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Augusta, Prinzessin von Meklenburg=Güstrow
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Jahrbücher

des

Vereins für meklenburgische Geschichte
und Alterthumskunde,

gegründet

vom

Geheimen Archivrath Dr. G. C. F. Lisch,

fortgesetzt

vom

Geh. Archivrath Dr. F. Wigger,

als dem ersten Secretair des Vereins.



Achtundvierzigster Jahrgang.

Mit drei Abbildungen und angehängten Quartalberichten.


Auf Kosten des Vereins.

Vignette

In Commission in der Stillerschen Hofbuchhandlung.

Schwerin, 1883.

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~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Gedruckt in der Hofbuchdruckerei von Dr. F. Bärensprung.
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Inhaltsanzeige.

~~~~~~~~~

I. Die Festung Pöl. Vom Herausgeber. S. 1
    Plan der Festung Pöl nach G. E. Pilooth zu S. 9.
II. Meklenburger auf auswärtigen Universitäten bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts. Von Revisionsrath Balck. Erster Beitrag S. 54
    Zu Köln 1388-1399. - Zu Erfurt 1392-1492. - Zu Wittenberg 1502-1560. - Zu Marburg 1527-1604. - Zu Jena 1558-1631. - Zu Leyden 1575-1650. - Zu Dorpat 1632-1650. - Personen=Register. - (Zusätze und Berichtigungen)
III. Augusta, Prinzessin von Meklenburg=Güstrow, und die Dargunschen Pietisten. Von H. Wilhelmi S. 89
    Kirchliche Zustände in Meklenburg im Anfange des 18. Jahrhunderts. - Augusta, Herzogin zu Mecklenburg=Güstrow. Hiezu das Titelbild: Bildniß der Herzogin. - Die fremden Prediger. - Geheime Untersuchungen. - Erste Druckschriften der Darguner. - Eingreifen des Konsistoriums und Krisis in Dargun. - Besetzung der Jördensdorfer Pfarre. - Der litterarische Streit. - Consistorial=Untersuchung und Ausgang des Streits. - Das religiöse Leben in Dargun. - Ausbreitung des Pietismus in Mecklenburg bis 1756.
    Anhang: Nr. 1. Prinzessin Augusta an Herzog Carl Leopold 17. Februar 1743. - Nr. 2. Wallbaum über seine Reise nach Dargun 1740. - Nr. 3. David Franck über die Erweckung in Stenberg 1746. - Nr. 4. Quellen=Verzeichniß.
IV. Alterthümer in der Umgegend von Rostock. Von stud. jur. Ludwig Krause S. 285
    A. Steinzeit.
    B. Bronzezeit.
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    C. Burgstätten (zu: 1) Rostock, Petribleiche, 2) Marien=Ziegelhof, 3) Kessin, 4) Fresendorf, 5) Hohen=Schwarfs, 6) Reez 7) Gr.=Lüsewitz, 8) Vogtshagen, 9) Toitenwinkel und Dierkow, 10) Gelbensande, 11) in der Ulmenstraße zu Rostock, 12) bei Schmarl, 13) bei Neuhof).
    D. Alterthümer vom Dierkower Burgberg und vom Dierkower Festlande.
    E. Vermischtes: Menschenknochen von Alt=Bartelsdorf; Schiffstrümmer von Neuhof; Pferdeschädel als Brücken und Stege; steinerne Kanonenkugeln.
V. Untersuchungen zur Bronzezeit in Meklenburg. Von Dr. R. Beltz S. 314
    Kegelgräber von Tessenow. - Kegelgräber von Bollbrücke. Hiezu eine lithographirte Skizze. - Moorfund von Lage.
VI. Alte Wohnplätze bei Fünfeichen. Vom Rath Dr. Brückner S. 333
VII. Nachträge S. 339
    I. Zusätze und Berichtigungen zur Abhandlung II. dieses Jahrganges von Revisionsrath Balck.
    II. Zu Michael Kopmann's Chronik St. Nicolai zu Wismar im Jahrbuch XLVII. Von Dr. F. Crull.

 


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I.

Die Festung Pöl.

Von

Geheim Archivrath Dr. F. Wigger.

 

I.

M an hat wohl scherzend bemerkt, Wallenstein habe sich freilich zum "General des Oceanischen und Baltischen Meeres" ernennen lassen, jedoch kein Kriegsschiff besessen. Dies wäre nun freilich an und für sich für ihn kein großes Hemmniß gewesen, da die Seeschiffe von Wismar ihm, der nach dem Rechte zur Benutzung nicht erst lange zu fragen pflegte, im Nothfall, schnell armirt, gute Dienste leisten konnten. Aber jene Behauptung ist auch eine irrige; vielmehr besaß der General des Baltischen Meeres in der That einige Kriegsfahrzeuge.

Indessen würde es doch wiederum unrichtig sein, wollte man hieraus abnehmen, es hätte erst eines Wallenstein bedurft, um den Blick Meklenburgs auf die See zu richten oder wenigstens den Anfang zu machen mit einer Kriegsflotte, wie sie Jahrhunderte früher unsere Hansestädte bereits aufs Meer hinausgeführt hatten. Im Gegentheil hat jener sonst allerdings mit großem Organisationstalent ausgerüstete und in der Wahl zweckdienlicher Mittel wenig rücksichtsvolle Usurpator sogar schon fürstliche Kriegsfahrzeuge vorgefunden; und nicht einmal der Gedanke, die Bucht von Wismar durch Befestigungen und Schiffsstationen zu schützen und zu beherrschen, den er durch die Befestigung des Walfisches zur Ausführung brachte, ist in seinem Kopfe entsprungen. So

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wenig der Herzog von Friedland das oft gespendete Lob verdient, eine Schiffahrtsverbindung zwischen Schwerin und Wismar zuerst projectirt zu haben, - da er doch lediglich auf Unternehmungen der Herzoge Ulrich und Adolf Friedrich zurückkam -: ebenso wenig gebührt ihm das Verdienst, die Bedeutung des Wismarschen Meerbusens für den Seekrieg zuerst erkannt und entsprechende Einrichtungen getroffen zu haben.

Freilich, weil man im Mittelalter noch keine weittragende Geschosse von großem Kaliber kannte, genügte den Wismarschen und ihren Verbündeten, den Hanseaten, der Wismarsche Hafen unmittelbar an der Stadt zum Schutze ihrer Schiffe; aber Wismar war doch auch schon früh darauf bedacht, den "Aderholm" oder "Naderholm" (Walfisch) und die Düne Liepz zu gewinnen, um über die ganze Bucht frei verfügen zu können. Auch das Gewässer des "Binnensees", die "Gollwitz" (im Nordosten Pöls), erregte früh die Aufmerksamkeit der Hanseaten, mehr als einmal versammelten sie in diesem geschützten Gewässer ihre Flotten.

Während der Blütezeit der Hansa finden wir nicht erwähnt, daß die meklenburgischen Landesherren selbst bestrebt gewesen wären, sich eine Flotte zu schaffen; ihre Mittel möchten dazu auch kaum ausgereicht haben, und die Schiffe ihrer beiden Hansestädte Wismar und Rostock genügten völlig ihren maritimen Zwecken. Man weiß, welche große Rolle die Hanseaten in der Geschichte Albrechts (III.), Königs von Schweden, gespielt haben.

Aber merkwürdiger Weise war auch lange Zeit die Insel Pöl, welche zu derartigen Anlagen zunächst in der von Süden her tief eingeschnittenen Bucht, dem Kirchsee, eine bequeme Gelegenheit bietet, fast gar nicht in der Gewalt der Landesherren. Man kann sagen, kein anderer Landestheil ist unsern Fürsten so oft und so lange entzogen worden, als gerade jene fruchtbare, meerumflossene Insel.

Schon das ist recht merkwürdig, daß der Herzog Heinrich der Löwe von Sachsen und Baiern bei der Germanisirung und Christianisirung des Landes die Insel Pöl nicht, wie die ganze Umgegend, zu den Bistümern Ratzeburg und Meklenburg (Schwerin) legte, sondern sie unter die kirchliche Gewalt des Bischofs von Oldenburg (Lübek) stellte, ohne daß wir für diese auffallende Maßregel einen Grund angegeben finden. Diese Verbindung mit Lübek ist dann für die Insel nicht ohne Bedeutung geblieben, insofern sie dazu Veranlassung gab, für Lübische kirchliche Stiftungen

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(zuerst für das Domcapitel, später für Vicareien und Hospitäler) gerade hier Besitzungen zu erwerben. Uebrigens finden wir, daß die Bischöfe von Lübek sich der Landesherrschaft gegenüber ebenso entgegenkommend wie die meklenburgischen Bischöfe in Bezug auf die Abminderung der Zehnten verhielten. Ein genauer Vertrag über die Zehntenleistung der deutschen Einwanderer auf Pöl ward im Jahre 1210 zwischen dem Fürsten Burwin I. und dem Lübischen Bischof Dietrich abgeschlossen 1 ). Die Zahl der Einwohner mehrte sich hierauf bald; der Werth dieses fruchtbaren Ländchens konnte von den Fürsten um so weniger verkannt werden, nachdem sie in Wismar ihre Residenz genommen hatten. Die Insel Pöl ward der Fürstin Anastasia, Gemahlin Heinrichs des Pilgers, zum Leibgedinge verschrieben; sie hatte hier zwischen den Bauerndörfern einen Hof, "Up deme Velde" genannt 2 ), der von einem Vogte verwaltet ward (wie das ganze Amt), gelegentlich aber auch, zumal nachdem die Fürstin Wittwe geworden war, zur fürstlichen Residenz gedient haben wird. Die bis auf den "Schwarzen Busch", ein verkümmertes Eichengehölz, jetzt entwaldete Insel mag im 13. Jahrhundert dem Wilde einen besseren Schutz geboten haben; sie lud die Fürsten zu Jagdpartien ein. Auf einer solchen Jagdfahrt ertrank bekanntlich am 27. Mai 1289 3 ) der Prinz Johann III. "in der Lipze by Po e le". Dessen Tochter Lütgard ward nach dem Tode ihrer Großmutter Anastasia († 15. März 1317) 4 ) die - letzte fürstliche - Inhaberin der Insel 5 ).

Am 22. November 1318 sah sich Fürst Heinrich II. in Folge seiner freilich glücklichen, aber auch über seine Kräfte kostspieligen Kriegszüge genöthigt, den Rittern Helmold von Plessen und Berthold und Gottschalk Preen zur einen Hälfte, und dem Ritter Friedrich von Stralendorf nebst den Söhnen des weil. Ritters Heine von Stralendorf d. j. zur andern Hälfte - die ganze Insel Pöl nebst den Dörfern Friedrichsdorf, Alt=Bukow, Rakow, Russow, Vorwerk, Warkstorf und Gr.=Strömkendorf zu vollem Eigenthume, unter Verzicht auf alle fürstlichen Beden und Dienstforderungen, um 32,150 Mk. wend. zu verkaufen 6 ).

Damit ging dann auch der fürstliche Hof "Up deme Velde" verloren; wir können nicht einmal mehr seine Lage mit einiger Sicherheit nachweisen, von seiner ganzen Anlage


1) Mekl. Urk.=Buch I, Nr. 197.
2) Das. III, Nr. 2297; V, Nr. 2757, 3089, 3446.
3) Das. Nr. 2022.
4) Das. VI, Nr. 3887.
5) Das. Nr. 3934.
6) Das. Nr. 4025.
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wissen wir vollends nichts, von dem fürstlichen Wohnhause "Up deme Velde" ist uns keine Spur erhalten, keine schriftliche Kunde verräth uns etwas von Stil und Einrichtung.

 

II.

Mehr als 200 Jahre vergingen, bevor es den Landesherren recht gelang, wieder festen Fuß auf der Insel zu fassen. Jene Rittergeschlechter, welche in den Besitz des fruchtbaren Ländchens gelangt waren, sahen sich freilich bald veranlaßt, einzelne Theile desselben wieder zu veräußern; aber die Erwerber waren wohlhabende Lübeker Bürger und geistliche Stifter. Daneben finden wir jedoch in dem allgemeinen meklenburgischen Kirchen=Visitations=Protocoll von 1534 erwähnt, daß es eine von den Landesherren zu verleihende Vicarei in der Nicolaikirche zu Wismar gab, die ihren Grundbesitz auf Pöl hatte, darunter namentlich auch "ein stucke gudes, de Drenow genannt. Darvan schall de vicarins hebben VI Mk. jerlich. Vnde desse Drenow hört dem vicario mit aller rechticheit und herrlicheit, hogest und sydest; anne denn densten, den hebben de Fursten."

Daraus scheint hervorzugehen, daß die Landesherren diese Vicarei mit ihrem eigenen Gute, namentlich also mit der "Drenow" (dem Namen nach einer vormaligen Waldung) 1 ), begabt hatten. Eigenthümlich aber war der Dienst, den sie sich von der Drenow vorbehalten hatten. Denn es heißt weiter in dem Visitations=Protocoll: "Vnde up desse Drenow hefft gestan en huß, darinne der Fürsten jacht lach, wenner se der jagden efft" (= oder) "jagen leten dar up deme lande" (Pöl).

Wir sehen aus dieser Mittheilung also, daß die Landesherren trotz jenes im Jahre 1318 geleisteten Verzichtes auf alle Rechte doch wenigstens zu Anfang des 16. Jahrhunderts das Jagdrecht auf Pöl ausübten und zu diesem Zwecke das Haus auf der Drenow besuchten. Aber man würde doch irren, wollte man annehmen, daß dies ein "fürstliches Jagdschloß" gewesen wäre. Allem Anscheine nach war es nur eine einfache Bauernhütte, mit welcher sich die fürstlichen Jäger behalfen. Denn wie weiter erzählt wird, war das Haus von einem Manne bewohnt, der im sicheren Geleite Herzog Albrechts VII.


1) Ueber die Bedeutung des Namens "Land, wo Hartriegel (cornus) wächst", s. Kühnel im Jahrb. XLVI, S. 42.
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(des Schönen) war; aber Heinrich von Stralendorf mißachtete die Rechte der Vicarei und das fürstliche Geleite: "Datsulvige Hus hefft Hinrich Stralendorp dem manne, de darin wanede, weltlich" (d. h. gewaltsam) "dalebraken und van dar in sine guder gevoret, unangesehen des Fursten hertich Albrechts geleide, dar de man mit sinem gude inne gewesen und noch is, und hofft desulve Drenow to sinem Kroge gelecht und bruket der gelik sins eigen gudes, und de jacht in sinen katen gelecht. So moten nu de lude van dem ganzen lande" (Pöl) "ungeverlich by IIł Drompt haueren darto geven, und entbert dem vicario de VI Mk. darvan jerlich."

Ueber den Ausgang der Sache erfahren wir nichts, auch die Lage der Drenow wird nicht weiter bestimmt. Wenn der Stralendorfische Krug, wie allerdings wahrscheinlich ist, im Kirchdorf lag, so haben wir die Drenow freilich auf der Feldmark dieses Dorfes, und wahrscheinlich in der Richtung auf Seedorf, zu suchen.

 

III.

Der Herzog Albrecht VII. beabsichtigte nun ferner 1532 sich ein "Lusthaus" bei Gollwitz, vermuthlich nicht weit vom späteren "Kaltenhof", zu bauen. Aber da stieß er auf den Widerspruch der Hanseaten, und namentlich der Wismarschen, die hierin eine große Gefahr für die Städte sahen. 2 Jahre lang ward hin und her verhandelt; endlich 1534 stand der Herzog, der für seine dänischen Pläne vornehmlich auf die Hansestädte rechnete, von seinem Vorhaben ab.

 

IV.

Wie es scheint, faßte erst der Herzog Johann Albrecht I., und zwar nachdem er durch die Reformation und die mit derselben verbundene Säcularisation in den Besitz der Pölschen geistlichen Güter - wiewohl mit Ausnahme der Hospitaldörfer - gelangt war, wiederum den Plan, sich nunmehr auf Pöl ein seiner würdiges fürstliches Wohnhaus zu erbauen. Der "Kolde Hof" (Kaltenhof) war sein Bauhof; es lag also am nächsten, hier ein Schloß zu gründen. Aber die Lage wäre doch keine günstige gewesen. Der Herzog zog einen Platz vor, der von Wismar aus leicht und unmittelbar zu Schiffe zu erreichen war; er erbauete sich seit 1562 ein Haus "im Fleckenhagen". Dieser Wohnsitz ist schon ein

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halbes Jahrhundert später, wie wir sehen werden, wieder abgebrochen, und in den uns überlieferten, ziemlich dürftigen Inventarien wird die Lage gar nicht einmal näher bezeichnet; doch geht aus Nachrichten von 1616 unzweifelhaft hervor, daß das "Haus im Fleckenhagen" südlich von der Pöler Kirche am Kirchsee erbaut war. Der Name "Fleckenhagen" (oder Flekenhagen?) ist ganz verschollen. Der Acker, welcher sich vom Kirchsee an der bezeichneten Stelle nach Seedorf hinüberzieht, heißt jetzt die "Schloßkoppel"; wahrscheinlich sind dies die beiden Hufen "bei der Kirche", welche die von dem Rathmann Heinrich Wullenpund in Lübek gestifteten Vicareien schon 1264 besaßen 1 ), und welche nun der Herzog in Folge der Reformation eingezogen hatte.

Mochte Wismar auch zu diesem neuen Schloßbau von 1562 scheel sehen, der in der That, wenn er etwa nicht ein bloßes "Lusthaus" blieb, sondern mit Wällen umgeben ward (was freilich noch nicht Hans Albrechts Plan war), der Stadt gefährlicher werden konnte als jenes Haus unfern der Gollwitz: es war nicht im Stande denselben zu hemmen.

Von dem Hause im Fleckenhagen ist so wenig ein Grundriß als eine Façadenansicht auf uns gekommen; vergegenwärtigen wir uns jedoch den Stil, in dem der kunstverständige Herzog zu bauen pflegte, so können wir uns doch eine annähernde Vorstellung von jenem Bau machen. In einem 1576, gleich nach des Erbauers Tode, entworfenen Inventarium heißt es nämlich: "Das Haus uf dem Landt Pole ist ein lang steinern Haus, zwei Gemächer hoch, auf Wälsche Art gebauet und mit breitem Stein gedecket." "Mitten im" (wohl vielmehr "am") "Hause gehet eine flache Windeltreppe auf bis unter das Tach." Dieser "Windelstein" wird auch sonst erwähnt. Aller Wahrscheinlichkeit nach erhob er sich hinten am Hause. Der Bau war nicht tief angelegt; in der oberen Etage werden Vorplätze zu den Zimmern erwähnt. Die Zimmer selbst lagen wahrscheinlich alle oder doch größtentheils nach der Hauptfronte zu, die gegen Osten gerichtet war und eine schöne Aussicht auf den Kirchsee und über denselben hinweg in die Ferne bot. Vielleicht um diese besser zu genießen, wählte der Herzog zu seiner eigenen Wohnung in der oberen Etage eine "Stube" und eine anstoßende "Schlafkammer". Daneben lag, durch einen besonderen "Vorplatz" zugänglich, "der große Eßsaal"; und auf diesen folgte


1) Meckl. Urk.=Buch II, Nr. 1003.
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"der jungen Herren Gemach und Schlafkammer" (ein einziges Zimmer mit 2 Betten!).

Alle diese Gemächer füllten die eine Hälfte der oberen Etage bis zum "Windelstein". "Uf der andern Seiten des Windelsteins ist ein großer, wüster Boden, der sich fast über das halbe Haus erstrecket, und ist mit losen Dannenbrettern überlegt." Der obere Stock ist also nie ganz ausgebauet worden.

Im Ganzen entsprach die Eintheilung des Oberstocks natürlich dem Erdgeschoß. Hier hatte die Herzogin ihre "Stube" und ihre "Schlafkammer", unter dem "großen Eßsaal" lag die "Hofstube". Außerdem finden wir im Parterre die "Silberkammer", einen "Eingang zur Küchen" und die "Küche" selbst erwähnt. Neben Letzterer lag ein "langer Pferdestall."

Dürfen wir aus der Angabe, daß das Schlößchen "auf die Wälsche Art" erbauet war, entnehmen, daß es ein Backsteinbau war in jenem aus Oberitalien hieher verpflanzten Stil, von dem uns ein Theil des Schweriner Schlosses und der Fürstenhof zu Wismar so vollendete Muster geben: so haben wir doch wahrscheinlich unsere Vorstellungen auch rücksichtlich des Aeußeren auf ein bescheidenes Maß zurückzuführen. Das Innere war sehr einfach gehalten. Das Haus stand auf massiven Kellern mit Gewölben (darin lag die Brauerei); im Erdgeschoß konnte daher das Wohnzimmer und das Schlafzimmer der Herzogin mit dem damals beliebten Estrich ("Ahlstrak" genannt) aus gemusterten Ziegeln gepflastert werden, während der Fußboden der Hofstube gewöhnliche Mauersteine zeigte. Die Decken bestanden aus Holzlagen; in der oberen Etage lag daher ein "brettern Pflaster" (wohl Parquet?). Die Decken in des Herzogs beiden Gemächern waren mit "gemalter Leinewand" überzogen, die goldene Sterne zierten; vom Schmuck der andern wird nichts erwähnt. Die damals beliebten "grünen Kachelöfen" fand man in den Stuben des Herzogs und der Herzogin (die daneben noch einen Camin hatte), im großen Speisesaal und in der Hofstube; der Herzog hatte in seinem Schlafgemach wenigstens einen Camin, die Schlafzimmer der Herzogin und der Prinzen waren unheizbar!

Man darf hiernach schon keine kostbare Ausstattung der Zimmer erwarten. Stühle werden garnicht erwähnt, dagegen waren Saal, Hofstube und die Wohnzimmer an den Wänden mit Bänken umgeben; doch fand sich in des Herzogs Zimmer auch noch eine "Lehnbank". Herzog und Herzogin begnügten sich in ihren Stuben mit je einem Tisch. In

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ihren Schlafzimmern sah man neben dem hohen Himmelbette, zu welchem man auf einer Fußbank hinanstieg, ein Rollbette.

Aber trotz aller Einfachheit ward doch auf Hofsitte Bedacht genommen. Im großen Speisesaal war die "lange Fürstentafel" gesondert von 2 anderen Tischen, und an jener liefen 2 Lehnbänke hin; ähnlich war es in der Hofstube, wo die Fürstentafel gleichfalls von den Tischen des Gesindes geschieden und mit Lehnbänken versehen war.

Für die Sicherheit des Schlosses war nicht weiter gesorgt, als daß die Fenster im Parterre mit Gittern versehen waren. Ohne Zweifel zeigte das ganze Haus nur die Einrichtung eines Jagdhauses, in welchem der Herzog vielleicht auch im Sommer einige Wochen verweilen mochte, um auf der Insel der frischen Seeluft zu genießen.

 

V.

In seinen letzten Lebensjahren scheint der Herzog Johann Albrecht das Schloß auf Pöl aber nur selten besucht zu haben; es verfiel bereits. Denn in dem erwähnten, gleich nach seinem Ableben aufgenommenen Inventar wird gesagt, es sei "dermaßen itziger Zeit tachlos, daß die Gemächer zum Theil durch den Regen eingeweichet, und hinfürder ganz vorterben werden, wo demselben nicht geholfen wird."

Geholfen ward aber nicht, oder doch wenigstens bei weitem nicht hinreichend. 1591 fehlten sogar schon viele Fensterscheiben; Wind und Regen schlugen in das verödete Schloß hinein; es ward mehr und mehr dem Ruin preisgegeben. So vergingen noch 20 Jahre!

Eine Aenderung trat erst ein, als nach dem Tode Herzog Karls († 1610) die beiden jungen Herzoge Adolf Friedrich und Johann Albrecht II. die Landesregierung übernahmen. Adolf Friedrich war ein begeisterter Verehrer seines Großvaters Johann Albrecht und wie dieser empfänglich für große Gedanken und Pläne; auch sein Blick schweifte über die engen Grenzen Meklenburgs hinaus, er erkannte, wie einst sein Großvater, daß er in den drohenden Kämpfen seiner Zeit werde Stellung nehmen müssen; und ebenso unbekümmert wie dieser um seine Finanzen, gedachte er die vom Großvater begonnenen großen Bauwerke fortzusetzen, namentlich das Schloß zu Schwerin weiter umzubauen und das Haus auf Pöl zu einer Festung zu erweitern, die ihm eine gewisse Gewalt zunächst über den Wismarschen Meerbusen verschaffte,

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Plan der Festung Poel
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seinen umliegenden Landen einigen Schutz verliehe und ihm eine stete Verbindung mit dem Meere offen hielte.

Mit jugendlichem Eifer ging er alsbald ans Werk. Ein tüchtiger Baumeister war bald gefunden. 1612 zog er den Baumeister Capitain Gerhard Evert Pilooth aus Emden, der, wie es allen Anschein hat, in Holland seine Ausbildung gewonnen und sich schon durch Bauten für den Grafen Enno von Friesland hervorgethan hatte, in seinen Dienst.

Der Baumeister entwarf nun freilich auch sogleich Pläne für den Fortbau und Umbau des Schlosses zu Schwerin; aber dem Bauherrn lag doch zunächst mehr an dem Hause und der "Veste" auf Pöl. So wurden dann die Vorbereitungen in solchem Grade beschleunigt, daß schon mit Neujahr 1614 die Bauarbeit ihren Anfang nehmen konnte.

Johann Albrechts Bau war durch die Einflüsse der Witterung, unter steter Vernachlässigung aller Pflege (injuria temporum et incuria hominum) bereits zu einer Ruine geworden; er mußte abgebrochen und durch einen neuen ersetzt werden. Wahrscheinlich ist aber der neue Bau auf den alten Fundamenten aufgeführt, jedenfalls auf der alten Stelle. Aber die ganze Anlage ging weit über die frühere hinaus. Von den ersten Bauplänen ist keiner auf unsere Zeit gekommen, wohl aber ein von Gerhard Pilooth unterzeichneter Grundplan aus dem Jahre 1618, von welchem wir eine verkleinerte Copie beifügen.

Die ganze Anlage, welche sich südlich von Kirchdorf am westlichen Ufer des Kirchsees in einer Ausdehnung von etwa 2200 Fuß hinzieht, zerfiel in drei Hauptabtheilungen. Die Mitte nahm das Schloß mit seinen fünfeckigen Befestigungen ein, auf der Südseite schloß sich daran der Schloßgarten, auf der Nordseite das "Hornwerk" um die alte Kirche, ein starkes Vorwerk zum Schutze der Hauptfeste, die auf der Landseite allein vom Dorfe (Kirchdorf) her durch dies Hornwerk einen Zugang hatte.

Um den anliegenden Plan aus dem Jahre 1618 (also unmittelbar nach der Vollendung des Baus entworfen) noch durch einige Bemerkungen zu erläutern, die zum Theil die erhaltenen Baurechnungen ergeben, so lag das Schloß auf einem "Platze" unmittelbar an der See, entweder auf einer natürlichen, oder wahrscheinlicher auf der durch Kunst erhöheten Fläche, die 14-15 Fuß über den gewöhnlichen, mittleren Stand des Ostseespiegels hervorragte. Ihn umgab

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ein Wall, dessen Spitze sich über den Schloßplatz etwa 17 Fuß erhob. Er bildete mit seinen 5 Bastionen ein regelmäßiges Fünfeck, so daß der Radius des eingeschlossenen Platzes, dessen Centrum ungefähr der Schloßthurm bildete, etwa 220 Fuß maß. Ein Graben von etwa 50 Fuß Breite (mit einer Sohle von 40 Fuß und einem mittleren Wasserstande von 4-5 Fuß) trennte den inneren (Haupt=) Wall von der Contrescarpe. Während die Spitze des inneren Walles sich 37 Fuß über die Sohle des inneren Grabens erhob und die Böschung ungefähr 60 Fuß betrug, beschränkte sich die entsprechende Höhe des Gegenwalles auf etwa 16 Fuß, die Böschung in gerader Linie auf circa 28 Fuß. Fast zur Hälfte ward die Contrescarpe schon auf Seeboden aufgeschüttet; so weit sie das Land berührte, ward sie abermals mit einem Graben (dem "Mittelgraben") von 84 Fuß Breite umschlossen. Die Pallisaden, welche in der Mitte des Mittelgrabens errichtet wurden, setzten sich auch ins Meer hinein fort und umgaben die ganze Contrescarpe. Endlich ward im Süden und Westen noch ein Ravelin angelegt und abermals mit einem Graben umgeben. Projectirt ward, auch das gleichzeitig erbauete Pfarrhaus in die Befestigung hineinzuziehen; doch ist dies, so viel man sieht, hernach unterblieben. Der Schloßwall hatte nach außen nur zwei Verbindungen, durch Gewölbe in den beiden Wällen (unter denen auch das Seewasser in den innersten Graben einfloß) und durch Dämme mit Zugbrücken über die Gräben; der eine Weg führte an die See, bis an die Pallisaden, wo die Schiffe anlegten, der andere ins Hornwerk; eine dürftige, leicht zu zerstörende Verbindung führte nach dem Schloßgarten.

Die ganze Ausdehnung der Hauptbefestigung von der östlichen Spitze der Pallisaden im Kirchsee bis zur mittleren westlichen Spitze des äußersten Grabens um das Ravelin belief sich auf 1150 Fuß.

Das Hornwerk breitete sich fächerförmig vom mittleren Schloßgraben nordwärts gegen Kirchdorf aus. Es ward durch einen Doppelwall mit drei Spitzen gebildet, um die sich ein Graben von 140 Fuß Breite zog, in der Mitte durch Pallisaden versichert; und längs dem Meerbusen zogen sich gleichfalls zwei Reihen von Pallisaden hin. Auch dieser Graben ward von der See gespeist. Hatte die Festung hiedurch den großen Vorzug, daß die Gräben nicht trocken zu legen waren, so stellte sich andererseits freilich auch der Uebelstand ein, daß Sturmfluthen das Wasser in den Gräben

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stark erhöheten und dadurch die Dämme und Wälle vielfach beschädigten, und daß im Winter das Eis die Pallisaden leicht heraushob. Eine lange Brücke mit 2 Zugbrücken führte von Norden her über den Graben des Hornwerks bis an das äußere Pforthaus, welches durch starke Thorflügel verschlossen ward. Auf dieses folgte das viel größere und viel stärkere innere Pforthaus, welches sich an den inneren Wall lehnte und außer dem starken Thor, von welchem allein sich noch eine Ansicht erhalten hat, auch ein Fallgatter hatte 1 ). - Weitere Gebäude zu fortificatorischen Zwecken hatte der Baumeister Capitain Pilooth nicht in Aussicht genommen. Davon hernach mehr.

Die Bauten auf dem Schloßplatze dienten zunächst allein zur Aufnahme der fürstlichen Familie, der nothwendigsten Schloßbedienung und des Gefolges. Längs der Nordseite, also hinter dem Schlosse, dehnte sich, an den Wall gelehnt, das "Wagenhaus" mit einem Marstall und Wohnungen für die Schloßbedienten in einer Länge von 112 Fuß aus. Daran schloß sich südwärts längs des Walles ein zweites, etwa eben so langes Gebäude, welches als "Back= und Brauhaus" diente.

Wenn also das neue Schloß wohl auf den Fundamenten des alten Baues aus der Zeit Herzog Johann Albrechts errichtet worden ist, so konnte Pilooth doch den Raum, welcher, wie wir sahen, innerhalb des Schloßgebäudes zu wirthschaftlichen Zwecken diente, zu Wohnräumen verwenden. Nur die herrschaftliche Küche ward wieder ins Schloß aufgenommen, aber ins Kellergeschoß verlegt. Es mag dabei Erwähnung finden, daß hier in den Küchenräumlichkeiten eine Pumpe stand, die Festung also mit süßem Wasser versehen war.

Leider hat sich, so viel man weiß, von dem großen Schloßbau, welchen Gerhard Pilooth 1614 begann und in 5 Jahren im Wesentlichen vollendete, keine äußere Ansicht erhalten, auch kein anderer Grundriß, als jener kleine auf dem Festungsplan von 1618. Indessen gestatten doch gelegentliche Andeutungen in den erhaltenen Baurechnungen und in einem, übrigens ziemlich dürftigen, Inventarium aus dem Jahre 1633, uns im Allgemeinen eine Vorstellung von dem Schlosse zu machen.


1) Ueber dem Thore stand der Spruch: Si Deus pro nobis, quis contra nos? Dieser ward später der Wahlspruch Herzog Christians I. Louis.
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Selbstverständlich ward es in dem damals in den Niederlanden üblichen Stil erbaut; wie Pilooth selbst aus Emden stammte, so kam aus Holland der Bauführer Johann Brechts, aus Emden kamen Zimmerleute und namentlich Maurer, eben dorther wurden auch holländische Backsteine, "Schraubdachsteine" und "Graustein" bezogen.

Das Schloß war ein zweistöckiger, massiver Backsteinbau von etwa 140 Fuß Länge und 50 Fuß Tiefe; es zerfiel in einen schmalen Mittelbau und zwei gleich lange Seitenflügel. - An der Rückseite des Mittelbaues erhob sich wiederum, wie bei dem älteren Gebäude, ein Thurm, in welchem die mit Schranken versehene Treppe lag; an der Vorderseite des Mittelbaues ragte ein von Pfeilern oder Säulen getragener, in der Haupt= oder oberen Etage anscheinend geschlossener Balcon (Erker, "Auslucht") hervor. Der Bildsteinhauer Meister Hinrich Stockmann zierte diesen Ausbau oben mit einer Gallerie; wahrscheinlich sprang hier in der Mitte aus dem hohen Dache des Hauses ein Frontispice heraus, denn es wird uns "Herzog Hans Losiment ober Auslucht" erwähnt. Diesem Schmucke entsprechend, war auch der sehr hohe, schlanke Thurm von demselben Künstler geziert, es lief eine Gallerie von grauem Sandstein um denselben herum, die ohne Zweifel von 8 Halbfiguren, den in den Baurechnungen erwähnten "8 Haubt=Tarmen" [termes] "zum Thorn", getragen ward.

Die beiden Seitenflügel des Mittelbaues zeigten in jeder Etage je 5 Bogenfenster, die im unteren Geschosse von je 4, die im oberen von je 6 Flügeln. Die Wandflächen blieben wahrscheinlich im Rohbau von holländischen Mauersteinen (Klinkern?) stehen, das Hauptgesimse kam aus Emden, bestand also wohl aus grauem Sandstein, ebenso wurden die Fenster von Sandstein eingefaßt; es war theils "Daventerwerk", theils ward es hergestellt von dem Bildsteinhauer Stockmann, der viele Pirnaer Steinblöcke, welche die Elbe herunterkamen, schon in Dömitz behauen ließ und u. a. 48 Pilaster, 18 Bogen mit Schlußstücken, 56 Fuß "Haubtlisten" und 79 "Bandstücken mit Bildern" (wohl zu den Friesen) zu bearbeiten hatte. Auf die beiden Seitengiebel, an welchen unter dem Dache noch Gemächer lagen, ward gleichfalls künstlerische Sorgfalt verwandt.

Das Hauptgeschoß war das obere; begreiflich wurden in dieses die fürstlichen Wohngemächer verlegt, da der hohe Wall die Aussicht des Parterres auf den Schloßplatz beschränkte.

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Die ganze nördliche Hälfte des Parterres nahm "der Saal und Hofstube" ein, von welchem großen Raum - er mochte gegen 50 Fuß lang und fast ebenso breit sein - nur ein Zimmer mit einem Fenster unmittelbar am Mittelbau, vielleicht zur "Schenke" bestimmt, abgesondert war. In der südlichen Hälfte des Parterres hatten die Cavaliere ("Junker") ein "Vorgemach", eine "Stube" und eine "Cammer dabei" (nach der Rückseite belegen); "3 Losamenter" auf diesem Flügel waren für die Pagen und die Laquaien bestimmt.

Nach einer Andeutung auf Pilooths Festungsplan war die Decke des Erdgeschosses gewölbt; und dies wird um so wahrscheinlicher, da man nach der ungewöhnlich großen Anzahl der zum "Ahlstrak" (Estrich) zu verwendenden glasirten Ziegel, die zum Theil aus Emden, zum Theil aus Lübek und Wismar bezogen wurden, annehmen muß, daß, wenn nicht alle, so doch die meisten Zimmer in beiden Geschossen mit gemusterten bunten Backsteinen - besonders gelbe und grüne werden erwähnt - ausgelegt wurden, während wohl für Flur und Gänge die in den Baurechnungen vorkommenden "glatte Floeren" bestimmt waren.

Auf die Ausstattung ("Staffirung") des großen Saals ward von den Künstlern viel Mühe verwandt. Den großen Camin arbeitetet die "Rothsteinhauer" Konrad Harmens und Garvelt, und der "Grausteinhauer" Meister Rolof lieferte zu demselben die Gesimse und das Wappen. Jacob Warneke, Bürger und Maler zu Lübek, schloß mit dem herzoglichen Maler Daniel Block einen Contract ab, in welchem er sich verpflichtete, den "großen Saal auf Pöle mit "zierlichem Malewerk", "die Decke, 2 große Historien mit Oliefarben" (Wandgemälde?), "den Schornstein", "die Thüre" (mit zwei Flügeln) "und das Holzwerk, das da auf "der Seiten nach der Thüre kommet, 3 Tische, 24 Schemel und die Bänken, die Fensterbogen grün, mit Olie, die Fenster eingfasset mit Säulen, und was sich dazu schicken will, mit guten, beständigen Farben" für 500 Mark Lübisch auszumalen. Dabei machte er noch zur Bedingung, daß der Herzog Gold und Farben dazu liefere und den Transport des Werkzeuges stehe, auch ihm für 6 Personen "frei Losament und Bette" gewähre. - "Hans Mahler" hatte 20 Löwenköpfe auf den Saal und die Schenke" "zu vergulden."

Weniger genau sind wir über die Einrichtung des oberen Stockes unterrichtet. Ein Saal wird in demselben nicht erwähnt. Die fürstlichen Gemächer wurden aber mit

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viel größerem Luxus ausgestattet, als in dem früheren Bau. In dem Hauptgemach des Herzogs sah man einen ähnlichen, aber kleineren Camin wie in dem großen Saal, von denselben Künstlern wie dieser gearbeitet, daneben freilich auch noch einen Ofen, dessen Feuerraum von Eisen, dessen oberer Theil dagegen aus Kacheln hergestellt war, wie Pilooth solcher Oefen viele aus dem Sauerlande über Bremen bezog. Sonst hatten hier im oberen Geschosse weniger die Steinmetzen zu arbeiten als der Holzbildhauer "Meister Lambrecht, der Bildschnitzer", der seine Kunst vornehmlich an den Thüren und deren Einfassungen zeigte. Auch auf Mobilien ward mehr Kunst verwandt; an den Bettstellen sah man "gedrehete Pfeiler" und "ausgeschnitzte Hauptstücke", ähnlich waren die "Rollbetten" gearbeitet.

Immerhin aber, im Ganzen genommen, wohnte der Herzog Adolf Friedrich selbst wohl in einer verhältnißmäßig einfachen Umgebung. Wie es scheint, nahm sein Quartier den einen Flügel ein, während auf dem andern die Hoffräulein und das andere weibliche Hofgesinde wohnten. "In Fürstl. Gnaden Vorgemach", welches durch einen "eisernen Windofen" erwärmt ward, sah man wenigstens 1633 nur "1 grünen Tisch, 2 Brettschemel grün und roth", und "1 Hakelbort"; in der "Cammer dabey" (für einen Laquaien?) "1 Schlafstelle", "2 Hakelbört, 1 Schap mit vier Thüren, darin vier Wohnung". "Fürstl. Gnaden Gemach" war umbher mit rothem Wande bezogen", darüber liefen, wohl als Fries, "ledern Stücke mit Golde" hin. Den Camin und den "eisernen Kachelofen" haben wir schon erwähnt; das Mobiliar beschränkte sich 1633, nachdem freilich schon rücksichtslose Feinde im Schlosse gehaust hatten, auf "2 grüne "Tische, 6 neue Brettschemel, 1 Stuhl mit golden Leder bezogen", Ofengeräthe von Messing und "1 Mißings=Nacht=Lampe". In der anstoßenden "fürstlichen Cammer" stand des Herzogs "Feldbette", "1 steinern Tisch, ins Holz geleget, unten gefuttert", "1 groß Spiegel, gefuttert", "1 neue eingelegte Kiste", "1 Lade mit dem Futter", "2 eiserne Laden, schloßhaft"; es stand dort ferner ein irdenes Trinkgeschirr mit einem Zinndeckel und eine Schachtel mit Gläsern.

Wie jene Zeit für Devisen und Mottos schwärmte, durfte natürlich auch ein Schloßbau nicht vollendet werden, ohne daß fromme und gelehrte Inschriften und sinnreiche Sprüche ihn zierten und seine Bestimmung der Nachwelt verkündeten. Der Doberaner Pastor Köhler (ein Sohn des Güstrowschen Superintendenten Colerus) hatte, wie es scheint,

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eine reiche poetische Ader; wenigstens übersandte er dem Herzog eine Reihe von lateinischen Distichen und von deutschen Sprüchen, von denen einige Erwähnung finden mögen.

A. F. D ominus D uxque M legapolitanus.
A uxilium F irmum D ominusque D eusque m inistrat.


A. F. H. z. M.

Alzeit Frid, Herr, Zeige Mir,
So will ich stets danken Dir.


Auf, Frisch Her Zu Mir,
Gott begegne Dir.


Mit Gottes Hülfe und Rath
Verrichtet man tapfere That.


Ein tapfer Muth
Erhalt die Huth.


Bleib von der Bahn!
Fried' will ich han.
Kommstu zu mir,
Ich begegne Dir.


Mein Herz und Muth
Den Frieden gut
begehren thut.

Gefällts auch Dir,
Halt [s] mit mir,
ist mein Begier.

Willtu dann nicht,
Gottes Aufsicht
Mir beipflicht.


Arx munita viro pietas et oratio.

Quis me defendet munitâ ductor in arce?
Quis nisi tu nostrae gentis Deus unice tutor?
Tu pater auxilium rebus bonus adfer in arctis,
Te duce victrice dextrâ superabimus hostes.


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Ein Anderer schlug nach Sallust 1 ) die Worte:

Majorum gloria posteris lumen est,

und nach Virgil 2 ), mit Anspielung auf die Wiederausrichtung des alten Schlosses, die Verse vor:

Exsurgat tandem majorum ex ossibus ultor,
Qui decus antiquum justis sibi vindicet armis!

Beide Citate sollten unter der Hauptinschrift stehen, welche den eben angeführten Gedanken noch deutlicher und in historischer Fassung ausdrückte. Diese große Inschrift, welche auch für uns noch ein Interesse hat, lautete:

D . O . M . A .

Prudenti bonoque Magnanimi Herois

Johannis Alberti Ducis Megapolitani

consilio olim extructam, injuria vero temporum et incuria hominum postea neglectam et desolatam hanc arcem, ut obseruantiæ erga avum optimum perpetuæ monumentum statueret, a se restauratam, aggere, vallo fossaque munitam, Anseeburgum nominari voluit

Auitæ Virtutis Cultor Sedulus

Ex filio nepos

ADolphus Fridericus dux Megapolitanus

Anno salutis
M . DC . XVI .


Auch Fabricius, ehemals Conrector an der Schweriner Schule, damals Pastor zu Crivitz, ward befragt. Er fand das Citat aus dem Sallust nicht correct genug, wollte, nicht unzweckmäßig, in dem Distichon: Surrexit statt Exsurgat, und vindicat für vindicet gesetzt wissen, und schlug endlich für die historische Inschrift auf "Anseeburgum" als Neubau des Schlosses Johann Albrechts eine andere Fassung bei gleichem Inhalte vor, die mehr seinem Gefühl für klassische Latinität entsprochen zu haben scheint. Aber von allen diesen Vorschlägen hat Pilooth allein jene von Fabricius bemängelte historische Inschrift mit einem Vermerk über die Vertheilung der Worte "nach der Tafel" versehen. Ob von andern In=


1) Jug. 85.
2) Aen IV, v. 625: Exoriare aliquis nostris ex ossibus ultor, qui face Dardanios ferroque sequare colonos etc.
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schriften diese oder jene ausgeführt ist, vermögen wir nicht zu sagen. Der Name "Anseeburg" 1 ) ist übrigens nicht in Aufnahme gekommen; man blieb bei Benennungen wie "fürstl. Haus Pöl", "Haus auf Pöl", "Veste Pöl", "Vestung Pöl" stehen. -

Gleichzeitig mit dem Bau des Schlosses und der Festung ward auch der Schloßgarten angelegt, durch den "Gärtner" aus Schwerin, aber nach Pilooths Plan, und zwar sehr einfach. Die Mitte nahmen für Rasen und Blumenpartien bestimmte Quadrate, neun an der Zahl mit Seitenlängen von 80 Fuß, getrennt durch Wege von 15 Fuß Breite, ein; sie waren bis an die Einfassungsmauern von regelmäßigen Baumreihen umgeben. An der südlichen Seite beschatteten diese einen Teich, hinter welchem längs der Mauer Pilooth eine "Vogel=Koy" (eine Volière) projectirte.

Endlich fällt in dieselbe Bauzeit auch das neue, gewissermaßen zur Festung gehörige Pfarrhaus und - der Bau der Schiffe.

Pilooth schlug seinem fürstlichen Bauherrn ein großes Schiff vor, einen Dreimaster von 60 Fuß Kiellänge, geeignet zur Aufnahme von 12 Kanonen, mit eleganter Kajüte, reicher Malerei und Vergoldung, zierlichen Gallerien u. s. w., und außerdem eine Jacht, welche mit 3 Kanonen ausgerüstet werden sollte. Aber der Preis für beide Fahrzeuge und ein kleines Boot von 18 Fuß Länge ward auf 6600 Mark angeschlagen; der mochte dem Herzog zu hoch sein, er verwarf diesen Plan und entschied sich am 28. November 1616 für zwei Jachten von 45 und 36 Fuß Kiellänge und für ein Lastschiff. Die erste Jacht ward sogleich in Angriff genommen; sie genügte auch kriegerischen Zwecken, denn sie war auf jeder Seite mit 2-3 Geschützen zu armiren. Außerdem konnten auf dem Verdeck füglich 2 Kanonen vorne und 2 Stücke hinten aufgestellt werden. Wir finden später 2 Kanonen zu 2 1/2 Pfund und eine zu 5 Pfund, alle drei von Eisen, als "zum Schiffe" des Herzogs gehörig angegeben. wohl, um trotz eintretender Windstille das Fahrzeug fortbewegen zu können oder dessen Wendungen zu erleichtern, wurden auf jeder Seite desselben 6 "Remen" angebracht. Zur Bedienung des Schiffes waren 10 Mann nöthig, während für die kleinere, später (1620) erbauete Kriegs=Jacht 5 Mann genügten. -


1) Sehr häufig wurden in jener Zeit die Hansestädte "Anseestädte" genannt.
