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Inhalt:

Jahrbücher

des

Vereins für meklenburgische Geschichte
und Alterthumskunde,

aus

den Arbeiten des Vereins

herausgegeben

von

G. C. F. Lisch,

Großherzoglich meklenburgischem Archivar und Regierungs=Bibliothekar, Aufseher
der Großherzoglichen Alterthümer= und Münzensammlung zu Schwerin,
auch
Ehrenmitgliede der deutschen Gesellschaft zu Leipzig und des voigtländischen alterthumsforschenden Vereins, correspondirendem Mitgliede der alterthumsforschenden Gesellschaften zu Stettin, Halle Kiel, Salzwedel, Sinsheim und Berlin
als
erstem Secretair des Vereins für meklenburgische Geschichte und Alterthumskunde.


Vierter Jahrgang.


Mit einer Steindrucktafel.


Auf Kosten des Vereins.

Vignette

In Commission in der Stillerschen Hofbuchhandlung zu Rostock und Schwerin.


Schwerin, 1839.

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Geschichte

der

Buchdruckerkunst

in

Meklenburg

bis zum Jahre 1540

von

G. C. F. Lisch,

Großherzoglich=meklenburgischem Archivar etc .

 


 

Mit einem Anhange über die niederdeutsche Bearbeitung des Reineke Voß.

 

Vignette
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D ie auf Johannistag des Jahres 1840 angesetzte vierte Säcularfeier der Erfindung 1 ) der Buchdruckerkunst veranlaßte den Verein für meklenburgische Geschichte und Alterthumskunde, alle Kräfte zur Herausgabe einer längst vorbereiteten ältern Geschichte der Buchdruckerkunst in Meklenburg vor dieser Feier zu sammeln. Und so erscheint denn hier diese Geschichte, welche das Fest zum Andenken der großen Erfindung würdig feiern


1) Die Geschichte der Erfindung der Buchdruckerkunst hat andere, kundigere Bearbeiter gefunden. Nur in Beziehung auf den vor kurzem beendeten Streit über das Vaterland der Erfindung möchte es von Wichtigkeit sein, die Stellen vollständig zu sammeln, in denen im 15. Jahrhundert die deutschen Drucker selbst die Erfindung dem deutschen Vaterlande zuschreiben, Behauptungen, denen, selbst bei Lebzeiten der Erfinder, nie widersprochen ist. Von den mir zu Gebote stehenden alten Drucken, in denen von der Erfindung der Buchdruckerkunst die Rede ist, schließt das Speculum aureum decem preceptorum fratris Henrici Herp ordinis minorum von 1474:
"In nobili vrbe Moguncia quam imprimendi arte ingeniosa gratuitoque dono gloriosus deus plus ceteris terrarum nationibus preferens illustrare dignatus est non atramento plumali ereaque penna cannave, sed ad inuentione quadam perpulcra per honorabilem virum Petrum Schoyffer de Gernsheim feliciter est consum=matum."
Die Sassen=Chronik vom J. 1482 schließt:
"Dusse kronecke van keyseren vnde anderen fursten vnde steden der sassen mit oren wapen hefft geprent peter schoffer van gernszheim. In der eddelen stat Mencz. die eyn anefangk is der prentery. In deme iare na cristi gebort. Dusent vierhundert LXXXII vppe den Sesten dach des Merczen." (  ...  )
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helfen möge! Sie ist fortgeführt bis zum J. 1540; sie umfaßt daher alles, was im ersten Jahrhundert für die Ausbreitung der Buchdruckerkunst in Meklenburg geschehen ist. Dieses Jahr ist als Endpunct theils deshalb genommen, weil es mit dem Jahre der Erfindung in der mindern Zahl correspondirt, theils deshalb, weil mit diesem Jahre die Anwendung der Buchdruckerei in Meklenburg so allgemein wird, daß eine weitere Fortführung der Geschichte die Zahl der Büchertitel ins Unglaubliche vermehrt haben würde. Auch liegen innerhalb des Zeitraums von 1476 bis 1540 alle Buchdruckereien, welche die Buchdruckerkunst in Meklenburg nach allen Seiten hin vollständig ausbildeten und die feste Grundlage aller ferneren Bestrebungen wurden. Bis zum Jahre 1540 beschränkt sich die Ausübung der Buchdruckerkunst allein auf die Stadt Rostock.

Es liegt nicht im Zwecke dieser Geschichte, über die vielen alten Druckwerke zu reden, welche außerhalb Meklenburg gedruckt sind und in den Archiven und Bibliotheken des Landes aufbewahrt werden 1 ); es ist hier nur von den Werkstätten die Rede, welche


(  ...  ) In dem Liber horarum canonicarum ecclesiae Lubicensis, im J. 1478 bei den Michaelis=Brüdern zu Rostock gedruckt (vgl. unten), steht fol. 137 a:
Nobile ut multa non ars impressoria laude
Digna: nec efferre sat quis nam potis est.vInventum tamen esse suum Germania iactat,
Quod doctam Italiam non reperisse pudet.
1) Unter den typographischen Seltenheiten, welche in Meklenburg aufbewahrt werden, nenne ich hier nur, um die Kunde davon aufzubewahren, ein im Großherzogl. Archive zu Schwerin befindliches Exemplar des vielbesprochenen xylographischen Ablaßbriefes vom J. 1454, welcher beginnt:
Vniuersis Christi fidelibus presentes litteras inspecturis. Paulinus Chappe Consiliarius ambasiator et procurator generalis Serenissimi Regis Cypri in hac parte salutem etc .
Das Datum dieses Exemplars ist hineingeschrieben und lautet von "Luneborch" 28 Januar 1455. Der Brief ist auf Pergament gedruckt und dem, im Facsimile in Antiqvariske Annaler III, 2, Tab. I, Kopenhagen, 1820, zu einer Abhandlung Nyerup's über alte gedruckte Ablaßbriefe, S. 211 flgd., mitgetheilten kopenhagener Exemplare, d.d. "Copenhauen" 29 April 1455, völlig gleich. (  ...  )
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innerhalb Meklenburg in der ältern Zeit thätig waren. Und da mag denn die bisher fast ganz unbekannte große Wirksamkeit dieser Werkstatten auffallen, welche sich über einen großen Theil von Norddeutschland, ja selbst über den fernern Norden erstreckte, des Umstandes hier nur beiläufig zu gedenken, daß in der ältern Zeit fast alle typographischen Bedürfnisse Meklenburgs nur durch meklenburgische Druckereien befriedigt wurden.

Die ältere Geschichte der Buchdruckerkunst in Meklenburg ist in vielfacher Beziehung von hohem Interesse; doch hatte die Bearbeitung derselben auch große Schwierigkeiten. Bisher war außer den ältesten allgemein bekannten Drucken nichts weiter bekannt, als einige abgerissen Bemerkungen und wenige Büchertitel im Etwas von gelehrten rostockschen Nachrichten, Jahrgang 1740, und in Panzers Annalen, und hin und wieder war eine seltene Nachricht in andern Büchern versteckt. Alles


(  ...  ) Man vgl. über diese in Holztafeln geschnittenen Vorläufer der mit beweglichen Lettern gedruckten Bücher: Wetters kritische Gesch. der Erfindung der Buchdruckerkunst und Sotzmann in Berliner Jahrb. f. wissensch. Kritik, 1836, Dec., Nr. 116 und 117, S. 934, 952, 954.
Ein Blatt von Durandi rationale divinorum offic., von Fust und Schöffer im J. 1459 zu Mainz auf Pergament gedruckt, ebenfalls im Archive zu Schwerin, als Actenmantel im 16. Jahrh. benutzt, läßt nur den Untergang des ganzen, höchst seltenen Drucks bedauern.
Wenn v. Lützow in seiner Mecklenb. Geschichte II, S. 360 sagt: "Das erste von Faust und Schöffer gedruckte Psalterium von 1457, das noch in 6 Exemplaren vorhanden sei, befinde sich in einem Exemplare auf der Universitäts=Bibliothek zu Rostock", so beruht diese Angabe wahrscheinlich auf einem Irrthum. Auf der genannten Bibliothek befindet sich kein Exemplar dieses seltenen Drucks. Der Irrthum läßt sich aber aufklären. Schröter sagt in seiner Rostockischen plattdeutschen Chronik, Rostock, 1836, S. XIII, daß zu dem Einbande der Handschrift dieser Chronik auf der Universitäts=Bibliothek "ein Bogen des seltenen Pergamentdrucks des Psalters von 1457 verwandt" sei. Dieser Bogen ist wohl durch Versehen für ein Buch genommen. Aber auch Schröter hat nicht Recht, indem die genannte Handschrift mit einem Blatte aus einem Missale der rostocker Michaelisbrüder eingebunden ist.
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war aber so unbedeutend, unvollkommen und unkritisch, daß an eine bloße Bearbeitung und kritische Untersuchung des schon gedruckten Materials nicht zu denken war; die Sache mußte von Grund aus ganz neu bearbeitet werden. Dabei stellte sich das größte Dunkel über die Geschichte der Buchdrucker, der sichersten Grundlage der Geschichte der Buchdruckerei, heraus. Zwar führten glückliche Entdeckungen und thätige Hülfe zum erstrebten Ziele; aber eben damit häuften sich die Schwierigkeiten, zumal da die bisher fast ganz unbekannte, jedoch höchst wichtige Druckerei des Hermann Barckhusen zum Vorschein kam. Es blieb daher nichts anders übrig, als, hoffentlich zum Besten dieser Abhandlung, möglichst vollständige Abrisse der unbekannten Lebensgeschichte der Buchdrucker unmittelbar aus den Quellen geschöpft vorauszuschicken, Darstellungen, welche außerdem noch die Kirchen= und Gelehrten=Geschichte Norddeutschlands in mancher Hinsicht aufhellen werden. In dieser Beziehung ist diese Arbeit eine fast ganz neue zu nennen.

Für die Drucke ist jede nur irgend zugängliche Quelle benutzt; auch die Anwendung der Buchdruckerei für Staatszwecke und für die gewöhnlichen Bedürfnisse des öffentlichen kirchlichen und bürgerlichen Lebens in Verordnungen und Placaten ist berücksichtigt. Es sind zu diesem Zwecke vorzüglich das Großherzogliche Geheime= und Haupt=Archiv zu Schwerin und das Raths=Archiv von Rostock durchforscht. An größern Bibliotheken sind besonders die Bibliotheken zu Rostock, Lübeck, Greifswald, Hamburg und Berlin durch mich, und für niederdeutsche Drucke in den Bibliotheken zu Wolfenbüttel und Braunschweig die Vergleichungen des Herrn Dr. Deecke benutzt, durch den Herrn Dr. Bölling zu Kopenhagen zum Theil auch die dortige Bibliothek, obgleich auf dieser noch manches versteckt sein mag, was sich für den besondern Zweck nicht leicht auffinden ließ; auch der Reichthum alter meklenburgischer Kirchen=Bibliotheken, wie zu Friedland, Lübz und Rostock 1 ), ist berücksichtigt, und sonst viel Einzelnes, was


1) Von den alten Kirchen=Bibliotheken gab nur die Bibliothek des geistlichen Ministerii in der Marien=Kirche zu Rostock Ausbeute, und in dieser nur die Bücher, welche dem ehemaligen Carthäuser= (  ...  )
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hier und da versteckt lag, ans Licht gezogen, überhaupt alles Mögliche aufgeboten, um zur Vollständigkeit zu gelangen. Viele Bemühungen sind freilich erfolglos geblieben und es mag sich im Laufe der Zeit noch manches Einzelne finden 1 ), nachdem das Ganze erkannt ist; jedoch ist die Hauptsache umfassend erforscht und die Grundlage sicher gelegt. Dies ist freilich nur durch Jahre lang ununterbrochene, unverdrossene und freundliche Mitarbeit mehrerer gelehrter Freunde möglich geworden, denen hier öffentlich den wärmsten Dank zu sagen ich nicht unterlassen kann; vorzüglichen Theil an dieser Arbeit haben die Herren: Senator und Archivar Dr. Crumbiegel zu Rostock, Gymnasiallehrer Dr. Deecke zu Lübeck, Custos der königl. preußischen Bibliothek Dr. Friedländer zu Berlin, Professor Dr. Kosegarten zu Greifswald, Archivar Dr. Lappenberg zu Hamburg und Universitäts=Bibliothekar Baron von Nettelbladt zu Rostock.

Das ganze bewegte und wirksame Leben der rostocker Druckereien kann nur aus den Darstellungen selbst begriffen werden; doch möge ein Resultat die Sache von vorne herein empfehlen, nämlich der Umstand, daß Rostock sicher von 1514 bis 1524 zu gleicher Zeit drei thätige Buchdruckereien hatte, ein Fall, der unter ähnlichen Verhältnissen gewiß selten vorkommt.


(  ...  ) Mönchs=Kloster Marienehe (Lex Mariae) (jetzt Marne) bei Rostock angehört hatten, in denen geschrieben stand: "Liber fratrum Carthusiensium domus Legis Mariae prope Rostock." Diese Bücher gaben vorzüglich viel seltene einzelne Blätter, welche hinten und vorn in die Bücher gebunden waren, eine so reiche Quelle, wie sie wohl nicht häufig für dergleichen Seltenheiten gefunden wird.
1) Nachtrag zu S. 66, 67 und 72. In Hermanni Buschii Specilegium vom J. 1507 heißt es in der Dedications=Epistel an Johann Sunnenberg, Rector der Regentie zum Einhorn zu Rostock:Et vt Vergilii (quem tu diligentissime hoc anno profiteris in academia Rostochiensi) versibus tecum loquar.
Der Virgil ward also in den Jahren 1507 und 1508 viel in Rostock gebraucht und war daher wohl Buchhändlerartikel von Hermann Barckhusen.
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Es folgen hier die Geschichten der rostocker

I. Buchdruckerei der Brüder vom gemeinsamen Leben zu St. Michael (1476-1531).

II. Buchdruckerei des Stadt=Secretairs Hermann Barckhusen (1505-1515) und die Fortführung derselben durch L. Dietz.

III. Buchdruckerei des Raths Dr. Nicolaus Marschalkus Thurius (1514-1524).

IV. Buchdruckerei des Buchdruckers Ludwig Dietz (1515-1540 und folg.).

Schwerin.

G. C. F. Lisch.

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Inhaltsanzeige.


S.
I. Buchdruckerei der Brüder vom gemeinsamen Leben zu St. Michael in Rostock 1
   1) Ueber die Brüder vom gemeinsamen Leben überhaupt 1
   2) Das Frater-Haus der Brüder vom gemeinsamen Leben zu St. Michael in Rostock 7
      a. Entstehung und Wachsthum des Hauses 7
      b. Geist und Regel der Brüderschaft 12
      c. Kirchliche Wirksamkeit der Brüderschaft 14
      d. Besitzungen der Brüderschaft 17
      e. Verfassung der Brüderschaft 20
      f. Verfall und Untergang des Bruderhauses 23
   g. Gebäude des Bruderhauses 30
   3) Druckerei der Michaelis-Brüder 35
   4) Drucke der Michaelis-Brüder 44
II. Buchdruckerei des Stadt-Secretairs Hermann Barckhusen zu Rostock 63
   1) Leben und Druckerei des H. Barckhusen 63
   2) Drucke von H. Barckhusen 77
III. Buchdruckerei des herzoglichen Raths Dr. Nicolaus Marschalk Thurius zu Rostock 92
   1) Leben des Dr. Nic. Marschalk 92
   2) Druckerei des Dr. Nic. Marschalk 103
   3) Drucke von Dr. Nic. Marschalk 110
IV. Buchdruckerei des Buchdruckers Ludwig Dietz zu Rostock 134
   1) Leben und Druckerei des L. Dietz 134
   2) Drucke von L. Dietz 143
V. Anhang. Ueber Reineke Voß und Nicolaus Baumann 186
   A. Ueber das Leben und die amtliche Thätigkeit des Nic. Baumann in Meklenburg 188
   B. Ueber den Antheil des Nic. Baumann an der Herausgabe des niederdeutschen Reineke Voß 196
   C. Beilagen 205
VI. Urkunden-Sammlung: Urkunden der Brüder vom gemeinsamen Leben zu Rostock 209

 

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I.

Buchdruckerei

der

Brüder vom gemeinsamen Leben

zu

St. Michael in Rostock.


1.
Ueber die Brüder vom gemeinsamen Leben überhaupt.

U eber die sogenannten Michaelis=Brüder oder die Brüder vom gemeinsamen Leben im Frater=Kloster zu St. Michael in Rostock ist bisher in unserer Landesgeschichte noch nicht das, zur Erkenntniß der Brüderschaft nöthige Licht verbreitet. Es kann nicht die Absicht sein, die vielen, im vorigen Jahrhundert verbreiteten Irrthümer und entstandenen Dunkelheiten, nach welchen die "Michaelis=Brüder" irgend einem der bekanntern Mönchs=Orden angehören sollten, zu widerlegen und aufzuhellen. Nach den neuern kirchengeschichtlichen Forschungen sind wir jetzt im Stande, ohne Rückblick auf frühere Irrthümer die Verfassung und den Geist dieser Genossenschaft in ihrer Wirklichkeit klar darzustellen 1 ) und dadurch helles Licht über die rostocker Brüderschaft zu verbreiten.


1) Das neueste Werk über die Brüder vom gemeinsamen Leben ist:
Johann Wessel, ein Vorgänger Luthers, von Ulmann, Hamburg 1834, - und vorzüglich: Erste Beilage: Ueber die Brüder vom gemeinsamen Leben, S. 389 bis 448; vgl. auch S. 34 flgd.
Die zunächst folgenden allgemeinen Schilderungen sind, oft wörtlich, diesem ausgezeichneten Werke entnommen.
Die neuern Forschungen über diese Brüderschaft sind vorzüglich angeregt durch:
G. H. M. Delprat Verhandeling over de Broederschap van G. Grote en over den Invloed der Fraterhuizen etc Utrecht, 1830 (eine gekrönte Preisschrift).
Vgl. Ulmann, S. 445.
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Das Verderbniß des öffentlichen und kirchlichen Lebens im Fortschritte des Mittelalters rief, besonders seit dem 12. Jahrhundert in den Abendländern, in ernstern Gemüthern einen tiefern christlichen Sinn hervor und nöthigte Männer und Frauen, welche einen reinern Geist bewahrten und pflegten, sich von dem Treiben der Welt zurückzuziehen; es blieb ihnen, da auch die Klöster nicht selten von dem Verderben der ganzen Kirche mit ergriffen waren, nichts weiter übrig, als in freien brüderlichen Vereinen zusammenzutreten, um in denselben einen ernstern evangelischen und praktischen Geist zu pflegen. Diese freien Vereine trugen zum Theil äußerlich die Form des Klosterlebens, blieben aber frei von dem Zwange und dem hierarchischen Verbande desselben.

So zieht sich durch den größern Theil des Mittelalters, von der Hierarchie häufig gedrückt und verfolgt, mehr dem Leben des Volkes, als dem Wirken der Kirche zugewandt, eine Reihe freier geistlicher Genossenschaften, in mehr oder minder geregelter Form und verschiedenen Lehren zugethan, aber alle in dem Grundbestreben nach einem evangelisch=praktischen Christenthume übereinstimmend.

Zuerst bildeten sich seit dem 11. Jahrhundert in den Niederlanden, zum Theil veranlaßt durch das Mißverhältniß der Geschlechter, welches die Kreuzzüge hervorbrachten, die Frauengesellschaften der Beghinen 1 ); zu ihnen gesellten sich, besonders seit dem 13. Jahrhundert, die Männervereine der Begharden 2 ), und seit dem Beginne des 14. Jahrhunderts kamen die Lollharden hinzu 3 ).

In den nördlichern Gegenden wurden, seit der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts auch in Meklenburg, die vielfachen geistlichen Gesellschaften der Brüderschaften, Schwesterschaften, Graale, Gilden, Kalande sehr verbreitet. Von dem allgemein theilnehmenden Geiste des bürgerlichen Lebens geschützt, blühten diese Gesellschaften bald auf und wurden nur von der Inquisition und den Bettelmönchen verfolgt.

Dennoch fehlte es diesen Gesellschaften, wie es gewöhnlich bei kleinern religiösen Vereinen der Fall ist, an einer klarern Erkenntniß und kräftigern Regelung, so warm und innig auch die Frömmigkeit sein mochte, welche in ihren Kreisen herrschte.


1) Bereits im J. 1065 bestand ein Beghinenverein zu Vilvorden in Brabant; vgl. Hoffmann von Fallersleben Altniederländ. Schaubühne, Breslau, 1838, S. 232.
2) Das älteste Beghardenhaus ist das zu Löwen vom J. 1220; vgl. Hoffmann a. a. O.
3) Ueber die Lollharden vgl. Hoffmann a. a. O.
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Sollte sich die bessere Richtung dieser Gesellschaften behaupten, so mußten diese zu einer höhern Stufe allgemeiner Geistesentwickelung geleitet werden. Und dies geschah durch die Brüder vom gemeinsamen Leben (fratres communis vitae), welche in ihrem Streben zu dem praktischen Wirken einen wissenschaftlichen Geist, zu der gefühlvollen Innigkeit eine reinere Erkenntniß gesellten.

Der erste Urheber dieser neuen Entwickelungsreihe war Gerhard Groot (Gert Groete, Gerhardus Magnus), geboren 1340 und gestorben 1384 zu Deventer, wo eine bedeutende Schule war. Er nahm im reifern Alter wieder seinen Sitz zu Deventer und versammelte hier einen Kreis von Schülern und jüngern Freunden um sich, in den er sich nach und nach ganz zurückzog. Dieser Kreis ward von selbst immer größer, bis endlich aus demselben die Stiftung des gemeinsamen Lebens hervorging, indem Gerhard Groot demselben als einer geschlossenen Gesellschaft bestimmtere Regel und Begrenzung gab. So bildeten die Gleichgesinnten und Gleichgebildeten bald eine geschlossene Gesellschaft, und als die Art ihres Zusammenlebens Nachahmung fand, einen religiösen Bund, der in familienartige Vereine getheilt war, welche stets im Innern eine lebendige Gemeinschaft erhielten. Dieser Verein des gemeinsamen Lebens hatte eine gewisse Aehnlichkeit mit den philosophisch=ascetischen Bundesgenossenschaften des heidnischen und jüdischen Alterthums, aber er war freier, offener und praktischer, jedoch wieder dem Mönchsleben verwandt, aber, da keine Verpflichtung auf Lebenszeit statt fand, zwangloser und von einem edlern Geiste beseelt, der mehr das Wohl Anderer, als das eigne zum Zielpunkt hatte; denn der Hauptzweck dieses Vereins lag in der Begründung, Darstellung und Verbreitung eines praktisch=christlichen Lebens. Diesen Zweck suchten die Brüder zunächst an sich selbst zu erreichen in der ganzen Art ihres Zusammenseins durch eine sittlich strenge, einfache, aber doch nicht mechanisch geregelte Lebensweise, durch freundlich stille gegenseitige Hülfe, Arbeit und Dienstbarkeit für das Wohl der Welt, durch fromme Mittheilungen, sittliche Bekenntnisse, Vorlesungen und Andachtsübungen; nach außen hin wirkten sie für ihre Zwecke durch Abschreiben und Verbreiten der heiligen Schrift, besonders der Evangelien, der Apostelgeschichte und der Briefe Pauli, ferner zweckmäßiger religiöser Aufsätze, erbaulicher Schriften der Kirchenväter und anderer Religionslehrer, wie der Bücher von Augustin, Anselm, Bernhard u. A., besonders aber durch christlichen Volksunterricht, durch Be=

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lebung und Verbesserung der Jugendbildung, in welcher sie Epoche machten, indem sie das Erlernen des Lesens und Schreibens Allen, Reichen und Armen, zugänglich machten.

Nach Gerhards Tode (20. August 1384) gingen die Vorsteher und Leiter seiner Stiftungen auf dem von ihm eingeschlagenen Wege fort, und in kurzer Zeit waren an den verschiedensten Orten von Holland, Geldern, Brabant, Friesland, Westphalen Brudervereine gegründet. Gerhards Nachfolger gaben dem Werke Verbesserungen und Erweiterungen, durch welche das Ganze mehr Regelung und Haltung gewann. Vorzüglich war es Florentius Radewin (1384 gest. 1400), welcher Gerhards letzten Lieblingswunsch in Erfüllung brachte, indem er im Jahre 1386 den Plan zu einem Kloster regulirter Kanoniker entwarf, welches den Mittelpunkt für die Männer= und Frauen=Vereine des gemeinsamen Lebens bilden sollte. Der Herzog Wilhelm von Geldern begünstigte das Unternehmen und der Bischof von Utrecht, Florentius von Wewelinkhoven, gab seine Genehmigung. So kam das Kloster der mit den Brüdern des gemeinsamen Lebens verbundenen Kanoniker zu Windesem oder Windesheim zu Stande, auf welches bald andere ähnliche Anstalten folgten, namentlich das Kloster auf dem St. Agnesberge bei Zwoll.

Fortan bildeten die Stiftungen der regulirten Chorherren oder der Kanoniker des gemeinsamen Lebens, welche in der strengern Form des Mönchslebens in Klöstern vereinigt waren, den mehr abgeschlossenen Mittelpunkt der Brüderschaft, und gaben dieser Ordnung und Regelung.

Die größere, freier sich bewegende, mehr in das Volksleben eindringende Masse der Gesellschaft bestand aus den gewöhnlichen Brüdern des gemeinsamen Lebens, welche entweder in Bruderhäusern, Fraterhäuser genannt, beisammenwohnten, oder einzeln und zerstreut in geistlichen Aemtern standen und für die Jugendbildung wirkten, aber in steter Verbindung mit dem großen Vereine waren. Die gewöhnlichen Brüder des gemeinsamen Lebens theilten sich wieder in Priester, Kleriker und Laien; die Priester hatten die gewöhnliche Priesterweihe und andere gelehrte Würden genommen; der Stand der Kleriker correspondirte dem Mönchsstande, jedoch ohne Gelübde auf Lebenszeit; die Laien bestanden aus Leuten aller Art aus dem bürgerlichen Leben, aus Künstlern, Handwerkern und Arbeitern aller Art, welche den

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mannigfaltigen Zwecken der Brüderschaft dienten. In einem Fraterhause lebten immer ungefähr 20 Brüder aus den drei Abtheilungen der Brüderschaft zusammen, hatten gemeinsame Casse und Speisung und verrichteten, außer den von jedem besonders übernommenen Hauptgeschäften, wechselsweise bereitwillig die zur Erhaltung des Hauses nothwendigen häuslichen Dienste. Die gewöhnliche Kleidung der Brüder war ein grauer Oberrock (Gerhard Groote kleidete sich in grau); das Haupt war mit einer grauen Kappe bedeckt, woher sie auch cucullati (Bekappeten) genannt wurden. Jedem Hause stand ein Vorsteher vor, welcher Rector, Pater, Präpositus, Prior oder Verweser genannt und aus der Mitte der Brüder gewählt ward; ihm zur Seite stand ein Vicerector; besondere Aemter und Geschäfte hatten der Procurator oder Oeconom, der Scripturarius, der das Geschäft des Abschreibens beaufsichtigte, der Librarius, der den Vertrieb der Bücher besorgte, der Magister novitiorum, Infirmarius, Hospitiarius, die Scholares, welche den Schulunterricht ertheilten, und sodann die einzelnen Handwerker, Arbeiter und Novizen. - Die Ordnung der Gesellschaft beruhte nicht auf eigentlichen Regeln oder Gesetzen, sondern auf Sitten und Gewohnheiten, welche durch Herkommen und Uebereinkunft oft zu Satzungen wurden.

Zu gleicher Zeit und nach denselben Grundsätzen entwickelten sich auch die Frauenvereine des gemeinsamen Lebens.

Florentius Radewin starb im Jahre 1400; er ist der vollständige Gründer, Ordner und Befestiger des Instituts. Nach ihm leuchteten viele große Männer aus dem wohlthätigen Streben der Brüderschaft hervor, wie Gerhard Zerbold, auch Gerhard von Zütphen genannt († 1398, 31 Jahre alt), Thomas von Kempen († 1471, 91 Jahre alt), der berühmteste der Brüder des gemeinsamen Lebens, Johann Wessel, der wahre Vorläufer der Reformation, wie überhaupt das ganze Wirken der Brüderschaft die sich von selbst entwickelnde Reformation genannt werden kann.

Die Wirksamkeit der Brüder umfaßt beinahe zwei Jahrhunderte; ihre Blüthe erstreckt sich etwa von 1425 bis in den Anfang des 16. Jahrhunderts, in welchem Zeitraume des Verfalls sie fast allein unter allen geistlichen Vereinen dem Forscher einen tröstlichen Rückblick gewähren. Die meisten Bruderhäuser wurden um 1425 und 1450 gestiftet.

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Unter den Päpsten zeigten sich besonders Martin V., Eugen IV. und Pius II. der Brüderschaft geneigt 1 ).

Den Verfall und Untergang der Brüderschaft bewirkten mehrere Ursachen; theils wurden sie durch die seit der Reformation entstandenen Schulen und durch den großen kaufmännischen Verkehr der Buchdruckerei überflüssig, theils bewahrten sie nicht den ursprünglichen Geist der Verbrüderung, ohne daß sie sittlich sanken, oder sie schritten nicht mit dem Geiste der Zeit fort, theils machte man mit der Zeit keinen großen Unterschied zwischen den Fraterhäusern und den Mönchsklöstern und stürzte bei der allgemeinen Säcularisirung in den niederdeutschen Ländern, der eigentlichen Heimath des gemeinsamen Lebens, jene mit diesen, theils gaben sie durch ihre schroffe Haltung, im Bewußtsein des Werthes ihrer Brüderschaft, gegen die Jünger einer geistreichen, bewegten Zeit Anstoß, und so erstickte man sie grade nicht, gab ihnen aber auch keine Nahrung, bis sie, wenn auch ehrenvoll, doch unrettbar in der Mitte des 16. Jahrhunderts untergingen.

Dies sind die allgemeinen Grundzüge der Geschichte der Brüderschaft vom gemeinsamen Leben, welche zur Erkenntniß der Wirksamkeit des Fraterklosters zu Rostock unumgänglich erforderlich sind, aber auch helles Licht über dieselbe zu verbreiten im Stande sein werden.


1) Das Verzeichniß einer Sammlung sehr seltener und werthvoller Handschriften und Bücher, welche dem Meistbietenden abgelassen werden sollen, Hamm, 1838, scheint ein sehr ehrenwerthes Monument der ältern Brüder vom gemeinsamen Leben zu sein, indem alle hier ausgebotenen Handschriften und Bücher von diesen Brüdern zu stammen scheinen. Namentlich ist wichtig:
Nr. 33. Thomae a Kempis sermones XXX ad novitios regulares, tractatus in quibus consistat disciplina claustralis aliique eiusdem tractatus. Vita Gerardi Groet et sequacium eius. Vita Florencii Daventriensis, discipuli Gerardi de Groet, aliaeque vitae. Vitae Lidewigis virginis libri II. - Sehr wichtige, in der ersten Hälfte des XV Jahrhunderts geschriebene Handschr., theils auf Perg., theils auf Papier, gegen 300 Bl., 4. und außerdem manche andere Handschriften von Gerhard Groet, Thomas von Kempis u. A.
Unter den Drucken ist wichtig:
Nr. 15. Francisci de Marone sermones, S. 1. et a. (Bruxellis, apud fratres vitae communis) absque sign., cust. et pag. - Höchst selten.
Außerdem viele Drucke von Paffrod zu Deventer, z. B. Nr. 23. Discipuli sermones de tempore per anni circulum. S. 1. et a. (sed Daventr. Paffrod circ. 1479).
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2.
Das Frater=Haus der Brüder vom gemeinsamen Leben zu Rostock, genannt der Grüne Hof zu St. Michael.

a) Entstehung und Wachsthum des Hauses.

Die ersten Nachrichten 1 ) von dem Frater=Hause zu Rostock, welches das einzige in den Ostseeländeen 2 ) gewesen zu sein scheint, stammten bisher aus jener Zeit, wo es schon in voller Blüthe stand, nämlich aus dem J. 1476, als das erste bekannte Buch aus der Druckerei der Brüder erschien. Dennoch mußte die Stiftung schon früher erfolgt sein 3 ), da die Brüder unmittelbar nach der Herausgabe ihres ersten Drucks schon so viel erworben hatten, daß sie Kloster und Kirche bauen konnten und schon vorher Buchdruckerei und Buchladen hatten anlegen können.

Da nach der Urkunde vom 8. Oct. 1559 4 ) die Brüder mit ihrem ganzen Besitze auch alle ihre Urkunden dem Rathe der Stadt Rostock verschrieben, so mußten diese auch wahrscheinlich in dem Stadt=Archive zu Rostock aufbewahrt werden. Und wirklich haben sich diese Urkunden, von denen die wichtigern in dem angehängten Urkunden=Buche mitgetheilt sind, auch im Stadt=Archive zu Rostock gefunden 5 ), so daß jetzt die Abfassung einer vollständigen Geschichte 6 ) der rostocker Brüderschaft möglich geworden ist.


1) Bisher waren keine andere Urkunden über die rostocker Brüderschaft bekannt, als diejenigen, welche über den Untergang des Fraterhauses im "Etwas von gelehrten rostockschen Nachrichten" 1739, S. 649 (Nr. XXVI und XXVII der Urkunden=Sammlung zu dieser Abhandlung) gedruckt sind.
2) ach der Urk. Nr. IX bestand ein Schwesternhaus zu Neustadt in Holstein, an der Ostseeküste, in der Nähe des Klosters Cismar. Nach einem Repertorium im Stadt=Archive zu Rostock scheint auch ein Schwesternhaus in der Stadt Stralsund gewesen zu sein, wenn es nicht mit dem Brigittenkloster zu Stralsund verwechselt ist.
3) Krey in seinen "Beiträgen zur meklenb. Kirchen= und Gelehrten=Geschichte", II, S. 198, sagt aus Vermuthung:1450 (noch wohl früher): Frater= (Michaelis=) Closter zu Rostock".
4) Vgl. Urk. Nr. XXVII.
5) Nachdem der Rath der Stadt Rostock die Benutzung der Urkunden der Brüderschaft bereitwilligst gestattet hatte, habe ich die mühsame Aufsuchung und die Vorlegung der zerstreueten Pergamente, so wie die Mittheilung anderer, höchst interessanter Nachrichten zur Buchdruckergeschichte der unverdrossenen Freundlichkeit des Herrn Senators und Archivars Dr. Crumbiegel zu danken.
6) Die Urkunden der rostocker Brüderschaft belaufen sich auf ungefähr 60 Stück. Von diesen habe ich alle diejenigen, welche ein allgemeineres Interesse haben oder wichtige Vorfälle berühren, ungefähr die Hälfte, abgeschrieben und in der Urkundensammlung mitgetheilt. Die übrigen, fast alle Rentenverschreibungen oder Cessionen, sind für die Geschichte des Fraterhauses excerpirt.
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Die Gründung des Frater=Hauses hängt ohne Zweifel mit der Stiftung der Universität Rostock (1419) in der Art zusammen, daß die aufblühende Universität, die, als eine niederdeutsche, den niederländischen Brüdern vom gemeinsamen Leben näher lag, als irgend eine andere deutsche, die Brüder nach sich zog, welche an dem wissenschaftlichen Institute Stütze und Nahrung fanden: denn nur so möchte sich das Herbeiströmen so vieler Niederländer und auch Graduirter von Paris zu der rostocker Hochschule nach der alten Universitäts=Matrikel 1 ) erklären lassen. Auch die im J. 1466 in der alten Hansestadt Rostock gestiftete allgemeine Landfahrer=Krämer=Compagnie (von Messekaufleuten, im Gegensatz der Seefahrer,) mochte viel zur fernern Belebung der Brüderschaft beitragen, da diese Compagnie jährlich viele Niederländer nach Rostock zog.

Gestiftet ward das Frater=Haus zunächst vom "Frater=Hause zum Springborn binnen der Stadt Münster in Westphalen" 2 ), welchem auch der Convent von Rostock bis zu seiner Auflösung unterworfen blieb 3 ). Die Brüder zu Rostock nannten sich im Verlaufe der Zeit die "Herren Priester, Kleriker und Brüder vom gemeinsamen Leben des Hauses vom Grünen Hofe zu St. Michael binnen der Stadt Rostock" 4 ).

Nach den vorhandenen Urkunden läßt sich jetzt die äußere Geschichte des Bruderhauses klar darstellen. Die Brüder vom gemeinsamen Leben waren ungefähr im J. 1462 5 ) nach Rostock gekommen; denn am 8. Sept. 1462 wurden von zwei rostocker Priestern, Nicolaus Mund und Laurentius Culemann, für zwei Priester von der neuen Congregation des gemeinsamen Lebens der Brüder zum Grünen Hofe zu Rostock 6 ) zwei Commenden in der Kirche des cistercienser Nonnenklosters zum Heil. Kreuz in Rostock fun=


1) Die rostocker Universitäs=Matrikel ist im Auszuge mitgetheilt im Etwas, für das 15. Jahrhundert vorzüglich vom J. 1739.
2) Das Fraterhaus in Münster blühte schon seit dem Jahre 1400. Vgl. Erhard in Zeitschr. f. westphäl. Gesch. etc I, 1, Münster, 1838, S. 28.
3) Vgl. Urk. Nr. V, IX und XXVI.
4) Vgl. die Urkunden=Sammlung in den meisten Urkunden.
5) Die Kirche vor dem (kröpeliner) Thore, welche im J. 1394 durch Ablaß gegründet und sehr vielen Heiligen, unter denen der H. Michael obenansteht, geweihet ward, ist die St. Gertrudenkirche, da unter den Heiligen der Kirche in den Original=Urkunden der Name der H. Gertrud mit großen Anfangsbuchstaben geschrieben ist, welche dazu roth durchstrichen sind. Diese Kirche hat mit dem Bruderhause zu St. Michael nichts gemein, wenn man auch wohl hin und wieder darauf gerathen sein mag.
6) Vgl. Urk. Nr. I.: "presbiteri de nova congregatione communis vite fratrum viridisorti Rostoc".
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dirt und mit 600 Mk. Capital dotirt, eine Fundation, welche für die Brüderschaft von den wichtigsten Folgen ward. Es waren drei Brüder Priester, wahrscheinlich aus dem Frater=Hause zu Münster, welche zuerst nach Rostock kamen, nämlich: Heinrich Xantis (von Xanten?), Nicolaus von der Nienborg (de novo castro), auch von Deer zubenannt, späterhin Rector des Frater=Hauses, und Heinrich Loen 1 ).

Nach einer Urkunden=Registratur schenkte der besondere Wohlthäter der Brüderschaft, der Priester Nicolaus Sukow, der eine Zeit lang auch Probst des Klosters zum H. Kreuz war, schon im J. 1463 den Brüdern 12 Mark Renten aus einem Hause in der Schnickmannsstraße und aus Peters von Cölln Hause und Hofe. Auf diesem Hofe Peters von Cölln am Kuhthor 2 ), in der Nähe der Beginen, am Ende des noch jetzt sogenannten Beginenberges 3 ), ungefähr dort, wo jetzt das Stadt=Krankenhaus an der Stadtmauer steht, wohnten die Brüder zuerst, wenn ihnen auch der Hof nicht eigenthümlich gehörte. Schon bei der Einwanderung legten sie ihrer Stiftung den Namen des Grünen Gartens (viridisorti, d. i. viridis horti) oder des Grünen Hofes bei, welchen sie auch nach Versetzung ihrer Wohnung beibehielten.

Hier blieben die Brüder jedoch nicht lange. Schon Ostern 1464 verlieh ihnen das Kloster zum Heil. Kreuz 4 ), damit sie desto bequemer ihr Amt in der Kirche dieses Klosters verrichten könnten, für eine jährliche Rente von 16 Mark rostocker Münze mehrere dem Kloster gehörende Gebäude, nämlich einen Bauhof, zwei Buden, eine Kemenade oder kleinere


1) Vgl. Urk. Nr. II und VII.
2) Vgl. Urk. Nr. II und VII. "brodere der samelinghe nu tor tiid wanende vp deme haue wanner tiid Peters van Collen beleghen by deme kodore".
3) Aus dem Stadtbuche des 16. Jahrh. ist mir durch die Güte des Herrn Cämmerei=Secretairs Päpcke folgender Auszug erlaubt: daß Kuhedohr So nun zur bürgerlichen Custodie eingerichtet ist worden.Die Westenseit Descendendo.Aus dem Schwartzen Haußbuche anno 1470.Laurentius Pyelsticker cum consensu Gretken vxoris suae, tanquam heredes Hinrici Schonemurs cum consensu etiam fratrum communis vitae, vendiderunt Consulatui Rostockcensi domum eorum ante valvam Khodohr, prope Mindeman sitam, cum curia et dohrwege, euntem ad montem Baginarum cum suis attinentiis, quam, ut ipsorum erat, ipsi Consulatui resignaverunt et warandiam promiserunt".
4) Vgl. Urk. Nr. II; vgl. Nr. VI u. a. a. O.
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Wohnung" und andere verfallene Gebäude, in der schwanschen Straße an der Stadtmauer, links am Ausgange zum Thore, an der Ostseite. Die Verleihung dieser Gebäude, welche die Brüder nicht verschlechtern, vielmehr zum Neubau nach ihrem Gefallen benutzen sollten, war der Grund zur festen Begründung und demnächstigen Erweiterung des Frater=Hauses. Hier wohnten sie denn auch bald darauf: nach zwei Schenkungs=Urkunden des Nicolaus Sukow sicher seit Michaelis 1469 1 ). Zu gleicher Zeit war denn auch der Convent vollzähliger eingerückt. An die Spitze desselben hatte sich bei der Installirung der Bruder Johannes Veghe vom Springborn in Münster, als derzeitiger Rector (rector pro tempore), gestellt; ihm zur Seite stand Nicolaus von Deer als Procurator; außerdem lebten im Bruderhause der Priester Johannes Stuve und vier Kleriker 2 ). Hier hatten sich die Brüder einstweilen häuslich und für ihre Andachtsübungen auch eine kleine Kapelle 3 ) eingerichtet. Von dieser Zeit an erhielten sie auch mehrere Schenkungen von Renten in und außerhalb Rostock; diese Schenkungen beginnen mit ihrer häuslichen Festsetzung im J. 1469 4 ), und nachdem sie die Tilgung der auf den Grundstücken haftenden Schulden möglich gemacht hatten 5 ).

Jetzt strebten die Brüder nach einer selbstständigen Existenz; und diese erreichten sie auch sehr bald möglichst vollständig. Die wichtigste Begünstigung war eine päpstliche Anerkennung. Schon der Papst Paul II. hatte ihnen am 29. Dec. 1470 ihre Anerkennung versichert und ihnen die Erlaubniß zur Anlegung einer Kapelle und eines Kirchhofes, so wie zur Erwählung eines eigenen Beichtvaters gegeben und sie vom Besuche ihrer Pfarrkirche befreiet, des Rechtes der Pfarrkirche unbeschadet. Dieser Papst war aber, vor Ausstellung der Bulle (28. Julii 1471), darüber weggestorben. Daher bewilligte ihnen diese Vorrechte sein Nachfolger, der Papst Sixtus IV., in


1) "Fratres presbiteri et clerici in communi viuentes viridis orti in Rostok prope portam dictam vulgariter dat Zwansche dor habitantes" (1469 Michaelis) - und: "de erliken hern prestere vnde clerken leuende van eren menen gudern vnde menen tafelen" (1469, Weihnacht). Vgl. Urk. Nr. III.
2) Vgl. Urk. Nr. III und Nr. VI.
3) Vgl. Urk. Nr. VIII.
4) Diese ersten Einkünfte, welche sie durch den Priester Nicolaus Sukow im J. 1469 durch mehrere Urkunden, und schon früher erhielten, sind in der Urkunde Nr. III aufgezählt.
5) Vgl. Urk. Nr. IV.
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einer Bulle vom 25. Aug. 1471 1 ), "ohne grade dadurch die Lebensweise der Brüder billigen zu wollen" 1 ). Diese Bulle ward an den Rektor Johann Veghe zum Springborn in Münster ausgefertigt. Jetzt eilten die Brüder, auch von ihrem Bischofe Werner von Schwerin eine Confirmation zu erhalten, vorzüglich aus Furcht, "gewisse Nachahmer ihrer Lebensweise möchten ihnen durch Schlauheit und Kränkung schaden" 2 ); um ihnen ihren mit Mühe erbauten Besitz zu sichern, ertheilte der Bischof ihnen die Confirmation am 3. Aug. 1472 3 ). Zur größern Sicherheit ihres fernern Strebens entsagte das Kloster zum Heil. Kreuze 4 ) am 11. Nov. 1472 allen Kündigungsrechten an den ihnen verliehenen Besitzungen und reservirte sich allein die Erhebung von ablöslichen 10 rostocker Mark Renten, da die Brüder schon 6 Mark abgelöset hatten. Hiedurch erlangten die Brüder einen möglichst freien Besitz ihrer Grundstücke; zur Verleihung des Eigenthums mochte sich der Rath der Stadt Rostock wohl schwerlich verstehen: sie gewannen auch nie ein freies Eigenthumsrecht. - Jetzt insinuirten die Brüder auch dem Pfarrer des Jacobi=Kirchsprengels die päpstliche Bulle 5 ).

Da machte sich der Rector des Frater=Hauses zum Springborn in Münster, Johannes Vege, derselbe, der das Bruderhaus zu Rostock gestiftet hatte, in Begleitung des Bruders Johannes Spikermann vom Bruderhause zu Hervorden, auf, um das Haus zu Rostock zu visitiren. Dies geschah am 4. Oct. 1475. Die Visitatoren fanden zwar die Einrichtung des Bruderhauses lobenswerth, jedoch auch manches zn verbessern; sie entfernten daher den leibesschwachen Rector Johannes von Iserlon, bestellten den bisherigen Procurator Nicolaus von Deer zum Rector und den Bruder Bernhard tom Dike zum Procurator und gaben dem Hause eine Regel, welche am Anfange eines jeden Monats vorgelesen werden sollte, bis zur nächsten Visitation 6 ). Der Bischof Balthasar von Schwerin bestätigte diese Regel, welche


1) Vgl. Urk. Nr. V. - Der Papst sagt: "non intendens propterea dictus Paulus predecessor uestrum modum vivendi in aliquo approbare". -
Die Päpste erblickten in allen den freien Vereinen, wie in denen der Beginen und Lollarden, nichts als Ketzerei.
1) Vgl. Urk. Nr. V. - Der Papst sagt: "non intendens propterea dictus Paulus predecessor uestrum modum vivendi in aliquo approbare". -
Die Päpste erblickten in allen den freien Vereinen, wie in denen der Beginen und Lollarden, nichts als Ketzerei.
2) "Timent tamen ipsi presbiteri et fratres de eommuni vita quorundamemulorum suorum astutiam et offensam", sagt der Bischof Werner.
3) Vgl. Urk. Nr. VI.
4) Vgl. Urk. Nr. VII.
5) Vgl. Urk. Nr. VIII.
6) Vgl. Urk. Nr. IX.
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er ein "Gesetz der Liebe" (cartam caritatis) nannte, am 4. Oct. 1475 1 ). Der neue Rector Nicolaus von Deer (1475-1490) muß ganz der Mann dazu gewesen sein, eine Brüderschaft zu regeln und empor zu bringen. Er verschaffte dem Bruderhause nicht allein fast allen Grundbesitz an der westlichen Seite der schwanschen Straße, vom Bruderhause am schwanschen Thore nach dem Hopfenmarkte hinab, und alle dahinter liegenden Wohnungen zu beiden Seiten der Altbüttelstraße 2 ), sondern führte auch den Bau der Kirche (1480-1488) aus und legte die Buchdruckerei (1475) an. Daher geschah es denn auch, daß der Bischof Balthasar von Schwerin, in Betracht der segensreichen Wirksamkeit der Brüder in den Diöcesen Cölln, Lüttich, Utrecht und Münster, am 31. März 1476 die Brüderschaft zu Rostock zu einer kirchlichen Congregation erhob und ihre Regel erneuete 3 ). Ihre kirchlichen Verhältnisse zur Mutterkirche wurden erst am 21. Junii 1485 so geregelt 4 ), daß die Brüder, mit Ausnahme der Entrichtung des Leichengeldes und des Vierzeitenpfennigs, kirchliche Freiheit erhielten, welche ihnen am 4. Julii 1499 bestätigt ward 5 ). Nachdem in dem Zeitraume von 1480-1488 die Kirche erbauet, und bald darauf geweihet war, verlieh der Bischof Conrad Loste von Schwerin, in gleicher Zuneigung zur Brüderschaft wie seine Vorgänger, am 21. April 1493 der Kirche einen vierzigtägigen Ablaß 6 ), den die Brüder darauf selbst ertheilten 7 ). Mit der Vollendung eines neuen Klostergebäudes im J. 1502 schließt der Wachsthum des Bruderhauses.

Nachdem die Stiftung und Befestigung des Bruderhauses erforscht ist, wird sich auch

b) der Geist und die Regel der Brüderschaft

darstellen lassen. Die innere Verfassung wird vorzüglich erkannt aus der päpstlichen Bulle 8 ), aus der Regel des vorgesetzten Rectors von Münster 9 ) und aus den Confirmationen der schwe=


1) Vgl. Urk. Nr. IX.
2) Die Erwerbung der Grundstücke des Bruderhauses geschah größtentheils in dem Zeitraume von 1476-1481.
3) Vgl. Urk. Nr. X.
4) Vgl. Urk. Nr. XIII.
5) Vgl. Urk. Nr. XVI.
6) Vgl. Urk. Nr. XIV.
7) Vgl. das Schema des Ablaßbriefes der Brüder unten bei den Drucken beim J. 1500, Nr. 10.
8) Vgl. Urk. Nr. V.
9) Vgl. Urk. Nr. IX.
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riner Bischöfe 1 ). Die Hauptgrundzüge der Brüderschaft bestehen, vorzüglich nach den Worten der päpstlichen Bulle darin, daß die Brüder:

1) als weltliche Cleriker,
2) in Gemeinschaft,
3) ohne Privateigenthum des Einzelnen,
4) von ihrer Hände Arbeit

leben 2 ). Vorzüglich wird das gemeinsame Leben und der Lebensunterhalt durch eigene Arbeit häufig hervorgehoben 3 ) und als empfehlenswerth gepriesen.

Nach der von ihrem Vorgesetzten ihnen gegebenen Regel und nach den bischöflichen Confirmationen läßt sich auch die innere Verfassung unter gewisse Grundgesetze bringen:

1) Die Brüder sollen dem Frieden, der Liebe und der Eintracht nachstreben; dies ist ihr höchstes Gesetz, ihre erste Regel.

2) Sie sollen in der Form von Weltgeistlichen in bestimmten Häusern und Collegien nach den Vorschriften der Evangelien und der heiligen Väter, auch der Päpste und ihrer vorgesetzten Kirchenobern zusammen wohnen.

3) Sie sollen nach dem Muster der Bruderhäuser zu Cölln und Münster in Gemeinschaft und brüderlich zusammen leben und verbotene Gewohnheiten und Einrichtungen vermeiden.

4) Sie sollen sich in kirchlichen Ceremonien und Gebräuchen nach den Vorschriften und Gebräuchen der schweriner Kirche richten.

5) Sie sollen sich einen tüchtigen, ehrenwerthen und geschickten Mann aus dem Priesterstande zum Rector wählen, der sich einen Procurator zum Gehülfen nimmt und mit dem Rath der Priester des Hauses die häuslichen Dienste ordnet.

6) Sie sollen dem Rector nach den Statuten und den Gewohnheiten der Brüderschaft und in allen häuslichen Angelegenheiten mit Ehrfurcht gehorchen.


