder Bisdede und Tribedne haben einen nicht unbedeutenden Namen in unserer alten Geschichte, sowohl in Beziehung auf die politischen Grenzen, als vorzüglich in den Zügen der fremden Kreuzfahrer und Eroberer, namentlich der Dänen, in den Wendenländern. Besonders wird das Land Tribedne in den dänischen Geschichten genannt. Nach allen Berichten und Sagen lag dieses Land von Festland Rügen aus jenseit des großen (Trebel=) Moors in Cicipanien. Es wird in den Urkunden Tribedne oder Tribeden genannt; in den Ausgaben der dänischen Sagen und Berichte findet man auch die Formen Atripiden und Tripipen, welche jedoch nach neuern Untersuchungen für Lesefehler statt Tribiden zu halten sind (vgl. Mém. des ant. du Nord, 1836-39, S. 113). Das Land ist schon oft der Gegenstand gelehrter Forschungen gewesen; vgl. Die Kriege Waldemar's und Knud's gegen Rügen und Pommern, aus der Knytlinga=Saga von Kombst, in Balt. Stud. I, S. 84 und 94; Waldemars und Knuts Heereszüge im Wendenlande, von L. Quandt, in Baltischen Studien, X, H. 2, 1844, S. 161 flgd; Fabricius Urkunden zur Geschichte des Fürstenthums Rügen, I, S. 82; Barthold's Gesch. v. Pommern II, S. 274 - 276; N. M. Petersen Züge der Dänen nach Wenden, in Mémoires de la societé royale des antiquaires du Nord, Copenhague, 1836-39, S. 111-115 und S. 314. Die Thaten, welche in diesem Lande ausgeführt sind, mögen bei dieser Untersuchung unberücksichtigt bleiben, da sie sich erst dann werden erkennen lassen, wenn man die Ausdehnung des Landes kennt; es steht hier lediglich die topographische Frage zur Beantwortung, welche denn auch

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durch die oben angeführten, neu entdeckten Urkunden des Klosters Michaelstein möglich geworden ist. Die Untersuchung über das Land Tribedne kann aber von der über das Land Bisdede nicht getrennt werden, da beide öfter zusammen vorkommen.

Das Land Tribedne wird urkundlich zuerst in der Dotationsurkunde des Bisthums Schwerin vom 9. Sept. 1171 genannt (Lisch Mekl. Urk. III, S. 25), jedoch nur in untergeschobenen Exemplaren. Die ächte Originalurkunde sagt nur, daß Heinrich der Löwe das Bisthum auch mit dem Lande Bützow dotire:

"adiunximus terram, que uocatur Butissowe,"

ein untergeschobenes Exemplar fügt aber hinzu die Burg Bridder (Bisdede?) mit dem angrenzenden Lande Tribedne:

"et castrum Bridder cum terra attinenti uidelicet Tribedne uocata et terram Pytne vocatam."

Ich habe in Mekl. Urk. Bd. III zur Ueberzeugung dargethan, daß die Exemplare, welche diesen Zusatz enthalten, verfälscht sind; der vorstehende Zusatz ist nur in einigen Abschriften enthalten und das Exemplar der Urkunde ist ohne Zweifel, wenn auch schon in sehr alter Zeit, gegen die Bischöfe von Camin fabricirt, mit denen das Land Tribedne bis über die Mitte des 13. Jahrhunderts hinaus streitig war. Der Zusatz über das Land Tribedne ist aber auch nicht einmal zu geographischen Untersuchungen branchbar, wie viele Zusätze der falschen Exemplare, da er zu unbestimmt ist.

Zunächst wird das Land Tribedne in den schweriner Bestätigungsbullen des Papstes Urban III. vom Jahre 1185 und des Papstes Clemens III. vom J. 1189 (vgl. Mekl. Urk. III, S. 40 u. 45) mit denselben Worten erwähnt, nämlich daß das Bisthum Schwerin besitze: das Land von Bützow auf beiden Seiten der Nebel bis zu dem Lande Tribeden:

"a Butzowe in utraque parte aque, que Nebula dicitur, usque ad terram, que Tribeden uocatur."

Dies sind also die ehemaligen bischöflich=schwerinschen Güter im Lande Bützow am rechten Ufer der Warnow und zu beiden Seiten der Nebel: Wolken, Zepelin, Gülzow etc. . Die östlichen Grenzen des Landes Bützow waren daher die westlichen Grenzen des Landes Tribedne.

Glücklicher Weise sind die alten Grenzen des Landes Bützow aus der Urkunde vom 27. März 1232 (Mekl. Urk III, S. 79), in welcher die Fürsten Nicolaus und Heinrich von Rostock ihren Ansprüchen an das Land Bützow zum Besten des

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Bischofs von Schwerin entsagen und zugleich die Grenzen des Landes bestimmen, grade an dieser Stelle klar zu erkennen:

über die Warnow auf Paglowi und Pridoli (beide nicht mehr erkennbar), von da in das Wasser Nebel (Nieuelia), ferner in den Bach Parmenizhe, wie derselbe in den See von Parum fließt, ein Theil des Sees von Parum (Parmene), von diesem in das Moor von Bülow (Byliewe, = die große Tiefe zwischen Bülow und Boldebuck), wie dasselbe geht in den See von Geetz (Gazne, jetzt Mühlengeetz und Karcheetz), die Hälfte des Sees von Geetz, vom See Geetz in das Wasser Liepousieunizham, wie es fließt in den See von Lentzen (Lansnizhe), mit einem Theil des Sees, so weit sich das Land daran erstreckt.

Die Hauptpuncte in dieser wichtigen Landesgrenze sind also die Seen von Parum, Geetz und Lentzen 1 ), welche zugleich die westlichen Grenzen des Landes Tribedne waren.

Nun tritt aber das Land Bisdede scheinbar störend in den Weg. Aus den oben (S. 7 - 8) erwähnten Urkunden des Klosters Michaelstein ist bekannt, daß der Bischof Conrad von Camin im J. 1233 dem Kloster Michaelstein die Zehnten von den Gütern Rosin bei Güstrow schenkte; diese lagen in der Haide Bisdede, deren Zehnten die Landesherren von dem Bischofe zu Lehn trugen: 2 )

"decima super totam solitudinem, - - que tali nomine Bisdede nuncupatur."

Der Bischof erkannte zugleich die Grenzen der Güter Rosin als richtig an, wie sie bei der Schenkung von Rosin am 1. Junii 1229 von den Fürsten Nicolaus und Heinrich von Rostock angegeben waren, nämlich daß die Güter in Süden, oder richtiger in Westen, der große See Bisdede

"magnum stagnum Bisdede"

berühre 3 ). Der Bischof von Camin gebraucht in der Urkunde vom J. 1233 die Form Birdede für Bisdede.

Es ist also ohne Zweifel, daß auch das Land Bisdede zunächst östlich an das Land Bützow grenzte und daß es seinen Namen von dem großen See Bisdede führte, welcher später der rosiner oder gutower See genannt ward. Das Land Bisdede bildete also im engern Sinne die spätere Vogtei oder das Amt Güstrow.


1) Gleich westlich von dieser Ecke grenzte das Land Parchim an das Land Bützow, sicher mit Lübzin gegen Boitin; vgl. Jahrb. XI., S. 248.
2) Vgl. Urk. Samml. Nr. II.
3) Vgl. Urk. Samml. Nr. I.
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Dieser See Bisdede möchte der See sein, in welchem eine in den Zügen der Dänen nach Wenden erwähnte wendische Burg lag (vgl. Balt. Stud. X, 2, S. 162, und etersen Züge der Dänen nach Wenden, a. a. O.). Der Dänenkönig Kanut landete mit seinem Heere im Herbst 1184 bei Strela (Stralsund), durchzog das Land Tribuses und drang durch den weiten Circipaner=Morast (an der Trebel) in das Land Circipene zur Stadt Lubechinka (Lübchin); als er von hier auf Demmin ziehen wollte, gelangte er zu einem reichen Flecken oder der Kaufstadt der Circipaner (Gnoyen?); das Heer vertheilt sich und er dringt, die Kaufstadt verwüstend, in das Land Tribiden und verbrennt das Land weit und breit. Nachdem die Dänen noch durch große Wälder gerückt sind, finden sie in der Nähe eines Dorfes eine durch eine Brücke mit dem Lande verbundene Burg mit einem Thurme, welche von einem so großen Wasser umgeben war, daß man es mit Schiffen befahren konnte. Der Burgherr (princeps civitatis) Ottmar bricht die Brücke ab, kann aber die Eroberung der Burg nicht hindern. Dann zieht sich das dänische Heer zurück.

Wahrscheinlich ist diese Burg der oben (S. 9) genannte Burgwall bei Bölkow auf einer Landzunge im See Bisdede, der Schön=Insel gegenüber, welcher einer nähern Untersuchung 1 ) werth ist, und vielleicht die oben S. 25 erwähnte, in der Urkunde vom J. 1171 genannte Burg Bridder, deren Name sich durch die in der Urkunde vom J. 1233 gebrauchte Form des Seenamens Birdede aus Bisdede vermitteln ließe. In der That paßt hierzu kaum eine


1) Der Herr Pastor Marggraf zu Badendik hat über die jetzt in seiner Pfarre liegenden Burgwälle gütigst einige vorläufige Untersuchungen angestellt und seine Beobachtungen für die Jahrbücher mitgetheilt:
1) "Der "Burgwall" bei Bölkow ist auf der schmettauschen Charte richtig angegeben und befindet sich auf einer Landzunge, welche von Bölkow aus in den See gegen die Schöninel reicht und vom Lande durch eine Wiese abgesperrt ist. Er gehört den Büdnern zu Bölkow und wird von denselben bis auf einen kleinen mit Buschwerk bewachsenen Theil beackert. Gefunden hat man bisher nichts Alterthümliches, wenigstens versichern dies die ältesten jetzigen Besitzer desselben."
2) "Anlangend den zweiten Burgwall, welcher Ihrer Angabe nach in einem alten Schlag=Register in der "Borgwald=Wiese" auf der Kirch=Rosiner Feldmark verzeichnet sein soll, so liegt derselbe im Klueßer Forst=Reviere unweit der beide Feldmarken scheidenden Nebel und wird von derselben durch ein Moor getrennt. Uebrigens ist dieser Burgwall von ansehnlichem Umfange und von einem tiefen Ellernbruche eingeschlossen, welches unter dem Namen "Burgwallsbruch" bekannt ist. Ein Weg führt nach dem Buchenholze, welches die Nebel begrenzt und an dessen Rande die sogenannte "Borgwallwiese" oder richtiger "Borgwaldwiese" gelegen ist. Auf diesem Burgwalle steht nur wenig Gebüsch, aber an den Seiten stehen viele Fliederbäume, weshalb die Leute ihn gewöhnlich "Fliederwall" nennen. Von altem Mauerwerke ist außer einigen Feldsteinen gewöhnlicher Art nichts wahrzunehmen; Spuren alter Befestigung finden sich nicht außer einem verschütteten Wallgraben."
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andere Localität, als die der genannten Feste, welche zwei kleine Tagereisen, ungefähr 6 Meilen, von Lübchin liegt. Es giebt hier nirgends anders ein Wasser, welches mit Schiffen nach alter Art befahren werden könnte. Die Burgen in jenen Gegenden, auf welche man gerathen hat, z. B. Wasdow, sind gewöhnliche, historische Rittersitze aus dem Mittelalter. Vor dem See Bisdede dehnen sich noch heute seit dem Anfange des 13. Jahrh. namhafte Waldungen aus z. B. der Primer und Dewinkel. - Es würde außerdem nur der See von Teterow passen. - Uebrigens verdienen die Gegend von Teterow und Lübchin eine gründliche Untersuchung.

Die beiden Namen Bisdede und Tribedne wechseln aber auch scheinbar für dieselbe Gegend mit einander ab.

Bei der Stiftung des Doms zu Güstrow war der Bischof von Schwerin noch im factischen Besitze seiner Rechte über das Land Circipanien, welches mit Recht zu seinem Sprengel gehörte. Bald aber begannen die Uebergriffe des caminer Bischofes, welche durch die Gewalt der demminer Herren unterstützt wurden. Am 16. October 1235 schenkte der Bischof Conrad von Camin 1 ) der Domkirche zu Güstrow die Zehnten von 60 Hufen im Lande Circipanien, aus den Dörfern Dehmen (Damene), Jahmen, Deutsch Bützin, Klein Dalwitz, Granzow, Wendisch Methling und Beestland, welche in geringen Entfernungen von einander zwischen Güstrow und Demmin liegen, und bestimmte die Zehnten von 40 Hufen zur Stiftung von Präbenden und die Zehnten von 20 Hufen zum gemeinschaftlichen Gebrauche der Domherren; ferner schenkte er den Domherren die Zehnten von 3 Hufen in denselben Dörfern zu jährlichen Memorien für sich 2 ); außerdem verlieh er dem Domstifte das Archidiakonat mit der Seelsorge über das ganze Land Bisdede oder Tribedne:

"archidiaconatum cum cura animarum per totam terram Bisdede siue Tribedne"

so daß die Domherren einen aus ihrer Mitte zur Verwaltung dieses Amtes wählen und präsentiren sollten. An demselben Tage bestätigte 3 ) der Bischof diese Schenkungen auch dem Convent der Domherren, unter der Bedingung, daß sie ihrem Dechanten den schuldigen Gehorsam nach den Statuten des caminer Bisthums leisteten, und versicherte ihnen namentlich das Recht zur Wahl


1) Vgl. Urk. Samml. Nr. III.
2) In der Urkunde macht die Zahl der einzeln aufgezählten Hufen die Summe von 64; dieses Versehen ist in der Urkunde vom 24. September 1255 so verbessert, daß aus Jahmen die Zehnten von nur 9 Hufen, statt früher aus 10, an das Dom=Capitel gehen sollten.
3) Vgl. Urk. Samml. Nr. IV.
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eines Archidiakonus für das Archidiakonat Bisdede aus ihrer Mitte:

"in archidiaconatu Bisdede."

In dieser Urkunde ist das Archidiakonat nur "Bisdede" genannt, während es in der andern Urkunde "Bisdede oder Tribedne" genannt wird.

An den Rand der beiden Urkunden ist aber im 15. Jahrhundert beigeschrieben, daß das "Archidiakonat von Bisdede" jetzt die "Präpositur Güstrow" genannt werde:

"de archidiaconatu in Bisdede nunc in preposituram Gustrowensem mutato,"

und

"de archidiaconatu in Besdede que nunc prepositura Gustrowensis dicitur."

Es wurden also für denselben Landstrich die verschiedenen Namen Land und Archidiakonat Bisdede oder Tribedne und Propstei Güstrow gebraucht. Dieser kirchliche District konnte sich nur östlich von dem bischöflich=schwerinschen Lande Bützow erstrecken. 1 )

Im Folge solcher Uebergriffe verband sich im J. 1236 der Bischof Brunward von Schwerin mit den Fürsten Johann von Meklenburg und Borwin von Rostock zur Wiedereroberung der ihm von dem Bischofe von Camin entrissenen Zehnten (vgl. Mekl. Urk. III, S. 81-86). Mit dem Fürsten Nicolaus von Werle oder Güstrow war ein solches Bündniß wohl nicht gut einzugehen, da der Streit sich grade um einen großen Theil seines Landes handelte, und der Bischof von Camin nach den Urkunden in jenen Zeiten gleich mit dem Kirchenbanne bei der Hand war (vgl. die beiden Urk. vom 16. Oct. 1235).

Der Streit dauerte lange. In den J. 1240 und 1241 erließ der Papst Commissorien, sogar an den König von Dänemark, den Bischof von Schwerin "in den Besitz von Circipanien" einzusetzen (vgl. Mekl. Urk. III, Nr. 31 u. 32). Vergebens ward im J. 1247 zwischen beiden Bischöfen ein Vertrag beredet (Mekl. Urk. III, Nr. 33); der Bischof von Schwerin konnte nicht zu seinem Rechte gelangen. Am 24 Sept. 1255 sprach der Bischof Herrmann von Camin bei der Bestätigung der dem Dom=Capitel am 16. Oct. 1235 von dem Bischofe Conrad verliehenen Zehnten aus 63 Hufen feierlich aus, daß er endlich die Zehnten aus dem Lande Circi=


1) Die Präpositur Güstrow kommt äußerst selten vor; sie ist bis jetzt nur durch zwei Pfarrverleihungen, zu Teterow von 1503 (vgl. Urk. XIX) und zu Schorssow von 1510, genau bekannt; hiernach dürfte sich die Präpositur Güstrow über ganz Circipanien erstreckt haben.
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panien mit vielen Mühen und Kosten errungen habe! 1 ) Aber auch dies war eine Gewaltübung. Der Papst mußte eine Commission mit dem Bischofe von Ratzeburg an der Spitze delegiren; dieser befahl im J. 1257 den Fürsten Nicolaus von Werle und Borwin von Rostock, den Bischof von Schwerin

"in die Possession der Oerter Bisden, Tribeden und Cirspen einzusetzen"

(vgl. Mekl. Urk. III, Nr. 41, 42, 43, 45, 46). Dagegen wurden dem schweriner Bischofe im J. 1258 sogar Zehnten aus seinem unzweifelhaften Gebiete, aus Alt=Güstrow, Camin, Kätewin und Sukow, entzogen und die

"Zehnten im Lande Trybeden und Gnoigen"

noch immer nicht eingeräumt (Mekl. Urk. III, Nr. 47). Erst im J. 1260 endigte der Streit zum Nachtheile des Bischofes von Schwerin, welcher der lange geübten Gewalt wich (vgl. Mekl. Urk. III, Nr. 48-50).

Nicht lange nach dieser Zeit erwarb der Bischof von Camin selbst in der schönen Gegend von Malchin, in der Mitte des Landes Circipanien, die Güter Remplin und Raden (vgl. Lisch Gesch. des Geschl. Hahn I, A, S. 84 flgd.).

Aus diesen Verhandlungen, zusammengehalten mit den übrigen urkundlichen Angaben, sieht man klar, daß die Namen Bisdede, Tribedne und Circipanien im Laufe des 13. Jahrh. für dieselbe Gegend gebraucht wurden. Wir haben die Längenausdehnung aus den Ortschaften zwischen Demmin und Güstrow kennen gelernt. Wurden aber auch für diesen Landstrich verschiedene Namen gebraucht, so lassen sich doch in denselben General= und Specialbeziehungen erkennen.

Circipene ist nach vielen andern Angaben der allgegemeine Name für das Land östlich vom Lande Bützow zwischen Reknitz, Pene und Trebel und über diesen letztern Fluß hinaus.

Bisdede und Tribedne sind Namen der Hauptunterabtheilungen des Landes Circipene.

Bisdede ist der Name für den westlichsten Theil des Landes Circipene, in welchem der See Bisdede lag, das spätere Land Güstrow, wie denn auch das Archidiakonat Bisdede von dem Hauptorte in der Nähe des Collegiatstifts Güstrow später Propstei Güstrow genannt ward.

Tribedne ist der Name für den östlichen Theil des Landes Circipene, so weit es in dem jetzigen Meklenburg liegt, das spätere Land Gnoyen; daher wird es in den Dänenzügen


1) Vgl. Urk. Samml. Nr. V.
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auch immer sogleich genannt, wenn die Heere die Trebel=Moore überschritten haben; daher wurden im J. 1258 die Zehnten aus jenen Gegenden auch die "Zehnten im Lande "Tribeden und Gnoien" genannt. Leider fehlen die Original=Urkunden, welche deutlich geredet haben würden; vielleicht finden sie sich noch in Pommern.

Da jedoch die Namen Bisdede und Tribedne häufig zur Bezeichnung Eines Landes gebraucht werden, so ist es auch möglich, daß das im jetzigen Meklenburg liegende Circipene im Allgemeinen Land Tribedne genannt ward, dessen westlicher Theil den besondern Namen Bisdede führte.


Dies ist alles, was man aus den allgemeinen Angaben der Urkunden entnehmen kann. Es läßt sich aber die Lage des Landes Circipene, und damit der Länder Bisdede und Tribedne, noch weiter verfolgen, wenn man die Diöcesan=Grenzen, welche mit den Landes=Grenzen zusammenfallen, genauer erforscht. Die urkundliche Erforschung dieses wichtigen, fast noch gar nicht behandelten Themas 1 ) muß einer andern Zeit vorbehalten bleiben; gegenwärtig wird das Resultat vieljähriger, umfassender und sicherer Urkundenforschungen zur Gewinnung einer Uebersicht genügen.

Im äußersten Westen bildeten die östlichen Grenzen des bischöflich=schwerinschen Landes Bützow die Bisthumsgrenzen: der parumer Bach (oder die Parmenitz) und der parumer See. Dann aber traten die Pfarren Kirch=Geetz (jetzt Karchgeetz oder Karcheetz) und Gr. Upahl über die Grenzen des Landes Bützow hinaus. Hier grenzten die Pfarren des bischöflich=schwerinschen Archidiakonats Dobbertin: Karcheetz, Gr. Upahl und Lohmen an die Pfarren Güstrow, Badendik und Zehna caminschen Sprengels; diese letztern drei Pfarren gehörten urkundlich zum Bisthume Camin. Es war im äußersten Westen also die Gegend um den See Bisdede oder das Land Bisdede im engern Sinne, welches die Westgrenze des Bisthums Camin bildete.

Die Gegend unmittelbar bei Güstrow bedarf aber einer besondern Aufklärung. Die nordwestliche Grenze bei Güstrow ging bis an den parumer See. Die nordöstliche Grenze


1) Die in dem meklenburgischen Staatskalender bei den Präposituren durch den Anfangsbuchstaben des betreffenden Bisthums angegebenen Diöcesangrenzen sind häufig nicht richtig; so z. B. wird die Präpositur Lüssow dem Bisthume Camin zugeschrieben, während sie ganz zum Bisthume Schwerin gehörte; die Präpositur Krakow gehörte zum größten Theile zum Bisthume Camin u. s. w.
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des caminer Bisthums bildete aber genau die Nebel, ohne Ansehen der politischen Grenzen; daher gehörte die neue, d.h. die jetzige Stadt Güstrow, mit der S. Gertruden=Kirche vor dem Hageböker Thore, am linken Ufer der Nebel, zum Bisthume Camin, die Altstadt Güstrow aber, mit der S. Georgen=Kirche vor dem Mühlenthore, am rechten Ufer der Nebel, ebenso das nahe Dorf Sukow und die Pfarre Lüssow, ebenfalls am rechten Nebelufer, zum Bisthume Schwerin.

Die nordöstliche Grenze des Bisthums Camin bei Güstrow bildete also die Nebel und umfaßte noch die Nebelzuflüsse aus dem Primer=Walde und darüber hinaus: die Pfarre Reinshagen, sicher mit den Ortschaften Gremmelin und Dehmen, und die Pfarre Rosin. In dem Qnelllande der Nebel und der Reknitz berührten sich an dieser Ecke beide Diöcesen.

Die weitere Nordwestgrenze gegen das schwerinsche Archidiakonat Rostock bildete im Allgemeinen der Fluß Reknitz, jedoch mit einigen Abweichungen. Die Städte an der Reknitz: Lage, Tessin und Sülz gehörten zum Bisthume Schwerin. Besonders aber gehörte die Vogtei Lage zum schweriner Sprengel, und namentlich die ganze Pfarre Reknitz, sicher auch mit der Ortschaft Glasewitz, Dehmen gegenüber, und dem Schlosse Rossewitz; ferner lagen noch in der Diöcese Schwerin die Ortschaften Vippernitz und Ridsenow. Von hier an aber fielen die Diöcesangrenzen in dem Reknitzflusse zusammen; es gehörten zum Bisthume Camin die Pfarren Warnkenhagen, Belitz, Polchow, Walkendorf, Basse, Vilz, Thelkow.

Längs der Trebel grenzte von Pommern her bis Gnoien gegenüber das bischöflich=schwerinsche Archidiakonat Triebsees 1 ) (also auch das Land Triebsees), welches seine Südgrenze zwischen Grimme und Loitz hatte.

Das Land Circipene endigte im Osten im Zusammenflusse der Trebel und Tollense mit der Pene bei Demmin. Das Gebiet des Klosters Dargun, welche bis an diese Gewässer reichte, war der östlichste Punct des Landes Circipine; die Kirche zu Dargun war die erste christliche Stiftung in diesem Lande. Die Zacharien=Mühle bei Demmin lag urkundlich schon im Lande Tolenze.

Schwieriger ist die Südgrenze des Bisthums Camin zu bestimmen: beginnen wir mit der südlichsten Ecke. Hier ge=


1) Terra Circipanorum, quae "Tribuses contigua erat." Arnoldus Lub. IV, 6. 7.
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hörte das Land Stargard oder das jetzige Großherzogthum Meklenburg=Strelitz, namentlich so weit es in alten Zeiten zu Pommern gehört hatte, zum Bisthume Havelberg. 1 ) Im Norden dieses Landstriches lagen die alten Besitzungen des Klosters Broda: die Pfarren Neu=Brandenburg, Weitin, Wolkenzin, im havelberger Bisthume; dagegen gehörte die Pfarre Chemnitz schon zum Bisthume Camin. Im Süden waren die Pfarren Penzlin, Lukow und Ankershagen havelbergisch. Dann trat gegen Westen hin das schwerinsche Archidiakonat Waren oder das Land Malchow als Grenze ein: hier lagen die Pfarren Gr. Varchow, Varchentin, Gr. Gievitz, Rittermanshagen, Vielist, Lütgendorf, Wangelin (mit Liepen), Kieth (mit Linstow), beide so weit das Land Malchow reichte, im Bisthume Schwerin; gegenüber lagen das ganze Gebiet des Klosters Ivenack, die Pfarre Stavenhagen, die Pfarre Kasdorf, (wahrscheinlich die Pfarre Kittendorf), die Pfarre Zettemin (mit der ganzen pommerschen Enclave), die Pfarren Malchin, Gielow und Basedow, die Pfarren Schwinkendorf und Rambow im Bisthume Camin. Man kann also hier das weite Quellland der Penegewässer als Grenze des Bisthums Camin annehmen.

Es bleibt für die Grenzen des Bisthums Camin also nur die kurze Strecke von Rambow bis Zehna zu erforschen übrig. Da Carow und Damerow im Bisthume Schwerin lagen, die Pfarre Krakow jedoch urkundlich schon zum Bisthume Camin gehörte, so läßt sich annehmen, daß hier die Grenze des Bisthums Camin in den Amtsgrenzen lag, also die Pfarren Grubenhagen, Serrahn, Krakow und Bellin, welche sicher nicht zum Bisthume Schwerin gehörten, die südwestlichen Grenzpfarren des Bisthums Camin bildeten.

Es lassen sich daher die Naturgrenzen des Landes Circipene, d. i. der Länder Bisdede (im Westen) und Tribedne (im Osten), oder des in Meklenburg liegenden Theiles des Bisthums Camin, des Archidiakonats Güstrow, in einem gegen Pommern geöffneten Dreieck, also feststellen:

gegen Norden hin der See von Parum, die Nebel mit ihrem Quelllande, die Reknitz, mit Ausnahme der Vogtei Lage, und die Trebel, ferner gegen Süden vom parumer und geetzer See durch den krakower See gegen die Südecke des malchiner Sees über das Quellland der Pene bis gegen die Tolenze.

Genauer werden die Pfarren die Grenzen angeben:


1) Die Untersuchungen v. Ledebur's in dessen Archiv, XI, S. 27, über die Grenzen des havelberger Sprengels geben über diese Gegend nichts.
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Grenzen des Landes Circipene.

Nördliche Grenze.
Bisthum Camin. Bisthum Schwerin.
Pfarre Pfarre
Güstrow Parum
Reinshagen Lüssow
Warnkenhagen Reknitz
Belitz Lage
Polchow Camin
Vilz Tessin
Thelkow Kölzow
Lübchin Sülz
Gnoien Triebsees
Wasdow. Nehringen.
Kloster Dargun an der Ostgrenze.
Südliche Grenze.
Bisthum Camin. Bisthum Schwerin.
Pfarre Pfarre
Güstrow Karcheetz
Badendik, Rosin Gr. Upahl
Zehna Lohmen
Bellin Kirch=Kogel (?)
Crakow Poserin, Carow
Serrahn Kieth
Grubenhagen Lütgendorf
Rambow Vielist
Schwinkendorf Rittermanshagen
Zettemin Gr. Giewitz
Kittendorf Varchentin
Kastorf. Gr. Varchow.
Bisthum Camin. Bisthum Havelberg.
Möllen? Gr. Lukow
Chemnitz. Weitin.
Kloster Ivenack an der Ostgrenze.

In der Mitte der cummerower See.

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Diese ungefähren, jedoch sichern Andeutungen werden vielen andern und wichtigen Forschungen einen möglichst sichern Boden geben. Die Grenzen des Landes Circipene scheinen durch die nachgewiesenen Diöcesan=Grenzen gesichert zu sein. Damit soll aber nicht gesagt sein, daß die Gaue Bisdede und Tribedne sich ganz in dieses Land theilten. Bisdede und Tribedne waren wohl nur die nördlichen Theile, mit den Ländern Güstrow und Gnoyen congruirend. Im südlichen Theile lagen andere Länder, wie die Vogtei Teterow, die Vogtei Malchin, das Land Hart bei Neu=Kalden, das Land Tuzen bei Stavenhagen und Ivenack, das Land Gotebende bei Gädebehn gegen Neu=Brandenburg hin, das Land Schlön bei Waren. Untersuchungen an Ort und Stelle werden jedenfalls mit der Zeit noch mehr Aufklärung geben, da es scheint, daß jeder Gau zur Wendenzeit eine eigene Hauptburg hatte; die Auffindung großer wendischer Burgwälle in Mooren wird also noch viel zur Aufhellung beitragen können.

 


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III.

Ueber

Ernst von Kirchberg,

Verfasser der meklenburgischen Reimchronik vom Jahre 1378,

von

G. C. F. Lisch.


D ie deutschen Ostseeländer besitzen in der meklenburgischen Reim=Chronik des Ernst von Kirchberg vom Jahre 1378 ein in diesen Ländern einziges Werk, welches in vieler Hinsicht sehr beachtenswerth und wichtig ist, wenn es auch den hohen Werth der lübischen Chroniken, einer Hauptquelle mittelalterlicher Geschichte, lange nicht erreicht. Die Originalhandschrift auf Pergament in Groß=Folio bewahrt das großherzoglich=meklenburgische Geheime und Haupt= Archiv zu Schwerin; ein nicht sehr correcter, bisher der einzige Abdruck ist in v. Westphalen Mon. ined. IV, p. 594-846, enthalten. Der erste, in nachstehenden Zeilen mitgetheilte Abschnitt, in welchem der Verfasser sich selbst, seinen Zweck und seine Zeit nennt, giebt eine klare Anschauung von dem dichterischen Gehalt und der Form des Werkes.

Miniaturbild.      Thema.
O et alpha, kyrios,
Emanuel et yschiros,
Altissimus, almechtig,
dyn gnade sy betrechtig,
  God vatir, son, heiligir geyst,
gib mir dyn helfe vnd euch volleyst,
du eynich god vnd drylich genennet,
myn ynnekeyt daz wol irkennet,
daz an dyne helfe nicht
volkumen mak in keyner schicht,
Seite dauerhaft verlinken Seite als Digitalisat öffnen Seite 37 zur ersten Seite zur vorherigen Seite zur nächsten Seite zur letzen Seite
  sint du bist anbegyn vnd ende:
so ruche heylant myn vnd sende
mir kunstelosen hartin
vz dyner kunste gartin
getichte, daz virnemelich
sy vnd dir, vatir, lobelich.
Mit geblumeten worten cziren,
virnunft rethorisiren,
des bin ich leyder gar eyn kynt
vnd an kunstlicher witze blynt,
virdummet vnd virnarred,
dar vm nach hulfe harred,
nach kunst vnd nach genaden stur;
zu wylde ist mir vil ebentur
zu sagen vnd zu kunden
virnemelich vz grunden,
dy ich kunstenloser man
hy vor mich genomen han:
kunde ich dy sunder strafin
gecziren vnd geczafin,
daz were mir gelinges gold.
Der gude prister Helmold
hat in latinischer czungen
von alden vnd von iungen
Wentlanden vnd der herren geschicht
der gemeynen fulg virgeszin nicht;
her wolde vnd hat geticht von yn
ir virlust vnd ir gewyn
vnd von aldens her ir leben
hat her bescrieben eben:
sus hat her der behende
dy croniken der Wende
bescriebin vns gar meystirlich
vnd dy getichtet lobelich
mit stoltzen spruchin in der kunst.
Almechtig god, gib mir virnunst,
daz ich des volkumme nu,
mit dutschen worten bringe zu
ryme vnd zu gudem synne,
daz mich mit gantzer mynne
eyn getruwir furste tichten bad,
der von gelimphe ny getrad,
in eren milde vnt da by kurg,
herczoge Albrecht von Meklenburg,
Seite dauerhaft verlinken Seite als Digitalisat öffnen Seite 38 zur ersten Seite zur vorherigen Seite zur nächsten Seite zur letzen Seite
  des dy laut Obotritin syn
vnd ist eyn greue zu Sweryn,
Rostokir herschaft vnd Stargartin
gehoren an den fursten hartin;
syn mildigheit mich dar czu bant,
daz ich mich des vndirwant:
mit myner kleynen kunste phlichte
nam ich vor so dyt getichte.
Maria mutir vnde mayd,
bis hulfe mir y nicht vorczayd,
daz mir also gelinge,
daz ich dit buch vollinbringe
virnemlich mit getichtes kunst,
gyb mir rethoriklichen brunst
in ynnygheit myns herczin,
daz ich nachstrafynder smertzin
blybe sichir vnde fry;
des hilff mir ouch adonay,
daz ich der materien gang
nicht zu kurtz vnd nicht zu lang
mit warheit so betrachte,
daz ich mit keyner slachte
strafe moge syn bevallin,
ob mit mir ymant syn schallin
habin wolde durch myn vnkunst
vnd durch myne kindische virnunst;
nu hilf mir vort eynborner son,
du hoher tetragramaton.
Daz dyt buch so wart irhabin
dutsch vz latinischin buchstabin
vmb herczogin Albrechtis bede gar,
daz was du man screib tusint iar
dryhundert achte vnd sybenczig vord
also lange nach godes gebord;
vf den frytag nach epyphany,
du bestunt ich kunsten fry
dyt buch zu puren vnd zu fynen
dudisch gar vz den latinen
vnd hub an also dyt werg:
daz ted ich Ernst von Kirchberg.
Wo hern Helmoldes getichte want,
da suchte ich vorbaz, da ich vant
me croniken sunder lassin,
der Romer vnd der Sassin
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  vnd der von Thenemarkin rich,
dy mich vnderwyseten glich,
des ich hy nicht vinden kunde,
vnd irfur ys vz manigem munde,
so ich allirbeste mochte,
vnd daz ez mir zu wiszin tochte,
vnd waz ich kunde irfarin y
daz han ich belichtet hy,
wo ich es kunde bevragin
mit worheit sunder czagin,
des han ich gespart nicht
nach myner ynniglichen phlicht,
myn sichtekliches sehen
vnd myner vrage spehen,
der ich wielt zu mancher stunde,
von man zu manne, von munt zu munde,
von buchin hin zu buchin.
God hilf, daz ich myn suchin
so ydelich icht habe getan,
daz mich doch ymant strafe dran.

Aus dieser Probe sieht man, daß das Werk eine mittelhochdeutsche Dichtung ist, wenn auch grade nicht hohen Schwunges.

Zur Beurtheilung des historischen Werthes der Chronik und der Geistesrichtung ihres Urhebers ist es nun von wesentlicher Bedeutung, zu wissen, was für ein Vaterland und was für einen Stand der Verfasser gehabt habe. In der Chronik selbst sind keine Andeutungen hierüber enthalten; Urkunden reden über den Verfasser auch nicht, ja es wird selbst sein Name außer der Chronik nicht weiter genannt. Daher sind auch die Urteile über die Chronik und ihren Verfasser zu allen Zeiten sehr verschieden gewesen, je nachdem die Geschichtschreiber diese oder jene vorgefaßte Meinung über ihn gehabt haben.

Die ältern Geschichtschreiber sind der Ansicht, Ernst von Kirchberg sei ein meklenburgischer Edelmann, und zwar weltlichen Standes gewesen.

Der meklenburgische Archivar Schultz im Anfange des vorigen Jahrhunderts sagt in einer Abhandlung über das meklenburgische Wappen, E. v. Kirchberg sei ein

"eingeborner meklenburgischer Edelmann und des Königs von Schweden, auch Herzog Albrecht II. von Meklenburg Hofbedienter"

gewesen.

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Eine gleiche Ansicht stellt auch Franck A. u. N. M. VI, S. 308, auf, wenn er sagt:

"Bis hieher hat auch Mecklenburgs erster einheimischer Geschicht=Schreiber gelebt. Es war derselbe Ernst von Kirchberg, welcher für einen Mecklenburgischen Edelmann gehalten wird, dessen Geschlecht sich sonst die Kerbergen genannt, und seine Güter im Ampt Wredenhagen zu Retzow und Crümmel hatte. Er ist bey dem Hertzoge Albrecht und dessen Sohn, dem König Albrecht von Schweden, als Raht in Diensten gestanden."

Dagegen sagt Rudloff, M. G. II, 2, S. 441 flgd., obwohl er aus den Quellen schöpfte und mit gediegener Kritik prüfte:

"Ein Mecklenburgischer Edelmann, wie man gemeiniglich dafür hält, ist Ernst von Kirchberg sicherlich nicht gewesen: das beweiset schon der Name, die Sprache und die ganze Arbeit. Merkwürdig ist es zwar, daß genau um eben die Zeit, wo der Geschichtschreiber lebte, (1370, Aug. 29) ein Beteke von Kerkberge von Otto Retzow einen Antheil in Loyßow kaufte und (1374, Aug. 24) dem Knapen Jacob Tzartewißen einen Antheil in Reddechlin verkaufte. Allein eben so merkwürdig ist es auch, daß vor dieser Zeit keine Spur dieser Familie in Mecklenburg anzutreffen ist. So wahrscheinlich es also hiedurch wird, daß selbige erst um diese Zeit sich in Mecklenburg niedergelassen hat, so gewis ist es dagegen, daß Chroniken, besonders in hochdeutschen Reimen zu schreiben, damals eben nicht die Sache des hiesigen Adels war. Wenn also Ernst von Kirchberg auch zu jener Familie gehörte, die seitdem in Mecklenburg einheimisch blieb; so war er doch von Geburt ohne Zweifel ein Oberdeutscher und von Metier wahrscheinlich ein Geistlicher, obgleich keine der bisher bekannten vielen Urkunden aus dem Zeitalter, worin seine Chronik geschrieben ist, ihn unter dem herzoglichen Gefolge, oder unter der Geistlichkeit des Landes als Hauptperson oder als Zeugen namhaft macht."

Ihm folgen mehr oder weniger die neuesten Geschichtschreiber: z. B. v. Lützow in seiner M. G. II, S. 331, indem er sagt, daß

"Ernst von Kirchberg aus dem Reiche gebürtig war und vermuthlich erst zu dieser schriftstellerischen Arbeit nach Mecklenburg kam,"

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und Beyer in Jahrb. XI, S. 38, welcher meint, daß

"Ernst von Kirchberg, nach einer wenigstens sehr wahrscheinlichen Vermuthung, ein Mönch des Klosters Doberan"

gewesen sei.

Alle diese Ansichten sind auf nichts weiter begründet, als auf die Kunst und die Sprache des Verfassers und auf die Tendenz, welche die Geschichtschreiber in seinem Werke zu erkennen glaubten.

Bevor die besondere historische Untersuchung beginnt, müssen diese Ansichten der Geschichtschreiber beleuchtet werden; dies kann in unsern Zeiten sehr kurz und ohne Beweismittel geschehen, da Deutschland hierüber eine überaus reiche, gesicherte Literatur besitzt. Es bedarf nur einer einfachen Hinweisung.

Die Chronik des E. v. Kirchberg ist in mittelhochdeutscher Sprache in Reimversen abgefaßt, ist also ein Stück von mittelhochdeutscher Poesie. Die allgemein gebräuchliche Sprache der Poesie im Mittelalter, vom Anfange des 12. Jahrh. bis in das 15. Jahrh., war aber jene unter den Hohenstaufen ausgebildete oberdeutsche Sprache, welche wir jetzt in der Wissenschaft die mittelhochdeutsche nennen; diese Sprache war damals eben so allgemein verständlich, wie jetzt die ihr sehr nahe stehende hochdeutsche Schriftsprache, und war allgemein angenommene Form für alle Dichtung, namentlich an den Höfen: es giebt in jener Zeit kaum andere Dichterwerke, als mittelhochdeutsche.

Die Form der Reimchronik ist also durchaus kein Beweis für die oberdeutsche Herkunft ihres Verfassers. Der Dichter mußte nach der herrschenden Sitte der Zeit in dieser Sprache dichten, zumal er für den Fürsten und dessen Hof schrieb, er mochte geboren und erzogen sein, wo er wollte.

Das Vaterland eines mittelhochdeutschen Dichters läßt sich außer den etwanigen historischen Andeutungen in der Regel an den mundartlichen Beimischungen und Eigenthümlichkeiten erkennen, mit denen seine Sprache gefärbt ist. Nun ist es auf den ersten Blick klar, daß nicht nur der ganze Ton, sondern auch die Sprache Kirchbergs sehr häufig niederdeutsch anklingt: z. B. in dem häufigen dyt statt diz, in dem häufigen drad, auf tad reimend, statt drate, in mudir (statt muter), auf brudir reimend, in Formen wie worheit statt warheit, bede u. s. w.

Dergleichen niederdeutsche Eigenthümlichkeiten, die in der Originalhandschrift wohl nicht auf Rechnung des Schreibers kommen können, begegnen dem Leser sehr häufig. Man ist daher zu dem Schlusse berechtigt, daß E. v. Kirchberg ein Niederdeutscher gewesen sei.

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Eben so wenig läßt sich daraus, daß E. v. Kirchberg die Chronik abgefaßt habe, schließen, daß er ein Geistlicher gewesen sein müsse, weil "man die Kunst, zu schreiben und zu dichten, gerne den Geistlichen überließ" (Rudloff). Es ist jetzt allgemein bekannt, daß bei weitem die meisten Dichter jener Zeit, namentlich die bedeutendsten, wie "her Wolfram von Eschenbach, her Walther von der Vogelweide, her Hartmann von der Aue" und unzählige andere, Ritter oder rittermäßiger Herkunft waren. Das Dichten war zu jener Zeit eine Lieblingsbeschäftigung des Ritterstandes; das Schreiben besorgte allerdings die Geistlichkeit. Geschrieben hat E. v. Kirchberg die Handschrift sicher nicht; aber er brauchte kein Geistlicher zu sein, um die Dichtung auszuführen. Es läßt sich also aus dem Vorhandensein der Dichtung nicht anders auf den Stand des Dichters schließen, als daß er aller Wahrscheinlichkeit nach von ritterlichem Geschlechte gewesen sei.

E. v. Kirchberg hat häufig das Kloster Doberan genannt und ohne Zweifel die doberaner Quellen benutzt. Man hat hieraus schließen wollen, er sei ein Mönch des Klosters gewesen: gewiß mit Unrecht. Die Abtei Doberan war das älteste, reichste und angesehenste Mönchskloster im ganzen Lande, Hauptbegräbnißort der Fürsten aller Linien, Besitzerin eines reichen Urkundenschatzes und vieler Aufzeichnungen (vgl. die doberaner Genealogie in Jahrb. XI, S. 1 flgd.) und Ueberlieferungen, und Lieblingsaufenthalt der Fürsten, welche in dem nicht weit vom Meere reizend gelegenen, reichen Kloster häufig Ablager hielten. Es ist daher mehr als wahrscheinlich, daß jeder Geschichtschreiber des meklenburgischen Mittelalters in Doberan seine Studien machen mußte und hier allein vorzüglich machen konnte, zumal wenn er von den Landesherren begünstigt ward. Es läßt sich also auch aus der Benutzung der doberaner Quellen keineswegs folgern, daß E. v. Kirchberg dem Kloster Doberan angehört habe.

Alles dieses ist so bekannt und gesichert, daß es keines Beweises und keiner Kritik bedarf.

Es bleibt also aus den früher aufgestellten Ansichten nur die zur Prüfung übrig, ob E. v. Kirchberg dem rittermäßigen Geschlecht der von Kerkberg angehört habe; sie allein kann fruchtbar werden und wurzelt allein in historischem Boden. Franck scheint diese Ansicht zuerst aufgestellt zu haben; Rudloff folgte ihr um so lieber, als er die alten Originalurkunden des schweriner Archivs über diese Familie kannte. Allerdings muß man dieser Ansicht beipflichten; der Name Kirchberg ist nichts weiter, als eine niederdeutsche Form des Namens Kerkberg.

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Bevor aber der Beweis geführt werden kann, von welcher Herkunft und von welchem Stande Ernst von Kirchberg gewesen sei, ist es nöthig, daß man eine klare, möglichst vollständige Einsicht in die Geschichte der Familie von Kerkberg oder von Kerberg gewinne.

Vor dem Jahre 1370 kommt in Meklenburg kein Kerkberg vor. Die einzige Person dieses Namens in frühern Zeiten ist ein "magister Hinricus de Kircberg", welcher in einer dargunschen Urkunde der pommerschen Herzoge am 1. Febr. 1292 als Geistlicher ("clericus") unter den Zeugen genannt wird.


Die Familie von Kerkberg.

