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Jahrbücher

des

Vereins für meklenburgische Geschichte
und Alterthumskunde,

 

gegründet von                  fortgesetzt von
Geh. Archivrat Dr. Lisch. Geh. Archivrath Dr. Wigger.

 


 

Achtundsechszigster Jahrgang
herausgegeben
von
Geh. Archivrath Dr. H. Grotefend,
als 1. Sekretär des Vereins.

 


Mit Abbildungen und angehängtem Jahresberichte.

 

Auf Kosten des Vereins.

 

Schwerin, 1903.

Druck und Vertrieb der Bärensprungschen Hofbuchdruckerei.
Kommissionär: K. F. Koehler, Leipzig.

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Inhaltsanzeige.


Seite  
I. Die Herrschaft der Meklenburger in Schweden. Von Dr. Friedrich Oelgarte in Friedland 1-70  
II. Die Kirchenbücher in Meklenburg=Strelitz. Von R. Krieg, Amtsrichter in Schlieben 71-84  
III. Mecklenburg im dreißigjährigen Kriege. Von Geh. Oberfinanzrath Balck 85-106
IV. Der Güstrowsche Erbfolgestreit. Von Oberlehrer Dr. Richard Wagner. (Schluß) 107-176
V. Fanny Tarnow. Ein Lebensbild von Geh. Regierungsrath Dr. Carl Schröder 177-218
VI. Die Grenze des Bisthums Schwerin gegen Kammin. Von Ort zu Ort fortschreitend beschrieben von Geh. Archivrath Dr. Grotefend 219-266
VII. Das Amt der Fuhrleute zu Rostock. Von Postinspektor Karl Moeller in Frankfurt (Oder) 267-290
VIII. Die Sternschanze bei Kleinen. Von Archivar Dr. Friedrich Stuhr 291-296
Vignette
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I.

Die Herrschaft der Meklenburger in Schweden.