1) Vgl. Urk. Nr. VI, IX, X.
2) Vgl. Urk. Nr. V:clerici seculares in communi vita de laboribus manuum suarum absque propriis viventes".
3) Vgl. Urk. Nr. X: "in communi absque rerum proprietate viventes, eciam de manuum suarum labo'ribus necessaria conquirentes, - - ex quorum vita et actibus exemplaribus plurima - monasteria - - felicia incrementa multipliciter susceperunt ac in dies suscipiunt". - Urk. Nr. XXVI: "myt vnserem egen vnd dorch vnsen arbeit vnd flyte vordeinte geld gekofft - - vnde mit vnsen eigenen henden vpgebuwet". - Vgl. Krey Beitr.I, S. 343: Fratrum domus, - - qui eam suo sumptu et labore exstruxerunt"; vgl. Chytraeus orat. de vrbe Rostoch. u. Etwas 1739, S. 19.
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7) Sie sollen in Angelegenheiten des Hauses und in den Capitel=Verhandlungen, zu deren Berathung nur ordinirte Geistliche zugelassen werden, unverbrüchliches Schweigen beobachten.

8) Sie sollen, mit Ausnahme des Rectors und des Procurators, kein Geld bei sich bewahren oder zum eignen Gebrauche ausgeben, es sei denn auf ausdrückliche Erlaubniß des Rectors.

9) Sie sollen alle ihre Güter immer als gemeinschaftliche betrachten und keine Testamente machen.

10) Sie sollen ihre Lebensbedürfnisse durch eigene Arbeit erwerben und nicht betteln und sollen ihre tägliche Arbeit nach den Anordnungen des Rectors mit Fleiß auszurichten streben.

11) Der Rector und die Aeltesten des Hauses sollen genau auf die Beschaffenheit derer achten, welche in die Brüderschaft aufgenommen werden wollen, daß nämlich diese einen guten Charakter und anerkannte Redlichkeit verbürgen, damit die Brüderschaft die Hoffnung einer segensreichen Wirksamkeit von ihnen hege.

12) Der Novizen=Meister vorzüglich soll für die tüchtige Unterweisung der Novizen und der Aufgenommenen sorgen, damit sie sich in jeder Tugend achtbar, zum Gehorsam geneigt, gesittet, besonnen und nüchtern, ehrerbietig gegen die Brüder, in und bei Allem aber als Verehrer der Demuth erzeigen 1 ).

Es waren also rein die Gebote der christlichen Liebe und die Gebräuche einer, auf Tugend gegründeten Gemeinschaft, denen die Brüder folgten; in kirchlichen Dingen beobachteten sie die Institutionen der kirchlichen Gemeinden, in denen sie lebten.

Folgten die Brüder im Allgemeinen auch den Einrichtungen und Gebräuchen der Brüderschaft überhaupt und besonders ihres Hauses, so hatten doch sowohl das Frater=Haus selbst, als eine kirchliche Congregation, als auch die Geweiheten unter den Brüdern eine

c) Kirchliche Wirksamkeit ,

deren nähere Betrachtung von nicht geringem Interesse ist.

Als die Brüder nach Rostock kamen, bildeten sie noch keinen geregelten Convent; sie fungirten einstweilen als das, was


1) Kurz und bündig werden diese Regeln in der Confirmation des Bischofs Balthasar vom 4. Oct. 1475, Urk. Nr. IX, also ausgedrückt:Ut singule persone domus monitis et preceptis patris humiliter "obediant, silentiam servent, vitium proprietatis "devitent, caritatem mutuo seminent, castitatem diligant, secreta capituli alienis non pandant, labores manuum et opera diurna iuxta dispositionem patris rectoris diligenter adimplere studeant".
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sie waren, als Priester, und erhielten als solche am 8. Sept. 1462 für zwei Priester aus ihrer Mitte zwei Commenden in der Kirche des Klosters zum Heil. Kreuz 1 ), eine Schenkung, welche den ganzen Flor der Brüderschaft zur Folge hatte. Am 12. Nov. 1499 verliehen ihnen die Burgemeister der Stadt Rostock, als Vorsteher des Hospitals und der Kirche zum Heil. Geist, einen Altar in dieser Kirche 2 ). -Nachdem die Brüder einen festen Wohnsitz gewonnen hatten, erlaubte ihnen der Papst Sixtus IV. am 25. Aug. 1471 3 ) die Weihung und den Gebrauch einer eigenen Kapelle und eines eigenen Kirchhofes, die Haltung des Gottesdienstes in der Kapelle und die Wahl eines eigenen Beichtvaters und befreiete sie von dem Besuche der Kirche zu St. Jacob, in welcher sie eingepfarrt waren, der Rechte der Pfarrkirche unbeschadet. Nachdem die Brüder vom schweriner Bischofe Confirmation 4 ) und vom Kloster zum Heil. Kreuze den ungestörten Besitz ihres Hauses erlangt hatten 5 ), insinuirten sie am 28. Nov. 1472 dem Pfarrer zu St. Jacob die päpstliche Bulle 6 ) und leiteten damit die Verhandlungen zur Befreiung von der Pfarrabhängigkeit ein. Der Pfarrer erwiderte, er sei auf eine Entscheidung nicht vorbereitet und müsse die Sache erst mit dem herzoglichen Patron der Kirche berathen. Zwar gab der Herzog und Bischof Balthasar ihnen am 31. März 1476 eine Constitution 7 ), in welcher er ihnen den Gebrauch einer Kapelle mit Altären und Glocken und eines Kirchhofes gestattete, ihnen auch erlaubte, daß ihr Rector oder sein Substitut der Brüder und anderer Kleriker, Studenten und Schüler Beichte höre und dieselben absolvire, daß sie die Sacramente, Messen und andere kirchliche Dienste verrichten, ein Siegel 8 ) führen, die Brüder durch den bischöflichen Vikar auf Vorschlag des Rectors ordiniren lassen könnten, ja daß der Rector die Gelübde an des Bischofs Stelle annehmen dürfe, daß sie zur Annahme geistlicher


1) Vgl. Urk. Nr. I.
2) Vgl. Urk. Nr. XVII.
3) Vgl. Urk. Nr. V.
4) Vgl. Urk. Nr. VI.
5) Vgl. Urk. Nr. VII.
6) Vgl. Urk. Nr. VIII.
7) Vgl. Urk. Nr. X.
8) Das schön geschnittene Siegel, welches die Brüder vom J. 1470 (vgl. Urk. Nr. III) bis zu ihrem Untergange führten, und welches den St. Michael in einer gothischen Nische mit der Umschrift:
Umschrift
enthielt, ist nach einem Original=Abdrucke Tab. I, Nr. 6, abgebildet.
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Pfründen bevollmächtigt und ihre Güter Kirchengüter sein sollten; - aber dennoch reservirte er immer noch die Ansprüche des Pfarrers an das Bruderhaus. Diese hörten auch so bald nicht auf, indem er noch am 26. April 1484 1 ) über die Zahlung der gewöhnlichen Priestergebühren, nämlich des Leichengeldes von 12 Schillingen für jede Leiche und des Vierzeitenpfennigs (eines Pfennigs an jedem der 4 großen Feste für jeden Kopf) quittirte. Endlich befreiete die Jacobi=Pfarre am 21. Junii 1485 2 ) die Brüder von jeder Abhängigkeit von der Pfarre und von jeder Leistung an dieselbe, mit Ausnahme der Zahlung des Leichengeldes und des Vierzeitenpfennigs. Nachdem der Bau der Kirche im J. 1488 beendigt war und der Bischof Conrad von Schwerin sie mit ihren sieben Altären geweiht hatte, verlieh dieser der Kirche in derselben am 21. April 1493 3 ) einen vom Papste bewilligten vierzigtägigen Ablaß, den die Brüder seit dem J. 1500 in gedruckten Fraternitätsbriefen selbst ertheilten 4 ). Alle diese Rechte, welche die Brüder nach und nach erwarben, beschränkten sich auf die Ausübung eines stillen Gottesdienstes innerhalb der Brüderschaft. Endlich erlangten sie eine freiere kirchliche Wirksamkeit, als am 4 Julii 1499 zwischen der Jacobi=Pfarre und dem Bruderhause ein feierlicher Vertrag 5 ), unter Vermittelung mehrerer geistlicher Würdenträger in Rostock und unter Consens des Bischofs und der Herzoge, dahin abgeschlossen ward, daß sie an gewissen Festtagen (wie am Michaelistage, am Kirchweihtage, Ostern und Pfingsten, am Stiftungstage (?) und an den Bettagen) vor Personen beiderlei Geschlechts öffentlichen Gottesdienst 6 ), jedoch ohne Predigt, halten und an diesen Tagen milde Gaben einsammeln dürften, wofür die Brüderschaft jedoch der Pfarre ein im Dorfe Bistow fundirtes Capital von 100 Mark


1) Vgl. Urk. Nr. XI.
2) Vgl. Urk. Nr. XIII.
3) Vgl. Urk. Nr. XIV. - Gryse im Leben J. Glüters zum J. 1526 sagt auch: "Tho St. Michael in dem Frater=Kloster - - weren 7 Altar, darvor Misse gelesen wart".
4) Vgl. das gedruckte Schema unter den Drucken beim J. (1500).
5) Vgl. Urk. Nr. XVI.
6) In Testamenten werden die Brüder öfter bedacht, damit sie Seelenmessen lesen. In einem Testamente des Dr. Thomas Wert im Großherzogl. Archive heißt es:
Item dedit et assignauit religiosis fratribus apud S. Michaelem ducentas marcas Lub., - - et vnus e dictis fratribus quotidie missam pro defunctis legat". - - Assignamus etiam fratribus S. Michaelis duas casulas, - - item librum missale secundum ritum ecclesie Halberstad. impressum".
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sund. abtreten mußte. Mit diesem Vertrage, den ihnen grade die Geistlichkeit schwer genug gemacht hatte, war die kirchliche Wirksamkeit der Brüder abgeschlossen.

d) Die Besitzungen der Brüderschaft.

Als die Brüder nach Rostock kamen, bewohnten sie im J. 1462 Peters von Cölln Hof auf dem Beginenberge; diesen Hof nannten sie schon damals, wahrscheinlich mit einem willkürlich beigelegten Namen, den Grünen Hof 1 ). Nachdem sie vom Beginenberge nach der schwanschen Straße gezogen waren (nach 1464), besaßen sie hier, durch die Verleihung des Klosters zum Heil. Kreuz, an der Westseite der Straße, am schwanschen Thore an der Stadtmauer, einen Bauhof, zwei Buden, eine kleinere Wohnung (Kemenade) und mehrere verfallene Gebäude 2 ). Hier richteten sie sich zuerst so gut als möglich eine Wohnung, ein Frater=Haus, ein, auf welches sie den Namen des Grünen Hofes übertrugen. Hinter diesem Hause führten sie vor dem Bau der Kirche eine kleine Kapelle zu ihren eignen gottesdienstlichen Uebungen auf; diese Kapelle war schon im J. 1471 fertig 3 ). Diese Kapelle war dem Heil. Michael, dem Schutzpatrone der rostocker Brüderschaft, geweiht; denselben Patron erhielt auch die später erbauete Kirche, und daher die Brüderschaft nach und nach den Namen des Klosters des Grünen Hofes zu St. Michael.

In kurzer Zeit gewannen die Brüder eine große Menge nahe liegender Wohnungen. Die wichtigste Erwerbung bestand darin, daß der Rathmann Heinrich vom Broke ihnen am Tage vor Jacobi 1476 seinen Hof und Baumgarten in der Altbüttelstraße westlich und südlich von der Brüder Hofe gab 4 ); dieser Hof muß an der Stelle der Michaelis=Kirche gelegen haben. Von diesen beiden Anfangspuncten aus erwarben sie nach und nach Besitzungen in beiden Straßen nach der


1) Vgl. Urk. Nr. I.
2) Vgl. Urk. Nr. II und III.
3) Vgl. Urk. Nr. V. - Ueber diese Kapelle giebt Nic. Grysen in seiner Historia von dem Leben J. Slüters zum J. 1526 Nachricht:
Tho S. Michael in dem Frater=Closter: Kerke, und in der Kapellen, so darsuluest im Bumhaue (Baumhofe) plach tho stande, waren 7 Altar, daruor misse gelesen wart".
Diese Kapelle stand unstreitig südlich neben der Kirche auf dem jetzigen Stadtbauhofe.
4) Nach einem Urkunden=Inventarium. - Hiedurch ging ihre Besitzung nach zwei Straßen ohne Unterbrechung hindurch. Dieser Baumgarten ist wohl ohne Zweifel der Baumhof, in welchem die alte Kapelle stand.
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Stadtmauer und nach dem Hopfenmarkte hin. In der schwanschen Straße zunächst am Bruderhause erhielten sie sehr bald 4 Buden oder Häuser und endlich im Jahre 1480 vom Rathmann Heinrich Meig 1 ) noch 4 Buden. - In der Altbüttelstraße, welche im 16. Jahrh. auch die Michaelisstraße hieß, besaßen sie seit 1470 Heinrichs vom Broke Hof und Baumgarten und gewannen dazu am Freitage vor Michaelis 1479 von den Bürgern Curd Eler und Hans Becker drei Buden nach dem Hopfenmarkt hin und nach der andern Seite hin im J. 1486 von dem rostocker Bürger Claus Becker, zu Suderkopingh wohnend, eine Bude. Endlich schenkte ihnen der rostocker Bürger Heinrich Timm im J. 1494 acht Buden in der Rakerighe 2 ), später auch der Grüne Weg 3 ) genannt, (d. h. in der Verlängerung der Altbüttelstraße nach der Stadtmauer hin, welche Verlängerung jetzt zum Theil zum Stadtbauhofe gelegt und durch einen Thorweg von der Straße geschieden ist,) und noch eine Bude in der schwanschen Straße.

Die Brüder besaßen also im Anfange des 16. Jahrhunderts von der Stadtmauer an gegen den Hopfenmarkt hin an der Ostseite der schwanschen Straße und zu beiden Seiten der Altbüttelstraße im Zusammenhange drei Reihen Wohnungen und Höfe, welche ihren Besitz zu einem Ganzen abrundeten. Sie besaßen hier im Ganzen 26 Häuser, Buden oder Höfe. Als sie im Jahre 1480 den Bau der Kirche und des Klosters begannen, ward der Theil der Gebäude nach der Stadtmauer hin, namentlich die Höfe, welche sie in der schwanschen Straße vom Kloster zum Heil. Kreuz und in der Altbüttelstraße von Heinrich vom Broke erhalten hatten, abgebrochen. An der Stelle derselben entstanden Kirche und Kloster, welche noch jetzt stehen, und Kirchhof und Garten, der jetzige Stadtbauhof, und ein Weg mit einem Klosterthore an jeder Straße. So blieben ihnen in der schwanschen Straße nur 4 Buden (an der Stelle der alten Reitbahn) und in der Altbüttelstraße an der Westseite nur ein Haus und 2 Buden. In dem Hause neben des Klosters Thorwege in der Alt=


1) Die "Meyssche", welche im J. 1519, nach der Urk. Nr. XVIII, in einer Bude der Brüder wohnte, ist vielleicht die Wittwe dieses Meig. Dies wird hier hinzugefügt, damit man dies Wort nicht als meisthe lieset und durch meister erklärt.
2) Vgl. Urk. Nr. XV.
3) Im Stadtbuche aus dem 16. Jahrh. heißt es:
Im Gronen Wege sein achte buden, welche dem Frater=Closter gehorig".
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büttelstraße hatten die Brüder ihre Schule 1 ). An den acht Buden in der Rakerighe oder am Grünen Wege, dort wo jetzt die Freimaurer=Loge, die neue Reitbahn und ein Theil des Stadtbauhofes ist, ließen die Brüder im J. 1519 bauen 2 ); es blieben ihnen hier nur 6 Buden. Bei dieser Gelegenheit versprachen sie, keine Häuser in der Stadt Rostock mehr zu kaufen. Alle ihre Grundstücke lagen zu Stadtrecht 3 ).

Außer diesem Grundbesitz hatten die Brüder eine sehr bedeutende Anzahl kleiner Renten in Häusern und Grundstücken der Stadt. Bei der Visitation im J. 1566 trugen, nach dem Protocolle, diese Renten und die Miethe von den Buden noch 355 Mark sund. oder 118 fl. 16 ßl. lüb. 4 ). Das meiste Geld hatten sie wohl verbauet.

Der Besitz der Brüderschaft bei ihrem Untergange läßt sich aus folgender alten Aufzeichnung ersehen:

Nachricht von dem Frater=Kloster und desselben Buden, de anno 1581.

Nach einer alten Aufzeichnung im Stadt=Archive zu Rostock.

M. Henricus Arsenius ys gestoruen anno 75 up Martini ist itz in dessem 81 Jar went Martini kompt 6 Jahr vnd ist alsbalde nach seynem dode by das Frater=Closter komen Bernardus Luschow vnd den Renten in der stadt so in der borger huse stehen vngeferlich 70 fl. jerlikes, ock beneuenst den vpkompsten der boden so by dem Kloster belegen ingemanet und upgeburdt.

Synt der boden 13 in alles, darvan 7 verkofft, de auch 6 noch unverkofft. Desse boden seyndt belegen 4 in der Swanschen straten.

Die erste hard by des Klosters dorwege gifft jerlickes thor hur 12 fl. noch vnuerkofft.

De ander darbey ys verkofft vor 50 fl.

Die 3 ist ein geuelhusken hefft een tymmermann gekofft vor 500 Mk. sund.

Die 4 ock en geuelhusken gifft jerlickes 8 fl. noch vnuorkofft.


1) Bei der Visitation vom Jahre 1566 war hier noch die "Rechenschul". Dort wohnten darauf noch im 16. Jahrhundert die Professoren Magnus Pegel und Joh. Frederus. - Schon im 17. Jahrh. wohnte hier der "Raths=Musikant". Das Haus steht noch und dient noch dem Stadt=Musikus zur Wohnung.
2) Vgl. Urk. Nr. XVIII.
3) Vgl. Urk. Nr. IV, XVIII, XXV, XXVI.
4) Im Jahre 1520 erhielten sie von mehreren Bürgern mit einem Male 800 Mark Capital in mehreren Häusern.
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Ahn de ander syde des Klosters in der olde budel edder Michaelis strate.

De 1 is de Scholl gifft jerlickes 9 fl. noch vnuorkofft.

De 2 dar by wanen studiosi juris in, gifft 12 fl. noch vnuorkofft.

De 3 wanet M. Hassaeus in noch vnuorkofft.

De 4 in desser straten nach der Ostsyden tegen de schol aver hefft gekofft Hanß Scholtes de Lynnenueuer vor 450 mk. sund.

De 5 un 6 darby hefft gekofft Hanß Kirchoff een Timmermann vor 400 mk. sund.

De 7 ys vorkofft vor 175 mk. sund.

De 8 een Geuelhusken ys vorkofft vor 450 mk. sund.

De 9 een twerhusken ys datsulftige dar H. Christopher Genschow de stouen in gebauet hefft, noch vnuorkofft.

Benevenst dessen 13 boden noch een gebeut yn dem kloster, welker des klosters coquina pfleget tho seyn.


Außerdem hatten die Brüder noch einige kleine Hebungen und Renten außerhalb Rostock, welche jedoch nicht sehr bedeutend waren, z. B. in Güstrow 1 ), seit 1481 aus einer Wiese in Bentwisch 2 ), seit 1469 durch Nicolaus Sukow 8 Mk. lüb. von Jacob Schönenberg aus dem Dorfe Schöneberg im Kirchspiel Frauenmark bei Parchim 3 ), seit 1497 von Lorenz Pren zu Bandmerstorp 12 Mk. sund. aus Dummerstorf und Slawe und seit 1482 die Renten von 100 Mk. in Bistow, welche sie aber schon im J. 1499 an die Jacobi=Pfarre zu Rostock abtraten 4 ).

e) Die Verfassung der Brüderschaft

läßt sich am klarsten aus einer Inschrift auf Kupfer erkennen, welche im J. 1488, zur Zeit der höchsten Blüthe des Fraterhauses, in den Thurmknopf gelegt ward 5 ) und welche also lautet:


1) Vgl. Etwas, 1739, S. 355.
2) Vgl. Etwas, 1741, S. 671.
3) Vgl. auch Urk. Nr. III.
4) Vgl. Urk. Nr. XVI.
5) Dieses höchst interessante Monument ward bei der Besserung des Fraterhauses am 27. März 1588 im Thurmknopfe in einer kupfernen Büchse gefunden, daneben ein roth seidenes Tuch mit Reliquien und ein kleiner gedruckter Zettel. Die Kupfertafel ward mit einer neuen Inschrift auf Pergament wieder hineingelegt, da die Thurmspitze erhalten ward, indem sie "der Stadt zur Zierde gereiche". Als im Sommer 1629 (vom 19. Jul. an) der Thurm abgebrochen ward, sind in der stürmischen Zeit auch wohl (  ...  )
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Huius Deo dicatae domus Anno Domini nostri J. C. MCCCCLXXX coepere fundamenta construi et eiusdem MCCCCLXXXVIII tecta consummari praesidentibus universali Ecclesiae sacrosanctissimo Papa Innocentio VIII. Diocesi Suerinensi Domino Conrado Lostio. Imperio Friderico II. Patriae duobus fratribus Magno et Balthasare Ducibus Megapolensibus. huic sancte congregationi venerabili Patre Nicolao Rectore sequentium fratrum videlicet Joh. Stuven sacerdotis. Jo. Nieken presbyteri. Jo. Lobben Presbyt. Bernh. Klostermann Presbyt. Engelb. Ternen Presbyt. Herm. Worinek Presbyt. Jo. Buschen Presbyt. Wilh. Ultzen Diaconi. Wilh. Pose Diaconi. Jo. Butzow Acolati. Joh. Zlisow scholaris. Joh. Tunae scholaris. Claus Bardis. Claus Johannis. Eggerbert von Zwolle laicorum fratrum. Theodor. Hotemann Novitii non recepti, qui praedicti fratres auxilio Dei suis sudoribus et ope benefactorum nostrorum, praecipue D. Nicol. Zukow sacerdotis necnon Gertrudis Beckmann priorissae cum suis virginibus ad sanctam crucem hoc opus inceptum feliciter ad honorem sanctae Trinitatis, beatissimae Mariae semper virginis, sancti Patroni nostri Michaelis, omnium angelorum et sanctorum laudem consummaverunt Anno quo supra, circa Johannis Baptistae nativitatis. Magistri structurae murorum Bernd Werdenlerch. Tecti turrisque Jacob Kruse.

Diese Inschrift lehrt uns die innere Einrichtung des Bruderhauses zu Rostock kennen. In der blühendsten Zeit lebten im Hause im Ganzen 17 Mitglieder: ein Rector, ein Priester, sechs Kleriker, zwei Diakonen, ein Akoluthus, zwei Scholaren, drei Laienbrüder und ein Novize.

Nach mehreren Urkunden, in denen zu verschiedenen Zeiten die Hauptpersonen, die Brüder des Capitels, aufgezählt werden, pflegten immer 8 bis 10 Priester und Cleriker, die Vorsteher und Beamten eingerechnet, im Hause zu wohnen; diese


(  ...  ) die Inschriften verloren gegangen. - Nach einer noch im Stadt=Archive befindlichen Abschrift vom Jahre 1588 ist die alte Inschrift gedruckt in den Rostockschen Wöchentl. Nachr. und Anzeigen, 1757, S. 114, und hiernach in Krey Beitr. I, S. 343.
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werden ungefähr die Hälfte der Bevölkerung des Hauses ausgemacht haben; die andere Hälfte bestand aus Clerikern niedern Grades und aus Laienbrüdern.

An der Spitze der Brüderschaft stand ein Rector (Pater, Verweser, auch Prior genannt); ihm zur Seite stand der Senior (als Vice=Rector und magister novitiorum); die Verwaltung besorgte ein Procurator (oder Schaffer) 1 ).

Die Reihenfolge der Beamten des Fraterhauses ist nach den Urkunden ungefähr folgende:

Rectoren: Senioren: Procuratoren:
Heinrich Xantis Nicolaus von Deer
1462-1464. 1464.
Johannes Veghe Johannes Stuve Nicolaus von Deer
1470-1471. 1470-1488. 1470-1472.
Johannes Iserloen 1472-1475.
Nicolaus von Deer 2 ) Bernhard tom Dike
1475-1490. 1475.
Johannes Stuve 1494.
Wilhelm Pothe Hermann Klostermann Albert Doman
1497-1499. 1497. 1497.
Martin Hillemann Albert Doman Johann Kreveldie
1509-1551. 1509-1519. 1512-1527.
Barthold Kölzow
1520-1527.
Heinrich Burick
1533-1542.
Heinrich Arsenius Johann von Wesel
1551. 1551-1559.
Heinrich Arsenius Gerhard Dunkerad
1557-1575. 1560.
liegende geschweifte Klammer
die letzten Brüder.

Besondere Dienste leisteten zwei Scholaren (Schullehrer) und ein Buchdrucker. - Nach den Namen waren die


1) Vgl. Urk. Nr. IX.
2) Der Tod des Rectors Nicolaus von Deer, unter dem die Brüder ihre glänzendste Zeit hatten, läßt sich nicht ganz genau bestimmen. Sicher lebte er noch im J. 1490. Zuletzt tritt er als Vollstrecker des Testaments des Mag. Heinrich Valke neben dem Prior Thimotheus des Klosters Marienehe auf. Thimotheus II. war Prior dieses Klosters 1490-1502; vergl. Schröter Spec. dipl. Rost., Vorrede S. IX.
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Brüder gewöhnlich aus den Niederlanden oder aus dem westlichen Niederdeutschland.

f) Verfall und Untergang des Bruderhauses.

Die erste Spur von einer Anfechtung, welche die Brüderschaft zu erleiden hatte, finden wir während des tumultuarischen Streites zwischen den Herzogen und den Rostockern über die Errichtung eines Dom=Capitels zu Rostock, in welcher die Brüder Partei für die Rostocker genommen haben sollten; sie fühlten sich so unsicher, daß die Herzoge dem Rector im J. 1484 ein frei Geleit zu einer nothwendigen Reise geben mußten 1 ). Doch hatte dieser Vorfall keine weitern Folgen und die Brüder blieben ungestört bis zur Reformation. Durch die ganze Periode der Einführung der lutherischen Lehre in Rostock, welche oft nur gewaltsam durchgesetzt werden konnte, regierte das Fraterhaus der Rector Martin Hillemann (1509-1551), ein Mann, der gegen einen so großen Sturm allerdings nicht fest genug gewurzelt gewesen zu sein scheint. Zuerst ward im J. 1531 den Brüdern, wie allen übrigen Klostergeistlichen zu Rostock die besondere Mönchstracht verboten 2 ). Bald aber machte sich der Rector geheimer Umtriebe verdächtig. Der Dr. Emser suchte einen Drucker für sein antilutherisches Neues Testament und hatte sich deshalb an die Brüder vom gemeinsamen Leben zu Rostock gewandt, damit diese den Druck übernehmen möchten. Als Luther dies erfuhr, wandte er sich am Sonnabend nach Katharinä 1529 an den Herzog Heinrich, den Beförderer der Reformation, mit der von den Räthen des Kurfürsten von Sachsen unterstützten Bitte, den Druck zu verhindern, und schrieb dabei:

"Denn wir von redlichen Leuten aus Lübeck statlich bericht, das etlich Lolbrüder 3 ) des Emsers Testament sechsischer sprache zu Rostock ynn Druck gebenn."


1) Vgl. Urk. Nr. XII.
2) Vgl. Nic. Gryse Historia etc zum J. 1531.
3) Abgedruckt ist dieser Brief im Etwas 1741, S. 353, und hiernach in Krey Beitr. I, S. 25; vgl. Schröder Ev. Mekl. I, S. 163. In beiden Drucken steht: "etlich Lockbrüder"; in dem vorliegenden Originale steht aber unbezweifelt "Lolbrüder". Ja der Herzog Heinrich nannte sie im J. 1542 in einem Briefe an den Buchdrucker L. Dietz "Nolbrüder". - Nach den Beginen (1065) und Begarden (1220) in Holland entstand die "Gesellschaftder Alexiani oder Fratres Cellitae; sie hatten sich bald nach 1300 zuWerken der Barmherzigkeit vereinigt. Das Volk nannte sie lollaerts,lollartjes, lollebroeders, und mochte wohl guten Grund dazuhaben wenn es häufig darunter nur liederliche und scheinheilige Müssig= (  ...  )
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Dagegen hatte der Rector Martin Hillemann seinen Drucker Johann van Holt 1 ), einen Bruder des Fraterhauses, zu dem katholisch=gesinnten Bruder des Herzogs, dem Herzoge Albrecht, geschickt, um mit diesem den Druck des Emserschen Testaments zu überlegen. Hier hatte der Drucker Anschläge gehört, welche zum Verderben des rostocker Stadt=Syndicus Dr. Johann Oldendorp, des Vorfechters für die Reformation in Rostock, und der ganzen Stadt gereichen sollten und zum Schaden gereicht hatten, diese aber nur seinem Rector anvertraut: beide hatten das Geheimniß dem Rath der Stadt Rostock verschwiegen; ja sie hatten sich so weit vergessen, daß sie ihre Druckerei zum Nachtheile der Reformation und der Stadt gegen das Verbot angewandt hatten. Dafür war, zur ganz gelinden Bestrafung, der Rector mit Hausarrest und der Drucker mit Gefängnißstrafe vom Rath belegt worden. Um sich hievon zu befreien, mußten sie am 28 Junii 1532 Urfehde schwören 2 ).

Bald darauf ward es mit der Ausrottung des Papismus in Rostock völliger Ernst. Alles, was ihm anhing, suchte die Güter des einstürzenden Gebäudes, namentlich die Urkunden und Kleinodien, wenn möglich, zu retten; auch der Rector des Fraterhauses hatte, gegen Vorschrift, Wissen und Willen des Rathes der Stadt, alle Kostbarkeiten des Hauses entweder versetzt, oder in der Kirche, im Keller und auf dem Heuboden vergraben oder versteckt. Der Magistrat hatte sich dagegen der Person des Rectors versichert und ihn im Dominikaner=Kloster zu St. Johannis gefänglich verwahrt. Zur Befreiung von dieser Haft, und da alle seine Bürgen ihm ihre


(  ...  ) gänger - - (qui Lollardi sive Deum laudantes vocabantur) darunter verstand. - In Deutschland auch nolhart, was Frisch W. B. II, 20 von nol, eucullus lugubris, ableitet. N und L wechseln oft im Anlaute; vgl. hor. belg. V, 40, 41, und so könnte denn auch lollaert besser wohl noch von nol, als lollen (s.Kil. und Frisch W. B. I, 620) abgeleitet werden. Uebrigens verdient noch Beachtung das isl. lolari, homo ignarus, engl. a lollard". Hoffmann von Fallersleben Altniederländische Schaubühne, Breslau, 1838, S. 232. - In Meklenburg ist noch für einen langsamen Menschen, der immer zurückbleibt und nie zur rechten Zeit fertig wird (cunctator), das Epitheton: nälbroder gebräuchlich, von nälen = sich versäumen, zaudern.
Höchst merkwürdig ist es übrigens, daß selbst Luther die Brüder vom gemeinsamen Leben nicht in ihrer Eigenthümlichkeit erkannte und sie zu den unfruchtbaren Lollharden zählte, wie man sie auch in Meklenburg nicht erkannt haben muß, da auch die Herzoge sie zu denselben Lollharden rechneten!
1) Diesen Drucker der Michaelisbrüder, den einzigen, der bekannt geworden ist, lernen wir aus einer Registratur auf der Rückseite der Urkunde Nr. XXII kennen. Dem Namen nach war auch er ein Niederländer, vielleicht aus dem Bruderhause zu Brüssel.
2) Vgl. Urk. Nr. XXII.
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Bürgschaft aufgekündigt hatten, er auch keine neue Bürgen finden konnte, mußte er mit allen Brüdern des Hauses am 16 Dec. 1533 Urfehde schwören und geloben, die versteckten Schätze anzuzeigen und ohne Erlaubniß nicht aus der Stadt zu gehen 1 ). Die Urkunden und Schätze aber nahm der Rath in Verwahrung 2 ).

So übel es auch für die Brüder aussah, so günstig gestalteten sich doch, nachdem der Sturm vorübergegangen war und das Morsche umgestürzt hatte, ihre Verhältnisse für die nächsten Zeiten, wahrscheinlich in Folge des guten Geistes, der die Brüderschaft immer beseelt hatte.

Während im J. 1534 das Dominikaner= und das Franziskaner=Kloster zu Rostock aufgehoben waren, die Bewohner derselben verdrängt und ihre Güter eingezogen wurden, kurz das Lutherthum siegreich durchdrang, ließ man die Brüder vom gemeinsamen Leben ruhig in ihren Besitzungen und verflichtete sie nur, ganz im Geiste ihrer Brüderschaft, zur fernern Haltung ihrer deutschen Schule 3 ), wie sie von Alters her eine deutsche Schule gehalten hatten, jedoch nach den höhern Anforderungen der Zeit und ohne Verleitung zur Papisterei; ja der rostocker Magistrat übergab ihnen im J. 1534 gewissermaßen die Einrichtung der neuen Schulen zu Rostock 4 ). In dem aufgehobenen Dominikaner=Kloster zu St. Johannis ward die neue lateinische Stadtschule angelegt.


1) Vgl. Urk. Nr. XXIII.
2) Vgl. Urk. Nr. XXIV. - Die Bücher und Geräthe des Bruderhauses, welche der Rector Arsenius bis zu seinem Tode im Besitz hatte, schenkte der Magistrat am 17. Nov. 1575, nach der Aufhebung des Bruderhauses, dem Mag. Peter Hagemeister, der damals die Regentie des Bruderhauses hatte. Vgl. Neue wöchentl. Rost. Anz. 1839, Nr. 3, S. 20.
3) Vgl. Joach. Slüters Leben von Nic. Gryse, Rostock 1593, zum Jahre 1534:Dewyle ock in S. Michaelis=Closter van oldinges her de Frater Mönneke darsüluest eine gemeine düdische Schole hedden geholden, so hefft ock ein Erbar Radt en anmelden laten, dat se scholden einen godtsaligen düdeschen Scholemeister holden, nicht der herna de junge jöget thor Papisterye vorleidede, sondren in Gades früchten vpertöge, welckes ock also balde gescheen, vnd syn der wegen ock alle andere Klipscholen affgeschaffet worden".
Vgl. Francke A. u. N. M. IX, S. 176; Krey Beitr. I, S. 345; Rudloff III, 1, S. 82.
4) In einer öffentlichen Verordnung des Raths der Stadt Rostock vom Jahre 1534, durch welche die Privatschulen aufgehoben und öffentliche, allgemeine Schulen eingerichtet werden, heißt es:Were den jemand, de dar Düdsch, Schriewen, Lesen und Rekenen begerde recht tho lehrende, de mag morgen früh - - tho Sanct Michael kamen, dar schal he des Rades Verordening und gudt Bescheidt finden".Vgl. Neue wöchentl. Rostock. Nachr. 1838, Nr. 15, S. 114.
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So lebten die Brüder unbemerkt und ungestört in der Beschäftigung ihrer Brüderschaft fort, nachdem im J. 1552 auch die meisten großen Feldklöster und Ordenshäuser im ganzen Lande säcularisirt waren und die Reformation siegreich das Feld behauptete. Ja sie hatten im J. 1542 alle ihre Kleinodien und Urkunden, welche der Magistrat vor mehrern Jahren zum Besten des Bruderhauses in Verwahrung genommen hatte, unverringert wieder ausgeliefert erhalten und dem Rathe nur das Vorkaufsrecht einräumen müssen 1 ). Dennoch mußten die Brüder den baldigen Untergang ihrer Stiftung voraussehen; deshalb ertheilten sie am 23. Junii 1557 dem rostocker Bürger Bernhard Kron, wegen seiner dem Bruderhause geleisteten Dienste, mit Genehmigung des vorgesetzten Klosters Springborn, ein Conservatorium für das Michaelis=Kloster 2 ).

Am 8. October 1559 nahmen aber die letzten Brüder des Convents: der Rector Heinrich Arsenius und die Brüder Priester Johann von Wesel, Johann von Zütphen und Gerhard Dunkhorst dieses Conservatorium wieder zurück und entschlossen sich, sämmtliche Besitzungen des Frater=Hauses dem Magistrat von Rostock zum gemeinen Besten der Stadt 3 ) zum Eigenthum zu übergeben, in der Ueberzeugung, daß bei dem Verfall der Priesterschaft alter Zeit es auch mit dem Frater=Kloster bald ein Ende nehmen werde 4 ); jedoch reservirten sie sich die jährlichen Auskünfte und Wohnung im Klostergebäude für ihre Lebenszeit. Für den Fall, daß in kommenden Zeiten die Religionssachen eine andere Wendung


1) Vgl. Urk. Nr. XXIV.
2) Vgl. die interessante Urkunde Nr. XXVI. Schon am 28. Sept. 1551 verkaufte das Frater=Kloster 5 Mk. Hebungen aus einer Wiese in Bentwisch an den rostocker Rathmann Albrecht Dobbin für 100 Mk. sund. Vgl. die Urkunde im Etwas 1741, S. 671. Am Freitage nach Jubilate 1559 bevollmächtigte der Rector H. Arsenius für sich und im Namen seines "ganzen Convents" den rostocker Bürger Antonius Hagemeister, alle Forderungen, welche das Frater=Kloster in Güstrow ausstehen hatte, einzunehmen, oder vielmehr hatte H. Arsenius demselben diese Forderungen cedirt. Vgl. die Urkunde in Etwas 1739, S. 355.
3) Die sehr interessante Urkunde dieser Abtretung vgl. Urk. Nr. XXVI.
4) In der Urkunde vom 8. October 1559 sagen die Brüder (vgl. Etwas, 1739, S. 647):
dat wy in flitige Betrachtunge genamen, wie sick alle dinck vorendern und wat vor einen beschwerlicken Thostandt idt tho itziger Tidt mit der Geistlicheit heft, de van Daghe tho Daghe affnimpt und in Vorachtung kumpt, also dat nicht anders tho vormodende, den dat idt mit unseren Frater=Closter ock balde ein Ende nemen wert, wyle wy ouerst dat suluest thom meren deile durch Almissen beide binnen unde buten der stadt Rostock - - bekamen, - - so ist ock unse Wille und Meinung, dat solcke Frater=Huss heuverner und tho ewighen daghen bi der Stadt Rostock sin und bliven schal".
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nehmen und wieder zum frühern Zustande kommen sollten, versprach der Magistrat, der Brüderschaft wieder zum Besitz ihres Eigenthums zu verhelfen. Diese Abtretung an die Stadt geschah ohne Zweifel deshalb, weil, wie die Brüder selbst sagen, sie Alles durch die Mildthätigkeit der Stadt, wenn auch durch eigner Hände Arbeit, erworben hatten und die Fürsten alles Klostereigenthum im Lande in Anspruch nahmen; eine solche freiwillige Abtretung einer ganzen geistlichen Stiftung durch die Besitzer kommt im Lande auch nicht weiter vor. Auch geschah es wohl wirklich, daß die Landesfürsten sehr bald das Kloster als ihr Eigenthum betrachteten, indem sie es im J. 1563 der Stadt Rostock feierlich überließen.

Ueber den Besitz der Güter des Bruderhauses entstand bald großer Streit. Die letzten Brüder hatten mit der Ertheilung des Conservatoriums an den Bürger Bernhard Krohn wohl nur die Absicht gehabt, das Eigenthum des Hauses für den Fall ihres Ablebens dem gesammten Orden zu sichern. Dennoch hatten sie ihn in "vollkommenen und wirklichen Besitz gesetzt", die Güter für sich und seine Erben nach Gefallen zu benutzen. Zur nähern Erläuterung bekannten sie am 8. Oct. 1559, daß Bernhard Krohn allein die Güter conserviren und bei ihrem Leben ihr Beschützer sein solle, und bezeugten dies dadurch, daß sie, unter Tradition der Schlüssel, den ganzen Besitz dem Rathe der Stadt Rostock überwiesen 1 ). Als aber B. Krohn ernstliche Ansprüche an den wirklichen Genuß des ganzen Eigenthums der Brüder machte, unter dem Vorgeben, sie hätten es an ihn erblich verkauft, so nahm der Magistrat am 29. Junii 1560 Besitz von allen Gütern des Bruderhauses, ließ jedoch den Rector Heinrich Arsenius und den Bruder Gerhard Dunkradt, als die letzten Brüder und alte, arme Leute, unter Zurückgabe der Schlüssel, im lebenslänglichen Genuß derselben, wie wohl in vielen Fürstenthümern die Mönche längst aus ihren Besitzungen verjagt seien 2 ). Den ungestörten Lebensgenuß in dem Frater=Hause versicherte der Rath dem Rector H. Arsenius noch ein Mal am 23. Sept. 1560, als das Haus zum Pädagogium eingerichtet ward 3 ). Bernhard Krohn gab aber seine Ansprüche nicht auf, sondern begann einen Proceß vor dem Reichs=Kammergericht, der jedoch liegen blieb, nachdem B. Krohn (vor dem J. 1566) gestorben war; die häufigen Anforderungen seiner Wittwe beim Rathe blieben ebenfalls erfolglos.


1) Vgl. Urk. Nr. XXVII.
2) Vgl. Urk. Nr. XXVIII.
3) Vgl. Urk. Nr. XXIX.
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Der letzte Rector und Bruder des Frater=Hauses war der Mag. Henricus Arsenius 1 ), oder Heinrich Arsen, eigentlich Heinrich Pauli aus der Gegend von Arßen im Westphälischen. Er war schon im J. 1533 im Bruderhause zu Rostock, und ward im J. 1534 bei der Universität immatriculirt 2 ). Im J. 1539, am Agathentage, ward er zugleich mit Arnoldus Burenius zum Magister creirt 3 ) und darauf zum Professor der Philosophie an der Universität 4 ) bestellt. Im J. 1551 war er Senior des Frater=Hauses 5 ) und endlich, sicher zwischen 1552 und 1557 6 ), ward er auch Rector des Frater=Klosters. Er starb, nach Aufzeichnungen im rostocker Stadt=Archive, kurz vor Martini 1575 7 ). Noch im J. 1571 bat er um die Erlaubniß, an der Universität wieder über die griechischen Schriftsteller lesen zu dürfen 8 ); und Nathan Chyträus gedenkt im J. 1578 seiner als eines Verstorbenen 8 ). Er ward in der Stille in der Klosterkirche begraben 9 ).

Heinrich Arsenius war in vieler Beziehung ein ausgezeichneter Mann; ausdauernd und eifrig, friedlich und würdig, rein im Wandel und fest im Glauben, gelehrt und bis zum Ende seines Lebens voll Liebe zu den Wissenschaften, wie zur Natur, erwarb und erhielt er sich die hohe Achtung der großen Schaar ausgezeichneter Männer, welche in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts die glänzende Universität Rostock zierten, wie eines Caselius und Possel, und selbst als er in der eifrig protestantischen Stadt noch lange als die letzte Ruine eines alten großen


1) Ueber Heinrich Arsenius vgl. Etwas, 1739, S. 355, 439, 647. Krey Rostocksche Humanisten, S. 55. Krey Beitr. I, S. 249, 345.
2) Vgl. Etwas, 1740, S. 14, und Urk. XXIII.
3) Vgl. Etwas, 1739, S. 601.
4) Vgl. Etwas, 1739, S. 603.
5) Nach einem Urkunden=Inventarium.
6) Michaelis 1551 war noch Martin Hyllemann Rector und Magister, Hinricus Arsenius Senior des Hauses. Vgl. Etwas, 1741, S. 671.
7) Vgl. Etwas a. a. O. und 1575, den 17. November, sind die Herren Bürgermeister ins Frater=Kloster gewesen, und daselbst Petro" (d. i. Mag. Petro Hagemeister), "damit er fleißige Aufsicht auf das Kloster haben möchte, nachgegeben, seine Habitation im Kloster bis Ostern zu haben, zu dem ihm mit dem gebrannten Wasser, so im Kloster vorhanden, verehret, im gleichen ihm Zusage gethan, daß ihm alle Kleider, Reschop und Bücher, so seel. M. Arzenius dem Pädagogio erworben, gefolget werden sollen. Es haben auch die Bürgermeister die Köchin Anna (für den Studenten=Freitisch oder das Convictorium, das eine Zeit lang im Fraterkloster war?) enturlaubet, sich gegen Weihnacht um einen andern Dienst zu bemühen".
Neue wöchentl. rost. Anzeigen, 1839, Nr. 3, S. 20.
8) Vgl. Etwas, 1739, S. 443, und Krey "die Rostockschen Humanisten", S. 55. - Er versprach hiebei, nichts über Religion einzumischen.
8) Vgl. Etwas, 1739, S. 443, und Krey "die Rostockschen Humanisten", S. 55. - Er versprach hiebei, nichts über Religion einzumischen.
9) Vgl. Etwas, 1739, S. 443-444, Krey Beitr. I, S. 345.
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Baues da stand, wagte Niemand den würdigen Mann mit der tiefen, stillen Trauer anzutasten und zu verletzen 1 ).

Eine solche Würde erhielt nicht geringere Anerkennung, als überhaupt der Geist und der Wandel der Brüder vom gemeinsamen Leben, und wenn auch die Stiftung dem höher auffliegenden Geiste der Zeit nicht genügen mochte, so unterlag sie doch nicht, wie die Klöster der Bettelmönchsorden, einem gewaltsamen Sturme, sondern ging mit edler Ergebung selbstbewußt, ruhig und geachtet der Auflösung entgegen 2 ).

Als die heftigen Streitigkeiten zwischen den Herzogen von Meklenburg und der Stadt Rostock hereinbrachen, welche durch die Formula Concordiae vom 11. Mai 1563 beigelegt wurden, ging die Stiftung des Bruder=Hauses völlig unter, indem das Kloster mit allen seinen Zubehörungen ganz der Stadt Rostock zur Beihülfe zur Besoldung der räthlichen Professoren an der Universttät von den Fürsten überlassen ward 3 ); jedoch


1) Vgl. Etwas, 1739, S. 439, flgd.; Krey Beitr. I, S. 249.
2) "Saepe autem (H. Arsenius) mecum in hortis, quos colebat, de maximis huius saeculi contentionibus contulit, quas deplorare quilibet. emendare potest nemo." Joh. Caselius. Vgl. Krey Beitr. I, S. 249.
3) In der Concordienformel vom J. 1563 heißt es: Damit aber auch E. E. Raht und gemeine Stadt solche - - jährliche Hebung desto baß erschwingen mögen, - - damit des Rahts Professorn vnterhalten werden sollen: - - Als ist auch bewilliget und nachgegeben worden, daß E. E. Raht das Frater=Closter mit seinen An= vnd Zubehörungen und Hüre oder Miedgelde, aus den Wohnungen kommende, inmassen E. E. Raht itziger Zeit dasselbige inne hat und besitzt, für sich behalten solle und müge und mag Ein Raht das Locarium oder Miedgelt aus demselbigen Frater=Closter auch zu Besoldung eines oder mehr seiner Professoren seines Gefallens auffwenden".
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"So viel aber nun die Collegia, Regentien vnd Häusere der Universität, darin die Studenten ihre Wohnung vnd Aufenthalt haben müssen, vnd derselben Verwaltung belangt, ist billig vnd zur Einigkeit in der Universität dienlich vnd zum höchsten nötig, daß in ein jede Regentie (außbescheiden das Frater=Closter, welches mit aller seiner Zubehörung, Hüre und andern E. E. Rahte dermassen und zu der Behueff wie obstehet vorbehalten seyn soll) zwene Professores, einer der Fürsten, der ander des Rahts zugleich, als Aufsehere und Praesidentes Regentiales über die Studenten und Jugend - - verordnet werden. Vnd sol zur Zeit solcher Verordnung und Bestellung der Collegien vnd Regentien, auch M. Arsenius, ob er wol eines hohen Alters, nicht fürbey gegangen, sondern von wegen E. E. Rahts im Paedagogio, Porta coeli genannt, nebenst M. Joanne Posselio, für einen Magistrum oder Praesidentem Regentialem, die Zeit über seines Lebens, oder so lang Ihm selbst dasselbe gelegen, vnnd Er solchem Amt Leibes Vormügenheit halben wird obseyn können, geduldet vnd keines Weges removirt werden, vnd sol Ihm nach seinem Todt ein Fürstlicher Professor succediren, oder ein Fürstlicher Professor an M. Joannes Posselii statt, da derselbige für Arsenio abstehen würde, für einen Magistrum Regentialem zugeordnet werden."
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ward des hochbejahrten Frater=Rectors Arsenius in dem Friedensschlusse höchst ehrenvoll gedacht 1 ), indem er neben dem Professor Joh. Possel zum Dirigenten eines Studenten=Collegii des Pädagogiums Porta coeli, ernannt und ihm völlige Freiheit gegeben ward, nach seinem Gefallen diese Stelle zu verwalten oder nicht 2 ).

g) Die Gebäude des Bruderhauses.

Die Hauptgebäude des Frater=Hauses stehen noch, jetzt zum Wollmagazin benutzt, unverfallen zwischen der schwanschen Straße und der Altbüttelstraße. Die Gebäude haben das Eigenthümliche, daß Kirche und Kloster unter Einem Dache, die beiden Hauptgebäude also in denselben Ringmauern liegen. Jetzt bildet das Ganze einen einzigen, mit vielen Böden übereinander durchlegten Raum; die alte Einrichtung läßt sich aber noch sehr genau erkennen. Das Ganze bildet ein unverhältnißmäßig langes Oblongum. Die Kirche befand sich im östlichen, das Kloster im westlichen Theile des Gebäudes (an der schwan= Straße). Die Kirche hat an der Ostseite nach der Altbüttelstraße hin eine abgerundete Tribune für die Altarstelle, und ist etwas schmaler, als das Kloster, ungefähr so viel, als die äußern Strebepfeiler der Kirche mehr Tiefe haben, als die Strebepfeiler der Klosterseite; auch im Innern sind die Ringmauern der Kirche etwas eingezogen. Noch sind im Innern und Aeußern die jetzt zugemauerten, hohen Kirchenfenster und die Stützpuncte für die Gewölbe klar zu sehen. - Das Kloster, welches die westliche Hälfte des Gebäudes bildete, hat gleiche Höhe mit der Kirche und dieselbe Breite, ist in vier Stockwerke getheilt und umfaßt daher einen bedeutenden Raum. Dieser Theil hat kleine Fenster und eine große Giebelseite nach der schwanschen Straße hin. An der Nordwestecke, an der schwanschen Straße, am ehemaligen Hauptthor des Klosters, steht in Form eines runden, angebauten Thurms das Treppenhaus zum Kloster mit einer aus Ziegeln äußerst leicht, zierlich und fest gebauten Wendeltreppe, einem wahren Meisterwerke. Die Ziegel, aus denen


1) Siehe Note 3) auf S. 29.
2) Jedoch scheint er diese Stelle nicht angenommen, sondern ruhig in seinem Kloster verharrt zu haben, indem er fest in seinem Glauben bestand. Am Ende des J. 1563 "entschuldigte er sich, daß er in Religionssachen nicht "nachgeben könne, weil es wider sein Gewissen laufe" und das geistliche Ministerium zu Rostock klagte über ihn, "daß er aller Erinnerung ungeachtet bei seinem Aberglauben verharre und gesagt habe, er wolle in der Gemeinschaft der römischen Kirche bleiben, so lange er ein Glied regen könne". Vgl. Etwas, 1739, S. 442; vgl. S. 444.
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Kirche und Kloster erbaut sind, sind nach alter Beschaffenheit, d. h. groß, grobkörnig, gemengt und sehr fest.

Die Kirche ward im J. 1480 gegründet und im J. 1488 vollendet 1 ); der Baumeister der Kirche hieß Bernhard Werdenlerch, der Baumeister des Thurms Jacob Kruse. Das neue Kloster an der Kirche ward erst im J. 1502 vollendet 2 ).

Vom J. 1559 an scheidet sich die Geschichte des Klosters und der Kirche der Brüder vom gemeinsamen Leben.

g. α) Das Kloster.