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Im Wesentlichen ward Alles, was wir bisher erwähnt haben, von dem Capitain Gerhard Pilooth in den fünf Jahren von 1614-1618 fertig gestellt. Man bewundert fast seine Thätigkeit; sie ward aber auch durch außerordentliche Unterstützungen gefördert. Künstler und Handwerker wurden von allen Seiten her verschrieben, zum Theil aus Emden. Unter der Aufsicht der "Wallsetzer" arbeiteten lange Zeit Aufgebote aus den Aemtern, die unter der Führung von Landreitern und Vögten angezogen kamen und nach einiger Zeit von Insassen anderer Aemter abgelöst wurden. Erwägt man, daß diese Landleute nur einen Tagelohn von 2 1/2 Schillingen empfingen, und daß der Handwerkerlohn zum Theil nur den 4. und den 6. Theil des heutiges Tages üblichen betrug, so wird man sich wundern, daß zu Ende des Jahres 1617 bereits 17809 Gulden (= 8904 1/2 Rthl.) an Arbeiterlohn verausgabt waren. Dagegen hatten die Materialien, die doch zum Theil von Emden, zum Theil aus Rostock und Wismar u. s. w. herbeigeschafft waren, bis dahin nur 9501 Gulden (= 4750 1/2 Thl.) erfordert; es ist aber dabei zu erwähnen, daß, wenn auch die größten Balken ("Wagenschot") zu einem großen Theil aus Lübek bezogen wurden, das meiste Holz aus den fürstlichen Forsten, viel Kalk aus Doberan (Brodhagen) geliefert ward, und daß unter den Mauersteinen eine beträchtliche Menge von abgebrochenen Klostergebäuden zu Doberan und Marienehe herstammte. Zu den 27814 Gulden, welche der ganze Bau bis Ende des Jahres 1617 verschlang, erforderte die Baucasse im folgenden Jahre noch 11125 Gulden; und untergeordnete Bauten sind auch noch 1619 ausgeführt. Man darf die ganze Anlage ohne Bedenken auf die damals sehr beträchtliche Summe von 46000 Gulden = 23000 Rthlrn. berechnen.

 

VI.

Nach Vollendung des Baues ward im Jahre 1619 die Armirung der Festung ins Auge gefaßt. Auch diese übertrug der Herzog dem Capitain Pilooth; im vollen Vertrauen auf seine Treue und seine Tüchtigkeit ernannte er ihn am Mittwoch nach Ostern (3. April) zum "Capitain auf unser Vestung Pöle und über unsere Schiffe, auch für unseren General=Baumeister und Ingenieur in unserm Fürstenthum und Landen." Die weiten Vollmachten, welche der Capitain empfing, ersieht man aus der in Pilooths

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Revers eingeschalteten Bestallung, welche wir unter Anlage 1 mittheilen.

Wie man aus den Baurechnungen ersieht, ward auch in diesem Jahre für die Erhaltung und weitere Aptirung der Wälle zur Aufnahme der Geschütze noch viel gethan. Ueber die Anzahl der Kanonen, welche damals nach Pöl gebracht wurden, fehlen uns Angaben; sieben Jahre später waren daselbst beinahe 30 Geschütze, theils von Eisen, theils von Kanonengut, aufgepflanzt. Ihre Vertheilung ergiebt sich einigermaßen theils aus dem Inventarium, welches wir in Anlage 3 mittheilen, theils aus einem zweiten Festungsplan, dessen neue Angaben wir punctirt in den Plan von 1618 eingetragen haben, worauf C eine Kanone bedeutet. Wenn auf demselben vermerkt ist: "pourfil deß sloses, Darauff 17 Canon und 3 steinstucken", und "pourfil deß Hornewarckx. NB. Darauff 14 stuck Canon mith 4 steenstucken": so haben wir darin vermuthlich nur einen Plan und Wunsch des Capitains zu erkennen, der nie ausgeführt ist; wenigstens werden "Steinstücke" hernach niemals erwähnt. - Einige von den Pöler Festungsgeschützen wurden zu Schwerin von Meister Andreas eigens zu diesem Zwecke gegossen.

Schon während der Bauzeit waren 30 Musketen nach Pöl gesandt, doch, wie es scheint, keine Soldaten. Erst 1619 ward ernstlich über die Besatzung verhandelt; es stellte sich dabei heraus, daß es für solche noch an allerlei Baulichkeiten fehlte. Um diese herzustellen, ward das Hornwerk gar sehr beengt, neben dem innern Pforthause links ein Torfhaus, rechts ein Provianthaus erbaut, längs des westlichen Walles ein langes Stallgebäude. Endlich ward auch die Kirche nicht verschont, sondern ringsum mit "Schauern" umgeben, in welchen "allerlei Losamenter" eingerichtet und an der Nordseite die Hauptwache untergebracht wurde. Ja, Pilooth hatte nicht übel Lust, den Thurm und den großen Boden über den Kirchengewölben zu einem Kornmagazin zu verwenden; doch that der Herzog dagegen Einspruch.

Die regelmäßige Besatzung sollte nach Pilooths "ungefährlichem Anschlag" übrigens nur in 28 Mann bestehen, die Soldaten sollten wo möglich auch zugleich als Handwerker dienen:

1  Capitain.
1  Sein Diener.
1  Constabler.
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1  Proviantmeister.
1  Wallmeister.
1  Portier. Gage: 6 fl. für 30 Tage.
1  Major.     " 20 fl.  "    "      "
3  Corporale.     " 3x10 fl.  "    "      "
18  Soldaten.     " 18x 7 fl.  "    "      "
Darunter: 1 Profoß.
1 Tambourin.
1 Büchsenmacher.
1 Schnittger.
1 Schwertfeger.
1 Büchsenschütze.
1 Handlanger.
1 Schneider.
1 Wallsetzer.
1 Schuster.
4 Seefahrer.
----------------------------------------------------------------------------
28  Personen.

Im Einzelnen hat dieser Plan aber Abänderungen erlitten; namentlich ward auf des Herzogs Befehl die Zahl der Seefahrer für seine Jacht vermehrt. Endlich befahl Adolf Friedrich am 2. December 1619 dem Capitain der Festung, auch etliche Soldaten anzunehmen und ihm einen Corporal vorzuschlagen, was dann auch geschehen ist.

Auf eine eigenthümliche Art aber ward für die Wachen gesorgt, namentlich bis zur Completirung der Besatzung. Es ward nämlich am 7. December 1619 zwischen Pilooth und den Beamten zu Meklenburg und Neu=Bukow eine Ordnung wegen der "Bauernwacht" auf der Festung getroffen. Diese beiden Aemter mußten - abwechselnd nach Verhältniß der eingesessenen Bauleute und Kossaten - für jede Woche 8 Bauersleute schicken, welche den Wachdienst auf der Festung Pöl bei Tage zu versehen hatten. Dagegen ward der Wachdienst bei Nachtzeit den 37 Bauern auf Pöl in dieser Weise übertragen, daß für jede Nacht 6 Bauern auf der Festung eintrafen. Die Bauern unter 50 Jahren sollten diesen Dienst persönlich ableisten, die älteren einen erwachsenen Sohn, oder in Ermangelung eines solchen einen guten, starken Knecht schicken. Nur für die Erntezeit wurden die Bauern gegen eine Abgabe von 8 Schillingen, und die Kossaten gegen eine Abgabe von 4 Schillingen von solchem Dienste befreiet.

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Die Rüstkammer war schon im Herbste 1619 beinahe ausgestattet Die nöthigen Kugeln zu den halben Karthaunen (à 24 Pfund), zu den Quartierstücken (à 12 Pfund und 10 Pfund) und zu den Falkonetten (à 2 1/4 Pfund), 100 Musketen und ebenso viel Spieße, auch das erforderliche Pulver lieferte man aus den Schweriner Vorräthen, ebenso "beschlagen Flögel, Harnische und Pött"; ob Pilooth die begehrten "Schrootsachen" und "Kugelketten" auch erhalten hat, wird nicht angegeben. Lunten mußte der Capitain kaufen, weil zu Schwerin "an alten Netzen kein Vorrath" war. Die "Rondaßen" sollte der "Platner" anfertigen. Das Blei zu den Kugeln und die "Fußangeln" kamen aus Lübek, Haugewehre und Partisanen wurden in Braunschweig bestellt, Petarden, weil sie in Schwerin nicht gemacht werden konnten, zu Eutin. "Was man an Feuerwerk, Werfkugeln, Granaten, Kolven, Sturmhaken, Pick=Cränzen, Feurpötten, Sturmschenen und andern dergleichen Sachen benöthigte", sollte der Constabler auf Pöl nach des Herzogs Befehl selbst verfertigen. - Endlich am 22. Mai 1620 vollendete der Herzog die Armirung Pöls, indem er noch 300 Musketen dahin sandte.

 

VII.

Der Herzog Adolf Friedrich hatte an dem Bau seines festen Schlosses regen Antheil genommen. Kaum sah er sein Werk vollendet, so fand er auch Gelegenheit, hier den größten Kriegsmann seiner Zeit festlich zu bewirthen und sein Urtheil aber die Festungsanlage zu erfahren. Es war kein geringerer Mann als der König Gustav Adolf von Schweden, der späterhin für die Schicksale des Herzogs und seiner Lande so bedeutungsvoll werden sollte, und von dem schon damals das protestantische Europa, und namentlich auch Fürsten des Niedersächsischen Kreises, unter ihnen Adolf Friedrich selbst, die besten Hoffnungen hegten.

Schon hatte der meklenburgische Gesandte Johann Witte den Versuch gemacht, den jungen König von Schweden für die Interessen des protestantischen Norddeutschlands zu gewinnen; doch hatte er beim Kanzler Oxenstjerna Widerstand, beim Könige selbst Zurückhaltung gefunden. Da erschien Gustav Adolf auf seiner Reise von Schweden über Wismar am 11. Mai 1620 im strengsten Incognito bei seinem Vetter Adolf Friedrich zu Schwerin, um am andern Tage seine Fahrt zunächst nach Berlin zur Förderung seiner Werbung

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um die brandenburgische Prinzessin Marie Eleonore und weiter nach Heidelberg fortzusetzen. Adolf Friedrich schreibt über diesen Abend, den ersten, welchen er mit dem Könige verlebte: "Nach dem Nachtessen habe aparte auf des Pfalzgrafen Gemach mit ihm (Gustav Adolf) bis umb halb 1 Uhr von allerhand Sachen discouriret". Es waren ohne Zweifel die wichtigsten politischen Angelegenheiten, welche hier die beiden Regenten beschäftigten; sie schlossen damals Freundschaft für das ganze Leben.

Dabei muß auch die Festung Pöl berührt, und des Königs Interesse für dieselbe rege geworden sein. Denn über dessen Rückkehr merkt der Herzog in seinem Tagebuche am 20. Juni an: "Umb 4 Uhre auf den Nachmittag ist des Pfalzgraf[en] Johann Casimir von Zwebrugk, oder vielmehr des Königs zu Sweden Kammerjungker hie angelanget, bringet ein Schreiben vom Pfalzgrafen, daß er morgen mit dem Könige zu Lübze anlangen will. Ich soll ihm Pferde bestellen auf der Fähre zu Schwerin; von dar will er auf Pöle und so in Schweden."

Die Ankunft verzog sich noch ein paar Tage. Der Herzog schreibt weiter am 23. Juni: "Wie ich über Tafel sitze, kommt Hinrich Lewetzow von Lübze, bringet mir ein Schreiben vom Pfalzgrafen; schreibet, daß der König morgen zu Pöle sein will."

"Den 24. Juni von Swerin nach Mechelburgk, da zu Mittag gessen, von da uf Greesen, da des Königs gewartet. Der König aber schon nach Pöle voran gewesen; als bin ich erst umb 8 Uhr Abends hie zu Pole angelanget. Habe die ganze Nacht mit dem König discouriret". - Gustav Adolf hatte also Zeit gehabt, die Festung zu inspiciren.

"Den 25. ist mein Bruder hie (auf Pöl) angelanget", fährt Adolf Friedrich am Sonntage fort. "Der König ist in der Kirche gewesen. Wir haben ihm aufgewartet. Nach der Predigt ist Tafel gehalten. Der König ist nach dem Essen auf sein Schiff gefahren, der Pfalzgraf aber bei uns blieben; mit dem haben mein Bruder und ich ziemlich späte getrunken." - "Beim Trunk" pflegte man damals noch nach alter deutscher Sitte oft die wichtigsten Angelegenheiten zu verhandeln. Auch mit dem Könige wünschten die beiden meklenburgischen Herzoge noch weitere Unterredungen von Bedeutung.

"Den 26. frühe", so berichtet das Tagebuch weiter, "ist der Pfalzgraf zum König zogen. Ich habe Clas Belowen,

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Heinrich Lewetzow und Judelium zum König auf sein Schiff gesandt und ihn bitten lassen, daß er möge wieder zu mir kommen. Auf den Abend vmb 4 Uhren ist der König wieder bei mir anlanget; hat allerhand mit meinem Bruder und mir discouriret, daß wir uns sollen fursehen für dem Dänen! Haben die ganze Nacht mit ihm saufen müssen; ist also gegen Tage, als den

27. Juni, nach seinem Schiff gefahren. Mein Bruder und ich haben ihm das Geleit auf sein Schiff geben; dar haben wir unmenschlich gesoffen. Sein also mit guter Vertraulichkeit und Courtoisie gescheiden; unser Herr Gott geleite ihn! Mein Bruder und ich sein wieder vom Schiff hier auf dem Hause angelanget, haben Tafel gehalten. Der Pfalzgraf ist nach uns hier angelanget, wie wir über Tafel gesessen, ist aber nicht lange geblieben, sondern seinen Abscheid genommen und nach Wismar gefahren. Mein Bruder ist bis umb 1 Uhre hie blieben. - Mein Bruder ist auch fortgezogen. Ich habe mich schlafen geleget bis umb 4 Uhren, wieder aufgestanden und mit den von Adeln, so noch da gewesen, Tafel gehalten."

"Den 28. Juni Kasper Behre hier zu Pöle angelanget; die Landjunker wegzogen, mein Stallmeister und die Junker neben meinen reisigen Pferden voran nach Swerin zogen."

"Den 29. Juni bin ich umb 7 Uhre früh von Pöle gefahren", - nach Schwerin.

Der König Gustav Adolf war von seiner Aufnahme bei dem Vetter sehr befriedigt. Wie Adolf Friedrich am 4. August anzeichnet, brachte ihm sein Agent Witte "ein Schreiben vom König aus Sweden. Der bedankt sich wegen beschehener Traclation, und er habe Witten etwas befohlen mir anzuzeigen." Der Herzog seinerseits richtete an den König schon am nächsten Tage zwei Antwortschreiben und übersandte mit denselben, als nachträgliches Gastgeschenk, drei Pferde. -

Der Verkehr mit dem schwedischen Hofe ward immer lebhafter. Am 30. August langte zu Schwerin der schwedische Gesandte Oxenstjerna an. Der Herzog hat an diesem Tage mit demselben "viel discouriret", am andern Tage entließ er ihn bei seiner Abreise nach Berlin mit einem Briefe an die Kurfürstin (Johann Sigismunds Wittwe, Anna). Ohne Zweifel theilte Oxenstjerna dem Herzoge mit, daß der Zweck seiner Reise war, für seinen König die Ehepacten wegen der Prinzessin Marie Eleonore abzuschließen und die

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königliche Braut nach Schweden zu geleiten. Der Zweck jenes Briefes war vermuthlich, die Kurfürstin zu bewegen, daß sie mit der Tochter den Weg durch Meklenburg nehmen möchte. Die Einladung ward angenommen. Bei Pöl sollte der Brautzug zur See gehen, dort lag schon, wohl seit der Ueberfahrt Oxenstjernas, ein vom Admiral Karlsson befehligtes königliches Geschwader. Gewiß, um die nöthigen Vorbereitungen zu den Festlichkeiten selbst anzuordnen, erschien der Herzog am 4. September selbst auf seiner Feste Pöl, entsandte aber nach 2 Tagen den Capitain Pilooth nach Dömitz, wo die brandenburgische Prinzessin Meklenburg betreten sollte, also auch Vorbereitungen zu treffen waren.

Aber auch jetzt ließ die Politik den Fürsten nicht zur Ruhe kommen. "Nach Mittag", schreibt er vom 5. September, "ist Monsieur Witte bis umb 5 Uhren bei mir west" (gewesen), von der Confederation mit mir geredet; er will ein Schreiben an den König abfassen, welches ich mit eigen Handen an ihn thun soll; und sonst allerhand Discours."

Obwohl bei schlechtem Befinden, unternahm Adolf Friedrich am 7. eine Wasserfahrt, um dem schwedischen Admiral seine Aufmerksamkeit zu bezeigen. "Bin nach Mittag ans Königes Schiffe gefahren; der Admiral bittet, ich möge zu ihm hinaufkommen; ich entschuldige mich." "Den 8. Septembris habe Jochim Vieregken nach den Schiffen gesandt und den Ammiral einladen lassen. Der Ammiral Carl Carlsohn bey mir zu Mittag gessen. Nach Essens habe ich den Ammiral hinaus hetzen geführet, haben 18 Hasen gefangen, habe ihn bis an den Strand begleitet, und also auf der Festung angelanget".

Am 9. September kehrte Adolf Friedrich nach Schwerin zurück. Am 20. Abends traf die königliche Braut mit ihrer Mutter, dem schwedischen Gesandten und großem Gefolge ("mit großer Confusion", wie der Herzog in seinem Tagebuche meldet) in Schwerin ein, am 22. begab sich der Herzog, mit der königlichen "Braut und dem ganzen Comitat" nach Wismar. Dort fanden sich auch die Herzogin=Wittwe Sophie von Lübz "mit dem friesländischen Fräulein" (Anna Marie, die hernach Adolf Friedrichs Gemahlin ward), der Herzog Johann Albrecht von Güstrow mit seiner Gemahlin. Herzogin Elisabeth (von Hessen=Cassel), und der mütterliche Oheim der meklenburgischen Herzoge Erzbischof Johann Friedrich von Bremen zur Begrüßung der Braut, der Erzbischof freilich auch mit politischen Wünschen, ein. Auf dem Rathhause ward ein großes Festmahl gehalten.

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Unterdessen waren auf der Festung Pöl alle Vorbereitungen zu einem würdigen Empfange der zahlreichen Gäste getroffen. Der Constabler hatte ein großes Feuerwerk gearbeitet. Der Capitain ordnete in einem weitläufigen Memorial die Wachen, welche "ohne Gefreiten und Commandeurs" von 11 Musketieren und 26 Bauersleuten besorgt wurden. Nicht weniger als 17 Posten wurden ausgestellt, alle 2 Stunden ward Ablösung gehalten. Die Reveille sollte nach dem Commando des Capitains geschehen. 6 Soldaten wurden als Trabanten des Herzogs vom andern Dienst befreiet.

"Den 23. Septembris", schreibt Adolf Friedrich, "sein wir nach der Mahlzeit" (von Wismar) "sämmtlich auf Pöle gefahren. Ist Alles ziemlich wohl abgegangen, haben bis in die Nacht getanzet. Samuel Behre da angelanget gar späte, hat doch fast die Nacht mit aufgewartet."

"Den 24. Septembris frühe hat mich mein Vetter" (der Erzbischof) "angesprochen, ich müge mich in Confederation mit ihme und Herzog Friedrich zu Holstein einlassen, und mir eine Notel einer Confederation zugestellet. Habe gesaget, könnte mich bei dieser Confusion nicht resolviren, bäte, er muchte mich Bedenkzeit lassen, hätt' von den (Hanse=) Städten noch keine Resolution, ob der König in Schweden pure sich dazu verstanden mit ihnen in Bündniß sich einzulassen. Er ist fast malcontent west."

"Haben Predigt gehöret" (es war ein Sonntag) "alle sämmtlich, ausgenommen mein Bruder und seine Gemahlin" (die reformirt waren) "sein nicht hineinkommen."

"Wie über Tafel sitze, lässet mir die Kurfürstin wissen, sie zu Schiff fahren will; habe ihr also das Geleit aufs Schiff geben, Samuel Beirre und ich. Die Kurfürstin hat bei ihr habt die Herzogin zu Braunsweig" (ihre älteste Tochter Anna Sophie, Gemahlin Herzog Friedrich Ulrichs von Braunschweig) "und eine Jungfer. Ich bin wieder vom Schiff gefahren und mich zu Lande setzen lassen, und bin ehe aufs Haus kommen, als der Ammiral. Ist also die Braut mit dem Ammiral fortzogen. Wir haben ihnen sämmtlich das Geleit geben, unsern Abscheid genommen und in sinkender Nacht wieder auf Pöle angelanget. Ich habe ein Feurwerk abgehen lassen; darüber ist der Edelknabe Heinrich Thomestorf zu Schaden kommen."

"Den 26. Septembris ist meine Frau Mutter schleunig zum ersten aufgebrochen, ist fast scheldig" (d. h. recht zum Schelten geneigt) "gewesen. Haben Frühstück gehalten; daran

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sein gewesen der Bischof, Herzogin zu Braunsweig, mein Bruder und seine Gemahlin. Gustavus Horn mit Credenzschreiben da ankommen, umb den Bischof zu Bremen" (der auch des Königs Mutterbruder war), "mich, meinen Bruder und Frau Mutter in Schweden einzuladen. Habe ihm eine Kette von 36 Kronen verehret; ich habe meinem Bruder gleich so eine geliehen, welche er mir erstatten wird."

"Nach diesem Verlauf sein sie alle wegzogen, der Bischof machte den Anfang. Sonst sein mein Bruder und ich wohl geschieden. Ich bin nach Doberan fahren." -

So der Gastgeber selbst über das glänzendste Fest, welches innerhalb der Festung Pöl gefeiert ist. Stillere, aber noch glücklichere Tage verlebte Herzog Adolf Friedrich dort zwei Jahre später. Am 4. September 1622 vermählte er sich mit seiner Cousine Anna Marie und holte sie aus Friesland heim. Unter den Aemtern, welche er ihr zum Leibgedinge verschrieb, war auch Pöl, und dorthin geleitete er sie, sobald sie Meklenburg erreicht hatten, über Boizenburg, Wittenburg und Gadebusch, ohne zuvor die Hauptresidenz zu berühren. Das junge Fürstenpaar brachte auf dem "festen Hause Pöl" mehrere Tage in größter Stille zu; nur eine Deputation des Raths zu Wismar unterbrach die Ruhe, sie kam, um die Glückwünsche der Stadt darzubringen und der Herzogin einen kostbaren Pokal zu überreichen. Darauf zog das Paar nach Doberan, machte eine kurze Reise nach Güstrow; von Meklenburg aus zeigte der Herzog seiner Gemahlin die "neue Schifffahrt, so von Viecheln bis Wismar gehen soll", und die "Schleusen", und dann erst zogen sie nach Schwerin.

Auch in den folgenden Jahren erschien Herzog Adolf Friedrich, bald zu Wagen, bald zu Roß, meistens in Begleitung seiner Gemahlin, oft auf seinem Hause Pöl, mitunter, um sich dort durch Entenjagd etwas zu zerstreuen, bisweilen zur Inspection; aber er kam überhaupt nicht leicht in jene Gegend, ohne über Redentin einen Abstecher auf die Insel zu machen. Von Schwerin konnte das fürstliche Paar die Seefeste in einem Tage erreichen; gewöhnlich ward auf dem Hofe zu Meklenburg das Mittagsmahl eingenommen, "zur Nacht" speisten sie dann, weil im Schlosse keine Wirthschaft unterhalten ward, bei Frau Capitain Marie Pilooth. Z. B. notirt der Herzog in seinem Tagebuche vom Jahre 1626: "Den 19. April bin ich nach Pöle geritten mit meiner "Annen Marie, haben beim Capitain Piloten zu Nacht gessen, habe meine Diener als Wilhelm Warnstedt, Otto Raven,

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Edelknaben, und Georg, Leibknecht, bei mir gehabt. Auf den Abend sein wir umb 10 Uhr nach Redentin kommen." - "Am 22. April von Doberan wieder nach Pöl mit Anna Maria. 23. stille. Haben unser Sachen, welche wir allda stehen gehabt und wir zu unser Kindtöf" [am 14. Mai ward Prinz Karl getauft] "nöthig geachtet, bestellet, daß sie anhero nach Schwerin sollen geschaffet werden. Den 24. von Pöle geritten." Selbst mitten im Winter begleitete Anna Marie ihren Gemahl dahin. 1626, "den 28. December frühe um 6 Uhr", schreibt dieser, "von Swerin gefahren, habe bei mir gehabt Anna Maria, Clas Lepel, Otto Thun, Cammerdiener Johann und Meister Michel und Georg, Knecht, zu Mechelburg zu Mittag gessen, und uf Pöle bei bösem Wetter umb 5 Uhren angelanget. Den 29. December umb 12 Uhr von Pöle gefahren und umb 8 Uhre allhie zu Swerin wieder angelanget." -

Auch im Jahre 1627 finden wir manche Fahrten des Herzogs nach Pöl in seinem Tagebuche verzeichnet. Diese aber hatten vornehmlich militairische Zwecke. Für ganz Meklenburg nahete sich drohend eine schwere Katastrophe; diese mußte auch auf Pöl einen bedeutsamen Einfluß ausüben.

 

VIII.

Noch im August 1621 hatte die Festung Pöl eine ziemlich ansehnliche militairische Besatzung; wir finden den Betrag der monatlichen Gage auf etwa 230 Gulden angegeben. Bald hernach ließ aber der Herzog, vielleicht aus Rücksichten der Sparsamkeit, vielleicht weil von der See her keine Gefahr zu befürchten war, eine Aenderung eintreten: die Musketiere verließen die Festung, nur die allernothwendigsten Besatzungstruppen blieben. Am 25. Juni 1622 beschwerten sich die Bauersleute auf der Insel bei dem Landesherrn darüber, daß, obgleich die Soldaten abgeschafft seien, der Capitain von ihnen noch täglich 2 Mann Wache verlange; Knechte und Söhne sträubten sich gegen solchen Dienst, und sie hätten auch ohnehin noch Fuhr= und Fußdienste am Walle und sonst an der Festung zu leisten. Aber schwerlich haben sie Erhörung mit solcher Vorstellung gefunden; vielmehr berichtet Lüdeke Beneke, der den oft abberufenen Pilooth vertrat, er habe nach näherer Verabredung mit dem Hofmeister das Exerciren der Bauerschaft begonnen; "sie" (die Bauern) "haben auf den Sonntag" (nach dem Gottesdienste) "nit

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daran gewollt, besonder sein den Mittwochen und Samstag die zwomal hier gewesen, sie werden sich hinferner auch einstellen."

Aber eine solche Miliz genügte nicht mehr, als der deutsche Krieg den niedersächsischen Kreis bedrohete. Freilich hatte in Rücksicht auf diesen Dömitz eine viel größere Bedeutung und eine viel bedrohetere Lage, und Pilooth sowohl wie auch der Herzog selbst begaben sich oft in die Elbfestung, um gegen alle Eventualitäten Vorkehrungen zu treffen. Aber ganz durfte doch auch die Feste Pöl nicht verabsäumt werden, zumal als der Kreisoberste, König Christian von Dänemark, 1626 von Tilly geschlagen war und seine Truppen nach Meklenburg ihren Rückzug nahmen. Am 26. October ertheilte Adolf Friedrich dem Capitain Pilooth also den Befehl, zu den auf der Festung Pöl vorhandenen 33 Mann noch weitere 100 Mann anzuwerben; und wirklich erhöhete dieser die Besatzung bis zum Herbste des Jahres 1627 auf 159 Mann. "Am 12. September", notirt der Herzog, "habe ich den Leutnant Johann Georg Fischer für meinen Leutnant auf Pöle bestellt; hat seinen Eid abgeleget. Habe ihm einen Rosenobel zum Antritt verehret."

Die Herzoge von Meklenburg geriethen durch das Einrücken der Dänen inzwischen in eine verzweifelte Lage. Man hatte nicht die Macht ihnen Widerstand zu leisten; aber Adolf Friedrich hatte auch nicht den Willen sich von dem Könige Christian von Dänemark offen los zu sagen. Denn die protestantische Sache wollte er nicht verlassen, während seine Stände, unter dem Einflusse des vormals meklenburgischen, jetzt kaiserlichen Raths Husanus sich offen für vollen Gehorsam gegen den Kaiser aussprachen. Bernhard von Weimar, damals dänischer Oberst, rieth den Herzogen, ihre ganze Landschaft aufzubieten; aber sie beschlossen am 17. April bei einer Zusammenkunft auf dem Gute Herzberg, "daß es nicht rathsam wäre; denn die Unterthanen von Husano so eingenommen wären, daß sie zwar wohl kommen und uns pariren möchten", schreibt Adolf Friedrich, "aber zu fechten sich verwegern würden und uns also seltsame conditiones anmuthen würden." Am 21. April, bei einer abermaligen Begegnung der Herzoge zu Herzberg, "da hat er" - der anwesende dänische General=Wachtmeister B. J. von Schlammerstorf - "publice zwar schlechte resolution bekommen; in secret haben mein Bruder und ich uns versprochen, ihme allen Vorschub und guten Willen zu erweisen." Adolf Friedrich sandte dem Könige von Dänemark

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auch Pulver und Lunten; und am 5. und 6. Mai hat der Herzog zu Neustadt "alles, was zu Fortsetzung [der] Defendirung dieses Landes von Nöthen gewesen, mit Slamerstorf abgeredet."

Natürlich mußte der Herzog bei solcher Parteinahme auf eigene Sicherung bedacht sein. Wohl hoffte er auf den Beistand des Königs Gustav Adolf; er unterhielt mit demselben einen Briefwechsel, und Peter Bauèr ging ab und zu. Doch waren feste Plätze bei dem Mangel an Truppen vorzüglich nöthig. Adolf Friedrich hatte schon am 24. April mit Piloten die Veste und die Stadt" (Schwerin) "besehen, wie die zu fortificiren", und war "den 25. April mit Piloten nach der Fähre gefahren, und allda ein Besteck gemacht, umb selbigen Orts auch eine Schanze zu schlagen". Dömitz war gut befestigt worden; aber am 14. Juni erhielt der Herzog von dem dortigen Befehlshaber Capitain Overberg die Nachricht, "daß seine Soldaten meuteriren wollten". Und gleichzeitig lief sichere Meldung ein, daß Tilly schon in Bleckede stehe!

Noch blieb dem Herzog Adolf Friedrich, wenn er auf Dömitz nicht rechnen durfte, die Feste Pöl; sie konnte durch den Abbruch der Brücke, welche die Insel mit dem Lande verbunden hatte, leicht verstärkt werden und sicherte dem Fürsten jedenfalls eine Weile noch den Aufenthalt in seinem Lande und schließlich ein Entkommen zur See. Aber eine Vertheidigung des Landes ließ sich auf dieselbe nicht gründen; dazu schien allein Wismar geeignet.

Dahin begab sich denn also am 20. Juni der Landesherr. Er that am andern Tage dem Rathe "die Proposition, nämlich daß ich mich mit den Meinigen auf einen Nothfall in die Stadt salviren wollte. Darumb sollten sie mir der Stadt Gelegenheit vermelden, daß, wo etwa Mängel erscheinen sollten, ich solches mit Rath und That remediren könnte. Sie haben Bedenkzeit und Abtritt begehret bis umb drei Uhre." Da gegen Abend noch keine Resolution erfolgt war, bestieg der Herzog den St. Marienthurm, um die Stadt zu übersehen, beging dieselbe ringsum schon um 5 Uhr am andern Morgen, setzte diese Musterung auch am 22. und 23. fort, besichtigte das Rathhaus und "redete allerhand" mit den Bürgermeistern; aber eine Resolution empfing er nicht. Ungeduldig fuhr am Nachmittage der Fürst auf seiner Kriegsjacht nach Pöl, ohne Zweifel, um weitere Entschlüsse zu fassen. Nach 2 Tagen kehrte er nach Wismar zurück, um mit Rath und Bürgerschaft ferner zu verhandeln; am 27. haben sich

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diese aber "gar schlecht erkläret", und nachdem der Landesherr ihnen noch einen Tag Frist gegeben, am 28. "noch eine schlechtere schließliche Resolution gebracht", so daß Adolf Friedrich die Unterhandlung abbrach.

Nun rückte aber im Juli der Wallensteinsche Oberst Hans Georg von Arnim ins Stargardsche ein, Tilly überschritt zu Ende desselben Monats mit seinen Regimentern die Elbe; die Dänen nahmen mehr und mehr ihren Rückzug in die Gegend von Wismar, während die Stadt selbst von Einquartierung frei blieb. Wahrscheinlich aus diesem Grunde begab Adolf Friedrich sich zu Anfang August, nachdem er unterwegs wieder mit den Wismarschen Bürgermeistern "tractiret" hatte, auf längere Zeit auf seine Festung Pöl. Die Einquartierung der Dänen bereitete ihm viel Ungemach. "Den 12. Augusti bin ich leider wegen vieler Geschäfte nicht in der Predigt gewesen", schreibt er in sein Tagebuch; und am 13.: "ist nichts Sonderes vorgegangen, als daß mir meine Aemter spulgiret" (spoliiret). Am 11. war Schlammerstorf beim Herzog auf der Feste im Nachtquartier, das Hauptquartier ward nun auf die Insel Pöl (aber nicht in die Festung!) verlegt; die Dänen erbauten Schanzen zu Strömkendorf und auf Pöl bei Fährdorf.

Doch war es keineswegs ihre Absicht, es auf eine blutige Entscheidung mit den Wallensteinschen ankommen zu lassen oder sich auf der Insel, die bei dem Mangel einer Flotte auf Feindesseite einer starken Festung glich, zu vertheidigen. Vielmehr ließen sie schließlich ihre Bundesgenossen, die meklenburgischen Herzoge, im Stich. Bevor sich Adolf Friedrich zu Anfang Septembers wieder nach Pöl begab, um bei dem Abzuge der Dänen zugegen zu sein, sah er sich veranlaßt, einen Gesandten an Wallenstein selbst abzuschicken; es galt nun, sich in allen Dingen durchaus "devot" gegen den Kaiser und dessen Generale zu bezeigen!

Am 3. September langte der Herzog auf Pöl an. Er empfing hier wieder "Herrn Peter Banier", der seiner Gemahlin Anna Marie "wegen der Königin zu Sweden" ein schönes Halsband mit Smaragden und einen schönen Ring "zu Gevattergeld verehret", daneben auch wohl eine politische Mission hatte; aber zur Zeit konnte die schwedische Freundschaft Meklenburg nicht helfen. Lebhaft verkehrte Adolf Friedrich in jenen Tagen mit dem Herzoge Bernhard von Sachsen=Weimar, der, als er am 7. sich mit seinem Regiment auf die bei Pöl liegenden Kriegsschiffe begab, dem Gast=

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freunde zum Andenken ein graues spanisches Pferd schenkte. Nur etwa 1000 Dänen blieben noch unter Schlammerstorfs Commando zurück.

Eine etwas unheimliche Erscheinung war dagegen der Obrist Slawata. Man sieht nicht recht, welcher Grund ihn eigentlich am 5. September nach Pöl führte, wo beim Herzoge der General Schlammerstorf und einige andere dänische Befehlshaber aus= und eingingen. Er bezeigte sich übrigens gegen den Herzog zuvorkommend. "Ich habe", schreibt dieser am 5. in sein Tagebuch, "Her Slawata gesprochen; der hat mir versprochen die Reiter zu strafen, die meine Junkern geplündert und mir meine Pferde genommen." Und am 10.: "Der Herr Oberst Slawata bei mir zu Nacht blieben und mir einen schönen lichtbraunen Wallach geben." -

Wieder begab sich am 13. der Herzog von Pöl nach Wismar: "habe mit dem Burgemeister Eggebrecht gar scharf "geredet". Doch schwerlich mit Erfolg. Die Stadt wartete eben, bis es zu spät war. Die Kaiserlichen erreichten schon in der nächsten Zeit die Umgegend von Wismar; die Dänen sahen sich am 20. September genöthigt, die Schanze auf dem Festlande vor der Pöler Brücke aufzugeben und sich in die hintere Schanze (jenseit der Brücke, auf der Insel) zurückzuziehen. Wahrscheinlich brachen sie bei dieser Gelegenheit die Brücke ab. Einige Abtheilungen gingen sofort zu Schiffe, Schlammerstorf selbst hielt die Brückenschanze noch bis zum 7. October, räumte an diesem Tage aber vollends die Insel, und die Kaiserlichen besetzten dieselbe alsbald - mit Ausnahme des festen Schlosses.

Arnim führte seine Aufgabe, die festen Plätze in Meklenburg zu besetzen, um auf diese Weise die Herzoge erst wehrlos zu machen und sie dann zu vertreiben - denn das war Wallensteins Absicht - mit Festigkeit, aber in milder Form aus. Adolf Friedrich schien von dem letzten Ziele des Herzogs von Friedland noch keine Ahnung zu haben; seine Verhandlungen mit Arnim wegen der Verproviantirung der kaiserlichen Truppen verliefen ganz freundlich. Aber am 6. October "hat der Obrister Arnem wegen des Herzogen von Friedland Quartier in dieser Stadt Wismar" - wo sich Adolf Friedrich eben wieder aufhielt - "begehret. Ich habe hinausgeschicket und dafur gebeten; es ist aber abschlagen worden."

Die Stadt gerieth darüber in die größte Sorge. Jetzt übertrug der Rath endlich, aber freilich viel zu spät, dem

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Landesherrn "die ganze Direction in dem Defensionswesen, wie denn auch die Fortification der Stadt"; auch die Bürgerschaft schloß sich an, mit der Bitte, der Herzog möge die Einquartierung verhüten.

Adolf Friedrich beschied hierauf am 8. October den Obersten von Arnim "aufs Haus Pöle", "und mit ihm von 3 Tagen Bedenkzeit tractiret, welches auch erhalten. Um 10 Uhr Abends ist er wieder von mir geschieden." Am andern Tage fand der Herzog in Wismar "das Volk toll und thöricht"; es wollte sich am Wasser verschanzen. Kaum merkte dies der kaiserliche Feldherr, als er auch sogleich mit der ganzen Armee vor die Stadt zog und nun sofort Einlaß begehrte. Nur mit großer Mühe erlangte nach zweitägiger Verhandlung der Herzog, daß die kaiserliche Besatzung in Wismar auf 1000 Mann beschränkt ward; am 10. Abends zogen diese in die Thore ein.

An Wismars Schicksal hing auch das der Festung Pöl. Sie war den Kaiserlichen ein Dorn im Auge, da sie den Dänen bei einer etwanigen Landung einen festen Stützpunkt hätte bieten können, falls sich der Herzog Adolf Friedrich mit ihnen vereinigen wollte. Die Herzogin Anna Marie hatte jüngst selbst mit dem Obersten Arnim "wegen unseres Hauses und Ländleins Pöl" (ihres Leibgedinges) "geredet" und von ihm darauf eine "gutwillige Erklärung" empfangen; die Insel ward auch nur wenig mit Requisitionen belästigt.

Am 4. November schrieb nun aber der Commandant von Wismar, Oberst Daniel von Hebron, an den Herzog, "daß noch täglich itzbesagte Dero Unterthanen und Diener auf Pöl mit des Feindes" (des Königs von Dänemark) auf den Schiffen doselbst liegendem Volk nicht allein Correspondenz pflegen, sondern sie auch mit Proviant an Essen und Trinken doselbst versehen." Er fügt hinzu, der Herzog möge dies abstellen; widrigenfalls und so Einer betroffen werden sollte, würde Hebron ihn als einen mit dem Feinde Correspondirenden gebührlich strafen.

Nach Pilooths Versicherung war diese ganze Beschuldigung unwahr, vermuthlich nur ein Vorwand für die bald heraustretende Absicht auf die Festung.

Hebron verlangte ferner, der Herzog möge eilends durch den Capitain Pilooth die Brücke wieder herstellen lassen, welche vom Festlande auf die Insel führte; die Materialien würden dazu noch vorhanden sein. Nun lag Pilooth selbst sehr an dieser Brücke, weil es auf der sonst gut ausgerüsteten

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Festung an Brennholz fehlte; das nöthige Bauholz war nur noch nicht vorhanden, und den Bauern waren von den Feinden schon so viele Pferde genommen, daß sie es nicht heranschaffen konnten. Dennoch stellte Pilooth, um seinen guten Willen zu zeigen, am 10. November die Ramme auf.

Natürlich half das alles nicht; Nachgiebigkeit schützte nicht mehr, seitdem Wallenstein offen seinen Zorn über den Herzog Adolf Friedrich gegen dessen Gesandten ausgesprochen hatte. Am 12. November, an demselben Tage, als der Herzog Hans Albrecht II. seinen Bruder aufforderte, sie wollten gemeinsam eine Gesandtschaft an den Kaiser nach Prag abgehen lassen, kam in Schwerin auf den Abend Johann Gordon, der Obrist=Wachtmeister Hebrons, an, um in dessen Auftrage dem Herzoge Adolf Friedrich mündlich zu eröffnen, daß "wegen der Römischen Kaiserlichen Majestät" der Herzog von Friedland dem Obersten Arnim befohlen habe anzubringen, der Herzog von Meklenburg habe das Haus Pöl zu öffnen, kaiserliche Garnison darein zu nehmen und seine darin liegenden Soldaten herauszuziehen; Oberst Arnim sei aber verhindert, selbst zu kommen!

Der Herzog entschloß sich schnell. Er fertigte am andern Morgen Gordon mit einem Schreiben an Hebron ab, worin es heißt: "Nun sind Allerhöchstgedachter Ihro Kaiserl. Majestät Wir einige Oerter oder Plätze, so in Unsern Landen belegen und zu Deroselben Diensten und Furtheil gereichen können, wie hie bevor dasselbe, wenn es in Unsern Mächten bestanden, allewege geschehen, also auch itzogedachtes Unser Haus Pöle zu vorenthalten und zu vorsperren nicht gemeint, sondern vielmehr zu Ihro Kais. Maj. Besten dasselbe zu eröffnen und Kaiserl. Guarnison darauf zu nehmen, wenn es die Nothdurft erfordert, willig und geneigt."

"Weil man aber zu dieser Winterzeit, Gott Lob, zu Wasser und zu Lande sich keiner Gefahr zu besorgen hat, und Wir wegen Unser darauf noch vorhandenen Sachen und Diener Sicherheit und Gewißheit auf solchen Fall haben müssen", - so habe er Arnim zu sich erbeten und erwarte stündlich ihn oder seine Resolution, um von ihm zu erfahren, "wie und auf was Maße betagte Guarnison eingenommen und unterhalten werden" solle.

Am 18. November überbrachte zu Schwerin der Obristlieutenant Johann Friedrich von Kötteritz ein Creditiv von dem Obersten Arnim, geschrieben zu Bützow am 16. Darin bemerkt dieser: "Dieweil ich dann wohl gehoffet, E. F. G.

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würden Mittel, wodurch sie selbige Besatzung" (von Pöl) abzuwehren vermeinet, gefunden haben, Und aber der Herr General" (Wallenstein) "fast täglich mir Befehl zugeschickt, mit der Besatzung doselbst zu verfahren, Hätte auch bei E F. G. mich in Person ganz gehorsamst gestellen wollen, wann ich nicht wegen der itzigen Einquartierung in Pommern daran merklich wäre verhindert worden". "Pitte nochmalen", heißt es am Schluß, "E. F. G. wollen diese Besatzung nicht ferner prorogiren, damit bei I. F. G. dem Herrn Generalen mir deswegen keine Ungelegenheit erwachsen möge."

Der Herzog erklärte hierauf dem v. Kötteritz, daß er kein Bedenken habe, solches Ihrer Majestät auf Dero Begehren" zu bewilligen; er entschloß sich, am folgenden Tage selbst mit dem Obristlieutenant nach Pöl zu reisen und sein festes Haus selbst zu überantworten. Er mochte dies für um so nothwendiger halten, da der Capitain Pilooth krank lag. - Aus dem herzoglichen Tagebuch erfahren wir dann weiter, was folgt:

"Den 19. November bin ich frühe auf gewesen und bin zu Mittag allda zu Wismar angelanget; habe den Obristen Hebron und ander Officierer zu Gaste gehabt, den ganzen Tag mit ihnen abgeredet die conditiones, wie die Abtretung" (der Feste Pöl) "geschehen sollte", (die dem Herzoge also doch wohl recht schwer ward!).

"Den 20. November frühe sein wir in ein Schiff gesessen und zu Pöle angelanget, aber die Compagnien von des Arnimbs Regiment waren noch nicht ankommen."

"Den 21. November haben wir die Conditiones beschlossen und allerseits besiegelt. Da ist der Obrister Wachtmeister Wartesla" (der das Commando auf Pöl übernahm) "bei gewesen. Habe ihm zum Antritt ein Faß Wein verehret. Auf den Abend sein der Obrist Hebron und Kötteritz wieder nach Wismar zogen; ich bin zu Pöle blieben."

Wir lassen die Capitulation über das feste Haus Pöl vom 21. November nebst dem Inventarium von diesem Tage in Anlage 2 und 3 folgen. Die Bedingungen klangen milde genug; die Uebergabe sollte nur bis zum Frieden mit Dänemark währen, dem Herzoge auch unterdessen der Besuch der Festung gestattet, Gemächer ihm reservirt, selbst dem herzoglichen Hauptmann eine Wohnung bleiben; nur "Kraut und Loth" wollten die Kaiserlichen gelegentlich auch anderswo verwenden, sonst die ganze Ausrüstung auf der Festung

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lassen. - Wallenstein hatte freilich ganz andere Pläne; ihm mögen die Bedingungen gleichgültig gewesen sein, - wenn er sie je erfahren hat. Denn merkwürdiger Weise haben die kaiserlichen Officiere die für sie bestimmten Exemplare offenbar nicht einmal an sich genommen, da sich hier im Archiv statt eines drei Originale finden!

Nur an Arnim mag der Herzog selbst eins gesandt haben. Er meldete nämlich noch am 21. diesem die gutwillige Einnahme der Besatzung und fügte hinzu: "Und weil nun hiedurch Unsere gegen der Römischen Kaiserl. Majestät, Unsers Allergnädigsten Herrn, beschehene allerunterthänigste Accomodation abermaln realiter contestiret wird, so tragen wir zu Euch das gonstige Vertrauen, Ihr werdet dasselbe an gebührende Oerter zu referiren und Unsern schuldigsten und willigsten Gehorsamb aufs Beste zu recommendiren wissen."

Denselben Gedanken hatte der Herzog auch in der Capitulation hervorgehoben; und als der Oberst Hebron sich zu Wismar von ihm verabschiedete, um sich über Pommern nach Prag zum Kaiser zu begeben, merkte Adolf Friedrich von ihm im Tagebuche an: "hat sich hoch gegen mir erboten!" - Aber freilich blieben solche Fürsprachen der Obersten und aller erwiesene Gehorsam jetzt fruchtlos.

Der Capitulation gemäß führte der Lieutenant Fischer die meklenburgischen Musketiere, 87 Mann, zu Anfang Decembers von der Festung Pöl ab nach Schwerin, wo sie abgedankt wurden und wenigstens zum Theil in das, damals zu Gadebusch einquartierte, Regiment des Fürsten Georg Aribert von Anhalt eintraten. Die eigentliche Festungsbedienung blieb noch bis zum Ende des Jahres auf Pöl. Pilooth bauete damals die von den Kaiserlichen begehrte Brücke vom Festlande auf die Insel und vollendete sie im Januar; er sandte aber, in richtiger Erwartung dessen, was da kommen werde, seine beste Habe vorläufig nach Schwerin, auch fürstliche Betten und anderes Mobiliar schaffte er alsbald fort. Aeußerlich unterhielt man mit den Kaiserlichen noch guten Verkehr; der kaiserliche Commandant auf der Festung und dem Lande Pöl, Oberst=Wachtmeister Wratislav, empfing vom Herzoge Maränen, Krebse etc . und vergalt diese am Sylvesterabend mit Austern u. s. w. Aber als Adolf Friedrich die Einquartierung von 3 Compagnien auf der Insel allzu drückend für seine Unterthanen fand, hatte man für solche Klage kein Ohr.