Von

Dr. Friedrich Oelgarte in Friedland.

~~~~~~~~~~~~

V ielfach hat man das Zeitalter der Staufer als den Höhepunkt in der Geschichte des deutschen Volkes betrachtet, die Zeit nach dem Untergange dieses edelen Geschlechtes dagegen, das spätere Mittelalter, als eine Zeit des Niederganges angesehen; und beides mit einigem Recht. Friedrich Barbarossa hatte durch seine zwar nicht immer siegreichen, aber stets ruhmreichen Kämpfe in Italien den deutschen Namen in ganz Europa und bis in den fernen Orient geachtet und gefürchtet gemacht. Heinrich VI. hatte die Politik seines Vaters mit solchem Erfolge weitergeführt, daß er auf dem Wege war, die alte römische Weltherrschaft, die Macht auch über den Osten zu erneuern. Friedrich II. hatte das durch Zwiespalt zerrüttete Reich wieder ausgerichtet, hatte in langjährigem Kampfe mit Erfolg sein Recht gegen die Anmaßungen der Hierarchie vertheidigt und war unbesiegt gestorben. So hat die Geschichte des Reiches unter den Staufern den Charakter eines heroischen Zeitalters, und mit Recht leben jene Männer, wenn auch das, was sie gewollt haben, nicht von Dauer gewesen ist, im Gedächtniß des deutschen Volkes fort. Wie ganz anders sieht die Geschichte der folgenden Jahrhunderte aus. Die Kaiser hatten, durch die schließliche Erfolglosigkeit des Strebens ihrer Vorgänger belehrt, deren Weltherrschaftspläne aufgegeben; aber ihre Politik im Inneren des Reiches war nicht kräftiger geworden. Es gelang ihnen nicht, die immer selbständiger werdenden Partikulargewalten zum Nutzen des Ganzen niederzuhalten. Vielmehr wurden sie selbst immer mehr und

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mehr zu Territorialherren, und ihre Politik wurde fortan nicht mehr durch den Nutzen und die Ehre des Reichs, sondern durch die Rücksicht auf den eigenen Vortheil und auf die Erweiterung ihres Erblandes bestimmt. Eine derartige eigennützige Politik des Reichsoberhauptes, seine Machtlosigkeit den Fürsten gegenüber war natürlich im Stande, den alten Ruhm zu verblassen, das Ansehen des Reiches schwinden zu lassen. Und in diesem Sinne kann man wohl von einem Niedergange reden.

Aber wie schon in der ruhmvollen Stauferzeit sich die Keime und Ursachen des späteren Verfalles entwickelt hatten, eben jene immer größer werdende Unabhängigkeit der Fürsten, so machten sich nun andrerseits in dieser Zeit des scheinbaren Niederganges Spuren einer gesunden, kräftigen Entwickelung bemerkbar. Jetzt wo die Kaiser ihre persönlichen Zwecke in den Vordergrund stellten, waren es nun jene Patikulargewalten, die Fürsten und Städte, namentlich die durch ihre Entfernung vom Kaiser fast unabhängigen im Norden, die den alten Ruhm deutscher Tüchtigkeit gegenüber den auswärtigen Nationen aufrecht erhielten. Würdig können sich die Unternehmungen der hansischen Kaufleute und der holsteinischen und meklenburgischen Fürsten in den skandinavischen Reichen den Kämpfen der Staufer in Italien an die Seite stellen.

Eine der kräftigsten Aeußerungen der deutschen Regsamkeit ist die, durch die die meklenburgischen Fürsten die Herren in Schweden wurden, und durch die dies Land über ein halbes Jahrhundert lang dem Einfluß deutscher Sitte und Kultur zugänglich wurde.

Ueber die Herrschaft der Meklenburger in Schweden ist allerdings schon vieles geschrieben worden. So die Geschichte der ganzen Periode in Th. Lindners "Geschichte des deutschen Reiches unter König Wenzel, Braunschweig 1875 und 1880"; Dietrich Schäfer hat in seiner Schrift "Die Hansastädte und König Waldemar von Dänemark, Jena 1879" die erste Zeit bis zum Jahre 1375 behandelt; Kr. Erslev kommt in seiner "Dronning Margrethe og Kalmarunionens Grundlaeggelse, Kopenhagen 1882" nur für die letzte Zeit in Betracht, ebenso wie Paul Girgensohn mit seiner Schrift "Die skandinavische Politik der Hansa, Upsala 1898"; Ernst Robert Daenell hat mit seiner "Geschichte der deutschen Hanse in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts, Leipzig 1897" dieselben Ereignisse behandelt, soweit sie mit in sein Thema gehörten; Carl Gustav Styffe giebt in der Einleitung zu seinem "Bidrag till Skandinaviens Historia ur utländska Arkiver, första delen, Stockholm 1859" einen Ueberblick zwar

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über die ganze Zeit, aber nur sehr kurz; desgleichen Hans Hildebrand "Sveriges Medeltid, Stockholm 1879"; und schließlich wäre noch von Peter Friedr. Suhms "Historie af Danmark, Kopenhagen" der 13. und 14. Band heranzuziehen. Stuffe und Erslev stehen aber mit ihren Sympathien zu sehr auf gegnerischer, d. h. national=schwedischer bezw. dänischer Seite, als daß es ihnen möglich gewesen wäre, bei der Schilderung des Handelns der ausländischen, deutschen Fürsten ganz unparteiisch zu bleiben. Daenell andererseits ist von vornherein zu sehr für die hansische, speziell lübische Politik eingenommen, so daß er da, wo sie mit der der Fürsten im Widerspruche steht, die letztere zuweilen etwas unbillig beurtheilt. Demnach mangelt es zur Zeit noch an einer Arbeit, die einerseits ein gründliches, vollständiges Bild dieser interessanten Episode giebt, und andrerseits auf Grund einer, soweit dies möglich ist, unbefangenen Würdigung der Quellen eine gerechtere Beurtheilung der handelnden Personen gestattet. Deshalb dürfte die vorliegende Arbeit, die den angedeuteten Zweck verfolgen soll, nicht ganz überflüssig sein.

Als Quellen dieser Arbeit sind namentlich die benutzt, die die meiste Gewähr der Zuverlässigkeit bieten, die gleichzeitigen Urkunden, wie sie in dem Meklenburgischen Urkundenbuch (Band IV-VI u. XIII-XX), in der Sammlung der Hanserezesse (B. I-IV), in der Urkundensammlung der schleswig=holstein=lauenburgischen Gesellschaft für vaterländische Geschichte (II. B.), im Archiv für Staats= und Kirchengeschichte der Herzogthümer Schleswig, Holstein, Lauenburg von Michelsen und Asmussen (II.), im Lübecker Urkundenbuch (III. B.), im Urkundenbuch zur Geschichte der Herzöge von Braunschweig und Lüneburg von Sudendorf (III-V), in Bunges Liv=, Esth= und Kurländischem Urkundenbuch (U. B.), im Diplomatarium Norwegicum (I, II, III, V) und in Rydbergs "Sverges traktater med främmande magter" (II. B.), sowie in dem bereits genannten Werk von Styffe (B. I) aufgeführt sind. Daneben sind aber auch stets des Vergleichs halber die Werke der mehr oder minder gleichzeitigen Geschichtsschreiber herangezogen worden; ausschließlich sind dieselben nur da benutzt worden, wo die besten Quellen, die Urkunden, schien. Die wichtigsten der benutzten Chroniken und Annalen sind folgende: Das Werk des Franziskanerlesemeisters im St. Katharinenkloster zu Lübeck Detmar, der im Jahre 1385 aus Verfügung des Rathes die seit Jahrzehnten nicht weitergeführte lübische Stadtchronik fortsetzte, also gleichzeitig lebte und für diese Ereignisse, in denen auch seine Vaterstadt Lübeck eine

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so wichtige Rolle spielte, wohl der zuverlässigste Chronist ist (das Werk ist neu herausgegeben von Karl Koppmann, zum Theil in "Die Chroniken der deutschen Städte, Band 19, Lübeck I, 1884, zum andern Theil ebenda Band 26, Lübeck II, 1899"; sodann des lübischen Dominikanerlesemeisters Hermann Korner Chronica novella (herausgegeben von Jakob Schwalm, Göttingen 1895). Korner hat nachweislich in den Jahren 1420-37 gelebt, kann also, wenn er auch nicht selbst Zeitgenosse der in Frage kommenden Ereignisse gewesen ist, doch noch Augen= und Ohrenzeugen derselben gekannt, und manche Nachricht von ihnen erfahren haben; für die Jahre 1361-64 hat er, wie er selbst angiebt, die sonst weiter nicht bekannte Chronik eines Magisters Eylart Schonevelt benutzt. Aus späterer Zeit ist die Chronik des Franziskaners und späteren Predigers und Pastors an der Kirche zu St. Petri in Lübeck Reimar Kock († 1569), der aber ältere Aufzeichnungen benutzt hat. Von schwedischen Chroniken kommen vor allem die Chronologia svecica ex codice minoritarum Wisbyensium, die (nach Girgensohn, Beilage V) für die Jahre 1389-1412 gleichzeitig verfaßt ist (in scriptores rerum svecicarum I, 1, S. 44); die ebenfalls ziemlich gleichzeitige chronica episcoporum Lundensium Nicolai archiepiscopi Lundensis (in Scr. rer. danicarum VI von J. Langebeck), die Omständelig berättelse (scr. rer. svec. I, 2), die zwar gleichzeitig entstanden, aber weil sie von einem während der Belagerung Stockholms durch die Deutschen unterdrückten Schweden verfaßt ist, nur mit Vorsicht benutzt, werden darf; weit später sind das vetus chronicon Sveciae prosaicon (scr. rer. svec. I, 1) um 1450 und das diarium fratrum minorum Stockholmensium (scr. rer. svec. I, 1) um 1480 und die Chronica regni Gothorum des Dekans und Professors der Theologie zu Upsala Erik Olai († 1486, 24. Dez.).

Die Svenska Chronica endlich des Olaus Petri, des berühmten schwedischen Reformators, ist zwar noch später nach den Ereignissen geschrieben (um 1534), geht aber zum Theil auf ältere Zeugnisse zurück, und ist deshalb wohl mit heranzuziehen.

Um zu verstehen, wie das kleine Meklenburg dazu gekommen ist, eine so bedeutsame Rolle in den nordischen Verhältnissen zu spielen, ist es nützlich, zunächst einen kurzen Ueberblick zu geben über die Zeit vor unserem Ereignisse, da sich in dieser die Fäden geknüpft haben, die nachher Meklenburg mit Schweden verbanden. Die Verbindung Meklenburgs mit dem Norden geht weit zurück. Wiederholt waren in den früheren Jahrhunderten Beziehungen theils freundlicher, theils feindlicher Natur zwischen dem Wenden=

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lande und den skandinavischen Reichen vorgekommen. Mit Schweden 1 ) zuerst kam in nähere Berührung Fürst Heinrich von Meklenburg, genannt der Löwe, zu Anfang des 14. Jahrhunderts. Im Jahre 1309 unternahm nämlich der dänische König Erich VI. Menved einen Kriegszug nach Schweden, um seinen Schwager, den von seinen Brüdern, den Herzögen Erich und Waldemar, vertriebenen Schwedenkönig Birger auf den Thron zurückzuführen. König Erich hatte schon längst Beziehungen zu Meklenburg 2 ), und so zog Fürst Heinrich als sein Bundesgenosse mit und zeichnete sich bei dieser Gelegenheit rühmlich aus. 3 ) Auch später blieb er in gutem Einvernehmen und Freundschaft mit Erich 4 ) und Birger 5 ) und wurde im Jahre 1313 sogar in den Streitigkeiten zwischen Birger und seinen Brüdern zum Schiedsrichter erwählt. Erich belehnte ihn zum Lohn für seine Dienste mit Stadt und Land Rostock, das seit 1300 unter dänischer Oberlehnshoheit stand. 6 ) Als dann aber 1317 der Schwedenkönig seine Brüder umbrachte und vor der Rache des darüber erbitterten Volkes nach Dänemark floh, nahm Heinrich an dem Versuche König Erichs, Birger abermals einzusetzen, nur lauen Antheil. Aus diesem Grunde wurde es ihm leicht, nach Birgers Tode sich dem neuen Könige von Schweden, Magnus, dem Sohn des einen der gemordeten Herzöge, zu nähern. Der Wunsch, an Schweden ein Gegengewicht gegen die erdrückende Uebermacht Dänemarks zu finden, war wohl der Grund, daß er die Partei seines alten Verbündeten und Lehnsherrn verließ. Auf einer Zusammenkunft zu Bahus wurde 1321 zwischen des jungen Königs Mutter Ingeborg und ihren Räthen einer=, und dem Fürsten Heinrich andererseits ein Schutz= und Trutzbündniß gegen Dänemark geschlossen, wo inzwischen auf Erich sein Bruder Christoph gefolgt war. 7 ) Heinrich versprach, den König im Besitze seiner beiden Kronen Schweden und Norwegen - als Tochtersohn des letzten norwegischen Königs Hakon war Magnus auch von den


1) Darüber s. bei Styffe I, S. 5 f.
2) 1300 hatte Fürst Nikolaus von Rostock, durch Brandenburg schwer bedrängt. sein Land als Lehen von Dänemark genommen. S. Meklenburgisches Urkunden=Buch (M. U.=B.) IV, 2643 und V, 2749. 2830.
3) Hanse=Recesse (H.=R.) I, S. 54; M. U.=B. V, 3405-3409.
4) M. U.=B. V, 3431. 3473. 3484. 3529. VI. 3617. 3846. 3652. 3736. 3777. 3835.
5) M. U.=B. VI, 3607. 3685.
6) Urk. vom 7. Januar 1317. M. U.=B. VI, 3871.
7) S. Styffe I, 2-6 (S. 1-10) und M. U.=B. VI, 4285-4288. 4294. 4295.
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Norwegern gewählt worden - zu schützen und 200 Mann Hülfstruppen zu stellen. Ebenso versprachen auch Heinrichs Verbündete, der Herzog von Sachsen und die Grafen von Holstein und Schwerin, im Falle eines dänischen Angriffes ihre Hülfe gegen denselben. Um den Bund noch enger zu knüpfen, wurde des jungen Königs Schwester Eufemia mit Heinrichs ältestem Sohne Albrecht verlobt. 1 ) 1329 starb Fürst Heinrich, und Albrecht folgte ihm, zunächst unter Vormundschaft, dann seit 1336 selbstständig.

Der neue Fürst war ein Mann von regsamer Thätigkeit und unternehmendem Geiste; sein Ziel war, sein Land und vor allem seine Familie groß zu machen. Von kleinen Anfängen ging er dabei aus; zuerst machte er sich sein eigenes Land durch Bezwingung seiner Adligen und Städte unterthänig. Infolge seiner freundschaftlichen Verbindung mit König Karl IV. erreichte er, daß 1348 sein Land Meklenburg zum Herzogthum erhoben wurde. Durch Erbschaft und Vertrag erwarb er 1359 die Grafschaft Schwerin. Vor allem aber gab ihm seine Verbindung mit Eufemia von Schweden, die im Jahre 1336 vollzogen war, die erwünschte Gelegenheit, in den nordischen Händeln eine Rolle zu spielen. In der ersten Zeit stand sich Albrecht gut mit seinem Schwager Magnus, und noch 1354 schlossen sie einen Vertrag ab, der eine ewige Freundschaft zwischen ihnen zu sichern schien. 2 )

Aber seit dem Jahre 1356 begann das gute Verhältniß sich zu ändern. Magnus hatte, herangewachsen, die von den Schweden auf ihn gesetzten Hoffnungen nicht gerechtfertigt, sondern sich als schwach und unfähig erwiesen und sich der Leitung unwürdiger Günstlinge überlassen. Seine Unterthanen, an der Spitze die Reichsräthe, hatten ihn deshalb 1350 gezwungen, für Schweden seinen älteren Sohn Erich (XII.), für Norwegen den jüngeren Hakon (VIII.) als Mitregenten anzunehmen. Als ersterer im Jahre 1356 einen Aufstand machte, um den Einfluß von des Königs unwürdigem Günstling Bengt Algotsson zu brechen, da unterstützten ihn nicht nur König Waldemar von Dänemark, sondern auch Herzog Albrecht. 3 ) Als es dann aber infolge von Waldemars zweideutigem Verhalten zwischen Magnus und seinem Sohne zu einer Aussöhnung kam, hatte Albrecht zwar auf Seiten


1) S. Styffe 2 (S. 2 f.) und M. U.=B. VI, 4285.
2) Styffe I, 15; H.=R. I, 173.
3) Styffe 17 (S. 25), 18 (S. 28); Regesta Danica, 2409. M. U.=B. XIII, 8164.
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der Schweden gestanden, 1 ) dann sich aber bei den Friedensverhandlungen, wobei Waldemar schonen gewann, von diesem auf seine Seite ziehen lassen. 2 ) Daß eine derartige, wechselnde Stellungnahme Albrechts durch eine Politik bedingt war, die nur den eigenen Vortheil im Auge hatte, ist ohne weiteres klar, und ebenso daß sein Verhältniß zu Magnus dadurch ein gespanntes wurde. Doch mag auch des Schwedenkönigs eigene Unwürdigkeit dazu beigetragen haben, daß allmählich eine völlige Entfremdung zwischen den beiden Schwägern entstand, so daß endlich Albrecht, als Ereignisse in Schweden eintraten, die den Thron des Magnus wankend machten, kein Bedenken mehr trug, selbst den Sturz desselben mit herbeizuführen. Diese Ereignisse knüpften an an das Verhältniß des Schwedenkönigs zu Waldemar von Dänemark und an die Eroberung Schonens durch den Letzteren.

Magnus hatte derselben einen so geringen Widerstand entgegengesetzt, so daß seine Unterthanen von Verrath sprechen konnten: er habe absichtlich dem Dänenkönige Schonen preisgegeben, um an ihm dafür eine Stütze gegen seine eigenen Unterthanen zu haben. Die Verlobung seines Sohnes Hakon mit Waldemars Tochter Margareta schien diesen Verdacht zu bestätigen. 3 ) Aber die Großen des Reiches waren mit dieser Verbindung nicht einverstanden und zwangen Hakon, dieselbe wieder zu lösen und sich Anfang 1361 mit Elisabeth, der Schwester der holsteinschen Grafen Heinrich und Klaus, der ärgsten Feinde Waldemars, zu verloben.

Der schwache Magnus mußte diesem Schritte seine Zustimmung geben und noch dazu unter den demüthigendsten Bedingungen: wenn diese Heirath aus irgend einem Grunde nicht zu Stande käme, so sollten die Großen berechtigt sein, vom Könige abzufallen und sich den Grafen zuzuwenden und ihnen gegen den König behülflich zu sein. 4 ) Was die schwedischen Großen zu diesem eigenthümlichen Verhalten bewogen hat, ist nicht so ganz klar; sicherlich thaten sie zum Theil diesen Schritt aus gutem Patriotismus, indem sie bei Waldemars bekannter


1) Styffe I, 23 (S. 39) vom 17. August 1359; M. U.=B. XIV, 8307. 8334. 8444.
2) Rudloff: Pragmatisches Handbuch der meklenburg. Geschichte II, S. 447 und M. U.=B. XIV, 8775, 10. August 1360 vor Helsingborg.
3) 1358. Archiv für Staats= und Kirchengeschichte der Herzogthümer Schleswig, Holstein, Lauenburg von Michelsen und Asmussen II, 221.
4) Urkundensammlung der schleswig=holstein=lauenburgischen Gesellschaft für vaterländische Geschichte II, S. 242, vom 29. Juni 1361.
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selbstsüchtiger Politik für Schweden kein Heil in der Verbindung mit demselben sahen, und indem sie seine offene Feindschaft für erträglicher hielten, als seine Freundschaft. Aber es fragt sich, wieweit dieser Patriotismus in eigennützigen Motiven seinen Ursprung gehabt hat; daß die Großen ihre eigenen Zwecke, Standesinteressen hatten, wird sich später ergeben. Während der langen schwachen Regierung des Magnus hatten sie sich eine Anzahl Rechte erworben, die ihnen eine gewisse Selbstständigkeit und Macht gaben; und nun fürchteten sie wohl, daß Magnus, auf Waldemar gestützt und nach dessen Vorbild, ihnen dieselben wieder nehmen und sie in ihre frühere Stellung zurückdrücken würde. Zunächst sollten die Großen in ihrem Bestreben, Waldemar von Magnus zu trennen, Erfolg haben. Ersterer konnte sich die ihm zugefügte Kränkung natürlich nicht gefallen lassen; seine Antwort war Krieg. Bei der Schwäche der Reiche Schweden und Norwegen konnte er hoffen, nicht nur sein Ansehen durch denselben wieder herzustellen, sondern auch wo möglich noch eine Vergrößerung seines Reiches zu erlangen. Es ist hier nicht die Aufgabe, diesen Krieg vom Jahre 1361 zu schildern, wie Waldemar die Inseln Oeland und Gotland wegnahm, 1 ) wie er dabei durch die Einnahme und Plünderung der alten Hansestadt Wisby mit den anderen Hansen in Konflikt kam, die mit den beiden nordischen Königen nun eine Bündniß schlossen, 2 ) wie er dann im Sommer 1362 den Hansen vor Helsingborg eine beträchtliche Niederlage beibrachte, 3 ) die dann am 6. November 1362 einen 14monatlichen Waffenstillstand zur Folge hatte. 4 ) Meklenburg hatte an diesem ganzen Kriege nicht Theil genommen, vielleicht wegen der doppelten Verwandtschaft mit Dänemark und Schweden - Albrechts ältester Sohn Heinrich war 1350 mit Waldemars ältester Tochter Ingeborg verheirathet - oder auch weil Herzog Albrecht jetzt in einem Kriege auf Seiten des Magnus keinen Vortheil für sich sah, gegen Magnus für Waldemar aber nicht eingreifen wollte wegen seiner stetig guten Beziehungen zu den Städten. 5 ) Hatte Waldemar durch den Krieg sein eines Ziel, die Erweiterung seines Reiches durch Oeland und Gotland


1) S. Suhm, Historie af Danmark, Band XIII, S. 444.
2) H.=R. I, 260-264, Lübecker Urkundenbuch (Lü. U.) III, 410. M. U.=B. XV, 8936.
3) Detmar=Chronik in "Die Chroniken der deutschen Städte," B. 19, Lübeck, S. 534.
4) H.=R. I, 277-279.
5) Detmar S. 564.
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erreicht, so war ihm während des Waffenstillstandes ein günstiges Schicksal behülflich, auch zu seinem zweiten Ziele zu kommen, nämlich die durch die Lösung des Verlöbnisses mit Hakon verletzte Ehre seiner Tochter wiederherzustellen. Ende 1362 schickten nämlich die holsteinschen Grafen ihre Schwester Elisabeth über Meer, um die Heirath derselben mit Hakon zu vollziehen. 1 ) Ein heftiges Unwetter aber trieb ihr Schiff ans Land, in das Gebiet des Erzbischofs Nikolaus von Lund, eines eifrigen Dänenfreundes, der die Gräfin sofort gefangen setzte, um wie er sagte, das Zustandekommen eines frevelhaften 2 ) Ehebündnisses zu verhindern. Diesen Umstand benutzte Waldemar, die schwankend gewordenen nordischen Könige wieder zu sich herüberzuziehen. Hakon ließ sich bereden, die alte Verbindung wieder aufzunehmen, und am 9. April 1363 heirathete er Waldemars Tochter Margareta. Elisabeth wurde nun, als ungefährlich, freigelassen und ging nachher in ein Kloster. 3 ) Nun hatten aber Magnus und Hakon den Vertrag mit den holsteinischen Grafen und mit ihren eignen Großen vom 29. Juni 1361 gebrochen, und die letzteren waren also, mochte der Vertrag auch erzwungen sein, dem Wortlaut desselben gemäß befugt, sich vom Könige Magnus ab und den Grafen von Holstein zuzuwenden. Hakon hatte sich leicht von Waldemar überreden lassen, die Verlobung mit der holsteinischen Gräfin zu brechen. Ihr Schicksal mag ihm recht erwünscht gekommen sein, 4 ) denn es scheint ja erklärlich, daß er lieber die freiwillig eingegangene Verbindung mit Margareta, als die ihm aufgezwungene mit Elisabeth vollziehen mochte. Aber wenn man bedenkt, daß ihm dieser Schritt ja vielleicht sein schwedisches Erbe kosten konnte, so kommt man unwillkürlich auf den Gedanken, ihm noch einen triftigeren Grund unterzulegen: Vielleicht hoffte er, da Waldemars einziger Sohn Christoph von einer unheil=


1) Archiv f. Staats= und Kirchengesch. d. Hz. Schl.=Holst.= Lbg. v. Michelsen u. Asmussen II, 226.
2) Denn die Verlobung mit Margareta war ja thatsächlich nicht ungültig.
3) Detmar S. 532.
4) Daß Magnus selbst die Nachricht von der Reise der Gräfin an Waldemar gesandt und ihn um ihre Gefangennahme gebeten habe, wie Olaus Petri in seiner Svenska Chronika (in Scriptores rerum svecicarum I, 2, S. 271, ed. Er. Mich. Fant.) berichtet, ist wohl übertrieben; Magnus war zu einem so entscheidenden Schritte viel zu schwach und wankelmüthig. Die Chronik ist auch viel zu lange nach den Ereignissen geschrieben (1534), als baß sie über Einzelheiten so genau hätte unterrichtet sein können.
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baren Krankheit befallen war, 1 ) nach dessen Tode auch Erbe des dänischen Reiches zu werden und dies einst mit seinen Reichen vereinigen zu können. Vielleicht erwartete er andererseits auch nicht, daß die Schweden wirklich von ihm abfallen würden. Doch in dieser Annahme sollte er sich getäuscht haben. Den schwedischen Großen war die beste Gelegenheit geboten, sich ihres elenden Königs zu entledigen und einen ihnen genehmen an seine Stelle zu setzen, und sie dachten nicht daran, diese Gelegenheit ungenutzt vorübergehen zu lassen. Sie fuhren hinüber nach Holstein - so berichtet uns die Chronik des Magisters Eilart Schonevelt 2 ) - und boten dem Grafen Heinrich die schwedische Krone an. Aber vielleicht war dieser mit den Bedingungen, die ihm die Großen stellten, nicht einverstanden, oder es schien ihm das ganze Unternehmen, sich die Krone erst erobern zu müssen, zu unsicher, 3 ) kurz, er lehnte für seine Person ab. Dafür wies er die Gesandten an den Herzog Albrecht von Meklenburg, dessen Söhne Heinrich, Albrecht und Magnus, als Söhne der Eufemia von Schweden schon ein gewisses Erbrecht auf die schwedische Krone hatten; unter diesen sollten sie sich einen wählen. Etwas abweichend erzählt diese Vorgänge die Chronologia svecica ex codice minoritarum Wisbyensium ab anno 815 ad annum 1412 4 ): Magnus habe die ihm feindlichen Großen vertrieben, diese seien nach Gotland gegangen und hätten dort den Winter 1362 auf 1363 zugebracht, und seien dann nach Wismar zum Herzog Albrecht gegangen. Beide Nachrichten lassen sich aber vereinigen, wie es schon Styffe 5 ) gethan hat. Von Albrechts Söhnen aber war der älteste, Heinrich, als Schwiegersohn Waldemars von Dänemark ebenso wie Hakon eventueller Erbe des dänischen Thrones, und als solcher ebenso wie dieser den Schweden nicht genehm. Auch mochte er den Großen wegen seiner Charaktereigenschaften, 6 ) die eine gewisse Härte und Strenge erkennen ließen, nicht passen. Deshalb wählten die schwedischen Gesandten, - es waren der königliche


1) H.=R. I, S. 199.
2) Im Auszug bei Hermann Korner in Script. rer. svec. III, 1, 207; M. U.=B. XV, 9237.
3) Styffe I, S. XXXVI.
4) In Scriptor. rer. svec. I, 1, S. 44.
5) Styffe I, S. XXXIII f., abgesehen von Ungenauigkeiten, die beide enthalten; s. D. Schäfer, S. 403 a 1.
6) Heinrich bewies später gegen adlige Straßenräuber, die er oft mit eigner Hand aufgeknüpft haben soll, eine derartige Strenge, daß er davon den Beinamen "der Henker (Suspensor)" erhielt. (Detmar S. 578.)
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Erzkämmerer Bischof Nicolaus von Linköping, Bischof Thomas von Wexiö, der Reichstruchseß Niklis Thuresson, der Marschall Karl Ulfsson von Toften und die Ritter Karl Ulfsson von Ulfasa, Bo(ethius) Jonsson, Erik Karlsson, Bengt Philippsson und andere 1 ) - unter den Söhnen des Herzogs den zweiten, Albrecht mit Namen. Der Herzog Albrecht nahm die Wahl für seinen Sohn an. Der junge Albrecht war etwa 1338 geboren und ums Jahr 1352 mit Richardis, der Tochter und Erbin des Grafen Otto von Schwerin verheirathet worden, welche Verbindung im Jahre 1359 den Anfall der Grafschaft Schwerin an Meklenburg zur Folge hatte. Jetzt 1363, etwa 25 Jahre alt, mochte er den Schweden als der geeignete Mann für ihren Thron erscheinen.

Zunächst war es für die Meklenburger erforderlich, die Nachbarmächte für das Unternehmen freundlich zu stimmen und wo möglich, ihre Unterstützung dabei zu erlangen. Die Grafen von Holstein, die ja die ganze Sache angeregt hatten, und denen daran gelegen sein mußte, ihre Schwester zu rächen, ließen sich leicht gewinnen. Am 25. Juli 1363 schlossen die Herzöge mit ihnen einen Vertrag, 2 ) Graf Heinrich versprach, ihnen das schon lange in seinem Besitz befindliche Schloß Kalmar in der schwedischen Provinz Smaland zu öffnen, wofür sie ihn dann entschädigen wollten. Um sich in der Heimath zu sichern, hatten sie schon am 11. Juli ein Landfriedensbündniß 3 ) auf 5 Jahre mit den Fürsten Lorenz und Johann von Werle geschlossen, und am 18. Oktober versöhnten sie sich mit Bernhard von Werle, 4 ) mit dem sie kleinere Streitigkeiten gehabt hatten, letzterer versprach dabei sogar Truppen zu überseeischem Kriegszuge zu stellen. Auch mit den Hansen war bereits über ein Bündniß verhandelt worden, 5 ) aber infolge der zu weit gehenden Forderungen der Städte hatte sich die Sache zerschlagen. Trotzdem aber standen sie dem Unternehmen nicht feindlich gegenüber, sondern beobachteten die Entwickelung mit Interesse. Denn verschiedentlich hatten sie früher über das Verhalten des Magnus ihnen gegenüber zu klagen gehabt, 6 ) von dem Sohne des Städtefreundlichen Herzogs Albrecht dagegen konnten sie ein gefälligeres Verhalten erwarten.


1) S. bei Eilart Schonevelt und script. rer. svec. I, 1, S. 44.
2) M. U.=B. XV, 9182.
3) M. U.=B. XV, 9173 u. 9174.
4) M. U.=B. XV, 9207.
5) M U.=B. XV, 9164.
6) H.=R. II, 1.
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So sandten denn auch später die Fürsten den Städten wiederholt Meldungen von ihren Fortschritten in Schweden und baten andererseits um Nachrichten aus Deutschland. 1 )

Anfang November 2 ) 1363 segelte nun Herzog Albrecht mit seinem Sohne und einer beträchtlichen Truppenzahl, vom Grafen Heinrich, dem Fürsten Lorenz von Werle und dem Grafen Günther von Ruppin begleitet, von der Warnowmündung ab, hinüber nach Schweden. Man landete zunächst in Kalmar, das dem Grafen Heinrich gehörte, der es nun den Meklenburgern übergab. Dann zog man zu Lande weiter nach der Hauptstadt Stockholm, die, von einer starken, einflußreichen deutschen Bevölkerung bewohnt, schon am St. Andreastage (dem 30. November) dem jungen Albrecht als ihrem Herrn huldigte. 3 ) Die nun folgenden 2 1/2 Monate brachte man mit Verhandlungen hin; endlich am Sonntag Reminiscere (18. Februar) des folgenden Jahres 1364 traten zu Upsala die Großen des Reiches zusammen. 4 ) Hier brachten sie ihre Anklagen gegen König Magnus, der natürlich nicht erschienen war, vor: Er habe 5 ) ein sittenloses Leben geführt, den päpstlichen Bann mißachtet, seine Eide verletzt, ungesetzliche Abgaben angeordnet, den Verlust von Schonen, Halland, Oeland und Gotland herbeigeführt und sich mit Waldemar von Dänemark zum Schaden des Reiches verbunden. Deshalb erklärten sie ihn für abgesetzt und statt seiner den jungen Albrecht von Meklenburg zu ihrem Könige; auf dem Morastein bei Upsala fand nach alter Sitte die feierliche Inthronisation statt. 6 )

Die Ansicht Styffes, 7 ) daß das Unternehmen eine verrätherische Ueberrumpelung ohne Kriegserklärung der deutschen Mächte, und ohne Aufkündigung von Treue und Gehorsam von Seiten der schwedischen Großen gewesen sei, hat schon Dietrich Schäfer 8 ) mit Recht zurückgewiesen: wenn uns auch von einer Kriegs=


1) M. U.=B. XV, 9249, 9251 und H.=R. I, 322. 323.
2) Hermann Korner nach Mag. Eilart Schonevelt S. 207 f. In dem Bericht desselben: "exeuntes Waniowe fluvium in navibus solennibus in profesto sancti Martini primum Calmarniae applicuerunt" ist nach H.=R. I, 327 a 8 das Datum, 10. November, auf die Ankunft in Kalmar zu beziehen; die Abfahrt muß also schon Anfang November angetreten sein.
3) Styffe I, 27 und M. U.=B. XV, 9215.
4) cf. M. U.=B. XV, 9237.
5) Olaus Petri: Svenska Chronika in script. rer. svec. I. 2, S. 272.
6) H.=R. I, 323.
7) Styffe I, S. XXXVI.
8) D. Schäfer S. 405 a 2.
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erklärung und einer Aufkündigung des Gehorsams nichts berichtet wird, so steht doch darum noch nicht fest, daß dieselben nicht stattgefunden haben. Und selbst angenommen diesen letzteren Fall, so kannten Magnus und Hakon ihre Großen doch wohl hinreichend, um zu wissen, daß sich diese an die Abmachungen des Vertrages vom 29. Juni 1361 halten und zum Grafen Heinrich hinübergehen würden, und daß dieser, um seine Schwester zu rächen, einen Kriegszug nach Schweden unternehmen würde. Von einer Ueberrumpelung kann also keine Rede sein, und ebensowenig von Verrath, da nach dem genannten Vertrage die Großen zu ihrem Vorgehen ja berechtigt waren. Was aber die Absetzung des Magnus betrifft, so ist hier natürlich nicht am Platze, zu erörtern, inwiefern und ob dieselbe berechtigt war; aber wenn je, so lag in diesem Falle die Beseitigung des Königs im Interesse des Reichs, und mit Recht hatten die Großen erkannt, daß in einer Verbindung mit Dänemark für Schweden kein Heil liegen konnte.

Magnus und Hakon ließen sich die Absetzung natürlich nicht ohne Weiteres gefallen, erkannten sie nicht an, und die Waffen mußten also den entscheidenden Ausschlag geben. Zunächst unterwarf sich leicht und gern das südliche Schweden dem Könige Albrecht: Mitte März bereits war das ganze Land bis auf zwei Schlösser (Warburg und Svanholm) im Besitz der Meklenburger und Holsteiner, Magnus und Hakon waren geflohen. 1 ) Da mochten sie denn wohl, angesichts dieser Thatsachen, zunächst an ihrem Kriegsglück verzweifeln, denn am 24. April (St. Markusabend) 1364 2 ) schloß in ihrem Namen der Ritter Feller Pyk mit den Gegnern einen Waffenstillstand ab, der bis zum Sonntag über drei Wochen, dem 19. Mai, dauern sollte. 3 ) Dann fand Ende Juli 4 ) eine Zusammenkunft der beiden Könige Albrecht und Magnus, sowie der anderen Fürsten und der beiderseitigen Anhänger zu Jönköping statt; 5 ) hier einigte man sich, Albrecht sollte über ganz Schweden König sein mit Ausnahme von Westgotland, dieses sollte Magnus mit Beibehaltung des Königtitels 6 ) auf Lebenszeit besitzen; weil aber Hakon, der nicht mit anwesend


1) M. U.=B. XV, 9249. 9251.
2) Nicht 24. März, wie bei D. Schäfer S. 406.
3) M. U.=B. XV, 9263 und Styffe I, 28.
4) Am 22. und 26. Juli ist König Albrecht in Jönköping, s. M. U.=B. XV, 9286. 9287.
5) Herrn. Korner S. 207 f.
6) In der Urk. M. U.=B. XV, 9287 nennt Albrecht ihn König.
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war, seine Zustimmung nicht geben konnte. So wurde eine Zusammenkunft auch mit diesem für den folgenden Sommer verabredet und der Waffenstillstand bis dahin verlängert.

Da nun das Unternehmen bis hierher gesichert erschien, so konnte König Albrecht, nachdem er seine Helfer belohnt hatte - Graf Heinrich erhielt die Insel Gotland verpfändet 1 ) - daran denken, sich auch die zu Schweden gehörenden östlichen Nebenländer unterthänig zu machen. So ging er im Herbst 2 ) des Jahres (1364) hinüber nach Finnland. Hier suchte Narve Ingwaldsson die Sache des Königs Magnus aufrecht zu erhalten. Er hatte vorher sogar einen Bund mit den livländischen Städten (Revah gegen die Anhänger der Meklenburger einzugehen versucht. 3 ) Nun mußte ihn König Albrecht in dem festen Schloß Abo belagern. Aber bis in die Mitte des folgenden Jahres 4 ) hielt sich dasselbe, und einer der treuesten Anhänger des Königs, Niklis Thuresson, fiel bei der Belagerung. Aber endlich mußte sich Narve Ingwaldsson doch ergeben und damit war der Widerstand Finnlands im Wesentlichen gebrochen.

Bevor der König noch nach dem eigentlichen Schweden zurückgekehrt war, geschah dort etwas, was die Entscheidung herbeiführte. Albrecht war abwesend in Finnland, seine Helfer, die deutschen Fürsten, nach Hause zurückgekehrt. 5 ) Da glaubten Magnus und Hakon, es sei die günstigste Gelegenheit, sich ihr Reich wieder zu erkämpfen. Sie brachen den Vertrag von Jönköping und den Waffenstillstand; mit einem norwegischen Heere rückten sie in Westermannland ein und gelangten bis nach Westeras am Mälarsee. Zu Arboga forderten sie in einem Aufruf vom 27. Februar 1365 den Erzbischof von Upsala, sowie die ganze Ritterschaft und Geistlichkeit des Erzbisthums, als ihre rechtmäßigen Herren zum Beistand gegen den fremden Usurpator auf. 6 ) Aber sie hatten vergessen, wie verhaßt sie sich bei ihren


1) M. U.=B. XV 9288.
2) Seit dem 6. October 1364 sind Briefe Albrechts datirt aus dem Lager vor der Feste Abo, s. Styffe I, S. XXXIX Anm. ††. Chronologia sv. ex cod. min. Wisb , S. 45.
3) Bunge, Liv-, Esth- und Kurländisches Urkundenbuch 11, 1006.
4) Bis zum 26. Juni sind Briefe Albrechts aus dem Lager vor Abo datirt Styffe I, XXXIX a ††.
5) Am 1. Febr. 1365 giebt Waldemar dem Herzog Albrecht einen Geleitsbrief zur Ueberkunft nach Jütland. M. U.=B. XV, 9324. Am 24. Febr. ist Albrecht wieder in Schwerin, ebd. 9329.
6) Svenska Riksarchivet Pergamentbref I, 647. cf. M. U.=B. XV, 9330.
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ehemaligen Unterthanen gemacht hatten; ihr Aufruf blieb ohne Erfolg. Vielmehr regten sich nun auch die Anhänger König Albrechts. 1 ) Sie rückten, an der Spitze die deutsche Bürgerschaft von Stockholm, den Königen entgegen, ihrem abwesenden Herrn getreu. Bei Enköpina am Mälarsee trafen sich am 3. März die feindlichen Heere. Die beiden Könige hatten nicht ihre ganze Truppenzahl beisammen; sie wurden vollständig geschlagen, Magnus gerieth selbst in Gefangenschaft, Hakon entkam noch mit genauer Noth und ging nach Norwegen zurück.

So schien, als König Albrecht nach dem 26. Juni aus Finnland zurückkehrte, die Herrschaft ihm gesichert: Schweden war ihm unterthänig bis auf Westergotland, und auch mit diesem wurden Verhandlungen angeknüpft, 2 ) Finnland war unterworfen, seine neuen Unterthanen hatten treu zu ihm gestanden, seine Gegner waren unschädlich gemacht, Magnus saß gefangen in Stockholm, Hakon war geflohen. - Da erschien ein neuer Gegner auf dem Kampfplatze: König Waldemar von Dänemark. Waldemar stand seit dem Jahre 1360 (s. o. S. 7) 3 ) mit den Meklenburgischen Fürsten in bestem Einvernehmen. Seit aber Hakon 1363 seine Tochter Margareta geheirathet hatte (s. o. S. 9), stand er sich auch mit den nordischen Königen gut. Als diese nun mit Meklenburg in Konflikt kamen, da war es für ihn die Frage, welcher von beiden Parteien er sich anschließen sollte. Mit beiden war er verschwägert; aber es war klar, daß ein Charakter, wie der seinige, sich nicht durch Rücksicht auf Verwandtschaft bestimmen lassen, sondern daß sein persönlicher Nutzen für seine Haltung entscheidend sein würde. So verhielt er sich denn zunächst abwartend, neutral. Sicher beabsichtigte er schon damals dem beizuspringen, der ihm am meisten bieten würde. So knüpfte er bereits, als die Sache noch nicht entschieden war, mit Herzog Albrecht Verhandlungen an. 4 ) Wahrscheinlich verlangte er damals als Lohn für seine Hülfe, oder auch nur für die Nichtunterstützung Magnus' und Hakons, die Abtretung von Theilen Schwedens. Aber die Sache zerschlug sich; man konnte sich wohl über den Preis, den er begehrte, nicht einig werden. Als nun König Albrecht nach dem Siege bei Enköping auf dem Gipfel seiner Macht stand, konnte


1) Chronologica sv. ex cod. min. Wisb. S. 45 und Ol. Petri Sv. Chr. S. 373.
2) M. U.=B. XV, 9426 (S. 560) und Styffe I, 36 (S. 80).
3) M. U.=B. XIV. 8775.
4) M. U.=B. XV, 9324.
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Waldemar natürlich von ihm für sich noch weniger erwarten, und so war es klar, daß er sich nach der gegnerischen Seite hinneigen würde. Da erschien Hakon bei seinem Schwiegervater und bat ihn um Hülfe gegen Albrecht, 1 ) und Waldemar war dazu gleich bereit. Zunächst beeilte er sich, mit seinen sonstigen Gegnern endgültig abzuschließen. Mit den Hansen war bereits am 21. Juni 1364 der Waffenstillstand von 1362 auf vier Jahre verlängert worden; 2 ) jetzt kam am 30. September 1365 ein Friede mit ihnen zu Stande. 3 ) Ebenso hatte er am 7. Juli desselben Jahres mit den Grafen von Holstein zu Kolding Frieden gemacht. 4 ) Nun hatte er freie Hand, in die schwedischen Verhältnisse einzugreifen, und am Anfang des folgenden Jahres 1366 fiel er mit Hakon in Schweden ein. Wir erfahren über diesen ganzen Krieg nur aus den Friedensverhandlungen, die nachher zu Ende Juli stattfanden. Aus ihnen geht namentlich hervor, daß Waldemar um Pfingsten (24. Mai 1366) nicht unbedeutende Vortheile errungen hatte, mehrere Schlösser waren erobert, kurz Albrecht scheint den Krieg ohne rechtes Glück geführt zu haben. Um dieselbe Zeit gelang es Hakon, die Insel Oeland mit der Feste Borgholm in seinen Besitz zu bekommen. Dieselbe war einst, 5 ) zur Zeit des Krieges mit Waldemar, von Magnus an die Städte verpfändet worden. Nun ließ sich der städtische Kommandant Friedrich Suderland, ein Rostocker, unvorsichtiger oder verrätherischer Weise bereden, sie an Hakon zu übergeben. 6 ) Angesichts der Verlegenheit seines Sohnes griff nun der alte Herzog Albrecht wieder ein und schloß am 28. Juli in Alholm auf der Insel Laaland einen Vertrag mit Waldemar. 7 ) Dieser sollte Theile der schwedischen Provinzen Westergotland und Smaland (die Landschaften Kind, Mark, Finweden und Wärend) erhalten, dazu die Insel Gotland mit Wisby, die halbe Insel Hysing, und endlich alle Schlösser, die er um Pfingsten in Besitz gehabt hatte. Dafür war er bereit, das übrige Reich Albrecht und seinen Nachkommen zu garantiren und es sogar gegen Hakon zu schützen, während König Albrecht Magnus nicht frei=


1) Am 8. und 25. Juni 1365 findet sich Hakon zu Aalborg bei Waldemar cf. Diplomatarium Norwegicum I, 386 und II, 265.
2) H.=R. I, 333. 336-338.
3) H.=R. I. 369. 370 u. M. U.=B. XV, 9398.
4) M. U.=B. XV, 9377.
5) Am 28. September 1362. M. U.=B. XV, 9092.
6) H.=R. I. 388. Lü. U. III, 604. 608.
7) M. U.=B. XVI, 9513; Schlesw.-Holst.-Lauenb. Urkslg. II, 275; Styffe I, 31.
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geben und mit Hakon keinen Frieden schließen sollte, wenn beide diesen Vertrag nicht anerkennen wollten. Zu Lichtmeß (2. Februar) des anderen Jahres sollte dann bei Kalmar eine Zusammenkunft zwischen König Waldemar und König Albrecht stattfinden, und beide sollten dann mit ihren Reichsräthen den Vertrag bestätigen. Nachdem König Albrecht schon im September des Jahres durch seine Gesandten Raven Barnekow, der sein Hauptmann zu Nyköping war, und Bo Jonsson Unterhandlungen mit Waldemar angeknüpft hatte, 1 ) fand wohl am 2. Februar 1367 die verabredete Zusammenkunft der beiden Könige statt; wenigstens scheint das daraus hervorzugehen, daß König Albrecht mit seinem Vater, dem Herzog, der wieder hinüber nach Schweden gekommen war, sich um jene Zeit in Kalmar aufhielt. 2 ) Jedenfalls aber sind die erwünschten Folgen ausgeblieben. Wie wir aus den Ereignissen der Folgezeit erkennen können, bestand kein Friede zwischen Waldemar und Albrecht; der Letztere hatte also den Vertrag nicht anerkannt. Sein Grund dazu war offenbar folgender gewesen: Herzog Albrecht hatte die Abmachungen mit dem Dänenkönige wohl im Interesse seines Sohnes, aber nicht im Interesse des Reiches Schweden getroffen. Die Reichsräthe, seine Großen, konnten es nicht zugeben, daß ihr König, nur um mit Waldemar Freundschaft und Frieden zu haben, unbesiegt Theile schwedischen Landes abtrete, besser mußte ihnen Waldemars Feindschaft, der Fortgang des Krieges erscheinen, der doch immerhin die Möglichkeit des Sieges und der Wiedererwerbung des verlorenen Landes bot. Hätte nun der König wider den Willen seiner Großen den Vertrag anerkannt und die Abtretungen zugegeben, so hätte er sich den Unwillen des ganzen schwedischen Volkes zugezogen. Sein eigener Thron wäre wankend geworden, und Waldemars zweifelhafte Freundschaft hätte ihm ebenso wenig genützt, wie einst dem Könige Magnus. So hatte offenbar König Albrecht bei sich erwogen und deshalb den Vertrag abgelehnt.

Die Folge war natürlich, daß der Krieg seinen Fortgang nahm. Und König Albrecht wurde jetzt von seinen Großen auf das Trefflichste unterstützt. Er hatte sich in dieser Angelegenheit so benommen, wie sie es von ihm hatten erwarten müssen, indem er nämlich ihr und des Reiches Interesse gegen Waldemars Ränke und gegen den eigenen Vortheil gewahrt hatte. In Anerkennung dessen waren nun die Großen zu den außerordentlichsten Opfern


1) Diplomatarium Norw. III, 351.
2) M. U.=B. XVI, 9601.
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bereit. So verpflichteten sich am 2. Mai 1367 1 ) die Ritter Karl Ulfsson von Ulfasa und Erik Karlsson freiwillig, dem Könige und seinem Vater die Hälfte ihrer gesammten Jahreseinnahmen zu überlassen und auch andere, allenfalls selbst mit Waffengewalt, dazu bewegen zu wollen. Und ebenso übernahmen es die sämmtlichen geistlichen wie weltlichen Stände, 2 ) die Hälfte von ihrem ganzen, bis dahin steuerfreien Einkommen, vom Priesterzehnten, und von allen Lehn= und Pfandgütern zu geben; nur mußte der König versprechen, daß diese außergewöhnliche Abgabe nicht noch öfter erhoben und auch nur zum Nutzen und zur Vertheidigung des Reiches verwandt werden sollte. Diese Einmüthigkeit zwischen Herrscher und Unterthanen ermöglichte denn auch ein Vorgehen mit frischen Kräften: schon zu Anfang des Jahres war es Albrecht gelungen, in Westergotland festen Fuß zu fassen, indem ihm König Magnus' Hauptmann Gerd Snakenborg das feste Schloß Arewall auslieferte. 3 ) Jetzt im Herbst des Jahres wurde Schloß Borgholm auf Oeland belagert und zu Schluß desselben mitsammt der ganzen Insel eingenommen. 4 ) Es gehorchten dem Könige die Gegenden des Nordens bis nach Dalarne 5 ) und darüber hinaus bis Helsingland. 6 )

Aber andererseits, daß es in einem der Landestheile, auf denen die Macht der neuen Herrschaft hauptsächlich beruhte, in dem Stifte Linköping, noch Gegner derselben gab, 7 ) mußte dem Könige zeigen, daß er sich allzu sehr auf seine Schweden doch nicht verlassen konnte. Und deshalb mußte er sich angelegen sein lassen, an auswärtigen Mächten eine Stütze gegen Waldemar und Hakon zu finden. Die besten Bundesgenossen waren natürlich diejenigen, die selbst mit dem Dänenkönige zu Feindseligkeiten Anlaß hatten, die Grafen Heinrich und Klaus von Holstein und vor allem die Hansestädte. Was die Holsteiner für Grund gehabt haben, jetzt wieder gegen das Dänenreich loszuschlagen, nachdem sie sich doch erst 1365 mit Waldemar versöhnt hatten, wissen wir nicht. Was die Städte anbelangt, so hatten sie zwar das Unternehmen gegen Schweden mit Aufmerksamkeit und, wie es scheint, mit Vergnügen beobachtet;


1) M. U.=B. XVI, 9629 und 9630 und Styffe I, 38.
2) Urk. vom 4. Juni M. U.=B. XVI, 9643 und Styffe I, 39.
3) M. U.=B. XVI, 9593. Styffe I, 35.
4) M. U.=B. XVI, 9678. 9702.
5) Svenska Riksarchivet Perg. I, 758. 793.
6) Styffe I, 47.
7) M. U.=B. XVI, 9610.
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entstand doch in der meklenburgisch=schwedischen Herrschaft ein Gegengewicht gegen das ihnen so gefährliche dänische Reich. Der Briefwechsel mit den Fürsten scheint das zu bestätigen: Graf Heinrich und Herzog Albrecht hatten ihnen Berichte über ihre Fortschritte in Schweden gesandt, und sie ihrerseits um Meldungen aus Deutschland ersucht und sie gebeten, die in ihrem Besitze befindlichen schwedischen Häfen mit Zufuhr zu versorgen. 1 ) König Albrecht hatte von dem Lager vor Abo den Städten einen Boten gesandt und ihnen seine Genugthuung aussprechen lassen wegen des zwischen ihnen und seinem Vater bestehenden guten Einvernehmens. 2 ) Mit diesem hatte nämlich Lübeck auf vier Jahre Frieden und Freundschaft geschlossen und ihm für jedes Jahr 400 Mk. lübisch zu zahlen versprochen. 3 ) Dagegen offen unterstützt hatten sie das schwedische Unternehmen nicht, vielmehr alles zu vermeiden gesucht, was den Frieden mit Waldemar hätte stören können; ja noch kurz bevor dieser zu Hakons Unterstützung gegen Albrecht ausziehen wollte, hatten sie sich bereit finden lassen, den Waffenstillstand mit ihm in einen endgültigen Frieden umzuwandeln. Doch Waldemar hatte sich schon kurze Zeit danach allerlei Vertragswidrigkeiten zu schulden kommen lassen: Fortwährend hatten sich die Städte über seine oder seiner Leute Gewaltthaten gegen hansische Kaufleute, über Nichtbeachtung der Privilegien und andere derartige Ungehörigkeiten beklagen müssen. 4 ) Infolgedessen war zuerst bei den preußischen Städten der Wunsch nach Abstellung dieser unangenehmen Zustände aufgekeimt; 5 ) denn sie waren es, die am meisten unter diesen Uebelständen zu leiden gehabt hatten, weil sich ihr Handel namentlich nach Westen, nach den Niederlanden erstreckte und sie deshalb vor allen anderen häufig den Sund, das Machtgebiet der Dänen, zu passiren hatten. Sie waren zunächst mit den süderseeischen Städten ein Bündniß eingegangen 6 ) und hatten durch Verhandlungen endlich auch die wendischen Städte mit Lübeck an der Spitze dazu bestimmt, daß man im November 1367 zu Köln eine gemeinsame Versammlung aller Städte abhalten und über Maßregeln zur Herbeiführung eines erträglichen Zustandes berathen wollte. Vom 11. bis 19. November 1367


1) M. U.=B. XV, 9249. 9251.
2) M. U.=B. XV, 9370.
3) M. U.=B. XV, 9345.
4) H.=R. I, 364. 392. 408. 410.
5) H.=R. I. 391.
6) H.=R. I, 402. 403.
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tagten die Sendboten der Städte, und am 19. schloß man die berühmte sogenannte Kölner Konföderation gegen Waldemar ab. 1 ) Jetzt waren es die wendischen Städte gewesen, die, wenn man überhaupt etwas thun wolle, ein ganz energisches Einschreiten wünschten. Und nach ihrem Vorgehen hatte man erkannt, daß nur ein gemeinsamer Feldzug im Stande sein würde, die wohlberechtigten Ansprüche der Hansen zu befriedigen. Die wendischen Städte waren es auch, die ein Bündniß mit den Fürsten von Holstein, Meklenburg und Schweden gegen den gemeinsamen Feind wünschten, 2 ) fanden jedoch darin nicht die völlige Zustimmung der übrigen preußischen und niederländischen Städte 3 ): diese erklärten sich zwar bereit, wenn ein Bund mit den Fürsten zu Stande käme, demselben auf ein Jahr beitreten zu wollen, bedangen sich aber ausdrücklich aus, daß ihnen aus diesem Bunde keinerlei Kosten und Nachtheile entstehen sollten, wofür sie dann freilich auch auf alle Vortheile verzichteten, die die Wendischen aus diesem Bündniß haben würden. Dem König Albrecht war die Absicht der Städte natürlich äußerst willkommen; schon von dem Lager vor Borgholm aus waren im November 1367 Verhandlungen mit ihnen angeknüpft worden; 4 ) jetzt schlossen sie, nachdem sie sich am 25. Januar 1368 bereits mit den Grafen Heinrich und Klaus verbunden und mit ihnen eine förmliche Theilung des dänischen Reiches verabredet hatten, 5 ) am 20. Februar einen Bund mit den Städten, 6 ) die am 5. Februar ihre Absage an Waldemar gesandt hatten. 7 ) Mit den preußisch=niederländischen Städten sollte das Bündniß bis zum 1. April 1369, mit den wendischen bis zum 14. April 1370 währen. 8 ) Mit Waldemars eifrigem Freunde Erich von Lauenburg schloß Herzog Albrecht, um sich den Rücken zu sichern, am 29. Februar einen zweijährigen Frieden hinsichtlich seiner Lande in Deutschland 9 ) und die Städte desgleichen; 10 ) ein ähnlicher Vertrag sollte auch mit dem Grafen Adolf von Holstein geschlossen werden. 11 )


1) H.=R. I, 413.
2) H.=R. I, 421.
3) H.=R. I, 411.
4) M. U.=B. XVI 9702.
5) M. U.=B. XVI, 9730. 9731 und H.=R. I, 422-424.
6) M. U.=B. XVI, 9744.
7) H.=R. I, 429 und M. U.=B. XVI, 9736.
8) H.=R. I, 437. 441. 442.
9) M. U.=B. XVI, 9743.
10) H.=R. III, 25.
11) H.=R. I, 436.
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Sogar im eigenen Lande hatte sich der Dänenkönig durch sein rücksichtsloses Auftreten Feinde gemacht: denn auch die jütischen Adligen traten auf die Seite der Verbündeten. 1 )

So zog sich eine zahlreiche Koalition erbitterter Feinde um Waldemar zusammen. Da geschah etwas Unerwartetes: Der König verließ am 6. April 1368 plötzlich Dänemark. 2 ) Man hat über die Gründe, die ihn wohl zu diesem seltsamen Schritt bewogen haben können, viel gestritten. Schon seinen Zeitgenossen ist er unerklärlich gewesen; die neueren Historiker haben seine Handlungsweise unköniglich, unmännlich und kurzsichtig genannt. Es ist hier nun nicht der Ort, darauf näher einzugehen. Aber man kann wohl mit Daenell 3 ) überzeugt sein, daß der König den Schritt für sein und des Reiches Interesse für am nützlichsten gehalten und vorher, so gut es anging, für die Vertheidigung des Reiches Maßregeln getroffen hat. Zum Reichsverweser hatte er für die Zeit seiner Abwesenheit seinen getreuen Rathgeber Henning von Putbus, einen Adligen aus rügischem Geschlecht, ernannt.

Wie man verabredet hatte, begann der Krieg um Ostern 1368. Die Hansen hatten sich mit ihren Schiffen am Gellande versammelt, 4 ) an der Südspitze der Insel Hiddensee an der pommerschen Küste. Dann gingen sie auf Kopenhagen los; nach kurzer Belagerung mußte es am 2. Mai kapituliren. 5 ) König Albrecht rückte in Schonen ein; theils allein, theils in Verbindung mit den Städtern 6 ) nahm er Falsterbo, Skanör, 7 ) Ystadt, Cimbrishamn, Lund, Malmö. 8 ) Um die Mitte des Jahres war das ganze Land im Besitz der Verbündeten; schon am 25. Juli ratifizirte Albrecht zu Falsterbo das Bündniß mit den Städten, bestätigte ihnen ihre Privilegien und gab ihnen einige neue Vortheile. 9 )


1) Schleswig=Holst.=Lauenbg. Urkslg. II, 276 u. 277; H.=R. I, 425, Urk. vom 18. März.
2) Script. rer. dan. VI, S. 631: Nicolai archiepiscopi Lundensis chronica episcoporum Lundensium.
3) E. R. Daenell: Die Kölner Konföderation u. d. schonischen Pfandschaften. Leipz. Stud. I, 1. 1894, S. 8.
4) H.=R. I, 413.
5) H.=R. I, 479 u. Obituarium ecclesiae b. v. Havnensis scr. rer. Dan. VI, S. 377.
6) Lü. U. III, 696.
7) H.=R. I, 461. 462.
8) Messenius: Scandia ill. III, S. 25.
9) Lü. U. III, 662. H.=R. I, 453-466. M. U.=B. XVI, 9808. 9824. 9825. 9829. 9830.
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Die festen Plätze in Schonen blieben vertragsmäßig, ebenso wie das Kopenhagener Schloß von städtischen Hauptleuten besetzt. Der Zug des Herzogs Albrecht zusammen mit dem Grafen Heinrich und den Städtern gegen Möen, Falster und Laland war in gleicher Weise von Erfolg begleitet; es ergaben sich die Schlösser Nykjöbing 1 ) am 15. August, Alholm 2 ) am 8. und Ravensburg 3 ) am 11. September, die alle drei von deutschen Hauptleuten befehligt wurden. Die niederländischen Hansen, die sich bei Marstrand gesammelt hatten, brandschatzten unterdeß Norwegen und zwangen dadurch Hakon zur Ruhe. Schon am 24. Juni 1368 knüpfte er Verhandlungen mit den Städten an und erlangte mit König Albrechts Genehmigung einen Waffenstillstand bis Ostern (1. April folgenden Jahres. 4 ) Jütland wurde vom Grafen Klaus in Gemeinschaft mit den jütischen Adligen den Leuten Waldemars entrissen, 5 ) und der Schwedenkönig griff im Oktober zusammen mit seinem Bruder Heinrich, - der alte Herzog Albrecht war krank nach Hause zurückgekehrt 6 ) - die Insel Gotland an. 7 )

So war nach kurzer Zeit fast das ganze Reich Waldemars im Besitz der Verbündeten. Waldemar irrte unterdeß in der Fremde umher, überall bei den Fürsten um Hülfe gegen die Feinde bittend und ihnen durch sein Geld Gegner erweckend. Seine alten Freunde, die pommerschen Herzöge Bogislav VI. von Wolgast und Wratislaw VI. von Barth, zu denen er sich zuerst auf seiner Flucht gewandt hatte, erhoben sich im Verein mit ihren Stammesvettern, den Herzögen von Stettin, zuerst gegen die Meklenburger; 8 ) es ist nicht ganz klar, aus welchem Grunde, doch, wie man wohl annehmen kann, von Waldemar dazu bewogen. Anfang November 9 ) kam es bei Damgarten an der pommerschen Grenze zu einer Schlacht, in der Herzog Albrecht aber, von seinen Vettern, den Herren von Werle, treulich unterstützt, Sieger blieb. Infolgedessen kam nicht nur ein Friede zwischen beiden Parteien, sondern unter Vermittlung der Herzöge


1) M. U.=B. XVI, 9817.
2) H.=R. I, 477.
3) H.=R. I, 478.
4) H.=R. I, 475.
5) H.=R. I, 469.
6) H.=R. I, 475.
7) H.=R. I, 479.
8) H.=R. I, Nachträge S. 501.
9) Detmar I, S. 540 hier aber ungenau: um Martini; dazu vgl. a 8 und D. Schäfer S. 493 a 4.
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von Stettin sogar ein enges Bündniß zu Stande am 7. Juli 1369, in dem sich die Herzöge von Wolgast und Barth verpflichteten, den Meklenburgern auf überseeischer Heerfahrt mit 60 Rittern und Knechten zu folgen. 1 ) Die pommerschen Herzöge glaubten offenbar genug für Waldemar gethan zu haben, und wandten sich nun auf die Seite des Siegers, auf der sie größere Vortheile für sich hoffen konnten.

In dem Feldzuge des nun folgenden Jahres 1369 sollte der Rest der Arbeit gethan werden. Vor allem galt es, das wichtige, den Sund beherrschende, feste Helsingborg, das sich unter den Hauptleuten Vicko Moltke und Hartwig Kale noch immer hielt, zur Uebergabe zu zwingen. Herzog Albrecht hatte den Hansen versprochen, am 29. April zur Stelle zu sein. 2 ) Nun schickte er, selber vielleicht immer noch kränklich, seinen ältesten Sohn Heinrich, der nun zusammen mit den Städtern die Feste belagerte; 3 ) auch König Albrecht hatte mit Zuzug herbeikommen sollen, aber wir erfahren nicht, ob er wirklich erschienen ist, wenigstens scheint er danach bei der Belagerung keine bedeutsame Rolle gespielt zu haben. 4 ) Endlich, am 21. Juli, kam nach tapferer Gegenwehr zwischen Verteidigern und Belagerern ein Vertrag zu Stande, 5 ) wonach die ersteren sich verpflichteten, das Schloß am 8. September zu übergeben, wenn nicht inzwischen Entsatz herankäme, oder Friede geschlossen würde. Da keines von beiden geschah, wurde die Uebergabe denn in der That vollzogen. Da endlich fand sich der von Waldemar mit der Regentschaft betraute Reichsrath zu Unterhandlungen mit den Gegnern bereit und schloß am 30. November einen Waffenstillstand mir den Hansen. 6 )

Unterdessen hatte sich Waldemar unverdrossen nach neuen Bundesgenossen umgesehen. Seine gefährlichsten Feinde waren die Fürsten; während die Städte nur ihre alten Rechte vertheidigen wollten, hatten jene es ja geradezu auf eine Theilung des Dänenreiches abgesehen; gegen sie mußte des Königs Thätigkeit also


1) H.=R. I, 512 u. H.=R. I, Nachträge 512 f-i.
2) H.=R. I, 489.
3) H.=R. I, 497.
4) Daraus daß er am 29. Mai und 15. Juni (Suhm XIII, 639 u. Svenska Riksarch. Perg. I, 872 u. 873) sich zu Stockholm aufhielt, zu schließen, daß er überhaupt keinen Zuzug geleistet habe, scheint unzulässig. Es ist möglich, daß er, nachdem er den Zuzug herangeführt, selber vor Helsingborg nicht nöthig, zu anderen Unternehmungen weitergezogen ist.
5) H.=R. I, 497.
6) H.=R. I, 513-516.
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besonders gerichtet sein. Da nun die großartigen Erfolge der Meklenburger bei den benachbarten Fürsten Mißgunst erweckt hatten, so wurde es Waldemar mit Hülfe seiner Schätze 1 ) leicht, eine zahlreiche Koalition gegen Meklenburg zusammenzubringen. Achtzehn Fürsten, an ihrer Spitze Herzog Magnus von Braunschweig, Markgraf Otto der Faule von Brandenburg, Herzog Erich der Jüngere von Lauenburg und Graf Adolf von Holstein, sagten dem Herzog Albrecht Fehde an. 2 ) Freilich suchten diese Herren dabei weniger Waldemars, als ihren eigenen Vortheil, 3 ) und so war es denn nicht so ganz unrichtig, wenn Herzog Magnus, um die Städte von einer Hülfeleistung an die Meklenburger abzuhalten, am 17. September 1369 an Lübeck die Erklärung abgab, der Streit sei nicht Waldemars wegen, sondern aus anderen Gründen. 4 ) schon am 13. Juli des Jahres hatte sich nun freilich schon Herzog Albrecht an die Städte gewandt, und sie, vielleicht Schon in Voraussicht der kommenden Ereignisse, um Hülfe gebeten, wenn es Noth thun sollte; 5 ) aber Lübeck stand seit einiger Zeit in einem etwas gespannten Verhältnisse zu dem Herzoge, infolge von Räubereien, die sich Diener desselben gegen Bürger der den Lübeckern verpfändeten Stadt Mölln erlaubt hatten; 6 ) und so ließen sich die Hansen in der That durch die Erklärung des Magnus bestimmen, den Meklenburgern keine Hülfe zu leisten. Aber auch ohne den Beistand der Städter blieb Herzog Albrecht Sieger. Bei Roggendorf in der Nähe von Gadebusch erfocht er am 29. November 1369 einen glänzenden Sieg über die in meklenburger Gebiet eingefallenen Feinde und nahm viele von ihnen gefangen. 7 ) Infolgedessen kam dann im folgenden Jahre ein für Meklenburg günstiger Friede mit den Herzögen Magnus und Erich zu Stande. 8 )

Hatten sich die Städte bei dieser Gelegenheit wenig schön benommen, indem sie die Unterstützung ihres Bundesgenossen


1) H.=R. I, 379, cf. ebd. S. 464 a 2 und H. Sudendorf: Urkunden zur Geschichte der Herzoge von Braunschweig und Lüneburg III, 379.
2) Sudendorf III, 401. 402. 405. 410. Schl.=Holst.=Lbg. Urkslg. II, 217. 377.
3) H.=R. I, S. 465.
4) H.=R. I. 510 und II, 49 und Lü. U. III, 697.
5) H.=R. I, S. 465.
6) Lü. U. III, 706.
7) Chronicon des Nicolaus Floreke, Capellans und Notars des Raths zu Lüneburg, in Sudendorf III, 435; Detmor I, S. 544.
8) H.=R. I, Nachträge 512 b-e (19. Juni). M. U.=B. XVI, 10070. 10071. Sudendorf IV, 31. 56. 57. Schlesw.=Holst.=Lbg. U. II, 222.
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Albrecht verweigerten, so waren sie damit doch wenigstens äußerlich im Recht gewesen. Ein direktes Unrecht aber gegen ihre Verbündeten war es, daß sie sich ohne die Fürsten mit Hakon und dem dänischen Reichsrath einließen. Schon im März 1369 hatte der Reichsrath Verhandlungen mit ihnen angeknüpft, 1 ) mit Hakon war am 3. August wieder ein Waffenstillstand zu Stande gekommen, 2 ) neue Verhandlungen mit den Dänen hatten sich den Juli und August hindurchgezogen 3 ) und am 30. November (s. o.) kam man endlich zum Abschluß: 4 ) Vorläufig sollte nur Waffenstillstand sein; förmlichen Frieden wollte man vorläufig im Hinblick auf das Bündniß mit den Fürsten, das erst am 14. April 1370 ablief, noch nicht schließen; dann aber sollte am 1. Mai zu Stralsund eine neue Zusammenkunft sein, auf der man die genaueren Bestimmungen des Friedens regeln wollte. Thatsächlich fand dann im folgenden Jahre diese Versammlung statt und führte zu dem Stralsunder Frieden am 24. Mai 1370, 5 ) der den Städten ihre alten Privilegien von neuem bestätigte, dem dänischen Reiche aber seinen Besitzstand sicherte. Als Bürgschaft wurden den Hansen die Einkünfte der schonischen Schlösser Skanör, Falsterbo, Malmö und Helsingborg auf 15 Jahre überlassen und die Schlösser selbst ihnen für diese Zeit in Verwahrung gegeben. 6 ) Scheinbar hatten also die Städte, indem sie erst nach dem 14. April den Frieden abschlossen, den Bund mit den Fürsten gehalten; thatsächlich aber war schon lange vorher (seit dem 30. November) die Ruhe hergestellt und der Verkehr wieder aufgenommen. 7 ) Mit Recht konnte Meklenburg=Schweden darob erbittert sein, hatte es sich doch schon als Herrn Dänemarks, oder doch zum mindesten Schonens, betrachtet, und nun garantirten die Hansen dem dänischen Reiche seinen Besitzstand. Daß die Städte wirklich die Rache der Fürsten dafür fürchteten. Scheint aus dem Gebot hervorzugehen, kein hansischer Kaufmann solle einen dänischen Hafen aufsuchen, der in meklenburgischem oder holsteinischem Besitze sei. 8 ) Zugleich ist diese Verordnung ein Beweis dafür, daß die Städte sich den Fürsten gegenüber im Unrecht fühlten. Aber allzu hart darf man ihre Treulosigkeit


1) H.=R. I, 489.
2) H.=R. I, 503. 505. 506.
3) H.=R. I, 495.
4) H.=R. I, 513-516.
5) H.=R. I, 523-539.
6) H.=R. I, 524.
7) H.=R. I, 495.
8) H.=R. I, 522.
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denn doch nicht beurtheilen. Kaufmannspolitik ist ja von je her egoistisch gewesen. Die Hansen hatten nach der Einnahme von Helsingborg im Wesentlichen erreicht, was sie wollten: der Sund stand ihnen offen und damit freie, ungehinderte Fahrt in Nord= und Ostsee; Dänemark war zu Boden geworfen, aber sie wollten nicht, wie die Fürsten, eine völlige Vernichtung desselben, die nur diesen, nicht ihnen Vortheil gebracht hätte. Dazu kam vielleicht, daß sie, als Herzog Albrecht in so gefährliche Verwickelungen mit seinen Nachbaren gerieth, eine Vernichtung von dessen Macht voraussahen, und daß sie, um nicht mit in seinen Sturz hineingezogen zu werden, um so eiliger mit den Dänen abschlossen und das, was sie erreicht hatten, für sich retteten; daß sich die Verwickelungen so bald und zu Gunsten Meklenburgs lösen würden, hatten sie offenbar nicht erwartet; und aus diesem Grunde wird man ihre Haltung zwar nicht billigen, aber doch erklärlich finden.

Siegreich über seine Feinde in Deutschland hätte Herzog Albrecht nun auch den Krieg gegen Waldemar wohl fortsetzen können; aber allein, ohne die Städte, versprach er sich doch wohl nicht mehr den Erfolg, den er eigentlich von dem Kriege gehofft hatte. So beschloß er denn auch seinerseits, sich mit Waldemar zu einigen. Um so leichter wurde ihm freilich dieses scheinbare Aufgeben seiner Pläne auf Dänemark, als sich jetzt ihm eine andere Aussicht eröffnete: auf friedlichem Wege zu dem Ziele zu gelangen, das er durch den Krieg hatte erreichen wollen, nämlich Dänemark seinem Hause zu erwerben. Waldemar war nämlich ohne männliche Erben; von seinen Töchtern aber war die älteste Ingeborg die Gemahlin von Albrechts ältestem Sohne Heinrich gewesen, beider Sohn, Albrecht der Jüngere, also des Dänenkönigs nächster Erbe. Ihm gedachte der Herzog nun den dänischen Thron nach Waldemars Ableben zu verschaffen, und glaubte am leichtesten dies Ziel durch gutes Einvernehmen, durch ein Handinhandgehen mit Waldemar erreichen zu können. So kam am 14. August 1371 ein Vertrag zwischen beiden zu Stande, in dem der König seinem Enkel Albrecht dem Jüngeren die Erbfolge in Dänemark zusagte, während der Herzog dafür auf alle Eroberungen, die er im Dänenreiche gemacht hatte, verzichtete. 1 ) So hatte Waldemar sein Reich wiedergewonnen. Als Preis dafür aber hatte er seinen anderen Schwiegersohn, den Norwegerkönig, ohne Bedenken fallen lassen; dessen Ansprüche


1) M. U.=B. XVIII, 10229.
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auf Schweden wurden überhaupt nicht erwähnt, sondern, wie es ja der Vertrag mit den Meklenburgern voraussetzt, stlillschweigend Albrecht als Schwedenkönig anerkannt; und auch von Dänemark sollte Hakons Gemahlin, Waldemars andere Tochter Margareta, dem Vertrage zufolge, nur soviel erhalten, "als möglich und redlich" sei. Ob zwischen Waldemar und dem Schwedenkönige auch ein förmlicher Friede geschlossen ist, wird nicht berichtet. Jedenfalls aber fanden keine Feindseligkeiten mehr zwischen ihnen statt; jeder von beiden war wahrscheinlich froh, wenn der andere ihn in Ruhe ließ. Der Hauptstreitpunkt, der zwischen ihnen bestehen konnte, nämlich wem von ihnen das Land Schonen gehöre, blieb wahrscheinlich unberührt, da dasselbe ja thatsächlich zur Zeit weder in des einen, noch in des anderen Gewalt war, sondern unter dem Einfluß der Hansen stand. 1 )

Während im Dänenreiche und an der deutschen Ostseeküste in den nun folgenden Jahren im allgemeinen Frieden herrschte, kam König Albrecht in Schweden noch lange nicht zur Ruhe. Zwar von Waldemar hatte er nichts mehr zu fürchten; aber Hakon setzte die Versuche, den Thron seiner Ahnen wieder zu erringen und seinen Vater Magnus, der noch immer zu Stockholm in der Gefangenschaft schmachtete, zu befreien, mit anerkennenswerther Beharrlichkeit fort. Zu Hülfe kam ihm dazu, daß er fast sein Ziel erreichte, ein für Albrecht höchst unheilvoller Umsand: die Erhebung eines Theils des schwedischen Volkes gegen ihren König. 2 ) Grund zur Unzufriedenheit glaubten zunächst die schwedischen Großen zu haben. Sie waren einst mit König Magnus in Zwist gerathen, weil er ihre, sei es rechtmäßigen, sei es angemaßten Vorrechte anzutasten versucht hatte. sie hatten ihn zu Fall gebracht, weil sie gefürchtet hatten, daß er mit Hülfe Waldemars ihre Macht brechen würde. In Albrecht hatten sie ein gefügigeres Werkzeug zu finden gehofft; aber sie hatten sich getäuscht. Um ihm den Thron zu erkämpfen und zu behaupten, hatten sie, die einzelnen Herren, hinter denen nicht das ganze Volk stand, natürlich nicht ausreichen können, sondern seine beste Hülfe waren hierbei die deutschen Soldtruppen und an ihrer Spitze die kriegerischen und abenteuerlustigen holsteinischen und meklenburgischen Adligen gewesen. Als Lohn für ihre Dienste hatten die Letzteren überall im Reiche die festen Burgen


1) Bis August 1372 nennt sich A. allerdings noch dominus terrae Scaniae s. M. U.=B. XVI, 1094. 10100. 10107. XVIII, 10305 und 10351.
2) Ol. Petri scr. rer. svec. I, 2, S. 274; über das Folgende s. Girgensohn, S. 56 ff.
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und weite Gebiete des umliegenden Landes zu Lehen bekommen. 1 ) So waren Raven Barnekow über das Schloß Nyköping, 2 ) Heinrich Parow über Stäkeholm und das Land Tjust gesetzt, welches später an die Brüder .Johann und Vicke Ummereise, dann an Henneke Bützow und endlich an Heinrich und Henneke Moltke überging; 3 ) Vicke von Vitzen hatte die Vogtei Kalmar inne, Arnold von Vitzen Häsleby und Henning Königsmark Oeland. 4 ) Gestützt auf diese deutschen Herren und auf seinen Vater, den alten Herzog Albrecht, hatte der König sich dem übermäßigen Einfluß des Reichsrathes, der vor allem nur seine, des Adels, Interessen, nicht die des Königthums im Auge hatte, entzogen und war dadurch mit demselben in ein gespanntes Verhältniß gerathen. Trotzdem waren beide einig gewesen, so lange sie in Waldemar den gemeinsamen Feind zu bekämpfen hatten; jetzt, da dieser nicht mehr zu fürchten war, mußte der Konflikt zwischen König und Adel ausbrechen. Es handelte sich hier also zunächst durchaus nicht um einen nationalen Gegensatz zwischen Deutschen und Schweden, im Gegentheil war, wie Girgensohn nachgewiesen hat, 5 ) das Verhältniß zwischen deutschen und schwedischen Adligen das denkbar beste und wurde vielfach noch durch gegenseitige Heirathen befestigt. Anders war es allerdings bei den übrigen Ständen, namentlich den Bauern, denen die deutsche Herrschaft nur Nachtheil gebracht hatte. Ihnen war Magnus kein harter König gewesen, sie hätten seinen Sturz nicht gewünscht; trotzdem hatten sie sich nach dem Vorgang ihrer Großen der neuen Herrschaft zunächst gefügt. Daß aber die durch dieselbe ins Land gekommenen deutschen Adligen anfingen, die freien schwedischen Bauern ebenso zu behandeln, wie sie es in ihrer Heimath mit ihren hörigen gewohnt waren, mußte allmählich eine tiefe Erbitterung hervorrufen und schließlich bewirken, daß ihnen Albrechts Regierung als eine Fremdherrschaft erschien. Obgleich also die Erbitterung des Adels zunächst nicht gegen die Deutschen, sondern gegen Albrecht gerichtet war, die der Bauern aber nicht gegen den König, sondern gegen seine deutschen Helfer ging, thaten sich doch beide zusammen; und als auch Hakon wieder gegen Albrecht auftrat, glaubten sie, der günstigste Augenblick sei gekommen, jetzt ihre gemeinsamen Interessen wahrzunehmen. Mit Hakon hatte


1) Diarium Wadstenense scr. rer. svec. I, 1, S. 102.
2) M. U.=B. XV, 9426; Styffe I, 36.
3) Styffe 41. 42; M. U.=B. XVIII, 10440.
4) Styffe I, 63. 66.
5) S. 57. 58.
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König Albrecht zwar, um die Zeit des Stralsunder Friedens, vielleicht unter Vermittlung der Städte im Anschluß an denselben, Verhandlungen angeknüpft: 1 ) Am 9. Mai 1370 hatte er die Bischöfe von Linköping und Skara und drei Ritter beauftragt, zu Lödöse im Juni mit dem Gegner zu unterhandeln. Aus irgend einem Grunde muß diese Zusammenkunft aber aufgeschoben worden sein, denn am 12. Juli hatte ebenfalls Hakon acht Herren bevollmächtigt, im August zu Lödöse seine Sache zu führen. Weiter erfahren wir nichts über diese Verhandlungen, ja nicht einmal, ob die Zusammenkunft im August wirklich stattgefunden hat. Vielleicht ist sie an Hakons übermäßigen Forderungen gescheitert; Erfolg hat sie jedenfalls nicht gehabt, denn im nächsten Jahre ging der Krieg zwischen Albrecht und Hakon weiter. Dies Mal führte ihn der Letztere mit mehr Glück, als bisher, denn schon im Winter war das Schloß Axewall in Westergotland wieder in seine Hände gekommen. 2 )

Jetzt war es, wo die Unzufriedenen in Schweden sich mit ihm verbanden. Es erhoben sich die Bewohner des mittleren Schweden und riefen in einer Proklamation ihre Landsleute auf, das Joch der Deutschen abzuwerfen und sich von der Fremdherrschaft und den Bedrückungen, die sie so lange durch dieselben erfahren, zu befreien. 3 ) Schwedische Adlige, vor allem Erik Kettilsson, und der Bischof Nikolaus von Linköping, bis vor kurzem noch ein Anhänger König Albrechts, hatten sich an ihre Spitze gestellt. Bis eine Meile von Stockholm entfernt drangen die Aufrührer vor, ließen sich hier aber in Unterhandlungen mit den Gegnern ein. König Albrecht selbst war nicht anwesend, sondern nach Deutschland hinübergegangen, wohl um neue Truppen zu dem Kriege gegen Hakon zu werben. Da schlossen denn in seinem Namen die auf seiner Seite gebliebenen Adliqen, der Marschall Karl Ulfsson, Bo Jonsson, Bengt Philippsson und andere Ritter, sowie der Bischof von Strengnäs und die stockholmer Rathsherren am 15. April 1371 mit den Aufständischen einen Waffenstillstand ab, der bis 4 Wochen nach Pfingsten, bis zum 21. Juni dauern sollte. Die Bedingungen, die die Empörten stellten, waren: im Interesse Hakons, daß sein Vater, der gefangene Magnus, mild und ehrenvoll behandelt und nicht von Stockholm weggeführt werden sollte; und im Interesse des Volkes mußte Bo Jonsson im Namen des Königs


1) S. Schäfer, S. 531 a 1.
2) Styffe I, S. LVI und a 2.
3) Olaus Petri scr. rer. svec. I, 2, S. 274.
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versprechen, daß keine neuen Steuern aufgelegt, sondern nur die erhoben werden sollten, zu denen man gesetzlich verpflichtet sei. 1 ) - Nun kam auch König Hakon heran und lagerte mit einem Heere dicht bei Stockholm. 2 ) Als nun König Albrecht um diese Zeit aus Deutschland zurückkam, sah er sich sogleich den schwierigsten Verhältnissen gegenüber: Der Waffenstillstand, den seine Anhänger mit den Empörern geschlossen hatten, war abgelaufen. Die Hauptstadt wurde von den Aufständischen und Hakon zugleich bedroht. Doch nun scheint es zu neuen Verhandlungen gekommen zu sein, die die auf des Königs Seite gebliebenen Großen in die Hand nahmen. Sie scheinen dem Könige, wie aus dem folgenden Vertrage hervorgeht, allerlei Vorwürfe gemacht und die Abstellungen von mancherlei Zuständen und die Zusicherung von verschiedentlichen Rechten verlangt und nur so sich bereit erklärt zu haben, seine Sache mit Energie zu vertreten. König Albrecht wußte sich nicht anders zu helfen: er gab gänzlich dem Verlangen der Großen nach und am 9. August 1371 stellte er ihnen in dem Minoritenkloster zu Stockholm eine Urkunde aus: Er versprach darin, seinen Ständen den Schaden zu erstatten, den seine Vögte und Untergebenen wider seinen Willen vielfach angerichtet hätten; sämmtliche Lehen und Vogteien sollten von nun an nur an Einheimische gegeben werden; die wichtigsten der Schlösser sollte Bo Jonsson entgegennehmen; allen, die Güter in Schweden besäßen, sollten diese gesichert sein, auch wenn sie selbst in Norwegen oder Dänemark wohnten; in allen Fällen wollte er sich nach dem Rathe des Reichsrathes richten. 3 )

König Albrecht hatte diesen Vertrag mit den Adligen geschlossen und zwar sowohl mit denen, die bisher seine Anhänger zu sein geschienen hatten, wie mit den Anführern des empörten Volkes; das Volk selbst aber war dabei offenbar garnicht gefragt worden. Dasselbe war ausgezogen, der Herrschaft des fremden Königs und seiner deutschen Vögte ein Ende zu machen; jetzt wo der König den Wünschen des Adels sich willfährig gezeigt hatte, war von seiner Entfernung keine Rede mehr; jetzt nachdem die Großen ihr Ziel erreicht hatten, mochte ihnen ein Fürst, den sie kannten, angenehmer sein, als irgend ein anderer, von dem sie nicht wußten, was sie von ihm zu erwarten hatten. Die einzige Bestimmung des Vertrages, die im Interesse des Volkes


1) M. U.=B. XVIII, 10185. Styffe I, 44.
2) Diarium fratrum minorum Stockholmensium in Scr. rer. svec. I, 1, S. 73.
3) M. U.=B. XVIII, 10227.
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mit aufgenommen zu sein schien, daß die Lehen und Vogteien fortan nicht mehr von Deutschen, sondern von Einheimischen besetzt werden sollten, hatte für das Volk thatsächlich wenig Bedeutung, denn einmal behandelten die schwedischen Großen ihre Untergebenen durchaus nicht besser, als die Deutschen es thaten, 1 ) und zweitens wurde diese Bestimmung in der Folgezeit überhaupt nicht einmal innegehalten. Aus dem letzteren Umstande geht also hervor, daß den schwedischen Adligen in Wirklichkeit daran wenig gelegen war, weil sie sich ja recht gut mit ihren deutschen Standesgenossen standen. Alle anderen Bestimmungen des Vertrages dagegen kamen den Adligen sehr zugute. Dadurch daß jedermann seine Güter gesichert wurden, mochte er auch in Dänemark oder Norwegen wohnen, war es dem Könige unmöglich geworden, den Uebertritt eines seiner Adligen auf die Seite der gegnerischen Könige, Waldemar oder Hakon, mit Gütereinziehung zu bestrafen; zugleich scheint damit eine Restituirung derer stattgefunden zu haben, die einst als Anhänger Magnus' ihre Güter verloren hatten. 2 ) Dadurch aber, daß Albrecht die wichtigsten Schlösser an Bo Jonsson, den Führer des Adels, gab und sich nach den Beschlüssen des Reichsrathes zu richten versprach, gab er thatsächlich so ziemlich seine ganzen Machtbefugnisse an die Großen und ihm blieb fast nur der Königsname. So hatten bei diesem Vertrage allen Vortheil die Adligen, während das Volk, dessen sie sich zur Erreichung ihres Zwecks bedient hatten, leer ausging. Man möchte daraus beinahe schließen, daß die Großen nur um ihrer eigenen Ziele willen absichtlich die Unzufriedenheit des Volkes gesteigert und zum offnen Aufruhr gereizt haben; 3 ) thatsächlich standen ja Adlige an der Spitze der Empörer. Zwar waren das Leute, die wie Erik Kettilsson und Bischof Nikolaus 4 ) nichts zu verlieren hatten, sondern im Falle des Gelingens nur gewinnen konnten; die von den Adligen dagegen, die in Amt und Besitz waren, hatten sich vorsichtig zurückgehalten und waren dem Namen nach Anhänger Albrechts geblieben, um sich, wenn die Sache mißglückte, nicht zu kompromittiren. Aber wir finden später die ersteren im besten Einvernehmen mit den letzteren, so daß


1) S. Girgensohn, S. 60.
2) Wenigstens erscheinen später einige derselben, Erik Kettilsson, Erengisle Sunesson, Ulf Jonsson u a. im Besitz derselben, selbst im Reichsrath, s. Styffe I, S. LX u. a.
3) S. Schäfer, S. 533.
4) Der Bischof war durch den Papst seines Bisthums entsetzt. Styffe I, S. LVII.
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wir wohl annehmen können, daß sie auch damals schon im Einverständniß gehandelt haben.

Ebenso wie das Volk, ließen die Adligen auch ihren Verbündeten Hakon fallen, nachdem er ihnen als Schreckmittel gegen Albrecht hatte dienen müssen. Am 14. August 1371 kam zwischen beiden Königen ein Friede zu Stande, dessen Bedingungen zeigen, daß Hakon, was er bisher erreicht, lediglich durch sein Bündniß mit dem Adel erreicht hatte, während er nun, wo ihn derselbe aufgegeben hatte, die ungünstigsten Bedingungen annehmen mußte. Das einzige, was Hakon erlangte, war die endliche Befreiung seines Vaters Magnus, wofür er aber 12000 Mk. Silber zusagen und 60 Ritter und Knappen als Bürgen stellen mußte. Alle Ansprüche auf Schweden, wie auf Schonen mußten Magnus und Hakon aufgeben und nur die Einkünfte einiger westlicher Grenzgebiete sollte Magnus auf Lebenszeit zum Nießbrauch haben. 1 ) - Mit diesem Vertrage war Schweden endgültig für Hakon und seinen Vater verloren. Und der letztere hat drei Jahre danach in einem norwegischen Fjord durch Ertrinken seinen Tod gefunden. 2 )

In den nun folgenden Jahren hatte Schweden zwar nach Außen hin Frieden, im Innern aber kam das Land noch immer nicht zur Ruhe. Der König scheint sich mit den Adligen, die ihm so große Zugeständnisse abgedrungen hatten, nicht sehr gut gestanden zu haben. Die Bedingungen des Vertrages vom 9. August 1371 waren theilweise zu unbestimmt gewesen, als daß sie hätten Streitigkeiten verhindern können, sowohl der König, wie die Großen bemühten sich, sie möglichst zu ihrem Vortheil auszulegen. Der König verlangte, daß ihm von den Gütern, Schlössern und Pfandlehen, die dem Adel überlassen worden waren, in gleicher Weise Abgaben gegeben würden, wie von allen anderen; dessen weigerten sich die Adligen, und das Verhältniß des Führers derselben, Bo Jonsson, zu dem Könige wurde infolgedessen ein so gespanntes, daß Bo nicht ohne einen ausdrücklichen Geleitsbrief zum Könige kommen wollte. 4 ) Auch sonst hatten die Großen die erlangte Macht benutzt, ganz nach ihrer Willkür zu handeln; das Volk wurde von ihnen bedrückt, Fehden, Mord und Todtschlag herrschten im Lande. So wurde


3) M. U.=B. XVIII, 10817. Styffe I, 48.


1) M. U.=B. XVIII, 10230. Libellus Magnopolensis in scr. rer. svec. III, 1, S. 197 (Detmar II, 372).
2) Ol. Petri scr. rer. svec. I, 2, S. 274.
4) M. U.=B. XVIII, 10654. Styffe I, 55.
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z. B. im Jahre 1374 der Bischof Gottschalk von Linköping wegen persönlicher Streitigkeiten von dem Ritter Matz Gustavsson auf einer Reise erschlagen. 1 ) König Albrecht war nicht im Stande, derartige Ausschreitungen zu hindern, hauptsächlich fehlte es ihm an Geld, und die Lage war so schwierig, daß der alte Herzog Albrecht es für nöthig hielt, einmal wieder nach Schweden hinüberzukommen, um seinem Sohn mit seinem Rathe beizustehen. Unter seiner Vermittelung kam zwischen dem Könige und den Großen ein Vertrag zu Stande, in welchem der Erstere in der Frage der Adelsgüter nachgab und die Auffassung des Adels zuließ, das heißt, die Adelsgüter sollten von nun an abgabenfrei sein und bleiben. Als Gegenleistung mußten dafür die Großen einen allgemeinen Landfrieden auf drei Jahre geloben, der allen Fehden und Unruhen für diese Zeit ein Ende machte. 2 ) Als nun noch Bo Jonsson, der Führer der Adelspartei, zum Reichsdrost erhoben wurde, 3 ) scheinen die Adligen mit dem, was sie vom Könige erreicht hatten, zufrieden gewesen zu sein und infolge davon auch im Wesentlichen den Landfrieden gehalten zu haben, wenigstens hören wir für die nächsten paar Jahre so gut wie nichts von Schweden, es herrschte also wohl Ruhe.

Dafür richtete sich während der nächsten Zeit die allgemeine Aufmerksamkeit auf die Ereignisse in Dänemark. Kaum war Herzog Albrecht aus Schweden nach Hause zurückgekehrt, da starb Ende Oktober 1375 König Waldemar von Dänemark, ohne Söhne zu hinterlassen; und seine beiden Enkel, Albrecht der Jüngere von Meklenburg und Olaf von Norwegen, machten Anspruch auf den erledigten Thron. Nach deutscher Anschauung hatte Albrecht, als Sohn der Ingeborg, der ältesten Tochter Waldemars, vor Olaf, dem Sohne der jüngeren Tochter Margareta ein näheres Recht; nach dänischem Gesetz aber gab ihm das keinen Vorzug, denn Dänemark war Wahlreich. Es kam also für den, der siegen wollte, darauf an, sich die Zuneigung der für die Wahl maßgebenden Persönlichkeiten zu verschaffen. Schon seit Jahren hatte der alte Herzog Albrecht daran gearbeitet, das Recht seines Enkels Albrecht auf die Nachfolge in Dänemark zu sichern. Von Waldemar selbst hatte er die Zustimmung dazu erworben. Mit dem Kaiser Karl IV. und seinem Sohne Wenzel hatte er wiederholt Verträge geschlossen (6. Juni 1373, 28. April 1374), 4 ) in


1) Styffe I, 65.
2) Styffe I, S. LXV.
3) Vor Pfingsten 1375. M. U.=B. XVIII, 10742. Styffe I, 62.
4) M. U.=B. XVIII, 10449. 10450. 10554. H.=R. I, 108-112.
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denen diese versprachen, des jungen Albrecht Ansprüche unterstützen zu wollen; nun forderte der Kaiser am 6. November in der That die Dänen auf, dem jungen meklenburgischen Herzoge als ihrem Herrn zu huldigen. 1 )

Aber Waldemar war ja, mochte er seine Zusage, durch die er sich ja den Frieden mit Meklenburg einst erkauft hatte, ehrlich gemeint haben oder nicht, nicht mehr am Leben, konnte also nichts nützen; der Kaiser aber war weit entfernt, und seine Macht reichte nicht bis über Dänemark. Die Städte, die nach den Bestimmungen des Stralsunder Friedens das Recht erhalten hatten, über die dänische Königswahl mitzureden, 2 ) schwankten zwischen beiden Kandidaten hin und her, weil ihnen eigentlich keiner von beiden angenehm war. Den Ausschlag mußte also der dänische Reichsrath geben. Waren aber die Großen Dänemarks vielleicht schon von vornherein den Meklenburgern abgeneigt im Hinblick auf die langjährige Feindschaft, so machten diese sie sich vollends zu Gegnern durch eine Unvorsichtigkeit. Indem der junge Albrecht Titel und Wappen eines Königs von Dänemark annahm, noch mehr aber, indem er ein enges Bündniß mit den den Dänen so verhaßten Holsteiner Grafen schloß und ihnen ganz Schleswig und Jütland mit den dazu gehörigen Inseln und mehreren Schlössern versprach, 3 ) erbitterte er einerseits die Großen, deren altes Wahlrecht er ganz außer Acht zu lassen schien, und andrerseits das Volk, da er über Landestheile zu Gunsten der verhaßten Landesfeinde verfügte. So neigten sie sich dem Gegenkandidaten zu, und am 3. Mai 1376 wählten sie, an ihrer Spitze der alte treue Diener Waldemars, Henning von Putbus, zu Slagelse Olaf, den Sohn Margaretas und Hakons von Norwegen, zum Könige von Dänemark. 4 ) Angesichts dieser Thatsache beschlossen die Hansen, ihr Recht, an der Königswahl mitzuwirken, aufzugeben und gegen Bestätigung ihrer Privilegien Olaf anzuerkennen. 5 ) Zugleich wandelten sie den Waffenstillstand mit Norwegen in einen endgültigen Frieden um. 6 )

So war für die Meklenburger also wenig zu hoffen; aber trotzdem war Herzog Albrecht nicht gewillt, seines Enkels Sache


1) M. U.=B. XVIII, 10792.
2) H.=R. I, 524.
3) M. U.=B.XIX, 10838-10840. Schl.=Holst.=Lbg. U. II, 244-247.
4) Annales danici ab anno 1316 ad annum 1389 in Script. rer. dan. VI, S 533.