Nachdem die Brüder dem Magistrat das ganze Kloster im J. 1559 abgetreten hatten, trat das Kloster in die Reihe der Regentien oder Collegien der Universität und ward im J. 1560 zn einem sogenannten Pädagogium eingerichtet 3 ), in welchem jüngere Studenten unter Aufsicht lebten, nachdem die deutsche Schule der Brüder vom gemeinsamen Leben wahrscheinlich wieder eingegangen war. Zu Regenten wurden die Magister Peter Hagemeister und Gerhard Schmidt ernannt; M. Heinr. Arsenius behielt einstweilen eine Wohnung im Kloster. Durch die Concordienformel vom J. 1563 ward das Frater=Kloster der Stadt Rostock zugeschrieben und der Mag. H. Arsenius, als Professor, zum Rector der Regentie Porta coeli höchst ehrenvoll ernannt, aber damit auch von seinem Kloster losgerissen. Nach dem Abschluß der Concordienformel bestätigte im J. 1564 der Magistrat die Einrichtung des Klosters zum Pädagogium 4 ) und gestattete, nachdem der Stu=


1) Vgl. oben S. 21 die Thurmknopf=Inschrift. Auf der Glocke, welche ebenfalls vom J. 1488 war, stand:
Inschrift
Vgl. Etwas, 1741, S. 673.
2) Vgl. unten.
3) Vgl. Urk. Nr. XXIX; vgl. Etwas, 1739, S. 20 flgd., S. 410 flgd., Krey Beitr. I, S. 345, und Rostock. Humanisten, S. 31-32.
4) Es heißt in der
Forma constitutae honestae et aequabilis disciplinae in omnibus Regentiis seu domibus Academiae Rostochiensis, Anno 1564, mense Oct.
"Cum professoribus singulis, quibus hactenus disciplinae gubernatio commissa fuit, per negocia non liceat, hoc munus ex dignitate Academiae administrare, juvenibus quidem magistris in quorundam locum substitutis inspectio et gubernatio domuum academiae hoc anno 1564 commissa est, et primo: Collegii facultatis artium M. Levino Batto, Porta coeli seu paedagogii M. Johanni Posselio, Domus Koleri M. Nathani Chytraeo, Arcis aquilae M. Laurentio Widemanno, Domus Unicornis M. Stephano, (  ...  )
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dentenfreitisch oder das Convictorium im Mai 1566 ebenfalls in das Kloster verlegt war 1 ), am 12. Febr. 1567 die Verlegung der Sitzungen des akademischen Senats (des akademischen Concilii) in das Reventer des Klosters 2 ). Jedoch mußte sich die Universität am 25. Sept. 1572 verpflichten, das Kloster wieder zu räumen, sobald es der Rath verlangen sollte 3 ).

Außerdem wurden hier, nach den Acten, Vorlesungen 4 ) gehalten und allerlei Uebungen getrieben; auch wohnten hier, außer dem Mag. Laurentius Wessel im J. 1568, viele Studenten. Im J. 1568 ward das Kloster wieder streitig, indem der Herzog Johann Albrecht viel Korn auf den Boden des Reventers schütten 5 ) ließ und sogar in die nicht bewohnten Concilien=Räume des Reventers schütten lassen wollte. Es kam zum heftigen Wortwechsel zwischen der Universität, dem Magistrat, dem Herzoge Ulrich, als Canzler der Universität, und


(  ...  ) Rubri Leonis inspectionem D. David Chytraeus in gratiam pauperum eam domum inhabitantium in se recipit, Monasterii fratrum cura et administratio M. Petro Hagmestero et M. Gerhardo Fabro a Senatu urbis commissa est".
Gedruckt ist diese Forma in Etwas, 1739, S. 584. - Ueber die Regentien oder Bursen der Universität vgl. man Krey Beitr. II, S. 37.
1) Es heißt in den Raths=Protocollen vom J. 1566:
"23. April. Fama fert, daß man wolle die Mauern und den Gefangenthurm abbrechen bis zum Kirchenthor. Man will deswegen schicken und Dilation bitten"."8. Mai. Durch Niederbrechung der Stadtmauer wird der Ort des gemeinen Tisches verstört. Deput. Rev. Concil. D. Lucas und Lic. Kling bitten um einen andern Ort und Stelle, damit die Gesellen, so ohnedem fast fortzögen, nicht möchten gar verreisen." "Es wird ein Ort im Frater=Kloster, jedoch cum testatione, daß sich academia deshalb kein Recht weiter an dem Frater=Kloster anmaßen solle, eingeräumt, und ab academia eine Recognitions=Schrift deswegen ausgestellet. Den 1sten ward mit M. Hinr. Assenio darüber gehandelt, daß er der Akademie das Reventer und die Küche im Frater=Kloster einräumen solle."
Neue wöchentl. Rostock. Nachrichten 1838, Nr. 48, S. 379 flgd.
2) Vgl. Urk. Nr. XXX und XXXI. Vgl. Etwas, 1739, S. 18 und 407, und Krey Beitr. I, S. 346. Das Frater=Kloster ward der Universität zum Loco concilii angewiesen, "nach Einziehung und Abbrechung des St. Johannis=Klosters, wo die Universität vorhin ihre Sitzungen gehalten hatte". (Die St. Johannis=Kirche ward im Jahre 1837 abgebrochen.)
3) Vgl. Urk. Nr. XXXI.
4) Vgl. Urk. Nr. XXXI.
5) Nach den Acten im Großherzogl. Archive. Hiemit stimmen auch die Rathsverhandlungen überein: 1568. März 10, Herzog Johann Albrecht bemächtiget sich des Frater=Klosters und läßt Korn allda aufschütten. Senatus schreibt darwider und beziehet sich auf die Form. Concordiae".
Neue wöchentl. Rost. Nachr. 1838, Nr. 50.
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dem Herzoge Johann Albrecht, ja zu thätlichen Prohibitiv=Maaßregeln gegen die Diener des letztern. Wahrscheinlich ward die Sache durch den Ernst des Herzogs Ulrich wieder beigelegt.

Das Pädagogium blieb längere Zeit im Kloster 1 ), bis dieses am 16. Julii 1594 abbrannte 2 ).

g. β) Die Kirche.

Bei allen Verhandlungen und Abtretungen war die Michaelis=Kirche der Brüder vom gemeinsamen Leben mit in das Kloster im Allgemeinen eingeschlossen. Höchst wahrscheinlich ward sie seit dem J. 1534 nicht mehr gebraucht, und es wird derselben in den nächsten Jahren nicht gedacht. Nachdem aber im J. 1563 der Stadt Rostock das ganze Kloster überwiesen war, räumte der Magistrat am 15. Junii 1568 der Universität die Kloster=Kirche, jedoch nicht weiter, als die Kirche sich erstreckte, zum Lectorium oder Auditorium Theologicum ein, "daß daselbst alle lectiones theologicae sollten gelesen werden", und verhieß die Einrichtung der Kirche zu diesem Zwecke 3 ), behielt sich jedoch das Eigenthumsrecht der Kirche und des Klosters vor. Der Rector des Frater=Hauses, M. Heinrich Arsenius, war noch im Besitze des Kirchenschlüssels 4 ) und wollte denselben vor einem Befehle des Herzogs Ulrich nicht herausgeben 5 ); nicht lange darauf begrub man ihn jedoch in der Kirche. Mit der Zeit haben aber auch die Juristen, sicher von 1578-1593, in dieser Kirche Vorlesungen und Disputationen gehalten 6 ).


1) Vgl. Etwas, 1739, S. 22, und S. 410 flgd., Krey Beitr. I, S. 346 - In den Rathsprotocollen vom J. 1566 heißt es:
"17 März. Ist mit einhelligem Consens des Raths beschlossen, daß man M. Laur. Wessel solle ins Frater=Kloster nehmen und ihn dasselbe zu verwalten und zu guberniren einthun. Et sic. Mag. Johann Meyer repulsam passus est".
Neue wöchentliche Rostock. Nachr. 1838, Nr. 48, S. 382.
2) Vgl. Etwas, 1739, S. 23; Krey Beitr. I, S. 346. - Hiezu kommt noch eine handschriftliche Bemerkung Wettken's auf der Regierungs=Bibliothek zu Schwerin:
"1594. Julii 16 in der Nacht brandte das Frater=Closter, so erst ao. 1502 erbawet, ab".
Ob dies die alten Klostergebäude waren, oder ob das noch stehende neuere Kloster= und Kirchengebäude nur ausbrannte, bleibt unentschieden; das letztere ist wahrscheinlich, da von der Klosterseite des Gebäudes nur die Mauern stehen und die Universität seit dieser Zeit das Kloster nicht mehr benutzte.
3) Vgl. Urk. Nr. XXX und Etwas, 1739, S. 17; vgl. S. 408; Krey Beitr. I, S. 346.
4) Vgl. Urk. Nr. XXVIII.
5) Vgl. Etwas, 1739, S. 408.
6) Vgl. Etwas, 1739, S. 408 flgd., 369, 410, 830; weitere Nachr. 1746, S. 25; Krey Beitr. I, S. 346.
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g. γ) Kirche und Kloster.

Nach dem Brande des Klosters im J. 1594 ward im J. 1619 das ganze Gebäude zu einem Zeug= und Kornhause umgewandelt 1 ), und als solches ist es unter dem Namen des Zeughauses 2 ) bis in die neuern Zeiten benutzt. Bei dieser Gelegenheit ward das Gebäude aufgeräumt: die Altar= und Leichensteine und die Stühle wurden gehoben und verkauft, die Keller wurden verlassen, der Fußboden ward überall gleich gelegt und das ganze Gebäude ward innerhalb der Ringmauern durchgehends zu einem einzigen freien Raume geschaffen; unten ward ein Zeughaus eingerichtet, und oben wurden zwei Kornböden angelegt. Ueber diese Veränderung findet sich folgende

Nachricht im Stadt=Archive zu Rostock:

1) D. Assuerus soll alles aus dem Closter reumen.

2) Darnach sol der Bodem rein gemacht vnd die Leich= vnd Altarstein gehoben vnd dem Baw zum besten verkaufft werden.

3) Das Kellerschaur soll furderlichst ausgebeßert werden.

4) Hernach sol des kellers gewelbe verlaßen vnd sein Bohn dem fundament der kirchen gleich gemacht werden.

5) Der keller sol bleiben zu gemeiner notturfft.

6) Es sol ein durchgehend gebewd werden so weit die Mauren sich zu beiden seiten strecken.

7) Vnd sol vnten ein Zeughaus vnd oben zwei Bohne zum kornhause sein.

8) Die Eichen Gestülte vnd Panneling sol man dem Gebewte zum besten verkauffen.

9) Der Rahtt vnd hundert sollen sich erstes tages der Vncost halber vergleichen.

10) Dan sol man keuffen Bawholtz zum Vorrahtt.


Am 19. Julius 1629 ward der Thurm abgetragen 3 ). Zum Zeughause und zum Kornhause ist das Gebäude bis zum


1) Nach Archivnachrichten; vgl. Etwas, 1739, S. 23, und Krey Beitr. I, S. 346 und 343.
2) Das Zeughaus stand früher am Steinthore an der Stelle des nachmaligen Ballhauses beim Schauspielhause. Im Stadtbuche heißt es:
"Steindohr (am Kuhberge).
Ein Zeughauß ist alda gestanden. Das Ballhauß, welches Johann Küper hefft E. E. hochw. Raths Vergünstigung gebauwet 1683".
Ueber das Ballhaus vgl. Neue wöchentl. Rost. Nachr. 1838, Nr. 34.
3) Nach Nachrichten im Großherzogl. Archive; vgl. Etwas, 1739, S. 23. Im J. 1588 war der Thurm gebessert worden.
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J. 1820 benutzt; in diesem Jahre wurden die alten Waffen verkauft und das ganze Gebäude ward in einen Kornspeicher umgewandelt 1 ). In den neuesten Zeiten ist das Gebäude ganz zu einem großen Wollmagazine eingerichtet und zu diesem Zwecke mit vielen Böden über einander durchzogen.

3.
Die Buchdruckerei der Brüder vom gemeinsamen Leben zu Rostock.

Die Richtung und Beschäftigung der Brüder vom gemeinsamen Leben zu Rostock läßt sich aus einigen Andeutungen sehr klar erkennen. Im Allgemeinen charakterisirt sie ein nüchternes, fleißiges und friedliches Leben. Vorzüglich beschäftigten sie sich mit dem Studium der heiligen Schrift und den Werken derjenigen Kirchenväter 2 ) und ältern erbaulichen Schriften, deren Studium der Brüderschaft vorzüglich eigenthümlich war; mehrere derselben gaben sie in Drucken heraus 3 ) und der Druck vieler Bücher zum Kirchendienst forderte Vertrautheit mit der Bibel. Diejenigen Brüder, welche Priester waren, versahen in der Bruderkirche den Gottesdienst und warteten zweier Altäre in den Kirchen zum H. Kreuz und zum H. Geist 4 ). Die Graduirten waren bei der Universität eingeschrieben und hielten Vorlesungen, vorzüglich über Werke in griechischer Sprache 5 ).

Die glänzendste Zeit der rostocker Brüderschaft scheint in das letzte Viertheil des 15. Jahrhunderts zu fallen, als sie ihre Gebäude aufführten und die Druckerei einrichteten. Zu dieser Zeit stand an der Spitze der Gesellschaft der Rector Nicolaus von Deer, auch genannt von der Nienborch (1475-1490) 6 ).

Bald darauf erfreueten auch, mit dem erwachenden Studium der Classiker, die Früchte der Brüderschule von Deventer die Gebildeten Europas, und Kinder und Kindeskinder dieser


1) Vgl. Krey Beitr. I, S. 346.
2) So sagt J. Caselius von dem letzten Rector H. Arsenius (vgl. Etwas, 1739, S. 443, und Krey Beitr. I, S. 250):
"H. Arsenius - - in vita otiosa nunquam vacabat a lectione Graecorum veteris ecclesie".
3) Die vorzüglichsten ascetischen Schriften, welche sie herausgaben, sind von Bernhardus Clarevallensis und Lactantius; vgl. unten die Drucke.
4) Vgl. oben über die kirchliche Wirksamkeit der Brüder, S. 15.
5) Vgl. oben vorzüglich das Leben des letzten Rectors H. Arsenius, der ein wahres Musterbild eines Bruders vom gemeinsamen Leben war: S. 28.
6) Vgl. oben über die Verfassung der Brüderschaft, S. 22 und S. 11-12.
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glücklichen Mutter besuchten alle Werkstätten der Wissenschaften. Um diese Zeit, im Anfange des 16. Jahrhunderts, kamen Männer wie Conrad Celtes, Hermann von dem Busche 1 ), Ulrich von Hutten u. A. nach Rostock, wirkten hier einige Zeit 2 ) und traten unbezweifelt mit den Brüdern vom gemeinsamen Leben in Verbindung.

Ein sehr großes Verdienst erwarben sich die Brüder von Rostock dadurch, daß sie eine allgemeine deutsche Schule hielten 3 ), in welcher Lesen, Schreiben und Rechnen für jeden, der es lernen wollte, gelehrt ward. Schon im Jahre 1488 fungirten zwei Brüder des Vereins als Schulmeister (scholares) 4 ), und bei der hereinbrechenden Reformation behielten die Brüder diese Schule bei, indem sie nur verpflichtet wurden, die Papisterei aus derselben entfernt zu halten 5 ).

Am berühmtesten wurden jedoch die rostocker Brüder vom gemeinsamen Leben durch die Verbreitung nützlicher Schriften 6 ). Und hiefür wirkten nicht allein die gelehrtern Brüder, die Priester, sondern es lebten im Fraterhause unter den Laienbrüdern auch allerlei Künstler und Handwerker 7 ). In frühern Zeiten schrieben sie Bücher ab und zeichneten sich darin durch eine äußerst schöne und gewandte Handschrift aus, als die Schönschreiberei schon längst sehr gesunken war 8 ); noch spät nach Verbreitung der Buchdruckerkunst trieben sie das Geschäft des Bücherschreibens 9 ).


1) Hermann von dem Busche war zu Deventer unter Hegius, der den Brüdern vom gemeinsamen Leben angehörte, gebildet; vgl. Erhart a. a. 0. I, 1, S. 34 und 36.
2) Vgl. Krey: Die Rostockschen Humanisten, 1817, S. 12, 32, 33.
3) Vgl. Gryse in J. Slüters Leben z. J. 1534:
"Dewyle ock in S. Michaelis=Kloster van oldinges her de Frater=Mönneke darsüluest eine gemeine düdische schole hedden geholden".
Vgl. oben S. 25.
4) Vgl. die Thurmknopf=Inschrift oben S. 21; die beiden Scholaren im J. 1488 hießen: Joh. Zlisow und Joh. Tunae.
5) Vgl. oben S. 25.
6) Am Ende der Ausgabe der Sermones discipuli de tempore vom Jahre 1476 sagen die Brüder von sich selbst, sie seien:
"fratres - - non verbo, sed scripto predicantes".
7) Nach den Acten des geistlichen Ministerii zu Rostock:
"Coenobium Michaelis, fratrum vulgo dictum, in quo varii mechanici et laici fuerunt, etiam typographia, ad scholam privatam in iuventutis institutionem deinceps iussu senatus destinatam. Fuerunt enim in illo viri docti, inprimis M. Henricus Arsenius".
Vgl. Etwas, 1739, S. 443.
8) Den Beweis hiefür geben ihre Urkunden, von denen die meisten offenbar von ihnen selbst geschrieben sind und einige derselben mit großer kalligraphischer Pracht, ja mit Anwendung der Miniatur=Malerei; vgl. diplom. Anm. zu Urk. Nr. VIII und Nr. XIV.
9) In den fürstlichen Renterei=Rechnungen vom J. 1515 im Großherzoglichen Archive heißt es:
(  ...  )
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So wie aber die Buchdruckerkunst festen Boden gewonnen hatte, legten die Brüder eine Buchdruckerei an, aus welcher der erste Druck schon im J. 1476 erschien 1 ). Damit der Buchdruckerei in den damaligen Zeiten auch immer ein Buchhandel verbunden war, so trieben sie diesen nicht allein mit den Büchern ihrer eigenen Officin, sondern nahmen auch Bücher, die sie auswärts drucken ließen, in Verlag 2 ). Auch eine Buchbinderei hatten die Brüder, in welcher die Bücher vollständig zum Gebrauche zugerichtet wurden mit gedruckter Preisbestimmung 3 ).

Diese typographische Wirksamkeit 4 ) der rostocker Brüder vom gemeinsamen Leben in das rechte Licht zu stellen und genauer zu untersuchen, ist vorzüglich die Veranlassung zu den vorstehenden und nachfolgenden Forschungen 5 ).

Es steht zur Frage, wann die Buchdruckerkunst in Rostock eingeführt ist. Das erste bekannte Buch, welches sicher aus der Druckerei der Michaelis=Brüder hervorgegangen ist, Lactantii opera, ward am 9. April 1476 vollendet; die Druckerei ward also wahrscheinlich im Jahre 1475 eingerichtet. Hiefür reden auch innere Gründe. In diesem Jahre erhielt das Bruderhaus eine Regel und, an die Stelle des altersschwachen, kränklichen Rectors Johannes von


(  ...  ) "XXV gulden den fratern zu rostock von eynem Sanckbuche zu schribenn vff die Capelle zu güstrow. Dienstag nach Lucie. Herzog Heinrich".
1) Vgl. unten bei den Drucken.
2) Breviarium diocesis Tzwerinensis. 1529. Venundatur Rozstochii per fratres dom. viridis horti apud sanctum Michaelem. Excusum prodit hoc Breviarium Parisiis Anno 1530.
Vgl. Urk. Nr. XIX, XX, XXI.
3) Vgl. Etwas, 1740, S. 538.
4) Im J. 1486 war auch eine Buchdruckerei in Münster, aus welcher jedoch nur zwei Bücher bekannt geworden sind. Auch ist bis zum 16. Jahrh. weiter keine Spur von münsterschen Drucken vorhanden. Vgl. Erhard Zeitschr. für westphäl. Gesch. I, 1, Münster, 1838, S. 33 und 57.
5) Im Allgemeinen scheint die Einrichtung des Bruderhauses zu Rostock mit dem zu Münster viel Aehnlichkeit gehabt zu haben. Erhard sagt a. a. O. S. 28, daß die Arbeit der Brüder für Wissenschaft und Menschenwohl
"nicht ausschließlich, ja nicht einmal vorzugsweise, durch eigentlichen gelehrten Unterricht geschah, indem sie zugleich der gewöhnlichen bürgerlichen Erziehung, der Seelsorge, und am meisten dem Abschreiben der Bibel, der Werke der Klassiker und Kirchenväter und anderer nützlicher Schriften, so wie dem Einbinden der Bücher und der Bereitung des Pergaments, als nothwendigen Hülfsmittel der Litteratur, oblagen. Diese Arbeiten beschäftigten nun bei weitem die Mehrzahl der Brüder und scheinen namentlich im Fraterhause zu Münster die vorherrschenden gewesen zu fein; während es immer nur Einzelne waren, welche, durch Kenntnisse und Neigungen vorzüglich begünstigt, sich dem gelehrten Unterrichte widmeten".
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Iserlon, in dem Bruder Nicolaus von Deer einen Rector, der ganz dazu geschaffen war, dem Bruderhause eine kräftigere Richtung zu geben 1 ). Es ist also mehr als wahrscheinlich, daß dieser Rector die Buchdruckerei einrichtete, um so mehr, da die Sagen von ältern Drucken aus der Officin der Brüder durch nichts begründet sind 2 ). Die Druckerei der Michaelis=Brüder ist eine der ältesten in Norddeutschland; es macht ihr nur Lübeck den Vorrang streitig: der älteste lübecker Druck ist das Rudimentum novitiorum, welches im Jahre 1475 aus der Officin des Lucas Brandis de Schaß hervorging 3 ).


1) Vgl. oben S. 12.
2) Die Sage von Drucken vor dem J. 1476 scheint sich auf v. Westphalens unbegründete Nachricht zu stützen. Dieser sagt nämlich in Mon. ined. I, Praef. p. 24: "Diu ante Diezium - - varii apud Rostochienses libelli typis expressi - - a fratribus ad S. Michaelem, quorum cura circa annum 1472 et 1474 prodierunt Augustini quaedam homiliae, Lactantii et patrum quorundam opuscula". Leider giebt Westphalen nicht an, daß und wo er eine der Ausgabe des Augustin von ungefähr 1472 gesehen habe. Trotz aller erdenklichen Nachforschungen in bibliographischen Werken und auf Bibliotheken hat sich auch keine Spur von einer solchen Ausgabe gefunden. Wahrscheinlich meint Westphalen die undatirte Ausgabe:
Augustini: Liber de disciplina christiana; liber de vita beata; liber dehonestate mulierum; libellus S. Bernardi de honestate vitae; tractatus de fuga mulierum; - in 4. goth.
welche muthmaßlich nach (Coloniae, Ulric. Zel de Hanau, circa 1470)
Cölln gesetzt wird und also endigt:
Explicit tractatus beati Augustini episcopi de communi vita clericorum.
Vgl. Brunet Manuel du Libraire. Quatrième édition. Bruxelles 1838, p. 169, und Hain Rep. Nr. 1960 et 1962. - Vielleicht ist v. Westphalen, bei mangelhafter Kenntniß der Brüder vom gemeinsamen Leben, durch den Ausdruck "de communi vita" verleitet, diesen Druck nach Rostock zu setzen. - Dennoch ist nach Hain Rep. eine rostocker Ausgabe von Augustins Homilien vom J. 1476 vorhanden; leider giebt er, wie überhaupt, nicht Litteratur und Fundort an: seine Angabe ist also unzuverlässig, jedoch mit der Jahrszahl 1476 nicht unwahrscheinlich.
3) Zwar meint Dr. Deecke in den Nachrichten von den im funfzehnten Jahrhundert zu Lübeck gedruckten niedersächsischen Büchern, Lübeck, 1834, S. 1, daß sich unleugbare Spuren von einer frühern Ausübung der Buchdruckerei in Lübeck finden; jedoch ist noch kein sicherer, früher datirter lübecker Druck aufgefunden. - Es müßte in Lübeck auch wohl ein anderer Drucker, als Lucas Brandis, vor 1475 gedruckt haben, da dieser noch 1473 zu Marsburg druckte:
Augustini Liber de questionibus Orosii. Finit liber beati Augustini yponensis episcopi de questionibus orosy A luca brandis ex opido delczsch progenito. Nunc aut urbe marsipoli commanenti. arte impssoria in medium feliciter deditus. Anno a partu uirginis salutifero millesimo quadringentesimo septuagesimo tercio. Nonas uero augusti quinto. In 4, goth.
nach Panzer II, p. 10, Brunet Manuel du Libraire I, s. v. Augugustinus und Hain Rep. Nr. 2077.
Man vgl. über die Geschichte der Buchdruckerei in Norddeutschland noch an neuern Werken, außer Deecke's Schrift: Mohnicke Geschichte der Buchdruckerei in Stralsund, 1833, und Friedländer Beiträge zur Buchdruckergeschichte Berlins, 1834.
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Eine andere Frage ist, woher die Buchdruckerei nach Rostock eingewandert sei. Ebert meint, die rostocker Druckerei stamme aus Brüssel oder mit der brüsseler aus derselben niederländischen Quelle, und sagt darüber Folgendes 1 :

"Die teutsche Erfindung verbreitete sich bis etwa zum J. 1475 nur im südlichen und westlichen Teutschland, und selbst der Drucker Brandis, welcher 1475 in Lübeck auftrat, hatte vorher zu Mersburg in Schwaben gearbeitet. Ob die Verbreitung der Buchdruckerkunst im nördlichen Teutschland der teutschen Erfindung unmittelbar angehöre, ist eine andere, mit vielen andern ganz fremdartigen Forschungen verschlungene Frage. In Rostock treten 1476 die fratres communis vitae mit einer Type auf, welche weder mainzisch, noch strasburgisch, noch überhaupt teutsch, sondern brüsselisch ist. Zwar erscheint dieser Orden in Brüssel erst seit 1476 typographisch thätig; aber man weiß, wie zufällig das Hinzufügen oder Weglassen des Datums in frühern Drucken war und wie wenig der Mangel desselben gegen eine frühere Thätigkeit zeugt. In Magdeburg (seit 1483 thätig), in Hamburg (seit 1491), in Lüneburg (seit 1493) läßt sich derselbe Einfluß nicht verkennen, wie überhaupt in der ganzen Bildung und Litteratur Niedersachsens ein bis auf den heutigen Tag noch unenträthselter, aber nachzuweisender Anklang holländischer Weise und Sitte nicht abzuleugnen ist. Vielleicht enthüllt auch sie einst das Dunkel, in welchem die frühere Buchdruckergeschichte Kölns schwebt".
"Denn der zweite Buchdrucker, der dort erscheint, war ein Niederländer, Arnold Ter Hoernen, dessen erster datirter Druck von 1470 ist. Seine Typen sind ziemlich dieselben, welche die fratres communis vitae zu Brüssel brauchten, und eben so wenig teutsch, als die der letztern, im Gegentheil mit dem Ductus in ursprünglich holländischen Handschriften in auffallender Art übereinkommend."

Es ist freilich wahr, die Brüder vom gemeinsamen Leben zu Brüssel hatten auch eine Druckerei; aber sie


1) Ebert in Ersch und Gruber Encyklopädie, Sect. I. Th. 14, S. 234.
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druckten nur von 1476 bis 1487, also auch nicht früher, als die rostocker Brüder. Und dazu sind die den Brüsselern (bei Panzer) beigelegten Drucke wegen durchgehends fehlender Unterschrift noch alle zweifelhaft und ihnen nur muthmaßlich (durch die in Parenthese beigesetzte Notiz: per fratres communis vitae) zugeschrieben, obgleich die Sache nach Lambinet sur origine de l'imprimerie und Santander dictionnaire ihre Richtigkeit haben mag. Aber Ebert sah die zur Vergleichung stehenden Bücher nicht selbst, sondern folgte 1 ) wahrscheinlich der Bemerkung von Lambinet II, p. 188, als dieser von den Brüdern des gemeinsamen Lebens im Ringkgau, Diöcese Mainz, bei Gelegenheit eines von diesen im J. 1474 gedruckten Psalters sagt:

"A Rostok, ville de Basse Saxe, dans le duché de Meklenbourg, ces mêmes clercs imprimoient en 1476 dans leur maison du Jardin vert de St. Michel les oeuvres de Lactance (voy. Catal. la Vallière Nr. 419). Ils ont aussi donné en 1481 une édition in fol. de B. Bernardi sermones super cantica canticorum. On présume, que ceux de Bruxelles ont imprimé avant 1476, comme on le verra plus bas; mais leur humilité, leur modestie leur faisoient une loi de taire leur nom dans les éditions, qu'ils donnoient".

Ein Beweis für die brüsseler Drucke überhaupt ist noch immer nicht geführt, viel weniger noch für die Gleichheit der rostocker Typen mit den brüsselern 2 ).

Dagegen läßt sich etwas anderes behaupten. Die rostocker Ausgabe des Lactanz ist mit kleinen gothischen Lettern gedruckt,


1) Ich verdanke diese Bemerkungen dem Herrn Dr. Friedländer zu Berlin.
2) Der Verkehr der Stadt Rostock mit den Niederlanden war allerdings nicht unbedeutend; er war theils ein kaufmännischer, gegründet in den Verhältnissen der Hanse, theils ein litterarischer, gegründet in der Universität zu Rostock, welche viele Niederländer anzog. Andere Institute mögen auch zur Befestigung des Verkehrs beigetragen haben. Im J. 1466 stifteten z. B. die "Landfahrer" oder zu Lande reisenden Kaufleute eine Brüderschaft zur Heil. Dreifaltigkeit zu Rostock, welche um Pfingsten zur Zeit des "Pfingstmarktes" ihre Jahresversammlung und ihre Feste hielt. In diese Brüderschaft wurden nun auch sehr viele Niederländer aufgenommen. Unter den aufgenommenen Mitgliedern werden auch genannt: 1492 Tomas Smyt en bockdrucker. - 1499 Matthyes bockdrucker, Kerstyne syn husfrouwe. - 1499 Gylges de breffdrucker van Kollen: bedeutende Hinweisungen auf den buchhändlerischen Verkehr am Ende des 15. Jahrhunderts.
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wie sie in den ersten Zeiten der Buchdruckerei häufiger vorkommen. Diese Lettern des Lactanz sind nun denen der ersten lübecker Drucke 1 ) äußerst ähnlich; namentlich gilt dies von der lübecker Scala celi von 1476 und dem rostocker Lactantius von 1476, welche beide von mir mit einander verglichen sind. Auch die Lettern des unbekannten lübecker Druckers 1 )) mit dem Zeichen der drei Mohnköpfe sind den Lettern des Lactanz sehr ähnlich 2 ). Auch den alten köllner Drucken stehen die rostocker sehr nahe.

Die Wirksamkeit der Druckerei der Michaelis=Brüder war eine kirchliche, indem von ihren Drucken fast nichts anders bekannt geworden ist, als Kirchenschriftsteller und Bücher zum Kirchendienst.

Alle Lettern der Michaelis=Brüder sind sogenannte gothische Lettern, mit denen lateinischer, wie deutscher Satz ausgeführt ward. Ihre ersten Drucke sind mit kleinen gothischen Lettern 3 ) gedruckt, gleich andern wissenschaftlichen Werken aus den ersten Zeiten der Buchdruckerei. Bald aber schafften sie sich Missallettern an, große 4 ) und kleine 5 ), und nun begannen ihre größern Arbeiten zum Kirchendienst, indem sie Missale, Agenden und dergleichen Werke druckten. Und in dieser Art von Werken reicht die Wirksamkeit der rostocker Brüder weiter, als man bisher angenommen hat, indem sie sich auch über die Diöcesen Lübeck und Schleswig erstreckte, ja selbst über Dänemark sich verbreitete 6 ). Zu den Missalen und Plenarien konnten sie ihre drei Gattungen von Lettern gebrauchen. Seitdem sie diese besaßen, druckten sie auch wissenschaftliche Werke und andere Schriften mit den kleinern Missallettern. An andern Typen fehlte es ihnen ganz;


1) Der unbekannte Drucker zu Lübeck (1488-1490) scheint ein Bruder vom gemeinsamen Leben gewesen zu sein, da er (vgl. Deecke a. a. O. S. 28) vorzüglich Werke druckte, welche diese Brüder herauszugeben pflegten, wie Augustinus, Anselmus, Bernhardus, Gerhard von Zütphen, Thomas von Kempis etc und andere liturgische und ascetische Schriften.
1) Der unbekannte Drucker zu Lübeck (1488-1490) scheint ein Bruder vom gemeinsamen Leben gewesen zu sein, da er (vgl. Deecke a. a. O. S. 28) vorzüglich Werke druckte, welche diese Brüder herauszugeben pflegten, wie Augustinus, Anselmus, Bernhardus, Gerhard von Zütphen, Thomas von Kempis etc und andere liturgische und ascetische Schriften.
2) Diese kleinen Lettern vgl. im Facsimile Tab. I, Nr. 5.
3) Vgl. Tab. I, Nr. 5.
4) Vgl. Tab. I, Nr. 1 und 2.
5) Vgl. Tab. I, Nr. 3.
6) Nach Süden hin scheint sich ihre Thätigkeit nicht erstreckt zu haben. Ein Missale ecclesie Magdeburgensis druckte im J. 1480 Bartholomäus Gothan zu Magdeburg; vgl. Deecke a. a. O. S. 27. In der Kirchenbibliothek zu Friedland, in welcher viele alte Drucke aus dem 15. Jahrhundert aufbewahrt werden, namentlich aus Nürnberg und Lübeck, jedoch nicht aus Rostock, befindet sich ein Missale Brandenburgense von 1494 aus der Officin "Georgii Stöchs Nurembergensis".
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Holzschnitt kommt nur in Druckerzeichen 1 ), einfachen Initialen und Notenstöcken vor: überhaupt ist ihr Druck ernst, klar und ohne Schmuck. Ja es fehlte ihnen an den eigenthümlichen Brevierlettern, und als das Dom=Capitel zu Schwerin im J. 1522 ein Brevier herauszugeben dachte, sahen sie sich genöthigt, es in Verlag zu nehmen. Sie schlossen daher am 17. Sept. 1522 mit dem Capitel einen Contract, nach welchem sie den Druck des Breviers mit den Lettern des kleinen pariser corpus juris canonici von 1508 übernahmen, wozu sie sich das Manuscript unter Redaction des Capitels auf eigne Kosten schreiben oder schreiben lassen mußten 2 ); dabei verpflichteten sie sich, das ungebundene Exemplar nicht theurer als für 2 1/2 lüb. Mark und das gebundene nicht theurer als für 3 lüb. Mark zu verkaufen. Am 12. Sept. 1527 confirmirte der Bischof Magnus diesen Contract 3 ) und gegen Ende des Jahres 1529 erschien das Brevier, "mit einer neuen Art von Lettern", d. h. Brevierlettern, gedruckt, zu Paris in der Officin der Wittwe des Thileman Kerver 4 ). Am 10. März 1530 empfahlen der Bischof und das Dom=Capitel von Schwerin den Geistlichen ihrer Diöcese den Ankauf dieses Breviers für den contractlichen Preis von 3 lüb. Mark für ein gebundenes Exemplar 5 ).

Die Lettern der Michaelis=Brüder reichten aber mit dem Fortschritte der Buchdruckerkunst und der Wissenschaft bald nicht mehr aus 6 ), wenn es sich auch nicht leugnen läßt, daß sie im Missalsatze und im Pergamentdrucke nichts Gewöhnliches leisteten, und es dauerte nicht lange, daß diese Officin von mehreren Anstalten überflügelt ward, welche mehr dem Bedürfnisse der Zeit entsprachen 7 ); seit dem J. 1514 hatte sie sogar


1) Vgl. Tab. I, Nr. 5 und 7.
2) Vgl. Urk. Nr. XIX.
3) Vgl. Urk. Nr. XX.
4) Vgl. unten bei den Drucken. - Im J. 1512 war für die Diöcese Schleswig ein Brevier in derselben Officin gedruckt worden; vgl. unten bei den Drucken zum J. 1522.
5) Vgl. Urk. Nr. XXI.
6) Ein Aufgebotsschreiben des Herzogs Heinrich vom Jahre 1521, welches, weil es einseitig war, bei ihnen in der Stille gedruckt ward, - das einzige Druckwerk der Michaelisbrüder für das öffentliche Geschäftsleben, - ist zwar deutlich gedruckt, nimmt sich aber im etwas unregelmäßigen Satze mit den kleinen gothischen Missallettern von Seiten der Schönheit eben nicht vortheilhaft aus.
7) Dabei ward für Meklenburg auch außerhalb Landes gedruckt. So ist die Absolution des Herzogs Magnus von Sachsen vom Banne vom J. 1516 und eine Citation des v. d. Lühe in der Streitsache mit dem schweriner Canonicus Peter Sadelkow ebenfalls ungefähr vom J. 1516, beide mit denselben großen Missallettern, nicht zu Rostock, sondern wahrscheinlich zu Lübeck gedruckt.
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zwei Nebenbuhlerinnen (die des Nic. Marschalk und des Hermann Barkhusen oder Ludwig Dietz) in Rostock. Auch wurden der Druckerei der Brüder aus religiösen und politischen Gründen Fesseln angelegt. Als Dr. Emser im Jahre 1529 einen Drucker für sein Neues Testament suchte, hatten sie sich zum Druck des Buches bereit erklärt; nachdem, auf Luthers Vorschreiben, ihnen der Druck des Testaments untersagt war, und sie dennoch Anstalt dazu machten, auch sonst mit ihrer Druckerei gegen die Reformation zu wirken strebten, ward ihr Rector Martin Hillemann mit Hausarrest und ihr Drucker Johann von Holt mit Gefängnißstrafe vom Rathe zu Rostock belegt, woraus sie sich nur durch Leistung der Urfehde am 28. Junius 1532 befreien konnten 1 ). Bei dieser Gelegenheit lernen wir auch den Drucker der Brüder im 16. Jahrhundert dem Namen nach kennen.

Endlich ging mit der Reformation im J. 1534 die katholische Wirksamkeit der Brüder unter und mit derselben auch wohl ihre typographische Thätigkeit. Mit dem 16. Jahrhundert kommen immer weniger Druckwerke von ihnen zum Vorschein; der letzte bekannte Druck von ihnen ist vom J. 1531. Die typographische Thätigkeit der rostocker Brüder vom gemeinsamen Leben umfaßt ungefähr einen Zeitraum von 60 Jahren, indem die ersten und letzten bekannten Drucke derselben von den Jahren 1476 und 1531 datirt sind. Dennoch scheinen sie bis zu ihrem völligen Untergange im Besitze ihrer Druckerei geblieben zu sein; denn als im Sommer 1542 der Buchdrucker L. Dietz nach Lübeck gereiset war und der Herzog Heinrich schnell einen Druck in Staatsgeschäften verlangte, befahl er seinem Secretair Simon Leupold, dafür zu sorgen, daß die Michaelis=Brüder ihre Druckerei wieder in Stand setzten, wenn es, bei Dietzens Abwesenheit, nöthig sein sollte, mit den Worten:

"alsdan bei den "Nolbrüdern" 2 ) zu Rostock fürdern und fleissigk anhalten, das sie vnvertzüglich die Instrumenta, so zum drucken notturfftigk sein, zuwege bringen".

Das Wasserzeichen des Papiers der Michaelis=Brüder ist in den frühern Zeiten ein Ochsenkopf; in den spätern Zeiten kommt neben diesem Zeichen auch ein Zeichen wie ein p und eine Hand vor. Jedoch läßt sich aus diesen weit ver=


1) Vgl. oben S. 23 und Urk. Nr. XXII.
2) Vgl. oben S. 23, Not. 3.
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breiteten und lange üblichen Zeichen eher nichts schließen, als bis glückliche archivalische Forschungen einen sichern Grund gelegt haben.

Von Druckerzeichen sind zwei bekannt geworden, deren jedes aber nur einmal nach bisherigen Beobachtungen angewandt ist. Das älteste, eine Weltkugel mit einem auf derselben errichteten Kreuze 1 ), steht am Ende von Bernhardi Clarevallensis sermones von 1481. Das jüngere, unter der Agende des Bisthums Schwerin von 1521, ist ein großer, sauber ausgeführter Holzschnitt, den St. Michael auf einer Weltkugel darstellend, wie er mit Kreuzstab und Schwert den Drachen überwindet 2 ).

4.
Drucke der Michaelis=Brüder.
1476.

1) Lactantii opera.

Ohne ein besonderes Titelblatt beginnt das Buch mit 11 Bl. Registern und den Worten:

Lactancii Firmiani de diuinis institutionibus aduersus gentes rubrice primi libri incipiunt.

Am Ende steht mit rothem Druck:

Firmiani Lactancii viri pcellentis ingenii qui vel solus inter xpiane professionis scriptores supereminet nitore quodaz et copia: vel nullum eor. sequitur facundia simul et lenitate sermonu. Diuinar. institutionu aduersus gentes. De ira quoque dei ad Donatum. Necnon et de opificio dei vel formatione hominis ad Demetrianu finiunt libri Per fratres presbiteros et cl'icos cogregationis domus viridisorti ad scm Michaelem in opido Rostockcen partium inferioris Sclauie. prout facultas et industria tulit emendate satis et accurate consummati. Anno incarnationis dominice. Millesimo quadringentesimo septuagesimo sexto. Quinto Idus Aprilis. Deo Gratias.


1) Abgebildet Tab. I, Nr. 5.
2) Abgebildet Tab. I, Nr. 7.
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Druckerzeichen fehlt. - In Fol., ohne Seitenzahlen, Custoden und Signaturen, im Ganzen 203 Bl. von schönem, festem Papier mit einem Stierkopfe als Wasserzeichen. Die Anfangsbuchstaben der Abschnitte sind abwechselnd roth und blau eingemalt; die großen Anfangsbuchstaben der einzelnen Sätze sind senkrecht roth durchstrichen. Die Typen sind kleine gothische Lettern (Tab. I, Nr. 5), den Typen ähnlich, mit welchen die Werke aus der ältesten Zeit der Buchdruckerei gedruckt sind, und sind den Typen des unbekannten lübecker Druckers mit dem Zeichen der Mohnköpfe (seit 1488) am ähnlichsten; Interpunctionszeichen nur Punct, Komma und Fragezeichen.

Diese Ausgabe ist nach der römischen Ausgabe von 1468 gedruckt; vgl. Fabricii Bibl. lat. III, p. 397; Masch Beitr. zur Gesch. merkw. Bücher S. 69.

Exemplare in der Bibliothek des Vereins für meklenburg. Geschichte, auf der Universitäts=Bibliothek zu Rostock, auf der Königl. Bibliothek zu Kopenhagen, auf der Stadt=Bibliothek zu Hamburg etc In dem Exemplare des Vereins fehlt das erste Blatt des Textes de divinis institutionibus, welches aber durch ein beschriebenes Pergamentblatt ersetzt ist.

Vgl. Etwas 1740, S. 535; Panzer Ann.; Dibdin Bibl. Spencer. IV, p. 522; Catalogue of the library of Dr. Kloss, of Frankfort a. M. professor, including many and unpublished manuscripts and printed books with ms. annotations by Philip Melanchthon. London. 1835; Hain Rep. Nr. 9812.

2) Sermones discipuli de tempore.

Am Ende:

Humilibus placent humilia. Huius gratia rei Doctor hic precellens suppresso proprii nominis vocabulo Sermones hos prehabitos Discipuli prenotatosque alias maluit nuncupari. Quique tamen vt luce clarius patet de sub manibus euasit Doctor magistri. Huic applaudere hunc efferre laudibus hunc predicatum iri miretur nemo cum certissime constet inter modernos sermonistas eum in vulgi scientia tenere principatum. Huius igitur zeli cupientes fore consortes nos fratres presbiteri et clerici viridis horti in Rostock ad sanctum Michaelem non verbo

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sed scripto predicantes virum hunc preclarum apud paucos in conclauis latitantem foras eduximus arte impressoria artium omnium ecclesie sancte commodo magistra in noticiam plurimorum ad laudem cunctipotentis Dei. Anno incarnationis dominice MCCCCLXXVI. tertio kalendas Nouembris.

Ein Exemplar dieses Buches ist nicht aufzufinden gewesen. Die vorstehenden Angaben sind entlehnt aus Lackmanni annalium typographicorum selecta quaedam capita. Hamburgi, 1740, S. 114. Vgl. Etwas 1740, S. 536; Panzer Ann.

3) Augustini homiliae.

"Rostock per fratres presbiteros et clericos congregationis domus viridis horti. 1476."

Nach Hain Rep. Nr. 1986. Leider ist weder Litteratur, noch Fundort angegeben. Auch Westphalen Mon. I, Praef., p. 24, erwähnt einer rostocker Ausgabe von Augustins Homilien, jedoch fälschlich vom J. 1472; vgl. oben S. 38.

4) Vincentii Bellovacensis libri III de morali principis institutione, de nobilium puerorum institutione et consolationibus specialibus super morte filii 1 ).

"Ohne Ort und Jahr, in Fol., mit goth. Lettern. Mit der Type des rostocker Lactantius von 1476 gedruckt." Nach Ebert II, S. 1034; vgl. Panzer Ann. II, 558, Etwas 1740, S. 534.

Ein Exemplar befindet sich auch auf der Rathsbibliothek zu Lübeck. Nach sorgfältiger Vergleichung dieses Buchs mit dem Lactantius der Michaelis=Brüder vom J. 1476 durch den Herrn Dr. Deecke zu Lübeck ist der Druck ohne Zweifel von den Michaelis=Brüdern besorgt. Nach den Mittheilungen des Herrn Dr. Deecke beginnt das Buch:

fol. 1. a. (E)latissimis ac religiosissimis in cristo viris et illustrissimis.
fol. 100. a. Z. 7. ist das Wort habuit mit rothem Druck nachgetragen.


1) Deutsch: Hand= und Lehrbuch für königliche Prinzen und ihre Lehrer von F. Cp. Schlosser. Frankfurt a. M. 1819. 8. 2 Bde.
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Das Buch selbst schließt:

fol. 147. b. Z. 22, 23: Vincencii beluacen. ordinis predicator. religiosissimi professoris de liberali ingenuorum institucone pariter ut educacone liber finit foeliciter.

Es folgen 10 1/2 Zeilen, den Vincentius betreffend.

Darauf folgt noch:

fol. 148. a. Incipit Rubrica primi libri de morali principis institucone.
fol. 149. a. Z. 23. Finit Rubrica pntis operis.

Jede Seite hat 41 Zeilen, ohne Cust., Seitenzahl und Sign. Bisweilen nachcorrigirt. Das Wasserzeichen: der Ochsenkopf mit Stange und Stern.

(147?-148?)

5) Plenarium diocesis Zuerinensis.
Pergament=Druck.

Im Großherzoglichen Geheimen= und Haupt=Archive zu Schwerin wird ein vollständiges, großes, auf Pergament gedrucktes Plenarium aufbewahrt.

Es ist nach den Lettern unbezweifelt in der Druckerei der Brüder vom gemeinsamen Leben zu St. Michael in Rostock gedruckt; es fehlt jedoch dem Buche Titel, Bezeichnung des Druckortes und Druckjahres. Es ist in gespaltenen Columnen mit Missaltypen gesetzt, ohne Seitenzahlen, Columnentitel und Custoden; Signatur der Blätter steht auf dem Rande. Der Druck umfaßt 215 (CCxv) Blätter in groß Folio. Der Druck ist schön und scharf, mit großen oder kleinern Missaltypen (Tab. I, Nr. 1, 2 u. 3) gesetzt, in schwarz oder roth gedruckt, nach Bedürfniß; an einzelnen, wenigen Stellen ist der rothe Druck auf die Ränder des schwarzen gesetzt. Alle Anfangsbuchstaben sind mit reinen Farben abwechselnd roth und blau eingemalt; der erste Buchstabe ist sehr groß in blau gemalt; alle gedruckten großen Buchstaben sind roth durchstrichen.

Angebunden ist ein nicht foliirter Bogen Pergamentdruck, welcher die Liturgie zu dem Feste medelidinge Mariä enthält, mit der Ueberschrift:

De compassione beate marie virginis

und mit zwischengeschriebenen Noten. Dieser Bogen ist nicht in gespaltenen Columnen gesetzt und hat keine Signatur; der Druck desselben ist etwas unreinlicher, als der des Hauptwerkes.

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Dieser Nachtrag des officii de compassione et dolore Mariae deutet darauf hin, daß das Missale schon gedruckt war, als das Fest in Meklenburg eingeführt ward. In Lübeck ward es im J. 1479 eingeführt und im J. 1494, 1498 und 1504 wurden dort Bücher von der medelidinge Marien gedruckt. Da für Lübeck im J. 1477 auch das große Liber horarum canonicarum in Rostock bei den Michaelis=Brüdern gedruckt ward, so ist es wahrscheinlich, daß das Schweriner Plenarium noch im 15. Jahrhundert, vielleicht noch vor 1479 gedruckt ist.

In der Mitte des Buches zwischen fol. CV und CVI ist ein geschriebenes Antiphonarium eingeheftet. Dabei ist noch ein nicht signirter Bogen Pergamentdruck in gespaltenen Columnen, dessen erste Seite beschrieben, dessen übrige Seiten bedruckt sind. Dieser Bogen enthält:

De quinque vulneribz

und

De psentacone beate marie virginis

und die gewöhnlichen, täglichen Antiphonien. Auf diesem Bogen finden sich zwei große, verzierte Initial=Typen.

Die Lettern zeugen für den Druck im Michaeliskloster. Einige Stellen im Druck selbst beweisen, daß das Buch für die Schweriner Diocese bestimmt war. Es steht nämlich:

     fol. Cv. a.
Et nota, quod dnica in dcta pethecostes solepniter peragitur festu sce trinitatis in ecclesia zuerinensi pro duplici festo.
     fol. Cxliii. a.
Sic seruatur in sancto die corporis xpi. et dnica infra octaua. sed in aliis diebus octaue ipsius scd'm ordinariu zuerinensem d'r alleluia seques.
     fol. CCrx. a.
Nota quod feria secd'a post remigij in eccl'ia zuerinen comemoracoes aiarum peragutur modo cosueto prout in die aiaru post festu oim sanctorum e expressuz exceptis horis de animabus que hic non seruatur.

Dieses Plenarium und ein geschriebenes Antiphonarium auf Pergament in größtem Folio=Format wurden vom Archive auf der Auction des Professors Burgmann zu Rostock im J. 1780 zusammen für 6 Thaler gekauft.

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1478.

6) Liber horarum canonicarum ecclesiae Lubicensis.

Nach der wendischen Chronik 1 ) ließ der lübecker Bischof Albert Krummendyk ein großes liber horarum canonicarum für seinen Sprengel drucken, welches v. Seelen sel. litter. p. 596 und nach ihm Gerner und Suhl für einen lübecker Druck ausgaben. v. Seelen in seiner Nachricht von der Buchdruckeri etc , 1740, S. 10, sagt: "Mit wenigerem Bedencken rechne zu diesem Jahre (1477) Libros Horarum Canonicarum, welche Albertus Crummedikius, Bischoff zu Lübeck, drucken lassen. Denn ob gleich der Ort, wo sie gedruckt, nicht gemeldet worden, so ist doch kein Zweifel, daß es Lübeck sei, weil, allem Ansehen nach, eben die Buchstaben dazu genommen worden, welche Lucas Brandis de Schass zum Rudimento Novitiorum gebraucht."

Nach einer genauen Vergleichung dieses Werkes durch den Herrn Dr. Deecke zu Lübeck ist das lübecker Liber horarum canonicarum ohne Zweifel von den Michaelis=Brüdern zu Rostock gedruckt, was um so wahrscheinlicher ist, als dem Werke eine "plena additio ordinis Zwerinensis" angehängt ist.

Das Buch ist nach dem Studium und der Beschreibung des einen Exemplars auf der Stadt=Bibliothek zu Lübeck durch den Herrn Dr. Deecke:

In gr. Fol., 493 Bl., in zwei Columnen mit 49 Zeilen, ohne Seitenzahlen und Signaturen. Das Wasserzeichen im Papier ist bald eine Krone, bald ein Ochsenkopf, aus dessen Hörnern in der Mitte eine Stange hervorgeht, die oben in einen Stern oder einen Hammer endigt, bald eine Weintraube. Die Typen sind die der Ausgabe des Bernhard Clarev. (Nr. 8), wie sie auch in den Explicationen des schweriner Plenarium (Nr. 5) angewandt sind (Tab. I, Nr. 3).