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IX.

Alle Rücksichten auf die Capitulation vom Jahre 1627 verschwanden vollends, nachdem der Herzog von Friedland die rechtmäßigen Landesherren vertrieben hatte und durch den Kaiser mit den meklenburgischen Landen Anfangs für Schulden abgefunden und hernach belehnt worden war. Er legte bekanntlich auf die günstige maritime Lage Meklenburgs das größte Gewicht; und da es ihm nicht gelang, die Hanseaten für sich zu gewinnen, ging sein Streben dahin, sich thunlichst selbst gegen die nordischen Seemächte zu schützen. Mit der größten Anstrengung vervollkommnete er die Befestigung der Stadt Wismar. Daß Adolf Friedrich das feste Schloß auf Pöl erbauet hatte, kam ihm sehr zu Statten und er hielt eine ansehnliche Besatzung darauf.

Aber dies genügte ihm doch nicht, um damit die Bucht von Wismar vollständig zu beherrschen. Aus diesem Grunde begann er im Sommer 1628 die Brückenschanze auf Pöl, welche schon die Dänen aufgeworfen hatten, regelrecht auszubauen; im Frühling des nächsten Jahres war sie vollendet. Hierauf aber faßte er den Walfisch ins Auge, der, im Meerbusen unmittelbar am Fahrwasser gelegen, und überdies geeignet, auch Kriegsschiffen einen Zufluchtsort zu bieten, nun schnell zu einem starken Vorwerke der Seefestung Wismar ausgebauet ward. Um diesen Zweck zu erreichen, wurden keine Mittel geschont und keine Kräfte; aus allen Aemtern wurden "Schanzer" unter scharfer Bedrohung herangeholt, das ganze Land litt darunter unsäglich.

Ohne Zweifel erwartete Wallenstein Flottenangriffe, Anfangs von den Dänen, dann, nachdem er mit diesen 1629 Frieden geschlossen hatte, von den Schweden. Die Befestigungen vor Wismar wurden stark besetzt; auf dem Pöler Hause lagen die 3 Compagnien der Hauptleute v. Grünenthal (von St. Julians Regiment), de la Fantein (vom Wallensteinschen Regiment) und Geraldino (vom Regiment St. Julian) u. s. w.

Im September 1629 schon, als man noch mitten im Bau der "Walfisch=Schanze" begriffen war, erließ der Wallensteinsche Kammerrath Bogislav v. Plate ein Patent, worin es heißt: Weil "der Kaiserliche Dienst eine Anzahl Leute, welche mit Schiffen und zu Wasser umzugehen wissen, erfordert und eiligst müssen zur Hand geschafft werden, hie zur Wismar aber die völlige Nothdurft nicht vorhanden:

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als wird hiemit männiglich, sonderlich die Beamten, Städte und vom Adel, so I. F. G. dem Herrn Generaln von hier aus am Meerhafen bis Travemünde angehörig und unterthänig, ersucht und ihnen anbefohlen, jedweders Orts die Leute, welche mit Fischen und Schiffen hantiren können, sowohl aus Städten als Dörfern, wie auch von dem Insulchen Pöl alsbald und stündlich - nach Wismar zu schicken und sich auf eine geringe Zeit kegen Abstattung gebührlicher Belohnung gebrauchen zu lassen." Wer sich weigern würde, sollte bestraft und doch zum Dienste gezwungen werden.

Es handelte sich um nichts Geringeres, als eiligst eine - Kriegsflotte auszurüsten. Die beiden leichten Kriegs=Jachten, welche Herzog Adolf Friedrich schon hatte bauen lassen, hätten genügen mögen, um Seeräuber gelegentlich abzuwehren; gegen fremde Flotten aber vermochten sie nichts. Die Wallensteiner wußten sich jedoch schnell 3 "Frigaten" zu verschaffen; die eine wenigstens (vermuthlich auch die beiden andern) wurde von den Zimmerleuten, welche an der Walfischschanze mit dem Bau von mindestens 4 Baracken beschäftigt waren, unter Beihülfe Wismarscher Handwerker erbaut; man hatte ferner eine "alte Gallera" zur Hand, eine "neue Gallera" kam hinzu. Die alte konnte wenig über 20, die neue 35 Mann, jede Fregatte etwa 40 Mann Besatzung aufnehmen. Nun wurden aber "auf die Schiffe" commandirt:

1) vom Regiment Altringer:

2 Hauptleute (Gistellis und Castro), 2 Lieutenants, 2 Feldweibel, 5 Feldscheerer, 7 Trommelschläger, 10 Corporale, und von jeder Compagnie 2 Gefreite und 18 Mann, also insgesammt 200 Mann,

2) von Wallensteins Regiment:

1 Hauptmann, 1 Lieutenant, 1 Feldweibel, 4 Corporale, 1 Feldscheer, 1 Trommelschläger, 250 Gefreite und Gemeine,

3) vom Marezanschen Regiment:

1 Lieutenant, 1 Feldweibel, 4 Corporale, 1 Feldscheer, 1 Trommelschläger, 150 Gemeine,

also im Ganzen 645 Mann. Es wurden zur Aufnahme derselben noch 8 Schiffe gemiethet oder gekauft, die von sehr verschiedener Größe waren; während das kleinste nur 20

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Mann Besatzung faßte, nahm das größte ("David" genannt) 100 Soldaten auf.

Sämmtliche Schiffe dieser Flotte, der einzigen Kriegsflotte, welche seit dem Mittelalter in Meklenburg ausgerüstet ist, wurden auf 14 Tage verproviantirt. Daß es auf eine möglicher Weise sehr ernste Begegnung mit den Schweden abgesehen war, ergiebt sich aus der Menge der Munition, welche zum Theil aus den Vorräthen auf der Festung Pöl genommen ward; es waren nicht weniger als 4500 Pfund Pulver, 4500 Pfund Kugeln und 2550 Pfund Lunten. Leider erfahren wir weder den Namen des Höchstcommandirenden, noch die Zahl der Geschütze.

Zu einem ernsten Zusammenstoße mit den schwedischen Schiffen ist es übrigens nicht gekommen, die meklenburgischen haben nach einer gelegentlichen Angabe mit jenen nur "scharmuzirt". Immerhin mögen sie aber dadurch weitere Angriffe auf die Wismarsche Bucht verhütet haben, zumal die starke Besatzung von 5 Compagnien auf Pöl eine Landung daselbst gar sehr erschwerte.

 

X.

Glücklicher Weise nahm Wallensteins Herrschaft über Meklenburg ein baldiges Ende; der Kaiser sah sich durch den Widerspruch der Reichsfürsten genöthigt, seinen Feldherrn bei Seite zu stellen, und Gustav Adolf von Schweden übernahm die schwierige Aufgabe, Norddeutschland von den kaiserlichen und den diesen verbündeten liguistischen Truppen zu befreien. Was uns hier speciell angeht, am 9. October 1631 verließen die Kaiserlichen Pöl, am 30. October sperrten die Schweden den Wismarschen Hafen, im Januar 1632 sah der kaiserliche Obrist Gramm sich zum Abzuge aus der Stadt durch eine Capitulation genöthigt.

Das feste Haus Pöl kam somit nun wieder an den rechtmäßigen Herrn zurück. Aber in welchem Zustande! Es scheint nicht so, als wenn es unterdessen auch nur von einer einzigen feindlichen Attaque betroffen wäre; aber wie hatten die Kaiserlichen darin gehaust! Daß sie die Capitulation von 1627 nicht halten würden, daß sie also aufs Freieste mit dem Geschütz, der Munition und den Vorräthen umgehen würden, ließ sich erwarten; aber man hätte doch glauben mögen, daß die Schloßgebäude des dermaligen factischen Landesherrn geschont worden wären. Dagegen war man dort

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mit wahrer Ruchlosigkeit verfahren; z. B. der Kirchthurm hatte als Pulverthurm gedient, er enthielt in seinem oberen Theil 6, im Keller 36 Fässer Pulver! Die Baracken im Hornwerk waren fast Trümmerhaufen geworden. Im Schlosse selbst fehlten 21 Thüren ganz, ebenso viele waren zerschlagen, Fensterbogen waren ausgebrochen, im großen Saal lag Korn aufgeschüttet u. s. w.

Der Capitain Pilooth hat sein Werk in dieser Verwüstung nicht wieder gesehen, er war schon 1629 gestorben. Der Herzog konnte unter den unendlichen Beschwerden und Kosten des fortgehenden Krieges kaum die Mittel erschwingen, um alle Schäden der Festung Pöl wieder ausbessern zu lassen; es geschah thunlichst durch Handwerker. Tische und Stühle ließ Johann Eichler, dem die Fürsorge für den Bau übertragen war, aus Bauerhäusern auf der Insel wieder zusammenlesen. Die Wälle waren auch verfallen, wurden aber wieder leidlich in Stand gesetzt. Wie viel Geschütze sich noch vorfanden - manche waren in die Brückenschanze versetzt -, erfahren wir nicht. Musketen waren nicht mehr vorhanden als 5 unbrauchbare; man mußte froh sein, aus Lübek wenigstens 200 Piken zu erhalten, um damit einstweilen eine Vertheidigung zu ermöglichen. Die größere Jacht mußte, weil allzu schadhaft, verkauft werden; und Kriegsfahrzeuge wurden nicht wieder erbaut.

Johann Eichler glaubte, das Schloß so weit herstellen und säubern zu können, daß "I. F. G." (Herzog Adolf Friedrich) "nach Ihrem Belieben noch wohl darin sein könnten". Aber es scheint nicht so, als wenn der Herzog noch wieder, wie früher, Pöl oft zu einem vorübergehenden Aufenthaltsorte wählte. Die Ausstattung des Hauses war im Jahre 1633 nur eine höchst bescheidene; und es war nicht anzurathen, daß man sie erweiterte. Denn in den nächsten schweren Kriegsjahren war die Insel Pöl bei ihrer wichtigen Lage vor Wismar mehrfach feindlichen Ueberfällen und Einquartierungen ausgesetzt. Hatten die Schweden seit dem Tode ihres großen Königs († 1632) gegen Meklenburg sich längst als lästige Freunde bewiesen, so hausten sie, nachdem Meklenburg 1635 mit dem Kaiser Frieden gemacht hatte, als bitter erzürnte Feinde im Lande. "Um diese Zeit", bemerkt zum 21. October 1635 der bekannte Wismarsche Historiker M. Dietrich Schröder, "ward das Haus auf Pöl von dem "Schwedischen Estats=Major erstiegen, auch das Ländlein Pöl in Contribution gesetzt." 1636, im Sommer, waren eine Weile von Wismar aus Schweden nach Pöl geschickt.

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1637 und 1638 ward das Land Meklenburg unter den Kämpfen der Schweden und der Kaiserlichen und unter dem schrecklichsten Auftreten der Pest fast zur Einöde. Im Januar 1638 hausten Kaiserliche auf Pöl.

Aus den nächsten Jahren haben wir nur noch äußerst seltene Nachrichten von dem fürstlichen Hause auf der Insel. Im westfälischen Frieden ging es dann, wie das ganze Amt Pöl, mit Wismar und Neukloster vollends an die Krone Schweden über.

 

XI.

Mit dem Jahre 1648 hören unsere actenmäßigen Nachrichten über die Festung Pöl fast ganz auf. Aus der nächsten Zeit wird uns allerdings noch berichtet, daß ein Hauptmann auf derselben war. Die Königin Christine hatte ihrem späteren Nachfolger Karl X. Gustav unter andern auch die Einkünfte von der Insel Pöl verliehen, ließ dieselbe jedoch damals noch selbst verwalten.

Aber dies änderte sich entweder schon bei Lebzeiten des Königs Karl X. oder bald nach seinem Tode. Die Schweden legten der Festung Pöl keine Bedeutung bei und gaben sie als solche auf, während sie seit dem Jahre 1680 Wismar aufs Stärkste befestigten und auf dem Walfisch den berühmten hohen, festen Thurm erbaueten. Die Insel Pöl finden wir schon im Jahre 1662 im Pfandbesitze des General=Majors (spätern General=Lieutenants) und Reiterobersten Grafen Anton von Steinberg 1 ), der die Insel auch 1673 noch im Besitze hatte und wahrscheinlich bis an seinen Tod in ihrem Pfandbesitze geblieben ist. Seine Wittwe Katharine Ribbing zwang die Krone Schweden 1685 durch einen Proceß, ihr die eingezogene Insel herauszugeben; erst 1692 kehrte Pöl wieder in den Besitz der Krone zurück.

Für das Schloß auf Pöl war es ein großer Uebelstand, daß, wieweit es das "Gräfl. Steinbergsche Schloß" hieß, der Besitzer es nicht selbst bewohnte, sondern hieher oder auf den Kaltenhof einen Amtmann setzte, der die ganze Insel verwaltete. Gewiß ist, daß das Schloß ohne die nöthige Pflege blieb und allmählich ganz verfiel. 1680 hören wir schon von Untersuchungen über Entwendungen von Thüren


1) Ueber diese Steinberg'sche Zeit verdanken wir dem Dr. med. Crull alle Nachrichten.
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und Fenstern. 1682 war das Schloß "gänzlich ruiniret, indem alle Logementer an Fenstern, Thüren, Oefen, und wie es sonsten Namen haben mag, ganz und gar entblößet und spoliiret" waren.

Die Krone Schweden hatte auch kein Interesse daran, den verfallenen Schloßbau wieder herzustellen. In einem um 1700 entworfenen Amtsberichte heißt es, das Schloß sei ein schönes, mit einem schlanken, sehr hohen Thurm versehenes Gebäude gewesen; der eine Theil sei bereits eingestürzt, der andere dem Einsturz nahe; nur die unter dem Walle befindlichen Pferdeställe seien wohl erhalten.

Wie es scheint, wollte die schwedische Regierung aber auch nicht einmal die Kosten der Aufräumung des Schloßplatzes tragen, die doch vermuthlich durch den Erlös aus der unendlichen Menge der Bausteine gedeckt worden wären. Genau sind wir über den völligen Untergang des einst so stolzen Bauwerkes nicht unterrichtet. Schröder berichtet uns freilich, daß die Dänen und Preußen nach der Eroberung Wismars die Werke der Stadt demolirten, auch den großen Thurm auf dem Walfisch am 2. Februar 1718 in die Luft sprengten, die Wälle daselbst zerstörten und die Steine verkauften; aber von dem Schlosse auf Pöl meldet er nichts dergleichen, weiß auch von demselben nichts weiter zu sagen, als daß es, "weil es schwedisch gewesen, wenig mehr geachtet und gebrauchet worden, und also nach und nach von selbsten über den Haufen gefallen" sei; sein ehemaliges Dasein bezeugten "auch die an vielen Orten noch vorhandenen Ruinen."

Als Pöl 1803 wieder meklenburgisch ward, waren die Spuren des schönen Schlosses bereits bis auf Theile der Fundamente verwischt. Nur die Wälle des Schlosses und des Hornwerks geben jetzt noch Kunde von der Stätte, wo zwei der größten Regenten Meklenburgs sich in trefflichen Bauwerken einst schöne Denkmäler setzten und der große Schwedenkönig Gustav Adolf als willkommener Gast frohe Stunden verlebte.


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Anlage 1.

Pilooths Bestallung zum Commandanten der Festung Pöl und sein Revers.


Ich Gerdt Ebers, genandt Pilote, Bekenne hiemit öffentlich, Demnach der Durchleuchtige Hochgeborne Fürst vnd Herr Herr Adolph Friedrich, Herzogk zue Mekelnburgk, Furst zue Wenden, Graff zu Schwerin, der Lande Rostogk vnd Stargartt Herr, mich fur I. F. G. Capitein auf dero Vestung Pole vnnd vber derselben Schiffe, auch fur Ihren General=Bawmeister vnnd Ingenieur gnedig bestellet vnnd angenommen hatt, Inhalt vnnd vermöge I. F. G. Bestallungsbrieff, von worten zu worten also lautendt:

Wir Adolph Friedrich, von Gotts gnaden Herzogk zu Mekelnburgk, Furst zu Wenden, Graff zu Schwerin, der lande Rostogk vnndt Stargartt Herr, Bekennen vnd thuen kund hiemit fur vns, vnsere Erben vnnd Jedermenniglich, das wir den Ersamen vnd Mannhafften, auch Kunstreichen vnsern lieben getrewen Gerdt Ebers genant Pilote, von Embden, heut dato fur vnsern Capitein auff vnser Vestung Pöle vnnd vber Vnsere Schiffe, auch fur vnseren General=Bawmeister vnd Ingenieur in vnserm Furstenthumb vnd landen, gnedig angenommen vnd bestellet haben,

Annehmen vnd bestellen Ihn dafur gegenwertig in krafft dieses brieffs dergestalt vnd also, das er vns soll getrew, hold, gehorsamb vnd gewertig sein, Vnser bestes wißen vnnd befodern, hingegen schaden vnd nachtheil, eusersten Vermugens nach, abwenden vnd Verhueten, Insonderheit aber vnd Vors erst itzgedachte Unsere Ihm anvertrawte Vestung vnd Schloß Pöle auff sein Seele vnd leib Ihm befohlen sein laßen, dieselbe auf Schloßglauben in guter, getrewer verwahrung, achtung vnnd Verwaltung einhaben, vnd vns vnd

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vnseren erben zum besten, mit allen trewen, seinem hohisten verstand nach, versehen, schuzen vnd verthedigen, oder da es in seinem Vermugen nicht wehre, alle vorstoßende, auch vermuetliche gefahr vnuerzuglich vns vnd vnseren Erben vntertenig berichten.

Vnnd damit diese Vnsere Vestung iederzeit in guter verwahrung sein muge, Sol vnser Capitein dahin verdacht sein, das die Wacht bei tag vnnd nacht durch die dazu verordnete Personen trewlig vnd fleißig gehalten, vnd die Vestung, sambt den Thoren vnd Brugken, wohl verwahret, vnnd dieselben beuorab des abents zu rechter zeit, vnd des Morgens nicht ehe, bis es heller tagk ist, wieder eroffnet, auch in gemein vnsere Vestung dermaßen verschloßen gehalten werde, das niemand vom land Pole, viel weiniger frembde, hinauf werden gelaßen oder gestattet, ohn allein die Personen, welche auffs Haus gehoren vnnd vereidet feind, auch teglich auff= vnd niedergehen mußen, außerhalb wan man bawet, oder etwa ein noth mit feursbrunst, oder sonsten vnuersehentlich in andere wege, welches der Almechtige Gott gnedig wolle abwenden, verstoßen solte, auf welchen fal er dan von den einwonern des landts Pöle zu errettung vnd beschuzung der Vestung so viel, als ihm notig duncket, hinauff zu nehmen macht haben soll. Also soll er auch vnsere eigene Diener, so Ihm nicht von Vns mit eigener handt vnterschriebene befehl deßhalber bringen, auf vnsere Vestung nicht auflaßen, Vielweiniger zugeben, das einer oder ander der Vestung, Hornewerck, Wälle vnd graben glegenheit recognosciren konne, Sondern, do dergleichen leute, die sich solches in gnugsamer, offenbahrer anmerkung vnterstehen solten, betreten wurden, dieselben bis zu vnser verordnung anhalten.

Eß soll auch vnser Capitein die Vestung bei der nacht zu keinen Zeiten offnen, vnd niemandt, er sey wer er wolle, bei der nacht darauf oder daruon laßen. Truge sichs aber zue, das wir in eigener Person bei der nacht vor vnsere Vestung kehmen, vnd vnsere Zukunfft Ihm, Vnseren Capitein, vorher nicht zugeschrieben hetten, vnnd also vnuersehens daselbst anlangten (welches doch, so viel muglich, vnd alle vnordnung, so dadurch verursachet werden, verhuetet werden sol): So soll er, wan Ihm solche vnsere eigene ankunfft angezeiget wirt, die Thör vnnd Brugken nicht ehe eroffnen, er sei dan selbst beim Thor vnd habe vns gesehen vnd angesprochen, damit vnter solchem schein kein gefahr gebrauchet, oder er dadurch vberraschet vnd der Vestung verlustig werde.

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Solte auch vber Vnser verhoffen (zumahl weil wir, Gotlob, vns von keinen benachbarten Potentaten, oder Standt, einiger feindtseligkeit versehen) vielgedachte vnsere Vestung Pöle offentlich, oder mit list angesprengt vnd tentirt werden, So sol vnser Capitein dieselbe Uns vnd vnsere[r] Nachkommenden herschafft zu guete ritterlich vnd bis auf den letzten bluetstropffen zu defendiren, die bei Ihm habende leute zu gleichmeßiger defension anzuhalten, vnd sich darin, wie einem erliebendem Capitein oblieget, zu erzeigen, vnd zu desto mehrer versicherung ohn vnsern besondern befehl vnnd Vorwißen sich von vnnd aus vnser Vestung nicht zu begeben, Sondern darauff wesendlich zu uerharren, Do er aber auf vnser erfodern vnd erleubnus abreisen muste, die Ihm vntergebene, wes sie sich auf alle fälle zu uerhalten, zu instruiren vnd zu befehlen schuldig sein.

Da er auch etwas erfahren wurde, das vns vnd vnser Vestung Pöle vnd deren pertinentien zu schaden vnd nachteil gereichen konte, Sol er solches vns vnuerlengt entdecken, hingegen aber der Vestung gelegen vnd vngelegenheit niemandt dan Vns offenbahren, sondern bis in seine sterbensgruben bei sich verschwiegen sein vnd pleiben laßen.

Er soll auch auff die Gebew der Vestung, als die Wähle vnd Wehren, vnd was deren mehr ist, auch was an Geschuz, munition, gewehr vnnd prouiant oben vnd vntenn auf der Vestung Ihm gelieffert, mit fleis aufsicht haben, damit alles in gutem wesen fertig, sauber, vnuerdorben vnd wol conseruiret, vnd nebenst einem richtigen Inuentario des zu= vnd abgangs beibehalten werden muge, Wie er vns dan auch allewege zu rechter zeit erinnern soll, was mangelt vnd der Vestung nötig ist, damit wir es bestellen vnd schaffen können.

Von vns allein sol er sein Comm[a]ndo, Er aber denen Ihm vntergebenen Conestabeln, zeugkwartern vnd andern officirern (deren bestellung, annemmung vnd absetzung gleichwol Uns verpleibet.) zu befehlen, vnd auf dieselben guete aufacht haben, das Sie sich in ihren Diensten getrewlich vnnd vnuerweißlich bezeigen, vnd dieselben, wie auch in gemein all vnser gesinde alda auf der Vestung in guter einigkeit vnd gehorsamb sein vnd pleiben muge, vnd da er bei einem oder andern das wiederspiel befindet, den= oder dieselben daruber geburlich zu reden sezen, vnd da er keine beßerung spüret, vns solches vngeschewett bei Zeiten in vnderthenigkeit offenbahren.

So sol auch mehrbesagter Unser Capitein vber Vnsern Burgk= vnd Hausfrieden, soweit vnsere Vestung kehret, steiff

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vnd ernstlich halten, vnd die Vberschreiter deßelben geburlich straffen, oder Vns solches nach gelegenheit vntertenig berichten, Auch den Soldaten, Buchsenschuzen vnd andern, so auf vnser Vestung seind, nicht gestaten, einige brieff ohn sein vorwißen aus der Vestung zu schreiben vnd abzuschicken.

Truge sich auch in zeit seiner bestallung zu, das wir, durch Gottes gnedigen willen, von diesem Jammerthal abscheiden wurden, auf den fal sol er Vnser Vestung niemand als vnseren Erben vnd rechtmeßigen Successoren offnen vnd vbergeben.

Demnach wir auch gemeinet, vnsere Unterthanen auf vnserm lande Pöle vnd in den nehist anbelegenen Emptern eins teils zu bewehren, damit man auf eilenden nottfall sich deren in Vnser Vesung gebrauchen konne, Als soll er nebenst denen, so wir Ihm hierin zuordnen werden, gedachte vnsere Vndertanen Ihre ober= vnd vnterwehren recht, sowol im felde als der besatzung, zu gebrauchen, mit fleis vnterweisen, vnd wie dieselbe sich darin erzeigen, vns Jedesmals vmbstendlichen bericht thuen vnd einbringen.

Imgleichen vnd weiter sollen ihm, als vnserm Schiffs=Capitein, vnsere Schiffe, so wir bereit erbawen vnd etwa noch kunfftig erbawen laßen möchten, hiemit anuertrawet vnd befohlen sein, vnd er nicht allein auf dieselben, damit Sie sambt der darauf verhandenen Schiffsausreitung an Siegeln, towen, anckern vnd Geschuz, beide gros vnd klein, auch anderer gewehr vnnd munition, so wol auch feurwerck, vnd was deßen mehr ist, in sicherung vnd guter gewarsamb ohn abgang verpleiben, Sondern auch auff vnsere Schiffer, Steur= vnd Boßleute (deren annemmung vnd erleubung bei Vns auch stehen sol) gute aufacht haben, vnd daran sein, das wir erfarne vnnd qualificirte Schiffsleute, so offt es noth, in bestallung vnd Dienst bekommen, vnd ein Jeder das seine getrewlich zu verrichten angehalten werden muge.

Vnnd da etwa wir selbst vns zu waßer begeben, oder vnsere Schiffe zu begleitung frembder herschafft oder anders worhin vnser gelegenheit nach verschicken wurden, Sol er, wan wirs selbst begehren, mit auff dem Schiffe sein vnnd alles Verrichten, was einem getrewen, redlichen Schiffs=Capitein, sowol in direction der Siegellation als auch Commando vber die Schiffsverwanten, gebueret vnd oblieget.

Lezlich sol er, als vnser Bestalter Bawmeister vnd Ingenieur, vnsere gebew, welche wir Ihm anbefehlen werden, seinem besten verstande vnd vermugen nach also angeben

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vnd anlegen, auch dermaßen bestendiglich verfertigen laßen, das es vnns vnd vnseren Erben vnd Nachkommen zum besten vnd nicht zu schaden, Ihm selbsten auch zu guter nachsage vnd ruhmb zu gereichen, auch bei der arbeitt auff die Discher, Zimmer= vnd Maurleute vnd andere arbeiter vnd taglöhner (welcher annehm=, auch in befindung Ihres vnfleißes oder anderer Vngeburnus derfelben abdanckung wir Ihm gelaßen haben wollen,) im gleichen auch auff die landreiter vnd paurn fleißige aufsicht thuen vnd haben, Damit die arbeit von Ihnen befodert, vnd vns Zu nachteil dabei nichts vorgehen vnd verabseumet werden muge, vnd sich sonsten in allem, so vns, vnseren erben vnd Furstlichen Nachkommen zu nuz vnd frommen gereichen magk, als solches einem getrewen vnd gehorsamen Diener, auch erlichen Soldaten vnd redlichen Biederman wol anstehet, bei tagk vnd nacht vngespartes leibes, bluets vnd guets, bereit, willig vnnd vnuerdroßen erzeigen, wie er vns vnnd Ihnen darauff zu Gott dem Almechtigen einen leiblichen eydt geschworen, auch sonderbahren Reuers vnter seiner handt vnd Siegel von sich gegeben hatt.

Dahingegen vnd fur solche seine Dienste wollen wir Ihm Järlich aus vnser Cammer Acht Hundert Gulden, Vnser Furstenthumbe vnd lande wehrung, Jeden zu Vier vnd zwanzigk schillingen lubsch gerechnet, dauon er die helffte auf Michaelis vnd die ander helffte auf Ostern zu empfahen, vnd dazu, wan er auff Pöle sein wirt, auf sein person vnd seinem Diener Jeden Vierzigk schillinge lubsch zu Kostgelde wochentlich zahlen vnd entrichten, Wan er aber auff vnsern Emptern sein mus, Ihm vnd seinem Diener freyen Tisch reichen, auch bequeme losierung verschaffen laßen. So soll er auch auff Pöle fur sich vnnd die seinen in Vnser Vestung im Haus, welches fur den Haubtmann gebawet, gewiße losamenter, als vnten die Stuben vnnd Camer vnd oben ein oder zwey gemacher, wie wirs anordnen werden, auch daselbst freye feurung haben.

Wir erleuben vnd vergonnen Ihm auch, das er auf seinen vnkosten tauben, doch das die zimmer, fenstern vnnd dergleichen auf der Vestung dadurch nicht verdorben werde, halten, auch die Schlotten oder Graben vmb den Garten, aber nicht die Graben vmb die Vestung, welche fur vns vnbefischet pleiben sollen, zu seiner glegenheit besezen vnd befischen, auch das Graß von den Ramporten vnd Wällen auf seinen koften abwerben laßen muge, Da er aber einig viehe damit vnterhalten wolte, sol solches außerhalb der Vestung geschehen. So verstaten wir Ihm gleichsfals, das

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Rauelin vnd Contrascharpen zu beseyen, dabei er gleichwol es also wirtt versehen vnd in acht haben, das dadurch der Vestung vnd Wehren kein schade zugefuegett, auch derselben vnd Ihm kein schimpff zugezogen werde. Vnsere Beambten zue Bukow sollen Ihm auch von Unserm Baw= oder Meyerhoff auf Pole, was an Viehe vnd anderer Prouision zu verkauffen, vmb seine bezahlunge folgen laßen, wie wir Ihnen solches schrifftlich befehlen,

Ihm auch vber das Jerlich zwey mahl einen Wagen nach Hamburgk, nebenst einem Beiwagen, zu abholung notiger Kuchenwahren, vnd darauf vnsern Paßbrieff, gleichfals auch einen General=Paß, geben wollen, damit Ihm, wan er in vnseren geschefften reiset, auf vnsern Emptern ausrichtunge geschehen, da dan die Zettel von Ihm sollen vnterschrieben werden. Was er aber außerhalb der Empter verzehrett, solches wollen wir Ihm gegen Vbergebung der Specification erstaten laßen,

Vnnd soll er auch von vnns, so offt er in vnsern geschefften reiset, mit der Fuhre also vorgesehen werden, das er wol vnd schleunig konne vortkommen, vnd dahero an verrichtung vnserer sachen nichts verseumen möge.

Wan Vnser Capitein vnd die seinen, wie bißhero geschehen, kein ergernus in Religionssachen geben, vnd zum gehoer der Predigten sich halten vnd einstellen, Sollen Sie in ihrem gewißen nicht betrubet oder beschwert werden, vnd da er oder Jemandt der seinen in werendem Dienst todts verfiele, Ihr begrebnus auf Pole erlich halten; auch da andere werckleute in vnserm Dienst versturben, wollen wir Sie gleichfals daselbst auff Pole oder sonst in Vnserm land erlich zur erden bestetigen, vnd dafern mit Ihm izt gedachter fal, als das er in Zeit vnsers diensts nach Gottes willen mit todte abgehen solte, [sich] begeben wurde, seiner witwen vnnd Kindern die besoldunge auf das angefangene halbe Jahr gnedig folgen laßen, Sie auch hernach in gnaden abfertigen, vnd mit Ihrer Familien vnd geräth mit fuhr bis Hamburgk vorthelffen. Alles getrewlich vnnd sonder geferde.

Zu vrkund haben wir diese bestallunge mit vnferm Furstlichen Secret bekrefftigt, auch mit eigener Handt vnterschrieben. Geschehen zu Schwerin, Mitwochens in den Osterlichen Feiertagen Ann o 1619.

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Das Ich darauf bei meinem gethanen Eidt festiglich zugesagt, gelobt vnd versprochen, vorgeschriebene hochermelts meines Gnedigen Fursten vnd herrn mir gegebene vnd von mir guettwillig angenommene Bestallung in allen vnd Jeden derselben Puncten, Articuln vnd Clausulen stet, fest, fleißig, getrew= vnd vnuerbruchlich zu halten, Darwieder auff kein weis noch Wege zu thuen, noch das es durch andere meinentwegen geschehe, zu verschaffen, Alles erbarlich, getrewlich vnd ohn geferde, Dieses zue Vrkundt vnnd bekantnus, auch steter, fester Haltung, habe Ich diesen meinen Reuersal mit mit meinem Pitschafft besiegelt, auch eigener Handt vnterschrieben.

Geschehen zu Schwerin, Mitwochens in den Ostern Ann o 1619.

(gez.) Gerhart Euert Pilooth.       
L. S.                      


 

Anlage 2.

Die Capitulation vom 21. November 1627.


Zu wißen, Demnach im nahmen der Röm. Kays. Mayt. Der Durchlauchtige Hochgeborne Furst vnnd Herr Herr Albrecht, Herzogk zue Friedland, Rom. Kay. Mayt. Kriegs=Raht, Cammerern, Obristen zue Praag vnnd General Obristen Feltheuptman vber Dero Armen etc ., Von dem auch Durchleuchtigen Hochgebornen Fursten vnnd Herrn Herrn Adolph Friedrichn, Herzogen zue Mekelnburgk, Fursten zue Wenden, Graffen zue Schwerin, der lande Rostogk vnnd Stargart Hern, Die Vestung Pöle zu eroffnen vnnd Kayßerliche Guarnison einzunemmen begeret, das darauf hochgedachter Hertzogk von Mekelnburgk p. sich nit allein gutwillig accomodiret, sondern auch mit denen HochwolEdlen, Gestrengen vnnd

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Vesten Herrn Daniel von Hebron, Röm: Kay: Maytt: bestalltem Obristen, vnnd Johan Friedrich von Köderizen, Röm: Kay: Mayt: bestaltem Obristen Lieutenant, als welche dazue befeliget, solcher eroffnung vnd einnemmung halben, folgende vergleichung getroffen vnd aufgerichtet:

Nemblich vnd zum Ersten sol dieße eroffnung vnd Einnemmung der Guarnison, so von I. F. G. zue Mekelnburgk guet= vnd freiwillig geschehen vnd angenommen, der Röm: Kay: Majtt. vnserm allergnedigsten Herrn bestermaßen referiret vnd vorgebracht werden.

Zum Andern sol des Herzogs von Mekelnburgk F. G. frei sein, die auf gedachter Vestung noch vorhandenen Weine und andere sachen, so zum teil I. F. G. oder dero Dienern zustendig sein, entweder alsfort, oder wan es I. F. G. zeit werender besatzung gefellig, herunter Zu bringen und vngehindert wech fuern Zu laßen.

Vnnd obwol furs Dritte die munition, Geschuz, Puluer, Kugeln vnd andere Gewehr auf der Vestung gelaßen, So ist doch abgeredet vnd verglichen, das solches alles auf der Vesung verbleiben vnd anderswohin nicht soll verfueret oder geschicket werden. Do man aber an Kraut vnd loth zue I Kay. Mt. Diensten etwas anderswohin zu uerbrauchen benötigt were, sol daßelbe, jedoch mit Vorwißen I. F. G. des Hertzogen zue Mekelnburgk, ohne erstattung ausgefolget werden.

Wan auch zum Vierten die sachen mit dem Könige in Dennemark vertragen, oder auch sonsten der izige Krieg zwischen der Röm: Kay. Mayt. vnd dem Könige seine endschafft erreichen wurde, So sol alßdan I. F. G. die Vestung Pole vnd alles, was darauf geblieben vnd vermittelst eines aufgerichteten Inventarii, So von I. F. G. vnd wolgedachtem Obristen Hebron vnterschrieben, gelieffert, wiederumb tradieret vnd gelaßen werden.

Da auch zum Fünfften I. F. G. Ihren Capitein, oder an seine staht einen andern auf der Vestung wolten verbleiben laßen, So sol derselbe seine itzige wonung darauf behalten, vnd ihme von der Vestung auf= vnd abzuziehen vnd I. F. G. gescheffte auf dem ländichen Pöle oder anderswo zu uerrichten, keine behinderung geschehen.

Zum Sechsten. Da auch I. F. G. mit geringem Comitat vnterweilen auf die Vestung kommen wolten, sol daßelbe I. F. G. frei sein, vnd haben Sie dazue die vorbehaltene logamenter vnuerwehret zu gebrauchen.

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Zum Siebenden. Eß soll auch derselbe Keyßerliche befelchshaber, so auf der Vestung Commendiren wirt, die Soldaten in guter discinlin halten, vnd nit nachgeben oder verhengen, das das gebewde schampfieret, oder sonsten an einem vnd andern muhtwilliger weiße schade geschehen muge.

Zum Achten vnd lezten sollen der Prediger vnd die Zuhörer an verrichtung des Gottesdienstes in der Kirchen nicht gehindert, sondern in der stille zusammenzukommen zu gewonlicher Zeit auf die Vestung ein= vnd abgelaßen werden.

Zue Vrkund vnd versicherung deßen haben hochermelte des Herzogen zue Mekelnburgk F. G. vnd nebens Deroselben vorwolgedachter Herr Obrister Daniel von Hebron vnd Obrister lieutenant Johan Friedrich von Köderiz Dießen accord mit eigenen Handen vnterschrieben vnd [mit] ihren Furstlichen vnd respectiue Adelichen Secreten befestiget. Geschehen vnd gegeben auf der Vestung Pöle den 21. Nouembris Anno 1627.

(L. S.)     
A. Frid. H. z. M. m. p.
Johann Friedrich Vonn
Daniell Hebron
Kötteritz m. p.
(L. S.)       obrister.       

 

Anlage 3.

Festungs=Inventar am 21. November 1627.


Inventarium.

Was Anno 1627. den 21. Nouembris auff dem hauße vnd Vestung Pöle, bei einnemmung der Keyßerl. Guarnison an großen vnd kleinen Metallen vnd Eißen Stucken, Puluer, Kugeln vnd Bley, in beisein des Keißerlichen Haubtmans Johan Vlrich Bißinger, vnd anstaht meines Gnedigen fursten

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vnd herrn Heubtmans, weil derselbe mit leibsschwacheit befallen gewesen, I. F. G. Lieutenants Johan Georg Fischer, befunden worden.

Auff der Batterey im Außgang aus der Vestung auf der linckern handt.

1.  Groß Metallen stuck von 30.  . mundig
55.   Eißen kugeln dazue.
2.   Metallen Valckenettlein, iedes von 2  . eißen
52.   zu dem einen eiserne Kugeln dazue.
56.   zu dem andern eiserne Kugeln dazue.

Auff der Batterey im Außganck aus der Vestung auf der rechten handt.

1.  Gr. Metallen Stuck von 30.  . mundig 
56.  eißen kugeln dazue
2.   Metallen Valckenetten, iedes von 2.  . eißen, vnd seind
21.  zu dem einen eißern kugeln.
45.  zu dem andern eißern kugeln.

Auff der Batterey naher Newendorff.

1.  Metallen Quartierstuck zue 12.  . mundig eißen.
100  Eißen kugeln dazue

Auff der Batterey gegen Newendorff 1 ) vber.

1.  Metallen Quartierstuck von 12.  . Dazue seind
100.  Eißern kugeln.
1.  Metallen Valckenet von 2.  . Dazue 50. eißen kugeln,
2.  Eißern Stucke, iedes von einem  , vnd seind Dieße
 beeden Stucke mit Mußquetenkugeln geladen.

Auff der Funfften Batterey.

2.  Metallen Quartierstuck, iedes von 12.  .
200.  eißern kugeln zu demselben,
1.  Metallen Valckenet von 2.  .
20.  Eißern kugeln dazue.

Auff dem Contrascherp.

2.  Eißern Stuck, iedes von 2 1/2.  .
1.  Eißen Stuck von vngefehr 5  vnd gehoren 2 ) zue 

1) gegen der Newendörffer vber.
2) dieselben wie auch die andern Eißen Stucke (Zusatz am Rande in 2 Exemplaren).
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 I. F. G. Schiff. Derwegen Sie sich auch dießelben Ihrer notturfft nach iederzeit abfodern zu laßen vorbehalten.

In der Puluer=Cammer.

10.   ganze Tonnen Puluer
98.  halbe Tonnen Puluer

Auff der innersten Pforten

12.  Leffel
12.  Wischer
1  1/2.  Tonne kraut
340. Eißern kugeln von allerlei gattung auf dem innersten plaz bei des Capiteins losament.

Auf dem Vorwercke, auf dem Bollwercke im außgange auf der Lincken Handt 1 )

1.  Halbe Canon von 26  mundigt, dazue
31.  Eißerne Kugeln
1.  halbe Canon von 25  . Dazue
30.   2 ) Eysern Kugeln
1.  Halbe Canon zu 24  . Dazu
31.  Kugeln
2.  Metallen Dobbelte Haken.

Auff dem Mittelsten Bolwercke.

1  Halbe Canon von 26  mundig. Dazu
31  Kugeln.
1  Eysen Stücke von 5  ., mit Mußqueten=Kugeln geladen, 
1  Halbe Canon zu 25  . Dazu
31  Kugeln.

Auf dem Bolwercke zur Rechten Handt. 3 )

1  halbe Canon von 25  mundig. Dazu
31  Kugeln.
2  Eysen Stück, iedes von 5  .
6  Große Leffel zu der halben Canonen.
6  Große Wischer zu der halben Canonen.
2  Kleine Leffel
2  Kleine Wischer
1  Verckelsterdt. 

1) auf der lincken seiten.
2) 31.
3) seiten.
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In der Forzebree

2  Eysen Stücke iedes zue 2  .

Die Rust=Cammer ist mit allem, waß darin vorhanden, vorschloßen vnd sowol von I. F. G., alß auch dem Herrn Obristen von Hebron vorsiegeltt.

443   Kugeln von 28  Eysen
440   Kugeln von 24  Eysen
300   Kugeln von 22  Eysen
100   Kugeln von 21  Eysen
523   Kugeln von 14  Eysen
816   Kugeln von 12  Eysen
440   Kugeln von 10  Eysen
505   Kugeln von 2  Eysen
16   Groß Stücke Bley.

Vrkundlich ist dieß Inuentarium Vierfacht gefertigett, von I. F. G. vnd dem Herrn Obristen Daniel von Hebron vorsiegeldt vnd vnterschrieben, I. F. G. eins dauon behalten, eins dem Hern Obristen Hans Georg von Arnimb zugeschickt, der Herr Obrister Hebron eins zu sich genommen, Vnd das Viertte dem Herrn Obristen Wachtmeister Wenzel Wratislaff Freiher zue Mitterwiz zugestellet. Actum Pöle, vt supra.

(Siegel des Herzogs.)

(gez.) A. Fried. H. z. M. m. p.

(Siegel Hebrons.)

(gez.) Daniell Hebron

obrester.

Anm. Im Archive sind 3 Originale (mit geringen Abweichungen, s. die Anmerkungen!) vorhanden, von denen aber Hebron nur 2 besiegelt hat.

 

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II.

Meklenburger

auf auswärtigen Universitäten

bis zur Mitte des 17 ten Jahrhunderts.

Von

Revisionsrath Balck.

Erster Beitrag.


G elegentliche Forschungen haben mich die Fülle des in den Universitäts=Matrikeln enthaltenen geschichtlichen Materials erkennen gelehrt und nachstehende Bearbeitung desselben veranlaßt. Von der hierbei für unser engeres Vaterland zunächst in Betracht kommenden, seit Gründung unserer Landes=Universität 1419 vorhandenen Rostocker Matrikel mußte freilich abgesehen werden, weil diese bis jetzt leider! nicht gedruckt und deshalb für häusliche Studien unzugänglich ist; - andererseits aber mögen auch gerade diejenigen Meklenburger, welche einst auswärts studirt haben, ein größeres Interesse beanspruchen, weil sie wohl meistens den damals wohlhabenderen und hervortretenden Ständen und Familien angehörten.

Herr Professor Dr. Schirrmacher in Rostock hat die zur Zeit vorhandenen einschlagenden Druckwerke gütigst zu meiner Verfügung gestellt, nämlich die Universitätsmatrikeln von:

1) Köln, 1388-1399, in den neuesten Jahresprogrammen des dortigen Kaiser Wilhelm=Gymnasiums,

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2) Erfurt, 1392-1492, in den Geschichtsquellen der Provinz Sachen VIII. I. 1882,

3) Wittenberg, 1500-1560, s. g. Alb. academ. Viteberg., Leipzig 1841,

4) Marburg, 1527-1604, in jetzt erscheinenden Jahresheften,

5) Leyden, 1575-1875, zum 300jährigen Jubiläum gedruckt, jedoch hier aus nachfolgendem Grunde nur bis 1650 ausgezogen,

6) Krakau, 1400-1508, jedoch unvollständig und hier ohne Ergebniß,

während

7) diejenige von Dorpat, 1632-1650, den Jahrbüchern des Vereins für Geschichte Liv=, Est= und Kurlands, Bd. 8 und 12, entnommen, und

8) diejenige von Jena, 1568-1631, auf Veranlassung des dortigen Herrn Prof. Dr. Schäfer vom stud. histor. Dobenecker daselbst excerpirt ist.

Falls ich die nöthige Zeit erübrige, gedenke ich demnächst auch die unter Leitung des Herrn Professors Weißenborn in Erfurt noch im Druck befindliche dortige Matrikel von 1492 bis 1635, sowie die weiteren Veröffentlichungen der Kölner und der Marburger Matrikel für unsere Jahrbücher zu verwerthen. Auch zur Gewinnung weiterer auswärts anzufertigender Excerpte anderer, bis jetzt ungedruckter Matrikeln, z. B. von Heidelberg (seit 1386), Leipzig (seit 1409), Greifswald (seit 1456), Frankfurt a./O. (seit 1506), Wittenberg (seit 1560), Helmstädt (seit 1575) u. s. w. sind die erforderlichen Geldmittel von unserem Vereine bereitwilligst schon zur Verfügung gestellt. Uebrigens beabsichtige ich bei allen höchstens bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts zu gehen, da nach dem 30jährigen Kriege eine neue Zeit begann.

Dem Wunsche der geehrten Leser hoffe ich zu entsprechen, wenn ich außer den in den Matrikeln enthaltenen Namen und Heimathsörtern der Studirenden aus anderweitigen Quellen auch den Stand ihrer Familien und ihre eigenen späteren Lebensstellungen zu erkunden bestrebt gewesen bin. Für die Wismaraner verdanke ich hierbei fast Alles der Güte des Herrn Dr. Friedr. Crull daselbst, während die anderen Personalien dem Cleemann'schen Archivlexikon - dessen zweiter, ungedruckter Theil bereitwilligst mir zur Verfügung gestellt wurde -, den Familienprogrammen auf hiesiger Re=

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gierungsbibliothek, sowie den Bäder'schen Familiennachrichten entnommen sind. Vollständiges über Alle konnte beim Dazwischenliegen mehrerer Jahrhunderte selbstverständlich nicht geboten werden, und manche Lücke mußte hier unausgefüllt bleiben.

Als allgemeines und Gesammtresultat ergiebt sich nun:

1) Nach der in den Matrikeln ausdrücklich genannten speciellen Heimath kommen von fast einem halben Tausend meklenburgischer auswärtiger Studenten auf die Stadt Rostock allein schon mehr als 200, auf Wismar etwa 80, auf die Landstädte - besonders Güstrow, Parchim und Neubrandenburg zusammen kaum 100; es bleiben demnach nur noch etwas mehr als 100 für die nicht namentlich aufgeführten Ortschaften des platten Landes, hauptsächlich für die Güter der Edelleute.

2) Nach dem Stande gehören fast 100 dem alten - inzwischen theilweis ausgestorbenen - Landadel, ebensoviele den Familien der Gelehrten, also der Beamten, Geistlichen, Aerzte, Professoren u. s. w., mehr als 200 den Raths=, Patricier= und Bürgergeschlechtern der Städte an, während für den Rest der Nachweis nicht zu erbringen ist.

3) Die spätere Lebensstellung unserer Musensöhne war endlich nur etwa bei der Hälfte derselben zu erforschen. Geistliche waren etwa 50, höhere Beamte, Magistratspersonen, Rechtsgelehrte, Professoren und Lehrer je etwa 30-40, ebensoviel Stadtbewohner ohne ein Amt, Aerzte in der Minderzahl, während von den Edelleuten die Mehrzahl wohl wieder auf den Familiengütern saß.

Im angehängten alphabetischen Personenverzeichniß sind die jetzt üblichen deutschen, im Texte selbst die in den Matrikeln stehenden meist latinisirten und theilweis entstellten Namensformen wiedergegeben.