5) H.=R. II, 120. 133.
6) H.=R. II, 123-128. 134.
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aufzugeben; mit den Waffen in der Hand beschloß er ihm sein Recht zu erkämpfen. Während die holsteinischen Grafen in Schleswig einfielen, zog der Herzog im September des Jahres (1376) mit einer starken Flotte vor Kopenhagen 1 ) und schüchterte dadurch die Königin Margareta, die für ihren unmündigen Sohn die Leitung übernommen hatte, derart ein, daß sie sich am 21. des Monats zu einem Vertrage bereit finden ließ: ein Schiedsgericht sollte über die Ansprüche der beiden Thronkandidaten entscheiden; Markgraf Friedrich von Meißen wurde zum Schiedsrichter ausersehen. 2 ) Eine Anzahl dänischer Großer verpflichteten sich, wenn für den jungen Albrecht entschieden würde, dahin zu wirken, daß er auch wirklich zu seinem Rechte käme. Da sich indessen der dänische Gesandte, Konrad Moltke, nicht unter allen Umständen dem Schiedsgericht unterwerfen zu können erklärte 3 ) so zerschlug sich diese Aussicht auf friedliche Einigung. Ebenso wenig führten Verhandlungen, die zu Mitte Juni des folgenden Jahres (1377) zu Nyborg stattfanden, zum Ziel. 4 ) Immerhin aber war es doch von Nutzen für die Meklenburger, daß eine Anzahl dänischer Adliger, die sich in dem Kopenhagener Vertrage verpflichtet hatten, für das Recht des jungen Albrecht zu wirken, sich jetzt auch gebunden fühlten, und nun, da durch dänische Schuld die Bestimmungen jenes Vertrages nicht ausgeführt waren, offen auf die Seite Meklenburgs traten. 5 ) Vor allem waren es die einflußreichen Herren Tuve Galen und der Reichsrath Anders Jakobsson, die am 4. August 1377 nach Wismar hinübergingen und dort sich dem jungen Herzog Albrecht gegenüber verpflichteten, ihm den Besitz der ererbten, widerrechtlich vorenthaltenen Krone Dänemarks zu verschaffen. 6 ) Ebenso traten am 2. Mai 1378 drei dänische Adlige, Jakob Axelsson, Peter und Jesse Duve, auf Albrechts Seite und wurden dafür mit Gütern in Schonen be=


1) Detmar I, S. 556. Libellus Magnopolensis in Scr. rer. svec III, 1. S. 199 (Detmar II, 377).
2) M. U.=B. XVIII, 10927.
3) Libell. Magn. ebd.
4) H.=R. III, 97.
5) Daenell, Köln. Konföd. S. 78 hat dieses Verhalten der dänischen Adligen damit erklärt, daß im dänischen Reichsrath eine Partei bestanden habe, die antimonarchische Bestrebungen pflegte, die die Verbindung mit den Meklenburgern nur als Drohmittel gebrauchte, um von der augenblicklich schwachen Regierung durch Zugeständnisse für sich selbst möglichst große Machterweiterung zu erlangen. - Das ist durchaus wahrscheinlich, da wir ja bei den schwedischen Adligen dieselben Bestrebungen finden.
6) M. U.=B. XIX, 11038. Styffe I, 68.
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lohnt. 1 ) Während dieser ganzen Zeit der vergeblichen Verhandlungen hören wir nichts von größeren Unternehmungen des alten Herzogs; aber keineswegs war die meklenburgische Partei unthätig, sondern in fortwährendem Kleinkrieg suchte sie dem Gegner unablässig zu schaden, ihn allmählich mürbe zu machen. Zu diesem Zwecke warfen sich meklenburgische Adlige, fehdelustig wie sie waren, und auf dem Lande durch Landfrieden in ihrer Kriegslust beschränkt, auf die See und führten hier nach Art von Piraten ein wildes Kampfleben gegen die dänischen Küstenbewohner und Seefahrer. 2 ) Daß sie es dabei nicht immer so ganz genau nahmen, sondern gelegentlich einmal sich an einem friedlichen Kauffahrerschiff vergriffen, ist nicht zu verwundern. Aber durchaus unerweislich ist es, was Girgensohn 3 ) sagt, daß sich die Meklenburger in ihrem Kampfe gegen die Dänen berufsmäßiger Seeräuber bedient hatten. Zwar gestalteten zu Johanni 1377 die Hansen den meklenburgischen Städten Wismar und Rostock, sich solange vom Kampfe gegen die "Seeräuber" fern zu halten, bis Friede zwischen Meklenburg und Dänemark geschlossen sei, 4 ) und als am 30. Mai 1378 auf dem Stralsunder Hansetage beschlossen wurde, daß jeder, der die "Seeräuber" schütze, als ebenso schuldig angesehen werden solle, wie diese, da verweigerten Wismar und Rostock ihre Zustimmung und traten offen für die "Seeräuber" ein. 5 ) Aber beides beweist doch nur, daß die Hansen keinen Unterschied zwischen den meklenburgischen Parteigängern und den eigentlichen Seeräubern machten, und was die letzteren verbrochen hatten, auch den ersteren in die Schuhe schoben. 6 ) Dagegen verwahrten sich die Bürger der beiden meklenburgischen Städte, für wirkliche Seeräuber aber traten sie schwerlich ein. Noch einmal kam es im Jahre 1378 zu Verhandlungen mit dem dänischen Reichsrathe zu Rostock, die aber wie die früheren scheiterten. 7 ) Nun erkannte der alte Herzog Albrecht, daß schließlich doch nur ein energischer Angriff von durchschlagendem Erfolg


1) M. U.=B. XVIII, 11102-11104. Styffe I, 69-71.
2) Cf. Lindner, Geschichte des deutschen Reiches unter König Wenzel II, 242.
3) S. 7.
4) H.=R. II, 150.
5) H.=R. II, 156.
6) Es wird ebenso gewesen sein, wie 1392, wo die Meklenburger den Stralsundern den Vorwurf machten, daß sie "vele bedderver lude döden leten, de deme kopmanne newerlde schaden dan hadden". H.=R. IV, 217.
7) H.=R. II, 156, III, 108.
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sein würde; mit den Herzögen Erich von Lauenburg und Albrecht von Lüneburg schloß er Bündnisse 1 ) und rüstete dann eifrig zum Kriege. Anfang 1379 gedachte er loszuschlagen, und sicher würde ihm bei dem damaligen Stande der Verhältnisse sein Unternehmen geglückt sein, - da ereilte ihn am 18. Februar 1379 der Tod. 2 ) Der junge König Olaf war von seinem gefährlichsten Feinde befreit, denn trotz seines hohen Alters war Albrecht die Seele des ganzen Unternehmens gewesen. Jetzt gerieth es sofort ins Stocken, denn des Herzogs Sohn und Nachfolger Heinrich betrat, anstatt wirklich loszuschlagen, wieder den Weg der Verhandlungen, die aber ebenso, wie die früheren, ganz ohne Erfolg blieben. So verlief das Unternehmen gegen Dänemark, das so großartig angefangen hatte, allmählich im Sande, und seit dem Jahre 1381 gab der junge Albrecht den Titel eines Königs von Dänemark, den er bis dahin noch geführt hatte, auf und nannte sich seither nur Erbe zu Dänemark. 3 )

Herzog Albrecht war bis an sein Ende geblieben, was er sein ganzes langes Leben hindurch gewesen war: ein Mann von rastloser Thätigkeit und Unternehmungslust. Sein ganzes Leben war der Sorge für das Wohl seines Landes und für die Größe seines Hauses geweiht gewesen, und mit Eifer und Geschick hatte er sich dieser beiden Aufgaben zu unterziehen gewußt. Durch den Erwerb der Grafschaft Schwerin hatte er das Gebiet seines Landes abgerundet, durch zahlreiche Landfriedensbündnisse die Ruhe und Ordnung in demselben aufrecht erhalten. Durch die Erlangung der Herzogswürde hatte er seinem Hause Glanz und Ansehen erworben, die er durch die Unternehmungen während seiner ganzen Regierung noch vermehrte. In allen Kämpfen ein siegreicher Heerführer, war er zugleich ein geschickter und einsichtsvoller Diplomat gewesen; wo er durch die Waffen nicht zum Ziele zu kommen glaubte, hatte er es durch Verhandlungen versucht. Da er wußte, was er den Kräften seines kleinen Landes zumuthen durfte, hat er niemals leichtsinnig zum Schwert gegriffen, sondern stets erst, nachdem er sich leistungsfähige Bundesgenossen verschafft hatte. Deshalb auch sein stetiges gutes Verhältniß mit den Hansestädten, deren Macht, vor allem Geldmacht, er wohl zu würdigen verstand. Sollen doch noch seine letzten Worte der Rath an seine Söhne gewesen sein, sich stets gut mit den Städten zu stellen; das hatte er sein Leben lang gethan und wäre gut


1) Sudendorf V, S. 108.
2) Detmar I, S. 564; cf. M. U.=B. XIX, 11177. 11247, S. 470.
3) M. U.=B. XX, 11344.
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dabei gefahren. - Er war es gewesen, der seinem Sohne Albrecht den schwedischen Thron erkämpft hatte; er war Jahre lang dessen beste Stütze gewesen, und stets hatte er ihm mit Rath und That zur Seite gestanden, wo er sich nicht mehr zu helfen gewußt. Bei dem letzten Kampfe gegen Dänemark hatte er noch alles geleitet. Bis nach Preußen und Livland hatte sein Einfluß gereicht. So kann man seine Unternehmungen fast als ein Streben nach dem dominium maris Baltici für das meklenburgische Haus bezeichnen. Es ist nicht abzusehen, was vielleicht noch geschehen wäre, wenn er länger gelebt hatte. Mit ihm war auch seines Hauses Größe dahin: keiner seiner Söhne hatte seine Gaben geerbt, um dieselbe aufrecht erhalten zu können. Nicht nur, daß sein ältester Sohn Heinrich das dänische Unternehmen einschlafen ließ, auch die Tage seines anderen Sohnes Albrecht als König von Schweden waren gezählt.

König Albrecht von Schweden hatte in das dänische Unternehmen nicht thätig mit eingegriffen. Zweifellos aber wird sein Vater, der sich Anfang September 1376, kurz vor dem Zuge gegen Kopenhagen, wieder nach Schweden begeben hatte, 1 ) mit ihm damals die Umstände berathschlagt haben, und König Albrecht würde, wenn es 1379 wirklich zum Kriege gekommen wäre, an die Seite seines Vaters und seines Neffen getreten sein. 2 ) Denn selbst wenn der letztere dem Könige Olaf vielleicht die Krone nicht mehr abgewonnen hätte, so hätte doch der Krieg unter allen Umständen zu einer bedeutenden Schwächung Dänemarks geführt. König Albrecht selbst hätte dabei Schonen gewinnen können, auf das er seine Ansprüche keineswegs aufgegeben hatte. Und auch die schwedischen Großen würden, trotz allem was vorangegangen war, ihren König in diesem Kriege unterstützt haben, lag es doch auch in ihrem und des Reiches Interesse, daß Olaf und damit sein Vater Hakon (infolge der Vereinigung Dänemarks und Norwegens) nicht zu mächtig wurden. Denn trotz des Friedens vom Jahre 1371 und des Verzichtes auf die schwedische Krone, hatte Hakon in Wirklichkeit seine und seines Hauses Ansprüche auf dieselbe doch noch nicht aufgegeben (wie eine Urkunde vom 26. Oktober 1376 3 ) beweist, in der sich Olaf König von Schweden nennt). Der Umstand, daß dem Reiche von Seiten Hakons Gefahr drohte, scheint nun eine Art Aussöhnung zwischen König


1) M. U.=B. XIX, 10925.
2) Anders Styffe I, S. LXVIII.
3) M. U.=B. XIX, 10935.
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Albrecht und seinen Großen zu Wege gebracht zu haben; von Albrecht hatten sie im Wesentlichen erreicht, was sie wollten, von Hakon hatten sie sich dieselben Zugeständnisse, wäre er wieder zur Regierung gekommen, erst mühsam wieder erkämpfen müssen. So wies sie ihr Vortheil auf Albrechts Seite, und wir finden, daß namentlich der mächtige Bo in dem Kriege mit Norwegen den König eifrig unterstützt (s. u.). Kleinere Grenzstreitigkeiten scheinen schon im Jahre 1374 den Frieden gestört zu haben. 1 ) vielleicht weil Hakon die westlichen Districte, die einst seinem Vater Magnus auf Lebenszeit überlassen waren, nach dessen Tode nicht zurückgeben wollte. Aber zu einem förmlichen Kriege 2 ) ist es damals wohl kaum gekommen; die Anzeichen dafür sind zu gering. Im Jahre 1379 aber scheint der Krieg wieder eröffnet zu sein. 3 ) Wahrscheinlich war zwischen König Albrecht und seinem Vater für dies Jahr ein gemeinsamer Kriegsplan verabredet worden, daß nämlich, während der Herzog gegen Olaf losschlug, der König zu gleicher Zeit gegen Hakon zu Felde ziehen sollte, um diesen an einer Unterstützung seines Sohnes zu hindern. Während nun aber dem Herzog der Tod die Ausführung seines Planes unmöglich machte, hat König Albrecht die ihm zugefallene Aufgabe in Angriff genommen. Aber schon im August ging er auf einen Waffenstillstand ein, 4 ) wohl weil sein Angriff nicht von dem erwarteten Erfolge begleitet war, da Herzog Albrechts Nachfolger Heinrich den Plan seines Vaters nicht ausführte, und so den Bruder im Stiche ließ. Aber im folgenden Jahre wurden die Feindseligkeiten wieder aufgenommen: Im März 1380 erließ König Hakon an seine Unterthanen ein Aufgebot gegen seine Feinde, "die Deutschen in Schweden", die einen Einfall in Norwegen beabsichtigten. 5 ) Der Angriff derselben, der sich aber nicht gegen Norwegen, sondern gegen Schonen richtete, blieb indessen infolge des Widerstandes der Bewohner ohne Ergebniß. Zur Vergeltung machten nun die Norweger, durch dänische Truppen unterstützt, einen Angriff auf Schweden, bei dem die Städte Skara, Jönköping, Westeras und Oerebro in Flammen aufgingen. 6 ) Hierauf ist wohl Frieden eingetreten, wenigstens hören


1) Vgl. Styffe I, S. LXIX.
2) Wie Styffe (I, S. LXX).
3) Diplomatorium Norwegicum II, 461.
4) Ebd. 459.
5) Ebd. 461.
6) Chronologia vetusta ab anno 880 ad annum 1430 in scr. rer. svec. I, 1, S. 66.
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wir in den folgenden Jahren nichts mehr von kriegerischen Ereignissen. König Albrecht und die Schweden waren wohl wegen der Mißerfolge gegen Schonen zum Frieden geneigt; König Hakon aber war im Mai 1380 gestorben, 1 ) so ging auch dessen Wittwe Margareta im Namen ihres Sohnes Olaf wohl bereitwillig auf den Frieden ein, da ihr vor Allem daran zunächst liegen mußte, ihre und ihres Sohnes Stellung in Dänemark und Norwegen zu befestigen. Davon separat schloß Albrecht mit dem Lande Schonen am 31. März 1381 einen Waffenstillstand (zu Skeninge) auf ein Jahr, der aber auch danach weitergehen, doch mit dreimonatlicher Kündigung sollte abgesagt werden können. 2 ) Um seine Stellung zu sichern, war der König in der früheren Zeit schon mit auswärtigen Mächten in Verbindung getreten; so hatte er schon 1375 mit dem livländischen Ordensmeister ein Schutz= und Trutzbündniß geschlossen, 3 ) jetzt gingen für ihn sein Bruder, Herzog Heinrich, und sein Schwager Graf Heinrich von Holstein 4 ) mit dem Könige Ludwig von Polen ein Bündniß ein. 5 ) Bedeutsamer aber als diese auswärtigen Verbindungen war es für König Albrecht, daß im Verlaufe der folgenden drei Jahre eine Anzahl schonischer Adliger auf seine Seite traten; so hielt er im Frühjahr 1384 die günstigste Zeit für gekommen, endlich seine Pläne auf Schonen zu verwirklichen. 6 ) Wieder ergriff er deshalb die Waffen. Diesmal hatte er besseren Erfolg: die Schlösser Oeresten, Oppensten und Laholm wurden erobert, die beiden ersteren vielleicht durch Bo Jonssons Unterstützung, in dessen Pfandbesitz wir sie später finden 7 ) Zwar als der dänische Reichsdrost Henning von Putbus mit einem starken Heere erschien, mußte sich König Albrecht zurückziehen; die Schlösser aber zu nehmen, gelang den Dänen nicht. Trotzdem muß es ihnen im Laufe des Jahres gelungen sein, auf dem flachen Lande das Uebergewicht zu gewinnen, denn im folgenden Jahre konnte König Olaf mit seiner Mutter und seinen Großen hinüber nach Schonen gehen und am 27. Mai 1385 zu Lund eine allgemeine Landesversammlung veranstalten, worauf er sich, nachdem er jedermann seine Privilegien und Rechte bestätigt hatte, am


1) cf. M. U.=B. XIX, 11285.
2) M. U.=B. XX, 11326.
3) M. U.=B. XVIII, 10752.
4) Heinrich war mit Albrechts Schwester Ingeborg verheirathet.
5) 7. September 1381. M. U.=B. XX, 11370. Styffe I, 75.
6) Annales danici ab anno 1316 ad annum 1389 in scr. rer. dan. VI, 534.
7) S. Styffe I, S. LXXII, 77.
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folgenden Tage, dem Trinitatissonntage, in der Kirche von Lund feierlich als dem Herrn des Landes huldigen ließ. 1 )

Inzwischen war in Meklenburg am 4. April 1383 zu Schwerin der Herzog Heinrich gestorben, und ihm folgte im gleichen Monat 1385 sein jüngster Bruder Magnus im Tode. 2 ) Es war klar, daß dadurch König Albrecht, jetzt alleiniger Herzog von Meklenburg zu Schwerin und Vormund über die nachgelassenen Kinder beider Brüder, eine größere Macht, ein freieres Verfügungsrecht über die Kräfte Meklenburgs erlangte. In Anbetracht dessen mochte er als nunmehriges Haupt seines Hauses einerseits es nun für seine Pflicht halten, sich seines Neffen Albrecht, der seine Ansprüche auf den dänischen Thron nicht aufgegeben, sondern nur auf gelegenere Zeit vertagt hatte, kräftig anzunehmen, und dies um so mehr, als er andrerseits auch um seiner selbst willen Olaf energisch entgegentreten mußte; denn dieser hatte ihm nicht nur Schonen entrissen, sondern auch, indem er seit Anfang 1385 den Titel verus heres Sveciae angenommen hatte, 3 ) seine Absicht auf Schweden deutlich kundgethan. Nun hatte König Albrecht allerdings eingesehen, daß er allein ohne Hülfe nichts würde gegen Dänemark ausrichten können; trotz aller vorangegangenen Erfolge hatte er Schonen wieder verloren; die schonischen Großen, die nur ihren eignen Vortheil im Auge hatten, hatten nicht bei ihm ausgehalten, sondern waren, als Henning erschien, sofort zu diesem übergetreten. Auf die Großen seines Reichs konnte sich Albrecht auch nicht verlassen; so suchte er Freundschaft und Bündnisse mit deutschen Mächten. Am 24. Juni 1385 erschien er mit seinem Neffen Albrecht auf dem Hansetage zu Stralsund 4 ) und bot den Städten ein Bündniß gegen Dänemark=Norwegen an. Denn auch die Städte hatten gerechten Grund zur Erbitterung gegen Dänemark. Wiederholt hatten sich die dänischen Vögte in Schonen Gewaltthaten und Bedrückungen gegen hansische Kaufleute erlaubt, 5 ) auch durch Unterstützung der Seeräuber gegen sie verschiedentlich Grund zur Klage gegeben. 6 ) Margareta hatte alle Beschwerden darüber unbeachtet gelassen und Ansprüche auf Schadenersatz hinzuhalten gewußt; als Hakon 1380 gestorben war, hatte sie immer wieder gezögert, die nor=


1) Annal. dan., S. 534.
2) M. U.=B. XX, 11506 und 11674.
3) H.=R. II, 308. 311. III, 190.
4) H.=R. II, 306.
5) H.=R. II, 232.
6) H.=R. II, 240. 254.
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wegischen Privilegien der Städte zu bestätigen, und ihre Vögte in Oslo und Tunsberg hatten, sicher mit ihrem Einverständniß, erklärt, daß die Privilegien nach Hakons Tode überhaupt aufgehört hätten. 1 ) Einen ganz bestimmten Zweck scheint Margareta bei all diesen kleinen Nichtswürdigkeiten im Auge gehabt zu haben: daß ihr die Hansen die verpfändeten 4 schonischen Schlösser vor Ablauf der Frist zurückstellen sollten. Doch dieses Ziel sollte sie nicht erreichen. Vor allem die preußischen Städte, die wegen ihrer steten Verbindung mit den süderseeischen am meisten den Sund zu passiren und deshalb am meisten von den Dänen zu leiden gehabt hatten, waren der Ansicht, daß man das einzige Mittel, durch das man einen Druck auf Margareta ausüben konnte, nicht aus den Händen geben dürfe, 2 ) bevor man nicht Schadenersatz und Bestätigung der Privilegien erlangt hätte. Willkommen war ihnen deshalb ein Schreiben des Königs von Schweden gewesen, das er zusammen mit seinem Neffen, dem "Erben zu Dänemark", erlassen hatte, daß sie die Schlösser nicht ausliefern sollten, weil er selbst Anspruch darauf habe. 3 ) In Hinsicht darauf hatten es am 12. März 1385 auf dem Hansetage zu Lübeck die preußischen Hansen durchgesetzt, daß man dem städtischen Befehlshaber in Schonen, Wulf Wulflam von Stralsund, den Befehl zukommen ließ, die Schlösser ferner auch über den eigentlichen Rückgabetermin hinaus zu behaupten 4 ) Zu Himmelfahrt 1385 war dieser Termin, und Margareta erschien mit Olaf, dem dänischen Reichsrath und großem Gefolge vor Helsingborg und verlangte die Uebergabe. 5 ) Seiner Instruktion gemäß aber verweigerte Wulf Wulflam dieselbe. Das war nun eine Provokation gegen Dänemark gewesen, die für die Hansen die ernsthaftesten Folgen haben konnte; denn obschon man nur Gleiches mit Gleichem vergolten, hatte man formell sich doch Dänemark gegenüber ins Unrecht gesetzt; ein Krieg schien die unvermeidliche Folge. Da erschien nun König Albrecht und machte die glänzendsten Anerbietungen zu einem Bündnisse gegen Dänemark: getreulich wolle er ihnen helfen, ihr Recht von den Dänen zu erlangen, und als sicheres Unterpfand versprach er ihnen dafür Schlösser und Gebiete. 6 ) Aber die Städte - es


1) H.=R. II, 240.
2) H.=R. II, 274. 290. 297.
3) H.=R. II, 297.
4) H.=R. II, 298.
5) H.=R. III, 190. 191 (11. Mai).
6) H.=R. II, 306.
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ist schwer zu verstehen, warum - ließen diese günstige Gelegenheit, ihren alten Einfluß in den nordischen Reichen wieder zu gewinnen, vorübergehen, und die preußischen Städte, die Anfangs dem Bündnisse mit Meklenburg=Schweden geneigt gewesen waren, fügten sich den anderen: man schlug das Bündniß aus und beschloß die Auslieferung der schonischen Schlösser, die dann durch die städtischen Gesandten auch vollzogen wurde. 1 ) Auch Verhandlungen, die König Albrecht mit den Grafen von Holstein, den einstigen Verbündeten seines Vaters, anknüpfte, waren ergebnißlos; Graf Heinrich lebte nicht mehr, und seinem Sohn und Nachfolger Gerhard wußte Margareta durch Zugeständnisse für sich zu gewinnen: am 14. August 1386 belehnte sie ihn zu Nyborg mit dem Herzogtum Schleswig, wofür er dem Reiche Dänemark im Kriegsfalle Beistand gelobte. 2 ) Auf dem Hansetage zu Lübeck war Albrecht im Juli 1386 noch einmal erschienen. 3 ) Hoffte er vielleicht daß die Hansen doch noch schwankend werden und seinem Werben nachgeben würden? Auch Margareta war auf diesem Hansetage anwesend; vielleicht hat er hier mit ihr persönlich Verhandlungen geführt; doch offenbar ohne Erfolg. Dann kehrte er wieder nach Schweden zurück.

Nun mußte er zusehen, wie er allein mit seinen Unterthanen sich gegen die Ansprüche des dänischen Fürstenhauses in Schweden behaupten könne. Doch noch nicht sogleich kam der Kampf wieder zum Ausbruch. Albrecht hatte jetzt begreiflicher Weise keine Lust, Krieg anzufangen, weil alle seine Bemühungen um Bundesgenossen vergeblich gewesen waren. Alle, auf die er hätte rechnen können, hatte ihm Margareta abspenstig gemacht, die Hansen, die Holsteiner. Aber auch sie wartete wohl auf noch günstigere Zeit, bevor sie den entscheidenden Schritt zum Kriege that. Sie sollte nicht allzu lange zu warten haben, bis des Königs eigene Unterthanen mit ihr gemeinsame Sache machten. Zwischen dem Schwedenkönige und den Großen seines Reichs hatte in den letzten Jahren eine Art Friedenszustand geherrscht, aber weit entfernt davon, daß es zu einer aufrichtigen Versöhnung gekommen wäre; die Großen hatten die erlangte Macht eifersüchtig zu wahren, der König im Gegensatz dazu seine wenigen ihm gebliebenen Befugnisse wieder zu mehren gesucht. Einen offenen Zwist hatte das noch nicht wieder hervorgerufen, war aber natürlich dazu ange=


1) H.=R. II, 306. 308.
2) s. Erslev, S. 131.
3) Detmar I, S. 593; M. U.=B. XXI, S. 11790.
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than gewesen, die ohnehin bestehende Spannung zu vergrößern. Ein Punkt vor allem hatte den König noch mehr erbittern müssen: Als er im August 1386 aus Deutschland nach Schweden zurückgekehrt war, war gerade der mächtige Reichsdrost Bo Jonsson gestorben und hatte ein eigenthümliches Testament hinterlassen: Von seinem ungeheuren Besitz sollte nur ein ganz kleiner Theil an seine Erben, seine Wittwe und seinen Sohn fallen; der bei Weitem größte Theil dagegen, der hauptsächlich aus Pfandlehen bestand, sollte solange unter der Verwaltung von zehn schwedischen Großen stehen, bis die darauf stehenden Kronschulden an seine Erben zurückgezahlt waren. Anstatt daß die Lehen also, wie es ohne das Testament geschehen wäre, zwar nicht direkt an den König, aber doch sicher unter seinen Einfluß gekommen waren, wodurch sich seine Macht wieder außerordentlich gehoben hätte, hatte sie Bo seinen Standesgenossen in die Hände gespielt und dadurch deren Macht gegen den König noch mehr gestärkt. Das beweist deutlich, wie wenig echt die Aussöhnung Bos mit Albrecht gewesen war. Den Letzteren mußte das natürlich ungemein erbittern. Am 23. September zitirte er die zehn Testamentsvollstrecker, die sogenannten Testamentarii, zum Dezember nach Stockholm, damit sie ihm die Berechtigung ihrer Befugnisse darlegen sollten. 1 ) Wie sehr sie sich im Gegensatze mit dem Könige fühlten, sieht man daraus, daß sie nicht ohne Zusicherung freien Geleites für sich und ihre Urkunden zu kommen wagten. Ein greifbares Resultat scheinen diese Verhandlungen nicht gehabt zu haben. Aber im Laufe des folgenden Frühjahrs gelang es dem Könige, sich eine Art Gegengewicht gegen die Testamentarii zu schaffen. Bo Jonssons Wittwe nämlich, Frau Greta Dume, mußte mit dem Testamente ihres Mannes nicht minder unzufrieden als der König sein, da es ihr und ihrem Sohne jedes Verfügungsrecht über die Hauptmasse ihres Erbes nahm und zwar so, daß sie wahrscheinlich niemals in den Besitz desselben kommen würden. 2 ) Einzig und allein lag es also in ihrem Interesse, das Testament anzufechten, und da sie dadurch mit den Testamentarii in Konflikt kommen mußte, mit dem Könige gegen den gemeinsamen Feind zu gehen. Sie trat deshalb mit Albrecht in Einvernehmen und erkannte ihn als Vormund über ihre Kinder an, damit er deren Recht gegen die Testamentarii


1) Styffe I, 79.
2) Denn daß der stets geldarme König die Pfandlehn je einlösen würde, war unwahrscheinlich.
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schütze. 1 ) Unter den Begleitern dieser Letzteren hatte sich auf der Zusammenkunft im Dezember auch Bo Jonssons Vogt zu Abo, der Lagmann von Finnland 2 ) Jäppe Abramsson Djeken, befunden. Vielleicht ist dieser schon damals mit dem Könige in Unterhandlungen getreten. Jedenfalls aber erreichte der Letztere jetzt, daß Jäppe gegen Zusicherung einer Anzahl von Rechten den König als Vormund der Kinder Bos anerkannte, daß er damit also sich von der Sache der Testamentarii, das heißt überhaupt der Adelspartei, schied und dem Könige für die Vogteien Abo, Borga und Satagunna den Lehnseid leistete, 23. Juni 1387. 3 ) Noch einmal, nur wenige Tage vor diesem Vertrage, als die Verhandlungen dazu wohl noch in der Schwebe waren, hatte Albrecht zu Konungxhamn bei Stockholm eine Uebereinkunft mit den Testamentarii herbeizuführen versucht 4 ), die aber jedenfalls ebenso ergebnißlos wie die frühere verlaufen war.

Nach dem durch die Verbindung mit Jäppe Abramsson erreichten unzweifelhaften Erfolge über die Testamentarii, meint Girgensohn, 5 ) habe der König, um seinen Sieg ernstlich auszunutzen, seinen sogenannten Reduktionsversuch angestellt, d. h. den Versuch, den Adligen einen Theil ihrer Güter zu nehmen und denselben wieder an die Krone zu bringen. In keiner der gleichzeitigen Urkunden aber findet sich eine Spur von einem solchen Versuche, und deshalb hat schon Styffe 6 ) denselben gänzlich geleugnet; wie mir scheint, mit Recht. Den ältesten Bericht darüber giebt uns die Chronologie svecica ex codice minoritarum Wisbyensium: 7 ) Nach dem Tode Bo Jonssons habe König Albrecht seinen Großen einen Theil ihrer Güter entziehen wollen, den sie und ihre Vorfahren in früheren Kriegszeiten usurpirt hatten; deswegen hatten die Großen, darüber erbittert, sich empört, unter dem Vorwande, der König wolle ihnen ihre Güter nehmen und sie an Deutsche geben. Styffe meint nun, diese ganze Angabe beruhe auf einer Verwechselung, Vermischung mit dem Streite Albrechts und der Großen wegen der Pfandgüter Bo's, und mit der später von Margareta vorgenommenen Reduktion. Das letztere hat Girgensohn 8 ) zurückgewiesen, indem


1) Styffe I, 83.
2) Vgl. Styffe I, 78. 80.
3) Styffe I, 82. 83. 84.
4) 21 Juni 1387. M. U =B. XXI, 11891.
5) S. 63. 64.
6) Styffe I, S. LXXIX Amn.
7) in script. rer. svec. I, 1. S. 45.
8) Beilage V, S. 198.
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er wahrscheinlich macht, daß die Wisbychronik von 1389-1412 gleichzeitig geschrieben sei, wodurch also ein Zusammenwerfen der sogenannten Reduktion Albrechts mit der Margaretas unmöglich scheint. Höchst wahrscheinlich ist dagegen die erstere Vermuthung Styffe's, daß nämlich die Erzählung des Chronisten von Wisby den Versuch des Königs schildert, den Testamentarii die Güter Bo's zu nehmen. Denn die Chronik bringt ihre Erzählung ausdrücklich zusammen mit dem Tode Bo's. Die Güter, die der König einziehen wollte, waren diejenigen Bo's; sie waren ein Theil der Güter, die die Großen (und zwar diese Güter Bo selbst) in unruhigen Zeiten, nämlich in und nach dem Kriege mit Hakon, an sich gebracht hatten. Der König wollte diese Güter an Deutsche geben; das ist auch richtig: nämlich an Bo's Erben, denn Greta Dume, und ihre Brüder Henneke, Klaus, Vollrath und Berthold Dume, die ihr beistanden, 1 ) waren Deutsche. So lassen sich die Angaben der Wisbychronik ungezwungen erklären, ohne daß man einen Reduktionsversuch anzunehmen braucht. 2 ) Anders freilich die um 1449 geschriebene Prosachronik 3 ) und die etwa 1452 verfaßte Reimchronik; 4 ) nach jener hatte Albrecht jeden zehnten, nach dieser gar jeden dritten Freihof sowohl des Adels, wie der Kirche einziehen wollen. Wie Girgensohn 5 ) wahrscheinlich gemacht hat, gehen beide Nachrichten auf eine um 1450 noch lebende Tradition zurück, die in verschiedenen Fassungen existirte. Diese Tradition kann nur von gegnerischer Seite ausgegangen sein, und wir brauchen deshalb nicht daran zu zweifeln, daß es sich in beiden Berichten um tendenziöse, böswillige Entstellung des Thatsächlichen handelt. Durch die Angabe, daß der König jeden zehnten, ja, jeden dritten Hof, ja, sogar von kirchlichen Besitzungen habe einziehen wollen, soll offenbar das Verfahren desselben noch gehässiger machen. 6 ) Wir werden also die Hypothese von einem Reduktionsversuche Albrechts abweisen. Wie hätte denn auch der König so thöricht sein sollen, sich seine


1) S. Styffe I, 83.
2) Auch der Umstand, daß bei der folgenden Empörung gerade die Testamentarii die Führer waren, beweist, daß gerade sie sich mit A. überworfen hatten.
3) Vetus chronicon Sveciae prosaicon in scr. rer. svec. I, 1. S. 247.
4) Förbindelsedict i. Klemming: Rimkrönikor I, S. 187. III, 289.
5) In Beilage V, S. 199.
6) Vielleicht liegt in der letzteren Angabe noch eine Reminiscenz daran, daß sich der Bischof Nikolaus von Linköping unter den Testamentarii befand.
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Großen durch eine derartige Maßregel zu unversöhnlichen Feinden zu machen, wo er einsehen mußte, daß es über kurz oder lang doch zum Kriege mit Dänemark kommen würde, und wo er ohnehin schon ohne Bundesgenossen war. Also nur das Testament Bo Jonssons wollte er ungültig machen und dessen Güter unter seinen Einfluß bringen. Aber auch das war den Großen schon zu viel. Vielleicht auch dadurch noch gereizt, daß er an Jäppe Abramsson einen Helfer erhalten, erhoben sie sich in offener Empörung gegen den König zu Anfang des Jahres 1388. Allein waren die Aufrührer aber doch noch zu schwach, um gegen den König und seine Leute auftreten zu können. Die Mehrzahl der Städte war noch in seinen Händen. Die größtentheils deutschen Bürger der Städte Stockholm und Kalmar waren ihm treu ergeben. Eifrige Unterstützung von Seiten der Meklenburger, wie überhaupt der norddeutschen Adelsherren waren ihm sicher. Da griffen die Großen wieder zu einem Mittel, das sie schon einmal, im Jahre 1371, mit Erfolg angewandt hatten: sie riefen das Volk zum Kampfe gegen die Deutschen auf, und indem sie alle Schuld an der Bedrückung der niederen Klassen von sich abwälzten, stellten sie sich als die Führer des Volkes gegen die Deutschen, die nationalen Feinde, dar. Die Folge davon war zunächst eine unerwünschte: diejenigen Adligen, die sich überhaupt noch als Deutsche fühlten und nicht völlig zu Schweden geworden waren, mußten dadurch in Gegensatz zu ihnen treten. Ehedem hatten sie sich gut mit ihren schwedischen Standesgenossen gestanden, also offenbar dieselben Ziele wie sie, das heißt, eine Erweiterung ihrer Macht, auch auf Kosten der königlichen, gehabt. Nun aber, als Deutsche durch die nationale Bewegung jeden Haltes beraubt, mußten sie ihre einzige Stütze in dem Könige, der sie ins Land gebracht hatte, suchen, und so waren sie wieder ihrerseits in den nun folgenden Kämpfen desselben beste Stützen. So wäre für die schwedischen Großen der Sieg dennoch fraglich gewesen, wenn sich die Nachbarmächte vom Streite fern gehalten hätten. Aber nun war für Margareta von Dänemark der langersehnte Augenblick gekommen. Für sie hatte zwar im vorigen Jahre eine Zeit lang alles auf dem Spiel gestanden, als am 3. August 1387 plötzlich ihr 17 jähriger Sohn Olaf gestorben war. 1 ) Mit ihm war der letzte Sproß aus dem Hause der Folkunger (und mütterlicherseits dem der Estrithiden) ins Grab gesunken, und jetzt konnte der jüngere Albrecht von Meklenburg


1) Untersuchung über das Datum s. Erslev, S. 468, Amn. 16.
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mit vollem Recht seine Ansprüche auf Dänemark erneuern, während in Norwegen, das Erbreich war, der einzige rechtmäßige Erbe jetzt König Albrecht von Schweden selbst war, 1 ) und während auf Schweden selbst jetzt jedes Recht Margaretas erloschen war. Aber es war ihr gelungen, daß der dänische Reichsrath sie als Regentin und bevollmächtigte Vormünderin über Dänemark anerkannt und sich verpflichtet hatte, nur den als König und Nachfolger anzunehmen, der auch ihr genehm sei; 2 ) und ebenso hatten die Norweger im Februar 1388, unter Hintenansetzung der allein erbberechtigten Meklenburger, sie als Regentin des Landes gewählt. 3 ) Und nun wurde ihr von den aufständischen Schweden selbst die Gelegenheit gegeben, sich auch in die Händel zwischen König Albrecht und seinen Großen einzumischen. Die Testamentarii und einige andere Adeligen erschienen bei ihr und ersuchten sie um Hülfe gegen Albrecht; schon im Januar hatte ihr einer derselben, Algot Magnusson, die Schlösser Oeresten und Oppensten übergeben und als Lehen von ihr wieder angenommen. 4 ) Nun kam es am 22. und 23. März zu einem förmlichen Vertrage zwischen ihr und den schwedischen Großen. Es war klar, daß Margareta nicht gesonnen war, umsonst ihre Hülfe zu spenden, sondern sie verlangte geradezu, daß die Großen sie als ihre und ganz Schwedens Herrscherin annehmen sollten. Auf Erik Kettilssons Schloß Dalaborg, wo diese Zusammenkunft stattfand, mußten die Großen ihr das geloben. Dazu sollten ihr dieselben alle Lehen und Schlösser Bo Jonssons, die fast die Hälfte des Reichs ausmachten, überliefern, nur Nyköping und Wiborg 5 ) mit den dazu gehörigen Liegenschaften sollten sie behalten. Dafür versprach Margareta das Reich gegen seine Feinde zu schützen, vor allem auch gegen Albrecht, und es nach Friedensschlusse in seinen alten Grenzen gegen Norwegen wiederherzustellen. Den Großen versprach sie alle Privilegien zu bestätigen, die sie unter den alten Königen vor Albrechts Regierung erworben hatten; über die Schlösser und Lehen wolle sie dann verfügen, wie das Gesetz es bestimmte. Alle Schweden, die Güter in Dänemark oder Norwegen hatten, sollten diese in Frieden besitzenen. 6 ) Es ist sonderbar, daß die Großen auf diese für sie so


1) Durch seine Mutter Eufemia von Schweden und Norwegen.
2) Vgl. Erslev, S. 153. Albrecht IV. starb im Sommer 1388. M. U.=B. XXI, 11995.
3) Ebd. S. 156.
4) Sverges traktater med främmande magter ed. Rydberg II, 462.
5) In Finnland.
6) Sver. traktater ed. Rydb. II, 411. 412.
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ungünstigen Bedingungen eingingen; denn nicht nur daß Margareta dasselbe von ihnen verlangte, was Albrecht gefordert hatte, die Pfandgüter Bo Jonssons, sondern noch dazu mußten sie alle Privilegien, die sie unter Albrechts Regierung erworben hatten, aufgeben. Man hatte meinen sollen, daß sie unter diesen Umständen die Verhandlungen mit Margareta abgebrochen hätten; aber sie waren zu weit gegangen, als daß sie noch hätten umkehren können. Den Kampf gegen Albrecht ganz aufgeben und sich ihm wieder unterwerfen, war nicht möglich; sie waren einmal gegen die Deutschen als Führer des Volkes aufgetreten; dieses würde sich nicht wieder wie 1371 haben beschwichtigen lassen, es hatte ja damals erfahren müssen, daß die deutschen Vögte trotz allen Versprechens nicht entfernt worden waren; die Großen hatten die Schuld davon auf den König geschoben, nun war es klar, daß das Volk dessen Beseitigung verlangte. Allein mit dem Volke den Kampf gegen Albrecht und seine Deutschen aufzunehmen, waren sie zu schwach, so mußten sie sich wohl oder übel Margaretas Bedingungen fügen. Anfangs scheinen sie freilich noch gezögert zu haben. Noch Ende 1387 hatten sie einen Adligen, Klaus Plate, an den Hochmeister des Deutschen Ordens geschickt, um, wie Daenell 1 ) nicht unwahrscheinlich meint, so des Ordens Hülfe, ohne Margareta, sich gegen Albrecht zu verschaffen. Der Gesandte war aber auf der Durchreise durch Pommern von dem Herzog Wratislav VII. von Stolp, dem Verwandten Margaretas, 2 ) und dann nach seiner Befreiung durch den Hochmeister selbst gefangen gesetzt worden. 3 ) Das hatte die einzige Aussicht der Großen, ohne Margaretas Hülfe auszukommen, zum Scheitern gebracht, und so hatten sie sich denn trotz jener harten Bedingungen mit ihr eingelassen, vielleicht mit dem Hintergedanken, daß eine Frau diese Ansprüche später nicht würde durchsetzen können. Eine ähnliche geringschätzige Meinung von der Königin scheint zu seinem eigenen Schaden auch Albrecht gehabt zu haben. Freilich Angaben wie die, daß er ihr spottender Weise einen Schleifstein gesandt habe, darauf sie lieber ihre Scheeren und Nadeln schärfen solle, anstatt Krieg zu führen, sind nichts als Erfindungen der Sage. Aber sie kennzeichnen jedenfalls die


1) S. 74, Anm. 2.
2) Er war mit Margaretas Schwestertochter Maria von Meklenburg verheirathet.
3) Die Gefangennahme Plates durch Wratislav geschah also offenbar im Interesse der Königin; warum aber die durch den Hochmeister, der doch nicht ihr Freund war, ist unklar.
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Stimmung der Deutschen gegen sie; und Scherzworte über sie als den "König Hosenlos" mögen in der That am Hofe Albrechts in Umlauf gewesen sein. Der Kampf zog sich das ganze Jahr über in stetigen kleinen Plänkeleien, aber ohne daß es zu einer bedeutenden Schlacht gekommen wäre, ohne Entscheidung hin. 1 ) Da entschloß sich König Albrecht im Winter von 1388 auf 1389 2 ) nach Deutschland hinüberzugehen und dort frische Truppen zu sammeln, um mit deren Hülfe im folgenden Jahre, vielleicht eine Entscheidung zu seinen Gunsten herbeizuführen. Seine Werbungen in Deutschland hatten guten Erfolg; es gelang ihm, ein starkes Heer zusammenzubringen, zahlreiche deutsche Adlige strömten ihm zu, selbst einige Fürsten schlossen sich ihm an, die Grafen Albrecht von Holstein und Günther von Ruppin, und wahrscheinlich auch Herzog BogislavVII. von Pommern. 3 ) Meklenburg sicherte er durch einen Vertrag mit dem Markgrafen Jobst von Brandenburg. 4 ) Dann ging er noch mitten im Winter 5 ) wieder hinüber nach Schweden. Hier belagerte ein dänisches Heer unter dem Ritter Niels Svarteskaning das Schloß Axewall 6 ) in Westergothland. 7 ) König Albrecht wollte es entsetzen und zog darauf zu. Unterdessen war ein zweites dänisches Heer, das unter der Leitung des Deutschen Heinrich Parow 8 ) stand, auch herangekommen und zog auf Jönköping 9 ) los, um den König abzuschneiden. An der Schnelligkeit des Königs aber scheiterte der Plan, und als das dänische Heer in Jönköping ankam, war er schon vorbei. Dadurch war Niels Svarteskaning mit seinem Heere in eine äußerst unglückliche Lage gerathen, vor sich hatte er die Besatzung Axewalls, im Rücken drohte ihn Albrecht anzugreifen. Nothgedrungen mußte also Heinrich Parow, um seinen Mitfeldherrn zu retten, nun hinter Albrecht hermarschieren, um seinerseits ihm in den Rücken zu kommen. Bei dem Dorfe Asle, eine Meile östlich von der Stadt Falköping - es war am St. Matthiastage, dem 24. Februar 1389 - erreichte die Nachricht von dem Heranrücken des zweiten dänischen Heeres den König, der sofort Halt


1) S. Erslev, S. 161.
2) Am 31. October urk. er schon in Mekl. M. U.=B. XXI, 12023.
3) S. Erslev, S. 161.
4) M. U.=B. XXI, 12031.
5) Am 6. Dez. ist er noch in Rostock. M. U.=B. XXI, 12034.
6) Zwischen Wener= und Wettersee.
7) Detmar II, S. 25.
8) Einst Anhänger Albrechts.
9) An der Südspitze des Wettersees.
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machte, um Parow zu erwarten; er hoffte wohl, ihn zu schlagen und dann ungestört sich gegen Svarteskaning wenden zu können. Zunächst gelang es ihm thatsächlich, zwei dänische Abtheilungen niederzuwerfen, aber er hatte nicht gewartet, bis seine sämmtlichen Truppen geordnet und schlachtbereit waren, und so kam die Schlacht wieder zum Stehen. Immerhin war es aber noch unentschieden, wer den Sieg behalten würde; da wandte sich plötzlich des Königs Reiterführer Gerd Snakenborg mit seiner Abtheilung zur Flucht. Das entschied nach kurzer Zeit das Schicksal der Schlacht. Snakenborgs Korps muß eine wichtige Aufgabe gehabt haben; seine Flucht mußte das übrige Heer erschrecken und in Unruhe, schließlich ins Wanken bringen, so daß es endlich den Dänen gelang, es ganz auseinander zu sprengen. Damit war der Kampf gegen Albrecht entschieden. Der König, der mit den übrigen Herren und seinen Getreuen wohl versucht hatte, die Schlacht wiederherzustellen, war nicht geflohen; so gerieth er mit seinem Sohne Erich, seinem Vetter, Bischof Rudolf von Skara und den übrigen deutschen Herren in Gefangenschaft; sein treuer Feldhauptmann Vicko von Vitzen, der Befehlshaber von Kalmar, war unter den Gefallenen; auch die Dänen hatten den Sieg mit dem Tode ihres Oberkommandanten Heinrich Parow erkauft 1 ) Aber das konnte natürlich bei der Größe des Sieges nicht in Betracht kommen. Margareta eilte auf die Kunde davon von Warberg in Halland, wo sie sich seit Anfang des Kampfes aufgehalten hatte, nach Bahus, wo ihr nun die Gefangenen vorgeführt wurden. Von dem Herzoge Bogislav erlangte sie hier gegen Entlassung der pommerschen Gefangenen, daß er sie als Herrscherin Schwedens anerkannte, ja sich sogar, wenn sie es verlangen sollte, zur Stellung von Hülfstruppen verpflichtete. 2 ) Auch der Bischof Rudolf und die Grafen Günther und Albrecht wurden gegen Lösegeld entlassen. Bei König Albrecht aber und seinem Sohne machte Margareta die Freilassung von ihrer Verzichtleistung auf die Krone Schweden abhängig. Da sich beide hierzu nicht verstehen wollten, blieben sie in der Gefangenschaft und wurden auf die Feste Lindholm in Schonen gebracht.

Durch Verrath der schwedischen Großen war Margareta ins Land gerufen worden; durch Verrath hatte der unglückliche Fürst


1) Detmar II, S. 25, annales danici ab anno 1316 ad annum 1389 in scr. rer. dan. VI, S. 535.
2) Rydberg, Sver. trakt. II, 414.
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den Sieg und die Freiheit verloren; 1 ) jetzt ergriff der Verrath noch weitere Kreise; nicht nur daß Gerd Snakenborg und sein Geschlecht jetzt offen zu der Königin übertraten, 2 ) es ließen sich auch die Söhne des gefallenen Vicko von Vitzen durch Geld bewegen, ihr Schloß Kalmar auszuliefern. Infolgedessen konnte sich auch die Stadt Kalmar nicht länger halten, sondern mußte der Dänenkönigin huldigen. 3 ) Ebenso nahm Margareta mit Hülfe der Großen ohne Schwierigkeit das ganze Land ein. So konnte sie im Oktober des Jahres zu Söderköping einen großen Landtag abhalten, wo sie förmlich die Regierung antrat; die Verträge, die sie im März des Jahres vorher mit den Großen geschlossen hatte, wurden feierlich bestätigt und diese mußten ihr eine große Steuer bewilligen. 4 ) Sie hatten also schließlich nur Nachtheil von ihrem Verrath. Auf diesem Tage scheint auch Jäppe Abramsson zu Margareta übergetreten zu sein, 5 ) er mochte an dem glücklichen Ende des Kampfes für seinen König zweifeln, ja die Herrschaft desselben für allezeit beendigt halten, und wollte nun wenigstens die Schlösser, die er inne hatte, für sich und seine Schützlinge, Bo Jonssons Wittwe und Sohn, bewahren. Margareta glaubte, daß jetzt jeder Widerstand gebrochen sei, und für wie vollständig sie ihren Sieg hielt, beweist ihre Absicht, zum Dank für denselben im folgenden Jahre eine Wallfahrt nach Rom zu unternehmen. 6 ) Daraus sollte freilich nichts werden, denn so ganz, wie sie gedacht hatte, war der Krieg keineswegs zu Ende. Von allen Städten im Lande blieb allein die Hauptstadt Stockholm ihrem rechtmäßigen Könige treu. 7 ) Die Bürgerschaft, die zum größten Theile aus Deutschen bestand, beschloß in Gemeinschaft mit dem Befehlshaber des Schlosses, Herbert Königsmark, sich nicht zu ergeben sondern den Dänen Widerstand zu leisten. Alle dänisch gesinnten Einwohner wurden durch einen Gewaltstreich ausgetrieben. Ein Angriff, der wie es scheint von den Dänen gemacht wurde, wurde abgeschlagen, 8 ) und in den


1) An dem Verrath Snakenborgs ist wohl nicht zu zweifeln; stand doch schon vorher ein Verwandter, Johann Sn., in dänischen Diensten. Daß er nachher der erste deutsche Adlige ist, der auf Margaretes Seite tritt, spricht auch nicht zu seinen Gunsten.
2) Svenska Riksarch. Rerg 2419. 2420.
3) Detmar II, S. 29; Rydberg, Sver. trakt. II, 415.
4) Rydberg II, S. 474 f.
5) S. Girgensohn, S. 92.
6) S. Codex diplomat. Pruss. IV, 111.
7) Omständelig berättelse in script. rer. svec. I, 2, S. 212.
8) Vgl. Rydbera, Sver. trakt. II, 474.
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nächsten Jahren hielt sich die Stadt, die alle Schrecken der Belagerung erleben und außerordentliche Lasten auf sich nehmen mußte, mit einer Energie und Ausdauer, die bewundernswürdig ist. Allerdings ohne Unterstützung von außen wäre das doch wohl kaum möglich gewesen. Trotz König Albrechts und seines Sohnes Gefangennahme war die Herrschaft der Meklenburger in Schweden der Idee nach keineswegs zu Ende, denn vor dem Kriege hatte der König für den Fall, daß ihm etwas zustoßen sollte, seinen Neffen Johann, Magnus' Sohn, zum Regenten Schwedens ernannt; für ihn sollte, da er noch unmündig war, so wurde am 26. August 1390 durch Familienbeschluß des meklenburgischen Hauses festgesetzt, des Königs alter Oheim, Herzog Johann von Stargard, die Leitung übernehmen, und derselbe sollte mit allen Kräften für die Befreiung des Königs wirken. 1 ) Vorher etwas zu unternehmen, war nicht möglich gewesen, da sich die Meklenburger, trotz des Vertrages Albrechts mit Jobst, im Laufe des Jahres 1389 mit Brandenburg in eine Fehde verwickelt hatten. 2 ) Als dann Markgraf Jobst selbst in der Mark erschien, wurde dieselbe beigelegt, 3 ) so daß sich Johann nun der Beschäftigung mit den schwedischen Angelegenheiten widmen konnte. Man beschloß, mit einem Heere den Stockholmern zur Hülfe zu kommen; und noch im selben Herbste ging Herzog Johann mit einer Flotte dahin ab; zwar verlor er ein Schiff durch Sturm, ein anderes durch den Verrath eines Schiffsführers, der es an die Dänen auslieferte, 4 ) die anderen aber kamen glücklich hinüber. 5 )

Im Verein mit den Stockholmern machten die Meklenburger einen Streifzug ins Innere des Landes, zersprengten ein schwedisches Heer und zerstörten die Städte Enköping und Westerås. 6 ) Nach einer späteren Nachricht sollen sie sogar bis Linköping vorgedrungen sein. 7 ) Auf diese Erfolge hin scheinen die Meklenburger mit


1) Rydberg, Sver. trakt. II, 416.
2) Detmar II, S. 33.
3) Das Bündniß von 1389 wurde am 3. Januar 1391 erneuert, M. U.=B. XXII, 12255.
4) Detmar, II, S. 38.
5) Chron. svec. Wisb. in scr. rer. svec. I, 1, S. 45 f. Nach Erslev 176 und Daennell 79 soll Johann nicht nach Stockholm gelangt, sondern umgekehrt sein. Demgegenüber hat Girgensohn S. 162 a 4, wie mir scheint mit Recht, hervorgehoben, daß die Stockholmer ohne Johann wenn dessen Anwesenheit auch nicht ausdrücklich erwähnt wird, einen so erfolgreichen Zug schwerlich hätten unternehmen können.
6) Chron. svec. Wisb. S. 45 f. ad an. 1389.
7) Erich Olai in scr. rer. svec. II, 1, S. 116.
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Margareta wegen der Befreiung der Gefangenen Unterhandlungen angeknüpft zu haben, die jedoch zu keinem Resultat führten. Da sah die Königin ein, daß sie energischere Maßregeln gegen Stockholm ergreifen müsse und sandte eine Heeresabtheilung, die, um die Stadt von aller Zufuhr abzuschneiden, an der Einfahrt zum Hafen zwei Schanzen anlegte. 1 )

Aber auch die Meklenburger blieben nicht unthätig. Im Mai 1391 schlossen die Herzöge Johann und seine Söhne Johann, Ulrich und Albrecht mit ihren Städten Rostock und Wismar, die sich bisher noch zurückgehalten hatten, sich nun aber besannen, was sie ihrem Herrn schuldig waren, ein enges Bündniß, dem alsbald die Ritterschaft der Vogteien Gadebusch, Grevismühlen und Schwerin, sowie die Städte Grevismühlen, Schwerin, Bützow, Sternberg und der Bischof 2 ) und das Stift Schwerin beitraten. 3 ) Man wollte zur Befreiung des Königs und seines Sohnes im Kriege mit Dänemark alle Mittel versuchen. So griff man vor Allem zu einer Maßregel, ähnlich der, die in den siebziger Jahren im Kampf um die Erbfolge in Dänemark gute Dienste geleistet hatte: man beschloß wieder wie damals, im Kleinkriege zur See den Dänen auf alle mögliche Weise Schaden und Abbruch zu thun; aber man ging diesmal weiter als damals; in der richtigen Erkenntniß, daß die Kräfte Meklenburgs allein nicht ausreichen würden, den Kampf mit allem Nachdruck zu führen, erließen die Herzöge mit den Städten eine Proklamation, wonach Allen, die dem Könige von Schweden helfen und für ihn auf eigene Faust den Krieg gegen die Dänen führen wollten, die meklenburgischen Häfen geöffnet sein sollten. 4 ) Dieser Aufruf hatte einen außerordentlichen Erfolg; aus ganz Norddeutschland strömten Schaaren herbei, um an dem Kampfe mit Dänemark theilzunehmen. Es ist klar, daß sich unter diesen Leuten viel Gesindel befand, das nun, unter dem Vorwande, für König Albrecht zu kämpfen, für sich möglichst viel Beute machen wollte, und es deshalb nicht so genau nahm, ob es Schiffe der feindlichen Dänen, oder die unbetheiligter Dritter, der friedlichen hansischen Kaufleute, angriff. Streng von diesen zu unterscheiden sind aber diejenigen, die sich unter den Befehl meklenburgischer Adliger oder der Herzöge selbst stellten, und die ihren ersten Zweck darin sahen,


1) Detmar II, S. 41, 42.
2) Rudolf, auch ein Sohn des alten Johann, der sein schwedisches Bisthum Skara aufgegeben hatte.
3) Urk. vom 3., 11., 15., 18., 22., 24. Mai s. Rydberg, Sver. trakt. II, 417.
4) H.=R. IV, 15.
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das belagerte Stockholm mit Zufuhr aller Art, besonders Lebensmitteln, zu versorgen, und die davon den Namen Vitalienbrüder, das ist: Viktualienbrüder, erhielten. Die Meklenburger konnten natürlich nicht in jedem einzelnen Falle unterscheiden, zu welcher von beiden Kategorien die Leute gehörten, denen sie ihre Häfen öffneten. Daß sie aber zunächst keineswegs daran dachten, mit Leuten der ersten Art, die gemeine Seeräuber waren, gemeinsame Sache zu machen, beweist der Umstand, daß im Jahre 1392 die Gerichtsvögte von Wismar einen gewissen Albrecht vom Sande und Genossen wegen Seeräuberei verfesteten. 1 ) Die hansisschen Kaufleute freilich machten keinen Unterschied zwischen diesen beiden Arten meklenburgischer Parteigänger, den echten und den angeblichen, machten vielmehr für den Schaden, den sie von letzteren, den Piraten, zu leiden hatten, auch die ersteren, die Vitalienbrüder, verantwortlich, und behandelten sie, wenn sie sie fingen, genau so wie jene. Dafür mögen dann wohl später die Vitalienbrüder aus Rache ihrerseits auch manch städtisches Schiff genommen haben, und so kam es, daß allmählich ihr Name auch auf die anderen, die Seeräuber, überging und schließlich damit identisch wurde. - Auch an die Preußen, die Städte und den Ordensmeister, die aus verschiedenen, Handels= wie politischen Rücksichten Grund zur Erbitterung gegen Margareta hatten, 2 ) wandten sich die meklenburgischen Herzöge. Am 8. Juli 1391 gaben die Herzöge Johann und Albrecht und der Bischof Rudolf den Bürgermeistern von Rostock und Wismar, Heinrich Witte und Markward Bantzkow, und zwei Rittern, Werner von Axekow und Heidenreich Bibow, Vollmacht zur Gesandtschaft an König Wenzel und an den Meister des deutschen Ordens. 3 ) Die Gesandtschaft an Wenzel konnte offenbar nur den Zweck haben, daß sich die Meklenburger ein moralisches Plus, das Einverständniß des deutschen Königs, zu verschaffen wünschten; an materielle Unterstützungen von seiner Seite konnten sie wohl kaum denken. Den Preußen aber schlugen sie ein Bündniß gegen Margareta vor und baten sie zugleich, alle Handelsbeziehungen zu Dänemark einzustellen. Sie erhielten aber eine ablehnende Antwort: Die Preußen seien beiden Freund, den Meklenburgern sollten ihre Häfen wie sonst geöffnet sein, aber die Handelsbeziehungen nach Dänemark könne man nicht abbrechen. 4 )


1) Wism. liber proscript., S. 39.
2) S. Girgensohn, S. 104 f.
3) Pötker V, S. 27, cf. H.=R. IV, 16. 217.
4) H.=R. IV, 15.
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Trotz der Ablehnung eines Bündnisses von Seiten der Preußen waren die Meklenburger doch stark genug, noch im Herbst des Jahres 1391 eine bedeutende Flotte von Vitalienbrüdern zusammenzubringen. Mit derselben segelten der alte und der junge Herzog Johann von Stargard nach Stockholm ab. Auf dem Hinwege brandschatzte man die Inseln Bornholm und Gothland. 1 ) Vor Stockholm eroberte man mit Leichtigkeit die eine der beiden die Einfahrt sperrenden Schanzen und konnte so der Stadt die Zufuhr zukommen lassen. Da die Einnahme der anderen aber, die auf einer Klippe sehr unzugänglich gelegen war, Schwierigkeiten machte, und sich nun Nahrungsmangel bemerkbar machte, so zog man es zunächst vor, sich in Unterhandlungen mit dem Feinde einzulassen. 2 ) Zu Nyköping fand im Oktober eine Zusammenkunft mit Margareta statt, die, da sie sich überhaupt in Verhandlungen einließ, offenbar in Bedrängniß durch den meklenburgischen Angriff gekommen war und keinen anderen Ausweg wußte. Wir können die Bestimmungen des Vertrages, der hier zu Stande kam, nur aus späteren Angaben entnehmen: 3 ) Für 50000 Mark sollte der König mit seinem Sohne aus der Gefangenschaft entlassen werden, wofür dem Herzoge einige Schlösser als Unterpfand gegeben wurden; am 9. Juni folgenden Jahres sollte der Vertrag endgültig auf einer Zusammenkunft zu Falsterbo abgeschlossen werden; bis dahin sollte Waffenstillstand sein. Als diese Zusammenkunft dann im Juni 1392 stattfand, 4 ) und Herzog Johann den Abschluß der in Nyborg getroffenen Vereinbarungen forderte, weigerte sich Margareta unter dem Vorwande, sie müsse erst noch darüber berathen; vielmehr verlangte sie, daß, wenn sie den König für die schon reichlich hohe Summe von 50 000 Mark freigeben solle, er dann ihr auf Lebenszeit Stockholm und was er sonst etwa noch in Schweden besaß, für 10 000 Mark verpfänden solle. 5 ) Das war in anderen Worten nichts als eine förmliche Abtretung Schwedens, worauf Herzog Johann natürlich nicht eingehen konnte; so schlug er denn seinerseits vor, ein Lösegeld für den König zahlen zu wollen, so hoch es die Städte Lübeck, Hamburg und Stralsund angeben würden. Das aber verwarf wieder die Königin, die Versammlung ging auseinander, ohne


1) H.=R. IV, 28. 29. 53-55.
2) S. Detmar II, S. 42.
3) H.=R. III, 411. IV, 38. 59.
4) Nicht, wie abgemacht zu Falsterbo, sondern zu Wordingborg.
5) H.=R. IV, 57. 59
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daß man etwas erreicht hatte. Nun lieferte Johann natürlich auch die ihm als Unterpfand gegebenen Schlösser nicht aus, weshalb Margareta sich später heftig beklagte und Johann Vertragsbruch vorwarf; 1 ) ganz mit Unrecht, nicht er, sie selbst war daran schuld, daß der Ryborger Vertrag nicht ausgeführt worden war; ja, man kann sagen, sie hatte die Meklenburger mit diesem Vertrage geradezu betrogen. Die natürliche Folge war der Fortgang des Krieges. Die Städte Wismar und Rostock meldeten den übrigen Hansen, daß sie ihre Häfen wieder den Helfern des Königs geöffnet hätten; 2 ) damit ihre Kaufleute keinen Schaden haben möchten, sollten sie doch jeden Handel nach den nordischen Reichen untersagen, denn die Helfer des Königs müßten natürlich jeden angreifen, der den Dänen Unterstützung leiste und Zufuhr brächte. 3 ) Wären die Hansen darauf eingegangen, so hätte das Aufgeben jeden Handels den armen skandinavischen Reichen, die auf Einfuhr angewiesen waren, bedeutenden Schaden gebracht und sie vielleicht nachgiebiger gemacht, auf annehmbare Friedensbedingungen einzugehen, und das wäre auch den Hansestädten, denen so viel an der Herstellung des Friedens liegen mußte, zum Vortheil gewesen. Aber die Städte weigerten sich, die nordischen Handelsbeziehungen abzubrechen; so mußten sie denn auch die Aussicht auf fortwährende Angriffe von Seiten der Vitalienbrüder mit in Kauf nehmen, und eigentlich kann man es den Meklenburgern nicht verargen, daß sie allen, die der Königin Vorschub leisteten, Abbruch thaten. Ihrer Sicherheit halber erließen die Hansen nur das Gebot, daß kein Handeltreibender anders als in größeren Geschwadern fahren sollte. 4 ) Dagegen erließ Graf Albrecht von Holland an seine Städte das von den Meklenburgern gewünschte Verbot der Fahrt nach den nordischen Reichen; wenn jemand trotzdem fahre, so stehe er für keinen Schaden ein. 5 ) Nun sammelten sich die Vitalienbrüder, und unternahmen, an 1500 Mann stark, unter ihren Führern Henning Mandüvel, Arnold Stuke und anderen einen Zug an die livische und esthnische Küste, offenbar um sich dort einen Stützpunkt für ihre künftigen Fahrten zu suchen. Andere Haufen, es mochten


1) H.=R. III, 411. IV, 220.
2) Während des Waffenstillstandes war von ihnen aus natürlich nichts gegen Dänemark unternommen, also auch allen auf eigne Hand Kämpfenden kein Schutz gewährt.
3) H.=R. IV, 59. 143.
4) H.=R. IV, 60. 124. 125.
5) H.=R. IV, 143. Dipl. Norweg. V, 257.
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dies wohl echte Piraten sein, setzten sich im Sund selbst fest und fielen dort jeden ohne Unterschied an, der in ihr Bereich kam. 1 ) Margareta konnte dagegen garnichts thun, da sie so gut wie gar keine Flotte besaß; deshalb sah sie sich sogar gezwungen, sich durch einen Friede= und Freundschaftsvertrag mit England drei große Schiffe zu leihen. 2 ) Ein Versuch dagegen, mit dem Orden in Preußen in Einvernehmen zu treten, scheiterte an der gänzlich ablehnenden Haltung der preußischen Städte. 3 ) Im Herbst 1392 hatte sie dann begonnen, die Stadt Stockholm durch ein Heer unter dem Dänen Abraham Brodersson und dem schwedischen Großen Algot Magnusson von allen Seiten einschließen zu lassen. Auf der Landseite scheint diese Abschließung einigen Erfolg gehabt zu haben, während die Absperrung von der See gänzlich mißlang. 4 )

Die Unternehmungen der Meklenburger gingen im nächsten Jahre mit gutem Erfolg weiter, aber zugleich war auch die See immer unruhiger und die Schifffahrt für die Städte immer gefährlicher geworden. So hatte der jüngere Herzog Johann 5 ) selbst bei einem Streifzuge nach Bornholm 12 preußische Schiffe erbeutet. 6 ) Die Züge der Vitalienbrüder erstreckten sich jetzt sogar bis in die Nordsee. Eine Schaar unter Anführung eines Verwandten des Königs 7 ) fuhr durch den Sund, plünderte die dänischen und norwegischen Küsten und eroberte und verbrannte die Stadt Bergen, 8 ) und ließen sogar die Einwohner dem König Albrecht huldigen.

Jetzt endlich rafften sich die Hansestädte aus ihrer langjährigen Unthätigkeit auf; sie hatten erfahren müssen, daß die Meklenburger mit ihrer Drohung, alle nach den nordischen Reichen segelnde Schiffe anzugreifen, Ernst gemacht hatten; der ganze Handel war schließlich so gut wie unmöglich geworden. Sie sahen, daß diesem unerträglichen Zustande ein Ende gemacht werden müsse, wenn nicht ihr ganzer Handel zu Grunde gehen sollte. Die preußischen Städte waren es zuerst, bei denen diese Erkenntniß aufkeimte; aber ihre Einmischung sollte sich nicht gegen


1) H.=R. III, 411. IV, 153.
2) Rydberg, Sver. trakt. II, 419.
3) H.=R. III, 411.
4) Ericus Olai in script rer svec. II, 1, S. 117.
5) Sein Vater, der alte Herzog Johann, war im Jahre 1392 gestorben.
6) H.=R. IV, 160. cf. 174. 643.
7) Der Name wird nicht genannt; vielleicht war es Albrecht von Stargard, der auch später als Anführer der Vitalienbrüder vorkommt.
8) Detmar II, S. 50, 51.
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Meklenburg, durch das sie doch all den Schaden erlitten hatten, sondern gegen Margareta richten. Sie hatten wohl erkannt, daß Meklenburg den Kampf nicht anders führen konnte und mußten ihm in ihrem Innern Recht geben; eine gewisse Sympathie für das kleine Land, das sich so wacker gegen den mächtigen Feind hielt und eine so große Aufopferung für seinen Landesherrn bewies, mochte auch dabei mitwirken. Zudem hatten die Herzöge bei allen Reklamationen um Schadenersatz stets die entgegenkommendste Haltung gezeigt. 1 ) Margareta dagegen hatte zu allen Beeinträchtigungen, die sie sich seit Alters gegen die Städte erlaubt hatte, immer neue gefügt; alle Bitten um Abstellung derselben hatte sie hinzuhalten, allen Ansprüchen auf Schadenersatz hatte sie auszuweichen gewußt, und das noch dazu mit einer Freundlichkeit, die, da ihr nichts Reelles entsprach, die Städte nicht minder erbittern mußte, als die Kaltblütigkeit, mit der sie Gewaltthaten ihrer Leute, die fast unter ihren Augen geschehen waren, ableugnete. 2 ) Deshalb hatten sie alle Werbungen 3 ) derselben um ihre Freundschaft mit unzweideutigen Worten abgewiesen. 4 ) Unter ihrem Einfluß geschah deshalb es auch wohl, daß man jetzt auf dem Hansetage zu Lübeck am 22. Juli der gerechten Forderung der Meklenburger endlich nachgab: auf ein Jahr lang wurde die Fahrt nach Dänemark und Schonen streng untersagt, 5 ) und man beschloß außerdem Boten an Margareta zu senden, um sich von ihr einen Tag und Ort angeben zu lassen, an dem sie gesonnen sei, unter städtischer Vermittelung mit den Meklenburgern Friedensunterhandlungen anzuknüpfen. Daß die letzteren sich darauf einlassen würden, wenn ihnen nur einigermaßen günstige Bedingungen angeboten wurden, war klar; aber auch Margareta konnte nicht wagen, die Einmischung der Hansen abzulehnen; das Verbot der Handelsfahrt nach ihren Ländern hatte ihr gezeigt, daß die Städte jetzt gewillt seien, ernsthafte Maßregeln zur Beendigung des Krieges zu ergreifend und der Gefahr, daß die Hansen, wenn sie sich weigerte zu unterhandeln, mit den Meklenburgern zusammen gegen sie gehen könnten, durfte sie sich nicht aussetzen; dazu war sie doch nicht mächtig genug. So kam man denn überein, am 8. September zu Falsterbo die Verhandlungen zu beginnen. 6 )


1) H.=R. IV, 160. 162. 163. 169. 172.
2) H.=R. IV, 153.
3) H.=R. III, 411. IV, 153.
4) H.=R. III, 411. IV, 154.
5) H.=R. IV, 156. 158. 160.
6) H.=R. IV, 159.
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Am 29. September 1393 - die Meklenburger und die städtischen Sendeboten hatten wegen ungünstigen Wetters die Reise nicht rechtzeitig antreten können 1 ) - trafen nun die Gesandten der Hansestädte, der Herzog Johann und die Königin mit ihren Räthen zu Falsterbo zusammen. Von vornherein erklärten aber die Meklenburger, in Sachen der schwedischen Thronfrage nicht verhandeln zu können, dazu stehe niemandem als dem Könige selbst das Recht zu; da aber dieser in der Gefangenschaft nicht die freie Bethätigung seines Willens haben könne, müsse er nothwendiger Weise erst befreit werden. Darauf konnte und wollte sich Margareta nicht einlassen, sie hatte ja sonst den ganzen Krieg umsonst geführt. Da waren es die städtischen Bevollmächtigten, die mit einem vermittelnden Vorschlage hervortraten: Der König solle auf 2 bis 3 Jahre aus der Gefangenschaft entlassen werden und nun in Freiheit weiter mit Margareta verhandeln. Zur Sicherung für letztere sollte während dieser Zeit Stockholm an vier zuverlässige Leute gegeben werden, zu halb und halb aus Albrechts und Margaretas Anhängern. Könnten sich diese beiden inzwischen nicht einigen, so sollte Stockholm den Leuten des Königs wieder gegeben werden, dieser aber in die Gefangenschaft zurückkehren; oder, falls er das nicht thäte, sollte Stockholm der Königin überantwortet werden. Da war nun zwar eine Schwierigkeit, wo vier Leute finden, die beiden Parteien gleich zuverlässig galten? So erklärte sich Johann bereit, Stockholm den Hansen zu übergeben. Nach einigem Zögern erklärte sich Margareta mit diesem Vorschlage einverstanden, doch müsse sie erst zu Hause mit ihren Reichsräthen berathen, welche Garantie sie von den Städten verlangen könne, daß diese auch wirklich unparteiisch handeln würden. Zum nächsten Hansetage wolle sie dann nach Lübeck kommen oder ihre Vertreter schicken und dann die Sache endgültig regeln. 2 ) Damit löste sich endlich zu Ende Oktober die Versammlung, in der sicheren Erwartung, daß nun im nächsten Jahre der langersehnte Friede wirklich eintreten würde, auf. Als aber am 3. März 1394 der Hansetag zu Lübeck zusammentrat, waren die Gesandten fast aller Städte erschienen, auch Herzog Johann mit seinen Räthen war gekommen, aber Margareta hatte sich nicht eingefunden, hatte auch keine Gesandten geschickt, sondern nur ein Schreiben mit nichtssagenden Entschuldigungen. 3 ) In Folge dessen kam


1) H.=R. IV, 160.
2) H.=R. IV, 167.
3) H.=R. IV, 191.
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man wieder nicht zum Abschluß. Es ist klar, daß Margareta mit diesem Hinhalten einen bestimmten Zweck im Auge hatte. Die Verhandlungen zu Falsterbo hatten kein Resultat ergeben, mit dem sie so recht hätte zufrieden sein können. Sie hatte sich offenbar größeren Vortheil von der Gefangennahme Albrechts versprochen; nun sollte sie ihn freilassen und damit das Mittel, durch das sie bei weiteren Verhandlungen einen Druck auf die Meklenburger ausüben konnte, aus der Hand geben. Ueberdies war es nicht sehr wahrscheinlich, daß der König, wenn die künftigen Verhandlungen ergebnislos blieben, in die Gefangenschaft zurückkehren würde; freilich sollte sie ja dann Stockholm erhalten; aber der König hatte dann, da er ja keines seiner Rechte auf Schweden aufgegeben hatte, immer die Möglichkeit, es ihr durch Krieg wieder abzunehmen; und außerdem, wer garantirte ihr, daß die Städte, denen sie ja so manche Schädigung gethan hatte, ihr Stockholm wirklich ausliefern würden, und es nicht vielmehr für sich behalten, und als Druckmittel, ihren Forderungen Nachdruck zu geben, gegen sie anwenden würden. Vortheil erwartete sie also, wenn sie auch den Vermittelungsversuch der Städte nicht abzulehnen gewagt hatte, nur aus einem Hinschleppen der Sache. Dabei hatte sie aber offenbar nicht bedacht, daß sie durch ein derartiges Verhalten den Unwillen der Städte, auch der wendischen, die ihr bis dahin nicht ungünstig gesinnt waren, erregen und sie den Meklenburgern, die auf die Maßnahmen der Städte eingegangen waren, günstig stimmen mußte. Das zeigte sich denn auch in den Beschlüssen dieses Tages: Die Schonenfahrt wurde wieder, außer wenn man in größerer Anzahl zusammen sei, verboten, und die Fahrt durch den Sund ganz untersagt. 1 )

Zugleich aber beschlossen die Städte, da infolge des Verhaltens der Königin für die nächste Zeit das Eintreten eines gesicherten Zustandes zur See nicht zu erwarten war, selber eine Flotte zur Befriedung der See auszurüsten. 2 ) Wäre dieser Plan zu Stande gekommen, so hätte er die Kriegführung der Meklenburger für die nächste Zeit ganz lahm gelegt; das hätte aber Niemand anders als Margareta den größten Vortheil gebracht, und da die preußischen Städte fürchteten, daß die Königin, wenn sie nicht mehr von Seiten der Meklenburger bedrängt würde, in der Schadenersatzfrage wieder den alten ungefälligen,


1) H.=R. IV, 192, cf. 204. 205.
2) H.=R. IV, 192.
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hinhaltenden Standpunkt einnehmen würde, so traten sie mit Entschiedenheit gegen den Plan einer allgemeinen Seewehr auf, 1 ) so daß derselbe thatsächlich nicht zur Ausführung kam. Es ist wohl klar, daß die preußischen Städte mehr um ihrer selbst willen, als im Interesse der Meklenburger die für diese so günstige Haltung eingenommen hatten. Aber die Meklenburger mochten glauben, daß das aus ganz besonderem Wohlwollen für sie geschehen sei, und daraufhin versuchten sie, mit den Preußen ein förmliches Bündniß gegen Margareta einzugehen; im Mai des Jahres 1394 erschienen meklenburgische Gesandte in Danzig und machten den Städten, wie dem Hochmeister ihre Vorschläge. Aber die Städte wiesen das Bündniß zurück; sie wollten sich mit ihren wendischen Genossen, mit denen sie sich nach der Ablehnung der Seewehr ohnehin nicht besonders gut standen, nicht noch mehr veruneinigen; ebenso lehnte der Hochmeister es ab, eine Vermittelung zwischen den schwedischen Großen und den Meklenburgern zu versuchen. Alles, was diese erreichten, war, daß der Hochmeister versprach, mit allen Kräften dafür eintreten zu wollen, daß König Albrecht für ein Lösegeld freigelassen würde. 2 ) Aber trotz dieses Mißerfolges war die Lage der Meklenburger keineswegs ungünstig. Im Winter 1393 auf 94 scheint Margareta den Versuch gemacht zu haben, ohne die Hansestädte in den Besitz Stockholms zu gelangen, die Stadt wurde schwer belagert, und es brach schon Hungersnoth in ihr aus; da gelang es noch rechtzeitig einer Anzahl Schiffen der Vitalienbrüder, die unter der Führung meklenburgischer Adliger, des Rambold Sanewitz, Bosso vom Kaland und anderer standen, nachdem sie sonderbare Abenteuer durchgemacht hatten, in den Hafen einzulaufen und die Stadt wieder zu verproviantiren. 3 ) Im Mai 1394 erlangten die Meklenburger auch in Finnland wieder bedeutenden Anhang, indem sich Bo Jonssons Wittwe Greta Dume ihnen völlig anschloß. 4 ) Auch Jäppe Abramsson scheint sich damals ihnen zunächst heimlich verbündet zu haben; ein öffentliches Bündniß schloß er dann im folgenden Jahre mit Bos Sohn, Knut Bosson, dem er dabei die Schlösser seines Vaters übergab. 5 ) Im Juli gelang es den Vitalienbrüdern sogar, die Stadt Malmö zu


1) H.=R. IV, 205. 212. 213.
2) H.=R. IV, 217.
3) Herrn. Korner herausgegeben von Schwalm, S. 90, 341. Reimar Kock im Grautoff, S. 495.
4) H.=R. IV, 217.
5) Styffe I, 86.
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erobern und in Brand zu stecken, 1 ) In Hinsicht auf alle diese Schädigungen sowohl, wie auf die unfreundliche Haltung der Hansen entschloß sich Margareta, die Verhandlungen doch endlich wieder aufzunehmen; zu Helsingborg sollten dieselben stattfinden. Hier trafen am 22. Juli die Sendboten der Städte, Gesandte des Hochmeisters und die meklenburgischen Räthe mit der Königin und den dänischen Reichsräthen zusammen. Man verhandelte lange, bis weit in den August hinein, mit einander und kam endlich zu dem Resultat: der König solle auf ein halbes Jahr freigelassen werden und versuchen, sich innerhalb dieser Zeit mit Margareta zu einigen; gelänge das nicht, so solle er sich wieder in die Gefangenschaft begeben oder 60000 Mark zahlen. Acht der Hansestädte sollten die Bürgschaft übernehmen und Stockholm besetzen. Am 1. November schon sollte auf einer neuen Zusammenkunft zu Alholm der Vertrag von Helsingborg ratifizirt und die Gefangenen entlassen werden. 2 ) Aber wieder machte ein unvorhergesehenes Ereigniß der Hoffnung auf ein baldiges Eintreten der Ruhe ein Ende: die preußischen Gesandten, die zu dem Alholmer Tage ziehen wollten, wurden auf der Durchreise durch Pommern plötzlich vom Herzog Wratislav VII. aus Feindschaft gegen den Hochmeister gefangen genommen, so konnte der angesagte Tag wegen des Ausbleibens derselben nicht abgehalten werden. 3 ) Man möchte beinahe vermuthen, daß Margareta auch hierbei wieder ihre Hand im Spiele gehabt habe und daß sie von einer abermaligen Verzögerung der Entscheidung Vortheil für sich hoffte. Die anwesenden Gesandten konnten nun nichts weiter thun, als eine neue Versammlung auf den 23. April des folgenden Jahres nach Falsterbo und Skanör anzusetzen. Ein neuer kriegerischer Erfolg der Meklenburger - eine Schaar Vitalienbrüder unter Führung Albrechts von Peckatel eroberten Wisby und einen Theil der Insel Gotland 4 ) - mußte Margareta endlich belehren, daß es schließlich für sie doch das Beste sein würde, baldigen Frieden zu machen. Jetzt endlich stand dem Frieden nichts mehr im Wege, und am 10. Mai 1395 hatten sich alle Gesandten der Städte und des Hochmeisters, der Herzog Johann mit seinem Sohn und Gefolge in Skanör und Falsterbo eingefunden, während die Königin noch einige Zeit auf sich warten ließ (wir wissen nicht, aus welchem Grunde) und erst zu Ende des Monats mit


1) Detmar, II, S. 56.
2) H.=R. IV, 235. 236. 237.
3) H.=R. IV, 242-244.
4) Chron. svec. Wisb. scr. rer. sv. I, 1, S. 46. cf. H.=R. IV, 438.
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ihren Räthen ankam, 1 ) Man hielt sich jetzt bei den Verhandlungen durchaus an die Bestimmungen des Helsingborger Vertrages, die jedoch in einzelnen Punkten modifizirt wurden. So mußte Margareta der gemeinsamen Ansicht der Meklenburger und der Hansen nachgeben, daß es nicht genüge, den König auf ein halbes Jahr freizugeben, und man erreichte, daß dafür drei Jahre bestimmt wurden, 2 ) auch alle anderen beiderseitigen Gefangenen sollten für dieselbe Zeit frei sein. Weiter kam man indessen mit den Verhandlungen nicht, da Herzog Johann und die Meklenburger sich wie früher weigerten, über Stockholm ohne den König etwas Endgültiges abzumachen, und so entschloß sich die ganze Versammlung, nach Lindholm zu ziehen, wo Albrecht immer noch gefangen saß. 3 ) Vom ersten bis zum siebzehnten Juni verhandelte man hier nun im Beisein des Königs und kam endlich zum Abschluß, da sich Albrecht und sein Sohn mit allen Abmachungen, die bereits getroffen waren, einverstanden erklärten. Die Städte, die die Bürgschaft übernahmen, waren: Lübeck, Stralsund, Greifswald, Danzig, Elbing, Thorn und Reval; sie versprachen: Zu Michaelis (29. September) 1398 würden sie entweder den König wieder in die Gefangenschaft ausliefern, oder 60 000 Mark Lösegeld für ihn bezahlen, oder Stockholm der Königin überliefern; doch sollten sie schon zu Trinitatis des Jahres (2. Juni) vorher melden, welche von den drei Bedingungen sie innezuhalten gedächten 4 ) Die Meklenburger sagten dafür zu, daß sie fortan nicht mehr die Piraten schützen würden. 5 ) Bis zum 8. September wollte man alle Urkunden besiegelt haben, dann sollte Stockholm den Hansen übergeben werden und darnach König Albrecht in Freiheit gesetzt werden. 6 ) Wie abgemacht, so geschah es; am 31. August 1395 übergab Herzog Johann den von den Hansen gesandten Hauptleuten Stadt und Schloß Stockholm, und ließ sie ihnen den Huldigungseid leisten. 7 ) Diese sandten die Nachricht davon nach Helsingborg, wo die Gesandten der Städte bereits versammelt waren, um den König in Empfang zu nehmen. Aber erst am 26. September war man so weit gekommen, daß man die Urkunden in Empfang nehmen und über=


1) H.=R. IV, 259-275.
2) H.=R. IV, 261.
3) H.=R. IV, 261. 275.
4) H.=R. IV, 266
5) H.=R. IV, 264.
6) H.=R. IV, 275.
7) H.=R. IV,292. 296.
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geben konnte; nun wurden König Albrecht und sein Sohn Erich herbeigeholt und hatten endlich nach langer, sechseinhalbjähriger Gefangenschaft die Freiheit wieder. 1 )

Mit bewundernswürdiger Umsicht wie im Kampfe, so in den Verhandlungen hatte Herzog Johann während dieser Jahre die schwierige Sache durchgeführt; mit Opferwilligkeit hatte das ganze Land Meklenburg hinter seinem Fürsten gestanden; mit echter Treue aber hatten vor Allem die Städte Wismar und Rostock die Sache ihres Herrn zu der ihrigen gemacht, obgleich sie ihren Genossinnen, den anderen Hansestädten, gegenüber dadurch in die schwierigste Stellung gekommen waren. Nun hatten die Meklenburger und Johann das Ziel erreicht, nach dem sie so lange gestrebt hatten; König Albrecht war frei, ohne daß er irgend eines von seinen Rechten hatte aufgeben müssen. Schweden war dem Könige keineswegs verloren, noch hatte er vollen Anspruch auf Stockholm, und Gothland, das die Meklenburger im Frieden behauptet hatten, konnte zum Ausgangspunkte werden, die ehemalige Machtstellung wieder zu erwerben; doch zunächst herrschte Ruhe.

In der nächsten Zeit suchte Königin Margareta das, was sie errungen hatte, zu ihrem Vortheil auszunutzen. Es war zu Lindholm nach der Freilassung König Albrechts zwischen ihm und Margareta eine Zusammenkunft zum 7. November nach Ryköping angesetzt worden, 2 ) dort wollten sie mit einander über ihre Streitigkeiten übereinzukommen suchen. Es war aber nichts aus diesem Tage geworden, und nachher scheint von keiner von beiden Seiten je wieder eine Annäherung versucht worden zu sein. Die Königin hatte wohl genug daran, auch ohne besondere Abmachungen thatsächlich Herrscherin in Schweden zu sein. Um aber auch ihrem designirten Nachfolger, ihrem Großneffen Erich dem Pommern, die gleiche Stellung zu verschaffen, that sie einen Schritt, der geeignet war, die Unruhe der vorigen Zeit wieder heraufzuführen. Von den Norwegern war Erich schon nach Olafs Tode zum Könige gewählt worden, nun ließ Margareta die dänischen Großen im Januar 1396 und im Juni desselben Jahres auch die Schweden ihn zu ihrem Könige wählen. 3 ) Mit Recht konnte Meklenburg das als Vertragsbruch ansehen, denn offiziell war ja Albrecht immer noch König von Schweden und


1) H.=R. IV, 298.
2) H.=R. IV, 297.
3) S. Erslev, S. 199.
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der Kampf um die Entscheidung ja keineswegs zu Ende, sondern nur durch Waffenstillstand unterbrochen, und es ist den Meklenburgern nicht zu verargen, daß sie nun den Kampf um die verlorene Krone wieder begannen. Albrecht selbst freilich scheint nicht mehr recht dazu aufgelegt gewesen zu sein, noch einmal das Kriegsglück zu versuchen, sondern überließ jetzt den Kampf seinem Sohne, Herzog Erich. Erich begab sich nach Gothland, um hier Wisby als Stützpunkt für seine Unternehmungen zu gebrauchen. 1 ) Vitalienbrüder, die nach 1395 keineswegs aufgehört hatten zu bestehen, schlossen sich ihm an. Mit ihrer Hülfe bezwang er den Sven Sture, einen schwedischen Adligen, durch den die Königin die Insel und Wisby zu erobern versucht und der sich nach dem Mißlingen dieses Planes auf eigne Hand in einem Theile Gothlands festgesetzt hatte;) 2 ) jetzt von Herzog Erich besiegt, trat er in dessen Dienste über, und damit war jetzt die ganze Insel in meklenburgischem Besitz. 3 ) Nach diesem Erfolge dachte Erich auf dem schwedischen Festlande wieder Fuß zu fassen; im Juli 1397 segelte eine Flotte auf Stockholm zu, um die Stadt zu überrumpeln; Sven Sture war selbst mit der Leitung betraut worden. Der Plan mißlang aber infolge der Aufmerksamkeit der städtischen Hauptleute, und die Flotte mußte unverrichteter Sache wieder abziehen. 4 ) Da starb am 26. Juli 1397 plötzlich Herzog Erich auf Gothland. 5 ) Seine junge Wittwe, Sophia von Pommern, überließ die Leitung ihrer Interessen an Sven Sture, der in seinen Burgen wieder den Piraten Zuflucht gewährte. Als infolgedessen sich der Hochmeister an den König Albrecht wandte, er möchte dem Unwesen, durch das den Städten wieder der größte Schaden erwuchs, zu steuern versuchen, da erklärte der König, er könne nichts dagegen thun; Meklenburg hatte keine Macht mehr über die wilden Schaaren. Doch noch einmal versuchten die Meklenburger, in geordneter Kriegsleitung sich an ihre Spitze zu stellen und so ihrer Herr zu werden; Herzog Johann ging hinüber nach Gothland und sagte dem Könige Erich Krieg an. 6 ) Aber in seiner Hoffnung auf guten Erfolg sollte er sich getäuscht haben. Es gelang ihm nicht, den Krieg wieder in geordnete Bahnen zu lenken. Die Seeräuber wurden immer


1) H.=R. IV, 438.
2) H.=R. IV, 361.
3) S. Erslev S. 207.
4) H.=R. IV. 410.
5) Scr. rer. Suec. Ia, S. 46. Detmar II, S. 93 (um Sept. 8).
6) H.=R. IV, 438.
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zügelloser, und es war deshalb kein Wunder, wenn der Versuch der Meklenburger, die Hansen und Preußen wieder für sich zu interessiren, auf kein Entgegenkommen traf. 1 ) Durch die Verhältnisse in Livland, einen Streit um das Erzstift von Riga, waren sie ohnehin mit dem Orden in Conflict gerathen, 2 ) Preußen konnte jeden Augenblick einen Angriff der gothländischen Vitalienbrüder erwarten, da beschloß der Hochmeister Konrad von Jungingen, der Gefahr durch seinen Angriff zuvorzukommen. Im Marz 1398 segelte er mit einer bedeutenden Flotte hinüber nach Gothland, griff die Raubburgen Stures an und zerstörte sie, rückte dann vor Wisby, wo sich Sture und Herzog Johann selbst aufhielten und zwang nach längerer Belagerung die Städte sich am 5. April zu ergeben. So blieb dem Herzog schließlich nichts anderes übrig, als die Insel dem Orden zu übergeben, nachdem der Hochmeister versprochen hatte, sich darüber mit König Albrecht einigen zu wollen. 3 ) Im Mai 1399 versetzte dieser für 30000 Nobel Gothland an den Orden. 4 ) Am 29. September 1398 hatten die Hansestädte bereits, da es dem Könige Albrecht nicht möglich gewesen war, die ausbedungene Summe von 60000 Mark als Lösegeld zusammenzubringen, vertragsgemäß Stockholm an die Königin Margareta ausgeliefert; 5 ) und damit war für Meklenburg der letzte Rest seiner einstigen Macht, seiner Weltstellung verloren, und es war wieder eingetreten in die Reihe der kleinen norddeutschen Territorialmächte.

Der alte Herzog Albrecht hatte Meklenburg einst hoch emporgehoben, unter seinem Sohne, dem Könige Albrecht, ging diese hervorragende Stellung wieder verloren; aber es wäre unbillig, wenn man den letzteren allein dafür verantwortlich machen wollte. In den Umständen vielmehr hatten die Ursachen gelegen, daß er sich auf dem schwedischen Throne nicht hatte halten können; oder wenn irgend jemandem. so muß man den schwedischen Großen die Schuld daran beimessen. Sie hatten ihn auf ihren Thron gerufen, weil sie gehofft hatten, durch ihn und statt seiner herrschen zu können; als er sie aber enttäuschte, als er seine Aufgabe ernst nahm und, auf seinen Vater gestützt, selbst König sein wollte, waren sie ihm Feind geworden. Das Volk hatte er sich nie gewinnen können, dessen Herz er sich von


1) H.=R. IV, 413. 425. 426.
2) Darüber vgl. Lindner: Wenzel II, 274 f.
3) H.=R. IV, 437. 438.
4) H.=R. IV, 657.
5) Detmar II, S. 105
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vornherein durch die Begünstigung der Deutschen entfremdete, die er doch als nothwendigste, sicherste Stütze brauchte. Freilich hatte Albrecht seines Vaters treffliche Gaben nicht besessen, weder sein diplomatisches Geschick, noch sein Feldherrntalent; aber einen gesunden Verstand und wackeren Muth und Entschlossenheit hatte er mehrfach gezeigt: ersteren, als er den Alholmer Vertrag, so günstig er auch für ihn scheinen mochte, als unannehmbar erkannte, letztere in den Kämpfen mit Waldemar, Hakon und noch zuletzt auf dem Schlachtfelde von Asle. Durchaus geschickt hatte er sich benommen, als er in den Kämpfen mit dem Adel die Gegner zu trennen verstand, indem er Jäppe Abramsson und Greta Dume für sich gewann. Von Charakter mag er etwas leicht gewesen sein, aber nie, so läßt sich nachweisen, hat er während seiner ganzen Regierung eine Handlung gethan, um deren Willen man ihn mit Recht verurtheilen könnte, etwa wie seine große Gegnerin Margareta mit ihrer hinterhaltigen Politik.

Unter anderen Umständen wäre er vielleicht ein glücklicher Herrscher gewesen; die Böswilligkeit und der Verrath, mit denen er zu kämpfen hatte, hätten auch einen anderen zu Fall gebracht. Und so wird unser Endurtheil über König Albrecht dahin lauten, daß er gewiß kein hervorragender, aber immerhin ein durchaus achtenswerther Fürst gewesen ist.

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II.

Die Kirchenbücher in Meklenburg=Strelitz.

Von R. Krieg,

Amtsrichter in Schlieben.