Die Familie von Kerkberg oder Kerberg 1 ) war eine märkische Vasallenfamilie, welche ihre Stammgüter in der Nähe von Pritzwalk hatte. Das Gut Kerberg oder Kehrberg, südlich von dieser Stadt, war ohne Zweifel seit alter Zeit der Rittersitz des Geschlechts; neben demselben lagen andere den von Kerkberg gehörende Dörfer. Wir lernen die Familie in alter Zeit vorzüglich, und fast allein, aus ihren Verhältnissen zu dem zwischen Witstock und Pritzwalk gelegenen Kloster zum Heiligen Grabe kennen, dessen vorzüglichste Güter östlich von der Stadt Pritzwalk und den kerkbergschen Gütern lagen. Zuerst begegnen wir einem Hampo de Kerberc im J. 1326 im Gefolge des Markgrafen Ludwig von Brandenburg, als dieser dem Kloster zum Heiligen Grabe das Eigenthum der Grävendiksmühle verkaufte (vgl. Riedel Cod. dipl. Brand. I, 1, S. 483, nach der Original=Urkunde); derselbe wird der Ritter "Hampo von Hertberge" sein, welcher am Ende des 13. Jahrh. in einer undadirten Original=Urkunde desselben Klosters (bei Riedel daselbst


1) Als ich diese Abhandlung in die Druckerei geben will, kommt mir durch Vermittelung meines Freundes v. Ledebur zu Berlin dessen Abhandlung: "Der Adel in der Mark Brandenburg nach Wappenbildern gruppirt und auf Stammesgemeinschaft zurückgeführt", in den Märkischen Forschungen des Vereins für Geschichte der Mark Brandenburg, III, Heft 1, 1845, S. 96 flgd., in die Hände. Mein verehrter Freund hat in dieser Abhandlung den ohne Zweifel richtigen Grundsatz aufgestellt, daß trotz verschiedener Namen ein gemeinsamer Wappenschild auf denselben Stammvater zurückführe, und hiernach in der ersten Abtheilung drei Familiengruppen bebandelt. Die Arbeit ist durch die Zusammenstellung interessant, aber die Ansicht ist nicht neu. Bei allen frühern Versuchen dieser Art, auch noch bei v. Ledebur, fehlt immer der urkundliche Beweis, also die Hauptsache; diesen aber habe ich schon im Anfange des Jahres 1844 in der Geschichte des Geschlechts Hahn vollständig geliefert. Für die gegenwärtige Abhandlung ist zu bemerken, daß in v. Ledebur's Abhandlung auch die "Gruppe mit der senkrechten Spitzentheilung" und in dieser auch die Familie v. Kerberg, a. a. O. S. 117, behandelt ist. Da dieser Abschnitt aber nichts wesentlich Neues giebt, so habe ich meine Forschungen nicht umarbeiten wollen sondern etwanige Ergänzungen und Abweichungen in den Noten behandelt.
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S. 479) genannt wird. Im J. 1354 trat Henning von Kercberghe zu Heiligengrabe für Wigalois von Stendal als Bürge für eine Schuld gegen das Kloster ein (vgl. Riedel a. a. O. S. 487). Dies sind die geringen Spuren von dem Geschlechte in ältern Zeiten. Erst nach dem J. 1370 finden sich genauere Nachrichten. Am 23. Junii 1371 zu Kiritz schenkte der Markgraf Otto von Brandenburg dem Kloster zum Heiligen Grabe das Eigenthum und die völlige Freiheit des nördlich an Kerberg grenzenden Dorfes Klein=Woltersdorf, welches bis dahin die Brüder Henning, Beteke und Vivianz von Kerkeberg und Anna, deren Muhme ("patruus", = im deutschen Urkundenstyl: vedderke), seine Vasallen ("nostri fideles dilecti"), von ihm bis dahin zu Lehn getragen hatten (vgl. Riedel a. a. O. S. 489 flgd., nach dem Originale). Wahrscheinlich waren die Genannten, deren Namen die eigenthümlichen Vornamen des Geschlechts sind, die alleinigen damals lebenden Glieder der Familie oder der Linie. Im J. 1380 verkauften die Brüder Heine und Kune von Winterfeld an "Beteke von Kerberch" ihre Renten aus dem bei Kl. Woltersdorf liegenden Dorfe Schönebeck (vgl. Riedel a. a. O. S. 490), welche später auch an das Kloster zum Heiligen Grabe übergingen (vgl. Riedel a. a. O. S. 469). Im J. 1373 wurden die "von Kerkberge" unter der Ritterschaft der Prignitz aufgeführt, als der Markgraf Otto die Stände des Landes zur Huldigung an den Kaiser Carl IV. und dessen Sohn Wenzel wies (vgl. Lenz Marggräfl. Brand. Uhrkunden, S. 424, und Beckmann Mark Br. V, II, S. 28).

Zu derselben Zeit als die von Kerkberg ihr altes märkisches Lehn Kl. Woltersdorf an das Kloster zum Heiligen Grabe veräußerten, findet man die ersten Spuren ihrer Ansässigkeit in den Meklenburgischen Landen. Am 12. Mai 1370 nämlich verkauften die Brüder Otto und Harnit Römer dem Beteke von Kerkberghe und dem Otto Retzow, Gothmars Sohn, das Recht der Einlösung ihres Gutes zu Leussow, welches Otto Retzows Vater seiner Tochter, der Mutter der Brüder Römer, mitgegeben hatte 1 ), und am 29. August 1370 verkaufte Otto Retzow demselben Beteke von Kerkberghe seine Besitzungen in demselben Dorfe Leussow, unter Zustimmung der beiden Brüder Römer 2 ). Das Dorf Leussow, im Amte Mirow, dessen Besitz getheilt gewesen zu sein scheint, ging nach und nach an die Johanniter=Comthurei Mirow über: schon im J. 1273 verlieh der Fürst Nicolaus I.


1) Vgl. Urk. Samml.
2) Vgl. Urk. Samml.
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von Werle derselben 2 Hufen in Leussow mit aller Freiheit (vgl. Jahrb. II, S. 225) und im J. 1296 beschenkte der Fürst sie mit dem Eigenthum und mit der Abgaben= und Dienst=Freiheit derselben Hufen (vgl. Jahrb. II, S. 236 u. 238), zu welcher Handlung die Brüder Otto und Gothmar von Retzow als Zeugen ihre Zustimmung gaben; im J. 1301 verkaufte derselbe Fürst der Comthurei das Eigenthum von 32 1/2 Hufen in demselben Dorfe (vgl. Jahrb. II, S. 243), und im J. 1387 nahm die Comthurei von Wedege von Plate das halbe Dorf Leussow zu Pfande (vgl. Jahrb. II, S. 269): bald darauf erscheint das ganze Dorf, welches noch heute zum Amte Mirow gehört, im Besitze der Comthurei.

Die von Retzow erscheinen schon früh in der Gegend von Röbel und der südlichen Müritz, z. B. der Ritter Gothmar von Retzow 1270, der Ritter Otto von Retzow 1291-1304 und der Knappe und Marschall Gothmar von Retzow 1301, u.a. (vgl. Jahrb. II, S. 223-251). Im J. 1298 verkauften die Brüder Otto, Ritter, und Gothmar, Knappe, von Retzow der Comthurei Mirow das Dorf Gaarz an der Müritz und die Brüder Otto und Heinrich, Ritter, und Gothmar, Marschall, von Retzow gaben zu dieser Veräußerung als Zeugen ihre Zustimmung (vgl. Jahrb. II, S. 239-241). In der Folge werden als alte Lehen der Familien von Retzow die Güter Retzow, Rechlin und Leppin, zwischen dem östlichen Ufer der südlichen Müritz und der Comthurei Mirow, namhaft gemacht. Die von Kerkberg hatten vielfach Theile von diesen Gütern erworben. Die Familie von Retzow soll um das J. 1700 ausgestorben sein (nach v. Gamm in Jahrb. XI, S. 454). Nach den Lehnacten von Retzow war Joachim Ernst von Retzow um das J. 1700 gestorben und hatte nur zwei Töchter hinterlassen. Jedoch lebte noch im J. 1703 im Strelitzischen ein Burchard Friederich von Retzow, welcher damals sein Gut Eickhorst an Jürgen von Oldenburg abtrat. Die von Retzow in der Mark starben im J. 1836 aus: vgl. v. Ledebur in Märk. Forsch. II, S. 387.

Auch in Rechlin müssen damals die v. Retzow Besitzungen an die v. Kerkberg verkauft haben; denn am 24. Aug. 1374 verkaufte Beteke von Kercberghe an den Knappen Jacob Zartewitz 3 Hufen zu Rechlin ("Reddechlin") 1 ).

Der in Meklenburg um diese Zeit als Käufer auftretende Beteke von Kercberg ist höchst wahrscheinlich einer der drei Brüder aus der Mark, welche im J. 1371 das Gut Kl. Woltersdorf an das Kloster zum Heiligen Grabe veräußert hatten.


1) Vgl. Urk. Samml.
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Nach dieser Zeit verschwinden 1 ) die Nachrichten über die Kerkberg oder Kerberg in Meklenburg eine Zeit lang gänzlich, bis sie um den Anfang des 16. Jahrh. 2 ) mit altem Güterbesitze wieder auftreten und sich bis zum Aussterben verfolgen lassen. Als erster Anknüpfungspunct erscheinen Besitzstreitigkeiten der beiden Häuser Krümmel und Kerberg, welche im J. 1497 zu Fehden zwischen Hans und Henning auf Krümmel und Hampe, Henning und Heinrich auf Kerberg ausgeartet waren. In den Verhandlungen darüber ward folgende Klage angebracht:

Dat anseggent, dat Hans vnnd Henningk gebrûder de Kerberge, myner g. h. vnderdâen hebben gegen ere vedderen Hampe, Henningk vnnd Hinrick.

Item X hôuen up deme velde to Kerberge.

Item XV wurde up deme suluen velde mit wische, holtinge, gresinge vnd mit aller herren rechticheit.

Item efft wy Henningk vnnd Hans gebrûder de Kerberge noch itwes mêr rechticheit in vorgeten hadden vnd noch mochten vtvrâgen, vns vnschedelich.

Vnnd wy sie vâken vmme bolanget, âuers nicht kônen eynen recht wêten krîgen, wo se dâr sîn by gekâmen, edder nicht, vnnd dâr vîll vmme vertêrth.

Dagegen ward folgende Klage erhoben:

Heinrich vnnd Hampe dy Kerberge vettern beclâgen sich, wy dy Kerberg zu Krummell, der heren von Mecklburg belêhenden man, in uerganngen iârn mit nâm, brannt vnd rôff beschedigt aus der herrn von Mecklburg lannd vnnd wîder dârein, den schâden achten sy auff acht hundert gulden, bitten în


1) In der Prignitz wird 1433 ein "Betke Kerberch to Kerberghe", mit dem bezeichnenden Vornamen, genannt; (vgl. Riedel Cod. Dipl. Brand. I, 1, S. 113).
2) v. Ledebur theilt mir brieflich aus einem auf dem Rathhause zu Pritzwalk aufbewahrten Verzeichnisse der Kalands=Mitglieder, scheinbar aus dem Anfange des 16. Jahrh, folgende Namen mit, welche in diesem Register in Absätzen in nachstehender Folge sich finden:
   Anne van Kerberge, Henning van Kerberge.
   Beteke van Kerberge, Elizabeth uxor cjus.
   Merten van Kerberge.
   Hans van Kerberge, Viviantz van Kerberghe, Beteke van Kerberghe.
   Viviantz van Kerberge cum uxore.
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solichen schâden verbûst zu verschaffen von den gnanten Kerbergen iren beschedigern.

An diese Streitigkeiten schließt sich dann unmittelbar der kurfürstliche Lehnbrief vom 14. Aug. 1514 1 ).

In der Zeit der neuern Geschichte waren die vorzüglichsten alten Güter der Kerberg in Meklenburg: Krümmel, Retzow und Klopzow, alle im Amte Wredenhagen belegen: der Hauptrittersitz der Familie aber war Krümmel 2 ), an welches die Feldmark Göhren (belegen harde by der "landtwehre") grenzte; außerdem hatten sie noch mehrere andere Güter auf kürzere Zeit im Besitze. Die Hauptgüter erscheinen in zwei Hauptmassen getheilt, von denen die eine Klopzow und Retzow, welches die Familie ohne Zweifel von den von Retzow erworben hatte, die andere Krümmel und Göhren 3 ) umfaßte; beide Hauptmassen liegen am östlichen Ufer der südlichen Müritz: die nördliche Hauptmasse, Klopzow und Retzow, ist von der südlichen, Krümmel, durch die mirowschen Comthureidörfer Gaarz und Viezen und durch das dobbertinsche Klosterdorf Lärz getrennt; aus allen diesen Besitzverhältnissen erklärt sich denn auch die Zerstückelung der landesherrlichen Rechte zwischen Meklenburg=Schwerin und Meklenburg=Strelitz in dieser Gegend.

Nach diesen beiden Gütermassen theilte sich auch die Familie von Kerkberg in Meklenburg in zwei Linien: in die schwarze auf Krümmel und in die weiße auf Klopzow. Dies wird aus den Streitigkeiten klar, welche sich über die Nachfolge im Lehn erhoben, nachdem im J. 1673 die krümmelsche Linie mit Henning von Kerkberg, welcher ohne alle Leibeserben starb, erloschen war. In einem Zeugenverhöre vom 2. Sept. 1674 heißt es:

Adelheid Margaretha von Kerbergen, Hr. Berndt von der Lühen eheliche Hausfrawe, zeugete an Eydes staet, das Sehl. Maria Kerbergen begebene Closter Jungfer zue Malchow, alß Detloff Kerbergen nahe anverwandten, als Brüder Kinder, zu ihr offtermahls gedacht vndt ausgesaget, die Kerbergen von Klobtzow, worunter Detloff Kerberg mit begriffen, würden die weißen, vndt die von Krümmel die schwartzen, vmb des


1) Vgl. unten und Urk. Samml.
2) Nach dem Berichte des Herrn Lindig, Predigers zu Laerz und Krümmel, ist die Kirche zu Krümmel im J. 1734 von der Familie von Arenstorf neu aufgebaut und enthält gar nichts Alterthümliches.
3) Die Feldmark oder Meierei Göhren kommt bis in die Mitte des 18. Jahrh. als Pertinenz von Krümmel vor; wie die jetzigen, vielleicht aus Göhren entstandenen Pertinenzen Ichlim und Troja in der Mitte des vorigen Jahrhunderts entstanden sind, ist aus den Acten nicht ersichtlich, wie häufig bei den im vorigen Jahrhundert entstandenen Pertinenzen ritterschaftlicher Güter.
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vnterscheidts halben, daß sie nicht in Eine Linie gehöreten vnd die gesambte handt hetten, genandt, vnd köndten also die weißen, alß die von Klobtzow, denen Schwartzen von Crümmel im lehn nicht folgen, vndt kehmen also gar nicht bey einander; dieses hette nicht allein die Sehl. Jungfer Maria Kerbergen ihr offtermahls erzehlet, besondern hette es auch von vielen andern gehöret, welches sie auf ihr gewißen nehmen köndte.

Dasselbe wird auch von Andern an mehrern Stellen der Proceßacten berichtet. Allerdings werden die Kerberg von Krümmel und Klopzow zwei Linien gebildet haben; aber sie wurden in den Lehnacten immer als Vettern angesehen z. B. 1572 "Vivienz und Henning Geuettern von Kerckberg zu Retzow und Krümmel"; 1606 verkauft Daniel Kerberg zu Krümmel seinen Bauhof zu Retzow: Henning Kerberg zu Krümmel war sein Bruder und Heinrich, Christoph, Johann und Vivientz Kerberge zu Krümmel, Göhr und Kloptzow waren seine Vettern.

Ueber das Aussterben der Familie von Kerkberg sind die gedruckten Nachrichten nicht zuverlässig; die Aufklärung hierüber ist aber wichtig, da sie fast allein Licht auf die Familie wirft. Nach v. Pritzbur Index conc. v. J. 1722 soll die Familie ungefähr 30 Jahre vorher gänzlich ausgestorben sein. Dagegen bemerkt v. Behr. Rer. mecl. libr. p. 1623 v. J. 1741, daß zu seiner Zeit noch das Fräulein Maria Elisabeth von Kerberg gelebt und das Gut "Klovtow" (Klopzow) besessen habe. Die beste Nachricht giebt v. Gamm in seinem handschriftlichen Nachlasse in Jahrb. XI, S. 450, daß die "allerletzte Catharine Elisabeth" am 17. April 1742 unvermählt gestorben sei. In seinen Genealogien sagt er nur, daß "Heinrich v. Kerberg, so 1673 im 80sten Jahre zu Crümmel verstorben, der letzte seines Stammes gewesen sei und daß Christine Adelheid v. Kerberg, so mit Adam Christoph v. Ahrenstorf verheirathet gewesen und 1707 verstorben, das Gut Crümmel in dieses letztern Familie gebracht habe." Alle diese Nachrichten bedürfen einer genauern, actenmäßigen Berichtigung.

Die krümmelsche Linie starb im Jahre 1673 im männlichen Stamme mit Henning von Kerberg aus. Es lebten aber noch zwei Töchter seines verstorbenen Bruders, des Obristen Carl von Kerberg: Christine Adelheid, an Adam Christoph von Ahrensdorf zu Krümmel vermählt, und Catharina Helena, unvermählt. Das Haus Krümmel erlosch glanzlos; ein gerichtliches Actenstück ist merkwürdiger Weise datirt:

"Actum Krümmel auff sehl. Henning Kerberges gantz wüsten Hoeffe, woselbst nichts zu finden, alß die rudera

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des Hoeffs und ein alter bauwfelliger Stall, den 17. Marty 1674."

Es lebte damals aber noch von der klopzowschen Linie Dethloff v. Kerberg, aus Retzow, auf Klopzow, zu Ludorf wohnend, welches ihm theilweise adjudicirt war, jedoch im J. 1685 von seinen Erben an Adam Levin Knuth abgetreten ward, der dadurch zu dem vollständigen Besitze des ganzen Gutes Ludorf gelangte. Bald erlosch aber plötzlich auch die klopzowsche Linie der Kerberg, indem Dethloff v. Kerberg am 10. Januar 1676 und sein einziger Sohn Friederich am 14. Februar 1676 an einem grassirenden hitzigen Fieber starben. Dethloff von Kerberg hinterließ eine Wittwe, Anna geb. von Rekentin, und 4 Töchter, nämlich die an den preußischen Hauptmann Achatz Christoph v. Burghagen verheirathete Anna Emerentia († 1737) und 3 unverheirathet: Maria Elisabeth († zwischen 1735 und 1740), Ilsabe Catharine († 1742) und Margarethe Dorothea († 1731). Alle diese hatten bis zu ihrem Tode als Erbjungfern zu Klopzow gewohnt. Die vorletzte, Ilsabe Catharine, starb am 11. April 1742, über 80 Jahre alt, und mit ihr erlosch gänzlich das Geschlecht der von Kerkberg in Meklenburg.

Bei dem Aussterben der meklenburgischen Linie lebte von dem Geschlechte jedoch in der Mark Brandenburg noch Heinrich von Kerberg auf Kerberg. Nachdem aber auch dieser in dem verhängnißvollen Jahre, am 29. November 1676, gestorben war, waren dessen Söhne Joachim Christoph, Heinrich Christian und Ernst Jürgen die letzten männlichen Glieder des Geschlechts 1 ).

Das Gut Krümmel erscheint in den Lehn=Acten im J. 1523, und schon früher im J. 1497, als altes Lehn im Besitze der Familie von Kerberg. Merkwürdig ist aber, daß die Rohr auf Neuhaus in ältern Zeiten nicht allein von Krümmel, sondern auch von den meisten andern v. kerbergschen Gütern die Hälfte besaßen. Im J. 1568 erscheinen die Rohr zuerst im Besitze der Hälfte der Güter Krümmel und Göhren, wie ihre Vorfahren dieselben besessen hatten. Die Rohr veräußerten ihre Hälfte von Krümmel im J. 1583 an die von Marin, welche seit alter Zeit in jenen Gegenden ansässig waren. Die


1) Nach v. Ledebur's brieflichen Mittheilungen starb mit diesen das Geschlecht auch in der Mark Brandenburg aus. Die jüngsten waren die genannten 3 Söhne des Heinrich v. Kerberg auf Kerberg; Heinrich Christian starb als der letzte von ihnen im Jahre 1683 ohne männliche Erben. Caspar, ein Vetter des Heinrich auf Kerberg, lebte noch 1687. Eine Margarethe v. Kerberg, Gattin des Samuel Ernst v. Krüsicke auf Dannenwalde, starb am 16. September 1734. Von jüngern v. Kerberg ist in der Mark keine Spur. - So starb denn wirklich das ganze Geschlecht mit Ilsabe Catharine am 11. April 1742 aus.
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v. Marin aber verkauften im J. 1612 ihre Hälfte von Krümmel an Christoph von Ahrensdorf, und Hartwig v. Kerberg verkaufte im J. 1625 die Schäferei zu Göhren an denselben. Adam Christoph von Ahrensdorf zu Krümmel heirathete 1645 die Elisabeth v. Kerberg von Klopzow; im J. 1673 hatte er Christine Adelheid v. Kerberg aus Krümmel zur Frau, wahrscheinlich zweiter Ehe. Nach dem Tode des Henning v. Kerberg auf Krümmel 1673 machte nun Adam Christoph v. Ahrensdorf für seine Frau und deren unvermählte Schwester, als Erbjungfern, Ansprüche an Krümmel; zugleich erhoben sich mit Ansprüchen Dethloff v. Kerberg auf Klopzow und Heinrich v. Kerberg auf Kerberg. Der Streit dauerte einige Jahre, während welcher die streitenden Partheien dahinstarben. Heinrich v. Kerberg auf Kerberg entsagte zu Gunsten der Erbjungfern auf deren Lebenszeit seinen Ansprüchen; die nicht unbedeutenden Gläubiger drängten und v. Ahrensdorf kaufte sie aus; nach manchen Verhandlungen und Abtretungen ging im J. 1683 ganz Krümmel auf die Söhne des Adam Christoph von Ahrensdorf über und im J. 1695 ward Georg Otto v. Ahrensdorf namentlich mit dem v. kerbergschen Anteile an Krümmel belehnt. Seitdem sind die von Ahrensdorf im vollen Besitze des Gutes Krümmel gewesen.


Nach diesen Vorbereitungen wird sich ein sicheres Urtheil über den Ursprung und die Verbreitung der Familie von Kerkberg fällen lassen. Die Familie von Kerkberg oder Kerberg stammte ohne Zweifel aus der Prignitz, wo sie das alte Familienlehn Kerberg oder Kehrberg mit den angrenzenden Dörfern Kl. Woltersdorf, Vettin und Littbeck 1 ) besaß. Um das J. 1370 siedelte sich ein Glied dieser Familie, Beteke von Kerkberg, in Meklenburg am östlichen Ufer der südlichen Müritz zu Leussow und Rechlin an und wahrscheinlich erwarb seine Linie darauf die alten Lehen Krümmel mit Göhren und Klopzow mit Retzow, auf welchen sich zwei Unterlinien bildeten. Diese Ansicht galt auch immer in der Familie. Heinrich von Kerberg auf Kerberg sagte am 30. Mai 1674 vor Joachim Sietmann, Pastor zu Kerberg und Vettin, aus:

"Und saget erstlich vorwolgedachter Juncker Heinrich von Kerberg, das er zum öfftern von seinen Vor=


1) Nach v. Ledebur's brieflichen Mittheilungen besaßen die v. Kerberg auch das Gut Kramptsch (jetzt Krambsow?) neben den genannten Familiengütern und Gartz in der Altmark; so waren Gratian, Vivientz und Charin Gebrüder v. Kehrberg in der zweiten Hälfte des 16. Jahrh. auf Kerberge, Krambs, Vettin und Garz erbgesessen.
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fahren gehöret, das die Krümmelschen vndt Gorschen Kerbergen vhrsprünglich auß der March vom Hause Kerberg weren, vndt so es die Noht erforderte, er solches mit seinem Eydt bekräfftigen wolte."

Eben so bezeugte am 16. Junii 1674 Maria Dessin, Friederich Kerbergs hinterlassene Wittwe, an Eides statt, daß sie von ihrem verstorbenen Manne oft gehört habe:

"das die semptlichen Kerberge auß Meckelnburgk vom Hause Kerberg beim Berlin entsproßen weren."

So ungefähr berichtet auch V. Gamm, indem er Jahrb. XI, S. 450, sagt, daß das Geschlecht sich ungefähr 1500 aus der Mark nach Meklenburg gewandt und hier das Gut Krümmel erworben habe, was jedoch nicht ganz richtig ist.

Diese Verhältnisse werden nun durch einen kurfürstlich=brandenburgischen Lehnbrief 1 ) vom 14. August 1514 zur größten Gewißheit geführt. Nachdem damals Henning v. Kerkberg auf Krümmel gestorben und die Muthung seiner märkischen Lehngüter versäumt war, hatte die Lehnsherrschaft dieselben als heimgefallen eingezogen; jedoch gab der Kurfürst Joachim am 14. Aug. 1514 den Vettern Hans und Henning v. Kerkberg diese Güter, bestehend aus 9 Hufen und 14 Worthen zu Kerberg, 1 Hof und 1 Hufe zu Vettin und das halbe Schulzengericht zu Littbeck, wieder zu Lehn. Nach den oben mitgetheilten Klagepuncten waren dies ungefähr die Antheile, welche die krümmelschen Kerberg an den altväterlichen Gütern in der Prignitz besaßen. Wer nun diese neu belehnten v. Kerberg gewesen sind, läßt sich nicht genau bestimmen, da die Vornamen Hans und Henning in jener Zeit in der Familie häufig vorkommen. Nach mehrern in den Acten mitgetheilten Ueberlieferungen starb ungefähr damals die eine Linie aus, die andere succedirte und bildete durch Theilung der Güter zwei neue Linien. So viel ist außer Zweifel, daß seit alter Zeit die krümmelschen (die schwarzen) und die märkischen v. Kerberg die nächsten Lehnsvettern in der Familie gewesen und wieder geworden waren; die klopzowschen (die weißen) v. Kerberg werden noch von der ersten Abtrennung im 14. Jahrhundert abstammen: sie wurden im 16. Jahrh. von den übrigen gar nicht mehr für nahe verwandt gehalten, da sie sich nicht mehr berechnen konnten. Daher hatte der letzte krümmelsche Henning v. Kerberg immer geäußert:

"die Kerberge auß der Mark wehren seine negsten Lehensfolgere, dan sein vater vom hause Karbergk aus


1) Vgl. Urk. Samml.
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der Marck bürtig; die von Klopzow alß Detloff Kerbergk gehörete nicht dazu, köndte auch nicht dazu kommen besondern vielmehr diese aus der Mark sich entsprießend wehren seine negsten Lehnserben."

Mit irgend einem süddeutschen Geschlechte von Kirchberg hat das Geschlecht der von Kerkberg keine Verwandtschaft, da die Wappen aller von Kirchberg von dem v. kerkbergischen Wappen verschieden sind: vgl. v. Meiern Geschichte der Reichs= und Burg=Grafen von Kirchberg.

Der Name Kerkberg ist eine plattdeutsche Sprachform für Kirchberg, und die Form Kerberg oder Kehrberg ist aus der Form Kerkberg entstanden 1 ). Die älteste Form des Namens ist nach den oben angeführten Urkunden, und überhaupt in den alten Originalurkunden und Acten, immer 2 ), vielleicht mit nur wenig Ausnahmen: Kerkberg oder Kercberg. Ungefähr bis zum J. 1580 schreibt die Familie ihren Namen: Kerkberg, z. B. noch 1569 "Vivienz Kerkberg" zu Retzow, 1572 "Vivienz und Henning Geuettern von Kerckberg" zu Retzow und Krümmel, "Christoph und Hans Gevettern die Kerckberge "zum Ghor und Krümmel vnd Henning Kerckberg zu Krümmel"; nach dieser Zeit aber wird der Name fast durchgehends Kerberg geschrieben, zuerst 1568 "Henning Kerberg zum Krümmel". -


1) v. Ledebur scheint a. a. O. die Form Kehrberg als Hauptform anzunehmen und hält sie nach einem reichhaltigen Schreiben an mich für die richtigere. In den Original=Acten des großherzogl. Archivs ist aber die Form v. Kerkberg bis zur Mitte des 16. Jahrh., wo sie sich in Kerberg abstumpft, die vorherrschend gebräuchliche; die Schreibung Kehrberg ist nur märkisch, in meklenburgischen Urkunden aber nie gebräuchlich gewesen.
2) Die Form Kerkberg stumpft sich in der Mark Brandenburg fast hundert Jahre früher in Kerberg ab, als in Meklenburg, wo diese Form erst um die Mitte des 16. Jahrh. allgemein wird. In einer meklenburgischen Klage über Räubereien ungefähr vom J. 1450 heißt es z. B.

Item de Blomendale, Clyszinge, Grabow, Kergberg, de van der Weyde, Syker, Brunne, Beszemerow nemen vor Warne acht clopper vnde grepen twe borger, de perde geachtet vn hundert lubsche mark, vnde hebben de beyden vangen noch wech, etc.

Dagegen heißt es in einer ungefähr gleichzeitigen märkischen Klage:

Des hertogen manne van Swerin hebben Merten van Kerberge gedan dessen nagescreuen schaden. --- Item to eyner andern tyd nemen de Lutzouwen suluen eyn nerd van XIII schogken Mertens sone. Item Diderick van Plessen nam de koye vor Kerberge. Achim Vlotow, Philippes Prignitzer, Clawes Wulff, Gereke Vribergh nemen Merten vor Kerberge vnd vor Vettin III schock koye vnd I schock guder swyne amme donnerdage na vnnser liuen frouwendage assumptionis, de wile vnses heren gnade vor Pazewalk lach. Item Clawes Wulff, iunge Philippus Priggenitzer, Mertens manne, to Kerberge III ossen---. Item die schade, die den Kerbergen, Klitzingen vnd Blumendalen sind deme letczsten dage exaltationis sancte crucis bynnen louen vnd freden geschin is to Kerberge vnd Vettin van den Flotowen vnd van Claws Wulffe dem vogede tom Hagen.

Und so öfter.
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Aehnlich ist die Geschichte des Namens von Kardorf. Im Mittelalter wird dieser Name beständig Kerkdorp geschrieben, d. i. hochdeutsch Kirchdorf, obgleich diese hochdeutsche Form nie vorkommt. Gegen das Ende des 16. Jahrh. entsteht aus der Form Kerkdorp, oder ganz platt: Karkdorp, die Form: Kardorf; z.B. im J. 1591 unterschreiben drei Brüder eine Urkunde und zwei derselben schreiben ihren Namen schon: "Kardorff", der dritte aber noch "Karckdorff".

Die Stammesverwandtschaft aller v. Kerkberg in der Mark und in Meklenburg beweiset auch die Gleichheit des Wappens. Alle v. Kerkberg führen nämlich vier Spitzen, bald links, bald rechts, im Schilde; die Richtung der Spitzen ist nicht bestimmt, eben so auch die Zahl derselben nicht; am häufigsten kommen vier Spitzen vor, jedoch finden sich auch drei. Ein Siegel mit vier linken Spitzen führt Beteke v. Kerberg an der oben erwähnten Urkunde 1 ) vom 24. August 1374, wie die hiernebenstehende getreue Abbildung nach dem im großherzoglichen Archive zu Schwerin aufbewahrten Originale beweiset.

Siegel

Dies ist das einzige, bisher bekannt gewordene v. kerkbergsche Siegel aus alter Zeit; es hat, zur Andeutung einer besondern Linie, kein Nebenzeichen, aus welchem sich eine Theilung in eine schwarze und eine weiße Linie vermuthen ließe.

Vier rechte Spitzen führt Achim v. Kerberg auf Retzow, obgleich von der weißen Linie, in seinem Siegel unter einer Quittung vom 7. Jul. 1577, welche im Original im großherzoglichen Archive zu Schwerin aufbewahrt wird; über dem Schilde stehen die Buchstaben I. K. d. i. Joachim Kerberg.

Siegel

Eben so führt Heinrich v. Kerberg auf Kerberg vier rechte Spitzen im Schilde, über welchem ein nicht ganz deutlicher Helm steht, mit den Buchstaben H. V. K.; das Wappen ist einem im großherzoglichen Archive zu Schwerin aufbewahrten Briefe vom 10. Jan. 1675 aufgedrückt.

Siegel

Es geht hieraus hervor, daß sowohl die ältesten v. Kerberg, als auch die v. Kerberg von der kerbergischen und von der klopzowischen Linie gleiches Wappen führten.

Das v. kerbergische Wappen ist bisher wenig bekannt und durch einen besondern Umstand verdunkelt gewesen. In Fürst


1) Vgl. Urk. Samml.
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Wappen=Buch V, T. 150 ist unter dem holsteinischen Adel auch das Geschlecht der "v. Kerckberg" aufgeführt. Auf T. 150 und 151 dieses Wappenbuches sind aber die Ueberschriften der Wappen um eine Stelle vorwärts verschoben, so daß der Name nicht über dem dazu gehörenden, sondern über dem nächst folgenden Wappen steht. So steht denn über dem kerckbergischen Wappen: mit vier linken Spitzen, (welche hier jedoch in verschobenen Doppellinien gezeichnet sind, als sähe man sie durch Strahlenbrechung), der Name von Johannsen, über dem darauf folgenden Wappen der v. Kassenbrock: mit drei Rosen auf einem Querbalken, steht der Name v. Kerckberg, u.s.w. Dieses Versehen hat v. Behr rer. mecl. libr. p. 1623 als Wahrheit aufgenommen, indem er sagt, daß die v. Kerberg einen Querbalken mit drei Rosen im Schilde führen:

Kerberg. Hujus familiae tessera gentilitia est parma, fascia media secta. In fascia tres sunt rosae. In galea jugum alarum et iterum fascia cum tribus rosis singulas alas dividente.

Dieses Versehen hätte von v. Behr vermieden werden können, da v. Westphalen in Mon. ined. I, p. 6, und Tab. D die von Kercberge in Holstein aus dem J. 1590 mit dem richtigen, auch bei ihm abgebildeten Wappen aufführt.

Was die Färbung des Schildes betrifft, so berichtet v. Gamm in Jahrb. XI, S. 450:

"In deren geführten Wapen waren drey aus der rechten hervorgehende silberne Spitzen im rohten Felde; auf dem mit silbern und rohten Decken umgebenen Helm erschienen drey überhängende silberne Straußfedern."

Auch aus andern, unten anzuführenden Gründen läßt sich schließen, daß der Schild silberne Spitzen in rothem Felde hatte.

Es ist außer Zweifel, daß Familien mit verschiedenem Namen, aber gleichem Schilde, denselben Stammvater hatten. Mit den Kerkberg führte nun das in der Prignitz mächtige und reich begüterte, noch blühende Geschlecht der Rohr, in Meklenburg vorzüglich durch ihr altes Schloß Neuhaus unfern der Grenze bekannt, gleichen Schild, nämlich silberne Spitzen in rothem Felde. Dazu kommt die auffallende Thatsache, daß die Rohr in ältern Zeiten fast alle meklenburgischen Güter der v. Kerkberg zur Hälfte besaßen. Freilich lagen die vorzüglichsten alten Lehn= und Pfand=Güter und Schlösser der Rohr, wie: Neuhaus, Meienburg und Freienstein, zwischen den meklenburgischen und märkischen Gütern der v. Kerkberg und in der Nähe derselben. Aber es bleibt dieser gemeinsame Güterbesitz bei der Gleichheit des Schildes beider

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Familien immer höchst beachtenswerth. So besaßen die Rohr sicher die Hälfte des kerkbergischen Hauptgutes Krümmel 1 ) bis zum J. 1583, und auch an allen andern Gütern der v. Kerkberg hatten sie Antheil 2 ), wenn auch nicht immer bestimmt die Hälfte. Es läßt sich daher mit Grund vermuthen, daß beide Familien denselben Stammvater hatten. Die Herkunft der Rohr ist noch dunkel 3 ); Riedel a. a. O. meint, daß die Rohr von dem baierschen Markgrafen Ludwig (seit 1324) in die Mark herbeigezogen seien, namentlich da die Familie Rohr früher niemals in der Mark vorkomme; es dürfte aber wohl noch eine genauere genealogische Forschung anzustellen sein, ehe sich über dieses Verhältniß mit Bestimmtheit entscheiden läßt. In der Original=Urkunde des Witmansdorfer Vertrages vom 15. Jan. 1304 (gedruckt in Rudloff Urk. Lief. Nr. LXIV und Riedel Cod. dipl. Brand. II, 1, S. 255) erscheint in unbezweifelt richtiger Lesart in Gefolge der brandenburgischen Markgrafen 4 ) ein Ritter "her Allard van deme Rore", zugleich mit den Rittern "her Bertold van Koninghesmarke" und "her Gherad van Molendorp." Freilich kommt Hampo v. Kerkberg, der erste des Namens, erst im J. 1326 im Gefolge des Markgrafen Ludwig vor (Riedel a. a. O. I, S. 483); aber es wäre noch zu untersuchen, ob der Name des Ritters "Hampo de Hertberge" (Riedel a. a. O. S. 479) in der erwähnten undatirten Originalurkunde wirklich richtig gelesen ist und ob die Urkunde aus dem Ende des 13. Jahrh. stammt (vgl. Riedel a. a. O. S. 467). Einstweilen dürfte es nicht zu gewagt erscheinen, den "Hampo von Kercberg" für gleichen Geschlechts mit den Rohr zu halten. Ist aber dieser auch der "Hampo von Hertberg" und stammt die Urkunde, welche ihn nennt, wirklich aus dem 13. Jahrh., so würde der Stammvater beider Geschlechter ziemlich weit in das 13. Jahrh. hinauf zu setzen sein. Dieser Hampo von Kercberg giebt aber noch einen bedeutenden Fingerzeig für die Stammesverwandtschaft beider Geschlechter; der Vorname Hampo findet


1) Vgl. Urk. Samml. Urk. v. 25. Oct. 1568.
2) Vgl. Urk. Samml. Urk. v. 31. Jan. 1572.
3) v. Ledebur a. a. O. leitet alle Geschlechter mit der senkrechten Spitzentheilung im Schilde von den Rohr her, wenn man so sagen darf, und findet die ältesten dieses Geschlechts in den seit dem Anfange des 13. Jahrh. auftretenden v. Rohrbeck, deren Hauptgut Rohrbeck in der Altmark liegt, umgeben von den Gütern der Stammesverwandten: Königsmark, Möllendorf und Büste oder Beust, welche denselben die Namen gaben. Auch die v. Kerkberg besaßen noch 1362 in der Altmark das Gut Gartz (Gardisse).
4) Auch v. Ledebur a. a. O. S. 116 verwirft Riedel's Annahme von der Einwanderung der Rohr mit der baierschen Dynastie. Da Alard Rohr schon im J. 1304 als Ritter in einem wichtigen Vertrage als Bürge auftrat, so muß er schon damals zu Jahren und von Einfluß gewesen sein, und daher ziemlich weit in das 13. Jahrhundert hineinreichen.
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sich in den frühesten Zeiten auch in der Familie Rohr neben dem rohrschen Hauptvornamen Alard (vgl. Riedel Cod. dipl. Brand. I, 2, S. 249, und Beckmann Mark Brandenburg V, 2, 4, S. 160: 1337 Henningus, Helmicus, Fritsekinus et Henricus ac Busso et Alardus dominus de? (dicti?) Rohre cum nostris fratribus Ludolpho, Ottono, Hampone, Henningo, Meynardo). Die Vornamen aber pflegen in den ältesten Zeiten stark auf Stammesverwandtschaft zu deuten. Auch der uralte, große Güterbesitz beider Familien möchte mehr darauf hindeuten, daß sie eingeborne, als nach 1324 eingewanderte Geschlechter seien. Es dürfte sich vielmehr annehmen lassen, daß die Stammväter im 13. Jahrh. unter andern Namen vorkommen; Forschungen in den Wappen, Vornamen und Gütern mögen wohl noch einst unerwartete Aufschlüsse geben.

Auch die v. Königsmark führen mit den v. Kerkberg und Rohr gleichen Wappenschild; übereinstimmend hiemit tritt im 14. Jahrh. Yo von Königsmark öfter neben den Kerkberg auf. Auch sind seit früher Zeit die v. Königsmark in der Nähe von Krümmel, in der meklenburgischen Enclave Netzeband und Rossow, ansässig 1 ).


Herkunft, Vaterland und Stand des Ernst von Kirchberg.

Die im großherzoglich=meklenburgischen Geheimen und Haupt=Archive zu Schwerin aufbewahrte Reim=Chronik des Ernst von Kirchberg ist eine Pergamenthandschrift in größtem Folioformat, in gespaltenen Columnen mit 30 Zeilen; die Schrift ist eine ungewöhnlich große Minuskel: das Ganze, in Holzband mit rothem Leder gebunden, ist ein mittelalterliches Prachtexemplar. Voran gebunden ist ein Blatt, auf welchem der Herzog Albrecht und sein Sohn der Schwedenkönig Albrecht, auf einem Throne sitzend, in Farben abgebildet sind. Die Handschrift hat durchgehends mit kleineren Miniaturen geschmückt werden sollen. Hin und wieder ist im Texte, im Anfange der Hauptabschnitte, für ein kleines Bild Raum gelassen; es sind aber nur die ersten 15 Bilder ausgeführt, grade diejenigen, welche das wenigste Interesse haben, da sie nur die alte, den alten lateinischen Chroniken entnommene Geschichte berühren.


1) v. Ledebur a. a. O. hat diese Untersuchung noch weiter ausgedehnt und zu der
"Gruppe mit der senkrechten Spitzentheilung die v. Rohr, v. Königsmark, v. Möllendorf, v. Kehrberg, v. Kratz, v. Plate, v. Beust, v. Burkersrode, v. Heßler",
gerechnet.
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Nur das erste Miniaturbild 1 ) im Anfange der Handschrift und der oben mitgetheilten Vorrede, in welcher E. v. Kirchberg von sich selbst und seinem Unternehmen redet, hat einen großen Werth; in demselben hat nämlich E. v. Kirchberg sich selbst abbilden lassen, wie er, in dem Geiste seiner Zeit und nach der ganzen Richtung der eben mitgetheilten Vorrede knieend betet; es ist eine bildliche Darstellung des Hauptinhaltes der Einleitung (des Textes), wie man dergleichen Miniaturen häufig findet. Dieses Bild, welches bisher ganz unbeachtet geblieben ist, giebt nun vollkommenen Aufschluß und Beweis über Vaterland, Herkommen und Stand des Dichters, wenn man ihn so nennen darf.

Auf dem Bilde knieet eine männliche Figur betend. Sie ist in Hauskleidung dargestellt: mit blauem Wams, grauen Beinkleidern, gelben Schuhen und grauer Kappe. Diese Hauskleidung soll den Dichter bezeichnen. Obgleich in Hauskleidung, trägt die Figur aber den ritterlichen Gürtel, zur Bezeichnung, daß die Person Ritter war oder doch wenigstens dem ritterlichen Stande angehörte. Der Dichter war also sicher kein Geistlicher, sondern ein Ritter, wie fast alle Dichter der mittelhochdeutschen Zeit.

Der Dichter hat in dem Bilde aber auch seine Familie angegeben. Hinter der knieenden Figur steht nämlich sein Wappen; ein links gelehnter Schild mit zwei ganzen und zwei halben, oder im Ganzen mit drei gestürzten weißen Spitzen, oder mit vier Spitzen, wenn man die an dem Rande stehenden für ganze halten will. Der Schild selbst ist längs geteilt, in der rechten Hälfte schwarz, in der linken Hälfte roth, d.h. mennigroth, welches mehr orange erscheint, eine gewöhnliche Farbe in den mittelalterlichen Miniaturen. Ueber dem Schilde steht ein Helm, auf dem Helme ein bärtiger Kopf, welcher zwei aufgerichtete Spitzen trägt, eine schwarze und eine rothe, beide weiß gesäumt, also das Schildzeichen. Es ist bei mehrern Spitzen im alten Wappen immer schwer zu entscheiden, welches die Schildzeichen sein sollen, da die Spitzen auch im Schilde wieder Spitzen hervorbringen; es scheint hier, als wenn die halb schwarzen, halb rothen Spitzen die Wappenzeichen sein sollen, da diese Zeichen auch auf dem Helme stehen. Daher sind denn auch auf alten Siegeln die Spitzen, d. h. der erhabene Theil des Wappens, bald rechts, bald links gekehrt. Man kann daher z. B. von den von


1) Dieses Miniaturbild ist auf der Steindrucktafel I. in getreuer Abbildung mitgetheilt.
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Kerkberg auch eben so gut sagen, daß sie rothe Spitzen in weißem Schilde, als daß sie weiße Spitzen in rothem Schilde führen.

Nach dem Hauptschildzeichen gehörte Ernst von Kirchberg also zu der märkischen und meklenburgischen Familie von Kerkberg, deren Namen er mit der hochdeutschen Form seines Gedichtes auch verhochdeutschte. Zwar sind die Spitzen nach den Umrissen des Schildes nicht rechts oder links gekehrt, sondern nach oben oder unten gerichtet; diese Darstellung dürfte aber von dem Maler nach der Stellung des gelehnten Schildes gewählt sein, da dem Beschauer die Spitzen rechts oder links gekehrt erscheinen. Die drei oder vier Spitzen in weiß sind aber vorhanden.

Nur das könnte befremden, daß die Färbung des Schildes oder der Spitzen halb schwarz und halb roth ist. Dieses Räthsel löset aber die Theilung der Familie v. Kerberg in zwei Hauptlinien: die Linie Krümmel und Kerberg hieß die schwarze, die Linie Klopzow die weiße. Es läßt sich daher annehmen, daß Ernst von Kirchberg zu der sogenannten schwarzen Linie gehörte, da die eine Hälfte der Schildeshälfte und der Helmzier schwarz gefärbt ist; die Nebenstücke in Wappen sind aber für ein ganzes Geschlecht nicht von Bedeutung, wenn die Hauptsachen gleich sind.

Es ist daher ohne Zweifel, daß

Ernst von Kirchberg ritterlichen Standes war und dem Geschlechte der von Kerkberg oder Kerberg angehörte, und zwar der schwarzen Linie des Geschlechts, welche Jahrhunderte hindurch auf Krümmel in Meklenburg saß und im 16. Jahrhundert in den Stammsitz Kerberg in der Prignitz folgte.

Freilich wird E. v. Kirchberg in keiner Urkunde genannt. Aber die stille Beschäftigung mit den Wissenschaften entzog ihn dem öffentlichen Leben: auch die übrigen mittelhochdeutschen Dichter kommen selten in den Urkunden vor; die Zeugen in den Urkunden haben aber immer eine rechtliche Beziehung zu dem in den Urkunden behandelten Rechtsgeschäfte oder zu dem Staatsleben. Vielleicht aber war E. v. Kirchberg ein Johanniter=Ritter der Comthurei Mirow, deren Güter an die Güter seines Hauses grenzten. Die geistlichen Ritter werden, mit sehr seltenen Ausnahmen, in den Urkunden nie genannt.


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IV.