Das Buch beginnt:

Incipit prefatio et exhortatio in libruz horararum canonicarum.


1) "Vicesimus tertius dictus est Albertus Krummendiek. - - Hic etiam permisit imprimere libros horarum canonicarum, ,anno domini 1477, ne quisquam excusaretur a debita et vera solutione verissimi ordinis Lubicen. juxta omne mandatum libri ordinarii ecclesiae majoris, hoc ipsum dispensante et ordinante quodam vicario in ecclesia beatae Mariae virginis in Lubekc." Chron. slav. in Lindenbrogii script. rerum Germ. et Sept. p. 222.
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Bl. 137 a, Col. 2 ist ein Abschnitt: Z. 19 flgd. steht:
Nobilis ut multa n ars ipressoria laude
Digna: nec efferre sat quis na potis e.
Inuentu tamen esse suu germania iactat,
Quod docta italia no reperisse pudet.

Darunter ein schwarzes, rundes Siegel mit den weißen Buchstaben:
     J. K. S. (= Jussu Krummendickii sculptum?).

Bl. 138 a, Z. 1:
Dominica pri.

mit großen Missallettern.

Bl. 211 a wieder ein Abschnitt; Bl. 212a:
Incipit psalterium gallicanum emendatum.

Bl. 282 b, Z. 21:
Nota ano domini M. CCCC. LXXV. sic fuit seru atum.

Bl. 284 b, Col. 2: Abschnitt; Bl. 285: frei. Bl. 286a:
Sequitur canticum Hilarii episcopi Pictauien.

Bl. 313 a, Col. 1, Z. 5 v. u.:
(A)nno dui M. CCCC. LXXVIII. est ann9 comunis secundus post bisex.

u. s. w. die Kalenderangaben bis 1499.

Bl. 337 a, Col. 1 in der Hälfte: Abschnitt. Bl. 338a:
In vigilia sacti Andree ad matutinas.

Bl. 477 b, Col. 1, Z. 29 flgd.:
Explicit veri ordinis Lubicensis liber, horarum canonicarum etc .

Bl. 478 a:
Sequitur plena additio ordinis Swerinensis (im Original stilisierte Blume)

Bl. 493 b, Col. 2:
Finis est.

Ein Exemplar auf der Rathsbibliothek zu Lübeck 1 ).


1) Ein anderes Werk ist das Missale in groß Folio, welches ebenfalls auf Anordnung des Bischofs Albert Krummendik herausgegeben und im Jahre 1486 zu Lübeck bei Mathaeus Brandis gedruckt ist; vgl. v. Seelen Nachricht, S. 13.
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Eine neue Auflage dieses Buches ward in Nürnberg, 1513, in 8., veranstaltet. Eine rostocker Auflage von 1514, welche v. Westphalen, Mon. ined. IV, p. 1128, gekannt haben will, ist nicht aufzufinden.

147?-148?

7) Ein unbekanntes Missale
in Pergamentdruck

muß noch aus der Officin der Michaelis=Brüder hervorgegangen sein, da sich von einem andern ganz ähnlichen Werke, wie das Plenarium (Nr. 5) der Schweriner Diöcese, im Großherzogl. Archive zu Schwerin ein ausgerissener Bogen findet, der mit dem Schweriner Missale in den Typen, aber nicht in Signatur, Vertheilung des Satzes auf die Seiten und Inhalt übereinstimmt. - Auch auf der Bibliothek der Marienkirche zu Rostock findet sich ein ähnliches Blatt aus einem, bei den Michaelis=Brüdern gedruckten Exemplare in einen Folianten eingeklebt.

1481.

8) Bernhardi Clarevallensis sermones super cantica canticorum.

Ohne besonderes Titelblatt; die erste Seite beginnt mit folgenden Zeilen in rothem Druck:

Incipiunt sermones egregij atqz melliflui doctoris beati bernhardi Clareuallensis abbatis Super cantica canticoru.

Am Ende (Bl. 204a.) steht mit rothem Druck:

Ad laudem et gloriam omnipotentis dei. gloriose virginis marie. et omnium sanctor. Finiunt feliciter elegantissimi atz pulcherrimi sermones beati. Bernardi clareuallesis abbatis doctoris melliflui super Cantica canticorum suma cu diligencia correcti atqz impressi in Rozstock per fratres Cois vite. ad sanctu Michaelem. Anno a natiuitate domini. Millesimo quadringentesimo octuagesimo pmo qnto kaledas Augusti.

Darunter das Druckerzeichen der Michaelis=Brüder in rothem Druck: eine Weltkugel mit einem Kreuze auf demselben, abgebildet Tab. I, Nr. 7. - Fol., ohne Seitenzahlen, Custo=

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den und Signaturen, 205 Bl. von schönem, festem Papier mit einem Ochsenkopfe als Wasserzeichen, jede Seite mit 37 Z. Die Blätter sind mit dem Drucke gleichzeitig in roth paginirt. Die Anfangsbuchstaben der Abschnitte sind abwechselnd roth und blau, jedoch nicht immer in regelmäßiger Abwechselung, eingemalt; der erste Buchstabe des Textes ist sehr groß und bunt mit mehreren Farben gemalt. Die großen Anfangsbuchstaben der einzelnen Sätze sind senkrecht roth durchstrichen. Die Lettern sind die kleinern Missallettern der Michaelis=Brüder (Tab. I, Nr. 3) mit häufigen Abbreviaturen; Interpunctionszeichen nur Punct, Komma und Fragezeichen.

Hinter dem Buche steht:

fol. 205a, Col. 1. Repertoriu notabiliu sentenciaru in omilias melliflui doctoris bernhardi super cantica canticoru.
fol. 208b, Col. 2, Z. 38. Quisquis videris hoc repertorium si ad vnguem in etc bis Z. 43.

Vgl. Etwas 1739, S. 297 und 1740, S. 137; Hain Rep. Nr. 2856.

Ein Exemplar in der Bibliothek des Vereins für meklenb. Geschichte. In diesem steht am Ende mit rother Dinte geschrieben:

Anno 1489 emi pro 3bus fertonibus sed sine registro.

Ein Register von O-Z ist von derselben Hand im J. 1489 auf die letzten leeren Seiten eingeschrieben.

Ein Exemplar auf der Raths=Bibliothek zu Lübeck, ein Exemplar auf der königl. Bibliothek zu Kopenhagen und zwei Exemplare auf der Marien=Bibliothek zu Rostock, deren einem das Repertorium fehlt. Dem andern Exemplare ist angebunden:

Liber sermonum sancti leonis primi pape doctoris floridissimi ac eloquentissimi incipit feliciter.

mit ähnlichen, jedoch andern Lettern.

?

9) Incipit tractat 9 de verbo rei collectus ex doctore sancto.

Der Text beginnt:

Quoniam in habetibus simbolu facilior est trasitus secundum philosophum secundo de generacione etc

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Am Schlusse:

Registrum eorum que in hoc tractatu habentur.

Das Ende:

Quartadecima propositio etc

15 Bl. in Fol., in gespaltenen Columnen, ohne Sz., Cust. u. Sign., ohne Druckort und Druckjahr.

Die Lettern sind den Typen der Michaelis=Brüder (Tab. I, Nr. 3) gleich, oder doch sehr ähnlich, scheinen aber in sehr geringen Zeichen von denselben abzuweichen.

Ein Exemplar ist einer undatirten Ausgabe des Ovid auf der Marien=Bibliothek zu Rostock (Nr. 102) vorgebunden.

(1500).

10) Ein Ablaßbrief oder Confraternitäts=Brief, welcher also lautet:

Nos         huilis pater et rector. ceteriqz fres dom 9 sancti mychaelis in Rostock. Dilect nobis in xpo.        Salute et vtutu incrementa. Cu iure diuino lex mutue caritatis generalit' oibz nos obligat et efficiat debitores. Illis tame quor. circa nos sce caritatis affectu maiore certis indiciis experimur. nos merito reddit peramplius obligatos. Hinc est qd' exigentibz pie deuocois vre bnfecijs. q nob' et domui nre exhibuistis. Uobis plena 9cedim 9 dom 9 nre oim spualiu bonor. participacoem. in vita pariter et in morte. videlicz missar. vigiliar. oronu. ieiunior. elemosinar. abstinenciar. labor. et disciplinar. ac obediecie et ceteror. bonor. operu spualiu. q per fres nros operari dignabit clemencia saluatoris. Addentes insuper de gra speciali. sicut caritas vra meruit. qd' cu obitus vester. que deus felicem faciat et beatu. nob' per pntes denuciatus fuerit. ea pro vob' fiet suffragia que pro nris cofratribz defuctis fieri sut 9sueta. Datu sub sigillo nro. Anno dni millesimo qngentesimo
Ipsa die

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ein Pergamentblatt in Queer 8, mit den Lettern Tab. I, Nr. 3. Dieser Brief ist ein Schema zum Ausfüllen auf eine bestimmte Person und zu einer bestimmten Zeit nach dem Jahre 1500. Wahrscheinlich sind diese Formulare im Anfange des 16. Jahrhunderts gebraucht, indem im J. 1502 das neue Fraterkloster gebauet ward. Ein Exemplar dieses Formulars verdankt der Verein für meklenb. Geschichte dem Hrn. Dr. Deecke zu Lübeck, welcher mehrere auf einen Bogen zusammengedruckte Exemplare in einem alten Bücherdeckel entdeckte.

1511. ?

11) Dreifache Schnur oder Erklärung der drei Hauptstücke des Katechismus, von N. Ruß.

Diese Schrift, welche ein Vorläufer der Reformation zu Wismar, außer einer Harmonie der Evangelien, herausgab, ward wie diese, sorgfältig aufgesucht und verbrannt; wenig Exemplare, die zu seiner Zeit gerettet und vergraben wurden, fand man vermodert wieder. Vgl. Krey Andenken etc III, S. 4.

1521.

12) Agenda secundum ritum ecclie Swerinen. correcta.

Dieser Titel ist im Facsimile mitgetheilt Tab. I, Nr. 1. Das Proemium operis sagt über diesen Druck S. 2:

Itaqz eade noua castigata agenda per Venerabile Patrem d. Martinu. ac religiosos Fratres apud sanctu Michaele in Rostok in tot exeplaribus quot sufficere valeant pro hac tota diocesi (ad dei laudem, ecclesiaru profectu et communem vtilitatem) imprimi fecimus, preciuque cuiuslibet ligate ac cum registris et aliis correquisitis bene absolute agende huiusmodi ad Vndecim Solidos Lubicenses dumtaxat (ne quisquam grauari possit) taxauimus. Cum in eadem agenda sint etiam plurima folia de charta pargameni presertim quo ad materias que frequenter per anni circulu curatis iteranda occurrut.

Das Proömium ist unterzeichnet:

Datu et actum apud Ecclesiam Suerinen. in loco nostro Capitulari, Sub anno a natiuitate dni MDXXI. die XXIII Mensis Marcii.

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Am Ende steht:

Rostochii apud Divum Michaelem ex fratru chalcotypa officina hec agenda impressa fauste finem accepit. Anno a Christo nato MDXXI. vicesima octaua Augusti.

Der Titel steht in einem Holzschnitt: dem Bogen eines Portals. Dann folgt das Prooemium operis mit Folio=Bezeichnung und Signatur I u. II. Am Ende des zweiten Blattes steht:

Registru huius libelli siue agede secundu ritu ecclie et diocesis Swerin.

Das dritte Blatt beginnt:

Index in agendam,

welches fol. III. einnimmt. Auf fol. IIII und VII stehen die Statuta der schweriner Diocese.

Dann folgt die Agende selbst mit neuer Folienbezeichnung von Fo. I bis fol. CXI mit Sign. a bis o. Die letzten 10 Blätter nehmen "Casus papales, episcopales" etc in kleiner Schrift ein. Die Agende selbst ist abwechselnd roth und schwarz gedruckt, so daß die Anordnungen für die Handlungen des Priesters, auch die Kreuze, (agenda) mit den mittlern Lettern, mit denen der Bernhard gedruckt ist, (Tab. I, Nr. 3) in roth, und die von Priestern und Laien auszusprechenden Worte (credenda) mit den großen Missallettern (Tab. I, Nr. 2 und 4) schwarz gedruckt sind. Hin und wieder findet sich ein Blatt Pergamentdruck. Die Anfangsbuchstaben größerer Abschnitte sind Holzschnitte. Die Noten sind ebenfalls in Holz geschnitten und in schwarz auf rothe Linien gedruckt.

Auf der letzten Seite steht in kleinen Lettern die oben mitgetheilte Nachricht über Druckort und Druckjahr in vier Zeilen in kleinen Lettern (Tab. I, Nr. 5). Darunter steht das größere Druckerzeichen der Michaelis=Brüder in Holzschnitt: in einer Landschaft auf einer Weltkugel der H. Michael auf einem Drachen stehend, mit der Rechten ein Schwert auf den Drachen schwingend, mit der Linken eine, mit einem Kreuze am Griffende geschmückte Lanze in das Maul des Drachen drängend; außerdem hält er in der linken Hand eine Wage, in dessen linker Schale ein Kind steht, welches die rechte Schale, in welches etwas Unkenntliches liegt, in die Höhe schnellt (Tab. I, Nr. 5).

In 4, mit dem Wasserzeichen p, am Ende auch mit dem Wasserzeichen einer Hand.

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Ein Exemplar auf der Universitäts=Bibliothek zu Rostock. Vgl. auch Mark Schwerin. Evang. Kirchengeschichte S. 3, Kohlreiff Bericht von der Calvinisten Lehre, Vorbericht, §. 3., Etwas, 1740, S. 537, Mantzel Bützowsche Ruhestunden XXIV, S. 35 und 43, Krey Beiträge II, S. 248, Rudloff Mekl. Gesch. III, 1, S. 39, Westphalen Mon. ined. IV, S. 1126, Panzer Ann.

Angehängt ist:

BVLLA LEONIS.
Pape X. In cena domini publicata. 1521.

Darunter des Papstes Wappen in Holzschnitt; 1 Bogen von 4 Bl., mit Sign. p, ohne Sz., in den kleinen Lettern (Tab. I, Nr. 4 und 5). - Ein Exemplar dieser Bulle auf einem Pergamentblatte für die Geistlichen der schweriner Diocese ist dem Opusculum in officium Missae von 1506 (gedruckt bei Herm. Barkhusen) auf der Stadt=Bibliothek zu Hamburg beigebunden.

13) Aufgebotsausschreiben des Herzogs Heinrich an die meklenburgische Ritterschaft, d. d. Dobbertin am Mittwoch nach Mauricius (25. Sept.) 1521

ist bei den Michaelis=Brüdern zu Rostock mit den kleinern Missallettern (Tab. I, Nr. 3) gedruckt, mit welchen die Ausgabe des Bernhard Clarev. von 1481 gedruckt ist. Der Herzog Albrecht ließ im J. 1521 ein Warnungsschreiben gegen dieses "einseitige" Aufgebot und auch ein Aufgebotsschreiben für sich bei Ludwig Dietz drucken.

Ueber dieses Aufgebotsschreiben des Herzogs Heinrich, welches das einzige öffentliche fürstliche Ausschreiben ist, welches aus der Druckerei der Michaelis=Brüder stammt, sagt eine fürstliche Kammer=Rechnung:

     1521.
"IIII guldenn, geuenn vor denn druck, de nhu lest wurth gedrukket, dat de gantze lantschopp scholde up synn. Actum Güstrow donredages nha dionysii (17. October) vonn bouell m. g. h. Hinrik".

Exemplare befinden sich im Großherzoglichen Archive zu Schwerin.

1522.

14) (Godschalci ab Ahlefeld) Rosarium sive Liber agendarum secundum ritum ac consvetudinem

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ecclesie et dioeceseos Slesvicensis divinorum rectoribus utilis et necessarius eius cura ac jussu.

In 4. Nach Melch. Ludw. Wiedekinds Past. Berol. Verzeichniß rarer Bücher, Berlin 1753, in Mantzel Bütz. Ruhest. XXIV, S. 48. Vgl. Panzer Ann. und Dreyer notit. librorum manuscr. etc , wo zwei Ausgaben angegeben sind: Paris. a. 1512, it. Rostochii a. 1522. Die Ausgabe Paris. 1512 ist auf der königl. Bibliothek zu Kopenhagen. Nach Moller Cimbr. litt. I, p. 12, besitzt die Kieler Universitäts=Bibliothek ein Exemplar der rostocker Ausgabe von 1522.


Es steht übrigens noch zur Frage, ob die pariser Ausgabe von 1512 mit der rostocker von 1522 dasselbe Buch ist. Im J. 1512 ward für die Diocese Schleswig 1 ) ein Brevier zu Paris gedruckt; die rostocker Ausgabe von 1522 ist dagegen eine Agende. Das zu Paris gedruckte Brevier, zu welchem man ein ähnliches für die schweriner Diocese vom J. 1529 vergleichen kann, ist folgendermaßen beschaffen:

Liber Breuiari 9 scdz ordinarium ritu ac consuetudine ecclesie et diocesis Sleßwicen.

mit rothen Missaltypen, eingefaßt durch einen Holzschnitt. Unter dem Titel steht das Druckerzeichen: ein queer getheilter Schild, in dessen oberer Hälfte die Buchstaben T. K. stehen; in der untern Hälfte steht ein Zeichen wie ein Steinmetzzeichen. Der Druck und die Einrichtung des Buches sind fast ganz wie in dem zu Paris gedruckten schweriner Brevier von 1529.

Am Ende steht:

- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
per venerabiles viros et magistros wilhelmu mercatore et Thoma kees ciuem in vrbe Parisien. Impressum e regione collegii Italorum. Cathedre epali Sleßwicen. presidete Reueredo in xpo patre ac dno dno Godschalco de aleuelde


1) Das Missale für die Diocese Schleswig ward im J. 1486 von Stephan Arnds gedruckt:
"Missale secundum Ordinarium et ritum ecclesiae Sleswicensis. Per Jacobum Horstman formatum, emendatum et correctum impressumque in Sleswick arte et ingenio Stephani Arndes 1486". f.
Vgl. Hain Rep. Nr, 11425.
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presule dignissimo. Sub anno dni millesimo quingetesimo duodecimo. Die vero decima sexta mensis Julii.

Vgl. unten das schweriner Brevier zum Jahre 1529. Exemplare auf den Bibliotheken zu Rostock 1 ) und Kopenhagen.

1526.

15) Enchiridion locorum communium adversus Lutheranos, Joanne Eckio autore, in quo determinatur de diversis in altera facie huius pagelle signatis. Novissime recognitum. Anno MXXVI. Rozstock.

Am Ende steht:

Impressum Rozstock per fratres domus S. Michaelis. Anno domini MDXXVI.

In 8. - Nach Panzer Ann. - Dieses Buch, "welches ock alhyr in disser Stadt dorch de Frater=Mönneke in S. Michaelis=Kloster gedrucket und yderman tho handen gekamen ys", führt an: Nic. Gryse Historia von der Lere, Leuende vnd Dode Joachim Slüters z. J. 1526.

1527.

16) Antwort auf des Ketzers Hans Michelsen von Malmö Brief,

unter folgendem Titel in Holzschnittrahmen, Fol. 1 a:


1) Im Kalendarium des rostocker Exemplars stehen einige handschriftliche Bemerkungen, unter denen auch eine über die Feier des Festes der medelidinge Marien (festum compassionis Mariae)
Aprilis
VIII idus. Nota festu copassionis marie virginis cadit sexta feria post quasimodogeniti.
Vgl. Jahrb I, S. 82 flgd. In der schweriner Diocese ward nach den bisher bekannten ältern Quellen, auch nach dem Brevier von 1529, dieses Fest am fünften Freitage vor Palmarum gefeiert. In dem Ordinarius ecclesie Suerinensis, 1519, bei L. Dietz, steht aber:
"Festum compassionis beatissime virginis Marie dominica post fostum diuisionis apostolorum celebrabitur et est minus summum".
Also seit dem Jahre 1519 und vor dem Jahre 1529 ward es im schweriner Sprengel am nächsten Sonntage nach dem 15. Julii (divis. apost.), also immer mehrere Wochen nach Pfingsten gefeiert. Hieraus wird denn auch klar, wie das in Jahrb. I, S. 82, erwähnte Schauspiel, zu welchem durch einen gedruckten Zettel eingeladen ward, auf den Sonntag der Medelidinge Mariä angesetzt werden konnte.
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Till thet ketterlige wcristelige wbesindige Breff som then wbeskemede kettere Hans Mickelß aff Malmö, lod wdgaa met thz ny Testamente, ther konningh Cristiern lod ynckellige och wtilbörlige forwandle paa sith tijranniscke wildt, oc icke Gudt till loff, ent kort och tilbödigt swar.

Am Ende steht:

T(ryckt) wdi Rozstock hooß the brödre i sancti Mich(ells) Closter Anno dni. M.D.XXVII. Och XXV (Ap)rilis Maanid.

In 4, 53 Blätter mit 32 Zeilen, mit Sign. A. II. - N. o., in gothischer Schrift.

Ein von Wasser beschädigtes Exemplar auf der königlichen Bibliothek zu Kopenhagen; die ergänzten Buchstaben in der Unterschrift sind ausgerissen. Nach Mittheilung des Herrn Bibliothekars Bölling zu Kopenhagen.

1528.

17) Dauids Psaltare paa Danske wdset aff B. Franc. Wormodo Carmelita. Rost., brödere ij S. Michaelis closter 1528,

kl. 4.; vgl. Ebert II, S. 351; Panzer Ann. - Nach einer Disputation: De typographiae natalibus in Danis schedula historica, quam publico confluctui sistit Laurentius Terpager, Petr. F., respondente peramico viro iuuene Johanne Frisio, Joh. F., Philos. Baccal. de 13 Jul. 1707. Kopenhagen, ist diese dänische Ausgabe der Psalmen als:

Psalterium Dauidis Danicum editum Rostochii in coenobio S. Michaelis A. 1528, interprete Franc. Wormodo, Carmelita, viro egregio docto ac longe facundissimo

in Etwas, 1740, S. 631, aufgeführt.

1529.

18) Breuiarium diocesis Tzwerinensis in plerisqz locis vsqz modo vulgariter obseruatis, vigilatius per doctos viros nunc emendatu. Ubi si quid inuentum fuerit, quod Ordinario memorate Diocesis per oia no quadrauerit. Illud de Breuiario exactius correcto: emen=

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det. Nec offendat piu ac deuotu pcatorem: varietas ista: que scienter. ac certis locis psalmorum et aliorum: cotra vulgatam lectionem facta est: sed eande pie et fideliter secum reuoluat: anteqz mordaciter corrigat et codenet.

Unter diesem Titel zwei kleine Holzschnitte: links der Evangelist Johannes neben einem Adler unter einem Baume, rechts ein Marienbild. Zwischen beiden Holzschnitten steht die Jahrszahl: M. D. XXIX.

Unter den Holzschnitten:

Uenundatur Rozstochii, per Fratres dom9 Uiridis horti apud sanctum Michaelem.

Auf der Rückseite des Titelblattes eine Einleitung. Dann auf 18 nicht foliirten Blättern ein Calendarium und andere allgemeine Einleitungen; die letzte Seite dieser Blätter füllt ein hübscher Holzschnitt, die Verkündigung Mariä darstellend. Dann folgt das Breviarium auf fol. i bis cxxix und fol. 1 bis 187.

In 8 mit Sign. a bis t und A bis Z und R 4 Bl.; ohne Custoden.

Auf dem letzten Blatte steht:

Habetis magnifici dni, non pauca notatu dignissima: huic vestro Breuiario nuperrime adiecta. Primum est, ad quid pro pia deuotione Psalmi dicantur: peculiaris ad singulos annotatio. Scd'm, Biblie multiplex citatio: sedem et locum singulorum ex ipsa desumptorum liquido edisseres. Tertiu, marginalis Foliorum numerus: quo Psalmi, Antiphone, Resposoria, et id genus alia facile inueniuntur.
Excusum prodit hoc Breuiarium Parisijs (hoc nouo literarum genere, et eo quidem venustissimo) ex officina graphiaria vidue spectabilis viri Thielmani Keruer. Anno dni millesimo quingentesimo vndetrigesimo. Decimoseptimo calendas Decebres.

Codicum collectio.
a - t       A - Z . R .
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Omnes sunt quaterniones: preter t . et. R . qui sunt duerniones 1 ).

Auf der Rückseite des letzten Blattes ein Holzschnitt: ein Baum, an welchem ein Wappenschild hängt, von zwei Einhörnern gehalten; der Wappenschild ist quer getheilt: in der obern Hälfte stehen die Buchstaben T. K., in der untern Hälfte Zeichen, wie Steinmetzzeichen. Zu Füßen des Baumes ein Band mit dem Namen:

THIELMAN. KERVER.

Unter dem Holzschnitte steht in Roth:

M. D. xxix.

Der Satz mit kleinen Lettern und häufigem rothen Druck ist schön, scharf und in gespaltenen Columnen regelmäßig gesetzt. Die ersten Buchstaben der Hauptabschnitte sind verzierte Holzschnitte.

Vgl. das schleswiger Brevier oben zum J. 1522.

Ein Exemplar in der Bibliothek des Vereins für mekl. Geschichte, auf der Bibliothek der meklenb. Ritter= und Landschaft und auf der Universitäts=Bibliothek zu Rostock.

1530.

19) The tolff Article aff wor christelige Tro. Tryct i Rozstock hoß the brödre i sancti Michaelis closter anno 1528, oc findis tilköbs i Rozstock til Hans Meiers Bogebinders, oc y Kiöbnehaffn til Hermen Kösters i Klaeborne y then hwide Swan.

In 8. - Nach Panzer Annal.

1531.

20) Dr. Oldendorp tractatus de praescriptionibus.

Der Titel lautet:

Omnium fere temporalium prescriptionum ex equo et bono breuis enarratio in republica ad vsum ciuilem cum primis necessaria. Per Joan=


1) Daß dieses Breuiarium manches Interessante für die Geschichte enthält, läßt sich denken. Hier finde nur die Nachricht über den Weihungstag der schweriner Domkirche Raum, fol. CXXVII:
In dedicatione Ecclesie Tzwerinen. que seruatur dominica proxima post octauam Scti Michaelis.
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nem Oldendorp, Juris Professorem, Syndicum Rostocensem. Rostochii apud S. Michaelem Anno 1531.

in 12; 19 Bogen.

Das Buch ist den Herzogen Magnus und Philipp von Meklenburg dedizirt:

Ut congratularer vestris ad bonas literas studiis, quae vos duplici nomine, hoc est, tum genere, tum virtute, declarant illustres, praelucente optimo Principe Henrico Patre vestro, totius Germaniae ornamento, sicut unanimi consensu vere in Christo gloriari possimus. Ex Rostochio vestro ultima mensis Augusti Anno 1531.

Am Schlusse steht:

Pereat libellus iste si quamlibet calumniandi ansam suppeditaverit. - - Nos letos dies novissimus sistat ante tribunal patris, benedictos per Christum filium eius, cui soli sit honor et gloria in eternum Amen.

Vgl. Etwas 1737, S. 78; 1738, S. 822; 1740, S. 822; Krey Andenken II, S. 18.

 


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II.

Buchdruckerei

des

rostocker Stadt=Secretairs

Hermann Barckhusen.


1.
Leben und Druckerei des H. Barckhusen.

V on dem rostocker Buchdrucker Hermann Barckhusen ist bisher nichts weiter bekannt gewesen, als daß er einen Commentar zum Donat von dem rostocker Professor Barthold Möller aus dem J. 1505 herausgegeben hat; das Buch schließt mit den Worten:

Impresse in alma universitate Rostock solerti opera atque industria Hermanni Berckhusen.

Ueber diesen Druck sagt der Herausgeber des Etwas, 1740, S. 565:

"Der Buchdrucker Berckhusen ist uns sonst nicht vorkommen. Wir zweiffeln nicht, daß er zu dem Frater= oder Michaelis=Kloster nicht solle gehöret haben, weil wir andere dort abgedruckte Bücher gesehen, welchen dieser Druck völlig ähnlich ist. Es ist ein rechter Mönchsdruck, durch und durch fast aus lauter abbreviaturen bestehend".

Bei dieser auf nichts gegründeten Ansicht, daß Hermann Barckhusen ein Mönch des sogenannten Frater=Klosters gewesen sei, ist es denn auch geblieben, und die Ausgabe des Commentars zum Donat hat keine weitere Aufmerksamkeit erregt und keine Veranlassung zur weitern Forschung gegeben; vielmehr ist die erwähnte Ausgabe stillschweigend für einen Druck der Michaelis=Brüder angenommen. Dem ist aber nicht also; vielmehr gehört dieser bisher unbekannte Buchdrucker zu den

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wichtigern, indem er mit Einsicht und Gelehrsamkeit die Werke, welche er druckte, größtentheils auch selbst bearbeitete, und er überhaupt seine Privatdruckerei fast nur zu seinen wissenschaftlichen Zwecken benutzte.

Lange blieb die mühsamste Forschung über diesen Mann erfolglos, bis der Zufall, den man das gute Glück nennt, ein eigenhändiges Schreiben 1 ) desselben, und noch dazu über Buchdruckerei=Angelegenheiten, in die Hände spielte, welches er mit den Worten unterzeichnet:

Hermannus Barkhusen,        
des Ersamen Juwer G. Rades to 
Rozstock Secretarius.        

Es war also gewiß, daß dieser Mann Stadt=Secretair zu Rostock 2 ) war. Eine fortgesetzte Forschung sowohl im Großherzogl. Archive zu Schwerin, als im Stadt=Archive zu Rostock, namentlich in den während seines Amtes von ihm geführten Stadtbüchern, ergab nun, daß er vom J. 1503-1526 dieses Amt bekleidete und alle Schreiben des Magistrats zu Rostock an die Herzoge von Meklenburg ausfertigte; seine niederdeutsche, kräftige Handschrift ist charakteristisch und unverkennbar, wie sein Styl. Außer andern Urkunden, welche unten zur Benutzung kommen werden, fand sich noch folgende, von seiner Hand geschriebene Vollmacht vom J. 1509, durch welche er eine Gesandschaft an die Herzoge von Meklenburg erhielt, und welche sein Verhältniß außer allem Zweifel setzt:


1) Dieses Schreiben wird unten mitgetheilt werden.
2) In Nic. Grysen Historia vom Leben Slüters zum J. 1531 kommt ein Thomas Barckhuse als Gerichts=Secretair in einer Unterschrift eines Patents der Stadt Rostock vor. Dieser Thomas Barckhusen, vielleicht Gewetts=Secretair, ist mit unserm Hermann Barckhusen nicht zu verwechseln; vielleicht waren beide gar nicht einmal verwandt. Nach einem Fragment eines Appellations=Instruments vom 6. Septbr. 1567 im Stadt=Archive zu Rostock hatte die Familie des Thomas Barckhusen aus folgenden Gliedern bestanden:
Stammbaum
Die Kinder des Joachim Barkhusen machten Ansprüche an das Vermögen des minderjährig gestorbenen Hermann Barkhusen, der widerrechtlich für volljährig erklärt worden war und zum Nachtheil der Kinder des Joachim Barkhusen über sein Vermögen disponirt hatte.
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"Irluchtigenn, hochgebornen forsten, gnedigen leuen heren. Juwen forstliken gnaden synt vnse vnderdanige vorplichtede denste alletijd willigen bereidt. Gnedigen heren. Wy schicken an juwe forstlike gnaden dussen jegenwordigen vnsen Secretarien Hermannum Barkhusen vmb etlike vnse werue an juwe g. muntlik to dragende, myt gantzen flite demodigen biddende, wess de sulffte von vnser wegen an Juwe f. g. weruende wert, eme sodans upp ditmal gelijk vnss sulues gelouen vnd sik darinne ok also gnedigen ertegen, so wy vns des gantz verhapen. Dat wille wy vmb Juwe f. g. myt vnsenn bereitwilligen densten alletijt gerne willigen vordenen. Screuen vnder Juwer g. Stadt=Secret am auende ascensionis domini anno etc nono."
I. f. G.
                     vorplichtede

Borgermeistere vnd Radtmanne
Juwer G. Stadt Rozstock.     

Dem Irluchtigen hochgebornen
forsten vnd hern, hern Hinrike vnd
hern Albrechte gebrodern hertoghen
to mekelnborgk, forsten to wenden,
greuen to Sweryn, der lande Rozstock
vnd Stargarde heren, vnsen gnedigen hern.
(Von der Hand des Hermann Barckhusen geschrieben.)

Im Jahre 1505 druckte er, nach Ausweisung des noch vorhandenen Drucks, den Commentar zum Donat von dem rostocker Professor Barthold Möller, und hatte hiezu eigenthümliche scharfe Lettern, welche den sogenannten Brevierlettern gleichen 1 ). Er stand damals, vorzüglich wohl durch diesen B. Möller, nicht nur mit der Universität Rostock in näherer Beziehung, wie dies der genannte Druck, der "in alma universitate Rostock" vollendet ist, und ein weiter unten folgender, mit der Universität geschlossener Contract vom Jahre 1508 zeigt, sondern er hatte auch, wohl ebenfalls durch Barthold Möller und durch den bekannten Geschichtschreiber Albert Kranz, der kurz zuvor Professor zu Rostock


1) Vgl. Tab. II, Nr. 1.
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und seit 1508 Decan des Dom=Capitels zu Hamburg war, mit diesem Capitel Verbindungen. Wahrscheinlich in Folge dieser Verbindungen druckte er zu Rostock im J. 1506 das Buch über den Dienst der Messe von Albert Kranz (Spirantissimum opusculum in officium misse). Bald übernahm er jedoch ein größeres Werk für das hamburger Capitel. Er hatte sich nämlich anheischig gemacht, ein hamburger Brevier zu drucken. Hiezu hatte er sich die Matrizen zu den Lettern 1 ) schneiden und nach Rostock kommen lassen, wahrscheinlich um hier die Typen selbst gießen zu lassen. Zur Bezahlung dieser Matrizen, die ihn selbst, ohne Reisekosten, 50 Goldgulden zu schneiden gekostet hatten, lieh er am 6. Januar 1508 von der philosophischen Facultät zu Rostock 50 rheinische Gulden und setzte dafür nicht nur 200 Exemplare der Werke Virgils, die in seinem Besitze waren, sondern auch 3 Instrumente mit den Matrizen und allem Zubehör der Facultät zum Unterpfande mit der Verwillkührung, daß, wenn er zur Verfallzeit nicht zahlen könne, die Facultät diese Matrizen an die Michaelis=Brüder, oder an wen sie sonst wolle, verkaufen und, wenn der Erlös zur Bezahlung seiner Schuld nicht ausreichen möchte, auch die 200 Exemplare von Virgils Werken an Buchführer oder jeden andern Käufer veräußern, auch, nach Vollendung des Breviers, die Bezahlung dafür vom hamburger Capitel vorweg nehmen könne. Diese interessante Schuldverschreibung, welche in einem alten Copei=Buche aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts entdeckt ist, lautet also:

Aus einem Copei=Buche der Universität Rostock aus dem 16. Jahrh. im Großherzogl. Geh. und Haupt=Archive zu Schwerin.

"Ick Hermannus Barchusen, nu thor tydt des Ersamen Rades tho Rozstock Secre=tarius, do kunt vnde bekenne apenbare in dussem breue vor my vnde myne eruen, dat ick von den werdighen vnde hochgelerten heren Mester Bartolt Molre, nu thor tydt dekene, Mester Baltazar Jenderick, Mester Johann Berchmanne, doctoren, vnde Mester Hinrick Kruselmanne, alse Collegiaten vnde tho dusser tydt facultatis artium regerender vorwesers in der Vniuersiteten


1) Dies sind wahrscheinlich die Lettern, die er schon zum Donat benutzte, Lettern von einer Form, wie sie öfter zu Brevieren gebraucht werden, ächte Brevierlettern.
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to Rozstock, tho myner guden genoghe entfangen hebbe vyfftich vulwichtige rynsche goltgulden, de se my in myner mercklichen notroft, alse sunderlighes to beredynghe der Hamborgher Breuiere vnde wor des vorder behoff is, vtht sunderliker ghunst vnde vruntschop van der voryghen faculteten gelde gutlick gelent vnde an redem ghelde auer ghetellet hebben. Vnde ick laue vnde reede vor my vnde myne eruen in guden truwen vnde ghelouen, dat ick den vorgenanten heren vnde regerenden Collegiaten offte kuntlike holder dusses breues myt erem offte erer nakomelynghe guden willen schal vnde wil sodane vorgedachte summen ghutlick wedder gheuen vnde myt gudem, vulwichtigem, rynschem golde bynnen Rozstock danckbarlick betalen vp dussen ersten vnde tokomenden pynxten vnuortoghert sunder alle eren hinder vnde eren schaden. Vnde vp dat se sulker erer betalinghe desto beth vorsekert vnde vorwart syn, so hebbe ick one dar vp obligerth vnde in gesettet alle myne gudere bewechlick vnde vmbewechlick nychtes vth boscheden, vnde sunderlynghes twe hundert fulle opera Virgilii, so de itz thor tydt to erem besten in myner were stan, de se alle tydt wenner se myner were edder sulcker stede, dar se nu stan, nicht truwen, an myne, myner eruen edder jummandes insaghe, in ere were nemen, dreghen edder voren laten moghen, edder ick wil ene de suluen brynghen, schicken vnde bestellen an sulke stede vnde were, wor vnde wennere se sodans van my esschen vnde hebben willen. Hedden se ock an sulker vorwyssynghe nene genoghe, so sette ick ene dar to de dree Instrumenta myt matricen vnde tobehoryngen, dar voer ik sulues ane kost vnde therynghe LV goltgulden tho snydende gegheuen hebbe, dar mede men de hamborgher Breuierschrifft bereden schal, vnde wil ene de alle tydt, wennere se der begheert, in ere were vnde beholt brynghen vnde stellen, also beschedelick, offt ick in sulker betalynghe jennygherleye wys sumych worde, daer god voer sy, vnde sick de gedachten heren erer summen an sulken Instrumenten best vormoddeden to bekamende, dat se denne de sulfften na vorlope des bostemmeden termyns moghen vorkopen den fratribus to Rozstock

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edder weme se willen edder konen, vnde offt denne sodane Instrumenta nicht so vele gheldende worden, moghen se so vele van anderen mynen guderen, idt syn de opera Virgilii edder wes des sy, dar to nemen, de to vorkopende den bokeforen edder weme se willen, amme summen edder delen, vmme vull edder halff gelt, wo se sulues willen vnde konen, dat se destobeth to erem ghelde kamen. Ock hebbe ick my hyr beneuen mede vorpflichtet vnde vorwillighet, nach dem ick dusses gheldes to dem vorgenanten breuiere to gebrukende notrofft hebbe, dat ick denne edder myne eruen, so drade de sulfften breuiere bereyt werden, nenerleye vurder betalinge van den Heren des Capittels to Hamborch erfordern edder vpnemen wil, dusse L gulden syn denne vor allen dynghen ghenochlick betalt, vnde ik wil ock breuiere nicht leueren edder ouerantworden, ick hebbe denne den vorgenanten heren sodans vorwitliket, dat se dar vp myne kost vnde euenture moghen mede byschicken ere ghelt, so se noch by my ichteswes to achter weren, to vorne van mynem vordenste to entfanghende. Vnde schal hyr mede dusse clausula, noch jenygherley vorplichtynghe der anderen noch jennygher vorgherorden vorwyssynghe nicht schedelick edder vorfenclik wesen, sunder ik laue vnde rede in guden truwen vnde edestat dyt alle, wo vorgenant, stede, vast vnde vnuorbraken wol to holdende, alle arghelist vnde hulperede hyr inne ghensliken vthgesecht. Vnde hebbe dusses alle to vurder bekantnysse vnde merer vorsekerynghe myn Ingeseghel vor my vnde myne eruen ghehenghet an dussen breff, den ick ock myt myner eghen handt gheschreuen vnde vnderschreuen hebbe am daghe der hillighen dryer konynghe, Anno M. V C . VIII."

Herman Barckhusen.          

So klar dieser Contract ist, so unklar sind die Folgen desselben, indem der beabsichtigte Druck nicht vorhanden ist. Außer diesem beabsichtigten Brevier sind von rostocker Drucken für das hamburger Capitel nur bekannt: das Spirantissimum opusculum in officium misse von 1506 und das Buch Cursus de Domina secundum ecclesiam Hamburgensem, Rostock 1522 bei Ludwig Dietz; letzterer Druck kann das ham=

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burger Brevier nicht sein, da er im Verhältnisse zu dem Contracte von 1508 zu jung ist, und wollte man den erstern dafür nehmen, so müßte man einen Schreibfehler im Contracte oder einen Druckfehler im Druck annehmen. Nach den sorgfältigsten Nachforschungen des Herrn Archivars Dr. Lappenberg zu Hamburg findet sich auch weder im hamburger Archive Nachricht über den Druck, noch im Archive oder in der Stadt=Bibliothek ein Exemplar des Druckes; auch ist das Buch weder im Auctions=Kataloge der ehemaligen Dom=Bibliothek, noch in andern Katalogen der werthvollsten Hamburgensiensammlungen aufgeführt; andere Nachforschungen sind ebenfalls ohne Erfolg geblieben. Dennoch existirt aus der nächsten Zeit, aus dem J. 1509, ein hamburger Meßbuch, gewöhnlich unter dem Titel "Ordo missalis" citirt 1 ), welches auf Kosten eines Hermann von Emden zu Straßburg gedruckt ist unter dem Titel:

"Liber missalis secundum ritum ecclesiae Hamburgensis, per Albertum Krantz castigatus. Expensis Hermanni de Emden, opera Joa. Prüss Argentini impressus. 1509. fol."

Es bleibt daher nichts anders übrig, als anzunehmen, daß dieser Hermann von Emden mit Hermann Barckhusen eine Person sei und daß dieser den Druck des Missales nicht selbst zu Rostock ausgeführt, sondern zur Erfüllung seines Contracts mit dem hamburger Capitel das Meßbuch auf seine Kosten zu Straßburg habe drucken lassen, also nur verlegt habe, wie im Jahre 1518 ein Straßburger zu Rostock bei L. Dietz drucken ließ, und das schweriner Brevier vom Jahre 1529 zu Paris gedruckt und von den Michaelis=Brüdern zu Rostock verkauft ward.

Diese Annahme wird fast zur Gewißheit erhoben durch einen Contract, den Hermann Barckhusen, nach der Schrift aus der ersten Zeit seiner Amtsführung, seinem Drucker Ludwig Dietz mit auf Reisen gab, um denselben über ein Brevier und andere Bücher, die er in Verlag genommen, mit irgend einem Buchdrucker in seinem Namen abzuschließen. Dieser Privat=Contract ist in einem, von H. Barckhusens Hand geschriebenen, zerknitterten Concepte durch einen glücklichen Zufall im Stadt=Archive zu Rostock entdeckt und lautet also:


1) Vgl. Etwas, 1739, S. 50. - Nach dem Leben des D. Alb. Crantzii, Hamburg, 1722, S. 48, ist dieses Meßbuch nicht nur in Hamburg, sondern auch in Holstein gebraucht.
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"To wettenn si, dat uppe hute dage N. dat disser schriff sunt gelefflikenn ouer eynn gekomen de ersame vnd bescheiden mester N. druckerherre to N. eyns vnd Lodwig Dietz alse dyner vnd folmechtiger des ersamen Hermanni Barchhusen, Secretarienn zu Rostock, anderdeels, alse vmme etzlke breuiaria, boke edder materien, so sich die ergenant meister N. dem ergenanten Hermanno to druckende vnderstanden vnd vorpflicht hefft, in mathen vnd formen, wu hir nauolgett: dat die ergenant Lodwig Dietz sall vnd wille oberantwerden eynn gude corrigiertt exemplar vnd dar beneuen N. rinsch gulden, vnd so drade dat gescheen iss, so soll vnd wille de ergenant meister N. zu stund de breuiaria VI c c in der czalle vnd keinne mer dar ouer upplegenn, mit dubbeler literen vnd dar zu rod vnd schwarz vpp gud reyne vnd des aller kleynsten pappern to druckende, vnd sodans byn-nen N. wochen zu bereidende vnd bynnen N. N. vff syne eygenn koste, sorge vnd ouenture to leuerende, vnd sall der selbs vor sulche summen edder bucher genantem N. edder syn-nem procuratori II cc vnd .. rinsche gulden, ydoch de vorgedachttem N. beczalde g. mit ingerechent genochlich bezalt werdenn. Worrden aber sulche Breuiaria nicht wolle gearbeid, gedruckett edder myt solchem flyss corrigiertt, dass de herren des capitells, de sulche breuier vordingett haben, keyn genogen hedden, so verre de bucher nach dem obergeuen exemplar nichtt rechtt corigiert weren, so soll de schade alle kamen und blieben by meister N. vnd nichtt by genantem Hermanno. Wener auch de breuiaria vsgedruckett synd, wylle denne Hermannus vorgenant edder Ludwig syn procurator meister N. des nitt verdragen, so salle he myt synen rechtten beholden, datt he keyne mer wen de VI c edder X dar ouer zum meisten vff gelecht vnd gedruckt edder mit wissenn mer vffzulegende.

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Vorgenantes habe allett sunder behilffe vnd argelist vnd de wille denn also wy vorgenant dorch beide parte angenomet vnd vorwilliget ist, syntt dusser zedelken zwen glichen luthes ein vsz der ander geschniden gemacht vnd doch de vorgenanten meister N. vnd Lodwig Dietz selbs zu mer sicherheid vnd bekantnysse vnderschreben in den iaren nach Cristi vnsers heren geburtt"

Ludwig Dietz manu propria.
N. druckerherre zu
bekenne diss also geschehen
mit disser miner eygen hant-
schriff zu mer sicherheid
vnderschreuen.

Ein Formular von Hermann Barckhusen für Ludwig Dietz niedergeschrieben, wahrscheinlich zur Zeit des Contracts über das Hamburger Brevier.

Die Vermuthung, daß Hermann Barckhusen als Verleger einen andern Namen, von seiner Geburtsstadt Emden, annahm, wird noch mehr dadurch bestärkt, daß er früher überhaupt einen andern Namen führte: er hieß ursprünglich: Petri von Wertburg 1 ) und war Notarius aus der Paderborner Diocese. Es finden sich nämlich im Archive zu Schwerin einige Original=Notariats=Instrumente in Rostocker Kirchensachen aus dem Anfange des 16. Jahrhunderts, wie gewöhnlich ohne Datum, von seiner nicht zu verkennenden Hand geschrieben, welche alle also lauten:

"Auscultata et diligenter collacio nata est presens copia per me Hermannum Barchusen, alias Petri de Wertborgh, Paderbornensis diocesis, publicus sacra imperiali auctoritate notarius, et concordat cum suo vero originali, quod protestor manu mea propria".

Auf jeden Fall wird durch diesen urkundlich bezeugten Umstand die landsmannschaftliche Verbindung zwi=


1) Ob er diesen Namen von dem Orte Warburg an der Diemel (bei Cassel) trägt? Nach seinem sehr gewandten und ausgebildeten plattdeutschen Styl scheint er aus einer mehr nördlichen Gegend zu stammen. - Sicher kam hiernach H. Barckhusen als Notarius nach Rostock; schon Trinitatis 1502 kommt seine Handschrift in Privatgeschäften zu Rostock vor.
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schen Hermann Barckhusen und Nicolaus Baumann, dem vielbesprochenen muthmaßlichen Herausgeber des Reineke Voss und die Beziehung beider zu der Herausgabe dieses Gedichts immer klarer.

Ob H. Barckhusen auch Virgils Werke, von denen er nach dem Contracte 200 Exemplare besaß, zu Rostock gedruckt habe, bleibt zweifelhaft. Dennoch scheint es, wenn dies nicht der Fall war, außer allem Zweifel zu sein, daß er bei einem so großen Vorrath von Exemplaren eines Werkes buchhändlerischen Verkehr trieb.

Bald nahm die Wirksamkeit des Hermann Barckhusen jedoch eine selbstständigere Richtung. Am 24. Julii 1510 schrieb er nachstehenden interessanten Brief an den Herzog Heinrich von Meklenburg und erbot sich, auf Vorschlag des fürstlichen Rathes Dr. Nic. Marschalk, eine deutsche Chronik 1 ) zu drucken, welche im Besitz der Fürsten war, und machte sich anheischig, sie nach dem Original hochdeutsch zu setzen oder auch den hochdeutschen Text in die plattdeutsche Sprache zu übertragen und dabei doch im richtigen Reime zu bleiben. Die Chronik, welche hier gemeint ist, ist entweder die bekannte Reimchronik Kirchbergs oder auch die jüngere Reimchronik Marschalks, welche beide erst in Westphalen Mon. ined. gedruckt sind. Aus diesem Unternehmen scheint aber nichts geworden zu sein, da keine Spuren von der Verwirklichung desselben vorhanden sind. Zur Auswahl der Lettern legte er dem Herzoge zum Geschenke zwei Bücher vor: ein Halsgericht, welches er gedruckt hatte, und eine Ausgabe des Reineke Voss.

Zur bessern Einsicht folgt hier zuvor der erwähnte Brief:

"Dorchluchtige hochgeborne forste, gnedige leue here. Juwer f. g. synt myne vnderdanige vorpflichtede denste alletyt willig beredt. Gnedige Here. De werdighe vnd hochgelerte Juwer g. Radt doctor nicolaus marschalk hefft am jungesten vor synem vthreysen myt mygeredt, alse von weghen eyner dutzschen Croniken, dar to villichte Juwe g. woll geneget were mochte ge=


1) Möglicher Weise könnte mit dieser Chronik auch die Geschichte von der sternberger Hostie gemeint sein, welche im Jahre 1510 in niederdeutscher Sprache gedruckt sein soll; allerdings existirt im Archive zu Schwerin eine kurze Chronik dieser Geschichte handschriftlich in niederdeutschen Versen; vgl. unten bei Nicolaus Marchalk. Uebertragungen in die niederdeutsche Sprache gehörten zu Barckhusens Lieblingsbeschäftigungen.
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drugket werden. Dewile ik denne mitlertyt nen ander werk vorhanden hebbe vnd sunst ok to sulken boke to drugkende, dewile id noch somer is, woll geneget were, hebbe ok darupp alrede eynen forsten in einen harnsche offte Corittzen upp eynem Hinxte sittende dorch Henriche Juwer g. maler upp dat eerste blad myt anderen Juwer g. wapen etc entwerpen laten: ist myne demodige bede, Juwe f. g. my de sulfften Croniken dorch den vorgemelten heren Doctor geschreuen by dussem jegenwordigen, vnde sodans twe dage lang to beseende, so id jummers sin magh, gnedighen ouersenden, daruth ik ouerslan vnd rekenen moghe, wii hoech dersulfften eyn hundert vere edder vyue in der tall to gelde lopen mochten; will ik Juwer f. g. bynnen dreen daghen by dussem sulfften boden woll vorsorget dangkbarlik wedder senden. Ich mochte ok biden, so Juwe f. g. dar to gneget, my dar beneuen mochten gnedigen torkennen gheuen, ifft Juwe f. g. to der ouerlendischen edder mekelnborger sprake best geneget were: scholde my gelike vele wesen, dan ik my getruwe, sodans in vnse dudesch woll to wandelnde vnde nichtesdeweyniger im Ryme to bliuende.
Ik sende ok Juwer f. g. hyrbeneuen eyn dutzsch halsgerichte, so ik ok uth dem hoechdutzschen getegen vnd kortes gedrugket hebbe vnde eyn ander boek von schympliken reden vnd schwengken, Reyneke Voss genompt: dar inne de dutzschen schriffte to beseende, welker littern Juwer g. best beuallen, my sodans ok gnedigen torkennen geuen: welkere boke ik Juwer g. schengke, ifft Imantz in Juwer g. houe were, deme geleuede vmme kortewile darinne to lesende.
Und wenner ik de Croneken beseen hebbe, werde ik Juwer g. in der wedderkumft des ergenanten doctors forder gruntliken myner meyninge by dem sulfften torkennen geuende.
Ok gnediger here wort ik am jungesten so ik to Lubek was vmb Juwer g. bok, darsulfst pagemert vnd ouerlang beredt, von dem meister befordert, dat denne, so ik vorstunt, an XIX gulden vngeuer=

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lich lopen wolde, wet ouer nicht, ifft Juwe g. sodans hebbe halen laten; were darvmb ok woll myne demodige bede, dat sulffte bok, so I. f. G. vngetwyuelt geuallen wert, mochten halen laten, vnd de meister vernoget worde.
Wor mede ik sunst Juwer f. g. vele fruchtbars denstes ertegen mochte, will ik alle tyd vngespardes flites myt der hulpe gades, dem ik I. f. G. beuele, willig gesport werden. Screuen am sunte Jacobs auende des hilligen apostels anno MVCX."