~~~~~~~~~~~~~~

I m 60. Bande dieses Jahrbuches hat Herr Dr. Friedrich Stuhr die Kirchenbücher des Großherzogthums Meklenburg=Schwerin nach den amtlichen Quellen zusammengestellt und einen Ueberblick über die Geschichte dieser für die Familienforschung höchst wichtigen Register gegeben. Die Meklenburgischen Kirchenordnungen von 1540, 1552 und 1557 enthalten danach noch keine Bestimmungen über die Führung der Register, erst die revidirte Kirchenordnung von 1602 befiehlt deren Anlegung, und im Jahre 1650 werden die Bestimmungen wiederholt und den Geistlichen neu eingeschärft. Dr. Stuhr nimmt auf Grund dieser Anordnungen an, daß im 17. Jahrhundert fast in allen Gemeinden Meklenburgs Kirchenbücher vorhanden gewesen, zum großen Theile aber in Folge von Pfarrhausbränden, sowie in den vielen Kriegen und bei den unaufhörlichen Truppendurchzügen zu Grunde gegangen seien. Die Annahme wird durch Aufzeichnungen in einzelnen Kirchenbüchern bestätigt und gilt auch für das Großherzogthum Meklenburg=Strelitz, da die beiden Länder mitsammt dem Fürstenthum Ratzeburg damals unter einer Verwaltung standen. Erst als durch den Hamburger Vergleich vom 8. März 1701 die Länder getrennt wurden, gingen die kirchlichen Verwaltungen ihre eigenen Wege und die Aufsicht über die Führung der Kirchenbücher in Meklenburg=Strelitz unterstand von da ab dem Konsistorium in Neustrelitz. Die erste selbständige Verordnung auf diesem Gebiete erging aber erst unter dem Herzog Adolf Friedrich am 19. März 1764. Es heißt darin: "Und da Wir mit Befrembden ver=

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nehmen, wie von einigen der Ern Prediger im Lande das Tauf=Trau= und Todten=Register nicht in ordentliche Bücher eingetragen und in Ordnung gehalten, sondern dasselbe vielmehr den Küstern und Schulmeistern überlassen werde, Wir aber dieses als einen großen Misbrauch nicht weiterhin zu dulden gemeynet sind, so habt Jhr zugleich gedachten sämmtlichen Ern Predigern ernstlich aufzugeben, daß sie hierzu ordentliche Bücher verfertigen, darinn alles selbst eintragen und auf das genauste verwahren, auch sofort die von den Küstern und Schulmeistern etwan darüber gehaltenen Register sich extradiren lassen, solche in Ordnung bringen und mitaufheben sollen, solchergestalt, daß auf erstes Erfordern Unseres Konsistorii alles sogleich vorgelegt werden könne." 1 )

Nach einer weiteren Verfügung des Herzogs Karl vom 9. Februar 1803 erachtete man es für zweckmäßig, von allen Kirchenbüchern zur Ergänzung in vorkommenden Nothfällen Duplikate beim Konsistorium aufzubewahren, und es wurde verordnet, von 1803 ab alljährlich zu Neujahr eine reine und leserliche Abschrift von den Kirchenbüchern des vorangegangenen Jahres an das Konsistorium einzusenden. Diese Vorschrift stimmt mit einer ähnlichen im Großherzogthum Meklenburg= Schwerin überein; dort wurde jedoch die Einsendung von Abschriften schon von 1740 an an die Superintendenturen angeordnet, und man ging in neuester Zeit in der Sicherstellung der Kirchenbücher so weit, daß 1874 vom Oberkirchenrath die Ablieferung aller geschlossenen Register des 17. und 18. Jahrhunderts mit der Grenze des Jahres 1750 an das Geh. und Hauptarchiv angeordnet wurde. In Folge dessen sind sämmtliche alten Kirchenbücher der Pfarren Großherzoglichen Patronats dem Archive zugeführt worden. Die ritterschaftlichen Kirchenpatrone können von dieser Bestimmung ebenfalls Gebrauch machen. Für Strelitz ist es bisher bei der Einsendung von Abschriften geblieben, aber vom 1. Januar 1810 ab trat zur besseren Einrichtung der Kirchenbücher ein neues Schema in Kraft, das bis ins einzelne die Regeln ordnete, die bei der Abfassung der Register zu beobachten waren. Das Geburtsregister z. B. enthielt den Namen des Kindes, Namen und Stand der Eltern, Tag der Geburt und der Taufe sowie der Impfung und endlich die Namen der Gevattern. Im Trauregister wurden die Namen der Brautleute, die der Eltern, der


1) Scharenberg u. Gentzken, Gesetzsammlung für die Meklenburg=Strelitzschen Lande. Abth. I. Kirchen= und Schulsachen. 1859.
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Tag der Trauung und der Ort des Aufgebots, und im Sterberegister der Name des Verstorbenen, sein Stand und Geburtort, sein Alter und die Zeit des Todes, sowie der Beerdigungstag und die Todesart angegeben.

Das Alter der Kirchenbücher in Meklenburg=Strelitz geht aus den von Dr. Stuhr angegebenen Gründen der Pfarrhausbrände und Kriegsunruhen ebenfalls nicht weit zurück, und es kann auch hier die allgemeine Beobachtung gemacht werden, daß die Register im nördlichen Deutschland später angelegt worden sind, als in den mittleren und südlichen Landestheilen. Während z. B. nach den kürzlich erschienenen Aufzeichnungen des Pastors Blanckmeister in Sachsen mehr als 300 Kirchenbücher aus dem 16. Jahrhundert auf uns gekommen sind, und die ersten sächsischen Register bereits 1502 beginnen, vergeht in Meklenburg=Strelitz noch ein ganzes Jahrhundert, ehe wirklich die Anlegung von Kirchenbüchern auch nur angeordnet wird - 1602. Aber auch inhaltlich sind sie dann bei weitem dürftiger, als beispielsweise eben in Sachsen: denn dort enthält fast jedes Register eine mehr oder weniger umfangreiche Ortschronik oder sonstige geschichtliche Mittheilungen; in Meklenburg=Strelitz dagegen gehören derartige Aufzeichnungen zu den Seltenheiten. Vielleicht liegt das an dem beweglicheren, mittheilsameren Charakter der damaligen sächsischen Geistlichen und an dem freieren, mit der Reformation und dem geistigen Aufschwünge enger verknüpften Wesen gegenüber dem ernsten, zugeknöpften Leben der Küstenbewohner. Die nachweisbare Registerführung in Meklenburg=Strelitz beginnt bald nach der erwähnten Verordnung von 1602, und zwar ist das älteste Taufregister in der Kirche St. Marien in Neubrandenburg vom Jahre 1611. Allerdings ist in Schlagsdorf nach Angabe des ersten evangelisch=lutherischen Pfarrers Däling im Jahre 1577 beim Brande der Pfarre das erste Kanzelregister verbrannt, aber man kann nicht ohne weiteres annehmen, daß das ein Verzeichnis der Getauften, Vermählten und Verstorbenen gewesen ist.

Das nächst älteste Kirchenbuch wird in Carlow aus dem Jahre 1614 geführt und daran schließen sich die Register von Strelitz (Alt=) 1620 und Selmsdorf 1624. Diese 4 Gemeinden bilden eine besondere Gruppe für sich. Aus dem 4. und 5. Jahrzehnt sind dann vorhanden die Kirchenbücher von Schönberg 1640, Ratzeburg 1641, Demern aus demselben Jahre, ebenso Schlagsdorf, Fürstenberg 1641, ebenso Herrnburg, Badresch 1650, Fürstenhagen 1653. Aus demselben Jahrhundert stammen noch

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die Kirchenbücher von Käbelich 1665, Dewitz 1667, Tornow 1671, Gehren 1674, Schwanbeck 1676, Schillersdorf 1679, Grünow, Rödlin und Wanzka 1680, Wesenberg 1681, Jatzke 1682, Schwichtenberg 1687, Mirow 1690, Rühlow 1693, Roga 1696 und Weitin 1699. Dabei sei übrigens bemerkt, daß nicht immer alle drei Register mit den genannten Jahren beginnen, wie sich aus dem nachstehenden Verzeichnisse ergiebt.

Schließlich sei auch an dieser Stelle dem Großherzoglichen Konsistorium in Neustrelitz der Dank für die Bereitwilligkeit ausgesprochen, mit der es die Zusammenstellung in die Wege geleitet hat; ebenso der Großherzoglichen Bibliothek in Neustrelitz, die bereitwilligst die Literatur zur Verfügung gestellt hat.


Abkürzungen: T. = Taufregister, Tr. = Trauregister, B. = Begräbnißregister; Cm. = Communikantenregister; Cfm. = Confirmandenregister; Pr. = Präpositur.

Badresch. Pr. Woldegk.

T. 1650 lückenfrei. Tr. 1650 mit Lücke von 1747-1769. B. 1650 mit Lücken von 1703-1713, 1748-1768. Cm. 1826. Cfm. 1770. Zugehörige Kirchen 1 ) Rattey, Schönhausen und Voigtsdorf ebenso. Getrennte Register.

Ballwitz. Pr. Stargard.

T. 1750. Lücke 1757-1764. Tr. 1751. Lücke 1752-1764. B. 1750. Lücke 1751-1764. Cm. 1838. Ctm. 1800. Für die Zeit vor 1750 s. unter Wanzka. Zugehörige Kirchen Groß=Nemerow und Rowa. T. 1699. Tr. 1737; Lücke 1738-1746. H. 1737; Lücke 1738-1746. Sämmtliche Register in einem Buche.

Bredenfelde. Pr. Stargard.

T. Tr. H. 1737 ohne Lücken. Cm. 1851. Cfm. 1788. Zugehörige Kirchen Cantnitz und Lüttenhagen T. Tr. B. 1755, vorher s. unter Teschendorf. Krumbeck lückenhaft von 1773-1790, ebenso Lichtenberg; im Krumbecker Kirchenbuche finden sich längere Ausführungen über die Besitzer des Gutes, über die zweifelhafte Landeszugehörigkeit (Preußen oder Meklenburg) und kurze Nachrichten über die Leiden des Dorfes 1806-1807. Bis 1810 sind alle Register in einem Buche geführt.


1) Eine nähere Bezeichnung der zugehörigen Kirchen als kombinirte Mutterkirchen oder Filialen ist hier und in folgendem unterblieben, weil sich nicht in allen Fällen Sicheres ermitteln ließ.
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Brunn. Pr. Neubrandenburg.

T. Tr. 1750 ohne Lücken. B. 1810. Cm. 1860. Cfm. 1810. Zugehörige Kirche Ganzkow ebenso. Die Register sind getrennt.

Camin. Pr. Wittenburg in Meklenburg= Schwerin (für Dodow). T. Tr. 1677. B.

1678 ohne Lücken. Cm. 1685-1715 und von 1816 bis jetzt (nur summarisch, ohne Namensangabe). Cfm. 1766. Die Register enthalten längere geschichtliche Nachrichten.

Carlow. Pr. Ratzeburg.

T. und B. 1614; Tr. 1615. In allen drei Registern Lücken von 1630-1633, 1636-1640. Cm. 1777. Cfm. 1810. In den Registern der Jahre 1700-1720 sind längere geschichtliche Nachrichten von dem pastor Joachim Ernst Bredefeldt enthalten.

Groß=Daberkow. Pr. Woldegk.

T. Tr. B. 1803; Cm. 1852; Ctm. 1811; ebenso in den Zugehörigen Kirchen Mildenitz und Holzendorf (letztere nur bis 1810 zugehörig, jetzt nach Helpt eingepfarrt). Die älteren Kirchenbücher sind 1873 verbrannt.

Dahlen. Pr. Friedland i. M., errichtet 1757, vorher in Beseritz. T. 1715. Tr. 1762. B.

1762. Cm. 1817. Cfm. 1825. Ohne Lücken; seit 1799 getrennte Register für Beseritz und Dahlen.

Demern. Pr. Ratzeburg.

T. 1723. Tr. 1641. B. 1641. Cm. 1761. Cfm. 1761. Ohne Lücken.

Dewitz. Pr. Stargard.

T. Tr. B. 1667. Lücke in allen drei Registern von 1697-1707; bei Tr. auch Lücken von 1669-1672, 1676-1681, 1683-1685. Cm. 1851. Cfm. 1811. Zugehörige Kirche Cölpin ebenso, doch in Tr. nur eine Lücke von 1695-1706; die Register sind getrennt.

Eichhorst. Pr. Friedland.

T. 1725. Lücke 1739-1749. Tr. 1750. B. 1749. Cm. 1851. Cfm. 1803. Zugehörige Kirche Liepen: T. 1725; Lücke 1735-1750. Tr. 1749. B. 1750. Cm. 1851. Cfm. 1803. Die Register sind bis 1807 in einem Buche geführt.

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Feldberg. Pr. Woldegk.

T. Tr. B. 1740; ohne Lücken. Cm. 1851. Cfm. 1819. Zugehörige Kirchen Carwitz, Conow und Wittenhagen ebenso. Die Register sind seit 1867 getrennt.

Friedland. Pr. Friedland i. M.

St. Marien. T. 1705; ohne Lücken. Tr. 1705; Lücke 1760. B. 1704; ohne Lücken. Cm. 1836. Cfm. 1835, die älteren Register sind beim großen Brand 1703 vernichtet. Zugehörige Kirche Lübbersdorf: T. Tr. B. 1810. Cm. 1851. Cfm. 1811. Aeltere Register sollen in Kotelow, wohin Lübbersdorf vorher eingepfarrt war, durch einen Brand vernichtet sein.
St. Nicolai. T. Tr. B. 1705. Cm. 1851. Cfm. 1820. Die älteren Register sind beim großen Brande 1703 vernichtet.

Fürstenberg. Pr. Neustrelitz.

T. 1649; ohne Lücken. Tr. 1646; Lücke 1690-1699 B. 1718. Cm. 1851. Cfm. 1830. Zugehörige Kirche Buchholz ebenso. Im Register sind feit 1733 Pfarr=, Kirchen= und Schulnachrichten. Die Register sind in einem Buche.

Fürstenhagen. Pr. Woldegk; verbunden von altersher mit Weggun in Brandenburg, dem Sitze des Pfarrers.

T. 1653; Lücke 1656-1663. Tr. 1654; Lücken 1663-1694 und 1764-1789. B. 1662; Lücken 1671-1692 und 1765-1789 Cm. 1888. Cfm. 1813. Im ältesten Register ist ein Anhang von einigen Seiten mit kurzen Nachrichten allgemeiner Art. Zugehörige Kirche Wrechen: T. Tr. B. 1799; Cm. 1888; Ctm. 1813; bis 1799 war es in Bredenfelde eingepfarrt.

Gaarz. Pr. Wesenberg=Mirow.

T. 1704. Tr. 1705. B. 1704. Cm. 1854. Cfm. 1792. Keine Lücken. Zugehörige Kirche Vietzen ebenso. Register in einem Buche.

Gehren, Pr. Friedland; errichtet 1659, vorher in Galenbeck.

T. B. 1674. Tr. 1677.Cm. 1867. Cfm. 1817. Zugehörige Kirche Galenbeck ebenso.

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Göhren. Pr. Woldegk.

T. Tr. B. 1745; Cm. Cfm. 1789; alle lückenlos; die Register der zugehörigen Kirchen Plath und Leppin, die seit 1892 zu Plath eingepfarrt sind, befinden sich im Göhrener Kirchenbuch bis 1837.

Grünow. Pr. Neustrelitz.

Sämmtliche Register beginnen 1680, jedoch lückenhaft bis 1725. Cm. und Cfm. 1836. Zugehörige Kirchen Dolgen und Goldenbaum ebenso. Die Register sind in einem Buche.

Helpt. Pr. Woldegk.

T. 1746. Tr. 1748. H. 1747. Cm. 1851. Cfm. 1775. Zugehörige Kirche Kreckow T. 1747. Tr. 1747. B. 1747. Cm. 1851. Cfm. 1775. Zugehörige Kirche Holzendorf T. Tr. B. 1704, mit Ausnahme der in Groß=Daberkow verwahrten Register von 1803-1810; Cm. 1851; Cfm. 1822. Das Pfarrhaus in Helpt ist 1736 mit sämmtlichen Akten durch Brand vernichtet worden. Die Register sind getrennt.

Herrnburg, Pr. Ratzeburg.

T. Tr. B. beginnen 1649. Lücken in T. 1695, 1714 in Tr. 1655, 1713-1716, 1739-1740 und in B. 1695, 1713-1716, 1739; Cm. seit 1775 Zahlenregister. Cfm. 1784-1802, dann seit 1810.

Hinrichshagen. Pr. Woldegk.

T. 1728. Tr. 1728. B. 1728. Cm. 1851. Cfm. 1810. Dasselbe gilt von den Registern der zugehörigen Kirchen Rehberg und Ballin, die getrennt von Hinrichshagen geführt sind, jedoch sind Lücken im Rehberger B. von 1745-1760, im Balliner Tr. von 1770-1773 und B. von 1751-1766.

Jatzke. Pr. Friedland.

T. 1682; unvollständig 1747-1757. Tr. 1690; Lücke 1746 bis 1757. B. 1691; Lücke 1743-1757. Cm. 1851. Cfm. 1801. In den Sterberegistern sind zuweilen kurze Aufzeichnungen über das Leben der Verstorbenen. Zugehörige Kirche Genzkow: T. 1676. Tr. 1692. B. 1690. Lücke in allen drei Registern von 1747-1757. Die Register sind getrennt.

Käbelich. Pr. Stargard.

T. 1665; Lücke 1700-1702. Tr. 1665; Lücken 1699-1702 und 1730-1756. B. 1665; Lücken 1700-1702 und

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1739-1756. Cm. 1851. Cfm. 1757. Zugehörige Kirche Petersdorf ebenso. Die Annalen enthalten eine Uebersicht über die Lebensläufe der Pastoren seit dem dreißigjährigen Kriege und die merkwürdigen Ereignisse in der Pfarre von 1806-1834. Die Register sind bis 1809 in einem Buche, seit 1810 getrennt geführt.

Kotelow. Pr. Friedland.

T. Tr. B. 1803; Cm. 1851; Cfm. 1804; ebenso in den Zugehörigen Kirchen Klockow und Wittenborn, und zwar bis 1809 in einem Buche, dann getrennt in drei Büchern. Frühere zugehörige Kirche Lübbersdorf s. Friedland, St. Marien.

Kratzeburg, Pr. Wesenberg=Mirow.

T. Ti. B. beginnen 1700, mit Lücken 1709-1711 und 1749. Cm. 1851. Cfm. 1787. Dasselbe gilt von der zugehörigen Kirche Granzin. Die Register sind von 1700-1708 in einem Buche getrennt geführt, von 1711-1748 haben beide Kirchen gemeinsame Register; von 1750-1810 sind sie wieder getrennt, jedoch in einem Buche geführt. Seitdem hat jede Kirche ihre eigenen Register in einem eigenen Buche.

Kublank. Pr. Stargard.

T. 1756. Tr. 1784. B. 1783. Cm. 1845. Cfm. 1846. Zugehörige Kirchen Golm und Neetzka: T. 1778 und 1779. Tr. 1784. B. 1784. Cm. 1845. Cfm. 1846. Ein älteres Kirchenbuch von 1736 an ist im Jahre 1783 verbrannt, als die Pfarre mit dem halben Dorfe Kublank abbrannte. In den Registern sind Nachrichten über die Pfarrer seit 1568 enthalten.

Lübsee. Pr. Gadebusch in Meklenburg=Schwerin (für Blüssen, Grieben, Lübseerhagen, Menzendorf).

T. 1653; Lücke Juli 1654 bis Juli 1683. Tr. 1680; Lücke 1683-1686 Oktober. B. 1691. Cfm. 1806. Cm. wird nicht geführt.

Mirow. Pr. Wesenberg=Mirow.

T. 1690. Tr. 1754. B. 1754. Cm. 1851. Cfm. 1770. Zugehörige Kirchen Leussow und Zirtow ebenso. Die Register sind in einem Buche.

Mummendorf Pr. Grevesmühlen in Meklenburg= Schwerin (für Papenhusen, Rodenberg, Rüschenbeck).

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T. Tr. B. beginnen 1653; bei T. fehlt 1655; bei Tr. fehlen 1675, 1684, 1693, 1715, 1719, 1735, 1737; bei B. fehlt 1736. Cm. 1869. Cfm. 1800.

Mustin im Herzogthum Lauenburg (für Lankow).

T. Tr. B. beginnen 1628, Cm. 1764 (aber lückenhaft), Cfm. 1771. In dem ältesten Kirchenbuche sind an einigen Stellen ortsgeschichtliche Nachrichten.

Neddemin. Pr. Neubrandenburg.

T. 1703; Lücke 1717-1768. Tr. 1703; Lücke 1714-1770. B. 1768. Cm. 1819. Cfm. 1810. Zugehörige Kirchen Trollenhagen und Podewall: T. 1703. Lücke 1717-1768. Tr. 1703. Lühe 1714-1769. B. 1770. Cm. 1819. Cfm. 1810. Die Aufzeichnungen vor 1703 sind angeblich durch einen Brand der Pfarre vernichtet worden. Die Register sind seit 1810 ständig getrennt.

Neubrandenburg. Pr. Neubrandenburg.

St. Marien. T. 1611, lückenhaft bis 1700. Die Jahrgänge 1636-1639 fehlen. Tr. 1702. B. 1702. Cm. 1809. Cfm. 1822.
St. Johannis. T. 1741. Tr. 1761. B. 1763. Cm. 1852. Ctm. 1844.

Neuenkirchen. Pr. Neubrandenburg.

T. Tr. B. Cfm. fangen 1729 an, Cm. 1760; dasselbe gilt von der zugehörigen Kirche Ihlenfeld. Die Register sind seit 1850 getrennt, bis dahin in einem Buche geführt.

Neustrelitz. Pr. Neustrelitz.

Schloßkirche. T. 1736 mit Lücke von 1750-1753. Tr. 1737 mit Lücke von 1738-1750. B. 1737 mit Lücke von 1738-1754. Cm. 1849. Cfm. 1810.
Stadtkirche. T. Tr. B. 1756. Cm. 1838. Cfm. 1756. Zugehörige Kirche Zierke ebenso. Die Register bis 1844 in einem Buch, seitdem getrennt. Aeltere Register für Zierke siehe bei Prillwitz. Bis 1840 auch Register für die Militärgemeinde, die seitdem ein eigenes Militärkirchenbuch führt.

Neverin. Pr. Neubrandenburg.

T., 1791, anscheinend lückenhaft. Tr. 1791, mit Lücke von 1799-1831. B. 1759, mit Lücken von 1766-1806, 1808-1831. Cm. 1851. Cfm. 1831. Zugehörige Kirche Glocksin: T. 1791, anscheinend lückenhaft, Tr. 1791, bis

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1843 fast gar keine Angaben. B. 1831. Cm. 1851. Cfm. 1831. Die Register sind getrennt geführt.

Nusse im Lübeckischen (für Hammer, Mannhagen, Panten und Walksfelde).

Die Kirchenbücher von Nusse, die auch die Eintragungen für die vier Strelitzer Ortschaften enthalten, beginnen 1614 und sind von 1625 an regelmäßig geführt. Im ältesten Band von 1614-1641 manche ortsgeschichtliche Nachrichten. Genauere Nachrichten waren von der Pfarre nicht zu erhalten.

Plath. Pr. Woldegk.

Errichtet 1892, vorher eingepfarrt gewesen in Göhren. Filiale Leppin. Alle Register beginnen auf der Pfarre 1837; die älteren Aufzeichnungen finden sich im Göhrener Kirchenbuch.

Prillwitz. Pr. Neustrelitz.

Zugehörige Kirchen: Zierke (1756 nach Neustrelitz verlegt), Usadel (1720 eingegangen), Hohenzieritz, Weisdin, Blumenholz. Prillwitz: T. 1719. Tr. 1772. B. 1755. Cm. 1805. Cfm. 1764; Zierke: T. Tr. B. 1713-1756. Cfm. 1714-1756; Usadel: T. 1701, sonst wie bei Prillwitz. Hohenzieritz: T. 1699, sonst wie bei Prillwitz. Weisdin und Blumenholz bis 1756 wie bei Zierke, dann wie bei Prillwitz. Größere Lücken finden sich anscheinend nur um 1750.

Ratzeburg. Pr. Ratzeburg.

Domgemeinde. T. 1641. Tr. 1641, mit Lücke von 1748 bis 1749. B. 1641, mit Lücke von 1728-1751. Cm. 1802. Lücken von 1831-1852 und 1858. Cfm. 1803.

Rehna. Pr. Gadebusch, Meklenburg= Schwerin (für Falkenhagen). T. 1641. Tr.

1724. B. 1724. Cfm. 1800. Cm. nicht vorhanden.

Rödlin. Pr. Stargard.

Errichtet 1679. Zugehörige Kirchen Cammin und Möllenbeck (seit 1752, vorher bei Bredenfelde). In Rödlin und Cammin T. 1680, Tr. 1680, B. 1764, lückenlos; Cm. 1826, Cfm. 1810. In Möllenbeck: T. und Tr. seit 1752, B. seit 1764, Cm. 1819, Cfm. seit 1834 für sich, vorher mit Rödlin zusammen. Die Register sind bis 1776 in einem Buche, von da an getrennt geführt worden.

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Roga. Pr. Friedland.

T. 1704, mit Lücke von 1734-1754. Tr. 1694, mit Lücke von 1728-1763. B. 1696, mit Lücke von 1728 bis 1762. Cm. 1700. Cfm. 1810. Zugehörige Kirche Bassow: T. 1702, Tr. 1696, B. 1696; Lücken in denselben Jahren wie bei Roga. Cm. 1700. Cfm. 1810.

Rühlow. Pr. Neubrandenburg.

Zugehörigen Kirchen Glienke und Sadelkow. T. und Tr. überall ohne Lücken seit 1693, B. 1716, Cm. 1851; Cfm. 1770. Die Register sind getrennt geführt.

Schillersdorf. Pr. Wesenberg=Mirow.

T. 1679. Tr. und B. 1680. Cm. 1844. Cfm. 1829. Im Jahre 1664 ist Schillersdorf mit der Pfarre abgebrannt und die meisten Kirchenschriften sind dabei verloren gegangen. Zugehörige Kirchen sind Qualzow, Babke, Roggentin und Blankenförde. Qualzow: T. B. 1679. Tr. 1682. Babke: T. 1679. Tr. 1678. B. 1685. Roggentin: T. 1679. Tr. 1678. B. 1680. Blankenförde: T. 1678. Tr. 1680. B. 1678. Cm. in allen zugehörigen Kirchen 1844. Seit 1844 getrennte Register.

Schlagsdorf, Pr. Ratzeburg.

T. 1641, Tr. 1642, mit Lücke von 1670-1673. B. 1641, mit Lücke von 1671-1672. Cm. 1732. Lücke von 1755 bis 1838. Cfm.1765.

Schönbeck. Pr. Friedland.

T. 1673, Lücke 1709-1719. Tr. 1799. B 1799. Cm. 1799. Cfm. 1800. Zugehörige Kirchen Lindow und Brohm ebenso. Die Register sind seit 1799 getrennt geführt.

Schönberg. Pr. Ratzeburg.

T. 1640. Tr. 1640; Lücken 1665-1669 und 1672. B. 1642. Cm. 1851. Cfm. 1810.

Schwanbeck. Pr. Friedland.

T. 1676. Tr. 1678. B. 1679. Cm. 1851. Cfm. 1810. Zugehörige Kirche Salow: T. 1650. Tr. 1649. B. 1650. Cm. 1851. Cfm. 1810. Die Register sind bis 1809 in einem Buche, seit 1810 in getrennten Büchern geführt.

Schwichtenberg. Pr. Friedland.

T. 1687. Tr. 1764. B. 1765. Cm. 1851. Cfm. 1810. Zugehörige Kirche Sandhagen ebenso. Zugehörige Kirche

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Bresewitz: T. 1687. Tr. 1764. B. 1775. Cm. 1851. Cfm. in Schwanbeck und Friedland geführt, wo die Bresewitzer Kinder confirmirt sind. Ein älteres Taufregister für alle drei Kirchen ist am 11. Juni 1686 bei einem Brande des Pfarrhauses zerstört worden. Register in einem Bande.

Selmsdorf. Pr. Ratzeburg.

T. 1624, mit Lücken von 1666-1667, 1697-1699, 1722 bis 1725, 1735 und 1736. Tr. 1644. B. 1644. Cm. 1875. Cfm. 1775, 1787, 1792, dann regelmäßig. Zur Pfarre gehört die Siechenhauskapelle St. Jürgen.

Stargard i. M. Pr. Stargard.

T. 1756. Tr. 1756. Lücken 1766-1767, 1722-1777 und 1788. B. 1756. Lücke 1773-1777. Cm. 1810. Cfm. 1757. Lücken 1763-1778, 1783-1792 und 1794. Zugehörige Kirchen Bargensdorf, Quastenberg und Sabel ebenso. Durch große Brände in den Jahren 1588, 1676, 1709 und 1758 ist fast die ganze Stadt und mehrmals auch die Pfarre zerstört worden. Die Register in einem Buche.

Staven. Pr. Neubrandenburg.

T. 1716. Tr. 1747. B. 1765. Cm. 1852. Cfm. 1810. Zugehörige Kirchen Roggenhagen und Rossow ebenso. Seit 1832 sind die Register getrennt.

Sterley im Herzogthum Lauenburg (für Horst und Neuhorst).

T., Tr., H., Cfm. 1735. Cm. 1768. Außer diesen Registern ist ein altes Kirchenbuch vorhanden, das sehr lückenhafte Eintragungen über Taufen, Trauungen und Beerdigungen aus den Jahren 1660-1718 enthält.

Strasen. Pr. Wesenberg=Mirow.

Zugehörige Kirchen Priepert und Wustrow. Alle Register beginnen 1803. Die Verstorbenen sind von 1803-1809 ohne Angabe des Beerdigungstages verzeichnet). DieKirchenbücher sind 1864 verbrannt und die Jahrgänge 1803-1863 sind Abschriften aus dem Duplikat des Konsistoriums. Ueber ältere Register ist nichts bekannt. Die Register bis 1835 getrennt, von 1836 an vereinigt.

Strelitz. Pr. Neustrelitz.

T. 1620, mit Lücken von 1622-1637 und 1700-1709. Tr. 1621, mit Lücken von 1622-1639, 1700-1713,

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1726-1804. B. 1621, mit Lücken von 1676-1804. Die Zahl der Cm. in den Accidentienbüchern vermerkt. Cfm. 1790, bis 1810 im Kirchenbuch von Userin.
Zugehörige Kirchen Userin und Groß=Quassow zur ersten Pfarre: T. 1639, mit Lücke von 1709-1761. Jedoch finden sich die Taufen von 1709-1761 zum Theil in den Registern der Stadtgemeinde. Tr. 1761. B. 1761. Cm. 1842. Cfm. 1790. Zugehörige Kirchen Fürstensee und Thurow zur zweiten Pfarre: In ersterer beginnen T. Tr. B. 1721, in letzterer 1731; Cm. und Cfm. in beiden 1801.

Teschendorf. Pr. Stargard.

T. und Tr. 1733. B. 1771. Cm. 1829. Cfm. 1736. Filiale Loitz: T. 1733. Tr. 1734. B. 1770. Cm. 1851. Cfm. 1736. Filiale Cantnitz (bis 1747): T. Tr. 1735 bis 1747. Cfm. 1736-1747. Für die spätere Zeit siehe unter Bredenfelde. Die Register sind von 1735-1811 in einem Buche, aber getrennt geführt; von 1810 in zwei Büchern je für Teschendorf und Loitz.

Tornow. Pr. Neustrelitz.

T. Tr. B. beginnen 1671; Cm. 1830; Cfm. 1825; die Register vor 1671 sind 1726 durch Brand zerstört worden. Zugehörige Kirchen Barsdorf, Dannenwalde und Blumenow ebenso. Die Register sind in einem Buche.

Triepkendorf. Pr. Woldegk. Errichtet 1750, vorher eingepfarrt in Carwitz.

T. 1720. Tr. 1720, mit Lücke von 1751-1755. B. 1720, mit Lücke von 1750-1755. Cm. 1850. Cfm. 1785, mit Lücke von 1813-1820. Zugehörige Kirche Mechow ebenso. Die Eintragungen sind in einem Buche durcheinander.

Wanzka. Pr. Stargard.

Zugehörige Kirchen in Rollenhagen, Zachow, Blankensee und Ballwitz (bis 1747). Ueberall: T. 1680. Tr. 1696. B. 1760. Cm. 1851. Cfm. 1782. Es sollen schon 1639 bis 1650 Verzeichnisse geführt worden sein, die aber schon im Jahre 1780 als nicht mehr vorhanden erwähnt werden. Die Register bis 1809 in einem Buche, seitdem getrennt

Warbende. Pr. Stargard.

T. 1715, Lücke 1787-1797. Tr. 1715, Lücke 1775-1797. B. 1715, Lücke 1783-1797. Cm. 1801. Cfm. 1799.

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Zugehörige Kirchen Quadenschönfeld, Gramelow und Watzkendorf: Die Register beginnen sämmtlich 1715 und 1716; Lücke von 1783-1797. Cm. 1801. Cfm. 1799. Die Register seit 1834 getrennt, bis dahin in einem Buche.

Warlin. Pr. Neubrandenburg.

T., Tr. 1711, B. 1765, Cm. 1851, Cfm. 1786, ebenso in der zugehörigen Kirche Pragsdorf. In der zugehörigen Kirche Sponholz T. 1740, Tr.1764, B. 1768, Cm. 1868, Cfm. 1786.

Weitin, Pr. Neubrandenburg.

Zugehörige Kirche Zirzow. Ueberall: T. 1699. Tr. 1713, Lücke 1736-1737. B. 1764. Cm. 1854. Cfm. 1713. Die Register sind in einem Buch geführt.

Wesenberg. Pr. Wesenberg=Mirow.

T. 1681, lückenhaft bis 1712. Tr. 1713. B. 1715. Cm. 1851. Cfm. 1760. In der zugehörigen Kirche Drosedow: T. 1742, Tr. 1743, B. 1742, Cm. 1851, Cfm. 1864. Die Register sind bis 1891 getrennt geführt.

Wokuhl. Pr. Neustrelitz.

Errichtet 1736, vorher von Grünow und Fürstenberg versorgt. Zugehörige Kirche Dabelow. Ueberall: T. und Tr. 1736. B. 1737. Cm. 1851. Cfm. 1737. Register in einem Buche.

Woldegk. Pr. Woldegk.

T. 1700. Tr. 1745. B. 1720. Cm. 1850. Cfm. 1810. Zugehörige Kirche Filiale Canzow ebenso. Zugehörige Kirche Pasenow: T. Tr. B. 1669. Cm. 1850. Cfm. 1810. Die Register von Woldegk und Pasenow stets getrennt, das von Canzow bis 1843 im Woldegker Kirchenbuch, seitdem auch getrennt.

Wulkenzin. Pr. Neubrandenburg.

Zugehörige Kirchen Gevezin und Passentin, letztere schwerinisch. Ueberall: T. und Tr. 1770. B. 1793. Cm. 1813. Cfm. 1804. Seit 1818 hat Passentin ein besonderes Buch, seit 1897 auch Gevezin.

Ziethen. Pr. Ratzeburg.

T. Tr. B. beginnen 1701; Cm. 1851, Cfm. 1810.

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III.

Mecklenburg im dreißigjährigen Kriege.

Von

Geh. Oberfinanzrath Balck. 1 )

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B ereits wiederholt habe ich in früheren Vorträgen die verderbliche Einwirkung des dreißigjährigen Krieges auf unsere Domanial=Bauern berührt. Heute beabsichtige ich weiter zu greifen und darzustellen, wie unser ganzes engeres Vaterland in jener Schreckenszeit gelitten hat. Aber die Anzahl der Kriegsjahre ist eine lange, die diesem Vortrage zugemessene Stunde bald ausgefüllt: ich muß mich deshalb darauf beschränken, den allgemeinen Wendungen des großen Krieges in Mecklenburg, den Durchzügen der verschiedenen Völker und Heere, den sich daran knüpfenden größeren Ereignissen, Belagerungen und Gefechten zu folgen, und am Schluß einige Schilderungen des damaligen, in ganz Mecklenburg herrschenden namenlosen Jammers zu geben. Von der Politik, namentlich den Verhandlungen unserer Herzöge mit dem deutschen Kaiser sowie mit deutschen und fremden Fürsten, will ich mich diesmal fern halten, denn dies würde heute zu weit führen, ist auch wenig erquicklich.

Das Material habe ich wesentlich direkt aus der Quelle, nämlich aus den überaus zahl= und inhaltsreichen Akten des hiesigen Großherzoglichen Geheimen und Hauptarchivs, geschöpft. Wenn sich, hoffentlich in nicht zu ferner Zeit, Jemand fände, am besten, namentlich auch zur Darstellung der strategischen Seiten, ein hier im Ruhestande weilender höherer Militär, welcher seine Muße zur allseitigen Erforschung und Bearbeitung des dort in einem halben Hundert dicker Aktenbündel an=


1) Vortrag, gehalten im Verein für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde am 27. Februar 1902.
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gesammelten, von Anfang bis zu Ende vollständigen Stoffes verwenden wollte, so würde er sich selbst viel Anregung, manche interessante Stunde bereiten, und für Mecklenburg eine Geschichte des dreißigjährigen Krieges schreiben können, wie sie ausführlicher wohl kein anderes deutsches Land besitzt. Ueberhaupt ist nach meiner jetzigen Ueberzeugung auch eine erschöpfende und zutreffende allgemeine Geschichte des dreißigjährigen Krieges in Deutschland nur Demjenigen möglich, welcher auch die mecklenburgischen Archiv=Akten kennt.

schon zwei Jahre nach Ausbruch des großen Krieges pochten seine Boten auch an Mecklenburgs Thore. Es war im Frühling 1620, als König Jakob von England seinem von den protestantischen Ständen Böhmens zum König erwählten und von den Katholiken hart bedrängten Schwiegersohn, dem Kurfürsten Friedrich von der Pfalz, 3-4000 englische und schottische Söldner unter Lord Grey zu Hülfe sandte. Sie segelten bis Hamburg und wollten durch Mecklenburg und die Mark nach Böhmen marschiren. Sie kamen bis Boizenburg - nicht Dömitz, wie in unseren Geschichtsbüchern steht - und ließen von dortiger Grenze aus durch Kapitän Mosheim um Gestattung des Durchzuges bitten. Als neutraler deutscher Reichsfürst konnte aber Herzog Adolph Friedrich denselben den Feinden des deutschen Kaisers nicht freigeben, und jene nahmen dann ihren Marsch durchs Hannoversche. Auf alle Fälle, und wenn nöthig auch zur thätlichen Abwehr, waren die Boizenburg benachbarten Städte, Bauern und Lehnsleute aufgeboten, aber zu ihrem Glücke kam es nicht zum Kampfe, in welchem sie zweifelsohne den krieggewohnten fremden Söldnern unterlegen wären, zumal - nach des Herzogs Aufzeichnung in seinem Tagebuch - viele jüngere Edelleute nach damaliger Sitte in auswärtigen Kriegsdiensten waren. Frommer Glaubenseifer trieb sie nicht dazu, nur Begier nach Ehre und Gewinn, sie standen auf katholischer wie auf protestantischer Seite; kämpften doch selbst schon im Jahrhundert der Reformation Mecklenburger unter dem grausamen bigotten Alba gegen das protestantische Heldenvölkchen der Niederlande. Uebrigens war das in unruhigen Zeiten zusammenzurufende mecklenburgische Landesaufgebot auch für die eigene Heimath nicht ganz ohne Gefahr. Als 1621 eine Musterung des Landesaufgebots bei Parchim zur Zufriedenheit der Befehlshaber verlief, sollen ihre Leute als Belohnung die Plünderung dieser Stadt ausdrücklich verlangt haben, und dies mag wahr sein oder nicht - die Thatsache wird durch die städtische Chronik beglaubigt, daß

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damals das Aufgebot mit Gewalt in Parchim eindrang und dort die gröbsten Ausschreitungen verübte.

Auch noch in den nächstfolgenden Jahren verstanden die mecklenburgischen Herzöge durch strenge Neutralität den Frieden in ihren Landen zu wahren. Hülfs= und Unterstützungsgesuche des in der Schlacht am weißen Berge vor Prag vom kaiserlichen General Bucquoi geschlagenen böhmischen Königs Friedrich - des entlaufenen Königs, wie Herzog Adolph Friedrich ihn in seinem Tagebuche bezeichnet -, sowie des vom kaiserlichen General Tilly bei Wimpfen besiegten Markgrafen Georg von Baden, ebenso des vor Tilly bei Höchst unterlegenen Herzogs Christian von Braunschweig, auch des tapferen Grafen Ernst von Mansfeld fanden kein Gehör. - Aber näher und näher aus Sachsen, Böhmen und Bayern rückten die kaiserlichen Heere unter Niederwerfung ihrer Gegner gegen den Norden Deutschlands und erweckten in den niedersächsischen Ständen die Besorgniß vor Wiederherstellung des Katholizismus und des kaiserlichen Absolutismus. Braunschweig, Pommern, Brandenburg, Mecklenburg, die freien Städte, Holstein - letzteres in der Person des Königs Christian von Dänemark - traten trotz der kaiserlichen Abmahnungen und beruhigenden Versicherungen 1625 zu einem sogen. Defensionsbunde zusammen. Kreisoberster war der König von Dänemark, welcher gleichzeitig in seiner letzteren Eigenschaft Bündnisse mit Frankreich, England, Holland gegen den deutschen Kaiser erstrebte, und dadurch auch dem Defensionsbunde ein feindliches Gepräge gab. Mecklenburgische Truppen stießen mit zur dänisch=holsteinschen Armee; nur die Stadt Rostock, welche Sonderpolitik trieb und es mit dem Kaiser nicht verderben wollte, verweigerte hartnäckig die Entsendung ihres herkömmlichen Kontingents - 400 Mann und zwei leichte Geschütze (Falconetlein) - ins dänische Lager. Auch wurde dem Könige von Dänemark gestattet, ein Regiment Fußvolk in Mecklenburg anzuwerben, welches auf dem platten Lande manche Exzesse beging, bis es endlich über Wismar zur See weiterbefördert wurde.