Beitrag

zur Charakteristik

des Herzogs Adolf Friedrich

von Meklenburg=Schwerin,

wie auch

zur Schilderung der Sitten des siebenzehnten Jahrhunderts,

entlehnt * )

aus des obgedachten Herzogs eigenhändig geführten

Tagebüchern

im großherzogl. Archive zu Schwerin,

von

dem Schloßhauptmann und Kammerherrn

K. v. Lützow.


1611.

Den 29. Juli zu Bliskow angelanget und die tractaten zur Theilung 1 ) angefangen, aber für dasmal nichts ausgerichtet; ich bin heut mit meinem Canzler hart zerfallen, habe ihm die deutsche Meinung gesagt.

1612.

Bei Heinrich Lewezow's Hochzeit hat der junge Bassewitz von einem Kardorff Maulschellen empfangen und sich nicht gewehrt. Beim Frühstück getanzt 2 ).


*) Der hier gegebene Auszug enthält das Wichtigste des Originaltextes, mit freier Behandlung der Sprache in allen Stellen, wo nicht der Zweck der Darstellung die wörtliche Beibehaltung des Urtextes erheischte.
1) S. meine Mekl. Geschichte III. S. 148.
2) Die déjeuners dansants sind diesemnach schon eine alte Sitte.
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1612-1614.
Den 6. April habe den Belwin Zwitter wahrhaftig gemacht und ihm ein verguldet Wehr gegeben und ein braun seiden Gehenk und Gürtel und 30 Thaler zu 1 Pferd und 8 Thaler zu ein Paar Pistolen.

1613.

Den 17. Mai ist meine Frau Mutter 1 ) allhier zu Schwerin in meinem Garten angelanget, hat Hartwig Bülow zu mir gesandt und begehrt mich zu sprechen; ich bin mit dem Schiff zu ihr gefahren, bin ins Wasser gefallen, habe seltsame Discours mit meiner Frau Mutter gehabt; sie will allezeit Recht haben, es ist böse mit ihr zu disputieren, seyen also verglichen; sie hat Grafen von Frießland Fräulein mit sich gehabt.

Den 9. Juni haben mein Bruder 2 ), Passow (dessen Rath), und Rosen sich verzürnt, mein Bruder hat nach Rosen mit dem Degen gehauen, mein Bruder ist die eine Pistoll losgegangen, meines Bruders Gemalin 3mal todt blieben, daß man sie hat müssen wieder mit Wasser und Balsam aufkühlen; Graf Heinrich zu Stolberg hat meinem Bruder zugesprochen, er solle sich und seine Gemalin bedenken, den hat er auch mit dem Degen hauen wollen. In dem Tumulte hat der närrische Magister, so bei meinem Bruder ist, Rosen für den Kopf gehauen, Rosens Junge hat dem Magister etzliche Wunden in den Leib gestochen.

1614.

Den 22. Mai. Je suis c'est jour la esté extremement melancolique a cause de mes affaires. Samuel Behr a eu disputte avec Stallmeister a cause de naux ordinance en nostre cour et dont entendu s'il ne trouve soulagement il veus quitter son estat et la cour. Der liebe Gott helfe mir und stehe mir bei mit seinem heiligen Geist sonst ist es um meine reputation und ganzen Wesen geschehen.

Den 7. August ist von wegen Herzogs Ulrich Bischofs zu Bützow und Herzogs zu Holstein Dr. Heinrich Stallmeister gewesener Burgemeister zu Rostock, jetzt aber des Bischofs Rath und Canzler, angelangt, mir das zugeordnete Amt wegen des Kreises zu presentieren.

Den 8. - haben die Kreisgesandten Audienz gehabt und habe ich das zugeordnete Amt acceptiert, den ganzen Tag stark getrunken.


1) geb. Prinzessin von Holstein=Gottorp.
2) Herzog Johann oder Hans Albrecht, s. meine Mekl. Geschichte III. S. 143.
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1614.
Den 25. August ist Hans Rosen und Hans Meier hier anlangt und berichtet, daß die question mit Georg Christof Rosen und Tessen von Passow nun auch ein Ende und daß sie sich mit einander gerauft vor Tessin bei der Vogelstange und Rosen den Passow durch und durch gestochen also daß Passow die Klinge im Leibe abgebrochen und hat nach dem Stich noch eine Stunde gelebt.

Den 5. October. wie ich von Matthias Thun's Hochzeitfest in Lübz fortgeritten, ist mein Edelknabe, Christoph Zigler, so vollgesoffen gewesen, daß er kaum hat fortreiten können, den habe ich wacker abgeschmiert und hat mir zu Fuß nachlaufen müssen.

Den 14. Oct. haben die Landräthe und Markward Pentz bei mir zu Nacht gegessen, die Landräthe mich angesprochen, wollen meinen Bruder und mich vergleichen 1 ). Markward Pentz ist mit den Landräthen in disput gerathen, hat die urtel so im Hofgericht erkannt, an meiner Tafel zerrissen, hat einen gewaltigen Esel agiret.

Den 2. November habe den ganzen Tag Rath gehalten und mit dem Canzler Hajo von Nessen 2 ) hart in Disput eingelassen; es ist nicht das erste, daß er mit seinem stolzen ufgeblasenen Kopf Recht hat haben wollen, Gott wird mich auch einmal von ihm helfen.

Den 21. Nov. habe ein Schreiben empfangen vom Rath zu Rostock, begehren noch Dilation der Accisen bis Ostern. ich habe befohlen ihnen zu antworten, daß ich ihnen die Einnehmung der Accisen bis Ostern nicht verstatten will, sondern wie meine vorige Erklärung bis den 29. dies. Monats. Dabei verbleibe ich.

Den 14. December habe Rath gehalten wie ichs anstellen wollte mit den Güstrowschen, weil mein Bruder mich ganz aus meiner Possession treiben will und die Stadt für seine allein defendiren will; wie ich sie zum Gehorsam treibe daß sie meinen mandaten pariren, weil mein Bruder ihnen solches zu thun verboten.

Den 21. - Besuch des Grafen Cuno von Ostfriesland in Schwerin, der mich hat persuadiren wollen zu heirathen, ich ihm aber unter vielem Lachen das Contrarium gehalten.

Den 25. - hat der Canzler mich ansprechen lassen, ob ich nicht content wäre, daß er zu Graf von Ostfriesland nach Lübz 3 ) ziehen möchte, denn er ihm geschrieben und gebeten dahin


1) in Betreff der Landestheilung.
2) ein allgemein verhaßter Ausländer, f. meine Mekl. Geschichte III. S. 144 u. 152.
3) dem Wittwensitze der Herzogin=Mutter, S. ebendaselbst S. 135.
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1614-1615.
zu kommen, ich habe es ihm erlaubt; wenn er da kommen ist, wird er brav Lügen vorbringen.

Den 27. - habe einen Kammerjungen Gotthard von Gören ein Isabell und ein schwarz atlassen Kleid verehrt mit allem was dazu gehört, item habe ihm ein duchern Kleid geben mit guldnen Schnuren verbrämt, item einen seidnen Mantel.

1615.

Den 9. Januar ist der Griechische Graf Emanuel Phocas hier angelangt, habe ihn in der Hofstube durch meine Räthe tractiren lassen, inmittelst aber Michel Brauns und Ambrosio, meine Secretarien, ins Wirthshaus gesandt, ihm seine Laden oder Vellist aufzumachen und zu sehen ob er mit Falschheitsachen umginge oder nicht.

Den 13. - auf den Abend denselben in Verstrickung genommen und seinen Diener arrestirt, zu erfahren, ob er nicht Betrüger und seine Sachen falsch seyen.

Den 2. Februar ein Schreiben von meinem Bruder bekommen, daß er die 40tausend Thaler, so er mir schuldig, nicht vollkommen erlegen kann, weil er Hans Hane 20tausend Thaler vorgesetzt und nicht bekommen könne, begehrt auch, weil die Thaler übel zu bekommen seyen, daß ich noch Münze von ihm nähme. Das geschieht mir nur alles zum Verdruß daß man mich cujoniren will.

Den 14. - zwei Schreiben von meinem Bruder. Der gesteht mir noch nichts an Güstrow zu, schreibt beschwerliche Schreiben mit Lügen gespikkt. patientia. Gott ist gerecht und wird noch wohl helfen.

Den 16. - habe meines Bruders leute quitiert auf 40tausend Thaler.

Den 5. April ein Schreiben von H. August dem jüngeren von Lüneburg erhalten, begehrt, ich ihm die Reliquien so zu Doberan im Kloster seyen, zukommen lassen möchte, er wolle sie H. Wilhelm von Baiern zuschicken.

Den 13. April habe von einem Engländer gekauft ein Paar schwarze englische lange seidne Strümpfe für 8 1/2 Rthlr., item 3 Paar parfümierte Handschuhe mit goldenen Schnüren und Atlas verbrämt für 9 Rthlr. und 1 orten.

Den 16. - habe dem H. Philipp von Pommern=Stettin ein Stück in sein Stammbuch malen zu lassen versprochen und ihm dazu 100 ungar. Ducaten geschickt, selbiges zu Augsburg zu bezahlen; dazu auch mein Conterfey, für 7 Ducaten.

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1615.
Den 6. Juni den Güstrowern vorgeschrieben, daß sie meinen Befehlen pariren oder gewärtig seyn sollen, daß ich Sie für Meineidige anschlagen lasse.

Den 19. - habe meinen Kammerdiener mit der Carbatsche abgeschmiert, daß er nicht früh aufgewartet, sondern die ganze Nacht in der Silberkammer gesessen.

Den 29. - habe einen Pfaffen an den Kaek 1 ) stellen lassen und des Landes verwiesen neben der H . . . , mit der er Ehebruch begangen.

Den 4. Jul. Audienz an die Gesandten meines Bruders, Abraham Winterfeldt und Gebhard Moltke; ihre Proposition ist 1) wegen der Stadt Güstrow, 2) wegen Bestellung eines Capitäns, das Volk würbe für den Niedersächsischen Kreis, 3) soll ich ihm raison geben, daß ich seinen Canzler und andre seine Diener für leichte und ehrvergessene Leute hielte.

Den 5. - ein ehrerbietiges Schreiben von der Stadt Güstrow empfangen, die sich entschuldigt, daß sie nicht gehorchet, weil mein Bruder es ihnen streng verboten.

Den 6. - habe bei Hans Georg Vizthum in Halberstadt Werbung thun lassen, ob ich nicht allda Bischof werden könne.

Den 29. Jul. ein Schreiben vom H. August zu Lüneburg, begehrt noch mehr Reliquien für den H. zu Baiern.

Den 30. - meine Frau Mutter viel Stichelreden ausgeworfen, man muß den bösen Weibern viel zu gut halten.

Den 24. Aug. habe zu Niköping die Königin angesprochen, daß sie an den König und die Königin in England schreiben wolle, daß mir 50 Eisenstangen zollfrei möchten passiret werden, welches sie gewilligt.

Den 5. Dec. ein Schreiben vom Rath zu Friedland, der schreibt mir, daß mein Bruder ihm geschrieben, daß er ihm die ganze Orbör erlegen solle (da doch mir der halbe Theil gebürt). Er wolle sich dabei wider mich schüzen. (ist das nicht eine muthwillige Zunöthigung?) Gott wird alle falsche consilia stürzen und mich, Seinen armen Diener, gnädig erhalten um Seines Namens Ehre willen.

Den 6. - an die Städte Rostock und Wismar geschrieben, daß sie sich nicht in der Staaten von Holland Bündnis geben sollen.

Den 16. - Diese vergangene Nacht hat mich geträumt, wie daß mein Bruder die schwere Noth bekommen hätte und daß ihn der Schlag gerührt; und ich hätte darum mich gegrämt und


1) d. i. Pranger, s. meine Meckl. Geschichte, II. S. 425.
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1615-1616.
zu Mr. Behr gesagt, wenn er so stürbe wäre es eine Strafe Gottes, daß er wäre Calwinist worden.

1616.

Den 31. Januar. Mein Bruder hat seinen Canzleyschreiber an mich gesandt, die 1300 Fl. abzufordern, die ich ihm wegen Marniz laut Vertrages zu geben schuldig; ich habe mich aber geweigert und ihm nichts geben wollen, weil mein Bruder den Vertrag gebrochen und mir zuwider die Städte Güstrow, Krakow und Lage streitig macht und für seine allein par force defendiret, item daß er mir das Cröpelinsche Heuerkorn par force vorenthält.

Den 29. - ist der Grieche, so sich für einen Grafen Emanuel Phocas 1 ) ausgegeben, mit dem Schwert vom Leben zum Tode gerichtet worden.

Den 23. Februar. Dem Jägermeister und Notarius, die dem Hartwig Pentz zu Toddin die Hofgerichtsurtel insinuirt, worin ihm die Ausübung der hohen Jagd verboten, hat Hartwig Pentz seine Protestation vorgebracht und nach Speier appelliren zu wollen erklärt, denn er sich auf dem Seinigen zu jagen nicht begeben wollen. Wie ich vom Spazierritt heimkommen bin, ist mir Hartwig Pentzens Sohn Ulrich begegnet hart vorm Thor, der sich angestellt als wenn er schliefe, nur daß er den Hut nicht vor mir abnehmen wollte, dies steht zu gedenken.

Den 4. - vom Rath zu Rostock und den Hundertmännern ein Schreiben empfangen, daß sie sich mit den Staaten von Holland ausser ihrem alten Hansebündnis keins gemacht.

Den 5. April haben die Deputirte der Landschaft Audienz gehabt. Henning Rewentlow, Gebhard Moltke, David Rewentlow, Dr. Johann Domann, Jochim Schultze wegen Rostock, Dr. Daniel Eggebrecht und Dr. Mattias Gerdes wegen Wismar, wollen Frieden machen zwischen meinem Bruder und mich; ich sehe noch schlechte apparence dazu.

Den 13. - Witte 2 ) begehrt in Niederland mit Hugo Grotius zu discuriren und zu practisiren, daß die Staaten von Holland unter das Reich möchten gebracht werden. - präsumirt, der Sachse werde Kaiser, ich muß ihm dazu helfen, ich muß mich neutral halten entre Lübeck et Dännemark.

Den 25. - hat Simon Pauli seinen Eid als archivarius und Lehnssecretär abgeleistet.


1) S. oben ad a. 1615.
2) Herzogl. Meckl. Abgesandter bei den Hansestädten.
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1616.
Den 1sten habe an Vollrad von der Lühe befohlen, ein Schreiben an meinen Canzler fertigen zu lassen und ihm seine Bestellung aufzukündigen.

Den 26. - habe Vollrad von der Lühe und Claus Below befohlen, mit dem Canzler zu reden daß mir seine Aufwartung und expeditiones schlecht gefielen, wollte derwegen verständigt seyn, wie er hinfüro dienen wolle, denn nicht gemeint, so große und hohe Besoldung für so schlechte und geringe Aufwartung zu geben.

Den 29. - Abermalige Aufkündigung. Hajo von Nessen hat sich resolviret, er wäre content, begehre aber zu wissen, worin er nicht recht gehandelt.

Den 12. Mai bei dem Weinhändler Heinrich Führen für das Jahr - 190 Ohm Wein, das Ohm zu 25 schlechte Thaler, den Thaler zu 32 schill.

Den 23. Oct. habe an den Superintendenten und ganz Ministerium zu Güstrow geschrieben, betr. die Calwinisterey so zu Güstrow einreißt.

Den 8. Nov. bin ich der Graf von Erbach mit mir mit 6 Caleschen und etlichen reisigen Pferden nach dem Eickhof zu dem Landmarschall Henning Lützow zu Gast gezogen, allda die Nacht geblieben; wie ich schlafen gegangen, hat Vollrad Bülow Daniel Block, den Maler, für einen Schelm und Fuchsschwänzer gescholten und ihn geschlagen, er hat ihn aber wieder nicht vergessen, sondern ihn braun und blau geschlagen.

Den 9. - habe Bülowen einen starken Auswischer gegeben.

Den 11. - habe bei Herzog Bischof Ulrich zu Bützow 1 ) das Zeughaus besehen. Christian Friedrich Blom hat mit Herzog Ulrich Question gemacht: die Ursache ist wegen Anna Rantzow, die schilt Blom für eine H . . . . Herzog Ulrich sagt, er möge es verantworten, er solle ihn aus dem Geschwäz lassen, oder er wolle sagen, er löge wie ein Schelm. Herzog Ulrich ließ seine Kammermagd auf mein Gemach zum Tanz holen. Herzog Ulrich und Blom haben sehr grob mit einander geredet in présence des Frauenzimmers; ich habe Blom zufrieden gesprochen und Beide tellement quellement verglichen.

Den 31. Dec. habe mich mit meinem Bruder so ziemlich verglichen.


1) Prinz von Dänemark, s. meine Meckl. Geschichte III., S. 137 u. 141.
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1617-1618.

1617.

(Fortune infortune fortune.)

Den 1. Januar die Tractaten mit meinem Bruder abgebrochen, weil ohne meine Verkleinerung den Vertrag nicht unterschreiben kann.

Den 7. Mai wie man bei der Abendtafel das Confect aufgesetzt, habe ich gescherzt von dem Lübischen und Städtischen Wesen. Mr. Behr hat auch scherzweise dazu geredet, Joh. Witte aber bindet auf und giebt Mr. Behren einen Haufen unbescheidener Worte, daß sich auch Samuel Behr deshalb ziemlich erzürnt, es ist eine grobe Sau von Witte -

Den 27. Mai ist der gute Vertrag mit meinem Bruder richtig worden 1 ).

Den 7. Dec. bei meinem Mutter Bruder, dem Erzbischof von Bremen, zu Verden gewesen; hat derselbe über Tafel stark trinken lassen, lauter Malwasier, nach Essens ein Pferd getummelt und mir verehrt, das er die kleine Jungfrau, sein Bereiter aber Saporito nennt.

Den 8. - nach Essens hat mein Mutterbruder seine Maitresse oder Concubine holen lassen, Gertrud von Heimbrock, damit habe ich tanzen müssen. Hat sich ein Liefländischer von Adel bei mir angeben lassen, er wollte gern Einspänner werden; er wäre aber noch nicht wehrhaft. Da hat mein Vetter, der Erzbischof von Bremen, selbigen wehrhaft gemacht.

1618.

Den 13. Januar ein Schreiben von meinem Bruder wegen unsrer beiden Canzler, daß einer davon, wie ich vorgeschlagen, nach Curland solle, um H. Friedrich zu Curland auf dem Polnischen Reichstage Beistand zu leisten. Der Anschlag gefällt ihm nicht, giebt vor, er seinen Canzler nicht entrathen könne, ihm's auch wegen 20jähriger treuer Dienste nicht anmuthen möge. Es ist ein redlicher Vogel (der Cothmann), ist wohl werth, daß man ihn verschont, ein Strick am Hals wäre sein verdienter Lohn.

Den 25. - ist der Bischof zu Bützow, Herzog Ulrich 2 ), hier angelangt, hat mit mir in meinem Gemach geheim geredet und mir ein Schreiben gezeigt, welches der König von Dännemark an ihn gethan, darin der König begehrt, daß er mir des Kurfürsten zu Brandenburg Tochter möge antragen, denn, wie da steht, sieht der König nicht gern, daß sie den König von Schweden bekommt 3 ); habe ihm die Resolution gesagt, daß meine Gelegen=


1) S. a. a. O. S. 154 a. E.
2) S. oben ad a. 1617. Nov. 11.
3) S. meine Meckl. Geschichte III. S., 240.
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1618.
heit nicht sey, mich in das Haus Brandenburg zu verheirathen aus vielen erheblichen Ursachen; er sehe ja selbst, wie es zu rouine aussehe.

Den 17. habe mit Mr. Witte weitläuftig discurirt von dem Niedersächsischen Kreisestat, vom dänischen Wesen, und wie man sich vor dem Kömge vorzusehen hätte; item den König von Schweden beizuspringen mit Assistenz der Generalstaaten und Hansestädte.

Den 12. März habe ich meinen Ganzer Hajo von Nessen vorgehabt und ihm einen starken Filz gegeben und ihm in höchstem verwiesen, daß er mehremal so ein scharf schreiben an mich gethan und daneben ihm angemeldet, da er mir dienen wolle, solle er mir redlich dienen und mehr Fleiß anwenden oder da er mir nicht mit mehrem Fleiß dienen wolle, so stände ihm das Thor offen, könnte seinen Abschied stündlich bekommen. Er hat mit großem Betheuren auf sich genommen, daß die Schreiben so nicht gemeint, daß er mir dadurch offendiren wolle, bäte, ich möchte ihm verzeihen.

Den 3. März ist mein Bruder nach Cassel geritten.

Den 1. April habe Zeitung bekommen, daß mein Bruder solle zu Cassel mit des Landgrafen Moriz ältester Tochter 1ster Ehe Beilager gehalten haben.

Den 27. Annahme des Hans von Schmalensee zum Hofjunker, für zwei Pferde Futter, den Tisch bei Hofe, Losierung; Heu, Stroh und Licht aber soll er sich selbst schaffen, zur Besoldung monatlich 15 Fl. thut jährlich 180 Fl., Hufschlaggeld er selbst.

Den 5. Juni habe den Maler Daniel Block nach Güstrow gesandt, den Altar da abzuholen, welchen mein Bruder aus der Schloßcapelle hat nehmen lassen (und anstatt dessen einen Calwinschen Tisch dahin gesetzt) und nach Doberan zu führen.

Den 8. - an den Kreisobersten und den Stiftsadministrator zu Magdeburg geschrieben, daß ich das Ausschreiben an den Bischof zu Bützow nicht unterschreiben wolle, weil wir mit ihm noch disputieren, ob das Stift ein Reichsstand oder ein Landstand des Fürstenthums Mecklenburg ist, habe deswegen meinen Bruder verwiesen, daß er den Brief unterschrieben und darin unsers Hauses reputation und Gerechtigkeit nicht besser in Acht gehabt.

Den 23. - bittet mich mein Bruder, ich möge ihm seine Hand wieder senden, weil er von seinem Canzler, Dr. Cothmann, verleitet.

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1618.
Den 3. Jul. Samuel Plessens urtel von Helmstädt gekommen und wird ihm zuerkannt, daß er wegen seines Ehebruchs soll mit dem Schwert vom Leben zum Tode gerichtet werden wie auch die geschwängerte.

Den 6. - haben mich die Plessen ansprechen lassen, ich möge ihrem Bruder das Leben schenken und ihn relegiren lassen; ich habe erklärt, was ihm durch Urtel und Recht zuerkannt, das solle exsequirt werden.

Den 7. - ist des Missetäters Hausfrau zu mir kommen und nebst 2 Kindern einen Fußfall gethan und gebeten, ich möge ihm um ihrer und ihrer Kinder willen das Leben schenken; ich mich erklärt, daß ichs nicht thun könne, wolle auch mein Gewissen nicht beschmuzzen.

Den 9. - hat Michel Brauns an mich geschrieben, daß Samuel Plessen, der gestern gerichtet werden sollen, vor dem peinlichen Halsgericht sein Bekenntnis geleugnet, ist er also wieder in sein Gefängnis geführt worden. Hier hinter ist ein Schelmstück verborgen, sollte auch mein Rath Michel Brauns selbst mit unter der Decke liegen.

Den 4. Aug. ein schreiben vom Bischof Herzog Ulrich zu Bützow, der bittet für den gefangenen Plessen, ich habe den Bescheid geben, ich könnte mit gutem Gewissen ihm die Strafe nicht erlassen, ich wollte es zum andern Mal verschicken, was da erkannt werde, das wolle exsequiren lassen, doch so viel möglich solle er H. Ulrichs Fürbitte Wirkung spüren.

Den 17. - ist Samuel Plessens urtel von Helmstädt angelangt, da ist nicht mehr inne denn daß die vorige Urtel confirmiert, daß man ihn neben der H . . . Maria Gruben richten soll, also habe ich dem Canzler befohlen, daß den 19. d. zwischen 6 und 7 Uhr früh das Weib erst, danach Plessen sollen justificirt werden vor der Canzlei auf der Bahn.

Den 21. - hat mein Canzler an mich geschrieben, daß den 19. Sam. Plessen und Mar. Gruben seyen gerichtet worden, er mit wenig Andacht gestorben.

Den 18. Nov. bin ich auf den Sternberger Landtag gefahren.

Den 20. - zu Güstrow wollen mich die anwesenden von der Ritterschaft zu einem Landtage bewegen, indem sie mir Contribution anbieten, sie begehren neue Landräthe, auf den Landtagen das directorium zu führen, wollen sich auch wegen des Klosters Ribniz dann so gegen meinen Bruder erklären auf vorgängige Taxation, daß wir sämmtlich content seyn sollen. Dies ist eine angelegte Sache, mein Bruder practisiret dies bei der Landschaft,

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1618-1619.
daß er nur Geld bekommt und also die Totaldivision verhindert werde.

Den 18. Dec. ein Schreiben von Vollrath von der Lühe, darin er mir seinen Dienst aufkündigt und seinen Abschied auf Ostern oder aufs längste Johannis begehrt. Dies kommt mir unvermuthlich und befremdend vor, hätte nicht gemeint, daß er mir so kurz anrennen würde - basta - patientia - das Unglück ist schwer, mein Gott hilf aus Noth.

Den 19. - habe meinem Münzmeister Simon Lüdemann durch die Räthe Vollrath von der Lühe und Dr. von Hagen vorhalten lassen, daß die Lübecker und Hamburger meine Münze walwiret und falsch befunden 1 ), er solle mir Rechnung davon geben, habe ihn einziehen und auf dem Hause verstricken lassen, item alle seine Sachen zu Gadebusch inventiren und confisciren lassen.

1619.

Den 19. März. Begehren des Bischofs von Bremen, daß ich mich in das große Bündnis miteinlassen möchte, der König von Schweden habe sich schon erklärt; ich will jedoch vorerst die conditiones kennen.

Den 1. April bei meinem Vetter, dem Erzbischof zu Bremen, in Eutin eingetroffen; allda ist Comedie agiert worden: meines Vetters Maitresse ein Kleinod mit Demanten versetzt verehrt.

Den 13. Mai habe mit dem Weinhändler Heinrich Füren accordiert, gebe ihm für das Ohm 33 Fl., nehme 100 Ohm weissen, 15 Ohm rothen Gänsefüßer und 3 Ohm Kräuterwein.

Den 8. Juni verkaufe um 110,000 Fl. das Amt Tempzin an Siegward von der Wisch.

Den 14. - meine Räthe Vollrath von der Lühe, Hugold Behr, Heinrich Husanus, Christof von Hagen auf den Kreistag nach Lüneburg abgefertigt. Gott der Allmächtige dirigire die consilia zu seinem Lob und meinem und dieses Kreises und Vaterlandes Besten.

Den 19. Juli ist der Münzmeister Simon Lüdemann wegen Falschmünzens zu Schwerin mit dem Schwert gerichtet.

Den 18. Sept. ein Schreiben vom Könige von Dännemark und Herzog Friedrich zu Holstein empfangen, daß sie nicht mehr die Kreistage beschicken wollen, weil sie mit den Hamburgern Streit haben, die sie nicht für einen Kreisstand passiren lassen,


1) S. a. a. O. S. 153.
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1619-1620.
sondern für einen mittelbaren Stand unter dem Hause Holstein halten.

Den 27. - haben die unirten Fürsten im Oberlande an mich geschrieben, begehren, ich möge nach Nürnberg auf den Unionstag kommen, den 2. Nov. (an den Kurfürsten zu Sachsen zum Erachten gesandt.)

Mein Canzler schickt mir einen Loskündigungsbrief von seiner Bestallung und will auf Ostern abziehen.

Den 1. Oct. Audienz der Landmarschälle Lützow und Hane, beschweren sich daß die Kreiscontribution angesetzt und kein Landtag ausgeschrieben sey, begehren darüber zuvor einen Landtag zu halten.

Den 23. - dasselbe von Seiten der Stadt Rostock.

Den 17. - habe Gebhard Moltke mein Bedenken, so ich mit eigener Hand geschrieben und titulirt habe: Discours du présent estat de Mechelburgk, gegeben. Gebhard Moltke den Discours durchgelesen, gefällt ihm wohl.

Den 29. - begehren Henning und Joachim die Lützower auf Schwechow und Pritzier mit mir zu tractiren wegen der Jagd, habe ihnen zugegeben, daß sie mögen von Aegidi bis Weihnacht auf dem Ihrigen jagen, ich aber Macht behalte auch auf dem Ihrigen zu jagen und zu schießen vor der Zeit; sie haben sich auch verpflichtet mir als Recognition ein gut Pferd zu geben, wie ich es ihnen werde anzeigen lassen. Diese Vergünstigung geht nicht weiter als auf ihre männlichen Leibeslehnserben a linea descendente und soll von niemand anderen in consequenz gezogen werden.

Den 16. Nov. an meinen Bruder geschrieben wegen Werbung der Tripelhülfe und andrer Sachen, als Anschlagung der Patente, daß sich die Unterthanen in keine andere Bestallung einlassen sollen.

Den 23. habe mit dem Kaufmann Cord Ulrichs aus Braunschweig tractirt wegen 1000 Musketen, 50 Kürassen, 50 Paar Pistolen, 12 Doppelhaken (das Stück Musketen mit Bandelier und fourchette zu 4 schlechte Thaler, macht für 1000 Stück 7000 Mark lüb.)

1620.

Den 6. Februar, ma mère me fait tant de caresses pour me tromper; mir Fräulein Anna Marie von Ostfriesland angetragen zu ehelichen, habe mich über nichts erklärt.

Den 5. März habe an den Kreisobersten, Herzog Christian zu Lüneburg, geschrieben, er möge sich an gleich und recht ge=

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1620.
nügen lassen und das feindselige Vornehmen wider Hamburg abschaffen; ein gleiches Ermahnungsschreiben an Herzog zu Braunschweig für jenen.

Der Canzler Hajo von Nessen stirbt den 29. März.

Den 2. April ich und mein Bruder haben geloost, wer Reuter oder Fußvolk werben soll; so ist mir das Fußvolk zugefallen.

Den 10. Mai habe an alle meine Räthe geschrieben, ihr Bedenken mir zu geben, wie jezo, weil mein Canzler todt, ich mein Regiment anstellen, wieder in eine bessere Form zu bringen, daß ich mit dem Justizwesen ganz nichts zu thun, sondern nur auf Reichs= und Kreissachen und auf mein öconomisch Wesen sehen möchte; werde nun vernehmen, was sie mir Gutes rathen werden.

Den 14. Mai ist keiner von den Gesandten 1 ) zur Tafel gewesen, nach dem Essen bin ich zum Herzog (zu Sachsen) gegangen, von da zu Hieronimus Elwer, da habe ich mit saufen müssen; der hat mir alle resolutiones communicirt, welche ihm die Fürsten gegeben, in specie des Königs zu Dännemark. Der Herzog zu Sachsen ist sehr melancholisch gewesen.

Den 18. Mai ist der Bischof Ulrich von Bützow hier gewesen, wie seine Gewohnheit gesoffen und schandiret.

Den 19. Mai spricht mich der Bischof Ulrich an, ich möge den Trompeterjungen Jochim, welchen ich habe lernen lassen, wehrhaftig machen, habe es anfangs difficultirt, aber auf sein vielfältiges Anhalten doch endlich ihm den Degen neben 3 guten Maulschellen angehängt.

Den 19. Mai ist der holsteinsche Canzler Martinus Chemnicius hier angelangt und bei mir zu Nacht gegessen; habe ihn angesprochen er möge mir doch eine Person zum Canzler nachweisen und mir sein Bedenken geben, wie mein Regimentswesen recht und ordentlich anstellen könnte.

Den 22. Mai haben sich nach Essens Kurfürstl. Heidelbergische Commissarii (jetzt vermeinte Königl. Böhmische) angegeben, begehren Audienz, haben aber kein Creditiv. Habe heute 300 Musketen nach Poel auf die Festung gesandt. Moßheim, des vermeinten Böhmischen Königs Kämmerer und Capitän über die Leibguardi, jetzt Kriegscommissarius der 2000 englischen Soldaten, die hierdurch ziehen sollen, darauf er den Paß begehrt, welchen ich ihm gleichwohl soviel möglich abgeschlagen, denn es meine Unterthanen am ärgsten treffen würde, da sie nach der


1) S. Jahrbücher des Vereins für meckl. Gesch. u. s. w. Jahrg. I. 1836. S. 137.
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1620.
Mark ziehen von Hamburg aus und meines Bruders Lande gar nicht berühren.

Den 23. Mai habe den Böhmischen Commissarius wieder abgefertigt und ihm das Volk durchzuführen abgeschlagen, ist also malcontent geschieden 1 ).

Den 26. Mai kommt Bugislav Behr mit einem Creditiv von meinem Bruder, wollte gern den König von Böhmen oder besser gesagt, den Kurfürsten von Heidelberg favorisiren und haben, daß die 2000 englische Soldaten möchten hier im Land logirt und ihnen der Paß nach der Mark und der Lausniz verstattet werde, ich habe es rund abgeschlagen.

Den 3. Juni Heinrich Husanus aus Hamburg an Mr. Behr geschrieben, daß die 2000 Engländer daselbst angelangt.

Den 4. Juni ein Schreiben von der Herzogin zu Grabow empfangen, die schreibt, daß das englische Volk 3560 zu Fuß schon zu Blücher im Amt Boizenburg angelangt, wollen ihren Weg durch Mecklenburg nehmen.

Den 6. Juni habe ich aviso von Dömiz bekommen, daß die Hamburger das Volk nicht wollen passiren lassen, sondern wollens in ihre Dienste nehmen. Statthalter und Räthe auf dem Parchimer Landtage sehr scharfe und ungeschliffene Briefe wegen der Rostocker Irrung betreffend die Accise und Universität item wegen Durchzug des englischen Kriegsvolks an mich geschrieben, muß sehen wie ihnen wieder einmal einen Possen reisse.

Den 7. Juni habe ein Schreiben von meinem Bruder empfangen, der will mich was fexiren und hat kein Zeug dazu.

Den 9. Juni Schreiben von meinem Bruder, will sich ganz von mir wegen Durchziehung des englischen Kriegsvolks separiren, will mir gern einen Schimpf gönnen - patientia - will sehen wie ihm wieder einen Possen reisse; es ist eine Schande, da man ihnen noch den Paß wehren könnte, will er doch die Calwinisten, seine leichtfertigen Religionsgenossen, favorisiren.

Den 10. Juni deshalb an meinen Bruder geschrieben wegen des englischen Durchzuges, er möge doch den Erbvertrag ansehen, was der von Durchzügen disponiret.

Den 11. Juni ein schreiben von meiner Frau Mutter empfangen, dar steht dul Zeug in vom Bischof zu Bremen und König zu Dännemark.

Den 13. Juni kommt Post von Husanus, Geo. Malzan und Hartwig Pentz zu Toddin, daß das englische Volk zu Boizenburg (weil sie gemerkt ich sie nicht habe durchstatten wollen) zu


1) S. meine Meckl. Geschichte III. S. 165.
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1620.
Schiff nach der Lüneburgschen Seite übersetzen lassen und sie also nach der Mark willens zu ziehen, haben also Gottlob unser Land verschont.

Den 15. Juni habe an König von Polen geschrieben wegen Herzogs Wilhelm zu Curland, daß er ihm sein Land möge wieder einräumen.

* ) Den 11. Juli habe einen Lakaien an den Kurfürsten nach Dresden gesandt und geschrieben, wie es hier im Kreise zugehe, item ein Schreiben an Herzog Christian zu Braunschweig, begehre von ihm zu wissen, ob er mein Freund oder Feind seyn will oder wessen ich mich von ihm zu versehen habe. Daniel Block der Maler hat Judelium über Tafel hart angegriffen mit Sachen, daß ich mich darüber fast erzürnt und Daniel eine Maulschelle gegeben.

Den 25. Juli habe ein Schreiben in der Form eines Cartels von Herzog Christian zu Lüneburg empfangen, werde mit ihm fechten müssen.

Den 4. August ein Dankschreiben vom König von Schweden durch Mr. Witte erhalten und geheime Mittheilung.

Den 4. Aug. eigenhändig Antwortschreiben an den König von Schweden; den Stallmeister dahin abgefertigt mit 3 Pferden zum Geschenk an Seine Königl. Würden.

Den 21. Aug. an S. Kais. Maj., der mich und die Stadt Augsburg zu Commissarien bestellt, um die Städte und den Herzog von Lüneburg zu vergleichen; ich reite, um melancolie zu vertreiben, spazieren und bekomme, wie ich heimkehre, noch ein Schreiben von S. Kais. Maj., ich möge den Böhmen keine assistence thun, es sey auf was Wegen es wolle.

Den 30. Aug. der Schwedische Gesandte Oxenstjerna um 16 Uhr Vormittags hier zu Schwerin angelangt, viel mit ihm discurirt und bei ihm an die Kurfürstin von Brandenburg geschrieben.

Den 5. Sept. ist Mr. Joh. Witte bei mir zu Poel gewesen, hat von der Conföderation mit mir geredet und will ein Schreiben an den König abfassen, welches ich mit eigenen Händen an ihn thun soll, und sonst allerhand discours.

Den 6. Sept. 2 Schreiben an Kais. Maj.

Den 7. Sept. bin ich nach Mittag an des Königs Schiff gefahren. Der Admiral mich zu sich hinauf gebeten, ich aber entschuldige mich.


*) Vom 20. - 27. Juni s. Jahrbücher a. a. O. 138 u. 139.
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1620.
Den 8. Sept. den Admiral Karl Karlson bei mir zu Mittag gehabt.

Den 15. Sept. ein Schreiben von der Kurfürstl. Brandenburgischen Wittwe erhalten, die will morgen mit der Königl. Braut (Gustav Adolfs) zu Dömitz die Nacht seyn 1 ).

Den 20. Sept. Ankunft der Königl. Braut Abends 8 Uhr hier zu Schwerin.

Den 21. - ist das ganze Wesen hier still gelegen.

Den 22. - bin ich um 8 Uhr früh mit der Königl. Braut und dem ganzen Comitat von Schwerin nach Wismar gezogen. meine Frau Mutter mit dem Frießländischen Fräulein und mein Bruder mit seiner Gemalin angelangt; auch der Erzbischof von Bremen spät Abends, wie wir sämmtlich auf dem Rathhause Tafel gehalten, angelangt; nach Essens habe die Braut in ihr losir geführt.

Den 23. - nach der Malzeit sämmtlich nach Poel gefahren und bis in die Nacht getanzt.

Den 24. - früh hat mich mein Vetter, der Erzbischof von Bremen, angesprochen, ich möge mich in Conföderation mit ihm und Herzog Friedrich zu Holstein einlassen, und mir eine Notel einer Conföderation zugestellt; habe gesagt, ich könnte mich bei dieser Confusion nicht resolviren, bitte um Bedenkzeit, habe von den Städten noch keine Resolution, ob der König von Schweden pure sich dazu verstanden mit ihnen in Bündnis zu treten; er ist fast malcontent gewesen. Ueber Tafel läßt mir die Kurfürstin sagen, sie wolle zu Schiff gehen, habe ihr das Geleit gegeben, sie hat bei sich gehabt die Herzogin zu Braunschweig und eine Jungfrau; ich bin wieder vom Schiff gefahren und habe mich ans Land sezzen lassen und bin eher aufs Haus kommen als der Admiral; so ist der Admiral mit der Braut fortgezogen, wir sind in sinkender Nacht wieder auf Poel angelangt, ich habe ein Feuerwerk angehen lassen, darüber ist der Edelknabe Heinrich Tomstorff zu Schaden gekommen.

Den 25. - ist Gustavus Horn mit Credenzschreiben angekommen, um den Bischof zu Bremen, mich, meinen Bruder und Frau Mutter nach Schweden einzuladen; habe ihm eine Kette von 36 Kronen verehrt, der Königlichen Braut einen großen Demantring verehrt, kostet 570 Rthlr.

Den 10. October. Audienz der beiden Landmarschalks Henning Lützow und Vicke Malzan, bitten, daß nicht totaliter dividiren solle, habe gut Deutsch mit ihnen geredet.


1) S. meine Meckl. Geschichte III. S. 240.
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1620 - 1621.
Den 20. - hat Mr. Behr seinen Diener, Heinrich Reding, wehrhaftig gemacht.

Den 2. Nov. zu Güstrow die Tractaten wegen der Totaldivision abermals angefangen; mein Bruder hat gar scharf mit dem Landmarschall Henning Lützow geredet.

Den 9. - ist die Proposition dem Ausschuß der Landschaft geschehen und angezeigt, daß mein Bruder und ich gänzlich entschlossen, totaliter zu dividiren; Nachmittags zum Ringe gerannt.

Den 12. - auf den Abend beim Tanz hat mir meines Bruders Gemalin einen schönen Ring und einen favor auf den Hut präsentiert;

Den 18. - abermals ein Kleinod auf den Hut.

Den 23. - hat mein. Bruder den Punkt wegen Reformirung des Thums allhier zu Güstrow stark betrieben; die Landschaft hat sich weder kalt noch warm erklärt.

Den 24. - Die Landschaft begehrt heimzuziehen, wir den 12. Dec. zum Landtag angesezt, vorher 8 Tage ist den Rostokern 1 Tag mit ihnen wegen Accise zu tractiren angesezt und ausgeschrieben; der Landschaft Resolution, daß sie uns die Totaldivision sperren wollen.

Den 28. - bin ich mit gutem contento von Güstrow geschieden.

Den 7. Dec. bietet mir Christoff Neukirchen 100,000 Fl. auf das Amt Iwenack zu leihen an.

Den 13. - Anfang des Landtages zu Güstrow.

Den 16.- stark Rath gehalten, tolle Erklärung von der Landschaft bekommen.

Den 21. - die Landschaft eine leichtfertige Resolution übergeben, daß eine Schande ist; ein Schreiben von Kais. Maj., daß er Prag wieder erobert, item vom Statthalter der Kurpfalz.

Den 25. - von Güstrow abgezogen mit den beiden Herzogen von Curland (Vater und Sohn) nebst Vietinghoff.

Den 28. - Rath gehalten und wegen der Special= und General=gravaminum der Ritter= und Landschaft wie auch der Städte deliberirt; ist fast der Mühe nicht werth.

1621.

Den 9. Januar zu Güstrow auf dem Landtag angelangt.

Den 10. - ist der Landtag angegangen, aber noch sehr wenige von der Landschaft erschienen.

Den 11.- haben die Rostocker und Wismarer ihre supplicationes übergeben. Rostock will die Theilung und in den

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1621.
Mecklenburgschen Theil gelegt werden, Wismar bittet, man möge nicht theilen und sie den Rostockern gleich halten.

Den 12. - haben wir ihnen lassen die Resolution geben, daß wir ungeachtet ihres Einwendens bei unsrer Theilung verbleiben wollen; von der ganzen Landschaft ein Schreiben erhalten nebst einer Belehrung, ob der Dom allhier zu Güstrow meinem Bruder einzuräumen (die Belehrung ist von Wittenberg eingeholt).

Den 14. - Erklärung der Landschaft wegen der Totaldivision und ihrer gravaminum. mein Bruder hat einen Bären gehezzt.

Den 17. - Endliche und schließliche Erklärung der Ritter= und Landschaft, wir sollen die Totaldivision verbleiben lassen, so wollen sie uns 600,000 Gulden geben, wo das nicht annehmlich, wollen sie davon ziehen und ihre vorige Protestation wiederholt haben.

Den 18. - habe mich auf Bitten meines Bruders resolviret, daß das Land= und Hofgericht wie auch das Consistorium solle gemein bleiben, daß aber die Landschaft per supplicationem darum anhalte.

Den 19. - habe wegen des Doms starken disput gehabt, sonst wegen des Regiments sind wir mit der Landschaft in guten terminis.

Den 20. - hat mein Bruder wegen des Doms etwas gemault, daß ihm der Dom nicht wolle eingeräumt werden Calwinisch darin zu predigen.

Den 22. - hat sich derselbe des Doms gänzlich begeben zu reformiren, nur daß ihm erlaubt sey, seine Begräbnis= und Leichenpredigt durch seinen Calwinschen Pfaffen darin verrichten zu lassen.

Den 24. - späte resolution von meinem Bruder, darin er sich sehr bedrohlich vernehmen läßt und die Theilung ganz zerschlagen will; will er Contribution haben, muß er wohl andere Worte geben.

Den 25. - habe durch meine Räthe mit meines Bruders Räthen tractieren und ihnen zu Gemüth führen lassen, was daraus entstehen würde, wenn sie die Calwinsche Religion so fortsezen wollten, daß dadurch die Theilung und Contribution verhindert und ich alsdann ihm, Geld auf Aemter zu nehmen, auch nicht consentiren würde.

Den 26. - läßt mir mein Bruder sagen, er wolle die Totaldivision ganz zerschlagen lassen, sich der Contribution auch gänzlich begeben, und eine ganz neue Calwinsche Kirche zu Güstrow bauen lassen, ich habe ihm wieder sagen lassen, ich

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1621.
hätte mich hierher begeben, nicht wegen der Religion mit ihm zu disputiren, sondern Land und Leute mit ihm zu theilen, hätte mich solchen Disputs nicht vermuthet, wolle nur wissen, ob er seine Opinion der Landschaft allein oder conjunctim mit mir zur Resolution geben lassen wolle, ersteren Falles wolle auch ich meine Erklärung absonderlich thun lassen.

Den 27. - hat sich mein Bruder resolwiert, es sey so nicht gemeint, wie es vielleicht aufgenommen, er begehre nur seine Capelle auf seinen Häusern und allhier seine Schloßkirche größer zu bauen und einen Präceptor für etliche wenige Knaben; dies ist der Landschaft angezeigt worden und ihr den 5. Febr. wiederzukommen befohlen.

Den 31. - hat mich mein Rath, Dr. v. Hagen, gebeten, ihm zu erlauben, ein Geschenk von der Stadt Rostock zu nehmen, weil er viel Mühe bei den Accisetractaten gehabt; habe es ihm für diesmal erlaubt, ihm aber hart ingebunden, hinfüro von keinen zu nehmen.

Den 16. März wie in Doberan bei Tafel size, kommt Herzog Joachim Ernst zu Holstein=Sonderburg an; sein Begehren ist, daß er möge Volk werben für den König von Dännemark; ich habe ihm heimlich zu werben erlaubt. (Dasselbe den 12. März in Schwerin von einem dänischen Hauptmann begehrt.)

Den 23. - wie ich zu Bett gangen bin, haben Bogislav Behr und Hans Gristow sich verunwilligt, also daß Gristow den Behr mit der Faust in meinem Vorgemach an den Hals geschlagen und darauf von Leder gewischt, haben sie von einander gebracht und sind Beide davon geritten, ehe ichs erfahren; es soll sonst Behr große Discretion gebraucht haben.