Immatriculirt wurden nun:

I. Zu Köln 1388-1399.

  1) Marquardus de Rasseborgh magist, in artib. et baccal. in med. 1390.

II. Zu Erfurt 1392-1492.

  2) Hertwicus Plesse \      1392. - Söhne Johanns v. Plessen auf 
    > 
  3) Conradus Plesse /      Barnekow; sie besitzen Köchelstorf 1438.

  4) Johannes Strokerche 1392. - Aus der adeligen Familie v. Strohkirchen?

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  5) Johannes Kolne 1392. - Entweder aus der Familie v. Cölln, oder auch aus dem Wismar'schen Bürgergeschlecht Kolner.

  6) Heinricus Preen 1392. - Heinrich v. Preen auf Steinhausen 1427.

  7) Henricus Schacke Ostern 1396. - Wohl ein v. Schack.

  8) Godfridus Buettow de Wysmaria Ostern 1398. - Gottfried Buttow, ein Geistlicher, erscheint demnächst als Bevollmächtigter eines Wismar'schen Bürgers zu Schönberg.

  9) Nicolaus de Gustrow  \    Michaelis 1398. - Wol nach
  >   damaliger Sitte, unter Weglassung des Familiennamens,
10) Hinricus de Rostog  /     nach dem Heimathsorte benannt.

11) Joachim Moltczan Michaelis 1398. - Sohn Lüdeke's v. Maltzan, auf Osten 1414.

12) Georgins Godebus \     Ostern 1399. - Wohl aus Gadebusch
 >  
13) Fridericus Godebus /    Vgl. No. 9.

14) Nicolaus Crakow de Stargardia Ostern 1401. - Ob aus Stargard in Meklenburg?

15) Johannes Clucz de Wysmaria Ostern 1403. - Aus der Familie Klütz, zu Wismar presbyter 1441.

16) Matheus Vennekol de Wismaria Michaelis 1406.

17) Johannes Swerin \    Ostern 1407. - Vielleicht ebenfalls 
 >   aus der Wismar'schen Rathsfamilie dieses Namens,
18) Hermannus Swerin /    oder auch aus der Stadt Schwerin; vgl. No. 9.

19) Johannes de Heyde de Rostoc Ostern 1409.

20) Hermannus Witte de Ribenis Ostern 1409. - Aus Ribnitz.

21) Albertus [de] Wismaria baccal. Ostern 1409. - Wohl aus Wismar; vgl. No. 9.

22) Fridericus de Pricze de Parchim Michaelis 1409. - Sohn Ulrichs von Pritz, eines Bürgers, Geistlicher in seiner Vaterstadt 1420.

23) Henricus Romer de Parchim Michaelis l 409. - Aus dortigem Rathsgeschlecht, Vicar daselbst 1442.

24) Michael Nyendorp de Rostog \    Ostern 1410. - Ersterer
 >  
25) Theod. Stalhut de Rostog /    wohl aus der bekannten Patricierfamilie.

26) Wolcmar Molteke de Buczow Ostern 1411. - Joh. v. Moltke's Sohn, Domherr zu Bützow 1428.

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27) Fredericus Bülow de Rostok Ostern 1411. - Wohl nicht aus dem Adels=, sondern aus dem gleichnamigen seestädtschen Rathsgeschlechte.

28) Henning Lubersdorf de Fredelande Ostern 1413. - Wol aus der erloschenen Adelsfamilie v. Lübbersdorf und aus Friedland.

29) Heinricus Stasse de Swerin Ostern 1413.

30) Georgius Turber de Wismaria Ostern 1413. - Jürgen Törber, daselbst 1438 Presbyter und Vorsteher der St. Gertruden= und Marien=Brüderschaft, hatte seit 1430 Hebungen aus Gr.=Upahl.

31) Heinricus Beringer de Wismaria Ostern 1413. - Bevollmächtigter der dortigen Geistlichkeit 1418.

32) Marquard Steen de Wismaria Michaelis 1413.

33) Henricus Bekelin de Rostok Michaelis 1413. - Magister, Dr. und Kirchherr an U. l. Frauen daselbst 1454.

34) Joh. Garlip de Parchim Ostern 1414. - Dort Bürger 1429, gest. vor 1434.

35) Herm. Diestelow de Rostog Michaelis 1415.

36) Engelbertus Grencze de Rostog Ostern 1416. - Aus der bekannten Rost. Rathsfamilie.

37) Herm. Haselbek de Rostok Ostern 1417.

38) Laurencius Manderowe de Wismaria Michaelis 1417. - Rector dortiger Schule 1421, Vikar an St. Jürgen 1447.

39) Joh. Schouwenburg de Rostig Michaelis 1417. - Aus Rostock?

40) Joh. Rampe de Wismaria baccal. Libicensis Michaelis 1417. - Gewiß Verwandter eines gleichnamigen Wismarschen Ratsherrn.

41) Bertholdus Tugkeswerdt de Wismaria Ostern 1418. - Aus uralter dortiger Rathsfamilie.

42) Joh. Stalloper de Wismaria Ostern 1418. - Richtiger Stalkoper, Sohn des gleichnamigen Rathsherrn, entweder Verwandter des gleichnamigen Ratzeburger Bischofs (1466-1479), oder wahrscheinlicher dieser selbst, der auf seinem Leichenstein als artium liberalium magister, med. dr. bezeichnet ist. - Vgl. No. 72.

43) Casp. de Parchem Michaelis 1422. - Wohl aus Parchim; vgl. No. 9.

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44) Conr. Walsleyben Michaelis 1423. - Ein v. Walsleben?

45) Otto Retzow de Robel Michaelis 1423. - Aus Röbel, wahrscheinlich aus der ausgest. Familie v. Retzow.

46) Heinricus de Reno de Wismaria Ostern 1425. - Meister Heinrich v. Rhyne zu Wismar erwarb 1441 ff. zahlreiche Renten in benachbarten Gütern.

47) Joh. Lange de Wismaria Ostern 1425. - Wohl aus der Rathsfamilie Langejohann; vgl. No. 68.

48) Cunradus Peghel de Wismaria Ostern 1425. - Sohn des dortigen Vogtes (1414) und Rathsherrn (1428) Kord vom Pegel.

49) Fredericus Snakenborch de Wismaria Ostern 1425.

50) Laurencins Kulman de Rebnitz Ostern 1426. - Aus Ribnitz, Probst zum Heil. Kreuz in Rostock 1464 bis 1472.

51) Theodor. Trekel de Wismaria Ostern 1427.

52) Gherardus Werkman de Wismaria Michaelis 1430. - Dekan des Großen Kalands (1434), auch Pfarrherr zu St. Jürgen zu Wismar.

53) Joh. Rampe de Wismaria Michaelis 1430. - Von einem Rathsgeschlecht; vgl. No. 40.

54) Joh. Dure de Wismaria Michaelis 1431. - Wohl Sohn des gleichnamigen Rathsherrn.

55) Joh. Engelke de Strelitcze Ostern 1432.

56) Godscalcns Buek de Rostok Mich. 1432. - Rathsherr daselbst 1454, Bürgermeister 1470.

57) Magister Joh. Wyse de Rostok Ostern 1435. - Von einem Rathsgeschlecht.

58) Petrus Exen de Wismaria Michaelis 1438. - Wohl der Rathsherr Peter v. Eixen 1483.

59) Joh. Kirchoff de Wismaria Michaelis 1438, gratis ad instanciam decan. eccles. beat. Mar.

60) Herm. Doblin de Wismaria Ostern 1439. - Wohl Dobbin?

61) Margquardus Langeditterich de Wismaria Ostern 1440. - Dort Rathsherr 1461-1471.

62) Godscalcus Knorreke de Wysmaria Michaelis 1442. - Vikar einer Kapelle zu St. Marien, gest. 1451.

63) Magister Hinricus Ribe de Luneburg Rostoccensis Michaelis 1448.

64) Jasp. Wilde de Wysmaria Michaelis 1449. - Canonicus zu Schwerin 1473.

65) Henricus Carnow de Gustrow Ostern 1450. - Zarnow?

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66) Joh. Lange Diderick de Wismaria art. liberal. Magist. et Theol. baccalaur. war Ostern bis Michaelis 1450 Rector der Erfurter Universität.

67) Heinricus de Wysmaria Ostern 1451. - Wohl nach der Heimath benannt; vgl. No. 21.

68) Joh. Lange de Wysmaria Ostern 1452. - Sohn des Bürgermeisters Peter Langejohann, Magister und Domdechant zu Schwerin noch 1502.

69) Hinricus Tarnewisse Ostern 1452. - Heinrich v. Tarnewitz auf Nedder=Klütz 1454.

70) Joh. Speck de Wismaria Ostern 1453. - Von einer Rathsfamilie.

71) Hinricus de Monte de Wysmaria Michaelis 1454. - Ein vom Berge.

72) Gerardus Retschow de Wysmaria Ostern 1458. - Presbyter und Notar des Bischofs Stalkoper von Ratzeburg 1467-1476; vgl. No. 42.

73) Nicol. Winkelman de Rostok Michaelis 1461.

74) Hertwicus de Bulow Ostern 1462. - Vgl. No. 75.

75) Hartwicus de Bulow, Hildensemens. Hamburg. Lubisens. ecclesiar. Canonic. Michaelis 1471. - Domherr zu Hildesheim, Hamburg, Lübek, auch Schwerin, Dr. theol., nach seinem Leichenstein im Dom zu Lübek am 11. Januar 1490 gestorben.

76) Joh. Witte de Rostok Ostern 1480.

77) Joh. Tyde de Boytzenborgk Ostern 1487. - Dr. zu Rostock, Stifter einer Vicarie an St. Peter 1525.

III. Zu Wittenberg 1502-1560.

78) Lampert Schuman bonar. art. Magist. Rostockcens. Winter=Semester 1502/3.

79) Joach. Danck de Wiszmaria Sommer=Semester 1504. - Aus der Rathsfamilie Tanke, im Dominikaner=Orden 1520.

80) Theodor. Multzan nobil. dioeces. Suerin. Sommer=Semester 1514. - Diederich, Lüdekes v. Maltzan auf Grubenhagen, Rothenmoor etc . Sohn, herzogl. Rath und Landrath, gest. Februar 1563.

81) Marquard Rade Rostockcens. Sommer=Semester 1514.

82) Otto von der Luge dioeces. Suerin. Winter=Semester 1518/19. - Wol Otto von der Lühe auf Büttelkow 1553.

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83) Antonins Bren de Mechelburg Winter=Semester 1518/19. - Anton v. Preen, Cleriker zu Schwerin 1521, Stiftshauptmann zu Bützow 1544.

84) Joach. Dutzo ex Rebnitz Suerin. Winter=Semester 1519/20. - Aus Ribnitz.

85) Joh. Kroger Wismar. Winter=Semester 1520/21. - Dort Rathsherr 1532, gest. 1555.

86) Conr. Pegel Wismar. art. Magist. Canonic. Rost. Sommer=Semester 1521. - Domherr und Professor zu Rostock, gest. 1567.

87) Franciscus Duncker Rost. Sommer=Semester 1521. - Aus gleichnamiger Rathsfamilie.

88) Mart. Frome de Wismar Sommer=Semester 1522. - Aus dem Rathsgeschlecht Vrome.

89) Gerhard Neubur \    de Wismar. Sommer=Semester 1523.
 >
90) Christianus Eler /    - Aus Rathsfamilien.

91) Franciscus Ricko de Rostok Sommer=Semester 1524. - Rieck.

92) Herm. Boethyn de Wismar. Sommer=Semester 1525. - Boitin.

93) Heyneman Steinhans Rost. Sommer=Semester 1526.

94) Laurencius Brem Meckelb. Sommer=Semester 1530. - Ob v. Preen? Vgl. No. 83.

95) Henricus Leueso Rost. Sommer=Semester 1530. - Wohl Sohn des Dr. Heinrich Levetzow zu Rostock 1500 ff.

96) Henning Bassauitze Meckl. nobil. Winter=Semester 1532/33. - Ein v. Bassewitz (auf Hohen=Lukow?).

97) Mart. a Bülaw Meckl. nobil. Sommer=Semester 1533.

98) Mattheus Ruloff Meckl. Sommer=Semester 1536.

99) Joach. v. Alden de Parchim Sommer=Semester 1536.

100) Georgius Glebna Gustrow. Winter=Semester 1536/37. - Aus dem alten Geschlechte Clevna, auch Clevenow.

101) Laurentius Faber Wismar. Sommer=Semester 1537. - Aus der Rathsfamilie Smede (Schmidt), Geistlicher zu Rostock 1539, wo außerdem ein verwandter, gleichnamiger Rathsherr; vgl. No. 112.

102) Andr. Martinus Rost. S ommer=Semester 1538. - Magister, Rector dortiger Universität 1556 ff.

103) Georgins Windt Wism. Sommer =Semester 1539. - Rector dortiger Schule 1543, Pastor an St. Nicolai 1560, gest. 1565.

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104) Franciscus de Stiten, Wism. Winter=Semester 1540/41. - Aus einer Rathsfamilie.

105) Jacobus Deschius Wism. Winter=Semester 1540/41.

106) Joach. Krus Meckl. Winter=Semester 1541/42.

107) Joach. Vuinman Wism. Winter=Semester 1541/42.

108) Vivt. de Herfart Rost. Sommer=Semester 1542. -Enkel des dortigen Bürgermeisters Vicke v. Hervorden.

109) Haselber. Krom (?) Rost. Winter=Semester 1542/43.

110) Joh. Eckhardus Wism. Sommer=Semester 1544.

111) Joachim Warnecke ex Barchem August 1545. - Aus einer Bürgerfamilie zu Parchim.

112) Brandanus Schmit Rost. August 1545. - Sohn des Rathsherrn Lorenz Smede, Bürger zu Rostock, gest. c. 1591.

113) Georgius Schroeder \    Stargard (in Meklenb.?) Herbst 
 >
114) Valerius Craco /    1546.

115) Joachim Malzan Meckl. August 1546. - Wohl identisch mit No. 130, und bei einem seiner vielen Kreuz= und Querzüge wohl schon damals, wie auch wieder 1554, honor. causa in die Matrikel eingetragen.

116) Nicolaus Luetze Meckl. November 1548. - Claus v. Lützow auf Proseken 1573 (?).

117) Henoch Sartorius Rost. Mai 1549.

118) Petrus Eggerdes Rost. Juni 1549. - Luther. Prediger an St. Jacobi zu Rostock 1556, removirt, ins Ausland gegangen.

119) Matthias Spretwisk Wism. März 1550. - Pastor zu Dorpat, dann an St. Jürgen zu Wismar 1556, gest. 1565.

120) Henricus Sibertus Rost. Juli 1550.

121) Casp. Paslich Rost. nobil. Ostern 1550. - Aus der - freilich nicht adligen - Familie Paselick oder Paslich.

122) Herm. Schröder Rost. Januar 1551.

123) Henricus Gladau Rost. Januar 1551. - Sohn des Vincenz Gladow, Dr. jur., Assess. beim Hof= und Landgericht 1573, Rathsherr 1582, gest. 1583.

124) Augustinus Durjar Wism. August 1551. - Dort Rathsherr 1565, gest. 1600.

125) Andreas Leo Rost. September 1551. - Wohl verwandt mit Dr. jur. Nicol. Leo daselbst.

126) Bernh. Bremer Rost. September 1551.

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127) Angel. Berstein Neo-Brandenburg. Juni 1553.

128) Daniel Czander Rost. Juli 1553.

129) Valent. Korth Rost. October 1553. - Sohn des Predigers an St. Marien Valent. Korte 1531 ff.

130) Joach. Maltzan nobil. domin. et baro in Vuartenberg et Pentzelin April 1554. - Sohn des Ritters Berend Maltzan auf Wolde, geb. c. 1492, erster Freiherr v. Wartenberg und Penzlin, kaiserl. Feldmarschall, mekl. Oberster, Geh. Rath, gest. März 1556; Vgl. No. 115 und 132.

131) Paulus Bolck vom Fridlandt Mai 1554. - Aus mekl. Friedland?

132) Illustris et generosus dominus Joan. Joach. Maltzan baro in Warttenburgk et Pentzlin Juni 1554. - Sohn von No. 130.

133) Henricus Mittendorp Wism. Juni 1554. - Rector zu Reval, Pastor in Wismar zu St. Jürgen 1565, gest. 1603.

134) Erasm. Bohemus jun. Neobrandenburg. October 1554. - Ein Erasmus Bohemus (Boiem, Böhme), gest. 1562, ist in der Kirche zu Röbel begraben; vgl. No. 300.

135) Josua Petri \    Neobrandenburg. October
 >
136) Balthasar Gotteschalkus /    1554.

137) Joachim Prackwan Rost. October 1554. - Aus der Familie Brackwan oder Brackwagen.

138) Petrus Techatius Brandenburg. Meckl. Mai 1555.

139) Simon Pauli Suerin. Mai 1555. - Sohn des Schweriner Bürgermeisters Johann Pauli, geb. 1534, Dr. und Prof. theol. und Director Ministerii zu Rostock, gest. 1591; vgl. No. 247, 408.

140) Petrus Brummer Rost. Mai 1555. - Wohl Sohn des gleichnamigen Bürgermeisters.

141) Josephus Gyse Malchin. Februar 1556.

142) Bernh. Sperwackt Neo-Brandenburg. April 1556.

143) David Wolffius Stargard. August 1557. - Aus Stargard in Meklenburg?

144) Nicolaus Tabin Rost. April 1558.

145) Georgius Langefeldt Rost. October 1558.

146) Magister Henricus Waren Rost. October 1558.

147) Joh. Hecht Gustrow. April 1558.

148) Joachim Stoisloff Gustrow. November 1558. - Vgl. No. 285.

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149) Joach. a Bacewitz Mecklenb. Mai 1559. - Auf Levetzow, meklenb. und dänischer Rath, Klosterhauptmann von Dobbertin, Dompropst zu Schwerin 1588 ff.

150) Oswald Bulau Meckl. minister generosi Domini Burggravii a Dohn (Dohna) Baronis Rectoris August 1559.

151) Jacobus Ribe Meckl. nobil. Januar 1560. - Auf Galenbek in M.=St. 1575.

IV. Zu Marburg 1527-1604.

152) Judocus Wismariensis September 1532. - Unter Weglassung des Familiennamens; vgl. No. 21, 67, 158.

153) Joachim Phrese Rost. August 1540. - Aus der Rathsfamilie Frese.

154) Joh. Blanckelau Rost. August 1540.

155) Mich. Boldewan Rost. Juli 1543. - Sohn des Bürgermeisters Heinrich Boldewan, dort Bürger, gest. 1566.

156) Christoph, a Schöneiche Meckl. Mai 1545. - Wohl Enkel der Kanzler Brandanus oder Caspar v. Schöneich.

157) Casp. a Schöneiche Mecklenb. Mai 1545. - Wohl Bruder von No. 156.

158) Joh. Wismariensis Mai 1548. - Wie No. 152.

159) Joh. Schenck Rost. Juli 1569.

160) Joh. Sprenger Rost. Mai 1573

161) Erasmus Reuzius Meckl. Juli 1590. - Sohn des Pastors Matthäus Reutz an St. Nicolai zu Rostock, geb. 1566, dänischer Rath, holsteinischer Kanzler, gest. December 1613.

162) David Gronowius Wism. September 1596. - Sohn des Bürgers Jac. Gronow, Rechtsgelehrter.

163) Mattheus Schacht Rost. April 1597. - Sohn des Prof. theol. und Pastors an St. Jacobi Valent. Schacht, rechtsbeflissen.

164) Joach. Hane Rost. April 1597. - Wohl Bruder von No. 370, auf Detershagen 1647.

165) Nicol. Dunckerus Rost. Mai 1600. - Verwandter des Rathsherrn Nicol. Dunker in Rostock.

166) Joh. Sibeth Rost. März 1601. - Sohn des Kaufmanns Carl Sibeth.

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167) Joh. Jegerus Rost. Juli 1601. - Sohn des Kirchenvorstehers an St. Jacobi Joach. Jäger, Ratsherr in Greifswald, dann Camerarius in Stralsund.

168) Joh. Volkwich Rost. März 1602.

169) Christianus Omichius Rost. April 1602. - Sohn des Prof. jur. Christian Oemeke; vgl. No. 228.

170) Joh. Mosius Rost. April 1602. - Sohn des Dionys. Maess, dort Rathsherr 1622, gest. 1636; vgl. No. 398.

171) Joh. Lautermann Rost. Juni 1603. - Sohn des Bürgers Zachar. Luttermann, geb. April 1581, Bürgermeister in Rostock, gest. Juni 1657.

172) Joh. Biesenthal Gustr. April 1604. - Sohn des dortigen gleichnamigen Subrectors.

173) Joh. Kuhne Gustrow. April 1604.

174) Georgins Linstow Meckl. April 1604. - Sohn Levins v. Linstow auf Garz und Glave, Klosterhauptmann von Dobbertin.

175) Joach. Schwarzkopp Wism. Mai 1604. - Aus einer Rathsfamilie, geb. 1582, Rathsherr zu Rostock, gest. 1650.

V. Zu Jena 1558-1631.

176) Christianus Colzowius Rost. Januar/Juli 1569. - Sohn des Kaufmanns Joh. Kölzow, Prediger an St. Marien 1578, gest. 1580.

177) Hinric. Heshusius Rost. Juli/Januar 1569/70. - Sohn des Tilemann Heshusius, Rectors der Universität Jena, vorher Predigers an St. Jacobi zu Rostock.

178) Hinricus Runge Rost. Juli/Januar 1569/70. - Bürgermeister daselbst.

179) Herm. Kampze Meckl. Januar/Juli 1570. - Sohn Ewalds v. Kamptz auf Godow, Dratow etc Pastor zu Neubrandenburg, Superintendentur=Verweser, gest. 1597.

180) Joach. Fredercinius Rost. Januar/August 1572.

181) Oswald Schlede Rost. Juli/Januar 1572/73. - Pastor an St. Marien und Director Ministerii zu Rostock, gest. 1613. - Vgl. No. 239.

182) Dr. Hinricus Siberus illustrium principum D. Friderici Wilhelmi Ducis Saxoniae et D. Johannis

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et Sigismundi Augusti Ducum Megapol. praeceptor, honoris causa Januar/Juli 1578.

183) Samuel Lindeman Rost. Februar/August 1580. - Wohl Sohn des Pastors an St. Nicolai Anton Lindemann.

184) David Rheinigke Stargard. Februar/August 1580. - Aus Stargard in Mecklenburg?

185) Andreas Cracowius Rost. August/Februar 1585/86. - Pastor in Bützow.

186) Mattheus Fleghius Rost. Januar Juli 1589. - Sohn des gleichnamigen (Flege, Fliege) Pastors an St. Marien.

187) Jac. Crullius Rost. August/Februar 1589/90. - Geb. 1567, Rathsherr daselbst 1613, gest. 1641.

188) Paul. Petrejus Rost. Januar/August 1590.

189) Joach. Crugerus Wism. Januar/August 1590. - Dort Rathsherr 1597, Bürgermeister 1614, gest. 1618.

190) Joh. Heinius Rost. Januar/August 1590. - Wohl verwandt mit No. 237.

191) Frider. Entimus Rost.  \    August/Februar 1590/91.
 >
192) Mich. Rolandi Parchim. /    August/Februar 1590/91.

193) Eberhardus a Molcken Meckl. August/Februar 1591/92. v. Moltke.

194) Joh. Fusius Suerin. August/Februar 1591/92. - Aus der Schweriner Familie Fueß.

195) Joach. Fabricius Wism. August/Februar 1591/92. - Joachim Schmidt, dort Rathsherr 1605, Bürgermeister 1630, gest. 1637.

196) Zachar. Schefterus Rost. Februar/August 1592.

197) Paulus Goltstein Meckl. Februar/August 1592. - Pastor in Schorrentin.

198) Joh. Ponsow Rost. August/Februar 1592/93.

199) Mattheus Gerdes Rost. August/Februar 1592/93. - Syndicus in Wismar.

200) Nicol. Winichius Rost. August/Februar 1592/93. - Rathsherr Nicol. Wiencke, gest. 1639.

201) Hinricus Prenius Rost. Februar/August 1593. - Aus der Rathsfamilie Prehn.

202) Joach. Delius Brandenburg. Meckl. August/Februar 1593/94.

203) Christoph. ab Hagen Butzow. August/Februar 1594/95. - Sohn Cords v. Hagen auf Hanshagen, herzogl.

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Rath und Hof= und Landgerichts=Assessor 1622; vgl. No. 451.

204) Joach. Quilitz Neo-Brandenburg. Februar/August 1595.

205) Jac. Nettelblath Rost. Februar/August 1595. - Sohn des Bürgers Casper Nettelbladt, Sechzehnmann und Kirchenvorsteher an St. Jacobi zu Rostock, geb. 1574, gest. 1633; vgl. No. 404.

206) Joach. Balichius Meckl. August/Februar 1595/96. - Sohn des herzogl. Kirchenöconomen Joach. Baleke zu Parchim, geb. 1575, dort Rathsherr 1610, Bürgermeister 1620, Syndicus 1626 ff., gest. März 1655.

207) Christoph. Balichius Meckl. August/Februar 1595/96. - Bruder von No. 206, Dr. jur., Hof= und Landgerichts=Advocat in Güstrow.

208) Antonins Grundgriper Meckl. August/Februar 1595/96. - Sohn des Bürgermeisters Matthäus Grundgreifer zu Parchim, Stadtrichter daselbst, gest. 1634.

209) Christoph, a Bibow Meckl. Februar/August 1596.

210) Joach. Schönermark Rost. Februar/August 1597.- Sohn des Rentmeisters gleichen Namens, geb. November 1575, Prof. jur. und Visitationsrath zu Rostock, gest. Mai 1631; vgl. No. 351.

211) Georgius Eilenfeldt Meckl. Februar/August 1598.

212) Mart. Weilandus Plau. Meckl. August/Februar 1598/99.

213) Valent. Bolerus Waren. August/Februar 1598/99.

214) Jac. Reineccius Stargardt August/Februar 1598/99. - Vgl. No. 184.

215) Petrus Sasse Rost. August/Februar 1598/99. - Sohn des Kaufmanns Jacob Sasse, geb. November 1571, Prof. der Logik daselbst, gest. Februar 1642; vgl. No. 368.

216) Henricus Beselinus Rost. August/Februar 1599/1600. - Aus dortiger Rathsfamilie Beselin.

217) Samuel Clinge Plau. August/Februar 1599/1600. - Aus einer Rathsfamilie daselbst, Dr. jur. zu Leipzig 1616, Bruder des Plauer Bürgermeisters Georg Klinge; vgl. No. 373.

218) Laurentius Hagemeister Gustrow. Februar/August 1600. - Sohn des dortigen Cammer=Secretairs Hagemeister, geb. 1580, Bürger zu Rostock, gest. 1620; vgl. No. 430.

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219) Joh. Hagemeiser Gusttrow. Februar/August 1600. - Bruder von No. 218, Dr. jur., Herzogl. Rath.

220) Freder. Molzan Meckl. Februar/August 1600.

221) Joh.Fabricius Rost. August/Februar 1600/1601. - Vgl. No. 235. Bruder von No. 222.

222) Jac. Fabricius Rost. August Februar 1600/1601. - Sohn des Bürgers Heinrich Schmidt, geb. August 1576, Prof. medic. zu Rostock und dänischer Leibarzt, gest. 1652; vgl. No. 358.

223) Christianus Gusebier Rost. Februar/August 1601. - Sohn des Ratsherrn Heinrich Gusebier.

224) Henricus Crauthof Neo-Brandenburg. Februar/August 1602. - Sohn des Bürgermeisters Jakob Krauthof, geb. Februar 1577, Dr. jur. zu Rostock, Assessor beim Hof= und Landgericht, gest. Januar 1641.

225) Herm. Cramon eq. Meckl. Februar August 1602. - Auf Borkow 1628; vgl. No. 355.

226) Levin Cramon eq. Meckl. Februar/August 1602. - Wohl Bruder von No. 225.

227) Christoph. Rumshagen Februar/August 1602. - Wohl aus der Familie v. Rumpshagen.

228) Christianus Omichius Rost. August/Februar 1603/4. - Vgl. No. 169.

229) Joh. Lautermann Rost. Februar/Juli 1604. - Vgl. No. 171.

230) Joh. Siebert Rost. Juli/Februar 1604/5.

231) Casp. Schwartecop Wism. Februar/August 1606. - Sohn des Bürgermeisters gleichen Namens, Dr. 1614, gest. 1622.

232) David Francus Fridland. Meckl. Februar August 1606. - Cantor dort 1610.

233) Matthias Börtius Wism. Februar/August 1606.

234) Joach. Julius Wism. Februar/August 1606. - Aus der Rathsfamilie Jule.

235) Joh. Fabricius Rost. August Februar 1606/7. - Vgl. No. 221.

236) Henricus Bacmeister Rost. August/Februar 1606/7. - Sohn des Prof. theol. und Direct. Minist. Lucas I. Bacmeister, demnächst Bürgermeister in Lüneburg, Bruder von No. 375; vgl. No. 320 und 357.

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237) Henricus Hein Rost. Februar/ August 1607. - Sohn des Prof. jur. und Bürgermeisters Friedrich Hein, Dr. jur. und Prof. zu Dorpat; vgl. No. 316.

238) Otto Tanck Wism. Februar/August 1607. - Von dortigem Rathsgeschlecht, Syndicus zu Lübek 1621, gest. 1637.

239) Nicol. Sledanus Rost Februar/August 1607. - Sohn von No. 181, als Cand. jur. gest. 1609.

240) David Hartmann Wism. August/Februar 1608/9. - Wohl Sohn des Pastors an St. Marien Thomas Hartmann.

241) Bernh. Bencke Gustr. August/Februar 1608/9.

242) Hieronymus Ribow Wism. Februar/August 1609. - Dort Stadtsecretair 1618, Rathsherr 1622, Bürgermeister 1628, gest. 1630.

243) Nicol. Scharffenberg Rost. Februar/August 1609. - Sohn des Bürgermeisters Bernhard Scharfenberg, geb. November 1588, Prof. jur. und Bürgermeister in Rostock, gest. November 1651. - Vgl. No. 384.

244) Petrus Welle Rost. Februar/August 1609. - Sohn des Kirchenvorstehers an St. Petri Heinrich Welle, Bürger daselbst, gest. 1623.

245) Parrchas. Vulpius Brandenburg. Meckl. Februar=August 1610.

246) Christoph. Gerdes Gustrow. August/Februar 1610/11. - Sohn des Bürgermeisters Mart. Gerdes, Bürgermeister zu Lübek, gest. 1661; vgl. No. 311, 352.

247) Magister Fridericus Pauli Rost. August/Februar 1610/11. - Sohn von No. 139.

248) Bernh. a Plate nobil Meckl. August/Februar 1610/11.

249) Joach. Baumannus Wism. Februar/August 1611. - Von der Rathsfamilie Baumann.

250) Gabriel Pauli Wism. Februar/August 1611. - Dort Rathsherr 1618, Bürgermeister 1632, gest. 1634.

251) Jonathan Hagemeister Gustrow. Februar/August 1611. - Vgl. No. 386; Bruder von 218 und 219?

252) Henricus Bischwang Meckl. Februar/August 1611. - Wohl aus der erloschenen Familie v. Bischwang.

253) Ulricus Wackerbard Meckl. Februar/August 1611. - v. Wackerbarth, Domdechant zu Schwerin 1634, zu Lübek 1650.

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254) Abraham Wackerbard Meckl. Februar/August 1611. - Bruder von No. 253.

255) Diedrich Berchtold Plessa Februar/August 1611. - v. Plessen, Justizrath in Schwerin 1623, hessischer Hofmeister 1634.

256) Hinricus Schumann Wittenburg. Meckl. Februar/August 1612.

257) Paulus Bossowius Parchim. Februar/August 1612. - Aus der Rathsfamilie Bössow.

258) Petrus Willebrand Rost. Februar/August 1612. - Sohn des Prof. Nicol. Willebrand, geb. 1597, Pastor zu Güstrow, gest. Juli 1638.

259) Diederich v. Pentz eques Meckl. Februar/August 1613.

260) Valentin v. Pentz eq. Meckl. Februar/August 1613.

261) Theophilus v. Hagen eq. Meckl. Februar/August 1613.

262) Georgius Dasenius Rost. Februar/August 1613. - Sohn des Prof. Mathemat. gleiches Namens, früh gestorben.

263) Nicol. Eggebrecht Wismar. Februar/August 1613. - Von der Rathsfamilie Eggebrecht, Wallensteinscher Hof= und Regierungsrath zu Schwerin 1628.

264) Andreas Balckius Wism. Februar/August 1613. - Sohn des Kirchenvorstehers Martin Balck (Balcke) an St. Georg, Neffe des Kirchenvorstehers an St. Nicolai und Ratsherrn Andreas Balck, geb. c. 1590, Dr. jur. zu Rostock 1615, früh gestorben.

265) Fridericus v. Floto nobil Meckl. August/Februar 1613/14. Sohn Joh. Ulrichs v. Flotow auf Stuer, besaß Gr.=Stuer Vorwerk, gest. 1681.

266) Thomas Duringus Wismar. Februar/August 1614. - Sohn des Rectors gleiches Namens.

267) Henricus Conradus Malchow Februar/August 1614. - Pastor zu Dewitz 1619.

268) Ulricus Crugerus Gustrow. Februar/August 1614. - Bruder von No. 279.

269) Christianus Clevenow Gustrow. Februar/August 1614. - Aus der Rathsfamilie Clevenow.

270) Ulricus Schirrmeister Gustrow Februar/August 1614. - Sohn des herzogl. Secretairs Joh. Schirrmeister, geb. 1593, gest. zu Jena December 1616.

271) Magister Valentinus Legedaeus Suerin. Februar/August 1614. - Sohn des Stadtrichters Valent. Leggetho

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zu Schwerin, geb. 1592, Prof. theol. zu Rostock, gest. Februar 1634.

272) Balthas. Gaull Rost. Februar/August 1614. - Sohn des dortigen Bürgers, Enkel des dortigen Bürgermeisters gleiches Namens, Bürger zu Rostock, gest. 1626.

273) Joach. Buschius Rost. Meckl. Februar/August 1615.

274) Henning a Lützow eques Meckl. Februar/August 1615. - Landrath zu Wallensteins Zeit, auf Eikhof.

275) Valent. Beselinus Rost. Februar/August 1615. - Sohn des Sechzehnmannes und Kirchenvorstehers an St. Nicolai Jac. Beselin, Bürger zu Rostock, gest. 1635.

276) Thom. Beselinus Rost. Februar/August 1615. - Kein Bruder, wohl aber Verwandter von No. 275.

277) Magister Joh. Olthoff Rost. Februar/August 1615.

278) Christoph. Osterstochius Wism. Februar/August 1615.

279) Joach. Crugerus Gustrow. Februar/August 1615. - Sohn des Bürgermeisters Ulrich Krüger, Amtshauptmann in Güstrow bis 1652, gest. 1671; vgl. No. 268, 394.

280) Mart. Cunowius Malchin. August/Februar 1615/16. - Sohn des Rectors Joh. Cunow.

281) Adolph. Joach. Stralendorff Meckl. August/Februar 1615/16. - Aus der Familie v. Stralendorff, demnächst kaiserl. österreich. Rath und Kämmerer.

282) Brandanus Eggebrecht Wism. August/Februar 1615/16. - Dort Rathsherr 1632, Bürgermeister 1640, gest. 1657; vgl. No. 395.

283) Udalricus Gisenhagen Gustrow. Februar/August 1616. - Sohn des Hofpredigers Friedrich Giesenhagen zu Grabow, Superintendent in Parchim, gest. Mai 1646.

284) Nicol. Rachel Gustrow. Februar/August 1616. - Sohn des Pfarrpredigers Moritz Rachel, Canzlei=Secret. in Schwerin, gest. 1667.

285) Zabel a Stoisloff Meckl. Februar/August 1616. - Wohl auch aus Güstrow, wo dies Adelsgeschlecht im Bürgerstande lebte.

286) Fridericus Hartwich Meckl. Februar/August 1616.

287) Nicol.  \    Urselinus Rost. Februar/August 1616.
 >
288) Henric. /    Bärlein - Berlin? 
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289) David Tancken Wism. August/Februar 1616/17. - Sohn des Stadtsecretairs Marcus Tanke.

290) Samuel Wilhelmi Strelitz. August/Februar 1616/17.

291) Nicol. Bumannus Wism. Februar/August 1617. - Vgl. No. 249.

292) Valentinus a Lutzow eques Meckl. August/März 1617/18. - Amtshauptmann zu Rehna und Neustadt, Kammerdirector 1653.

293) Henningus Matth. a Lützow eq. Meckl. August/März 1617/18.

294) Joach. a Lutzow eq. Meckl. August/März 1617/18. - Jägermeister zu Wallensteins Zeit 1628.

295) Barth. a Lützow eq. Meckl. August/März 1617/18. - Sohn Johanns auf Seedorf, sachs.= lauenburg. Rath, gest. Mai 1665.

296) Nicol. Wasmuth Neo-Brandenburg. März/August 1618. - Sohn eines Bürgers gleichen Namens, geb. September 1592, Wallenstein'scher Hofgerichtsfiskal 1628, gest. Juni 1639.

297) Joach. Cramberg Sternberg. März/August 1618.

298) Joh. Bollemus Rost. März/August 1618.

299) Joh. Hagemus Wism. März/August 1618.

300) Erasmus Bohemus Neo-Brandenburg. März/August 1618. - Vgl. No. 134.

301) Joach. Hasserus Rost. August/März 1618/19.

302) Hinricus Wedowius Rost. August/März 1618/19. - Wohl Sohn des Rathsherrn Joachim Wedow.

303) Georgius Prott \    Rost. März/August 1619. - Ver=
 >
304) Elias Prott  /   wandte des Gerichtssecretairs Theod. Prott.

305) Heinricus Prenger Rost. März/August 1619. - Sohn eines gleichnamigen Bürgers, geb. 1595, Superintendent zu Parchim seit 1647, gest. Mai 1667; vgl. No. 315.

306) Joach. Posselius Rost. März/August 1619. - Bruder von No. 307.

307) Heinricus Posselius Rost. März/August 1619. - Sohn des Schulrectors und Prof. ling. Joh. Possehl, geb. 1601, Bürger zu Rostock, gest. Mai 1638.

308) Magister Joach. Movius Parchim. März/August 1619. Sohn des Conrectors Nicol. Movius oder Mau, Lehrer zu Rostock und Parchim, seit 1633 Prof. ling. in Rostock.

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309) Magnus Linstow eques Meckl. März/August 1619.

310) Joach. Kistmacher Parchim. März/August 1619. - Sohn des Ratsherrn Hermann Kistmacher, geb. 1597, Bürgermeister zu Güstrow, gest. Mai 1674.

311) Mart. Gerdes Gustrow. März/August 1619. - Sohn des gleichnamigen Bürgermeisters, bremischer Rath; vgl. No. 246, 352.

312) Laurentius Schröder Parchim. September/Februar 1619/20. - Sohn des Ratsherrn gleiches Namens.

313) Melchior Danckwordus Meckl. Februar/August 1620. - Vielleicht aus der Rostocker Rathsfamilie Dankwart.

314) Wilh. Simonius Rost. August/Februar 1620/21. - Sohn des Prof. der Poesie und Rhetorik Joh Simon, Professor zu Dorpat.

315) Magister Henric. Prenger Rost. August/Februar 1620/21. Vgl. No. 305.

316) Fridericus Hein Rost. Februar/August 1621. - Sohn des Professors und Geh. Raths Albert Hein, eines Bruders des Prof. Heinrich Hein No. 237, geb. Februar 1598, Advocat in Rostock, gest. 1629, Bruder von No. 317, 354, 456.

317) Albertus Hein Rost. Februar/August 1621. - Bruder von No. 316, Professor zu Rostock 1629, Canzleirath in Schwerin 1636, Canzleidirector 1651, gest. nach 1664.

318) Balth. Hane Rost. Februar/August 1621. - Sohn von No. 370, Bruder von No. 392, vielleicht auch von No. 344, Bürger zu Rostock, gest. 1628.

319) Henricus Bertrammus Rost. Februar/August 1622. - Sohn des Bürgers Hans Bertram, geb. 1601, gest. als Rechtscandidat 1631.

320) Lucas Bacmeister Rost. Februar/August 1622. - Sohn des Prof. med. Johann Bacmeister, Enkel des Direct. Minist. Lucas Bacmeister, No. 236, Secretair beim Hof= und Landgericht; vgl. No. 357.

321) Conr. Valent. v. Plessen nobil. Meckl. Februar/August 1622. - Aus Retgendorf, Justizrath zu Schwerin 1632.

322) Casp. Below nobil. Meckl. Februar/August 1622.

323) Udalricus Carolus a Bassewitz nobil. Meckl. Februar=August 1622. - Auf Kl.=Walmstorf und Wendorf,

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dänischer Hauptmann, meklenb. Vicelandmarschall, gest. 1666.

324) David Eggebrecht Wism. Februar/August 1622. - Aus der Rathsfamilie.

325) Joach. Herzbergius Wism. Februar/August 1622. - Sohn des Predigers an St. Marien Anton Herzberg, ebenfalls Prediger an St. Marien 1628, Superintendent 1635, gest. 1652, Bruder von No. 429.

326) Hans a Blanckenburg Meckl. August/Februar 1622/23. - Auf Wulfshagen und Prillwitz.

327) Joach. a Blanckenburg Meckl. August/Februar 1622/23. - Wohl Bruder von No. 326.

328) Fridericus Quilizius Fridland. Meckl. Februar/August - 1623.

329) Joach. Ambrosius Fridland. Mecklenb. Februar/August 1623.

330) Zachar. Deutsch Rost. August/Februar 1623/24. - Sohn des Raths=Secretairs David Deutsch, Pastor am heil. Geist daselbst, gest. October 1638.

331) Cuno Hans a Bülow nobil. Meckl. Februar/August 1624. - Landrath.

332) Paul Joach. a Bülow nobil. Meckl. Februar/August 1624. - Hofmann am Wallensteinschen Hofe zu Gitschin 1630.

333) Sigismund Grassus Strelitz. Februar/August 1624.

334) Joh. Lanesius Parchim. August/Februar 1624/25. - Auch Leonisius, jetzt Lönnies, aus einer Pastoren= und Rathsfamilie, Magister philosophiae zu Rostock 1627.

335) Mich. Hagemeister Gustrow. Augus/Februar 1624/25. - Sohn des Bürgermeisters Gerhard Hagemeister, Advocat beim Hof= und Landgericht; vgl. No. 410.

336) Christoph Jacobi Plau. Meckl. Februar/August 1625.

337) David Clinthius Wismar. Februar/August 1625. - Dort Dr. jur. 1639.

338) Conrad Becmann Rost. Februar/August 1625.

339) Job. Gisemus Parchim. Februar/August 1625. - Aus der Rathsfamilie Giese.

340) Bernh. v. Münster Rost. August/Februar 1625/26. - Sohn des Bürgers Heinrich v. Münster, geb. August 1602, Rath und Güstrow'scher Canzleifiscal, gest. October 1640.

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341) Heinr. Sibrand Rost. August/Februar 1625/26. - Sohn des Professors Joh. Sibrand, geb. Mai 1604, Advocat und ritterschaftl. Syndicus, gest. December 1647.

342) Mich. Geismarus Rost. August/Februar 1625/26. - Sohn des Kirchenvorstehers Heinrich Geismar an St. Jacobi, geb. August 1605, Rathsherr 1659, gest. September 1668.

343) Joach. Geismarus Rost. August/Februar 1625/26. - Bruder von No. 342, geb. April 1608, Dr. jur., gest. April 1643.

344) Henricus Joach. Hane Rost. August/Februar 1625/26. - Bruder von No. 318 und 392 ?

345) Magister Henric. v. d. Wiede Rost. August/Februar 1625/26. - Sohn des Bürgers Joh. v. d. Wiede, geb. März 1598, Pastor an St. Petri, gest. Januar 1631.

346) Joach. Elerus Rost. Februar/August 1625/26.

347) Joach. Follenbier Rost. Februar/August 1625/26. - Cand. theol. und Magister philosophiae daselbst, gest. 1638.

348) Joh. Bussius Parchim. Februar/August 1626. - Aus einer Rathsfamilie.

349) Jonas Richterus Rost. Februar/August 1627. - Sohn des Pastors gleiches Namens an St. Petri.

350) Matthias vom Lohe Rost. Februar/August 1627. - Sohn eines Bürgers gleiches Namens, geb. 1599, Pastor an St. Katharinen daselbst, gest. Februar 1653.

351) Joach. Friedr. Schönermarck Rost. Februar/August 1627. - Sohn des Professors dieses Namens No. 210; vgl. auch No. 455.

352) Joh. Gerdes Gustrow. August/Februar 1627/28. - Geb. October 1604, Bruder von No. 246 und 311, Bürgermeister in Güstrow, gest. März 1680.

353) Joh. Stalmeister Rost. Februar/August 1628. - Sohn des Bürgermeisters Heinrich Stalmeister, geb. Februar 1607, Amtmann zu Bützow und Doberan, gest. April 1662.

354) Heinr. Hein Rost. Februar/August 1628. - Bruder von No. 316, 317, 456, geb. 1606, Professor und Secretair der juristischen Facultät zu Rostock, gest. 1651. - Vgl. auch No. 437.

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355) Reimer Joh. Cremon Meckl. Februar/August 1628. - Vgl. No. 225.

356) Daniel Sandow Gustrow. August/Februar 1628/29. - Sohn des Ratsherrn Joach. Sandow, geb. 1607, Dr. jur. und Advocat, auf Boldenstorf, geadelt, gest. 1664.

357) Lucas Bacmeister Gustrow. August/Februar 1628/29. - Sohn des Rostocker Prof. theol., demnächst Güstrower Superintendenten Lucas Bacmeister, Bruder des Professors Johann No. 320, geb. 1605, Prof. theol. zu Rostock, gest. Februar 1679.

358) Magister Phil. Jac. Fabricius Rost. Profess., orator in Academ. patria designat Juni 1629. - Sohn von No. 222, geb. Mai 1607, Prof. eloquent, zu Rostock, gest. August 1630; vgl. No. 466.

359) Magister Joach. Hasenius Parchim. August/Februar 1629/30. - Aus einer Bürgerfamilie, Pastor zu Wesenberg bis 1639, dann zu Röbel, gest. December 1669.

360) Henr. Sibrand Rost. August/Februar 1630/31. - Sohn des Kaufmanns Sylvester Sibrand, geb. Februar 1610, von einem schwed. Offizier Juli 1635 erstochen.

361) Christoph. Floccius Meckl. Februar/August 1631.

362) Joh. Cunowins Ribnitz. Februar/August 1631.

363) Bertholdus v. Gehren Rost. Februar/August 1631. - Sohn des Dr. jur. Reinhold v. Gehren, geb. c. 1610, Assessor beim Kammergericht zu Speier, gest. 1656.

364) Joh. Christoph. Sturtz Rost. Februar/August 1631. - Sohn des Prof. histor. und holstein. Rathes Azarius Sturz.

365) Daniel Bossow Parchim. Februar/August 1631 -Von einer Rathsfamilie.

366) Conr. Diederich v. Flotow Meckl. Februar/August 1631. - Auf Stuer, Sohn des Landraths Jürgen v. Flotow auf Stuer.

367) Joach. Lussow Rost Februar/August 1631. - Sohn des Bürgers Joachim Luschow, geb. 1607, Dr. jur. zu Rostock, gest. Juli 1638.

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VI. Zu Leyden 1575-1650.

368) Petrus Saxen Rost. Stud. Philosoph. August 1594. - Vgl. No. 215.

369) Joh. Groot Rost. Stud. Jur. 20 Jahre alt, April 1598. - Sohn eines gleichnamigen Bürgers, Rathsherr daselbst 1611, gest. 1618.

370) Balth. Haan Rost. Stud. Jur., 20 Jahre, April 1598. - Sohn des Rathsherrn Joach. Hane, Bürger zu Rostock, Vater von No. 318, 392, auch wol von No. 344 und Bruder von No. 164.

371) Mattheus Chytraeus Rost. Theol., 19 Jahre, Juni 1600. - Kein Sohn des Reformators und Prof. theol. David Chytraeus, wohl aber wahrscheinlich seines Bruders, des Rostocker Rectors Nathan Chytraeus.

372) Bernh. Scharffenberg Neo-Brandenburg., 21 Jahre, Februar 1601. - Vgl. No. 384.

373) Samuel Clingius Plau. Jur., 21 Jahre, Mai 1602. - Vgl. No. 217.

374) Joach. Slorff Rost. Jur., 23 Jahre, Mai 1602. - Sohn des Nicol. Schlorff, Kirchenvorsteher an St. Jacobi, gest. September 1646.

375) Mattheus Bacmeister Rost, 23 Jahre, Med., September 1603. - Dr. med. und lauenburgscher Leibarzt, Bruder von No. 236.

376) Paulus Calenius Rost., Jur., April 1604. - Sohn des Pastors an St. Marien Lambert Kahle, vermachte der Universitätsbibliothek ein reiches Legat.

377) Christoph. Lukow Rost., 26 Jahre, Jur., September 1606.

378) Gebh. Kirchdorf Meckl., 19 Jahre, Jur., September 1606. - Sohn Joachims v. Kerkdorf oder Kardorf auf Granzow etc ., demnächst auf den väterlichen Gütern, gest 1643.

379) Petrus Laurenberg Rost., 23 Jahre, Med., Juni 1608. - Sohn des Prof. med. Wilh. Laurenberg, geb. August 1585, Prof. med. et philos. zu Rostock, gest. Mai 1639; vgl. No. 396 und 480.

380) Joh. Corvinus Meckl., 28 Jahre, Theol., April 1611. - Rabe? Raven?

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381) Mattheus Roeseler Rost., 25 Jahre, Med. Juli 1613. - Sohn des Sechzehnmannes Georg Röseler, Bürger in Rostock.

382) Henr. Costerus Rost., 25 Jahre, Med., Juli 1613. - Sohn des Kirchenvorstehers an St. Nicolai Andr. Köster, dänischer Leibarzt, gest. October 1646; vgl. No. 460.

383) Marquardus Gheerst Rost., 22 Jahre, Phil., Juni 1614. - Sohn des Rathsherrn Stephan Gerdes, geb. 1592, Bürger daselbst, gest. 1627.

384) Bernh. Scharffenberg Rost., 22 Jahre, Phil., Juni 1614. - Sohn des dortigen Bürgermeisters gleiches Namens, Bürger daselbst, Bruder von No. 243; vgl. No. 372.

385) Casp. Willichius Meckl., Jur., 26 Jahre, Juni 1615. - Dr. jur. und Advocat Casp. Wilcke zu Parchim.

386) Jonathan Hagemeister, Meckl., 28 Jahre, Jur., Juli 1615. - Vgl. No. 251.

387) Marc. Lemmichius Rost, 18 Jahre, September 1616. - Sohn des Rathsherrn Herm. Lembcke, geb. August 1600, Bürger daselbst, gest. Juni 1660.

388) Abraham Celichius Gustrow., 22 Jahre, Philos., Februar 1617. - Wohl Sohn des Superintendenten und Hofpredigers Andr. Celichius (Zehlicke).

389) Nicol. Spranckerus Rost., 20 Jahre, Med., Mai 1617.

390) Paulus Berch Rost., 22 Jahre, Med., August 1617 und 1620. - Herzogl. Leibmedicus zu Güstrow 1626.

391) Joh. Loormann Rost., 16 Jahre, Art. liberal., September 1617. - Wohl Sohn von Joachim Lohrmann, Vorst. der St. Johannis=Kirche.

392) Marc. Haan Rost, 16 Jahre, Philos., Februar 1618. - Bruder von No. 318 und wohl von No. 344, Bürger zu Rostock, gest. 1638.

393) Jac. Steinmann Rost., 20 Jahre, Jur., August 1618, desgl. Juli 1620. - Sohn des Rathsherrn gleiches Namens, holst. Amtmann.

394) Joach. Krüger Meckl., 24 Jahre, Jur., Februar 1619. - Vgl. No. 279.

395) Brandanus Eggebrecht Wism., 24 Jahre, Jur., Juni 1619. - Vgl. No. 282.

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396) Wilh. Laurenberg Rost., 21 Jahre, Med., Juli 1619. - Bruder von No. 379, Dr. med. zu Rostock 1628.

397) Henr. Haselberch Rost., 25 Jahre, Med., August 1619.