Juwer f. G. alletyt
willige vnd getruwe dener

Hermannus Barkhusen     
des Ersamen Juwer G. Rades   
to Rozstock Secretarius.        

Dem dorchluchtigen, hochgebornen
Forsten vnd Herenn, Hern Hinrike,
Hertogen to Mekelnborg, forsten tho
Wende, Grauen to Sweryn, der
lande Rozstock vnd Stergerde herrn etc ,
mynem gnedigen leuen heren
                         denstliken.

Nach diesem Brief legte er dem Herzoge vor:

"eyn dutzsch halsgerichte, so ik okuth dem hochdutzschen getegen vnd kortes gedrucket hebbe."

Dieses Halsgericht ist unzweifelhaft die berühmte Bambergensis 1 ), als deren plattdeutscher Bearbeiter und Drucker vom J. 1510 jetzt sicher unser Hermann Barckhusen erkannt ist.

Ferner legte Barckhusen dem Herzoge vor:

"eyn boek von schympliken reden vnd schwengken, Reyneke Voss genompt."

Welche Ausgabe des Reineke Voss hier gemeint sei, ist wohl schwerlich zu bestimmen, zumal die Geschichte der ältern Ausgaben dieses Gedichts noch so sehr im Dunkel liegt. Möglich ist es, daß Barckhusen dieselben Lettern besaß, mit denen


1) Die berühmte Bambergensis ist die Criminal=Gerichts=Ordnung des Bischofs Jörgen von Bamberg, welche im J. 1507 gedruckt ward. Man vgl. "Kaiser Karls des Fünften Peinliche Gerichtsordnung nebst der Bamberger Halsgerichtsordnung nach den Ausgaben von 1507 und 1533 etc , herausgegeben von Dr. Reinhold Schmid, zweite Ausgabe, Jena, 1835."
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der lübecker Drucker die erste Ausgabe von 1498 druckte 1 ) und diese Ausgabe deshalb zur Auswahl der Lettern vorlegte; sonst aber läßt es sich immer denken, daß auch Barckhusen das Gedicht schon im J. 1510 selbst aufgelegt und mit den Noten versehen hatte, zu deren Abfassung er ganz der Mann war. Ohne Einfluß auf die Herausgabe des Reineke Voss war Barckhusen gewiß nicht, da er mit dem angeblichen Herausgeber, dem fürstlichen Secretair Nicolaus Baumann, der sicher seit dem J. 1515 auch zu Rostock wohnte, in Verkehr stand 2 ). Ebenso leicht ist es möglich, daß Hermann Barckhusen der Bearbeiter von Sebastian Brants Narrenschiff war, welches in einer höchst gelungenen niederdeutschen Uebertragung im J. 1519 bei Ludwig Dietz zu Rostock unter dem Titel: "Dat nye Schip von Narragonien" erschien.

Außer der Bearbeitung der Bambergensis sind noch andere Spuren von den juristischen Studien H. Barckhusens vorhanden. Die Wichtigkeit und die Verbreitung des lübischen Rechts im nordöstlichen Deutschland ist bekannt; es fehlte aber in frühern Zeiten an einem leicht zugänglichen, umfassenden Codex dieses Rechts, welches nur in abweichenden Verleihungen an andere Städte existirte. Da erschien plötzlich im J. 1509 aus H. Barckhusens Druckerei zu Rostock, das lübische Recht in niederdeutscher Sprache, nach dem Studium möglichst vieler Handschriften, nach der besten abgedruckt, zum Nutzen guter Freunde, "nicht als wenn diese Bearbeitung das "confirmirte lübische Recht hätte sein sollen". Als Ausführer dieses schwierigen und kitzlichen Geschäfts giebt sich H. Barckhusens - Drucker Ludwig Dietz aus, und bittet die Mangelhaftigkeit der Arbeit damit zu entschuldigen, daß er nur ein Drucker sei! Es leuchtet ein, daß, bei aller Achtung vor L. Dietzens Charakter und fortgesetzter Ausbildung, ein Setzer wohl nicht geschickt genug war, ein Werk herauszugeben, welches wohl Gelehrte von Fach schwierig dünkt. Da aber in Rostock lübisches Recht galt, so mochte sich wohl der öffentliche Secretair des rostocker Raths scheuen, einen Gesetz=Codex herauszugeben, dessen Geist bei den häufigen Appellationen von Rostock nach Lübeck entscheidend ward. Der rostocker Stadt=


1) H. Barckhusens älteste Lettern (T. II, Nr. 1 u. 2) scheinen den Lettern des unbekannten lübecker Buchdruckers zu gleichen. Es ist gar nicht unmöglich, daß H. Barckhusen - dieser unbekannte lübecker Drucker ist, wenn er früher zu Lübeck wohnte, um so mehr, da er mit seinem Namen so sehr Versteck spielte.
2) Wenn Hermann Barckhusen aus Emden gebürtig gewesen wäre, wie oben wahrscheinlich gemacht ist, so ließe sich der Verkehr mit Nicolaus Baumann leicht durch die Landsmannschaft erklären.
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Secretair schob daher seinen "Diener" und Setzer als Herausgeber vor!

Im J. 1512 war H. Barckhusen noch im Besitze seiner Druckerei, als aus seiner Officin, von seinem "geschickten Drucker" Ludwig Dietz (editum Rostochii et ibi a Ludovico Dytze calchographo solerti expressum) gedruckt, die erste Ausgabe von Nic. Marschalks sternberger Judengeschichte 1 ) erschien.

Nach dem oben mitgetheilten Contracte über das hamburger Brevier war Ludwig Dietz aus Speier der Drucker, "Diener und Bevollmächtigter Hermann Barckhusens." H. Barckhusen benutzte seine Druckerei wohl nie als Erwerbsquelle. Als der buchhändlerische Verkehr größer ward, trat er seine Druckerei seinem Drucker L. Dietz ab, der vom J. 1515 an mit den Barckhusenschen Lettern selbstständig druckte. Seit dem J. 1514 kommt keine Druckerei=Beschäftigung H. Barckhusens vor.

Ob daher die plattdeutsche, erste meklenburgische Polizei=Ordnung 2 ) vom J. 1516 noch unter Hermann Barckhusens Mitwirkung gedruckt ist, läßt sich schwerlich bestimmen. Die Lettern der bambergischen Halsgerichts=Ordnung von 1510 und der meklenburgischen Polizei=Ordnung von 1516 sind dieselben. Zur Redigirung und zum Druck dieser Ordnung lebten in Rostock damals drei sachkundige Männer: der fürstliche Rath Nicolaus Marschalk, welcher an der Beredung und Abfassung dieser Ordnung nach den Original=Acten Theil nahm, der fürstliche Secretair Nicocaus Baumann 3 ) und Hermann Barckhusen.

Hermann Barckhusens Druckerei ist eine ausgezeichnete zu nennen, nicht nur deshalb, weil er schriftstellerischen Theil an seinen Verlagswerken nahm, sondern auch weil seine Bücher correct und gut gesetzt sind. Er besaß kleine gothische oder vielmehr Brevierlettern 4 ), mit denen er seine ersten Werke druckte, und deutsche 5 ) Lettern und zu den Ueberschriften Missallettern 6 ). Seine frühesten Bücher sind mit den Brevierlettern (Tab. II, Nr. 1), seine spätern Bücher, seit 1509, mit deutschen Lettern (Tab. II, Nr. 2) gesetzt. Dazu


1) Vgl. Tab. II, Nr. 2.
2) Vgl. Rudloff III, 1, S. 33 flgd.
3) Nicolaus Baumann hatte die Aufsicht über den Druck. In den Renterei=Rechnungen heißt es: "1517. am fritage nach Jacobi. niclaws schriber II gulden hadde her vsgelecht, als de nie ordnunge gedruckt ward."
4) Vgl. Tab. II, Nr. 1.
5) Vgl. Tab. II, Nr. 2.
6) Vgl. Tab. II, Nr. 2a.
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wandte er auch Holzschnitte in der Bambergensis und sonst auch gut in Holz geschnittene Initialen zum Druck an. Noch in der Bambergensis kommen einzelne Abbreviaturen häufig vor, die bei Ludwig Dietz nach und nach ganz verschwinden.

Druckerzeichen von Hermann Barckhusen sind nicht bekannt. Ein kleines Blatt erscheint öfter als Zierrath.

2.
Drucke von Hermann Barckhusen.
1505.

1) Commentarius in Donatum per Bartholdum Moller.

Ein Exemplar auf der Universitäts=Bibliothek zu Rostock hat noch folgenden Rest von dem Titel:

Familiaris C - - - - - - - -
nis donati - - - - - - - -
tata Rostochii - - - - - - -
toldu Molitoris - - - - - - -
Porte celi. Anno Mil=
lesimo Quadringentesimo
Nonagesimo nono Om=
nibus Adolescentulis
studiosis no minus
necessaria qz.

Unter diesem Titel steht der rostocksche Greif im Holzschnitt ohne Umgrenzung.

Auf der Rückseite steht ein Gedicht im elegischen Versmaße, welches also schließt:

Hinc studiose puer: adolescens: Chara Juuetus Festinanter emas: qui scatet ecce librum

Nempe supergreditur Donati quas geris omnes Cartas: hoc solo doctior esse potes.
Finis non inculti carminis.

Der Text des ersten Buches beginnt mit den Worten:

Bartoldi Molitoris in primam Donati editione de octo partibus orationis elucidatio Ad optime Indoles Studentes Rostochienses.

Am Ende des ersten Buches steht:

Hec sunt que scolastice et nostro more: in primam editionem: tumultuarie et sine multa eliminatione

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in: paruulorum: non in maiorum eruditionem effudi: q oro no inuidi lectores in partem suscipiat meliorem.
Finis Editionis prime Donati.

Der zweite Theil beginnt:

Interpretatiuncula In secundam Artem sive Editionem Donati: precipitanter per Magistrum Bertholdum moller in ordinem digesta Anno salutis Christiane quinto supra millesimu quingentesimu In Alma uniuersitate Rostochiensi.

Das zweite Buch schließt mit den Worten:

Donati probatissimi Grammatici Editiones due: Hic finem accipiunt Impresse In alma vniuersitate Rostock solerti opera atz Industria Hermanni Berckhusen Septima Idus Junii Anno dominice incarnationis quinto supra millesimum quingentesimum.

Hinzugefügt ist:

Brevis elimatio illorum que in editionibus Donati no satis castigate sunt impssa iuxta ordinem foliorum et laterum.

Diese brevis elimatio schließt mit einem Doppel=Distichon mit der Ueberschrift:

Pubi Rostochine M. Tilemannus Leuaneus Gottingensis

(d. i. Tilemann Heverling).

In 4, ein Alphabet mit Sign. A bis Z, beide Bücher ohne Unterbrechung hinter einander durchlaufend, ohne Seitenzahlen und Custoden, jede Lage von 6 Bl. Die brevis elimatio umfaßt 3 Bl. ohne Sign.

Vgl. Etwas, 1740, S. 560; Krey Beitr. II, S. 308.

Auf der Universitäts=Bibliothek zu Rostock befinden sich zwei defecte Exemplare, aus denen die vorstehende Beschreibung zusammengestellt ist.

Der Verfasser ist der bekannte Professor Barthold Möller, welcher als Dr. theol. und Rector der Universität zu Rostock im J. 1530 starb.

Dem einen Exemplare ist angebunden:

Manuale scholarium qui studetiu vniuersitates aggredi ac postea proficere i eis itendunt.

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4 Bogen, jeder von 4 Bl., ohne Seitenzahlen und Cust., mit Sign. a-c, ohne Verfasser und Drucker anzugeben, eine Sammlung von lateinischen Gesprächen zwischen Studenten und Lehrern über Universitäts=Angelegenheiten und allerlei Lebensverhältnisse von der Immatriculirung bis zur Promotion. Auf der Rückseite des Titelblattes steht ein "Prologus"; die erste Textseite beginnt:

Capitulum primum qualiter nouelli studentes alloqui debent magistros suos. vt in matriculam intitulentur. ac etiam a beanio deponetur.

Es kommen auch Capitel vor, wie

Capitulu XIIII. qualiter studetes de mulieribus loquantur. cum amore earum inflammati sunt.

Hinten fehlt etwas. Der Drucker ist nicht angegeben; die Lettern sind andere, als die zum Druck des Donat gebrauchten. Wahrscheinlich aber ist die Schrift ebenfalls zu Rostock gedruckt. Vgl. auch Etwas, 1740, S. 566; Krey Beitr. II, S. 309.

1506.

2) Spirantissimum Opusculum in officium Misse in optimum ordinem digestu Ab eximio Magro Theologie et Juris canonici doctore Alberto Crantzs pro sancta et suaui institutione Sacerdotum Ecclesie.

Auf der Rückseite des Titelblatts steht:

Bertoldus Moller artium magister et theologie baccalarius Lectori studioso Salutem perennem.
Dum in manus meas peruenerat Candide Lector polita illa et christiana explanato officii misse: qua Hamburgi ediderat Clarissimus theologus Albertus Crantzs non potui conquiescere quin te ad illius ardentissima lectionem inuitarem: etc - - - Vale lector fidelis huius opusculi sicut felicitatis extreme amantissimus Ex Rostochio precipitanter Decimaseptima Marcii Anno salutis sexto supra millesimumquingentesimum.

Der Text beginnt fol. 2 a. mit

Prologus auctoris in officium Misse.

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Der erste Buchstabe des Textes, ein U (zu Ut), welcher mit einem Holzschnitte gesetzt werden sollte, fehlt.

Am Schlusse des Buches folgen einige lateinische Verse mit dieser Ueberschrift:

Tilemanni Heuerlingk Artium liberalium Magistri Epigramma ad lectorem.

Auf der letzten Seite steht (fol. 46 b.):

Fulgentissimum opus misse negocii devotissime interptativum: nu per ab Alberto Crantz Egregio acutissimoqz philosophie decretor. ac Theologie prosessore magistraliter congestum: In ecclesie Hamburgensis tocius cleri congregatone eloquentissime voce viua enodatum: felici sideri finem accipit: Impressum. Rostochii decimasexta mensis Aprilis Anno quingetesimo sexto supra millesimum.

In kl. 4, mit 42 Zeilen auf der enggedruckten Seite, mit Sign. A-H, 6 Bl. in jeder Lage.

Exemplare auf den Stadt=Bibliotheken zu Hamburg und zu Lübeck, auf der Universitäts=Bibliothek zu Greifswald und auf der königl. Bibliothek zu Kopenhagen; das Exemplar, welches früher zu Rostock gewesen sein soll, ist nicht aufzufinden.

Das hamburger Exemplar ist hinter der Biblia pauperum angebunden; hinten angebunden ist ein Abdruck der Bulle In coena domini auf einem Pergamentblatte für die Geistlichen der schweriner Diocese (vgl. Drucke der Michaelis=Brüder z. J. 1521). Vgl. unten Liber missalis ecclesie Hamburgensis z. J. 1509.

Vgl. im Allgemeinen Krey Beitr. II, S. 244; Leben des berühmten D. Alberti Crantzii, Hamburg 1722, S. 47; Petr. Lambecii rer. Hamb. Libr. II, p. 94; Etwas, 1739, S. 563.

Der Druck ist mit kleinen Typen gesetzt; Titel, Vorrede, Ueberschriften u. s. w. sind mit den Lettern des Donat von 1505 gedruckt. Hiernach und nach der Geschichte der rostocker Buchdruckereien ist der Druck ohne Zweifel aus der Officin von Hermann Barckhusen hervorgegangen.

1509.

3) Fraternitäts=Brief des St. Claren=Ordens.

Ludwig Hennigk, Minister des Franziskaner=Ordens in der

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Provinz Sachsen, ertheilt die Fraternität des St. Claren=Ordens, - ein gedrucktes Schema: datirt

Datum Rostock tpe Capli nri prouincialis Anno nostre Salutis Millesimo Quingentesimo nono.

Das Kloster zu Ribnitz war St. Claren=Ordens.

Mit H. Barckhusens Brevier=Lettern (Tab. II, Nr. 1) gedruckt. Ein Exemplar im Stadt=Archive zu Rostock.

4) Liber missalis secundum ritum ecclesiae Hamburgensis, per Albertum Krantz castigatus. Expensis Hermanni de Emden opera Joa. Prüss Argentini impressus. 1509.

in Fol., dürfte im Verlage Hermann Barckhusens gedruckt sein, da derselbe im Jahre 1508 ein "hamburger Brevier" zu drucken übernahm; vgl. oben S. 66 das Officium missae z. J. 1506 und das Breviarium Hamburgense von L. Dietz z. J. 1522.

5) Das lübische Recht.

Dieses seltene Buch ist zuerst erwähnt in Dreyer Kenntniß lüb. Verordnungen, S. 237, und in v. Seelen Nachricht von der Buchdruckerei von Lübeck, S. 44; dann führt es Westphalen Mon. ined. Tom. III, 1743, Praef. p. 120, unter den Handschriften des lübischen Rechts auf, indem er sagt: "Tertium et decimum (codicem juris Lubicensis) tandem dixeris Dietzianum, impressum anno 1509". Diese Ausgabe hat sich als die größte Seltenheit zu Lübeck auf der Stadt=Bibliothek (Bibl. publ. juris 4. Nr. 2044.) gefunden. Nach der unten mitgetheilten Vorrede hat der Buchdrucker Ludwig Dietz diese Ausgabe für gute Freunde, nach voraufgegangenem Studium vieler Handschriften, nach der besten und vollständigsten Handschrift gedruckt, oder vielmehr hat sie sein Herr, der gelehrte Stadt=Secretair Hermann Barckhusen zu Rostock, (vgl. oben S. 75) durch ihn drucken lassen.

Das Titelblatt fehlt; dann 8 Blätter Vorstücke ohne Sign., Cust. und Sz. und 42 Blätter Text ohne Cust. und Sz. mit Sign. A II. - L, jede Lage von 4 Bl., mit dem Wasserzeichen p.

Statt des fehlenden Titelblattes ist ein Blatt eingeklebt, auf welchem die in Westphalen Mon. ined. III, p. 639 mitgetheilte Verleihungs=Urkunde geschrieben steht, mit der Ueberschrift: "Copia des midthgetheilten Lubischen Rechtens,

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"So der Stadt Herforden vor Iharn vom Radte zw Lubek midtgetheilett. Ao. 1240", (nur daß es in dieser Abschrift "Moguntinensis episcopi dilectis amicis nostris burgensibus in Erviiugo" heißt, welches letztere Herforden bedeuten soll). Unter dieser geschriebenen Urkunde steht geschrieben: "Nhun volgtt darauff das alte Lubesche Rechtt, alß vorhin stehet vnd zw Rostock volgendes gedruckett". Dies verhält sich aber nicht also; der niederdeutsche Codex des an die Stadt Herforden mitgetheilten Rechts ist in Westphalen Mon. ined. III, p. 639-672 abgedruckt, weicht aber sowohl in der Folge der Artikel, als auch im Texte selbst von der Dietzschen Ausgabe ab, welche daher von Westphalen mit Recht als eine Handschrift aufgenommen ist.

Die 8 Blätter Vorstücke enthalten auf Bl. 1 eine Vorrede und auf Bl. 2-8 ein alphabetisches Inhalts=Verzeichniß.

Die Vorrede lautet:

Eyne vorrede dusses bokes.
Nach deme de keyserlike stad Lubek, mit manigerleye artikelen olden gewonheyden vnde vpgesetteden wilkören (so men lubesch recht heth) jn besunderheyt begnadet vnde priuilegiert. welker lubesch recht ock in sulker Gestalt von keyseren to keysere cofirmeert syn schal, oft men dar von appellerede vnde wyder scheldende worde, Dat me syck alßdenne jn uauolghender jnstantien nicht vele fruchtbares vor de appellerende partye dorff vormodende wesen, De wyle denne vele vnder sulkeme luschen rechte beseten, vaste flijt ankeren, vme sodans to wetende, so ock nicht vnnutte syn scholde, derhalue mannigerhande pleytes kyues vnde rechtgandes (so sik eyn jder alße der rechte vorstendich sulues byldelik schikkede) vortokomede, hebbe ik Lodewicus Dietz von Spyre dorch andechtige bede vnde begheerte etlicker myner guden gunre vnde frunde veler older geschreuen böke (so men sede lubesch recht tho wesen) wor ik de ouerkomen konde mit flyte dorchgesehen vnde ouerlesen, So

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ik ouerß de sulfften böke nicht alleine jn deme synne sententien edder meninge der artikele, sunder ock in der tall vnde ordeninghe (ßo villichte jn velen vnrechten Exemplaren dorch de vnuorstendicheyt der schryuere mach vorseen wesen) gar wijt von eyn dreghende gefunden. Hebbe ick doch eyn von den allen (mynes vorstandes dat beste vnde formelikeste) allene vor gude frude to drugkende vorgenomen, Doch nicht jn sulker gestalt, dat sodans dat rechte approbeerde vnde confirmeerde lubesch recht syn schole, Wente ik sulues dat rechte origenäl ny ghesehen, sunder wü ick vor my gefunden, ßo na gedrucket hebbe, Dar mede ik ock nicht alleine dyt bök, sunder my alße eyne drucker entschuldige will, oftme nu dat Lubessche recht ßo gelijkformich dusseme böke, ouer olde jare gemaket jn wöntliker brukinge nicht befude, angeseen sodane recht jn velen artikelen nach wyder betrachtinge vnde anderen offte nyen wilkören myt der tijt wol mach vorandert vnde vp dat nye confirmeert wesen.

Darauf folgt Bl. 1 b:

To vorst ae nde dat Register dusses b oe kes eyne korte vnderwysynghe.

und dann das Register.

Der Text beginnt:

In deme namen der hillige dreualdicheyt so be=gynnet hyr dat recht der Stadt lubeke. vnde to dem erste van den jennen de nicht m oe ghen R ae dmane wesen.

De j. artikel.                    

Dat sy witlik, dat neyn man de eyn ammet hefft van heren, mach edder schal wesen in deme Rade der Stat lubeke.
Hyr volget na wo men w oe rde schal.

De jj. artikel.                    

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De w oe rden wil, w oe rdet he h oe gher den enen voet bouen synen naber, he schal leggen vp dat syn ene muren, Edder de bouen wonet, schal bouene bliuen.

Auf dem Schlußblatte steht nichts, als:

Gade sy loff.
Dusent vyffhundert vnde neghen.

Die Lettern sind dieselben, mit denen die Bambergensis gedruckt ist (Tab. II, Nr. 2); ohne Zweifel stammt also das Buch aus der schriftstellerischen Officin von Herm. Barckhusen.

1510.

6) Bambergische Halsgerichts=Ordnung,

ohne Custoden und Seitenzahlen, 9 1/2 Bogen, jeder von 6 Blättern, in kl. Fol., mit Signaturen A bis R ; Titel und Einleitungen sind mit in die Signaturen eingerechnet.

Der Titel ist ein Holzschnitt: wie Christus zum Weltgericht erscheint, auf einem Regenbogen sitzend, mit den Füßen auf der Weltkugel; zu jeder Seite ruht ein Engel mit der Posaune zur Auferstehung, welche unten durch zwei Gruppen dargestellt wird, deren eine zur Anbetung aufersteht, die andere von einem Teufel in den Höllenpfuhl gezogen wird. Oben steht auf einem Bande:

Gedengke alletijt der lesten dynge >
So werstu gerecht dönde gär gerynge.

Auf einem zweiten Bande darunter stehen die Sprüche "Mathei am VII" und "Psal. C. I, II".

Auf der Rückseite des Titels steht die PublicationsVerordnung des Bischofs Jörgen von Bamberg, unter welcher steht:

Wy hebben ok in dusser vnser ordeninge vmme eygentliker merkynghe vnde beheltnisse willen des ghemeynen manß figure vnde ryme (nach gelegenheyt der ghesette, so dar na volgen) ordi=nere vn hyr mede jn drucke laten.

Dann:

Hyr na volget dat Register dusses boekes

auf 7 Seiten; die achte Seite ist leer.

Dann folgt der Text in cclxxviii Capiteln; die Hauptabschnitte haben Ueberschriften in Missallettern. In dem vorliegenden Exemplare fehlt das erste Blatt des Textes.

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Holzschnitte sind eingedruckt: zu Cap. V eine Darstellung, wie ein Uebelthäter vor den Richter geführt wird, mit dem hineingedruckten Spruche:

Vp juwe beuell vns ged ae n
Dussen man wy gefangen h ae n;

zu Cap. XVII dasselbe Bild mit dem Spruche:

Her Richter latet hyr nemen an
Eyne schadhaftige man;

zu Cap. XXVI Darstellung eines Sauf= und Spiel=Gelages, dessen Theilnehmern Hinrichtungs=Instrumente über den Häuptern schweben, mit dem Spruche:

Weyning hebben vnde vele vord ae n
Brynget dusse knaben in arghen w ae n,
Ok handele to dryuende de straflik syn
Dar dorch se vaken komen jn pyn;

zu Cap. LVII Darstellung eines peinlichen Verh oe rs; zu Cap. LXXIIII die Darstellung einer Eidesleistung mit dem Spruche:

Du schalt neyne valsche tůchnisse gheuen
So leef dy sy dat ewyghe leuen;

zu Cap. XCV Darstellung, wie ein Urtheilsspruch gef ae llt wird, mit dem Spruche:

Richte wy na dusses b oe kes lere
Dar mede vorware wy sele vnde ere;

zu Cap. CXXV Darstellung der Hinrichtungs= und Straf=Werkzeuge zweimal auf beiden Seiten eines Blattes; zu Cap. CCXXIX Darstellung der Leichenschau eines Ermordeten; zu Cap. CCLXVII Darstellung, wie gestohlenes Gut vor Gericht gebracht wird, mit dem Spruche:

Betrede hebbe ick dat myn
Schaffet my dat, alse jd schal syn.

Am Ende steht:

To der ere gades. to heylsamer vn fruchtbarer lere aller wertliken Richtere, vnde gemeynem besten to gůde, js dyt halßgherichte vth deme ouerlendesschen jn dusse nedderlendessche sprake gedůzschet. Gedrucket vnd fullen endet To Rozstock an deme hylligen pynxte auende In deme jare veffteynhundert vnde Teyne.

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Ein Exemplar dieses seltenen Buches, (welches sogar bei Ebert fehlt), an welchem jedoch einige Blätter fehlen, befindet sich im Großherzogl. Archive zu Schwerin. Ueber den Druck vgl. oben S. 74.

(1510.)

7) Bericht von dem zu Sternberg Anno 1491 vorgefallenen Judenhandel. Rostock 1510. 4.

Eine zweifelhafte Ausgabe in niederdeutscher Sprache. Vgl. Ausgabe des Mons Stellarum von 1512 S. 88.

1512.

8) Mons Stellarum
oder

Geschichte von der zu Sternberg (Mons Stellarum) im J. 1492 verübten Hostien=Mißhandlung durch die Juden und der Verbrennung derselben im J. 1493.

Von diesem, von Nicolaus Marschalk verfaßten Buche sollen mehrere Ausgaben vorhanden sein; leider ist diese kleine Schrift sehr selten und gewöhnlich defect.

Auf der Universitäts=Bibliothek zu Rostock befindet sich eine Ausgabe in 4. Die ganze Titelseite nimmt ein sehr guter Holzschnitt ein, welcher vierfach 1 ) getheilt und auf welchem die sternberger Hostiengeschichte dargestellt ist, nämlich:

  1. ein Sacramenthäuschen,
  2. der Raub des Sacraments,
  3. die Durchstechung der Hostie durch die Juden,
  4. die Verbrennung der Juden.

Ueber diesem Holzschnitte steht nichts weiter, als

Mons Stellarum

in Missallettern 2 ).

Auf der Rückseite des Titelblattes steht:

Res a iudaeis perfidis=
simis in monte Stellarum gesta: ad
illustres principes Hinricum:
et Albertum germanos:
duces Megapolen=
ses inclytos:
ab egre=
gio

1) Panzer sagt irrthümlich: "Mons Stellarum. Tabula ligno incisa et in tres partes ad perfidiam Judaeorum spectantes. Haec in fronte fol. 1. a." - Die beiden untern Bilder sind nur schwach getrennt.
2) Vgl. Tab. II, No. 2 a.
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viro Nicolao Marscalco: Thurio: LL: et Ca=nonum doctore nuper verissime scripta: obi terqz miracula inde facta: et perfidia iudaeo=rum maxima 1 ).

Die erste Seite des Textes (fol. 2a.) beginnt mit den Worten:

annus agitur ferme vigesimus: principes illustres: ex quo: genus mortalium impium et perfidissimum: Judaei eucharistiam nofiri redep=toris Christi manibus suis sanguinariis inuase=runt: - - - - - -
- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
Quae res quamuis tot fuerit ante annis gesta: nullo tamen certo adhuc authore in lucem pro=diit: quam tato libentius posteritati icorruptam tradere institui cum miraculis quae a tepore eo sunt insigniter inde facta: quanto scio magis fidem habitura eam cum minime possit a quo qua refragatum iri: quod vestra nuncupatione litteris chalcotypis publicatur: tametsi non parum ad operam hanc nauandam ipsum me moueat: et loci sanctitas: et miracula frequetis=sima: mortaliumqz vndecumqz populariter accur=rentium sedula de re percotatio cuius desyderantur veri denarratores.

In 4, ohne Cust. und Sz., mit Sign. (A)-E, 5 Bogen jeder von 4 Bl. Das Ende fehlt; das Letzte ist der Satz:

Post quae tempora nullae certae sedes - - Mosis: noue: sub doctoribus ne dicaz.

Den Schluß giebt Panzer nach einem vollständigen Exemplare (Bibl. Dilherr.):

Editum Rhostochii et ibi a Ludovico Dytze calchographo solerti expressum. Pridie Calendas Augustas Anno a natali Christiano M.D.XII.

Insigne. 4.


1) Vgl. Tab. II, Nr. 2. b.
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Druckjahr, Druckort und Drucker haben gewiß ihre Richtigkeit: nach der Einleitung waren bis zum Druck ungefähr 20 Jahre verflossen (1492-1512). Die Lettern sind genau die von Hermann Barckhusen zur Bambergensis gebrauchten deutschen Lettern; das Buch ist in Barckhusens Druckerei von dessen Drucker L. Dietz gedruckt. Das Papier ist das, auf welches der Donat gedruckt ist, mit dem Wasserzeichen p.

Vgl. die Ausgabe von 1522 bei N. Marschalks Druckerei.

Außerdem wird noch angeführt:

Mons Stellarum
oder
Bericht von dem zu Sternberg Anno 1491 vorgefallenen Judenhandel. Rostock 1510. 4.

Marschalk soll diese Schrift, welche er späterhin in den J. 1512 und 1522 in lateinischer Sprache erscheinen ließ, schon im J. 1510 in plattdeutscher Sprache herausgegeben haben. Vgl. Westphalen Mon. I, Praef. p. 87; Schöttgen Comm. de vita N. Marschalci Th. S. 14; Krey Beitr. II, S. 245.

Aber diese Ausgabe hat in neuern Zeiten niemand gesehen. Daß der moderne hochdeutsche Titel nicht der Original=Titel sei, ist klar; eben so wenig kann der lateinische Titel der Ausgaben von 1512 und 1522 der Titel dieser muthmaßlichen Ausgabe sein. Zu bemerken ist, daß im J. 1510 auch eine Geschichte wie die märkischen Jüden das hochwürdigste Sakrament gekauft und zu martern sich unterstanden", in 4, ohne Druckerzeichen, wahrscheinlich zu Frankfurt a. O., erschien: vgl. Friedländer Beitr. zur Buchdruckergeschichte Berlins, S. 4.

Dennoch scheint etwas Wahres an der Existenz dieser Ausgabe zu sein, da schon Joh. Bacmeister der Jüngere († 1686; vgl. Krey And. S. 17) in seinen Animadv. in Marschalci Thurii Annal. Libros in Westph. Mon. I, S. 454 sagt, daß Marschalk die sternberger Hostiengeschichte in deutscher Sprache herausgegeben habe:

"De sacrilegio Judaeorum Sternebergae anno 1491 commisso germanico idiomate 1510 edidit".

Auch ist es außer allem Zweifel, daß Marschalk auch deutsche Lettern hatte (vgl. Tab. III, Nr. 4) und in den ersten Zeiten seiner Druckerei gebrauchte; jedoch druckte er noch nicht im J. 1510 selbst.

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Möglich wäre es, daß Marschalk dieses Büchlein, wenn es anders im J. 1510 gedruckt ist, bei Hermann Barckhusen auch in niederdeutscher Sprache erscheinen ließ, da dieser Mann grade die Fähigkeiten zur Herausgabe solcher Werke hatte und im J. 1510 meklenburgische Chroniken zu drucken beabsichtigte. Man vgl. über die Druckerei des Hermann Barckhusen, S. 72.

Dagegen sagt Hederich, welcher in der zweiten Generation nach Marschalk nach Schwerin kam, in seinem "Kurtzen Verzeichnisse der Bischöffe zu Schwerin" (1603, gegen das Ende seines Lebens): "Historia von den Juden zu Sternberg, welche im 1510 Jahr hernach ein beruffener man, mit nahmen Nicolaus Marschalk, mit allen umbstenden nach der lenge lateinisch beschrieben, welcher kurtzer begriff und auszug ist, wie folgt," (vgl. Schröder Pap. Meckl. II, p. 2468 und 2518); und diese Nachricht scheint die glaubwürdigste von allen zu sein.

Möglich ist jedoch die Herausgabe der sternberger Judenhändel im J. 1510 durch Marschalk, wenn man einen andern Text, als die bisher bekannten Beschreibungen als Gegenstand der Herausgabe annimmt. Dem großen Codex der meklenburgischen Reimchronik von Ernst von Kirchberg im Großherzoglichen Archive sind nämlich drei kleinere Reimchroniken in plattdeutscher Sprache angehängt:

1) "Van des domes stichtinge to Rostogk.
2) Van der mishandelinghe des werden sacramentes tom Sterneberge.
3) Van der slachtinge in deme lande to Dethmerschen".

Nach einer gleichzeitigen Schlußbemerkung sind diese Chroniken nach lateinischen Originalen abgefaßt und namentlich die sternberger Judengeschichte nach einem, jetzt unbekannten Originale, welches mit den Worten begonnen hat: "Conuolat in monte stelle". Diese kleinen Chroniken sind, nach vorkommenden Jahrszahlen, sicher nach dem J. 1500 geschrieben und stammen ohne Zweifel aus den ersten Zeiten der Wirksamkeit von Nicolaus Marschalk, Nicolaus Baumann und Hermann Barckhusen, welche vorzüglich mit dem J. 1507 hervortritt. Nicolaus Marschalk schrieb bekanntlich auch deutsche Reimchroniken, jedoch bediente er sich der hochdeutschen Sprache; Nicolaus Baumann und Hermann Barckhusen waren dagegen in Uebertragungen aus dem Hochdeutschen ins Nieder=

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deutsche geübt. Es ist daher möglich, daß Nic. Marschalk diese Reimchronik der sternberger Judenhändel hochdeutsch gedichtet, Nicolaus Baumann sie in das Niederdeutsche übertragen und Hermann Barckhusen sie gedruckt habe. Hierauf scheint auch folgende Nachricht in den fürstlichen Renterei=Rechnungen zu deuten, nach welcher Nicol. Baumann eine Chronik abschrieb:

1510.
"II gulden niclaws schriber van der Croniken zu schribenn, 2 a post Michael."

und eben so mag sich hierauf das Anerbieten Barckhusens beziehen, nach welchem er im Jahre 1510 eine Chronik drucken wollte (vgl. S. 72).

9) Reliquienbeschreibung.
De Rock Jhesu
Christi vnses heren.

mit Missallettern. Darunter ein Hemd in Holzschnitt. Dann folgt:

Dyt hyr na geschreue hyllichdöm is dorch gebet vn bevel Maximiliani der tyd erwelde Romischen keysers Im iare MCCCCCXII to Tryer Im hogen Altare des dömstyfftes gefunden worden.

Hierauf folgt die Beschreibung dieser Reliquie und anderer, die Erhebung derselben und die Confirmations=Bullen über dieselben.

Ein halber Bogen in Fol., auf einer Seite bedruckt, mit den Lettern der Bambergensis.

Ein Exemplar auf der Bibliothek der Marienkirche zu Rostock, in Hieronymi opera omnia, Tom. I, vorne eingeklebt.

(1517.)

10.?) Reineke de Voss.?

Erste rostocker Ausgabe nach der lübecker von 1498.

Drucker und Herausgeber der ersten rostocker Ausgabe des Reineke Voß vom J. 1517 sind nicht bekannt. Es wäre jedoch nicht unmöglich, daß Hermann Barckhusen das Gedicht im J. 1517 herausgegeben hätte, obgleich er damals seine Druckerei wohl schon ganz an L. Dietz abgegeben hatte; ja es wäre nicht unmöglich, daß er Bearbeiter und Herausgeber der ersten lübecker Ausgabe wäre, in welchem Falle er später von Lübeck nach Rostock gezogen sein müßte; er besaß wenigstens

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im J. 1510 Exemplare des Gedichts und die Lettern der alten Ausgabe. Als er im J. 1508 ein hamburger Brevier drucken wollte, erschien dasselbe nicht bei ihm, sondern im J. 1509 zu Straßburg bei Joh. Prüß, jedoch auf Kosten eines Hermann von Emden, welches, nach allen Umständen, wieder Hermann Barckhusen sein dürfte. Der Ort Emden würde dann wieder nicht unpassend auf eine westliche Gegend verweisen; vgl. S. 69, 71 und 75.

Vgl. weiter unten die Ausgaben von L. Dietz.

 


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III.

Buchdruckerei

des

Raths Dr. Nicolaus Marschalk.


1.
Leben des Dr. Nicolaus Marschalcus Thurius.

S elten hat sich ein Mann, bei einer ziemlich bedeutenden Wirksamkeit für die Mitwelt und Nachwelt, so sehr widersprechende Urtheile über sich gefallen lassen müssen, als Nicolaus Marschalk. Er war einer der ersten, welche das Studium der griechischen Sprache nach dem Norden Deutschlands verpflanzten und welcher dasselbe hier durch Rede und Druckschriften in eigner Druckerei verbreitete. In seiner begründeten Vorliebe für die griechischen Studien und bei seinem Streben nach historischem Zusammenhange suchte er die Lücken der meklenburgischen Geschichte in der Urzeit durch Herbeiziehung der griechischen Geschichte zu ergänzen und bildete so aus dieser eine meklenburgische Urgeschichte, welche nur seine Hypothese war. Jahrhunderte hindurch sprach man ihm nach, bis man endlich nach dem Grunde der marschalkschen Hypothesen fragte, und als man diese endlich als - Hypothesen erkannte, scheute man sich nicht, ihn ganz zu verwerfen, statt daß man einfach seine Mythologie hätte der Vergessenheit übergeben und seine wahre Geschichte kritisch benutzen sollen, welche allerdings für die Zeit, daß er gleichzeitige Ereignisse niederschrieb, Werth hat, da er die Ereignisse seiner Zeit genau kannte. Es ist hier nicht der Zweck, eine ausführliche Lebensbeschreibung Marschalks zu geben; aber eine kritisch geordnete Uebersicht seiner Lebensumstände wird hier nöthig sein, um seine Wirksamkeit für die Gelehrsamkeit und die Aufnahme der Buchdruckerei in Meklenburg gründlicher beurtheilen zu können,

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um so mehr, da man ihn bis jetzt fast nur von der litterarhistorischen Seite kennt 1 ).

Nicolaus Marschalk war zu Roßla 2 ) in Thüringen, nach bisherigen willkührlichen Angaben ungefähr um das Jahr 1470, geboren, und stammte angeblich aus dem thüringischen Geschlechte der Marschall 3 ), welche Gosserstadt 4 ) besaßen; nach seiner Abkunft aus Thüringen legte er sich, in Folge seiner griechischen Studien, den gräcisirenden Beinamen Thurius bei 5 ).

Er bezog nach vollbrachten Schulstudien die Universität Erfurt, wo er im Jahre 1490 Magister der Philosophie 6 ), darauf Baccalaureus der Rechte ward 7 ) und den akademischen Lehrstuhl betrat, vor welchem er auch Spalatin zu denjenigen seiner Schüler zählte, die in der Folge seine Freunde wurden 8 ). Als der Kurfürst Friederich der Weise im Jahre 1502 die


1) Was bisher bekannt war, ist ziemlich genau zusammengestellt in: Schoettgenii Commentatio de vita Nicolai Marschalci Thurii, quam ob raritatem recudi curavit Joh. Phil. Schmidius, Rhostochii, 1752; Etwas, 1740, S. 324 flgd. und 1745, S. 60, und a. O.; Krey Andenken an die rostockschen Gelehrten, St. IV, S. 24; Krey Beitr. zur mekl. Kirchen= und Gelehrten=Geschichte, I, S. 298 und 315.
2) Als sein Geburtsort ist bisher Erfurt angegeben. Aber als er im J. 1490 magister in artibus zu Erfurt ward, schrieb man seinen Namen also in die akademische Matrikel:
          Magr. Nicolaus Marschalk de Rossla.
Wahrscheinlich ist dieser Ort der bekannte gräflich=stolbergische Ort Roßla in der goldenen Aue; außer diesem Roßla führen in Thüringen nur noch Ober= und Nieder=Roßla bei Weimar denselben Namen. Vgl. Neue Mitth. des thüring.=sächsischen Vereins, II, Heft 3 und 4, 1836, S. 611.
3) Sein Wappen hat im Großherzoglichen Archive noch nicht gefunden werden können. Unter den Holzschnitten in seinen Werken kommt einige Male ein gerüsteter Ritter zu Roß vor, auf dessen Turnierdecke ein links schauender Adler dargestellt ist; auch findet sich derselbe Adler in den Holzschnitten der Randverzierungen in seiner Historia aquatilium auf der Rückseite des Titels; diese Randleiste ist Tab. III, Nr. 6. abgebildet. Derselbe Adler steht auf der Flagge am Vordermaste des Schiffes in Instit. reip. lib. ult. cap. CX; auf der Flagge am Hauptmaste sind zwei Löwen übereinander, auf der Flagge am Hintermaste ein Kreuz auf einer zerplatzenden Bombe (wohl Holzschneiderzeichen). Wahrscheinlich ist der Adler Marschalks Wappen. Die Marschall auf Gosserstadt führten zwei Tuchscheeren im Wappen (vgl. Schöttgen a. a. O. S. 7). Die Sirene in Marschalks Drucken ist wohl Druckerzeichen.
4) Vgl. Schöttgen a. a. O. p. 7.
5) Marschalk selbst sagt in Comment. Annal.: "Turingi uaria habent nomina apud antiquos; dicuntur enim Thurii teste Donato," etc.
6) Vgl. Neue Mitth. des thür.=sächs. Vereins a. a. O.
7) Vgl. Schöttgen a. a. O. §. III.
8) Hierüber vgl. man einen Brief Marschalks an Spalatin, abgedruckt in v. Behr Rer. Mecl. lib. Praef. p XLV, und in Krey Beitr. I, S. 316. - Spalatin nennt sich selbst, bei Herausgabe einiger Gedichte Marschalks zu Erfurt im J. 1501: "puer amanuensis N. M. T." Vgl. Hummels Neue Bibliothek von seltenen Büchern, I, S.77. - Nach der wittenberger Universitäts=Matrikel ward Spalatinus ebenfalls im Wintersemester 1502-3 immatriculirt:
       Georius borkhardus de spalt.
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Universität Wittenberg gründete, war N. Marschalk einer der ersten, welche nach Wittenberg hinüberzogen, um hier die neue Universität bilden zu helfen 1 ). Wahrscheinlich ward er hier Doctor der Rechte und lehrte hier auch dieselben 2 ).

Der Kurfürst erkannte wohl die Fähigkeiten des vielseitig gebildeten jungen Mannes und ernannte ihn zum gemeinschaftlichen Gesandten 3 ) des sächsischen Hauses. Hiemit war der Herzog Georg von Sachsen aber nicht zufrieden; und da sich andere Irrungen entspannen, so wollte er das Ende nicht absehen: er verließ Wittenberg 4 ) wahrscheinlich im Anfange des Jahres 1505 und wandte sich nach Alt=Brandenburg, wo er sich im März d. J. häuslich niedergelassen hatte, um den Studien zu leben und sein weiteres Schicksal zu erwarten 5 ). Kaum war er in Brandenburg eingetroffen, als auch der Kurfürst Joachim von Brandenburg ihm mündlich und schriftlich Beschäftigung in seinen Diensten anbot und ihn namentlich für seine junge Universität Frankfurt zu gewinnen suchte 6 ).


1) N. Marschalk ist der elfte in der wittenberger Universitäts=Matrikel; vgl. Schöttgen a. a. O. §. III. Nach Mittheilungen des Hrn. Dr. Förstemann zu Halle ist er, als einer der ersten nach dem Rector und den Decanen, wohl schon am ersten Tage der Eröffnung der Matrikel, Lucä 1502, also eingeschrieben:
Nicolaus Marscalcus Thurius arcium magister et vtriusque iuris baccalaureus erfordiensis.
2) So viel ist gewiß, daß er bis kurz vor seiner Uebersiedelung nach Meklenburg in Wittenberg lebte und als Doctor nach Meklenburg kam.
3) Damals hielten sich die Fürsten sprachgelehrte und mit den Rechten, der Geschichte und der Politik vertraute und gewandte Männer, welche vorzugsweise als Gesandte und Unterhändler an fremde und verwandte Höfe verschickt wurden: zum "Verschicken in fremde Land"; man nannte sie, die häufig den Raths=Titel trugen, oratores. Verschickte; auch gebrauchte man dazu die "Räthe von Haus aus".
4) Ueber die Zeit von der Abreise Marschalks von Wittenberg bis zu seinem Eintritte in meklenburgische Dienste giebt vorzüglich der angeführte Brief Marschalks an Spalatin Aufklärung:
"officium communis oratoris a principe mihi illustrissimo Friderico datum, a principe Georgio patruele, qui in praesens dominium eius se contendit, differatur, subortis interim et aliis dissensionibus, quarum ego finem cum meo damno expectare nolui".
Auf frühere drückende Verhältnisse Marschalks in seiner Jugend spielt Ul. v. Hutten (1510) an in einer Elegie auf ihn Querel. I, p. 10:
Vtque malis olim tulit ipse simillima nostris,
Dum leget, in promptu causa doloris erit.
5) Der Brief an Spalatin ist datirt:
Brandeburgi die Marci a. dom. MDV.
In demselben sagt Marschalk:
"Vivit Thurius adhuc tuus et - - vescitur aura, Dei videlicet munere, totus incolumis, totus occupatus in otio litterarum suavissimo. - - Albim ego nunc, Spaltine iucundissime, reliqui ac prorsum posthabui".
6) In demselben Briefe erzählt Marschalk: (  ...  )
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Zu gleicher Zeit hatte ihm auch der Herzog Heinrich 1 ) von Meklenburg den Antrag machen lassen, bei ihm als Gesandter Dienste zu nehmen 2 ). Dies schien ihm ehrenvoller; wahrscheinlich trug aber auch die Bekanntschaft mit dem jungen Caspar von Schöneich, der im Jahre 1507 Kanzler des Herzogs Heinrich ward 3 ), dazu bei, daß er die meklenburgischen Dienste vorzog: denn beide waren in der Folgezeit immer vertraute Freunde.

Marschalk nahm also einen Dienst bei dem Herzoge Heinrich von Meklenburg an. Schon am 28. April 1505 ward ein Bote mit einem Briefe an ihn nach Alt=Brandenburg abgeschickt 4 ); und bald darauf muß er in seinen neuen Dienst nach Schwerin gezogen sein, da er am 21. August 1505 nach Alt=Brandenburg ging, um seine Bücher und sonstigen Mobilien nach Schwerin zu holen 5 ); am 15. Junius und 10.


(  ...  ) Postridie quam in urbem ipsam (Brandeburgum) veni, Marchiae princeps illustr. manu me sua, ut est humanissimus et adorator etiam studiosorum egregius, nedum studiorum, comprehendit, Francofurdiae suae academiam denarravit, me, si cupio, facturum ibi primum, qui iuvet et exsurgat, - - missis post ab absente etiam eam ob causam litteris".
1) Wahrscheinlich stammte die Zuneigung des Herzogs Heinrich zu Marschalk aus frühern Verhältnissen. Im J. 1494 verhandelte nämlich "Hermann Marschalk, Ritter", der in Diensten des Markgrafen Friederich von Brandenburg stand und zu Berlin lebte, mit dem Herzoge Magnus von Meklenburg, daß er bei diesem als Hofmeister dessen Sohnes, Herzogs Heinrich, in Dienste treten möge; wahrscheinlich kam dieses Verhältniß zu Stande. Leider ist auch Hermann Marschalks Siegel nicht zu erkennen; muthmaßlich dürfte Hermann Marschalk der Vater des Nicolaus Marschalk sein.
2) In dem Briefe an Spalatin heißt es:
"Oblata praeter id honesta mihi est conditio a Duce Megapolense illustr., ut oratorem agam apud regiam maiestatem, et alios regulos ac principes in provinciis abeundis, ternis ad minus equis principis sumtu stipendioque in annos meos satis largo. In his utrum potius eligendum adhuc delibero".
3) Caspar von Schöneich bekleidete in den Jahren 1503-1506 die Stelle, welche Marschalk zugedacht war, die eines Gesandten; da man aber vielleicht den nahen Tod seines "Vetters", des Canzlers Brandanus von Schöneich, welcher am 4. März 1507 begraben ward, voraussah, so mochte er wohl für den Todesfall seines Vetters an die Wiederbesetzung der Gesandtenstelle denken für den Fall, daß er selbst Kanzler werden würde. - Im Nov. 1505 übernahm Caspar von Schöneich noch eine Gesandtschaft an den Kaiser und in den nächsten Jahren noch andere Gesandtschaften.
4) In den herzoglichen Kammer=Rechnungen heißt es:
"1505. secunda post vocem Jucunditatis. XVI ßl. gegeuen einem Boten, yn myth briuen geschickt an Doctor niclao marschalck geyn olden Brandenborch".
5) Ebendaselbst: 1505. quinta post assumptionis.
"X gulden doctor Niclao Marschalck to hulpe gedan her to halende syne Bocke vnnd gerede to Schwerin".
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November 1505 erhielt er die ersten Zahlungen auf seine Besoldung 1 ).

Er ward nun "Rath" 2 ) des Herzogs Heinrich, d. h. nach unsern Begriffen wirklicher Geheimer=Rath, war der erste Staatsdiener nach dem Canzler (Minister) und diente dem Fürsten als Gelehrter und als Ritter 3 ). Caspar von Schöneich und Nicolaus Marschalk waren im ersten Viertheil des 16. Jahrhunderts längere Zeit die einzigen gelehrten Räthe am Hofe des Fürsten und wurden verhältnißmäßig am besten besoldet: Marschalk erhielt, so lange er am Hofe lebte, 100 Gulden Jahrgehalt und freie Zehrung für sich und seine Dienerschaft, Futter für 3 Pferde, Hofkleider und allerlei Emolumente, wie es in der Zeit Sitte war.