Den 19. April hat Jacob Schack den Hoffrieden gebrochen, ist ins Gefängnis geworfen worden.

Den 20. - habe den Saalknecht und Silberjungen durch den Burgvogt wehrhaft machen lassen.

Den 12. Mai habe Heinrich Husan und Lewin Ludwig Hane nach Wien zum Kaiser, die Lehen zu empfangen, abgefertigt.

Den 14. - zu Sternberg auf den angesezten Landtag angelangt.

Den 15. - mit meinem Bruder zusammen auf den Judenberg geritten, allwo die Proposition geschehen. Anfrage von Erzbischof von Bremen und vom Herzog Friedrich zu Holtein, ob ich die mir vom Kreise angetragene Legation an den Kaiser annehmen werde oder nicht, Antwort an Beide que non.

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1621-1622.
Den 17. - wieder mit meinem Bruder auf den Judenberg gezogen und die Anweisung und Erlassung beiderseitiger Landschaft vollzogen.

Den 20. Juni habe an Fräulein Anna Maria zu Frießland geschrieben, schicke ihr einen Zelter mit Sattel und Zeug und einer Floretsammtdecke.

Den 26. - bin ich mit dem Erzbischof von Bremen von Neustadt aus nach Dresden aufgebrochen.

Den 7. und 8. Juli in Leipzig. Abends haben uns die Studenten eine musique gebracht, und habe dort den Postmeister in Eid und Bestallung genommen, zahle ihm jährlich 60 Rthlr.

Den 22. Sept. ist Moriz von der Marwitz (bisheriger Hofmeister bei der Prinzessin zu Halle, Gemalin des Administrators zu Magdeburg und als Rath und Cämmerer von mir in Dienst genommen) hier bei mir zu Neustadt angelangt.

Den 26. - habe Matthias Güntersberg zum Landrichter mit 2000 Fl. jährlicher Besoldung bestellt.

Den 12. Oct. ein Ballet in Güstrow mir zu Ehren von Prinzessinnen getanzt.

Den 31. - hat mir meine Frau Mutter ein schriftlich Bedenken gegeben und mir gerathen, mich mit der Jüngsten von Frießland in ehelichen Stand zu begeben.

Den 16. Dec. hat mir mein Vetter, der Erzbischof von Bremen, in Rehna bei meiner Frau Mutter einen schönen Reiherbusch und ein Pferd verehrt, alles darum, daß ich Anna Maria von Frießland nehmen soll.

Den 18. - habe nach Mittag mit Fräulein Anna Maria allein in meiner Schwester Losament Karten gespielt und ihr ein Demant Symbol in Ring gefaßt verehrt, elle me remercie affectionement.

Den 20.- meine Frau Mutter allhier zu Schwerin, sind sehr lustig gewesen, habe getanzt und Fräulein Anna Maria zu Frießland für eine Tochter aufgenommen.

1622.

Den 4. März bin ich von Neustadt auf Lübz gezogen auf Fastnacht, wo meine Schwester und Muhme mir eine lustige Maskerade gebracht.

Den 7. - habe allda mit Fräulein Anna Maria geredet und mich mit ihr doch unter uns versprochen, da es beiden Theilen nach Gottes Willen nach verflossenen 8 Monaten gefiele, uns mit einander zu verehelichen, habe ihr einen Spiegel mit

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1622.
Gold eingefaßt und mit Demanten besezt geschenkt, kostet mir 460 Rthlr. spec.

Den 14.- zu Doberan zwei junge östreichische von Adel vorgefunden, Joh. von Schliz, sonst Görz genannt, und dessen Bruder. Der älteste hat mir theses dedicirt, habe ihm mein Conterfey in Gold präsentirt, ist ein feiner junger Mensch.

Den 22. - eine Antwort von meiner Mutter und von Fräulein Anna Maria mit einem Schachtelchen darin ein faveur von ihrem eigenen Haar.

Den 9. April ist des verlaufenen Königs von Böhmen Gesandter angelangt, Herr Achatius von Donop, begehrt geheime Audienz ohne einige apparence, hat sie auch erhalten, begehrt Geld und Assistenz für den Pfalzgrafen Friedrich, den verlaufenen König aus Böhmen.

Den 28. - haben mein Bruder und ich zu Güstrow geloost, in welchem Antheil Landes das Hofgericht fallen und ist mirs gefallen, da es in meiner Stadt Sternberg soll angerichtet werden.

Den 3. Mai ein Schreiben von dem kaiserl. Hofrath Veit Heinrich von Stralendorf, berichtet mir, daß S. Kais. Maj. mir ein Roß präsentirt.

Den 22. Juli habe Heinr. Lewezow nach Verden gesandt um Fräul. Anna Maria zu Frießland zu werben und die Heirathsnotel richtig zu machen.

Den 9. Aug. habe einen Mantel von ungeschorenem Sammt für 150 Rthlr. gekauft, eine Satteldecke für 180 Rthlr.

Den 11. Aug. ein Zusagungsschreiben vom Grafen Cuno zu Ostfrießland für seine Tochter, Frl. A. M. durch meinen Gesandten Lewezow aus Aurich erhalten.

Den 25. Aug. habe Moriz von der Marwitz für meinen Hofmarschalk bestellt, den Burgvogt Hans Schwellengrebel für einen Haushofmeister.

Den 2. Sept. bin zu Verden angelangt.

Den 3. Sept ebendaselbst auch meine Braut A. M. nebst ihrem Vater Gr. Cuno zu Ostfriesland, ihren Brüdern Schwester und meine Mutter.

Den 4. Sept. ist allda meine Trauung gefeiert worden.

Den 5. - ist die Morgengabe präsentirt worden.

Den 9. - mit meiner Gemalin und deren Brüdern die Heimkehr angetreten.

Den 16. - zu Poel angelangt, den 19. zu Doberan; den 22. ist mein Bruder mit seiner Gemalin und seinen beiden Töchtern angelangt; bis zum 25. geblieben.

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1622-1623.
Den 27. - bin ich mit meiner Gemalin nach Altenhof geritten.

Den 30. - sind wir nach Güstrow gezogen, wo uns mein Bruder mit 109 Pferden empfangen hat.

Den 6. Oct. wieder zu Doberan angelangt.

Den 5. Nov. auf den Abend über Tafel ist meine Gemalin übel worden, daß sie ist aufgestanden, und in meine Kammer gegangen und ganz beschwimet, daß man ihr das Kleid vom Leibe reissen und schneiden müssen; wie ich aber wieder zu ihr kommen, ist sie gar lustig wieder gewesen.

Den 11. - habe meinen Marschalk Moriz von der Marwitz und Georg Linstow als Commissarien nach Sternberg gesandt, allda das neu angestellte Land= und Hofgericht zu introduciren und den Land= und Vicelandrichter neben den Assessoren in Pflicht zu nehmen.

Den 21. - bin ich von Mecklenburg aus mit meiner Gemalin nach der neuen Schifffahrt, so von Vicheln bis Wismar gehen soll, gefahren und die Schleusen besehen.

Den 9. Dec. habe dem Vorbescheide mit der Ritterschaft Meckl. Kreises und der Stadt Wismar in Person beigewohnt.

Den 10. - abermals, ohne sie vertragen zu können. Die Rostocker sind der Wismarschen Beistand gewesen, haben viel Werks gemacht, habe ihnen einen starken Filz geben lassen, daß sie zu dieser Sache nicht berufen und in besonderen Vorwiz, sich in diesen Handel mengen zu wollen.

1623.

Den 17. Januar habe Christof Stralendorf für einen Rittmeister bestellt.

Den 4. Febr. auf den Abend in Malchin 1 ) auf dem Landtag augelangt, bis zum 7ten.

Den 25. - die Reuter, so ich habe werben lassen, im Felde bei Dömitz besehen und in Ordnung bringen lassen.

Den 26. - sie gemustert und nach der Musterung schwören lassen in vollen Waffen.

Den 2. März habe mit Rittmeister Joh. Oldenhövet tractirt wegen Bestellung, daß er mir 140 Pferde Arquebusirer werben soll, welche er angenommen.

Den 6. - habe mit Rittmeister Otto Vietinghoff, so in Polen gedient, gehandelt und ähnliche Bestellung 140 Pferde zu werben.


1) S. meine Meckl. Geschichte III. S. 169.
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1623 - 1624.

Den 7. - habe mit Hamburger Schiffer wegen der Schifffahrt von Dömitz bis Vicheln geredet, der sagt, es könne wohl gehen, aber von Vicheln bis Wismar könne er nicht rathen.

Den 10. - den ganzen Nachmittag mit Musterung des Landvolks zugebracht.

Den 11. u. 12. - auch gemustert.

Den 18. - mit meiner Anna Maria zu Heinrich Husan in Neuhof zu Gast gewesen.

Den 5. Mai habe ich Otto Vietinghoffs Companey zu Neustadt im Garten gemustert und die Reuter zum Fähnlein schwören lassen.

Den 18. Juli ist der Rittmeister O. Vietinghoff wieder zu Schwerin von H. Christian zu Braunschweig=Lüneburg und vom Grafen Tilly, des Kaisers oder vielmehr der santa liga General, angelangt, bringt schlechte Hoffnung zum Frieden.

Den 30. - mit meinem Bruder zum Kreistage in Braunschweig angelangt.

Den 31. - daselbst zu Rath geritten, auf den Abend 4 Uhr beim König von Dännemark zu Gast gewesen, welcher uns große Ehre erzeigt und mich für seinen Sohn aufgenommen hat.

Den 1. Dec. ist meine Gemalin A. M. allhier zu Schwerin von einem Sohne entbunden worden.

Den 6. - ist Husanus vom kaiserl. Hofe hier wieder angelangt und hat mir die Confirmation über die Zollerhöhung von S. Kais. Maj. gebracht, item das privilegium de non appellando auf 1000 rhein. Goldgulden.

Den 8. - hat Capitän Lübbecke seinen Eid abgelegt, habe ihm Patente gegeben 200 Soldaten zu Fuß zu werben.

Den 18. - habe ich einen Mansfeldischen Capitain gefangen nehmen und zu Neustadt verwahren lassen.

1624.

Den 18. Januar ist mein Kind getauft worden, habe es Christian nennen lassen.

Den 18. März Audienz des Königl. Schwedischen Abgesandten, Peter Sparre.

Den 14.- ist auch der Schwedische Gesandte Dr. Joh. Salvius hier angelangt.

Den 11. April an den König von Schweden geschrieben.

Den 16. Juni habe ich meinen Münzmeister einziehen lassen.

Den 16. Juli habe ich Guntersberg als Statthalter, Moriz von der Marwitz und Dr. Joh. Overberg mit Instruction an die

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1624-1625.
Domherren allhier zu Schwerin abgefertigt, mit ihnen zu tractiren, daß sie meinen Sohn zum Coadjutor ihres Stifts annehmen möchten, die sich verreversiren, hinfüro keinen als einen Herzog zu Mecklenburg zu wählen, worauf sie mir am 17. eine Assecuration unter Hand und Siegel gegeben.

Den 6. Aug. bin ich mit A. M. und meinem ganzen Hofstaat zu Dömitz zu Schiff gegangen und die Elbe hinuntergefahren.

Den 9. - vor Hamburg angelangt und bei Altona ein Embdener Schiff gedungen.

Den 14. - auf Norderney angelangt, nach überstandenem gefährlichen Sturm.

Den 16. - in Schloß Emden angelangt.

Den 18. - zu Aurich.

Den 10. Oct. wieder in Schwerin angelangt.

Den 22. Dec. einen Bären, Wolf und Dachse gehezzt bei Schwerin.

Den 27. - hat der Schwedische Gesandte, Ritter Rask, Audienz gehabt und öffentlich proponirt, daß man möchte in der Sache Oldenburg contra den Erzbischof zu Bremen letzterem assistiren, auch hat er mir andere secreta, welche ihm der König befohlen, proponirt.

1625.

Den 11. Januar hat meine A. M. eine Tochter geboren.

Den 1. Februar ein schreiben empfangen von des Königs von Schweden General Jacob de la Gardie, begehrt, ich möge ihm gestatten, daß sein Cornet etliche Reuter hier werben dürfte, ist abgeschlagen.

Den 7. - ist der gewesene Küchenmeister von Zarrentin, Jacob Hamke, auf meinen Befehl gehängt worden.

Den 16. - haben meines Schwiegervaters Gesandten meinen Brautschaz und meiner Gemalin Aussteuer gebracht, habe Streit mit meinem Marschalk gehabt, läßt mich fragen, ob die Ostfrießländischen Gesandten auf Zinn sollen tractirt werden, ich ihm gesagt, er werde schon wissen, daß sich gebüre, auf Silber zu speisen.

Den 6. März ist mein Töchterlein Sophia Agnes getauft worden.

Den 20. - bin mit meinem Bruder nach Lauenburg zum König von Dännemark, wo auch den Erzbischof von Bremen gefunden. Der König hat uns durch Letzteren fragen lassen, ob wir für nöthig erachteten, daß ein Defensionswerk im Kreise

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1625.
anzustellen, und einen Receß darüber ausgetheilt, auch dabei anzeigen lassen, wem der Receß nicht gefiele, der möchte davon bleiben, wonach wir denselben unterschrieben.

Den 3. April hat mir der Ritter Rask eine schriftliche Proposition übergeben, darin er des Königs von Schweden Meinung des evangelischen Wesens halber mir entdeckt.

Den 27. - haben mein Bruder und ich eine Legation nach Schweden nebst dem Ritter Rask zu senden beschlossen und den Hofjunker Dietr. Bartold Plessen dazu bestimmt.

Den 2. Sept. ein Schreiben von Heinr. Husanus erhalten, der warnt mich, daß ich mich von dem Könige zu Dännemark abthun und wieder zu kaiserlicher Devotion begeben soll.

Den 11. - auf dem Landtage zu Parchim angelangt.

Den 13. - haben mein Bruder und ich Heinrich Husanus durch die Räthe es stark verweisen lassen, daß er uns in seinem Schreiben Schuld gegeben, daß wir von Kais. Maj. abgetreten und mit dem Könige von Dännemark in Verbündnis uns eingelassen, was doch nicht geschehen, sondern wer es redet, der lüget. - Die Landschaft ist weder mit Güte noch mit Worten zu einer Kreishülfe zu bewegen.

Den 19. - in Neustadt wegen bösen Wetters und Uebelbefindens habe mit Grafen Heinrich zu Stolberg piquet gespielt.

Den 24. Oct. mit meinem Bruder zur Musterung nach Parchim, wohl 160 Pferde stark. Die Ritterschaft ist bei den Umständen, daß jetzt viele vom Adel außer Landes und im Kriege sind, wohl 1500 Pferde gewesen. Die Ritterschaft hat vielerlei noch begehrt, ehe sie sich hat lassen mustern wollen.

Den 28. - haben wir der Ritterschaft auf dem Rathhause gewilligt, daß die Lehngüter, so von uns erkauft seyen, auch contribuiren sollten, sie haben allerhand Difficultät gemacht, endlich haben wir ihnen anzeigen lassen, die Gefahr wäre zu groß, weitläuftige disput zu machen, sie solle sich resolviren, wer geneigt wäre auf der Fürsten Seite zu treten und für das Vaterland ritterlich zu fechten, der solle sich rund heraus erklären und die Hand aufheben, welches die Anwesenden gethan, darauf vivat geschrieen, wir haben sie mit Wein und Confect tractirt und dann wegen der Rittmeister Bestallung mit Christoff Stralendorf und Vollrath Preen tractirt auf 160 Rthlr. den Monat gage zu geben.

Den 4. Nov. habe ich den Räthen in den Städten vorgehalten, in welcher Gefahr wir sämmtlich jetzt begriffen; sie möchten sich deshalb dazu verstehen, sich kriegsfertig zu halten, daß wir mit geworbenem Volk fechten könnten, welches sie bewilligt.

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1625-1626.
Den 7. - in Güstrow den ganzen Tag mit den Landräthen berathen.

Den 8. - eine Legation an den König von Dännemark beschlossen. Die Landräthe haben gebeten, wir möchten an Kais. Maj. und den von Wallenstein, genannt Fürst von Friedland, senden, aber wir haben es ohne Mitrathen und Vorwissen des Königs von Dännemark, als unsers Kreisobersten, nicht thun wollen.

Den 11. - habe zu Neustadt 86 Reuter gemustert.

Den 22. - 81 Lehnpferde und städtisches Fußvolk gemustert.

Den 1. Dec. habe der Stadt Wismar 300 Mann und Rostock 400 Mann zu stellen geboten.

Den 4. - habe einem Hamburger Kaufmann 4650 Rthlr. Spec. für Pulver, Lunten und Victualien gezahlt.

Den 13. - haben mein Bruder und ich Rath gehalten und beschlossen, daß man bei dem einmal gemachten Kreisschlusse beständig verharren solle, auch ein Schreiben an König von Dännemark senden, daß er dem Grafen von Mansfeld commandiren möge, aus dem Kreise sich zu begeben.

Den 16. - habe die Stralendorfschen Reuter mustern und schwören lassen.

Den 23. - abermals Soldaten gemustert und schwören lassen.

Den 30. - habe zu Wismar mit der Stadt und dem unter mir gesessenen Adel tractiret wegen Ein= und Auszuges aus Wismar. sie haben sich nicht recht gegen einander erklären wollen. habens verschoben bis auf den Landtag.

Den 31. - habe von ihnen begehrt zu wissen, wie die Stadt gegen unvorhergesehenen Ueberfall zu defendiren sey und wie sie mit Geschüz, Proviant und allem Zubehör versehen. Da hat sich befunden, daß es gar schlecht bestellt gewesen.

1626.

Den 7. März hat mir meine A. M. den 2ten Sohn geboren. Den 14. Mai die Taufe meines 2ten Sohns, der Karl genannt ist.

Den 25. - habe 150 Lehnreuter gemustert.

Den 7. Juni habe zu Dömitz den Anfang zu den Aussenwerken machen lassen.

Den 23. Juli ein Schreiben von meinem Bruder bekommen, begehrt, man möge das Aufgebot ergehen lassen, da er avis habe, daß Wallenstein in Mecklenburg und Holstein einfallen werde.

Den 31. - habe an den König von Schweden geschrieben den Zustand, der jezo im Reiche ist geschildert und gebeten,

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1626.
daß er mir möchte rathen, wie ich meinen Staat conserviren könne.

Den 1. Aug. habe wegen meines Haus= und Hofwesens deliberirt.

Den 2. - habe dem Lakai, der im Garten das Parlament (d.h. Wortwechsel) angefangen, das Leben geschenkt und unter Joach. Hamken Kriegsvolk zu dienen verordnet. habe Gottlieb von Hagen ein junges lichtbraun Pferd verehrt aus meinem Gestüt, der junge Lützow genannt.

Den 22. - habe zu Kraak die böse Zeitung bekommen, daß der König von Dännemark von Tilly geschlagen und der General Fuchs an der Seite des Königs getödtet sey.

Den 28. - einen Reuter einziehen lassen, welcher ausgiebt, er habe auf dem Fuchsfelde einen Grafen ausgeplündert und erschossen.

Den 30. - zu Sternberg mit meinem Bruder beschlossen, Bartold Bülow in unser Beider Namen an den König von Dännemark zu senden und ihn zu bitten, daß er sein Kriegsvolk aus unsern Landen wegschaffen möchte und zu vernehmen, ob er nicht leiden könne, daß wir mit Zuziehung anderer Reichs= und Kreisfürsten Frieden zwischen ihm und dem Kaiser und dem Kreise tractirten, alsdann das kaiserliche Avocatorialmandat in unsern Landen affigiren zu lassen und Legation an H. Friedrich zu Holstein zu senden, daß er sich möge zum Unterhändler brauchen lassen und weil er mit Kursachsen in Heirathssachen stehe, daß er mit seinem Schwiegervater möchte zu Wege bringen, daß Se. Liebden sich zu der Interposition zwischen dem Kaiser, dem Niedersächsischen Kreise und dem Könige von Dännemark wolle gebrauchen lassen.

Den 4. Sept. habe den Statthalter (Landrichter) Matthias von Güntersberg, den Marschalk Moritz von der Marwitz und Dr. Joh. Bergmann nach Sternberg auf den Landtag gesandt, weil selbst sehr unpaß gewesen.

Den 7. - notwendiger Weise auf den Landtag berufen bis zum 9ten.

Den 2. Oct. ist es angegangen, daß ich all' mein Hofgesinde Kostgeld geben lassen.

Den 13. Nov. bin ich in Einem Tage bei hartem Frost von Schwerin nach Güstrow geritten.

Den 14. - ist allda der Landtag angegangen, aber wenig erschienen und hat sich die Proposition bis auf den Abend um 4 Uhr verweilt, weil die Landschaft sich mit Disputiren aufgehalten und begehrt hat, wir sollten zu ihnen aufs Rathhaus

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1626-1627.
kommen, endlich haben sie doch müssen zu uns aufs Haus kommen; es sind grobe Flegel, so ihren Herrn solches dürfen anmuthen.

Den 29. - nach Sternberg auf den Landtag.

Den 3. Dec. endlich haben die Landstände eine halbe Contribution bewilligt zur Unterhaltung des Kreis= und dänischen Volkes und mit den Städten, da sie ihre Quartiere genommen, tractirt, daß sie den Verlag thun sollen.

Den 19. - ist Herzog Bernhard von Sachsen=Weimar allhier zu Schwerin bei mir angelangt mit mir zu reden wegen seines Regiments, das hier im Lande liegt.

Den 22. - ist meines Bruders Trompeter und Einspänner und mein Einspänner wieder von Tilly und Herzog von Lüneburg gekommen, berichtet, daß Heinrich Husanus sich gar leichtfertig allda gehalten und ihnen alle Gelegenheit gesagt, wie sie könnten in unser Land kommen.

Den 30. - habe meinen Marschalk nebst Bartold Bülow und dem Landrath Heinrich Sperling zum König von Dännemark abgefertigt.

1627.

Den 28. Januar ist Caspar Tisenhausen mit einem Schreiben vom König von Schweden angelangt, der bittet mich zu Gevatter.

Den 31. - ist Dodo von Kniphausen bei mir angelangt. Der ist dem Wallenstein aus dem Gefängnis entlaufen.

Den 18. Febr. ein Schreiben von H. Christian zu Lüneburg und dem Grafen von Tilly, daß wir sollen Garnison einnehmen, was mit Gottes Hülfe nicht geschehen soll.

Den 28. - schreibt mein Bruder, er wolle Joh. Joach. Wartensleben schleunigst in unsern Sachen nach Dresden senden, habe geantwortet, daß je eher je besser geschehen möge.

Den 10. März ist H. Julius Friedrich zu Wirtemberg mit seiner Gemalin hier zu Schwerin angelangt.

Den 12. - bin ich mit meiner Anna Maria auf den Landtag nach Güstrow gezogen.

Den 14. - hat die Landschaft uns ein Schreiben von Heinrich Husanus an sie zugeschickt, darin ein Haufen Unwahrheiten, um unsre Landstände dadurch von uns abwendig zu machen.

Den 15.- hat sich die Landschaft erklärt, man müsse in der kaiserlichen Devotion verharren, könne zu keiner Steuer sich ferner verstehen, wolle jedoch den bedrängten Ständen, welche des Königs Volk bei sich hätten, mit 10,000 Fl. beispringen.

Den 2. April mit meinem Bruder in Sternberg zusammengetroffen und ein Schreiben von Kursachsen an uns Beide gelesen,

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1627.
darin der Kurfürst sich erbietet, Friedenstractaten an die Hand zu nehmen und das Reich wieder in Frieden zu sezen. wir haben Cotmann die Antwort zu fertigen befohlen.

Den 9. - zum Landtage nach Sternberg.

Den 10. - ist die Proposition auf dem Judenberge geschehen in volkreicher Zusammenkunft, da ein jeglicher bei 100 Rthlr. Strafe citiret worden. Es hat aber der Landschaft nicht gefallen, sondern dagegen protestiret. aber der Protestation ungeachtet sollen sie doch thun was wir haben wollen.

Den 11. - hat der leichte Vogel Heinrich Husanus ein ehrvergessenes leichtfertiges Schreiben an meinen Bruder und mir gethan ohne Subscription seines Namens, damit er gedenket unsre sämmtlichen Unterthanen gegen uns aufzuwiegeln, sich dadurch beim Kaiserlichen Hofe groß zu machen, aber ich hoffe man wird ihm eben so viel trauen als wir.

Den 17. - ist der Herzog Bernhard von Sachsen=Weimar mit seiner Cavallerie auf Perleberg marschiert, um zu vernehmen, ob er Havelberg wieder erobern könnte. Er begehrt, wir möchten unsre ganze Landschaft aufbieten, aber nicht von uns für rathsam erachtet, weil unsre Unterthanen, von Husano so eingenommen, zwar wohl parieren, aber nicht ohne schwere conditiones würden fechten wollen.

Den 1. Mai habe ich an Schlammersdorf (den Commandierenden der dänischen Truppen im Lande) fünf Centner Lunten gesandt.

Den 4. - habe an den König von Schweden geschrieben.

Den 5. u. 6. - habe ich alles was zur Fortsezung der Defendirung dieses Landes vonnöthen gewesen mit Schlammersdorf abgeredet.

Den 21. - ein Schreiben vom Könige von Schweden bekommen betr. das gemeine Wesen.

Den 22. - aus Dömitz 6 ganze Tonnen Pulver an den König von Dännemark gesandt, der Bleckede belagert.

Den 25. - abermals 6 Tonnen Pulver 3 Centner Salpeter und 1 Fäßlein Schwefel an den König gesandt.

Den 6. Juni bin ich zu Boizenburg bei dem Kön. von Dännemark gewesen; er den 7. bei mir in mein Losament, hat sich großes erboten ordre zu ertheilen, daß der Soldateska möge Bezahlung und Fourage aus Dännemark geschafft werden.

Den 8. - bin ich allda bei dem alten Markgrafen Georg Friedrich zu Baden zu Gast gewesen und habe ihm gratuliret wegen seines angenommenen Generallieutenantsamts.

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1627.
Den 14. - schreibt der König von Däunemark, daß Tilly sich zu Blekede befinden soll, Overberg, daß seine Soldaten in Dömitz haben meuteriren wollen.

Den 16. - ist der schwedische Gesandte Peter Baner bei mir zu Gadebusch angelangt.

Den 21. - habe dem Rath zu Wismar proponiren lassen, daß ich mich mit den Meinigen im Notfall in der Stadt Wismar salviren wolle, darum sollten sie mir der Stadt Gelegenheit vermelden, damit wo etwas mangeln sollte, ich solches remediren könnte, haben sich aber auf nichts eingelassen.

Den 1. Juli hat mir A. M. ihre 2te Tochter geschenkt.

Den 4. - Peter Baner wieder von Güstrow bei mir angelangt, habe ihm verehrt eine goldene Kette von 100 Kronen mit mein Conterfey in Demanten. habe an den König von Schweden geschrieben wegen der Stadt Wismar um sie in Gehorsam zu bringen.

Den 8. - vermeldet mir mein Bruder, daß sich Hans Georg von Arnem 1 ) mit etlichem Volke im Lande zu Stargard erhoben sey worauf er das Aufgebot ergehen lassen und begehre des Husani sincerationen nicht mehr zu trauen, bittet bei mir Assistenz.

Den 10. - habe mich mit der Ritterschaft in meinem Theile wegen Unterhaltung des Königl. Kriegsvolks verglichen.

Den 22. u. 23. - mit Peter Baner, der wieder angelangt, weitläuftig Abrede für seinen König genommen.

Den 24. - auf den Landtag nach Sternberg.

Den 29. - böse Zeitung von meinem Trompeter und dem Grafen von Thurn, daß der Feind zwischen Blekede und Boizenburg über sey mit 2 Regimentern 1 zu Roß und 1 zu Fuß. Gott helfe uns doch um seines Namens Ehre willen!

Den 30. - habe ich Otto von der Lühe für einen Rittmeister über die Lehnpferde bestellt, ihm monatlich 150 Rthlr. versprochen. mein Leibeinspänner angekommen, berichtet, daß 3 Regimenter von des Feindes Volk über die Elbe sey und des Calenbergs Regiment ausgerissen und sich nach Lauenburg begeben habe.

Den 31. - bringt Joachim von der Lühe die Kundschaft, daß Tilly mit 8 Regimentern über die Elbe gegangen und einer von seinen Reutern ihm begegnet sey, der ihm seinen Koller, Degen und 3 lange Röhre genommen habe.


1) S. meine Meckl. Geschichte III. S. 180.
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1627.
Den 1. Aug. bin ich mit all meinem Volke nach Mecklenburg geritten.

Den 2. - habe ich des Markgrafen zu Baden Armee bei Greese in voller bataille angetroffen, danach sie in die Quartiere marschiren gesehen.

Den 13. August habe Damnitz an den Wallenstein gesandt, ihm 50 Rthlr. mitgeben.

Den 1. Sept. Zeitung bekommen, daß des Königs Reuter das Dorf Oldenhagen abgebrannt.

Den 2. - habe ich Plessen nach dem Herzog zu Friedland abgefertigt. 100 Rthlr. mitgeben.

Den 4. - ist H. Bernhard zu S. Weimar allhier zu Wismar angelangt.

Den 5. - ist er zum Markgrafen zu Baden geritten; ich habe Herrn Slawata gesprochen. Der hat mir versprochen die Reiter zu strafen, die meinen Junker geplündert und mir meine Pferde genommen.

Den 7. - ist H. Bernhard von Weimar mit seinem Regiment zu Schiff gegangen.

Den 8. - sind die beiden Markgrafen Vater und Sohn mit der Infanterie zu Schiff gangen.

Den 14. - ein Schreiben von Hans Georg Arnim bekommen, erbietet sich zu allem Guten.

Den 19. - habe 20 Rthlr. für die salvaguardie gegeben.

Den 25. - Plessen berichtet über seinen Empfang bei dem H. von Friedland, habe an Arnim geschrieben und ihn zu mir zu kommen gebeten.

Den 27. - mit A. M. nach Güstrow geritten.

Den 28. - ist Arnim daselbst angelangt.

Den 6. Oct. hat der Oberst Arnim wegen des H. von Friedland Quartier in der Stadt Wismar begehrt, ich habe von Poel aus hineingeschickt und dafür gebeten, es ist aber abgeschlagen worden. Dagegen hat sich der Rath von Wismar resolviert, mir die ganze Direction in dem Defensionswesen und der Fortification der Stadt aufzutragen, nur daß aus ihrer Mitte 2 Personen dabei wären.

Den 7. - ist Schlammersdorf zu Schiff gegangen mit seiner Armee. Arnim bei mir zu Poel beschenkt und wegen Wismar 3 Tage Bedenkzeit erhalten.

Den 8. - ist das Volk in Wismar toll und thörigt gewesen und hat sich verschanzen wollen. Wie das Arnim vernommen ist er mit der ganzen Armee davor gerükt und gesagt, weil sie begehrt, sich zu wehren, könne er die Frist von 3 Tagen

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1627.
nicht einräumen, sondern alsfort die Stadt zu öffnen begehrt. Da ist guter Rath theuer gewesen 1 ).

Den 10. Oct. bin ich hinaus geritten und die kaiserliche Armee unter dem von Arnim vor der Stadt in voller bataille halten sehen. habe mit Arnim und Daniel Hebron tractirt, daß sie nicht stärker als 1000 M. zu Fuß sollen einnehmen. Darauf bin ich in die Stadt geritten um die capita des Accords aufsezen zu lassen. Endlich nach vielem Rumor der Bürger sind spät Abends 1000 M. eingerückt. Abends habe ich die Obersten Arnim, Hebron und Götze zu Gast gehabt.

Den 20. - habe ein Schreiben von H. zu Friedland bekommen (ist weder kalt noch warm). Heinr. Husanus als kaiserl. Commissarius in Schwerin angelangt.

Den 1. Nov. bin ich von Schwerin nach Kraak geritten in Meinung den H. von Friedland da zu treffen. es ist mir aber Bartold Dietr. Plessen begegnet, welchen ich zu ihm geschickt gehabt, der berichtet daß er nicht rathen könne, daß ich zu ihm zöge, denn er ganz erzürnt auf mich wäre. hat auch meiner Gemalin auf ihr Schreiben nicht geantwortet. also bin ich nach Schwerin zurückgekehrt.

Den 4. Nov. ist Herr von Velß bei mir gewesen. der hat einen Jesuwiter des Feldmarschalks Grafen von Schlick leichte Reiter bei sich gehabt.

Den 6.- hat H. Husanus Audienz gehabt. er räth mir, ich solle in Person zum Kaiser reisen, wie auch der Herr von Velß, der gar offenherzig und vertraut mit mir geredet, welcher gut evangelisch.

Den 8. - bin ich nach Consrade auf die Jagd geritten, da sind etliche Companeyen Italiener 2 ) vorüber marschiert, darunter einer meinen Edelknaben durch den Hut geschossen, wäre bald ein groß parlament von geworden, ist aber Gottlob noch wohl abgelaufen.

Den 12. - ein Schreiben von meinem Bruder, begehrt mit mir gemeinschaftlich, Joh. Cotmann an den Kaiser nach Prag mit Instruction abzufertigen. eine Werbung vom H. von Friedland durch den Obersten Hebron, ich solle meine Garnison vom Hause Poel abnehmen und des Kaisers Volk darin einnehmen. Die Werbung ist Namens Hebron's durch den Oberstwachtmeister Johann Gordon geschehen.


1) S. meine Meckl. Geschichte III. S. 186.
2) Das Verzeichniß der Wallenstein'schen Regimenter ist in meiner Meckl. Geschichte III. S. 183. Note 1.
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1627.
Den 15. - habe meinen Marschalk an meinen Bruder nach Güstrow mit der Werbung gesandt, daß wir uns nicht separiren und einen gemeinsamen Landtag anstellen möchten.

Den 18. - ist wegen des Obersten von Arnim der Oberstlieutenant Joh. Friedr. von Kötteriz angelangt, begehrt kaiserl. Garnison in Poel. habe mich erklärt, daß ich kein Bedenken habe, solche Sr. Maj. zu gewähren und mich resolvirt, den folgenden Tag mit ihm dahin zu reisen und es selbst zu überantworten.

Den 19. - zu Wismar die conditiones der Abtretung mit Hebron verabredet.

Den 21. - dieselben beschlossen und untersiegelt. Dem Oberstwachtmeister Wratislav habe zum Antritt ein Faß Wein verehrt.

Den 22. - habe ich befohlen alle meine auf Poel habende Sachen abzuführen, wie auch meinem Lieutenant, die Soldaten nach Schwerin zu führen.

Den 26. - ist der kaiserl. Hauptmann (so jetzt Garnison im Schlosse zu Schwerin hat) Paul de Bach, hier gewesen, begehrt Contribution für seine Soldaten, weil ich sonst keinen Rath gewußt, habe ich ihm die Zollgelder 5700 Rthlr. geben lassen.

Den 30. - habe ich Capitän Overberg Audienz gegeben und sein Anbringen gewährt, welcher sich wegen Ausgebung der Festung Dömitz zum höchsten entschuldigt, habe seine Entschuldigung für diesmal Statt finden lassen.

Den 5. Dec. erhalte ein Schreiben von Arnim, daß er Befehl habe 2 Comp. zu Fuß vom Regiment Alt=Sachsen zu Schwerin einzulegen, da doch versprochen, daß die Hofstadt mit Einquartierung solle verschont bleiben 1 ).

Den 7. - kommt des Oberstlieutenants Wratislav Fähnrich und begehrt, daß ich die Poeler Brücke fertigen lassen solle.

Den 10. - sind die 2 Comp. hier eingezogen, habe ihnen das Wort gegeben (Leopoldus).

Den 11. - ist der Landtag hier angegangen.

Den 19. - ist der kaiserl. Abgesandte Herr Graf Geo. Ludwig zu Schwarzenberg hier bei mir zu Rehna angelangt. mit demselben viel conversiert und mich bei ihm excusiert was wegen dieser Kreisverfassung vorgegangen, welcher gute Vertröstung gethan, daß Kais. Maj. mit mir werde gnädig content seyn. Der Graf hat begehrt, ich möge an den König von Schweden schreiben, daß er möge neutral bleiben


1) S. a. a. O. S. 183.
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1627-1628.
und sich in des Königs von Dännemark Händel nicht mischen. Der Kaiser wolle ihn versichern, daß er ganz keine Gefahr zu vermuthen haben solle, auch bei Polen die Verfügung thun, daß der turnus auf 30 Jahr sollte beschlossen werden, und der König von Schweden solle nur conditiones vorschlagen seinem eigenen Belieben nach, so wolle der Kaiser ihm Satisfaction thun.

Den 24. - habe Abrechnung mit meinen Soldaten gehalten und etliche abgedankt. 18 behalten und einen Wachtmeister, so sie commandirt.

1628.

Den 17. Januar Vollrath Plessen und Dr. Oberberg wieder von Lübeck vom Capiteltage deseine Schwerinschen Domcapitels. bringen mir gute Resolution wegen Election meines Sohnes Christian zum Administrator allhier (Schwerin).

Den 4. Febr. Anfang des Landtages.

Den 6. - Zwei Schreiben aus Prag von meinem dortigen Gesanden Bartold Dietrich Plessen.

Den 8. - habe an den König von Schweden geschrieben.

Den 9. - habe an Peter Baner nach Schweden geschrieben und meinen Kammerdiener dahin abgefertigt.

Den 10. - Oberst Claus Linstow bei mir gegessen und mich um pardon gebeten, daß er vor diesem unter dem Mansfelder in Ostfriesland meinem Schwiegervater so großen Schaden zugefügt.

Den 11. - ist der Landtag geschlossen. Schreiben von Oberst Arnim, daß er Stralsund belagert, sie sollen sich aber frisch wehren wollen.

Den 13. - sind zu Poel 3 Comp. von Hebron eingelegt.

Den 16. - nochmals an den König von Schweden gechrieben und ihm meinen kläglichen Zustand verkündigt; weil aber Hebron meinem Kammerdiener nicht hat gestatten wollen nach Schweden zu segeln, so habe ich ihm befohlen mit meinem Küchenschreiber Tobias, den ich an die Königin von Dännemark gesandt, über Dännemark nach Schweden zu segeln.

Den 27. - ein Schreiben von Bart. Dietr. Plessen aus Prag, nicht viel Trost darin.

Den 13. März ist Bartold Bülow über Lübeck nach Schweden gezogen, habe ihm ein Schreiben an König G. A. gegeben.

Den 15.- abermals an den König von Schweden gechrieben, ein Schreiben von meinem Hauptmann Pilot in Poel empfangen, daß der kaiserl. Capitain ihm habe gemeldet, daß er sammt allen meinen Dienern, so auf dem Hause Poel

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1628.
wären, sich herunter begeben soll, wenn uns es Gott und die Zeit befehlen 1 ).

Den 16. - hat der hier zu Schwerin liegende Capitän Samuel Hofmann auf empfangene Ordinanz des Obersten von St. Julian gemeldet, daß er mir etliche Soldaten aufs Haus legen soll, welches ich gutwillig geschehen lassen.

Den 18. - habe den Ausschuß beisammen gehabt, der sich so resolviret, wie ehrlichen Leuten gebüret.

Den 21. - Plessen aus Prag wieder angelangt, bringt Bescheid, daß ein Inquisitionsproceß soll angestellt werden.

Den 23. - ist die kaiserl. Commission zu Güstrow für sich genommen.

Den 24. - bin ich nach Güstrow gefahren, um zu vernehmen, ob die Commission nicht zu hintertreiben oder zum wenigsten zu vernehmen, was die Commission in sich halte. Der Inhalt derselben ist, daß man den Herzog zu Friedland in unsere Lande weisen und meinen Bruder und mich daraus entsetzen soll. Die Unterthanen sollen dem General von Friedland schwören.

Den 25. - Die Landschaft hat etliche Tage Bedenkzeit gebeten, hat auch eine geringe Zeit erhalten.

Den 29. - sind die Herzoge Franz Albrecht und Franz Karl zu Sachsen=Laenburg in Güstrow angelangt. Erster hat unsertwegen neben dem Obersten Arnim mit den Commissarien und St. Julian tractirt, daß uns die Mobilien und was darunter verstanden möge ausgefolgt werden.

Den 30. - ist der Commissionsabschied unterschrieben des Inhalts: daß wir in 14 Tagen die Residenzhäuser räumen sollen.

Den 1. April bin ich mit Franz Albrecht und Franz Karl zu Sachsen von Güstrow nach Schwerin gefahren.

Den 2. - habe an H. Franz Albrecht zu Sachsen eine Sammitten Stadtgutsche verehrt, er hat mir 2 Pferde, den ältesten Friesen und das Fräulein genannt, abgekauft für 1000 Rthlr. zu Leipzig zu erlegen, item für 300 Musketen 600 Rthlr. gegeben.

Den 3. - habe meine Sachen einpacken lassen. Dr. Oberberg hat Patente von H. zu Friedland gebracht.

Den 4. - hat Dr. Oberberg das Archiv versiegelt.

Den 5. - ist Husanus angelangt, hat angefangen, das Haus zu inventieren.


1) S. a. a. O. S. 187 u. 188.
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1628.
Den 6. - habe eigenhändig an den Herrn Peter Ernst von Stralendorf Reichsvicekanzler geschrieben.

Den 13. - am Osterntage früh um 3 Uhr hat St. Julian auf des Generals Befehl Dietr. Bartold Plessen mit 30 Reutern und etlichen Musketieren wegführen lassen wie man meint nach Dömitz.

Den 15. - bin ich von Schwerin nach Lübz und von da nach Mirow.

Den 1. Mai sind Balzer Moltke und Gestütmeister Petersdorf zu Mirow bei mir angelangt und haben mir von wegen des Friedländischen Statthalters von St. Julian angezeigt, daß ich mit meiner Ehegemalin nolens volens den 12. d. das Land räumen solle.

Den 6. - zu Lübz um von meiner Mutter Abschied zu nehmen.

Den 12. - zu Mirow Abschied von meinem Bruder genommen. Den Abend bin ich nach Arensberg geritten.

Den 13. - von Arensberg nach Boizenburg, dem Arnim gehörig.

Den 20. - von Boizenburg auf Templin.

Den 22. - nach Zinna zu des Administrators von Magdeburg Gemalin.

Den 27. - nach Annaberg.

Den 28. - nach Torgau.

Den 10. Juni von Torgau über Mühlberg nach Großenhain.

Den 11. - zu Dresden beim Kurfürsten wohl empfangen und stattlich gehalten.

Den 12. - beim Kurfürsten frühe Audienz gehabt, welcher gerathen, ich solle zum Vice=Reichscanzler reiten.

Den 13. - nach Peterswalde geritten, aber Stralendorf 1 ) ist noch nicht auf seinem Gute angelangt gewesen.

Den 19. - zu Culm angelangt, hat mich Peter Heinrich von Stralendorf selbst mit seiner Gutsche abgeholt und wohl tractirt.

Den 20. - wieder zu Dresden anlangt.

Den 22. - hat mir der Kurfürst eine Resolution geben lassen, daß ich mich in seinem Lande aufhalten möge.

Den 9. Juli hat mir mein Postmeister 2 ) aus Leipzig 1000 Rthlr. spec. gebracht, welche mir die Stadt Rostock übermacht.


1) S. oben unterm 6. April und meine Meckl. Geschichte III. S. 253 in der Note.
2) S. oben z. J. 1621. 8. Juli.
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1628-1629.
Den 9. Sept. Adam Behr weggezogen nach Schweden, dem ich ein Schreiben in unserer beschwerlichen Sache an den König mitgegeben habe.

Den 18. Oct. bin ich nach Reinharz geritten.

Den 19. - ist meine A. M. auch daselbst aus Leipzig angelangt, hat bei sich gehabt den Marschalk und Passow und Dietr. Bartold Plessen, welche Tags zuvor aus Mecklenburg gekommen.

Den 20. - sind wir Alle wieder nach Torgau zurück.

Den 10. Nov. nach Reinharz in mein Winterquartier gezogen.

1629.

4. Januar reçu lettre de mon frère. il arrivera à Delitz le 6 de ce mois au soir.

Den 6. - bin ich von Reinharts auf Düben geritten mit A. M., Dorothe Malzan, Matthias Güntersberg, Moriz von der Marwitz, Hartwig Passow und 16 Pferden. Abends zu Delitsch.

Den 7. - ist mein Bruder mit seiner Gemalin, einer Jungfrau, Joachim von Wartensleben, Joh. Cotmann, allda angelangt.

Den 8. - mein Bruder nach Cöthen, ich nach Düben.

Den 9. - wieder in Reinharts.

Den 10. - habe Simon Gabriel zur Nedden nach Leipzig gesandt.

Den 17. - eigenhändig an den Kurfürsten von Sachsen durch meinen Trompeter geschrieben.

Den 22. - Antwortschreiben vom Kurfürsten von Sachsen, wobei eine Copey einer Intercession für meinen Bruder und mich beim Kaiser.

Den 25. - ist Passow nach Leipzig und von da nach Heidelberg zu den 4 katholischen Kurfürsten.

Den 2. Februar Nachricht von Pistorius aus Wien.

Den 26. - habe Georg Paulsen, den Einspänner, wieder nach Lübz abgefertiget.

Den 12. März ist Herzog Franz Albrecht von Niedersachsen allhier zu Reinharz bei mir aus Wien angelangt, hat mir gute Vertröstung von Hof gebracht.

Den 21. - zu Coburg mit meiner Frau Mutter und meiner ältesten Tochter zusammengetroffen.

Den 26. - nach Reinharz zurück.

Den 27. - Herzog Bernhard von Weimar angelangt, bis zum 29. geblieben.

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1629.
Den 16. April ist ein Zeichen am Himmel zwischen 8 und 9 Uhr Vormittag gesehen worden bis nach 10 Uhr.

Den 2. Mai nach Dresden geritten.

Den 5. - hat A. M. mir einen Sohn geboren (in Lichtenberg).

Den 11. - 2 Schreiben von Pistorius aus Wien, daß man hart darauf dringe, uns in die Acht zu erklären.

Den 7. Juni ein Schreiben von Jacob Bergmann, daß der Friede zu Lübeck geschlossen, meiner und meines Bruders wird darin nicht gedacht.

Den 14.- ein Schreiben von Pistorius aus Wien, daß den 6ten dieses dem General die Lehen über unsre Meckl. Lande wirklich ertheilt und uns zu hören nicht zu gestatten beschlossen worden.