398) Marc. Maess Rost., 20 Jahre, Jur., April 1620. - Bruder von No. 170, geb. August 1599, Bürger zu Rostock, gest. Juni 1638.

399) Joh. Andreae Rost., 28 Jahre, Med., Mai 1620. - Sohn des Rathsherrn gleiches Namens.

400) Alb. Knopperus Rost., 21 Jahre, Jur., Mai 1620. - Sohn des Bürgers Heinrich Knupper, geb. August 1599, als Cand. jur. gest. August 1625.

401) Joach. Drevenstede Rost., 21 Jahre, Jur., August 1620. - Kirchenvorsteher an St. Petri zu Rostock, gest. 1640.

402) Joach. Neucrantz Rost., 20 Jahre, Med., August 1620. - Sohn des Hofmedicus Wilh. Neukrantz (Niekrentz), Dr. med. und Stadtphysicus in Stralsund.

403) Christoph. Tyleke Rost., 23 Jahre, Jur., August 1620. - Sohn des Kirchenvorstehers an St. Marien Joh. Tileke, geb. 1600, Bürger zu Rostock, gest. Juni 1631.

404) Casp. Nettelblat Rost., Philos., August 1620. - Sohn von No. 205, geb. 1602, gest. 1660.

405) Joach. Neuss Meckl., 20 Jahre, Med., Juni 1621.

406) Dethleff Reventlauw Meckl., 23 Jahre, Polit., October 1622. - Sohn des Landraths Henning v. Reventlow auf Ziesendorf etc ., dänischer Kanzler, gest. 1664.

407) Casp. vom Ortzen Meckl., 21 Jahre, Polit, October 1622.

408) Simon. Pauli Rost., 20 Jahre, Med., Mai 1623. - Sohn des Prof. med. und dän. Leibarztes Heinrich Pauli, Enkel von No. 139, geb. April 1603, Prof. med.; später in Kopenhagen.

409) Volradus de Plessen September 1623. - Amtshauptmann in Neukloster 1630.

410) Luc. Hagemeister Meckl., 22 Jahre, Jur., October 1623. - Bruder von No. 335, Bürgermeister in Güstrow, gest. 1664.

411) Otto Frederic. van Molcken Meckl., 18 Jahre, Jur., August 1624. - Bruder von No. 413, Provisor des Klosters Ribnitz 1651.

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412) Carin Ulric. van Molcken Meckl., 18 Jahre, Jur., August 1624. - Wohl Vetter von No. 411 und 413.

413) Balthasar van Molcken Meckl., 25 Jahre, Jur., August 1624. - Sohn des Wallenstein'schen Geh. Raths=Präsidenten Gebhard von Moltke auf Toitenwinkel, Neukirchen, Tützen, Wallenstein'scher Regierungsrath 1629; vgl. No. 411 und 462.

414) Joach. Diedr. von Stralendorf Meckl., 21 Jahre, Jur., August 1624. - Auf Greven, gest. 1635.

415) Joach. Luder Barss Meckl., 18 Jahre, Polit., September 1624. - Aus dem erloschenen Adelsgeschlecht v. Barsse, demnächst auf Rambow.

416) Adam Barss Meckl., 18 Jahre, Polit., Februar 1625. - Wohl Bruder von No. 415.

417) Henric. Sultemann Rost., 15 Jahre, Jur., November 1625. - Sohn des Rathsherrn gleiches Namens, geb. 1610, Dr. jur., gest. 1634.

418) Magister David Randow Wism., 25 Jahre, Theol., Juni 1626.

419) Andr. van Berenster (!) Meckl., 21 Jahre, Jur., Juni 1626. - Wohl Andr. von Bernstorff auf Bernstorf.

420) Levin Battus Rost., 25 Jahre, Jur., Juni 1626. - Sohn des Prof. med. gleiches Namens, Dr. jur., Professor und Rath, gest. 1643.

421) Nicol. Paepke Rost., 22 Jahre, Jur., August 1626. - Sohn des Rathsherrn Hermann Papcke.

422) Uldericus Lutsowius Meckl., 21 Jahre, Mathemat., October 1626. - v. Lützow?

423) Joh. Stavenau Rost., 20 Jahre, Jur., November 1626. - Wohl Sohn des Weinhändlers Joach. Stavenow.

424) Otto Wackerbart Meckl., 22 Jahre, Jur., März 1629. - Wohl aus dem Geschlecht v. Wackerbarth.

425) Elias Taddelius Rost., 27 Jahre, Theol., Juni 1629. - Sohn des Bürgers Bernhard Taddel, Prof. theol., Pastor an St. Petri zu Rostock, später in Amsterdam; vgl. No. 461.

426) Franciscus Mullerus Rost., 21 Jahre, Philos., Juni 1629. - Vgl. No. 459.

427) Joach. Raben Meckl., 21 Jahre, Jur., Juni 1629. - v. Raben?

428) Mart. Tancken Wism., 24 Jahre, Jur., August 1629. - Von der Rathsfamilie T.

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429) Ant. Herzberg Wism., 24 Jahre, Med., August 1629. - Bruder von No. 325, Stadtphysicus zu Wismar 1641, gest. 1669.

430) Steph. Hagemeister Rost., 21 Jahre, Jur., August 1629. - Wohl Sohn von No. 218.

431) Joh. Frideric. Sletserus Meckl., 20 Jahre, Med., October 1629. - Vgl. No. 435 und 448.

432) Henric. Lange Rost., 20 Jahre, Med., Mai 1630. - Sohn des Bürgers Mart. Lange, geb. Februar 1610, Bürger in Rostock, gest. Juni 1638.

433) Carolus Matthias Firegge Meckl., 23 Jahre, Jur., Mai 1630. - Bruder von No. 434, Hofrath gest. 1637.

434) Joach. Henr. Firegge Meckl., 20 Jahre, Mathemat., Mai 1630. - Sohn Levins v. Vieregge auf Rossewitz etc ., geb. December 1610, dän. Generalmajor, mekl. Geh. Rath, gest. October 1670.

435) Fridericus Christianus Sletser Meckl., 20 Jahre, Jur., Juni 1630. - Vgl. No. 431 und 448.

436) Reimar Ulric de Plessen Meckl., 18 Jahre, Jur., Juli 1630.

437) Henr. Heinius Rost., 23 Jahre, Jur., Juli 1630 - Vgl. No. 354.

438) Nicol. Christoph. Lutzouw Meckl., 22 Jahre, Jur. October 1630. - Sohn des Erblandmarschalls Christoph v. Lützow auf Eikhof, schwed. Hofmarschall, gest. August 1669.

439) David Kramerus Stargard. (Meklenb.?), 22 Jahre, Med., Mai 1631.

440) Levin Baers Meckl., 22 Jahre, Stud. Fortificat., Juni 1631. - Levin v. Barsse, später herzogl. Hauptmann zu Gadebusch.

441) Joach. Frederic. von Bevernest Meckl., 19 Jahre Jur., September 1631. - Sohn des Landraths Gregor v. Bevernest, Amtshauptmann zu Plau.

442) Joh. Albert. Neggendank Meckl., 21 Jahre, Jur., September 16 31. - Wohl v. Negendank.

443) Herm. Tarnowius Meckl., 25 Jahre, Theol., Juni 1632. - Sohn des Pastors gleiches Namens in Grevesmühlen, geb. 1605, Pastor in Dassow gest. 1669.

444) Henr. Tancke Rost., 20 Jahre, Stud. Litterar., Mai 1633. - Aus der Rathsfamilie T.

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445) Mart. Bukelius Meckl., 23 Jahre, Jur., Juli 1633. - Sohn des herzogl. Secretärs Martin Bökel zu Güstrow, geb. Juni 1610, holsteinischer Minister, gest. September 1688.

446) Dan. Bruen Rost., 20 Jahre, Jur., October 1633. - Sohn des Rathsherrn gleiches Namens, früh gestorben.

447) Thomas Lindeman Rost., 24 Jahre, Theol., November 1633. - Sohn des Dr. jur. gleiches Namens, geb. Mai 1609. Prof. theol. zu Rostock 1635, Pastor in Kopenhagen 1638, gest. 1654. - Bruder des Rostocker Rathsherrn Bernh. Lindemann.

448) Joh. Frideric. Sletser Meckl., 24 Jahre, Med., Juli 1634. - Vgl. No. 431 und 435.

449) Bernh. Clinge Rost., 20 Jahre, Jur., Mai 1635. - Verwandter des Prof. jur. Bartholom. Clinge zu Rostock, dort Bürgermeister.

450) Alex. Kirchherg Rost., 27 Jahre, Jur., Mai 1635. - Canzleirath zu Schwerin 1662, Canzleidirector 1675-1678.

451) Adolph Friedr. v. Hagen Meckl., 24 Jahre, Jur., Mai 1636. - Wohl Sohn von No. 203.

452) Georg Havenmeister Rost., 20 Jahre, Jur., Juni 1636.

453) Job. Nyboor Meckl., 28 Jahre, Jur., August 1636. - Sohn des Kirchen=Provisors gleiches Namens zu Bützow, Dr. jur. und Advocat, gest. 1650.

454) Joh. Willebrand Rost., 22 Jahre, Jur., December 1636. - Sohn des Rathsherrn gleiches Namens, geb. Januar 1615, Rathsherr daselbst, gest. August 1678.

455) Joach. Friedr. Schynermarck Rost., 30 Jahre, Jur., Februar 1638. - Vgl. No. 351.

456) Joh. Alb. Heyn Rost., 25 Jahre, Art. Magist., Juni 1638. - Bruder von 316, 317, 354, Dr. jur. zu Rostock.

457) Joh. Alb. Huyswedel Rost., 21 Jahre, Med., September 1639. - Sohn des Professors der Ethik Joh. Huswedel; vgl. No. 470.

458) Joh. Schröder Rost., 20 Jahre, October 1639.

459) Franciscus Müller Rost., 22 Jahre, Jur., Februar 1640; Vgl. No. 426.

460) Henricus Kosterus Rost., 24 Jahre, Med., Juni 1640. - Sohn von No. 382, Dr. med. zu Rostock, gest. 1657.

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461) Bernard. Taddel Rost., 26 Jahre, Theol., October 1640. - Prof. der griech. Sprache in Rostock, gest. Februar 1656, Bruder von No. 425.

462) Joach. Friedr. a Moltken Meckl., 22 Jahre, Jur., Mai 1641. - Stiefbruder von No. 411 und 413.

463) Petrus Schultetus Meckl., 22 Jahre, Jur., Mai 1641.

464) Job. Bechlinus Rost., 28 Jahre, Theol., August 1642. - Bekelin

465) Vict. v. Bilau Meckl., 20 Jahre, Polit., October 1642. - v. Bilow.

466) Henricus Fabricius Rost., 21 Jahre, Med., Mai 1643. - Bruder von No. 358, Dr. med., gest. 1660.

467) Petrus Idenius Meckl., 22 Jahre, Jur., August 1643 und September 1647. - Ide.

468) Joh. Kosterus Meckl., 29 Jahre, Med., August 1643. - Kein Bruder von No. 460.

469) Fredericus v. Leisten nobil. Meckl., 24 Jahre, Polit., September 1644. - Wohl Landrath Hans Friedrich v. Lehsten, Provisor des Klosters Dobbertin.

470) Joh. Christoph Houswedehus Rost., 27 Jahre, Cand. jur., Mai 1645. - Sohn des Prof. jur. Conrad Huswedel zu Altdorf, Bruders des Prof. Johann No. 457 zu Rostock, Hof= und Canzleirath zu Güstrow 1658, Hofgerichts=Vicepräsident in Parchim 1667, gest. December 1701.

471) Bernh. Balthasar Soltovius Rost., 26 Jahre, Jur., Juni 1647. - Sohn des Dr. jur. Bernhard Soltow.

472) Adolphus Fredericus a Lepel Meckl., 13 Jahre, Stud. litterar., Juni 1647.

473) Magister Joh. Quistorp Rost., 24 Jahre, Theol., October 1647. - Sohn des Prof. theol. und Direct. Minist, gleiches Namens, geb. Februar 1624, Prof. theol. und Pastor an St. Jacobi zu Rostock, gest. December 1669.

474) Petrus Praetorius Meckl., 26 Jahre, Jura, gratis, März 1648.

475) Henricus Schucktman Rost., 27 Jahre, Jur., Mai 1648. - Sohn des Prof. jur. Heinrich Schuckmann, geb. October 1620, gest. Aug. 1648.

476) Conradus Schucktman Rost., 26 Jahre, Jur., Mai 1648. - Bruder von No. 475, geb. Februar 1622, Dr. jur. und Assessor beim Hof= und Land= gericht, gest. April 1659.

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477) Casp. Horneman. Rost., 24 Jahre, Theol., Mai 1648. - Vielleicht der Pastor gleiches Namens zu Cambs 1668.

478) Joh. Henning a Ghekel Rost, 21 Jahre, Jur., August 1648.

479) Joh. Beer Meckl., 27 Jahre, Polit., October 1648.- Wohl v. Behr?

480) Jac. Sebast. Laurenberg Rost., 28 Jahre, Jur., October 1648. - Sohn von No. 379, geb. November 1619, Prof. jur. zu Rostock, gest. December 1668.

481) Henningus Negendank nobil. Meckl., 24 Jahre, Polit, März 1649. - Sohn Paschens v. Negendank auf Zierow etc ., ebenfalls Gutsbesitzer, gest. Sept. 1692.

482) Hieronymus Ruge Wism., 24 Jahre, Jur., September 1649. - Dort Rathsherr 1663, gest. 1666.

483) Illustr. et Cels. Princeps ac Dominus Gustavus Adolphus Dux Meckl. 28. December 1649. - Geb. 26. Februar 1633, gest. 6. October 1695, letzter Herzog von Meklenburg=Güstrow.

484) Andreas Pritzbauer nobil. Meckl., 28. December 1649. - Geb. Juli 1608, Amtshauptmann von Schwan und Wredenhagen, Güstrow'scher Hofmeister und Geh. Rath, auf Grabenitz, gest. Juni 1667.

485) Adam Henning a Bülow nobil. Meckl, 28. December 1649. - Amtshauptmann zu Boizenburg, Kammerpräsident, Landrath, auf Bristow etc .

486) Henricus Klenow nobil. Meckl., 28. December 1649. - Herzogl. Oberförster zu Güstrow.

487) Nicol. Költzow Rost., 26 Jahre, Med., April 1650. - Sohn des Bürgers Heinrich Kölzow.

VII. Zu Dorpat 1632-1650.

488) Frieder. Hein Rost. März 1634. - Gewiß Verwandter des Dorpater Prof. Heinr. Hein; No. 237.

489) Valent. Havemann Rost. März 1634. - Sohn des Bürgers gl. N., geb. c. 1612, später Soldat.

490) Bernh. Below Rost. Mai 1634. - Wohl Verwandter des damaligen Dorpater Prof. med. Joh. Below, eines Rostocker Bürgersohnes.

491) Arnoldus Deene Rost., October 1635.

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492) Martinus Maasins Ratzeburg. Juli 1636. - Demnächst Pastor zu Schlagsdorf bei Ratzeburg.

493) Casp. Eggerdes Rost. September 1638. - Wohl aus der dortigen Rathsfamilie dieses Namens.

494) Henricus Vulpius Rost. Februar 1641. - Sohn des gleichnamigen Rectors, Dr. philos. 1650.

495) Henricus Hein Rost. November 1641. - Wohl Verwandter von No. 488.

496) Philipp Halbach Rost. November 1643.

497) Arvid Sigism. Brandt Wism. März 1645. - Wohl Sohn des Pastors Joach. Heinrich Brandt an St. Marien.

498) Alb. Dobbin Rost. November 1647. - Sohn des Rathsherrn Stephan Dobbin, geb. c. 1629, beim Tode seines Vaters 1657 in der Fremde.

499) Mattheus Willebrand Gorloso-Meckl. October 1648 - Sohn und Enkel von Pastoren zu Gorlosen.

 


 

Personen-Register.


Herzog Gustav von Meklenburg=Güstrow 483.

v. Alden 99.
Ambrosius 329.
Andreae 399.
Bacmeister 236, 320, 357, 375.
Balck 264.
Baleke 206, 207.
v. Barsse 415, 410, 440.
v. Bassewitz 96, 149, 323.
Battus 420.
Baumann 249, 291.
Beckmann 338.
Behncke 241.
v. Behr 479.
Bekelin 33, 464.
v. Below 322.
Below 490.
Berg 390.
v. Berge 71.
Berlin 287, 288.
v. Bernstorf 419.
Berringer 31.
Berstein 127.
Bertram 319.
Beselin 216, 275, 276.
v. Bevernest 441.
v. Bibow 465.
Biesenthal 172.
v. Bilow 465.
v. Bischwang 252.
v. Blanckenburg 326, 327.
Blankelow 154.
Böhmer 134, 300.
Boiem 134.
Boitin 92.
Bökel 445.
Bolck 131.
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Boldewan 155.
Bolerus 213.
Bolle 298.
Börte 233.
Bossow 257, 365.
Brackwagen 137.
Brandt 497.
Brem 94.
Bremer 126.
Brümmer 140.
Brun 446.
Buek 56.
Bülow 27.
v. Bülow 74, 75, 97, 150, 331, 332, 485.
Busch 273.
Busse 348.
Buttow 8.
Chytraens 371.
Clinge 449, s. Klinge.
Clinth 337.
Gonrad 267.
Gorvinus 380.
Gramberg 297.
v. Cramon 225, 226, 355.
Crüger, s. Krüger.
Crull 187.
Cunow 280, 302.
Dankwart 313.
Dase 262.
Dehn 491.
Delius 202.
Deutsch 330.
Diestelow 35.
Dobbin 60, 498.
Dösch 105.
Drevenstedt 401.
Duncker 87, 165.
Dure 54.
Durjahr 124.
Düring 266.
Dutzow, 84.
Eckhardt 110.
Eggebrecht 263, 324, 395.
Eggers 118, 493.
Eilenfeldt 211.
v. Eixen 58.
Elers 90, 346.
Engelken 55.
Entimus 191.
Faber 101, s. Schmidt.
Fabricius 195, 221, 222, 235, 358, 466, s. Schmidt.
Flege 186.
Flock 361.
v. Flotow 265, 366.
Frank 232.
Fredercinius 180.
Frese 153.
Fuchs, s. Vulpius.
Füllbier 347.
Fuss 194.
Gadebusch 12, 13.
Garlipp 34.
Gaul 272.
v. Gehren 363.
v. Gekel 478.
Geismar 342, 343.
Gerdes 199, 246, 311, 352, 383.
Giese 141, 339.
Giesenhagen 283.
Gladow 123.
Goldstein 197.
Gosebier 223.
Gottschalk 136.
Grass 333.
Grentz 36.
Gronow 162.
Groth 369.
Grundgreifer 208.
v. Güstrow 9.
Hagemeister 218, 219, 251, 335, 386, 410, 430.
v. Hagen 203, 261, 451.
Hagen 299.
Halbach 496.
Hane 104, 318, 344, 370, 392.
Hartmann 240.
Hartwig 286.
Hase 359.
Haselbeck 37.
Haselberg 397.
Hasse 301.
Hauswedel 457, 470.
Havemann 489.
Hecht 147.
Hein 190, 237, 316, 317, 354, 437, 456, 488, 495.
v. Hervorden 108.
Herzberg 325, 429.
Heshus 177.
v. Heyde 19.
Hofmeister 452.
Hornemann 477.
Jäger 107.
Jakobi 336.
Ide 467.
Jule 234.
Kahle 376.
v. Kamptz 179.
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v. Kardorff 378.
Kirchberg 450.
Kirchhoff 59.
Kistmacher 310.
v. Klenow 486.
Klevenow 100, 269.
Klinge 217, 373; s. Clinge.
Klütz 15.
Knorreke 62.
Knupper 400.
v. Köllen 5.
Kölzow 170, 487.
Korth 129.
Köster 382, 460, 468.
Krakow 14, 114, 185.
Kramer 439.
Krauthof 224.
Krom 109.
Krüger 85, 189, 208, 279, 394.
Kruse 106.
Kuhlmann 50.
Kuhne 173.
Lange 432.
Langediderich 61, 66.
Langejohann 47, 68.
Langfeldt 145.
Laurenberg 379, 396, 480.
Leggeto 271.
v. Lehsten 469.
Lembcke 387.
Leo 125.
v. Lepel 472.
Levetzow 95.
Lindemann 183, 447.
v. Linstow 174, 309.
v. Lohe 350.
Lohrmann 391.
Loennies 334.
v. Lübberstorf 28.
v. d. Lühe 82.
Lukow 377.
Lussow 367.
Luttermann 171, 229.
v. Lützow 116, 274, 292, 293, 294, 295, 422, 438.
Maass 170, 398.
v. Maltzan 11, 80, 115, 130, 132, 220.
Mannerow 38.
Martin 102.
Masins 492.
Mau 308.
Mittendorf 133.
v. Moltke 26, 193, 411, 412, 413, 462.
Müller 426, 459.
v. Münster 340.
v. Negendank 442, 481.
Nettelbladt 205, 404.
Neus 405.
Niebuer 89, 453.
Niekrentz 402.
Niendorf 24.
Oemeken 169, 228.
v. Oertzen 407.
Olthoff 277.
Osterstock 278.
Papcke 421.
v. Parchim 43.
Paslich 121.
Pauli 139, 247, 250, 408.
v. Pegel 48, 86.
v. Pentz 259, 260.
Petri 135, 188.
v. Plate 248.
v. Plessen 2, 3, 255, 321, 409, 436.
Ponsow 198.
Possehl 306, 307.
Prätorius 474, s. Richter.
v. Preen 6.
Prehn 201.
Prenger 305, 315.
v. Pritz 22.
v. Pritzbuer 484.
Prott 303, 304.
Quilitz 204, 328.
Quistorp 473.
Rabe, s. Corvinus.
v. Raben 427.
Rachel 284.
Rade 81.
Rampe 40, 53.
Randow 418.
v. Ratzeburg 1.
Reincke 184, 214.
Retschow 72.
v. Retzow 45.
Reutz 161.
v. Reventlow 406.
v. Rhein 46.
Ribe 63.
v. Rieben 151.
Riebow 242.
Richter 349, s. Praetorius.
Rieck 91.
Roland 192.
Römer 23.
Rösler 381.
v. Rostock 10.
Rudloff 98.
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Ruge 482.
v. Rumpshagen 227.
Runge 178.
Sandow 356.
Sartorius 117.
Sass 215, 368.
Schacht 163.
v. Schack 7.
Scharffenberg 243, 372, 384.
Schauenburg 39.
Schefter 196.
Schenck 159.
Schirrmeister 270.
Schlede 181, 239.
Schletser 431, 435, 448.
Schlorff 374.
Schmidt 112, s. Faber, Fabricius.
Schnackenburg 49.
v. Schöneich 156, 157.
Schönermarck 210, 351, 455.
Schröder 113, 122, 312, 458.
Schuckmann 475, 476.
Schultetus, Schulze 463.
Schumann 78, 256.
Schwarzkopf 175, 231.
Schwerin 17, 18.
Siber 182.
Sibeth 166.
Sibrand 341, 360.
Siebert 120, 230.
Simonis 314.
Soltau 471.
Speck 70.
Sperwackt 142.
Sprancker 389.
Sprenger 160.
Spretwisk 119.
Stalhut 25.
Stalkoper 42.
Stalmeister 353.
Stass 29.
Stavenow 423.
Stein 32.
Steinhaus 93.
Steinmann 393.
v. Stiten 104.
v. Stoisloff 148, 285.
v. Stralendorff 281, 414.
Strokirch 4.
Sturtz 364.
Sültemann 417.
Tabin 144.
Taddel 425, 461.
Tanck 79, 238, 289, 428, 444.
v. Tarnewitz 69.
Tarnow 443.
Techatz 138.
Tiede 77.
Tielke 403.
Törber 30.
Trekel 51.
Urselin, s. Berlin.
Venckol 16.
v. Vieregge 433, 434.
Volkwich 168.
Vrome 88.
Vulpius 245, 494.
v. Wackerbart 253, 254, 424.
v. Walsleben 44.
Waren 146.
Warncke 111.
Wasmuth 296.
Wedow 302.
Weiland 212.
Welle 244.
Werkmann 52.
v. d. Wiede 345.
Wiencke 200.
Wienmann 107.
Wiese 57.
Wilde 64.
Wilhelmi 290.
Wilcke 385.
Willbrandt 258, 454, 499.
Windt 103.
Winkelmann 73.
Wismar 21.
v. Wismar 67.
Witte 20, 76.
Wolff 143.
Zander 128.
Zarnow 65.
Zehlicke 388.
Zückschwerdt 41.
Vignette
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III.

Augusta,

Prinzessin von Meklenburg=Güstrow,

und die

Dargunschen Pietisten.

Von

Heinrich Wilhelmi.


I.

Kirchliche Zustände in Meklenburg

im Anfange des 18. Jahrhunderts.

A ls in den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts der Pietismus in Meklenburg auftrat, hatten seine Pioniere den allertraurigsten Eindruck von den kirchlichen Zuständen des Landes. Es schien ihnen Alles todt und wüste. Die Lehre von der Bekehrung zu Gott - war Geistlichen und Laien ein unaufgedecktes Geheimniß. Die Facultät zu Rostock - haderhaftigen und ketzermacherischen Sinnes, unbekehrte, gottlose Leute, denen nichts weniger als die Frömmigkeit am Herzen lag, und nichts mehr zuwider sein konnte als jener Rumor, den die energische Verkündigung des göttlichen Worts von Buße und Glauben in den Herzen anrichtet. Eines Sinnes mit diesen die Geistlichkeit, weltlich, fleischlich und todt, unfähig Leben zu erwecken, einzig auf irdischen Vortheil aus und feind aller wahren Gottseligkeit. So waren denn die Gemeinden versunken in die Selbstgerechtigkeit und Sicherheit einer pharisäischen Rechtgläubigkeit, eines seelenverderblichen Hirnglaubens, da der Getaufte sich nicht scheut ein weltförmiges, unfrommes Leben zu führen;

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denn am Quartalstage wird durch Beichte und Absolution leichte Abrechnung erzielt, und der Genuß des Abendmahls verleiht schnellen Trost gegen unbequeme Regungen des Gewissens. - Dies schien den eingewanderten Pietisten die Situation.

Wer die Schwierigkeiten kennt, die sich einem abschließenden Urtheil über die moralischen und religiösen Zustände einer gegebenen Zeit in den Weg stellen, wird es uns zu gute halten, wenn wir zu dieser Darstellung nicht mit einem runden Ja oder Nein Stellung nehmen.

Nach den entsetzlichen Verwüstungen des 30 jährigen Krieges war mit Energie die Wiederherstellung des kirchlichen Lebens in Angriff genommen worden. Im Schwerinschen Landestheil folgte zwar auf die Anfänge Adolf Friedrichs die 34jährige, kirchlich unfruchtbare Regierung Christian Ludwigs I. († 1692). Ungleich besser stand es aber im Güstrow'schen Theile. 41 Jahre lang herrschte hier der fromme und eifrige Gustav Adolf († 1695), der unermüdlich war in seiner kirchlichen Restaurationsarbeit. Vor allem galt es Zucht und Ordnung in die völlig verwilderten Gemeinden zu bringen. Ein gewisser gesetzlicher Character konnte darum nicht wohl vermieden werden, den auch noch die beide Landestheile umfassende Regierung Friedrich Wilhelms (Erläuterung von 1708) trägt. Freilich wußte niemand besser als die Leiter der Bewegung, daß die Arbeit mit der Disciplinirung nicht gethan sei. 1 ) Und welche Hindernisse waren zu überwinden! Schon hatten die beklagenswerthen Zerwürfnisse zwischen den Ständen und den Herzogen begonnen, die unter Carl Leopold


1) Dafür nur ein Beispiel. Im Jahre 1692 den 26. April stiftete der Geh. Rath Joach. Friedrich v. Vieregge zu Zapkendorf die bis heute bestehende Zapkendorfer Betstunde. In der Stiftungs=Urkunde (Güstrower Domarchiv) erklärt er, daß er es für seine obrigkeitliche Pflicht als Gutsherr von Zapkendorf und Mirendorf c. p. erkenne, für das Seelenheil seiner Unterthanen mitzusorgen, und deshalb den Pastor Joh. Ant. Koch zu Recknitz ersucht habe, er möge jährlich von Michaelis bis Ostern wöchentlich einen Tag festsetzen, "da er nach Anleitung des heiligen Catechismus Lutheri und dessen Fragestücken bei meinen Bedienten außer denen Befehlshabern, und allen meinen Unterthanen, auch freien Leuten, Gesinde und erwachsenen Kindern eine Catechismus=Untersuch= und Examinierung bei meinem An= und Abwesen allhier auf meinem Hofe zu Zapkendorf anstellen und solche Andacht allemahl mit einer kleinen Betstunde anfangen und mit dem öffentlichen Kirchensegen endigen könne." Dafür habe er ihm zu seiner Ergetzlichkeit, da ein Arbeiter seines Lohnes würdig, jährlich 1 Drömpt Roggen und 1 Drömpt Gerste ad dies utriusque vitae als ein Salarium constituiret. (Müller, Chronik der Pfarre zu Recknitz, Manuscr.)
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zu einer fast vollständigen Anarchie führten. Dazu kamen die unaufhörlichen Kriegsnöthe. Unser Land war der bequeme Kriegsschauplatz für alle Zwiste der nordischen Mächte. Truppendurchzüge, Gefechte, Contributionen, Einquartierungen, Erpressung von Rekruten, Plünderungen nahmen kein Ende. Auf viele Millionen wurde der Schade berechnet; aber nicht nur blieben die materiellen Verluste ohne Ersatz: die Unruhe und Unsicherheit, die Demoralisirung und Desorganisation war durch nichts zu vergüten. Es war fast unmöglich, in solchen Zeitläuften eine übel beschaffene Landeskirche zu reorganisiren.

Die Theologen zu Rostock waren bis über die Mitte des XVII. Jahrhunderts hinaus die eigentlichen Führer jener praktisch=religiösen Richtung in der lutherischen Kirche gewesen, von welcher einer schul= und verstandesmäßigen Orthodoxie bewußte und erfolgreiche Opposition gemacht wurde. Hier hatte sich in wissenschaftlicher Beziehung die geistige Freiheit der Reformatoren unverkürzt erhalten. Von hier ergingen die Wächterrufe vor Spener, und hier fanden Speners Anfänge den freudigsten Widerhall. Hier waren in Bezug auf Cultus, Verfassung, Askese mannigfach die späteren Bestrebungen des Pietismus antecipirt worden. Aber während dieser um die Wende des Jahrhunderts eine deutsche Universität nach der andern gewann, schien gleichzeitig in Rostock ein radicaler Umschlag erfolgt zu sein. - Nun standen die Rostocker Theologen allein neben den Wittenbergern (und Straßburgern) im Streit gegen die neue Frömmigkeit. Die "Rostockschen Principia" galten für den crassesten Ausdruck eines religionsleeren Kirchen= und Theologenthums, einer seelengefährlichen Buchstabencorrectheit des theologischen Meinens, und ihre Vertreter als die "Aufruhrmacher des baltischen Strandes". Solche Leute also waren an die Stelle jener "fortgehenden Kette der Speneri ante Spenerum", des "ehrwürdigen Chorus der Rostocker Lebenszeugen" (Tholuck) getreten! Jetzt trieben da die "Heroen des unwandelbaren Buchstabens" (Wiggers) ihr Wesen! Da kann es einen freilich nicht wundern zu lesen, daß bald "fast alle" Prediger des Landes "dieser kalten, öden, äußerlichen Richtung angehörten und den neu erwachenden lebensfrischen und liebevollen Geist der Spenerschen Schule und der Universität Halle, ja selbst die großartigen Bestrebungen eines A. H. Francke mit blindem Haß verfolgten." 1 ).


1) Lisch, Graf Heinrich XXIV. Reuß zu Köstritz 1849. S. 4.
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Indeß dies aus dem Munde der pietistischen Gegner stammende Urtheil bedarf ganz wesentlicher Einschränkungen. Schon Tholuck, welchem gewiß niemand schlechte Voreingenommenheit für die damalige Orthodoxie beimessen wird, hat auf den wesentlichen Unterschied zwischen dieser späteren, Rostockischen Orthodoxie und der früheren extremen in anderen Facultäten hingewiesen 1 ). Von den Vertretern der älteren Streitorthodoxie, den Schelwig und Meyer, und den gleichzeitigen Wittenbergern sagt er, sie hätten das Heil nur in der Vertretung der traditionellen Lehre gesehen und in der Ueberspannung der Gegensätze (während selbst ihnen keineswegs die Erkenntniß dessen, was Herzensfrömmigkeit ist, gemangelt habe). Dagegen von jenen Späteren: "Die Epigonen des alten Streitergeschlechts, ein Val. Löscher, Wernsdorff, Cyprian, Fecht im 2. und 3. Decennium des folgenden Jahrhunderts vertreten schon eine durch den Pietismus hindurchgegangene und beziehungsweise gereinigte Orthodoxie". Sie waren zwar "streng in der Lehre, aber unter dem wärmeren Anhauche der Spenerschen Richtung", indem sie im praktischen religiösen Leben den Antrieben Speners nachgaben, in der Lehre freilich alle charakteristischen Sätze des Pietismus bestritten, jedoch ohne die "zelotische Absperrung (jener früheren) vor jedem, was in der Theorie oder in der kirchlichen Praxis den Anstrich der Neuerung an sich trug".

Wir behalten uns vor, an anderer Stelle ausführlich nachzuweisen, wie in der That Fecht, die Seele der Rostocker Facultät im Anfang des 18. Jahrhunderts, mit Unrecht als das "Beispiel des Ausbundes von zelotischer Orthodoxie" durch die Geschichte geht. Er gehört zu denen, welche wie V. E. Löscher nicht der Pietät überhaupt sich entgegenstellten, sondern veritas et pietas auf ihr Panier geschrieben hatten und mit beiden aufrichtig Ernst machten. Gleichen Sinnes war die Mehrzahl der von Gustav Adolf in kirchliche Lehr= und Regierämter berufenen Männer und ein tüchtiger Stamm ihrer Schüler, wie Krackevitz, Superintendent Schaper in Güstrow, die frommen Theologen aus der Nachkommenschaft des Magisters Hermann Becker zu Rostock, die man in Halle für Gesinnungsgenossen ansah. "Practisches Christenthum" war hier so gut die Losung wie bei den Pietisten, nur mit der Cautel: "wobei aber auch die Liebe zur göttlichen Wahrheit nicht zu vergessen". Und freilich sind es nun nicht selten


1) Academisches Leben u. s. w. II., S. 77, 83, 165. Das kirchliche Leben des XVII. Jahrhunderts II, S. 17.
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damit zusammenhängende Bedenklichkeiten, die sich mit der Schwierigkeit der äußeren Lage verbinden, um die größeren practischen Unternehmungen dieser Männer zu vereiteln.

Es soll ihnen unvergessen bleiben, daß sie mit allem Nachdruck sich des religiösen Jugendunterrichts angenommen und der Landeskirche zwei vortreffliche Kirchenbücher geschenkt haben, den Catechismus und ein Gesangbuch, von welchen jener noch heute im Gebrauch ist und so sehr jenen wärmeren Anhauch der Spenerschen Richtung zeigt, daß er als pietistisch konnte angefochten werden, während das Gesangbuch ebenfalls die Grundlage unseres heutigen bildet.

Die Anregung, welche die kirchliche Frömmigkeit durch Spener erfahren hat, ist trotz der Polemik im Einzelnen allerdings von der meklenburgischen Orthodoxie sympathisch aufgenommen worden und von Einfluß auf dieselbe gewesen. Es war nicht die Schuld der Fecht und Krackevitz, wenn ein Theil ihrer Schüler nur den Gegensatz erfaßte und damit aus den Bahnen der practischen Frömmigkeit ausbog, in denen seit mehr als 100 Jahren die Rostocker Facultät sich bewegt hatte. Die Meister unterschieden sorgfältig den sectirerischen "Grillenpietismus" von dem berechtigten Bestreben Spener's die praxis pietatis, das thätige Christenthum, zu fördern. Sie hatten gewissenhaft darnach getrachtet, dem Berechtigten des Pietismus gerecht zu werden, seine Vorwürfe zu beherzigen und die Schäden abzustellen. Nur gegen die angepriesenen neuen Mittel hatten sie Bedenklichkeiten erst genährt, dann offen ausgesprochen, und der bunten Gefolgschaft von Indifferentisten und Enthusiasten, von allerlei sonderbaren Heiligen, welche sich an eines Spener Fersen hefteten, hatten sie entschiedenen, zum Theil leidenschaftlichen Widerstand entgegengesetzt. Und mit Halle waren sie dabei zerfallen, von wo aus bald nicht mehr mit Spener's Vorsicht und Behutsamkeit operirt wurde. Allein sie selbst verkannten darüber nicht, und Fecht spricht es mehrfach aus, daß Glieder ihrer eigenen Partei sich oft durch Verwerfung jeder hervortretenden Frömmigkeit als Pietismus versündigten. Vielen war eben nur das "Nein" verständlich geworden. Dazu standen die Jüngeren unter dem Einfluß der verstandeskalten Wolffischen Philosophie. So konnte es kommen, daß nach Fechts Tode und Krackevitzens Weggang Wortführer auftreten durften, deren Ton und Art an die schlechtesten Beispiele irreligiöser Streitorthodoxie erinnern. Die Gegner der Darguner zwischen 1736 und 1752 verdienen zum Theil diesen Vorwurf.

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Der Pietismus war in Meklenburg kirchengesetzlich durch die Erläuterung zur Kirchenordnung verworfen: es sollten keine Lehrer berufen werden, "die mit denen heutiges Tages immer mehr um sich fressenden Syncretistischen, Indifferentistischen und Pietistischen, auch Enthusiastischen, chiliastischen, terministischen und andern Fanatischen Lehren befleckt sind." Es war gelungen, diesen Besitzstand wenigstens äußerlich aufrecht zu erhalten. Man that sich nicht wenig darauf zu gut, daß "der große Gott Unserem Lande die Gnade gethan, solche Rotten und Spaltungen, als anderwärts vielfältig entstanden, davon abzuwenden." Noch nie war man bisher auf einen offenen, organisirten, nachhaltigen Widerstand solcher Elemente. gestoßen. Diese gute Ordnung war der Trost gewisser Kirchenmänner in den politischen Wirren, ein Trost, den sie sich um Alles in der Welt nicht wollten rauben lassen, und über dessen leidenschaftlicher Vertheidigung sie nur zu leicht das Recht des Gegners, die eigenen Schwächen übersahen.

Allein daß die Mehrzahl der Geistlichen des Landes zu diesen einseitig Orthodoxen gehört und gehalten habe, ist nicht erweislich. Im Gegentheil liegen manche Zeugnisse vor, aus denen hervorgeht, daß die Losung "practisches Christenthum" keineswegs vergessen war.

So erklärt ein Correspondent der Acta ecclesiastica (Weimar 1740, S. 320), welcher den Pietisten durchaus nicht ungünstig gesinnt ist, daß ihr Urtheil über die hiesige Kirche zu weit greife. Wenn auch gleich Manche sein möchten, denen dieses und jenes etwan fehle, so seien doch wahrhaftig manche rechtschaffene Knechte Gottes hier. Wer in Rostock gewesen sei, wer die dasigen Lehrer, insonderheit unsern frommen Becker gekannt habe und noch itzo kenne, wer die Umstände wisse, wie sie ihr Amt führen, wem die Prediger in Güstrow bekannt seien, - der werde nach der Wahrheit sagen müssen, daß auch bei uns redliche und getreue Männer gefunden würden, die das Wort Gottes in seiner rechten Kraft predigten und in Segen arbeiteten.

In Segen - so wenig sie im Stande waren, Unwissenheit, Aberglauben, geistige Rohheit abzuthun und Gemeinden herzustellen, wie sie dem Ideal auch nur einer landeskirchlichen Sehnsucht entsprechen. Denn auch wer bereit ist, sehr verschiedene Grade des religiösen Interesses und des christlichen Verständnisses nicht bloß in den Kauf zu nehmen, sondern ohne Rückhalt als berechtigt in einer das ganze Volk umschließenden Religionsgenossenschaft anzuerkennen, wird einen höheren Durchschnitt fordern, als ihn jene Zeit erreicht zu haben scheint.

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Direct auf dies Ziel nun, einen höheren Durchschnitt des religiösen Lebens der ganzen Gemeinde, war die Arbeit der orthodoxen Geistlichen gerichtet. Dadurch unterscheidet sie sich grundsätzlich von der pietistischen Methode. Diese geht überall auf äußerliche Scheidung zwischen Gläubigen und Ungläubigen aus. Sie stellt die Gemeinschaft der Heiligen einseitig in Gegensatz zur "äußerlichen Kirche" vor. Das ist ihr separatistischer Zug. Es sollen Einzelne gefaßt, erweckt, als Fromme aus der gottverlassenen Menge herausgehoben werden. Daher der unruhige Eifer ihrer Erweckungspredigten. Davon ist bei den damaligen meklenburgischen Geistlichen nichts zu spüren. Durch Lütkemann und H. Müller war ihre Predigtweise gereinigt von dem gelehrten Kram und rhetorischen Schnörkelwerk. Sie war gemeinverständlich, und statt theologisch fromm geworden. Aber da sie nicht eine zweigetheilte Zuhörerschaft von Frommen und Unfrommen vor sich sieht, sondern nach dem Urtheil der Liebe lauter Christen (wenn auch schwache und unlautere darunter sind), so beabsichtigt sie nicht sowohl einen Bußact hervorzurufen, eine Umwälzung, gleich derjenigen, welche der sich bekehrende Nichtchrist erfährt, als vielmehr die tägliche Buße, die Buße als Zustand. Die Prediger kamen sich nicht vor wie Missionare, sondern sie trieben bei ihren Gemeinden, "so nicht Juden und Heiden ohne Wort des Evangelii waren, sondern auf selbiges erbauet", die Predigt von der Sinnesänderung in entsprechender, - vielleicht zu zahmer Weise. Dabei hatte man sich so sehr darein gefunden auf Hoffnung zu säen und Gott, der ins Verborgene schaut, alles Andere vertrauensvoll zu überlassen, daß man nach den Früchten der Buße weniger, als gut war, fragte, ja wohl den für vermessen achtete, der die bezügliche Frage aufwarf. Es wird an dieser frommen Resignation die natürliche Bequemlichkeit nicht ohne Antheil gewesen sein. Indeß erzählt Fecht gelegentlich von einer damals in Meklenburg verbreiteten Sitte, daß der Pastor nach der Predigt einen Theil der Zuhörer zurückbehielt und das Gehörte wiederholte, severa inprimis ad sanctitatis studium adhortatione; so daß es also an Aufmerksamkeit auf diesen Punkt und selbst an religiösen Zusammenkünften außer dem officiellen Gottesdienst nicht gefehlt hat.

Hinsichtlich der Früchte ist aber noch Eins zu erwägen. Wenn sich zur Zeit des Katholicismus und in Kreisen des Pietismus sehr bald religiöses Leben an Früchten nachweisen läßt, so werden wir, ohne unbillig zu sein, nicht übersehen

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dürfen, daß in diesen Fällen bestimmte, äußerlich erkennbare Manieren und Werke als Maßstab dienen, welche diesen Weisen der Frömmigkeit nun einmal eigenthümlich sind, und für dieselben außer ihrem wirklichen Werth noch einen besonderen, einen Bekenntnißwerth repräsentiren. Solche typische Frömmigkeitsäußerungen, welche uns sofort ins Klare setzen, ob Frömmigkeit vorliegt oder nicht, statuirt das kirchliche Lutherthum grundsätzlich nicht. Die religiöse Erziehung der Jugend und das selbstverantwortliche religiöse Leben des Einzelnen in der von Gott gewiesenen bürgerlichen Stellung bilden da neben der Aufrechterhaltung der reinen Lehre (als der Garantie für jene) das Hauptinteresse. Wenn daher jene ersten beiden direct ihre Frömmigkeit mit einander messen wollen, kann das Lutherthum überall nicht als Dritter concurriren, weil es nicht will. Darum ist ihm die Liebe nicht minder pars altera pietatis, aber es will sie vor allem in den Wegen des gottgesetzten Berufs bethätigt wissen. Diese Form der Liebesbethätigung allein achtet das Lutherthum für wesentlich, alle andern wechseln mit den Bedürfnissen und Sitten der Gesellschaft. Wie heute die lutherischen Gemeinden weit und breit sich an die Form der in Vereinen wirkenden inneren Mission gewöhnt haben, so bestand damals (neben Resten der mittelalterlichen Form: Stiftungen und Vermächtnissen) die Form der heute so bedeutungslosen kirchlichen Collecten im sonntäglichen Gottesdienste. Die alten Currendenbücher, wie das der Gemeinde zu Schorrentin und das zu Recknitz, weisen eine zahllose Menge von solchen kirchlichen Sammlungen auf, in erster Linie für kirchliche Bauten im eigenen Lande, dann für bedürftige Geistliche, aber auch für Lutheraner in der Diaspora oder für Loskaufung von Christensklaven aus türkischer Gefangenschaft. Ueber die Höhe der Beitrage fehlen uns leider aus der früheren Zeit die Nachrichten; 1751 kamen in Schorrentin jedesmal zwischen 10 und 23 1/2 Schill. ein, eine Summe, welche bei der notorischen Armuth der damaligen Bevölkerung nicht zu klein erscheinen wird.

Freilich kann man in ärmeren Gegenden unter den bez. Currenden auch Subscriptionen lesen, wie die folgende 1 ):

"Mit den restirenden Collecten acht es mir wie meinem Vicino Herrn Pastori Suckoviensi: die Becken vor Kritzkow und Boitin sind gekündiget, sie sind ausgesetzet, sind wiederholt ausgesetzt; aber es ist nichts eingekommen. Ich sorge,


1) Acten der Parchimschen Superint. (Bestallung Zachariae's).
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daß es in Zukunft mit mehreren (wegen der großen Vielheit) gleich also ergehen werde. So viel mir möglich, will ichs zu verhüten suchen und desfalls allen Fleiß anwenden.

Marnitz d. 3. Sept. 1757.

A. H. v. Sieden P."                  

Und im Großen und Ganzen soll nicht geleugnet werden, daß die Orthodoxen auf dem Gebiet der christlichen Liebesthätigkeit am allermeisten den Tadel der Pietisten verdient und einer energischen Aufrüttelung aus einem (daß ich so sage) gottvertrauenden Leichtsinn bedurft haben. Allzusehr hatte ihre passive Frömmigkeit sich gewöhnt, nicht nur das eigene Elend, sondern auch das des Nächsten aus Gottes Hand als selbstverständlich hinzunehmen, ohne sich ernsthaft zu besinnen, was davon mehr der eigenen Nachlässigkeit seinen Ursprung oder doch sein Ueberhandnehmen verdankte.

So hätte sich auch hinsichtlich der Kirchenzucht trotz der engen Verbindung von Kirche und Staat und trotz der lutherischen Schonung der Individualitäten mehr erreichen lassen. Seit Gustav Adolf und seit der "Erläuterung" bestanden überaus strenge Bestimmungen, aber sie wurden nicht durchgeführt. Gewiß haben die Pietisten in dieser Hinsicht übertriebene und thörichte Ansprüche erhoben, indem sie übersahen, daß alt eingewurzelte Uebelstände nur allmählich abgestellt werden können, und indem sie eine der Kirchenleitung nicht geziemende Gewaltsamkeit forderten. Indeß überstieg die Duldsamkeit der Behörde doch oft das durch solche Rücksichten gebotene Maß. Im Consistorium war Krackevitz für energisches Durchgreifen, aber des nachsichtigen Fecht Einfluß überwog, so daß die Geistlichen nicht immer den nöthigen Rückhalt an der Behörde fanden. Einzelne sehr hervortretende Verfehlungen, wie die gegen das 6. Gebot, wurden zwar mit Strenge geahndet. Doch auch da thaten Standesunterschiede und Geld mehr, als sich rechtfertigen läßt. Für 4 Thlr. konnte man unschwer von der Regierung Erlaß der Kirchenbuße erhalten (1720). Ja Franck erzählt, daß Anno 1687, als in Sternberg eine Summe für eine neue Orgel gesammelt werden sollte, die Prediger die Kirchenbuße in Geldstrafen zu dieser Orgel verwandelt, hätten, indem er die so eingekommenen Beträge mit Namen aufführt!

Eine weitgehende, gegenseitige Connivenz zwischen Geistlichen und Gemeinden war herrschend. Denn auch die Gemeinden trugen (wie noch heute) viele Unregelmäßigkeiten im Leben und Amtiren ihrer Pastoren mit außerordentlicher Nachsicht. Als es sich im Jahre 1750 darum, handelte, den

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altersschwachen, kindischen Pastor Seedorf in Brudersdorf zu emeritiren, ergab sich aus dem Verhör der Gemeinde, daß er seit 3 Monaten nicht mehr gepredigt hatte. Als er noch predigte, ließ er das Vaterunser aus und verlas das Evangelium, ungeachtet die Gemeinde bereits der Gewohnheit nach auf den Knien gelegen. Er reichte den Kelch vor den Oblaten, und zwar mit unconsecrirtem Weine oder auch ganz leer. Ein Kind wollte er zweimal taufen und exorcirte das bereits getaufte. Dennoch, als die Gemeinde befragt wurde, ob sie ihn behalten wolle, antwortete sie einstimmig: sie wollten noch Geduld mit ihm haben; sie hätten ihn jung gehabt, so wollten sie ihn auch alt haben.

In den Gemeinden war weit verbreitet jenes verhängnißvolle Mißverständniß der Rechtfertigungslehre, als gewährleiste sie dem kirchlich Correcten die ewige Seligkeit, unangesehen die Bewährung des Glaubens im christlichen Wandel. Ueberaus freche Reden dieser Art werden von den Pietisten angeführt. Es ist jene Gefahr, welche Spenern sogar eine Correctur der kirchlichen Lehrweise wünschenswerth erscheinen ließ. Damit stand in Zusammenhang die Erstarrung der kirchlichen Institutionen zu leerem Formelwesen, über die auch Fecht klagt. Welche abergläubische Hartherzigkeit im christlichen Volke herrschend war, läßt sich ersehen aus den Vorurtheilen, welche man noch gegen Ende des Jahrhunderts zu widerlegen hatte, als die Regierung sich bestrebte, die Pflicht der Hülfeleistung an Selbstmördern und anderen Verunglückten den Gemeinden zum Bewußtsein zu bringen 1 ).