Im April 1626 unterlag der letzte protestantische Kämpfer, Graf Mansfeld, der Uebermacht Wallensteins an der Dessauer Brücke, die kaiserlichen Heere drangen unaufhaltsam weiter, und ein Zusammenstoß mit dem Defensionsbunde war nun unvermeidlich. Er erfolgte Ausgangs August bei Lutter am Barenberge; der Dänenkönig wurde von Tilly besiegt. Ein Theil seiner Armee unter Schlammersdorf zog sich über die Elbe nach Mecklenburg, besetzte ohne Weiteres die Festung Dömitz, Boizen=

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burg, Grabow, Lübz, Wittenburg, auch das Stiftsamt mit Stadt Bützow, dessen Administrator gerade damals ein Sohn des Königs war, und schonte Land und Leute umsoweniger, als die mecklenburgischen Herzöge schon wenige Tage nach der Schlacht sich vom Defensionsbunde losgesagt hatten und deshalb nicht länger als befreundet angesehen wurden, obgleich dieselben noch später den dänischen König bei der Belagerung von Bleckede mit Proviant und Munition unterstützten. Besonders das platte Land wurde arg mitgenommen; die erbitterten Bauern kämpften zwischen Lübtheen und Dömitz mit den plündernden Dänen und säuberten in größeren Rotten die Landstraßen von schwächeren Streitparteien, wobei auf beiden Seiten Gefangene sofort aufgeknüpft wurden.

Im Frühling 1627 zog Tilly sich näher an die Elbe und machte Anstalten zum Uebersetzen und zum Angriff auf die Dänen. Vorstellungen der mecklenburgischen Herzöge zum Einhalten begegnete er mit der Forderung, daß sie dann selbst die Dänen aus ihren Landen herauswerfen möchten, wozu sie doch zu schwach waren, wie denn auch ihre dringenden Anträge beim König von Dänemark um Entfernung seiner Truppen unbeachtet blieben. - Im August begann nun Tilly den Uebergang über die Elbe, aber sein Rivale Wallenstein, welcher bereits sein Auge auf Meklenburg gerichtet hatte und deshalb eine vorherige Besetzung des Landes durch Tilly ungern sah, kam ihm noch zuvor. Nachdem er seinen General Graf Schlick in Eilmärschen voraufgesandt hatte, welcher am 27. August vor Dömitz erschien, folgte er selbst schon am nächsten Tage und hielt unter Pauken= und Trompetenschall mit glänzendem Gefolge seinen feierlichen Einzug in die Stadt, bankettirte auch auf offener Straße in unmittelbarer Nähe der Festung. Diese selbst war von 400 Mann mit 4 schweren und 11 leichten Geschützen unter dem Kapitän Oberberg, einem Mecklenburger, besetzt, welcher schon vorher auf eigne Hand wegen der Uebergabe verhandelt hatte, die jedoch auf sein Befragen von der zum äußersten Widerstande entschlossenen Besatzung abgelehnt wurde. Ein wackerer Konstabler Namens Warkentien, später in gleicher Stellung auch zu Rostock, bat sogar wiederhol um Erlaubniß, seine beiden mit kleinen Kugeln vollgeladenen Geschütze auf die nahe Wallensteinsche Gruppe abbrennen zu dürfen, er wolle dafür einstehen, daß auch keiner sich wieder erheben solle, und ließ erst auf Oberbergs Drohungen davon ab. selbst die Dömitzer Bürger hatten vorher schon um Aufnahme von Weib und Kind in die Festung gebeten, welche sie dann bis

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auf den letzten Blutstropfen vertheidigen helfen wollten, aber vergebens. Am dritten Tage früh rückten die Kaiserlichen - 64 Fähnlein oder Kompagnien, die Fahnentücher alle schwarz und gelb gestreift, im gelben Felde der schwarze Doppeladler - zum Sturm an, da übergab Oberberg die Festung. - Er wurde demnächst vor ein Kriegsgericht gestellt, aber nicht verurtheilt, weil längerer Widerstand doch aussichtslos gewesen wäre.

Wallenstein selbst ging ohne Aufenthalt weiter ins Holsteinsche, um den Dänenkönig im eignen Lande anzugreifen, beauftragte aber seinen Oberst Arnim mit der Okkupation Mecklenburgs. Dieser besetzte alle mecklenburgischen Landstädte, jede mit 1-2 Kompagnien, auch die Festung Plau, und eroberte nach mehrwöchentlicher Belagerung die von den Dänen hartnäckig vertheidigte Stadt Bützow; die städtischen Einwohner mußten überall ihre Waffen abliefern.

Im Oktober 1627 schifften sich die Dänen in Wismar ein. Diese Stadt wollte zuerst den Kaiserlichen Widerstand leisten, doch bewog sie der Herzog Adolph Friedrich am Ende des Oktober zur gutwilligen Uebergabe und Einnahme einer freilich bald bedeutend verstärkten Besatzung von 1000 Mann unter Oberst Hebron, welcher aber wegen Ausschreitungen bald entfernt und durch Oberst Gramb ersetzt wurde; im Dezember räumten die Dänen auch Poel und die Mecklenburger den Walfisch. Auch das gut kaiserlich gesonnene Rostock sollte kaiserliche Besatzung einnehmen, kaufte sich aber für diesmal noch mit 140000 Thlr. los.

Im Januar und Februar 1628 verfügte darauf der Kaiser die Entsetzung der mecklenburgischen Herzöge wegen angeblichen Hochverraths, auch die zunächst pfand=, dann kaufweise Ueberlassung ihrer Lande an Wallenstein, von welchem namentlich auch die hiesige Wiederherstellung der katholischen Religion erwartet wurde; die Unterthanen wurden von ihren Eiden und Pflichten gegen ihr altangestammtes Herrscherhaus entbunden, die Stände mußten im März zu Güstrow ihrem neuen Landesherrn in der Person seines Vertreters, des Oberst St. Julien, huldigen. Gleichzeitig wurde auch das bis dahin verschonte Schloß zu Schwerin durch die kaiserlichen Hauptleute Hoffmann und Heyden besetzt; Herzog Adolph Friedrich entließ seine Truppen und behielt bei sich nur 18 Mann unter einem Wachtmeister. Auf Wallensteins Drängen mußten darauf im Mai beide Herzöge ihre Heimath verlassen. Sie verweilten eine Zeitlang zu Torgau, Reinharz, endlich seit Sommer 1629 dauernd zu Lübeck auf einem bischöflich bremischen Stiftshofe, im

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Hause des Patriziers Andreas Hundt und zu Hamsfelde bei Lübeck; baare Unterstützungen kamen vom dänischen Könige und von dem verwandten holsteinischen Herzoge und Bischof von Bremen, bedeutende Naturallieferungen von Getreuen aus allen mecklenburgischen Landestheilen. Die Kinder des Herzogs Adolph Friedrich wurden nach Stockholm an den Hof seines Vetters, des Königs Gustav Adolph, gebracht. Wallenstein selbst hielt im Juli seinen Einzug in seine erwählte Residenz Güstrow, hat aber nur gerade ein Jahr in seinem neuen Herzogthum verweilt und es im Juli 1629 zu weiteren Kriegszügen wieder verlassen. - Eine seiner ersten Sorgen war die Besetzung Rostocks, wozu die Stadt sich aber erst im Oktober verstand, als die kaiserliche Armee unter Wallensteins persönlicher Führung schon zum Sturm angetreten war; vereinbarungsmäßig sollte die kaiserliche Garnison nur 1000 Mann betragen, doch wurde sie bald vervierfacht; den Oberbefehl in der Stadt führte zuerst Graf Hatzfeldt und nach dessen Ermordung durch den überspannten Licentiaten Vahrmeyer der Freiherr von Virmond neben dem Grafen Barthold Wallenstein, einem Vetter des neuen mecklenburgischen Herrschers. Uebrigens war auch schon seit Februar Rostocks Lebensader zur See unterbunden durch Anlage von Schanzen seitens des Obersten Arnim zu Warnemünde zum Schutze gegen die Dänen, welche nun den dortigen Hafen mit ihren Schiffen blokirten, auch Rostocker Fahrzeuge kaperten.

Wie sehr sich Wallenstein auch als Landesherr bewährte, wie er vor Allem die höheren Behörden neu organisirte, die bereits vom Herzog Adolph Friedrich geplante Trennung der Justiz von der Administration durchführte, Handel, Schifffahrt, Fabriken, Bauten u. s. w. begünstigte, überall hin seine fürsorglichen Blicke lenkte, ist in unseren Jahrbüchern schon wiederholt und sehr eingehend dargelegt. Selbstverständlich war er auch bestrebt, sein neues Land möglichst von den schweren Kriegslasten zu befreien. Plünderungen und sonstige Ausschreitungen seiner Truppen wurden auch Strenge untersagt und aufs Härteste bestraft; aber der baare und naturale Unterhalt der letzteren, die Festungsbauten zu Rostock, Wismar, Dömitz, Plau und Boizenburg, wozu die angrenzenden Aemter und benachbarten Städte Mannschaft, Anspannung und Fuhrwerk stellen mußten - die Verproviantirung der Festungen aus dem ganzen Lande - brachten drückende Opfer mit sich und ließen die Unterthanen nicht zur Ruhe und Erholung gelangen.

Indessen waren die mecklenburgischen Herzöge in der Ver=

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bannung nicht müßig, sondern auf den Wiedergewinn ihrer Länder bedacht. Sie setzten sich vor Allem mit ihrem Vetter, dem Schwedenkönig Gustav Adolph, in Verbindung, welcher aber zunächst noch durch seinen Krieg mit Polen in Anspruch genommen war, jedoch nach dem 1629 erfolgten Friedensschluß seine Blicke auf Deutschland richtete und dem deutschen Kaiser den Krieg erklärte. Er landete mit seinem kriegserprobten Heere im Juli 1630 in Pommern, nahm den Kaiserlichen Wolgast und Stargard ab, wandte sich Ende September nach Mecklenburg und eroberte nach wiederholten vergeblichen Stürmen auf das Marlower Thor durch nächtliches Uebersteigen der Mauern das vom kaiserlichen Kommandanten Metzeroth vertheidigte Ribnitz, dessen Besatzung theils niedergemacht, theils gefangen wurde, theils nach Rostock hin entfloh. Weil die mecklenburgischen Herzöge, welche noch nicht hinlänglich gerüstet waren, von der Lübecker Seite her den erwarteten Vorstoß nicht machten, kehrte Gustav Adolph zunächst nach Pommern zurück, gewann aber wieder im Februar 1631 durch Kapitulation des kaiserlichen Obersten Marsou Neubrandenburg, welches er durch seinen General Dodo von In= und Kniephausen und 2000 Mann besetzen und stark befestigen ließ. Bereits Mitte März erschien aber Tilly vor der Stadt, belagerte und erstürmte sie unter großen Verlusten und richtete unter den Schweden, von denen nur 60 mit ihrem Kommandanten lebend gefangen wurden, wie unter den Einwohnern ein schreckliches Blutbad an; vor gänzlicher Zerstörung rettete die Stadt wohl nur die Rücksicht auf Wallenstein, den neuen Landesherrn. Die Schweden aber waren so erbittert, daß sie eine Zeitlang bei Begegnungen mit den Kaiserlichen die Besiegten und um Pardon Bittenden mit dem Zuruf "Neubrandenburgsch Quartier" ohne Weiteres niedermachten.

Im Juni 1631 nahmen einzelne schwedische Streifkorps meklenburgische Plätze, so Oberst Pauly Güstrow, Rittmeister Moltke Malchin. Nachdem darauf Gustav Adolph die mecklenburgischen Herzöge förmlich als Landesherrn wieder eingesetzt und proklamirt hatte, brachen diese nach Vollendung ihrer Rüstungen mittelst schwedischer Gelder und Mannschaften, Ende Juli mit etwa 2000 Mann von Lübeck auf. Den Oberbefehl führten die Obersten Kalkum, gen. von Lohausen, aus dänischen Diensten übernommen, auch in der Literaturgeschichte wohl bekannt, und dü Menil; Hauptleute waren die Mecklenburger Raben, Holstein, Bülow, Zülow, Ilenfeld, sowie die Holsteiner Buchwald, Alefeld, Wisch. Am dritten Tage vor Schwerin an=

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gelangt, begann sofort der Sturm auf die von nur etwa zweihundert Kaiserlichen unter den Hauptleuten Milatz und Kelly verteidigte Stadt; unter nicht beträchtlichen beiderseitigen Verlusten brachen die Mecklenburger am schwächsten Punkte der Befestigung, nämlich durch das Spielthor - wo auch im nächsten Jahrhundert zu Herzog Karl Leopolds Zeiten die Hannoveraner eindrangen -, in die Stadt. Die Kaiserlichen zogen sich ins Schloß; die Mecklenburger führten von der alten Kanzlei aus quer über die Reitbahn auf dem alten Garten bis zur Brücke Laufgräben, von wo aus sie das Schloß unter Feuer nahmen, welches aber kräftig erwidert wurde und auch mehrere Einwohner in ihren Häusern tödtete; als aber am zehnten Tage sechs Fähnlein Finnländer mit fünf Feldstücken auf den Ostorfer Bergen schanzten und das Schloß beschossen, gleichzeitig auch alle Prähme und Kähne der Umgegend herangeschafft wurden und von allen Seiten gleichzeitig gestürmt werden sollte, ergab sich die kaiserliche Besatzung gegen freien Abzug. - Herzog Adolph Friedrichs erste Sorge nach Wiedergewinn seines Stammschlosses war dessen gehörige Befestigung und Armirung. Er erbat zu solchem Zwecke leihweise Ueberlassung einiger Kanonen vom Erzbischof von Bremen, welcher aber antwortete, daß er durch seinen Kammerdiener (!) seine Geschütze habe untersuchen lassen, von diesem aber nur wenige brauchbar befunden seien, deren er selbst bedürfe. Endlich scheint von schwedischen Schiffen vor Wismar ausgeholfen zu sein.

Schnell setzten nun Mecklenburger und Schweden vereint, letztere unter General Tott, welcher sich aber Manches gegen die Herzöge herausnahm, die Einnahme der festen Plätze fort. - Schon Ende Juni hatte sich die Burg Plau, nachdem deren kaiserlicher Kommandant zu seiner Vertheidigung die Stadt angezündet und halb niedergebrannt hatte, dem schwedischen Oberst Monroe, einem Schotten, übergeben. - Dann gings Ende Juli vor Wismar, welches aber nebst dem Walfisch von dem kaiserlichen Kommandanten Freiherrn von Gramp trotz enger Blokade hartnäckig gehalten wurde; in der Belagerungsarmee werden auch als schwedische Obersten Mitglieder der mecklenburgischen Familien Moltke, Flotow, Stralendorf, Plüskow, Dewitz, Gadow genannt. Erst im Januar 1632, als Proviant mangelte, und auf Hülfe von Außen keine Aussicht war, erfolgte die Uebergabe gegen Abzug mit allen kriegerischen Ehren, d. h. "mit 2 schweren Karthaunen und einem Feldgeschütz und 20 Schuß, fliegenden Fähnlein. und Kornets (Standarten), Ober= und Untergewehr,

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brennenden Lunten, gefülltem Bandolier, die Kugel im Munde, unter Rühren aller Kriegsinstrumente." Gramp brach aber die Kapitulation, weil er einen Offizier der ihn und seine Truppen durch Mecklenburg bis zur Grenze geleitenden Bedeckungsmannschaft, welcher jene zum Uebertritt zu werben versuchte, ohne Weiteres niederschießen ließ; er wurde noch innerhalb Mecklenburgs von einer ihm nachgesandten größeren Truppenmacht eingeholt, kaufte sich von der verwirkten Todesstrafe durch 14000 Thaler los, und seine Soldaten wurden als kriegsgefangen "unterstellt", d. h. der schwedisch=mecklenburgischen Armee eingereihet. Dies war damals bei Gefangenen überall üblich; heimliche Deserteurs wurden ohne Weiteres aufgeknüpft und die Reihen der Gefangenen immer sehr genau danach abgesucht, aber Kriegsgefangenen, Offizieren wie Gemeinen, war der Uebertritt unter die feindliche Armee gestattet. Der schwedische General Banèr klagt gelegentlich darüber, daß seine Regimenter meistens aus. "Untergestellten" beständen. - Kommandant zu Wismar wurde gegen den Wunsch der mecklenburgischen Herzöge der Schwede Ryning, welchem demnächst noch während des Krieges seine Landsleute Liljesparre und Ulfsparre folgten; so wurde Wismar thatsächlich schon damals und noch vor dem Westfälischen Frieden für Mecklenburg verloren, das Ein= und Ausgangsthor für die schwedischen Streitmächte, der Anziehungspunkt für Schwedens Feinde, und dadurch Mecklenburgs Geißel.

Nachdem schon im September 1631 die Warnemünder Schanzen von den Mecklenburgern erobert, aber auch von Schweden besetzt waren, kapitulirte nach mehrwöchentlicher Belagerung im Oktober auch Virmond zu Rostock mit kriegerischen Ehren. Eine zweimalige Freudensalve von allen Regimentern rings um die Stadt mit 49 Geschützen und Kleingewehr feierte den Sieg. Kommandant wurde hier der mecklenburgische Befehlshaber Lohausen, der auch die Stadt während des ganzen Krieges zu behaupten verstand, sodaß sie nie in Feindes Hände fiel und der sichere Zufluchtsort vieler Tausende aus den übrigen Landestheilen wurde. - Im Dezember 1631 erhielt auch der kaiserliche Oberst Straube zu Dömitz mit 500 Mann freien Abzug; die Festung wurde von Mecklenburgern besetzt. - Leider war die Wegnahme dieser festen Plätze nicht ohne den völligen Ruin der meilenweiten Umgebung derselben ermöglicht, denn die Belagerer hausten dabei wie in Feindesland. Als im Lager vor Wismar bei Trommel= und Trompetenschall verkündet wurde, daß alle Marodeurs sofort aufgehängt werden sollten, rotteten sich die

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Soldaten zusammen und riefen: "Man gebe uns, was uns gebührt, dann wollen wir schon des Fürsten Gebote befolgen."

Ende Januar 1632 waren die letzten Kaiserlichen aus dem Lande, auch die Schweden rückten demnächst ab bis auf die Garnisonen zu Wismar und Warnemünde. Am 29. Februar 1632 schlossen die mecklenburgischen Herzöge zu Frankfurt a. Main ein festes Bündniß mit Gustav Adolph, versprachen monatlich 10000 Thaler Subsidien und wiesen sogen. Lauf= und Musterplätze innerhalb Landes für schwedische Truppenwerbungen an, wodurch nur zu oft Gelegenheit zu wüsten Exzessen der Angeworbenen gegeben wurde. Immer deutlicher trat auch allmählich zu Tage, daß wohl nicht bloßer frommer Glaubenseifer den großen Schwedenkönig nach Deutschland geführt hatte, sondern auch die Absicht zur Erweiterung der schwedischen Macht. Darum auch die im Bündnißvertrage ausdrücklich vorbehaltene schwedische Besetzung von Wismar und Warnemünde, daraus auch nur die Arroganz der schwedischen Generäle erklärlich. Im Großherzoglichen Archiv liegt Abschrift eines schwedischen Geheimraths=Beschlusses von 1640, wonach die Vereinigung Dänemarks, Pommerns, Mecklenburgs mit Schweden zu einem großen nordischen Reiche erstrebt werden sollte - dies mochte auch schon dem Schwedenkönig vorgeschwebt haben. -

Waren nun auch die großen Heere abgezogen, so hatte Mecklenburg doch noch viel vom Kriegsvolk zu leiden. Zunächst von den von dem fernen Kriegsschauplatz kommenden schwedischen Regimentern, welche mehr oder weniger aufgerieben waren und nun in der Heimath wieder kompletirt werden sollten, dann auch von den frischen aus Schweden kommenden Regimentern, - welche sämmtlich ihren Weg über Wismar und durch Mecklenburg nahmen. So lange Gustav Adolph noch lebte, hielten sie leidliche Mannszucht, aber nach seinem Heldentode bei Lützen am 6. November 1632 hausten jene hier häufig wie in Feindesland. - Ganz vereinzelt erschien hier auch im März 1634 ein schwedisches Kavallerieregiment unter Oberst Bomsdorf, welches von Hildesheim nach der Mark bestimmt war, aber auf dem geraden Wege überall nur Wüsten gefunden hatte, deshalb nothgedrungen weit abweichend einzelne Oasen aufsuchte und so auch nach Mecklenburg verschlagen war; Raub und Verheerungen kennzeichneten seine Bahnen. - sehr beschwerlich waren auch die Hin= und Herreisen der schwedischen Offiziere, die Transporte der Ihrigen, auch zahlreicher Leichen Gestorbener und Gefallener durch das Land über Wismar; zur Bedeckung gingen stets Reitertrupps, zuweilen

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bis zu einigen Hundert mit, welche dann überall freie Beköstigung und Quartier verlangten und dabei an Kostbarkeiten mitnahmen, was sie fassen konnten. Die so häufige Detachirung von Kavallerie zu solchen privaten Zwecken war überall üblich, auch nur dadurch ermöglicht, daß jene damals regelmäßig bedeutend stärker war als das Fußvolk.

Auch abgesehen hiervon waren die inneren Zustände in Mecklenburg in jener Zeit nicht erquicklich. Die Herzöge waren zur Auflage hoher Steuern genöthigt und geriethen darüber mit ihren Ständen in Streit. Letztere waren ohnehin dadurch erbittert, daß die Herzöge nun sehr scharf gegen diejenigen aus ihrer Mitte, sowie überhaupt gegen alle Mecklenburger vorgingen, welche - vielfach nicht aus mangelndem Patriotismus, sondern gerade, um ihrem Vaterlande auch in schweren Zeiten zu dienen, da sie ihrem in der Ferne weilenden angestammten Landesherrn doch Nichts sein konnten - Beamte unter Wallenstein gewesen waren, dessen Streben aus naheliegenden Zweckmäßigkeitsgründen vorwiegend auf Anstellung von Landeskindern gerichtet war. Besonders die Familien Lühe, Moltke, Plessen wurden vom Unwillen der Fürsten betroffen und theilweise ihrer Güter für verlustig erklärt. Gustav Adolph nahm auch hier Bedacht, seine schwedischen Offiziere für die Dauer in Mecklenburg ansässig zu machen, indem er von den Herzögen die konfiszirten Besitzungen für jene begehrte, theilweis auch selbst ohne Weiteres willkürlich darüber verfügte. Viel Zank und Prozeß entstand nach dem Kriege über Zurückerlangung dieser Güter.

Doch war dies Alles Nichts gegen das nun Kommende. - Im September 1634 war der tapfere Herzog Bernhard von Weimar bei Nördlingen vom General Gallas aufs Haupt geschlagen und die Kaiserlichen drangen überall wieder vor. Sachsen und Brandenburg beeilten sich deshalb, mit dem Kaiser im Mai 1635 zu Prag Frieden zu schließen, dem auch die mecklenburgischen Herzöge nachträglich beitraten, ohne jedoch an dem Kampfe gegen Schweden sich aktiv zu betheiligen. Letzteres erblickte aber nun in Mecklenburg seinen Feind und der große schwedische Reichskanzler Oxenstjerna erließ Drohbriefe an die Herzöge, welchen er den "rothen Hahn auf den Dächern" ankündigte. Der schwedische General Banèr kam in Eilmärschen aus Schlesien, wo er siegreich gekämpft hatte. schwedische Leibregimenter unter den Obersten Oesterling und Wachtmeister besetzten im September Schwerin und brandschatzten; das Schloß war mit einer ausreichenden mecklenburgischen Besatzung unter

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Leutnant von Kamptz versehen, welcher vom Herzog Adolph Friedrich den Befehl hatte, es bis auf den letzten Blutstropfen zu halten, und scheint während des ganzen Krieges frei vom Feinde geblieben zu sein. Dömitz und Plau wurden von den Schweden ohne Schwertstreich genommen; die schwedische Garnison zu Wismar machte sich meilenweit durch Plünderungen und Gewaltthaten bemerkbar. Zu Bützow und Güstrow wurden mehrere Kompagnien mecklenburgischer Truppen ohne Weiteres unter schwedische Regimenter gesteckt.

Die Kaiserlichen waren noch fern, aber der Kurfürst Johann Georg von Sachsen bewährte sich als neuer treuer Bundesgenosse und überschritt mit einem stattlichen Heere Mecklenburgs Grenzen. Sein General Baudissin lagerte sich mit 7000 Mann Infanterie Ende November 1635 vor Dömitz, der schwedische Festungskommandant Jeßvitzky ließ zu besserer Vertheidigung die Stadt in Brand stecken. Banèr aber sandte seinen General Ruthven, einen Schotten, mit 4000 Reitern und 800 Musketieren, die sich auf die Sachsen warfen, während gleichzeitig Jeßvitzky aus der Festung einen Ausfall machte; die Hälfte wurde getödtet, der Rest gefangen und den Schweden eingereihet; Baudissin selbst konnte sich nur schwimmend über die Elbe retten. Merkwürdiger Weise schreibt Herzog Adolph Friedrich schon 4 Wochen früher, Ende Oktober, in seinem Tagebuche von einem schwedischen Siege bei Dömitz, der damals nicht stattgefunden hat und nur auf einem bloßen Gerücht beruhen konnte. - Andererseits errangen die Sachsen einige Vortheile, indem ihr Oberst Unger zu Grabow eine schwedische Kompagnie unter Vietinghof gefangen nahm und noch im November die Festung Plau von ihnen erstürmt wurde. - Gleichzeitig aber vernichtete Banèr zwischen Goldberg und Parchim drei sächsische Reiterregimenter, besiegte auch im September 1636 bei Wittstock den sächsischen Kurfürsten selbst vollständig; im Oktober eroberte der schwedische Oberst Mortaigne Plau zurück, wobei die Stadt zur Ruine ward.

Im März 1637 starb der letzte Herzog von Pommem, Bogislav XIV., der Kurfürst von Brandenburg hatte alte Erbrechte darauf, aber Schweden versuchte sich in Pommern zu behaupten. Banèr zog frische Truppen aus Schweden heran, und zwischen ihm, sowie auf der andern Seite den Kaiserlichen unter Gallas, den Brandenburgern unter Klitzing und Kracht und den Sachsen unter Dehne und Vitzthum wogte der Kampf hin und her ohne Unterbrechung, aber auch ohne entscheidende Schläge, bald in Pommem, bald in Mecklenburg, für beide Länder überall

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Tod und Verderben bringend. - Im Sommer 1637 machte die schwedische Garnison aus Wismar einen Ausfall nach Warin und vernichtete dort das Regiment des kaiserlichen Oberst Krikenberg, bei welcher Gelegenheit der große Brand entstanden sein wird, der um jene Zeit den ganzen Ort in Asche legte; dagegen wurde Plau wieder von den Kaiserlichen genommen. Im September lagerten sich die Brandenburger vor Dömitz, dessen Festung sich erst ergab, als zwei ihrer Bastionen in Grund und Boden geschossen waren und eine Bresche zum Sturm offenstand.

Im März 1638 eroberten die Sachsen die Warnemünder Schanzen, wobei ihr General Vitzthum fiel, konnten sie aber nur kurze Zeit behaupten. Im September rieb der schwedische Oberst Slang 3000 kaiserliche Reiter unter General Ruck bei dem "neuen Hofe" (Neuhof) Amts Grabow völlig auf; auch bei Malchin wurden 600 kaiserliche Reiter unter Münster geschlagen.

Im Juli 1639 gewannen die Schweden unter Ribbing die vielumworbene Festung Plau durch Kapitulation des kaiserlichen Oberst Warasiner zurück und behaupteten sie fortan; auch zur Wiedereroberung von Dömitz machte Banèr im Dezember einen Versuch, welcher aber wegen Hochwassers mißlang.

Im August 1640 erlagen 12 Kompagnien Schweden den Brandenburgern bei Röbel; nur wenige entkamen auf Kähnen über die Müritz nach Waren; das Gefecht zog sich auch in die Stadt, wo 85 gefallene Schweden beerdigt wurden.

Neue Kriegsfluthen überschwemmten Mecklenburg, als 1640 der Kampf auch zwischen Dänemark und Schweden ausbrach, die Schweden, nach Banèrs Tode unter Torstenson und Wrangel, wieder neue Streitkräfte über Wismar an sich zogen und den Krieg nach Holstein trugen. Auch dorthin folgte ihnen der unermüdliche Gallas, und bald in Holstein, dann wieder in Mecklenburg drängten sich die Heere. Entscheidende Schläge fanden auch jetzt nicht statt, nur zahlreiche Garnisonen in den mecklenburgischen Landstädten wurden ausgehoben. Wie es dabei zuging, davon hier ein Beispiel. Oberst Goldacker hatte von Gallas den Befehl erhalten, mit zwei deutschen und zwei kroatischen Regimentern Wittenburg und Boizenburg von den Schweden zu säubern. In der Nacht vom 2./3. Februar überrumpelte er Wittenburg. Der dortige Stadtvoigt Holstein berichtet darüber an den Herzog:

"- - keine Türken oder Heiden können es ärger machen, als allhier gehauset, insonderheit die Krabaten, und wenn der redliche Cavallier Obr. Goldacker es nicht gethan, hieselbst

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wol kein Mensch lebendig geblieben, der auch meinethalben mit dem Crabaten=Oberst Kugeln wechseln wollen - -, haben mir das Geringste nicht gelassen, Alles aus dem Hause hinweg, die Kirche ist nicht verschont, Kelche und Alles was in der Kirche gewesen, zerhauen und weggenommen, uns nicht eine Krume Brot oder Fleisch gelassen, meine Pferde sind dahin, Bürger und Rath nackend ausgezogen, verwundet, jämmerlich zugerichtet, ich habe 4 ganze Stunden die Todten bis in die finstere Nacht auf den Kirchhof auf Schlöpen nackend und bloß zusammenfahren lassen, unter den Schwangern und Säugern ein solch' Schreien und Jammern gewesen, daß es einen Stein in der Erden hätte erbarmen mögen, viele Bürger weg, man weiß nicht ob am Leben oder todt, Rathsherr Hennecke Krüger auf den Tod verwundet nackend im Stalle liegend befunden; Obr. Goldacker ist in meinem Hause gewesen, sein Quartier gehabt, aber mir Nichts gelassen, 2 Wagen voll geladen, wie sie keine Säcke gehabt, Betten aufgeschnitten und in die Bühren geschüttet, mein Haus ist über 15 mal ausgeplündert u. s. w."

Der Herzog selbst schreibt, daß die Frauen und Mädchen in die Kirche geflüchtet, die Kroaten ihnen nachgesetzt, und der Oberst selbst mehrere der letzteren auf den Leibern der Weiber mit seinem Degen erstochen habe. - Am nächsten Tage gings nach Boizenburg, wo die Schweden aber besser auf der Hut waren und den Angriff blutig zurückwiesen.

Im August 1643 lagerten die Schweden unter Ulfsparre vor Dömitz, beschossen die Festung aus 2 Batterien von 28 Geschützen, errangen sie aber erst im Oktober durch Kapitulation des Befehlshabers Morosini.

Im Sommer 1644 sprengte Gallas das feste Schloß zu Boizenburg mit seiner schwedischen Besatzung in die Luft.

Ueber die nächsten Jahre fehlen eingehendere Nachrichten. - Der Westfälische Friede zu Osnabrück vom 24. Oktober 1648 beendete den langen verderblichen Krieg, aber auch selbst seine Ausführung brachte dem gequälten Lande neue Lasten. So war dasselbe u. A. verpflichtet zum Transport von 83 Geschützen nebst Munition von Dömitz nach der den Schweden verbleibenden Festung Wismar, wozu 4-5000 Pferde gestellt werden mußten. Auch die in ihre Heimath abrückenden Truppen verursachten noch manche Beschwerden und Kosten.

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Der völlige Ruin Mecklenburgs durch den langjährigen Krieg ist in unseren Geschichtswerken oft genug beschrieben -, hier deshalb nur noch einiges bis dahin nicht Bekannte.

Der rauhe, an alle Kriegsschrecken gewöhnte schwedische General Banèr schreibt im September 1638 an seinen Reichskanzler Oxenstjern:

"in Meklenburg ist Nichts als Sand und Luft, Alles bis auf den Erdboden verheert" -

und weiter, nachdem auch die große Pest hinzugekommen, welche in den mittleren Landstädten Tausende und in den kleineren Hunderte dahinraffte:

"Dörfer und Felder sind mit crepirtem Vieh besäet, die Häuser voll todter Menschen, der Jammer ist nicht zu beschreiben."

Und die Landstände des Herzogthums Güstrow berichten schon im Dezember 1635, also noch vor den schlimmsten Kriegsjahren, an den Herzog:

"Ew. fürstl. Gnaden wollen sich in Gnaden erinnern laßen, wie das die Königliche schwedische Armee in diesem Lande nicht allein Logieret, sondern das auch selbige Soldateska, Gott sey es im höchsten Himmel geclagt, in demselben ohne alle unsere schuld und ursachen keiner Kirchen und Gotteshauses, oder deren Diener, auch der Schwangern und Seuglinge, ja der Todten Körper in Jhrem Ruhebette ganz nicht verschonet, sondern dieselben, wie auch fast alle Adeliche und andere dieses Landes Einwohnern, auch die Adelichen Wittiben, Frauen und Jungfrauen, auch die Kleinen Unmündigen Kinder ohne allen Unterschied geplündert, beraubet, geengstiget, jämmerlich geschlagen, nackend und bloß außgezogen, allen Vorrath an Viehe, Korn und was sonsten an mobilien und Fahrnißen vorhanden gewesen, von den Gütern und aus den Städten wegkgerißen, die Mühlen auff dem Lande enzwey geschlagen und zunichte gemachet, keiner lebendiger oder schriftlicher Salva Guardien, sie sein gleich von dem Herrn Feld=Marschalcken ertheilet, geachtet, sondern so elendig und erbärmlich in Kirchen, Städten, auff Adelichen Häusern und Dörffern im Lande, insonders mit nothzuchtigunge der Eheweiber, Mägden und unerwachsenen Kindern, auch Sengen und Brennen procediret und Haußgehalten, das solches alles nicht beschrieben oder für zuchtigen Ohren gemeldet werden kan, sondern mit Stillschweigen vorbey gegangen werden muß;

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dahero dan, Gott sey es geklaget, dieses entstanden, das der Gottesdienst so woll in Städten, alß auff dem Lande, in den ganz ruinirten Kirchen, biß dato nicht befurdert, sondern hindangesetzet, redliche Leute ohne Ursache, Königlicher Salva Guardien ungeachtet, auff ihren gutem erbarmlich erschoßen, deren Frauen und Kindern zu Wittiben und Weysen gemacht, die übrigen in dieser kalten beschwerlichen Winterszeit von Hauß und Hof nackend und bloß in das elend verjagt und dahero Hungers und Blöße halber mit den Jhrigen sterben und verderben; theils auch wegen großer verzweiffelunge, engsten und nöthen in Leibes und Seelen gefahr gerathen mußten.
Wie den solche und dergleichen unerhörte unmenschliche Insolentien und proceduren nicht mit Zungen außgeredet und beschrieben oder mit heißen Thränen genugsamb beklaget und beseuffzet werden können."

Zwar nicht plötzlich und unerwartet fielen die fremden Heere ins Land, sondern ihre Führer meldeten den Herzögen, welche mit dem Kaiser ihren Frieden gemacht, mit den Schweden jedenfalls nicht geradezu gebrochen hatten, auch mit dem schwedischen Herrscherhause nahe verwandt, und mit den Kurfürsten von Sachsen und Brandenburg befreundet waren, in aller Form ihre Ankunft tagelang vorher an, baten auch höflich um Quartier und Kost. Die Herzöge entsandten Kriegskommissäre, meistens aus der Ritterfchaft - worüber besonders die Städte sich beschwerten, weil angeblich die Lasten auf letztere gegenüber den Rittergütern ungleich vertheilt wurden - ins Feldlager der angemeldeten Truppen, und genaue Dislokationspläne wurden dann entworfen, auch die Gebührnisse in natura und baar genau festgestellt. Aber diese waren regelmäßig so übertrieben, daß ihre Leistung von vorn herein unmöglich war. So sollten haben ein Gemeiner täglich 2 Pfund Fleisch und 2 Pfund Brot nebst 1 Kanne Bier - ein Pferd täglich 1 Metze Hafer, 10 Pfund Heu, alle 10 Tage 4 Bund Stroh -, ein ganzes Regiment (von ungefährer Stärke eines jetzigen Bataillons) wöchentlich 46 Ochsen, 156 Schafe, 86 Tonnen Bier. Für einen Regimentsstab, nämlich Oberst, Oberstleutnant, Major, Quartiermeister, Wagenmeister, Prediger, Barbier, Profoß, Stockknecht, Scharfrichter - letztere damals vielbeschäftigt und zuweilen selbst schon einzelnen Kompagnien zugetheilt -, wurden alle 10 Tage beansprucht: 3 Rinder, 10 Schafe, 2 Schweine, 1 Scheffel Salz, viel Geflügel, und dazu täglich 1/4 Tonne Hering, 2 Speckseiten,

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1/4 Tonne Dorsch, 1 Faß Neunaugen, 2 Scheffel Erbsen, 1 Scheffel Rüben, 24 Stübchen Essig, 1 Ohm Wein, 15 Tonnen Bier, 2 Pf. Pfeffer, 16 Loth Zimmt, 6 Pfund Rosinen, 3 Pfund Mandeln, 9 Pfund Kirschen, 3 Pfund Reis, 4 Pfund Kapern, 1 Zuckerhut, 2 Pfund Oliven, viele Fische - und wöchentlich baar für Oberst 180 Thlr., Oberstleutnant die Hälfte, Major 30 Thlr., Leutnant 8 Thlr., Gemeinen 1 1/2 Thlr. Gerechnet war hierbei auf die überaus zahlreiche Dienerschaft der Offiziere, wie denn z. B. ein Oberstwachtmeister (Major) 1 Leibschützen, 1 Koch, 7 Kutscher, 4 Reitknechte, 1 Stalljungen, 2 Aufwärter um sich hatte, welche Anzahl bei den obersten Befehlshabern ins Ungemessene stieg. Dazu kamen bei den Offizieren ihre Frauen, Kinder, selbst Schwiegereltern, Hofmeister, Erzieher, Gouvernanten, bei den Gemeinen wenigstens Frauen oder Dirnen. Dazu endlich viele Pferde für die zahlreichen Equipagen und Transportwagen. So befanden sich z. B. in Schwerin bei 2 Kompagnien Kaiserlicher von zusammen 250 Mann noch 113 Weiber, 56 Kinder, 38 Pferde. Das Feldlager war eben damals die Heimath der ganzen Familie.

An Genügung so weit gehender Forderungen war in dem ausgesogenen Lande auch nicht im Entferntesten zu denken - und die Folge war Verhängung militärischer Exekution "bei Androhung von Schwert und Feuer," welche nur zu oft zur Wirklichkeit wurde. Eine Plünderung der Städte und Dörfer folgte der andern, und was nicht mitgenommen, wurde zerstört.

Den Oberbefehlshabern selbst freilich war mit der völligen Aussaugung des Landes, auf welches sie doch auf einige Zeit angewiesen waren, gar nicht gedient, und sie suchten häufig nach Kräften dem Unheil zu steuern. So erließ der vielgeschmähete Banèr 1638 folgenden Tagesbefehl:

Der. Königl. Mayest. vnd Reiche Schweden, Wie auch dero Confoederirten, respective Raht, General vnd Feldt=Marschall, Johann Banèr, Herr zu Mühlhammer vnd Werder, Ritter etc. .

"Obwohl Hochgedachte Jhre Excell. vermeinet, es wurden durch dero eine Zeit her sehr vielfältige vnd oft repetirte poenalmandata, dero Vnterhabende Soldatesca, von ihren grausahmen excessen, Raub, Mord, Plünderung, Brand, Schändung der Frawen vnd Jungfrawen, ohne Vnterscheidt des Standes vnd Alters, devastirung der Kirchen vnd Gottes Häuser, vnd beleidigung der Prediger vnd Kirchen=

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diener, Verwüstung der Gaben Gottes, vnd anderen barbarischen crudeliteten abgeschrecket worden seyn, die Herren Obersten vnd nachgesetzte Officirer auch dermassen darüber gehalten, vnd solche disciplin angeordnet vnd confirmiret haben, daß zu ihrem selbst eigenen besten, Insonderheit zu abwendung des durch solche Teufflische proceduren angezündeten Zorn Gottes, viele Land vnd Leute conserviret, die armèè also besser alimentiret, vnd nicht Noth vnd Mangel leiden dürften, geftalt die Herrn Obersten solches Jhr. Excll. hochbetheurlich versprochen und angelobet, so hat doch bißhero die Erfahrung gelehrt, daß die Soldateska einen Weg wie den andern bey ihren Unchristlichen vnd Abscheulichen enormischen excessen verharret, vnd dieselbe von Tage zu Tage zu- vnd fast überhand genommen, und itzo mit vielen greulichen und noch nie erhörten Martern die plagen des armen Landtmans vergrössert und die Arten derselben vermehret, und durch Conniventz der Officirer in vollen Schwang gerathen und darauß eine solche Gewohnheit eingewurtzelt, welche Gottes Zorn dermassen gehäuffet das dessen effect die armèè biß dato nicht wenig gespüret. Als haben Jhr Excell. aus obligender Fürsorge zur conservation dero anvertrauten armèè, protection der damit innehabenden Lande, und beybehaltung der Einwohner, Insonderheit zu beschützung der angehenden Erndte vnd Lebensmittel, vor hochnöthig erachtet, dero mandata noch einmahl zu wiederholen." - - -

Auch der kaiserliche Feldherr Graf Gallas drohet seinem übelberüchtigten Oberst Graf Götzen und dem Oberst Lossi, Befehlshaber der wilden Crabaten (Kroaten), die "weder Galgen noch Rad scheueten," daß sie "bei ferneren Excessen so lange vor dem Feinde stehen sollen, bis Einer den Andern aufgefressen."

Dazu wurden einzelnen Ortschaften und Personen häufig Sauvegarden entweder in Form von Schutzbriefen oder auch lebendige, d. i. Wachen, bestellt, diese jedoch von den eigenen Truppen nur widerwillig, vom Feinde gar nicht beachtet. -

Am ärgsten hausten umherziehende einzelne Trupps von wenigen bis zu einigen hundert Mann, welche entweder zur Fouragirung ausgesandt waren oder heimlich sich abgetrennt hatten, und auf eigene Fauft raubten und brandschatzten. Die Städte, welche damals sämmtlich mit festen Thoren, Mauern und Wällen umgeben und deren Bürger in Wehr und Waffen

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wohl geübt waren, wußten sich ihrer freilich - wenigstens in den ersten Kriegsjahren und als sie noch nicht öde und verlassen waren -, wenn sie wachsam waren, zu erwehren. Zu Röbel schwur die ganze Bürgerschaft feierlich, ihre Stadt bis auf den letzten Blutstropfen zu vertheidigen, schlug auch mehrere Angriffe tapfer zurück; ebenso zu Malchin. Vor Crivitz plänkelten kaiserliche Reuter einen ganzen Tag und zündeten, als sie sich mit Verlust zurückziehen mußten, die Stadtscheunen an. In Gnoien, Wittenburg, Boizenburg, Gadebusch waren die Feinde bereits durch die Thore und über die Mauern eingedrungen, aber die durch Lärmtrommel und Sturmglocke herbeigerufenen Bürger warfen sich ihnen auf dem Markte und in den Straßen entgegen und trieben sie wieder heraus. - Die obersten Befehlshaber schritten auch hier häufig nach Kräften ein. Banèr befahl sofortiges Tödten aller sogen. Freireuter. Auch wurden aus den Feldlagern sogen. Rumormeister mit kleineren Truppenabtheilungen ausgesandt, welche alle Marodeurs sofort aufknüpften, aber auch selbst nicht selten mit blutigen Köpfen heimgeleuchtet wurden.

Wie in den letzten Kriegsjahren Alles daniederlag, die Städte und Ortschaften theils verbrannt, theils zu Brennholz oder zu Feldlagern abgebrochen, die Bewohner theils durch Schwert und Martern, theils durch Pest und Hunger umgekommen, zum kleineren Theile nach dem festen Rostock, besonders auch nach Lübeck und Hamburg geflohen waren, ist in unseren Geschichtswerken oft und eingehend genug geschildert. Hier nur noch wenige andere Bilder aus jener Schreckenszeit. Die Städte mit festen Schlössern - Dömitz, Plau, Boizenburg - waren während der Belagerungen fast ganz in Asche gelegt, ebenso Warin, Laage, größten Theils Teterow, Röbel. In Waren drangen die Kroaten ein, marterten viele Bewohner auf jede nur erdenkliche Weise zu Tode, jagten andere in die Müritz und zündeten die Stadt an, wobei 72 Häuser und die Marienkirche verbrannten; der Rest wurde abgebrochen für Baracken eines kaiserlichen Feldlagers bei Eldenburg; die Leichen der Erschlagenen sollen von Hunden und Wölfen verzehrt und nach dem Kriege nur erst sieben Familien zurückgekehrt sein, welche das Saatkorn auf einer Schiebkarre von Wismar holten. In Malchin wurden nach Bericht des Bürgermeisters 200 menschliche Skelette von den Straßen aufgelesen, deren Fleisch von Hunden abgenagt war; auch von Schwerin wird Aehnliches berichtet. Als an einem vom Herzog wegen der traurigen Zeit angeordneten Buß= und Bettage die Gemeinde zu Ivenack in der

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Kirche versammelt war, drangen Kroaten in dieselbe, erschlugen den Prediger vor dem Altar und 40 Personen, verübten an Weibern und Kindern die schrecklichsten Dinge. Besonders die Prediger wurden verfolgt, manche, wie in Malchin, Waren, Grevesmühlen, Slate, zu Tode gemartert; massenweise flohen sie nach Rostock, verkamen auch dort in Hunger und Noth. Fliehende wurden mit Hunden gehetzt, zur Winterszeit in Brüche und Wälder gejagt, geblendet, durch Einschneiden der Fußsohlen gelähmt, voll Mistjauche und Wagenschmiere gefüllt und dann getreten. Ganz unnatürliche Dinge dienten zur Stillung des Hungers; zu Neubrandenburg wurden zwei Mädchen betroffen, welche den Leichnam eines andern bis auf die Knochen verzehrt hatten; zu Bülow bei Malchin tödtete und verzehrte eine Mutter ihren Säugling. Wie Schweden und Kaiserliche zu Doberan hausten, das schöne Gotteshaus demolirten, das Kupfer vom Dache rissen, die Thurmspitze abbrachen, die fürstlichen Gräber aufrissen, den Leichnam von des Herzogs Adolph Friedrich ersten Gemahlin zerstückten und den Hunden vorwarfen, den Prediger schwer verwundeten, in der Kirche den alten Küster auf grauenvolle Weise ums Leben brachten, ist bekannt; aber auch ein dortiger Müllerknecht wurde lebend in den Backofen geworfen und der Knochenrest in den Bach gestreuet. Auch im Amte Neustadt sind Bauern geröstet. - Die Menschen hatten sich in Bestien verkehrt!

Auf dem platten Lande war es nicht anders, Höfe und Dörfer rauchende Trümmer und weite Kirchhöfe. Gar mancher Edelmann mußte wohl bei Vertheidigung seines Hauses und der seinigen sein Leben lassen - so ein Hahn auf Hinrichshagen und Landrath Jürgen Flotow auf Burg Stuer. Ganze Adelsfamilien starben aus, manche wurden auf wenig Augen beschränkt und wuchsen erst allmählich wieder.

Wie es in den fürstlichen Domänen aussah, bezeugen die um jene Zeit aufgenommenen Amts=Inventare. Hier nur dasjenige des Amtes Lübz von 1640, als noch schlimme Jahre folgten. Da heißt es damals schon Dorf für Dorf und Gehöft für Gehöft:

N. N. todt mit allen Seinigen - todt mit der Frau, der Sohn in Lübeck - N. N. unter die Schweden gegangen, Frau und Kinder todt - N. N. und die Kinder todt, Frau beim schwedischen Leutnant - das Haus liegt nieder - sämmtliche Zimmer abgebrannt - bei diesem Dorfe sind 1 1/2 Scheffel Wintersaat gesäet - an Vieh kein

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Vorrath - bei diesem Dorfe ist Nichts gesäet, .kein Vieh, hier lebt kein Hauswirth, nur zwei Wittwen und eine Magd, - -
Dorf Retzow ganz wüste - ebenso Quaßlin - Wahlstorf - Karbow - Darß - Wilsen - diese Dörfer ausgestorben, nur Wenige weggelaufen.

Im Amte Dargun waren von 227 bäuerlichen Hauswirthen 1639 nur noch 31 vorhanden; 1640 heißt es: Alles wüst und verbrannt, kein Mensch noch Vieh; wegen der kaiserlichen Reuter zu Malchin, welche Alles unsicher machen, darf sich Niemand aufs Land wagen.

Im Amte Gnoien lebten 1639 von 82 Hauswirthen noch 6, 47 Gehöfte waren niedergebrannt, - 1644 Schlutow, Küsserow Amts Kalen, Damm, Schlakendorf ganz wüste.

Amt Neukalen von 49 Bauern 1639 noch 3, die Gesammtbevölkerung 1644 nur 8 Seelen, 1653 heißt es: lange wüst und menschenleer.

Amt Grabow zählte von 82 Bauern 1641 nur noch 12.

Im Amte Güstrow waren 1644 von 414 Bauern abgebrannt 283; noch 1701 waren 72 wüst.

Amt Goldberg mit 200 Bauern war 1638 ganz wüst und ausgebrannt.

Amt Plau heißt noch 1650 zu 3/4 wüst.

Amt Stavenhagen mit vorher 558 Bauern zählte 1638 an Jung und Alt 72 anwesende Personen, von 5000 Einwohnern waren nach dem Kriege 329 am Leben, 30 Dörfer waren ganz wüst.

Im Amt Warin waren 1639 von 93 Bauern wüst 77, 16 Bauern und 11 Wittwen am Leben; kein einziges Haupt Vieh, kein Brot, keine Saat.

Die Aemter Wredenhagen, Ivenack, Plau zählten vor dem Kriege 724 Bauern, 4300 Seelen, nachher 97 Bauern und 600 Seelen.

In den Aemtern Neustadt und Schwerin waren noch 1656 viele Ortschaften ganz und halb wüste, die Gebäude weg, die Ländereien in Rusch und Busch, die Gehöftsfamilien todt und verschollen.

Nur langsam ging die neue Kolonisation wieder vorwärts. Noch 1662 befahl der Herzog, in jedem Amte 10 Bauern auszusetzen, ihnen auf herrschaftliche Kosten die Gebäude zu errichten, die Felder zu besäen, und auch mehrere Freijahre zu geben. Nach etwa vorhandenen Kindern der früheren Bauernfamilien

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wurde überall Nachfrage gehalten, um sie, wenn nicht gütlich, so doch nach dem Recht der Leibeigenschaft mit Gewalt auf die Hufen zurückzubringen. Aus der Mark, aus Holstein, Pommern kamen zahlreiche Einwanderer, welche dort Alles verloren hatten und nun hier ihr Glück versuchen wollten. Dennoch ist die Anzahl der früheren Bauern bis auf diesen Tag bei Weitem nicht erreicht. - Nach möglichst genauer Schätzung waren vor dem großen Kriege im landesherrlichen Domanium jetzigen Mecklenburg=Schwerinschen Antheils rund 7700 Bauern, jetzt wohnen darin 5440 inzwischen vererbpachtete Bauern; der Abgang beträgt also etwa 2260, deren Ländereien nach dem Kriege aus Nothbehelf großentheils zu Hofacker gemacht sind. Rechnet man nun durchschnittlich etwa 10 frühere Bauern auf einen jetzigen Pachthof, so ergiebt dies seit dem Kriege eine Zunahme von mehr als 200 großen Höfen, welche Zahl auch der Wirklichkeit entspricht. Die Folgen des 30jährigen Krieges wirken also noch in die Jetztzeit hinein.

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IV.

Der Güstrowsche Erbfolgestreit.

Von

Oberlehrer Dr. Richard Wagner.