Den 18. - 2 Schreiben vom Kurfürsten von Sachsen wegen der Intercession der sämmtlichen Kurfürsten beim Kaiser und wegen meiner Hinkunft nach Dresden.

Den 22. - ein Schreiben vom Kurfürsten zu Baiern bekommen.

Den 29. - einen Brief von - (in Chiffern, Gustav Adolf?)

Den 1. Juli einen Brief an - (Gustav Adolf von Schweden?)

Den 7. - Passow und Cotmann von Dresden zurück, vom Kurfürsten die Declaration, so der Kaiser ihm gesandt, darin enthalten die Ursache warum uns die Lande genommen und dem Wallenstein gegeben seyen.

Den 12. - Anerbieten der Kurfürstin, meine A. M. mit nach Lübeck auf ihrer Reise nach Dännemark nehmen zu wollen.

Den 14. - ein Schreiben vom Kurfürsten von Sachsen nebst Copey der Intercession sämmtlicher Kurfürsten für uns. Aber es ist nun zu spät. Gott helfe doch. (in Reinharz an Wolf Löser 600 Rthlr. Miethe gegeben.)

Den 16. - habe an die Kurfürstin geschrieben, daß A. M. nicht mit ihr, sondern mit mir ziehen soll.

Den 20. - über Wittenberg, Ziesar, Altbrandenburg, Jüterbock, Putliz, Schladen, den Parchimschen gehörig, bei Marnitz vorbei, durch die Elde geritten, bei Parchim, Schwerin und Rehna vorbei, den 26. nach Slutup. Da die Nacht blieben.

Den 27. - mit Joh. Witte und Jacob Bergmann, die ich nach Slutup bescheiden lassen, in Lübeck bei Andreas Hundt eingezogen.

Den 28. - der Rath allda sich zu allem Guten erboten und mir versprochen, in meinem Jezigen beschwerlichen Zustande

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1629.
mir mit Rath beizustehen; hat mir Wein, Hafer und einen Ochsen präsentiert.

Den 31. - habe an Hans Christoph Bülow geschrieben und gebeten, er möge mir verständigen, wo der König anzutreffen.

Den 3. Aug. ist meine Frau Mutter allhier zu Hamsfelde bei mir angelangt.

Den 4. - ist sie nach Rehna zurück.

Den 6. - ist des Königs von Schweden Apotheker Caspar König und der Kaufmann Cort tor Hellen und des Königs Diener Lowtzow bei mir angelangt.

Den 15. - habe ich an den König von Schweden geschrieben.

Den 18. - zu Itzehoe bei dem Könige von Dännemark.

Den 23. - habe den König zu Krempe angesprochen, eine Legation an den Kaiser und die Kur= und Fürsten abzufertigen.

Den 27. - zu Hamsfelde bei meiner A. M. zurück, nachdem mir der König ein Winterquartier abgeschlagen.

Den 29. - habe 4 Pferde an den König von Schweden gesandt. Mein Bruder mit seiner Gemalin bei mir gewesen. Abends wieder nach Lübeck zurück.

Den 31. - bin ich mit A. M. und unserm Hofstaat nach Rehna.

Den 9. Sept. habe Simon Gabriel von Nedden an den König von Dännemark gesandt.

Den 10. - an den König von Schweden geschrieben.

Den 23. - Rückkehr von Neddens vom Könige von Dännemark. bringt ein Handschreiben des Königs an mich und eine Vorschrift an den Kaiser.

Den 17. Oct. bei der alten Königin zu Niköping Audienz gehabt; sie um Rath und Assistenz ersucht. sie mir aber schlechten Trost gegeben.

Den 22. - an König Gustav Adolf geschrieben.

Den 23. - von Niköping auf Roby in Laaland.

Den 29. - nach Femern, Oldenburg, Koselow, Eutin.

Den 1. Nov. nach Lübeck, wo meines Bruders Gemalin von einem Sohne genesen.

Den 10. Dec. Adam Behr aus Schweden hier zu Lübeck angelangt. ist sehr krank.

Den 14. - zwischen 7 und 8 Uhr Abends ist Adam Behr Todes verblichen.

Den 16. - habe meinem Bruder cammuniciert, was mir aus Schweden zugekommen.

Den 20.- habe den magdeburgischen, braunschweig=lüneburgischen und hamburgischen Gesandten bei mir gehabt.

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1629-1630.
Den 22. - hat mein Marschalk Moriz von der Marwitz sich gegen mich resolvirt, das Hofmeisteramt oder die Erziehung meiner Kinder auf sich zu nehmen und sich in Schweden zu begeben.

Den 25. - A. M. ce fache conter moy sans aucun reson.

1630.

Den 8. Januar heute früh ist mein Marschalk fortgezogen nach Schweden.

Den 9. - ist Joh. Cothmann angelangt wegen Anfertigung einer Protestation gegen die Erbhuldigung bei der Landschaft und bei Kaiser und Reich.

Den 15.- habe an den Kaiser, die Commissarien und an unsere sämmtliche Ritter= und Landschaft geschrieben und gegen die Erbhuldigung des Wallensteiners öffentlich protestiert.

Den 28. - hat Andreas Swenson sich bei mir angeben lassen. Der hat Werbung vom Könige von Schweden an mich und die Stadt Lübeck ein negotium de bono publico.

Den 30.- habe mit der heutigen Post nach Schweden umständlich an den König berichtet, wie es diesen Ortes steht.

Den 4. Febr. mit meinem Bruder zusammen gekommen. Da hat Joh. von der Lübe, der aus Schweden zurückgekehrt, uns von wegen des Königs was proponirt.

Den 6. - habe an den König von Schweden meinen Zustand berichtet, mein Statthalter (Landrichter) Matthias Güntersberg mir schriftlich seinen Dienst aufgekündigt.

Den 10. - habe mit Dr. von Hagen scharf geredet wegen unsrer apologia 1 ).

Den 13. - hat Güntersberg durch Passow bei mir um Audienz anhalten lassen, hat von mir einen guten Filz bekommen.

Den 17. - Audienz an den Schwedischen Rath Ritter Rask ertheilt. auch mit dem Lübischen Syndicus Schabelt von meinen Sachen geredet und wie das kaiserl. Manifest zu beantworten; auch gebeten, mir schriftlich aufzusezen wie die Apologia bequem abzufassen.

Den 7. März ist der Syndikus Tanke zu mir gekommen und hat mir berichtet von der Resolution, so der Kaiser den Städten gegeben.

Den 23. - kommt Dr. Stallmeister von Rostock, präsentiert mir von der sämmtlichen Landschaft 300 Rthlr.


1) S. meine Meckl. Gesch. III. S. 252.
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1630.
Den 31. - sind mein Bruder, Otto Preen und Joh. Cotmann zu mir kommen. Ich habe den Syndicus Tanke bei mir gehabt. haben zusammen die apologiam verlesen, welche Cotmann abgefaßt, habe sie gut befunden.

Den 6. April ist mein Marschalk Mor. von der Marwitz aus Schweden angelangt.

Den 11. - an den König von Schweden geschrieben.

Den 15. - hat des Königs von Schweden Secretarius, Philipp Sattler, Audienz bei mir gehabt, kommt von Kursachsen.

Den 26. - ist Herzog Bernhard von S. Weimar den ganzen Tag bei mir gewesen. habe allerlei mit ihm geredet.

Den 5. Mai habe den dänischen Obersten Wilhelm von Lohausen 1 ) bei mir zu Gast gehabt, habe durch meinen Marschalk mit ihm wegen Bestallung tractiren lassen.

Den 1. Juni haben sich Johann von der Lühe und Major Dewitz erstlich zu Fuß gerauft, hernach zu Pferde Kugeln gewechselt, und hat Dewitz Joh. von der Lühe erschossen. ist alsbald todt geblieben. Dewiz ist davon geritten. Ich habe es Joachim von der Lühe zu wissen gemacht.

Den 6. - ist meines Marschalks Mor. von der Marwitz Hochzeit gewesen mit Dorothea Malzan.

Den 12. - habe ich meinen Secretarium Simon Gabriel zur Nedden mit unserer apologie nach Regensburg abgefertigt.

Den 13. - mit meinem Bruder wegen Abfertigung eines Gesandten nach Danzig deliberirt.

Den 28. - ist Eustachius Kaltenhof aus Schweden hier angelangt, bringt kein Schreiben von dem Könige. hat ihm aber sagen lassen, er sollte nur hinziehen, er (der König) werde mich eher sprechen als er (Eustachius) zu mir käme. bin also zu meinem Bruder gefahren und ihm solches vermeldet. Darüber Rath gehalten und ist gut befunden weil man vernommen daß der König zu Wolgast wäre, Passow dahin abzufertigen.

Den 29. - habe ich mit Lohausen 2 ) tractiren lassen, also daß er mir Dienst zugesagt, und darauf seine Pflicht durch einen Handschlag von ihm genommen.

Den 1. Juli habe ich Hartwig Passow nach Stralsund zum Könige von Schweden abgefertigt. 2 Schreiben von dem Könige von Dännemark empfangen, le un concerne les 1000 Rthlr. pension.


1) S. meine Meckl. Geschichte III. S. 260.
2) S. ebendaselbst S. 260 u. 272.
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1636-1633.
Den 3. - hat meine Frau Mutter mir 50 Musketen geschenkt. Zeitung bekommen, daß der König von Schweden Greifswalde eingenommen, selber darin gewesen und den Ort besichtigt.

Den 8. - ist Dr. Salvius aus Schweden mit 4 Schiffen angelangt.

Den 12. - bei mir Audienz gehabt.

Den 14. - an den König von Schweden geschrieben.

Den 16. - sind Passow, Jlefeldt, Joachim von der Lühe und Ulr. Ad. Holstein aus Usedom vom Könige von Schweden wieder hier angelangt.

Den 18. - habe ich Lohausen als Gesandten nach Dresden abgefertigt. Des Dr. Salvius Werbung betrifft 3 Punkte: 1) Entschuldigung des Königs, daß er mir nicht geantwortet. 2) daß er Befehl habe, mir Geld zu geben. 3) daß ich nach Dännemark reisen möchte.

Den 2. Aug. in der Nacht ist Dr. Salvius nach Hamburg.

Den 11. - hat mir A. M. eine Tochter geboren (Hedwig getauft 12. Sept.).

Den 16. - bin ich aus Dännemark in Lübeck zurückkommen.

Den 25. - habe ich ein ausführliches Schreiben vom Könige von Schweden erhalten dat. den 11. Aug. im Feldlager bei Alten Stettin.

Den 26. - hat der Schwedische Hofmarschalk Dietr. von Falkenberg, Oberst und Ritter, bei mir Audienz gehabt.

Den 27. - bei meinem Bruder mit Falkenberg allerlei beredet.

1633.

Den 24. Mai ist Karl Mörner in Schwerin angelanget, bringt Schreiben von den schwedischen Reichsräthen, fordern die restirenden Hülfsgelder.

Den 30. Sept. ist der Generalmajor Alexander Leslie hier zu Schwerin bei mir angelangt.

Den 2. October Generalmajor Lohausen gleichfalls angelangt, den 3ten nach Wismar zurück.

Den 5. - ein schreiben vom Reichscanzler Axel von Oxenstjerna empfangen, communiciert mir den aufgerichteten Bundesvertrag zwischen den Schweden und den Ständen im Oberlande zu Frankfurt.

Den 2. - haben sich der Küchenmeister Friedrich Tessant und der Stadtvogt von Neustadt erzürnt und der Küchenmeister hat den Stadtvogt todt gehauen.

Den 16.- habe böse Zeitung vom Kurfürsten zu Brandenburg empfangen. Der schreibt, daß der Feind Frankfurt a. O.

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1633-1634.
und andere Oerter in seinem Lande schon eingenommen, daß er nicht weiß, wie er ihm resistiren soll, die Festungen habe er zwar wohl versehen, aber im Felde könne er ihm nicht resistiren.

Den 25. - ein Schreiben von Dresden von Eustachius Löser, der Friedländer ziehe nach den 6 Städten.

Den 30. - böse Zeitung, daß Landsberg in des Feindes Händen. mein Bruder hat mit Rostock accordiert ohne mein Vorwissen und mir nur notificiert, daß ers also angestellt, welches mir zum praejudiz gereicht, welches ich so nicht will passiren lassen.

Den 8. Nov. ist meine Anna Marie von einer jungen Tochter entbunden worden.

Den 10. - Juliana getauffet.

Den 15. - habe meinen Pagen Friz Florian von Salitz zum Kurfürsten zu Brandenburg gesandt.

Den 16. - des Kurfürsten zu Brandenburg Geheimerath und Lehnssecretär Sebastian Strip bei mir Audienz gehabt, sucht die Conjunction des Ober= und Niedersächsischen Kreises mit den 4 Oberländischen Kreisen.

Den 13. Dec. ein schreiben vom General Leslie bekommen, der Feind gehe Frankfurt zu entsezen.

1634.

Den 23. Januar meine Anna Marie ganz von Pokken ausgeschlagen, liegt sehr elend.

Den 29. - ein schreiben von Hartwig Passow bekommen, berichtet, er habe Audienz beim Reichscanzler Oxenstjerna zu Magdeburg gehabt.

Den 3. Febr. ist mein Töchterchen Juliana von dieser Welt geschieden.

Den 4. - meine Anna Marie früh um 7 Uhr communicirt und sich mit Gott versöhnt.

Den 5. - ist meine liebste Anna Marie selig entschlafen um 4 Uhr Abends. Der Allmächtige gebe ihr eine fröliche Auferstehung und mir eine selige Nachfolge.

Den 6. - bin ich in großer Betrübnis gesessen.

Den 17. - habe Marwitzen anzeigen lassen durch Joh. Cotmann, daß Hans Grävenitz Küche und Keller in Schwerin commandieren solle.

Den 24. März hat mir Salvius zu Bützow das Stift abgetreten und übergeben und habe die Leute in meine Pfliht genommen durch ein Handgelübde.

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1634-1635.
Den 13-17. Mai Tractaten mit dem Capitel zu meinem Contentement geendigt, eine neue Capitulation aufgerichtet.

Den 12. Mai mit meiner seligen A. M. und des Kindes Leiche von Schwerin nach Doberan gefahren.

Den 23. - mit Andreas Hundt tractiert, thue ihm das Amt Dömiz auf 10 Jahr. giebt mir die ersten 5 Jahre jedes Jahr 4000 Fl. die lezten 5 Jahre 5000 Fl.

Den 1. Jul. nach Danneberg gereist.

Den 2. - daselbst still pour faire amitié.

Den 8. - an Fräulein Marie Catharina von Danneberg von Schwerin aus geschrieben.

Den 11. - Antwort von ihrem Vater bekommen. M. C. zu Epstorf gewesen.

Den 29. - mein Verlöbnis mit M. C. zu Danneberg.

Den 28. Aug. meines Bruders Gesandten bei mir Audienz gehabt mit der Werbung, daß auf nächstem Landtage Cotmann nicht möchte die Landtagsproposition thun lassen, auch zu keinen consiliis admittieren. ich habe es abgeschlagen.

Den 3. Sept. mein Vetter und Mutterbruder, der Erzbischof von Bremen, Herzog Johann Friedrich von Holstein, gestorben.

Den 9. - auf dem Landtage zu Sternberg ist die Proposition auf dem Judenberge gehalten von Johann Cotmann zum großen mécontentement meines Bruders.

Den 22. Oct. Graf Peter Brahe bei mir in Schwerin angelangt und Audienz gehabt.

Den 7. Nov. haben die beiden jungen Lützowen vom Eickhofe, Christofs Söhne, ihren Lehneid abgelegt.

Den 13. - ist meine Frau Mutter verschieden und ist mir von meiner Schwester ihr tödtlicher Abgang nach Neustadt notificieret.

Den 9. Dec. habe in der Nacht von Anna Marie geträumt.

Den 12. - hat mein Marschalk Moriz von der Marwiz seinen gänzlichen Abschied von mir genommen, habe ihn seiner Eide und Pflichten enthoben; er ist fast ganz von Sinnen. Ursache ist der Ruin seiner Güter.

Den 26. - ein Schreiben von meinem Bruder bekommen, betrifft die Friedenstractaten zwischen Kurfürsten von Sachsen und dem Kaiser und meines Bruders und mein Interesse.

1635.

Den 12. Juni. es hat wegen Georg Flotowen Landrath zwischen meinem Bruder und mir großen Streit geben also daß er mich ausgefordert.

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1635 - 1637.
Den 13. - ist der Streit beigelegt worden, weil mein Bruder seinen Unfug erkannt.

Den 24. Oct. habe Zeitung von der Elbe bekommen, daß Pentz zu Dömiz geschlagen und bei 3000 Mann verloren habe.

Den 22. Nov. hat der General Baudissin Dömiz angefallen, aber Generalfeldmarschall Baner hat die Festung so entsezet, daß Baudissin hat durch die Elbe schwimmen müssen und viele Todte hinter sich gelassen und also sehr ruiniert, da viel Volk geblieben.

Den 24. - wie ich zu Sternberg bin, kommt Bericht, daß das sächsische Volk geschlagen.

1637.

Den 5. Januar habe durch die Landräthe Joh. Plessen von Damshagen, Georg Flotow von Stuer, Kurt Behr und Berend Ludolf Malzan meines Bruders Wittib 1 ) beschickt und ihr anzeigen lassen, weil ich nun die ganze Vormundschaft auf mich genommen als begehrte ich meinen jungen Vetter, Herzog Gustav Adolf, in meine Education zu nehmen, begehrte gar friedlich sie mir denselben in Freundschaft und Güte herausgeben wolle. Sie hat's pure abgeschlagen, beruft sich auf eine königl. dänische Interposition.

Den 6 - ein Schreiben von meinem Agenten zu Wien, Pistorio, empfangen, berichtet, das tutorium sey zu verfertigen befohlen.

Den 7. - wieder Rath gehalten und meines Bruders Wittib ansprechen lassen, das Kindlein gutwillig von sich zu geben. in entstehung dessen wollte ich auf andere Mittel bedacht seyn.

Den 8. - haben die Landräthe wieder Audienz bei ihr gehabt, aber nichts erhalten.

Den 13. - die Herzogin stellt sich krank wegen des daß ihren calvinischen Pfaffen das Predigen heute verboten.

Den 14. - Berend Ludolf Malzan Landrath will sich von den Tractaten mit der Wittib absentiren, habe es ihm hart verweisen lassen. NB. habe der Wittib durch den Hofmeister von der Lanken anzeigen lassen, sie solle auf ihr Leibgeding 2 ) ziehen und mir den jungen Prinzen zu meiner Education abfolgen lassen und das Losament räumen.

Den 15. - hat sie Hartwig Passow zu sprechen begehrt und sehr gebeten ihr zu erlauben auf dem Hause zu Güstrow zu verbleiben.


1) Herzog Johann Albrecht II. † 23. April 1636. Seine Wittwe Eleonore Marie von Anhalt=Bernburg.
2) Schloß und Amt Dargun c. p.
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1637.
Den 16. Januar habe Friz Jhlefeldt, Jochim Krüger und Johann von Plessen befohlen das Losament für meinen jungen Vetter einzunehmen, welches Fräulein Christina Margarethe sich zugeeignet. Dieses ist geschehen.

Den 17. - habe ich zu meiner Bruders Wittib Johann Plessen, Curt Behr und Geo. Flotow gesandt und sie nochmal ermahnen lassen meinen jungen Vetter herauszugehen, welches sie sich geweigert. Nach Mittag habe ich ihn ihr vom Schloß genommen und weil sie mir die Thür verschlossen, hob ich sie öffnen lassen und ihr das Kind aus den Armen genommen.

Den 18. - hat die Frau Wittib sich aufs Bitten gelegt, begehrt ich möge ihr doch verstatten hier zu bleiben wegen Unsicherheit auf ihrem Leibgeding.

Den 19. - hat sie ein concept eines Reverses übergeben, den sie vollziehen will wenn ich ihr erlauben will hier auf'm Güstrowschen Hause bis Ostern zu bleiben. Ich habe dagegen einen aufsezen lassen durch Cotmann und ihn ihr zugesandt darauf sie sich noch nicht erklärt.

Den 20. - tractieren noch wegen des Reverses und zwar wegen des Wörter "müssen". sie sagt ich habe ihr Gewalt gethan. ich sage sie hat mir gewalt gethan, weil sie die Losamenter versperret und mich nicht hat einlassen wollen.

Den 22. - 6 Uhr Abends hat sie mir erst den Revers durch Fräulein Christina Margarethe, meines Bruders Tochter, unterschrieben zugesandt.

Den 31. - Schreiben von Pistorius aus Regensburg, wie meines Bruders Gemalin am kaiserlichen Hofe practisiret.

Den 29. April habe auf dem Sternberger Landtage mit der Landschaft einen harten Streit gehabt wegen der Contribution, wessen sich Hartwig Passow angenommen und auf der Landstände Seite gesprochen, welches ich ihm hart verwiesen daß wir also sehr hart an einander kommen, hat mir aber weichen müssen.

Den 4. Juni habe ein Schreiben von dem leichtfertigen Heinrich Husan bekommen, der sich Edler von Husan schreibet.

Den 23. Juli ist Lübz, Criwiz und Parchim von den Wallonen und Croaten ausplündert.

Den 31. - habe Major Hartwig von Reden zum General Hans Caspar von Klitzing gesandt.

Den 4. Aug. ist derselbe wieder angelangt, hat etliche Salvaguardien über die Residenzen gebracht.

Den 5. - habe dem commissario Joh. von der Lühe befohlen nach dem General Klitzing zu reisen und Anstalt zu machen, daß er für seine Armee Proviant verschaffte. von der Lühe

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1637 -1638.
hat sich unnüz gemacht und seinen nachständigen Rest begehrt. ich hab' ihn mit dem Degen vom Hause gejagt.

Den 31. - Antwortschreiben vom Kurfürsten von Brandenburg empfangen wegen meines Hauses Dömiz. Er kann mir solches nicht einhändigen, ehe er mit dem Kaiser daraus communicieret.

Den 18. Sept. an Gallas geschrieben wegen der Friedenstractaten: er möge mir die Vollmacht zusenden.

Den 6. Oct. habe Major Reden zum Commandanten nach Wismar abgefertigt mit mündlicher Werbung wegen Warnemünde, daß wenn sie mit Gallas accordieren sollten, sie mir mögen geliefert werden.

Den 1. Nov. habe ein unnüz schreiben von Herzog Franz Albrecht zu Niedersachsen empfangen. Der mahnt umb 20,000 Rthlr. Capital und 1 Jahrs Zinsen. Daneben ein kaiserliches Mandat, daß ich die Wittib zu Güstrow restituiren soll.

Den 13. - vom Kurfürsten von Brandenburg ein Antwortschreiben bekommen dgl. scharf und unfreundlich schreiben ich mein lebtag von keinem bekommen. pacience.

Den 16. - von Herzog Franz Albrecht von Sachsen ein hart scharf und unter Fürsten nie erhört Schreiben empfangen. basta. pacience.

Den 25. - ein Schreiben vom Herzog Georg von Braunschweig=Lüneburg bekommen, betrifft die Tractaten zwischen Herzog Augusto und meiner Gemalin. Herzog Augustus schlägt vor den Grafen von Delmenhorst zum Unterhändler.

Den 11. Dec. reçu ein Schreiben von Salvio wegen Friedenstractaten. wieder ein verdrießliches schreiben vom Herzog Franz Albrecht bekommen.

Den 28. - die von Adel des Amts Schwerin, Wittenburg und Gadebusch 3000 Rthlr. gewilligt zur redimirung der Stadt Wismar den Schweden abzukaufen.

Den 29. - Ulrich Pentz, mein Stallmeister Wilhelm Warnstedt, und Henning Lützow nach Wismar deswegen gesandt. Dr. Hein nach Rostock. Jacob Berkmann nach Lübeck. Erstere haben vom Commandanten zu Wismar gute resolution zurückgebracht.

1638.

Den 4. Januar sind etliche Regimenter nach Gadebusch, Grevesmühlen, Wittenburg und Walsmühlen gangen, also durch die halbe Armee Wismar blokiret. Gott helfe uns.

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1638.
Den 8. - hat Generalmajor Bredow mir ein schreiben durch seinen Trompeter sandt, berichtet daß er Poel und Redentin ausplündern lasse. Dank es ihm der Henker.

Den 13. - habe ein vertrauliches Schreiben von Dr. Salvio bekommen. Der gibt mir zu verstehen, daß er's redlich und treu meint.

Den 25. - an Gallas 6 lichtbraune Stuten verehrt.

Den 13. Febr. ist meine Maria Catharina von einem Sohne entbunden (Friedrich getauft).

Den 22. - ein Schreiben von Gallas aus Sternberg bekommen wegen der Friedenstractaten und daß Herzog Franz Karl zu S. Lauenburg Plenipotenz vom Kreise habe mit den Schweden Frieden zu tractieren.

Den 25. - General Hubold Rohck angelangt und fürbracht, daß die Armee aufbrechen würde. ich sollte dem Gallas versichern, daß ich die Plätze so ich noch inne hätte und da er mir Dömitz abtrete, daß ichs gegen die Schweden manuteniren wolle, möchte in Wismar schicken mit dem Commandanten tractieren lassen, daß er der kaiserlichen Soldateska keinen Schaden zufügen wolle.

Den 6. März Zeitung bekommen daß Gallas Warnemünde belagert.

Den 11. - 2 Schreiben vom Kaiser empfangen.

Den 12. - ist Zeitung von Warnemünde kommen, daß Vizthum von Eichstädt davor erschossen sey.

Den 14. - berichtet, daß Gallas aufgebrochen und sich nach Grabow begeben.

Den 16. - ist die Bredowsche Brigade hier vorbei nach Grabow auf das rendez-vous marschiert.

Den 20. - habe ein Schreiben von seiner Kaiserlichen Majestät empfangen darin sie mir gnädigst aufgetragen, daß ich wegen des Friedens mit der Krone Schweden tractieren soll. d. d. Preßburg d. 5. März (n. St.)

Den 1. April habe Briefe aufgefangen, so Gallas an den Rath zu Rostock geschrieben; daraus sieht man, daß der Rath Schelmen seyen. Gott wird sie zu rechter Zeit wohl strafen. - Meiner Tochter habe 1 Ducaten gegeben den Vechtelstil zu vergulden.

Den 10. - ist Peter Götzen Brigade von Wismar nach Holstein gangen, haben Mechelburg rein ausgeplündert.

Den 28. - ein schreiben vom Generalquartiermeister Rohck empfangen, die beiden Zölle Dömitz und Boizenburg würden

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1638.
uns eingeräumt werden, aber Warnemünde wäre mit dänischen Schiffen besetzt, deswegen müßte man sich eine Weil gedulden.

Den 2. Juni Hartwig Passow, Joh. Cotmann und Ulrich Pentz nach Boizenburg gereist. Die Räthe werden fort nach Hamburg reisen, um die Friedenstractaten bei Salvio zu befördern. Den 6. - Schreiben von Bartold Dietrich Plessen aus Darmstadt betrifft die Administrationssache meines jungen Vetters und die Zollerhöhung, welche er bei den geistlichen Kurfürsten gesucht hat. hat gute Resolution erhalten.

Den 16. - sind Hartwig Passow und Canzler Joh. Cotmann, nachdem sie aus Hamburg von Salvius zurück, zum Grafen Gallas nach Grabow wegen der Friedenstractaten gezogen.

Die Accise hier zu Schwerin hat getragen vom 1-28. Juni vom Malz 341 Fl.

Den 12. Juli bin ich mit meinen Kindern und Leuten sämmtlich bei meiner Gemalin auf ihrem Hofe auf der Schelfe zu Gast gewesen.

Den 16. - ist das Böheimische Regiment hier vorbeigezogen, hat großen Schaden mit Abnahme des Viehes und Verderben der Feldfrüchte verrichtet.

Den 6. August habe Antonius Volow für einen archiwarium bestellt.

Den 28. - habe Andreas Hundt befohlen nach Basthorst zu Herzog Franz Albrecht zu S. Lauenburg zu reisen um zu vernehmen wie wir könnten verglichen werden. Der hat einen beschwerlichen Brief an mich geschrieben.

Den 15. Sept. habe den Dr. Bergmann nach Lüneburg gesandt, bringt Bescheid, man wolle sich bedenken, ob man das Haus Neuhaus gegen Abtretung Zarrentin's überlassen wolle und könne.

Den 28. - bin ich zu Herzog August nach Lauenburg. Herzog Rudolf Maximilian zu Sachsen auch da angelangt, hat nach der Malzeit Stänkerei mit mir angefangen.

Den 36. - hat der kaiserliche Rath Curt Lützow bei mir zu Boizenburg zu Nacht gessen. Hans Grävenitz meint, ich möchte meinen Canzler Dr. Joh. Freundt 1 ) zum Herzog Franz Albrecht zu S. Lauenburg senden und sich zu interponieren vermeint, er in gutem Credit bei ihm wäre, daß er alle unsere Streitigkeiten aufheben könne.


1) Dr. Joh. Pfreundt, Geheimerath, früher Braunschweig=Dannebergischer Canzler.
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1638.
Den 3. Oct. habe schreiben von den Regierungsräthen zu Güstrow bekommen, schicken mir ein schreiben von Baner, der begehrt Proviant für seine Armee. Der hat jezo sein Quartier zu Grubenhagen. Die Räthe wissen keinen Rath mehr.

Den 7. - schreiben von Schwerin bekommen von meinem Oberstlieutenant, daß Baner die Stadt Schwerin mit seinem Volke besezt, der Oberstlieutenant mit seinem Volke aber sich aufs Schloß retiriret. Ueber Tafel ein Schreiben bekommen, daß Baner selbst in Schwerin logire. Da hab' ich Major Reden auf die Post mit einem Trompeter und schreiben an Baner gesandt, um zu verhüten daß keine Gewalt geschehe. auf die Nacht berichtet Major Reden von Schwerin, daß er mir nicht rathen wolle ohne Baner's Post und convoi dahin zu reisen.

Den 10. - bin ich von Boizenburg auf Wittenburg.

Den 11. - mit allen Meinigen zu Ostorff angelangt. heimlich in Schwerin geschickt und vernehmen lassen, ob man mich aufs Schloß lassen wolle. Da hat man mir durch Daniel Plessen sagen lassen, ich sollte in Gottes Namen heraufziehen, welches auch geschehen.

Den 12. - habe meinen Stallmeister zu Baner gesandt.

Den 14. - Schreiben von Joh. Liliensparre, Commandanten zu Wismar, will die foten 1 ) des Baner excusiren.

Den 19. - bin ich zu Neukloster beim General Baner angelangt.

Den 20. - habe allda alles von ihm erhalten was ich gesucht.

Den 23. - ist Baner hier in Schwerin angekommen, aber wegen vieler Geschäfte mir nicht zugesprochen, hat sich aber durch den Oberst Wizleben entschuldigen lassen.

Den 31. - habe ein bewegliches Schreiben an Baner für die Stadt Schwerin und meinen Hofstaat gethan.

Den 5. Nov. ist Generalmajor Zabeltiz bei mir gewesen, hat mir versprochen drei Tage zu verziehen mit der Contribution einzuziehen, bis ich Milderung vom Feldmarschalk erhielte.

Den 6. - habe deshalb Simon Gabriel zur Nedden zum Baner gesandt. hat ziemlich gute Verrichtung gehabt.

Den 17. - Schreiben von Redentin, daß mir Baner das beste Vieh und fast das meiste Korn von Redentin nehmen lassen.

Den 26. - habe abermals einen Mahnbrief von H. Franz Albrecht von Lauenburg bekommen wegen des Geldes, so ich ihm schuldig. ich soll mit ja oder nein erklären ob ich bezahlen will oder nicht. Ich habe mich erklärt, ich resolviret wäre laut


1) s. h. die Fehler.
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1638-1639.
meiner Verschreibung ihn zu bezahlen, jezo wäre es aber wegen des Ruin des Landes meine Gelegenheit nicht, er hätte es auch so hoch nicht nöthig, da er ja noch Andreas Hundt, der mein Diener wäre, 2000 Rthlr. geliehen.

Den 15. Dec. ist mein Leibbarbier Meister Marx Helbeck, genannt Behn, mit meiner Erlaubnis nach Lübeck verreist. hat alles was er gehabt mit sich genommen, und wie die Kundschaft lautet, darf er wohl nimmer wiederkommen.

Den 18. - ein schreiben von Baner bekommen, daß er bald aufbrechen und dies Land (so er vorher wohl ausgeraubet) quitieren wolle.

Den 31. - ist die schwedische Cavallerie hier vorbei marschiert und schickt sich an zum Aufbruch. Gott helfe daß sie fortziehen und nimmer wiederkommen.

1639.

Den 1. Januar die schwedische Armee hier zu Schwerin rendez-vous gehalten und sodann fort nach Dömiz, Boizenburg und Lauenburg marschiert. Lennart Torstenson hier auf dem Jägerhof logiert, habe ihn zu Gast bitten lassen, hat aber nicht kommen wollen.

Den 19. - ein schreiben vom Herzog Friedrich zu Celle, berichtet, daß der (General=Commissarius Pfuhl an den Kreis und an ihn geschrieben daß er Dömiz belagern wolle, wollte mit ihnen gute Freundschaft halten, daß sie sich nicht feindlich gegen ihn erzeigten.

Den 2. Januar habe meinen Stallmeister zu J. Baner nach Mechelburg sandt, ihn zu ersuchen daß er mir die zu Bützow und Güstrow mit Gewalt abgenommenen Companeien und Fähnlein wieder restituiren möge.

Den 22. - schreibt Baner, er wolle sie mir wieder folgen lassen, ich solle mich nur reversiren daß ich nicht werben wolle.

Den 29. - hat sich Johann Liliensparre schwedischer Commandant von Wismar erboten, beim Feldmarschalk zu Wege zu bringen, daß ich die Städte Güstrow und Bützow wieder freikriegen soll.

Den 24. Febr. ein schreiben vom kaiserlichen Commandanten zu Dömitz bekommen. begehrt man den Leuten zu Grabow befehlen soll sich wieder einzustellen.

Den 26. - mit meiner Gemalin und Tochter bei Dr. Albertus Hein zu Gast gewesen. hat mich mit 48 Essen tractiret.

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1639.
Den 10. März ein schreiben vom dänischen Canzler Detloff Rewentlow bekommen. schickt mir eine Copey so der König zu Dännemark an den Kaiser geschrieben in meiner Vormundschaftssache welche ausbündig und sehr wohl geschrieben und mir verhoffentlich zu gute gereichen soll.

Den 20. - ein schreiben von Andreas Hundt daß Bülow zu Stintenburg mit Herzog Franz Albrecht zu S. Lauenburg handle wegen Stintenburg und daß Bülow meine Schuld, so ich Herzog Franz Albrecht schuldig bin, für baar Geld annehmen will und ich soll ihn wieder mit einem Gut versehen.

Den 25. - berichtet Andreas Hundt daß Herzog Franz Albrecht mit Curt Bülow wegen Erkaufung des Gutes Stintenburg in Richtigkeit wenn ich Bülowen annehmliche Versicherung auf 30/m. Rthlr. thue so will er dem H. Franz Albrecht Stintenburg abtreten aber ehe nicht. er will aber herkommen mit mir zu tractieren.

Den 18. April von Dr. Jeremias Pistorius aus Wien ein schreiben bekommen, daß mein Gesandter daselbst Christian August Rohr am Fleckfieber gestorben. hat möglich von den katholischen eine spanische Suppe bekommen.

Den 17. Mai Curt Behr Joachim Malzan Landmarschalk wegen der Ritterschaft anbringen lassen daß sie keinen Menschen bezahlen wollen.

Den 28. - Curt Behr und Joachim Malzan von Plau gekommen, haben mit dem Commandanten gehandelt daß er 1000 Ducaten nehmen und mir das Haus Plau übergeben will.

Den 5. Juni ist Andreas Hundt von dem Herzog Franz Albrecht hier angelangt hat gute Verrichtung gehabt. H. Franz Albrecht eine Gesandtschaft an mich abgesandt, begehrt Freundschaft mit mir zu machen und läßt um meines Bruders Tochter Fräulein Christina Margarethe anhalten.

Den 18. Juli bekomme ich ein schreiben von Joh. Cotmann darin er mir seine Dienste aufkündigt, auch einen gar schlimmen Brief schreibt, will in der Vormundschaftssache nicht mehr rathen, weil die kaiserliche Urtel nicht auf meiner Seite lautet.

Den 8. Aug. hat mir meine Mar. Cat. eine Tochter geboren Christina getauft.

Den 28. - nach Rostock gefahren.

Den 29. - ist um 10 Uhr Morgens auf dem Rathhause die proposition geschehen.

Den 30. - Abends haben mir die Studenten eine schöne musique gebracht.

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1639-1640.
Den 3. Sept. der Landmarschalk Joachim Malzan und Paschen von der Lühe von der Ritter = und Landschaft zu der Wittib nach Güstrow gesandt, gütliche Tractaten zu incaminieren.

Den 4. Nov. hat mir mein Sohn Christian ein schreiben übermachen lassen darin er sich beklagt er habe keine Lust mehr zu studieren, begehre Soldat zu werden.

Den 5. - bei Consrade eine wilde Katze gefangen.

Den 7. - Ulrich Penß und Dr. Bergmann mit den Bürgern allhier zu Schwerin tractieret, daß sie ein Schifferamt errichten sollten und mir die Hölzung, so ich aus meinen Aemtern zu überlassen hätte, abkaufen und nach Wismar zu Schiff fahren.

Den 13. - ein schreiben von Cotmann und seinen Collegen bekommen, schicken das Concept eines Patents welches sie vermeinen ich solle anschlagen lassen, um alle Calvinisten aus dem Lande zu verbannen.

Den 16. - ein Schwizbad gebraucht.

Den 11. Dec. Dr. Lorenz Langermann und Hans Christoff von Bülow die dänischen Unterhandlungsgesandten in der Güstrowschen Vormundschaftssache aus Güstrow berichtet, daß auf vielfältiges Anhalten sie meines Bruders Wittwe beredet, daß sie es zu Tractaten kommen lassen wird.

Den 17.- haben sich die Tractaten zerschlagen, denn die Wittib sich zu nichts verstehen will, sondern stricte bei der kaiserlichen Urtel verbleiben der ich pariren soll.

Den 18. - haben die Deputirten von der Ritterschaft neue Vorschläge gethan.

1640.

Den 12. Mai hat mir der Rath von Bremen 10 Last Rogken verehrt zu Lübeck zu empfangen.

Den 9. Juni habe böse Zeitung von Schwerin bekommen daß die Brandenburgischen mit 200 Pferden vor Schwerin gewesen und einen schwedischen Offizier gefangen und mir von Consrade und Ostorff Vieh und Pferde genommen, welche zum Theil jedoch wiederbekommen.

Den 16. - Canzler Johann Cotmann Audienz gehabt. hat seinen gänzlichen Abschied von mir gebeten mit Vergießung vieler Thränen. habe ihn behandelt, daß er nun sich verpflichtet bei mir zu bleiben, daß ich also der Sorge wo einen an seinen Plaz zu bekommen, auch los bin. Die Stadt Parchim an mich geschrieben klagen daß sie von den Brandenburgischen so geplagt werden, daß fast kein Mensch und Vieh vor's Thor gehen darf.

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1640-1641.
Den 19. - ist die Proposition von Cotmann den Landräthen und den Gesandten von Rostock und Wismar geschehen.

Den 25. - habe die von Rostock, Wismar und Güstrow nach Tafel ermahnt darauf bedacht zu seyn daß Gelder zum Regensburger Reichstage möchten herbeigeschafft werden.

Den 2. Juli bin ich zu Güstrow angelangt. Da sind alle Calvinisten mir aus dem Wege gelaufen.

Den 19. - habe eine Urtel vom kaiserlichen Hofe empfangen in Sachen die Comturey Mirow betreffend.

Den 14. Aug. ein Schreiben von Kais. Majestät bekommen, daß ich mich des Hauses Lüneburgs Händel nicht theilhaftig machen soll.

Den 29. - Johann Cotmann und Curt Behr als Gesandten nach Regensburg sind heute aufgebrochen.

Den 30. - habe ich von Abraham Kaiser schreiben bekommen, daß der römische Kaiser im geheimen Rathe verabschiedet, daß meine Sache dem kurfürstlichen Collegio zu decidiren solle übergeben werden. Gott sey Lob und Dank.

Den 10. Nov. habe zu Güstrow durch den Superintendenten Mag. Dan. Michael in der Schloßcapelle predigen lassen, Gott zu Ehren, den Calvinisten zum Troz.

Den 29. Dec. schickt mir Herzog Jacob von Curland 10 Last Gerste, 10 Last eingesalzen Fleisch) 2 Faß Meth und 2 Last Hafer.

1641.

Den 21. Januar ist meine Mar. Cat. von einem Sohne entbunden. Bernhard Sigismund getauft.

Den 1. Febr. der Rath allhier zu Schwerin sich der Verordnung wegen der Kriegskosten widersezet. Deswegen eine Beschwerdeschrift übergeben, habe aber befohlen demungeachtet durch militärische Execution solches zu verrichten, sie habens cum protestatione an dem Rathhaus anschlagen lassen.

Den 2. - ein schreiben von meinen Räthen aus Regensburg empfangen, daß Baner hart vor Regensburg mit 12 Regimentern gewesen.

Den 23. April hat Moriz von der Marwitz, meines jungen Vetters Hofmeister, alle meine Leute zu Gast gehabt und sein Testament aufsezen lassen, er ist ganz irre im Kopf daß es also lauter Thorheit ist was er anfängt.

Den 27. Mai ist der gewesene Hofmeister meines Vetters, Moriz von der Marwitz, mit seiner ganzen Familie und Allem was er hat von hier abgezogen und nach Gadebusch und Raze=

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1641-1642.
burg gereist. Gottlob daß ich seiner quitt bin. Friz Dietr. Capell, der neue Hofmeister, hier angelangt.

Den 18. Aug. Landtag zu Schwerin. Rath gehalten wie der Landschaft zu verweisen, daß sie die gravamina, ehe sie auf die proponirten Punkte resolviret, wollen erlediget und richtig haben. Deswegen einen guten Vilz bekommen.

Den 24. - habe ein Schreiben vom Erzherzog Leopold Wilhelm bekommen, begehrt Proviant und Anlegung eines Magazins in Schwerin für die kaiserliche Armee.

Den 31. - der Landtag ist unfruchtbar abgelaufen und sind Herr und Unterthanen malcontent von einander geschieden. Hartwig Passow ist auch rebellisch worden.

Den 13. Oct. ist mein Sohn Christian nebst Abraham Kaiser auf seine peregrination gegangen. Gott geleite ihn durch seine heiligen Engel.

Den 31. - habe den Feldmarschalk Lennart Torstenson in Gadebusch besucht.

Den 6. Nov. sind Curt Behr und Joh. Cotmann von Regensburg wieder zu Schwerin angelangt, ziemlich schlechte Verrichtung und viel Geld verthan.

Den 15. Nov. † mein Sohn Bernhard Sigismund.

1642.

Den 3. Jan. habe an meinen Sohn Christian nach Utrecht geschrieben und ihn ermahnt fleißig zu seyn etwas redliches zu studieren.

Den 16. - sind Salvius und der Legat Johann Oxenstjern zu Wismar bei mir gewesen.

Den 1. Febr. ist der kaiserl. Oberst Hartmann Goldacker mit 4 Regimentern Croaten in Schwerin angekommen, erbietet sich zu guter Ordnung.

Den 3. - ist das Volk nach Wittenburg gegangen.

Den 15. - habe meinen Trompeter zur kaiserl. Armee zum Erzherzog Leopold Wilhelm und Piccolomini gesandt.

Den 4. März ist Berend Blücher, welcher vor 15 Jahren einen Bauern entleibet, allhier zu Schwerin mit dem Schwerte enthauptet worden.

Den 29. April hat Dr. Joh. Bremer Audienz gehabt in Präsenz meiner Räthe da er dann wegen des Guts Brese vorgebracht ich dasselbe als ein feudum vacans einziehen könnte. hat mit den Räthen gewaltig disputiret. er ist aber von Dr. Albert Hein dergestalt eingetrieben und ihm 4 unredliche stücke in continenti bewiesen daß er nicht hat gewußt was er sagen sollen.

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1642.
Den 30. Mai in der Nacht zwischen 10 und 11 Uhr ist H. Franz Albrecht zu S. Lauenburg zu Schweidniz Todes verblichen.

Den 4. Juni ein Schreiben von Jeremias Pistorius bekommen, daß die Vormundschaftssache in gutem Stande ist. eine andere Post berichtet daß Franz Albrecht zu Sachsen geschlagen wo nicht gar todt doch gefangen.

Den 6. - habe von Joh. Oxenstjern ein schreiben bekommen daß H. Franz Albrecht vor Schweidniz 2 Schüsse bekommen und gefangen sey.

Den 19. - ein schreiben vom Legaten Joh. Oxenstjern bekommen, meldet daß Ollmütz in Mähren Torstenson glücklich emportiret und Wrangel etliche kaiserl. Regimenter ruiniret. auch daß H. Franz Albrecht zu S. in Schweidnitz den 30. Mai Todes verfahren. Gott sey Lob, daß er mich an dem bösen Feinde gerochen.

Den 22. Juli habe den Feldmarschall Gustav Horn in Mecklenburg und Redentin gesprochen und ihm ein schwarzbraun Pferd verehrt dafür er sich hoch bedankt und versprochen mir alle meine in einem Memorial gegebene desideria fleissig zu befördern.

Den 4. Aug. ist der Generallieutenant Redvin bei mir zu Gast gewesen ihm ein Pferd verehrt.

Den 6. - habe meinem Sohne Christian einen starken Verweis geben daß er seinen Hofmeister disgustiret und ihm befohlen aus dem Haag hinweg und sich nach Frankreich zu begeben.

Den 10. - meinem Sohne Christian abermals einen guten Vilz gegeben.

Den 11. - ist Dr. Lorenz Langermann als Abgesandter des Königs von Dännemark hier angelangt.

Den 12. - zur Audienz gelassen. seine Werbung ist die gütliche Handlung zwischen meines Bruders Wittib und mir, und Schuldforderung, so der König auf meine und meines Vetters Lande prätendiret. Vorschläge zu hören wie er von uns solle contentiert werden.