Die Verhältnisse einer Landgemeinde (Vellahn) im Anfang des 18. Jahrhunderts hat Archivar Dr. Schildt im Jahrgang 47 dieser Jahrbücher (S. 242-250) einer eingehenden Darstellung gewürdigt. Er nennt das kirchliche Leben derselben "fast musterhaft" und bezeugt, daß die meisten beschriebenen Verhältnisse überall im Lande wiederkehren. Das Gegenstück dazu, die Schilderung des kirchlichen Lebens einer Stadtgemeinde, ließe sich mit größter Ausführlichkeit geben nach den handschriftlichen "Nachrichten von Sternbergischen Kirchen= und dahin gehörigen Sachen, zusammengetragen von David Francken, Pastore daselbst" 2 ). Wir werden uns hier mit einigen charakteristischen Zügen begnügen müssen.


1) Mantzel, meklenb. Casualbibliothek 1789. I. Bd., S. 179 ff., 200 ff. II. Bd., S. 139.
2) Durch gütige Vermittelung des Herrn Pastors lic. theol. Schmidt eingesehen.
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Die im 30 jährigen Kriege völlig zerfallene kirchliche Sitte 1 ) war verhältnißmäßig schnell wiederhergestellt worden. Die Arbeit von zwei Menschenaltern war nicht vergeblich gewesen. Man staunt über die Gewalt, welche diese Sitte bereits wieder erlangt hatte. (So klagt der v. Hobe auf Jürgenstorf, seine Unterthanen könnten keine Dienstboten bekommen, weil der Pastor denen das Abendmahl verweigere, welche bei einem durch den Commissarius angestellten Pastor eingesegnet seien.) Die gute Ordnung der kirchlichen Gemeindeverhältnisse war für die Einzelnen Gewissenspflicht. In Sternberg wollte der Küster Läsch von seinem Vorsatz eine Deflorirte zu freien nicht abgehen. Die Pastoren widersetzten sich dem, weil dergleichen Leute nicht einmal unter Handwerkern gelitten würden. Sie hatten die Gemeinde auf ihrer Seite: wenn der Küster krank oder verreist wäre, so müßte dessen Frau die heil. Gefäße zum Kranken tragen; es sei aber nicht erlaubt, daß eine solche Person sie anrühre. Obwohl es dem Küster gelang, anfänglich den Superintendenten Krackevitz für sich einzunehmen und von der Dömitzer Regierung 2 Copulations=Mandate zu erhalten, setzten es die Geistlichen theils durch ihre guten Gründe theils durch 2 Säcke auserlesenen Obstes an die Geheimräthin v. Wulffradt durch, daß er abgesetzt wurde (1721). Auch sonst wußten die dortigen Pastoren ihre Stellung und Rechte zu wahren, wie sie sich denn von dem Superintendenten einen beweibten Küster nicht aufdrängen ließen, nachdem sie einmal den Plan gefaßt hatten die Wittwe des verstorbenen bei der Küsterei zu erhalten (1731).

Indeß schon an vielen Stellen begann das Gebäude der kirchlichen Sitte aufs neue zu zerbröckeln. Nicht nur forderten die Ritter die Privatcommunion als altes Vorrecht: die Gebildeten überhaupt gingen statt vierteljährlich kaum noch alle Jahre zum Tisch des Herrn 2 ). Der Hochmuth offenbarte sich in der Kleidung, indem z B. bereits etliche


1) Das Chronicon Parchimense des M. Mich. Cordesius (Rostock 1670) giebt dafür mannigfaltige Belege.
2) Wollte Gott aber, sagt Dav. Franck, daß dieser böse Unterschied, da die Vornehmen meinen, daß sie das heil. Abendmahl nicht so oft als die Geringen brauchen dürfen, der einzige und größte Mangel in unserer Kirche wäre, und man nicht überhaupt mit dem gottseligen Juristen Brunnemanno zu klagen hätte: omnis cultus nobler consistit in auditu concionum et usu sacrae coenae singulis annis 3. aut 4. vicibus repetito, wiewohl auch verschiedene unter uns sein, die kaum einmal des Jahres zum Abendmahl gehen, ja auch ein und ander, der in etlichen Jahren nicht zugegangen.
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von bürgerlichem Stande in der Klagezeit der heiligen Passion mit bunten Köpfen in der Kirche erschienen statt mit schwarzem Bande, den Adeligen nachahmend, welche zuerst die von den Vätern überkommene modestie fahren gelassen hatten. Die Streitigkeiten um den Vortritt, welche die Honoratioren der 15., 17. oder 20. Hofrangklasse mit einander auszufechten hatten, wie Bürgermeister und Stadtvogt, Fähnrich und Licent=Einnehmer, entwickelten sich mit Vorliebe in der Kirche und hatten bei den Unterlegenen nicht selten andauernde Enthaltung vom Gottesdienst zur Folge.

"Die Wollust sitzet gleichfalls hie auf dem Thron. Das Gesöff und darauf erfolgende Geschrei der Handwerksgesellen, welche des Nachts vielfältig tumultuiren, ist nicht abzubringen. Zwar hat der Burgemeister und Stadtvogt Schaller, da sie es vor seiner eigenen Thüre einmal zu grob gemacht, etliche in Arrest bringen lassen, weil aber dies Volk, so sich seiner Sünden wie die zu Sodom rühmet, Miene gemacht, als wollte es davon laufen und seine Meister ohne Arbeit lassen, so ist des Ueberlauffens der Meistere soviel geworden, daß man nachhero Bedenken getragen ihrem heidnischen Muthwillen Grenzen zu setzen. So sind auch unter denen Meisteren selbst einige dem Gesöff gar sehr ergeben." "Die fleischliche Unzucht ist hier auch nicht unbekannt, wie denn nicht leicht etliche Jahre nacheinander verstreichen, daß nicht ein stuprum sollte entdecket werden; zu geschweigen der heimlichen Sünden, die wohl im Schwange gehen und auch von denen insgeheim gesaget werden, die Andern zum erbaulichen Exempel gesetzet sind". Versagte der Geistliche wegen Mangels eines Aufgebotscheines oder dergl. formeller Bedenken die Trauung, so hielt sich der gemeine Mann nicht verbunden auf die Trauung zu warten, sondern "war so keck", das eheliche Zusammenleben zu beginnen und sich auch den Geistlichen gegenüber als verehelicht auszugeben. Dann erfolgte wohl 6 Tage Arrest bei Wasser und Brot, Copulation "der Verbrechere ohne Zeitverlust" auf dem Rathhause in Gegenwart des Gerichts und Taxation dieser von ihnen unterfangenen unanständigen That öffentlich von der Kanzel, "und daß sich Andere bei großer Strafe dafür hüten sollen". (Consistorialrescript vom 2l. November 1721).

"Was sonsten noch für Laster im Schwange gehen, davon wäre viel zu sagen und würde man mit leichter Mühe Exempel anführen können, die erwiesen, daß bei uns eben dergleichen Laster, wie Paulus von den Heiden Röm. 1 saget, ohngeachtet wir Christen heißen, anzutreffen." Unfriede be=

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sonders zwischen Eltern und Stiefkindern ist sehr häufig. Zwei Drescher melden sich zur Beichte, bestehlen aber ihren Brodherren in der Nacht vom Freitag auf den Sonnabend, und "damit derselbe soviel weniger Verdacht auf sie werfen möchte, sagen sie ihm, was für ein heiliges Werk sie fürhätten. O schändliche Heuchelei!"

Der Besuch der Gottesdienste ließ in Sternberg selbst zu wünschen übrig, in den Wochengottesdiensten waren oft kaum 10 Zuhörer. Selbst der Rector Plötzius kam gar selten zur Kirche, mehrmals betrunken, prügelte die Knaben während des Gottesdienstes und enthielt sich 6 Jahre lang des Abendmahls. Viel besser ist Franck mit den in Sülten Eingepfarrten zufrieden, welche nicht nur fleißige Kirchengänger, sondern auch aufmerksame Zuhörer sind. An ihnen erkennt er, daß Gott auch in seiner Gemeinde noch aufrichtige Diener hat. "So findet sich auch ein merklicher Unterschied in der Mildgebigkeit zu Gottes Ehren zwischen denen zu Sülte und zu Sternberg. Denn so bringet der Klingebeutel zu Sülte jährlich etwa 12 Thlr; die beiden aber, so zu Sternberg umgehen, werfen nicht viel über 40 aus, da doch diese Gemeinde 10mal stärker als jene ist. Noch mehr äußert sich solcher Unterschied, wenn Collecten auf fürstliche Verordnung gesammlet werden, da die Sternbergische nur zuweilen auf 1/4, zur anderen Zeit auf 1/3 übertrifft."

Noch waren freiwillige Gaben an die Geistlichkeit verbreitete Sitte. Als Rector Franck 1714 seine Haushaltung anfing, sind ihm sehr vielfältige Culinaria gesandt worden. "Und ob zwar solches nachhero abgenommen, so sind doch nur die schlechten Zeiten, die seitdem eingefallen, daran allermeist schuld." "Durch die Execution werden die Einkünfte, welche sonst der Hof gehabt und im Lande rouliren lassen, jetzo ins Hannoversche und Wolfenbüttelsche geschleppt." "So liegt es freilich bei vielen wohl nicht am guten Willen, sondern es fehlet vielmehr am Vermögen, einige Liebeswerke zu erweisen. Zudem so läuft das Land so voller starken Bettler, welche die Einwohner dergestalt aussaugen, daß für unsere Hausarmen, als für welche an den Bettagen hieselbst in der Kirche eine Collecte vor den Thüren gesammlet wird, wenig nachbleibet, wie denn solche Beisteuer einige Zeit her noch nicht ein Mark lüb. ausgeworfen. Es bleiben aber dennoch auch etliche, welche wohlzuthun und mitzutheilen nicht vergessen. So muß man verschiedenen unter hiesigen Bäckern nachrühmen, daß sie ihre Seelsorger insonderheit gegen den

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hohen Festtagen mit Weißbrot versorgen. Wenn der Ahlfang reichlich ist, findet sich auch gegen uns noch manches mildgebiges Herz. Insonderheit pflegen die Vornehmen, als Adeliche, Bürgermeister und Rathspersonen, auch was sonst wohlhabende Bürger sein, sich gegen Weihnachten und Neujahrstag durch ihre Gutthätigkeit zu distinguiren. Darinnen ihnen auch die von Sülte nicht nachgeben. Dahero denn sowohl hie als anderswo der Brauch ist, daß denen Wohlthätern von uns Predigern am Neujahrs tage ein besonderer Segen gewünschet wird. Doch dieses sind nur Kleinigkeiten. Es sind aber noch wichtigere Merkmale vorhanden, die da zeigen können, daß, obgleich wir nicht mit dem Papstthum lehren, daß dergleichen gute Werke zur Erlangung der Seligkeit etwas beitragen, dennoch auch unter uns Zuhörer gefunden werden, die an Stiftungen ad pias causas denen Ihrigen, welche sie doch mit Versprechung einer dadurch verdienten Seligkeit hiezu reizen, nichts nachgeben." Er führt Beispiele von Renten= und Capital=Schenkungen an Kirche und Schule an.

Wie überall im Lande wurde auch in Sternberg das Reformationsfest am 31. Oktober 1717 mit besonderer Feierlichkeit begangen. An diesem wie am folgenden Tage wurden je 3 Predigten gehalten in zahlreichen Versammlungen. Nach vollendetem Gottesdienst zog die Schützenzunft mit ihrer Fahne auf, rangirte sich unter ihrem Hauptmann auf dem Markt, ging mit ihrem Spiel zum Pastiner Thor hinaus und schoß daselbst Salve, worauf am Abend die Fenster des Rathhauses und der umherstehenden Häuser illuminiret wurden; das Ministerium ward von dem gesammten Rath auf dem Rathhause tractiret und Alles mit herzlicher Danksagung zu Gott für die bishero erwiesene Gnade und erhaltene evangelische Freiheit abgeschlossen.

Ueber den Cultus giebt Franck nur spärliche Nachrichten. Auf die Erhaltung der Kirchgebäude konnten die armen Gemeinden wenig oder nichts verwenden. Aber auch an der geziemenden Ordnung und Reinlichkeit scheint es hier oft gefehlt zu haben. Die Pastoren kleideten sich nicht mehr in der "Gerbekammer" unter Beistand des Küsters an, sondern "nachdem die Meßgewande, so vormals hier sehr kostbar waren, mit der Zeit abgeschafft, bereiten sie sich in ihren eigenen Häusern ohne eines Küsters Beihülfe zum Gottesdienst oder legen ihre gewöhnliche Krause, Röcke und Kragens an." Vielfache Störungen erfuhr der Gottesdienst durch das schlechte Verhältniß zwischen den Pastoren und den Schul=

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collegen (Rector und Cantor), welche abwechselnd das Singen zu versehen hatten und es nicht nur an der bürgerlichen Ehrbarkeit, sondern oft am gewöhnlichsten Anstand fehlen ließen. Sie verließen die Kirche nach dem Gesang oder schliefen unter der Predigt, sie kamen zu spät oder gar nicht. Besondere Tücke übten sie in der Wahl des Kanzelverses, welche ihnen zustand. Fühlten sie sich durch die Predigt irgendwie getroffen, so stimmten sie Verse an wie: Und wenn des Satans Heer mir ganz entgegen war, oder: Trotz dem alten Drachen u. s. w. -

Schlimme Folgen hatte die kirchliche Obstructionspolitik des Herzogs Carl Leopold. Zunächst behielt er die Superintendenten an seinem Hoflager und verbot ihnen die Präsentation und Introduction neuer Pastoren. Fielen die Superintendenten von ihm ab, so verbot er den Pastoren, diesen meineidigen Bösewichtern zu gehorchen, und ernannte Gegensuperintendenten (wie Zander in Güstrow gegen Stieber). Der kaiserliche Commissarius konnte es nur durch jahrelange Bemühungen, Mandate, Executionen, Einsperrungen von den renitenten Geistlichen erreichen, daß sie seinen Superintendenten bei Einführungen assistirten (z. B. zu Bernitt und Baumgarten). Kam wirklich eine Wahlhandlung zu Stande, so bot sie Anlaß zu unglaublichen Unordnungen (z. B. die Dobbertiner Pfarrwahl 1738 bei Franck a. a. O. Buch 18, S. 218 ff., 228, 234, 293). Da keine kirchliche Aufsicht war, so that zuletzt Jeder, was er wollte. Ein Anhänger Carl Leopolds giebt in der Maske des Küsters Gaudonis Statzii Salphenii 1743 eine Schilderung von den Zuständen auf einer ritterschaftlichen Pfarre. Er übertreibt ohne Zweifel bedeutend. Allein, mit einem Fuße wenigstens steht er auf dem Boden der Wirklichkeit.

Der Küster schreibt an seinen ritterschaftlich gesonnenen Pastor, welcher dagegen aufgetreten war, daß Carl Leopold von jedem neu Anzustellenden die Unterschrift eines Doctrinalreverses verlangte: "Ihr Eifer wird sie nächstens erhöhen. Erinnern Sie sich meiner, ich bitte demüthigst darum, wenn Sie das Steuerruder der Kirche dieser Lande führen! Sie werden - es ausrichten können, daß mir meine Würste und Eier wiedergegeben werden. Der Hochwohlgeborene Herr, an den Sie geschrieben, hat sie mir bisher entzogen. Er gebraucht gewisse Hufen mit vielem Vortheil unter den Aeckern seines Hofes. Seine Bedienten müssen ihnen den Namen von wüsten Hufen beilegen, - damit bin ich nach den ewigen unwandelbaren Grundgesetzen des Landes bezahlet, damit bin ich gesättiget." Dann wieder: "Sie

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rufen ängstlich hin und wieder in Ihrem Schreiben über Abweichungen und Veränderungen der Kirchenordnung, über Landes=Kirchen=Gesetz=widrig (ist doch dies Wort fast fürchterlich, als wie horribilicribrifax, wenigstens bestehets aus mehr Silben), und wer bindet sich an dies Gesetz, das Sie so genau beobachtet wissen wollen? Sinds Ew. HochwohlEhrwürden oder sind's Se. Hochwohlgeboren? Ich fürchte, Keiner von Ihnen werde Steine aufheben dürfen, sie auf Andere zu werfen. In der Kirchen=Ordnung heißt es Folio 165: Die Pfarrherrn sollen das Amt frühe um 8 anfahen, damit das Volk nüchtern zur Kirche komme und Gottes Wort mit mehrer Andacht höre und bete. Haben Sie, Herr meklenb. Prediger, jemalen dieser löblichen Anordnung Gehorsam geleistet? Muß ich nicht mit dem Geläute warten, bis es Sr. Hochwohlgeboren gefällig? Ließ selbige nicht verwichenen Ostern Ihnen sagen, Sie hätten mit Ihren hohen Gästen den Thee noch nicht eingenommen, der Gottesdienst müßte bis 11 Uhr ausgestellet werden? Nahm nicht der Bauer seinen Thee häufig im Kruge ein? Hätten wir nicht statt der Worte: so essen wir und leben wohl, singen mögen: so saufen wir und leben wohl? Wie nüchtern war ein großer Theil des Volks, da es zur Kirche kam? Wie nachdrücklich eiferten Sie wider diese Landes=Kirchen=Gesetz=widrige Gewalt? Wie kläglich thaten Sie über diese Abweichungen, über diese Veränderungen? Wie schrieen Sie: was dürfen die Landesgesetze qua politica für Kraft behalten, wenn sie erst qua ecclesiastica ihre Gewalt verloren hatten? Jedoch, Sie hießen nicht Johannes, sondern Diotrephes. Sie befürchteten sich, Sie würden Heuschrecken und wilden Honig essen müssen. Ein guter Wildbraten und Glas Moseler Wein schmeckt besser. Sie schlichen sich mit ernsthaften Schritten zum Hof hinauf. Sie wurden als ein: Prediget mir sanft, weissaget mir Täuscherei, mit einer gnädigen Miene empfangen. Und wie kömmt itzo Saul unter den Propheten? Wie wird der Herr meklenb. Prediger jetzo ein so gestrenger Eiferer nicht für den Herrn, sondern für die Landes=Kirchen=Gesetze? Sie werden mir erlauben zu antworten: schriftlich, aber nicht mündlich sein Glaubensbekenntniß ablegen, heißt unchristlich; trunken aber und nicht nüchtern zur Kirche kommen, heißt heilig oder - der Branntweins=Brennerei und Brauerei von Sr. Hochwohlgeborn zuträglich." - - -

In jener Zeit behauptete niemand mehr, was einst die Extremen den Pietisten entgegengerufen hatten: daß ecclesiae status florentissimus sei. Auch die Gegner der Pietisten in

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Meklenburg geben sich keinen Illusionen hin über den Zustand ihrer Gemeinden. Aber sie stehen noch fest auf der Position ihrer Väter: in den empirischen Kirchen, den Landeskirchen, dem Coetus vocatorum die wirkliche Kirche zu haben. Sie vertheidigen noch diesen weitherzigen, "kirchlichen" Standpunkt, und sie sind gerade mit dieser Seite der von ihnen vertretenen Wahrheit nie den Pietisten unterlegen, durch deren ganzes Denken und Thun ein unkirchlicher Zug geht. Wohl aber ist die damit zusammenhangende Anschauung von dem höheren religiösen Werthe der Wahrheit als der Frömmigkeit im engeren Sinne (praxis pietatis), um der Uebertreibung willen, mit welcher die Orthodoxie ihn vertrat, dem deutschen Volk verdächtig geworden. Der indifferentistische Zug in der Denkart des Pietismus hat in der Neologie, welche vor der Thüre wartete, um ihn hinauszutragen, sich erst vollständig ausgewirkt und den Sieg davon getragen.

Wenn auch die orthodoxe oder antipietistische Richtung die Herrschaft behauptete, so war doch Meklenburg damals weniger frei von stärker pietistisch beeinflußten Elementen, als es scheint. Bereits vor den Dargunern lasse sich eine ganze Reihe von Ansätzen pietistischer oder verwandter Frömmigkeit beobachten. Das frühste Beispiel ist Pastor Haering zu Plau, welcher zuerst die Zuträglichkeit der Verbindung von Privatbeichte und Abendmahl bestritt. Mehrmals ging er sammt seiner Frau ohne vorherige Beichte zum Tisch des Herrn. Von seinem Collegen denuncirt, wurde er auf einen Spruch der Wittenberger hin abgesetzt (c. 1690). Auf Speners Einladung begab er sich nach Berlin, und da gerade Schade gegen den Beichtstuhl aufgetreten war, betheiligte er sich an diesem Kampf 1 ).

Die Hallenser Facultät, mit welcher die Rostocker in fast unausgesetzter Fehde lagen, wurde kaum von einem Landeskind besucht, außer zu kurzem Aufenthalt auf der gelehrten Reise (so Krackevitz). Nicht so selten war es dagegen, daß ausländische Theologen, die zu Halle oder auf einer anderen pietistischen Universität vorgebildet waren, nach Meklenburg verschlagen wurden, wie der aus Speyer stammende Stieber und der Pastor Rohrberg zu Lohmen, patria et studiis Halensis. So mögen auch Laien auswärts mit


1) Durch eine Schrift von 1698: Deutliche Vorstellung des rechten Gebrauchs der Privat=Beichte und Absolution; gegen ihn trat Krackevitz in die Schranken. Vgl. Dalmer, Krackevitz S. 39, 65 ff. Fecht, Lectiones theolog. S. 346.
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pietistischen Kreisen in Berührung gekommen sein, wie einige Rostocker Mediciner und Juristen, welche Francke als Gesinnungsgenossen betrachtete. Schon 1719 war das Freylinghausensche Gesangbuch "mehr denn zuviel" 1 ) bekannt geworden, wenn auch noch nirgends in öffentlichem Gebrauch; ja in Rostock hatte man "an einer den Studiis gewidmeten Person ein gar betrübtes Exempel erlebt, indem dieselbe durch den Gebrauch dieses Buches und dessen unzeitige Beliebung soweit verfallen, daß alle Mittel, dieselbe wieder Zurechte zu bringen, bis diese Stunde vergeblich angewendet worden."

Als Vertreter einer solchen etwas stärker pietistisch angehauchten Frömmigkeit unter den Geistlichen ist unter andern der schon erwähnte David Franck zu nennen, Präpositus in Sternberg, der Verfasser des Alten und Neuen Meklenburgs. Seine Biographie am Schlusse dieses Werks zeigt, daß er die entscheidenden Impulse seines religiösen Lebens von Spener empfangen hat. Er hielt große Stücke auf Fecht, mit dem er stets in Verbindung blieb, stand jedoch in dem späteren Streit mit voller Entschiedenheit auf Seiten der Darguner. In seinem Geschichtswerk kommt diese Parteistellung freilich nur gebrochen zum Ausdruck: Franck war keine polemische Natur. Von den Dargunern war er als Gesinnungsgenosse geschätzt (sein Sohn zählte zu ihren Jüngern), und in Sternberg selbst fand eine "Erweckung" statt.

Ebendahin gehört ein Geistlicher, welcher noch heute im Munde des Volkes lebt als "dei dulle Magister", Mag. Simon Ambrosius Hennings, Pastor zu Recknitz bei Lage. Gleich Franck ein Schüler Fechts, stand er früh mit Halle in Verbindung und bemühte sich vornehmlich im Sinne des Pietismus und nach der Richtschnur der Erläuterung eine strengere Kirchenzucht durchzuführen, indem er den Rittern die Privatcommunion versagte und die weltlichen Lustbarkeiten zu Fastnacht u. s. w. durch Ausschluß vom Abendmahl abzustellen suchte. Dabei war er ein Anhänger der Wiederbringungslehre, der zufolge die Verdammten nicht endloser Unseligkeit verfallen sind. Auffallender Weise war davon dem Consistorium nichts bekannt, obwohl der Präsident desselben, Carmon, Hennings Schwager war. Darauf verfehlt nicht hinzuweisen ein anderer Vertreter derselben Irrlehre, Magister


1) Vorrede des "Kerns" bei Bachmann, Geschichte des evangelischen Kirchengesangs in Meklenburg, S. 217 ff.
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Ludwig Gerhard in Parchim 1 ), der wegen seines 1727 herausgegebenen Systema Apocatastaseos in eine Untersuchung verwickelt wurde. Er entzog sich derselben durch Auswanderung. Schon 1719 hatte er aber in Rostock einen Kreis von Gesinnungsgenossen (Laien) gefunden. Sein eigenes Auftreten hat nach Franck's Zeugniß "viele verführt". Und nach dem übereinstimmenden Zeugniß unverdächtiger Gewährsleute gab es dazumal im Verborgenen nicht wenige Anhänger derartiger schwärmerischer Lehren des unkirchlichen Pietismus; die Darguner z. B. sagen: "Siehe dergleichen Irrthümer sind mit großen Haufen im Meklenburgischen gewesen, ehe die Dargunischen Herrn Prediger dahin gekommen, und es ist doch kein Lärmen darüber entstanden. Da man es aber treulich aufgedecket und weggeschaffet, so reget sich der Teufel auf allen Seiten" 2 ). Die Darguner konnten es wissen; denn sie hielten Verbindung mit diesen Stillen im Lande, die, zum Theil wohl unzufrieden mit der politischen Parteinahme der Geistlichkeit, in den Geheimnissen der Wiederbringung und in der erträumten Herrlichkeit des 1000jährigen Reiches Trost fanden 3 ).

Bemerkenswerth ist nun die offenbare Sympathie, welche jener Gerhard bei Carl Leopold, dem Schirmherrn der Orthodoxie, fand. Das wird auch dem verwunderlich erscheinen, welcher durch Lisch's 4 ) Mittheilungen über den inneren Werth dieser Schirmherrschaft orientirt ist. Des


1) "Ei ich habe wohl gehöret, daß die Alten die Gerechtigkeit blind, und mit beständig verdeckten Augen haben zu malen pflegen. Allein diese Mode wird nun wohl zum Theil abgeschaffet sein. Denn ist es etwa ein Anverwandter, so kann die Justitia freilich nicht sehen, so ist sie blind, das ist wahr! Sie spricht alsdann: siehe Du diesen meinen Schwager nicht, so will ich Deinen Schwager wieder nicht sehen. Allein kommt Mag. Gerhard, siehe so thut die liebe Justitia ihre Augen sparrweit offen, und sie siehet wohl doppelt." (Gerhard an Carl Leopold.)
2) Anmerkungen über des Herrn Dr. Rusmeyer Schrift etc . von einem außerhalb Meklenburgs lebenden evang.=luth. Prediger. 1738. (Das Material ist von den Dargunern geliefert.) Wir citiren diese wichtige Schrift fortan: Anonymus.)
3) Vereinzelt treten noch auf: der Cantor zu Rehna, Chr. Heinr. Kessel, der 1704 wegen "großer Verlaufung in doctrinalibus et moralibus" abgesetzt, aber dann doch wieder zu Gnaden angenommen ward (Frahm, Geschichte der Rehnaer Schule, 1871, S. 29), sowie der Schäfer Asmus Hansen, welcher 1704 eine Christus=Vision gehabt haben wollte (Hennings De donis administrantibus etc. 1710), endlich noch Gustavus von Bernhard, ein meklenb. Edelmann, welcher 1719 in Folge eines 40tägigen Fastens zu Plön verstarb (J. Henr. Burgmann, nöthige Erinnerung u. s. w. 1747, S. 108 ff.).
4) Heinrich XXIV. Reuß.
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Herzoge innere Gleichgültigkeit gegen Lehre und Cultus der lutherischen Kirche trotz des stets bewahrten Scheines der Orthodoxie und trotz des zeitweilig angenommenen Scheines devotester Frömmigkeit und leidenschaftlichen dogmatischen Interesses, seine gleichzeitigen Unterhandlungen mit den pietistischen Führern in Halle wegen Reorganisation des meklenburgischen Kirchenwesens und mit Rom wegen Uebertritts, der offenbare Mißbrauch, welchen er mit kirchlichen Dingen trieb, um sich so oder so Vortheile durch dieselben zu verschaffen (denn alle seine Gedanken concentrirten sich um die politische Machtfrage), seine Unklarheit, sein Wankelmuth und sein Eigensinn genügen nicht zum Verständniß seines Verhaltens zu Gerhard, dessen Maßregelung er nicht nur (allerdings in sehr discreter Weise) zu hindern suchte, - mit dem er auch später noch in Verbindung blieb. Carl Leopold war nicht eigensinnig um des Eigensinns willen und verstellte sich nicht aus Gefallen an der Heuchelei. Dazu waren von Gerhard keinerlei äußere Vortheile zu erhoffen. Der Grund liegt tiefer, in des Herzogs innerer religiöser Stellung. Den edlen religiösen Zug seines Herzens können selbst die Gegner nicht in ihm verkennen. Aber dieser edle Zug ist mißleitet und verkümmert. Es scheint fast nichts davon übrig geblieben zu sein, als abergläubische Neugier und die Neigung, durch schwülstige Nichtigkeiten unklare religiöse Gefühle in sich zu erregen. Zu keiner Kirche steht Carl Leopold in einem inneren Verhältniß, zur lutherischen so wenig als zur römischen. Ob er die Ceremonien der evangelischen Kirche peinlich, ja mit Uebertreibung beobachtete, ob er gleich darauf sie mit Füßen trat, ob er katholisch wurde, - das war ohne Bedeutung für ihn. Dagegen zu den schwärmerischen Erscheinungen auf religiösem Gebiet hatte er eine starke Wahlverwandtschaft. Je mehr ein religiös beanlagter Mensch die Fesseln einer allgemeinen Sittenordnung verabscheut, um so mehr pflegt er hinzuneigen zu besonderen Frömmigkeitsübungen, geheimnißvollem Gottesdienst und hohen Speculationen, willkürlichem mönchischem Leben und außerordentlichen guten Werken. Dies ist schon bei Carl Leopolds Anknüpfung mit Halle zu beobachten. Zwar sehen auch dabei deutlich genug äußere, finanzielle und politische Motive unter den religiösen hervor. Das hindert jedoch nicht, daß er zugleich bestimmte religiöse Lieblingsideen um ihrer selbst willen verfolgt. Unfähig zu glauben und recht zu thun, flackert immer wieder die Sehnsucht nach unausdenklichen Aufschlüssen über göttliche Dinge und nach besonderen reli=

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giösen Erfahrungen, nach einem wunderbaren Innewerden Gottes in ihm auf. Die gesammte Correspondenz mit Francke, Callenberg und dem Grafen Reuß (1726-28) giebt davon Zeugniß. Er phantasiert da von "dem von Anfang verborgenen Geheimniß", "Christus in uns", von der "neuen Creatur, dorinnen Gerechtigkeit wohnet", von einer mystischen Wiedergeburt, dazu von einem Reich Gottes, worunter er für sein Theil eine geheime Brüderschaft solcher Wiedergeborenen zu verstehen scheint, und welches seiner Meinung nach mit besonderen Wunderkräften ausgerüstet ist. Es ist jene Stufe der religiösen Entwicklung, auf welcher das Subject von der Unruhe des Gewissens und zugleich von dem Bestreben umgetrieben wird, die unheimliche, sittlich inhaltlose, göttliche Wundermacht in seinen Dienst zu nehmen. - In dieser Richtung liegen seine Versuche, auf die lutherische Lehre Einfluß zu gewinnen durch Reverse über die Lehre von der Wiedergeburt und vom Abendmahl, welche Geistliche und Candidaten ihm ausstellen mußten. Dieser Neigung sollten vornehmlich die Hallenser dienstbar werden. Allein er hatte sich in ihnen getäuscht. Sie wiesen ihn auf viam practicam und das einfache Gotteswort und wollten weder von seinen mystischen Lieblingsschriften noch von seinen hohen speculationibus etwas wissen. Und wenn er bereits 1707 etwas Besonderes an sich selbst wollte erfahren haben, so ließ Francke das nicht als die gerühmte Wiedergeburt gelten, weil des Herzogs bisherige Lebensführung allzu laut das Gegentheil verkündete. Vielmehr verwies er denselben auf den methodischen Bußproceß. Davon wollte Carl Leopold freilich nichts hören. Dennoch hat er mit dem Abbruch jener Correspondenz den Pietismus nicht aufgegeben. Einer seiner besonderen Günstlinge, der Vice=Präpositus Clasen zu Ribnitz, war des sectirerischen Pietismus so sehr verdächtig, daß ihn das Güstrower geistliche Ministerium (1735) darob denunciren konnte. Der Herzog ließ ihm nur eine generelle Erklärung rechtgläubig zu sein abfordern. Er zog mehrere Männer aus den pietistischen Kreisen in seine nächste Umgebung (Hofprediger Menckel, Secretair Waldschmid, Garnisonprediger Richter). Durch sie hat er noch lange Jahre Verbindung mit Halle und andern Sitzen pietistischer Frömmigkeit unterhalten, auch mit Zinzendorf, mit den Gichtelianern. Er hat diese Gedanken bis in seine letzten Lebensjahre festgehalten. Zeugniß dessen ist die Berufung des pietistischen Cantors Beatus aus Malchin nach Dömitz, der religiöse Briefwechsel mit dem ehemaligen Legationscancellisten zu Regensburg

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Stanislaus Ferdinand Anton von Mayerhoff 1 ) und die Herausgabe der von Bachmann (a. a. O. S. 241 ff.) erwähnten "Zugabe" zum Kirchengesangbuch (1747). Daher stammen denn auch die Sympathien für L. Gerhard.

So wäre Carl Leopold auch gerne bereit gewesen, später den Dargunern zu helfen, wenn er nur im übrigen seine Rechnung dabei gefunden hätte. Denn lediglich aus Politik hielt er alle diese Liebhabereien aufs äußerste geheim und erschien als Hort der Orthodoxie, voll Eifers, "daß überall nach Maßgebung göttlichen Worts, derer symbolischen Bücher und Unserer Kirchenordnungen gewissenhaft, lauter und unanstößig verfahren werde", - weil eben die sehr einflußreiche und dem Fürstenhause treu ergebene Landesgeistlichkeit orthodox war. So wenig ist es begründet, daß zwischen beiden eine Geistesgemeinschaft bestanden hätte 2 )! Vielmehr stand Carl Leopold mit seinen Sympathien auf Seiten des sectirerischen oder Laien=Pietismus, wenn er auch in dieser Richtung keinen nennenswerthen Einfluß auf die Entwicklung der Landeskirche geübt hat.

 


 

II.

Augusta, Herzogin zu Meklenburg-Güstrow.

In zwei edlen Frauengestalten hat das aussterbende Haus Meklenburg=Güstrow eine schöne Nachblüthe erlebt und durch sie einen weitreichenden, segensreichen Einfluß auf die geistige Entwicklung nicht nur Meklenburgs gewonnen. Für weitere Kreise ist die älteste Tochter des letzten Herzogs, Christine, von größerer Bedeutung, als Stammmutter des


1) Relig. Luth. im Schweriner Archiv. M. war ehedem kathol. Priester gewesen; er gab vor, in Carl Leopold virum quadratissimum zu sehen, um das Melchisedekische Priester= und Königthum der Endzeit aufzurichten!
2) Lisch a. a. O. S. 4 und ihm folgend E. Boll, Geschichte Meklenburgs II., S. 422, welcher Carl Leopold dermaßen mißversteht, daß er meint, derselbe habe sich durch die Anknüpfung mit Halle bei seiner hyperorthodoxen Landesgeistlichkeit insinuiren wollen!
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bekannt als princesse de Dargouhn, hat als Patronin des Pietismus in der meklenburgischen Kirchengeschichte einen hervorragenden Platz zu beanspruchen. Sie rief die Pietisten ins Land, sie war ihnen ein starker Schutz, eine eifrige und treue Freundin. Durch ihren geistlichen Sohn, Herzog Friedrich den Frommen, kam ihre Sache zum Siege und übte einen dauernden Einfluß auf die religiöse Entwicklung des meklenburgischen Volkes.

Das elterliche Haus der Prinzessin ist von Delitzsch 1 ) eingehend und liebevoll beschrieben worden. In Gustav Adolf von Meklenburg=Güstrow verband sich eine grüblerische Gewissenhaftigkeit und eine etwas düstere Frömmigkeit mit einer gewissen sittlichen Schlaffheit. Nach dem Vorbilde Herzog Ernsts des Frommen entwickelte er eine vielseitige Thätigkeit zur Hebung des kirchlichen Lebens in der Weise der lebendigen Rechtgläubigkeit und in regem Verkehr mit Spener. Das jüngst veröffentlichte Protocollum der von ihm berufenen Generalsynode von 1659 zeigt seinen Eifer und seinen Ernst im schönsten Lichte. Doch vermochte er nicht, sein persönliches Leben nach diesen Grundsätzen gleichmäßig zu gestalten.

Als Prinzeß Augusta (geb. 27. December 1674) im 22. Lebensjahre stand, verlor sie den Vater. Das Land fiel größtentheils an den Schweriner Herzog Friedrich Wilhelm. Die verwittwete Fürstin Magdalena Sibylla behielt ihren Sitz im Güstrower Schlosse, das nun kein Herrscherhaus mehr war. Vierundzwanzig Jahre der Wittwenschaft hat Augusta hier mit ihrer Mutter getheilt. Seit im Jahre 1702 Prinzessin Magdalena heimgegangen war, lebten die beiden fürstlichen Frauen allein miteinander. Erst in einem Alter von 45 Jahren wurde Augusta durch den am 22. September 1719 erfolgten Tod der Mutter selbständig.

Ueber die geistige Entwicklung der Prinzessin in diesen 45 Jahren besitzen wir nur spärliche Nachrichten. Von Natur war sie "mit vielen Gaben gezieret". Ohne Zweifel hat sie eine umfassende und gründliche Bildung genossen. Ihr Stil und ihre markige Handschrift sind dafür Zeugen. Sie war munteren, schnell fassenden Geistes; durchgreifend bis


1) Aus dem Stammhause der Großherzogin [Augusta]. Urkundl. mekl. Geschichten. Rostock und Schwerin 1850 (Zu dem ganzen Abschnitt vergl. Wigger, Aus dem Leben Herzog Friedrichs des Frommen, Jahrb. 45, S. 95 ff.)
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zur Rücksichtslosigkeit, wo sie sich im Rechte glaubte; offen und wahr; treu im Lieben und im Hassen. "Aufs Sorgfältigste war sie in der evangelischen Wahrheit erzogen." Ihr Religionslehrer war Heinrich Witsche; aus Lübek stammend, war derselbe bis 1682 Pastor in Plau und wurde von da an die Kirche zum heil. Geist in Güstrow berufen. Er hat von Spener das Lob eines "sehr rechtschaffenen, wackeren Geistlichen, der eine gründliche Erkenntniß des wahren Christenthums" habe 1 ). Im Jahre 1694 hatte Witsche nämlich Spener besucht und für ihn gepredigt. Schon damals schrieb dieser an Francke: "Ich liebe den Mann herzlich und finde ein theures göttliches Pfund in ihm" 2 ). Augusta selber rühmt später von ihm 3 ), er habe sonderliche Gaben von Gott gehabt mit Kindern und jungen Leuten umzugehen; seine Anleitung habe sie oft zum Gebet getrieben. Als vor dem ersten Abendmahlsgenuß große Angst und Sorge wegen ihres Seelenheils in ihr aufstieg, sei Witsche, dem sie dies berichtet, zum Weinen bewegt gewesen; als sie aber den zweiten Tag nach der Communion von der auf ihr Gebet und Ringen erfolgten Freudigkeit berichtete, habe der treue Seelsorger sich über die Maßen gefreut. Im Ganzen aber war sie sich bewußt 4 ), seinen Anweisungen nicht gefolgt zu sein, obwohl er ihr den Weg zur Seligkeit ebenso gezeigt wie ihre späteren frommen Prediger. Sie habe sich vielmehr an den (nachherigen) Superintendenten Hahn 5 ) gehalten, der ihr "niemalen von dem rechtschaffenen thätigen Christenthum gesagt, sondern dero Alamodisches gebilligt und gut geheißen". Alamodisches Christenthum ist soviel wie "Cavallierer=Christenthum" 6 ), eine Frömmigkeit "ohne Fleiß, ohne Eifer aufs Gute", die sich nur äußerlich in den herkömmlichen kirchlichen Bahnen bewegt.

Daß Augusta trotz der Jugendfreundschaft mit dem frommen Pfuel, dem Lehrer ihrer Schwestern 7 ), und trotz der Verehrung, welche sie dem milden Schaper widmete, eine mehr weltliche Richtung einhielt, zeigt auch eine Aeuße=


1) Brief an Christine 1695. Gräfl. Bibliothek zu Wernigerode.
2) Kramer, Beiträge zur Geschichte A. H. Francke's, S. 313.
3) Brief an Christine 1725. Gräfl. Bibliothek zu Wernigerode.
4) Molzahn an Tiedemann. 16. April 1737. Schwer. Arch. Jördensd. Kirchenacten.
5) Julius Ernst Hahn, geb. zu Grabow 1677, studirte in Rostock und Leipzig bis 1700, ward Pastor zu Grevesmühlen 1701, an St. Georg zu Parchim 1704. 1709 Domprediger zu Güstrow. Als Senior Ministerii verwaltete er nach Schaper's Tode (1734) die Güstrowsche Superintendentur, † 1751.
6) Burgmann, Nöthige Erinnerung etc ., S. 25.
7) Delitzsch a. a. O. S. 88 ff.
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rung des Hofpredigers G. F. Stieber. Dieser freilich nicht ganz zuverlässige Zeuge war in Speyer geboren, in Güstrow erzogen, hatte in Rostock und Halle studirt, war dann Pagenhofmeister und Bibliothekar in Güstrow gewesen, seit 1712 Hofprediger (Dr. theol. 1722). Herzogin Magdalene Sibylla hatte ihn berufen, da sie seiner "wahrhaften, gründlichen Pietät und Gottgelassenheit" versichert war, und ihr Absehen ging dahin, daß er u. a. auch "Uns und Unsrer Princesse Liebden auf gnädigstem Verlangen auf die Theologischen Fragen, so ihm proponiret würden, Gottes Wort und dessen gesunder Auslegung gemäß antworten" solle 1 ). Schon in Güstrow hatte er jedoch kein rechtes Verhältniß zur Prinzessin gewinnen können. Er führt das darauf zurück, daß er gegen das "eingerissene solenne Tanzen bei Hofe am Sonntag und in den betrübtesten Zeiten und angehenden Gerichten und Bedruck des lieben Meklenburgs" gepredigt habe.

Durch diese Freude am Irdischen und durch den Mangel an energischer Selbstzucht war natürlich keineswegs religiöses Interesse, häufige und gründliche Beschäftigung mit Gottes Wort und ein frommes Gefühlsleben ausgeschlossen. Vielmehr berichtet derselbe Gewährsmann 2 ), die Gnade Gottes habe sich an der Prinzessin "nicht unkräftig erwiesen, so daß dieselbe jederzeit eine ungemeine Begierde gehabt, in dem Erkenntniß Gottes zu wachsen, daher sie auch eine unermüdete Lectüre geliebet und sich in vielen christ=fürstlichen Tugenden geübet, daß sie dannenhero in besonderem Ruhm und Hochachtung bei evangelischen Lehrern vor diesen gestanden." Aber mit so hohen Gaben waren auch große Versuchungen verbunden. "Denn außer einigen ganz besonderen natürlichen Gemüthsneigungen, möchte schonen denen zartesten Jahren einiger Same gewisser Lehren unvermerkt beigebracht sein, wozu denn kommt, daß auch gewisse Lehrer und Personen 3 ), welche in der evangelischen Kirchen ganz ungleich angesehen werden, bei derselben in besonderer Achtung gestanden. Wie sie überdem auch ein gar gnädiges Gemüth hat, daß, so sie jemand dero Hulde und Vertrauen recht würdiget, solche übermäßige Gnade sonderlich im Anfang


1) Concept der Vocation. Schwer. Archiv, Apanagial=Acten vol. 38 A.
2) In einem der 3 von Stieber verfaßten, handschriftlichen Berichte über die Dargun'schen Begebenheiten (für Herzog Carl Leopold), welche im Schweriner Archiv (Acten der Superintendenten, Generalia) erhalten sind. Der 3., ausführlichste auch in der Rostocker Universität=Bibliothek. Mss. theoll. 134, Nr. 6.
3) s. unten.
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gar leicht von Anderen zu ihren eigenen Nebenabsichten oder zu Weitläuftigkeit und Neuerungen können gemißbrauchet und auf Abwege verleitet werden. Will auch eben nicht sagen, daß eine unermüdete lecture allerhand geistlicher Schriften von verschiedenen Meinungen wohl etwa ein Gemüth, so es nicht recht befestiget, etwas irre, confus und ungewiß machen könnte". -

Auf Grund eines Vergleichs, der am 9. August 1717 zwischen der Prinzessin und dem regierenden Herzog Carl Leopold zu Stande gekommen war 1 ), behielt sie von dem Witthum ihrer Mutter das ehemalige Cistercienser=Kloster und Amt Dargun. Dasselbe war ihr im Falle des Hintritts der verwittibten Frau Herzogin überlassen "mit allen Heb= und Nutzungen, Recht und Gerechtigkeiten, Holzungen, Jagden, juribus patronatus, hohen und anderen Jurisdiction und sonst allem, in der Maß wie der verwittibten Herzogin Durchl. es anjetzo inne haben, nutzen und gebrauchen". Die Einkünfte sollten ihr zu 6000 Thlrn. angerechnet, und dieser Betrag jährlich von den aus der Renterei bezogenen Aliment=Geldern gekürzt werden. (Diese betrugen noch 1000 Thlr. über die genannte Summe, welchen Rest die Prinzessin aus dem Amt Neukalden erhielt) 2 ). Die "Aptirung" und Instandhaltung des "fürstlichen Hauses" übernahm Augusta, ebenso jegliche Ausfälle in den Revenuen durch casus fortuitos, wie Krieg, Brand, Mißwachs, Viehsterben. Der Herzog behielt sich die Territorial=Hoheit, die Regalia u. a. vor.

Das Schloß war von Johann Albrecht II. und Gustav Adolf ausgebauet und als Sommerresidenz benutzt worden. Etwa ein Jahr nach dem Tode der Herzogin siedelte Augusta dahin über 3 ). Ein zahlreicher Hofstaat folgte ihr, den der Hofmarschall von Bülow als "Gouverneur" leitete. Ihm zur Seite stand der Kammerjunker Carl Friedrich von Moltzahn (seit 15. Juni 1719, wirklicher Kammerjunker 15. Mai 1721, Gouverneur 1726), ein in Pommern begüterter Edelmann 4 ). Dessen Mutter fungirte als Oberhofmeisterin, die Fräulein


1) Rost. Univ. Mss. Meckl. B. 702. No. 53.
2) Dazu traten noch Hebungen aus dem Elbzoll und aus dem Amt Stavenhagen. Cfr. Apanagial=Acten vol. 38 A und Franck a. a. O. XVIII., S. 72.
3) Nach der Darg. Pfarrkirchen=Rechnung am 1 . August 1720, nach Franck a a. O. S. 200 am 18 ., nach Delitzsch S. 99 am 28 . August.
4) Als Molzahnsche Güter werden in der Correspondenz erwähnt: Tützpatz, Schoffow, Gültz, Sarow, Hagen, Osten, Ganscherow, Begerow, Dentzerow.
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von Bähren und von Grabow als " Kammer=Fräulein" (Hofdamen) 1 ).