Schon im Herbste 1505 übernahm er Gesandschaften, indem er z. B. am 28. October 1505 mit Andern zu Schönberg mit der Stadt Lübeck unterhandelte und Martini 1505 mit dem Henning von Halberstadt nach Alt=Brandenburg ging, um dort die Streitigkeiten mit den lüneburgischen Herzogen über die Leibgedinge aus dem erloschenen Hause Meklenburg=Stargard beizulegen 4 ); auch übernahm er im Jahre 1505


1) Ebendaselbst:
"1505. in die Viti. V gulden doctor Niclao marschalk vp syn Zolth gegeuen tho gustrow".
und:
"1505. in vigilia Martini. X gulden doctor niclas marschalke vp syn Zolth to Szwerin gegeuen".
2) Nach einer erneuerten Bestallung vom J. 1512 sollte er sich
"Ratsweise in Unsern Geschefften gebrauchen lasszen".
In einem Notariats=Instrumente vom 8. Mai 1507 wird er:
"Juris utriusque doctor consiliariusque illustrissimorum principum dominorum Henrici et Erici fratrum ducum Magnopolensium"
genannt; vgl. Etwas 1743, S. 2.
3) So sagt er in einem undatirten Briefe, wahrscheinlich vom J. 1506, an den Herzog:
"wolt ich nicht gerne weniger dann dreye pherd haben vnnd alsdann selbst durch mich harnasch, auch dergleichen die meinen furen, - - alles nach meinem stande".
So sagt er in seiner Dedication des Auszuges seiner meklenb. Chronik an den Canzler C. v. Schöneich, daß sie geschehen sei, zum
"gedächtnus der freundlichen gemeinschaft in tapfern und etwa in ergötzlichen Handlungen und geschäften, so wir viel Jar bei unserm gnedigen Herrn gehabt".
4) Nach den Renterei=Rechnungen:
"1505. in vigil. Martini."
"XVIII gulden Ern Henninck Haluerstadt vnnd Doctor Niclao marschalke to teringe geyn olden Brandenborch der ansprake haluen, so myn g. here von Luneborch dheith to mynem g. h. van wegen der van Stargarden etlicher lifftuch haluen".
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mehrere andere Missionen in den Streitigkeiten mit der Stadt Lübeck. So ward er im J. 1506 nach Berlin und Magdeburg, nach Lüneburg und Hamburg und wieder nach Magdeburg in Reichsangelegenheiten gesandt; im J. 1507 unterhandelte er wiederholt mit den Städten Hamburg und Rostock und mit dem Hofe zu Berlin wegen des Hauses Stavenow, und im Jahre 1508 ging er mit Dietrich von Bevernest nach Dänemark zum Könige, und in verschiedenen Reisen nach Stendal, Leipzig, Erfurt, Lübeck und wiederholt nach Rostock 1 ). Während dieser Zeit wird ihm seine Besoldung regelmäßig ausgezahlt, so daß seine amtliche Wirksamkeit völlig klar zu Tage liegt 1 ).

Im Jahre 1509 war er schon verheirathet 2 ) und im Jahre 1506 war ihm ein Magister zum Gehülfen oder Secretair beigegeben 3 ).

Er war zuerst auf ein Jahr in Dienst genommen. Nach Ablauf desselben begehrte er, wie es aus einem undatirten Schreiben von ihm an den Herzog, welches jedoch am Ende des Jahres 1506 geschrieben sein muß, hervorgeht, eine Anstellung auf zehn Jahre, "alletzeit dem hofe zu volgen im lande und aus dem lande, auch in dorf vnd felde", wozu er sich freie Haltung von drei Pferden und den nöthigen Dienern wünschte. Dabei erbot er sich, obwohl er gar nicht dazu geneigt sei, jedoch noch lieber in Meklenburg, als anderswo, das Canzler=Amt zu übernehmen 4 ), wenn die Canzlei gehörig eingerichtet würde.

Marschalk veränderte jedoch bald seinen Wohnsitz, indem er nach Rostock zog. Welche Gründe dies veranlaßt haben mögen, ist nicht actenkundig; jedoch lassen sich Veranlassungen zu dieser Veränderung seines Wohnsitzes vermuthen: vielleicht war, bei der Einfachheit der Geschäfte in damaliger Zeit, wo der Canzler den ganzen Geschäftsbetrieb in sich vereinigte, wohl nicht hinreichend Arbeit für ihn am Hofe; der Herzog Heinrich strebte mit aller Macht darnach, der sinkenden Universität Rostock wieder aufzuhelfen, namentlich da seit Alberts Kranz Abgange


1) Alle diese Thatsachen sind den Renterei=Rechnungen von 1505 bis 1508 entnommen.
1) Alle diese Thatsachen sind den Renterei=Rechnungen von 1505 bis 1508 entnommen.
2) Nach den Renterei=Rechnungen:
"1509. sabbato post andreae."
"XXXV gulden gegeben doctor marschalk vff sin Solt, sulch gelt seiner Husfrawen to Szwerin veranworth".
3) Nach den Renterei=Rechnungen:
"1506 (im Anfange).
"VI gulden gegeuen doctor Niclao Marschalk vp syn zolth synem Magistro auerandtwoordt to Szwerin".
4) Im J. 1507 erhielt jedoch Caspar von Schöneich die Canzler=Stelle.
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die wichtige Stelle eines historischen Juristen und eines Diplomaten nicht wieder besetzt war, auch die griechische Sprache der Pflege bedurfte; endlich mochte der Herzog Heinrich es wohl gerathen finden, bei den Irrungen mit seinem Bruder und dessen thörichten Unternehmungen einen vertrauten Geschäftsmann in Rostock zu haben 1 ), wie denn die Herzoge fast zu allen Zeiten geschichts= und rechtsgelehrte Mitglieder der Universität, welche durch ihre Vermittelung auch die übrigen geistigen Kräfte der Universität benutzen konnten, zu Räthen gehabt haben; vielleicht forderten auch die häufigen Drucke, welche schon damals für den Staat veranstaltet wurden, den Aufenthalt eines geschäftskundigen fürstlichen Dieners zu Rostock 2 ). Marschalk mochte selbst seinen Aufenthalt zu Rostock wünschenswerth finden, um mehr den Wissenschaften leben zu können; auch spricht hiefür der Erfolg seiner Versetzung, indem er in Rostock gleich eine schriftstellerische Laufbahn begann.

Wann die Versetzung Marschalks nach Rostock statt gefunden habe, ist ebenfalls nicht mit voller Bestimmtheit nachzuweisen; wahrscheinlich wird sie im Jahre 1510 geschehen sein, wie es bisher angenommen ist. Im Herbste des Jahres 1510 ward er bei der Universität Rostock eingeschrieben 3 ), mit folgenden Worten:

"Dns. Nicolaus Marschalck juris utriusque Doctor honoratus per Universitatem".

Ulrich von Hutten, der sich bis zum Anfange des Winters 1510 zu Rostock aufhielt 4 ), widmete ihm eine seiner Elegien 5 ), in dem oben mitgetheilten Schreiben des Hermann


1) Auch ein fürstlicher Secretair, der bekannte Nicolaus Baumann, ward zu Marschalks Zeit nach Rostock versetzt.
2) Bisher hat die Meinung Francke's, A. u. N. M. IX, S. 99, als sei "Marschalk des Hoflebens müde geworden" und deshalb nach Rostock gezogen, als vornehmster Grund der Wohnungsveränderung Marschalks gegolten. Es haben aber gewiß wichtigere Gründe vorgewaltet. Dennoch ist es nicht zu leugnen, daß etwas Wahres an dieser Meinung sein mag. Die Sitten des Adels waren in der ersten Hälfte des 16. Jahrh. in Meklenburg sehr verderbt und die Bessern und Einsichtsvollern hören nicht auf, darüber zu klagen; auch Marschalk zieht in seinen lnstit. reip. milit. IV, 2, wenn auch nur indirect durch Anführung von Stellen römischer Schriftsteller, gegen den Adel zu Felde. Merkwürdig ist dabei das Zusammentreffen der Ausgabe des Reineke Voss, in dessen Noten sich eine seltene Freimüthigkeit und Derbheit gegen Adel und Geistlichkeit kund giebt und schon deshalb ein Buch von hohem Werthe für die Sittengeschichte ist. Die ersten Ausgaben mit Noten wurden zu Marschalks Zeiten zu Rostock gedruckt und dem angeblichen Herausgeber, dem herzoglichen Secretair Nicolaus Baumann, ward auch Rostock zum Wohnsitz angewiesen.
3) Vgl. Etwas, 1739, S. 783.
4) Vgl. Krey Andenken VII, S. 30 und Anhang, S. 44.
5) Zwar ist Marschalk nicht unter den Sechzehnmännern der Universität (  ...  )
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Barckhusen vom 24. Julins 1510 scheint er schon damals zu Rostock gewohnt zu haben und im November 1510 machte er eine Gesandschaftsreise von Rostock nach Stargard 1 ). Dennoch tritt das Wirken Marschalks in den Jahren von 1510-1512 etwas in den Hintergrund. Das Verhältniß Marschalks zum Fürsten und zum Hofe blieb während seines Aufenthalts zu Rostock so, wie es früher gewesen war 2 ). Die beste Aufklärung 3 ) darüber giebt eine neue Bestallung vom Jahre 1512, welche also lautet: Bestallung des Raths Dr. Nicolaus Marschalk.

"Wir Heinrich vnnd Albrecht gebruder vonn gots gnaden Hertzogen zw Meckelnborch etc . Bekennen vffentlich mit dißem vnnßerm brieffe, Nachdeme sich der hochgelerte vnßer Radt vnnd lieber getrewer Niclaus Marschalck Doctor vorhin vff ein Jar vnns zu dinst gethaenn, das sich itzt vff negestkünftige ostern verlauffenn vnnd endigenn wirt, das wir enhe nach ausgange desszelbenn berurtenn Jars noch ein Jar, als vff schirstenn Ostern an pis vff ostern, wen man der weniger Zcal dreitzehenn schreybenn wurt, angenhomen vnnd alßo bestalt habenn, das er die Zceit langk zu Rostock mit haußweßen sein vnnd sich des Jars zu viermalen vff landt= vnnd ander tagen, ßo wir haldenn werdenn, vff vnnßer Costunge Ratsweiße zu vnßernn geschefftenn gebrauchen lasszen,


(  ...  ) Rostock, denen Hutten seine zwei Bücher der Klagen widmete; aber dieser richtete doch Quer. I, Elegia IX,
"ad Nicolaum Marschalcum Thurium, doctissimum virum".
Ulrich von Hutten sagt zu ihm (1510):
Utere sorte tua, cui nunc fortuna secunda est:
Quem levat ex longo parta labore quies,
Utque tibi domus est, vt blandi muneris vxor,
Ut grave sub tanto Principe nomen habes,
Dignum illis animum gere. etc.
Vgl. Krey Anhang, S. 50.
1) Nach den Renterei=Rechnungen:
"IIII gulden doctor marschalck zu zerung von Rostock gein Stargart. 1510. sabato post martini. Herzog Heinrich".
2) Im Jahre 1510 (Montag nach Vincula Petri) ward der Dr. juris Leonhard Mertz unter gleichen Bedingungen, wie Marschalk, zum Rath bestellt. Auch dieser erhielt freie Wohnung zu Rostock oder "so lange die Pest dort regierte" zu Wismar. - Im Jahre 1516 ward der Dr. jur. Peter Boye zu Rostock zum fürstlichen Rath angenommen. - Dies sind die fürstlichen Räthe neben Marschalk.
3) Von dem fortgesetzten guten Vernehmen mit dem Hofe zeugen auch die zahlreichen Vorreden und Dedicationen seiner Werke an die Herzoge und den Canzler Caspar von Schöneich.
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darkegen wir Ime zu beßoldung versprechenn, als wir auch hirmit thuenn, berurt Jar viertzigk reynisch gulden 1 ) vff zwene termyn, iders halben jars dar vonn zcwentzigk gulden, Ein drombt Rogkenn, Ein drombt Maltz, Einenn Ochsenn vnnd Einn Swyn genediglich zu gebenn vnnd vorreichen zu lasszenn. Wir habenn auch vorlasszen vnnd mit Ime abgeredt, ab vnns mergliche gescheffte furfallenn wurden, dor durch vnnser gelegenheyt erfurdern enhe mehr denn vier mal, wie berurt, adir sust zu andern gescheften, die weiter arbeyt vnnd Zceit, denn Landt vnnd ander tage zu besuchenn, bedorffenn wurden, das wir Ime sulch vbirmaß nach gebur vergleichenn, auch andern zu procurirn vbir sein wolgefall an enhe nicht synnen wollenn, vnd op nach außgang gemelts Jars vnns sulche beßoldung lenger zu gebenn adir im vns forder zu dienenn nicht geliebenn wurde, das ider teyl sulch dem andern eynn viertel Jar vor ausgang des berurten Jars vffsagen moge. Als vngeferlich. Des zu Vrkundt habenn wir vnnßer Ingesigil, des wir hirzu ßemptlich gebrauchenn, vff dießenn brieff drucken lasszen, der gegebenn ist zu Swerin am Szontage nach Dorothee virginis anno dom. etc . duodecimo."
"Dis bestellung ist vff dis dreyzende Jar ernewert, mit bewillung beider teil, das ich Caspar von Schoneich mit dieser meyner hantschrifft bezeuge."

Mit rückwärts aufgedrucktem fürstlichen Siegel.

Außer diesen Geschäften des räthlichen Beistandes und der Haltung von Landtagen und Rechtstagen, wurden ihm noch öfter Gesandtschaften aufgetragen; so ging er z. B. im Anfang des J. 1515 mit Steffen von Bülow nach Stettin, 1518 nach Lübeck, 1520 nach Wittstock, 1523 an den Kurfürsten von Sachsen und noch im Anfange des J. 1525 nach Petrikau (vgl. Rudloff III, 1, S. 68), und im J. 1521 gehörte er neben Claus von Lützow und Claus Trutmann zu den "heimgelassenen Räthen" oder fürstlichen Statt=


1) In den Jahren 1515-1520 hatte er nach den Renterei=Rechnungen dieselbe Besoldung, indem es öfter heißt:
"L marck doctor marschalk ein halben Jars Szolt".
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haltern, als die Herzoge zu dem denkwürdigen Reichstage nach Worms gezogen waren.

Bei der Universität blieb er, da er fürstlicher Diener war, außerordentlicher Professor und las hier nicht nur über Civil=Recht, canonisches Recht und Geschichte, sondern auch selbst über Naturgeschichte und Physik 1 ). Ja als im J. 1522 der Herzog Heinrich von der Universität verlangte, dem gelehrten Doctor zu erlauben, daß er über das Neue Testament griechisch und hebräisch lese, und die Universität ihm dafür jährlich 50 Mark aussetzen möge, gestattete ihm solches die Universität, bat jedoch den Fürsten, ihr die Zahlung einer Besoldung in den geldarmen Zeiten zu erlassen und den Dr. Marschalk für Honorar der Studenten Theologie lehren zu lassen. Dieses Schreiben der Universität giebt über den großen Umfang der Gelehrsamkeit Marschalks und sein Ansehen das hellste Licht 2 ).

"Dorchluchtige, hochgebarenn furste, gnediger here. Vnnsze fruntlike grothe vnnd stede bereitwillige denste syn I. f. g. voran bereith. G. H. Juwer f. g. breff an vnns van wegen des werdigen, achtbaren vnnd hochgelerten Herrnn Niclauszen Marschalk der rechten doctors gelanget hebbe wy synes Inholdens verstaenn, Bedankhen ock I. f. g. vpt vlitigeste myt hogeme demothe erer gnedliken thoneginge der wedderupheuinghe vnnd widere entholdinge I. f. g. loeffliken universiteten, De wile g. h. vann vnns wy gedachtem doctorenn


1) In dem öfter gedruckten rostocker Lections=Cataloge von 1520 heißt es:
"Lectiones et exercitatt. in utroque Jnre extraordinarie: - Dns. N. Marescalcus Thurius utr. J. D. leget hora duodecima convenientem in jure civili materiam juxta voluntatem studiosorum. Et aliis temporibus non occupatis, elucidabit Hystoriam aquatilium latine ac graece."
Vgl. Etwas 1738, S. 801, und Marschalks herausgegebene Schriften, in welchen auch allerlei Kenntnisse von Physik und Mechanik zu finden sind. Auch sagt Hutten von ihm:
Etiam forte vagas depingit in ordine terras,
Cumque mari siluas, flumina, rura, lacus,
Et gentes quavis coeli regione repostas,
Totque urbes graphico digerit in radio.
2) Es ist also nicht gegründet, was Krey in den Rost. Humanisten S. 50 sagt, daß Johannes Cornarius der erste gewesen sei, der auf der Universität griechisch gelehrt habe. Wenn Marschalk schon im J. 1515 griechisch drucken ließ und die griechischen Schriftsteller in seinen Werken bearbeitete, so läßt sich, auch ohne ein directes Zeugniß, schließen daß er seine Kenntniß der griechischen Sprache und Litteratur auch zu seinen Vorlesungen benutzt habe.
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gestadenn vnnd vorghunnen mochten, itzundes inn J. g. vniuersiteten to leszende in deme Nigen Testamente gotliker hilliger scrifft in twenn tunghen alsze grekesch vnnd jodesch, mit sampt anholdinghe der studentenn syne Lection to horende, vnnd darumme vann vnns myt vefftich marck jarliker vpheuinge to besorgende vnnd vann vnns de eme loffliken vorsprekende begert, Bidden demotich I. f. g. dar vp to wetende, dat itzund J. g. vniuersiteten vnnd ock vann etliken negest vorgangen Jarenn steruendes vnnd vnderganges der Neringe vmmeliggender steden haluen verneddert vnd geswakenn, wo sze ock noch jegenwardich kriges vnnd orleges haluen merkliken affbroke lidet, Worumme g. h. is vnnse demothige vnnd denstlike bede, I. f. g. will vpt dith maell dat geringe vnnd geswakede standt J. g. uniuersiteten gnedtlick bedenken vnd sulkes J. g. begeren vallen laten, Jedoch nichtesto mynder, wo gedachte Er Doctor Niclausz to lesende vor vnnse studenten vmme ere eigene gelt vnnd besoldinge gesynnet, wete wy vmme I. f. g., der wy togefallen vele groter to uergunnende vorpflichtet, nicht to weigernde, vnnd wuste wy sust anders I. f. g. wor myt to gefallen to wesende, syn wy myth godes hulpe, dem wy I. f. g. vpt luckszeligeste to szeligem regemente lange in suntheyt to entholdende beuelen, alle tidt denstlick genoget. Datum Rozstock vnder J. g. vniuersiteten Secret am dage Mauritii martiris Anno etc . XXII°."

I. F. G.

Gudtwilligere                                            
Rector, Doctores vnnd Meistere                            
des Rades I. F. G. Vniuersiteten                            
tho Rozstock.                                         

Dem dorchluchtighenn vnnd hoch=
gebarenn fürstenn vnnd heren Ernn
Hinrick, hertoghen tho Mekelnborgh, etc .
vnnsem gnedigestenn lieuenn hernn.

So wirkte Marschalk bis er im noch rüstigen Mannesalter zu Rostock am 12. Jul. 1525 starb. Der Herzog Heinrich ließ ihn in der Kirche zu Doberan bestatten und dort ihm,

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dem verdienten, gelehrten und rechts= und sprachkundigen Manne 1 ), ein ehrenvolles Denkmal setzen.

Marschalk war nach allen Nachrichten ein ausgezeichnet gelehrter und geschäftskundiger Mann, der nicht allein durch schriftliche Ausführungen wirkte, sondern auch durch das lebendige Wort thätig war und jeden Weg benutzte, nützliche und gründliche Kenntnisse zu verbreiten. Zu diesen Bemühungen gehört denn vorzüglich die Anlegung einer Buchdruckerei in seinem Hause.

Ulrich von Hutten singt nicht mit Unrecht von Marschalk:

Qua se Varna celer vicinos fundit in agros
    Et prope dux arcem Magnopolensis habet,
Marschalcus faciles studiorum pondere Musas
    Sustulit, hunc ego nil grande latere puto.
                    Ulr. Hutteni Querel. p. 260.

2.
Druckerei des herzoglichen Raths und Professors Dr. Nicolaus Marschalk Thurius.

Marschalk zeigte schon früh einen lebendigen Trieb zur Schriftstellerei und Buchdruckerei. Es sind mehrere Werke bekannt, welche er als Magister während seines Aufenthalts zu Erfurt (1490-1502) schrieb und drucken ließ. Es ist jetzt keinem Zweifel mehr unterworfen, daß Marschalk schon damals in seinem Hause eine eigne Druckerei hatte. Leider sind alle Drucke aus dieser Druckerei nicht datirt; sie müssen jedoch zwischen 1490-1502 fallen. Es liegt ein marschalkscher Druck 2 ) vor:

1) Epitaphia quaedam mire uetustatis: que uiri boni ac eruditi et antiquitatis amatores posteaqua in sancta et religiosa pro litteris peregrinatione statuas monumeta ac urnas adorauerut


1) "Nicolao Marescalco Thurio et literarum et linguarum omnium viro doctissimo, jurisprudentia insigniter claro, tanquam bene merito, Henricus Megalopyrgensium Dux gratiosissimus princeps monumenta posuit."
Vgl. Etwas 1740, S. 329.
2) Die folgenden ersten 5 Drucke sind aus der Bücher=Auction des Dr. Mehnert zu Leipzig grade zu der Zeit in den Besitz des Vereins gekommen, als dieser Bogen in die Druckerei geschickt werden sollte. Was aus denselben für das Leben Marschalks noch gewonnen werden kann, muß daher aus dem Nachfolgenden für das Voraufgehende entnommen werden.
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i qbus erant iscripta inde fideliter collegerunt: et ad amicos miserut.

1 B. gr. 4, ohne Sz. und Cust., mit Sign. a II und a III. - Auf der Rückseite des Titels ein Holzschnitt in marschalkschem Geschmack: ein Portikus, unter welchem eine Sibylle steht, welche auf die Inschrift des Bogens hinaufzeigt. Anfang des Textes:

In arcu Sibylla Romae sculpi fecit has litteras etc .

Schluß auf der vorletzten Seite:

Figurae urnarum in quibus Romani defunctorum olim cinerem religiose adseruabant.

Darunter eine antike Urne in Holzschnitt. Auf der letzten Seite steht ebenfalls eine antike Urne in Holzschnitt und darunter die Worte:

INPRESSVM ERPHORDIE INN AEDIBVS MARSCALCI.

Die Lettern sind unverkennbar die größern lateinischen Lettern Marschalks; auch hebräische und alte griechische Lettern sind S. 3 gebraucht. Die häufigen Ueberschriften sind roth gedruckt. Der Satz ist vortrefflich und besser als in allen Büchern, die Marschalk zu Rostock drucken ließ.

Es ist also keinem Zweifel mehr unterworfen, daß Marschalk schon zu Erfurt eine Hausdruckerei hatte.

Außer diesem Drucke sind noch die vier folgenden in den Besitz des Vereins gekommen; mehrere derselben sind noch im vorigen Jahrhundert in Erfurt gewesen. Alle aber stammen sicher aus derselben Druckerei, in welcher die Epitaphia gedruckt sind.

2) Εισαγωγη προττων γραμματων ελληνων
Elementale introductionu In Idioma Graecanicum.
Alphabetum graecum et eius lectura
De diuisione litterarum graecarum etc.

1 B. in gr. 4, ohne Sz., Cust. und Sign. Ein Hülfsbuch zum ersten Unterricht in der griechischen Sprache für Studirende. Die erste Seite nimmt Titel und Jnhaltsverzeichniß ein. Der griechische Text hat eine lateinische Interlinear=Version in rothem Druck. Auf der letzten Seite, mit rother Einfassung, im Holzschnitt ein Lehrer (Magister Marschalk?), in den Händen eine sehr lange Pergamentrolle haltend.

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3) Introductio ad litteras hebraicas Vtilissima
Alphabetum hebraicum et eius lectura
Vocalium hebraicarum characteres etc.

1 1/4 B. in gr. 4, ohne Sz., Cust. und Sign. Ein Hülfsbuch zum ersten Unterricht in der hebräischen Sprache für Studirende. Die erste Seite enthält nur Titel und Inhaltsverzeichniß.

Der hebräische Text hat durchgehends die lateinische Aussprache und im Verlauf auch noch eine lateinische Interlinearversion in rothem Druck. Schluß:

Titulus graece latine et hebraice in cruce domini etc.

τελος

4) DIOGENIS CYNICI PHILOSOPHI SECTA
Authore Bartholomaeo coloniese latine. Insignia Diogenis. Cratis phi cynici epistole elegatissimae.

Darunter ein Holzschnitt mit dem Diogenes vor der Tonne. 2 B. in gr. 4, ohne Sz. und Cust., mit Sign. A und B. Am Ende der letzten Seite steht: TELOS.

Diese 4 Bücher sind mit den großen lateinischen Typen Marschalks gedruckt; in den 3 ersten kommen auch griechische und hebräische Lettern vor.

Mit kleinern lateinischen Lettern ist gedruckt:

5) Interpretamentum leue in Psellum philosophu: et medicum de natura ciborum conmunium.
(Weiter enthält der Titel nichts.)

3 B. in gr. 4, ohne Sz. und Cust., mit Sign. a bis c. Die Rückseite des Titelblattes beginnt mit einer Dedications=Epistel, welche beginnt:

N M ingenuo puero Petro Eberbach.
S. D. P.

Die ersten Buchstaben N M bedeuten wohl ohne Zweifel: Nicolaus Marschalcus. Gegen das Ende dieser Epistel sagt er:

Ad hec ego nuper feriatus sub nouo nec inerti calchographo: ne sim asymbolus: quoddam veluti auctarium tibi Petre et pueris addidi empturientibus glossemata videlicet et teutonam preterquam in exotericis linguam: ne qd desyderet ~ . Vale bellule Petre.

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Am Ende: τελος

Außer diesen Werken ist in dem Auctions=Kataloge der Bibliothek des Dr. Mehnert zu Leipzig vom 15. Nov. 1838, S. 17, Nr. 342, noch angegeben:

6) Laus musarum ex Hesiodi Ascraei Theogenia, ejusd. Coeli. Lactantii aliorumque poetar. Erford. 1500.
        ("C. Marschalli typis excusum.")

Dieser Druck giebt also Druckort und Druckjahr an. Außerdem waren bisher folgende Drucke bekannt.

7) Nicolai Marscalci Thurii Carmen de Diua Anna.

8) Nicolai Marscalci Thurii Carmina de moribus archi grammateorum, hoc est scribarum.

Diese Gedichte gab Spalatin im J. 1501 heraus und begleitete sie mit einem:

Appendix: Georgii Burchardi Speltini pueri amanuensis N. M. T. interpretatio glossematon horum carminum, hoc est uocum difficilium explanatio 1 ), ad Petrum Erythropolitanum suum symmathetum, hoc est condiscipulum.

Am Ende steht:

Expressum Erphordie per Enricum Sertorium Blancopolitanum Anno millesimo quingentesimo primo ad calendas octobres 2 ).

4 1/2 B. in 4.

Marschalks Drucker war also damals Heinrich Schneider(?) aus Blankenburg.

9) (Nic. Marschalci Th.) Enchiridion praeclarum clarissimorum poetarum.

IV Bücher, in 4. "Es bestehet aus vier Büchern, und jedes Buch hält excerpirte Carmina in sich: Liber primus. Ex Orpheo. Ex Pythagora graece et iuxta latine etc . - - Man findet in diesem Buche das Bildniß eines jeden Poeten


1) Also schon damals besaß Marschalk die Vorliebe für seltene Ausdrücke, so daß sie einer eignen Erklärung bedurften.
2) Vgl. Hummel's Neue Bibliothek von seltenen und sehr seltenen Büchern, Nürnberg, 1776, I, S. 77, wo diese Drucke beschrieben werden. - Auch in Schoettgen Commentatio de vita Marschalci Th. §. V. wird dieses Drucks gedacht, welcher, einer Sammlung von Gedichten des Hesiod, Lactans, Ovid, u. A., zu Erfurt 1501 in 4 gedruckt, angehängt, auf der paulinischen Bibliothek zu Leipzig befindlich ist.
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"in groben und unförmlichen Holzschnitten, welche auch nicht schattirt sind." (Lesser.) Am Ende steht:

Erphordie. 1502 1 ).

10) (Nic. Marschalci Th.) Libellus de Orthographia 2 ).

In 4.

Bei der ersten Promotion der Baccalaureen auf der neuen Universität Wittenburg am 18. Januar 1503 hielt Marschalk eine Rede 3 ):

11) Oratio habita a Nicolao Marscalco Thurio Albiori acadaemia i Alemania ia nuperrima ad promotione primoru baccalaurioru numero qttuor et uigiti Anno a natali Christiano M.C.C.C.C.C. III. XV KAL. FEB.

Anfang der Rede mit der Sign. A II; Ende derselben Sign. B 5b.:

Impressum Albiori in Sassonia Anno a natali Christiano M.C.C.C.C.C.III. XV. K. A. L. FEB.

2 1/2 Bogen in 4; das letzte Blatt ist aber leer. Diese Rede ist der erste bekannte Wittenberger Druck. Dr. K. Ed. Förstemann meint zwar, der Drucker derselben sei der Baccalaureus Wolfgang (Molitor alias Stöckel) Monacensis, welcher sich im J. 1504 als Drucker zu Wittenberg genannt hat; - aber es ist nicht unwahrscheinlich, daß Marschalk seine Hausdruckerei mit nach Wittenberg genommen hatte.

Bald nach seiner Ankunft in Wittenberg gab Marschalk im J. 1503 heraus:

12) Oratio in Petri Ravennatis Compendium Juris Civilis, impressum Albiburgi pridie nonas Septembris, Anno natali Christiano MDIII.

In 4 4 ).



1) Dieses Buch erwähnt Schmid in den Noten zu seiner neuen Auflage von Schoettgen Comm. de vita Marschalci p. 13 u. 16, nach Lesser in dessen Typographia iubilans Cap. III, §. 59, p. 91 u. §. 117, p. 213. Das Buch war mit Holzschnitten der griechischen und lateinischen Dichter geziert und befand sich auf der St. Blasien=Bibliothek zu Nordhausen. Vgl. auch Bauer Bibliotheca libror. rar. Vol. III, p. 31.
2) Dieses Buch sah Schoettgen, konnte aber keine genaue Beschreibung davon nehmen; vgl. Schoettgen a. a. O. §. V.
3) Vgl. Neue Mittheil. des thür.=sächs. Vereins. Bd. IV, Heft 2, 1839, S. 175-177.
4) Dieses Buch besaß Schoettgen (vgl. a. a. O. §. V.) selbst; es war nach seiner Meinung eines der ersten, welche zu Wittenberg gedruckt sind. Vgl. Etwas 1742, S. 684.
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Diese Vorliebe für Schriftstellerei und Wirksamkeit durch Buchdruckerei brachte Marschalk mit nach Meklenburg, und kaum hatte er durch seine Versetzung nach Rostock (1510-1511) Muße gewonnen und als Professor die moralische Verpflichtung übernommen, auch durch die Schrift zu wirken, so verwirklichte er seinen Lieblingsplan und legte in seinem Hause eine Buchdruckerei an. Diese Richtung seines Strebens brachte er ohne Zweifel mit aus Erfurt. Zwar bestanden in Rostock außer seiner Druckerei schon zwei andere, die der Michaelisbrüder und die des Hermann Barckhusen; aber jene besaß nur gothische und diese nur deutsche Lettern; es fehlte in Rostock bei der Universität an einer Druckerei, welche guten lateinischen 1 ) Satz lieferte und vor allen Dingen die griechische Sprache durch griechische Typen verbreiten konnte, und dabei fehlte es an einem Manne, der mit ausgebreiteter Gelehrsamkeit eine wissenschaftliche Correctur verstand.

Er berief daher einen erfurter Drucker, Günther Winter (Guntherus Hiems) 2 ), und richtete mit dessen Hülfe eine Druckerei in seinem Hause 3 ) ein.

Gleich bei Einrichtung seiner Druckerei hatte Marschalk einen Holzschneider, welcher im Anfange des J. 1516 unter dem Namen Melchior vorkommt 4 ). Nach einem Monogramm MS scheint derselbe im J. 1515 auch für Ludwig Dietz gearbeitet


1) Die lateinischen Lettern Marschalks sind denen des Thomas Anshelmi zu Pforzheim sehr ähnlich, aus dessen Druckerei die Ausgabe von "Rabani Mauri de laudibus sancte crucis" vom J. 1503 vorliegt, nur sind die anshelmischen Lettern etwas größer.
2) Dieser Drucker wird ein Mal genannt, indem Marschalks Annales Herulorum ac Vandalorum von 1521 mit den Worten schließen:
Impressum Rostochii, in aedibus Thuriis, a uiro sollerti Guntero, cognomento Hyeme, Erphordiano.
Marschalks (oder vielleicht Günther Winters) Druckerzeichen, welches fast hinter allen marschalkschen Drucken steht, ist eine gekrönte, zweischwänzige Sirene oder Meerjungfer auf einem queer getheilten Schilde, in den ältern Drucken von größerer Form: Tab. III, Nr. 3, in den jüngern Drucken von kleinerer Form: Tab. III, Nr. 5.
3) Fast alle marschalkschen Drucke schließen mit den Worten:
Impressum Rostochii in aedibus Thuriis.
4) In den fürstlichen Renterei=Rechnungen im Großherzogl. Archive von 1516 heißt es:
"1516. II gulden Melcher, docter Marschalgks knechte, vom eynem tittel zu schniten obber meiner g. hernn wappen am dienstage nach Lucie, Herz. Heinrich".
Diese Angabe ist eine der ersten über Typographie, welche in den fürstlichen Renterei=Rechnungen im Großherzogl. Archive vorkommt. Diese Rechnungen sind für die Geschichte der Buchdruckerei von den Jahren 1503-1552 genau durchgesehen; aber die ersten Ausgaben für Druckkosten finden sich erst im J. 1516.
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zu haben; vgl. unten 1 ). Die marschalkschen Holzschnitte sind jedoch noch steif und in den Verzierungen grotesk; unter L. Dietz nimmt, ungefähr im Jahre 1518, die Holzschneidekunst in Meklenburg einen hohen Aufschwung. Außerdem besorgte Marschalk für die Herzoge alle Geschäfte im Buchhandel und in der Buchbinderei 2 ).

Die Druckerei des Nicolaus Marschalk bestand ungefähr zehn Jahre: die ersten Drucke 3 ) sind aus dem Jahre 1514 und der letzte ist aus dem Jahre 1522; Marschalk starb im Jahre 1525.

Die Einrichtung der marschalkschen Druckerei zu Rostock ist ziemlich vollständig. Vorzüglich schön sind seine lateinischen Lettern 4 ) (Antiqua, Cicero und Petit), mit denen er alle seine bekannten Bücher , meistens in Folio, mit gutem Satz drucken ließ; in den ersten Jahren druckte er (z. B. das Decretum aureum 1514 und die Vergiliocentonae 1516) mit sehr gemischten und unregelmäßigen lateinischen Typen 5 ), von denen einige Buchstaben viel kleiner sind, als andere, die gleiche Größe mit den höchst gleichmäßigen und schönen Lettern haben, mit denen er seine Hauptwerke druckte. Ein großes Verdienst erwarb er sich durch Anschaffung griechischer


1) Dieser Melchior mit dem Monogramm MS ist vielleicht der Holzschneider Melchior Schwarzenberg aus Wittenberg, den N. Marschalk nachkommen ließ. Ein Formschneider MS lieferte späterhin treffliche Holzschnitte zu Wittenberg. Vgl. Heller Geschichte der Holzschneidekunst, S. 132. Das Holzschneiderzeichen aus dem J. 1515 ist Tab. IV. Nr. 2 abgebildet.
2) So heißt es öfter, z. B.:
"1516. VI gulden her johan Munnich geben vor Bucher dochtter marscalk gein rostock in den ostern hilgen dagen".
Dies ist wahrscheinlich die Bezahlung für Exemplare von Marschalks erstem Buche: Institutiones reip. mil. 1515.
Ferner:
"1516. VIII ßl. voranthwerth doctor Marschalgk sulthe myn g. h. H. H. zu rostock laßenn ein Bede=Buch einbinden".
Ferner:
"1516. III gulden doctor marschalgk vor zwei Bucher kauffte mein g. h. H. Heinrich em aff zu Schwerin, am Sonabende nach felic. in pinc.
Ferner:
"1517. XV gulden doctor marschalgk vonn wegen myns g. h. H. Albrechts, das doctor marschalgk syn gnadenn sulthe ein Buch zu schreibenn, am fridage nach convers. pauli zu Doberan."
Dies ist wahrscheinlich für die Dedication der sermones M. Cornelii de Snekis. 1517.
3) Die Ausgabe des Büchleins über die Sternberger Hostie in niederdeutscher Sprache vom J. 1510 ist sehr zweifelhaft; die erste lateinische Ausgabe dieser Hostiengeschichte ließ Marschalk im J. 1512 bei H. Barckhusen drucken. Vgl. S. 86.
4) Vgl. Tab. III, Nr. 1, 3 und 5.
5) Vgl. Tab. III, Nr. 2.
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Lettern, mit denen er einzelne griechische Wörter in den lateinischen Text drucken ließ; ganz griechische Werke hat Marschalk nicht gedruckt. Außerdem besaß er große gothische Missallettern 1 ). Auch mit deutschen Lettern 2 ) druckte er im Anfange, ehe Ludwig Dietz ihm den Rang ablief. Diese Drucke mit marschalkschen deutschen Lettern, welche noch sehr eckig, stumpf und unschön sind, sind höchst selten; vorzüglich sind bis jetzt nur einzelne Patentverordnungen und Bogen unzweifelhaft als aus seiner Druckerei stammend erkannt (vgl. die schweriner Indulgenzbriefe zum J. 1518); das einzige in deutscher Sprache und mit deutschen Lettern gedruckte Buch Marschalks ist sein Auszug aus den meklenburgischen Chroniken vom J. (1522). Durch die Verzierungen mit Holzschnitten, von denen einige schon ziemlich gut sind, gab er seinen Drucken einen großen Schmuck.

3.
Drucke von Dr. Nicolaus Marschalk.
1514.

1) MVNDINI, PA
duani, de omnibus cor=
poris humani mem
bris interiori
bus, anato
mia
cum figuris faberrimis, no
solum medicis, sed
philosophan
tib 9 etia
omnibus utilissimis.

Dieser Titel in rothem Druck steht in einem Holzschnitte, darstellend eine rein architektonisch ausgeführte Pforte im Geschmack der mit Thonverzierungen gebauten Pforten des 16. Jahrhunderts. Auf der Rückseite ist ein Holzschnitt mit einem docirenden Lehrer auf einem Katheder, vor dem, neben einem Schüler stehend, ein alter bärtiger Mann einen Leichnam auf eine Bank legt.


1) Vgl. Tab. III, Nr. 2.
2) Vgl. Tab. IV, Nr. 4.
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Auf der Universitäts=Bibliothek zu Rostock befindet sich ein defectes Exemplar, aus 6 Blättern bestehend. Es ist in Höhe von 4 und in Breite von fol. mit den neuern lateinischen Lettern von Marschalk gesetzt. Vor Cap. III und hinter Cap. IIII sind Holzschnitte mit anatomirten menschlichen Figuren.

Nach Panzer Annalen steht am Ende:

Impressum Rostochii MDXIV.,

ohne daß sich der Drucker genannt hat; ohne allen Zweifel ist nach den Lettern (wie Tab. III., Nr. 2) der Druck aber aus der Marschalkschen Druckerei.

2) Dionysii Periegesis de situ orbis; latine. Impressum Rostochii MDXIV.

In Fol. - Nach Panzer Ann. Ohne Drucker, jedoch nach den Studien Marschalks und den Buchdruckerverhältnissen in Rostock wohl sicher aus Marschalks Druckerei.

3) Magni Athanasii in Psalmos opusculum pulcherrimum (interprete Politiano).

Am Ende:

Impressum Rostochii MDXIV.

In 4. Nach Panzer Ann. Ohne Drucker, jedoch nach gleichzeitigen Drucken zu schließen, wohl aus Marschalks Druckerei.

4) Decretum aureum.

In 4, 26 Bl., ohne Seitenzahlen und Custoden, mit Titelblatt und Sign. AII bis FII, dem noch FIII angehängt ist. Das Wasserzeichen des guten und starken, aber etwas vergilbten Papiers hat ungefähr die Gestalt eines Landwehrkreuzes.

Bl. 1. Das ganze mäßig große Titelblatt wird von einem Holzschnitt eingenommen, welcher ein verschiedenartig ornamentirtes Portal darstellt, in dessen Thoröffnung die Worte

DECRE
TVM
aureum

stehen. Ueber jeder der beiden korinthischen Säulen, welche das Portal bilden, steht rechts vom Beschauer ein schwarzes, etwa einzölliges Teufelchen, welches in der Rechten eine Fahne hält, in der Linken einen schwarzen Wappenschild mit den Zügen eines menschlichen Antlitzes; das Teufelchen links steht auf dem rechten Fuße, hat den linken erhoben und stößt mit dem rechten Arm einen mächtigen Speer.

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Bl. 1b beginnt:
     Quoniam inter cetera q utilia sunt puidi legistis
     et canonistis etc.

enthält also die Vorrede, in welcher Johannes Diaconus Hispanus prof. juris canon. et civil. von der Nützlichkeit seiner epitomatorischen Arbeit spricht und den Inhalt derselben in Kurzem darlegt: der erste Theil sei in 101 Distinctionen getheilt, über welche das Nöthige gesagt werden soll; der zweite Theil sei in 36 casus getheilt, deren solutiones mitgetheilt werden sollen; der dritte Theil: de consecratione, enthalte 5 Unterabtheilungen.

Bl. 2 beginnt:
     De prima parte decreti quae continet distinctiones
     centum et unam.

Bl. 26a am Ende:
     Flosculi seu summarii totius decreti finis.
          Impressum Rhostochii: ad nonas
               Decembris: Anno a natali
                    Christiano
                  M.D. XIIII.

Bl. 26b. Die ganze letzte Seite nimmt ein Holzschnitt ein: Ein vorwärts gebeugter, alter, bärtiger Krieger mit Federbarett hält vor sich, von der Brust bis zu den Fußspitzen, einen ausgeschweiften Wappenschild mit einer zweigeschwänzten gekrönten Meerjungfer, welche mit jeder Hand einen der aufwärts gekrümmten, fischschwanzartigen, jedoch nicht geschuppten Schenkel hält.

Ein Exemplar dieses Drucks ist auf der königl. Bibliothek zu Berlin von dem Herrn Dr. Friedländer entdeckt, von dem auch die vorstehende Beschreibung stammt. Nach Holzschnitten, Lettern und Druckerzeichen ist dieser Druck ohne Zweifel aus der Druckerei des Marschalk hervorgegangen. Das Druckerzeichen mit der Sirene ist das größere (abgebildet Tab. III., Nr. 3) des Marschalk, welches er in den ersten Jahren seiner Druckerei gebrauchte und aus der Ausgabe der Institut. reip. von 1515 schon bekannt war; die Lettern sind die gemischten, kleinern (Tab. III., 2), deren er sich ebenfalls in den ersten Jahren, z. B. in der Ausgabe der Vergiliocentonae von 1516, bediente. Das Portal des Titelblatts ist ganz im Geschmack der marschalkschen Druckerei, wenn auch derselbe Holzschnitt noch nicht aus andern Drucken bekannt ist. Ein zweites Exemplar auf der Universitäts=Bibliothek zu Greifswald.

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1515.

5) INSTITUTIONUM REIPUBLICE MILITARIS AC CIVILIS LIBRI NOVEM NICOLAI, MARESCALCI, THURII, LL, AC CANONUM DOCTORIS.

Dieser in roth gedruckte Titel (Tab. III., Nr. 1 in Facsimile) steht in dem Holzschnitt eines mit Arabesken und Figuren reich verzierten Bogens, welcher auch auf spätern Titeln Marschalks vorkommt. Auf einer viereckigen Tafel in der Basis dieses Säulenbogens, welche in andern Drucken Marschalks leer ist, steht hier mit rothem Druck:

Respublica militaris ac civilis.

Die Rückseite des Titels und die folgenden 3 Seiten nimmt die mit Holzschnitten eingefaßte Dedication ein, welche Tab. III, Nr. 2 abgebildet ist:

Ad illustrem principe : ac dominum : D. Hinricum :
                    ducem Megapolen=
sem, Vandalorum principem, etc . Nicolai, Marescalci, Thurii, LL. ac Canonum doctoris in libros novem institutionum reip. militaris ac civilis prooemium foeliciter incipit.

Auf der Rückseite des dritten Blattes stehen die Holzschnitte: oben ein größerer, das Kniebild eines bekappten Kriegers ohne Harnisch darstellend mit Speer und Schwert; unten neben einander zwei kleinere Holzschnitte mit Wappenschilden, links ein Schild mit dem meklenburgischen Stierkopfe, rechts ein rhombisch gegatterter Schild.

Hierauf folgen 3 Blätter mit dem

Index eorum que in opere hoc continentur.

in kleinen lateinischen Typen.

Darauf folgt der Text in Fol., ohne Custoden und Seitenzahlen, auf 24 Doppelbogen und 1 Bogen mit den Signaturen A bis Z und et I und et II und 6 Doppelbogen mit den Signaturen M bis R. Die Anfangsbuchstaben der Capitel sind mit Verzierungen in Holz geschnitten.

Das achte und neunte Buch enthält viele Holzschnitte. Das achte Buch:

Liber octavus, de architectura machinarum, et uario armorum genere, et eorum antiquitate

enthält 11 auf beiden Seiten bedruckte Blätter Holzschnitte mit allen Arten von Kriegsmaschinen. Das neunte Buch:

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Liber nonus: ac vltimus: de bello nauali : ac operibus hydraulicis

enthält 7 Seiten Holzschnitte mit Darstellung von Schiffen, der Darstellung der Sternbilder der nördlichen Hemisphäre und allerlei Maschinen zu Wasserwerken, auch Apparate für Taucher.

Auf der vorletzten Seite, welche Tab. III. Nr. 3 getreu copirt ist, steht weiter nichts gedruckt, als:

Impressum foeliciter in celebri urbe Rhostochio, in aedibus Thuriis, Anno a natali Christiano, M, D, XV, ad Calendas Maias.

Hierunter das ältere, größere Druckerzeichen Marschalks im Holzschnitt (Tab. III Nr. 3), einen Knappen darstellend, welcher vor sich einen queer getheilten Schild hält, auf dem eine zweigeschwänzte, gekrönte Sirene steht, mit jeder Hand einen der Fischschwänze haltend.

Die letzte Seite nimmt ein Holzschnitt mit einem vollständig zum Turnier gerüsteten Ritter zu Roß ein; auf der Turnierdecke steht ein links schauender Adler, wie in der Randleiste Tab. III. Nr. 6, jeboch viel größer.

Exemplare befinden sich auf der Regierungs=Bibliothek zu Schwerin, zwei auf der Universitäts=Bibliothek zu Greifswald, defect auf der Universitäts=Bibliothek zu Rostock und in der Bibliothek des Vereins für meklenburgische Geschichte.

6) Der Herzoge Heinrich und Albrecht von Meklenburg Aufforderung an viele von der meklenburgischen Ritterschaft, ihre Schulden an die Geistlichkeit zu Lübeck nach dem geschlossenen Vergleiche abzutragen, d. d. Wismar Montag nach Oculi 1515.

Diese Aufforderung ist mit den Lettern gedruckt, welche nach den Indulgenzbriefen für die Kirche zu Schwerin vom J. 1518 (vgl. unten) ohne Zweifel der Druckerei des Nicolaus Marschalk angehören. Alle Lettern dieses Patents sind mit denen der folgenden Patente gleich; nur fehlt in der vorliegenden Aufforderung noch das verhältnißmäßig sehr große ch auf Einem Kegel (in der ersten Zeile von Nr. 4 in Tab. III lithographirt), welches die jüngern deutschen marschalkschen Drucke auf den ersten Blick charakterisirt. Auch sind die großen Anfangsbuchstaben des Titels und des Textes hier noch eingeschrieben, während sie in den folgenden öffentlichen Ausschreiben mit großen, leichten Holzschnitten gedruckt sind.

Dieses Patent scheint die älteste gedruckte Patentverordnung in Meklenburg zu sein. In der Mark

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Brandenburg ist die älteste gedruckte Staatsschrift vom J. 1527; in Berlin ward zuerst im J. 1540 gedruckt, vgl. Friedländer a. a. O. S. 6.

Exemplare im Großherzogl. Archive zu Schwerin.

1516.

7) Cebetis philosophi Thebani de fortunae istabili=

tate opus elegantissimum.

in einem Holzschnitte (wie Vergiliocent.).

Auf der Rückseite steht der Holzschnitt mit einem Professor auf dem Katheder, der in den marschalkschen Drucken öfter vorkommt.

Am Ende steht:

Explicata est Tabula Cebetis Thebani. Impressum Rhostochii in aedibus Thuriis ad Calendas Februarias MDXVI.

Im Ganzen 8 Bl. in kl. Fol., ohne Custoden und Sz., mit Sign. A-B. Mit den ältern gemischten Lettern Marschalks; das Wasserzeichen des Papiers ist ein p.

Am Rande sind viele griechische Wörter beigedruckt.

Vgl. Etwas 1739, S. 299, und 1740, S. 539; Krey Beitr. II, S. 246; Panzer Ann.

Ein Exemplar auf der Bibliothek der Marien=Kirche zu Rostock, dem ersten Bande der Opera Hieronymi, Straßburg 1516, hinten beigebunden.

8) (Joh. Oldendorp) Rationes siue argumenta quibus i iure utimur.

Dieser Titel steht in der Oeffnung desselben Bogens, der den Titel des Decretum aureum von 1514 füllt. Auf der Rückseite des Titelblattes steht:

Rationum seu argumentorum quibus in iure utimur breuis quedam et necessaria dilucidatio, cogesta nuper ex mete Baldi per Joanne Oldedorp ll. Licentiatum, afferens tot studioso munera, quot ex iure nodos dissoluit.

Die erste Seite beginnt:

Joannes Oldendorp Alberto Krantz Sacre Theologie magistro Et iuris pontificii doctori suo auunculo Salutem dicit.

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Die zweite Seite beginnt:

Joannes Oldendorp studiose legum iuuentuti Salutem dicit.

Am Ende steht:

Impressum Rhostochii, in aedibus Thuriis, Idibus Martii, Anno M.D.XVL.

In 4, 16 Bl. ohne Sz. und Cust., mit Sign. a bis d. Ein Exemplar auf der Universitäts=Bibliothek zu Rostock.

9) (Conradi Pegelii) Dialogus Theophili ac Archiae de poenitentia.

Dedication:

Ad illustrem principem ac dominum D. Magnum ducem Megapolensem, principem Vandalorum, comitem Suerinaeum, Rostochii ac Stargatiorum dominum, Chuenradus Pegel, Visimarianus, artium ingenuarum Magister.

Am Ende:

Impressum Rhostochii, in aedibus Thuriis, Idibus Martii anno M.D.XVI.

Abgedruckt in Schröders Pap. Mekl. II, S. 2858 flgd.; vgl. S. 2792; vgl. Etwas 1737, S. 464; Krey Andenken III, S. 10; Rudloff III, 1, S. 40.

10) Vergiliocentonae elegantissimae veteris ac noui testamenti Probae Falconiae mulieris clarissimae.

In Fol. - Der Titel steht in dem Holzschnitte, der auch den Titel von Mundini Paduani Anatomia 1514 schmückt.

Auf der Rückseite des Titels steht eine kurze Erklärung dessen,

               Qui sunt centones.
Cento opus significat ex locis uariis, sensibusque diuersis collectum, quasi pannus quidam ex coloribus multis uarisque consutus. - - - Hunc in modum Proba Adelphi proconsulis romani uxor, quae sub Honorio imperatore floruit, litteris graecis ac latinis erudita, actus Christi, et apostolorum ex Vergilio compilauit, quod opus et diuus Hieronymus probat.