Den 18. - Mr. Witte Audienz gehabt aber sich sehr entrüstet und cholerisch erwiesen. hat mir den Stuhl, wie man sagt, vor die Thür gesezt und seinen Abschied begehrt.

Den 19. - Lorenz Langermann von Güstrow zurück. berichtet, die Fürstin daselbst sich zu keinen gütlichen Tractaten verstehen wolle, sondern sich auch auf das Testament fundiret.

Den 22. - Mr. Witte in 2ter Audienz wohl contentiert.

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1642-1643.
Den 18. Sept. ist mein Sohn Karl nebst seinem Comitat ins Ausland verreist, habe ihn bis Travemünde geleitet und dort beim Abschiede gesegnet.

Den 23. - hat Joh. Stallmeister den Rathseid vor mir geleistet, habe ihm Commission an den Prinzen von Orange gegeben meinen Sohn Christian ihm zu recommandiren.

Den 29. Oct. habe ein Schreiben von meinem lieben Sohn Karl aus Stockholm empfangen.

Den 1. Nov. haben die Landräthe Henning Lützow, Curt Behr und David Raven wegen Beilegung der Rostocker Streitigkeiten Audienz gehabt.

Den 12. Nov. ist Adam Schicker als Oberstlieutenant Rath und Commandant von Schwerin in meinen Dienst getreten.

Den 16. - habe ich mit den Landräthen wegen der Rostocker tractiert.

Den 22. - habe ich den Vertrag so ich mit den Rostockern gemacht unterschrieben. Schreiben von meinem Herzlieben Sohn Karl bekommen, hat bei der Königin von Schweden seine Proposition abgelegt und ist Gottlob Alles gut abgangen, auch Richtigkeit gemacht.

Den 8. Dec. habe ein Schreiben von meines Bruders Tochter Christina, Herzogs Franz Albrecht zu S. Lauenburg Wittib, von Hamburg bekommen. Die begehrt zu mir anhero zu kommen, bittet ich möge consentiren, daß die Neukircher Erben für ihre (der Herzogin) Schuldforderung ihr das Amt Zarrentin einräumen mögen. Es ist Gottes wunderbare Schickung; er weiß alles gut zu machen.

Den 28. - ist Herzog Franz Karl zu Niedersachsen mit seiner Gemalin, die zuvor den Bethlen Gabor in Siebenbürgen gehabt, hier zu Schwerin bei mir angelangt.

1643.

Den 16. Januar habe Jochim Krüger gesprochen, berichtet von großer Confusion im Güstrowschen Regiment, bittet ich möge hinüberkommen.

Den 18. - ist meine Brudertochter die sächsische Wittwe hier angelangt.

Den 24. - ist sie nach Güstrow gereist.

Den 15. Februar wieder bei mir in Schwerin gekommen.

Den 20. - nach Lübeck gezogen.

Den 26. - habe an meinen ungehorsamen Sohn Christian geschrieben, daß er soll von Hamburg anherokommen.

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1643.
Den 9. März Schreiben vom Feldmarschall Lennart Torstenson daß er wegen Mangels an Lebensmitteln vor Freiberg habe müssen abziehen.

Den 10. - ist mein ungehorsamer Sohn Christian hier zu Schwerin angelangt. Hans Heinrich von der Lühe mit einem Creditif von dem Capitel zu Razeburg angelangt bittet ich möge Curt Behr und Dr. Albert Hein verordnen die Streitsachen zwischen Herzog August zu Razeburg und dem Capitel zu vergleichen.

Den 14. - Dr. Christoff von der Lippe vom Könige von Dännemark gesandt seine Hypothek einzunehmen.

Den 15. - noch ein schreiben vom Kön. von Dännemark empfangen. begehrt inständig die Abtretung der Aemter.

Den 11. - ist Claus Christoff Lützow von Eickhoff aus Italien kommen.

Den 22. - ein schreiben von meinem Sohn Karl und dem Marschalk Marwitz empfangen datirt Stockholm 4. März; schicken mir die schwedische Resolution und ihre Abfertigung. Schreiben von Lennart Torstenson ich solle den Oberstlieutenant Schicker abschaffen.

Den 23. - hat mein Sohn Christian in praesens meiner, Hartwig Passow, Dr. Alb. Hein., Joh. Stallmeister, Simon Gabriel mir wegen seines in Niederlanden üblen Verhaltens Abbitte gethan und hart angelobt sich hinfüro als ein gehorsamer Sohn zu comportiren.

Den 27. - Oberstlieutenant Ad. Schicker und Hauptmann Rabenstein wieder von Rostock hier angelangt, haben gute Verrichtung gehabt bringen mir 1000 Rthlr. so die Stadt präsentiert. in den lezten Ostertagen soll noch so viel folgen. Parchim durch schwedische Reuter geplündert.

Den 30. - habe durch den Hofprediger meinen Sohn Christian ermahnen lassen zum Nachtmal zu gehen; hat lange nicht gewollt.

Den 1. April hat Christian endlich neben meinen andern Kindern gebeichtet und den 2. mit mir und meinem ganzen Hofstaat zum heil. Nachtmal gangen.

Den 17. - habe ich Claus Christoph Lützow von Eickhof angesprochen daß er sich bei seinem Herrn (dem Herzog von Holstein) losmachen möchte und mit meinem Sohne Christian nach England reisen. er erklärt sich er will es thun nur daß ich ihn bei seinem Herrn losmache, daß ohne dessen offense gehen möge.

Den 24. - sind der Pfalzgraf Karl Gustav aus Schweden und Markgraf Karl Magnus zu Baden, der Commandant Erichson

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1643.
und Oberst Wrangel hier zu Schwerin angelangt, sind lustig gewesen und die Nacht durch geschwärmt. Mein Sohn Christian hat ihnen das Geleit bis Wismar gegeben. Den Abend habe ich Otto Rudolph Bomstorff wehrhaftig gemacht.

Den 28. - bin ich von Bützow nach Doberan. weil ich aviso von Wismar bekommen ob sollte der Commandant den Oberstlieutenant Schicker wollen gefangen nehmen, hab' ich ihm befohlen nach Rostock zu reisen.

Den 30. - ist mein Herzenssohn Karl von Warnemünde und also aus Schweden und Dännemark hier mit allen seinen Leuten angelangt.

Den 9. Mai bin ich in Rostock angelangt und vom Rath und Universität empfangen.

Den 10. - habe mit dem dänischen Gesandten Dionysius Podewils und Dr. von der Lippe tractieren lassen.

Den 11. - hat sich mein Sohn Christian mit meinem Cammerrath Joh. Stallmeister verunwilligt und groß parlament angefangen. Oberstlieutenant Schicker sich mit Hartwig Passow verunwilligt und ihn gefordert, habe sie den 14. vertragen.

Den 15. - hat der Rath von Rostock Audienz gehabt und gebeten ich erlauben möchte auf die Consumtion eine Anlage ausschreiben zu lassen. haben Bescheid bekommen, sie sollten ihre Bitte schriftlich übergeben und mit allen Umständen berichten wie es anzustellen daß es ohne Präjudiz der andern Landstände geschehen könne, sollten guten Bescheid bekommen.

Den 16. - von Rostock nach Doberan zurück.

Den 19. - bin ich nach Marienehe, nach dem Essen im Garten mit meinem ungehorsamen Sohne Christian mich hart ins Wort gegeben welcher ausdrücklich gesagt ich sollte ihm nur forthelfen er wollte mich nicht mehr auf die Füße treten.

Den 22. - ist der Commandant Erichson von Wismar hier gewesen, hat meinem Sohne Christian wieder leichtfertige Händel in den Kopf gesezt.

Den 31. - hat mir Christian ein Memorial vorlegen lassen darin er begehrt wieder nach dem Haag zu reisen und ihn nicht lange aufzuhalten, denn er gar kein Belieben habe zum König von Dännemark zu reisen.

Den 5. Juni sind Cotmann, Henning Lützow und Curt Behr hier zu Bützow bei mir angekommen und Rath gehalten über das Memorial meines ungehorsamen Sohns Christian.

Den 6. - habe meinen Sohn vorbeschieden und ihm durch Joh. Cotmann in Beiseyn meiner und der Geheimen und Land=

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1643.
räthe erklärt, daß ich nicht für gut ansehe daß er sich zum Kriege oder wieder ins Niederland begebe. Darauf hat er sich erklärt ob er wohl viele rationes hätte warum er sich solches vorgenommen. jedoch wolle er meiner väterlichen Verordnung folgen und sich allezeit als ein gehorsamer Sohn erweisen wozu ihm Gott Gnade und Segen verleihen wolle.

Den 8. - ist Christoph Lützow Fischmeister des Königs zu Dännemark angelangt, begehrt die Abtretung der Aemter.

Den 9. - hat Christoph Hans Bülow mir von Herzog Friedrich zu Holstein einen Gruß und die Verschreibung wieder zugeschickt so in des Erzbischofs zu Bremen 1 ) Erbschaft mir zugefallen (welche 30,000 Rthlr. betrifft so auf dem Amt Mechelburg gehaftet wofür Gott höchlich zu danken).

Den 21. - ist der Legat Joh. Oxenstjern bei mir gewesen.

Den 2. Juli zu Güstrow angelangt.

Den 4. - ist die Landtagsproposition auf dem Schlosse in dem großen Saal geschehen.

Den 17. - haben meine geheimen Räthe Hartwig Passow Dr. Hein und Simon Gabriel zur Nedden Audienz bei der Herzogin Wittib gehabt, sie hat sich aber nicht wohl erklärt.

Den 19. - Güstrow wieder verlassen.

Den 12. Aug. ist mein Sohn Christian nach Rehna. hat Abschied von mir genommen. Daniel Plessen reist mit ihm.

Den 13. - ein Schreiben von Dömitz vom Commandanten von Wismar bekommen daß er die Stadt Dömitz occupiret. verhoffe mit dem Hause auch fertig zu werden, meinen Sohn Christian seine Wechsel zu machen schlägt er ab, hat vielerlei Ausflüchte.

Den 21. - ein schreiben von Simon Gabriel daß 9 Regimenter Kaiserische Dömitz entsezen wollen.

Den 23. - habe Christian erlaubt nach Lübeck zu reisen.

Den 26. - ist der Küchenmeister Fritz Schleiffer wieder von Segeberg vom Markt angelangt hat 7 Pferde mir da gekauft, berichtet, er für jedes 1 Rthlr. Zoll dem Könige von Dännemark entrichten müssen, welches wider das Herkommen.

Den 28. - ist die kaiserliche Commission, auf den König von Dännemark, den Kurfürsten zu Brandenburg und Herzog Friedrich zu Holstein gerichtet, mich mit der Wittib zu Güstrow in Güte zu vergleichen, hier angekommen.

Den 24. Sept. meine Mar. Cat. von einer Tochter entbunden (Augusta getauft). 5. Mai 1644 †.


1) S. oben z. J. 1617, 7 Dec. u. z. J. 1634, 3. Sept.
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1643-1644.
Den 5. Oct. Schreiben von meines Bruders Wittib bekommen, daß sie morgen Abends sich bei mir einstellen wolle.

Den 6. - ist sie spät Abends angekommen.

Den 7. - ist sie aus eigener Bewegung mit mir in die Betstunde gegangen.

Den 11. - ist sie mit ihrem Fräulein content geschieden. habe ihr das Geleit bis Wittenförden geben.

Den 9. Dec. ist der Feldmarschall Lennart Torstenson hier zu Ostorff angelangt, er marschiert mit seiner ganzen Armee nach Holstein in die Winterquartiere, habe ihn besucht und hinauf gebeten hat aber nicht gewollt.

Den 11. - sind die Herzoge zu Sachten und die Neukirchschen Erben verglichen worden. Schreiben von meinem Sohn Christian und seinem Hofmeister Daniel Plessen empfangen, ist von Cölln am Rhein datirt.

Den 14. - Generalmajor Wrangel mit der Armee und Artillerie zu Schwerin angelangt.

Den 15. - ist er auf Gadebusch.

1644.

Den 6. Febr. Antwortschreiben vom Kurfürsten zu Brandenburg wegen Mirow und Nemerow ist eine gute Erklärung.

Den 2. Juli ist Zeitung kommen die kaiserliche Armee unter Gallas marschiere auf Mecklenburg zu. Das Hauptquartier soll zu Grabow seyn.

Den 7. - bin ich noch mit Oberst Görz fortgeritten in Willens nach der Neumühle zu reiten, sind wir von einer Companey Reuter angesprengt. Dem Obersten und meinen Leuten ihre Gewehre und was sie bei sich gehabt, genommen.

Den 8. Aug. Schreiben bekommen daß die Schweden die Marschlande eingenommen. Callas und Torstenson scharmuzieren.

Den 19. - hat mir der Rath von Wismar 200 Rthlr. verehrt und gesandt.

Den 27. März bin ich nach Marienehe, habe allda den Oberstlieutenant Adam Schicker verschrieben aber er ist ausgerissen. Da habe ich ihm eine Partey nachgesandt ihn wiederzuholen habe mich nach Rostock begeben da haben sie den Oberstlieutenant A. Schicker den 29. gefangen vor die Stadt gebracht. Da habe ich befohlen ihn auf Schwerin zu bringen. Es ist aber dem Commandanten Erichson durch einen Theil meiner eigenen Diener avisiret worden hat ihn also von Sternberg meinen Leuten mit Gewalt abnehmen und nach Wismar bringen lassen.

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1644.
Den 2. April habe ich meinen Sohn Karl zu Rostock interimsweise bis ich einen andern Commandanten ordnen würde präsentiret ist auch mit Dank acceptiret.

Den 4. - ist der Oberst Jochim Moltke zu mir nach Doberan kommen habe ihm die charge als Commandant zu Rostock aufgetragen welche er auch acceptiret und habe ich nach Rostock gesandt umb zu vernehmen wie es jezo daselbst beschaffen und mir ausführliche relation davon zu thun.

Den 27. Mai habe ein schreiben von Herzog August Bischof zu Magdeburg empfangen, begehrt ich möchte beim Kreise befördern daß derselbe an den Kaiser und seinen Vetter den Kurfürsten zu Sachsen schriebe oder schickte daß die Garnison allein in seine Pflicht möge genommen werden und der kaiserliche gouverneur herausgeschafft.

Den 28. Sept. ist der Schwerinsche Hausvogt Christoph Eberhard von einem Bauern mit einer Runge zu Tode geschlagen.

Den 2. Oct. ist der Oberst Moltke herkommen und seinen Abschied begehrt welcher ihm auch nach seinem Contentement geben worden.

Den 3. - ist der Bauer so den Hausvogt erschlagen gerichtet und ihm der Kopf abgeschlagen und auf einen Stacken gesteckt.

Den 22. - hat sich mein Sohn Carl auf die Reise zuerst nach Lübeck begeben.

Den 13. Nov. ist der ehrliche Hartwig Passow zur Erden bestattet worden.

Den 26. - habe ein Schreiben von meinem ungehorsamen Sohn Christian empfangen gegeben Paris den 19. Nov. wobei auch ein nachdenkliches schreiben an seinen gewesenen Hofmeister Daniel Plessen.

Den 1. Dec. ist der Comtur von Siffelbein Georg Winterfeld und der Oberst Henning Gristow hier angelangt. der Winterfeld hat ein Creditif an mich vom Kurfürsten zu Brandenburg Friedrich Wilhelm begehrt daß ich Gr. möge die Comturey Mirow einräumen weil er vom Orden dazu erwählet. habe Joh. Cotmann geschrieben anhero zu kommen und ihn zu expediren.

Den 3. - ist der Canzler Joh. Cotmann ankommen habe durch ihn mit den Gesandten reden lassen, wie alles abgeredet ist der neue Comptur zu mir in mein Gemach kommen und den gewöhnlichen Eid abgelegt. Damit hat diese Sache auch

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1644-1646.
ihre richtigkeit. ist er also Comptur zu Nemerow und ist dabei abgeredet daß der Canzler und Simon Gabriel zur Nedden ihn anweisen sollen.

1645.

Den 13. Januar ist der Ausschuß von der Landschaft hier zu Schwerin angelangt.

Den 14. - ist nach der Betstunde die Proposition geschehen.

Den 28. - die Handlung zwischen den Provisoren des Klosters Dobertin und mir wegen der jährlichen Hebungen so sie mir auf das Haus Schwerin zu geben schuldig und nun in 10 Jahren fast nichts geben, wollen 2 Dörfer und etliche Hebungen so ich den Zoll hebe mir abtreten.

Den 7-12. Februar meines Bruders Tochter Christina Margarethe jezo Wittib zu Sachsen=Stintenburg hier bei mir gewesen.

Den 3. März hat Mons. Joh. Witte dieser betrübten Welt adieu gesagt in seinem 77. Jahre.

Den 17. - habe an Christian geschrieben und einen ausführlichen Vilz geben.

Den 24. - hat in meinem Beiseyn zu Güstrow Canzler Joh. Cotmann sein schriftliches Memorial übergeben wie meines Vetters Staat und economia einzurichten. Die Diener haben von ihren rückständigen Besoldungen und Forderungen alle viel nachgelassen, auch meine Schwester, die auf Güstrow mit ihren jährlichen Hebungen angewiesen und ihre Restanten auf 22/m Fl. angiebt, hat nachgeben und nimmt alle Jahr 2500 Fl. welcheihr von den Güstrowschen Räthen richtig abzutragen versprochen.

Den 9. Mai hat der Feldzeugmeister Karl Gustav Wrangel in Schwerin bei mir gessen.

1646.

Den 1. Januar schreiben von Christian aus Paris und von Karl aus Lion.

Den 2. Febr. von Karl aus Padua.

Den 9. - bin ich mit meiner Tochter Sophie Agnes in Disput gerathen darumb daß sie ohne mein Vorwissen zur Passowin in die Stadt gegangen ist.

Den 11. - habe Hans Vieregck Verwalter zu Redentin in Arrest nehmen lassen. hat Korn ohne mein Vorwissen verkauft.

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1646-1647.
Den 25. - Der Burgemeister Eggebrecht und der Syndicus von Wismar bei mir geheime Audienz gehabt. habe sie versichert daß ich die Stadt den Schweden nicht abtreten will.

Den 24. März hat mir meine Mar. Cat. eine Tochter geboren.

Den 30. - ist mein Sohn Christian angelangt hat bei sich gehabt Bogislaw Schwerin und Georg Mecklenburg.

1647.

Den 14. Aug. muß die Wurzel Alcea zwischen 11 und 12 recht in Mittag aufgenommen werden.

 


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V.

Beschreibung und Erklärung

des

söndervissingschen Runensteins,

von

P. G. Thorsen,

Candidaten der Theologie und Unterbibliothekar an der Universitäts-Bibliothek zu Kopenhagen,

Kopenhagen 1839,

aus dem Dänischen übersetzt

von

A. G. Masch,
Gymnasial=Lehrer zu Neu=Ruppin.

  Proxima negligere, remota suspicere,
externa adorare, domestica fastidire,
non virtutis, sed vitii est.
01. Worm,
(monumenta danica, Hauniae 1613,
in dedicatione.)
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Zum ersten Male tritt hier die Untersuchung eines dänischen Runendenkmals dänisch als ein besonderes Buch * ) auf. - Von besonders herausgegebenen "Runeninschriftserklärungen" kann unsere Literatur nur äußerst wenige aufweisen. 1628 kam Prof. Ole Worm's monumentum Ströense, und 1636 seine epi-stola de monumento Trygveldensi heraus. Sonst haben wir nichts außer der recht tüchtigen deutschen Beschreibung über die vor ungefähr 40 Jahren bei Schleswig aufgefundenen Runensteine. (Die Sprache dieser Inschriften ist so ganz die alte dänische oder gemeinsame nordische, daß man keine reinere findet auf irgend einem Runensteine, weder in Dänemark, Schweden, Norwegen, noch Island. Dies ist ein wichtiger und unumstößlicher Ausgangspunkt in der schleswigschen Sprachverhältnißfrage.) Das von Worm, dem ersten und unverdrossenen Forscher in den Runenstudien bei uns, gegebene Beispiel ist nicht so befolgt, als es verdiente. Ich habe wenigstens geglaubt, daß es Nachahmung verdiene, die vaterländischen Denkmäler der Art auf eine Weise zu behandeln, die hoffen läßt, daß man durch das Bestreben, die Kunde von ihnen zu verbreiten, auch beiträgt, Liebe zu denselben zu nähren und dadurch wieder zu den vaterländischen Jnteressen im Allgemeinen. - Möge dieses kleine Buch zu diesem seinem Zwecke wirken und günstige Aufnahme finden.

Den 13. Juli 1839.


*) Die nachfolgende Abhandlung hat für die meklenburgische Geschichtsforschung ein so großes Interesse, daß die Mitglieder des Vereins die Mittheilung der Uebersetzung mit Theilnahme empfangen werden. Gegenstand dieser dänischen Abhandlung ist Geschichte, Beschreibung und Erläuterung eines Runensteins, welchen
   "Tuva, Mistivis Tochter, Haralds Gormssohn des Guten Frau,"
zum Andenken ihrer Mutter setzen ließ. Ist nun Harald Gormssohn der gewöhnlich Harald Blåtand genannte Dänenkönig aus dem Ende des 10. Jahrhunderts, so ist Mistevis Tochter wohl keine andere, als die Tochter des Wendenfürsten Mistewoy, welcher eine christliche Gemahlin hatte. Mistewoy starb gegen das Jahr 1025. Dies ist Grund genug, um diese Abhandlung über ein für uns einziges Denkmal in unsere Geschichtsforschung einzuführen.
   G. C. F. Lisch.
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S. 1. Bei dem Schmerze, daß so viele Runendenkmäler vergangen, ist es ein Trost, daß viele wichtige und vorhin unbekannte in unserer Zeit ans Licht gekommen sind. Auffallend viele sind verloren, theils durch Unachtsamkeit, theils durch Gewalt, wie in der Hauptstadt selbst vor eben nicht langer Zeit und ebenso an manchen Orten im Lande, und kaum wird behauptet werden können, wir seien so weit gekommen, daß es nicht geschehen kann. Doch sind deren wiederum nicht wenige, die gleichsam als Ersatz für die verschwundenen in allen Theilen Dänemarks, namentlich in diesem Jahrhunderte, gefunden wurden, wo man mit einigem Ernst angefangen hat, den Denkmälern der vaterländischen Vorzeit größere Aufmerksamkeit zu widmen. Die zwei wichtigen schleswigschen Runensteine machten den Anfang; dann folgten - um einige der bedeutendsten zu nennen - der Bäkkestein und der Årsstein in Jütland, der Glavendrupstein, welcher unstreitig den
S. 2. ersten Platz unter allen Runendenkmälern in ganz Skandinavien einmmmt, und der Nörrenäråasstein in Fynen, der Snoldelefsstein und Höjetåstrupstein in Seeland. Endlich ist im vorigen Jahre einer zum Vorschein gekommen, welcher wegen seiner besondern Merkwürdigkeit eine wichtige Stelle unter unsern Runensteinen einnehmen wird. Diesser ist der Gegenstand der gegenwärtigen Untersuchung. Ich nenne ihn, wie man pflegt, nach der Stelle wo er gefunden ist, dem Dorfe Söndervissing. - Söndervissing liegt in Tyrsting Herred (District), Amt Skanderborg, ungefähr 3 1/2 Meilen von Horsens und von Skanderborg. Der Name erinnert an die alten heiligen Orte, so daß der Ort dadurch eine Bedeutung im Heidenalter gehabt hat. In dieser Hinsicht dürfte man beachten, daß es einen Ort gleichen Namens (im Kirchspiel Vänge) ungefähr 3 Meilen nördlicher giebt, weshalb er Nörrevissing heißt. Die christliche Zeit zeigt 5 Klöster auf sehr nahe in dieser Gegend an einander, nämlich Vissingkloster, Vorkloster und Ömkloster. Die ganze Umgegend ist, wie man der Klöster wegen mit Grund vermuthen kann, außerordentlich schön und grandios, vielleicht vorzüglich vor irgend einer andern in Dänemark, und nicht minder dadurch interessant, daß sie auf der Grenze des Waldes und der Haide liegt. Zu dem Interesse, welches die Gegend durch ihre natürliche Beschaffenheit hat,
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S. 3. kommt nun auch, daß sie eines der ältesten bestimmt historischen Denkmäler aufweisen kann. Hoffentlich wird dies zu den Dingen gerechnet werden, welche man auf einer Himmelbergswallfahrt mitnehmen muß. (?)
   Auf einer Reise, welche ich der Runensteine wegen im vorigen Sommer (1838) im Lande umher machte, untersuchte ich auch diesen Stein. Zweimal besah ich ihn - den 30. Juli und 29. August, beide Male bei schlechtem Wetter - da nach der Erfahrung, welche ich machte, eine wiederholte Untersuchung eines jeden Runensteins erfordert wird, damit man in jeder Hinsicht in Betreff der Inschrift, selbst wenn sie gut lesbar, gewiß sei, und öftere Untersuchung scheint nicht durchaus nothwendig. In hohem Grade interessirte und erfreute mich dieses Denkmal, und ich beschloß sogleich, eine Beschreibung und Erklärung darüber zu verfassen. Dies war auch in so weit meine Schuldigkeit, als der Stein nicht untersucht ist und bei den sehr wenigen hier, die sich die Runen zum Gegenstande ihres Studiums gemacht haben, so leicht von einem Andern nicht untersucht werden wird. In jedem Falle glaube ich das ohne Unbescheidenheit zu können, und darf vielleicht hoffen, nicht ganz ohne Beruf.
   Auffallend ist es, daß dieser Stein so lange unbemerkt blei=
S. 4. ben konnte, da sowohl in der ältern als neuern Zeit mehrere Male offizielle Berichte über die einzelnen Sogne (Kirchspiele) und deren Merkwürdigkeiten eingereicht sind; unwillkürlich wird man dabei auf den Gedanken gebracht, daß noch viel Wichtiges gefunden werden könnte, wenn größere und anhaltende Aufmerksamkeit darauf verwendet würde. Das erste Mal ward ein solcher Bericht auf Veranlassung Ole Worm's und königl. Befehl vom 11. August 1622 eingesandt, welcher ist ein Ausgangspunkt für unsere vaterländischen archäologischen Untersuchungen. Daß in diesem Berichte von dem söndervissingschen Runensteine nicht die Rede ist, kann man schon daraus ersehen, daß er in O. Worm's Runenwerke nicht gefunden wird. Ich habe in diesen Berichten - von welchen jetzt noch ein Theil, namentlich aus Århus Stift 1623, vorhanden ist, - nachgesucht, aber durchaus nichts über Söndervissing darin finden können, wenn sie übrigens vollständig sind. In dem resenschen, geschriebenen dänischen Atlas wird man auch vergebens suchen, so wie in den späteren Berichten. Erst in der allerletzten Zeit ist man auf dies Denkmal aufmerksam geworden; frühe im vorigen Jahre ward es von dem bisherigen Platze weggenommen, wobei es richtig und vollständig zu Gesicht kam. Dieser Platz war in der östlichen Seite des Kirchhofsdeichs; da war der Stein ziemlich tief in die Erde gesetzt und bildete den Seitenstein zur Kirchhofsthür, durch
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S. 5. welche gewöhnlich ein= und ausgegangen ward, und zum Theil deckte ihn der Seitenbalken des angebrachten Holzwerkes. Die Schriftseite des Steins stand nach außen, auf beiden Seiten des Balkens war etwas davon zu sehen. Woher der Stein gebracht ist, kann jetzt Niemand angeben, da er wahrscheinlich beim Bau der Kirche schon seinem Urplatze entrückt ist; man kann aber nicht anders glauben, als daß der Hügel, von welchem er genommen, in der Nähe gewesen sei. Sagen, die in dieser Hinsicht irgend helfen oder leiten könnten, giebt es nicht, oder sind nicht bekannt.
   Es ist ein sehr hübscher, ansehnlicher und gut erhaltener Stein von gewöhnlichem grauen Granit, ungefähr 4 Ellen hoch, 2 Ellen breit, 7" dick; die Buchstaben 5 3/4" groß, die zwei Worte der vierten Zeile 1/2" kleiner. Sie sind regelmäßig und mit Geschmack geritzt, und augenscheinlich hat man vielen Fleiß darauf verwandt und sich bemüht, etwas Schönes zu liefern; die Zierrathen am Anfange und Ende der Inschrift beweisen das, so wie die Striche, zwischen welchen die Worte, und die Trennungszeichen, welche nach jedem Worte stehen, ausgenommen - so weit man erkennen kann - nach dem letzten Worte in zweiter und dritter Reihe, und
S. 6. mit Bedacht hat man den zwei Worten in der untersten Linie den rechten Platz in der Schrift angewiesen. Der Zierlichkeit wegen hat man den Zwischenraum zwischen der zweiten und dritten Linie 5 3/4" und 8 1/2" breit gelassen. Die Buchstaben liegen grade nicht tief, sind aber sehr leserlich und gut erhalten. Die Schriftseite des Steins ist eben, die andere noch mehr.
   Unbezweifelt stand er aufrecht, wie die Runensteine wohl im allgemeinen standen, besonders wenn sie so ansehnlich und wohlgestaltet waren als dieser. In dieser Hinsicht ist zu bemerken, daß, während der Schluß der ersten Linie 1 Elle, der zweiten 3 Viertel und der dritten nur 1/2 Elle vom Ende des Steines ist, volle 1 1/2 Ellen gegen das andere Ende des Steines, wo die Schrift anfängt, unbeschrieben sind; dieser Theil des Steines hebt sich jedoch ein wenig über den, auf welchem die Schrift steht, und ist augenscheinlich roher und minder bearbeitet. Dies Stück ist gewiß in der Erde gewesen. Es folgt von selbst, daß, nachdem der Stein als Runenstein erkannt und von dem gewiß mehrere Jahrhunderte innegehabten Platze weggebracht worden war, er nicht wieder auf seine alte Stelle gesetzt werden durfte. Er bekommt
S. 7. einen so bequemen und ehrenvollen Platz als möglich, entweder bei der Kirche unter einem eigenen Schauer, geschützt gegen das Wetter, oder im Vorhause der Kirche, welches im Ganzen genommen ein guter Anfbewahrungsplatz ist. Der Cantor und der Pastor des Ortes haben die möglichste Sorge für den Stein gehabt
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  und werden ferner sorgen, und auf die Unterstützung des Patrons, des Herrn Consuls Secher zu Bisgård, kann man in dieser Hinsicht auch rechnen.
   Zur Beschreibung des Steins gehört noch gewissermaßen, daß, als er gefunden ward, man in demselben Kirchhofsthor noch einen Runenstein fand, der aber unglücklicher Weise mitten darein, die Schrift nach oben, gelegt war, welche nun durch das Gehen und Fahren in der langen Zeit fast ganz verwischt ist. Stets macht man die Erfahrung von solchen Verwüstungen. Nur einige einzelne Buchstaben, ein paar Wörtchen konnte man mit Gewißheit herausbringen; doch unbezweifelt darf man überzeugt sein, daß keine Verbindung zwischen beiden Steinen statt=
S. 8. fand, wie bei dem kleinen und großen Jällingstein. Schon das, könnte man sagen, spricht dagegen, daß er ein unförmlicher Klumpen ist (2 1/2 Ellen lang, 1 Elle breit, 3/4 Elle dick, Runen 5 " hoch), mit roher, unebener, nicht bearbeiteter Oberfläche, am meisten wo keine Schrift ist, und ohne eigentliche Spur von Fleiß an dieser. Der Stein mußte hier genannt werden, wenn er auch zu weiter nichts dient, als die Zahl der Runeninschriften zu vermehren. Wir verlassen nun diesen Stein, von ihm kann weiter nicht die Rede sein; auf den andern in Söndervissing gefundenen Stein, den Gegenstand dieser Blätter, gestehe ich ihm nirgends Einfluß zu und nenne diesen den söndervissingschen. Das eigentliche Aussehen desselben wird am besten aus der Abbildung erkannt werden, welche den Stein möglichst genau wiedergiebt.
   Bei Inschriften, welche schon längere Zeit bekannt und Gegenstand der Untersuchungen und der Aufmerksamkeit waren, wie z.B. den Jällingssteinen, dem Trygväldestein, macht das Durchgehen und Beurteilen älterer Erklärungen oft viele und weitläuftige Arbeit; jedoch bei dieser Inschrift, welche nun erst der
S. 9. Behandlung vorgelegt wird, fällt dergleichen weg, und ich kann gleich zur Erklärung schreiten. Ich will mich bestreben, mir dienen zu lassen, daß man sich bei Erklärung der Runen vielfältig versündigt hat, sowohl in Schweden, - und besonders da -, als auch innerhalb der Grenzen der dänischen Runenauslegung, und daß der sprachstrenge Weg, den man einschlagen muß, von Rask gezeigt und gebahnt ist. Mit der Erklärung will ich suchen ein stärkeres Parallelisiren, als gewöhnlich, zu verbinden, - gehören doch alle Runensteine zusammen, machen doch alle ein großes Ganzes aus -, und die eigentliche alte "dänische Zunge", in welcher die Inschriften abgefaßt sind, in Untersuchung zu ziehen.
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S. 11. Setzt man statt der Runen unsere jetzt gebräuchlichen Buchstaben und hält sich dabei so nahe als möglich an die ursprünglichen Charaktere, so wird die Inschrift in der Sprachart, in welcher sie geschrieben ist, dem rechten alten Dänischen, ungefähr dies Aussehen haben:
   Tuva (Túva) löt görva kubl, Mistiris dot-
   (t)ir (dåttir) oft (åft) múδur (múdur) sina
   (sína), kuna Haralds hins guδa (gúδa)
   Gurmssunar.
Im Folgenden soll darüber nähere Rechenschaft abgelegt, jedes einzelne Wort durchgegangen, jeder entstehende Zweifel dargelegt und besprochen werden.
   In der isländischen Sprachart hingegen, in welcher allein wir nur eigentliche geschriebene Denkmäler haben, würde die Inschrift so aussehen: Tófa let gjöra kubl, Mistiris dóttir eptir móδur sína, kona Haralds hins góδa Gormssonar.
   Im jetzt gebräuchlichen Dänischen würde es sein (der Inschrift gleich): Tuva lod göre Höj, Mistirers Datter efter Moder sin, Kone Haralds den godes Gormssöns, oder mit mehreren Worten und ein wenig deutlicher also: (Tuva lod göre denne Höj (Tufva ließ diesen Hügel machen); hun var Datter af Mistirer (sie war Mistivis 1 ) Tochter), gjorde den efter sin Moder (machte ihn nach ihrer Mutter (Ableben) og var Harald Gormssön den godes Kone (und war Haralds Gormssohns des Guten Frau).
   Eine Runeninschrift, wie ich versucht habe, in ihrer eigenen
S. 12. Sprachart wiederzugeben und dann erst isländisch zur Vergleichung, pflegte man bisher nicht zu thun. Man hat die Inschriften gleich in isländischer Form angeführt und nicht in der eigentlichen dänischen, allenfalls höchstens nur im Vorbeigehen etwas darüber geäußert. Dieses hervorzuheben, muß man sich doch gewiß bestreben. Man muß sich erinnern, daß die alte nordische Sprache ihren Namen von den Dänen hat und selbst auf Island "dänische Zunge" genannt ward; "wahrscheinlich war die dänische Mundart die verbreitetste und herrschende". Das Einzige aber, welches uns unsere Sprache in ältester Gestalt zeigt, in welcher man sie kennt, sind die Runeninschriften. Schwierigkeiten, bedeutende und zum Theil unüberwindliche, zeigen sich indeß bei deren Darstellung in das älteste Dänische, und stets bleibt dabei etwas Unvollkommenes, Unvollständiges. Mit gegenwärtigem ersten Versuche

1) Es wird ohne Zweifel Mistivis zu lesen sein; man vgl. unten S. 135 die Erläuterung.
   G C. F. Lisch.
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  wird das gewiß besonders der Fall sein, doch hoffe ich nicht, daß meine Arbeit mich verdrießen wird.
   In Hinsicht auf die Form, ist die Inschrift dadurch merkwürdig, daß eine Tendenz zur Darstellung in Versen deutlich erkennbar ist. Es ist etwas darin, was man abgemessen, abgepaßt nennen könnte; man findet durchaus keine kleine Verbindungswörter; obgleich sie aus drei Gliedern besteht, steht jedes gleichsam für sich. Ich kenne einigermaßen die Runensteine des Nordens, in so weit sie gekannt werden können, denn leider sind sie in
S. 13. allen drei Reichen sehr unzugänglich, doch aber kann man, wenn auch nur dem Verse sich nähernde Prosa bisweilen vorkommt, nur einen Stein aufzeigen, der in dieser Hinsicht das rechte Parallel zu dem vorliegenden ist. Dies ist ein nordischer Stein, welcher auf Hadeland auf einem Hügel neben dem Gaard (Hof) Dynna gefunden wird. Dennoch findet in hohem Grade eine Uebereinstimmung zwischen ihnen statt.
   Den Inhalt unserer Inschrift wird man am besten verstehen und würdigen können, wenn er Wort für Wort durchgegangen und erläutert wird.
    Rune Rune Rune Rune (Tuva) ist ein Frauenname, gleich vielen andern kurzen Namen, die sich auf a endigen, z. B. Helga, Svava, Gyda, Nanna, welche man zum Theil von neuem wieder aufnimmt, da man sie für hübsch und heimisch erkennt. In den historischen Quellenschriften kommt er nur sehr vereinzelt vor; verhältnißmäßig ist er auf dänischen Runensteinen am allgemeinsten. Der große Gunderupstein, den man zu lange eine unverdiente Rolle hat spielen lassen, und der verlorne Hjermindstein hatten ihn. (Dieser ward mit mehreren 1652 eingefordert und nach Kopenhagen gebracht, und ging dabei verloren). Nur auf einem schonischen und zwei schwedischen Steinen, von denen der eine in Södermanland, der andere in Småland ist, kommt Rune Rune Rune Rune vor. Ersterer
S. 14. ist "aufgestellt nach" einem Manne, welcher "Hakon Jarls Staller" (Statthalter) war. Der Name "Tove" ward noch in der Mitte des 16. Jahrhunderts in Jütland gebraucht und in der syvskischen Sammlung dänischer Volkslieder ist in einer "Erklärung" zu dem über Valdemar Atterdag bekannten sogenannte Tovelille von dem Namen bemerkt, daß er "hier noch gebräuchlich ist". Vor nicht langer Zeit ist er also nicht ganz unbekannt gewesen, jetzt aber gewiß verschwunden. Mit dem entsprechenden Mannsnamen Rune Rune Rune Rune verhält es sich ungefähr wie mit Rune Rune Rune Rune . Er ist gleichfalls am allgemeinsten auf dänischen Runensteinen, kommt aber auch außerdem noch etwas öfter als Rune Rune Rune Rune und gewiß über den ganzen Norden vor. In Dänemark wenigstens existirt
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  er noch namentlich auf der Westküste von Jütland in der Form "Tue". (Da der Name ursprünglich Rune und nicht Rune hat, so giebt es nicht einmal einen fernen etymologischen Grund, ihn "Thue" zu schreiben, wie man jetzt gebraucht sieht). Rune Rune Rune Rune wird jedesmal, wo es vorkommt, und Rune Rune Rune Rune bis auf eine einzige Ausnahme - ein Stein in Östergotland hat Rune Rune Rune Rune - stets mit Rune geschrieben. Dies, in Verbindung mit dem bestimmt beibehaltenen u in "Tue", mußte nach meinem Dafürhalten bei der Frage über die älteste dänische Gestalt dieses Wortes bestimmend sein, vor dem isländischen "Tofa, Tofi" und Saxos "Tovo". Wenn vorstehend Túva bei Tuva eingeklammert steht, so habe ich
S. 15. damit das muthmaßliche breite u bezeichnen wollen; bei den andern Worten gleicher Beschaffenheit ist es eben so bezeichnet.
Bei Rune Rune Rune (löt) ist zuerst Rune zu bemerken, welches einen Vocal, ungefähr unser ö, bezeichnet. Ziemlich allgemein hält man es in dieser Bedeutung nicht für alt; aber so wie man die gestochenen Runen hoch hinauf in die Zeit hat setzen müssen - zunächst auf Grund des größeren schleswiger Steins -, so muß es auch mit diesem Zeichen der Fall sein. Einen wesentlichen Grund dazu giebt dessen Gebrauch in dieser Inschrift, die doch keinesweges die einzige dänische ist, die es hat. In den Worten Rune Rune Rune Rune Rune Rune und Rune Rune Rune Rune (der Gegenstandsform, statt des gewöhnlichen Rune Rune Rune Rune ) kommt es auf dem Hobrostein vor, - welcher in "monumenta danica" "hobroense alterum" genannt und ziemlich richtig mitgetheilt wird; der andere, der in Hobro war, ist verschwunden, - und auf dem Vejerslefstein (auf dem Gute Frisenburg) in dem Worte Rune Rune Rune Rune , und endlich öftere Male in der gjessingholmer Inschrift. Diese ist jung; aber der Hobro= und Vejerslefstein gehören zu den eigentlichen Runensteinen, und wären sie auch die jüngsten derselben, so könnten sie doch kaum nach dem Jahre 1000 gesetzt sein. Es möchte vielleicht einige Aufmerksamkeit verdienen, daß
S. 16. Rune im Ganzen nicht oft einzeln in Inschriften vorkommt, und zum großen Theil gleichsam am meisten in gewissen Gegenden. Die vier dänischen Steine, welche Rune haben, finden sich alle in einer Gegend nicht weit von einander. Eine vollkommene Parallele hiezu liefert ein Herred in Vestergötland, wo man auf vier von 10 Runensteinen Rune findet. - Mehr als Rune ist selbst Rune Rune Rune , welches eine schwedische Abänderung ist, zu bemerken. Sonst sieht man beständig Rune Rune Rune und Rune Rune Rune , welches ganz dem isländischen ,,let" (ließ) entspricht. Dieses Vorkommen des
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  ö ist hier besonders dadurch interessant, daß es durch den Umtausch des e und i mit ö, oder einem Laute ungefähr wie ö, welcher - dem Isländischen nicht fremd - der Entwicklung der Sprache gefolgt ist und noch sowohl in der schwedischen als dänischen Landmannssprache statt findet, ein Beispiel von dem Alter des Runensteins giebt. Ohne Zweifel erklärt Rune Rune Rune auch die neuere entsprechende Form; "led" (ließ) hat sich gewiß aus der Provinzialeigenheit, die Rune Rune Rune uns kennen lehrt, entwickelt.
   In Rune Rune Rune Rune Rune Rune (görva) haben wir eine merkwürdige, ganz dänische Form: nicht eben dadurch, daß sich Rune vor dem Endvocal findet; das ist auf Runensteinen in allen drei Reichen allgemein, und ist an und für sich selbst eine interessante Erscheinung, da es zeigte daß diese ältere skandinavische Form sich weiter erstreckt hat, als man von dem Isländischen vermuthen kann, wo es nur
S. 17. in einzelnen Ableitungen sichtbar wird, z. B. "atgjörvi, gjörviligr", während das Zeitwort gewiß "gjora" (thun) ist.
    Rune in Verbindung mit Rune Rune als Vocal des Wortes ist besonders merkwürdig; sonst ist der Vocal stets Rune , Rune , Rune Rune u. s. w., auch ein einziges Mal in schwedischen Inschriften Rune , da aber ohne das nach Rune folgende Rune . Der große Jällingstein ist der einzige im ganzen Norden, welcher, wie hier, Rune Rune Rune Rune Rune Rune hat. - Ich habe das Wort mit görva gegeben, da nicht bezweifelt werden kann, daß Rune Rune , welches sowohl den Doppellauter als den Selbstlauter ö bezeichnet, hier ö ist. Gleichwohl kann man doch kaum annehmen, - obgleich die Möglichkeit vorhanden ist -, daß das ö hier grade mit dem durch Rune in Rune Rune Rune bezeichneten Laute zusammenfällt. Vermuthlich ist Rune Rune das eigentliche ö, Rune dagegen die Bezeichnung für einen Laut, welcher durch Abwandelung des e oder i sich dem ö genähert hat, wie bei Rune Rune Rune gesagt worden.
    Rune Rune Rune Rune (kubl) ist sowohl Denkmal für einen Abgestorbenen, als auch die Grabstätte, der Hügel. Jenes ist auf älteren Steinen das weniger Allgemeine. In den Inschriften selbst ist dieses Wort natürlich sehr hänsig. Die vorliegende Form scheint die am meisten dänische zu sein; sie kommt vor, um nur einige Beispiele zu nennen, auf dem Glavendrupstein, dem Nörrenäråsstein (in sehr hübscher Verbindung), dem leider vernichteten Landerupstein, den beiden Jälling=
S. 18. steinen u. s. w., wohingegen Rune Rune Rune Rune und Rune Rune Rune Rune Rune weit seltener sind. Jenes hat einer der Åckersteine auf Bornholm, dies der Skivumstein. Die zwei erstgenannten Formen findet man gewöhnlich auf schonischen Steinen, alle drei auf schwedischen, keine derselben dagegen aber auf norwegischen. Eine
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  eigene Veränderung derselben, Rune Rune Rune Rune Rune Rune , findet sich auf dem kleinern schleswigschen Steine. Schwedische Steine liefern endlich das Beispiel, daß Rune vor Rune steht; dann ist die Form Rune Rune Rune Rune Rune Rune . Obgleich der Formen so viele sind, so wird dennoch das Wort stets mit Rune geschrieben. - Die Rune Rune hat hier eine ganz besondere Gestalt, sie ist beinahe glockenförmig. Dies kennt man sonst nicht; nur der Lyngbystein (in Hellum Herred) zeigt das Seitenstück dazu. Die Figur kommt noch zweimal in der Inschrift vor, die sich auch noch dadurch auszeichnet, daß sie diese Rune in den verschiedenen Zeilen auf dreifache Art darstellt. Dies dürfte vielleicht zu den Zierlichkeiten gehört haben. Auf dem Hornsteine kommt Rune dreimal vor, jedesmal, doch nicht gerade wie hier, verändert; der kleinere schleswigsche Stein und der von Schonen hierher gebrachte Runenstein, auf dem bischöflichen Hofe zu Kopenhagen, haben Rune auch auf drei Arten.
    Rune Rune Rune Rune Rune Rune Rune Rune (mistiris) ist die Besitzform eines Eigennamens Rune Rune Rune Rune Rune Rune Rune Rune oder Rune Rune Rune Rune Rune Rune Rune Rune , der von anderswoher nicht bekannt ist.
S. 19. Darüber ist nicht zu wundern; mannigfaltige Namen auf Runensteinen kommen sonst nicht vor, und von andern, und vielleicht von mehrern als man annimmt, ist die Spur nur noch in den Städtenamen übrig geblieben. Dies ist, um ein bestimmtes Beispiel anzuführen, der Fall mit Rune Rune Rune Rune Rune auf dem Hjermindstein. Zu den ganz verschwundenen Namen gehört auch gewiß der, welcher hier betrachtet werden soll. Er sieht so fremd aus, daß man versucht werden könnte, ihn aus dem Slavischen herzuleiten, wo viele ähnliche zu Hause sind; nicht wenige der Art kommen auch in Verbindung mit der ältern dänischen Geschichte vor. Mistirer, wie ich angenommen habe, ist gewiß der Name gewesen; doch ist zu bemerken, daß die sechste Rune, wie die Abbildung zeigt, gerne ein Rune sein kann 1 ). Im Ganzen findet es nicht selten statt, daß Rune und Rune gleiches Aussehen haben; mehrere auffallende Beispiele liefert der Tirstedstein. Gleichfalls muß erinnert werden, daß die erste Rune nicht ohne Widerrede ein m ist. Es könnte wohl eine deutsche (g oder e bedeutende) Rune sein, die gebraucht ward. (Bekanntlich giebt es deutsche Runen. Ihr Alter kann bis ins 9. Jahrhundert hinaufgeführt