Aus dem elterlichen Hause hatte Augusta die Vorliebe für eine reiche fürstliche Hofhaltung mitgebracht. Für die Küche wurden die Delicatessen aus Hamburg bezogen 2 ). Aus ihrem gut besetzten Marstall pflegte die Prinzessin fürstlichen Gästen Meilen weit Pferde entgegen zu schicken. Streng hielt sie auf Etikette. Ihr Großneffe Graf Heinrich Ernst von Stolberg mußte bei seinem Besuch 1740 im Orte dem Reisewagen entsteigen und in der 6spännigen Gallachaise sich ins Schloß begeben. Das Bewußtsein fürstlichen Anstandes erfüllte in hohem Maße ihre Dienerschaft, wie denn der Leibkutscher späterhin sich schämte, seine Herrin zur Betstunde zu fahren, "imgleichen der Gärtner nicht länger Gesellen halten zu können, als ein durch seiner Fürstin Bekehrung beschimpfter Meister, im Stande zu sein vermeinte". Zuweilen überschritt auch wohl der fürstliche Stolz das rechte Maß. Der weiland Amtmann Schmidt hatte (1700) mit einem Aufwand von 3000 Thlrn. ein Schulhaus gebaut und die Orgel in die Schloßkirche geschenkt, welche noch jetzt im Gebrauch ist. Vorne an dem Orgelchor war sein Wappen in Bildhauerarbeit angebracht, und darunter mit goldenen Buchstaben sein Name. Dicht daneben befand sich der fürstliche Stuhl. Kaum war die Prinzessin angekommen, so ließ sie Namen und Wappen entfernen und die Brüstung neu anstreichen. Denn sie fand, der sel. Amtmann habe Hochmuth gezeiget und sich zu nahe an das fürstliche Geblüt


1) Dazu trat der Hofprediger, der Secretär, der secretair du cabinet (Schreiber), 1 Kammerdiener, 1 Mundschenk, 1 Mundkoch, 4 Laquaien (von dener der eine zugleich Organist, der andere "Mousicandt" war), 1 Hofschlächter, 2 Kutscher, 2 Vorreiter, 2 Feuerböter, 1 Winterfeuerböter, 1 Küchenbauer (zugleich Nachtwächter) und Küchenweib. Endlich 1 Kammerfrau, 3 Kammerjungfern, 2 Stubenmädchen, 1 Castellanin, 1 Kehrmädchen, 2 Waschmädchen, 1 Näh= und Spinnmädchen, 1 Silbermädchen, 1 Waschfrau. In dem Personalverzeichniß der Hofgemeinde, welches 1736 dem neu antretenden Hofprediger überreicht wurde, finden sich außerdem noch ein Pagenhofmeister mit 2 Pagen, der "aus pitié angenommene" Otto von Pouresé, ein Hofstaatinformator, ein Hofküchenmeister, Schirrmeister, Tafeldecker, Hofbäcker und noch 3 Jungfern. Damals war Moltzahn "Hofmeister" oder Gouverneur, sein Schwager v. Halberstadt Kammerjunker und außer ihm noch ein Cavalier von Grabow. Neben Fräul. von Grabow war ein Fräul. von Moltzahn Hofdame. Alles in Allem, mit Kindern und Dienstboten, etwa 150 Personen.
2) Wir finden erwähnt: Kastanien, Taschenkrebse, Muscheln, Anchovis, Lachs, Stöhr, Sardellen, Leidiger Lerchen, Trüffeln u. a. Englische Austern kosteten das Hundert 1-1 1/3 Thlr. - Für 24 Pfd. Kaffeebohnen wurden 14 Thlr. gezahlt.
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gesetzet. Das Epitaphium sollte in die Rökenitzer Pfarrkirche versetzt werden; allein der Pastor verbat sich das große Ding, weil es das ohnedem spärliche Licht allzu sehr beschränken würde. Als sich der Schwiegersohn des Verstorbenen beim Herzog beschwerte, war Augusta sehr ungnädig; doch juristische Gutachten fielen zu des Gegners Gunsten aus, mit dem sie endlich sich verglichen zu haben scheint 1 ).

Das Darguner Schloß liegt auf dem Areal und besteht zum Theil noch aus den Gebäuden des alten Cisterzienser=Klosters. Die schöne alte Klosterkirche ist die Schloßkirche, an welcher Stieber wirkte. Nur wenige Häuser bildeten mit dem Schlosse das alte Dargun. Unmittelbar daran stieß das Pfarrdorf Rökenitz, welches heute mit jenem vereinigt, den Flecken Dargun ausmacht. An der kleinen, unscheinbaren Pfarrkirche stand seit 1696 Pastor Johann Dietrich Fabricius, Nachfolger seines Vaters. Obwohl kränklich - er mußte "mit dem medico essen und trinken, welches auch einige Unkosten erfordert" - entwickelte er großen Eifer. Er begnügte sich nicht damit, den sonntäglichen Gottesdienst mit geziemender Feierlichkeit 2 ) abzuhalten. Besondere Aufmerksamkeit widmete er dem Schulwesen, über welches er der Prinzessin ausführlich berichten mußte. Denn sobald sie in Dargun Residenz genommen hatte, wandte sie diesen Dingen anhaltende Fürsorge zu. Es gab nämlich im Orte zwei Schulen, deren eine vom Cantor, die andere vom Küster gehalten wurde. Aber es gab keine Schulordnung. Fabricius bat dringend um eine solche und machte specificirte Vorschläge, welche für die Kenntniß des damaligen Volksschulwesen in Meklenburg von Belang sind.

Fabricius fordert zunächst, daß eine gewisse Zeit gesetzt werde, wannehe die Kinder in die Schule kommen, etwa Sommers von 7-11 und von 1-4, Winters von 8-12 und von 1 bis Dunkelwerden. "Etliche Leute sind sehr träge ihre Kinder in die Schule zu schicken, und habe durch noch so freundliches und auch wohl ernstliches Zureden bei manchen nichts ausrichten können. Zum Theil hat es geheißen, der


1) Schwer. Arch., Darg. Kirchenacten, und gütige Mittheilungen des Herrn Landdrosten von Pressentin zu Dargun.
2) Wie es scheint, war noch der Meßornat im Gebrauch. Die Kirche besaß 2 Meßgewande von silbernem Mohr und 2 Meßhemden; dazu war Vorhanden "ein weißer Atlassener oder vielmehr Tuch von 6 Ellen, denen Communicanten fürzuhalten" (1720). Die Statistik der in Meklenburg vorhandenen Meßgewänder in dem Protocoll der Generalsynode von 1659, S. 17, ist nicht vollständig.
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Priester will unsere Kinder zu lauter Doctores machen, zum Theil fehlt es ihnen auch an dem wöchentlichen Schulschilling, daß sie klagen, sie haben kaum so viel Brod, daß sie ihren Kindern geben können, woher sie das Schulgeld nehmen sollen? welches auch wol wahr ist, und wäre eine hohe Gnade, wenn Ihro hochfürstl. Durchlaucht für die notorische arme Kinder in diesem Punkte zu sorgen gnädigst geruhen wollten". Andere Eltern, welche ihre Kinder zurückhielten, sollten das Schulgeld doch bezahlen (Forderung der Generalsynode von 1659. Protoc. S. 12.). Im Sommer scheint bis da keine Schule gehalten zu sein. Die Schule beginnt nämlich Montags nach dem Gnoienschen Markt, "da die Leute ihren Kindern nothdürftige Kleidung, auch wohl ein Büchlein gekauft, weil sie denn zu jeder Zeit etwas Geld für den Flachs lösen". Vorher wird es von der Kanzel verkündet, und der Pastor ist stets "vorhero auf beide Dörfer (Glasow und Dörgelin, welche eingepfarrt waren) herumb gereiset, und so wol große als kleine Kinder für sich gekriecht und im Lesen und Beten examinirt, die großen Kinder über Feld nach der Schulen zu schickens ermahnt, die kleinsten Kinder von 5-6 Jahren von denen beiden Frauens unterrichten lassen, da einer jeden in einem Dorf die kleinen Kinder angewiesen werden, welche sie denn auch mit allem Fleiß unterrichtet haben". Fabricius wünscht, daß die Schule mit Gebet, Morgensegen und =gesang eröffnet werde, zu Zeiten mit einem Hauptstück des Katechismus und Verlesung eines Capitels der Bibel; geschlossen dagegen mit Danksagung gegen Gott und anderen Gebeten, insonderheit für die drei Hauptstände der Christenheit, - "es fehlet uns aber an einer Bibel in der Schulen, die doch wohl billig da sein müßte". Ferner sollte jedes Kind ein Gebetbuch haben, darin die Gebete verzeichnet würden, die es gelernet, damit Pastor und Schulmeister ihren Fleiß damit beweisen könnten, auch damit es die Eltern wiederholten mit den Kindern und so selbst lernten. Der Katechismus müßte nicht bloß dem Buchstaben nach gelehrt werden, sondern auch der Verstand. "Cantor und Küster müßten in der gesetzten Schulzeit sich keiner, auch nicht der geringsten Hausarbeit annehmen", dabei sich im Unterricht aller Geduld befleißigen, "insonderheit wenn Pastor die Schule visitiret". Er klagt auch über den Kirchenbesuch der Kinder, sie liegen des Sommers bei den Gänsen und Pferden, daß Sünde und Schande ist. Es wäre von Dorfschaftswegen für den Sonntagnachmittag ein Mann zum Hüten anzustellen. - Von Zeit zu Zeit müßte ein Examen gehalten werden.

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Bei den Akten liegt des Pastors "Schulkinderbüchlein", in welchem er jedem Kinde eine Seite angewiesen und nach dem jedesmaligen Examen die Fortschritte verzeichnet hat. Endlich hatte er eine vom Cantor zu führende "Schultabelle" eingeführt mit folgenden Rubriken: Name; Alt; Ingenium ("ziemlich", "hartes"); Versäumnisse; kleiner und erklärter Katechismus; biblische Sprüche; gelernte Psalmen (einer kann 20); Lesen: 1) gedruckt, 2) Briefe; Schreiben: 1) Buchstaben, 2) Zusammen, 3) Vorschrift ("hat Eine"); Rechnen ("etwas", "nichts"); Mores ("ungehorsam", "willig, unachtsam"); Mangel (?).

Zu Anfang des vorigen Jahrhunderts war selbst in der evangelischen Kirche die Bibel "beinahe eine Seltenheit"; wegen ihres hohen Preises wurde sie von wenigen gekauft. Die Cansteinsche und die Lemgoische Bibelanstalt erst schafften darin durch billige Preise Wandel. Im Auftrag der Prinzessin hat Fabricius auch in dieser Beziehung eifrig gearbeitet. Nach einem Bericht vom 15. December 1725 hat er in diesem und dem vorhergehenden Jahre 56 Bibeln in seiner Gemeinde ausgetheilt. Nun sind im Ganzen 78 Bibeln in der Gemeinde vorhanden, - er hat also nicht mehr als 22 vorgefunden, davon in dem Dorfe Glasow 3, in Dörgelin keine 1 ). Zum Schluß beantragt Fabricius, die Prinzessin möge denen, die keine Bibel bezahlen können, von den Exemplaren des neuen Testaments, so ihre hochf. Durchlaucht binden lassen, einige austheilen.

Es ist immerhin auffallend, daß aus keiner der anderen Gemeinden des Amtes ähnliche Berichte vorliegen.

Trotz ihrer eifrigen Theilnahme an dieser kirchlichen Arbeit kam die Fürstin zu keiner religiösen Befriedigung. Auch nach den Berichten im "Geistlichen Archiv" zu Wernigerode handelt es sich dabei in erster Linie um die Mitteldinge: am Dargunschen Hofe lebte man in "steter Gleichstellung der Welt", ohne doch die rechte evangelische Freiheit des Gewissens zum Gebrauch der irdischen Güter erlangt zu


1) Bei diesem Dorfe bemerkt er: Der Schulz will keine Bibel haben; Hans Maaße, der junge Schulz, hat eine Hauspostille, womit er sich behelfen will, und stehet nicht zu bereden, daß er eine Bibel nehmen will. Von einem Rökenitzer heißt es: "Zeterbarg, ein Schwede, kann nicht Deutsch lesen, seine Frau kann wohl lesen, aber sie können keine Bibel bezahlen". "Jacob Brands gab zur Antwort, wozu ihm die Bibel nütze wäre: er könnte nicht lesen, seine Frau und Kinder könnten sich wohl ohne Bibel behelfen. Jürgen Bohm gab zur Antwort, er könnte nicht viel lesen, und seine Frau nicht sehen, und denen Kindern müßte man solch Buch nicht in die Hände geben."
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haben. Das Gewissen der Prinzessin war durch irgend einen Einfluß befangen, sei es nun durch die Erinnerung an Witsche's Vorbild und Unterweisung, sei es durch den Verkehr mit ihrer Schwester Christine. Jedenfalls fand sie sich in einem peinlichen Zwiespalt, sie fühlte "Schläge des Geistes Gottes" beim Gebrauch der Mitteldinge, "exempli gratia als Serenissima vor ihrer Bekehrung mit einem gewissen dänischen Officier gespielet". Stieber vermochte weder diesen Conflict zu lösen, noch zu verhindern, daß die Beunruhigte neben ihm geistlichen Rath suchte. Er muß nicht den rechten Ton gefunden haben in seinem Kampf gegen jene verderbliche Neigung nach etwas Besonderem in der Frömmigkeit, welche ihm Schritt für Schritt den Boden abgewann. Schon ziemlich früh scheint eine Verbindung zwischen Dargun und Herrenhut bestanden zu haben 1 ). Mehr noch waren es jene weitverbreiteten Lehren vom 1000jährigen Reich und besonders von der Wiederbringung, in welcher Augusta jetzt Trost suchte, und denen sie sich bald rückhaltlos, wenn auch nicht öffentlich, hingab.

Leider ist uns der Briefwechsel zwischen Augusta und ihrer Schwester Gräfin Christine v. Stolberg nicht zugänglich gewesen: Aus ihm müßte sich ein klares Bild dieser Stimmungen und Bestrebungen ergeben. So sind wir einstweilen auf das beschränkt, was gelegentlich und andeutungsweise emanirt. Von Christine steht fest, daß sie nicht nur für ihre Person bis an ihr Ende die Ewigkeit der Höllenstrafen verwarf, sondern auch mit Johann Wilhelm Petersen, dem hauptsächlichsten Vertreter der Apokatastasis, in regem Briefwechsel stand und ihn zu ihren Gewissensräthen zählte. Auch Augusta hat persönliche Beziehungen zu ihm unterhalten. Das geht hervor aus ihrem Briefwechsel mit dem Sohn dieses "weit berühmten Doctors der heil. Schrift", dem Baron August Petersen von Greiffenberg 2 ), nach dem Tode des Freundes, den sie "allezeit sehr lieb und werth gehalten habe wegen seiner großen Erfahrung und ausnehmenden Gottseligkeit, auch anderen Gaben, damit er in der Erkenntniß der Wahrheit vor vielen Andern von Gott ist begnadiget worden". Der Sohn dankt ihr für die seinem Vater er=


1) Aus dem Nachlaß der Prinzessin bewahrt das Schweriner Archiv die Abschrift eines Briefes von Zinzendorff vom 22. November 1731, sowie Nachrichten über die Organisation der Herrenhuter Gemeinde, welche in Dargun am 20. Februar 1732 eingetroffen sind.
2) Schweriner Archiv, Apanagialacten der Prinzessin (v. J. 1727 und 1728).
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wiesenen hochfürstl. Hulden und Gnaden, die sie ihm verschiedene Jahre vor seinem Ende und beständig bis an dasselbe erzeiget. Auf die Bitte um Rückgabe einiger "Handbriefe von Unserer Frau Schwester Christine zu Gedern Liebden an den seel. Herrn Vater" erwidert er, er habe noch 3 Briefe gefunden, worunter einer von Christine (also wohl 2 von Augusta!); die übrigen wolle der Pächter schon an Hellwig geschickt haben.

Hellwig war nämlich der Vermittler dieser Correspondenz und offenbar die Seele der damals in Dargun herrschenden schwärmerischen Gottseligkeitsbestrebungen.

"Jacob Christian Hellwig. Blumberg. - March." ist am 24. Juni 1703 unter dem Rectorate Fechts zu Rostock immatriculirt worden 1 ). Im Jahre 1715 finden wir ihn in Güstrow, wo er als Pagenhofmeister oder als Informator scheint Anstellung gefunden zu haben. Auf den hochfürstlichen 85 jährigen hohen Geburtstag der verwittweten Herzogin wollte er "seine demüthigste Gratulation in allertiefster Unterthänigkeit ablegen" in einem langen gereimten Lobliede 2 ) auf die Herzogin und ihren verstorbenen Gemahl.


1) Nach gütiger Mittheilung des Herrn Dr. Hofmeister in Rostock. - Sein Name findet sich unter den Respondenten von Krackevitz Sylloge und in derjenigen von Fecht, beide 1705, wo er als Berolinensis bezeichnet wird. In demselben Jahr gab er eine von Z. Grapius verfaßte Abhandlung "contra autores des Geheimnisses der Wiederbringung" heraus als Inaugural=Disputation.
2) Schweriner Archiv, Fürstl. Haus. XVI b. Augusta, die Erbin von Gustav Adolfs "Fürstengeist", besingt er darin folgendermaßen:

Und Du, Durchlaucht August', darff sich die Feder rühren,
Die Furcht und Scham zugleich in Demuth angeflammt,
So laß mich Deinen Thron zugleich mit gratuliren,
An diesem hohen Fest, das selbst vom Himmel stammt,
Laß einen Blick zugleich durch Deine Augenballen
Auf meine Niedrigkeit und schlechte Zeilen fallen.

Zwar blendt Dein Fürstenglantz mein dunkles Augen=Licht,
Der durch Großmüthigkeit und tausend Helden=Gaben
Gleich wie ein heller Blitz durch schwarze Wolken bricht,
Daß hohe Häupter selbst ein wahres Muster haben,
So Weißheit, Majestät, ja allen Ruhm der Welt
Als wie ein Wunderwerck in sich entschlossen hält.

Dein Ruhm bedarff es nicht, es ist auch nicht zu sagen,
Was durch des Himmels Schluß in Deiner Brust gedrückt,
Das Auge schaut mit Luft, doch kann man's nicht ertragen,
Man findet bei ihm Furcht, da man nur Gnad' erblickt,
Es ist, ich weiß nicht was, in Deinem Geist geleget,
Das recht was Göttliches in seinem Anblick heget.
(  ...  )
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Trotz dieser Verse fand er Gnade bei der Prinzessin und wurde von ihr am 28. April 1719 (noch zu Lebzeiten ihrer Mutter) zum Secretär ernannt 1 ). Er hatte das ganze Finanzwesen und einen großen Theil der Correspondenz zu verwalten. Daß er ein sorgfältiger und geschickter Geschäftsmann war, zeigen seine bei den Apanagialacten erhaltenen vierteljährlichen Rechenschaftsberichte. Er hat aber darüber hinaus Jahre lang einen bedeutenden persönlichen Einfluß auf die Prinzessin geübt. Er hat "mit Trotzen und Maulen alles erzwingen können, daß es nach seinem Kopfe gehen müssen" 2 ). Diese Stellung verdankte er hauptsächlich seiner Bereitwilligkeit, die Petersenschen und andere schwärmerische Meinungen zu adoptiren, und der Geschicklichkeit, sie zum eigenen Vortheil auszunutzen. Daß er Petersens Freund


(  ...  )
Laß dann der Thorheit zu, daß Sie sich unterfängt,
Was unbeschreiblich heist, schattirt nur auszudrücken,
Hier findt die Hoheit selbst mehr, als Sie glaubt und denkt,
Weil alle Majestät hie läst den Sitz erblicken,
So daß der Himmel fast recht mercklich prophezeyt,
Dir sey, ich glaube fest, ein Königreich bereit.

Die Nachwelt glaubt es kaum, was wir mit Augen sehen,
Wovon die höchste Kunst doch nicht nach Würden spricht,
Man rühmt von Fürsten offt, was niemals ist geschehen,
Hie ist es Kunst genug. Wenn man sein Amt verricht,
Und vom Original, das alles zeigt im Leben,
Dem todten Contrefait kan ein'ge Gleichheit geben.

Ich schreibe nicht erdicht, die Wahrheit lieget da,
Ein Mecklenburg kann sich zum Zeugen selbst aufstellen,
Der ganze Hof spricht hie ein allgemeines ja.
Ja großer Helden Witz muß selbst dies Urtheil fellen,
Daß Fürstlicher Verstand, ich rede nicht zu frey,
Bei andern nur durch Ruhm, hie in der Wahrheit sey.

Wohlan! so blühe auch, Du Mecklenburgsche Krone,
An diesem Freudentag der theuren Hertzogin!
Gott setze Dich zum Ruhm und Deinen Stuhl zum Throne,
Und gebe bey dem Reich Dir auch erleuchten Sinn,
Ein solches Regiment der ganzen Welt zu zeigen,
Davon kein Alterthum der grauen Zeit mag schweigen.

Mein Geist verstummet zwar; doch bleibt Dein hoher Ruhm,
Dem auch die Kronen selbst ja alle Ehr' erweisen;
Dein Hoff, die Stadt, ja auch das ganze Fürstenthum
Muß Deine Herrligkeit und grosse Gnade preisen,
Drum wird von Jedermann der Schluß mit Recht gemacht,
Es sei AUGUSTA mehr denn Kronen werth geacht.
1) Am 21. März 1729 erhielt er Wegen seiner "Uns bis anhero geleisteten unermüdeten, treuen Dienste" den Titel Hofrath mit einem Gehalt von 70 Thlr. quartaliter, seit 1734 auf 75 Thlr. erhöht.
2) Anon. S. 60. Stieber, Walch. illustr. S. 32, 60.
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war, geht aus dem oben erwähnten Briefwechsel hervor. Stieber und die Darguner stimmen in diesen Anschuldigungen völlig überein. Jener sagt 1 ), daß schon seit 1720 eine verderbliche sectirerische Richtung in Dargun von großem Einfluß gewesen sei und ihn selbst bei Seite geschoben habe. Es sei schon damals "ein Gewirre und Bedruck" in der Hofgemeinde gewesen, ein großes Kirchenübel. Die Darguner aber haben nicht nur in der angeführten anonymen Schrift, sondern im J. 1742 in einem eigenen Anhang zu einer zweiten Schrift desselben Verfassers 2 ) ganz specificirte Aussagen gemacht. Endlich nennt die erste der Darguner Relationen im "Geistlichen Archiv" der Gräfl. Stolbergschen Bibliothek zu Wernigerode 3 ) als Hindernisse der "Ausbreitung des Reichs Gottes" d. h. des Pietismus in Meklenburg: "die ehemalige sog. große Frömmigkeit, so bei vielen noch eine rechte Pest ist: die aller Orten eingerissene Wiederbringungslehre, als welche das ganze dasige Christenthum ausgemachet, die guten Funken ersticket und denen, so solche sonderlich am Hofe getrieben, alles nach ihren Absichten in Verwirrung zu bringen Gelegenheit gemacht; wobei das zugleich getriebene gezwungene (?) Christenthum verschiedenen Weltleuten odios geworden." Ebenso ist in der zweiten Relation 4 ) die Rede von "Leuten, die in dortiger Gegend die Wiederbringung aller Dinge, Erlösung aus der Hölle und andere Petersensche Sätze vertheidigen", wobei unmißverständlich auf Hellwig hingedeutet wird.

Als seinen Gesinnungsgenossen nennen die Darguner "einen gewissen Prediger in Meklenburg", welcher nach Stiebers handschriftlichem Berichte Mag. Hennings in Recknitz war. Stieber erwähnt ebenda Hellwigs Frau. Im Walch. illustr. (S. 87) spricht er gelegentlich von "einem Dürftigen von Adel, namens Pogurisis, so zuvor in der Grafschaft Witgenstein in allen dasigen Lehren und Neuigkeiten erzogen". Es ist das jener im Hofstaat erwähnte Pouresé, vielleicht identisch mit einem in den Rechnungen auftretenden Powitsch. Man wird nicht fehl gehen, wenn man auch ihn


1) A. a. O. S. 13 f., 25, 52, 107, 67.
2) Geprüfte Prüfung oder Untersuchung der sogen. Aufrichtigen Prüfung u. s. w., S. 429 ff.
3) Von unbekannter Hand, aber auf Autopsie beruhend, Frucht einer Reise nach Meklenburg, etwa im September 1740 verfaßt.
4) Vom Mai 1737, von der Hand des Herrn von Caprivi. Ein noch älterer Reisebericht aus Meklenburg von demselben Verfasser, der bereits am 29. Januar 1737 in einem Tagebuch erwähnt wird, scheint leider verloren zu sein.
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zu Hellwigs Kreise zählt. Vielleicht ist auch jener Schumann, den L. Gerhard als Chiliasten nennt, derselbe, welcher in Dargun als Hofstaatinformator lebt. Er wurde hier 1730 angestellt "wegen seiner guten Wissenschaft im wohleingerichteten Schulwesen, sonderlich aber auch wegen seiner angerühmten Erfahrung im rechtschaffenen Wesen des Christenthums". 1 ).

Was nun die lehren Hellwigs betrifft, so hat er (nach Aussage der Darguner) 15 und mehr Jahre lang "die Seelen im Circul herumgeführt". "Bald hat man ihnen bei der Einsicht ihrer vermeinten Geheimnisse das Zeugniß gegeben, daß sie nun Bräute des Lammes wären, bald aber auch ihnen solches, wenn der Kopf nicht gestanden, hinwieder abgesprochen und sie auf solche Weise vergeblich gequälet, geäffet und aufgehalten." Neben Wiederbringung und 1000jährigem Reiche lehrte er eine "himmlische Menschheit des Erlösers nebst der, so er aus Maria angenommen". Unmittelbare Offenbarungen spielten eine große Rolle. Er selbst behauptete welche zu haben, deren Ergebnisse "Aussprachen" waren. Er schrieb diese auf groß Regal=Papier sauber auf 2 ). Dann wieder hatte er Erscheinungen, durch die ihm in lateinischer Sprache wichtige Dinge offenbart wurden. Die heilige Schrift erklärte er in willkürlichem Allegorisiren und nannte die ordentliche, gründliche Erklärung abschätzig "philosophiren". Dazu trat völliger Antinomismus: Glaube könne auch bei offenen Schanden und Lastern bestehen; Gesetz müsse man nicht predigen, sondern nur Liebe, und mit dem Ungläubigen in Freundschaft leben: "Gott werde seine Creatur schon selbst retten, wenn erst die Zeit da sei". "Sie wollen, man solle sich an das Wort Gottes halten ohne Erfahrung von Buße, Glaube, Rechtfertigung etc . in der Seele. Unsere symbolischen Bücher nennen sie spottweise den Scheffel, worunter das Licht steckt. Obrigkeitliche Gewalt und die Stände überhaupt halten sie für unrechtmäßig (?), und hegen mit einem Wort fast alle anabaptistische Irrthümer." Hellwig empfahl dabei die Petersenschen und L. Gerhardschen Schriften, die Berleburgische Bibel 3 ), die Schriften des englischen Böhmianers Bromberg und anderer "unordentlicher Separatistischer Geister" wie eine Pièce:


1) Sein Gehalt betrug neben freier Wohnung und Garten - jährlich 30 Thlr. ! Dabei war er verheirathet. Einmal erhielt er die Präsentation zu einer Pfarre. Er hat sich, wie es scheint, später der pietistischen Bewegung nicht angeschlossen.
2) Leider sind bei den Acten keine davon erhalten.
3) Die Wahrheit dieser Angabe erhellt aus den Rechnungen in Augusta's Apanagialacten. Schwer. Arch.
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"Grund und Summa der Lehre der Wahrheit nach der Gottseligkeit . . . . nebst dem Geheimniß der Weisheit", aus welcher Sätze angeführt werden, welche die gnostische Ansicht von der Ehe enthalten, die damals weit verbreitet war unter den Schwärmern 1 ). -

Wir können nicht nachweisen, wie weit alle diese einzelnen Angaben begründet sind, in denen schwärmerische und orthodoxistische Sätze in räthselhaftem Durcheinander auftreten. Weder Hellwig noch die Prinzessin haben je ja oder nein dazu gesagt. Jedenfalls ist die allgemeine Richtung seines Einflusses außer Zweifel. Es handelt sich um den ausgesprochen kirchenfeindlichen, sogen. Laienpietismus. Schon damals war Dargun eine Station für allerhand gottselige Reisende und fromme Industrieritter, an denen jene Zeit so reich war. Angebliche Propheten wurden von Hellwig brüderlich aufgenommen, gehauset und verpflegt. Einer davon (ein Bauer) wurde jedoch als im Kopfe verwirrt erkannt, und zwar daran, daß er einem Manne öffentlich die Perruque abriß mit dem Vorgeben, es sei Sünde dergleichen zu tragen 2 ). Uebrigens für jene Zeit doch kein über allen Zweifel erhabenes Kennzeichen geistiger Gestörtheit. Wenigstens hat Aepinus noch am 10. August 1725 in einem ausführlichen Gutachten beweisen müssen, daß es keine Todsünde sei, wenn ein Pastor und Rector Communicanten oder Schüler zulasse mit Perruquen, geschwänzten Haaren oder blauen Mänteln.

Leider geben auch die handschriftlichen Documente von Hellwigs religiösem und theologischem Verkehr mit der Herzogin keinen näheren Aufschluß bezüglich seiner Lehre. Dennoch verlohnt es sich einen Blick auf diese Denkmäler der Frömmigkeit und Gelehrsamkeit einer meklenburgischen Fürstentochter zu werfen.

Augusta verstand zwar nach ihrer eigenen Aussage kein Latein, aber seit 1710 3 ) hatte sie begonnen das Griechische zu lernen um das Neue Testament in der Ursprache lesen zu können 4 ). Ja sie hat sogar, die Elemente des Hebräischen erlernt. Die Zeugnisse ihres erfolgreichen Fleißes sind in


1) Ritschl, Gesch. des Pietismus, I., S. 427 ff.
2) Geprüfte Prüfung, S. 433.
3) Delitzsch a. a. O., S. 102.
4) Die Neigung das Neue Testament im Urtext zu lesen war dazumal häufig bei gebildeten Laien, so daß der Buchhändler Lipper in Lüneburg schon 1693 ein griechisch=deutsches Lexicon herausgeben konnte für "Teutsche, welche sonder vorhergehende mühsame Begreiffung der Lateinischen Sprache" den Grundtext wollten verstehen lernen (Großh. Bibl. in Ludwigslust), - besonders bei Frauen. Vgl. Kramer, A. H. Francke, I, S. 133, 181.
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der Rostocker Universitäts=Bibliothek 1 ) aufbehalten und schon von Delitzsch benutzt worden. Derselbe schreibt einen Theil dieser Arbeiten der pietistischen Zeit zu. Ich weiß nicht, auf welche positive Angaben er sich dabei vielleicht stützt. Die Handschriften selber zeigen nirgends eine Jahreszahl. Ihrer übrigen Beschaffenheit nach können sie nur zum kleinsten Theil später als zur Zeit der Blüthe Hellwigs entstanden sein. Zwar über eine Reihe von Jahren müssen sich diese Arbeiten erstreckt haben; das zeigt schon ihr bedeutender Umfang. Sie bestehen aus einem alphabetisch angelegten Vocabelbuch in Folio zur griechischen Uebersetzung des alten Testaments (LXX); aus Präparation und Uebersetzung sämmtlicher Evangelien und Episteln des Kirchenjahrs nebst einigen anderen wichtigen Stellen der Schrift; aus Uebersetzungen der damals als Schullectüre dienenden Homilien des Macarius, aus ausführlichen exegetischen Abhandlungen über Röm. 9, Joh. 6 u. a. m. Ferner hat Delitzsch auch darin ohne Frage recht gesehen, daß diese Arbeiten in zwei verschiedenen Perioden ihres Lebens von der Prinzessin verfaßt sind. Nur so erklärt sich die Verschiedenheit ihrer eigenen Handschrift, die anfangs schön und zierlich, später ausgeschrieben und weniger sorgfältig ist. Ohne Uebergang stehen beide Schreibweisen nebeneinander, wie sich am besten an dem LXX=Lexicon beobachten läßt. In demselben Buche nun treten auch zwei verschiedene Handschriften ihrer Lehrer auf, von welchen die spätere Hellwigs Hand ist. Nach ihrem Aufhören ist die Arbeit nur in unbedeutender Ausdehnung fortgesetzt. Daraus folgt, daß Augusta nach Elementarstudien in Güstrow diese Arbeiten mit voller Energie unter Hellwigs Leitung in Dargun wieder aufgenommen hat. Eben dasselbe zeigen Notizen in den beiden andern Büchern. An Stellen nämlich, welche von Augustas Hand geschrieben sind, liest man zuweilen: "dieses übersetzet von Mons. H.", oder: "merkliche Redensart, welches der H. H. hinzugesetzet", oder bloß: H. H. = Hofrath Hellwig. - Später ließ die pietistische Bewegung der Fürstin wenig Muße zu solchem zeitraubenden gelehrten Beschäftigung.

Aus den theologischen Abhandlungen hat Delitzsch einige Proben mitgetheilt. Es ist natürlich schwer zu sagen, wieweit die Fürstin selbständig gearbeitet hat, und wieweit hier Aufzeichnungen aus und nach Vorträgen ihrer Lehrer vorliegen 2 ).


1) Mss. Mekl. B. 501, 502, 503.
2) Die Abhandlung über Joh. 6 dürfte z. B. aus Bibelstunden geflossen sein, welche der Hofprediger Zachariae Anfang 1743 auf Befehl der Fürstin über die Reden Jesu nach Johannes gehalten hat.
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Der Geist frommer Rechtgläubigkeit geht durch sie alle hindurch. Die eigenthümliche Lehrweise der späteren Darguner tritt so wenig hervor, als die Irrthümer, welche Hellwig vorgeworfen werden. Wohl aber erkennt man in dem, was Hellwig sicher zugehört, eine Neigung zu abstrusen, etymologischen Spielereien, frostige prätentiöse Reflexionen über den Nutzen der griechischen Sprache, einen weitschweifigen, altklugen Stil und eine auffallende Unfähigkeit, "erbauliche" Bemerkungen zu machen, Frömmigkeit als Stimmung zum Ausdruck zu bringen, - Züge, welche übereinstimmen mit dem, was sonst über ihn feststeht, wie auch mit dem Charakter seiner Schriften.

Der Hofprediger Stieber war gegen diesen übermächtigen Günstling machtlos. Grollend sah er zu, wie ein "vermessener, unerfahrener, ehrsüchtiger und eigennütziger Bedienter" sich die Dargunsche Einsamkeit zu Nutze machte, "indem er bei seinem wankelmüthigen Sinn in Religionssachen, unter solchem heiligen Scheine lauter Parteilichkeit und Banden machte, zu seinem größten Vortheil, aber zu desto größerem Nachtheil der Herrschaft. - Es kam dahin, daß unterm Vorwand der Pietät, oder wie man zu reden pflegte: das Gute zu befördern, allmählich mehr und mehr das fürstliche Gemüth von der Liebe des evangelischen Kirchen= und Lehramts bei immerwährendem Tadeln, Richten und Lästern, auch durch heimliche Unterredungen und Winkelpredigten der Hauptperson dieses verlarvten Spiels möchte abgezogen werden zu ihrem Interesse und Absichten". Indeß trotz alledem verblieb Stieber in Dargun, ein Repräsentant der Orthodoxie, welcher, von dem wärmeren Anhauch des Pietismus keineswegs unberührt geblieben, doch keinen Glauben für seinen Glaubenseifer fand. Sein unzuverlässiges, intriguantes Wesen machte ihn zuletzt bei allen Parteien verhaßt.

Leider waren die übrigen Vertreter der herrschenden Richtung, welche in den Gesichtskreis der Prinzessin fielen, nicht geeignet diesen Schaden gut zu machen. Wir kennen ihr Urtheil über den Senior Hahn in Güstrow. Seine spätere Polemik ist wenigstens nicht fein. Die Gutheißung auch des elendesten Machwerks, wenn es nur gegen den Pietismus gerichtet war, kann ihm nicht zur Empfehlung gereichen. Kühl bis ans Herz hinan erscheint der Präpositus des Darguner Cirkels, (v.) Suckow in Neukalen, von tadelloser Loyalität und Orthodoxie, ein Mann des Prinzips und der Paragraphen. Die ihm untergebenen Pastoren aber waren theils alt und

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abgängig, theils bekommt man von ihren Persönlichkeiten im Verlauf der Geschichte einen so wenig günstigen Eindruck, daß die Geringschätzung, welche die Fürstin ihnen widmete, verzeihlich erscheint.

 


 

III.

Die fremden Prediger.

In Wernigerode war unterdessen der Pietismus, welcher in seiner Spenerschen Gestalt durch den Hofprediger Neuß begründet worden war (1695), ins zweite Stadium getreten. Joh. Liborius Zimmermann wurde 26jährig zum Hofprediger berufen und vertrat mit großem Erfolg den späteren Halleschen Pietismus. Eine große Erweckung fand statt, die wenigstens im gräflichen Hause bleibende Folgen hatte. Christinens Sohn, Christian Ernst, und wieder sein Sohn, Henrich Ernst, "der geistliche Herr", repräsentiren in der ansprechendsten und reinsten Weise beide Formen des Pietismus. Der Segen ihrer Frömmigkeit ist dem Hause und der Grafschaft Stolberg=Wernigerode bis heute erhalten geblieben. Mit beiden, dem Neffen wie dem Großneffen, stand Augusta in einem regen und innigen Verkehr. Bei einem Besuch des älteren Grafen im Jahre 1733 erbat sie von ihm "einige tüchtige, gottesfürchtige Subjecta" für zwei vacante Pfarren ihres Patronats.

Die von dem Grafen empfohlenen Candidaten erschienen. Bereits durch ihre ersten Predigten lernten "Serenissima und verschiedene Hofbedienten . . . den Unterschied der Rührungen und einer wahren Bekehrung kräftig einsehen und rangen bis zur Versicherung der Vergebung der Sünden . . . . Als die Prinzessin . . . . überzeugt worden, ihr bisheriger Zustand sei nur Rührungen gewesen, hat sie ferner geforschet, auf den Ernst und dessen Wirkung bei denen, so zu gleicher Ueberzeugung gelanget, genau Acht gegeben, und als ihr der treue Gott das Sendschreiben an den Bischof von

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Laodicaea nach dem Nachdruck des Grundtextes lebendig gemacht, hat sie solches als die Beschreibung ihres Zustandes mit vielen Tränen Anderen bezeuget, und nicht eher geruhet, bis sie sich entschlossen, da ihr nur Tod oder Leben vorgehalten wurden, letzteres zu erwählen, auch mit Verlust alles Ansehens bei Menschen und dergleichen", (1. Relation im geistl. Archiv zu Wernigerode.)

Dies ist die Bekehrung nach dem Schema des "Bußkampfes", welche die Prinzessin erfahren hat.

Seit der Zeit war sie nicht nur persönlich getrost, voll Friedens und ihres Heiles gewiß. Sie setzte ihre ganze mächtige Energie daran, um in Consequenz dieser, im 59. Jahr erlebten Umwandlung die gleiche Wohlthat auch ihren Verwandten und Bekannten, Bediensteten und Unterthanen zu Theil werden zu lassen. All ihre Kraft und Zeit wandte sie auf dies Werk, das sie durch Regierungsmaßregeln (besonders durch Ausübung des Kirchen= und Schulpatronats), durch eine ausgedehnte Correspondenz und persönliche Einwirkung zu fördern suchte: "Ausbreitung des Reiches Gottes in Meklenburg". Sie vergaß darüber nicht für ihre eigene Seele zu sorgen. Niemand konnte treuer sein im Besuch des öffentlichen Gottesdienstes wie der privaten Erbauungsstunden. Staunenswerth ist ihre Belesenheit in der Schrift. Bis in ihr hohes Alter (sie erreichte das 82. Jahr) blieb sie voll Liebe für die Ihren, voll treuer Fürsorge für ihre Umgebung, mildthätig gegen Arme und Elende, brennend im Eifer für das Reich Gottes, dem einmal eingeschlagenen Wege getreu.

Wie auch das Urtheil ausfallen mag über den kirchlichen und theologischen Werth der Lehre, welcher sie anhing, der Lehrer, unter deren Einfluß sie stand -: die Prinzessin von Dargun hat in der Form dieses Pietismus erst die lebendige, christliche Frömmigkeit gefunden, und was in ihr wirksam war in selbstlosem Eifer für ihren Heiland und die durch ihn Erlösten, das ist der ewige Gehalt des Christenthums, die göttliche Macht des heiligen Geistes, soweit menschliche Augen darüber Gewißheit haben können. Die Lauterkeit und Wahrheit ihrer Frömmigkeit war durch das Urtheil über Theologie und Praxis ihrer Pastoren nicht berührt.

Mag Stieber mit Recht darüber klagen, daß der Hof sich nicht früher auf seine und der frommen Prediger zu Güstrow Predigt hin bekehrt habe, daß man nun die Schuld auf die Prediger schiebe statt auf die eigene Hartherzigkeit,

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ja sich nicht entblöde zu reden, als wenn alle meklenburgischen Prediger "unbekehrte Priester", ihre Verkündigung "todter Buchstabe" gewesen sei. Wie gewöhnlich und wie so ganz menschlich ist diese Irrung, daß kräftig Erweckte so völlig in die Gewalt dessen kommen, der sie erweckt hat, daß sie in der Schätzung der übrigen Diener am Wort, ja der ganzen Kirche den rechten Maßstab verlieren! Verbindet sich doch immer wieder natürliche Sympathie und das ästhetische Urtheil mit dem geistlichen zu einem halbwahren Geschmacksurtheil, wo nicht klare, durchreflectirte Ueberzeugung die Herrschaft bewahrt! -

Die Begebenheiten im Einzelnen sind folgende:

Kaum eine Viertelstunde vom Darguner Schloß liegt das Dorf Levin. Der dortige Pastor war 1732 verstorben. Bei der fürstlichen Patronin ging eine Bewerbung nach der andern ein; gar beweglich bittet J. H. Lockewitz aus Satow, der bereits an mehreren Stellen Hauslehrer gewesen ist, ihn "armes Waysenkind" zu präsentiren. Aber die Prinzessin war entschlossen, fremde Candidaten aufzustellen. "Fast von allen Orten her" sind "christliche Subjecta gesuchet worden". Zwei "von einem vermeintlich sicheren Orte" vorgeschlagene haben fettere Pfarren erhalten - einer von diesen war der gefährliche Tuchtfeld; doch war dieser schon ins Wittgensteinsche berufen. So wurden denn die von Wernigerode empfohlenen Candidaten präsentirt, "zwei geübte und geschickte Subjecta, die Uns ihrer ungefärbten Gottseligkeit wegen von guter Hand gar sehr sind angerühmt worden", Jacob Schmidt und Henning Christoph Ehrenpfort. Beide hatten sich erst auf der Reise kennen und als gleichgesinnte Diener Eines Herren lieben gelernt. Miteinander wurden sie von dem Superintendenten Schaper zu Güstrow examinirt 1 ) und am 3. Ostertage präsentirt. Die Motive der Auswahl waren beim Volk dieselben, welche es heute bestimmen: "der Haußmann pfleget meistens auf die Stimme zu sehen"; man machte gelegentlich den Umstand, daß ein Candidat gewählt war, als Beweis geltend dafür, - daß er eine starke Stimme habe. Schmidt, von der Gemeine erkoren, wurde von Schaper


1) Dies Tentamen fand nicht immer vor der Wahl statt; der kaiserl. Commissarius stellte in Baumgarten drei untentirte Candidaten auf; P. Herder zu Dobbertin hatte in seiner Vocation die Bedingung: "falls er im Examen tüchtig befunden würde"; ebenso in mehreren anderen Fällen im Klostergebiet. (Mss. Mekl. der Rost. Univ.=Bibl. H .41, Nr. 12.)
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eingeführt und erhielt unter dem 7. April 1733 von der Fürstin eine schriftliche Vocation. Sie betonten derselben, daß sie "nicht ohne sonderbare Direction des großen Gottes und der gnädigen Bewegung seines guten Geistes" ihn aufgestellt habe. Das Gnadenjahr der Wittwe reichte noch bis zum XI. p. Trin.; soweit ist wenigstens vom Präpositus die Aufwartung bestellt gewesen. Bis dahin besoldete die Fürstin Schmidt aus eigenen Mitteln, ersetzte ihm auch später, als er die Landwirthschaft anfaßte, die Kosten der Einsaat, c. 150 Thaler. Auch pflegte sie jeden neu angestellten Prediger einzukleiden (c. 50 Thlr.) und trug die sämmtlichen Präsentationskosten.

Jacobus Schmidt war geboren den 11. Juni 1701 zu Wassersleben im Wernigerödischen. Er hatte in Wittenberg studirt. Wir finden ihn 1732 als "Catecheta auf dem Lande", seines Vaters vacirende Pfarre verwaltend, ohne jedoch sein Nachfolger zu werden. Seine Gegner wollten das auf "seine widrige Conduite und gantz besonderes Naturel" schieben, aber Graf Stolberg erklärte selbst (an Carl Leopold 5. October 1736), daß er ihm nach Landesconstitutionen, trotz Anhaltens der Gemeinde, seines Vaters Pfarre nicht habe geben können, aber ihn darum nicht von andern habe ausschließen wollen. Daß er in Wittenberg studirt hatte, machte ihn zur Anstellung unfähig. Denn den brandenburgisch=preußischen Theologen war der Besuch dieser Universität seit 1662 untersagt (erneuert und verschärft 1729 und 1736), und im Wernigerödischen, das seit 1714 enge mit Preußen verbunden war, richtete man sich strenge nach dieser Verordnung 1 ). Stieber sagt von Schmidt, er sei, ob er gleich das Ansehen nicht so habe, dennoch älter als sein Schwager Ehrenpfort, etwas gelehrter, habe auch im Amte den Vorzug und predige, "so er recht darauf meditire, mehrentheils gründlicher" als dieser. Er bemühe sich "subtiler und verborgener zu sein". Er hat sich im späteren Streit thunlichst zurückgehalten. An der Polemik hat er sich nur durch Abfassung eines Theils der Dargunschen Schutzschrift betheiligt. Nur eine Predigt ist von ihm erschienen. Doch kann man annehmen, daß Ehrenpfort's Arbeiten nicht ohne seine Beihülfe entstanden sind. In den Verhören vor dem Consistorium macht er den Eindruck eines vorsichtigen und scharfsinnigen Mannes 2 ). -


1) Nach gütiger Mittheilung des Herrn Archivrath Dr. Jacobs in Wernigerode.
2) Im Jahre 1759 wurde er Präpositus zu Gnoien, (  ...  )
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Die ebenfalls benachbarte Pfarre zu Groß=Methling galt damals für eine "schlechte Pfarre", eine Pfarre, "wobei nur das Kummerbrod ist". In der That wurde sie 1735 nur mit 35 Schill. zur Reichssteuer (Römermonate) herangezogen 1 ). Bereits seit zwei Jahren war der alte Pastor Holst zu Gr. Methling unfähig, sein Amt ordentlich zu versehen; den Gottesdienst hielt längst der Küster; der Pastor verwaltete die Sacramente in seinem Hause. Nun machte ein Schlaganfall ihm auch das unmöglich. Die Berufung eines Adjunctus konnte nicht länger hinausgeschoben werden. Die Fürstin stellte den "abgegangenen" Ehrenpfort auf, zugleich mit "einem alten und im Christenthum wohlerfahrenen Schulmeister" Adam Schumann (dem Hofstaat=Informator) 2 ). Ersterer wurde gewählt, eingeführt und unter dem 26. April 1733 vocirt "wegen seiner von Gott empfangenen geheiligten Gaben und sehr gründlichen Erfahrung des thätigen Christenthums".