Das Ganze umfaßt 3 Doppelbogen und 1 Blatt in Fol., ohne Custoden und Seitenzahlen, mit Signaturen A bis D.

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Am Ende steht:

Impressum, foeliciter, Rhostochii in aedibus Thuriis, Calendis Maiis, Anno M.D.XVI.

Darunter das Druckerzeichen: der Holzschnitt mit der kleinern Sirene (Tab. III, Nr. 5).

Ein Exemplar in der Bibliothek des Vereins für meklenb. Geschichte aus der Doubletten=Auction der königl. Bibliothek zu Kopenhagen.

(1516.)

11) Johannis Padi Camoenae.

Zu den wandernden Philologen im Anfange des 16. Jahrhunderts, welche, wie Conrad Celtes und Ulrich v. Hutten, auch eine Zeit lang zu Rostock lebten, gehört Johannes Padus. Er ward im J. 1514 vom Herzog Bugeslav X. von Pommern nach Greifswald geschickt, um hier humanistische Vorlesungen zu halten; wie Ulrich von Hutten mußte aber auch er Greifswald verlassen und ging nach Rostock, wo er ebenfalls von dem Professor Egbert von Harlem (Krey Andenken, Anhang S. 9) gastfreundlich aufgenommen ward. In der rostocker Universitäts=Matrikel kommt er im October 1515, wie in der greifswalder Matrikel, vor unter dem Namen: "Johannes Hadus Bremensis ab universitate honoratus". Zum Dank gegen seine Wohlthäter und zur fernern Empfehlung gab er, wie Ulrich von Hutten seine Querelae, lateinische Gedichte an die ihm wohlwollenden Gelehrten Rostocks unter dem Titel Camoenae heraus. Diese wurden zuerst von E. J. F. Mantzel in Miscellanea Mecklenburgica oder Mekl. Gelehrten=Lexicon Stück VII, Vorrede und S. 17, aus einem Manuscript bekannter gemacht, wobei Mantzel bemerkte: "So viel ich je erfahren, ist es nie gedruckt". Darauf wurden nach Mantzel viele Gedichte wiederholt abgedruckt in Krey rostockschen Humanisten S. 38 flgd.; vgl. Krey Andenken, Anhang S. 21. - Früher war mit diesen Gedichten jedoch schon Schröder bekannt, welcher im papistischen und evangelischen Meklenburg an verschiedenen Stellen Gedichte aus dieser Sammlung nach einem gedruckten Exemplare mittheilt und im pap. Mekl. II, S. 2334 Folgendes hierüber hinzufügt:

"Padi Camoenae, welche in dem mecklenb. gelehrten lexico und zwar auf den Titel des achten Stücks als ein niemahls gedrucktes Stück angegeben

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werden, aber würcklich ohne Benennung des Jahres und des Orts, vermuthlich aber zu Rostock gedrucket worden, welche aus dem alten gedruckten Exemplar alhie zum Theil eingerücket werden mögen".

Da nun der Druck dieser Gedichte nicht bezweifelt werden kann, so ist es mehr als wahrscheinlich, daß er im J. 1516 1 ) in Marschalks Druckerei zu Rostock ausgeführt worden ist.

(1516.)

12) Holzschnitt mit dem meklenburgischen Wappen,

ein Blatt in 4 oder kl. Fol., offenbar aus dem Anfange des 16. Jahrh., mit einem Schilde, welcher den meklenburgischen Stierkopf enthält, der das Blatt fast ganz füllt. Die Zeichnung ist gut, der Holzschnitt kräftig. Ueber dem Schilde steht, in Holz geschnitten, mit großen Buchstaben:

Meckelnburgk,

anscheinend mit einem besondern Holzschnitte darüber gedruckt.

Dieser Holzschnitt ist wahrscheinlich derjenige, dessen die fürstlichen Kammer=Rechnungen vom J. 1516 folgendermaßen erwähnen:

"1516 am Dinstage nach Lucie. Herzog Heinrich."
"II gulden Melcher, doctor Marschalgs knechte, von einem tittel zw schniten obber myner g. heren wappen".

Ein Exemplar dieses Holzschnittes wird im Großherzogl. Archive zu Schwerin aufbewahrt.

In demselben Jahre ließ Marschalk auch die von ihm verfaßten Epitaphien für die Kirche zu Doberan in seiner Druckerei drucken; hierüber heißt es ebenfalls in den fürstlichen Kammer=Rechnungen:

"1516 am Dinstage post Inuocauit."
"XVI ßl. doctor marschalgk von den epitafien zw drucken, die ghein Dobrann komen".

In diesem Jahre wurden überhaupt die Fenster, Wappen, Epitaphien u. s. w. für die Kirche zu Doberan erneuert und neu gemacht; vgl. Jahrb. für mekl. Gesch. II, S. 175.


1) Die Installirung des fürstlichen Leibarztes Dr. Rembert Giltzheim zum rostocker Domherrn, welche er auch besingt, geschah am 27. Novbr. 1515; vgl. Jahrb. für mekl. Gesch. III, S. 87.
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1517.

13) Tabula christianae religionis utilissima.

Am Ende steht:

Rostochii in aedibus Thuriis. MDXVII, IV Id. Jan.

In 8. - Ein Exemplar befindet sich auf der Rathsbibliothek zu Lübeck. Vgl. Panzer Annal.

14) (Nicolai Marschalci Thurii) Historiae aquatilium liber tertius ac vltimus cum aquatilium figuris.
Impressum Rhostochii in edibus Thuriis, Anno a natali christiano. M.D.XVII ad Calendas Maias.

Ueber diesen Band Holzschnitte, welcher vor dem Texte dazu gedruckt ist, vgl. 1520, Nr. 18:

Historia aquatilium latine acgrece cum figuris.

Vgl. Panzer Annal.

15) Sermones Magistri Cornelii de Snekis sacrae Theologiae professoris ordinis fratrum praedicatorum denuo impressi cum additione plurium sermonum et introductionum super confraternitate de serto Rosaceo sacrosancte dei genetricis semperque virginis Mariae, quod rosarium beatae Mariae inscripsit.

In 4, LXXXII fol.

Es sind 21 Sermones super confraternitate de serto rosaceo, und Sermones duo contra ebrietatem et insolentiam bibendi. Corona super officio dicti serti Rosacei. Bullae apostolicae super confirmatione eiusdem fraternitatis. Sermones synodales eiusdem quinque.

Auf der Rückseite des Titels steht:

Epistola dedicatoria: Illustribus principibus ac dnis D. Hinrico et Alberto, Ducibus Megapolensibus, Frater Cornelius de Snekis, ordinis fratrum praedicatorum ac sacrae Theologiae humilis professor, Haereticae pravitatis inquisitor Se ipsum ad quaevis vota paratissimum mandatarium.

Am Ende steht:

Finis Sermonum venerabilis Magistri Cornelii de Snekis tam ad populum quam ad clerum

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profundae eruditionis et stimulorum ad pietatem devotionemque ut aiunt presertim ad venerandam colendamque Christiparam virginem in serto psalterioque Rosaceo plenissimorum. Impressi vero sunt Rhostochii in aedibus Thuriis Anno dui MDXVII. Octavo Idus Junii.

In 4. Ein Exemplar war auf der Universitäts=Bibliothek zu Rostock, ist jedoch jetzt nicht mehr aufzufinden.

Vgl. Krey Beitr. II, S. 246; Panzer Annal.; Fortsetzung des Etwas, 1747, S. 75.

Der Verfasser dieser "Bücher des Rosenkranzes" ist der Prior des Dominikaner=Klosters zu St. Johannis in Rostock, Vicarius der ostsächsischen Provinz des Dominikaner=Ordens, Inquisitor, Doctor und Professor der Theologie, Mag. Cornelius de Snekis 1 ). Er ward schon im J. 1483, als Prior des St. Johannis=Klosters, bei der Universität zu Rostock eingeschrieben, und blieb Prior ungefähr bis zur Säcularisirung seines Klosters im J. 1534. Bei derselben ging er im J. 1533 zunächst nach Wismar, wo das nächstgelegene Dominikaner=Kloster war, und von hier im J. 1534 nach Leuwarden in Friesland, wo er schon in demselben Jahre starb 2 ). Er ist in allen seinen Würden sicher eine wichtige Person, und lebte grade so lange in Meklenburg, als die systematischen Ketzer= und Hexen=Verfolgungen in der katholischen Zeit dauerten. - Er widmete sein streng katholisches Buch den Herzogen Heinrich und Albrecht von Meklenburg und ließ es durch den fürstlichen Rath Dr. Marschalcus Thurius, bei dem es gedruckt war, dem meklenburgischen Canzler Caspar von Schöneich überreichen, damit dieser es den Fürsten vorlege. Diese nahmen es wohlgefällig auf, kauften einige Exemplare und schenkten dem Verfasser eine Beisteuer; denn es heißt in den fürstlichen Kammer=Rechnungen vom J. 1517-1518:

"1517. II gulden dochtter marschalk for V bucher des Rossenkrantzes, am freitage nach pantaleonis. 1518. VI gulden geben doctter kornellius prior zu Rostock von wegen der bucher des Rossenkrantz, zo er hat lassen drucken, am myttwoch na martini 1518".


1) Eine Original=Urkunde von ihm vom Jahre 1532 im rostocker Archive beginnt: "Ick Cornelius van Sneke".
2) Vgl. Etwas 1739, S. 620; Schröder Evang. Mekl. I, S. 229, 243, 292, 293 und 299; Krey Andenken VII, S. 21; Beitr. I, S. 340, u. II, S. 246; Rudloff, III, 1, S. 82.
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Der Brief, durch welchen der Verfasser das Buch überreicht, folgt hier im Abdrucke:

          D. d. Rostock 31 Dec. (1517?).
Se ipsum ad quaeque possibilia pro viribus paratissimum mandatarium. Spectabilis domine Cancellarie. Quamquam nulla apud dominacionem Vestram merita habeam, que vel scribendi vel petendi aliquid ausum prebeant, cum re et facie ignotus sim, Vestra tamen apud omnes vulgatissima humanitas confidenciam attulit ampliorem, vt ad eandem in Vos aliquid perscribam et supplices simul porrigam preces. Et ne verborum prolixitate eandem Vestram dominacionem, in arduis vtique rebus pro officio occupatissimam, tedio afficiam, rem breuibus aperiam. Comportaui hiis diebus ad laudem et gloriam immemoriales beatissime virginis Marie opusculum quoddam per modum predicabilium sermonum de firmitate rosacei serti eiusdem gloriosissime opifere virginis Marie, quod illustribus principibus Megapolensibus pro dignissimis eorum meritis dedicaui. Vestram iam benignitatem obnixius exoro, dignetur opusculum illud, quod mitto dictis graciosis principibus, et presertim Illustrissimo domino Hinrico, videndum offerre et meam simul paruitatem eis=dem commendare. De reliquis dominus Doctor 1 ), presentium exhibitor, lacius informabit, quod faciendo arctius me constringet ad orandum pro eadem Vestra prestantissima dominacione, quam Deus in vtriusque hominis sanitate ad meam et multorum consolationem felicissime conseruare dignetur. Ex nostro conuentu Rostochiensi, vltima Decembris, manu festinanti, per

E. v. d.

Capellanum et oratorem vtinam deuotum apud Deum, fratrem Cornelium, priorem Rostochiensem ord. pred.


1) i. o. Doctos Nicolaus Marschalcus Thurius.
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Prestanti atque plurimum facundo viro et domino Casparo de Schoneich, illustrium ducum Megapolensium Cancellario dignissimo, domino suo obseruantissimo.

Darunter von des Canzlers Casper von Schöneich Hand:
       Doctor Cornelius von wegen des rosenkrantzes.
Besiegelt mit einem kleinen, runden Siegel, in welchem ein Schild mit drei aufrecht stehenden Eicheln steht; Umschrift:

Umschrift
16) Landtagsausschreiben der Herzoge Heinrich und Albrecht,

welches die Landstände auf den Freitag nach Kiliani oder den Freitag vor Margarete an die Brücke von Sagstorf zusammenberuft.

Dieses Patent ist mit den deutschen Lettern in Marschalks Druckerei gedruckt, mit welchen die schweriner Indulgenzbriefe im J. 1518 gedruckt sind; vgl. dieselben. Die Lettern sind abgenutzt, stumpf und eckig und kommen sehr selten vor. Der Eingang dieser Ladung ist Tab. III, Nr. 4. lithographirt. Vielleicht bezieht sich auf diesen Druck die Verzeichnung einer Ausgabe in den fürstlichen Kammerrechnungen:

"151 6/7. VI gulden dochter marscalk vor den drukken geben vf Jacobi zu Brandenborch".

Auf jeden Fall beweiset wiederum dieser Druck, daß kleinere Drucke für die Fürsten, wie Patentverordnungen u. dgl., auch in Marschalks Druckerei gedruckt wurden.

Wahrscheinlich ist dies das älteste gedruckte Landtagsausschreiben in Meklenburg.

Undatirte Exemplare liegen im Großherzoglichen Archive zu Schwerin. Ein zu Güstrow vom Mittwoch nach Viti (17. Junii) im J. 1517 datirtes Exemplar dieser Ladung an die Stadt Rostock liegt bei den Landtags=Acten im Raths=Archive zu Rostock und unterscheidet sich von den Ladungen an die Mitglieder von der Ritterschaft nur dadurch, daß diese allein und in Person, von der Stadt Rostock aber etliche aus der Mitte des Raths und zwei von der Gemeine geladen werden. Auf der Rückseite dieses Exemplars steht von der Hand des Stadt=Secretairs Hermann Barckhusen:

"principum von der dagfart to sakestorp 1517 myt den vth der meynheyt."

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1518.

17) Indulgenzbriefe für die Kirche zu Schwerin.

Nachdem der Ablaßkrämer und päpstliche Legat Arcimbold im J. 1516 sein Wesen in Meklenburg getrieben hatte, erschien am 6. Decbr. 1517 der päpstliche Legat Dominicus:

"Dominus Dominicus doctor et legatus apostolicus, nomine hospitalis sancti Spiritus in vrbe Roma de Saxea",

im Fürstenhofe zu Wismar vor dem Herzoge Heinrich und erwirkte die Erlaubniß, zum Besten des Hospitals zum Heil. Geist in Rom Ablaß in den meklenburgischen Landen zu ertheilen und auf drei Monate zu diesem Zwecke das Kreuz zu errichten:

"vbi dicto domino Legato aut eius substitutis erigere crucem placuerit, ita tamen quod in vno logo non vltra vnum mensem crux stare debeat",

jedoch unter der Bedingung, daß er, nach Abzug der Kosten, den dritten Theil der Aufkünfte zur Instauration der Franziskanerklöster zu Parchim und Güstrow und des Cistercienserklosters Dargun abgebe. Nic. Marschalk war als Notarius gegenwärtig und bezeugte amtlich diesen Vertrag 1 ). Gleich darauf, unbezweifelt am 7. Januar 1518, schrieb der Legat Dominicus aus Parchim an Marschalk folgenden Brief, in welchem er denselben um Verschaffung einer Erlaubniß der Administratoren des Stifts Stifts Schwerin zur Errichtung des Kreuzes in Bützow bat und ihm den Druck seiner Indulgenzbriefe empfahl:

Excellentissime domine doctor commendacione premissa salutem. Esset mihi gratissimum habere litteras admissiuas dominorum administratorum, quia vellem accedere ad ciuitatem Bützow pro cruce erigenda die dominica proxima futura et illi domini capittulares nolunt admittere sine litteris administratorum. Si ergo habetis tales literas, rogo vt per latorem presencium mihi destinetis. Ceterum si contingat


1) Marschalk unterschrieb den Vertrag:
"Nicolaus Marscalcus Moguntinen. dioc. publicus imperiali auctoritate notarius".
Sein Notariatszeichen ist: auf drei Stufen eine Säule, welche einen halben Mond trägt; in jedem der drei Winkel steht ein Stern; auf der untersten Stufe stehen die Buchstaben: N. M. T.
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vobis scribere versus Rostochium, estote memor mei quoad litteras imprimendas non aliud. Me excellentie vestre commendo et committo. In Parchim feria quinta immediate post festum epiphanie.

Vester orator doctor Dominicus commissarius. Excellentissimo vtriusque iuris doctori domino Nicolao Marchalco secretario ducali domino suo colendo.

Aus dieser Zeit stammt wohl der Abdruck der Indulgenzbriefe für die Kirche zu Schwerin, welcher noch im Archive zu Schwerin aufbewahrt wird. Er besteht aus 2 an einander geklebten Foliobogen (wahrscheinlich fehlt ein dritter) und enthält 4 alte Indulgenzbriefe der Päpste Honorius III., Bonifacius VIII. und Sixtus IV. Hierauf folgt:

Subscriptio Nicolai marscalci Thurii etc .

in welcher er die Uebereinstimmung des Drucks dieser Bullen mit den Originalien bezeugt. Dann folgt eine

Declaratio indulgentiarum Assisinatensium,

ein

Summarium indulgentiarum,

und endlich

Bulla noua priuilegiorum Julii,

eine Bulle des Papstes Julius vom 28. Sept. 1506.

Dieser Druck ist unbezweifelt aus der Officin Marschalks. Links am Druck entlang steht eine Randleiste von verschiedenen Holzschnitten und die vier Bullen beginnen mit großen verzierten Buchstaben in Holzschnitten, wie sie nur in Marschalks Drucken vorkommen. Die ersten Zeilen der vier alten Bullen und die vier Ueberschriften der neuern Erklärungen sind unbezweifelt mit marschalkschen Missallettern (Tab. III, Nr. 2.) gedruckt. Die vier alten Bullen sind mit deutschen Lettern (Tab. III, Nr. 5.) gesetzt, alle übrigen Bekanntmachungen, mit Ausnahme der Ueberschriften, unbezweifelt mit den kleinen lateinischen Lettern (Tab. III, Nr. 2.) Marschalks. Aus diesen Umständen, daß Holzschnitte, Initialen, Missallettern und lateinische Perlschrift unbezweifelt aus der Druckerei Marschalks, der auch die Bullen vidimirte, stammen, wird das Resultat gewonnen, daß in Marschalks Druckerei auch deutsche Lettern waren, eine Erkenntniß, die vor dieser Entdeckung fehlte, da die bekanntern marschalkschen Drucke alle mit lateinischen und griechischen Lettern gedruckt sind, mit Ausnahme des, kurz vor dem Drucke

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gegenwärtiger Abhandlung zu Greifswald entdeckten Auszugs aus den meklenburgischen Chroniken vom J. (1522).

Außer diesen Ablaßbriefen ist im Großherzogl. Archive zu Schwerin noch eine große Menge gedruckter Ablaßbriefe aus dem 15. und 16. Jahrhundert vorhanden, welche aber außerhalb Meklenburg, namentlich zu Lübeck gedruckt zu sein scheinen.

1520.

18) (Nicolai Marschalci Thurii) Historia aquatilium latine ac grece cum figuris. -

In Fol. Titel mit rothem Druck in einem Bogen eines Holzschnittes, der, bis auf Verzierungen mit Fractur=Schriftzügen, denen der neuern Zeit ähnlich, fast ganz schwarz ist.

Auf der Rückseite des Titels und der folgenden Seite, in verschiedenartige Holzschnitte mit Arabesken eingefaßt, steht die Dedication:

Ad Albertum ducem Megapolensem, Vandalorum principem etc. Nicolai Marescalci Thurii, LL. ac canonu doctoris in historiam aquatilium praefatio.

welche mit den Worten schließt:

Vale princeps illustris bellissime, Theriomenon historia reliqua mox fauente optio maximo uisurus. Ex aedib 9 nostris Rhostochii, ad Calendas maias, M. D. XIX.

Auf der Rückseite des zweiten Blattes steht zwischen Arabesken von Holzschnitten:

Encomion ad ducem eundem,

in welchem er von den Günstlingen des Herzogs redet,

Inter quos a bella quercu Caspar archigramateus Orator insignis, Lusatii decus et soli, Et tuus deniqz ille Marescalcus Thurius, Par amicorum iucundissimum, aurarios inter rarum, Quos Pyladem, si noris, et Orestem diceres. At Thurius annos prope bissenos a dulci alienus solo, Theriomena tibi dedicauit terrestrium, aeris et amnium etc.

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Hierauf folgen 2 Bl. mit dem

Index aquatilium in hoc opere,

welcher mit einem Holzschnitte mit dem meklenburgischen Wappen schließt.

Das erste Buch mit der Ueberschrift:

Historiae aquatilium liber primus.
De numero generum piscium et qui de eis scripsere.

ohne Seitenzahlen und Custoden, umfaßt 2 Doppelbogen in Fol. mit den Signaturen A u. B und 1 Bogen ohne Signatur.

Das zweite Buch mit der Ueberschrift:

Liber secundus.

welches die einzelnen Arten der Wasserthiere nach dem Alphabete beschreibt, ohne Seitenzahlen und Custoden, umfaßt 10 Doppelbogen in Fol. mit den Signaturen C bis M und 1 Bogen ohne Signatur. Die Anfangsbuchstaben der Abschnitte sind mit Arabesken in Holz geschnitten.

Das Werk schließt:

τελος.

Impressum Rhostochii, in aedibus Thuriis ad Calendas Martias, anno a natali christiano. M. D. XX.

Das dritte Buch enthält die Holzschnitte zu dem Werke. In dem vorliegenden Exemplare enthält dieses Buch 9 Bl. in Fol. ohne Titel, auf beiden Seiten mit Holzschnitten bedruckt. 4 Blätter haben die Signaturen H II , I, I II , k. Diese 9 Blätter enthalten 129 verschiedene Holzschnitte von allerlei Seethieren, unter welchen sich auch alle möglichen fabelhaften Seeungeheuer befinden; diese Bilder folgen nach dem Anfangsbuchstaben des Namens auf einander, welcher über jeden Holzschnitt mit lateinischer Schrift gedruckt ist. Unter dem Namen Siren findet sich auch die zweigeschwänzte Sirene (Tab. III, Nr. 5, jedoch ohne Einfassung), welche das Druckerzeichcn des Marschalk bildet. Je zwei und zwei Seiten haben die Columnentitel:

Liber           │          Septimus.

Unter dem letzten Bilde steht an der rechten Ecke gedruckt:

Impressum Rhostochii, in edibus Thuriis, Anno a natali christiano. M. D. XVII. ad Calendas Maias.

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Die letzte Seite enthält einen großen Holzschnitt mit der geschmückten babylonischen Hure, welche drei gezierte Männergestalten mit: Rinds= ,Schweins= und Affenkopf an Ketten hält; zu ihren Seiten schauen in die Scene zwei Männergestalten mit Löwen= und Eberkopf.

Das Titelblatt zum dritten Buche hat den Holzschnitt mit dem auf Säulen ruhenden, mit Arabesken reich verzierten Bogen, welcher auch zu dem bekanntern Werke der Annales Herulorum benutzt ist. In diesem Bogen steht der Titel:

Liber tercius ac vltimus cum aquatilium figuris. Et pro Septimo, lege tertius, usqad finem.

Die Rückseite des Titels enthält einen großen Holzschnitt mit einem vollständig zum Turnier gerüsteten Ritter zu Rosse; auf der Turnierdecke des Rosses steht als Wappen ein links hinschauender Adler.

Aus dem Druckjahr und dem Titel geht unleugbar hervor, daß Marschalk die Figuren schon vor dem Werke, im J. 1517, schneiden und drucken ließ und damals einen andern Zuschnitt, nämlich auf sieben Bücher machte, während bei der Ausführung nur drei zum Vorschein kamen. Nach dem Lections=Cataloge von 1520 las Marschalk auch über den Inhalt dieses Buches: Et aliis temporibus non occupatis elucidabit Hystoriam aquatilium latine et grece.

Auf der Regierungsbibliothek zu Schwerin sind 2 Exemplare dieses Werkes: das eine enthält die 3 Bücher vollständig, wie sie hier geschildert sind, das zweite enthält nur die beiden Bücher Text.

Zwei andere defecte Exemplare sind auf der Universitätsbibliothek zu Rostock, namentlich fehlen in diesen beiden die Holzschnitte.

Man vgl. Westphalen Mon. ined. I, praef. p. 87; Etwas 1740, S. 539; Krey Beitr. II, S. 248.

1521.

19) (Nicolai Marescalci Thurii) Annalium Herulorum ac Vandalorum libri septem.

Dieser Titel ist in roth in einen großen Holzschnitt gedruckt, welcher eine reich mit Arabesken und Figuren geschmückte Bogenhalle darstellt.

Auf den folgenden beiden Seiten, welche mit Holzschnittverzierung eingefaßt sind, steht die Dedication:

Ad Henricum, illustrem Megapolensem ducem etc., Nicolai, Marescalci, Thurii, in Annales Herulorum ac Vadalorum praefatio,

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welche also schließt:

Vale bellissime, Rhostochii ex museo nostro, ad Idus Junias. M.D.XXI.

Auf der Rückseite des zweiten, mit Holzschnitten eingefaßten Blattes stehen zwei Holzschnitte: oben das meklenburgische Wappen mit der gedruckten Unterschrift:

Arma Herulorum, siue Megapolensium;

unten das Brustbild eines Mannes mit Bart, Kappe und Ehrenkette, wohl das Bild des Marschalk selbst.

Dann folgen die 7 Bücher der meklenburgischen Geschichte ohne Unterbrechung; der erste Buchstabe eines jeden Capitels ist mit Verzierungen in Holz geschnitten.

Das Ganze umfaßt 12 Doppelbogen in Fol. mit den Sign. B bis M ohne Custoden und Seitenzahlen. Von dem zwölften Bogen sind 2 Blätter auf Titel und Dedication und 2 Blätter auf den Schluß vertheilt.

Am Schlusse steht, wie Tab. III, Nr. 5 lithographirt ist:

Impressum Rhostochii, in aedibus Thuriis, a uiro sollerti, Guntero, cognomento Hyeme, Erphordiano, Anno M.D.XXI. ad nonas Julias.

Darunter steht ein mit Randleisten eingefaßter Holzschnitt, darstellend einen queer getheilten Schild mit einer zweigeschwänzten gekrönten Sirene, welche mit jeder Hand einen der zwei gekrümmten Schwänze über der Queertheilung hält, das kleinere, jüngere Druckerzeichen Marschalks (Tab. III, Nr. 5).

Die letzte Seite füllt ein Holzschnitt: unter einer Bogenpforte das ganze Bild eines tatarischen Chans, welcher nach den im 16. Jahrhundert gemalten Bildern zu Doberan und Neustadt das Bild Niclots sein soll.

Zwei Exemplare bewahrt die Regierungs=Bibliothek zu Schwerin. Ein Exemplar besitzt der Verein für meklenburgische Geschichte: in diesem Exemplare sind die großen Buchstaben noch roth durchstrichen und die Anfangsbuchstaben der Capitel roth ausgemalt; ferner sind noch Exemplare auf den Universitäts=Bibliotheken zu Rostock und Greifswald.

20) (Nicolai Marescalci Thurii) Commentariolus Annalium Herulorum, siue Megapolensium.

2 Doppelbogen in Fol., von denen nur der zweite die Sign. B hat, ohne Custoden und Seitenzahlen.

Unter dem Titel ist ein Holzschnitt, darstellend die ganze Figur eines bekränzten Professors, vor einem Katheder stehend, mit einem Buche in der Hand.

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Die Rückseite des Titelblattes und vier Zeilen der ersten Textseite nimmt die Dedication 1 ) ein:

Auf der Regierungs=Bibliothek zu Schwerin befinden sich zwei Exemplare, auf der Universitäts=Bibliothek zu Greifswald ist ein Exemplar. In den Exemplaren des Vereins für meklenburgische Geschichte sind die Anfangsbuchstaben roth durchstrichen und die in Holz geschnittenen Initialen roth ausgemalt.

21) Abdruck eines kaiserlichen Paritormandats vom 2. Sept. 1521,

durch welches der Herzog Albrecht mit seinen Ansprüchen an das Land Meklenburg bei der Erbtheilung an das Reich verwiesen wird (vgl. Rudloff III, 1, S. 60-61). Dieses auf des Herzogs Heinrich Bitte erwirkte Mandat ließ dieser, zur Verbreitung desselben, in Marschalks Druckerei mit den deutschen Lettern (Tab. III, Nr. 4) drucken, mit welchen die ältesten Landtagsausschreiben und die schweriner Indulgenzbriefe gedruckt sind.

Abdrücke befinden sich im Großherzogl. Archive.

1522.

22) M. Antonii Sabellici de rerum et artium inventoribus poema.
Rostochii in aedibus Thuriis MDXXII.

In Fol. - Nach Panzer Ann.

23) (Nicolai Marescalci Thurii) Deflorationes antiquitatum ab origine mundi.

Dieser in roth gedruckte Titel steht in dem Bogen eines Holzschnittes, welcher mit Ausnahme einiger Schnörkel, die den heutigen Fracturzügen gleichen, ganz schwarz ist.

Die Rückseite des Titels ist leer. Auf den folgenden 3 Blättern steht eine

PRAEFATIO

Ad D. Joannem Rhodium, Vrbindaginaeum, Leuconiorum Legatum summum, Nicolai, Marescalci, Thurii, in Deflorationes Antiquitatum ab origine mundi praefatio.

Diese Vorrede schließt:

Ex Rhostochio, Anno M. D. XXII.


1) Dr. Stoientin, dem diese Schrift dedicirt ist, war herzogl. pommerscher Rath und ein ausgezeichneter Mann, der sich auf dem Reichstage zu Worms auch Luthers annahm.
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Auf der sechsten Seite steht ein:

INDEX

welcher mit den Worten schließt:

Liber quintus ac ultimus, de rebus Vandalicis ac Saxonicis, initioque de Germanorum excursionibus, ac obiter de religionum auspiciis, rebusque etiam nonnullis exoticis, ad annum MDXXII.

Darunter das Druckerzeichen mit der kleinern Sirene.

Der Text umfaßt 7 Doppelbogen in Fol. mit den Sign. A bis G, ohne Custoden und Seitenzahlen, und schließt mit den Worten:

Expressum Rhostochii in aedibus Thuriis, ad Calendas Martias Anno DXXII.

ohne Druckerzeichen darunter.

Zwei Exemplare auf der Regierungsbibliothek, ein Exemplar in der Bibliothek des Vereins für mekl. Geschichte zu Schwerin, ein Exemplar auf der Universitätsbibliothek zu Greifswald, ein Exemplar im Besitze des Professors Diemer zu Rostock.

24) Mons Stellarum.

Auf der Titelseite ein Holzschnitt, welcher arabeskenartig eine dichte Baum= und Blumengruppe darstellt; links vom Beschauer hängt im Gezweige ein befiederter Helm, rechts Köcher, Schwert und Schild; unten springt aus einem großen Blumenkelche ein geflügelter Engel hervor. Im Gezweige ist eine kleine, leere Nische, in welcher mit rothen Missallettern der Titel steht:

Res a judaeis scelestissimis gesta, in monte Stellarum.

Auf der Rückseite des Titelblattes steht:

               Res a judaeis perfidissimis in monte
Stellarum gesta, ad illustres principes Henricum, et Albertum germanos duces Megapoleses in=clytos, Vadalorum pricipes, a Nicolao, Marescalco, Thurio, uerissime scripta, obiterque miracula inde facta, et perfidia iudaeorum maxima.

Darunter das volle meklenburgische Wappen im Holzschnitt. Die erste Textseite beginnt mit der Ueberschrift:

MONS STELLARVM,

welche als Columnentitel auf zwei Seiten vertheilt durch das ganze Buch bleibt. Der Text selbst beginnt:

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Annus agiter ferme uigesimus, principes illustres, ex quo etc.

Der Text ist also derselbe, wie in der Barkhusenschen Ausgabe vom J. 1512, obgleich die Zeitbestimmung im Eingange im J. 1522 nicht mehr passend war.

Am Ende steht:

Expressum Rhostochii, in aedibus Thuriis, ad Calendas Aprilis. Anno M. D. XXII.

Darunter das kleine Druckerzeichen Marschalks mit der zweischwänzigen Meerjungfer (Tab. III, Nr. 5.).

In Fol., ohne Cust. und Sz., mit Sign. A bis DI und dem letzten, nicht signirten Blatte, jede Lage von 4 Fol. Blättern, im Ganzen 14 Blätter.

Die letzte Seite nimmt ein Holzschnitt ein, der den Goliath darstellt, wie vor ihm David mit der Schleuder steht; beide Figuren sind geharnischt.

Das Wasserzeichen ist ein gekrönter meklenburgischer Stierkopf (nicht das bekannte Ochsenkopfzeichen), wie es sich im Papier Marschalks in den letzten Jahren seiner typographischen Thätigkeit öfter findet; im Anfange derselben kommt der Ochsenkopf mit der Stange über der Stirne vor.

Vollständige Exemplare sind auf der Universitätsbibliothek zu Greifswald und auf der königl. Bibliothek zu Kopenhagen. Der Verein für meklenburgische Geschichte etc . besitzt aus der kopenhagener Doubletten=Auction ein defectes Exemplar (von AII bis C); es fehlt also Titel und Ende. - Diese Ausgabe ist wieder aufgelegt von Johannes Hübnerus, Hamburg, 1730. Vgl. auch Panzer Ann. und Etwas, 1740, S. 540 und 541.

Vgl. oben die Drucke von Barkhusen zum J. 1512.

25) Ein Ausztzog der Meckelburgischen Chronicken

ist der Titel mit Missallettern in rothem Druck in dem Holzschnitte, der die Titelseite des Mons Stellarum von 1522 füllt.

Auf der Rückseite des Titelblattes steht zwischen Randleisten und mit großer Initiale im Anfange:

Der Meckelburgische Chronicken ein lostbarlicher auszzogk von Doctore Nicolao Marescalco Thurio, deme Erbarn vehesten vnd gestrengen, hern Caspari von Schoeneychen, der durchleuchtigen hochgebornen fursten vnd herren, hern Heinriches, vnd hern Albrechts, gebruder, herzogen

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zu Meckelburg, fursten der wenden, grauen zu Swerin, der lande Rhostoch vnd Stargard herren, Canczler etc. zw geschrieben.

Darunter das volle meklenburgische Wappen im Holzschnitt.

Der Text beginnt (fol. 2a.) mit einer sehr großen Initiale in Holzschnitt:

Wie wol freudlicher lieber herr Caczler besuder Guner ettliche, weliche der alltheit der verflossen zeit nicht in allwege berichtet, vn viele auch zu wissen wenig achten. etc . (fol. 2a.) - - Szo hab ich auch ausz den Chronicken der Fursten=thumb zu Meckelborg, durch euwer (fol. 2b.) vnd des hochberumbten etwan hern Brand vo Schoneichen, euwers vettern, auch Meckelbergi=sche Canczler hulfe vnd rath hier vnd andere ortt befunden, das herkomme der selbtigen fursten, welche etwan die Heruli geheissen - - - zu samen bracht, vn ein auszzug der selbigen Cro=nicken gemacht, euch nicht als were das szo kost=lich von myr geachtet sunder ein gedechtnus vnser freuntliche gemeninschafft in tapphern vn etwan in ergeczlichen handelungen vn gescheffte szo wyr viel iar bey gedachten vnser gnedigen hern ge=habt zu geschriben mennickliche zu lesen etc.

(fol. 3a.).

Das Buch schließt:

"Der loblich furst herczog Albrecht ist noch ane gemahel etc."

Mit diesem " etc." hört das Buch plötzlich auf, ohne Druckort, Druckjahr, Druckernamen und Druckerzeichen.

Auf der letzten Seite steht der Holzschnitt mit dem geharnischten Ritter zu Roß, der auch am Ende der Instit. reipubl. milit. ac. civ. von 1515 steht.

In Fol., ohne Cust. und Sz., mit Sign. a bis cII, in in drittehalb Lagen, jede Lage von 4 Bl., im Ganzen 10 Blätter.

Diese bisher im Druck unbekannte meklenburgische Chronik, welche nur in einigen jüngern Abschriften existirte, befindet sich auf der Universitätsbibliothek zu Greifswald in

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einem Bande (Ex legato Ahlwardtiano ad Bibliothecam Academicam No. 3504) hinten angebunden, welcher mehrere Schriften, zuerst Auli Gelli noctium atticarum libri vndeviginti. Argentinae, 1517, dann Mathemalogium prime partis Andree Alexandri Ratisbonesis mathematici super noua et veterem loycam Aristotelis, Lipsigk, 1505, dann Marschalci instit. reip. und Annales Herulorum enthält.

Das Buch ist nach den genealogischen Nachrichten aus dem meklenburgischen Fürstenhause zwischen 1519 und 1524, auf jeden Fall aber nach der Herausgabe der Annales Herulorum von 1521, also wahrscheinlich im J. 1522 gedruckt und vielleicht das letzte Buch aus der Officin Marschalks. Es ist das einzige Buch, welches aus Marschalks Druckerei in deutscher Sprache und mit deutschen Lettern (Tab. III, Nr. 5) hervorgegangen ist; die Lettern sind nicht zu verkennen. So gut auch der marschalksche lateinische Satz ist, so schlecht ist sein deutscher Satz.

Sehr häufig sind große lateinische Anfangsbuchstaben statt deutscher genommen; das x ist immer lateinisch und ch auf Einem Kegel (wie in der ersten Zeile von Tab. III, Nr. 5) ist vorherrschend.

 


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IV.

Buchddruckerei

des

Buchdruckers Ludwig Dietz

zu Rostock.


1.
Leben und Druckerei des Ludwig Dietz.

W urden auch vor Ludwig Dietz, welcher früher lange für den ersten rostocker Buchdrucker gehalten ward, zu Rostock viele Werke gedruckt, so waren die Druckereien, aus denen diese Werke hervorgingen, doch nur Privatanstalten, welche mehr wissenschaftlichen Privatzwecken dienten. Ludwig Dietz war der erste öffentliche Buchdrucker in Meklenburg, der aus der Buchdruckerei ein künstlerisches Gewerbe trieb. Bei der großen Umsicht und Tüchtigkeit des Mannes ist seine Wirksamkeit auch sehr bedeutend gewesen und von seiner Zeit an datirt sich erst der große buchhändlerische Verkehr zu Rostock.

Ludwig Dietz war aus Speier gebürtig 1 ). Die Zeit seiner Einwanderung in Rostock läßt sich nicht diplomatisch genau auf den Tag angeben. Chyträus sagt 2 ) im J. 1560,


1) Dies sagt Chyträus, der die Familie genau kannte, in seinem Programm zum Leichenbegängniß von Dietzens am 19. Januar 1560 verstorbenen Bruder, in Joh. Posselii Scripta in Academia Rostochiensi publice proposita, Rostochii 1567, p. 11 (vgl. Etwas 1740, S. 541):
"Ludovicus Ditius, natus in vicina meae patriae, ad Rhenum, in vrbe Spira".
Auch nennt er sich in der Vorrede zu der Ausgabe des lübischen Rechts vom Jahre 1509 selbst: Lndewicus Dietz von Spyre."
2) Vgl. das angeführte Leichenprogramm für L. Dietzens Bruder vom J. 1560:
"Primus in hanc urbem Rostochium ante annos quiuquaginta artem typographicum intulit Ludovicus Dietz". (  ...  )
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freilich in allgemeinen Ausdrücken, daß er damals vor funfzig Jahren, also ungefähr im J. 1510, nach Rostock gekommen sei. Nach genauern Forschungen ist es jedoch möglich, den Abriß seines Lebens ziemlich klar zu zeichnen.

Zuerst war Ludwig Dietz Drucker in der Privatdruckerei des rostocker Stadtsecretairs Hermann Barckhusen. Dies geht unwiderleglich aus dem oben mitgetheilten Contracte 1 ) über den Druck des hamburger Breviers von 1509 hervor, zu dessen Abschließung Hermann Barckhusen seinen Drucker und Diener Ludwig Dietz:

"Lodwig Dietz, alse dyner vnd folmechtiger des ersamen Hermanni Barchhusen, secretarien zu Rostock"

bevollmächtigte. Da H. Barckhusen im J. 1503 nach Rostock kam und im J. 1505 den ersten Druck aus seiner Officin, den Donat, erscheinen ließ, so ist es mehr als wahrscheinlich, daß H. Barckhusen den L. Dietz zur Einrichtung und Verwaltung seiner Druckerei im J. 1504 nach Rostock nach sich zog.

Ludwig Dietz ging ganz in den wissenschaftlichen und unternehmenden Geist seines Herrn ein und nahm so sehr Theil an seinen litterarischen Arbeiten, daß dieser sogar keinen Anstand nahm, ihn als Verfasser wichtiger juristischer Werke, wie des lübischen Rechts vom J. 1509, welches der Lage der Sache nach wohl niemand anders als H. Barckhusen hatte herausgeben können, vorzuschieben. Im J. 1510 besaß H. Barckhusen seine Druckerei noch selbst, als er die Bambergensis herausgab. Nach und nach gestattete er seinem Diener, daß dieser für Andere Werke druckte; denn die Ausgabe der sternberger Hostiengeschichte vom J. 1512 ist zwar von L. Dietz gedruckt, aber wohl in der Druckerei von Hermann Barckhusen, da ihm am Ende des Buches das Lob eines geschickten Druckers beigelegt wird (Editum Rhostochii et ibi a Ludovico Dytze calchographo solerti expressum), das er wohl nicht gut selbst schreiben konnte.

Die Jahre 1513 und 1514, in denen Nic. Marschalk seine Druckerei einrichtete und zuerst benutzte, sind für die Buchdruckerei zu Rostock fast ganz unfruchtbar; nur aus Mar=


(  ...  ) Höchst seltsam ist es, daß sogar Chyträus, der den letzten Rector des Fraterhauses zu Rostock noch kannte, nichts von der Druckerei der Michaelis=Brüder weiß. Nach diesen war L. Dietz allerdings der erste Buchdrucker in Rostock.
1) Vgl. oben über H. Barckhusen S. 70.
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schalks Druckerei gingen im J. 1514 einige kleine Schriften hervor. Mit diesen Jahren verschwindet auch H. Barckhusens Druckerei und mit dem J. 1515 tritt L. Dietz mit größern Werken selbstständig auf. Nach den Druckwerken ging (ungefähr im J. 1513) die ganze Druckerei H. Barckhusens auf L. Dietz über; denn in den ersten Jahren seiner Selbstständigkeit druckte L. Dietz nur mit Barckhusens Lettern 1 ); seine Holzschnitte lieferte ihm in dieser Zeit N. Marschalks Holzschneider. Bald aber, mit den zwanziger Jahren, vervollständigte sich Dietzens Druckerei mit vielen schönen Typen und die Holzschnitte seiner Officin gehören, im Fache der Verzierungen, zu den schönsten Producten der Zeit.

Ludwig Dietz traf aber in den ersten Jahren zu Rostock keine gute Zeit: das alte Leben war vor der Befestigung der Reformation, namentlich bei der Universität Rostock, lahm und das neue Leben noch gedrückt; nur hin und wieder schaffte sich die innere Regung durch Herausgabe von Werken, wie der Bearbeitung von Reineke Voß und Sebastian Brants Narrenschiff, bei Dietz verlegt, Luft; aber dies reichte am Ende nicht aus, eine Buchdruckerei ohne eigene große Mittel zu erhalten, obgleich L. Dietz durch häufigen Druck von Patent=Verordnungen, Thesen u. dgl. die Anwendung der Buchdruckerei zu verallgemeinern suchte. Auch mochte er sich bei den kirchlichen und politischen Wirren in Meklenburg zu Rostock nicht heimisch fühlen. Er strebte also dahin, in Lübeck, dem alten Stapelplatze für Schreib= und Druckmaterial, wo es dem Buchdrucker leichter ward 2 ), das Bürgerrecht zu gewinnen. Daher richtete er im J. 1524 folgenden Brief 3 ) an den Rath zu Lübeck:

Ehrsame vnnd vorsychtige, wolwyse Heren. Nach Erbedinge myner bereytwylligen deenste stets voran Bydde yck Juwe Ersamenheyden denstlick weten, Dat yck wol in meninge were, bynnen J. Ersh. Stadt Lübeck my dale toslande vnde tho wanen yn


1) Das älteste Werk von L. Dietz: Der sele rychtestych, vom J. 1515, ist ganz mit den Lettern der Bambergensis gedruckt. Daß die Lettern von H. Barckhusen auf L. Dietz übergingen, ergiebt sich schon aus der Ansicht der lithographirten Facsimiles Tab. II, No. 2b. und Tab. IV, No. 1a. und b., deren Originale beide mit denselben Lettern gedruckt sind.
2) Nirgends ist wohl länger das Pergament zu gewöhnlichen Briefen benutzt, als, nach Ausweisung der Archive, im Rathe zu Lübeck, bis in die Mitte des 16. Jahrhunderts. Noch heute wird in Meklenburg das Pergament aus Lübeck bezogen. In der ersten Hälfte des 16. Jahrunderts kam auch viel Papier aus Lübeck nach Meklenburg.
3) Mitgetheilt von v. Seelen Nachricht von der Buchdruckerei zu Lübeck, 1740, S. 49.
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J. E. Horsam gelyck anderen Borgeren vnd Inwaneren, Wen Juwe Er. my gunnen wolden, de Bockdruckerie to bruken, darynne yck alleweghe nach Juwer Ers. bade vnd vorbade my geborlick holden wolle. Szo my ock Je. Er. besorgeden myt der begnadynge, dat de Boke vnde schryfften, so yck drucken wurde, nycht nha gedrucket scholden werden van Jemandt yn J. E. stadt bynnen dem Jare dar negest folgende, Hyr vp bydde yck Juwer Ersamenheyt gunstych andtworth, dat wyl yck stedes, wor ick kan vnd vormach, vordenen vmme hochgedachte Juwe Er. Gade yn ewycheydt beualen. Schreuen Rostock altera Jacobi apostoli anno MDXIIII.

Juwer Ersamen Wysheyde

gudwylliger                     
Ludewich Dietz.                

Den Ersamen vnnd vorsychtigen
wolwysen Heren Borgermesteren vnd
Radtmannen der Stadt Lubeck, mynen
gunstigen leuen Heren, denstlick.

nach Lübeck gezogen, kann ich eigentlich nicht sagen. Gewiß ist, daß er schon 1531 hier gewesen, sintemal in selbigem Jahre der Anfang gemacht worden mit dem von ihm gedruckten herrlichen Bibel=Werke." Es haben sich über diesen Umzug von L. Dietz, trotz aller Nachforschungen, in den Archiven zu Schwerin, Rostock und Lübeck keine Nachrichten finden wollen; es müssen daher die ausgegangenen Drucke entscheiden. In den Jahren 1525 und 1526 kommen mehrere Drucke von L. Dietz ohne Druckort vor; aus den Jahren 1526 bis 1533 erscheinen nur undatirte oder aus Rostock datirte Drucke; in dem ganzen Zeitraume von 1525 bis 1533 werden aber fortwährend viele Flugschriften und Placate aus Dietzens Druckerei ausgegeben, welche sich auf rein rostockische oder meklenburgische Händel beziehen. Nur im J. 1533 erscheinen Drucke von L. Dietz zu Lübeck.

Es ist daher wahrscheinlich, und wohl gewiß, daß L. Dietz seinen Wohnsitz nie von Rostock verlegte, sondern nur, um ausgebreitetern Verkehr zu gewinnen, auf kurze Zeit eine Filial=Anstalt zu Lübeck für einige größere Werke,

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als die Herausgabe der Bibel, etablirte, wie er es auch zu gleichem Zwecke für kurze Zeit in Kopenhagen that. Auch ist keine Spur vorhanden, daß er in seinem Leben je aufgehört haben sollte, rostocker Bürger und Einwohner zu sein.

Die Begeisterung für die Reformation und das Aufblühen der Universität Rostock gab ihm im Fortschritte allerdings mehr Beschäftigung und sein Ruf vermehrte seine Arbeit; dennoch mochte diese noch nicht ausreichen und daher folgte L. Dietz gerne einer Einladung des Königs Christian III. von Dänemark 1 ), der ihn bald lieb gewann, um zu Kopenhagen eine dänische Bibel zu drucken, welche im J. 1550 erschien 2 ). Er ging im J. 1548 nach Kopenhagen, wie er selbst in einer Nachschrift zu der zu Rostock im J. 1553 herausgegebenen niederdeutschen Bibel 3 ) sagt: er habe mit dem Druck derselben schon im J. 1548 den Anfang gemacht, als er nach Kopenhagen gerufen sei; nachdem er hier das aufgetragene Werk vollendet, 3000 Bibeln gedruckt gehabt und Abschied und ehrliche Belohnung erhalten habe, sei er wieder (1550) nach Rostock zurückgegangen und habe sein angefangenes N. T. wieder zur Hand genommen und (Freitag nach Jubilate 1553) vollendet 4 ).


1) Chyträus sagt a. a. O.:
"Edidit enim, tum alia vtilia scripta, quae doctrinam verae pietatis et optimarum artium continent: tum vero primus omnium biblica sacra, idiomate gentis Saxonicae et postea Danicae, splendidissimis typis et summa fide ac diligentia elaborauit. Ideoque et inclyto Regi Danorum Christiano III, qui eum suo sumpto Hafniam ea de causa euocauerat, non modo propter peritiam et industriam in arte typographica, verum etiam propter integritatem morum et pietatem veram et diligentiam ac fidem in omni officii genere carissimus fuit".
2) Die dänische Bibel erschien im J. 1550 in Folio unter dem Titel:
"Biblia. At er den gantske hellige Scrifft, vsaet paa Danske. Kobenhaffn, L. Dietz. 1550."
kl. Fol., mit Holzschnitten (erste, höchst seltene dänische Bibel; vgl. Ebert, Nr. 2142):
"ex mandato b. Christiani III literis Ludouici Dietz Hafniae translationis ex Lutheri versione Germ. factae autoribus theologis in uniuersit. Hafn. D. Petro Palladio, D. Olao Chrysostomo, D. Joanne Synningio et D. Joanne Machabaeo. Haec editio solum exhibet textum scripturae tam apocryphae quam canonicae, cum indice marginali perpetuo, locis quibusdam parallelis et iconibus rerum praecipuarum".
Vgl. Etwas, 1740, S. 567.
3) L. Dietz gab die Bibel dreimal heraus: 1) im J. 1533 zu Lübeck in niederdeutscher Sprache; 2) im J. 1548 bis 1553 das N. T. in niederdeutscher Sprache zu Rostock; 3) im J. 1550 in dänischer Sprache zu Kopenhagen: alle nach der lutherischen Uebersetzung.
4) Vgl. Masch a. a. O. S. 56 flgd.: "Wowol ick dit Nyge Testa= (  ...  )
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Während der Zeit erstarkte die Universität Rostock zu einem europäischen Rufe und mußte immer mehr das Bedürfniß eines eignen Buchdruckers fühlen 1 ). Ludwig Dietz zeigte sich dagegen sehr geneigt, wieder nach Kopenhagen zu gehen. Da richtete der Herzog Ulrich an seinen Bruder H. Johann Albrecht folgendes Schreiben:

"Vnser freuntlich brüderlich dienst vnd was wir mher liebs vnd guts vermugen idertzeit zuuornn. Hochgeborner furst, freuntlicher lieber Bruder vnd Gefatter. Wir kommen in glaubwirdige erffarung vnd werden bericht, Welcher gestalt vnser Buchdrucker zu Rostogk vnd lieber getrewer Ludowich Dietz gneigt vnd entschlossenn sein solle, auff der Kön. W. zu Dennemarcken etc . vnsers freuntlichen lieben hern Oheim vnd Schwagernn gnedigste beschehene furderung vnd heischung, vnd weil ehr zu Rostock ein geringe narung vnd vnderhalt, daselbst zu Rostock auffzubrechenn, sich nach Coppenhagenn zu begeben vnd daselbst hinfuro seiner Druckerey zu gebrauchen. Vnd weil dan wir hie in vnserm Furstenthumb vnd Landt sunst mith keinem buchdrucker versehen, vnd wir dennoch seiner oft vnd vielmalen in vnsern fürfallend sachenn hochbedürftig, one das ehr aus vnser vniversitat zu Rostock vbel zu entrathenn: Demnach lassenn wir vns gefallenn vnd sehen für gudt ahn, das E. L. neben vns mit Ihme auf ein gewisse zimlich jerlich stipendium vnd besoldung, welchs ihme von den hebungen, so vnser vniuersitet von vnserer


(  ...  ) mente am Jaar 48 des minnerentals angefangen tho drückende, - - So hebbe ick doch domals dat süluige nicht fullen bringen können, dewyle Kön. Maj. tho Dennemarcken - - bedacht und entschlaten ys worden, eynen mercklyken Antall Denscher Biebelen in groter herrlicker Form - - in den Druck uthgan tho latende. Vnde alse nu solck Werck mith der Hülpe Gades fullenbracht ys worden, - - so hebbe ick nu myn hirthovören angefangene Nyge Testamente wedderumme vor de Handt genamen". Vgl. Fortsetzung des Rostocker Etwas 1747, S. 21 flgd.
1) Schon in den vierziger Jahren des 16. Jahrhunderts wünschte die Universität Rostock:
"dat de professorn vnd der vniversiteten lidtmate, ok de Questor, Oekonomus, Notarius, Pedellen vnd eyn bockdrucker aller borgerlichen plichte frey syn".
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Closter güther jerlich vermacht, entrichtet werden solte, auffs furderlichste hetten handlen lassenn, Wie wir auch zu der behueff vnd mit Ihme daruff handlen zu lassenn, die vnsern schon vorordent haben, vnd E. L. zum allerfurderligsten die Ihren auch verordenen vnd abfertigenn müssen, darmit ehr sich ethwas besser zu Rostogk vntherhaltenn, in vnser vniuersitet vnd fürstenthumb pleibenn vnd wir seiner vnser notturft nach zu gebrauchenn habenn mugen. Weil ehr auch für vnsere Landtgerichtsordnung zu truckenn vnd zu uorfertigen ein last rogken bittet, sein wir geneigt, ime ein halb last für vnsern theil zustellen vnd entrichtenn zu lassenn, vnd werden E. L. ihme auch für Ihre theil die ander halbe last zum fürderlichstenn vorreichenn vnd zustellen lassen. Vnd was E. L. dieses alles gneigt, bitten wir E. L. vnuortzüglich zuuorlässig schrifftlich antwurt. Sein E. L. bruderliche freuntliche dienste zu ertzeigenn willig. Datum Güstrow den V Februarii, Anno etc . LVIII.