(Schluß.)

~~~~~~~~~~~~~~~~

IX.

Die Hamburger Kommissionsverhandlungen bis zu ihrem Abbruch im März des Jahres 1700.

Die erste und zweite Tagung der Kommission (bis Ende 1698).

Mit der Einsetzung der Hamburger Kommission trat endlich der Güstrower Erbfolgestreit, nachdem er bereits 10 Jahre gewährt hatte, in dasjenige Stadium ein, in welchem er seinen Abschluß finden sollte, freilich erst nach Verhandlungen, die, wenn man vom Erscheinen der Einsetzungs=Reskripte an rechnet, noch mehr als 3 Jahre in Anspruch nahmen. Ihren Gang zu schildern, ist die Aufgabe der letzten Abschnitte dieser Arbeit.

Die kaiserlichen Reskripte vom 27. Januar 1698 wurden den 6. März durch einen Expressen nach Schwerin überbracht, zugleich mit Kopien, durch welche der Schweriner Hof vorläufig von ihrem Inhalt Kenntniß erhielt. Von Schwerin aus sandte man die Originale den 7. an den Grafen Eck, auch gingen den 10. März schreiben an die drei bei der Kommission betheiligten Höfe, Kopenhagen, Wolfenbüttel und Eutin, ab mit dem Ausdruck der Freude des Schweriner Hofes, daß Kaiserl. Majest. die betreffenden Höfe mit der Kommission betraut habe, und mit der Bitte, sie zu übernehmen und einen Termin für den Beginn der Verhandlungen zu bestimmen.

Graf Eck befand sich gerade in Osnabrück; er meldete den 13. März den Empfang und die Wiederabsendung der Reskripte nach Schwerin, wobei er zugleich das an Adolf Friedrich und das an die Ritter= und Landschaft adressirte, außer dem für Friedrich Wilhelm bestimmten Original diesem zur Weiterbeförderung zusandte. Den 24. März erhielt Adolf Friedrich das seinige.

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Von den Mitgliedern der Kommission antwortete zuerst der Bischof von Eutin (d. 4. April), darauf der König von Dänemark (d. 9. April), die beiden Wolfenbütteler Herzöge erst den 5. Mai. Alle erklärten ihre Bereitwilligkeit, die Kommission zu übernehmen. Von Dänemark ward der Geh. Rath v. Lenthe zum Subdelegirten für die Kommission bestimmt, von Wolfenbüttel der Kanzler Probst v. Wendhausen, von Eutin der schon in den meklenburgischen Angelegenheiten bewanderte Geh. Rath John. Nachdem vorerst allerlei Präliminarfragen geordnet waren, unter denen auch eine Präcedenzfrage (zwischen Wolfenbüttel und Eutin) nicht fehlte, ward der Beginn der Verhandlungen auf den 27. September d. J. anberaumt.

Friedrich Wilhelm beeilte sich auf die Anzeige davon, zu erwidern (d. 9. August), daß er rechtzeitig Abgeordnete senden werde, und bestimmte für diesen Zweck den Geh. Rath Taddel und den Kammerdirektor Vermehren. Adolf Friedrich dagegen zögerte lange, sich der Kommission zu unterwerfen, da dies ein Aufgeben seines bisher konsequent festgehaltenen Standpunktes zu der Rechtsfrage zu bedeuten schien. Der kaiserliche Auftrag an die Kommission lautete nämlich dahin, beide streitende Theile "auf ein zulängliches dem Herzogthum Güstrow proportionirtes appanagium" zu vergleichen. Also nicht die Frage, wem das Herzogthum Güstrow zukomme, war der Gegenstand der Verhandlungen, der Kaiserhof blieb dabei, daß diese bis zu etwaiger weiterer Verhandlung im Prozeßwege zu Gunsten Friedrich Wilhelms entschieden sei, sondern es handelte sich nur um eine zulängliche Abfindung für Adolf Friedrich.

Er beklagte sich darüber in zwei Schreiben vom 4. Juni an den König von Dänemark und die Herzoge von Wolfenbüttel, wobei er zugleich auch die Beschwerde vorbrachte, daß ihm auch diesmal wieder der Katholik Graf Eck als Kommissar aufgedrungen werde, zu dem er ohnehin wegen seiner bekannten großen Vertraulichkeit und Familiarität mit Friedrich Wilhelm wenig Vertrauen hegen könne. Er fragte dann um Rath, wie er sich verhalten solle. Als aber beide Höfe zur Beschickung der Kommission riethen, vor der er sich ja seine Befugnisse reserviren könne, entschloß er sich zu einem Mittelwege. Er theilte seinen Entschluß, die Kommission zu beschicken, dem Grafen wie den drei Höfen d. 23. August mit, ersuchte um eine Erklärung vor Beginn der Verhandlungen, daß dieselben "keinen andern Vorsatz hätten, alß die gantze Sache, wie sie an sich selbst, und ihrer Natur nach beschaffen, ohne einige reflexion, was in derselben eine Zeit nach ein ander ergangen, auszunehmen, und pro ob-

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jecto Commissionis zu setzen, keineswegs aber lediglich und allein auf eine apanage die Handlung anzustellen."

Durch dieses Schreiben, über welches erst von Wien aus Entscheidung einzuholen sei, ward Wolfenbüttel veranlagt, einen Aufschub des Beginns der Verhandlungen bis zum 7. November vorzuschlagen, zog aber auf entschiedene Remonstration Friedrich Wilhelms seinen Vorschlag wieder zurück. Die Schweriner Räthe kamen den 26. September in Hamburg an, am 27. auch Graf Horn, der zwar den 7. Oktober wieder abreiste, aber bis an den Schluß der Verhandlungen häufig auf kurze oder längere Zeit wieder kam, wenn er selbst oder der Herzog es für erforderlich hielt. Die beiden Strelitzer Deputirten Gutzmer und Knegendorf langten den 7. Oktober an und traten in die Verhandlungen ein, obgleich Adolf Friedrichs Begehren, die Aufgabe der Kommission anders zu stellen, nicht erfüllt war und auch unerfüllt blieb. Aus ihrer Instruktion war das Wichtigste, daß Adolf Friedrich nicht von der Forderung der Reichsstandschaft abgehen werde.

Die Schweriner Instruktion (datirt vom 20. September) schrieb den Deputirten vor, 150000 Rth. als Abfindungssumme anzubieten, wovon 100000 nach Aussterben der männlichen Descendenz von Adolf Friedrich wieder zurückfallen, 50000 zur freien Disposition für Prinzessinnen oder sonst erblich verbleiben sollten; falls die Strelitzer Abtretung von Aemtern wünschten, so seien zu denen, die Adolf Friedrich schon habe, Fürstenberg und Wesenberg auf Abschlag der Zahlung der Abfindungssumme in Vorschlag zu bringen; sollte auch das noch nicht ausreichen, sondern Adolf Friedrich bis zur gerichtlichen Entscheidung eine Erhöhung seiner Apanage beanspruchen, so seien ihm zu den 7000 Rth., die er schon habe, noch ebenso viele anzubieten, unter der Bedingung, daß Friedrich Wilhelm der völlig freie Besitz des Herzogthums Güstrow eingeräumt werde. Von einem Reichsvotum war nicht die Rede: ein solches konnte nach Ansicht des Schweriner Hofes überhaupt nicht Gegenstand der Verhandlungen bilden. Bei dieser Sachlage war die Aussicht für das Zustandekommen des Ausgleichs im Beginn der Verhandlungen nicht eben groß.

Die Sitzungen der Kommission wurden d. 12. Oktober Morgens 10 Uhr eröffnet und fanden im Hause des Grafen Eck statt. Um die Präcedenzfrage zwischen dem regierenden Friedrich Wilhelm und dem an Jahren älteren Adolf Friedrich zu umgehen, ward das Verfahren beliebt, daß beide Parteien gesondert vorgefordert wurden; ferner traf die Kommission die Einrichtung, daß die Eingaben beider im Allgemeinen nicht dem Gegner mit=

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getheilt werden sollten. Die Kommission nahm sie zur Kenntniß und arbeitete darnach ihre eigenen Vorschläge aus.

Gleich in der ersten Sitzung schlug sie den Schwerinern vor, Adolf Friedrich eine Art von Regierung mit dem Recht der Reichsstandschaft zu geben, die Schweriner lehnten dies entschieden ab und boten eine Geldsumme an. Die Kommission versuchte darauf, die Strelitzer zum Aufgeben des Votums zu bewegen; es ward ihnen vorgestellt, "wie genereus es wäre, wenn außer dem Regierenden Herrn die anderen vom Hause sich mit einem fürstlichen Unterhalt begnügten, und das Haus zum splendor und gloire kommen ließen, als es durch divisiones zu schwächen." Die Strelitzer blieben aber derlei Erwägungen gegenüber taub. In der dritten Sitzung (d. 14. Oktober) schlug die Kommission vor, Friedrich Wilhelm möge, um Strelitz vom Votum abzubringen, jährlich 50000 Th. bewilligen, was die Schweriner ebenfalls ablehnten. Nachdem so die Kommission mündlich mit beiden Parteien einige Tage verhandelt hatte, schritt sie den 18. Oktober zur Vorlegung eines ersten schriftlichen Vergleichsprojektes (datirt vom 27./17. Oktober) mit folgender Alternative: Es möge Adolf Friedrich entweder soviel Landes angewiesen werden, daß er jährlich 30000 Th. daraus heben könnte, die 7000 Th., die er schon vom Schweriner Antheil genieße, miteinbegriffen, mit voller Landeshoheit und Jurisdiktion, ausgenommen nur die Reichsstandschaft, auch Freiheit von Steuern solle er genießen mit Ausnahme der Reichs=, Kreis= und Fräuleinsteuern oder, wenn er das Votum nicht fahren lassen wolle, so möge man ihm dieses überlassen und so viel Land, daß es, inkl. seiner jetzigen Apanage, 20000 Th. einbringe, mit allen Hoheitsrechten, doch habe er sich zu verpflichten, mit seinem Votum niemals von den übrigen meklenburgischen Votis abzugehen oder auch mit Auswärtigen in Traktaten sich einzulassen, noch weniger aber fremde Truppen in seine Residenz und sein Land einzunehmen.

Auf diese Vorschläge hin holten die beiderseitigen Deputirten erst Instruktion von ihren Höfen ein. Die Schweriner Antwort, die Graf Horn selbst (d. 24. Oktober a. St.) nach Hamburg überbrachte, ward d. 1. November in schriftlicher Form (datirt Hamburg 4. November/25. Oktober) der Kommission übergeben. In diesem Schriftstück bot Friedrich Wilhelm 20000 Th. an Einkünften, wovon die Hälfte aus den Domänen angewiesen werden solle, über diese solle, Mirow ausgenommen, Adolf Friedrich die Jurisdiktion unter Vorbehalt der Appellation an das Parchimer

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Landgericht erhalten. Ritterschaft und Städte seien nicht in die Abtretung einbegriffen, da diese nicht separirt werden könnten. Ein Votum könne nicht abgegeben werden, da das Herzogthum Güstrow überhaupt nur eins habe. Die Strelitzer beharrten indessen auf dem (Güstrower) Votum und forderten dazu wenigstens 20000 Th.

In ihrer Relation vom 1. November, worin die Schweriner Räthe dies melden, riethen sie zugleich zu größerer Härte Strelitz gegenüber, da dieses die Nachgiebigkeit nur benutze, um seine Forderungen noch weiter zu steigern. Friedrich Wilhelm, der den sehnlichsten Wunsch hatte, den ärgerlichen Handel bald beendigt zu sehen, um wieder in den Besitz des Güstrower Landes zu gelangen, entschloß sich indessen zu einem entgegenkommenden Schritte. Er schrieb den 2. November an die Räthe:

"Weil wir gemeint sein, Gott zu ehren, dem ruhestand des publici, und unserm lande zum besten, S. Kayserl. Maytt. aus der bisherigen Brouillerie mit bem Crais-directorio, so viel an unß zu ziehen, - so ist unser gnäd. wille, daß ihr, wenn die Sache nicht auf leidtlicherem wege zum ende gebracht werden mag, absque voto et sessione an Strelitz, bis an die dreyßig tausendt Rth. und cum voto, et sessione zwantzig tausendt Reichsthaler, accordiren - möget." Er sehe indessen gerne, daß das votum auf Lebzeiten des Herzogs Adolf Friedrich beschränkt und daß ihm das schwerinsche votum zugestanden werde. Sei aber auch die erste Bedingung nicht zu erreichen, so müsse es ohne Beschränkung zugestanden werden, jedoch dergestalt clausulirt, daß dadurch Herzog Adolf Friedrich kein Recht an dem Herzogthum Schwerin erlange, sondern ihm nur der Gebrauch des Votums bei dem gelassen werde, was in dem stargardischen ihm bewilligt werde, und daß auch Adel wie Städte Schwerin vorbeholten blieben. Lieber wolle er indessen 25000 oder auch 30000 Th. jährlich ohne Votum geben als 20000 mit demselben. 1 )


1) Friedrich Wilhelm kam dann einem Wunsche, den die Kommission gleich im Beginn der Verhandlungen geäußert hatte, zufolge den 7. Nov. selbst nach Hamburg. Er wohnte dort in einem Hause, das er i. J. 1694 für sich hatte kaufen lassen. Mancherlei "divertissements" verkürzten dem jungen lebenslustigen Fürsten den Aufenthalt. Auch Adolf Friedrichs Anwesenheit wünschte die Kommission, damit in Gegenwart beider Fürsten die Verhandlungen schneller gefördert werden könnten. Allein Adolf Friedrich entschloß sich damals noch nicht zu der Reise, zu der die Mittel aufzubringen ihm schwer wurde. Somit hat Friedrich Wilhelms damaliger Aufenthalt in Hamburg keinen merkbaren Einfluß auf die Verbandlungen gehabt.
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Das Schreiben bedeutete ein Nachgeben in dem entscheidenden Punkte, der bisher vom Beginn des Streites an stets der Einigung im Wege gestanden hatte, der Forderung des Reichsvotums. Allein die Räthe waren vorsichtig genug, von diesem Zugeständniß vorläufig noch nichts merken zu lassen, als ihnen in einer Sitzung am 5. November unter einigen andern Fragen auch die vorgelegt wurde, ob man schwerinischerseits von dem Votum abstrahiren werde. Auch den Strelitzern wurden an demselben Tage diese Fragen vorgelegt, sie antworteten darauf den 7./17. November in einer Eingabe, in der sie weit höhere Forderungen stellten, wie noch am 1. Sie gingen davon aus, daß das gesammte Herzogthum Güstrow Adolf Friedrich zukomme, um des lieben Friedens willen sei er erbötig, ein oder zwei Aemter davon an Friedrich Wilhelm abzugeben, und auf die Schweriner Apanage und die noch ausstehenden Schuldforderungen von über 80000 Th. zu verzichten. Obgleich dies einem Abbruch der Verhandlungen so ziemlich gleich kam, so formulirte doch die Kommission den 18./8. November einen zweiten schriftlichen Vorschlag.

Dieser stellte folgende Alternative:

1. Adolf Friedrich erhält den Stargarder Distrikt mit besonderer Investitur und mit Adel und Städten, doch ohne Votum; was an 30000 Th. Einkünften, in die die Schweriner Apanage nicht miteinzurechnen ist, fehlt, ist aus dem Boizenburger Zoll zu affigiren oder

2. er erhält das Votum mit 20000 Th. jährlich, ungerechnet die Schweriner Apanage und 8000 Th. einmaliger Zahlung zum Bau eines Residenzschlosses.

Er dürfe indessen die Appellation an das Landgericht nicht hindern, kein jus armorum, fortalitiorum et foederum ausüben, auch keiner andern Mächte Truppen ins Land einnehmen, müsse in publicis dem Interesse des Herzoglichen Gesammthauses attachirt bleiben und dürfe keine "separate mesures" nehmen und keine Allianzen schließen. Friedrich Wilhelm habe ihn in seine Schutzbündnisse einzuschließen. Streitigkeiten seien durch Deputirte zu entscheiden; das Primogeniturrecht sei durch ein Statut festzustellen.

Da die Strelitzer über diese Vorschläge wieder Instruktion einholen zu müssen erklärten, so wurden die Verhandlungen auf 14 Tage abgebrochen und her Wiederbeginn auf den 28. November verabredet. Gutzmer bat zwar den 18. November von Strelitz

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aus, bis zum 3. Dezember Anstand zu gewähren, erhielt aber auf Betrieb der Schweriner einen Abschlag (5. Dezember/25. November). Die Antworten beider Parteien wurden dann den 17./7. Dezember schriftlich übergeben, aber beide von der Kommission zurückgewiesen, da sie von ihren Vorschlägen erheblich abwichen. Strelitz besonders wird vorgeworfen, es habe sich von dem vorgesetzten Ziel weiter als vorher entfernt. In der Schweriner Antwort war die Abtretung eines Votums nicht zugestanden. Da aber im Ganzen die Schweriner doch mehr Entgegenkommen als Strelitz gezeigt hatten, so stellte sich die Kommission zunächst auf deren Seite und machte den Versuch, Strelitz zur Aufgabe des Votums zu nöthigen.

Sie stellte noch den 7. Dezember an die Strelitzer Bevollmächtigten das Ansinnen, morgen, also den 18./8. Dezember, Näheres, was zum Ziele führen könne, vorzubringen, besonders auf die Frage, ob sie in Betreff des Votums sich überwinden könnten, widrigenfalls die Kommission die Verhandlungen abbrechen und die Akten nach Wien senden werde.

Dieser Schreckschuß bewog die Strelitzer den 18./8. Dezember zu einem sehr wichtigen Zugeständniß, der Vertauschung des Güstrowschen Votums mit einem andern, etwa dem des Stiftes Schwerin. Als aber die Schweriner den 22./12. Dezember auch dies ablehnten und als ihres Herrn "positive und finale Erklärung" hinstellten, daß er weder das Güstrowsche Votum abtreten noch ein anderes dafür geben wolle, zumal die Vota, die er sonst führe, kein Gegenstand der Verhandlungen seien, da ließen sich die Strelitzer den 25./15. Dezember zu der Erklärung bewegen: Wenn ihr Herr, worüber sie nicht instruirt seien, das Votum fallen lassen sollte, so werde er von Güstrow nicht viel abgeben können; bei Abtretung des Votums werde er dagegen seine Schuldforderung an Friedrich Wilhelm wohl fallen lassen und einige Aemter mehr abtreten. Friedrich Wilhelm ließ den 26./16. Dezember 25000 Th. Einkünfte und zwar aus den Aemtern Stargard, Strelitz, Wanzka und Feldberg mit den zwei Städten Stargard und Strelitz und mit Hypothecirung des Restes aus dem Boizenburger Zoll anbieten.

Die Erklärung der Strelitzer wurde, obgleich sie ohne Instruktion abgegeben war und also nicht als bindend angesehen werden konnte, und außerdem die für Schwerin unmögliche Abtretung des größten Theiles von Güstrow verlangte, doch von der Kommission dahin aufgefaßt, daß Strelitz bereit sei, gegen

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gewisse Bedingungen, über die noch weiter zu verhandeln sein werde, das Votum aufzugeben. Somit erging den 29./19. Dezember 1698 ein "letzter" Vorschlag der Kommission: Adolf Friedrich möge den stargardischen Distrikt mit allen Pertinenzien, ausgenommen das Jus praesidii an den Orten, welche als Pässe in Kriegszeiten zu besetzen seien, jährlich 33000 Th., bei künftigem Aufhören des Güstrowschen Witthums 40000 Th. und 8000 Th. für Instandsetzung einer Residenz erhalten. Beide Theile wurden binnen vier Wochen zu einer Antwort aufgefordert; darauf trennte sich die Kommission wieder.

Fortgang der Verhandlungen bis zum Ultimatum der Kommission vom 2. Juni 1699.

Das Reichsvotum schien für Adolf Friedrich verloren. Seine Sache stand um so schlechter, als der Reichskrieg mit Frankreich zu Ende war und auch mit den Türken den 26. Januar 1699 Friede geschlossen ward. Der Kaiser war also oder schien wenigstens jetzt in der Lage, seinem Urtheile vom 12. Januar 1697 mit bewaffnetet Macht Nachdruck geben zu können. Adolf Friedrich selbst verzweifelte am Erfolg: in einem Briefe nach Berlin (Ende 1698) brauchte er den Ausdruck, er habe "blutige Thränen vergossen, weil er dasjenige, so ihm von Gott= und Rechtswegen zukomme, fallen lassen müßte." Sein Versuch, in Berlin Assistenz zu finden, scheiterte; der Berliner Hof hatte sich, nachdem die diplomatischen Beziehungen wiederhergestellt waren, eng an den Wiener angeschlossen, von dem Kurfürst Friedrich Gewährung seines Wunsches nach der Königskrone erhoffte, und wenn auch der Versuch, zu dem der kaiserliche Geschäftsträger in Wien (Anfang Januar 1699) angewiesen ward, Brandenburg zu einem Druck auf Schweden, daß es Adolf Friedrich zur Annahme der Kommissionsvorschläge vom 29. Dezember rathe, und eventuell zur Trennung seiner Truppen von denen der beiden Mitdirektoren zu bewegen, erfolglos blieb, so erhielt doch Adolf Friedrich ein Mahnschreiben aus Berlin (unter dem Datum des 5./15. Januar), auf den letzten Kommissionsvorschlag einzugehen, da der Kaiserhof seine Rechte und Prätensionen so gar nicht anerkennen wolle, auch schon ein Urtheil gegen ihn gefällt und dieses ohne Zweifel à tout prix aufrecht erhalten werde und auch jetzt nach erfolgtem Türkenfrieden Kräfte und Mittel genug dazu habe.

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Dieser Situation entsprechend gab Friedrich Wilhelm selbst seine Absicht, eventuell auch ein Votum abzutreten, wieder auf und meinte überhaupt, weitere Zugeständnisse sich sparen zu können. Seine Antwort auf den Kommissionsvorschlag vom 29. Dezember, die er den 4./14. Januar anticipando dem Grafen Eck mittheilte, bezog sich also auf seine Erklärung vom 26./16. Dezember, worin er schon weiter gegangen, als das Vermögen des Herzogthums Güstrow es vertrage und Recht und Billigkeit ihn verbinden könne. Eine ähnliche Mittheilung erging am selben Datum an die bei der Kommission betheiligten Fürsten mit dem Ersuchen, seine Erklärung anzunehmen und Adolf Friedrich ebenfalls durch kräftige Vorstellungen zur Annahme derselben zu bewegen. 1 )

Hiermit freilich waren die Kommissionsmitglieder wenig zufrieden. Das Eutiner Antwortschreiben wenigstens, das bei den Akten erhalten ist (datirt vom 9. Februar), rieth zu größerer Nachgiebigkeit, damit der Krieg vermieden werde. Auf der andern Seite ging die Abneigung Brandenburgs gegen Adolf Friedrich nicht so weit, daß es Adolf Friedrichs bewegliche Bitten, ihm aus den Erträgen des Herzogthums Güstrow eine Summe zur Bestreitung der Prozeßkosten zu überweisen, zu deren Gewährung die beiden Mitdirektoren bereit waren, hätte abschlagen mögen. 2 )

Damit war der materiellen Noth des Strelitzer Hofes, die immer dringender geworden, einigermaßen abgeholfen und Adolf Friedrich vor dem Zwange, unter dem Drucke der Noth auf jede Bedingung hin abschließen zu müssen, bewahrt. Und was


1) Adolf Friedrichs Antwort war vom 14. Januar datirt; sie ging weit über die Kommissionsvorschläge hinaus, so daß die Kommission seine Forderungen "ungereimt" fand.
2) Adolf Friedrich begründete seine Bitte neben dem Hinweis auf sein Anrecht auch damit, daß er dies Jahr (1698) Mißwachs gehabt; auch werde ihm seine Schuldforderung von 80000 Th. beharrlich von Schwerin vorenthalten. Um dieselbe Zeit erhielt die Herzogin=Wittwe mit ihren Töchtern den nunmehr wieder freien Ertrag des Zolles von Boizenburg angewiesen - 40000 Th. jährlich werden genannt -, was zu einem scharfen Briefwechsel zwischen ihr und dem Grafen Eck führte. Gegen die Zahlungen an Adolf Friedrich ließ Friedrich Wilhelm Anfang März 1699 durch den Sekretär Duve in Hamburg bei den Kreisministern einen feierlichen Protest einlegen und klagte auch wegen dieser neuen Eigenmächtigkeiten des Kreisdirektoriums beim Reichshofrath. Nach einer Uebersicht, die nach Abschluß des Streites gefertigt ist, hat Adolf Friedrich erhalten: von Joh. 1697-1698 3000 Rth., von Joh. 1698-1699 7000, von Joh. 1699-1700 30000 (!), von Joh. 1700 bis zum 25. April 1701 15000, im Ganzen also 55000 Rth.
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den Wiener Hof betraf, so kamen von dort her Anfang Februar Adolf Friedrich unerwartet günstige Nachrichten zu. Er erhielt nämlich zwei Briefe "von guter Hand" - sein Geschäftsträger, Hofrath Martens, war der Schreiber -, worin unter anderm stand, ihm, dem Briefschreiber, sei freigestellt, daß der Kaiser die Sache nochmals prüfen und einen Spruch Rechtens darüber ergehen lassen wolle, zu dem Zwecke sollten die Kommissionsakten nach Wien gefordert werden. Der Schreiber rieth dem Herzog sehr, darauf einzugehen, da er hierdurch Zeit gewinne und die Sache dann vielleicht ganz anders ausschlagen werde, denn es fingen in Wien viele an zu begreifen, daß "das Primogeniturrecht in Mecklenburg keine statt haben könnte", und wenn es anders ausfiele, werde Adolf Friedrich auch das beneficium revisionis haben. Die Schreiben wurden von Strelitz nach Berlin gesandt mit der Bitte um Rath, und in Berlin wurden sie dem kaiserlichen Geschäftsträger bekannt; dieser theilte die "verfluchte und höchst anzügliche Relation" umgehend dem Grafen Eck mit, der sie den 11. Februar dem Grafen Horn mit dem Bemerken sandte, er halte das Ganze für erdichtet. 1 )

Konnte schon dieser Vorfall auf Adolf Friedrich immerhin eine ermuthigende Wirkung üben, da doch etwas daran sein mußte, so war es doch vorzugsweise auch jetzt noch Schweden, das ihn aufrecht hielt. Er erhielt in diesen Monaten vor Wiederbeginn der Kommissionssitzungen von dort neue Zusicherungen, daß man ihn nicht im stiche lassen werde. 2 )

Der Wiederbeginn der Verhandlungen wurde, wie Eck den 20./10. Februar nach Schwerin schreibt, auf den 18./8. März anberaumt: die Kommission wolle dann noch einen letzten Versuch machen, ehe sie ihr Referat an den Kaiser abstatte; die Anwesenheit der Herzöge selbst sei erwünscht. Friedrich Wilhelm schrieb zu, während Adolf Friedrich den 28. Februar und nochmals den 6. März um Ansetzung eines späteren Termins bat, mit der Begründung, daß Gutzmer krank sei. Obgleich man diese Entschuldigung für einen Vorwand hielt, so ließ sich die Bitte nicht wohl ablehnen, somit ward der Termin auf den 30./20. April ausgesetzt.


1) Um in Wien selbst zum Rechten zu sehen, reiste Graf Horn im März wieder dorthin.
2) Den 25. März schreibt der Rath Schuckmann aus Güstrow, vor drei Tagen sei ein Brief an den schwedischen Kommandanten in Güstrow angekommen, worin gestanden, aus der Meklenburgischen Kommission werde nichts werden, weil der König nicht zugeben werde, daß Adolf Friedrich vom voto abstehe, weil er seinen Vetter nicht "en gentilhomme tractiren laßen werde."
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Die erste Nachricht über den Verlauf der Verhandlungen giebt ein ausführliches Schreiben des Herzogs selbst, der die Aufforderung der Kommission nach Hamburg zu kommen wieder befolgt hatte, an den Grafen Horn nach Wien, datirt vom 26. April, das ergänzt wird durch eine Strelitzer Relation vom 27. April. Darnach stand die Sache, da die beiden Antworten auf den Vorschlag vom 29. Dezember sehr von einander differirten, noch auf dem alten Fleck. 1 ) Ein Vorschlag, daß Friedrich Wilhelm das Votum von Güstrow für sich und seinen Vetter von Strelitz führen möchte, wie die Strelitzer aus dem Testament Johann Albrechts I. zu deduciren gesucht hatten, wurde von Friedrich Wilhelm abgelehnt, weil er für seinen Bruder, Karl Leopold, höchst nachtheilig sei. Ebenso wenig kam eine Einigung zu Stande über die Teilnahme an den Landtagen, die man Strelitz nur "in arduis", wenn des ganzen Landes Wohlfahrt in Gefahr sei, zugestehen wollte, sowie über die sonstigen Hoheitsrechte. Während die Strelitzer darauf bestanden, daß diese ganz ohne Beschränkung abzutreten seien, behaupteten die Schweriner ihren Standpunkt, daß die Landeshoheit im Ganzen Friedrich Wilhelm verbleiben müsse, und wollten sich nur zur Abtretung einiger einzelner Hoheitsrechte verstehen; gerade aus dem Grunde sei Schwerin mit dem Angebot des Geldquantums so hoch gegangen, damit man die ihm zuständigen Hoheitsrechte nicht abschwäche. Von beiden Seiten legte man Uebersichten über die Einkünfte des Herzogthums Güstrow vor, die zu sehr verschiedenen Resultaten gelangten. Auf Ersuchen der Schweriner verabfolgte ihnen die Kommission die von Strelitz eingereichte Uebersicht, die von der Kreisregierung stammte. 2 ) Dagegen trug die Kommission Bedenken, die Strelitzer "ungereimten postulata" schriftlich mitzutheilen, weil es wenig zur Sache thun und nur die Gemüther irritiren werde.

Die Kommission neigte also auch jetzt noch mehr auf die Seite der Schweriner, worin sie durch neue Nachrichten aus Wien und Berlin bestärkt wurde. In Berlin war nämlich, wie Heems d. 29./19. April an Eck schrieb, ein drohendes Schreiben des Kaisers eingelaufen, daß er in der meklenburgischen Sache bei weiterer Erfolglosigkeit der gütlichen Verhandlungen die Execution des gefällten Urtheils mit Nachdruck vornehmen lassen werde. Dies veranlaßte den Berliner Hof, seinen Gesandten in


1) Uebrigens kam der Kanzler Probst erst d. 25. April in Hamburg an.
2) Es waren darin die freien Revenüen des Herzogthums auf 80000 Rth. veranschlagt. Die Kommission legte dieses Aktenstück ihren weiteren Berathungen, soweit sie die finanzielle Seite betrafen, zu Grunde.
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Hamburg, Herrn v. Busch, anzuweisen, den übrigen Kreisministern in Hamburg nahezulegen, wie nöthig es sei, daß der Vergleich zum Schlusse gebracht werde, da es nicht im Interesse der Kreisdirektoren liege, darüber mit dem Kaiser zu zerfallen; zugleich erklärte sich der Berliner Hof mit dem Dezember=Projekt der Kommission durchaus einverstanden. Dieses kaiserliche Schreiben war die Antwort auf die klärlich unrichtigen Strelitzer Nachrichten vom 6. Februar und hatte die Wirkung, daß die Kommission den 9. Mai/29. April den Strelitzer Deputirten ein Dekret zufertigte, worin von Adolf Friedrich in Betreff der Reichsstandschaft eine "pure und schleunige Resolution" begehrt wurde.

Die Strelitzer baten um 8 Tage Frist zur Einholung der Entschließung ihres Fürsten; sie ward ihnen gewährt mit dem Bedeuten, wenn kein rundes Ja oder Nein erfolge, werde die Kommission abgebrochen und die Akten nach Wien gesandt werden.

Die Antwort Adolf Friedrichs ward den 18./8. Mai von seinen Deputirten eingegeben. Es heißt darin, Adolf Friedrich habe die Absicht gehabt, sich, wo nicht in Hamburg selbst, so doch in der Nähe einzufinden; als ihm aber das Kommissionsdekret vom 29. April zu Händen gekommen, habe er sich dieses dergestalt zu Gemüth gezogen, daß er darüber eine "ziemliche incommodität" empfunden und seine Reise deshalb habe aufschieben müssen. Er sei noch jetzt zu kommen bereit, sobald er vernehme, daß man Schwerinscherseits sich so erkläre, daß sich einige Hoffnung auf einen guten Ausgang zeige. In Betreff des Votums könne er sich noch zu keiner finalen und kategorischen Resolution herauslassen, ehe Friedrich Wilhelm sich ebenfalls finaliter erklärt, was er auf den einen oder andern Fall (mit und ohne Votum) einzugehen geneigt sei. Die Kommission möge eine solche Erklärung veranlassen.

Diese Antwort enthielt zwar nicht das einfache Ja oder Nein, was die Kommission begehrt hatte, indessen wies sie doch die Abtretung des Votums an Schwerin nicht ganz ab und schien somit einen Weg zum Weiterverhandeln zu bieten. Die Kommission ließ deshalb ein neues Projekt schon den 9. Mai im Vertrauen - datirt ward es dann vom 21./11. Mai -, Friedrich Wilhelm mittheilen. Hierin ward die Alternative gestellt: Entweder Abtretung des Fürstenthums Ratzeburg an Adolf Friedrich mit dem Votum und einer Summe von im Ganzen 25000 Th. jährlicher Einkünfte oder Abtretung des stargardischen Distriktes ohne Votum mit Adel und Städten und 35000 Th. Einkünften; in beiden Fällen exklusive

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der Schweriner Apanage und mit Hypothezirung auf den Boizenburger Zoll.

Ehe Friedrich Wilhelm hierauf antworten konnte, geschah ein Ereigniß, das die situation recht zu seinen Ungunsten veränderte. In Hamburg hielt sich ein Kapitän v. Salmuth auf, der in lüneburgischen Diensten stand, aber nach seiner eigenen Behauptung schon seit einigen Monaten keinen Sold mehr von Lüneburg erhalten hatte und sich also selbst nicht mehr als lüneburgischen Offizier betrachtete. Er hatte sich an Friedrich Wilhelm anzunesteln gesucht und dieser ihn eine Zeit lang in seiner Umgebung geduldet, sich aber schließlich seine Gesellschaft verbeten, da er sich als Falschspieler erwies. Trotzdem wagte es der Kapitän den 13. Mai, in das schwedische Gesandtschaftshotel zu kommen, während Friedrich Wilhelm dort war, und versuchte in den Saal einzudringen, in dem sich der Herzog aufhielt. Zwei Lakaien des Herzogs (geborene Schotten) suchten ihn an der Thür zurückzuhalten, und als er grob wurde und den Degen zog, thaten sie das Gleiche und trieben ihn unter fortdauernder Gegenwehr seinerseits auf die Straße, wo er zusammenbrach und starb. Die eine der Wunden, die er bei dem Gefecht erhalten, ein Stich in den Hals, war tödtlich gewesen.

Der unselige Vorfall hatte die empfindlichsten Folgen. Das erste war, daß die Leidenschaft des Volkes, gewiß nicht ohne Zuthun von Friedrich Wilhelms Gegnern, gegen ihn aufgereizt ward. Es kam zu so drohenden Zusammenrottirungen, daß der Herzog, um dem Sturm auszuweichen, noch in der folgenden Nacht heimlich abreisen mußte. selbst seine Räthe verließen auf einige Tage die Stadt, und mußten nach ihrer Wiederkunft ihre Bedienten die herzogliche Livre ablegen lassen, da sie sich in dieser nicht auf der Straße blicken lassen durften, ohne Insulten ausgesetzt zu sein. In allen Kirchen wurden scharfe Predigten gegen die Thäter gehalten und dabei auch des Herzogs Person nicht geschont. Doch der Unwille der Hamburger ließ sich ertragen; weit schlimmer war, daß durch die That, einen offenkundigen Bruch des Völkerrechtes, zwei der Mächte, von denen das Schicksal des Güstrower Herzogthums abhing, Schweden und Lüneburg, sich schwer gekränkt fühlen mußten, da der Mord in und vor dem Hause des schwedischen Gesandten geschehen war und der Ermordete von der lüneburgischen Regierung noch als in ihrem Dienste stehend angesehen ward.

Auch für die Kommissionsverhandlungen sollte dies nicht ohne Folgen bleiben, und der Eindruck des Erlebten wird schon

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dazu mitgewirkt haben, daß sich Friedrich Wilhelm in einer geheimen Rathssitzung zu Schwerin d. 17. Mai wiederum zum Nachgeben in Bezug auf das Votum entschloß und zwar in Anlehnung an die Alternative, die von der Kommission zuletzt vorgeschlagen war. Indem er die Wahl zwischen Ratzeburg oder Stargard Strelitz zuschiebt, erklärt er sich bereit, falls Ratzeburg gewählt werde, es mit dem Votum abtreten zu wollen und, da sein Ertrag auf 18 000 Th. geschätzt werde, noch 7000 Th. aus dem Boizenburger Zoll zu zahlen gegen Wiederabtretung des Amtes Mirow und der bisherigen Apanagengelder; wenn auch dies nicht angenommen wird, so will er auf den Kommissionsvorschlag, der die Schweriner Apanage Adolf Friedrich beließ, eingehen, nur daß Mirow gegen Geldentschädigung zurückgegeben werde. Das Votum sei so zu verklausuliren, daß es entweder stetig von dem Schweriner Minister im Namen des Herzogs von Strelitz mitgeführt oder auch niemals von den drei übrigen meklenburgischen Stimmen getrennt werde. Wenn Stargard gewählt werde, so frage sich, was darunter zu verstehen sei an Aemtern und Städten, und ob nur die Aemter ohne die Städte und den Adel gemeint seien. Pro ultimato erbietet sich Friedrich Wilhelm in diesem Falle zu 40000 Th. jährlich.

Mit dieser Schweriner Erklärung, die den 19. Mai vorgelegt ward, bezeugt sich die Kommission zufrieden. Die Strelitzer Antwort, die vom 30./20. Mai datirt ist, befriedigte weniger. Adolf Friedrich wählte Ratzeburg, forderte aber im Ganzen 60000 Th. jährlicher Einkünfte, und zwar an nahe belegenen Aemtern.

Nachdem einige Tage verhandelt war, ließ sich die Kommission den 2. Juni/23. Mai herbei, obgleich sie nach so vielen, bisher vergeblich angewandten Bemühungen den Bericht an den Kaiser nicht länger aufschieben könne, doch zu letzter Bezeugung ihrer Begierde zu gütlicher Entscheidung den hohen Parteien noch vor Abschickung der Relation als Ultimatum an die Hand zu geben, Friedrich Wilhelm möge an Adolf Friedrich Ratzeburg mit 30000 Th. jährlicher Einkünfte, unter Ausschluß der Schweriner Kompetenzen abtreten, in der Art, daß zu dem Ertrage des Fürstenthums so viel als zur Supplirung der Summe erforderlich sei, aus dem Boizenburger Zoll zugelegt werde und zwar mit Herrschaftsrechten über diesen bis zur Höhe der betreffenden Summe. Zureichende Antwort wurde bis zum 24. Juni erbeten, so lange solle die Notation zurückgehalten, dann aber unverzüglich abgestattet werden. Darauf ging die Kommission auf unbestimmte Zeit auseinander.

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Der erste, welcher antwortete, war diesmal Adolf Friedrich (d. 13. Juni). Er bezieht sich auf seine Schreiben vom 14. Januar und 20. Mai und spricht die Hoffnung aus, daß man auf einen ferneren Nachlaß seiner Forderungen nicht dringen werde. Es sei gegenüber den Einkünften des Güstrowschen, die zur Zeit über 100000 Rth. betrügen, nur ein Geringes, wozu er sich aus Liebe zum Frieden herausgelassen. Im Ratzeburgischen fehle es an einem Residenzschloß, deshalb werde man es billig finden, daß er die eine der beiden Residenzen, Güstrow, erhalte. Ferner müsse ihm, was er erhalte, mit Adel und Städten gelassen werden.

Hier trat also eine völlig neue, für Schwerin jedenfalls unannehmbare Forderung, die der Residenz Güstrow, auf. Die Erklärung, wie Strelitz dazu kam, sie aufzustellen, liegt in der vollständigen Schwenkung, die sich damals am dänischen Hofe vollzogen hatte, und zwar noch bei Lebzeiten des Königs Christian V., der d. 25. August 1699 starb. Der Kronprinz, Friedrich V., war der Gatte der Güstrower Prinzessin Louise, der Schwester der Herzogin von Strelitz. Diese machte bei den Ministern und dem Könige ihren Einfluß zu Gunsten ihres Schwagers geltend, mit solchem Glück, daß Adolf Friedrich von Kopenhagen unerwarteter Weise die Zusicherung erhielt, man werde ihm auf benöthigten Fall alle Assistenz gewähren. 1 )

Adolf Friedrich glaubte also den Bogen höher spannen zu können, aber auch Friedrich Wilhelm that das Gleiche, um nicht von einem Zugeständniß zum andern gedrängt zu werden. Er zog in seiner Antwort vom 23. Juni sein Angebot der Abtretung Ratzeburgs mit dem Votum wieder zurück: es sei ihm sehr schwer geworden, es mit in Vorschlag kommen zu lassen. Nun werde eine solche excessive Summe Geldes noch dazu gefordert, daß er bei sich anstehen müsse, ob auf diese Weise die endliche Erhaltung des Güstrowschen für ihn zuträglicher sei als die


1) In Schwerin erfuhr man dies durch ein Schreiben des Rathes Schuckmann aus Güstrow vom 2. Juli, der es auf einer Reise in Neubrandenburg in Erfahrung gebracht hatte. Man hatte ihm dort noch erzählt, die alte Königin sei noch für den Schweriner Herzog, doch sei der König von seinem vornehmsten Minister schon völlig für Strelitz gewonnen, und dieser gebe der Königin in dieser Sache kein Gehör. Interessant ist, daß die Vorliebe der alten Königin für Friedrich Wilhelm, nach Schuckmanns Gewährsmann, nur daher rühren soll, weil dieser die Refugiés im Bützowschen aufgenommen hatte. Von der jungen Königin ist in dem Schreiben nicht die Rede, daß aber ihr Einfluß schon damals mit ins Spiel kam, ist aus späteren Nachrichten zu schließen.
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jetzige unrechtmäßige Vorenthaltung. Der Ertrag des Güstrowschen betrage jährlich nicht mehr als 40000 Rth. Durch Annahme der Forderungen Adolf Friedrichs werde zu dem verschuldeten Güstrowschen das Schweriner Herzogthum noch dazu "verconsumiret" werden. Da seine früheren Offerten nicht angenommen seien, so wolle er ferner nicht mehr an sie gebunden sein. Es stände beim Gegner, ob er sich endlich zu "raisonnableren conditionen", insonderheit den Stargardischen Distrikt betreffend, bequeme oder aber, wie bisher, "durch unleidliche tergiversationes" die gütliche Handlung ganz ins Stocken gerathen lassen wolle. Friedrich Wilhelm sei erbötig, bis auf jährlich 30000 Th., jedoch inkl. der bisherigen Schweriner Kompetenz, zu gehen und den Stargardischen Distrikt auf die Bedingungen, die theils schon vor diesem in Vorschlag gekommen oder noch behandelt werden könnten, abzutreten, den Rest aber aus dem Boizenburger Zoll zu versichern. Dies sei seine schließliche Erklärung.

Die Zurückziehung des Angebotes von Ratzeburg führte sich auf den Einfluß des Grafen Horn zurück, der seit März d. J. wieder in Wien war und der, weil er den Kaiserhof noch immer durchaus auf Friedrich Wilhelms Seite stehend fand, das Zugeständniß des Votums für unnöthig und zu weitgehend hielt. In ähnlichem Sinne sprach sich Heems in einem Schreiben aus Berlin den 17./7. Juni aus. Strelitz habe an Brandenburg geschrieben und fordere außer Ratzeburg auch noch Stargard, 1 ) was "sehr absurd" sei. Brandenburg habe in seiner Antwort seinen Rath wiederholt, die Kommission nicht fruchtlos sich zerschlagen zu lassen. Man meine in Berlin, Schwerin möge sich entschließen, Adolf Friedrich noch ein paar Aemter zu Ratzeburg abzutreten, da die Sicherung des Restes auf den Boizenburger Zoll ihm nicht genüge. Wenn Schweden und Celle neue Intriguen anspinnen - von Dänemarks Frontwechsel wußte also Heems noch nichts - und Strelitz exorbitante Forderungen erheben sollte, so räth Heems Abbruch der Traktaten und Notation an den Kaiser. "Wenn Graf Horn wegen Ratzeburg nicht wohl zufrieden, so hat er nun jetzo gelegenheit, die Sache in Wien ganz anderß einzurichten, und wird auch unser Hof (d. i. der Wiener) jetzo ursach haben, umb einen thon höher zu sprechen, alß es wohl auch geschehen wird."

Graf Eck war indessen anderer Ansicht als Graf Horn und Heems und mißbilligte die Zurückziehung des Vorschlages wegen


1) Hier tritt die Forderung von Stargard neben Ratzeburg zum ersten Mal auf.
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Ratzeburg, und zwar, seinen eigenen Worten nach, im Interesse der Schweriner (Schreiben vom 28./18. Juli). Der Stargarder Distrikt erscheint ihm werthvoller als Ratzeburg, da dieses keinen Adel, keine Festung - aber auch Stargard hatte keine -, ja nicht einmal eine Stadt von Bedeutung habe. Von Einfluß auf diese seine Ansicht wird aber auch sein persönlicher Wunsch gewesen sein, den Ausgleich zu Stande zu bringen, was ihm Ehre und Anerkennung eintragen mußte. Die Zurückziehung der Abtretung Ratzeburgs rückte die Hoffnung auf endliches Gelingen wieder in weitere Ferne.

Von Petkums erstem Auftreten bis Ende 1699.

Auf den 16./6. oder 17./7. September ward die Kommission wieder berufen zu dem Zweck, um ihre Notation an den Kaiser zu erstatten. Schwerin und Strelitz erhielten Nachricht hiervon für den Fall, daß sie vor Abschluß der Notation noch etwas ad acta zu bringen oder anzuzeigen hätten.

Von Schwerin wurden wieder die beiden früheren Deputirten, Vermehren und Taddel, nach Hamburg gesandt mit der Instruktion (vom 2. September), auf dem Schreiben des Herzogs vom 23. Juni zu bleiben, so lange Strelitz sich nicht näher herauslasse. Von strelitzischer Seite erscheint ein neuer Mann auf den Plan, Edzard Adolf v. Petkum, den Adolf Friedrich auf Empfehlung seiner Schwägerin Louise von Dänemark in seine Dienste genommen hatte, weil Gutzmer seine Interessen nicht in der richtigen Weise zu vertreten schien und in den Verdacht gerieth, bestochen zu sein. 1 )


1) Ueber Petkum s. Buchwald, S. 103. Ebendort sucht Buchwald nachzuweisen, daß die Beschuldigung des Verrathes gegen Gutzmer gegründet war (s. S. 91-106). Zwingend erscheint seine Beweisführung nicht, und in den Schweriner Akten findet sie keine Stütze. Es steht in ihnen nicht die geringste Andeutung, daß Gutzmer bestochen oder auch nur durch Drohung mit dem Verluste seiner Güter (s. Buchwald S. 105) eingeschüchtert worden sei; dagegen finden sich einige Aeußerungen, die eine andere Erklärung an die Hand geben. In einem Schreiben aus Berlin, den 2. September 1699, heißt es: "Sonsten weiß ich nicht, ob es mit Pettkum zu Strelitz wird Bestand haben, den Gutzmer ein seltsamer Mann ist, und ungern jenen sehen wird." Graf Eck schreibt den 9. Januar 1700 an Graf Horn rückblickend, mit dem Vorschlag wegen Ratzeburg habe es sich zuerst gut angelassen, besonders da der Rath Gutzmer des Handels bereits überdrüssig zu werden angefangen. Hiermit halte man die Band LXVII, S. 375, berichtete Aeußerung Gutzmers zusammen und den folgenden vom Grafen Horn an die beiden (  ...  )
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An demselben Tage, der für den Wiederbeginn der Komissionsverhandlungen in Hamburg angesetzt war, wurden in Schwerin durch einen schwedischen Offizier aus Wismar zwei Schreiben abgegeben, eins vom König von Schweden, datirt vom 29. Juli, und eins vom Herzog von Celle, datirt vom 23. August. Beide bezogen sich auf die Salmuthsche Sache. Das schwedische Schreiben, das im Archiv erhalten ist, lautete außerordentlich ernst und drohend, es ward darin Satisfaktion und Bestrafung der Missethäter verlangt. Auffallend war, daß beide Schreiben zugleich überbracht wurden, was auf ein genaues Einverständniß beider Höfe über ihr Verfahren in der Sache schließen und noch weitere gemeinsame Maßregeln, wohl gar kriegerische, befürchten ließ, falls es nicht gelang, beide Höfe zu begütigen.

Friedrich Wilhelms Antworten sind datirt vom 12. September; dem König von Schweden erklärte er, sein Schreiben sei "das aller sensibelste, was er iemahlen in der Welt gehabt;" er könne nicht glauben, daß der König, wenn ihm die wahren Umstände des unglücklichen Renkontres bekannt wären, ein so hartes Schreiben würde haben abgehen lassen. Er wolle Jemand nach Schweden senden, der Erklärung geben solle. 1 )


(  ...  ) Schweriner Deputirten den 23. Dezember 1699 geschriebenen Brief, worin er in Bezug auf den Rath, man möge Bernstorff zu gewinnen suchen, schreibt, er halte dies für pure unmöglich und deshalb schädlich, sich per specialia darum zu bemühen. Es werde damit ebenso gehen wie mit Lissenhaim und Gutzmer, "die nachmahls sich verrühmet, alß ob Jhnen Offerten geschehen sein: um Seren. gerechte Sache dadurch zweiffelhafft; hergegen sich selber in Summo gradu Ehrlich und meritiret zu machen." Der Brief beweist, daß Gutzmer allerdings Anerbietungen gemacht sind, die er aber ausgeschlagen hat. Die Aeußerung des Grafen Eck giebt eine durchaus zureichende Erklärung für Gutzmers Neigung zum Nachgeben. Es ist ihm also höchstens Lässigkeit im Dienste seines Herrn, aber nicht Verrath vorzuwerfen. Auch die Vorwürfe, die ihm aus frühern Jahren gemacht werden, Aufgabe der Possession von Güstrow 1695 und Unterwerfung unter den kaiserlichen Spruch (s. Buchwald, S. 105), beweisen keinen bewußten Verrath. Wenn Adolf Friedrich geglaubt hat, er habe nach Gustav Adolfs Tod die Possession von Güstrow "in Händen gehabt", so geht aus der o. Darstellung hervor, daß er sich hier in einer starken Selbsttäuschung befand; er hatte wenige Tage nach dem Tode des Schwiegervaters nicht mehr davon in Händen, als höchstens die Zimmer im Schloß, die er bewohnte. Und wenn nachträglich aller Orten behauptet ist, durch die Submission unter Wien sei die Sache versehen, so ist dies schwerlich mehr als ein Vorwand, womit die betreffenden Höfe sich Adolf Friedrich gegenüber entschuldigen wollten, daß es ihnen nun nicht mehr möglich sei, ihm zu seinem vollen Rechte zu verhelfen.
1) Herr v. Koppelow ging darauf nach Schweden, und auf Bitte des Herzogs entschloß sich auch dessen Mutter, die Herzogin Christine (  ...  )
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In dem Schreiben an den Herzog von Celle heißt es, Friedrich Wilhelm habe sofort die That gemißbilligt. Georg Wilhelm werde selbst urtheilen, daß "ein großer Herr sehr unglücklich seyn werde, wenn er für jede Insolenz seiner bösen Diener solle Satisfaction geben." Salmuth habe vor vielen Zeugen öffentlich ausgesprochen, daß er nicht mehr in Lüneburgischen Diensten stände.

Wenn es auch gelang, den Sturm zu beschwichtigen, so war doch ein Stück Terrain für Schwerin verloren gegangen, auf dem sich Strelitz fester zu setzen suchte, wobei Herr von Petkum eine rastlose Thätigkeit entfaltete. Ehe er nach Hamburg kam, unternahm er Ende August eine Rundreise, die ihn nach Berlin und zu den drei welfischen Höfen - Hannover, Celle und Wolfenbüttel - führte. Von Lüneburg und Brandenburg erwirkte er die Fortzahlung der Adolf Friedrich bewilligten Gelder aus der Sequestrationskasse. Zugleich legte er ein Vergleichsprojekt vor, worin vorgeschlagen war, daß Strelitz den Wendischen Distrikt (Circulus Vandaliae) mit dem Votum erhalte. Damit war allerdings nicht das ganze alte, 1436 an die Hauptlinie gefallene Fürstenthum Wenden (Werle) gemeint, sondern nur ein Theil davon, aber mit Stadt und Amt Güstrow. Auf diese war es besonders abgesehen, doch fand Petkum schon bei seiner Rundreise mit dieser Forderung kein besonderes Entgegenkommen, trotzdem war er entschlossen, sie so energisch wie möglich zu verfechten und jedenfalls so viel wie möglich zu fordern, um möglichst viel zu erreichen.

Die Kommission begann ihre Verhandlungen mit ernsten Vorhaltungen an die Schweriner (d. 11. September), Friedrich Wilhelm setze sich in das größte Unrecht, wenn er seinen früheren


(  ...  ) Wilhelmine, zur Reise dorthin (Oktober 1699) mit einem neuen Schreiben Friedrich Wilhelms, in dem dieser erklärte, daß "zur Laesion des respects" vor dem König bei der Salmuthschen Affaire nichts beabsichtigt gewesen sei. Durch das Schreiben wie besonders die persönliche Einwirkung der Herzogin ließ sich denn auch der schwedische Hof begütigen. Den 30. Nov. schrieb der König an Friedrich Wilhelm, er "stelle seine durch das unglückliche rencontre veranlaßte Empfindlichkeit in Vergeßenheit." Die Herzogin schrieb den 13. Dez. aus Stockholm: "Jch habe ihn (den schwedischen Hof) gar kalt und wiedrig gegen unß gefunden; nun scheint es doch, daß durch göttliche Hülffe es sich endet." Das Verhältniß schlug dann - scheinbar wenigstens - ins Gegentheil um, es kam sogar April 1700 ein Bündniß zwischen Schweden und Schwerin zustande, von dem unten die Rede sein wird. Die Herzogin war Ende Mai 1700 wieder in Schwerin.
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Vorschlag wegen Ratzeburg wieder zurückziehe, die Konjunkturen würden je länger, desto gefährlicher, die Lage verschlimmere sich täglich. Man sagte den Räthen ins Gesicht, wenn der Herzog den letzten Kommissionsvorschlag jetzt nicht annehme, werde er innerhalb zwei Monaten zusehen müssen, wie ein anderer ins Güstrowsche eingesetzt werde, 1 ) das Odium wachse gegen ihn aller Orten gar zu sehr und fehle es nirgends an "schimpflichen Censuren".

Den 25./15. September trat dann die Kommission, nachdem sie beide Parteien angehört, die sich auf ihre früheren Erklärungen bezogen, mit dem Vorschlag hervor, Stargard möge abgetreten und das Ratzeburgische oder Stift=Schwerinische Votum diesem Lande beigelegt werden; die Einkünfte des Landes seien aus dem Boizenburger Zoll bis auf die Höhe von 40000 Th. zu ergänzen. Antwort mit einfachem Ja oder Nein ward auf den 25./15. November gefordert.

Auf die erste Meldung der Räthe hin entschloß sich Friedrich Wilhelm (d. 18. September) zur Wiederherstellung der Alternative zwischen Ratzeburg mit dem Votum (und im Ganzen 29000 Th. Einkünfte) und dem stargardischen Kreise ohne Hoheitsrechte (mit 35000 Th.), auch im letzteren Falle ward zugestanden, Friedrich Wilhelm könne geschehen lassen, wenn Adolf Friedrich ein (neues) Votum vom Kaiser erhalte. Die Räthe theilten diese Resolution in Hamburg vertraulich mit, wo man sie aber noch nicht ausreichend fand, Strelitz zu gewinnen und auf dem Kommissionsvorschlage beharrte. Strelitz wünschte (d. 20. September) einige Monate Aufschub und machte sich anheischig, gegen Ablauf dieser Zeit sich endgültig zu erklären, diktirte aber vorläufig zu Protokoll, daß Adolf Friedrich sich nicht mit 30000 Th. begnügen noch auch den Rest davon in baarem Gelde annehmen werde, sondern an Land und Leuten beanspruche.

Eine Vertagung ward angenommen (d. 21. September), aber nur bis zum 12./2. November. Den 22. September ward darauf der Sekretär der Konferenz, Wider, mit dem Projekt vom 25./15. September nach Schwerin an den Herzog gesandt, um ihn in persönlicher Besprechung zur Annahme zu bewegen. In der That zeigte sich der Herzog persönlich auch diesmal


1) Schwedische Truppenbewegungen wurden dahin gedeutet, daß Schweden Adolf Friedrich mit Gewalt ins Güstrowsche einzusetzen beabsichtige.
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wieder leichter bestimmbar als seine Räthe. Er erließ nach Besprechung mit Wider unter dem Datum des 23. September ein Schreiben mit seiner "endlichen und letzten" Resolution, die im Ganzen, so in Bezug aus die 40000 Th., dem Kommissionsvorschlage zustimmte, die Abtretung von Stargard guthieß, auch das wichtige Zugeständniß machte, Friedrich Wilhelm wolle das Votum von Ratzeburg so lange nicht gebrauchen, bis Adolf Friedrich für Stargard eins vom Kaiser erwirkt habe, und endlich Versicherung der Primogenitur durch Stipulation verlangte.

Des Herzogs Räthe waren mit diesen starken Zugeständnissen keineswegs einverstanden, der alte Hofmarschall v. Löwen machte seinem bedrückten Herzen in einem Briefe an Taddel (d. 23. September) durch den Stoßseufzer Luft: "die Haar stehen zu bergen einem, was nun accordiret ist, Gott mag unß helffen!" Auch Graf Horn, der noch in Wien war, billigte das Geschehene nicht. Von Wien aus sah die Situation bedeutend günstiger für Friedrich Wilhelm aus als in Hamburg, Horn hielt es sogar für möglich, daß der Kaiserhof sich zu bewaffnetem Einschreiten für Friedrich Wilhelm bewegen lassen werde. Dies erhellt schon aus zwei Eingaben, die unter dem 3. September in den Akten des Reichshofrathes verzeichnet sind. Beide bewegen sich noch völlig in dem Gedankengang der kaiserlichen Drohreskripte gegen Adolf Friedrich und die Kreisdirektoren. Das eine will ein fiskalisches Strafverfahren gegen Adolf Friedrich und Gutzmer erwirken, stellt außerdem die Anträge, daß Friedrich Wilhelm die Erlaubniß erhalte, die Schweriner Apanage Adolf Friedrichs einzubehalten und das Amt Mirow wieder zurückzunehmen, und daß Adolf Friedrich verurtheilt werde, für den Schaden und Schimpf, den Friedrich Wilhelm erlitten, die Kosten zu zahlen, und empfiehlt die Anerbietungen Friedrich Wilhelms (Stargard ohne Votum) vom 23. Juni. Das andere richtet sich gegen die Kreisdirektoren und beantragt, daß der kaiserliche Fiskal mit der Reichsacht (poena banni) gegen sie einschreite, und der Kaiser nebst den uninteressirten Gliedern des Nieder=Sächsischen Kreises mit Zuziehung der übrigen Kreise Friedrich Wilhelm wieder zum Besitz von Güstrow, auch zu völliger Satisfaktion wegen des erlittenen Schadens durch zureichliche Militärmacht ohne Verzug verhelfe und dazu als das allerhöchste Oberhaupt des heil. röm. Reiches und als Generalobrister aller Kreise selber mit Hand anlege.

Diese Eingaben wurden zu der Reichshofrathssitzung vom 13. September noch nicht herangezogen, die zu dem Beschlusse führte,

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durch Reskripte an die Kommission und die Parteien die Wiederaufnahme und Beschleunigung der Verhandlungen zu empfehlen, deren Beendigung dem Kaiser "überaus angenehm" sein werde. Als Horn dann Kenntniß von dem erhielt, was in Hamburg und Schwerin den 20. bis 23. September vorgefallen, urtheilte er, man müsse bei den einmal gemachten Zugeständnissen bleiben, und ließ d. 22. Oktober beim Reichshofrath ersuchen, über die beiden Eingaben vom 3. September einstweilen dem Plenum des Reichshofraths noch nicht referiren zu lassen, da der Anwalt erst noch den Ablauf des neu angesetzten Kommissions=Termines abwarten möchte. Seine Absicht war aber auch jetzt noch, die Kommission mit Anstand abzubrechen und die Entscheidung nach Wien zu ziehen, wo er den Kaiserhof in die von ihm gewünschte Bahn des bewaffneten Einschreitens treiben zu können hoffte.

Als die Schweriner Räthe schon unterwegs nach Hamburg waren, erhielten sie die Nachricht, daß Strelitz erkläre, es könne zum 2. November noch nicht senden, da es ein kaiserliches Reskript erhalten und darüber erst mit dem Kaiser korrespondiren müsse. Es war dies allerdings eine den Intentionen des Kaisers gänzlich entgegengesetzte Folge seines Reskriptes vom 23. September, das gerade auf Beschleunigung drang. Adolf Friedrich entnahm aber daraus einen Anlaß, sich noch einmal in einem beweglichen Bittschreiben an den Kaiser zu wenden (d. 14./4. Oktober). Er spricht hierin die Meinung aus, daß "einige seiner Bedienten und Räthe zu seiner und der seinigen äußerster Desolation es versäumt hätten, wie es die eigentliche Beschaffenheit und der Zustand seiner gerechtesten Sache wohl erfordert gehabt, den Kaiser wie seinen geheimen und Reichshofrath in etwas genauer und klärlicher über die von der Natur ihm angestammte Güstrowsche Erbfolge zu informiren", und bittet um Anweisung an Graf Eck, daß er wenigstens die Hälfte des Güstrowschen mit der vollen Landeshoheit und eines von den vier meklenburgischen votis erhalte, und um Prolongation auf einige Monate, um sich noch eingehender hierüber vernehmen zu lassen.

Der Kommission theilte Adolf Friedrich mit, er müsse erst die Antwort auf dieses Schreiben abwarten, und verlangte Aufschub bis zum 22./12. November, und Wolfenbüttel bewilligte auch diesmal wieder den Aufschub, ohne sich mit den übrigen Kommissionsmitgliedern darüber ins Einvernehmen zu setzen. Die Schweriner Räthe reisten zwar trotzdem nach Hamburg und remonstrirten von dort aus, ebenso wie auch Graf Eck, gegen die

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Verzögerung, allein da auch Wolfenbüttel abgeschrieben, so blieb nichts übrig, als zu warten.

Inzwischen ging von Wien (d. 13. November) ein neuer Erlaß aus, der für den Augenblick den Stand der Sache zu Gunsten von Strelitz verschob. Es war ein Reskript, das, wie Horn nachher in Erfahrung brachte, dem Kaiserlichen Geheimen Rath überhaupt nicht vorgelegt, sondern direkt aus dem Reichshofrath dem Kaiser zur Unterschrift unterbreitet war. Adolf Friedrichs Freunde, deren er im Reichshofrath nicht ganz entbehrte, mochten ihre Hand im Spiele gehabt haben. In dem Reskript ward Graf Eck angewiesen, dahin zu trachten, daß Strelitz sich auf die Schweriner letzte Erklärung einlasse; "dafern aber solches auf keine Weise zu erhalten, so solle der Graf die Strelitzer Vorschläge ersehen und sich neben den übrigen Komssionsmitgliedern äußerst angelegen sein lassen, die Sache auf ein oder andere thunliche Weise in der Güte zu schlichten." Das Aktenstück war nicht an die Kommission, sondern an den Grafen adressirt, der der Kommission davon Mittheilung zu machen habe.

Durch dasselbe war allerdings das Gesuch von Strelitz um die Hälfte des Güstrowschen Landes implicite abgeschlagen, aber doch nicht so "platterdings", wie der Reichs=Vizekanzler Graf Kaunitz dem Grafen Eck vor dem Erlaß dieses Reskriptes schrieb, vielmehr ließ es Strelitz die Möglichkeit offen, die letzten Schweriner Zugeständnisse zu verwerfen und weiter gehende Forderungen zu erheben.

Während es von Wien unterwegs war, begannen die Kommissionsverhandlungen wieder. 1 ) Den 17. November war die


1) Vorher war Petkum wieder in Berlin gewesen mit einer Landkarte, auf der er den geforderten "Vandalischen Distrikt" umschrieben hatte, und hatte für die Bewilligung von 50 bis 60000 Th. in Land und Leuten plaidirt. Mumme, der damals mehrere Monate in Berlin war, hielt ihm die Stange. Er wirkte in Berlin dafür, daß Brandenburg seine Truppen aus dem Güstrowschen zurückzöge und womöglich sich zu bewaffnetem Einschreiten gegen die zwei andern Mächte verpflichte, wenn diese nicht das gleiche thäten. Hieran war nicht zu denken. Ein kleiner Dienst war, daß der Kurfürst auf kaiserliche Requisition sich bei Schweden und Celle verwandte, daß sie wegen der Salmuthschen Sache nichts unternehmen möchten. Andererseits hinderte Brandenburg bei allen Freundschaftsbetheuerungen für Friedrich Wilhelm nicht die Fortzahlung der Gelder an Adolf Friedrich: es behauptete in der Sache überstimmt zu sein. Mumme schreibt d. 13. Nov.: "Brandenburg speist uns mit guten Worten ab, mahnt aber in effectu auf alles einzugehen." - Als der Erlaß vom 13. Nov. in Berlin bekannt ward, (  ...  )
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Kommission zum ersten Mal wieder vollzählig beisammen. Die Schweriner Instruktion (schon vom 29. Oktober datirt) that gegen die Zugeständnisse vom 23. September wieder einen Schritt zurück, indem sie diese dahin erläuterte, es sei Friedrich Wilhelms Meinung nicht gewesen, die Landeshoheit für den Stargardischen Distrikt per totum zu überlassen, vielmehr müsse er sich das Besteuerungsrecht vorbehalten. Adolf Friedrich möge die stargardischen Steuern sammeln und auf Abschlag der 40000 Th. behalten, vom Votum könne Friedrich Wilhelm nicht abstehen.

Der erfindungsreiche Petkum brachte eine Schrift mit, die drei Vorschläge zur Auswahl stellte:

1. Adolf Friedrich bietet aus dem Güstrowschen 65000 Th. jährlich, das bedeute zu 5 % gerechnet ein Kapital von 1300000 Th. Das Kapital dürfe abgetragen werden.

2. Oder er erhält den "sehr sterilen" Stargardischen Distrikt und etwa den halben Theil des Circuli Vandaliae mit einer jährlichen Summe von 60000 Th. Welche Theile des Wendischen Kreises Petkum meinte, zeigte er, wie schon vorher in Berlin auf einer vorgelegten Karte: es waren die Aemter Stavenhagen, Ivenack, Neukalen und Güstrow. Der Boizenburger Zoll soll Schwerin verbleiben, doch die 60000 Th., wenn es nöthig ist, daraus ergänzt werden. Nach Petkums Berechnung würde Adolf Friedrich auf diese Weise aus dem Güstrowschen 100000 Thaler weniger als Friedrich Wilhelm erhalten.

3. Will Schwerin zu diesem kleinen Streifen von dem Wendischen Kreis an Stelle des übrigen (d. h. Stargards) das "gar geringe" Bisthum Ratzeburg geben, so wird Strelitz sich auch darin überwinden.

Die Schweriner Deputirten weigerten sich, d. 18. November über dieses Petkumsche Memorial in Verhandlung zu treten, weil darin so gar nichts von dem, was der letzte Kommissions=Vorschlag diktire, enthalten sei. Die Kommission schloß sich dieser Ansicht an und bedauerte "die gegenseitige Conduite".

Noch am selben Tage aber langte das Wiener Reskript vom 13. November in Hamburg an. Welchen Eindruck es dort machte, spiegelt sich am deutlichsten in einem Postskriptum ab, das Taddel den 19. einem schreiben vom 18. beigefügt hat:

"Nun scheint der teufel alle seine macht an unß auf einmahl employren zu wollen, vigilate ergo et orate fratres, Herr


(  ...  ) stellte man sich zwar sehr verwundert darüber, erklärte aber, sich jetzt vom Kaiserhofe nicht trennen zu können, und verstärkte so den Druck auf Schwerin noch.
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Graf v. Egk ist fast unsinnig für Verdruß und chagrin, tempestiret auf H. Grafen v. Horn warumb derselbe den coup nicht pariret hat. Ich sehe kein auskommen auf solche weise, adieu, in großer confusion und Verdrießlichkeit. T." Eiligst ward Graf Horn benachrichtigt, auch Graf Eck beeilte sich, nach Wien zu berichten und um Remedur dieser schädlichen Verordnung nachzusuchen.

Herr v. Petkum triumphirte, jetzt besitze Strelitz die Gunst des Kaiserhofes, selbst der Referent in den meklenburgischen Angelegenheiten, Herr v. Andler, sehe schon seinen Irrthum wegen der Geltung des Primogeniturrechtes ein. 1 ) Ein Glück für Schwerin war es noch, daß das Reskript vom 13. November nicht an die Kommission als solche, sondern an den Grafen Eck adressirt war. Die Kommission fand sich dadurch gekränkt. Sah darin einen Beweis, daß das Reskript "erschlichen" sei und hielt bis auf weitere Aufklärung an dem vorletzten Reskripte vom 22. Oktober fest, ließ sich aber doch insoweit durch das letzte Reskript und das Auftreten von Strelitz irre machen, als sie jetzt auf Abtretung von mehr Aemtern zur Sicherstellung der 40000 Th., ferner auf Reluition der stargardischen Aemter von allen Schulden vor der Abtretung und auf uneingeschränktes Votum drang. Dazu kam, daß immer noch Gerüchte gingen, als ob aus der Salmuthschen Sache noch unangenehme Folgen für Friedrich Wilhelm erwachsen würden, was ebenfalls von Einfluß auf die Haltung der Kommission war. 2

Eine neue Fatalität entstand daraus, daß die Kommission die beiden Fürsten wieder nach Hamburg einlud und Graf Eck die Eigenmächtigkeit beging, den Subdelegirten gegenüber das Erscheinen Friedrich Wilhelms, der ja schon zweimal bereitwillig einer gleichen Einladung gefolgt war, zu garantiren. Die Schweriner Räthe wie Friedrich Wilhelm selbst hatten schwere Bedenken gegen die Reise in der damaligen ungünstigen Situation. So kam es, daß jetzt Adolf Friedrich (den 7. Dezember) in Hamburg erschien, während Friedrich Wilhelm zauderte und unter Hinweis auf sein früheres vergebliches Warten antworten ließ,


1) Von Horn zur Rede gestellt, bezeichnete Andler diese Unterstellung als "Schelmenrede".
2) "Nach welcher Gefahr man gleichsamb auch die conditiones zu reguliren scheinet, durch welche S mus. sich aus dem wercke helffen mögten," heißt es in der Relation der Räthe v. 29. Nov.; in der vom 28. schreiben sie: "Ein bekannter Minister soll gesagt haben, daß Friedrich Wilhelm um der Sallmuthschen Sache willen - noch etwa 10000 Rth. jahrlich an Strelitz mehr zu geben haben werde."
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er werde erst dann kommen, wenn er sichere Nachricht habe von seines Vetters Anwesenheit und "wahren inclination", ob er das Votum fahren lassen wolle. Dies verstimmte den Grafen Eck persönlich. Doch war man mit diesem am Schweriner Hofe wenig mehr zufrieden. In ihrer Relation vom 1. Dezember schreiben die Räthe: "Graf Egk läßt sich sonderlich angelegen seyn, daß Ew. hochf. Dchl. die Traktaten couste qui couste befodern möge, damit nur der Ksl. Hoff auß der Sache komme, es möge E. hochf. Dchl. Jhre rechnung dabey finden oder nicht", und ähnlich den 13. Dezember: "Es thut der H. Graf v. Egck wohl alles was zu ersinnen, Jhm ein meritum durch hinreumung dieser Sache am Ksl. Hofe zu machen, es geschehe durch ordentliche oder extraordinaire mittel und wege, und es finden Ser. noster Jhre convenienz dabey oder nicht, gedeyen oder gehen darüber zu trümmern."

Bestärkt mußte der Graf in dieser Haltung noch durch die kaiserlichen Reskripte werden, die den 2. Dezember in Wien unterzeichnet wurden. Es waren deren vier, eins an Friedrich Wilhelm als Erwiderung auf ein Schreiben desselben vom 28. Oktober, worin er gebeten, Adolf Friedrich zuzusprechen, daß er auf seine letzten Angebote eingehe. Der Kaiser willfahrte dem, ermahnte aber auch Friedrich Wilhelm, seinerseits ebenfalls "alle facilität" zur Beilegung der Sache zu zeigen. Adolf Friedrich erhielt zwei Reskripte, das eine tadelte, daß Petkum eine gedruckte Schrift mit allerhand scandaleusen Anzüglichkeiten gegen den Reichshofrath und den Grafen Eck diesem ins Haus geschickt 1 ) und verlangte Bestrafung Petkums, das zweite enthielt die von Friedrich Wilhelm gewünschte Ermahnung, die aber eine ganz allgemeine Fassung erhalten hat. Das vierte Reskript ist an den Grafen Eck adressirt, mit Beischluß der übrigen drei und dem Auftrage, den gütlichen Vergleich auf alle Weise zu befördern, "gestalten der Kaiser alß ein absonderliches meritum gegen ihn erkennen will, wan durch seine dexterität dieser schon so weit gebrachte gühtliche Vergleich zuwegen gebracht werde." Das Reskript spricht sich dann noch scharf gegen eine etwaige Fortdauer der Zahlungen an Adolf Friedrich aus.

Erst kurz vor Weihnachten, nachdem die Verhandlungen bereits ausgesetzt waren, entschloß sich der Herzog, um wenigstens der Form zu genügen und den Grafen nicht wortbrüchig werden zu lassen, zu einem kurzen Besuche (d. 16. Dezember) in Hamburg, bei dem er aber zu Zugeständnissen sich nicht hinreißen ließ.


1) Eine solche Schrift ist nicht bekannt.
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Adolf Friedrich hatte schon den 9. erklären lassen, er nehme den letzten Kommissionsvorschlag im Ganzen an, soweit es das Quantum der 40000 Th. betreffe, es müsse ihm aber diese Summe an Land und Leuten bewilligt werden, wofür Petkum mit Beilegung einer Landkarte wieder den Vandalischen Kreis genannt hatte. Die Kommission hatte dagegen den Westen des Landes vorgeschlagen, etwa den Strich Landes, der westlich liegen bleibe, wenn man vom Fürstenthum Ratzeburg nach Boizenburg durch die Grafschaft Schwerin eine Linie ziehe; man gönne dort Strelitz gerne eine Residenz. Den 11. hatte Petkum Adolf Friedrichs Antwort hierauf zu Protokoll gegeben: Er erkläre sich pro extremo und ultimo dahin, den Güstrowschen Antheil des Wendischen Kreises - es waren die obengenannten Aemter gemeint - nebst dem Stargardischen Distrikt anzunehmen, vorausgesetzt daß Votum und Reichsunmittelbarkeit damit verbunden sei, mit allen darauf haftenden Schulden, dergestalt, daß, wenn daraus das völlige Quantum der 40000 Rth. auch das Amt Mirow mit einbegriffen, nicht erreicht werde, zu dessen Supplement andere Stücke des Herzogthums Güstrow zu nehmen seien.

Folgende Berechnung gab Auskunft über die Einkünfte der geforderten Stücke:

1. der Stargardische Distrikt trägt an freien Revenüen 9 122 1/2 Rth.
2. der Güstrowsche Antheil des Circuli Vandaliae 16106      Rth.
------ --------- ------
25 228 1/2 Rth.
Davon geht ab wegen des Amtes Stavenhagen, das der Herzogin=Wittwe überlassen ist 1800      Rth.
------ --------- ------
Rest:    23428 1/2 Rth.

Es blieben hiernach noch etwa 16500 Rth. durch andere Landstücke aufzubringen. Unter dem Deckmantel der 40000 Rth., über die ja die Kommission mit den beiden Parteien jetzt einig war, versteckten sich also ganz exorbitante, für Schwerin völlig unannehmbare Forderungen. Die Kommission beschloß sich bis zum 18./8. oder 19./9. Februar zu vertagen, theilte aber noch, ehe sie auseinanderging, die letzte Strelitzer Erklärung den Schweriner Deputirten mit, die den 25./15. Dezember antworteten, ihr Herr bleibe bei seiner letzten Resolution, habe aber zum festgesetzten Termin sich wieder einstellen zu wollen versprochen. 1 )


1) In den letzten Tagen vor dem Schlusse erschien in Hamburg der Sohn der Landraths v. Jasmund als Vorläufer einer Deputation der meklenburgischen Ritterschaft, um die Interessen der Stände bei den Verhandlungen wahrzunehmen.
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Ueber ihre Besorgniß, daß der Kaiserhof eine Schwenkung gemacht habe, wurden die Schweriner nachträglich beruhigt durch ein neues Reskript, datirt vom 15. Dezember, des Inhalts, das Reskript vom 13. November habe nicht das Absehen gehabt, als wolle man die Kommissionsvorschläge bei Seite setzen, sondern nur das, wie diese langwierigen Streitigkeiten am Besten geendet werden könnten; man möge die Kommission nicht abbrechen. Dadurch wurden die Berichte Horns in erfreulicher Weise bestätigt, der wiederholt bestimmt versicherte: der Wiener Hof sei nicht "chancellant", der Kaiser insbesondere, der ihm gestatte, alle Woche ausführlich über die Güstrowsche Sache mit ihm zu reden, habe seine Ansicht nicht geändert. Man konnte also in Schwerin mit ruhigerem Herzen dem Wiederbeginn der Verhandlungen entgegensehen.

Die ersten Monate des Jahres 1700 bis zum Abbruch der Verhandlungen durch den Grafen Horn.

Während man von beiden Seiten auf den Wiederbeginn der Kommissionsverhandlungen sich rüstete und inzwischen auf alle betheiligten Höfe einzuwirken suchte wie auch in Wien mit Memorialien einkam, erschien d. 23. Januar 1700 eine neue Ausgabe kaiserlicher Reskripte an die Kommission und die beiden Herzöge, veranlaßt durch die letzten Relationen Ecks. Der Kaiser schreibt, es komme hauptsächlich auf die Residenz Güstrow und die Uebertragung des Votums auf den Stargardischen Distrikt an; deswegen die Traktaten nicht abzubrechen, habe er verschiedene nachdrückliche Ursachen, zumal da der Herzog von Strelitz sein Ziel wegen der 40000 Th. und des Votums auf andere Art als bei dem Vandalischen und Stargardischen Distrikte erreichen könne. Der Kommission wird aufgetragen, nochmaligen Vortrag auf das Fürstenthum Ratzeburg cum voto und irgend ein nahe angrenzendes Schweriner oder Güstrower Stück Landes zu thun, das am füglichsten zu separiren sei, und beiden Theilen nachdrücklichst zuzusprechen.

Sehr bezeichnend für die Stellung des Kaiserhofes zu beiden Parteien, die immer noch die gleiche war, ist der sehr verschiedene Ton, in dem die beiden Reskripte an Friedrich Wilhelm und Adolf Friedrich gehalten sind. Während das an Friedrich Wilhelm gerichtete in den freundlichsten Worten sein friedfertiges Gemüth und seine wohlmeinende Intention anerkennt, woran die

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Mahnung geschlossen wird, bei dieser guten Gesinnung zu verharren und den Vorschlag, den die Kommission wegen Ratzeburg thun werde, anzunehmen, ist das Reskript an Adolf Friedrich recht unfreundlich gehalten. Es heißt darin, der Kaiser könne nicht begreifen, "mit waß vor einem Grund Dero Lbd. gerathen werden könte, bey so weit gediehenen und für dieselbe sehr vortheilhafftigen Tractaten das werkh in noch größere Zeitverliehrung zu spielen, und das Güstrausche Land und Herzogthumb ohne einen rechtmäßigen Herrn und Landesfürsten, auch in gegenwertiger unrichtigkeit, bloß und allein auff der von ihro einmahl gefaßten praetension auff die Residenz Güstrau und transferirung eines Voti auff den Stargardischen district zu laßen, sonderlich da Dero Lbd., wenn sie dero intention ratione Summae et voti auff andere billige und von gedachter Unser Kays. Commission an Hand gebende wege erhalten kan, eben auff solche in sinn gefaßten und so viel schwürigkeiten nach sich ziehenden Land=Stücken, in specie das Ampt und Residentz Güstrau, im fall sie anders die Güte zu exequiren, ihro ernst seyn laßen, nicht weiter ohne ihrer ohnfehlbar zu gewarten habenden, wiewohl allzuspäten bereuung bestehen können." Diesen scharfen und drohenden Worten folgt die Mahnung, die Traktaten auf das von der Kommission zu eröffnen stehende Expedienz schließen zu helfen, woran noch die Mittheilung angefügt wird, der Kaiser habe auf die Nachricht, daß Adolf Friedrich aus dem Güstrowschen jährlich 30000 Th. gereicht würden, seine bereits vorher ergangene Verordnung wiederholen lassen, daß, er auf keine Weise solche Zahlungen vor ausgemachter Sache gestatten und solches nicht anders als für einen abermaligen Eingriff in S. allerhöchste Autorität aufnehmen könne, zumal da dieses das rechte Mittel sei, daß von Seiten Adolf Friedrichs die gütlichen Traktaten immer schwerer gemacht würden.

Eck erhielt die Reskripte den 16./6. Februar, er behielt sie bis zum Beginn der Verhandlungen, der sich in Folge Behinderung des Kanzlers Probst bis zum 26./16. Februar hinausschob. 1 ) Eine Kopie sandte er indessen sogleich den 6. nach Schwerin. Als sie dort ankam, hatten die Schweriner Räthe ihre Instruktion (d. 13. Februar) bereits erhalten. sie sollten erklären, daß


1) Auf den 18. Februar folgte im J. 1700 im protestantischen Deutschland und in Dänemark sogleich der 1. März, wegen Einführung des neuen Kalenders (s. Grotefend, Taschenbuch der Zeitrechnung, S. 24), seitdem ist die Datierung in Wien und in Norddeutschland die gleiche.
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Friedrich Wilhelm über sein Angebot vom 23. September 1699 nicht hinausgehen könne. Wenn auf gänzliche Cedirung des Ratzeburgischen Votums gedrungen werde, um dieses dem Starardischen in perpetuum zu geben, und auch wenn es auf eine fortdauernde Kommunion mit Strelitz in der Regierung sowie wegen der Landtage und Gerichte abgesehen sei, wodurch das Primogeniturrecht invertirt werde, so lasse Friedrich Wilhelm lieber geschehen, daß die Kommission zufolge des erhaltenen Befehles auf das Fürstenthum Ratzeburg mit dem Votum antrage, "weil doch der Kais. Hof so sehr aus dem embarras mit dem Kreyß-directorio zu seyn eylet, itzige forma regiminis zu Güstrow auch nothwendig geendiget werden muß und unsere umbstende absolute erfodern, denen geldfreßenden processen, abschickungen und negotiationen schleunig Ziel und maße zu setzen", doch könne sich Friedrich Wilhelm in solchem Falle bei dem Ratzeburgischen Vorschlage mit nichten an die 40000 Th. binden, noch das geringste mehr an Land und Leuten hinzuthun. Die Räthe erhalten die Erlaubniß, den Gesammtinhalt der Instruktion dem Grafen Eck und dem Kanzler Probst - mit dem die Schweriner vermittelst einer "Erkenntlichkeit" in Beziehungen getreten waren - im Vertrauen mitzutheilen, damit diese sich nicht anfechten ließen, wenn sie wegen Ratzeburg sich anfänglich etwas sträubten. Ueber die Zulassung der Landstände zu der Kommission, die damals in Wien wie in Hamburg eifrig betrieben ward, heißt es am Schlusse, daß sie zu hintertreiben sei.

Die Instruktion unterschied sich von den letzten kaiserlichen Reskripten in zwei Punkten: Friedrich Wilhelm wollte, wenn er das Votum abtreten mußte, nicht 40000, sondern rund 30000 Th. an Einkünften geben und außer Ratzeburg kein Land mehr abtreten. Ersteres war belanglos, letzteres aber von sehr großer Bedeutung für die Zukunft Meklenburgs, da die Einheit des ganzen Körpers der altmeklenburgischen Lande damit zusammenhing. Graf Horn besonders war es, der wiederholt auf die Gefahren künftiger Zwistigkeiten hinwies, die aus der Theilung des Landes bei Fortdauer der Kommunion erwachsen mußten. Aber wie sollte man Adolf Friedrich, der gegen Ratzeburg einigen Widerwillen hegte und gerade auf Ausstattung mit Besitz aus den altmeklenburgischen Landen das höchste Gewicht legte, die Zustimmung zu solchen Vorschlägen abnöthigen?

Abgesehen von dieser freilich sehr bedeutenden Schwierigkeit war indessen die Situation im Ganzen nicht ungünstig für das Zustandekommen des Vergleiches. Es war dem Wiener Hof

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gelungen. Sowohl von Stockholm wie von Berlin Anweisung an die Minister in Hamburg zu erwirken, daß sie mit dem Grafen Eck in der Erbfolgesache zusammengehen sollten, da "die Kaiserlichen sentiments zulänglich seien." Eine gleiche Instruktion von Celle traf Anfang März in Hamburg ein. 1 ) So war also ein Einvernehmen zwischen dem Kaiser und dem gesammten Kreisdirektorium hergestellt, dem gegenüber es wenig ausmachte, daß Dänemark sich jetzt völlig auf die Seite von Strelitz schlug, und der Bischof ihm, wenn auch nicht mit gleicher Entschiedenheit, folgte. Eck gab sich damals sogar der Hoffnung hin, es werde gelingen, das Kreisdirektorium zu dem Versprechen zu bewegen, die Kreistruppen abfordern und Friedrich Wilhelm das Güstrowsche Land einräumen zu wollen, falls Strelitz jetzt den Vergleich einzugehen sich weigerte.

Freilich die erste Voraussetzung dazu war, daß Schwerin zustimmte, wenn auch zunächst nur im Prinzipe, an Adolf Friedrich außer Ratzeburg noch andere Aemter abzutreten, wogegen gerade die den Räthen nach Hamburg mitgegebene Instruktion entschieden Front machte.

Hierin die Schweriner umzustimmen, war des Grafen eifrigstes Bemühen in der nächsten Zeit, während in den Kommissionsverhandlungen sogleich nach ihrem Beginn schon wieder eine Pause entstand, da die Strelitzer Antwort auf die kaiserlichen Reskripte vom 23. Januar auf sich warten ließ. Bei diesem Bestreben übte ein kaiserliches Reskript (datirt vom 9. Februar), das er den 2. März erhielt, auf ihn die in Wien nicht beabsichtigte Wirkung, als werde ihm wieder von dort her ein Stein in den Weg geworfen.

Es war veranlaßt durch eine Schweriner Eingabe, die erst nach Erstattung des Reichshofrathsgutachtens für die Reskripte vom 23. Januar (den 15. Januar) eingelaufen war und deshalb bei diesen keine Berücksichtigung mehr gefunden hatte. In diesem Memorial hatte der Schweriner Anwalt, der neuesten Wendung der Sache noch nicht kundig, angezeigt, daß sein Prinzipal über seine Erklärung vom 23. September nicht hinausgehen könne unter genauerer Darlegung der Gründe 2 ) und den Stargardi=


1) In Schweden sagte Oxenstierna schon Ende Januar dem Strelitzer Sekretär Schultze, wenn Adolf Friedrich Ratzeburg ausschlage, so habe er keine Protektion vom König mehr zu hoffen und zu befürchten, daß dieser seine Hand von ihm abziehe.
2) Es heißt in dem Memorial, daß das Herzogthum Güstrow sammt dem Boizenburger Zoll nicht mehr als 64785 Rth. eintrage, und der (  ...  )
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schen Distrikt angeboten, dem ein Votum beigelegt werden könne. Das Ratzeburgische Votum abzutreten. Sei Friedrich Wilhelm gar zu präjudicirlich, weil dieses Votum dem Fürstenthum "essentialiter annectirt" sei und die Landeshoheit einschließe. Der Anwalt hatte dann um ein kaiserliches Reskript gebeten mit dem Befehl, dem Schweriner Herzog nicht mehr zuzumuthen, sondern, wenn der Herzog von Strelitz damit nicht zufrieden sei, die Traktaten aufzuheben. Der eigentliche Autor des Memorials war Graf Horn, der die Abtretung von Stargard ohne Landeshoheit, wie er sie im Sinne hatte, für vortheilafter hielt als die von Ratzeburg mit der vollen Landeshoheit und zugleich mit dieser Eingabe den von ihm gewünschten Abbruch der Verhandlungen herbeizuführen hoffte. Darauf ging der Wiener Hof indessen nicht ein, die Eingabe erhielt die Antwort, S. Maj. lasse es bei der Verordnung vom 23. Januar bewenden, diese selbst aber gewann unter dem Einfluß der Eingabe eine etwas veränderte Gestalt, die nämlich, daß "entweder auf das Fürstenthum Ratzeburg cum voto oder auf den Stargardischen Distrikt völlig und entlich zu schließen" sei. 1 )

Eck war unzufrieden, daß hier wieder eine Alternative - zwischen Ratzeburg und Stargard - eröffnet war, wovon er eine Verschleppung der Verhandlungen befürchtete, 2 ) benutzte aber eben dies Moment, um einen starken Druck auf Friedrich Wilhelm auszuüben, jetzt abzuschließen. Er schreibt den 2. März zugleich mit Uebersendung einer Kopie des Reskriptes vom


(  ...  ) Herzog von Schwerin, wenn er 40000 Th. an Adolf Friedrich bewillige, jährlich, um die Regierungskosten und die Witthums=Abgaben zu bestreiten, 39215 Th. werde zuschießen müssen.
1) In demselben Reskript giebt der Kaiser den wiederholten Wünschen der Ritterschaft, ihre Gerechtsame mit bei den Verhandlungen beobachten zu lassen, insoweit nach, als er die Kommission anweist, sie möge auf das ritterschaftliche Ansuchen, "so viel möglich und dem gütlichen Traktat nicht hinderlich, Reflexion machen".
2) Seine Remonstration in Wien erwirkte drei Reskripte vom 23. März an Friedrich Wilhelm, Adols Friedrich und den Grafen, welche die Mahnung enthielten, auf Ratzeburg abzuschließen; der Kaiser werde dabei beharren und sich durch keine andern Vorschläge davon abbringen lassen. Eck wurde angewiesen, den schwedischen und brandenburgischen Gesandten in ihrer guten Gesinnung zu erhalten und auch mit dem cellischen zu sprechen, damit der endliche Vergleich erfolge. Es sei die kaiserliche Intention niemals gewesen, wegen einer Alternative zwischen Ratzeburg und Stargard die Traktaten zu verlängern. Eck möge nur wegen Ratzeburg weiter verhandeln. - Die Reskripte kamen erst an, als durch Graf Horns Eingreifen die Verhandlungen bereits abgebrochen waren.
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9. Februar: Da Lenthe und John gegen Ratzeburg seien, so werde die Kommission bei der geringsten Opposition gleich zu der zweiten Alternative schreiten, worauf Abschluß unmöglich erfolgen könne. Jedweder treue Diener habe jetzt Friedrich Wilhelm zu rathen, daß Er ja keinen Moment versäume, noch durch andere ungegründete Hoffnung sich zum Zaudern, was ihm bisher schon so viel geschadet, verleiten lasse. Wie bald könne durch einen und andern Vorfall das Kreisdirektorium, das jetzt mit dem Kaiser eines Sinnes sei, wieder auf andere Gedanken gebracht und sein Eifer abgekühlt werden. Bei jeder Verzögerung könne Adolf Friedrich nur gewinnen. Einen andern Grund zur Fügsamkeit gab er den Räthen den 5. März an die Hand: jetzt werde der Herzog, wenn er freiwillig nachgebe, den Kaiser noch zu Dank verpflichten können; zaudere er, werde der Kaiser mit Schweden den beiden Herzögen die Bedingungen selbst vorschreiben. Er bezeugte sich sehr unzufrieden, als die Räthe ihm widersprachen, und nannte als Beispiel für ein Amt, das zur Abtretung sich eigne, weil darin kein Adel vorhanden, das Amt Rehna.

Für Friedrich Wilhelm ward die Situation in eben dieser Zeit dadurch noch verwickelter, daß sein jüngerer Bruder Karl Leopold, der von längerem Aufenthalte im Auslande mittlerweile heimgekehrt war, nun Anstalt machte, als dritter Prätendent auf das streitige Herzogthum aufzutreten. 1 ) Falls er hiermit abgewiesen wurde, verlangte er auf Grund des großväterlichen Testamentes Ratzeburg.

Den 8. März schreibt Friedrich Wilhelm an die Räthe in Hamburg, sein Bruder liege ihm an, ihm zu erlauben, daß er sein Recht verfolge, und er habe heute soweit nachgegeben, daß er geschehen lassen wolle, daß Karl Leopold seine vermeintlichen Befugnisse beliebiger Orten vorstelle, jedoch mit dem Vorbehalt, - welcher übrigens der Zurücknahme der Erlaubniß ziemlich gleichkam - daß dadurch seinem, Friedrich Wilhelms, erstrittenem Rechte nicht geschadet werde. Karl Leopold hatte davon gesprochen, nach Hamburg reisen zu wollen. Die Räthe sollen dort versichern, daß Friedrich Wilhelm dem Bruder


1) Karl Leopold berief sich zur Begründung seiner Ansprüche auf die auch von Adolf Friedrich benutzte Wendung des Recesses von 1621, daß Meklenburg fortab nicht in mehr denn jetzige zwei Theile getheilt werden, "sondern es bey denselben einig und allein verbleiben" solle, und behauptete, daß ihm, als zweitem Sohne des Secundogenitus der Vorzug vor dem Tertiogenitus, Adolf Friedrich, gebühre.
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keinerlei Assistenz leisten wolle. Friedrich Wilhelm konnte nun freilich sicher sein, daß Karl Leopold weder bei der Kommission noch bei dem Kaiser, noch bei den Kreisdirektoren, die sämmtlich Beilegung wünschten, Unterstützung finden werde, und beeilte sich also nicht eben sehr, dem Drängen Ecks in allen Einzelheiten stattzugeben, fand aber den diplomatischen Ausweg, der die eigentlichen Schwierigkeiten umging, den 10. März der Konimission erklären zu lassen, er werde sich der kaiserlichen Verordnung wegen Ratzeburg nicht widersetzen - genau so hatte Graf Eck gerathen -, jedoch mit gewissen Bedingungen, wovon später zu reden sein werde, wenn Strelitz, das ja bisher wegen Ratzeburg Schwierigkeiten gemacht, zugestimmt habe.

Die Kommission war hiermit zufrieden, dagegen ward eine Schrift von Petkum, in der er auf dem Strelitzer Ultimatum vom 21./11. Dezember 1699 bestand, von der Kommission so wenig dienlich zum Zwecke befunden, daß sie sie nicht annahm. Trotzdem ging die Kommission an die Arbeit, ein neues Vergleichsprojekt auszustellen: da kam den 16. März ganz unvermuthet Graf Horn in Hamburg an, dessen Auftreten die Weiterarbeit an diesem Projekte zum Stehen brachte.

Graf Horn war in 7 1/2tägiger Reise von Wien nach Schwerin geeilt, wo er den 7. März ankam, mit der Absicht, durch energisches Auftreten einen schnellen Abschluß oder den Abbruch der Verhandlungen zu erzwingen. Er brachte ein Ultimatum mit, in dem Friedrich Wilhelm Ratzeburg mit dem Votum und 40000 Th. anbietet, - die Zahlung des Restes solle aus dem Zoll erfolgen, - abzüglich des Ertrages der drei Strelitzer Aemter, die Adolf Friedrich jetzt hat und die ihm als Pfandbesitz und seiner Gattin als Witthum für beider Lebenszeit verbleiben sollen.

Wenn Adolf Friedrich dies ausschlägt, ersucht Friedrich Wilhelm die Kommission, von den Kreisdirektoren die Abführung ihrer Truppen zu erwirken. Graf Horn hegte die Hoffnung, daß dies durchzusetzen sein werde, und wollte eben die Drohung, daß es geschehen werde, als Pressionsmittel auf Strelitz benutzen, um es zur Einwilligung zu bewegen. Er theilte dies Ultimatum zunächst vertraulich dem Grafen und der Kommission mit, durch die auch Petkum davon in Kenntniß gesetzt wurde. Auf seinen Wunsch kam der Herzog zum 20. selbst nach Hamburg und bestätigte mündlich den Inhalt des Ultimatums. Hofmarschall von Löwen, den er mitbrachte, reiste von Hamburg aus nach Celle, der Kammerjunker Baron v. Eichholtz ging nach Eutin, beide

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mit einer kurzen gedruckten Darstellung der Gründe, warum Friedrich Wilhelm kein Land mehr außer Ratzeburg hergeben könne. 1 ) Dasselbe Aktenstück wurde an die Bevollmächtigten in Wien, Stockholm, Berlin und Wolfenbüttel übersandt. Bei seiner Abreise aus Hamburg (d. 21.) hinterließ Friedrich Wilhelm dem Grafen eine Vollmacht, mit Zuziehung der zwei Räthe die Kommission fortzusetzen, zu differiren oder auszuheben, wie er es am Zuträglichsten finde.

ES war eine umfassende Aktion, um die Sache auf die eine oder andere Art durchzuforciren. Der Verlauf entsprach leider nicht ganz den Erwartungen. Adolf Friedrich und sein Bevollmächtigter Petkum blieben selbst in dieser anscheinend so bedrohlichen Situation fest auf dem Ultimatum vom 11. Dezember. Von den Kreisministern in Hamburg betonte der Cellische entschieden, was Horn gerade vermieden wünschte, daß Adolf Friedrich mehr Land haben müsse. Den gleichen Bescheid brachte Löwen aus Celle mit, einen etwas günstigeren, aber doch ausweichenden Eichholtz aus Eutin. Der schwedische und brandenburgische Minister in Hamburg verschanzten sich vorläufig hinter dem Mangel an Instruktion, berichteten aber das Hornsche Ultimatum sogleich an ihre Höfe. Auf der Stelle also war das Ultimatum nicht durchzusetzen; so beschritt denn Horn ohne Zögern den zweiten Weg, den Abbruch der Verhandlungen.

Am 27. März erschienen die Schweriner vor der Kommission mit einer längeren Eingabe, die nach Rekapitulirung des ganzen Verlaufes damit endet: da Strelitz bisher für die 40000 Th. unmögliche media solvendi beanspruche und auch über Friedrich Wilhelms Ultimatum hinaus noch Abtretung einiger Landstücke ihm anmuthe, Friedrich Wilhelm auch nicht das Glück gehabt habe, die Versicherung von der Kommission zu erhalten, daß die Kreisdirektoren ihn durch Zurückberufung ihrer Truppen in den ruhigen Besitz des ihm zugesprochenen Landes setzen würden, falls Adolf Friedrich das Ultimatum nicht pure acceptire, so sehe sich Friedrich Wilhelm gezwungen, die Traktaten, von denen er keinen glücklichen Ausgang abzusehen vermöge, "abzudanken". Er wolle aber an sein Ultimatum noch 6 Wochen gebunden sein; wenn in dieser Zeit seine Bedingungen nicht erfüllt seien (Annahme des Ultimatums oder Zurückziehung der Truppen), behalte er sich alle seine Rechte vor.


1) In Kopie im Syllabus Nr. 54: "Rationes, warum Jhro Durchl. der Herr Hertzog Friedrich Wilhelm - kein Land mehr - alß das Ratzeburgische hingeben kan" u. s. w.
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Die Schrift wurde in ihrer ersten längeren Fassung von der Kommission zurückgewiesen, unter der Begründung, daß Strelitz darauf eine weitläufige Antwort machen werde. In kürzerer Fassung - ohne die lange rückblickende Einleitung - wurde sie zwei Tage später - den 29. - angenommen. Die Kommission beschloß darauf, daß jedes ihrer Mitglieder gesondert seinen Bericht an den Kaiser einsenden solle. Darauf wurden die Verhandlungen geschlossen.