1) Es ist ohne Zweifel Rune Rune Rune Rune Rune Rune Rune Rune (=Mistivis) zu lesen. Auf dem Steine ist die sechste Rune einem Rune ähnlicher als einem Rune ; hiedurch kommt auch der Name des Wendenfürsten Mistewoi richtiger heraus.
   G. C. F. Lisch.
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  werden; sie stammen aber nichts desto weniger von den nordischen Runen. Man findet sie in einzelnen, sehr alten Handschriften, aber keineswegs auf Steinen in Deutschland. Der Norden allein hat Runensteine, die Grenze ist die Eider. In letzterer Zeit ist
S. 20. bei Ansbach ein Runenstein gefunden, welcher, wie Zeichen und Schrift bestimmt darthun, von einem Nordländer herrührt, durchaus nicht deutsch ist; - auch sagt man, daß in der Elbe bei Hamburg ein großer Stein mit Runen liege; von diesem habe ich eine Abbildung gesehen, und ist sie richtig, so sind es nordische Runen, welche sich darauf befinden.) Eine deutsche Rune könnte die erste also gerne sein; gleichwie man ganze Inschriften mit nur deutschen Buchstaben auf nordischen Steinen findet, so findet man diese bisweilen einzeln zwischen die gewöhnlichen gemischt, wie man es von dem Snoldelefstein und dem Höjeståstrupstein weiß. Man würde jedoch durch keine dieser zwei Arten, eben so wenig dabei, wenn man dem Worte einen andern willkürlichen Platz geben wollte, etwas gewinnen, welches der einfachsten Lesung, die Mistirer unleugbar ist, vorzuziehen wäre. Daß der Tryggeväldstein das Zeichen Rune zweimal hat, wo es kaum die Frage sein kann, ob es ein m bedeutet, ist eine Bestätigung, daß es hier dasselbe ist. Endlich liegt in einem hohen Grade eine Bekräftigung darin, daß in einem nordischen Runenalphabete, angeführt in einer sanctgallenschen Handschrift vom 10. Jahrhundert, die Rune m mit diesem Zeichen, bis auf einen kleinen Unterschied, in der Handschrift kaum ursprünglich, gegeben wird. Anf diese Art erhält das Zeichen gewissermaßen ein paläographisches Interesse.
S. 21. Rune Rune Rune Rune Rune (dotir) ist ganz das vor nicht langer Zeit außer Gebrauch gekommene Dotter (Tochter). Rune ist beides: t und d. Hier im Anfang könnte man es für d nehmen, kann aber auch gerne t sein. Man pflegte eine Rune, wo es eigentlich sein sollte, nicht zweimal zu setzen. Daß in der ganzen Inschrift nur Rune , kein Rune , wo man es erwarten sollte, vorkommt, muß die Vermuthung veranlassen, daß das Rune nicht an allen Orten seine eigentliche Bedeutung hat, sondern auch o ist. Daß es bei diesem Worte der Fall sei, dafür scheint vieles zu sprechen. Die Schreibart Rune ist in allen Ländern jedoch keineswegs ungewöhnlich, obgleich wohl weniger gewöhnlich als Rune . Eine Formmischung scheint beinahe in dem Worte statt zu finden.
    Rune Rune Rune (oft): nach. Die Verschiedenheit der Formen dieses Wortes im Isländischen - eptir, aptr, aftr u. s.w. - kommt auch in den Runenischriften, aber in noch größerer Mannigfaltigkeit vor.
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  Man hat kein Recht, dies Willkür zu nennen; im Gegentheil muß man sich überzeugen, daß sich darin Ueberbleibsel der einzelnen Landschaftsmundarten offenbaren. Gewöhnlich ist die Form länger, doch kürzer als hier kann sie nicht sein, und gerade so
S. 22. kommt sie fast überall in den ältesten dänischen Inschriften vor, z. B. auf dem Glavendrup=, Års= und großen Jällingstein, aber nur auf den dänischen, theilweise auf schonischen, nicht auf schwedischen oder norwegischen, welche gewöhnlich die längeren Formen haben: Rune Rune Rune Rune , Rune Rune Rune Rune , Rune Rune Rune Rune Rune . Daß Rune auch die Bedeutung o, selbst des offenen a - auf dem kleinen schleswigschen Steine steht Rune - habe, muß man annehmen, denn es ist dem Rune Rune Rune , aftr u. s.w. näher und der noch gangbaren Aussprache des Landmannes, die bestimmt a und å hat.
    Rune Rune Rune Rune Rune (muδ) wird mit dem dazu gehörigen Besitzwort Rune Rune Rune Rune (sina) von der vorhergehenden Präposition Rune Rune Rune in die Gegenstandsform gesetzt, die Nennform (Subject) ist Rune Rune Rune Rune Rune . Wo das Wort auch vorkommt und dänische Inschriften es gerade mit Rune schreiben, ist Rune überall das bestimmt vorherrschende, so daß man nicht zweifeln kann, daß u der Vocal ist, welcher dem Worte angehört. Nach dem Vocale folgt hier, wie im Isländischen immer, Rune , das weiche d, welches ich mit dem alten isländischen Zeichen δ ausgedrückt habe, da weder d noch th, welches man gewöhnlich aus Unwissenheit oder Unachtsamkeit gebraucht sieht, hier benutzt werden konnte. - Die erste Rune ist eine Veränderung von Rune und keineswegs selten. Bemerkenswerth ist aber doch, daß das, was die dänischen Runensteine angeht, besonders für Ostjütland eigenthümlich ist. Während es auf keinem lålländischen oder falsterschen, gerade auf einem seeländischen Steine, auf ein paar
S. 23. fünischen, einem bornholmschen und ein paar schonischen, auch auf schwedischen Steinen und ein einziges Mal auf einem norwegischen vorkommt, findet man ess auf vielen ostjütischen Steinen, auf beiden Jällingsteinen, dem Landerupstein, sselbst auf dem andern söndervisssingschen - um auch den zu nennen -, auf dem Österalling=, dem Egå= und dem größeren Gunderupstein, und zu diesen gesellt sich der große schleswigsche, welcher Rune sogar drei mal hat und eben so wenig als die Jällingsteine (und der Tryggeväldestein) m anders ausdrückt.
    Rune Rune Rune Rune (kuna), Nennform, steht also in Zusammenstellung mit Rune Rune Rune Rune und Rune Rune Rune Rune Rune . Das Vorgesagte wegen Rune etc. . gehört auch hierher. - Zu bemerken ist, daß das Wort unter der Linie steht. Sehr leicht kann es übersehen werden, ward es auch
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  im Anfange, und dies ist mir ein auffallender Beweis gewesen, wie vorsichtig man beim Lesen der Inschriften sein muß und wie leicht etwas der aufmerksamen Betrachtung entgehen kann. Erst ist es von dem Ritzer (Graveur) vergessen und deshalb unter die Worte gesetzt, in deren Mitte es hätte stehen müssen, und ist dabei die sorgfältige Zierlichkeit nicht vergessen, welche die ganze
S. 24. Inschrift auszeichnet, wovon man sonst kein Beispiel findet.
    Rune Rune Rune Rune Rune Rune (harads), Besitzform eines Eigennamens, bei welchem man nur an den bekannten Namen Harald denken kann, welcher aber auf Runensteinen selten ist. Er kommt auch vor auf dem großen Jälling=, dem Landerup= und einem schwedischen Stein in Små. Vor Rune ist Rune ausgelassen. Die liquiden Buchstaben sind jedoch häufig auf Runensteinen ausgelassen, besonders mit Rune , gewöhnlich mit Rune , seltener mit Rune und Rune . Auf dem Landerupstein ist Harald ohne Zweifel eben so geschrieben gewesen, und der Horn= und Bäkkestein haben Rune Rune Rune Rune u. s. w. statt Rune Rune Rune Rune Rune . Aus der Menge von Beispielen sind gerade diese genommen, da die genannten drei Inschriften mit der föndervissingschen ganz gewiß zu einer und derselben Gruppe gehören, aus einer Zeit stammen und möglicherweise auch denselben Urheber haben.
    Rune Rune Rune Rune   Rune Rune Rune Rune (hins guδ) gehört zum vorhergehenden Worte und steht deshalb in gleicher Verhältnißform; es ist das Beiwort Rune Rune Rune Rune in der bestimmten Form mit dem bestimmten Nennworte vorher. Das vorhin vom δ und u Gesagte gilt auch hier.
S. 25. Doch kommen Rune Rune Rune Rune und Rune Rune Rune Rune stets in dänischen, wie in schonischen Inschriften mit Rune vor. "God" (gut) steht hier nicht so sehr als ein allgemeiner Zuname für Harald, sondern als Ausdruck eines bloß persönlichen Verhältnisses. Mehr davon in Folgendem.
    Rune Rune Rune Rune Rune (Gorms) ist Besitzform von Rune Rune Rune Rune Rune , Gorm, welcher Name höchst selten in der nordischen Geschichte vorkommt und Dänemark oder Schweden anzugehören scheint, man müßte denn auf die mythischen Namen eingehen. Auf wenig Runensteinen findet man ihn, hier im Reiche nur auf den Jällingsteinen, außer diesen in der großen Hallestadsinschrift in Schonen (zweimal) und in einer schwedischen in Westgotland. Allenthalben, wo dies Wort vorkommt, obgleich die Inschriften sich an sehr verschiedenen Orten befinden und aus verschiedener Zeit sind, wird es mit Rune geschrieben, und deshalb stelle ich " Gurm " als die älteste dänische Form auf, von welcher nicht zu weichen ist. Aber bei dem steten o in dem Namen bei Saxo und den isländischen Schriftstellern - und wie einige deutsche Chronikenschreiber sich dem anzuschließen scheinen - ist es wohl noch zweifelhaft, da das
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S. 26. Wort ganz, möchte man sagen, ohne Ableitungen oder sonstige Spur verschwunden ist und sich zu einer Vergleichung nirgends etwas Sicheres vorfindet. Das vom Rune Gesagte gilt auch hier.
    Rune Rune Rune Rune Rune (sunar) gehört zu Rune Rune Rune Rune Rune Rune und ist, wie die andern letzten Worte der Inschrift, Besitzform nach einer dem Isländischen entsprechenden Beugung. Bis zum 15. Jahrhundert ist es eben so in Dänemark gebeugt worden. In der ältesten dänischen Bibelübersetzung kommt "sönerens" vor, welches weder, wie man willkürlich erklärt hat, "Sönerne" oder "Sönernes" ist, sondern geradeweg "Sön-ens", isländisch "sonar-ins". Rune ist u ohne Frage. Dies am häusigsten in Inschriften vorkommende Wort wird in allen drei Reichen stets mit Rune geschrieben; die isländische Beugung setzt ein bestimmtes u als Hauptvocal voraus, und endlich hat die verwandte alte deutsche Sprache es gleichfalls. (In gewisser Hinsicht zeugt dies für das bei Rune Rune Rune Rune Rune und Rune Rune Rune Rune Angenommene.)
   Das Zeichen hinter diesem Worte bezeichnet den Schluß;
S. 27. ein Schnörkel steht vor demselben. Es ist Schmuck und bezeugt die Sorgfalt für Deutlichkeit und Zierlichkeit.
   Die Inschrift kann nicht schwierig genannt werden. Die Buchstaben sind deutlich und gut erhalten, alle Worte bekannt. Nur mit Rune Rune Rune Rune Rune Rune Rune Rune ist man nicht ganz im Reinen, über dessen eigentliche Bedeutung man jedoch nicht ungewiß ist; denn daß es ein Name sei, darüber ist kein Zweifel, sondern über dessen Ursprung und Verbindung mit andern Namen.
   Dem Einen und dem Andern dürfte es vielleicht scheinen, daß der Inhalt einer solchen Inschrift unbedeutend sei. In dieser Hinsicht muß man sich wohl erinnern, daß man die Verhältnisse der Zeit, in welcher die Inschriften entstanden, durchaus verkennt, wenn man erwartet, daß die Runensteine große historische Begebenheiten weitläuftig ausführen und beschreiben sollen. Runensteine sind einfache Denksteine und können dergestalt nicht große historische Resultate liefern. Nicht des historischen, sondern des linguistischen Stoffs wegen sind sie zu beachten. Ihre Bedeutsamkeit für die Muttersprache, die man natürlich nicht recht aus einer einzelnen Inschrift ersieht, sondern erst wenn man sie im Ganzen betrachtet, ist etwas, woran im Allgemeinen die Leute eigentlich nicht denken; -
S. 28. da wird nur gefragt: was steht auf dem Steine, wie lautet die Inschrift? - ja sogar in den gelehrten Betrachtungen ist sie weniger aufgenommen, als sie sollte und werden muß, und niemals in ihrem Ganzen aufgestellt, wie sie aus einer gesammelten
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  und verglichenen Untersuchung aller Inschriften hervorgeht. Aber dennoch bleibt es eine Wahrheit, daß die Runensteine viele wichtige und vielleicht - wie andere archäologische Resultate - von vielen Historikern neben den diplomatischen Quellen nicht nach Werth erkannte und benutzte Winke für die innere vaterländische Geschichte geben, die sonst nicht aufbewahrt sind, wie auch einige, bestimmt historische Personen angehen. Dies ist mit der Inschrift, welche hier abgehandelt wird, unbezweifelt der Fall, und darauf bauend nannte ich sie in der Vorrede eines der ältesten dänischen geschichtlichen Denkmäler. Ich muß mich darüber näher aussprechen.
   Fragt man: wer war der Harald Gormssön, dessen die Inschrift erwähnt? so wird der Gedanke unwillkürlich auf König Harald Gormssön, oder gewöhnlich Harald Blåtand genannt, geleitet. Jünger als um das Jahr 1000 kann die Inschrift wegen der Reinheit der Sprache unmöglich sein; es ist aber auch kein Grund vorhanden, sie hoch ins 10. Jahrhundert hinaufzusetzen. Beide, Harald und Gorm, sind, wie vorbemerkt, auf
S. 29. Runensteinen - Gorm auch stets sonst noch - an und für sich seltene Namen, mithin um so mehr gesammelt (?) und gerade als Namen eines angesehenen dänischen Mannes im 10. Jahrhundert. Daß diese Runeninschrift sich nicht weit von Jälling befindet, woselbst, wie bekannt, in einem näheren und ferneren Umkreise sich so viele Denkmäler für Gorm, Tyre Danebod und Harald finden, und daß sie, außer der Uebereinstimmung der Sprache, im Ganzen noch verschiedene Eigenthümlichkeiten und bestimmt zu beweisende Ähnlichkeiten mit den Inschriften haben - wie im Vorhergehenden es näher abgehandelt ist -, sind Umstände, welche, mit den übrigen zusammengehalten, so beschaffen sind, daß sie zur Aufforderung werden, viel Gewicht darauf zu legen. Ein Harold Gormssön also, welcher in der letzten Hälfte des 10. Jahrhunderts ein angesehener und mächtiger Mann war, - die Runendenkmäler können in Dänemark wenigstens kaum von andern herrühren, besonders je größer und prächtiger sie sind, - dessen Andenken in einer Runeninschrift aufbewahrt wird, welche, außer daß sie sowohl hinsichtlich der Sprache, als auch in gewissen auffallenden Einzelheiten genau mit den Jällinginschriften übereinstimmt, namentlich mit derjenigen, die König Harald Gormssön setzen ließ und gerade in der Gegend gefunden wird, wo dieser König sich besonders und, wie es scheint, am liebsten aufhielt, - kann kaum irgend ein anderer als König Harald selbst gewesen sein. Be=
S. 30. stimmter als hier kann das natürlich nicht bewiesen werden; aber
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  sicher ist in dieser Annahme nicht das geringste Ueberspannte, und wollte man diese Bedeutung verwerfen, so müßten viele Umstände zusammentreffen, wenn man sie wegleugnen wollte. Der allenfallsige Einwand, daß Harald Gormssön hier "der gute" genannt wird und daß man von der auch hier erwähnten Tuva nichts weiß, kann nichts bedeuten. Es kann kaum ein Zweifel obwalten, daß man Harald Gormssön nach den geschichtlichen Zeugnissen im fernsten Sinne gut nennen kann; es ist aber auch durchaus erlaubt, den Zunamen "der gute" in der Inschrift nicht als einen allgemeinen zu verstehen, sondern als einen Ausdruck der persönlichen Ergebenheit und Liebe dessen, der den Stein errichtete, und von diesem Standpunkte aus kann ein Grund zu dieser Benennung statt finden. - Noch weniger Gewicht hat der Umstand, daß Tuva und Harald's Verhältniß zu ihr nirgends erwähnt wird. Giebt es in der dänischen Geschichte doch viel wichtigere Dinge, von welchen unsere ausführlichsten und besten Chroniken und Annalen schweigen und die man nur von anderswoher kennt, und gerade in den Nachrichten von Harald's ehelichen Verhältnissen herrscht viel Unbestimmtes,
S. 31. da die der Isländer nicht mit Saxos und diese wiederum nicht mit den deutschen stimmen.
   Dergestalt kann es wohl eine feste und wohlgegründete Ueberzeugung sein, daß diese Runeninschrift eine bestimmte, geschichtliche Person bespricht und auf sie hinweist; daß sie eine Thatsache aufbewahrt, welche die Chronik nicht mittheilt, und daß sie sich einer Reihe von Denkmälern anschließt, und sie erweitert, welche, indem sie allein im ganzen Norden steht, ein ganz eigenthümliches Interesse und eine große Bedeutung hat, - die Reihe, welche man passend den gorm=tyre=haraldschen Runenkreis nennen könnte, und welche gewiß mit gutem Grunde

"das schönste Denkmal heißen mag, welches irgend ein Volk aufzeigen kann, wodurch die historische Existenz der Könige des Heidenalters und die älteste Gestalt der Sprache der Gegenwart unbestreitbar vor Augen gestellt wird."


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VI.

Geschichte
der

Reformation in Friedland,

von

G. C. F. Lisch.

D ie Geschichte der Reformation in Meklenburg ist vielfach und innig mit den kirchlichen Bewegungen in Pommern verflochten, und gewiß noch mehr, als es bisher erkannt ist. Es genügt nur an Namen, wie Zutpheld Wardenberg, Johann Freder u.a., zu erinnern, um die gemeinschaftliche Theilnahme beider so nahe stehenden Länder an dem Kampfe zu erkennen; zwischen Lübeck und Stettin wogte die Bewegung hin und her, und es war in diesen Gebieten der wendischen Hanse nicht allein das gemeinsame kirchliche Bedürfniß, sondern auch derselbe Volksgeist, welcher in den größern Städten dem Umschwunge rasch folgte; vorzüglich waren es die in der Mitte liegenden Städte Wismar, Rostock und Stralsund, welche zuerst und mit gleicher Lebhaftigkeit die neue Lehre ergriffen. Forscht man nun tiefer, so werden sich ohne Zweifel noch viel mehr reformatorische Beziehungen zwischen beiden Ländern offenbaren, als bisher aus bekannten Namen zu erkennen gewesen sind.

In neuern Zeiten sind in pommerschen Forschungen öfter zwei Namen genannt, welche mit der Geschichte der Reformation und deren Fortführung in beiden Ländern genau zusammenhangen: Liborius Schwichtenberg, ein heftig eifernder Papist, und Caspar Gentzkow, der hochverdiente, vierte Rector des Gymnasiums zu Stralsund. In dem Leben und dem Wirken beider war noch viel Dunkles, was sich jedoch jetzt durch die bisher noch unbekannte Geschichte der Reformation in Friedland aufklären läßt.

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Die Stadt Friedland, im Lande Stargard, dem heutigen Meklenburg=Strelitz, hatte seit alter Zeit eine zahlreiche, gut dotirte Geistlichkeit; sie war auch der Sitz des bischöflich=havelbergischen Propstes (oder Archidiakons) zur Anordnung und Regierung der Geistlichkeit für das Land Stargard, welcher zugleich Prälat des Landes war und als solcher in den landständischen Angelegenheiten Meklenburgs oft genannt wird; die Propstei war herzoglichen Patronats. Unter dem Propste stand ein bischöflicher Official zur Verwaltung der geistlichen Gerichtsbarkeit.

Am Ende des 15. und im Anfange des 16. Jahrh. war lange Zeit hindurch, sicher von 1482-1514, Propst zu Friedland Nicolaus Herzberg, wie es scheint, ein tüchtiger, einsichtsvoller, friedlicher Mann, welcher in vielen Landes= und Privat=Angelegenheiten als Schiedsrichter auftritt; er ist der letzte katholische Propst von Friedland, welcher zu Friedland wohnte und den Titel mit Recht führte. Wahrscheinlich folgte ihm unmittelbar, sicher vom J. 1518 an, der Dr. juris Levin von Velten, Propst von Hildesheim, Halberstadt und Friedland 1 ); dieser betrachtete die friedländer Propstei als eine Sinecure und ließ sich durch den Official zu Friedland vertreten. Wahrscheinlich verliehen die Herzoge diesem Manne die Propstei, weil sie ihm aus den frühern Verhältnissen des Herzogs Balthasar († 1507) Verbindlichkeiten schuldig waren, indem dieser bis 1480 Administrator des Bisthums Hildesheim war und im J. 1477 über die Abtretung des Bisthums Halberstadt unterhandelte. Die Pröpste von Friedland kommen also für die Geschichte der Reformation der Stadt nicht in Betracht.

Von größerm Einflusse waren zu jener Zeit die letzten Officiale von Friedland, welche damals zugleich Vicare des abwesenden Propstes waren und daher die erste Rolle in Friedland spielten. Zuerst wird als solcher im J. 1514 Johann Hasse genannt, noch unter dem Propste Nicolaus Herzberg. Darauf folgte der Magister Johann Mechow 2 ), welcher jedoch im J. 1519 nicht mehr das Amt verwaltete; im J. 1518 wird er "der vorige Official" genannt und redet von der Zeit seiner frühern Verwaltung der Propstei ("tempore administrationis suae praepositurae Vredelandensis"). Im J. 1518 war


1) Es heißt 1518: "Fredericus Suerker, presbiter Premonstratensis ordinis, "de mero scitu et pleno consensu sunerioris mei magnifici et eximii viri domini et magistri (Liuini) de Velten, viriusque iuris doctoris, ecclesiarum Hildesemensis, sancti Bonifatii, Halberstadensis ac Vredelandensis prepositi, in eadem Vredelandensi ecclesia vices tenens."
2) Er wird 1518 "de vorige offitial, den her Johan Katthe hergeordent", genannt.
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Friedrich Suerker 1 ) Official, blieb jedoch nicht lange in seinem Amte. Ihm folgte 1519 Heinrich Hasse, welcher um das J. 1536 gestorben sein muß.

Zu der Zeit dieser Officiale war Liborius Schwichtenberg, der vielleicht von dem Dorfe Schwichtenberg bei Friedland seinen Namen trug, Priester in Friedland, den Officialen vertraut und gleichgesinnt, ein heftiger Gegner der Reformation. Manches Wichtige über diesen Mann haben schon Kosegarten de academia pomerana ab doctrina romana ad evangelicam traducta, Gripesvoldiae, 1839, p. 24, und Mohnike in Jahrb. V, S. 194, mitgetheilt. Liborius Schwichtenberg, vielleicht aus Friedland gebürtig, da unter den ersten lutherischen Bürgern im J. 1528 ein Heinrich Schwichtenberg genannt wird, war Priester, Canonicus an der Collegiatkirche zu Greifswald und Vicar zu Friedland; nach Mohnike war er im J. 1521 Official des Archidiakonats Triebsees. Im J. 1525 wohnte er nach den Acten des schweriner Archivs sicher zu Friedland. Hier hielt er auch in diesem Jahre eine antilutherische Predigt, welche er im J. 1527 mit abdrucken ließ: Sermon vom dem alder Hochwerdigesten Hylligen Sacramente des Lyues vnde Blodes Christi gedahen tho Vredelande Hauelberge styffte jnn dem daghe Corporis Christi. Anno XXV. In den Jahren 1526-27 wohnte er noch zu Friedland und erregte hier heftige Bewegungen. Im J. 1527 gab er zu Rostock gegen die Reformation ein Buch heraus: Eyn hndtwyser to dem rechten Christliken wege einem islicken vramen Chrsten ganz nutte, - - Gedr ue cket to Rozstock j m mit Querstrich jare 1527, und widmete es den Herzogen Georg und Barnim von Pommern; er unterzeichnet sich nur durch L. S. prester. Er trat in dieser Schrift als Widersacher der lutherischen Abendmahlslehre gegen die pommerschen Reformatoren auf, wie in seiner Sacramentspredigt, und nannte die Lutheraner "ketter, vorlopene bouen, afftrunnige, meyneydiger, vpr oe rische". Auf diese Schrift antwortete Paul von Rhoda, welcher zu Stettin das Evangelium predigte, erster pommerscher General=Superintendent, in einer 1527 zu Wittenberg gedruckten Schrift, mit einer Vorrede von Johann Bugenhagen: Vorfechtinge der Euangelischen vnde Cristlyken lere, wedder den falschen handtwyser Herr Liborij Schwichtenbergers, So he an die Hochgebornen F oe rsten tho Pomern geschreuen hefft. Dorch Magistrum Paulum vom Rode, prediker tho olden Stettyn ynn Pomern. Mit eyner vorrede Joannis Bugenhagens Pomers.


1) Er heißt 1518 "disse offitial als ein begeuener, regulerder man."
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Wittenberch. 1527. In der Vorrede sagt Bugenhagen: My ys tho handen gekamen eyn boeck wedder de euangelische waerheit vnd Gotlike scrifft, und mit dem schine, dat idt schall syn de warheidt Gades gemaket dorch eynen, de schal Liborius heten in Pomern, - - de to Vredelant geprediket hefft. Beiden antwortete Liborius Schwichtenberg in einer zweiten, zu Frankfurt a. O. gedruckten Schrift 1532 mit Heftigkeit: M. Liborius Schwichtenberg, Thumherrn tome Gripeswald, Vorlegginge der ketterlichen vnd valsken Scrifften und Leren Pauli Rodens, Luttersken Predigers tho Olden Stettin, vnd Johannis Bugdhan Pomers. Frankfurt. 1532. Nach dem J. 1527 wird Liborius Schwiechtenberg aus der heftig gegen ihn aufgeregten Stadt Friedland weggezogen sein, da Mohnicke, welcher viel für die Geschichte des Archidiakonats Triebsees gesammelt hatte, ausdrücklich sagt, daß er 1528 Verwalter des Archidiakonats Tribsees gewesen sei. Im J. 1532 aber war er sicher "Pfarrer und Rentmeister zu Grimme"; in einem weitläuftigen Handel aus dem J. 1532 im großherzogl. Archive zu Schwerin wird er von den Gegenpartheien immer so genannt und in seinen eigenhändigen, von Grimme 1532 datirten Briefen unterzeichnet er sich "prester Liborius Swichtenberg kerckher to grimmen im styffte to Swerin," und: "perner tho grymmen." Auch Kosegarten erwähnt dieser Stellung nach Cramers Bericht.

Diese Personen sind zur Erkenntniß der Einführung der Reformation in Friedland von Wichtigkeit.

Auch durch die Begebenheiten in Friedland wird es wieder klar, daß die Reformation durch den Verfall, die Ungefügigkeit und Verstocktheit der katholischen Geistlichkeit befördert, ja hervorgerufen ward, daß die Reformation tief gefühltes Volksbedürfniß war und sich trotz aller Hemmungen, selbst durch Gewalt, in einem Kampfe Bahn brach, welcher wenigstens ein Jahrzehend dauerte.

Daher kam es denn auch wohl, daß bald nach Luthers erstem Auftreten gleich drei Friedländer: Hermann Munderlich, Bartholomäus Hannemann und Simon Kurdes ("de Fridelandt dioc. Hawelbergen.") die Universität Wittenberg bezogen und hier am 6. April 1520 inmatriculirt wurden (vgl. Album academiae Vitebergensis, p. 90 a ).

In Friedland hatte die Geistlichkeit selbst den Boden zur Aufnahme der lutherischen Lehre vorbereitet. Der Gemeinheit und des Uebermuthes der katholischen Geistlichen müde, trat am 25. Sept. 1518 der Magistrat von Friedland, für sich und im

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Namen einzelner Bürger, vor den Herzogen mit vielen Klagen schriftlich gegen den Official Friederich Suerker auf: er habe die Begräbnißgelder, welche den Baucassen der einzelnen Gotteshäuser zukämen, zu der Propsteitafel gezogen, ja er wage es, die Begräbnißgelder, welche während der Zeit des Propstes Nicolaus Herzberg gezahlt worden seien, durch unordentliche Berichte und Schrecken des Bannes von den Erben noch ein Mal zu erpressen; er habe es durch bischöflichen Befehl dahin gebracht, daß ihm von allen Kirchengütern jährlich Rechenschaft gethan werden solle, und verlange, daß die Vorsteher der geistlichen Stiftungen nur mit seinem Wissen und Willen Geld zur Nothdurft ausgeben sollten; er habe die vier freien Hufen im friedländer Felde, welche zur Propstei unter der Bedingung gehörten, daß alle Wochen vier Messe für die Armen in der Nicolai=Kirche gehalten, in der Heil. Geist=Kirche jeden Sonntag Wasser und Salz geweihet, das heilige Evangelium gepredigt und den bettlägerigen Kranken Messe gelesen werde, von der Nicolai=Kirche zu seinem Tische gelegt, ohne die auferlegten Dienste zu leisten, ja dem dazu bestellten Vicar seine Einkünfte nicht gezahlt; er habe Gebäude aufgeführt, ohne auf den Straßenzug Rücksicht zu nehmen und Abgaben zu zahlen; außerdem wurden ungewöhnlich viele Klagen einzelner Bürger vorgebracht, welche sich alle über gewaltthätige Anwendung der geistlichen Gerichtsbarkeit und des Bannes, über "Brandschätzungen", d.h. Abzwingung großer Strafgelder, Vorenthaltung des verdienten Lohns, unrechtmäßige und kostspielige Vorladung vor den bischöflichen Official zu Wittstock beschwerten. Es war schon zu heftigen Auftritten gekommen, indem der Official den Burgemeister Hans Sundemann in einer auf dem Kirchhofe in Kirchengeschäften zwischen beiden gehaltenen Conferenz "mit ävelen, stolten, unbedechtigen schmeworden hartlicken averfallen," wofür der Burgemeister noch Genugthuung forderte.

Auf diese, dem Canzler Caspar von Schöneich übergebenen Beschwerden erhielt der Magistrat keine Antwort. Zwar erscheint im J. 1519 ein anderer Official, Heinrich Hasse, zu Friedland; aber dieser machte es um kein Haar besser, als sein Vorgänger, vielmehr mehrten sich noch die Klagen, sogar über leibliche Gewaltthaten und Verwundungen. Der Magistrat erneuerte daher seine Klagen bei den Fürsten und bat um ein Vorschreiben an den Dompropst von Hildesheim, damit "dieser Official in sein Closter und Gehorsam und ein anderer geschickter, redlicher Mann wiederum an seine Stelle geschickt werde;" jedenfalls bat der Magistrat um ein Vorschreiben an den Bischof von Havelberg, diesen "hastigen, trotzigen Mann, mit dem

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übel zu handeln" sei, in Strafe zu nehmen. Aber diese Beschwerdeführungen nutzten eben so wenig, als häufige, in den nächsten Jahren wiederholte Klagen einzelner, gekränkter Bürger; die Friedländer mußten den Official bis zu seinem Tode behalten. Der Magistrat aber ward aus einem Ankläger der Geistlichkeit ihr eifrigster Beschützer, als die Volksgewalt die Priesterherrschaft zu Boden trat.

Endlich verschaffte sich das Volk selbst Genugthuung. Im Sommer des J. 1525 predigte zu Friedland, in Meklenburg ziemlich früh in der Geschichte der Reformation, zuerst ein Augustinermönch von Anklam in lutherischem Geiste:

"daß die Mutter Maria und die Heiligen nicht anzurufen, daß gute Werke zur Seligkeit nicht nützlich, daß alle Christen gleiche Priester"

seien, und andere "lutherische Stücke" mehr; vielleicht war dies derselbe Augustinermönch Henning Krukow, welcher um Ostern 1525 in Neu=Brandenburg zuerst lutherisch predigte. Da ward dem Stadtrathe wieder bange und er verbot, in Gemeinschaft mit dem Official Heinrich Hasse, dem Mönche die Terminei und die Predigt zu Friedland. Als aber der Official diesen Beschluß dem Mönche auch in der Kirche verkündigen wollte, liefen mehrere Bürger den Official in der Kirche an und verfolgten ihn auf den Kirchhof, wo sie ihn schlugen und mit Waffen und Steinen zu erschlagen droheten und erschlagen hätten, wenn nicht ruhigere Leute dazwischen gekommen wären. Jetzt und um so mehr, da die Ohnmacht der Gegner zu grell ans Licht trat, war das Volk nicht mehr zu halten; dazu kam es, daß man schon so schwach war, von den geistlichen Waffen keinen Gebrauch zu machen, oder sie hatten auch keine Wirksamkeit mehr. Der Bischof von Havelberg rief zwar den Mönch ab; aber ein gewisser Karsten Rawoth stellte sich an die Spitze der unzufriedenen Bürger und so führten diese, gegen das Verbot des Bischofs, des Rathes und des Officials, durch Waffen geschützt, den Augustinermönch in die Nicolai=Capelle, um hier "an ungewöhnlicher Stelle und zu ungewöhnlicher Zeit" zu predigen. Der Mönch kommt nicht wieder zu Friedland vor. Dagegen holte Karsten Rawoth einen andern "verlaufenen Mönch, welcher sich bei den Riben zu Galenbek aufhielt" und dort "viele aufrührerische und ketzerische Dinge predigte," nach Friedland und ließ ihn hier ebenfalls "am ungewöhnlichen Orte und zu ungewöhnlicher Zeit" predigen. Darauf dankte Rawoth mit seinem Haufen die Capellane der Propstei ab, "unterwand sich selbst der Herrschaft der Propstei" und übte viele andere gewaltthätige Dinge. Die Geistlichkeit mochte wohl

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stark gegen solche Selbsthülfe eifern, wie es von dem Charakter einzelner von ihnen zu erwarten war; dadurch regten sie aber die Masse noch heftiger auf, um so mehr, da sie nicht viel mehr boten, als Schimpfen, Verketzern und Strafen. Der tobende Haufe zog jetzt gegen die ganze Priesterschaft zu Felde; in einer Nacht wurden den Priestern, namentlich Heinrich Hasse und Liborius Schwichtenberg, die Fenster eingeworfen und die Hecke und Thore umgestürzt, - und der Rath schwieg. Gegen die beiden genannten, eifernden Papisten richtete sich vorzüglich der Grimm; man zerstörte ihre Gärten vor den Thoren, riß die Zäune um und hieb die Bäume ab, wobei sich wieder Rawoth hervorthat.

Die Seele der Aufregung in Friedland war ein Schüler der Universität Wittenberg, der oben genannte Bartholomäus Hannemann, einer der drei im J. 1520 zu Wittenberg immatriculirten Friedländer, welche im J. 1525 noch nicht lange von der Universität zurückgekehrt sein mußten. Das erste Fenstereinwerfen wird in den Berichten über die Entwickelung der Reformation ausdrücklich dem Bartholomäus Hanneman ("itzunt, 1526, to Brandeborg wanende") zugeschrieben, wie es der Priester Rolof Wulf, der ihn erkannt haben wollte, vor dem Rathe ausgesagt hatte. Die Leitung des Volks ging hier also nicht von blinder Partheiwuth aus; daher erklärt sich auch wohl das frühe, hartnäckige Verfechten der lutherischen Lehre in Friedland.

Um Fastnacht des J. 1526 stürmte Karsten Rawoth mit seinen Genossen das Collatien=Haus der Priesterschaft in der Nacht; sie zerbrachen die Thore, schlugen den Diener, zapften das Bier aus, nahmen die Register mit fort und verunreinigten das Priestergemach ("ere vnreynicheit schemelosen gelaten"); am folgenden Tage versammelte sich die Menge noch einmal vor dem Haufe und trieb hier allerlei Mutwillen.

Am Tage vor Philippi und Jacobi 1526 erhob sich der wüthende Sturm noch einmal, trotz aller fürstlichen Schreiben. Es wurden den Priestern wieder die Fenster eingeworfen und die Thore und Zäune gestürmt; namentlich übte das Volk vor dem Haufe des Liborius Schwichtenberg "gröbliche Gewalt", indem es alle Umgebungen seines Hauses der Erde gleich machte. Der Stadtrath zog zwar zwei der Tumultuanten gefänglich ein, entließ sie jedoch bald wieder.

Dies Alles konnte ein Jahr lang geschehen, ohne daß "kaiserliche Mandate" und fürstliche Verbote und Ermahnungsschreiben etwas gefruchtet hätten. Auch in Rechtssachen hatte der Magistrat keine Auctorität mehr. Als dem Liborius Schwichtenberg nach Urteil und Recht die Auspfändung eines gewissen Michael

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Budde zugestanden ward, schalt er die Priester vor gehegtem Gerichte "Verräther, Bösewichter, Heuchler" und achtete des Urtheils nicht.

Die fürstlichen Anordnungen, daß "ein jeder in ruhigem Besitze bleiben solle, so lange er nicht mit Recht daraus entsetzt sei", waren zwar dem angenommenen Principe der Neutralität gemäß, konnten aber keine Ruhe schaffen. Daher bat denn auch die Priesterschaft um eine Commission zur Schlichtung der einzelnen Streitpuncte, da die Versammlungen vor gehegtem Gerichte nur zur Verachtung des Gerichts und der geistlichen Personen führen könnten.

Da der Aufruhr wirklich zu heftig ward, so nahm der Herzog den Vorschlag an und schickte im J. 1526 seine stargardischen "Räthe" Melchior Barsot (Comthur von Mirow bis 1527/8), Marquard Bere und Engelke von Helpte mit kaiserlichen Mandaten in die Städte des Landes Stargard; diese forderten in Friedland die Priesterschaft, den Rath und die Bürgerschaft zusammen und befahlen im Namen des Fürsten, daß "alle insgesammt sich nach alter, christlicher Gewohnheit schicken sollten ohne Zulassung der neuen Prediger, bis der Herzog aus Befehl kaiserlicher Majestät andere Botschaft erlassen würde, und daß "der Pfarrer mit seinen Capellanen das heilige Evangelium predigen solle nach Auslegung der vier Doctoren der heiligen Kirche in christlicher Liebe, ohne Schelten und Aufruhr."

Dabei beruhigte sich die Stadt auf lange Zeit. Zwar versuchten einige Male fremde Prediger, sich in Friedland aufzuwerfen; auf Meldung des Raths verbot der Herzog jedoch jedesmal gleich die Predigt und der Rath setzte die Bewahrung des "alten Herkommens" durch.

Während der Zeit änderte sich aber die Lage der Dinge wesentlich. Der Herzog Heinrich selbst begünstigte die neue Lehre, deren Fortschritt er wenigstens nicht gewaltsam hemmte; er hatte schon im J. 1526 in Schwerin einen Prädicanten oder Capellan Martin, genannt Oberländer, angestellt und berief im J. 1529 den Aegidius Faber. Da baten 6 Bürger "von der ganzen Gemeinheit zu Friedland wegen", nämlich Heinrich Dagemann, Hans Piper, Jürgen Loisewitz, Achim Schmidt, Hans Rülow und Caspar Lütke, sogleich den Herzog Heinrich im J. 1528 um die Erlaubniß:

"Da wir - - itzund mit keinem guden predigerrnn, die vns dat gotlyke worth vnd die warheyth - - vorkundigen mochte, - - - die olde vordomede ler, die nhu mit vns noch im swange geith, tho vorlatende vnd dat helle lutter wort gades - - antho=

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nemen - - - vnd einen euangelischen prediger die vns dat wort gades verkundigede, holden mochten, so hebbe wy idt doch ane e. f. g. wethen, willen vnd vorloff nicht anvangen willen, - - vnd is dennoch an e. f. g. vnse - - bede, dat e. f. g. gnedichlik vorgunvnd tholaten wolde, dat wy einen loffliken, framen, tuchtigen und geschickeden man - - auerkamen - - vnd holden mochten vnd vns den suluen durch e. f. g. Capellan erhnn Martin edder einen andern in sanct Niclaus kerkecken dasuluest, die doch leddich steit vnd nicht vele meße edder andere ceremonien dar in geholdenn werden, inwisen vnd dem rade tho fredelande ernstlick beuelen laten, den suluen, so uerne he dat godtlicke wort ane minslike thosettinge vnd nicht tho vprur edder wedderwillen predigen worde, tho hanthauende vnd nein vnfruntlikes edder vnbillichs vornemendes gegen ehm tho vbende, sunder tholaten wolden, dat he in gemelter kerken, doch ehm vnd erben geistliken preistern an schaden, gelich in andern e. f. g. steden Swerin, Güstrow, Rostock, Wismar, Brandenburg vnd anderer, dat volk, so dem euangelio thogedann, vnderwisen mochten."

Eine andere Ausfertigung, welche sonst gleich lautet, bis auf den Schluß, in welchem etzliche von ihnen sich verbürgen, die Kirche "in ihrem wesen, wie es itzund stehet, wesentlich zu behalten", in ihrem "Gebäu und Bildern", und bitten, "die Schlüssel mit einem Kelch und dazu gehörigem Meßgewandt zu verreichen", ist von 70 "Liebhabern göttlichen Wortes und Evangeliums Jesu Christi", Bürgern zu Friedland, unterschrieben, unter diesen von den 6 oben genannten Bürgern, welche die Hauptvorstellung unterschrieben hatten, dann z. B. von dem ersten Tumultuanten Karsten Rawoth und seinen Hauptgenossen Georg Friese und Elert Timmermann, ferner von Heinrich Schwichtenberg u.a.

Kaum hatte der Rath die Uebergabe dieser Bitte erfahren, als er bei dem Herzoge die Erfüllung derselben abzuwenden suchte: es seien nur etliche Leute von geringem Vermögen, "welche lose Gesellschaft von den Amtsknechten bei sich hätten" und mehr Stimmen aufzeichneten, als zur Vollmacht wirklich entschlossen seien, auch zur Erhaltung eines Predigers kein Vermögen hätten; der Rath bitte daher den Herzog, die Stadt "bei dem alten Herkommen", nach welchem sie sich nun so lange ohne Störung des Gottesdienstes gehalten habe, bleiben zu lassen, bis der Herzog über das ganze Land verkündigen lasse, wie sich ein jeder zu

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halten habe, und keinen neuen Prediger einzusetzen, indem die Stadt mit genug Predigern versehen sei, "angesehen daß in wenigen oder keinen Städten, wohin solche Prediger gekommen wären, Gehorsam und Eintracht geblieben sei."

Jetzt nachdem in allen größern Städten Meklenburgs und selbst am Hofe zu Schwerin die neue Lehre die meisten Gemüther durchdrungen hatte, war eine Hemmung unmöglich, und wir sehen die Stadt Friedland bald im Besitze eines evangelischen Predigers. Dazu traten in Friedland Umstände ein, welche die Anstellung eines lutherischen Prädicanten begünstigten. Im J. 1529 war der Official und Vicar Heinrich Hasse gestorben und sein Freund Liborius Schwichtenberg nach Grimme gezogen; dadurch ward die Stadt von den heftigsten Gegnern der Reformation befreit und zugleich Geld für die Erhaltung des neuen Predigers gewonnen. Es ereignete sich aber zuletzt noch eine Begebenheit, welche an die frühern heftigen Auftritte erinnerte. Heinrich Hasse, ein reicher Mann, hatte im J. 1528 ein Testament errichtet, einen Theil seiner Güter der Geistlichkeit und den Armen, gewiß nach katholischen Gesichtspuncten, einen andern Theil seinen Freunden vermacht und außer dem Priester Bernt Role und zwei katholisch gesinnten Rathsherren von Friedland auch den Liborius Schwichtenberg zum Testamentsvollstrecker ernannt. Engelke von Helpte auf Pragstorf, welcher mit seinem Sohne den Verstorbenen seinen Verwandten ("frundt") und sich und andere seine natürlichen Erben nannte, hatte aber das Testament angegriffen und in Folge dessen Klagen vor den Herzogen erhoben, weil Liborius Schwichtenberg den Nachlaß eigenmächtig vertheilt hatte. Helpte behielt die Rechnungen 3 Jahre lang bei sich und verabredete endlich mit den übrigen Testamentarien zum 6. Junii 1532 einen Tag zum Vergleiche auf den Kirchhof von Eikhorst. Liborius Schwichtenberg war auch aus Grimme gekommen. Helpte erschien mit 5 Begleitern und forderte, daß der Nachlaß wieder zur Stelle gebracht und die nächsten Blulsfreunde gefragt würden, ob sie denselben antreten wollten. Während der Verhandlungen hierüber erschien noch Jürgen von Helpte, der Sohn des Engelke von Helpte, mit vielen Begleitern, und als sich die Verhandlungen nicht nach Helpte's Forderung wenden wollten, schlug Jürgen Helpte den Liborius Schwichtenberg aufs Haupt, stürmte mit seinen Freunden mit Spießen und Büchsen auf ihn ein, nahm ihn gefangen, band ihn auf sein Pferd und führte ihn mit verbundenen Augen gefangen in ein starkes Gewölbe, aus welchem er jedoch noch im Monate Junii "wunderlicher Weise ohne einige menschliche Hülfe" entkam. Die Freunde Schwichtenbergs, darnach er selbst

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veranlaßten den Herzog Barnim von Pommern zu Vorschreiben an den Herzog Heinrich von Meklenburg, der Rath von Friedland legte sich ins Mittel und Schwichtenberg bat nach seiner Befreiung den Herzog Heinrich um Hülfe. Engelke von Helpte stellte die Sache nach ihrem Verlaufe dar, strafte seine Gegner Lügen, behauptete sein gutes Recht und wunderte sich, daß Schwichtenberg sich nicht an den gebührlichen Richter, den Bischof von Havelberg, wende. Damit scheint die Sache ein Ende genommen zu haben.