Vonn gots gnaden Ulrich,               
Hertzog zu Meckelnburgk etc .     

Dem hochgebornen Fürstenn,
Hernn Johans Albrechten, Hertzogenn
zu Meckelnburgk etc ., Vnserm freunt=
lichen liebenn Brudernn vnd Ge=
fatternn.

(L. S.)

In Folge dieses Schreibens ward denn auch Ludwig Dietz zum (ersten) Universitäts=Buchdrucker 1 ) mit folgender Bestallung am 25. April 1558 angenommen:


1) Der Universitäts=Buchdrucker hatte seit der Bestellung des L. Dietz freie Behausung. In einem alten Verzeichnisse der liegenden Gründe der Universitat, ungefähr von 1560, heißt es:
"Proxime collegium versus plateam Croplinensem domus typographi. Haec cum uno cellario anteriore ipsi libere inhabitanda ab academia concessa est. Alterum cellarium versus plateam elocatur quotannis ipsi".
Im J. 1599 wird gesagt, es sei: "des Typographi Stephani Myliandri Behausung bey der Freyheit, deren derselbe bishero noch genoßen, billig zu laßen". Das Haus war das erste Haus links in der kröpeliner Straße. In dem rostocker Stadtbuche aus dem 16. Jahrhundert heißt es:
"Angulus nach der Kropelinschen Straße".
"Eine Giebelbude nach dem Hopfenmarkede werts recht neghst dem Collegio." (  ...  )
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"Von gots genadenn wir Johans Albrecht vnnd Vlrich gebrüdere hertzogenn zu Meckelnnburg etc . Bekennen in vnnd mit dissem vnsernn offenenn brieue, daß wir denn ersamen vnnsernn lieben getreuwenn Ludwigenn Dietzenn für vnnsern Buchdrucker in vnnserer Vniuersitet vnnser Stadt Rostog die Zeit seines Lebens bestellt vnnd angenommen, wie wir inen dan dauor hiermit auch wissenthlich bestalt vnnd angenommenn habenn wollen, also bescheidentlich das er die Zeit seins lebens bei der vniuersitet pleibenn soll vnnd will. Dagegenn wollen wir imhe jerlichs dreissig guldenn muntz vnnser Lanndeswehrunng durch vnnsernn verordenten Oeconomum vnnserer Vniuersitet zu Rostog vonn den nutzungen, einkunfftenn vnd hebungenn, darmit wir neulich gemelte vnsere Vniuersitet dotirt vnd zugeeignet, entrichten vnnd betzalenn lassenn, vnd was ehr vns druckenn wirt, wollenn wir ihme innsunderheit darfur nach pilligkeit die gebür erleggen. Doch soll ehr ohnn vnser darzu verordenten vorwissenn vnd beliebung nichts druckenn, worauf ehr widerumb einen reuers vnnß geben vnnd zustellenn, sollich vnnd vnngeuerlich. Des zu Vrkund habenn wir vnser fürstlich pitzschafft hierneunter truckenn vnnd gebenn lassenn zu Sterneberg den 25. Aprilis nach Christi vnsers liebenn Hern vnnd selichmachers geburt weniger zall im acht vnnd funfzigstenn Jhare".

Am 10. April 1559 verpflichtete sich L. Dietz in einem eigenen Reverse 1 ), seiner Bestallung nachzukommen und der Universitäts=Censur sich zu unterwerfen:

"Ich Ludwig Dietz, Buchdruecker zu Rostock, bekenne mit dieser Handtschriefft für Jedermenniglich, Alsdan die Durchleuchtigenn Hochgebornnenn Fürstenn vnnd Herrnn Johans Albrecht vnnd Hern Vlrich Gebrüdere Hertzogenn zu Mecklennburgk Mich


(  ...  ) "Darnehgst eine Buede in der Kropelinschen Strasse, so jetzo der UniversitetBuchdrucker bewohnet."
Hierauf sind als Besitzer eingetragen: Dr. Jacobus Hein. Dr. Jacobus Bording, als Erbe M. Arnoldi Burenii. (Auf gütige Erlaubniß des Hrn. Cämmerei=Secretairs Päpcke zu Rostock excerpirt.)
1) Gedruckt in der Fortsetzung des Etwas, 1747, S. 20
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inn Irer F. G. Stadt Rostock für ein Buchdruecker bestellet vnnd anghenommen, ferners Inhalts Irer F. G. besiegeltenn Bestallung. Daß ich dagegenn Hochgenante Irer F. G. Bestallung vnderthanig angenhommen, gelobe vnnd vorspreche hiemit vnd Inn Krafft dieses Brieffs, alle dem Jenigenn, was Inn der Bestallung ausgedruckt, die Zeit meines Lebens getreuelich nachzukommen, vnnd one Wissen vnd Willen Irer F. G. verordentenn Professoren alhier nichts druecken zu lassenn. Alles getreulich vnnd ohne Gefahr. Zu Vrkundt hab ich diesenn Reversall mit meinem Pitzschafft bekrefftiget. Actum Rostock den 10ten Aprilis Anno etc . LIX".

(L. S.)

Ludwig Dietz starb am 1. September 1559 1 ) nach einer mehr als funfzigjährigen Wirksamkeit und hinterließ den Ruhm eines geschickten und erfahrnen, unternehmenden und thätigen, braven und frommen Mannes, zu dessen Vertrauen sich Fürsten und Gelehrte ersten Ranges Glück wünschten und von dessen Wirksamkeit nicht nur die gefeierte Universität Rostock, sondern auch Holstein, Lübeck, Meklenburg und Pommern unmittelbar, und ganz Niederdeutschland, ja Dänemark und Norwegen die schönsten Früchte genoß 2 ).

Der Druck von L. Dietz befriedigt alle gerechten, selbst hohe Anforderungn. Sein Satz ist rein, fest und correct. Seine Lettern sind geschmackvoll und schreiten rasch mit den Anforderungen der Zeit zum bessern fort, so daß sie schon in den dreißiger Jahren des sechszehnten Jahrhunderts die neuere


1) Chyträus a. a. O. sagt:
"Hic Ludovicus anno 1559 die 1 Septemb. obiit".
2) Derselbe sagt a. a. O. von ihm:
"cuius officina, elegantibus et variis typorum generibus instructa, et nos in hac Academia quotidie fruimur, et omnes ecclesiae in tota, Saxonia et amplissimis Daniae ac Norwegiae regnis, magno cum verae pietatis et doctrinae fructu et gratitudine ipsius laboribus et industria debita vtuntur".
Eben so sagt von Seelen in Stromat. Lutheran. p. 626:
"Macta hac tua virtute, Dietzi, et celebriores inter typographas locum occupa, qui honorificus merito aestimandus. Efferant se aliae vrbes typographis magnam famam adeptis; non inuidemus iis partam inde celebritatem. Sed gratulamur tamen simul Lubecae Dietzium, cum optimis et artis imprimendi peritissimis conferendum".
Nach dem Tode von Ludw. Dietz wies es sich recht aus, wie groß der Mann gewesen war. Nach ihm hat Rostock nie einen solchen Buchdrucker wieder gehabt.
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Zeit bezeichnen und noch jetzt jedem Buchdrucker Ehre machen würden. Er besaß hinter einander viele Arten deutscher Lettern und schöne gothische (Tab. IV, Nr. 3) Missaltypen; lateinische Lettern schaffte er auch bald an; griechische Typen 1 )fehlten ihm jedoch noch im J. 1540, er versprach sie aber bald anzuschaffen. Vorzüglich lobenswerth ist die Anschaffung der trefflichsten Holzschnitte 2 ) zur Ausschmückung seiner Werke; diese Holzschnitte zeigen den reinsten, ältern deutschen Styl und verdienen ein sorgfältiges Studium: weder vor, noch nach Dietz sind so gute Holzschnitte in Meklenburg gebraucht. Seine beiden ältesten Druckerzeichen sind auf Tab. IV, Nr. 1b. und 4 im Facsimile wiedergegeben.

2.
Drucke von Ludwig Dietz.

1515.

1) Der sele rychtestych.

Die ganze Titelseite nimmt ein Holzschnitt, darstellend Christum am Kreuze, rechts von demselben Maria mit einem großen Schwerte in der Brust, links Johannes mit einem Buche in den Armen, ein. Zu den Füßen des Kreuzes steht das Zeichen des Holzschneiders: ein M, durch dessen obern Theil sich quer durch ein S legt; dies Zeichen (Tab. IV, Nr. 2.) gehört wahrscheinlich dem Holzschneider Marschalks, welcher Melchior hieß (vgl. oben bei Marschalk). Ueber dem Holzschnitt steht der Titel des Buches:

Der sele rychtestych

mit Missallettern (Tab. IV, Nr. 1a.). Auf der Rückseite des Titels steht eine kurze Betrachtung über die Nothwendigkeit der Abfassung des Buches (dorch eynen jnnigen geystliken man, des name gade almechtigen bekant). Der Text beginnt mit der Ueberschrift:

Van deme leuende
vnde lydende vnszes leuen heren,


1) Der Universitäts=Buchdrucker Jacob Lucius sollte im J. 1568 sein Privilegium nicht eher haben, als bis er sich griechische und hebräische Lettern angeschafft haben würde. Vgl. Etwas 1743, S. 324. Er druckte jedoch schon im J. 1567 griechisch.
2) Nach der großen Menge der Holzschnitte zu urtheilen, die L. Dietz anwandte, hielt er sich selbst einen Holzschneider. Im J. 1515 hat sein Holzschneider das Monogramm M. S. (vgl. Nr. 1.), im J. 1522 das Monogramm P. b. (vgl. Nr. 28b.). Von dem letztern Holzschneider stammen die vielen vortrefflichen Holzstöcke in den Werken aus Dietzens Officin.
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die erste Zeile mit Missallettern. Der Text selbst beginnt mit einem großen M in Holzschnitt, ganz im Geschmack der marschalkschen Holzschnitte. Die Rückseite des Bl. GIII wird ganz von einem Holzschnitte mit einem halben Crucifixe in Holzschnitt gefüllt; auf der folgenden Seite und auf der Seite GVI findet sich ein großes O in Holzschnitt. Am Ende des Bogens L, mit welchem der Hauptinhalt des Buches schließt, steht ein Holzschnitt mit der Elisabeth, der Maria und dem Christkinde. Der Bogen M mit einem Anhange beginnt nach einer Ueberschrift mit einem Holzschnitte mit dem Buchstaben V, in dessen Oeffnung ein, von einem Pfeile durchbohrtes Herz steht (Vulnerasti cor meum mea sponsa).

Am Ende steht (Tab. IV, Nr. 1b.):

Ghedrůcket vnde fulleendet Dorch Lodewicu Dyetz yn der stat Rozstöck. des myddewekens na dem Sondage Exaudi. jn deme jare vnses here Chrysti gebört Veffteynhundert Dar na jn deme veffteynden jare.

Alle tho der ere gades.

Darunter steht das Druckerzeichen im Holzschnitte ( Tab. IV, Nr. 1b .): ein Kreis mit einer Querstange, auf der eine Perpendikulairstange steht, die über dem Kreise hervorragt und einen sechsstrahligen Stern trägt, in dessen Winkeln die Buchstaben: R│O│S│T│O│K stehen; um die Perpendikulairstange fliegt ein Band mit den Worten: τελος id est FINIS ; auf der Querstange im Kreise stehen die Buchstaben L. D.

In gr. 8., ohne Cust. und Sz., mit Sign. A-O, jeder Bogen von 6 Bl. Das Wasserzeichen des Papiers ist eine Hand.

Ein Exemplar auf der Universitätsbibliothek zu Rostock, dem ein Exemplar Van der navolghinge Jhesu cristi angebunden ist; ein zweites Exemplar auf der Bibliothek zu Wolfenbüttel.

1516.

2) Meklenburgische Polizei=Ordnung

mit dem Titel:

Ordeninge Statuta vnnd settunge, dorch de dorchluchtigen hochgebornen Försten vnd hern, hern Hinrichen vnd hern Albrechten gebröder, Herthogen tho Meklnborch, Försten tho Wenden, Greuen tho Swerin, Roßstock vnd Stargardt der

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lande heren. In genanten erer F oe rstlicken gnaden F oe rstendome, Landen, Steden vnnd Gebeden, dem gemenen nutthe thom besten. Im yar na Christi vnses Hern gebordt Vefftheinhundert vn S oe ßtheine. Publiciert, vorkundet, vorgenamen, vpgericht, vnnd vestlicken gebaden tho holden.

in Fol., im Ganzen 6 Bogen, in 3 Lagen mit Sign. A und B, ohne Seitenzahlen und Custoden. Das erste Blatt ist zum Titel benutzt, das letzte Blatt ist leer. Die erste Seite des zweiten Blattes enthält unter dem Titel

Vorrede

das Publications=Patent der Herzoge Heinrich und Albrecht. Dieses Patent und die Ordnung selbst beginnen mit zwei sehr schön in Holz geschnittenen großen Initialen. Die Ueberschriften der einzelnen Capitel sind in der ersten Zeile mit Missallettern gedruckt. Am Ende steht ein

Besluth

mit einer Ermahnung zur Haltung der Ordnung, und das Ganze schließt mit den Worten:

Vork ue ndyget vnd mit genanter F oe rsten eins hyr vpgedr ue ckten Ingesegel tho orkunde besegelt, am dage
Im yare Christi vnses Heren gebordt alse bauen gemelt ys.

Die Lettern sind diejenigen, mit denen die Bambergensis vom J. 1510 von H. Barkhusen gedruckt ist und die an L. Dietz übergingen.

Das einzige bisher bekannte Exemplar dieser Constitution wird im Großherz. Archive zu Schwerin aufbewahrt. Jedoch findet sich auch auf der Universitäts=Bibliothek zu Rostock ein zweites Exemplar. Im J. 1542 ward diese Ordnung, verbessert und revidirt, bei L. Dietz wieder aufgelegt.

3a) Programm über die Feier des kirchlichen Jubelfestes im J. 1516.

Eine Seite in Fol. Die Einleitung lautet:

Cum sacratissime indulgentie In dominica passione precipue fundentur, roborentur et confirmentur: non indignum putaui: Anno fructuosissimu ad veriore remissione culpe et pene consequedam: In

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visitatione Septe Ecclesiaru Rome, aut totide altarioru: passione dominica conteplando perstringere in quinariu: quo ad singulas Ecclesias et in singulis locis quinqz Paster noster et Aue maria Christo passo deuotissime persoluere.

Dann folgt in 7 Abschnitten nach den 7 Kirchen die Aufzählung der Leiden Christi (in lateinischer Sprache). Am Ende steht mit kleinern Lettern :

Hec de dnica passione Per Uenerabile et eximiu viru dnm et magrm Bertoldu Moller, Sacre Theologie doctore, ac Ecclesie Collegiate Sancti Jacobi Rostochien Decanu, necnon dictarum Sacrarum Indulgentiaru Commissariu etc . sunt Septe Ecclesiis sincere accomodata: pro deuotis oratoribz: sine piudicio exquisitioris conteplationis in gloria Christi A cui 6 natali Anno Sexto decimo supra millequingentos Annus Jubileus est Rostochii celebratus In dicta Ecclesia Collegiata Sancti Jacobi.

Mit den deutschen Lettern H. Barckhusens, mit denen der Donat von 1505 gedruckt ist. - Ein Exemplar auf der Universitätsbibliothek zu Rostock.

3b) Ein Butterbrief für das St. Johanniskloster zu Rostock von dem Legaten Arcimbold vom 17. Oct. 1516 wird in derselben Druckerei gedruckt sein. Vgl. Etwas 1739, S. 256 flgd. und 1738, S. 730 flgd. Aus der Arcimboldschen Zeit existiren übrigens noch mehrere gedruckte Indulgenzbriefe.

1517.

4) Uan Reyneken dem vosse vnde dessulften mennichuoldygher lyst myt anghehengedem sedelikem synne vnde veler guden lere Eyn höuesch kortwylich lesent.

"Darunter steht ein Holzschnitt, der zwei Fuchshöhlen vorstellt, in deren einer ein Fuchs lauert; nach der andern aber trägt ein Fuchs einen gefangenen Hahn, den er beim Halse gefaßt hat." Weiter enthält das Titelblatt nichts.

Am Ende:

Impressum Rostochy. Anno M. CCCCC. XVII.

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in kl. 4, mit Holzschn., 170 Bl. (das letzte weiß), mit 28 Zeilen und der untermischten, bald kleinen, bald großen Sign. A-T, ohne Seitenzahlen. Die Sign. z - D fehlt. Auch Custoden sind nicht vorhanden. Von Interpunctionszeichen ist der Punct das gewöhnliche; Komma und Kolon sind sehr selten. Druckerzeichen fehlen. Die Holzschnitte sind von der Ausgabe von 1549 (oder dann vielmehr: von allen folgenden rostocker Ausgaben) verschieden. Der Drucker hat sich nicht genannt. Das einzige bekannte Exemplar ist auf der königl. Bibliothek zu Dresden. Vgl. Ebert Nr. 18835 und Flögel's Gesch. der kom. Litt. III, S. 53.

Ueber Verfasser, Drucker und Ausgaben des Reineke Voß sind bekanntlich zahllose Untersuchungen angestellt und Vermuthungen aufgestellt, und dennoch hat bis heute keine Forschung zu dem ersehnten Ziele geführt. Auch hier werden die Fragen nicht gelöset werden können; es soll hier jedoch in Beziehung auf die ältesten Ausgaben gegeben werden, was nach den neuesten Forschungen als sicher anzunehmen ist.

Die erste Ausgabe des niederdeutschen Reineke de Voss ist im J. 1498 zu Lübeck von dem unbekannten Buchdrucker gedruckt; das einzige bekannte Exemplar dieser Ausgabe ist auf der Bibliothek zu Wolfenbüttel. Man vgl. Panzer's Annalen; Ebert's bibliograph. Lexicon Nr. 18834; J. Grimm's Reinhart Fuchs, 1834, S. CLXXVII flgd.; Deecke's Nachrichten von den im 15. Jahrh. zu Lübeck gedruckten niedersächs. Büchern, 1834, S. 24.

Dieser lübecker Ausgabe soll im J. 1515 die erste rostocker gefolgt sein, nach Flögel's Geschichte der komischen Litteratur III, S. 53, Spangenberg's vaterländ. Archiv, Lüneburg 1825, B. 5, S. 87 und Scheller's Sass. Bücherkunde, S. 140. Diese Ausgabe ist jedoch ungewiß, da sie nirgends existirt.

Sicher ist jedoch die rostockerAusgabe von 1517 in dem einzigen Exemplare zu Dresden, da Ebert und Grimm sie gesehen, studirt und beschrieben haben 1 ). Diese Ausgabe ist mit der lübecker Ausgabe, welche von Deecke aus eigener Anschauung a. a. O. beschrieben ist, nach Grimm "in der Hauptsache gleich"; beide" enthalten dieselben Vorreden, dieselbe (katholische) Prosa zwischen den einzelnen Capiteln; nur


1) Ich besitze zum Zweck dieser Beschreibung eine Vergleichung des Herrn Prinzen=Instructors Kliefoth, gegenwärtig zu Dresden, welche mit Ebert's und Grimm's Angaben übereinstimmt und dieselben in manchen Dingen ergänzt.
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der schwörende Löwe (in Holzschnitt) und die darunter gesetzten Worte" (auf Bl. 6a. vor dem Texte, nach Deecke) "mangeln der Ausgabe von 1517." Heinrich von Alkmar's Name steht auch noch in der ersten Vorrede dieser Ausgabe; die Holzschnitte der Ausgabe von 1517 sind neu gezeichnet und besser, als die in der Ausgabe von 1498.

Der Drucker der Ausgabe von 1517 hat sich nicht genannt. Die folgenden bekannten rostocker Ausgaben sind von L. Dietz besorgt; diese unterscheiden sich von den Ausgaben von 1498 und 1517 dadurch, daß "jene alte katholische Prosa zwischen den Capiteln weggeworfen und dafür eine viel weitläuftigere, mehr protestantische Glosse eingeschoben ist, worin es von Anführungen aus beliebten Büchern jener Zeit: dem Renner, Narrenschif, Frigedank, Agricola, Schwarzenberg, Morsheim, Schweizer, Memorial der döget, u. a. m. wimmelt" 1 ) (vgl. Grimm).

Es ist die Frage, wer der Herausgeber und Drucker der hier zur Frage stehenden Ausgabe von 1517 sei. Wahrscheinlich ist es, daß L. Dietz sie gedruckt habe, da derselbe zu der Zeit ähnliche Werke druckte, wie 1519 das Schiff von Narragonien; aber es ist auch nicht unmöglich, daß noch Hermann Barckhusen (vgl. oben) Einfluß auf die Herausgabe hatte, der nach seinem eigenhändigen Briefe eine alte Ausgabe in Verlag hatte; ja der vielbesprochene, unbekannte lübecker Buchdrucker könnte Hermann Barckhusen sein, der dann von Lübeck nach Rostock gezogen sein müßte. Aufklärungen werden nur zu hoffen sein, wenn Drucke dieses lübecker Druckers und des jetzt sicher ermittelten rostocker Druckers H. Barckhusen (namentl seine Ausgabe der Bambergensis) mit dem dresdner Exemplare des Reineke verglichen und über beide Personen gründliche Forschungen in den lübecker und rostocker Archiven angestellt werden. - Im J. 1517 war jedoch Barckhusens Druckerei schon an L. Dietz übergegangen; nach angestellten, sichern Vergleichungen 2 ) ist auch der Reineke weder bei den


1) Diese neue Glosse ist mit einer seltenen Freimüthigkeit geschrieben und verdient oft wegen ihrer treffenden Beobachtungen gewiß eine dauernde Anerkennung; diese Glosse hat zu der Verbreitung des Gedichts im 16. Jahrh. gewiß nicht wenig beigetragen. Grimm scheint sie nicht recht loben zu wollen. - Bei neuen Ausgaben des Gedichtes sollte man beide Glossen, die alte lübecker, katholische und die neue rostocker, protestantische, mit abdrucken lassen.
2) Durch den Herrn Prinzen=Instructor Kliefoth. Derselbe berichtet auch:
"Ich kann die Schönheit des Druckes nicht genug rühmen. Auch mit der Correctheit geht es schon; im ersten Buche ist der Druck sehr correct und im vierten wieder, weniger schon im zweiten und allerdings erstaunlich fehlervoll im dritten."
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Michaelisbrüdern, noch bei Nic. Marschalk gedruckt; da auch die Lettern der Ausgabe von 1517 ganz denselben Charakter der ältern Drucke von L. Dietz haben, so bleibt nichts weiter übrig, als anzunehmen, daß dieser die Herausgabe besorgt habe.

Auf die rostocker Ausgabe von 1517 folgten die rostocker Ausgaben von Ludwig Dietz aus den Jahren 1522 (wenn auch diese überall vorhanden ist), 1539, 1543 (zweifelhaft), 1548, 1549 und 1553, "alle in 4, alle 272 Bl. stark und "mit denselben Holzschnitten, aber doch ist die von 1548 ein neuer, obgleich Blatt für Blatt einstimmender, im Einzelnen abweichender Druck; die drei letztgenannten scheinen derselbe: oft steht in den Exemplaren die ältere Jahrszahl auf dem Titel, die neuere am Schluß." Vgl. Grimm a. a. O.

1518.

5) Eine Lotterie=Ankündigung.

Van deme potte des geluckes vnde den klenodien to Rozstock ingesettet. Eine klare vnderrichtinge vor deihenne, de sodans vnde dergeliken nicht eer geseen hebben.

Kunth vnde wytlick sy - - , dat de bescheden Eler Lange borger vnde inwoner to Rozstock, mit vorlove vnde fulbord des Ersamen Rades darsulues, vor eyne hovische kortwile eynen pott effte tunnen - - to gewinst vnde eventüre angerichtet hefft etc . etc . - - - So wert men yn dussem schirst komenden pinxtmarkede to Rozstock eyne stellasie effte geruste vpp den market buwende - - - tom lengesten des fridages na des hilge lychams daghe. - - - - Unde wy Borgermeistere unde Rademanne der Stadt Rostock bekennen - - - De gegeuen vndeschreuen ys nah vnses Heren gebort veffteynhudert dar na yn dem achteynden jare des myddewekens na unser leuen frouwen dage kruthwygginge genant.

Eine Folioseite in Querfolio. Ein Exemplar auf der Bibliothek der Marienkirche zu Rostock in Opera Hieronymi vorne eingebunden. Aus der Druckerei des Ludw. Dietz. - Hinter denselben Band ist angebunden ein großer Holzschnitt in Queerfolio zum Ankleben an die Ankündigung, mit eingedruckten Beschreibungen. Dieser gute Holzschnitt enthält die Darstellung der Lotterie: im obern Theile auf einem Tische zwei Urnen für die Loose und hinter denselben ein aufgeputzter Mann, der die Loose wirft, daneben Geschworne, Schreiber, Musiker u. s. w. Unter diesem Bilde sind in drei Reihen die 24 werthvollen Sachen, die verspielt werden sollen, unter denen mehrere Becher (unter den Benennungen stoep,

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kop, schouwer voet u. s. w.), in kleinern Holzschnitten abgebildet.

151(8).

6) Ein Crucifix für die Carthäuser zu Marienehe bei Rostock.

Ein Holzschnitt auf einem Blatte in Queerfolio: in der Mitte ein Crucifix; über dem Crucifixe steht:

M. IOANNES CRVSE.

Darunter steht (heraldisch):

rechts:
I C IAMBICVM TRIMETRVM PRO SANCTO BRVNONE etc.
links:
I C SlMILE CARMEN PRO SANCTO HVGONE etc.

Neben dem Crucifixe sind zwei Heilige knieend dargestellt mit den Unterschriften:

rechts: links:
SANCTVS SANCTVS
Bruno Patriarcha Hugo Carthusian 9
Ordinis Carthusien Episcop 9 Lincolnie.

Unten in der Mitte steht:

I C AD CRVCIFIXVM.

Ganz unten steht:

ROSTOCHII EX AEDIBVS LVDOVICl DIETZ.

Dieses Blatt ist in Opera Hieronymi Tom. VII auf der Bibliothek der Marienkirche vorne eingeheftet; das Buch gehörte früher dem Karthäuser=Kloster Marienehe (lex Mariae) bei Rostock, der Holzschnitt ist also wohl besonders für dieses Kloster zur Zeit des ungetrübten Katholicismus gemacht, und dürfte um so mehr in die ersten Zeiten der Druckerei von L. Dietz fallen, da er noch mit den Lettern der Bambergensis bedruckt ist.

Vgl. Etwas, 1740, S. 582.

1518.

7) Donati grammatici disertissimi: quem et ipse Laurentius plurimum comendat. editio prima in originatiuam loquendi. scribendiqz scientia pro eruditioe pueroru.

Dieser Titel unter Randleisten in Holzschnitt; darunter ein Holzschnitt, einen Schullehrer, mit Buch und Ruthe auf dem

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Katheder sitzend, darstellend, und vor ihm fünf lernende Knaben. Auf der Rückseite des Titelblattes in Randleisten eine allgemeine Vorrede:

Ad studiosum lectorem.

in kleinen Lettern.

Der Text dieses ersten Buches des Donat auf 35 Blättern von starkem Papier in 4 ist ganz mit den neuen Dietzschen Missaltypen (Tab. IV, Nr.3) gedruckt. Der Text beginnt mit einem guten Holzschnitt: einem großen P (partes orationis etc.), in dessen Rundung die Geburt (Partus) Christi dargestellt ist. Außerdem hat der Text noch 4 Initialen von geringerer Dimension in Holzschnitt.

Am Ende steht (Tab. IV, Nr. 3):

Ex officina litteraria Ludouici Dietz Anno post natum Christum supra Mille quingentos decimooctauo Rostochii.

Ohne Cust. und Sz., mit Sign. A bis J, 9 Lagen, jede von 4 Bl.

Ein Exemplar im Besitze des Vereins für meklenburgische Geschichte etc . durch Geschenk des Hrn. Dr. Deecke zu Lübeck (September 1838).

(1518?.)

8) Missale ecclesie Suerinensis,

in gr. Fol., in gespaltenen Columnen und mit den Missallettern, mit denen der Donat von 1518 gedruckt ist, mit Foliobezeichnnng.

Dieser Druck ist bisher nicht bekannt gewesen und um so merkwürdiger, als er nicht bei den Michaelisbrüdern, welche den Missaldruck vorzüglich trieben, ausgeführt ist. Durch einen großen Glücksfall habe ich auf der Bibliothek der Marienkirche zu Rostock das erste Blatt entdeckt, welches in Hieronymi Opera omnia T. VII von 1516 hinten eingeklebt war. Dieses Blatt hat den Columnentitel:

Dnica prima aduentus.    Folium J.

und beginnt mit folgendem Titel im Anfange des Satzes:

Incipit missale s'm choru alme ecclesie Suerinen.
               Dnica prima i aduetu dni.

Links hinab steht eine Randleiste mit trefflichen Arabesken, welche oben beim Buchstaben D mit einem größern Holzschnitt beginnen: König David, neben welchem die Harfe liegt, vor Gott Vater knieend, der aus den Wolken sieht.

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In denselben Band von Hieronymi Opera ist vorne eingeklebt von demselben Missale:

§. Canon.                 Fol. C.
Te igitur clementissime pater etc.

mit den größten Missaltypen, mit denselben Holzschnitten links am Rande, welche auf Fol. I. stehen; der Anfangsbuchstabe T dieser Seite steht in einem schönen, großen Holzschnitte mit einem Crucifix, in welchem das T zum Kreuze benutzt ist.

Die Lettern und der Satz sind vortrefflich. Dieser Druck ist nach den eigenthümlichen Holzschnitten und Lettern ohne allen Zweifel von Ludwig Dietz; mit diesen Missallettern (Tab. IV, Nr. 3) ist auch der Donat von 1518 ganz gedruckt. Bruchstücke dieses Missals kommen in alten Bücherdeckeln und Actenmänteln öfter vor; jedoch ist bis jetzt kein vollständiges Exemplar bekannt geworden.

1518.

9) §. Dat boek der
Wundenartzstedye. yn la=
tin geheten Cirurgia.

Unter diesem Titel ein Holzschnitt mit einer menschlichen Figur, an welcher die verschiedenen Krankheiten, Gefahren und Wunden durch offene Wunden und dahin nach verschiedenen Theilen hin gerichtete Waffen und Thiere dargestellt sind, wie durch die Figur eines Krebses in der Brust, eines Pfeils in der Wade u. s. w.

In 8 oder kl. Fol., jeden Bogen zu 4 Blättern, mit Bezeichnung der Folien, CXCVI Fol. enthaltend, und 6 Bl. Titel und Einleitung, ohne Custoden, mit Sign. A bis Z, Aa bis Zz, a bis c.

Die 6 Blätter Einleitung, mit A signirt, enthalten auf der dritten und vierten Seite

§. De uorrede.

Hierin giebt sich auch der Verfasser zu erkennen, wenn es heißt S. 2:

O gy yungen angänden Meystere vn Knechte d' scherer vn wuntartzste, nemet war vn merket mit flyte vp dit kleene boek dat dy Hieronimus Brunswyk, bördich va Strasseborch, mit flite vn ernst tosamende brocht heft van vele gelerede vn gude meystere.

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Hierauf bezieht sich auch der Anfang der Vorrede:

Gode dem almechtygen to loue, to ere d' hilgeste jukfrouwen Marien der moder vnses here Jesu christi vnd allem hemelsche heer. Ock tor ere vn wolgefal minen here d' lofliken Stat Strasseborch.

Die Vorrede schließt mit den Worten:

Un yck hebbe dyt boek gedeelet yn s oe uen Tractate. Un yslick Tractat syne sundere capittele, vn de thal vp wat blade du yslick vynden machst.

Dann folgt das

Register desses bokes,

welches mit einigen Versen schließt, unter denen auch folgende:

Velen wuntartzsten, junk, olt, to nůtte vorwar Na Christus ghebort veffteyn hundert achteyn jar.

Die Columnen und Anfänge der Capitel haben Ueberschriften mit großen Missallettern; die ersten Buchstaben der Bücher sind große verzierte Buchstaben in Holzschnitten. Abbreviaturen kommen noch häufig vor; zur Interpunction dienen Punct und ein Queerstrich. Auch im Texte kommen Holzschnitte vor, wie Fol. XIX eine Kammer vorstellt, in welcher die chirurgischen Instrumente aufgestellt, auf Fol. XXIII und XXIIII mehrere Holzschnitte mit Instrumenten in den Text gedruckt sind.

Am Ende ist das Druckerzeichen in länglichem Holzschnitt (Tab. IV, Nr. 1b) ein Kreis mit Queerstange, welche eine perpendikulaire Stange trägt, auf welcher oben ein Andreaskreuz angebracht ist, welches mit der Stange einen sechsstrahligen Stern bildet, in dessn 6 Winkeln das Wort │R│O│S│T│O│K│ steht; in dem Kreise steht L. D.

Zu beiden Seiten dieses Holzschnittes ist mit Missallettern gedruckt:

§. Hir en Dietz na
diget sick cristi un=
dat boek ses here
der Cirur ghebort.
gy. Ghe= M.CCCCC.
drucket to unde yn
Rostock dez. XVIII
dorch Lu yare. vp
douicum den ne=
ghenteynden dach Aprilis.
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Ein Exemplar auf der Regierungs=Bibliothek zu Schwerin.

Der Verfasser, Hieronimus Brunswick, ist wahrscheinlich ein Braunschweiger, sicher ein Niederdeutscher. Vermuthlich ist dieses Buch durch Vermittelung des Professors und fürstlichen Leibarztes Dr. Rembertus Giltzheim zu Rostock (vgl. Jahrb. III, S.64-66), eines Braunschweigers, gedruckt, welcher im J. 1519 ebenfalls bei L. Dietz Liber collectionum Aphorismorum Hypocratis herausgab. - Schon im J. 1497 gab Hi. Brunschwig zu Straßburg ein Buch heraus: Von dem chirurgicus; vgl. Ebert; und im Besitze des wailand Geh. Medicinalraths Dr. von Hieronymi zu Neustrelitz war:

"Brunschwick, J., de arte destillandi decomposit. Das Buech der waren Kunst etc. Straßburg, 1512".

Vgl. Auctions=Katalog vom 11. Junius 1838, I, S. 44.

1519.

10) Liber collectionum Aphorismorum Hypocratis de unaquaque egritudine, a capite usque ad volam pedis pertractans, in curatione atque prognosi, hoc est prescientia futurorum, que medicos non minores quodammodo prophetis recte curando exquisiteque previsa aliquamdiu proclamavit, omnium inter libros medicorum mox usura brevissima, per Rheimpertum Gilßhemium Brunopolitanum, artium et Medicine Doctorem, nuper Rostochii revisus simulac publice illic pro virili noviter elimatus.

Ars longa.
Vita brevis.
Experimentum fallax.
Inditium difficile.
Intende igitur lector letaberis diffusus in gaudium.

Auf der Rückseite des Titels steht die Dedication:

Prestanti ac nobili Casparo de Schonech etc.

Am Ende steht:

Impressum Rostochii per Ludovicum Dietz. Anno virginei partus 1519.

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Exemplare auf der Universitäts=Bibliothek zu Rostock und auf der Raths=Bibliothek zu Lübeck.

Vgl. Krey Beitr. II, S. 247; Panzer Ann.

Ueber den Verfasser, fürstlichen Leibarzt und Professor Dr. Rembertus Giltzheim, vgl. Jahrb. für mekl. Gesch. III, S. 64 flgd.

11) Dat nye schip von Narragonien: myt besunderem flyte gemaket, vnde vp dat nye myt vil schonen togesetteden hystorien vorlenget vnde erkleert. Gedrucket to Rozstock dorch Ludouicum Dietz. In dem iare nach vnses here Christi gebord vefftheinhundert negenteyne.

Dieser Titel, oben und an den Seiten von Randleisten mit Arabesken eingefaßt, nimmt die obere Hälfte des Titelblattes ein; die untere Hälfte füllt ein Holzschnitt mit einem Schiffe voll Narren, an welches ein Boot mit zwei Personen anlegt.

Auf der Rückseite des Titelblattes steht:

          Eyne uorclaringe des
               dychters andacht.

Mit godes hulpe hebbe yk ghedacht
Eyn schip to buwe myt swarer dracht
Dar yk neen arbeyt denke an to sparen
Dar in vele narren moghen varen.
De yk myt flyte, to hope wyl lesen
Narren wylt nicht ghestraffet wesen.
Dorch straffe eyn wyszman doghede leret
Men narren dar dorch meer werden vorkeret.
Des hebbe yk ghedacht, wylt my ghelyngen
Wo yck vele narren heruor moghe bryngen.
Van den wyl yk hyr, altohant
Begynnen, alsus sprycht Sebastianus Brant.

Darunter ein Holzschnitt mit einem zweispännigen Wagen, auf welchem zwei Narren sitzen. - Fol. II a. enthält unter der Ueberschrift:

Gaudeamus omnes ad Narragoniam.

als Text des Buches die lateinische Bibelstelle Ps. 107, V. 23, 24, 26 und 27 ("Psalm CVI") mit niederdeutscher Uebersetzung und Ausführung. - Fol. II b. enthält:

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Eyne vorrede In dat Narrenschipp,

nach welcher das Gedicht:

"to Basel dorch den hochgelerden vn wytberomede doctorem. Sebastianum Brandt vorlenget vnde schynbarlik vorklart, vnde nu vpp dat nye vth dem hochdutzschen In sassche effte nedderlendesche sprake, myt vil kortwilygen schonen rymen vnde sproken gesettet vnde gar flitighen corrigert vnde vorleget ys, Begynnet hyr zelichliken".
"Gaudeamus omnes ad Narrgoniam."

Fol. III-VI enthält die poetische Einleitung des Gedichtes und Fol. VII-CLXXV das Gedicht selbst, welches am Ende mit den Worten schließt:

Hyr volget dat Register ouer dat narre boek, vnd de tal dar by vp welkes blade du yslike narre vide machst.

Angehängt sind nicht foliirte 2 Blätter Register mit dem Columnentitel:

Register desses bokes.

Exemplare auf der Universitäts=Bibliothek zu Rostock und auf der Bibliothek zu Wolfenbüttel; diesem fehlt das Titelblatt, jenem das letzte Blatt, dessen Inhalt nach Flögel's Geschichte der komischen Litteratur III, S. 126, also lautet:

Hyr endighet sick dat nye schip van Narragonien, vormals mit besonderem flyte tho basel dorch den hochgeleerden vnd wyt ber oe mten doctorem Sebast. Brant gesammelt, tohopeseth, vnde mit vil togesetteden historien schinbarlick vorkl ae ret. Unde nu vth hochd ue descher in nederlendischer sprack, mit völen kortwiligen spr oe ken vnde bebesunder yn dem ende deßen Bokes mit des Dißches untucht vnd den vastelavensdoren vorlenget worden is. Gedrucket vnde vulendet in der loveliken Stat Rostok dorch Ludovicum Dietz. In dem Jare nach Christi vnsers heren gebort 1519. Am Abende der Entfangyge der unbefleckeden yunkfrauwen Marien.

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In kl. 4, 175 Bl. und zwei Blätter Register, mit Folienzahlen I-CLXXV, mit Columnentiteln, mit Sign. A-Z und A - S , jede Lage von 4 Bl., ohne Custoden, mit häufigen, ziemlich saubern Holzschnitten, auf schönem, weißen Papier mit dem Wasserzeichen p. Die Lettern sind diejenigen, mit denen die Bambergensis gedruckt ist. Vgl. Flögel's Gesch. d. kom. Litt. III, S. 126 flgd., Panzer Ann. p. 432 und Scheller's sassische Bücherkunde S. 146, 115 und 223. Nach Ebert Nr. 2924a.: "Sehr seltene niedersächsische Uebersetzung der neuesten Ausgabe." - Dieses Werk ist die einzige niederdeutsche, sehr gelungene, freie Uebertragung von dem hochdeutschen Narrenschiff des Sebastian Brant nach der baseler Ausgabe von 1506. Der Bearbeiter ist nicht bekannt; es wird jedoch wohl Nicolaus Baumann oder wahrscheinlicher Hermann Barkhusen gewesen sein.

In diesem Gedichte kommen, wie im Reineke Fuchs, auch einige Anspielungen auf Lübeck vor. So heißt es in dem Capitel: Valscheyt vnde beschytery (: von der Alchemie), fol. CXLIX b.:

He sprikt, du machst yd yn korten tyden
Van hyr an wente to Rome ryden,
Ja he löge nicht so swinde sere
Wan Rome nicht v oe rder van em were
Alze van Lůbeke an wente tor megedebeek
Mit sodanem beschit kricht mannich eynen strek.

und im Capitel: Van vastelauendes doren, fol. CLXVIII b.:

To Slukup yn ouerlant
Ouer steenbrůgge vnde ouer sant
Sus holden de narren der vasten collacien.

Eben so merkwürdig ist auch eine Anspielung auf Westphalen; im Capitel: Van nyen vunden (: Moden), werden fol. XV b. die verschiedenen Moden als Nationaltrachten mit den Völkernamen kurz abgefertigt; jedoch heißt es einmal:

des drůudden dages ys syn kleet so eynem walen, doch was syn vader eyn burman yn westfalen.

Auch ein Seitenhieb auf die übrigen rostocker Buchdrucker damaliger Zeit scheint in dem Capitel: Achtinge der sternen, fol. XCVI b., enthalten zu sein:

Men de dat beste hyr mede leren,
De drůckers wil yk prisen vnd eren.

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Nu krige wy alle j ae r by de hant
Nye practyken vth ouerlant.
Dar druckt men denne nedden vnder
Eynen affgod effte eyn meerwunder.

Die Michaelisbrüder hatten den Erzengel Michael, der Rath Nic. Marschalk eine Meerjungfer zum Druckerzeichen; Marschalk druckte auch öfter kleine kanonische Schriften u. dgl.

12) Ordinarius inclite ecclesie Swerinensis innovatus et in multis purgate auctus cum statutis Synodalibus sub Conrado episc. a. 1492 et similibus in eruditionem additis. Rostochii 1519.

Ein vorgehefteter Holzschnitt stellt die Jungfrau Maria, den St. Johannes und den St. Vitus dar und auf der Rückseite die Jungfrau Maria und die Apostel.

Am Ende steht:

Huiusmodi statuta Synodalia et costitutiones edita et promulgata fuerut olim per quoda dominum Conradu episcopu Swerinen predictu, sub anno a natiuitate dni M.CCCCXCII die tertia mesis Aprilis. Nunc vero per nos Administratores Decanu et Capitulu ecclesie Swerinen predicte innouata, ratificata et approbata, de nouo publicata: prout tenore presentiu publicam 9 . Que huic comuni toti 9 diocesis Ordinario inseri fecim 9 , ad laudem Dei et publicam vtilitate, ne quisquam de illis possit aut valeat in futuru pretendere ignoratia seu quolibet allegare.Datu et actu apud ecclia Swerinen in loco nostro Capitulari, sub anno a Nativitate dni. M.CCCCCXIX. Die XII mensis Januarii.
Impressum Rostochii per Ludovicu Dietz, sub anno a Natiuitate dni. prefato. Die vero XXVII. mensis Octobris.

In Folio mit gespaltenen Columnen, mit Ausnahme der Einleitungen und Anhänge. Ohne Druckerzeichen.

Vorauf geht:

Prohemium Ordinarii,

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enthaltend 1) die Verordnung des Stifts=Administrators Zutpheldus Wardenberg über die Einführung des Buches; 2) die päpstlichen Indulgenzen für die Diöcese Schwerin; 3) die Geschichte vom heil. Blute im Dom zu Schwerin; 4) ein Calendarium; 5) ein Summarium, und 6) alia notabilia: zusammen 13 Blätter ohne Sz. und Cust., mit Sign. † und ‡.

Dann folgt der Qrdinarius mit Folienbezeichnung I bis CIX, der Index Ordinarii auf 2 Bl. und die Copia statutorum Karoli imperatoris quarti auf 1 Bl. ohne Folienbezeichnung. Den Schluß machen die Statuta synodalia Fol. I bis XV und 1 Bl. ohne Folien=Bezeichnung. Dies alles hat fortlaufend Sign. A bis X, jede Lage von 6 Bl., ohne Cust. Eingedruckt sind Holzschnitte mit großen Anfangsbuchstaben und kleinen Heiligenbildern. Am Ende 2 Bl. Noten in Holzschnitt und darunter eine hübsche Arabeske in Holzschnitt, die unter den Statuten des Kaisers wiederholt ist. Fol. XI der statuta synodalia wird von einem Stammbaum mit den Graden der leiblichen und geistlichen Verwandtschaft, welche Ehehindernisse bilden, gefüllt.

Ein Exemplar, dem jedoch das erste Blatt fehlt, ist im Besitze des Vereins für mekl. Geschichte etc ., ein zweites auf der Universitäts=Bibliothek zu Greifswald.

Vgl. Westphalen Mon. ined. IV, p. 1112, wo auch das Mandat des schweriner Dom=Capitels, daß jede Kirche der Diocese ein Exemplar kaufen und an einer eisernen Kette aufbewahren soll, abgedruckt ist; Schröder Evang. Mekl. I, S. 18 flgd.: Etwas 1740, S. 568; Krey Beitr. II, S. 247; Rudloff Mekl. Gesch. III, 1, S. 39 u. 257 flgd.; Panzer Ann. In Schellers S. Bücherkunde S. 135 ist dieser Druck beim J. 1509 aufgeführt.

Westphalen a. a. O. nennt noch eine zweite Auflage vom J. 1528; vgl. unten beim J. 1528.

1520.

13) Lections=Katalog der Universität Rostock
oder
Observantia lectionum in universitate Rostochiensi.

Am Ende der Einleitung steht:

Datum Rostochii sub sigillo Rectoratus nonis Aprilis Anno vigesimo.

Am Schlusse des Ganzen steht:

Superior Ordo lectionum disputationum et promotionum In vniuersitate Rostochiensi Centu

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annis in maiori parte seruat 9 Non indigne hoc Anno centesimo Jubileo Auctus et Illustratus vniuersis Studiosis declaratur, ad dicte universitatis et bellis et pestibus aliquantulum attrite gloram uberius reparandum.

In Fol., 3 Seiten, welche unter einander geklebt sind. Ein Lections=Katalog der Universität Rostock, bei Gelegenheit der Säcularfeier der Universität (gestiftet im J. 1419) und zur Hebung derselben, welche durch Pesten und Wirren gelitten hatte, herausgegeben.

Links hinab geht eine Reihe von Holzschnitten, welche Dietz häufig gebraucht. Der unterste Holzstock enthält das kleinste Dietzsche Druckerzeichen mit L. D. (abgebildet in Tab. IV, Nr. 4). Hiernach und auch nach den deutschen und den Missallettern ist der Druck ohne Zweifel von Ludwig Dietz.

Gedruckt im Etwas, 1738, S. 796-811, dessen Herausgeber ein Exemplar besaß. Ein auf Pappe gezogenes Exemplar besitzt die Universitäts=Bibliothek zu Rostock.

(1520.)

14) Ein Komödien=Zettel.

Dorch Gunst, Vorloff und fulbort beyde geystliker und wertliker desser Stat Rostock Overicheit wert men hyr (wil God) up dessen tokomenden sondach, alse den Dach der Medelidinge Marie, to der ere Gades eyn schone innich unde mercklich spyl anrichten, van deme state der werld unde söven older der minschen etc . etc . - - - - - - - - - - Weme sodans to seende belevet, mach sick an den middelmarket vögen, dar wert men halffwege twelven anhevende.

Alle to der ere Gades.

Dieses Blatt war im Besitze des Herausgebers des Etwas. Sicher ist es vor der Reformation in Rostock und wahrscheinlich in der Druckerei von Ludwig Dietz gedruckt; man vgl. die Lotterie=Ankündigung von 1518. Gewöhnlich ward das Fest der Medelidinge Mariä (compassionis Mariae) am Freitage vor Palmarum gefeiert (vgl. Jahrb. I, S. 83); nach dem Ordinarius ecclesiae Suerinensis vom J. 1519 aber war es auf den Sonntag nach dem 15. Jul. (divisionis apost.)

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angesetzt; vgl. Drucke der Michaelisbrüder beim J. 1522 (Rosarium diocesis Slesvicensis).

Gedruckt ist dieser Komödienzettel im Etwas 1738, S. 423; vgl. Jahrb. für mekl. Gesch. I, S. 82 und Bärensprung Versuch einer Geschichte des Theaters in Meklenburg S. 3.

15a) Dat moelen leeth.

Ein m oe le yck buwe wil,
ach god wuste yck wormede,
hadt yk hantgherede
vnde wuste wor van,
to hant wolt yk heuen an.

Daneben steht ein Holzschnitt mit der Maria in der Glorie.

Das Ende lautet:

Wer dusse m oe le gedichtet hefft,
den möte godt geleyden,
wen he hyr schal scheyden,
lyck engels wyß
yn dat frone paredyß.

Eine Folioseite in Octavbreite.

15b) Van Marie eyn suuerlyk ledrlyn.

Uri fro myn herte lycht yn sorghen,
dach nacht vnde morgen
vorborgen;
yck dencke,
wo yck Marien schencke
eyn fr oe lyck yaer.

Daneben ein Holzschnitt mit der Heimsuchung Mariä.

Eine Octavseite.

Ein Exemplar von beiden in D. Dionysii Carthusiani in omnes beati Pauli epistolas commentaria, Cölln, 1533, auf der Marien=Bibliothek zu Rostock (Nr. 233) vorne neben einander eingeklebt.

Beide Gedichte sind von L. Dietz gedruckt.

16) Lateinische Gesänge und Gebete zum Weihnachtsf