~~~~~~~~~~~~~~~~

X.

Wiederaufnahme und Abschluß der Kommissionsverhandlungen.

Eingänge in Wien bis zu den kaiserlichen Reskripten vom 4. August 1700.

Die Entscheidung über den weiteren Fortgang der Sache war also damit wieder dem Kaiserhofe anheimgegeben. Wir werfen einen kurzen Blick auf die dort eingehenden Aktenstücke. Graf Horn sandte schon den 30. März ein Schreiben an den Legationssekretär Christiani nach Wien mit zwei verschlossenen Schreiben von Friedrich Wilhelm an den Kaiser und ihm selbst an Graf Kaunitz und mit einer Eingabe an den Reichshofrath, die Hofrath Diettrich, ohne etwas daran zu ändern, unterzeichnen und einreichen sollte. In dem Schreiben des Herzogs wie der Eingabe an den Reichshofrath war das Ansuchen gestellt, das Hornsche Ultimatum zu genehmigen und Adolf Friedrich zur Annahme innerhalb sechs Wochen zu nöthigen. Beigefügt waren Exemplare der o. g. "rationes", dem Schreiben an den Kaiser auch ein Aktenstück mit dem Titel: "Uhrsachen warumb meinem (d. i. des Herzogs) ohnvorgreiflichen ermeßen nach, alle fernere tractaten coram Commissione in der Meckl.=Güstrowischen successions=Sache vergeblich seyen." 1 )


1) Es waren deren vier: 1. Es sei nicht zu hoffen, daß die Kommission unter sich über ein medium vere adaequatum einig werde, da der (  ...  )
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Die Eingabe ist unter dem 7. April in den Akten des Reichshofrathes verzeichnet, den 12. April ging die Relation des Grafen Eck ein (datirt vom 31. März). Sie ist entschieden Schwerin freundlich gehalten und beginnt mit einer Art von Rechtfertigung des Verfahrens der Kommission. Sie habe keiner Partei zu liebe oder zu leide gehandelt, vielmehr habe sie in dem Ultimatum vom 25./15. September 1699 eine Theilung der Einkünfte vorgeschlagen. Diese betrügen im Ganzen etwa 80000 Rth., wovon etwa ein Drittel auf den Ertrag des Boizenburger Zolles komme. Dem entsprechend sei das Absehen der Kommission gewesen, daß auch Adolf Friedrich zwei Drittel von der Abfindungssumme an Land und Leuten und ein Drittel aus dem Zolle erhalten solle. Was das Reichsvotum betreffe, so habe die Kommission früher Uebertragung des Votums auf Stargard vorgeschlagen, aber der Kaiser habe nun anders entschieden. Von Friedrich Wilhelm sei die Hauptsache zugestanden, nur daß er sich weigere, an Land und Leuten mehr als Ratzeburg abzutreten. Es sei wohl zu wünschen, daß Adolf Friedrich die von der Kommission ihm zugedachten zwei Drittel an Land und Leuten zu Theil würden, wie auch das Kreisdirektorium intendire, allein da Schwerin sich mit gewichtigen Gründen dagegen ausgesprochen, so rieth Eck, in Friedrich Wilhelm nicht weiter zu dringen und in diesem Sinne an die Kreisdirektoren, die Parteien und die Kommission zu schreiben. Den 9. April folgte Wolfenbüttel (präsentirt beim Reichshofrath d. 3. Mai mit dem von Eutin zusammen). Es rieth, Schwerin möge zur Kompletirung der zwei Drittel zu Ratzeburg, das zu 20000 Thalern Einkünften gerechnet wird, noch einige andere 6666 1/3 Rth. austragende Stücke an Land und Leuten, etwa von dem Stargardischen Distrikt, das zu dem uralten Meklenburgischen Corpus eigentlich nicht gehöre, zulegen und das übrige Drittel, also 13333 1/3 Th., jährlich aus dem Zoll geben. In Bezug auf Adolf Friedrichs Forderung der Residenz Güstrow stellte sich Wolfenbüttel auf die Schweriner seite, da Schwerin 8000 Th. für den Ausbau einer Residenz zu zahlen und Güstrow der Herzogin=


(  ...  ) dänische Subdelegirte Adolf Friedrichs Anspruch auf die Residenz Güstrow begünstige und ihm der Eutiner einigermaßen zustimme. 2. Die Sache werde alle Zeit zwischen der Kommission und den Kreisdirektoren im Kreise hin= und hergeschoben. 3. Besser, als wenn die Subdelegirten und Kreisminister unter sich konferirten, was jetzt geschehe, sei es, wenn der Kaiser die Kreisdirektoren bestimme. 4. Die Subdelegirten hätten vielfach geantwortet, es komme auf des Kaisers decisum an.
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Wittwe und den unvermählt bleibenden Prinzessinnen auf Lebenszeit zu überlassen sich anheischig gemacht habe. Beide Herzöge seien, abgesehen von der Belehnung zu gesammter Hand (simultanea investitura), völlig außer Kommunion zu setzen, zwischen beiden sei die Primogenitur= und Lineal=Succession festzusetzen.

Vom 5. April ist die Relation des Bischofs August Friedrich von Lübeck datirt. Auch er spricht sich für die zwei Drittel an Land und Leuten aus; zu Ratzeburg könne ein dabei liegendes Stück Landes oder auch, was leichter geschehen könne, ein Stück von dem Stargardischen Distrikt beigelegt werden. Als Schwager aber des Herzogs von Strelitz persönlich für ihn interessirt, fügt der Bischof dieser Möglichkeit, wenn auch in vorsichtiger Form, noch als zweite Alternative den Vorschlag bei, zu Ratzeburg Amt und Stadt Güstrow abzutreten und, was dann noch an den 40000 Th. fehle, aus dem Zoll zu assigniren; es "würde solches - schreibt er wörtlich -- zu beförderung des gütlichen Vergleichs ümb so viel mehr helffen, auch der Fürstl. Frau Wittib und dero Princesses zu besonderer Consolation, denen hohen anverwandten aber, wie auch mir zu großer vergnügung gereichen, welches alles dennoch zu Ew. Ksl. Maytt. höchsterleuchteten gutbefinden ich überlaße, und dero gdsten. fernern befehl hierüber erwarte, den ich nicht gemeint bin, deroselben hierunter Ziel und maße zu setzen."

Die Relationen waren bereits abgegangen, als der dänische Hof in Eutin und Wolfenbüttel das Ansinnen stellte, sie noch zurückzuhalten und die Traktaten nicht abzubrechen. Dänemark hatte sich damals entschieden auf die Seite von Strelitz gestellt. Die Königin wandte sich eigenhändig mit Briefen an Berlin, Wolfenbüttel und andere Höfe und hielt nachdrücklich um Assistenz für Adolf Friedrich an, besonders in seiner Forderung der Residenz Güstrow. Leichter als am Kaiserhofe, wo überdies die Sache leicht der Kommission ganz aus den Händen genommen werden konnte, war diese Forderung in Hamburg durchzusetzen. Deshalb trat Dänemark mit Strelitz in diesem Stadium für die Fortsetzung der Kommission ein. Daneben war im Strelitzer Kreise auch davon die Rede, die Sache nach Regensburg oder ans Reichskammergericht zu ziehen.

In Wolfenbüttel und Eutin kam Dänemark mit seinem Ansuchen zu spät, einen großen Erfolg aber gewann es in Berlin, wo Graf Kolbe v. Wartenberg für Strelitz gewonnen ward, der den Kurfürsten zur Unterzeichnung einer Instruktion an den Brandenburgischen Geschäftsträger in Hamburg, Herrn v. Busch,

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bewog, Strelitz in seiner Forderung des Wendischen Distrikts mit der Residenz Güstrow Beistand zu leisten und sich deswegen mit dem dortigen dänischen Minister ins Einvernehmen zu setzen.

Auf diese Parteinahme hatte ohne Zweifel der Ausbruch des Nordischen Krieges Einfluß, in dem Schweden und Celle für Holstein=Gottorp gegen Dänemark standen, während Brandenburg Dänemark zuneigte. Zugleich erklärt sich aus der allgemeinen politischen Lage die recht stolze Haltung, die Dänemark damals zur Schau trug. Im Bunde mit Peter dem Großen und August dem Starken glaubte es mit dem Herzog von Holstein=Gottorp leicht fertig werden zu können und ließ sich, als es in der That im ersten Augenblick bedeutende Fortschritte in Holstein machte, drohend vernehmen, es werde Adolf Friedrich mit gehörigem Nachdruck zu demjenigen, was er beanspruche, verhelfen. 1 ) Bekanntlich wandte sich das Blatt sehr schnell, worauf dann die Haltung Dänemarks auch wieder bescheidener ward.

Durch die Holsteinischen Wirren und den Ausbruch des Krieges ward das ohnehin recht lose Einvernehmen der Kreisdirektoren für die Güstrowsche Sache noch mehr gelockert, zum Nachtheile Schwerins, und wenn auch Herr v. Busch gegen Ende des April wieder Hoffnung gab, daß sein Herr einer kathegorischen Resolution des Kaisers zustimmen werde, so war doch diese Hoffnung recht unsicher.

Auch über die Schwenkung Brandenburgs gelangte Bericht nach Wien an den Reichshofrath als Material für die dortige Entscheidung. Von Strelitzer Seite ist unter dem 23. April eine Eingabe des Hofraths Martens verzeichnet, zu der er gleich nach dem Abbruch der Verhandlungen in Hamburg Befehl erhalten hatte, und unter dem 13. Mai ein Schreiben Adolf Friedrichs, datirt Strelitz d. 2. April, an den Kaiser als Erwiderung auf dessen Reskripte vom 23. Januar und 9. Februar. Beide Aktenstücke zeigen auf höchst charakteristische Weise, mit welcher Konsequenz Adolf Friedrich seinen Standpunkt festhielt. Es folgt deshalb hier ein Auszug.

Martens beginnt damit, sein Prinzipal habe gehofft, daß Friedrich Wilhelm bei dem letzten Kongreß "seine so vielfältig gerühmte friedliebende Intention zeigen und solche Vorschläge aufs tapis vorbringen werde, bei denen nur das geringste Aus=


1) "Nicht anderß, als ob durch die Hollsteinische progressen Es auch das Directorium über den gantzen Nieder=Sächs. Kreuyß anmaßen wollte," schreibt Heems aus Berlin an Andler in Wien den 15. Mai.
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kommen wäre zu finden gewesen." Allein er habe nur Ratzeburg abtreten wollen und dann die Traktaten abgebrochen. Anwalt sei beauftragt, dem Kaiser vorläufig anzuzeigen, daß S. Dchl. nichts schmerzlicheres widerfahren könne, als daß Sie sehen müßten, wie man "hochfürstlich Schwerinischer seiten sich so augenscheinlich bemühe, alles dasjenige, was nur zur Verhinderung eines gütlichen Auskommens, zu S. Dchl. torto und zur oppression seiner notorischen Gerechtsahme gereichen könne, beizutragen und hervorzusuchen, mithin diese an sich schwere Sache in neue Verwirrung zu setzen." Es wird dann die Richtigkeit der Schweriner Aufstellungen für die Einkünfte sowohl von Ratzeburg als von dem Güstrower Herzogthum bestritten und der - ungegründete - Vorwurf erhoben, Schwerin reize jetzt den Prinzen Karl Leopold, daß er wider die Abtretung von Ratzeburg protestire. Dies genüge hoffentlich, um zu erweisen, daß "niemahlen ein Fürst des Reichs so ungütlich tractiret und so unschuldig gedrücket worden sey", doch habe ihm sein Herr befohlen, nochmals Kais. Maj. zu Gemüthe zu führen, daß er eine gerechte Sache habe, und daß Güstrow auf ihn verstammt sei, er sich aber mit der Hälfte begnügen wolle. Der Kaiser möge das Werk dahin dirigiren, daß dieses Ultimatum zum Fundament gesetzt und die wider des Kaisers Intention und wider seines Herrn Willen und Vermuthen aufgerufene Kommission fördersamst reassumirt und Herzog Friedrich Wilhelm nachdrücklich ermahnt werde, sich mit den diesseitigen, ohnedem für ihn sehr vorteilhaften Angeboten zu begnügen.

Aehnlich schreibt Adolf Friedrich selbst den 2. April. Nach einer Rekapitulation der für ihn ungünstigen letzten kaiserlichen Verordnungen fährt er fort: "Nun bin ich zwar schon vorher durch meiner Feinde, undt übelwollende machinationes undt verfolgungen dergestalt zu Boden geschlagen, undt entkräfftet, daß im falle sich Ew. Kayl. Maytt. durch mein anhaltendes Bitten undt flehen zu anderwertiger Commiseration undt entschließung, in besonderen allerhöchsten Kayl. gnaden nicht bewegen laßen werden, ich nebst allen den meinigen auf einmahl zu grunde gehen, undt wir von dem jenigen, so durch Gott undt die natur auf unß gekommen, unß lediglich entsetzet sehen müßen, zumahlen und wan mir auch nebst übrigen die geldmitteln, so zu einem dergestalt schweren undt kostbahren process undt Handlungen beförderlich seyn, entzogen werden solten, alß dan meine gerechtsahme wol von selbst zerfallen, undt folglich ich zu sambt allen den meinigen in die eußerste miserie gerahten werden, worin wir dan auch anjetzo bireits umb so viel mehr stecken, alß es

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mir meines unvermögens halber an genugsahmer vermittel= und vertrettung bey Ew. Kaysl. Maytt. ermangelt, undt dahingegen meinem gegentheil aus denen in possession undt nießung habenden dreyen Fürstenthümern und übrigen Landen an nichts fehlet, undt dadurch allergdster Kayser undt Herr ist es auch geschehen, daß ich biß hierzu die nohturfft meiner gerechtisten Sache dergestalt nicht besorgen undt beobachten laßen können, wie solches der eigentlicher Zustandt undt die wahre beschaffenheit des werckes wohl erfordert hetten, weßhalber ich dan auch noch nicht anders, alß abermahlen hiemit vor Ew. Kayl. Maytt. geheiligten Trohn fußfällig niederzulaßen, undt aufs allerdemühtigste zu bitten vermag, dieselbe wollen doch nur in mild Kayserl. Behertzigung dieses eintzigen" - hier ist eine ganz kurze Begründung der Rechte Adolf Friedrichs aus dem Vertrage von 1621 eingeschoben - "aus mild Kayserl. Commiseration nicht zu geben, daß auf einigerley weise undt wege weiter in mich gedrungen, oder das geringste mehrers von mir gefordert werden möge, alß weßen ich mich zu bezeugung meines allerdevotisten Gehorsambs gegen Ew. Ksl. Maytt. auch besondern Fried liebenden gemühts und boni publici causa bey der allergdst verordneten Commission zur gute am 11./21. Dec. des nechtvorigen, undt 10. Martij dises Jahres mit hindansetz= undt verlaßung alles übrigen pro extremo et ultimo erklährt habe, mir auch inmittelst die zu noch einiger besorg= undt rettung meiner gerechtsahme gantz ohnentbehrliche geldhülffe, auß dem sequestro ohngehindert gelaßen werden möge." Im weiteren Verlaufe des Schreibens schiebt Adolf Friedrich die Schuld für das, was er aus dem Reskript vom 9. Februar mit äußerster Betrübniß erfahren, auf die Uebelwollenden, bestreitet, ebenso wie sein Anwalt die Schweriner Darstellung über die Einkünfte von Güstrow und schließt mit den üblichen Ergebenheitsversicherungen.

Zu diesen Eingaben gesellte sich noch drittens die ausführliche Beantwortung der Schweriner rationes, die Martens d. 10. April einreichte. 1 ) Es kam zu einem Votum den 14. Mai. In diesem wird die Frage aufgestellt, ob schon eine endgültige Entscheidung zu treffen sei, da von Holstein (Dänemark) noch nichts ein=


1) Ein zweites persönliches Schreiben von Adolf Friedrich, datirt vom 8. Juni, ähnlichen Inhalts wie das erste, ging beim Reichshofrath den 12. Juli ein und bildete erst den 11. August, als das Votum bereits erstattet war, Gegenstand einer Verhandlung im Reichshofrath; dieser faßte das Conclusum, daß Adolf Friedrich auf die Resolution vom 4. August zu verweisen sei.
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gelaufen, sondern neue Schwierigkeiten von ihm und Brandenburg sich hervorthäten. Ecks Gründe für das Schweriner Ultimatum werden nicht unerheblich gefunden, da aber dann die Kreisdirektoren, die die zwei Drittel an Land und Leuten für billig hielten, sich desto mehr opponiren und der Bischof wie Wolfenbüttel sich gekränkt finden möchten, wenn ihr Gutachten bei Seite gelegt werde, so räth der Reichshofrath, der Kaiser möge die zwei Drittel genehm halten, und empfiehlt dann trotz des Fehlens der dänischen Relation sogleich abzusendende Reskripte dieses Inhalts.

An demselben 14. Mai lief beim Reichshofrath eine Eingabe des dänischen Anwaltes Fabricius ein, die Einforderung der Relation anstehen zu lassen, bis ein Bericht von seinem Prinzipal angelangt sei, der daran durch den Krieg bisher verhindert sei. Darüber ward am 3. Juni verhandelt und beschlossen, die Eingabe dem früheren Votum beizufügen. Man zauderte dann noch zwei volle Monate, bis die schon den 14. Mai empfohlenen Reskripte wirklich erschienen (d. 4. August).

Inzwischen war Graf Horn schon Ende Mai wieder nach Wien geeilt, in der Absicht, nun die zweite Hälfte seines Planes zur Ausführung zu bringen, nämlich den Abschluß von Wien aus herbeizuführen und eventuell den Kaiserhof zu bewaffnetem Einschreiten zu veranlassen. 1 ) Er mochte um so mehr auf Erfolg hoffen, als der gefürchtetste Feind, Schweden, eben in ein Freundschaftsbündniß 2 ) mit Herzog Friedrich Wilhelm getreten


1) Friedrich Wilhelm hatte schon den 1. Mai dem Grafen Eck auf getragen, in Wien wegen Waffenhülfe anzufragen, der Reichs=Vizekanzler Graf Kaunitz antwortete d. 15. Mai: "Wegen überlaßung ein paar Regimenter wollen Jhro Maytt. im geheim überlegen lassen, ob dem Herrn Herzog von Schwerin gewillfahrt werden könne."
2) Den Bemühungen der Herzogin Christine Wilhelmine und Koppelows war es gelungen, den 13. April d. J. einen Allianzvertrag mit Schweden auf 5 Jahre zu Stande zu bringen zur Aufrechthaltung der Ruhe und des Westfälischen Friedens=Instrumentes. Darin verspricht der König, den Herzog und seine Länder wider alle "turbationes (§ 2) in Ecclesiasticis et profanis" zu schützen, ihm auch zur billigen Erstattung der durch "Invasiones, hostilitaeten, Märsche und dergleichen" verursachten Schäden zu verhelfen und der Herzog leistet für die deutschen Besitzungen des Königs das gleiche Versprechen. Zu diesem Zwecke will der König 2000, der Herzog 1000 Mann in Bereitschaft halten, nach beendigtem Successionsstreit soll diese Anzahl von beiden verdoppelt werden (§ 4). Beide wollen in Reichs= und Kreissachen durch ihre Minister vertrauliche Kommunication pflegen (§ 5). Zur Beendigung der Successionssache verspricht der König alle möglichen officia anzuwenden (§ 6). Sollte der König in einen auswärtigen Krieg gerathen, (  ...  )
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und außerdem schon durch den Krieg beschäftigt war. In Wien angekommen, reichte er dem Kaiser zwei Aktenstücke ein, von denen das eine überschrieben ist: "Ohnmaßgebliche - gedanken, wie in der Meckl. Güstrow. Successions=Sache ein glücklicher exitus zu maintenirung Jhro Kayl. Maytt. allerhöchsten Authorität und oberrichterlichen Ambts; auch zur protection der justice und des Regierenden Herrn Hertzogs v. Mecklenburg breuissima via nunmehr zu erreichen seyn kan." Darin plaidirt er zunächst für das Schweriner Ultimatum; sollte der Kaiser aber sich für die zwei Drittel entscheiden, so habe er zwar keine Instruktion, darüber etwas einzugehen, bitte aber, daß seinem Herrn dann freigelassen werde, solche Stücke Landes abzugeben, die er am füglichsten entbehren könne. Er rieth dann, die Antwort an die einzelnen Mitglieder der Kommission getrennt zu schicken und diese nicht wieder zusammentreten zu lassen, da ja klar sei, daß sie unter sich verschiedener Ansicht seien, und was Dänemark für Absichten hege, das bei den augenblicklichen Konjunkturen Wolfenbüttel und Eutin mehr als bisher auf seine Seite ziehen könne. Eine kurzgefaßte Zusammenstellung der "Fundamenta Juris, aequitatis et facti" ist beigegeben.

Ein zweites Aktenstück führt den Titel: "Geheime allerunterth. u. ohnmaßgebliche in Handtgebung mehrer dienlichen mittel zu maintenirung Jhro Kays. Maytt. auerhöchsten authoritet und Oberrichterlichen Ambts in der Meckl. Güstr. Successions-Sache, u. zu protegirung Jhro Dchl. meines gdsten Herrn bey seinem darin erlangten recht und Possession." Horn sucht hierin den Kaiser in Einklang mit der früheren Anfrage für schärfere Maßregeln zu gewinnen. Es könne den Kreisdirektoren angezeigt werden, daß der Kaiser Friedrich Wilhelm nicht länger hülflos lassen könne, falls die Kreisdirektoren ihre Truppen nicht gutwillig aus dem Güstrowschen herauszögen.


(  ...  ) So gilt die Allianz nicht weiter, als seine deutschen Provinzen und die Lande Meklenburg betrifft. Ein Geheimartikel war verabredet, nach dem der König, wenn Strelitz mit dem, was von dem Kaiser und der Kommission für billig erachtet werde, nicht zufrieden sei, versprach, mit den übrigen Kreis=Aemtern zu erwägen, wie und auf welche Weise der Sache am füglichsten zur Endschaft möge geholfen werden, und, falls die Sache unabgethan bleibe, mit den übrigen Kreis=Aemtern dahin zu sehen, daß dem Herzog von Strelitz aus den Güstrowtschen Einkünften, pendente lite, kein Vorschuß geschehen möge. Karl XII. ratiftzirte den Vertrag d. 12. Mai, aber ohne den Geheim=Artikel: die Zahlungen an Strelitz dauerten fort. Graf Horn wußte dies Ende Mai in Wien noch nicht.
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Horn kalkulirt, von Schweden sei kein Widerstand zu vermuthen, da es so viel Feinde auf dem Halse habe, vielmehr sei Begünstigung glaublich, um den Kaiser zu verpflichten. Das Haus Lüneburg habe wegen der gegen die neunte Kurwürde sich opponirenden Fürsten die gleiche Erwägung zu führen. Es könne auch allenfalls zusamb Chur=Brandenburg durch Jhro Kais. Maytt. Macht leicht (?) zu der billigkeit gebracht werden und zwar mit Jhro Kais. Mast. avantage. (!!) Dänemark habe jetzt Schweden zum Feinde und könne ebensowenig Widerstand erheben. Von Frankreich sei nicht zu befürchten, daß es sich um diese entfernten Händel bekümmern werde. Wenn der Kaiser ein Regiment oder drei in Friedrich Wilhelms Lande vorerst (!) zu senden beliebe und anordne, daß sie von Friedrich Wilhelms Willen mit Zuziehung des Grafen Eck abhängen sollten, so sei Friedrich Wilhelm erbötig, sie in Rostock einzuquartieren und sobald er sich wieder in dem ruhigen Besitz des Herzogthums Güstrow befinde, eins davon aus den Kontributionen der Güstrowschen Ritter- und Landschaft ein ganzes Jahr zu unterhalten oder statt dessen 100000 Th. dem Kaiser zu zahlen. Schweden werde dieses Eingreifen des Kaisers vermuthlich gerne sehen (?!), könne auch im voraus darüber bedeutet werden, daß es desfalls nichts zu besorgen habe. Die drei Regimenter würden mit den Truppen, die Friedrich Wilhelm selbst habe, an die 5000 Mann und mehr ausmachen, und der Kaiser bekomme auf solche Art einmal Truppen in den Niedersächsischen Kreis (!). Lüneburg könne keine ombrage zeigen, da Graf Bernstorff neulich (im Mai) an Löwen geschrieben, daß Dömitz nach Eroberung von Tönningen (durch Dänemark) in Gefahr sein werde.