In demselben Jahre 1532 erscheint auch der erste lutherische Prädicant Jürgen Berenfelder, welcher schon eine Frau hatte, zu Friedland. Er ward im J. 1527 von dem Herzoge Heinrich als erster lutherischer Prediger an der Nicolai=Kirche zu Wismar angestellt, ging also von hier nach dem Stargardischen; vgl. Schröder Wism. Pred. Hist. S. 11 flgd., Evang. Meckl. S. 140-141 und Crain Reform, in Wismar S. 9. Latomus im Genealochron. sagt, er sei "aus dem stargardischen Kreise" gewesen. Schröder macht ihn zu einem märkischen Edelmann und nennt ihn Georg von Berenfeld, obgleich er in den Acten nur Berenfelder genannt wird. Jürgen Berenfelder wird am Ende des J. 1531 oder Anfang 1532 von dem Herzoge Heinrich nach Friedland berufen worden sein. Am 27. Nov. 1531 berichtet der herzogliche Secretair M. Sebastian Schenck von Stargard aus 1 ) an den Herzog Heinrich, er werde demselben

"was er mit Hern Jorgen Berenfeld vnd Brussowen ausrichten werd, vermelden."

Der Herzog Albrecht hatte sich wieder der katholischen Lehre zugewandt, während sein Bruder Herzog Heinrich mit ruhigem Nachdruck die lutherische Lehre begünstigte. Der Reformationsstreit offenbarte sich grade in Friedland am heftigsten, weil diese Stadt zu denjenigen Ortschaften gehörte, welche nach dem Neu=Brandenburger Hausvertrage vom J. 1520 mit von der Landestheilung ausgeschlossen und beiden herzoglichen Brüdern gemeinschaftlich geblieben war, und weil in Friedland schon viel Aufregung herrschte. Berenfelder und seine Anhänger waren von dem Rathe "etlicher Artikel halben" bei dem Herzoge Albrecht "angegeben" worden; namentlich sollten sie in der Nicolai=Kirche, die sie eine Zeit lang inne gehabt, die Altäre aufge=


1) Vgl. Jahrb. VIII, S. 38.- Zugleich berichtet Seb. Schenck: "Marquart Behr hat mir angezeigt, wie Herzog Albrecht ime geschrieben vnd beuolhen, den Preddiger zu Brandenburg hern Matthiasen widderumb abzusetzen vnd den E. F. G. abgesetzt, widderumb einzusetzen, welchs er da nicht thun wil." Dabei meldet er: "Gestern Suntags hat der Stadtschreiber zu Brandenburg, der ein Priester ist, mit einer Jungfrawen ehelich beigelegen."
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brechen und die Reliquien herausgenommen haben; der Rath meinte, er habe um Eintracht willen viel erduldet, was wohl der Klage werth sei. Da erschien der Herzog Albrecht in Friedland, um seine Ansichten persönlich durchzusetzen. Am 16. Febr. 1532 forderte der Herzog auf dem "Herrenhause" den Rath und die Aelterleute vor sich 1 ) und befragte sie, in welcher Form der Prediger an der Nicolai=Kirche nach Friedland gekommen sei und ob sie ihn eingesetzt hätten. Der Rath antwortete, ihm sei von der Einsetzung nichts bewußt gewesen, sondern der Herzog Heinrich habe die Einführung durch den Comthur von Nemerow und Heinrich Hahn von Pleetz vollziehen lassen, obgleich der Rath dagegen protestirt habe, weil die lutherische Lehre von dem Herzoge Albrecht verboten sei. Als der Herzog mit diesem Benehmen sich zufrieden erklärt hatte, ließ er auch Jürgen Berenfelder vorfordern und fragte ihn, was er von der Messe halte und warum er dieselbe schmähe. Berenfelder erklärte, er glaube, daß in der Messe "der wahre Leichnam Christi" sei, aber über dem hochwürdigen Sacramente, "das da stehe in dem Ciborio," sei er in Zweifel; er habe deshalb auch an Luther und Bugenhagen geschrieben, aber auch diese hätten hierüber noch Zweifel und "könnten ihm davon noch keinen Grund schreiben": so zweifle auch er noch und es werde auch von den "Evangelischen also nicht gebraucht". Da verbot der Herzog ihm als einem "Ketzer", da er selbst zweifle, das Predigtamt, bis er von beiden herzoglichen Brüdern Anweisung erhalten werde 2 ). Der Rath, obgleich selbst Kläger, ward zum Richter ernannt und verfuhr nun so hart, daß die lutherischen Bürger mit ihrem Prädicanten auswanderten und 14 Tage aus der Stadt verbannt blieben. Am 25. Februar 1532 erließ der Herzog Heinrich ein Schreiben an den Rath, mit dem Begehren, die Bürger glimpflich zu behandeln, damit die armen Leute und die Stadt, welche ohnedies nur schwache Nahrung habe, nicht zu sehr leiden möchten. Auf die Verantwortung des Rathes ermahnte der Herzog Heinrich diesen am 3. März noch einmal zur Billigkeit. Als aber guter Rath nicht fruchten wollte, erschien der milde Herzog Heinrich am 11. März 1532 persönlich zu Friedland, öffnete den Bürgern die Thore und wies den Prädicanten Beren=


1) Vgl. Anlage.
2) Am Tage zuvor, den 15. Febr., forderte der Herzog den Rath und die Aelterleute zu Neu=Brandenburg, "wo das Wort gewaltig ging," vor sich; diese aber verlangten, nach brandenburgischem Rechte gerichtet zu werden, und protestirten gegen alle Gewalt. Dies gestand der Herzog zu, verbot jedoch alle ketzerische Lehre des von seinem Bruder eingesetzten Predigers Mathias und setzte durch den Propst von Broda, als Patron der Kirchen zu Neu=Brandenburg, einen Prediger Matthäus Eddeler ein, den der Rath ebenfalls zu schützen versprach.
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felder an sein Amt. Zugleich ersuchte er in einem Schreiben den Prior des Dominikanerklosters zu Pasewalk, weil "der Prediger alhir zu Friedelandt Er Jürgen Berenfelder mit bequemer wonung nicht versehen" sei, demselben das Häuslein des Terminarius auf ein Jahr zu überlassen, da der Terminarius sich wieder "zu Kloster zu wenden" geneigt sei. Am 16. Sept. 1533 war Berenfelder noch in Friedland; an diesem Tage klagte der Herzog Albrecht bei dem Kurfürsten Joachim von Brandenburg, daß

"dieweill vnnser Bruder die lutterische lerr angenommen, in ander vnsernn Stettenn, so vnserm Bruder nicht allein, sonder vnns so wol als ime zukommen, vonn vnsern vntterthan auß vorheiß vnsers Brudernn angefangenn verursacht hat, als nemblich Newenbrandenburg, Fridtland, Malchin, Parchim, vnd sonst andere Jungfrawkloster, da wir die lutterischen Prediger verjagt, ine zu predigenn verbottenn, seint doch alwege vonn vnserm bruder in eigener Rersonn wider eingefurth vnd beigesetzt."

Unter solchen Umständen aber sah sich Jürgen Berenfelder bald veranlaßt, Friedland zu meiden; er wird nach dieser Zeit nicht wieder genannt.

Nach der Ablegung der augsburgischen Confession dachten die Landesfürsten überall an eine anständige Befestigung der neuen Lehre. So ward auch in Friedland die erledigte Propstei wieder besetzt. Der Herzog Heinrich hatte im J. 1534 den Günther von Wangelin, aus einer bekannten adeligen Familie Mecklenburgs, berufen; dieser war ebenfalls ein Lutheraner und 1528/9 zu Wittenberg immatriculirt ("Gidterus a Wangelin Mechelburg." Vgl. Album acad. Viteberg. p. 133 a ). Der Herzog Albrecht aber hatte dem Johann Garlipstorp die Propstei zugesagt. Schon im J. 1528 hatte ihm der Herzog Heinrich bei der Vermählung seiner Tochter Sophie mit dem Herzoge Ernst von Braunschweig=Celle "auf Fürbitte aller Fürsten und Fürstinnen" die Erfüllung der ersten Bitte, die er thun würde, verheißen, da die Petri=Pfarre zu Rostock schon versagt war. Jetzt wo er auf die Propstei zu Friedland Aussicht hatte, trat ihm unerwartet ein Nebenbuhler entgegen, der von dessen Familie so kräftig unterstützt ward, daß er die Stelle nicht annehmen wollte, sondern von Hamburg aus, wo er sich um Pfingsten 1534 aufhielt, den Canzler C. v. Schöneich um ein herzogliches Empfehlungsschreiben an den Rath von Lüneburg bat. Er ging auch nicht nach Friedland; Günther von Wangelin

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erscheint aber noch später im Besitze der Propstei zu Friedland. - Johann Garlipstorp, wie er sich selbst unterschreibt, ist wahrscheinlich der hamburger Domherr M. Johannes Garlevestorp, welcher, nach des Herrn Archivars Dr. Lappenberg gütiger Mittheilung, im J. 1523 Domherr und Thesaurarius, 1529 einer der beiden Deputirten des Domcapitels zur Verhandlung über die Kirchenverbesserung und 1548 Senior des Domcapitels zu Hamburg war und um 1550 als hamburger und lübecker Domherr starb; vgl. Staphorst Hamb. Kirchen Gesch. V, S. 7, 69, 148; IV, S. 477; II, 706-727. In Schröder Ev. Meckl. I, S. 491 wird 1548 "Johannes Garlevestorpes senior, stedeholder des dekens, - - der kerken tho Hamborch" genannt.

Zur Zeit der im J. 1535 durch die lutherischen Prediger Aegidius Faber und Nicolaus Kutzke vorgenommenen evangelischen Visitation (vgl. Jahrb. VIII, S. 43) war zu Friedland ein gewisser Lucas Prediger; dieser hatte jedoch viel mit den Pfaffen zu schaffen, welche sich - nach 10 Jahren - hier noch immer nicht zur Ruhe legen wollten. In dem Visitations=Berichte heißt es:

"So beklagt sich auch her Lucas, der fridlander predicant, das etliche auss den pfaffen offentlich vnd heimlich yn heusern yn vnd sein lere als keczerisch schölten, Derhalben wir sy für Vns beruffen vnd yren falschen gottesdienst angezeigt, ernst verbotten haben, sy szollen sich solcher lesterwortt enthalten, vmbs auffrur halben, wollen sie sich nicht mit vnser lere vnd rechten gebrauch der sacrament, nach grundt der schrifft vnd ordnung cristi gebrauchen, so faren sy ymmer da hyn, wo sy hyn gehören."

Das Protocoll der papistischen Visitation von 1534, welches vorzüglich nur fürstliche Kirchenlehne aufführt, nennt keinen Prädicanten, sondern sagt nur:

"Vredelandt dat is eine prauestie, dar to horen beide parkerken, also marien vnde sunte nicolaus binnen Vredelandt. Disse prauestie geyt to vorlenende van den Fürsten; Viceplebanus offte locum tenens heth her Jochim scroder, vnde de rechte besitter der prauestie is Guntherus wangelin, vorlent van hern hertoch hinrick anno (fehlt) vnde instituert van dem biscoppe to hauelberge. - - Jtem dar hort ock to de geistlicke rychtewalt in sinodalibus in dersuluen prawestie vnde allen kercken darinne belegen vngeuerlick by LXXX parkerken; dar kumpt nu nych van."

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Bald darauf, im J. 1536 oder 1537, ward Jacob Glasow aus Pommern 1 ) zum Prediger in Friedland berufen, durch Vermittelung des Predigers Nicolaus Kutzke 2 ) zu Neu=Brandenburg, welchem im Lande Stargard vor Einsetzung der Superintendenten die Beförderung der evangelischen Lehre anvertrauet war. Die Verhältnisse werden aus einem zwar nicht datirten, aber ungefähr im J. 1542 erlassenen Schreiben Glasows an den Herzog Magnus von Meklenburg, den lutherischen Bischof von Schwerin (seit 1532), klar; wahrscheinlich handelte Magnus in solchen Angelegenheiten als präsumtiver, einziger männlicher Erbe seines Vaters, und es mag aus diesem Verhältnisse die Aufhebung der Gewalt der Bischöfe von Havelberg und Camin in den in Meklenburg liegenden Theilen ihrer Sprengel hervorgegangen sein. Jacob Glasow schreibt an den Herzog Magnus: er sei beinahe sechs Jahre lang Prädicant in Friedland, wohin er von dem verstorbenen Prediger Nicolaus Kutzke, in Vollmacht des Herzogs (Magnus) und seines Vaters, aus dem Lande Pommern berufen sei; er habe sich gehalten, wie es einem Diener des Wortes Gottes gebühre, wie ihm der Superintendent Johann Riebling und seine Gemeinde bezeugen könne, obgleich er viel Arbeit gehabt und viele Verfolgung erduldet habe; sei er auch nach andern Orten hin berufen, so sei er doch ferner seiner Kirche zu dienen geneigt, wenn er fortan unangefochten bleiben könne; er bitte daher den Herzog, ihm ein schriftliches Zeugniß, welches er dem Rathe und fonst vorzeigen könne, geben möge, daß er in des Propstes Namen die Kirche verwalten und Kirchen= und Schuldiener beaufsichtigen solle; denn die Kirche und Propstei sei ihm nicht allein von dem Superintendenten, sondern auch von Günther Wangelin, der von beiden Herzogen damit belehnt sei, durch Ueberreichung der Schlüssel und Register anbefohlen; er bitte daher um eine Confirmation des an ihn abgetretenen Amtes, damit keine Versäumniß in Kirchen und Schulen, welche leider all zu oft geschehen sei, begangen werde, man ihn in Frieden lasse und vor dem Herzoge und dem Superintendenten verklage, wenn jemand etwas wider ihn haben sollte. - Der Herzog Magnus schrieb eigenhändig auf die Rückseite der Eingabe: "An den radt -, an den schulmeister-zu fridtlandt schreiben, das sie sich der visitatoren abschiedes halten vnd das der schulmeyster dem pastori darselbst gehorzam leyste."


1) Nach Schröder Ev. Meckl. S. 412 soll Jacob Glasow vorher in Neu=Brandenburg in der Marienkirche gepredigt haben.
2) Nicolaus Glasow sagt, daß er "van Ern Nicolaus Kutzen seliger mit Consens vnd Fulborth" der Herzoge vocirt sei. Also war Nicolaus Kutzke nicht lange vor 1541 zu Neu=Brandenburg gestorben; vgl. Jahrb. VIII, S. 40.
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Günther Wangelin war also seit 1534 im Besitze der Propstei geblieben, hatte sich aber vom Amte zurückgezogen und den Jacob Glasow zum Vicar bestellt.

In dem Visitations=Protocolle von 1541, welches kurz vor dem Schreiben Glasows gehalten sein muß, heißt es:

"Zu Friedelant sint zween prediger, er Fabian Wegener vnd er Jacop Glasow, vnd sint beide fromme, gelerte, christliche seelsorger."

Hiemit war die Reformation in Friedland durchgeführt und es stehen fortan zwei Prediger an der Kirche daselbst.

Es fehlt jetzt lange an Nachrichten über die friedländischen Prediger des 16. Jahrhunderts. Wir erfahren in 32 Jahren aus den Acten nichts weiter, als daß am 1. Jan. 1574 Joachim Klinkenberg und Gregorins Genzkow Prediger zu Friedland waren. Nach Mittheilungen des Herrn Pastors Sponholz sollen um 1560 und 1568 Balthasar und Gregorius Jentzkovius unter den Geistlichen der Stadt Friedland gewesen sein. Im Anfange des J. 1574 war Joachim Klinkenberg 1 ) Alters und Schwachheit halber nicht mehr fähig, dem Predigtamte vorzustehen, und man suchte einen neuen Prediger, welcher dem "jetzt anwesenden Prädicanten die Bürde tragen helfe." Klinkenberg, "der gute, alte Mann," ward pensionirt, "die Zeit seines Lebens mit nothdürftiger Unterhaltung versorgt." Da Klinkenberg wegen Altersschwäche in den Ruhestand gesetzt ward, so ist es wahrscheinlich, daß er unmittelbar auf Glasow folgte und den Gregorius Genzkow später zum Collegen erhielt.

Zu der Wahl eines neuen Predigers wurden drei bewährte Männer präsentirt: der Pastor Andreas Löper zu Staven, der Pastor Daniel Schwichtenberg zu Brunn und der "Schulmeister Caspar Gentzkow zu Stralsund", alle in Friedland "bürtig und unlängst gesessen". Obgleich der neubrandenburger Superintendent Georg Schermer seinem Schwager Andreas Löper die Stelle zuwenden wollte, so erhielt er doch bei der Wahl keine einzige Stimme; dagegen ward Caspar Gentzkow mit überwiegender Stimmenmehrheit gewählt. Wenn der Superintendent sich auch mit der Wahl zufrieden erklärte, so brachte er doch bei dem Herzoge Ulrich ein Mandat an sich aus, daß er den Andreas Löper zum Prediger setzen solle. Dagegen protestirte aber der Rath, da Löper ein "köpfischer, haderischer und gar eigensinniger Mann" sein sollte, und bat den Herzog, es bei der rechtmäßigen


1) Die bisher bekannte Geschichte der Reformation in Friedland in Schröder Ev. Meckl. I, S. 414-419 fängt mit diesem Prediger Klingenberg an.
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Wahl zu lassen. Der Herzog ließ sich auch bereit finden und verordnete die Einführung des Caspar Genzkow auf Ostern des J. 1574.

Es wird hier am rechten Orte sein, Untersuchungen über die Lebensumstände des Caspar Gentzkow anzustellen. Caspar Genzkow war von Ostern 1569 bis Ostern 1598 († 1611) Rector des Gymnasiums zu Stralsund und ein sehr ausgezeichneter, berühmter Mann. Er hat in der Geschichte des Stralsunder Gymnasiums von Zober, Zweitem Beitrage, 1841, seine Biographie gefunden, welcher auch sein Bild beigegeben ist. Damals waren die Forschungen noch nicht so weit gediehen, wie jetzt, und Zober konnte über die frühern Lebensumstände dieses Mannes nur ein mangelhaftes Bild entwerfen. Zober ermittelt, daß Genzkow ein Meklenburger war, und vermutet, daß er ein Bruder des Gregorius Genzkow gewesen sei. Er ward im J. 1561 auf der Universität Rostock immatriculirt. Nach Zober's Vermuthung war er vorher Lehrer an einer der größern Stadtschulen Meklenburgs. Um Ostern 1569 ward er Rector zu Stralsund, wo er eine erfolgreiche Wirksamkeit und großes Ansehen hatte. Im Herbste des J. 1597 ward er einmütig zum Archidiakonus oder zweiten Prediger an S. Nicolai zu Stralsund erwählt und Ostern 1598 in sein neues Amt eingeführt; in dem Rathsprotocolle vom 25. Oct. 1597 heißt es: "Ist unanimiter geschlossen, daß der Rector scholae Casparus Jentzkow solle ad secundum locum apud aedem s. Nicolai vociret werden." Er starb im October 1611 zu Stralsund.

Diese letzten Vorgänge sind unbezweifelt; eben so sicher ist aber auch seine Berufung nach Friedland. Bei dieser Gelegenheit erfahren wir denn auch die Hauptmomente seines frühern Lebens. Aus dem Berichte des friedländer Magistrats über die Predigerwahl vom 1. Jan. 1574 geht hervor, daß er der meklenburgischen Herzoge

"vnterthan, aus Fridelandt bürtigk ist, zu Rostogk studeret hat, zu Neuwhen Brandenburgk der Schuelen sechstehalb Jar gedeneth, darnach zum Gripswolde des Eddelen vnd Ernuhesten Vlrich von Swerins des Elterhen seiner sons preceptor gewesenn, vnd von dannhen ghen Sunth vor einen Rectorem Scholae beruffen, die er nun funff Jar dermassen geregiereth, das sie in vberaus gernhe behalten hetten, auch sonst der reinhen lerhe in Prophetischer vnd Apostolischer schriftt in Augspurgischer confession vnd Mekelenburgischer kerckenordenunge ausgedrucketh anhengigk vnd darentjegen aller falschen ler vnd corruptelen feyent ist."

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Nach geschehener Wahl ward

"deme gemelten Casparo die vocation muntligen vnd schrifftligen getaen vnd zugestellet, welcher nach langem bedenken diese antworth gegeben, das, ob er schone an so einem guten orthe vnd bey guten leuten woll erhalten where zum Sunde, alse er zu Fridelande sich nicht vermutede zu uerbessern, demnach weile er sege, das de election christliger vnd rechtmessiger weise one jene seinhe gedanken edder vorwissen ergangen vnd also von Gotte herr geflossen were, er sich auch seinhem lieben vaterlande fur andern mit seinhen gaben zu denen schuldigk erkente, so wolle er sich der vberantworteden vocation gehorsamlich vntergeben vnd vff kunfftigen Ostern seinen dienst vns leisten, Demnach hadt er den vom Sunde, die ine vngerne entperen wollen, seine dienste jegen Osteren vffgekundigeth vnd abgedankedt, ist auch schone ein ander gelarter man an seine stadt widderumb bestelledt vnd angenummen."

Ueber seine Herkunft spricht sich die Antwort des Herzogs Ulrich an den Rath zu Friedland vom 5. Januar 1574 auch klar aus:

"Wiewols nun nicht ohn, das wir zwene brueder vnehlicher geburt in einer kirchen zu predigern nicht gerne haben, Jr auch Casparn Gentzkouen, itzigen Schulmeister zu Stralsunde, der gemeine zu Fridland zuuor aus, ohne vnser als des patronen vnd Obrigkeit vorwissen und bewilligung vorzuschlagen billich soltet bedenken gehabt haben, jedoch weil die Election in Gottesfurcht mit anruffung seines namens ordentlich vnd christlich auff eur gehais geschehen sein sol vnd gemelter Caspar Gentzkow vns so wol als sein brueder Gregorius Gentzkow fur einen gelerten, christlichen, frommen man geruemet wird, ime auch gantz vnrecht geschehe, wann er nuemehr, nachdem er zu volge gedachter ordentlichen vocation seinen dinst aufgekundiget vnd ein ander an seine stelle albereit widder angenomen, zu seinem schimpf vnd schaden repudiiret vnd gelassen werden solle, so sind wir mit solcher wahl vnd darauf erfolgeten vocation aus gemelten vrsachen auf dis mahl in gnaden zufrieden."

Gregorius und Caspar Genzkow waren also Brüder und uneheliche Söhne, wahrscheinlich eines Gliedes der adeligen Familie von Genzkow, welche in der Nähe der Stadt Friedland

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angesessen war. Nach Mittheilungen des Pastors Sponholz an Zober soll unter den Geistlichen der Stadt Friedland um 1560 und 1568 ein Balthasar und ein Gregorius Jentzkovius vorkommen; von Balthasar fehlt jede weitere Nachricht, also auch die, ob er ein Bruder von Gregor und Caspar gewesen sei.

So bestimmt nun diese Actenstücke über die frühern Lebensumstände Caspar Genzkows reden, so sehr lassen uns die fernern Verhandlungen in Stich. Es ist in den friedländer Acten fortan von Caspar Genzkow nicht weiter die Rede; dagegen ist es gewiß, daß er fernerhin noch lange Zeit Rector in Stralsund war. Der Rath von Stralsund wird es also möglich gemacht haben, ihn für die Schule zu erhalten und ihn zu bestimmen, den Ruf nach Friedland abzulehnen, wie auch der Rath von Friedland fürchtete, daß "ein Radt vom Sunde die obgedachte "persone vmb gewissen jardienst ferner zu begrussen vnd sich verpflichten wurde, so man mit der vocation nicht zuuor keme."

Aus dem Verlauf der Verhandlungen scheint hervorzugehen, daß die dem Rector Caspar Genzkow zugedachte Stelle einstweilen nicht besetzt worden sei; man hatte auch dem alten Klingenberg die "Oberstelle" reservirt. Am 18. Sept. 1578 ward der Pastor Johannes Schmidt zu Jven gewählt; da sich aber des "Deputats wegen, das dem alten kranken pastori soll verordnet werden," die Bestellung in die Länge zog, so lehnte er auch einen Ruf zur Pfarre Staven ab. Endlich sprach ihn am 21. Jan. 1581 der Rath von Friedland wieder an; obgleich "Gregorius Jentzkouw, der eyne prediger, das widerspil gefuhret - - vnd nach seinem gefallen einen seiner freunde der gemeine zu obtrudiren gedacht", so ward doch Johannes Schmidt, der sich im J. 1582-1584 auch Johannes Fabricius nennt und so genannt wird, am 7. Febr. 1581 vocirt.

Im März des J. 1582 hatte die Gemeinde nur Einen Prediger, Johannes Schmidt; Joachim Klingenberg und Gregorius Genzkow waren im J. 1581 an der Pest gestorben 1 ). Da nun wegen der "grassirenden Pest" Johannes Schmidt in großer Noth und Gefahr gewesen war, so dachten die Landesherrschaft und der Rath mit Sorgfalt an die baldige Wiederbesetzung der Stelle. Bartholomäus Reyns, ein Meklenburger, Pastor zu Perleberg, konnte von seiner Gemeinde keinen Abschied erhalten. Joachim Teschendorf, eines friedländischen Bürgers Sohn, früher lange Zeit "Schulmeister in Sternberg, darauf an sechs Jahre Prediger", wollte die Concordienformel


1) So berichten die Original=Acten. Nach Schröder Ev. Meckl. I. S. 414 flgd. starb Klingenberg am 29. Nov. 1581 und Genzkow an der Pest im J. 1581 vgl. Simonis Nachricht von der Stadt Friedland, S. 98.
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nicht unterschreiben; daher ließ es der Herzog Ulrich geschehen, "das er bleibt, do er ist." Da die Stadt nun keiner der vocirten Personen mächtig werden konnte, so wählte der Rath den Schulmeister der Stadt Friedland, Marcus Wasserhun, welcher am 29. Junii 1582 die Vocation erhielt, aber schon am 6 Junii 1583 zu Greifswald wieder starb. Bei den Veranstaltungen zur Wiederbesetzung der Stelle hatte Johannes Schmidt so große Wahlumtriebe gemacht und so tiefe Spaltungen hervorgebracht, daß er zu Pfingsten 1584 gekündigt und entlassen ward. Da endlich erreichte es der Superintendent Georg Schermerus, nachdem im J. 1583 die Stadt Friedland bis auf ein Viertheil abgebrannt war, daß doch sein Schwager Andreas Löper († 1601), damals ein "alter Mann und Prediger des Armenhauses zu "NeuBrandenburg und zu Küssow", am 29. Mai 1584 zum Prediger in Friedland erwählt ward.

Und hiemit nimmt die Geschichte der Reformation in Friedland ihr völliges Ende.


Anlagen.


Nr. 1.

Des Pfarrherrn Nicolaus Hahn zu Gnoyen Bericht an den Herzog Heinrich von Meklenburg über die Reformations=Unruhen zu Friedland.

1526.

Gnediger furste vnde here. To dhonde juwen ff. g. eyne kleyne vnderrichtinge van etlyken mutwilligen vnde gewaltsamen daden, de yn korten tyden bynnen juwer g. stadt fredelande gescheen, dar juwen ff. g. braeke vnd vorbote billich van gehortt.

Tho iare ym vorgangen samer sint etzlichen priestern by VI efft VII ere glasevynster by nacht vthgeworpen; dit scale eyner Bartolt Hanneman genomet, itzunder to Brandeborg wanende, tom meysten vthgerichtet vnd gefordert hebben, so alse dat de erbar Rotloff Wulff vor deme Rade to Fredelande klerlich vnde offentlich vthsede.

Jtem hern Hinrico Hassen vnd Liborio Swichtenberge synt ere thune vmme ere garden mutwilligen torethen

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vnd gentzlick vordoruen; de hantdeder sint dem rychter vnde rade an den dhorwardern eghentlyken anghetogett.

Jtem gedachte her Hinric Hasse ys van etzligen bynnen Vredelande vp deme kerckhaue vyentlyken anghelopenn, de ene aldar vp der befrygeden steden slaan vnd weldichlick mit em to varende begunden, so lange etzlige reddelige lude dar ynne em to hulpe quemen vnde den boszen vpsaath etzliger vprorygen behinderden; de deder sint dem richter nicht vmbekanth.

Jtem etzlige bynnen Vredelande hebben weldichlick den priesteren ere collatienhuß vpghestott by nachte vnde hebben eren schencken efft dhenre dar ynne geslagenn vnd sulffweldich en ere byr vthghetappet, eyn bhyl vnd register der collation mutwilligen mit sick wechgenamen vnd ock in deme sulfften huse vnd dornntzen ore vnreynicheit schemelosen gelatenn vnde na erem gefalle allen mutwillen vnd myshandelinge dar ynne gebruket; de deder sint dem Rychter vnd Rade öffentlich anghetegett worden.

Hir an ys ok juwer ff. g. geleyde, dar ynne de priestere ghenhamen, gar nicht geschuwett.

In der nacht Philippi vnd Jacobi negest sind den priestern, ock noch etzligen erligen wedewenn ore huse gestormet vnde ghepucccheth, ore venstern gyttern vnde de plancken vor den husern sind en toreten vnd nicht weynich scade en thogevogett; de hantdeder sint ock bewust.

Jtem in juwer ff. g. gerychtewalt is ock nicht gerynghe vorachtinghe gescheen kurtzlich to fredelande, nomlich:

Don richter vnde schepen hern Liborio Swichtenberge mit ordel vnd rechte wiseden in Michel Budden guder to pandende, hofft gedachte Budde weldich pantkeringe gedhann vnde dat gerichte vnd ordel nicht geachtett etc. .

Jtem in jegenwerdicheit Rychter vnde Schepen, welke in stadt juwer ff. g. dar sittende, worden de cleghere, sunderlich de priestere, in ghehegedem gerichte vor vorreder vnd bosewychte, hucheler vnd der gelykenn lesterlich gesculden; de deder sind dem richter nicht vnwittlich.

Jtem eilige, de der priesterscop wytligen sculdich sin, also dat se stettlich vnd alle iar vngheweygert betallt hebben, de ock sust huse, garden, acker vnd ander guder an sodane scult erlanget vnde yn gebrnkynge noch hebben, weygern sick nu sodane witlige scult to botalende, nicht to gherokende, dat juwe ff. g. to velen malen gescreun, ock in eynem gemeynen affsprake decernert vnde affghefunden hebbenn, dat eyn ychliker by siner rowelyken bosittinge blyuen vnd der gheniethen scale, so lange he mit rechte dar vth entsettet.

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Jtem etzlige to Vredelande hebben sich vndergesthaan, juwer ff. g. lehnes der prawstyen to Vredelande vnde hebben den capellanen vnd kerckdenren orloff gegeuen vnde ane bofeel juwer ff. g. de kercke to regirende in vhorfange juwer ff. g. gerechticheit sulffweltych anghefangen.

De sulfften hebben mit eren anhangheren vproryge vnd vnghewontlyke predigers vp vnghewontlike stede vnd tydt to predigende to fredelande inghefort wedder keyserliker Mayestet vnd Juwer ff. g. ernstlyke vorbott; desse alle sint dem richter ock nicht vmbewust.

Was sust vor ghewalt und anderen vmbillicheiden van etzligen ynwonren vorghenamen wort, do man den priestern ere liberarien vpbreken vnde der gherichtewalt sick auer sze vnderstan wolde, wert de richter siner Pflicht na ock nicht vorswyghen.

Wenn juwe ff. g. oren broke fordern gedechte, so wolle yo juwe g. der gennen nicht vorgheten, de den schaden vnde vnrecht geleden hebben, dat den ock, we billich, vorbote vnd affdracht wedderfare.

Juwe ff. g. wolle ock in eyner apenen commission enem ersamen rade to fredelande bovheel geuen, dat se de sculdenere der priestere dar suluest (wo ock in andern steden gescueth) vor sich sunderlich vorbaden vnd nicht myt dem bedelle vor deme hegheden dynge to eskende, vmme vormydinge willen mher sodaner vorachtinge des gerichtes, ock der personen der geystlikenn, vnde wor witlige apenbar scult ys, dat dhar eyn Raath sleunich vnd vnvortogert pandens vorhelpe, edder sust drechtlyke termine dar yn make.

Juwe ff. g. wille desse vhorigen vnd ander mher, we jw. g. de Richter vormelden don wartt, behertigen vnd to synne nhemen vnd dar eyne nottrofftige sthur und hulpe dar enthyegen vhorwenden.

Nach dem Originale im großherzogl. meklenburg. Geh. und H. Archive zu Schwerin. Auf der Rückseite steht:

Kerchern von Gnogen vnderricht, so yme ettzelich borger in Gnogen, auch in Fredelande grosser gewaltthat halben. 26.

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Nr. 2.

Beschwerde der Priesterschaft zu Friedland vor dem Herzoge Heinrich von Meklenburg über die Reformations=Unruhen zu Friedland.

1526.

Beswerde vnde auerfarynghe, de den priestern to Vredelande van etlyken wertliken darsuluest yn korten tyden weddervaren sin, bauen dat alse de Landesfursten tom offtern dar yn gefcreuen vnde gebaden hedden, dat me de priester keynes weges vorvnghelympen scolde.

Jnn dem szamer vorganghen anno XXV synt vp eyner nacht velen priesteren, alse nomlich herenn Johan Schunemanne, Johan Smede, Hinrico Hassen, Johan Reberge, Liborio Schwichtenberge vnde etlykenn mern ere glaßevynster vthgeworppen vnd ere doren vnd hecke toreten; dyt scall eyner Bartolmeus Hannemann, itzunt to Brandeborg wanende, myt sinen hulperen gedhann hebben, so alse offentlych vor dem Rade durch den erbarn Roloff Wulff, de idt scolde gheßeen hebben, gesecht wart, den noch also dar by ys gebleuen vnd keyne vorbote gescheen.

Alse ock eyn Augustyner monnyck van Angklem wedder crystlyke lere vnd keyser Mayestet mandat vncrystlyke artykelle predygede, alse dat men de mutter vnd hilligen gades nicht eren noch anropen scolde, ock dat keyne gude wercke to der salycheit nutlych weren, dat ock alle cristene ghelyeck priester weren, vnd der gelyken mhere lutterysche stucke So heft en ersam Raadt sampt deme offitiali her Hinric Hassen in namen des prawestes (de predyger vnd de gotlyken ampte alhir to ordenen hefft) deme gedachten monnycke de termynye vorbaden, dat he ock to Vredelande nicht predygen scolde, den also de offitial deme monnycke dyt sulffte ock vth bevhell des Rath in der kercken vorkundygen wolde, hebben etlyke ynwanre bynnen Vredelande, nomlich Gorges Vreße, Loyßeuitze, Eler Tymmermann, Sculte, myt mherer erer selscop her Hinrick Hassen yn der karcken wreuentlyken anghelopenn vnd vppen kerckhoff ervolget vnd myt stenen vnd andern wapenen yn de oghen to slande gedrowet vnd vam leuende tome dode bryngen willen vnd also grofflyke gewalt vpper frygheit gades vnde der landesfursten geouet, vnde wen etlyke vrame lude nicht to

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sture gekamen weren, hedden se den priester vp gedachter frygheit tom dode gebracht.

Da na alse de biscop to Hauelberge ock den gedachten monnyck reuocyrdt hadde, hebbenn gedachten Vreße vnd Tymmerman myt thodaath Kersten Rauotes, de sick in korten dagen nycht weyniger hendele to Vredelande vndergestaan hefft, den sulfften Augustiner Monnick durch sulffwalt thiegen sodane reuocation des biscops, ock vorbade des Rades vnd offitials vp vnghewontlyke stede vnd tyde, alse in sunte Nicolaus capelle na myddage yngefort to predygenn vnd myt korden vnd ander were boleytsagett, all yn vornychtinge der prawestyen vnd anerycheit vnser landesfürsten, dede patronen vnd lenheren sint.

De sulffte Kersten Rauoth hefft myt sinen byplychtern ock eynen andern vorlopenen monnyck, de sick by de Ryben to Galenbeke enthollt, vnd wedder keyserliker Mayestet decrett vnd mandat vele vgroryge vnd ketteriske dynge predygett, to Fredelande ock ynghefort vnd vp vnghewontlyke stede vnd tyde ock predigen latenn, all to vorforinge deme armen volcke vnd nhadell der gerechticheit der prawestyen also eynes furstlyken lehnes.

Gedachte Rauoth hefft myt etlyken sinen byplychteren ock dar na der prawestyen capellanen vorloeff gegeuen vnd en resignert vnde sick der herlicheytt der prawestyen, welge van den landesfursten herkummet, vndergewunden vnde sust vele mere in geystlyken vnd ock wartlyken ambachten myt sulffwalt durch byplychtinge etlyker van siner vorbuntnysse vndergestandenn, des he doch gar keyne voge hefft gehatt.

Jtem hern Hinrico Hassenn ys grofflyke gewalt vnd vnrecht wedderfaren bauen den vhorygen anloep, alse dat em sine thune vmme sinen garden vor deme borchdhore im lychten dage weldichlyck toreten vnd tobraken sint. Dat ys vth vnd yn Jachim Slykers huße ghescheen ynt erste; dar na hebben etlyke ynwanre to Vredelande (de enem ersamen Rade dorch vormeldynghe des dorwarders wytlich synt) ock eyn grott deel vnd nu tom latesten gantz vnd all den thun vpghereten, tobraken vnd vornychtigett, vnde gemelte Kersten Rauoth hefft dar etlyke bome van affghehowen vnd vpghegrauen vnde in sinen garden de wedder geplantet vnd dar vp geenckett vnd allen moetwyllen bedreuen.

Der sulfften male hebben ock etlyke ynwanre to Vredelande hern Liborio Swichtenberge ock sinen garden vnd thune toreten vor deme treptowesken dhore, de deder synt durch den dhorwarden ock dem ersam Rade vormeldet, bauen dat gedachte her Lyborius mit sinen gudern vnd haue in beyder fursten to Megklenborg sunderlyke geleyde gewesett vnd noch ys.

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Im vorgangen vastellauende hefft ock offtgemelte Kersten Rauoth myt velen siner byplychterenn by nachte den priestern to Vredelande, de sust alle stettlych in keyserlich bescherm, ock doch yntt sunderlige im furstligen geleyde geweset, grofflyke auerfarynge gedhaan, alse dat he myt siner selscop vpghestott hefft der prester collation huß vnd twe dhoren weldychlick geapentt, eyne ysern kramme entwey gestott, in de dore gehowen, den collatien schencken im huße toslaghen, der priester byr vthgetappet vnd yn ere dorrntze vnreyne vullnysse gelatenn, Byle vnd Register yth deme huße myt wech ghenamen vnd allen moethwillen bedreuen.

Dar nycht an benoghett, men des folgenden dages ys Kersten Rauoth myt veler sammelynghe wedder vor dat collation huß gekamen, an de porten auermals gestott vnd howen vnd de slatell tom huse geeskett, myt velen vnnutten vnd spytzigen worden auer de arme priesterscop.

Nu tom negesten auende Philippi vnd Jacobi ys den priestern bauen vele vnd mennychfaltige scryuent der landesfursten sware vnd grote gewalt vnd auerfaringe ghescheen, en sint ere vynstere auermal toreten vnd toslagen, gytteren vnd andere geßete vor den dharen tobrakenn vnde sunderlich ys hern Liborio Swichtenberge grofflyke gewalt vnd scade gescheen, den em wurden syne plancken, geßete und getteren vor syneme duße gantz tor erden geretenn; en ersam Raadt hedde II, de yn vnde by der daath gewesett weren, vencklyck anghenamen, de nu vyllichte entleddigett, hir vmme vngetwyuelt de deder dem Rade bewust sint.

Desse vnd ock mher anerfarynghe, hoen vnd fmha ys den priestern to Vredelande yn kortten tyden mher, den ye vorhen, wedderfarenn, bauen dat de landesfursten to velen malen dar ynn geschrenen hebben vnd gebaden, dat me den priesteren gar keyne ghewalt edder anerlast den scolde, sunder me scolde se by olden ghewontlyker frygheyt latenn vnd gar keyne vornygerynge auer sze bryngenn, noch etlych vurecht en to dhoende gestadenn. De wyle denn so mennychfaltyge auerfarynge vnd vnrecht den armen priestern gescheen vnde vele schade anghewracht ys, bydden se ganz demodychlichen, J. ff. g. wylle en vor vnghelyeck vorbote wedderfaren vnd eren schaden vorbotenn latenn: hyr to de priesterscop J. ff. g. also eynen crystlyken fursten vnd auerrychtiger othmodygenn anropenn etc. .

Nach dem Originale im großherzogl. meklenburg. Geh. u. H. Archive zu Schwerin. Auf der Rückseite steht:

Presterscop Fredelande belangent Martiner werk. 26.


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Nr. 3.

Der Herzog Albrecht von Meklenburg entsetzt den lutherischen Prediger (Jürgen Berenfelder) zu Friedland seines Amtes.

D. d. Friedland. 1532. Febr. 16.
Nach dem Original=Notariats=Instrument auf Pergament im großherzogl. meklenb. Geh. u. H. Archive zu Schwerin.

In dem namen gades Amen. Am jare nha desselbigen tausend funffhundert und zwey und dreissig, in der funfften indiction, freitags welcher der do wasz der sechzehende des monadts Februarii, zu vesper zeit tages, oder dar bey, am zehenden iare der kroninge vnsers allerheyligisten in Christo vaters vnd herren herren Clementis des sibenden von dem namen, in meiner offenbaren notarii gegenwerticheit, auch vndergeschriben zeugen darzu sunderliches geeyschet und gebethen, Fredelande in der herren hausze personlich erschinen der durchleuchtige hochgeborne furste und herre herr Albrecht, hertzoge zu Meckelnburgk, furste zu Wenden, graue zu Schwerin, Rosstogk und Stargardt der lande etc. herre, und vor sich erfordert einen ersamen rath mit sampt der alterleuthen und sie gefraget, in waserley gestalt odder form der prediger zu Fredelande in sant Niclaus Kirchen gekomen sey, ob sie die jhenigen oder sunst andere auss der gemein weren, die den selbigen prediger alder gesetzt, darauff ein ersamer rath seinen furstlichen gnaden mit aller underthenigkeit geantworth, das inen gar nichts umb den prediger bewust ist gewesen, forder anderst auch kein wissen daruon truegen, sunder das ine seiner furstlichen gnaden herr bruder aldar hette lassen einweysen durch den comptor von Nemerow vnnd Heinrich Hanen von Pletz, das prediger ampt zu brauchende, ein ersamer radt hat auch nicht vnderwegen gelassen, die selbigen geschickten gebethen, sie das jhenige mochten lassen anstan, deweile der hochgeborne furst und herr herr Albrecht hertzogk zu Mekelinburgk etc. die lutterischenn prediger alder zu predigende, angesehen bey verlust irer priuilegien ver-

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bothen, geschriben, wollen sich darmit, wo sie den prediger dar ja zu sanct Niclaus wollen setzen, besundern in Marien kirchen nicht zu predigende gestatten, vor iren landesfursten und herren entschuldiget wissen, welches der hochgemelte furste einem ersamen rath hochlich bedanckete vnd wolde auch das jhenige wider se in sondergen gnaden bedencken; seine furstliche gnade hat auch nicht underwegen gelassen, sunder den prediger vor sich erfordert und wer ine alder vber seiner furstlichen gnaden vorbiethend, angesehen das Fredelandt seinen gnaden souil als seinem herr bruder ankeme, aus seyner furstlichen gnaden wissen vnd willen zu predigen verlewbt, der prediger alder vor seinen gnaden gesagt, auff erfordern der ewangelischen durch hertzog Heinrich verlewbt und alder durch den comptur von Nemerow und Heinrich Hanen von Pletz eingewiszen, seine furstliche gnade hat auch fort den prediger gefragt, was ehr von dem hochwirdigen heiligen sacrament hielte, das dar in dem ampte der heiligen messen gehandelt wurde, ob dar auch were der warhafftige leichnam Christi, da ehr wider seinen furstlichen gnaden zu antwort gab, das ehr bestunde, das dar were der ware leichnam Christi, haben wider seine furstliche gnaden gesagt, warume ehr denn die messe so vorechtlich hielte und mit vile smech werten vnd gottes lesterunge, welche ehr gehabt hatte, auff das ampt der heyligen messe schulte, was ehr von dem hochwirdigen sacramente, das da steet in dem ciborio denne hielte, darauff hat der prediger seinen furstlichen gnaden geantworth, dass ehr da nicht gewisse in were, sunder ehr zweiuelte, ehr hett dar auch umb geschriben doctor Martinus und dem Buggenhagen, so hetten sie ime geschrieben, se zweiuelten darane und kundenn ime daruon noch keinenn grundt schreiben, so zweiuelte ehr nach und weren es nicht gewisse, wurde auch von den euangelischen also nicht gebrauchet, darausz ist seyne furstliche gnade bewegt worden als ein stadthalter rechtuerticheit und demselbigen prediger das prediger ampt verbothen, deweyle sein gnade ine funde als ein ketzer, wo ehr denn die armen schlechten leute solte zur warheit bringen, dieweile ehr selbst zweiuelte, und sich desz amptes enthalten, so lange seine furstliche gnade vnd seiner gnaden herr bruder semptlich wurden schreiben,

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darnach sich wissen zu richtende. Auff welche alle dinge sampt vnd besundern hat der hochgeborne furste mich offenbaren notarium vndergeschriben geeischet vnd gebethen, seinen fürstlichen gnaden zu geben hir auff ein oder vil instrumente. Geschehen in der stadt Fredelandt, in vorgemelten stede, vnder dem jare, indiction, tag, monad