Diese Bemühungen des Grafen Horn, den Kaiser zu bewaffnetem Einschreiten zu treiben, wurden durch eine starke Partei unter den Diplomaten des Kaiserhofes unterstützt, darunter auch durch den Berliner Bevollmächtigten Heems, der noch im Mai, als Petkum in Berlin wegen Weiterzahlung der 30000 Th. anhielt, ein scharfes Reskript des Kaisers empfahl, das die Drohung enthalten sollte, der Kaiser werde nunmehr einen solchen Ernst in der Sache zu zeigen wissen, wodurch dem einen und andern die Augen geöffnet werden und die Luft, die Langmuth und Güte des Kaisers länger zu mißbrauchen, vergehen könne.

Im allertiefsten Geheimniß wußte der Graf noch einen andern Hebel, von dem er sich eine ausschlaggebende Wirkung

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am Wiener Hofe und besonders auf den Kaiser selbst versprach, zu Gunsten seines Herrn in Bewegung zu fetzen: es war ihm gelungen, bei seiner letzten Anwesenheit zu Schwerin den Herzog für den Plan zu gewinnen, um eine der Töchter des Kaisers zu werben; 1 ) ja, Friedrich Wilhelm hatte sich sogar zum Wechsel des Bekenntnisses bereit erklärt, falls seine Werbung Erhörung finde, allerdings unter der Vorbedingung, daß der Kaiser mit Waffengewalt ihm Güstrow wiederverschaffe. Es war ein überaus gewagtes Spiel, in welches der Graf seinen Herrn hiermit zu verstricken suchte, ein Spiel, das selbst, wenn es für den Augenblick gelang, was ohne einen Krieg zwischen Oesterreich und den Kreisdirektoren kaum möglich war, doch für die Zukunft Friedrich Wilhelm in eine äußerst gefährdete Stellung sowohl seinen sämmtlichen Nachbarn wie auch seinen Unterthanen gegenüber bringen mußte, und nur zaudernd fand der Herzog den Entschluß, den der Graf ihm zu entreißen immer neue Anstrengungen machte. Auch Gewissensbedenken erregte ihm der Religionswechsel; der Auftrag, den er in seiner geheimen Instruktion (datirt v. 8. Mai 1700) dem Grafen gab, in Wien sich zu erkundigen, ob nicht vom Papste für ihn die Erlaubniß zu erhalten sein werde zum Gebrauche des Kelches beim Abendmahl, eröffnet einen Blick in diese inneren Zweifel. Ein anderes Bedenken betraf die vormaligen geistlichen Güter in Meklenburg, die von den Fürsten zu den Domänen gezogen waren. Um etwaigen Forderungen auf Rückgabe derselben vorzubeugen, wies der Herzog den Grafen an, einen Konsens des Papstes zu erwirken, daß alle jene Güter fürstliche Domänen bleiben sollten. 2 ) Der Konsens sei auszustellen,


1) Es war in erster Linie die zweite der vier lebenden Töchter ins Auge gefaßt, die Erzherzogin Marie Anna Josepha, geb. d. 7. Sept. 1683, die dann später im J. 1708 den König Johann V. von Portugal heirathete. Graf Horn kann sich in begeisterten Schilderungen der Tugenden und Vorzüge dieser Prinzessin nicht genug thun.
2) Aus der Instruktion ist noch der Mittheilung werth, daß Horn angewiesen wurde, die Versicherung zu geben, der Herzog werde, falls ihm die Erzherzogin bewilligt werde, nicht nur selbst die katholische Religion annehmen, sondern auch nach Möglichkeit sich bemühen, auch seine Mutter und Geschwister durch unermüdete Anmahnung dazu zu bewegen; auch eine Erbverbrüderung mit dem Erzherzoglichen Hause werde Friedrich Wilhelm gern eingehen, wenn nur der betreffende Vertrag mit Brandenburg rechtlich sich auflösen lasse. Nach § 5 soll Horn versuchen, ob vielleicht einige der hohen Wiener Geistlichkeit zu einem Vorschuß zu bewegen seien, um die Kosten der Heimfübrung u. s. w. zu bestreiten - Graf Horn berechnet sie von (  ...  )
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ehe er, der Herzog, die katholische Religion wirklich annehme. Auch die Anordnung, daß der Graf mit dem Beginne der betreffenden Verhandlungen noch warten solle, bis er ein neues Schreiben von Friedrich Wilhelm mit dem Auftrage dazu erhalte, beweist, daß der Herzog nur zögernd die Bahn betrat, auf die der Graf ihn fortzureißen sich bemühte. Auf ein Mahnschreiben des Grafen hin, in dem dieser ihm in verlockenden Farben die Vortheile der geplanten Verbindung schildert, 1 ) entschloß er sich d. 30. Juni, den Befehl zum Beginn der Verhandlungen zu senden. Allerdings stellte er die Bedingung, daß der Kaiser sofort mit der Armee nach Meklenburg komme und Friedrich Wilhelm dann einige Regimenter zu seiner Sicherheit behalten dürfe. 2 )


(  ...  ) Wien auf auf etwa 150000 Th. -, unter der Bedingung, daß Friedrich Wilhelm ihr ein oder zwei taugliche Gebäude zu Klöstern, auch so viele Kirchen zur Bezahlung gebe, wobei Horn besonders Doberan in Vorschlag bringen sollte.
1) Der Graf beantwortet in diesem Schreiben zunächst Friedrich Wilhelms Frage wegen des Abendmahls. Nach seinen Erkundigungen war es unwahrscheinlich, daß der Papst die gewünschte Erlaubniß geben werde, obgleich der päpstliche Stuhl das Recht dazu habe und von diesem Rechte bereits öfter Gebrauch gemacht habe. Dann ist von Witthum, Mitgift, Geschenken und sonstigen Kosten die Rede. Darauf fährt der Graf fort: "Vor Gott bezeuge ich, das dies werck zu Ew. Hochfürstl. Durchl. Ewigen und zeitlichen wolfahrt dienlich halte." "Denn so viel das ewige betrifft - ist in der katholischen Religion bessere aufsicht auf die gewissen als in der protestantischen." - "Was aber das zeitliche belanget, können Ew. Durchl. gn. erwegen, was vor grosse avantages auf dergleichen alliance zu hoffen, absonderlich dürften Ew. Durchl. sodan nicht fürchten, das Jemandt den diesem hoefe sich unterstehen dürffte Jhnen in billigen Dingen contrair zu sein, welches bey denen machinationen hochnötig, welche R. undt Landtschafft schon wieder Ew. Durchl. machen; undt durch dero Eigenes hochfürstl. Haus (Kark Leopold!) vielleicht ferner zu machen schon bemühet sein." Der Graf hoffte also auch für den schon seit Christian Louis' Zeit schwebenden Streit der Krone mit den Ständen Förderung der Interessen der Krone durch sein Eheprojekt.
2) Diese Bedingung so stark zu betonen, hatte Friedrich Wilhelm Grund genug. Trotz aller Verschwiegenheit waren doch Gerüchte in Umlauf gekommen von einem bereits erfolgten oder bevorstehenden Uebertritt des Herzogs und auch schon zur Zeit des Besuches seiner Mutter am schwedischen Hofe dorthin berichtet worden. sowohl der König wie die Königin=Mutter hatten ihr gegenüber davon gesprochen, und dabei war die Aeußerung gefallen, wenn Friedrich Wilhelm übertrete, so werde man ihm conjunctim mit den Andern alles wegnehmen; das möge sie ihm nur sagen. Sicherlich war diese Drohung ernst gemeint, und schon deshalb wird man es als ein Glück für Meklenburg ansehen müssen, daß es davor bewahrt geblieben ist, die (  ...  )
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schon an dieser Bedingung scheiterte der ganze Plan. Es war nicht nur das zaudernde, schnellen Entschlüssen durchaus abgeneigte, im Grunde auch friedliebende Naturell des Kaisers, das einem so durchgreifenden Auftreten entgegenstand, sondern auch die gesammte politische und finanzielle Lage des Wiener Hofes ließ es unthunlich erscheinen, daß man sich allzu tief für Schwerin engagiere. Die österreichischen Finanzen befanden sich in Folge der beiden eben überstandenen Kriege noch in stark angegriffenem Zustande. Dazu kam, daß die spanische Erbfolgefrage, die in jedem Augenblick zum Kriege führen konnte, für die Interessen des Habsburgischen Hauses unendlich wichtiger war, als der Streit um das norddeutsche Herzogthum. Graf Horn erhielt also, als er durch seinen Beichtvater, Pater Bischof, der zugleich der Beichtvater des Römischen Königs und sehr einflußreich in der Kaiserlichen Familie war, dem Kaiser die Werbung mit den Bedingungen des Herzogs vorlegen ließ, eine hinhaltende Antwort, und während er seine Bemühungen fortsetzte, erschien den 4. August 1 ) eine Anzahl kaiserlicher Reskripte über den Güstrowschen Streit, die doch wesentlich anders ausgefallen waren, als der Graf sie zu erreichen gehofft hatte. Ihr Inhalt war folgender:

In einem Schreiben an die Kommissionsmitglieder genehmigte der Kaiser in Kraft seines kaiserlichen Amtes den gemeinsamen Vorschlag von dem Grafen Eck, Wolfenbüttel und Eutin auf die Abtretung von so viel Land außer Ratzeburg, als zur Kompletirung der zwei Drittel nöthig sei. Man möge die beiden streitenden Theile zu diesem Vorschlag nachdrücklich anweisen und sich bemühen, Land und Leute herauszufinden, die nach Untersuchung des wahren Ertrages des Fürstenthums Ratzeburg zur Ergänzung der zwei Drittel noch etwa erforderlich wären, damit der Kaiser für den Fall, daß der eine oder der andere der streitenden Theile eine auf den eigensinnigen Prinzipiis der Minister gegründete Renitenz zeige, 2 ) nicht bemüßigt werde,


(  ...  ) Ursache und der Schauplatz eines neuen Religionskrieges zu werden, bei dem es auf jeden Fall, welche Partei auch siegen mochte, den allerschwersten Schaden leiden mußte.
1) Nach Graf Horn sind sie erst d. 14. August in Neustadt unterzeichnet, nachdem der Kaiser vorher Horn eine Audienz gewährt hatte. In den Tagen vorher wies Horn ein neues Anerbieten des Berliner Hofes zu vermitteln zurück.
2) Diese Wendung ist keineswegs bloß aus dem Streben entsprungen, die Herzöge selbst - aus Höflichkeit - möglichst außer Schuld zu stellen, sondern war besonders auf den Grafen Horn gemünzt, dem man öfter vorwarf, er bestehe weit eigensinniger und härter als sein Herr auf seinen Forderungen.
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solche Verordnung ergehen zu lassen, die zu Beibehaltung der Ruhe und des allerhöchsten Kaiserlichen Respekts gedeihlich sei, da der Kaiser nicht geschehen lassen könne, daß "sein in dem Werk so lange Zeit gebrauchter Glimpf und getragene reichsväterliche Vorsorge", und zumal auch der Kommission sehr große Bemühung fruchtlos bliebe. Die Fürsten möchten bei dem Kreisdirektorium nunmehr auf aue Weise anhalten, daß die Truppen ohne ferneren Anstand aus dem Güstrowschen abgeführt und dem Herzog zu Schwerin der Besitz und Genuß des Herzogthums frei und ledig überlassen werde. Die Zahlung von Geldern an Adolf Friedrich könne er auf keine Weise geschehen lassen.

Der König von Dänemark wurde durch ein besonderes Reskript auf das Schreiben an die übrigen Kommissionsmitglieder, das er in Kopie erhielt, verwiesen; der Kaiser zweifle nicht, daß er sich dem anschließen werde.

Herzog Friedrich Wilhelm wird ersucht, sich zu den zwei Dritteln zu überwinden. Seine Gründe gegen Abtretung von mehr Land außer Ratzeburg zerfielen dadurch, daß es nur ein geringes betreffe und alle Schwierigkeiten sich verhüten ließen, wenn die abzutretenden Landstücke von den Seinigen ganz getrennt würden. So daß keine Kommunion übrig bleibe.

Auf Adolf Friedrich wird ein scharfer Druck zu Gunsten des Kommissions=Vorschlages ausgeübt. Dieser sei für ihn billig und auch sehr vortheilhaft, da er ja ganz ungesichert sei, ob ihm durch einen gerichtlichen Spruch künftig so viel zu Theil werde. Seine Prätensionen, die ganzen 40000 Th. nur in Land und Leuten, und darunter Stadt und Amt Güstrow, zu erhalten. Seien ganz impracticable und wider alle Billigkeit, in der Erwägung, daß die Einkünfte des Herzogthums zu einem Drittel in dem Boizenburger Zoll beständen, weshalb der Kaiser nicht begreife, aus welchen Ursachen der Herzog sich ferner bedenken könne, diesen Vorschlag anzunehmen. Er habe ihn deshalb selbst genehmigt und ermahne den Herzog wohlmeinentlich und ernstlich, er möge seine Prätensionen gänzlich fallen lassen und den Vorschlag ohne ferneren Verzug annehmen. Der Kaiser werde diese Sache ein für alle Mal nicht mehr länger in dem verwirrten Zustande lassen, sondern auf unvermutheten widrigen Fall seine endliche und ernstliche Verordnung ergehen lassen.

Auch den Kreisdirektoren ward die kaiserliche Entscheidung mitgetheilt und dabei die Hoffnung ausgedrückt, daß sie Strelitz nachdrücklich zusprechen und eventuell Friedrich Wilhelm in den Besitz von Güstrow treten lassen möchten.

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Damit war ein etwaiges bewaffnetes Einschreiten des Wiener Hofes in unbestimmte Ferne gerückt und die Weiterführung der Verhandlungen wegen Güstrow, dem Wunsche des Grafen entgegen, wieder vor die Kommission nach Hamburg gewiesen.

Als gewandter Diplomat fand sich Graf Horn bald in die neue Lage, auch in der Fassung, die sie erhalten hatten, schienen ihm die kaiserlichen Reskripte einen gangbaren Weg zu bieten, den Güstrowschen Streit schnell zu Ende zu bringen, 1 ) wenn


1) Das Eheprojekt hatte er schon bei seiner Anwesenheit in Wien im J. 1700 von dem Güstrower Streit zu trennen gesucht, indem er die Verbindung mit einer der Erzherzoginnen, auch wenn Güstrow dadurch nicht zu erhalten sei, als die "glückselichste undt nützlichste" pries, die Friedrich Wilhelm eingehen könne (so in s. Rel. o. 9. August, und ähnlich öfter). Doch blieb die ganze Sache nach Horns Abreise aus Wien Anfang September 1700 ruhen, bis er selbst sie bei einer neuen Anwesenheit in Wien im Oktober 1701 wieder aufnahm. Es fand sich, daß Pater Bischof seit Ende 1700 krank gewesen war und den Kaiser nicht hatte sprechen können. Ende Nov. fand dann ein Gespräch des Paters mit dem Kaiser statt, in dem der Kaiser sich entschuldigte, er habe bisher mit den negotiis, die die spanische Succession beträfen, so viel zu thun gehabt, daß er auf die Vermählung mit Herzog Friedrich Wilhelm "eine vollenkommen seriöse reflexion nicht habe machen können," und eine Antwort binnen 14 Tagen in Aussicht stellte. Graf Horn meldet dies den 30. Nov., nachdem Friedrich Wilhelm ihm den 15. Nov. geschrieben, es scheine dem Kaiser nicht ernst Horn möge sich in der Sache nichts weiter merken lassen, läßt sich aber auch durch diese Weisung nicht abschrecken, in derselben Relation alle seine Ueberredungskunst aufzubieten, um den Herzog zur Fortsetzung der Verhandlungen zu bewegen. Wenn Er seine Intention ändere, so versäume Er "sein ewiges Heil undt die herliche gelegenbeit, wodurch der gütige Gott ihn dazu habe ziehen wollen." "Er beraube sich der glorie, daß Er eines so frommen undt tuegendthaften kaysers Tochter heyrahte, daß er, wie auch der gleich fals so frommen undt tuegendhaften kayserin segen nach Gottes ohnfehlbarer verheißung noch lange auf seine kinder undt nachkommen haften" müsse. Die Vortheile der Verbindung mit dem Kaiserhause für den Herzog wie seine etwaigen Nachkommen werden in den verlockendsten Farben gemalt, die Erzherzogin auch hier wieder als eine Fürstin gepriesen, welche "in Tuegendt, in schöner Gestalt, in annehmlichkeit undt in vollenkommenheit keine in der welt übertrifft noch übertreffen kan." Der Graf mahnt dann, wenn Friedrich Wilhelm zurückziehen wolle, so müsse es in vorsichtiger Form geschehen, um den Kaiser nicht zu erzürnen, und führt schließlich noch eine Anzahl Gründe an, die für die Ehe sprechen, darunter folgende: "das keine grössere zeitliche undt ewige gnade Gottes ist als das heil der Seele undt auf dieser Welt eine glückseelige vergnügte ehe; über welche Ew. hochf. Durchl. niemalen eine glückseligere als diese treffen werden, wegen der Gottesfurcht undt Tuegende der Princessin, undt wegen der katholischen Religion," und "das Ew. hochfürstl. Durchl, in gewissen verbunden sein, dero eigene, undt dero hochfürstl. familie glorie undt hochergehen durch rechtmessige mittel immer mehr undt mehr (  ...  )
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man sich dem durch sie genehmigten Vorschläge anschloß. Eben dies, Unterwerfung unter die kaiserliche Entscheidung für den Fall, daß die Kreisdirektoren ihre Truppen aus dem Güstrowschen herauszögen, rieth Graf Horn noch dem Herzog von Wien aus (d. 18. August), sobald er ungefähr Kenntniß von dem Inhalt der Reskripte erhalten hatte, und eilte dann wieder nach Schwerin.

Die abschließenden Verhandlungen.

Die Kommission ward vom Grafen Eck durch Schreiben vom 8. September auf den 9. oder 13. Oktober wieder berufen, um "den letzten, Gott gebe glücklichen Versuch zu thun".


(  ...  ) in flor undt aufnähme zu bringen: wozue sie durch diese heyraht eine erwünschte gelegenheit erlangen." Die Antwort des Kaisers erfolgte den 14. Dez. (an den Pater) und war wiederum dilatorisch; der sehr gewissenhaft denkende Mann hatte, wie er selber sagte, daran Anstoß genommen, daß Friedrich Wilhelm die katholische Religion nur annehmen wolle, wenn die Heirath vor sich gehe, was den Schein habe, daß nicht die Religion, sondern die Heirath sein hauptsächliches Absehen sei. In demselben Gespräche erklärte er übrigens, er begehre nicht, daß Friedrich Wilhelm sich gebunden halten solle, wodurch die Besorgniß Horns beseitigt ward, daß der Kaiser durch Abbruch der Verhandlungen beleidigt werden könne. Horn wußte sie noch eine Weile in Gang zu halten, und es kam sogar zu Berathungen mit den Grafen Kaunitz und Oettingen über die Ehepakten. Friedrich Wilhelm aber trat einen Schritt zurück, indem er in eine Instruktion vom 9. Dez. 1702 (§ 9) den Passus setzte, "zur annehmung der katholischen Religion für seine persohn könne er sich noch zur Zeit nicht pure erklähren." Er versprach allerdings noch, daß, wenn seine Ehe mit Kindern gesegnet sein werde, sie alle katholisch erzogen werden sollten, aber damit war man in Wien nicht zufrieden. In einem Entwurf der Ehepakten, den Graf Kaunitz den 11. Juli 1702 dem Grafen Horn in die Feder diktierte, heißt es § 9; "Die annehmung der catholischen Religion ist Conditio sine qua non." Noch einmal nahm Horn Ende 1702, als er wieder in Wien war. Seinen alten Plan wieder auf, mußte aber selbst d. 7. Jan. 1703 zugeben: "Die Hoffnung scheint mehr ab= als zuzunehmen." Der Kaiser stieß sich besonders daran, daß Friedrich Wilhelm sich zum Uebertritt noch nicht entschließen wolle, dies sei sein hauptsächlichstes Motiv gewesen, warum er sich so weit in die Sache eingelassen habe. Die Relation, in der Horn dies berichtet, ist das letzte Aktenstück des betr. Aktenfascikels (in den Acta Matrimonialia Friedrich Wilhelms). Eine Antwort, die der Kaiser durch Graf Kaunitz geben zu wollen versprochen hatte. Scheint nicht erfolgt zu sein. Von beiden Seiten gab man das Projekt endgültig auf. Ein halbes Jahr später ward Generalleutnant v. Schwerin nach Kassel gesandt, um dort Verhandlungen wegen Vermählung Friedrich Wilhelms mit der Prinzessin Sophie Charlotte anzuknüpfen, die zur ehelichen Verbindung beider führten.
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Friedrich Wilhelm sagte den 17. September das Wiedererscheinen seiner Räthe zu. Auch Adolf Friedrich erklärte sich den 18. September bereit, die Kommission wieder zu beschicken, setzte aber hinzu, wenn seine Forderungen vom 8. Juni nicht zur Grundlage genommen würden, so sehe er nicht, welchen Nutzen die Verhandlungen noch weiter haben könnten. Zu gleicher Zeit ließ er unter dem Beistand des Berliner Hofes, der sich seiner hierin annahm, bei Schweden und Celle um Weiterbewilligung der 30000 Th. nachsuchen und wandte sich kurz vor dem Beginn der Kommissionssitzungen d. 9. Oktober abermals an den Kaiser in Erwiderung des Reskriptes vom 4. August. Er führt die Entscheidung des Kaisers auf "ungleichen Bericht" zurück, wiederholt seine Bitte, daß sein Ultimatum zur Grundlage der Verhandlungen gemacht werde, und fügt die neue hinzu, daß andernfalls die Entscheidung neben der Kommission dem Kreisdirektorium übertragen und inzwischen die Zahlung der Gelder nicht verhindert werde.

Die Kommission trat also wieder zusammen, auch Dänemark, obwohl mit dem Vorgehen des Kaisers nicht einverstanden, 1 ) schied doch deswegen nicht aus, ließ aber noch vor dem Beginn der Verhandlungen bei Eutin und Wolfenbüttel erinnern, daß es die Forderung Adolf Friedrichs (Güstrow) billig finde. Zu den Verhandlungen kam den 12. Oktober neben Vermehren und Taddel auch Graf Horn nach Hamburg hinüber, wo man Petkum schon vorfand.

Bei den Besuchen und Vorbesprechungen war bereits davon die Rede, welche Aemter etwa Friedrich Wilhelm zu Ratzeburg am füglichsten zulegen könne. Probst machte eine Andeutung auf Gadebusch: in diesem Amte lagen die Güter des Grafen Bernstorff und des Herrn v. Fabricius, die beide wohl Adolf Friedrichs Regiment dem schärferen Schweriner vorzogen. Auch


1) Der König von Dänemark beantwortete das Reskript vom 4. August den 11. September, nachdem der Krieg mit Schweden d. 18. August durch den Frieden zu Travendal vorläufig beendet war: Er hoffe, daß des Kaisers Meinung nicht sei, die Handlung abzubrechen, wenn sich unübersteigliche Schwierigkeiten gegen den Vergleich auf dem Fuß des Kaiserl. Reskriptes erhöben. Sondern vielmehr beiden Parteien weiter zuzusprechen und so "dato et retento" den Vergleich zu vermitteln. Der Kaiser antwortete d. 22. Oktober, er finde keine Ursache, von seiner Resolution abzuweichen und ersucht um Mitwirkung zu ihrer Ausführung, "inmaßen Wir schon bedacht sein, Unß auch die Mittel nicht ermangeln würden, die von Ew. Lbd. gemeldete insuperable difficultäten zu überwinden"; wieder recht stolze Worte, aber welches waren diese Mittel?
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von Mirow war die Rede, was aber Friedrich Wilhelm nicht gern in Vorschlag kommen lassen wollte, da es für Karl Leopold eine gute Apanage abgeben werde, sondern lieber Zarrenthin oder Rhena.

Die erste Sitzung der neuen Tagung fand d. 16. Oktober statt. Die Schweriner Deputirten gaben hier die Erklärung ab, daß Friedrich Wilhelm sich dahin überwunden, auf das kaiserliche Reskript vom 4. August einzugehen, mit dem Vorbehalte, daß Adolf Friedrich es ebenfalls sogleich thue und das Kreisdirektorium seine Truppen auch wirklich aus dem Güstrowschen zurückziehe oder, falls Adolf Friedrich sich nicht sofort erkläre, nichts desto weniger der Besitz von Güstrow Friedrich Wilhelm frei und ledig überlassen werde.

Die Strelitzer Erklärung, die nach der Schweriner abgegeben ward, lautete dahin: Weil Adolf Friedrich in seinem Gewissen überzeugt sei, daß das Herzogthum Güstrow auf ihn und seine männlichen Nachkommen verstammt sei, könne er es nicht verantworten, sich desfalls in ein ihm fremdes Stück Landes einweisen und aus dem Seinigen entsetzen zu lassen. Er hege zu Kaiserl. Maj. das Vertrauen, daß sie sich zu milderen Gedanken entschließen werde.

Von den Mitgliedern der Kommission stellte sich der dänische Bevollmächtigte, laut seiner Instruktion, offen auf die Seite von Strelitz, die andern drei blieben unter sich einig, hielten an der Verordnung vom 4. August fest und redeten in den nächsten Tagen Petkum mehrfach eifrig zu, seine Forderungen herabzustimmen. Da er nicht nachgab, so blieb nichts übrig, als die Verhandlungen - sogleich nach diesem neuen Beginn - wieder auszusetzen und an den Kaiser zu berichten. Die Absendung des Berichtes ward indessen noch einige Tage aufgehalten durch das Eintreffen des brandenburgischen Antwortschreibens auf das Reskript vom 4. August, das zu allerlei Erwägungen Anlaß gab.

Es hieß darin, der Kurfürst sehe die Differenzen je eher je lieber aufgehoben und wolle sich bemühen, daß Adolf Friedrich sich zur Einwilligung in die zwei Drittel an Land und Leuten entschließe. Freilich sei zu bezweifeln, ob Ratzeburg dazu ausreichend sei, man müsse aber hoffen, daß so viel zugelegt werde, damit die zwei Drittel Landes sich fänden. Wegen Abführung der Truppen lasse er mit den Kondirektoren verhandeln und sei versichert, daß sie nicht weniger wie er selbst der Intention des Kaisers gerne sowohl in diesem wie in dem andern Punkt

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wegen der von Strelitz abermals verlangten Beihülfe aus dem Güstrowschen, so viel möglich, beitreten würden, wiewohl Adolf Friedrich fast kläglich vorstelle, wie unglücklich er sei, daß ihm dergestalt die zu seinem nothdürftigsten Unterhalte und zur Hinausführung der Sache unumgänglich erforderlichen Mittel auf einmal abgeschnitten würden.

Das Reskript ward in Wien als ein Schritt zum Entgegenkommen von Seiten Brandenburgs aufgefaßt, es schien die Aussicht zu eröffnen, daß Brandenburg sich von den beiden Mitdirektoren eventuell, wenn diese noch weiter Schwierigkeiten machten die Truppen zurückzuziehen, trennen und seine Truppen auf eigene Hand zurückziehen werde. Im Hintergrunde stand dann die Hoffnung, daß vielleicht Brandenburg sich bewegen lassen werde, für den Kaiser und in seinem Namen zu Gunsten Friedrich Wilhelms einzuschreiten. 1 )

Graf Horn war weniger mit der brandenburgischen Antwort zufrieden und hatte sehr recht damit, wenn er von Brandenburg nicht allzu viel Gutes für Schwerin erwartete. Sein Mißtrauen fand schnelle Bestätigung, denn wenn sich auch Brandenburg in Bezug auf Adolf Friedrichs Forderung der Stadt und des Amtes Güstrow jetzt entschieden auf die Seite Schwerins stellte, so fing doch der Gesandte in Hamburg - jetzt nicht mehr v. Busch, sondern v. Guericke - in eben diesen Tagen, wenn auch nach seiner Aussage nur von sich aus, darüber an zu sondiren, ob Friedrich Wilhelm nicht zu Ratzeburg auch den Stargardischen Distrikt geben würde. 2 )


1) In eben diese Zeit fallen die letzten Verhandlungen zwischen Brandenburg und dem Kaiserhof über die Königskrone. Der Traktat kam d. 16. Nov. zum Abschluß. Darin stand ein Artikel (art. separat. 4), daß der Churfürst verspreche, den Mitdirektoren die Deklaration zu thun, daß er sich den kaiserlichen Reskripten konformire und seine im Meklenburgischen stehenden Truppen abführen lassen wolle, und bei den Mitdirektoren wie den streitenden Theilen alle nachdrücklichen officia anzuwenden, daß auch sie sich damit konformirten. Trotz dieses Versprechens hat Brandenburg es vermieden, sich von den Mitdirektoren zu trennen.
2) Die erste Instruktion des neuen Brandenburgischen Bevollmächtigten, des Magdeburger Regierungsrathes Leberecht v. Guericke, ist datirt v. 27. Sept. 1700. Sein Vorgänger, Herr v. Busch, wird darin beschuldigt, daß er zu sehr "vor die Partey von Schwerin portirt" gewesen sei. Guericke solle sich ganz unparteiisch halten und so, daß Brandenburg ebensowenig beim Kaiser als beim dänischen Hof anstoße, da der Kurfürst "aus allerhand wichtigen considerationen" diese beiden Höfe gern zufrieden stellen oder wenigstens ihnen keine Ursache mit Fug (  ...  )
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Den 25. Oktober ging die Relation der Kommission durch einen Schwerinischen Kourier ab. Bis zum Eintreffen der Antwort blieb man auf Betrieb der Schweriner in Hamburg zusammen, nur daß Graf Horn schon den 25. wieder nach Schwerin reiste.

Die Zeit verging mit Versuchen, Petkum nachgiebiger zu stimmen, auch hatte man den Eindruck, als wenn er persönlich, ähnlich wie früher Gutzmer, nicht abgeneigt sei, die Forderung von Güstrow, das Haupthinderniß der Einigung, fallen zu lassen, allein er äußerte Starke Zweifel, ob Adolf Friedrich zum Nachgeben zu bewegen sein werde. 1 ) Den 28. ward eine Kommissions=


(  ...  ) über ihn in der Sache zu klagen geben wolle. Guericke solle versuchen, ob mit dem dänischen Vorschlag - er war in einem Schreiben vom 18. September von dem Könige dem Kurfürsten mitgetheilt -, der ihm "nicht übel stehe", auszukommen sei. Diese Instruktion, daß er den dänischen Vorschlag, also die Abtretung des Amtes Güstrow an Adolf Friedrich, unterstützen solle, verschwieg Guericke, wie er den 12. Oktober berichtet, dem Grafen Horn aus Rücksicht auf den Kaiser und Friedrich Wilhelm. Man billigte dies in Berlin und wies ihn den 26. Oktober an, jetzt von der Abtretung von Güstrow gänzlich zu abstrahiren und die Sache so zu leiten, daß Graf Eck zufriedengestellt werde, dabei aber sich nicht gänzlich auf die Seite von Schwerin zu werfen, daß der dänische Hof dadurch verstimmt werde. In derselben Instruktion spricht sich der Kurfürst über seine Stellung zu Friedrich Wilhelm und zu der Rechtsfrage des Streites aus: Er habe vor einigen Jahren Friedrich Wilhelm Assistenz versprochen, aber doch nur insoweit, als er dessen Ansprüche im Recht und in der Billigkeit gegründet finde, und da könne er nicht leugnen, daß, nachdem er von einigen unparteiischen, gelehrten und gewissenhaften Juristen sich über die Sache habe belehren lassen, er des Herzogs von Strelitz Jura weit besser fundirt gesunden habe als die des Herzogs von Schwerin; überdem habe auch der Herzog von Schwerin dem Vergleich in verschiedenen "gahr essentiellen passibus" zuwider gehandelt. Der Kurfürst wolle trotzdem bei seiner dem Kaiser gegebenen Erklärung (in dem Antwortschreiben auf das Reskript vom 4. August) bleiben, könne aber doch auch den Herzog von Strelitz nicht zwingen, die Schweriner Anerbietungen wider seinen Willen anzunehmen. - Die hierin erwähnte rechtliche Belehrung ist ein Aktenstück, datirt vom 20. August, das in Kopie ohne Unterschrift den mir übersandten Akten beilag, und das sich in der Rechtsfrage vollständig auf Seite Adolf Friedrichs stellt. (Aus den Berliner Akten.)
1) Den 26. Oktober übersandte Guericke nach Berlin ein Schreiben der Herzogin von Strelitz v. 21. Sept., die damals schon schwer krank war, worin die Herzogin die Kreisdirektoren ersucht, die Kuratel ihrer Kinder neben ihrem Gemahl mit zu übernehmen und diesem zum völligen und ungeschmälerten Besitz von Güstrow zu verhelfen. Zugleich berichtete Guericke über eine hierauf bezügliche Unterredung mit Petkum. Dieser hatte erzählt, Adolf Friedrich habe den Kaiser gebeten, die Entscheidung über die Erbfolge den Kreisdirektoren mit aufzutragen. Nach (  ...  )
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Sitzung gehalten, worin Petkum sich verpflichtete, seinem Herrn die Forderung der Kommission, er möge seinen Anspruch auf Stadt, Amt und Votum von Güstrow fallen lassen, zu übermitteln.

Den Schweriner Räthen andererseits ward aus ihrem Verkehr mit den Kreisministern und den Kommissionsmitgliedern immer klarer, daß sich zwischen diesen mehr und mehr ein Einverständniß herstellte darüber, daß die Ergänzung der zwei Drittel an Land und Leuten aus dem Stargardischen zu entnehmen sei, besonders schien man Stadt und Amt Stargard selbst ins Auge gefaßt zu haben, was für die Schweriner recht empfindlich war wegen der großen Ausdehnung dieses Amtes und des zahlreichen darin ansässigen Adels. Den 15. November 1 ) langten als kaiserliche Antwort auf den letzten Kommissionsbericht sechs kaiserliche Reskripte an, vom 4. November datirt. Drei davon waren an die Kreisdirektoren adressirt, die an Schweden und Lüneburg waren gleichlautend, während Brandenburg ein besonderes erhielt. Man las nämlich aus dem Schreiben des Kurfürsten heraus, daß er sich der Intention des Kaisers auch in Betreff der Kreistruppen anschließe und eventuell auch ohne die Zustimmung der Mitdirektoren seine Truppen aus dem Güstrowschen zurückzuziehen bereit sei, wie denn auch in der That wenige Tage später in dem am 16. November abgeschlossenen Traktat mit dem Kaiser Branden=


(  ...  ) Petkums Ansicht vertrug sich hiermit das Gesuch der Herzogin nicht, da die Direktoren nicht zugleich Richter und des Prinzen Kuratoren sein könnten. Er hatte deshalb Guericke gebeten, das Gesuch der Herzogin vorläufig zu menagiren. Petkum hatte dabei gestanden, daß es, falls der Kaiser der Bitte Adolf Friedrichs "und dem bekannten alten Fürstenrecht" nicht solle stattgeben wollen, bei Frankreich durch die Vermittelung von Dänemark schon dahin incaminirt sei, daß Frankreich auch über dieses den deutschen Fürsten zukommende Recht die Garantie leisten werde. In seiner Antwort auf diesen Bericht, dat. vom 5. Nov., mißbilligt der Berliner Hof dieses Hineinziehen Frankreichs in die Sache auf das Entschiedenste, weil dadurch in Wien alles verdorben und auch das Kreisdirektorium, das sich bisher Adolf Friedrichs so treulich angenommen, disgustirt werde. Strelitz gab darauf diese Verhandlungen mit Frankreich auf. (Aus d. Berl. Akten.)
1) Den 13. Nov. kamen zwei Reskripte an Eck und Adolf Friedrich, die eine Antwort waren auf Ecks Spezialbericht vom 16. Oktober. Eck erhielt Befehl, den Kreisministern zuzusprechen, daß auf fernere Renitenz von Strelitz doch die Kreisvölker aus dem Güstrowschen abgeführt werden möchten. Adolf Friedrich ward nochmals ernstlich zur Annahme der Verordnung vom 4. August ermahnt; eine Cession seiner Ansprüche an einen Mächtigeren - womit Petkum gedroht hatte - werde der Kaiser für null und unkräftig erklären.
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burg ein solches Versprechen gegeben hat. Der Kaiser giebt also dem Kurfürsten sein gnädiges Gefallen darüber zu erkennen und verspricht, daß Strelitz, wenn Ratzeburg so viel nicht austrage, mit andern Landstücken Satisfaktion erhalten solle.

Schweden und Celle werden benachrichtigt, daß Friedrich Wilhelm den Kommissionsvorschlag angenommen; Adolf Friedrich habe keine befugte Ursache, sich ihm zu widersetzen, auch könne der Kaiser das Werk nicht länger in diesem Zustand lassen, sondern werde gemüßigt werden, andere reichskonstitutionsmäßige Mittel vorzukehren. Beide Fürsten erhalten die dringende Aufforderung, die Truppen abzuführen, der Kurfürst von Brandenburg habe sich bereits dazu willig erklärt.

Adolf Friedrich ward auf seine Schreiben vom 8. Juni und 9. Oktober abschlägig beschieden: der Kaiser finde keinen Anlaß, von den Reskripten des 4. August abzugehen.

Das fünfte und sechste Schreiben galten der Kommission, die aufgefordert ward, die Traktaten nunmehr zu Ende zu bringen, und dem Grafen Eck.

Einige Tage vergingen unter fruchtlosen Verhandlungen mit Petkum, der noch eine neue entscheidende Instruktion erwartete. Endlich, den 22. November, legte er diese der Kommission vor. Adolf Friedrich zog darin seine Forderung von Stadt und Amt Güstrow mit dem Votum zurück und erklärte sich - "mit großer Ueberwindung", wie man ihm glauben darf - bereit, das ,"so gar schlechte Fürstenthum Ratzeburg pro fundamento zu setzen, knüpfte aber diese Zustimmung an eine ganze Reihe von Bedingungen, die zuvor festzusetzen seien: 1. Es solle zu Ratzeburg der ganze Stargardische Kreis, der jetzt nur 9024 Rth. freie Revenüen eintrage, nebst der darin belegenen Komthurei Mirow ohne weiteres Rechnen an Stelle der zwei Drittel cum omni jure gelegt werden. Zur Begründung dieser Forderung wird darauf hingewiesen, daß durch die Sequestrationsverwaltung mehrere Tonnen Goldes von den Schulden des Herzogthums Güstrow bereits abgetragen seien, daß also die Einkünfte Friedrich Wilhelms höher sein würden, als früher berechnet sei; ferner wird auf die Vermählung der Prinzessin Sophie von Güstrow 1 ) hingewiesen, durch welche Friedrich Wilhelm der Verpflichtung, ihr eine


1) Sie heirathete den 6. Dez. 1700 den Herzog Christian Ulrich zu Württemberg=Oels.
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Apanage zu zahlen, ledig werde, was ebenfalls seine finanzielle Lage verbessere.

2. Das übrige Drittel solle aus dem Boizenburger Zoll gezahlt werden, gleichfalls cum omni jure.

3. Zur Erbauung einer Residenz seien sogleich 50000 Th. baar auszuzahlen.

4. Die 40000 Th. seien noch für das laufende Jahr aus der Sequesterkasse zu zahlen.

5. Ebenso auch, was seiner Gemahlin an Dotal= und andern Geldern noch restire nebst den rückständigen Zinsen.

6. Von Friedrich Wilhelm seien die durch den Lübecker Vergleich Adolf Friedrich zugesprochenen 3000 Th. jährlicher Revenüen anderweitig anzuweisen.

7. Auch die andern rückständigen Gelder (d. s. die alten Grabowischen Forderungen) seien mit allen Zinsen zu zahlen.

8. Stadt und Amt Güstrow sei der Herzogin=Wittwe auf Lebenszeit als Witthumssitz zu lassen.

Das Aktenstück schloß mit der förmlichen und von Adolf Friedrich ohne Zweifel sehr ernst gemeinten Versicherung, daß, gleichwie er sich lediglich aus Respekt vor dem Kaiser und ihm zu Ehren, wie wohl mit "innerster Desolation und Betrübniß", zum Eingehen auf diese Bedingungen erkläre, also auch keine Extremität groß genug sein werde, die ihn und die Seinigen zur Annahme eines anderweitigen Stückes zu dem Fürstenthum Ratzeburg nöthigen könne.

Nach dem Eindruck der Schweriner Räthe war die Kommission mit dieser Erklärung nicht zufrieden und teilte die Meinung der Schweriner, daß auf diese Weise die Sache noch nicht zu heben sei, allein, wenn dieser Eindruck nicht überhaupt eine Täuschung war. So mochten doch die Subdelegirten der Kommission hinter den Worten Adolf Friedrichs allzu deutlich den bitteren, entschlossenen Ernst spüren, um nicht den Versuch zu machen, ob man nicht Schwerin zu weiteren Zugeständnissen in der Richtung der Strelitzer Erklärung bringen könne.

Sie fingen also sogleich an, den Schweriner Deputirten zuzureden, sie möchten ihrem Herrn rathen, sich noch ferner zu überwinden und wenn nicht in Allem, was sie nicht verlangten, so doch noch in Einigem nachzugeben. Die Schweriner wiesen dies zunächst ab und bestanden darauf, daß Strelitz vor der weiteren Verhandlung über Ergänzung der zwei Drittel sich bestimmt und uneingeschränkt zur Annahme von Ratzeburg mit

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Votum bereit erkläre, allein auf hartes Zureden der Kommission sandten sie ein Referat nach Schwerin zur Einholung weiterer Instruktion und baten, daß Graf Horn mit Voltmacht wieder nach Hamburg gesandt werde. Das Referat ging den 23. November ab; an demselben Tage schrieb Graf Eck einen Brief nach Schwerin, 1 ) der die allgemeine politische Lage wie auch die schlechten Aussichten für Schwerin in kurzen Strichen treffend kennzeichnet: "Horn ist jezo Noth, aut nunquam, denn die Sachen müßen nun zu ende gehen, es gehe wie es wohl (verschrieben für wolle) zu frid oder ruptur. Die Zeitten wollen vor Deutschlandt schlimmer werden, man sehe, daß man nun zu dem seinigen komme, damit mans in gutten Zeitten, welche ob gott will folgen werden, genießen kan." Der brandenburgische Minister habe "absolute" erklärt, daß er ohne den Stargardischen Kreis in nichts willigen werde, Schweden sei gleicher Meinung, 2 ) Celle, in so weit indifferent. Schließe sich doch den beiden an. "Getraut man sich nun diese zwei zu superiren, wohl und gutt, wo nicht, muß man sein Seel in gedult faßen." "Der Kaiser=Hoff, wird ohne dem genug embarassirt seyn, 3 ) also von selbigem dato wenig hilff zu gewarten."

Graf Horn befand sich gerade mit General Geschwind, dem kaiserlichen Kommissar zur Schlichtung des Streites zwischen der Krone und den Ständen wegen der Fortifikationssteuer, in Rostock, als diese Hiobsposten in Schwerin einliefen. Der Herzog sandte ihm Ordre, sobald wie möglich nach Schwerin zurückzukommen, um von dort wieder nach Hamburg zu gehen. Einstweilen erhielten die dortigen Räthe Befehl, zu remonstriren, daß Friedrich Wilhelm sich nimmer zur Abtretung des ganzen Stargardischen Distriktes entschließen werde. Sie hatten aber damit wenig Glück, man hielt ihnen entgegen, der Kreis wolle es so haben, und sei sonst kein Auskommen.


1) Der Adressat ist nicht genannt, wird aber mit Baron angeredet; es wird v. Löwen sein.
2) Es ist eine Ironie der Geschichte, daß diese für Schwerin recht drückende Bedingung ihm gerade von den beiden Mächten aufoktroyirt ward, deren Beistand es damals am meisten sicher zu sein glauben mußte. Weder ließ sich Schweden durch den Allianzvertrag, noch Brandenburg durch die Klausel in dem Wiener Vertrage hindern, um Meklenburg=Schwerin nicht bedrohlich stark werden zu lassen, Strelitz möglichst günstige Bedingungen zu verschaffen.
3) Den 15. Nov. hatte Eck schlechte Nachricht über das Befinden des Königs von Spanien Karl II. erhalten. Er äußerte sich sehr bekümmert darüber, denn wenn sie sich bestätigten. So werde es den Kaiserhof sehr behindern, mit Nachdruck für Friedrich Wilhelm zu arbeiten. König Karl war in der That schon den 1. November gestorben.
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Auch Graf Eck schloß sich unter vielen Versicherungen, an deren Aufrichtigkeit nicht zu zweifeln ist, daß er gerne für die Schweriner günstigere Bedingungen erwirkt hätte, dem allgemeinen Konzerte an; in einer Unterhaltung mit den Schwerinern, über welche diese den 30. November berichten, beklagt er lebhaft, daß der Kaiser wegen der spanischen Erbfolge nicht im Stande sei, mit gehörigem Nachdruck in der Sache zu verfahren, er brauchte dabei den unumwundenen Ausdruck: Wie s. Durchl. "auf honteuse Manier" depossedirt sei, so bleibe auch nichts übrig, als auf "honteuse Conditiones" wiederum ins Güstrowsche zu kommen. Die Räthe setzen ihrem Bericht über diese Aeußerung die bezeichnenden Worte hinzu: "Gewißlich, Wir haben solchen kläglichen außspruch von einem Kayserlichen Ministro nicht ohne sonderliche gemüthsbewegung anhören können." In der That kann man die Leistungsunfähigkeit der damaligen Kaisermacht kaum drastischer aussprechen. 1 )

Den 30. November Nachmittags kam Graf Horn in Hamburg an mit einer Instruktion, die ihm Vollmacht ertheilte, die Einkünfte des Fürstenthums Ratzeburg, wenn es nicht höher könne ausgebracht werden, zu 19000 Rth. anzusetzen und den Rest der zwei Drittel, wenn es nicht anders sein könne, auf die Aemter des Stargardischen Kreises anzuweisen, doch ohne Adel und Städte und ohne Territorialhoheit; dabei könne er jedoch "simuliren", daß man lieber geneigt wäre, die Aemter Mirow und Rehna oder Rehna und Zarrentin abzutreten.

Den 1. Dezember trat er mit der Kommission in Konferenzen ein, doch privatim und ohne Verbindlichkeit. Er bot für Ratzeburg Rehna und Zarrentin an, und zwar diese beiden sogleich mit der Landeshoheit, daneben auch Mirow, doch ohne Landeshoheit, erhielt aber die Erwiderung, Strelitz bestehe auf dem Stargarder Distrikt. Horn wünschte, daß die Kommission erst sondire, ob Strelitz mit obigem zufrieden sei, andernfalls werde Friedrich Wilhelm die Aemter Stargard und Broda nach ihrem jetzigen wahren Ertrag, doch ohne Landeshoheit und ohne Adel und Städte geben. Er machte indessen die Beobachtung, daß die Kommission außer Eck darauf abziele, daß Alles, was abgetreten werde, mit der Landeshoheit gegeben werde, und ferner,


1) Einige Tage später berichtete Eck offen nach Wien: Er habe den Schwerinern vorgestellt, daß der Kaiser nicht in der Lage sei, ihnen zu helfen, und daß unter diesen Umständen neue kaiserliche Reskripte ebenso wenig fruchten würden wie die früheren. Mit welchen Gefühlen mag Kaiser Leopold diese Worte gelesen haben?
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daß man es auf den ganzen Stargardischen Distrikt abgesehen habe; der dänische Delegirte verlangte auch Mirow, wovon aber die andern absahen.

In Erkenntniß dieser Sachlage ließ er sich dann schon den 2. Dezember in tiefstem Vertrauen gegenüber Eck, Probst und John dahin aus, daß er Friedrich Wilhelm dazu disponiren wolle, die Domänen des Stargardischen Distriktes mit der Landeshoheit Adolf Friedrich zu überlassen, doch ohne Adel und Städte. Ja, als man ihn fragte, ob Friedrich Wilhelm nicht zu disponiren sein möchte, die Städte Strelitz, Stargard und Wesenberg, welche so nahe bei den Amtshäusern lägen, was leicht zu Kollisionen Veranlassung geben könne, ebenfalls an Strelitz zu überlassen, antwortete er: Wenn es darauf ankomme, glaube er nicht, daß Hochf. Dchl. den Vergleich werde zerfallen lassen.

Er selbst berichtete dies noch am 2. Dezember und äußerte zugleich die Ansicht, Friedrich Wilhelm könne bewilligen, was er, Horn, in Aussicht gestellt. Was aber den Adel und die übrigen Städte außer den drei genannten betreffe, so könne er nicht anders sagen, als daß der Herzog sie ohne seinen unüberwindlichen Schaden nicht abtreten könne, es sei denn, daß er sie darum opfern wolle, damit er einmal zu Ruhe und Friede und aus dieser so große Spesen erfordernden, auch so viele heimliche Intriguen in sich haltenden Sache kommen möge. Es war eine Form des Abrathens, die dem Gegentheil recht ähnlich sah.

Im Schweriner Ministerrath 1 ) hatte man an Horns Verfahren Manches auszusetzen. Man war zwar mit der Ansetzung der Einkünfte von Ratzeburg auf 19-20000 Th. einverstanden, billigte auch die Abtretung von Rehna und Zarrentin mit der Landeshoheit, nicht aber, daß Horn sich sogleich zu Beginn der Verhandlungen dazu verstanden; er sei damit zu geschwind vorgegangen, ebenso mit der Abtretung von Stargard. In diesem Sinne ward ein Reskript abgefaßt, das den 5. Dezember an den Grafen abging. Darin ward außer Ratzeburg noch einmal Rehna und Zarrentin mit Landeshoheit angeboten, die Abtretung der Domänen des ganzen Stargardischen Kreises abgelehnt, aber die Geneigtheit des Herzogs ausgesprochen, eventuell die Aemter Stargard und Broda und die Stadt Stargard, ohne die übrigen Städte und den Adel und ohne Landeshoheit, abzugeben; wenn sich an der Landeshoheit dieser beiden Aemter der Vergleich allein


1) Die Sitzung fand d. 4. Dez. statt, Löwen, Koppelow und Beselin nahmen daran Theil.
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stoßen sollte, so werde der Herzog sich nach fernerer Relation entscheiden.

Darauf brach Graf Horn die privatim gepflogenen Unterhandlungen als erfolglos geblieben ab, und den 6. Dezember reichten Vermehren und Taddel eine von dem Grafen gebilligte offizielle Erklärung bei der Kommission ein, als Erwiderung auf das Strelitzsche Anbringen vom 22. November. Sie hatte folgenden Inhalt: Es sei aus der Strelitzer Erklärung nicht zu ersehen, daß Adolf Friedrich sich pure und cathegorice erkläre, Ratzeburg nach seinem jetzigen wahren Ertrage anzunehmen, sondern die desfalls abgegebene Erklärung sei ganz zweifelhaft und an zum Theil neue, zum Theil auch zu dieser Kommission nicht gehörige, unbillige Forderungen gebunden. Friedrich Wilhelm sei keineswegs gemeint, sich darüber und also auf neue Traktaten einzulassen, vielmehr beharre er fest und unbeweglich auf der kaiserlichen Verordnung vom 4. August. Als Supplement der zwei Drittel sei er erbötig, die Aemter Rehna und Zarrentin - im Ertragswerthe von 4499 und 1853 Th. - abzutreten. Die Räthe ersuchen die Kommission inständigst, dafern Adolf Friedrich nicht spätestens in 14 Tagen sich zur Annahme dieser Offerte kathegorisch erklärt, beim Kreisdirektorium ihre unablässigen und kräftigen Dienste dahin anzuwenden, daß es seine Truppen unverweilt aus dem Güstrowschen ziehe.

Bei der Abgabe dieser Erklärung stellte Graf Horn, der zugegen war, nach dem Bericht der Räthe noch einmal "gründlich und mascule" vor, daß Friedrich Wilhelm nicht weiter gehen könne, ehe nicht die Kommission von den Kreisministern in authentischer Form herausgebracht, woran sich die Evacuation von Güstrow stoße. Graf Eck sprach laut und offen vor den übrigen Subdelegirten aus, er finde und werde auch an den Kaiser berichten, daß Friedrich Wilhelm genug gethan. Darauf trat man in eine Unterhaltung extra protocollum, in der schließlich Graf Horn der Kommission anheimgab, sie möge die Forderungen der Kreisdirektoren, falls sie solche seinem Herrn quasi pro legibus anmuthen wolle, sich von diesen geben lassen und dem Herzog zuschicken. 1 )


1) Unter dem Eindruck der Verhandlungen dieses Tages entwarf Horn ein Additamentum zu der Erklärung vom 6., in dem eventuell die Domänen des Amtes Stargard angeboten werden, ohne Landeshoheit. Da die beiden Räthe sich weigerten, es aus eigene Verantwortung zu unterschreiben, so wurde es nach Schwerin geschickt, hier aber abgelehnt (d. 9.), nachdem inzwischen (d. 7.) in Hamburg schon der entscheidende Schlag gefallen war.
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Diesen Weg beschritt indessen die Kommission nicht, da sie nicht die ganze Sache aus den Händen geben und den Kreisministern überlassen wollte, vielmehr war bereits eine gemeinsame Punktation der Kommission wie des Kreisdirektoriums verabredet, die Friedrich Wilhelm zu übergeben sei mit der Versicherung, daß, im Falle er sie eingehe, die Kreistruppen sofort abberufen werden sollten. Den Inhalt dieser Punktation bildete das Resultat einer Konferenz, die am Sonnabend, den 4., von Mittag bis tief in die Nacht im Hause des schwedischen Gesandten von Lissenhaim zwischen den Kreisministern und der Kommission stattgefunden hatte, 1 ) und in der über die wichtigsten Einzelheiten Einigung erzielt war; zuerst über die Ertragsabschätzung von Ratzeburg (zu 19000), Stargard (zu 9000) und Mirow (zu 3000 Th.). Daran hatten sich Verhandlungen über Trennung des Adels geschlossen. Der Kanzler von Wolfenbüttel hatte, durch ein Gespräch mit Graf Horn am vorigen Abend bestimmt, Trennung vorgeschlagen, die aber abgelehnt ward, da unendliche Querelen des Adels zu befürchten seien. Darauf hatte man ein paar Stunden damit zugebracht, die Hoheitsrechte, die Adolf Friedrich erhalten sollte, zu untersuchen und zu Papier zu bringen. Auch von der Räumung von Güstrow war die Rede. Die Direktorialminister versprachen Ordre deswegen einzuholen. Sie erhoben dann die Forderung, daß eine Amnestie für die Zeit der Interimsregierung in den Vertrag aufgenommen werde, was die Kommission annahm. Die Punkte 5, 6, 7 und 8 der Strelitzer Erklärung vom 22. November wurden abgelehnt, weil sie nicht zu gegenwärtiger Verhandlung gehörten. Für Punkt 3 und 4, die die Kommission ebenfalls übergehen wollte, trat Guericke ein mit Rücksicht auf eine Summe von 10000 Th., die der Kurfürst Adolf Friedrich geliehen hatte; es ward verabredet, Petkum darüber zu befragen. Dies geschah am Sonntag Mittag nach dem Gottesdienst im Hause des Herrn v. Fabricius. Man theilte hier Petkum die ganze Vereinbarung mit, doch dauerte es lange, bis man ihn dazu bewogen, die verabredeten Ertragssätze wie das Uebrige anzunehmen, auch alles seinem Herrn als eine Sache, an der nichts weiter zu ändern sei, zu empfehlen. Man mußte ihm versprechen, daß das Direktorium nochmals auf 16000 Thaler zum Schloßbau antragen und wegen der diesjährigen Kompetenzgelder für Adolf Friedrich


1) Die Vorgänge vom 4. und 5. und die Bedenken der Ritterschaft am 7. nach einer Rel. v. Guericke, dat. v. 7. Dez., aus den Berl. Akten.
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unter der Hand ein ansehnliches zu thun suchen wolle. 1 ) Auch hier war wieder von der Räumung die Rede, Lissenhaim erklärte, er habe deswegen Ordre, sich den beiden andern anzuschließen, und Guericke versprach nochmals, seines Herrn Willensmeinung einzuholen, wenn man ihm ein förmliches Projekt des Vergleichs zustellen wolle. Dieses niederzuschreiben übernahm der Kanzler Probst, der seine Arbeit den 7. Vormittags der Kommission vorlegte.

Am Mittag übergaben dann die Deputirten der Ritterschaft Guericke ein Schriftstück, das die desideria des Landes enthielt. Es waren 12 Punkte, unter denen neben der Amnestie der wichtigste die Forderung war, daß die Ritter- und Landschaft des Stargardischen Kreises alle die Rechte und Privilegien, die bisher gemeinsam gewesen, auch in derselben Weise behalten solle. Nachmittags ward das Projekt den Kreisministern mitgetheilt, die noch bei jedem Punkt etwas zu erinnern fanden.

Darauf wurden die Deputirten der beiden Parteien vor die Versammlung der Kommission und der Kreisminister gefordert. Petkum machte einige unbedeutende Monita und erklärte sich im Uebrigen einverstanden. Im Namen der Schweriner erklärte nach einer kurzen Besprechung unter sich in einem Nebenzimmer Graf Horn, man halte sich ihrerseits allein an die Kommission, erbat sich aber eine Kopie des Projektes, um sie seinem Herrn zu übermitteln. 2 )


1) In dieser Verabredung liegt der Grund, weshalb Adolf Friedrich nochmals 10000 Th. aus der Sequesterkasse erhielt.
2) Die Verhandlung mit den Deputirten leitete nicht Graf Eck, der gegen die Punktation gestimmt und sich auch geweigert hatte, sie selbst vorzulegen, sondern Probst v. Wendhausen, das Projekt verlas H. v. Lissenhaim. Es enthielt bereits den Inhalt des Hamburger Vertrages in allen seinen wesentlichen Zügen, nur daß außer Unwichtigem noch die bestimmte Festsetzung des Primogeniturrechtes fehlte. - Mit dem Berichte Guerickes über diese Vorgänge kreuzte sich ein Reskript seiner Regierung, datirt v. 6. Dez., in welchem die Möglichkeit offen gelassen wird, daß vielleicht ein Theil des Stargardischen Distriktes zur Ergänzung der zwei Drittel an Land und Leuten genüge. Den 14. Dez., als dies Reskript schon in Guerickes Händen war, kamen die Schweriner Deputirten zu ihm und behaupteten, Nachricht zu haben, als wenn der Kurfürst nicht die Abtretung des ganzen Stargardischen Kreises für nöthig erachte. Guericke verwies sie, ohne von dem zuletzt erhaltenen Reskript etwas zu verrathen, auf das Projekt, über das er Nachricht erwarten müsse, und rechtfertigte sein Verfahren in seiner Relation (vom 14.) damit, daß er besorgt habe, bei neuen Schwierigkeiten würden Wolfenbüttel und Eutin die Traktaten ganz aufgeben, was der Intention des Kurfürsten entgegenliefe. (Aus d. Berl. Akt.)
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