Dieser zweite fremde Prediger stammte aus Peina im Stifte Hildesheim, wo er auch bis dahin als Informator gestanden. Er war damals etwa 28 Jahre alt und von auffallend hoher Gestalt. Graf Stolberg entschloß sich nur, ihn herzugeben, weil er ihn, der seiner Länge halber schon unterschiedliche Male von den Werbern verfolget worden, nicht wohl conserviren konnte. Jünger, feuriger, leidenschaftlicher als Schmidt, gab er mehr Anstoß und fand mehr Anerkennung. Er ist "teutscher" und "schläget öfters massiver heraus" (Stieber). Persönlich genoß er die Gunst des Darguner Hofes in noch höherem Maße als Schmidt. Diese größere Gunst wird aber wohl nicht nur darauf zurückzuführen sein, daß er häufig und gar natürlich von der geistlichen Braut=Liebe vorm Frauenzimmer gepredigt, als er zur


(  ...  ) wo er am 5. März 1777 verstarb. In seiner zahlreichen Nachkommenschaft sind unserem Lande eine lange Reihe der tüchtigsten Männer, besonders Juristen und Theologen erwachsen. -
1) Während Rökenitz 1 Thlr. 7 Schill., Altkalen 1 Thlr. 24 Schill., Hohenmistorf 1 Thlr. 31 Schill. 6 Pf., Gorschendorf 1 Thlr. 43 Schill. 6 Pf., Brudersdorf 2 Thlr., Jördensdorf 2 Thlr. 5 Schill., Levin 2 Thlr. 24 Schill., Polchow sogar 3 Thlr. 39 Schill. 6 Pf. abgaben. (Schorrentiner Currendenbuch.) Doch ist nicht jedesmal erkennbar, ob die Abgabe des Colonus eingerechnet ist, welche z. B. in Rökenitz noch 14 Schill. extra betrug. - Eine ähnliche Anschauung von den Besoldungsverhältnissen der Pfarren der Neuenkalenschen Präpositur giebt die Repartitionstabelle der Beiträge zu den Kosten eines "Superintendenten=Wagens" (Vorspannpferde mußte der Ort liefen, welchen der Superintendent besuchte).
2) Gr.=Methling war also damals noch Wahlpfarre.
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Heirath schreiten wollte, wiewohl ihm allerdings eine Neigung zu derlei Bildern eignete. Er war der streitbarste und fruchtbarste der Darguner Prediger. Seine zahlreichen Schriften sind von sehr verschiedenem Werthe. Im Ganzen wird Stieber so Unrecht nicht haben, wenn er meint, es habe ihm am "genugsamen theologischen Erkenntniß" gefehlt 1 ). -

Mittlerweile war auch Pastor Fabricius zu Rökenitz dienstunfähig geworden. Weil "von vielem Meditiren und Mediciniren sein Körper als ein 64jähriger Mann, der ohnedem schon zur Colic und Steinschmerzen geneigt ist, immer mehr und mehr verdorben werde", bat er im Februar 1733 "unterthänigst und wehmüthigst" die Prinzessin wolle mit ihm "eine gnädigste commiseration tragen" und in ihrer "hochangeborenen, fürst=mildesten mütterlichen Gnade" ihm einen von seinen beiden Söhnen substituiren. Sie versprach ihm, "gnädigst getreue Fürsorge für die Seinigen zu tragen; und ob es auch scheinen möchte, daß Ihre Durchlauchtigkeit solches in Ihro Herzen verbergen würde, so wollten dieselben dennoch gewißlich daran gedenken". Er starb bereits vor Ehrenpforts Einführung in Gr.=Methling. Die bekümmerte Anna Helena Pritzburen, verwittwete Fabricen, erneuerte die Bitte ihres Gemahls in mehreren Eingaben. Auch die "sämmtlichen Eingepfarrten der Röknitzer Kirche" schlossen sich ihr an, ohne, wie es scheint, einer Antwort gewürdigt zu werden. Dieselben wandten sich nun noch am 19. Mai 1734 an Herzog Carl Leopold, klagend: sie sollten wieder einen "Fremdling", und zwar alleine aufgestellt, erhalten; sie würden "zu ihm kein rechtes Vertrauen und Lieben in Ewigkeit nicht haben und erlangen", und baten um Schutz des Wahlrechts. Sie wünschten einen von den Söhnen des Fabricius. Aber der Herzog wollte sich nicht einmischen. Er übersandte die Bittschrift nicht einmal an Augusta. Bei dieser war durch den Einfluß der Wernigerödischen Prediger noch keineswegs der ältere schwärmerische gebrochen. Beide Richtungen vertrugen sich anfangs. Hellwig hatte sich möglichst an die neuen Prediger angeschlossen, und wenigstens Schmidt war nach seinem eigenen Geständniß auf die Lehren von der Wiederbringung und vom 1000jährigen Reich eingegangen, "so daß er selbst davon an seiner Seelen einige Zeit her Schaden gelitten". So nennt auch die 1. Relation


1) Er ist 24 Jahre in Dargun geblieben. Im Jahre 1757 wurde er Dav. Franck's Nachfolger in Sternberg, feierte da noch sein 50jähriges Jubiläum und starb im 78. Lebensjahre am 1. December 1782, nachdem er seine Generation und seine theologische Richtung überlebt hatte.
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als Hinderniß für die Ausbreitung des Reiches Gottes in Meklenburg u. A.: "die List der Schlange, welche auch die neuen Prediger von der falschen Wieberbringungslehre zu überreden gesucht". Sie waren solchen Versuchungen zugänglich, obwohl gerade die in Wernigerode geltende Frömmigkeit vor andern pietistischen Spielarten den Ruhm dogmatischer Correctheit voraus hat 1 ). Allein ihr völlig auf die Praxis gerichteter Blick sah in jeder Regung eine gute Bewegung: so ließen sie es zu, daß unter ihrem Namen die alten schwärmerischen Elemente sich mehr hervorwagten 2 ). Die Pastoren haben für diesen zeitweiligen Mangel an rechter Nüchternheit bitter büßen müssen. Diese Lage der Sache erklärt es aber, wie die Fürstin die Röknitzer Pfarre zunächst dem "elenden Wiederbringer Mag. Hennings" antragen konnte. Doch Gott "dirigirte sein Herz, die ihm angetragene Vocation abzuschlagen". Nun wurde Ehrenpfort solitarie präsentirt und introducirt. (Vocation vom 18. März 1734.) Bald darauf wurde er auch zum "Hofdiaconus" ernannt, um seinem amtlichen Wirken im Schloß und in der Schloßgemeinde eine rechtliche Grundlage zu geben 3 ). -

Entschieden und schnell auf der betretenen Bahn vorschreitend, beschloß die Fürstin, auch Groß=Methling wieder mit einem Gesinnungsgenossen der neuen Prediger zu besetzen. An ihrem Hofe lebte als Pagenhofmeister der Candidat August Hövet aus Güstrow. Er hatte in Rostock mit einem Stipendium der Prinzessin unter Krackevitz studirt und von diesem ein gutes Zeugniß erhalten. Er war Schwiegersohn des Mag. Hennings. Die Fürstin hatte ein besonderes Wohlgefallen an ihm, da er "in solcher Station (an ihrem Hofe) erst zu Gott gezogen worden", ein Dargunscher Neophyt war. Compräsentirt wurde der nachherige Pagenhofmeister Joh. Bernhard Lange aus Sorau 4 ). Da Schaper unterdessen verstorben war, reisten beide auf fürstliche Kosten nach Schwerin, wo sich Carl Leopold damals aufhielt, und ließen sich von dem Superintendenten Siggelkow und dem Hofprediger Menckel tentiren. Der Herzog gestattete die Präsentation zweier statt dreier Candidaten, und Hövet wurde gewählt. (Vocation vom 28. Juni 1734.) Die Pfarrhebungen


1) Tholuck, Geschichte des Rationalismus. I. Abth., S. 33.
2) Vgl. dazu Anonym. S. 61. Walch. illustr. S. 36, 100.
3) Brief Stieber's vom 22. Januar 1735; doch findet sich kein Concept der Vocation in den betr. Canzleiacten.
4) Gestorben zu Dargun 29. März 1737, nachdem er in großem Segen nicht nur an seinen Schülern, sondern auch in der Gemeinde gearbeitet hatte.
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behielt der Emeritus, der Adjunctus erhielt aus der Hofcasse ein Gehalt von 150 Thlrn. - eine sehr gute Besoldung, wenn man erwägt, daß ein Rostocker Professor damals 200 Thlr. bezog. Nachdem Holst Anfang 1735 verstorben war, behielt Hövet neben dem Genuß der Pfarre sein früheres Gehalt als Zulage. Den Rechnungen der Hofcasse zufolge wurde er auch sonst mit Geschenken reich bedacht. Nicht nur hatte die Fürstin wie immer die Besetzungskosten getragen und ihn eingekleidet: sie richtete ihm auch auf dem Schlosse die Hochzeit aus; 1734 erhielt er zu einem Pferd 22 Thlr., im folgenden Jahre für ein Cariol und Pferd 32 Thlr., 1736 zur Einsaat 12 Thlr. 24 Schill. Auch ein neues Pfarrhaus wurde ihm mit bedeutenden Kosten erbaut 1 ). -

Ueber die erste Wirksamkeit der "Fremdlinge" fehlt es leider an ausführlichen gleichzeitigen Nachrichten, die über jeden Zweifel erhaben wären. Die beiden Relationen im "geistlichen Archiv" sind nicht vor 1737, die erste erst 1740 verfaßt. Manches wird da verblaßt sein, wiewohl ihre. Glaubwürdigkeit im Allgemeinen um so weniger angezweifelt werden kann, als sie mit großer Offenheit der "Nebenmeinungen" gedenken, denen man in Dargun zeitweilig Beifall geschenkt hatte. Leider fehlt aber der Darstellung die Ausführlichkeit. Aelter ist der Abfassung nach Hempel's mit Vorsicht zu benutzende "Unpartheiische und aufrichtige Historie des Kirchen=Zustand es bei der Gemeine zu Dargun im Meklenburgischen von Anno 1733 bis zu Ausgang des Jahres 17 35", welche E. Neumeister im Jahre 1737 mit einer häßlichen Vorrede veröffentlicht hat 2 ).


1) 1752 wurde er nach Brudersdorf versetzt, 1758 Präpositus zu Dargun und Röknitz, 1768 emeritirt, † 1775. Außer einer Predigt (s. unten) und einem Theil der Schutzschrift hat er 1749 und 1757 zwei Abhandlungen über die Namen unseres Heilandes veröffentlicht, die ihm im Neuen und Alten Testament beigelegt werden.
2) Bei G. Th. Adamsen, Ausführliches Antwortschreiben u. s. w. Neumeister war der Meinung, darin "dieser tollen Heiligen eigenes Geständniß" zu haben, von einem, "der der Bußkämpferei selber zugethan ist". Darin freilich täuschte er sich. Andererseits ist wohl auch Rusmeyers Urtheil (Die Kraft Christi, S. 182 ff.) nicht ganz zutreffend, wenn er den Verfasser "ganz unparteiisch" nennt, "einen redlichen Mann, der Gott fürchtet und die Wahrheit liebt", "keinen Feind von obbemeldeten Predigern" und geschickt ihren Sinn recht zu fassen. Aber daß er von Rusmeyer ein "guter Freund" gewesen, ist allerdings richtig. Es war nämlich der Dr. med. Joachim Jaspar Johann Hempel, Practicus in Neubrandenburg. Mit dem Darguner Hof verschwägert - er hatte nämlich eine Kammerjungfer der Herzogin gefreit -, erfuhr er Von der letzteren vielfache Gnadenbezeugungen, zu deren Erlangung sein Freund und Verwandter Hellwig (  ...  )
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Stieber hatte "von vielen Zeiten her" die dortige Mittwochs=Predigt eingehen lassen. Mit seinem Consens wurde dieselbe von den Wernigeröder Candidaten übernommen, und auch fortgesetzt nach ihrer Anstellung in Levin, bez. Gr.=Methling. "Weil sie nun vielen Acceß bei Ihro Hochfürstl. Durchlaucht hatten, proponirte der Herr Pastor Schmidt, daß zur Vereinigung der Gemüther im Christenthum die Privat=Versammlungen und Erbauungen vieles contribuirten. Die hiebei vorfallenden Schwierigkeiten wurden bei Seite gesetzt 1 ) und ward beschlossen, daß Ehrenpfort . . . . alle Montage in dem hochfürstl. Speisesaal eine Erbauungsstunde halten mußte, worinnen Anfangs und beim Ende ein Gesang gesungen und ein beliebiges Capitel aus der heil. Schrift erklärt und ad praxim der Buße und des Glaubens vorgetragen ward. Am Dienstag hielt Herr D. Stieber in der Schloßkirche mit den Kindern ein Katechismus=Examen. Am Mittwoch blieben die Predigten; am Donnerstag hielt der Herr Pastor Ehrenpfort in seinem


(  ...  ) ihm sicher nützlich war. Für eine Disputation, welche er überreichte, wurden ihm 20 Thlr. gezahlt (1733), am 30. September 1734 wurde er zum Hofstaats= und Amtsarzt bestellt (für ihre Person hatte die Fürstin einen Arzt in Hamburg). Er war als solcher verpflichtet, jährlich viermal in Dargun zu erscheinen, wofür er 50 Thlr. erhielt nebst einer jedesmaligen Reisevergütung von 4 Thlrn. extra. Als seine Mutter durch eine Feuersbrunst betroffen worden, erhielt sie eine Unterstützung von 30 Thlrn. Rücksichten der Dankbarkeit mußten darum auf seine Handlungsweise von Einfluß sein. Indeß nach dem Zerwürfniß zwischen Hellwig und den Dargunern trug der ärztliche Hausfreund kein Bedenken, das, was er gelegentlich erkundet und notirt hatte, ihrem gemeinsamen Freunde Rusmeyer in Greifswald zuzustellen. Von welchem es dann Neumeister erhielt und in den Druck gab. Auf gemachten Vorhalt soll Hempel selbst bekannt haben, "daß er hierunter einen Judas=Tück bewiesen und Unrecht gethan, dem äußerlichen Vorgeben nach solches bereuet und sich anheischig gemacht zu revociren". Auch soll er bezeugt haben, daß er die Relation nur an Rusmeyer geschickt, und zwar nicht zur Veröffentlichung, sowie, daß Manches mit eingeschaltet sei, was er nicht referirt habe (?). (Zachariae an Graf Henrich Ernst v. Stolberg, cfr. Anonym. S. 51 ff.) Hempel hat wohl durch diesen Widerruf sich bei Amt und Brod erhalten wollen. Allein vergebens. Seit Ostern 1738 fehlt er in den Besoldungslisten. Trotz dieses Schwankens kann man ihn als Zeugen nicht ganz verwerfen. Soweit wir ihn controliren konnten, haben wir ihn zuverlässig gefunden. Widerlegt ist er in keinem Punkt. Er war in der Lage zu wissen, was geschah, und hatte kein Interesse, direkt zu lügen. Auch mögen merkwürdige Dinge genug geschehen sein, so daß es nicht nöthig war, welche zu erfinden. Dem Litterarhistoriker der späteren Controverse, J. H. Burgmann, wäre es zugekommen, die Glaubwürdigkeit Hempels ernsthaft zu untersuchen, statt mit Achselzucken daran vorüberzugehen.
1) Durch die oben erwähnte Ernennung Ehrenpforts zum Hofdiaconus.
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Hause eine Erbauungsstunde für seine Gemeinde, worin auch die Durchl. Prinzessin mit denen von Adel, auch einige von dero Bediensten sich mit einfunden. Am Freitage hatte die Durchl. Prinzessin in ihrem Eßsaal wiederum eine Singstunde 1 ), worinnen drei Lieder nur allein gesungen wurden". Durch den "erbaulichen Montag" nun war die Herzogin "bekehrt" worden, ebenso der Hofmeister v. Moltzahn und zwei "adliche Dames" (seine Schwester, die Kammerjunkerin v. Halberstadt, und das Hoffräulein v. Grabau) "nebst unterschiedlichen Bürgern und geringeren Standes". Und dies so, daß sie "von dem Verderben des Herzens empfindlich überzeugt wurden und über ihr Elend Leid trugen, worauf sie Christum im Glauben ergriffen, dadurch sie dann in eine herzliche Freude geriethen und das Zeugniß von der Kindschaft Gottes in ihrer Seele empfingen". Diese nun wurden von Schmidt und Ehrenpfort als "Neu=Bekehrte und Wiedergeborene" angesehen, und jeder dazu gerechnet, der öffentlich und frei sagte, daß er "Buße und Glauben erfahren". "Die liebten sich besonders unter einander, kamen öffentlich zusammen und beteten mit einander". Die andern galten als "Unbekehrte", von ihnen hielten sich die "guten Seelen" abgesondert als von der "Welt", um nicht in ihr Gespräch von weltlichen Geschäften oder gar in Scherz und Narrentheidungen verflochten zu werden und so an ihrem Heil sich zu beschädigen. Die daraus sich ergebende starre Zerfällung der Gemeinde in Bekehrte und Unbekehrte beherrschte auch die Predigt. Auf die Unbekehrten wurde mit hartem Drohen und Schelten das Gesetz angewandt und die Verdammniß vorgestellt, daß sie vor Trauer vergehen, ja Schlag und Unglück kriegen möchten. Dazu kamen unvorsichtige Angriffe gegen die Art der Heilsverkündigung, welche die "Fremdlinge" in Meklenburg vorfanden. Es kam ihnen vor, als ob hier das Werk der Bekehrung nicht genugsam betrieben wäre, ja als ob es völlig unbekannt, ein "Geheimniß" für die armen Gemeinden geblieben sei. Das könnte nur Schuld der Geistlichen sein, dieser unbekehrten Bauch= und Suppenprediger, Wölfe, - Satansapostel. Wenn auch der Gebrauch dieser Ausdrücke auf der Kanzel nicht feststeht, - im täglichen Leben bediente man sich ihrer im Kreise der Bekehrten unbedenklich. Dazu kam das zeitweilige Eingehen auf Hellwigs schwärmerische Ideen und gewisse Willkürlichkeiten


1) Ueber die "Singestunden" vgl. Kramer, Leben A. H. Francke's, II, S. 357. 108.
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in den Ceremonien: Vernachlässigung der vorgeschriebenen Perikopen wie der Gebetsformeln (Vaterunser und Kirchengebet), Verwerfung des Kniebeugens beim Namen Jesu, Abänderungen in der Absolutionsformel, die Einführung ungewohnter Gesangbücher mit "hüpfenden Melodien und zweideutigem Inhalt" 1 ); an Unsicherheit und Inconsequenz leidende Versuche energischer Kirchenzucht, die nicht an der "Erläuterung der Kirchen=Ordnung" von 1708 orientirt waren; endlich die "erste Hitze und Unerfahrenheit im ersten Jahre ihres Amts bei gutem Wetter und Glück."

"Da sich bald anfangs einige Seelen gründlich zu Gott bekehrten, verdroß es den Feind; als Zauberer, Trunkenbolde, Ehebrecher und die Neues bringen wurden sie verschrieen, auch von Kanzeln" (2. Relation). Den letzten Vorwurf hatten sie lediglich sich selbst zuzuschreiben: sie waren es, die eben ihre Lehre als eine andere (und somit neue) der landesüblichen gegenüberstellten. Der Verdacht der Zauberei entstand durch Zusammenwirken ihrer seltsamen Ausdrücke, der fremdartigen Frömmigkeitszustände und des grenzenlosen Aberglaubens. Hat man doch noch 1744 alles Ernstes eine Untersuchung angestellt, ob im Dargunschen Bekehrungspulver in Bier oder Zettel auf Butterbrod eingegeben würden 2 )! "Die Einfältigen (unter denen, welche sich bekehrten) gaben ebenfalls Gelegenheit zu vielen Lästerungen. Denn wenn sie in Traurigkeit über ihr Sündenelend waren und in solchem Zustand bisweilen ausgingen, so hieß es von ihnen, daß sie Jesum suchten. Geschah es, daß sie an einem Ort, da sie dann waren, eine Freude in ihren Seelen empfunden, da hieß es dann: sie hätten Jesum gefunden, da denn der eine ihn auf dem Wege, der andere auf der Wiesen, noch andre anderswo angetroffen, wodurch gräuliche Lästerungen entsprungen. Dieses gab auch Gelegenheit, daß von vielen Erscheinungen geredet ward, wozu aber die lieben einfältigen Seelen Gelegenheit gaben, als welche die Freude in Christo mit bildlichen Ausdrücken an den Tag gaben. Und da sie mit denjenigen, die nicht gleichen Sinnes waren, nicht gerne umgingen und allerlei Redensarten sich haben entfallen lassen, so ist dadurch ein Haß erweckt".


1) Petersen's Stimmen aus Zion, das Wernigerödische und das Tundersche Gesangbuch.
2) In einem aus Friedberg in der Wetterau datirten Bericht heißt es, daß die Salzburger Emigranten von den Katholiken u a. "Brieflein=Fresser" gescholten wurden (Hagenbach, K.=G. des 18. und 19. Jahrhunderts, 1848, S. 64).
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Hempel berichtet einen Fall, der den Mangel an geistlicher Nüchternheit bei den neuen Predigern und ihren schnell geworbenen Anhängern treffend illustrirt. "Zu der Zeit begab sich, daß ein Bäcker in Dargun (es war der Hofbäcker Görtz) sammt seiner Frauen in melancholische Raserei verfiele, als die bereits lange Zeit uneinig gelebt hatten. Wie sie nun geschrieen, daß sie verloren und verdammt wären, haben die Bekehrten nicht weislich geurtheilt und gesagt: sie wären in dem Bußkampf, weswegen auch der Herr Pastor Ehrenpfort hingehen müssen. Wie er sie nun in vorgemeldten Umständen gefunden, hat er sie, wie gesagt wird, gelassen" (d.h. er urtheilte ebenfalls, daß sie im Bußkampf stünden, den man nicht stören dürfe. Er müsse seine Zeit währen. Je gründlicher er durchgemacht werde, desto besser. Vorzeitige Tröstung könne das ganze Werk der Bekehrung vereiteln. An Wahnsinn kam ihm kein Gedanke). "Von dem kranken Mann wird gesagt, daß er auf die Dörfer gelaufen und Jesum gesucht. Die Frau ist in den Brunnen gesprungen, sich zu ersäufen, und wie sie daraus errettet, hat sie, sich zu ermorden, zwo Wunden am Leibe gestochen. Woraus das böse Gerücht entstanden, daß der Engel Gabriel diese Person in Abrahams Schoß tragen wollen, habe sie aber in Brunnen fallen lassen, und was des gottlosen Geschwätzes noch mehr geworden. Diese Leute gehörten zu der Gemeine des Herrn Dr. Stieber's, der sie denn auch fleißig besuchet. Bei dessen freundlichen Zureden und bei dem Gebrauch der Medicamenten des Herrn Dr. Lembken sind sie durch göttliche Gnade wieder genesen".

Der Hofprediger hatte sich anfangs freundlich zu den neuen Predigern gestellt, ja - nach ihrem Bericht - selbst angefangen, ernstlicher Buße zu predigen, und nachher geäußert: er habe nach der anderen Prediger Methode gepredigt. Bald aber habe er sie in Predigten falsche Apostel geheißen, die an der Bekehrsucht laborirten und auf Erscheinungen führten, die betreffenden Sprüche auf sie angewandt und ein vielfältiges Wehe mit größter Heftigkeit über sie ausgerufen, so daß bei dem allem weiter nichts gefehlt, als daß er sie nur mit Namen genannt. Dazwischen deprecirte er wieder und versprach Besserung, und trieb's dann doch weiter (2. Relation). Obwohl er sich seiner Zeit bereit erklärt hatte, die Leitung zweier wöchentlicher Betstunden zu übernehmen, wünschte die Fürstin später, daß der Hofdiaconus die eine halte. In einer Eingabe vom 22. Januar 1735 bat Stieber nun um Schutz bei seinem Amte und seiner

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Vocation; weil bei solchem Vorhaben auch die Einfältigsten merkten, daß limites ecclesiae et sacra möchten turbiret und weitere Folgerungen besorgt werden, könne er die Betstunden nicht eröffnen, ehe Ehrenpfort sich schriftlich reversiret habe, daß bei "angemutheten Betstunden nicht die Absicht sei . . . . daß die weitaussehenden principia und Absichten der sogen. Philadelphischen, Zinzendorfischen, Tuchtseldischen und Wittgensteinischen Secte allmählich eingeführt und die Gemüther unter gutem Schein praeparirt werden sollten". Gewiß ein sehr plumpes Verfahren für einen Hofprediger. Die sachliche Berechtigung wird man ihm jedoch nicht platterdings absprechen können, wenn man sich der Berufungsgeschichte der Pastoren entsinnt. - Am selben Tage noch ward ihm der Bescheid, er sei von Abhaltung der Betstunden dispensirt. Um diese Zeit scheint jene Geschichte mit dem melancholischen Bäcker sich zugetragen zu haben. Wenigstens wurde Stieber "durch die vorfallenden Umstände bewogen" wider allerlei vorfallendes übles Geschwätz und ausgebreitete Erscheinungen heftig zu eifern. Wie er nun dabei nicht allemal auf allen Seiten in göttlichen Schranken blieb, verließen die Vornehmsten unter den Bekehrten seine Schloßkirche fast gänzlich, besonders da sie ihn desfalls vorher erinnert hatten. Es geschah bisweilen, daß, wenn Herr Dr. Stieber zur Kirche gegangen, ihm einige von den Vornehmsten entgegen gekommen, sich in die Kutsche gesetzt und nach des Herrn Pastors Ehrenpfort seiner Predigt gefahren". (Hempel.) Welchen Zorn diese "Wahlfahrten" bei dem Hofprediger erregten, zeigt der Wuthausbruch im Walchins illustratus S. 53 ff.

Bald nach Pfingsten wollte die Prinzessin communiciren. Da stellte Stieber sich "spröde" und begegnete ihr sehr irrespectueuse, nachdem er auch schon bei der vorigen Communion sich gegen Sie höchst unanständig aufgeführt und mit Secten und Teufelslehre um sich geworfen. "Dieses habe Ihre Durchlaucht bei ihrem Beichtgehen sehr geschmerzt, zumal er Ihnen noch dazu bei der Communion den Kelch in den Mund gestoßen, ob aus Versehen oder Vorsatz, lasse man Gott über". Bei diesem letzten Besuche gab er deutlich zu verstehen, er könne sie nicht wohl zum Abendmahl annehmen, ohne daß sie sich kategorisch erkläre. Am Tage darauf meldete er sich krank und unfähig den Gottesdienst abzuhalten; wollte aber denselben Abend verreisen, wenn die Prinzessin mit der Communion warten wolle, u. s. w. Die Kammerjunkerin v. Halberstadt wies er direct ab, weil sie nach Röknitz zur Kirche gefahren (Anonym. S. 84). Da

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er nun schon mehrfach mit seinem Weggang gedroht hatte, auch bezeugt, er habe von hoher Hand ordre auf Alles in Dargun wohl Acht zu geben und Bericht davon zu erstatten, entschloß sich die Fürstin "ohne einiges Menschen An= und Zurathen" und ließ ihm mündlich durch ihren Hofmeister seine Entlassung ankündigen. "Darüber er in große Wuth gerathen, ganz desperat gefragt: wo er denn hin solle? und dem Hofmeister gedroht, daß ihn die Rache Gottes, Donner und Blitz treffen würde" (2. Relation). Er nahm diese mündliche Demission nicht an und erhielt sie dann einige Tage darauf schriftlich (datirt vom 18. Juni 1735, abgedruckt in den Meklenburgischen Jahrbüchern, Bd. 45, S. 97 ff.) 1 ). Wenn man Stieber selbst glauben darf, so haben Junge und Alte bitterlich geweinet, als er "gewaltthätig verdrungen" wurde.

Die Abweisung vom Abendmahl wird in der Entlassungs=Urkunde nicht erwähnt. Stieber (Walch. illustr. S. 79 ff., 147) leugnet direct, daß er die Herzogin 2 ) oder die Frau v. Halberstadt abgewiesen, wohl aber der letzteren Mann, jedoch wegen offenbarer, landkundiger Laster, nicht wegen Kirchfahrens. Es dürfte die ganze Angelegenheit etwas über's Knie gebrochen sein; denn es muß auffallen, daß Zachariae (Bußkampf S. 22) nichts Besseres darüber zu sagen weiß, als: "ist eine Remotion geschehen, so wird eine hohe Standesperson . . . . genugsam Ursach dazu gehabt haben. Wem soll sie denn Rede und Antwort dafür geben? Ist es nicht ein recht unverschämtes Beginnen?"

Stieber wurde von seinem Amte "befreit und gänzlich dimittirt" wegen des von ihm "alle die Jahre unseres Hierseins" erhobenen "beständigen Widerspruchs gegen alle wahren guten und Werke Gottes auf öffentlicher Kanzel mit überaus unanständlichen Ausdrücken und Worten vor dem heiligen Angesichte Gottes" und verweigerter Aenderung, weil sich die Fürstin, nachdem Gott sie "nun den Weg der wahren Buße und des Glaubens geführt, daß sie des Herrn Wege erkennt und darin steht", nicht länger "solcher offen=


1) Zu dem Ganzen vergl. Walch. a. a. O. S. 553 ff. (der jedoch, obwohl er aus Dargunschen Quellen schöpft, von der vorangängigen Neigung der Prediger zur Sectirerei nichts erwähnt), und die schon mehrmals citirte Gegenschrift (Stieber) Walchius illustratus 1742, die nicht ganz zu verwerfen, aber doch sehr vorsichtig zu gebrauchen ist.
2) Daß er aber dieselbe nicht ohne Weiteres habe absolviren wollen, giebt er in dem mittleren seiner drei Berichte bei den Generalacten über die Superintendenten (Schwer. Archiv) ausdrücklich zu!
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baren Lästerung gegen den Herrn und seiner Heilsordnung mitschuldig machen will. Dabei wir Euch übrigens der erbarmenden Liebe Gottes übergeben, daß dieselbe Euch endlich noch als einen Brand aus dem Feuer erretten und Ihr Eure Seele als eine Ausbeute noch davon tragen möchtet".

Er begab sich nach Wismar und wurde von Herzog Carl Leopold zum Superintendenten und Kirchenrath ernannt. Allein er konnte keine Urkunde über diese Ernennung erhalten und sein Amt nicht antreten. Darüber zerfiel er mit dem Herzog und leistete der Aufforderung des Commissarius Christian Ludwig Folge, den Herzog zu verlassen. Doch auch so gelangte er nicht zur Ausübung der Superintendentur, denn die Stände verweigerten ihm die Anerkennung. Er starb als Mitglied des Consistorii 1755. -

In Wiederbesetzung der Hofpredigerstelle war die Fürstin Augusta nicht durch die vielen Umständlichkeiten genirt, welche sonst in den Verhandlungen mit Herzog und Superintendenten ihre Geduld auf harte Proben stellten. "Nach der gnädigen Handleitung Gottes und seines guten Geistes, mit herzlichem Gebet und Anrufung seines Namens, ohne jemandes Einreden und Zurathen", war sie mit ihrem Herzen und Gemüth sonderlich auf Carl Heinrich Zachariae 1 ) gefallen, seit 1730 Diaconus an der Oberpfarrkirche St. Silvester zu Wernigerode. Die Wirksamkeit Liborius Zimmermanns am dortigen gräflichen Hofe hatte die Herrschaft veranlaßt auch für die Stadt nach einem "treuen Knecht" auszuschauen. So war Zachariae nach Wernigerode gekommen, wo er "gewaltig predigte, so daß es Viele gleich anfangs an ihren Herzen wohl fühlten". Daneben hielt er Privaterbauungen in der Nicolai=Schule und mit den Erweckten in seinem Hause. Hier ließ er Frauen, ja sogar Kinder laut beten 2 ). Am Hofe war er sehr persona grata, nur aus besonderer Freundlichkeit überließ ihn der Graf seiner Tante 3 ). Kaum in Dargun angelangt, bat


1) Geb. 1698 "Baudaci in vico ducatus Crosnensis in Silesia"; 1726 Pastor zu Tauchart in Thüringen.
2) So berichtet der Salfeldsche Hofrath Walbaum in seinen zu Wernigerode erhaltenen äußerst werthvollen Tagebüchern, beim Jahr 1733 (über Walbaum vergl. Kramer, Leben A. H. Francke's, II, S. 293).
3) Bereits im Juni begannen die Verhandlungen. Walbaum hörte in Halle, wie die Prinzessin Augusta von Meklenburg zu Dargun sehr rechtschaffen und muthig sei, ihren bösen Hofprediger abgesetzet und den Herrn Zachariae an dessen Stelle vocirt habe, der aber nebst denen guten Wernigerodern darüber sehr betreten sei. Im Juli nimmt er in Wernigerode an den Besprechungen und Gebet über diese Angelegenheit Theil. "Der eine rechtschaffene Seiler . . . . . war des Herrn Zachariae wegen auch bei uns". Am 1. August (  ...  )
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Zachariae den Grafen zum Gevatter (neben der Prinzessin, dem Hofmeister und der Frau von Halberstadt).

An Besoldung waren für Zachariae 400 Thlr. ausgesetzt (Stieber hatte 350 Thlr bezogen), dazu Wohnung, Wiesen, Garten, Accidentien, 3 Drömpt Roggen und 3 Drömpt Gerste vom Bauhofe. Ebenso war die Reisekostenvergütung sehr reichlich bemessen. In Meklenburg rechnete man damals die Meile 16 Schillinge Fuhrlohn. (Schorr. Curr.) Zachariae erhielt 100 Thlr. N 2/3, dann aber nach Ausweis der Rechnungen noch weitere 40 Thlr. zur Ergänzung seiner Reisekosten, wie auch die Zeche seiner Fuhrleute mit 9 Thlrn. 19 Schill. aus fürstlicher Casse bestritten wurde. Dem entsprach auch im übrigen die Aufnahme, welche er in Dargun fand. "Ich merke in allen", schrieb ihm Helwig (?), "Gottes sonderbare Führung und Handleitung; darin freue ich mich um so vielmehr und preise ihn von ganzem Herzen. Der Herr gebe Ihnen viel Gnade und segne ihren Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit! Amen. Anbei ergehen 100 Thlr. N 2/3 zu denen Reisekosten, die Ihro Hochfürstl. Durchlaucht gar gerne übernehmen. Ew. HochEhrwürden möchten damit die Fracht bedingen. Das Ausgelegte wird dankbarlich erstattet werden. Meine gnädige Herrschaft verlangen sehr nach Dero baldigen Ueberkunft, weil sie jetzo hirtenlos sein und nur petitione den Gottesdienst müssen verrichten lassen; der Herr wird Ihren Weg dirigiren und bald zu Uns richten, darnach wir uns alle sehnen u. s. w."

Im Herbst bezog Zachariae sein Pfarrhaus, das mit einem Aufwand von 60 Thlrn. neu in Stand gesetzt war. Die Fürstin wünschte eine officielle Einführung und erbat von Carl Leopold bereits im September eine bez. ordre an den Nienkaldenschen Präpositus oder an Ehrenpfort (abgedr. Jahrb. Bd. 45, S. 98 ff.). Der Herzog verlangte, daß das hiezu destinirte Subjectum sich zuvörderst persönlich bei ihm einfinde. Allein trotzdem wollte glaubhaft verlauten, daß ermeldtes Subjectum sich des Predigtamtes und Kirchendienstes daselbst allbereit werkthätlich unterzogen haben solle. Diese "wider Unsere Landesherrliche Territorial= und Episcopal=Jura unduldentlich angehende Emergentien, im Fall es sich damit also würklich verhalten sollte", konnten dem Herzog "nichts anders als gerecht=empfindlichst sein",


(  ...  ) notificirte Herr Zachariae der Herrschaft schriftlich. Wie er nunmehro im Namen des Herrn entschlossen sei die Vocation anzunehmen. Am 19. August erfolgte diese.
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und mußte er nach dem Amte, "worin er von Gott gesetzet, solches Gewissens halber erinnern"; wünschte also zuverlässige Nachricht, "Wohero die persönliche Sistirung des vocati extranei noch zur Zeit unterblieben und folglich die von Ew. Liebden Selbst angesuchte Gebühr= und ordnungsmäßige Introduction in Anstand gekommen". Die Fürstin entgegnete: Zachariae sei kein Novitius mehr, sondern schon 10 Jahre im Amt; deshalb sei persönliche Sistirung unnöthig, wie auch Einführung, die sie nur "der Erbauung wegen" verlangt habe, denn die Gemeine bestehe nur aus domestiquen, und finde dabei keine Berührung mit territorialen und episcopalen Sachen statt. Der Herzog gab sich mit diesem sehr deutlichen Bescheid zufrieden.-

So waren Ende 1735 vier pietistische Prediger in und um Dargun. Der letzthinzugekommene war der bedeutendste unter ihnen. Er trieb das Werk der Buße "heftiger und noch eifriger denn die vorigen" (Hempel). Sein Vortrag war noch lebhafter, noch feuriger und eifriger, sein Trieb zur Buße geschah mit noch größerer Schärfe, und man spürte also auch noch immer mehrere Erweckungen" (Acta eccles. Weim. 1740, S. 318). "Er redete bisweilen bei 2 Stunden und darüber mit starker Stimmen, und man kann nicht merken, daß er davon sollte matt gemacht werden" (Hempel). Alle Tage der Woche, den Sonnabend ausgenommen, wurden mit "Erbauungsstunden" besetzt. Indeß dieser neue Aufschwung ist nicht in jeder Hinsicht eine einfache Fortsetzung der bisherigen Bewegung gewesen. Der Hinzutritt Zachariae's war in einer bestimmten Beziehung von der segensreichsten Bedeutung für die Darguner. Die Erhörung ihres Gebets, daß er zur rechten Stunde solchen Posten antreten könne, hat "den dasigen Knechten Gottes zu neuem Ernst, Verbindung, gänzlicher Abschmelzung aller Nebenmeinungen und deren Besiegung bei Herrschaft und Bedienten und merklichen Segen reichlich gedienet" (1. Relation). Zachariae vermochte es also, die Bewegung zu säubern von den unreinen Elementen, welche ihr bis dahin angeklebt hatten, und durch welche verderbt zu werden sie in großer Gefahr war. Er hat die Darguner zurückgerufen von den Nebenmeinungen des sectirerischen Pietismus und ihnen die Bahn des kirchlichen Pietismus deutlicher vorgezeichnet. Er ist es aber auch, der den Bußkampf in das Centrum ihrer Gedanken und ihrer Wirksamkeit gestellt hat. Nüchterner und erfahrener zumal als Ehrenpfort, energischer als Schmidt, wurde er von jetzt an der anerkannte Leiter ihres Vereins.

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Er wird von Hellwig "das Haupt dieser neu erfundenen Bekehrung" genannt 1 ). Seine Schriften bezeugen das nicht minder als seine spätere Laufbahn: nach Augusta's Tode wurde ihm die Parchimsche Superintendentur übertragen. (1756. † 21. October 1782.) Hofcantor Rudolph sagt von ihm: "Mein lieber Hofprediger ist ein wackerer, munterer Wächter auf Zions Mauern; er schreiet oft so viel Lärm, daß Manchem die Ohren und Herzen wehe thun; von Manchen bekömmt er aber schlechten Lohn. Wenn er mir aber so ein Geschrei macht, daß mich's angehet, so danke ich Gott herzlich dafür. Denn meine vorigen Wächter ließen mich manchmal schlafen, und da erschlief ich mir nichts Gutes; ich hab's wohl erfahren". (An Graf Henr. Ernst 17. Februar 1737.) -

Der jugendliche Eifer der greisen Fürstin that sich kein Genüge damit, daß nun die vacanten Stellen mit "redlichen", "rechtschaffenen" Geistlichen besetzt waren. Die größere Zahl der Gottesdienste, besonders aber die spezielle Seelenpflege, die angestrebte intime Controle des Entwicklungsganges eines jeden Erweckten, Bußfertigen, Bekehrten machten eine Verstärkung der pastoralen Kräfte nöthig. Die Fürstin beschloß, "ohne Beschwerung der Gemeinde und Kirche", d. h. aus eigenen Mitteln, ein paar fromme Studenten der Theologie anzustellen, die gleich den Katecheten in Wernigerode den Pastoren zur Hand gehen sollten. Auch war der Plan, auf diese Weise in einer Weiteren Gemeinde Fuß zu fassen: einer sollte auf dem fürstlichen Hof in Küsserow (Parochie Altkalen) und auf den andern angrenzenden Verwalterhöfen stationirt werden, um bei den jungen und alten Unterthanen (d. i. Leibeigenen) im Katechisiren und andern Verrichtungen gebraucht zu werden, "umsovielmehr, weilen wir wegen der schlechten Seelensorge, da die Leute nicht so zur wahren Erkenntniß Gottes geführet werden, an den Pastor Sarcander ein Großes auszusetzen haben". Dies theilte die Fürstin dem regierenden Herzog (unter dem 16. Februar 1736) mit und erbot sich, die betr. Subjecta zum Examen zu schicken. Eine Antwort desselben findet sich nicht. Doch muß er seine Genehmigung ertheilt haben, denn im folgenden Jahr trafen die Candidaten Leonhard und Merck ein, von welchen letzterer noch 17. August 1740 als "Adjudant" des Hofpredigers erwähnt wird. Er hat auch dessen Kinder unterrichtet. Ersterer mag in Küsserow gewirkt haben, wenn sich Sarcander das hat gefallen lassen. Im Frühjahr aber (1737) wurde er


1) Vergl. Burgmann, Nöthige Gegenantwort, Vorrede, S. 8., Anm.
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Pageninformator. Ihrer Wirksamkeit wird z. B. gedacht bei der Bekehrung des Mörders Ritter 1738 (vergl. auch Jahrbücher Bd. 45, S. 171).

Einen "bekehrten" Hofcantor erhielt die Prinzessin aus Wernigerode. Die Stelle war bisher sehr gering gewesen. Ihr bisheriger Inhaber Dennert (Theologe, denn wegen seiner Geschicklichkeit im Predigen war er berufen worden) hatte nur 4 Thlr. jährlichen Gehalt bezogen neben dem "gewöhnlichen Deputat" von 1 Drömpt Roggen und 1 Drömpt Gerste. Seit die Hofhaltung nach Dargun verlegt war, hatte er statt eines wöchentlich 3 Gottesdienste zu versehen. Deshalb erhielt er im Jahre 1722 auf seine flehentliche Bitte - 4 Thlr. Zulage. Nach dem Tode des Alten mußte sich der Hofprediger an den Grafen Stolberg um Ersatz wenden (5. Juni 1736): Der Gesuchte muß sich wahrhaftig bis zu Christo bekehrt haben, von der Musik so viel verstehen, daß er die Melodieen der Halle'schen Lieder treffen und singen kann, und tüchtig sein einer mäßigen teutschen Schule vorstehen zu können. Ich weiß, Sie halten mir darin meine Einfalt zu Gute, und die Noth dringet uns." Im August langte der frühere Tischlergeselle Jacob Rudolph an, bisher unweit Halle im Schuldienste. Für ihn wurde das Gehalt auf 40 Thlr. erhöht 1 ) nebst einer Zulage von 20 Thlrn. fürs Orgelschlagen. Ebensoviel hatte er als Reisegeld erhalten, dazu 3 Thlr., um sich noch im Singen präpariren zu lassen, und 4 Thlr. zur Anschaffung einer Perruque oder sonst nöthiger Bekleidungsgegenstände: "Redliche Seelen sehen zwar auf das Aeußerliche nicht, allein es sind viele Widerwärtige und Spötter an unserm Hofe, die kein Auge haben das Inwendige zu erkennen, und folglich nur Alles nach dem Aeußerlichen dijudiciren. Daher sähe doch gerne, daß er wenigstens ein ganz Röckchen hätte" (Zachariae). Rudolph's in Wernigerode erhaltene Briefe geben mehrfach erwünschte Aufschlüsse über die Darguner Bewegung. Erst in Dargun ist er seines Heils "versichert" worden. Bald nach seiner Ankunft daselbst hat sich dies in seinem Innern vollzogen, denn am 17. Februar 1737 giebt er schon von dem Abschluß des Bekehrungserlebnisses seinem gräflichen Gönner Kunde. Hier


1) Diese unverhältnißmäßige Erhöhung des Gehalts erklärt sich wahrscheinlich daraus, daß das Schulgeld (welches einen wesentlichen Theil der Besoldung zu bilden pflegte) Vielen oder den Meisten erlassen wurde (siehe unten: Das religiöse Leben in Dargun).
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haben wir den treuen Abdruck der Stimmung einer wesentlich unter Zachariae's Einfluß stehenden Seele. Wenn die Darguner nicht wörtlich so predigten, - so wurden sie von ihren besten Schülern verstanden.

"Hochgeb. Graf,
Gnädiger Graf und Herr!

Ew. Hochgräfl. Gnaden mir sehr angenehmes vom 16. December 1736 empfing den 18. Februar a. c. mit größestem Vergnügen, und wurde sehr erfreuet, daß ich auch durchs Jesum leben soll; ach ich will auch gerne in keinem andern das Leben haben, denn er ist selbst das Leben und in ihm finde ich auch kein jämmerliches, elendes und kurzes Leben, sondern ein ewiges, himmlisches, seeliges, freudenvolles, vergnügtes und mit aller Seligkeit begabtes Leben. Es freuet mich recht sehr, daß mich mein Jesus aus dem Tode zum Leben bracht hat; gelobet seist du mein Immanuel, daß du mir meinen Tod gezeiget, gelobet seist du, daß du mich durch den Tod so betrübtest, gelobet seist Du, liebes Jesulein, daß du mich so erschrecket hast durch die innere Erinnerung meines Elendes, gelobet seist du, daß ich ein Kind der Höllen wurde, gelobet seist du, daß ich ein Abscheu wurde in meinen Augen, gelobet seist du, daß du mich beugtest als einen Wurm, gelobet seist du, daß du mir keine Ruhe ließest in meiner Heuchelei, gelobet seist du, daß du den Frieden, welchen ich mir selbst nahm, nicht ließest, sondern machtest mir selbigen nicht nur verdächtig, sondern gabst mir auch an Statt des mir selbst gemachten Friedens desto größere Höllenangst, gelobet seist du vor das Sprüchlein Jer. 3., 12, 13, welches du zu meinem Trost aufschreiben lassen, gelobet seist du vor die Gnade, daß ich nun glauben lernete, wie du dein Angesicht nicht vor mir, vor mir, ja vor mir nicht verbergen wolltest, gelobet seist du, daß du mir mein Wünschen um Gnade und Leben endlich erhörtest und sprachst: Du solt leben, ja zu mir sprachst du: Du solt leben, du armer, böser, gottloser Rudolph, Du solt leben, Du Werkheiliger, Du solt leben, Du Heuchler, Du solt leben! gelobet seist du, daß du mir auch Gnade gabest, daß ichs glauben konnte, daß mir (der ich den Tod werth mich achtete) das Leben zu theil wurde! Ach es fiel mir da das Loos aufs beste Fleckgen, es fiel dahin, wo Leben lag, Leben suchte ich, das Leben wurde mir getroffen. Das machst du, du warst Ursach des Lebens, ich die Ursach des

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Todes, ach wärst du nicht mein Bruder worden, wo wäre ich geblieben; hättest du nicht des Vaters Grimm getragen, mich hätte er erdrücket; hättest du dem Tode nicht die Macht genommen, er hätte mich bezwungen und verschlungen. Gelobet seist du, daß du mich außerhalb Halle so getragen und so viel Geduld erwiesen, gelobet, daß du meine öftere Trägheit übersehen, gelobet, daß du endlich mich nach Meckelnburg geführet, gelobet, daß du mich sonderlich jetziger Zeit so herrlich versichert, daß du mein Vater, Bruder, Bräutigam, König, Hirte, Mutter, Gluckhenne, Friedefürst, Immanuel, Joel (= Goel?), Eia und alles bist! Nun, von Dir müsse mein Lob=Reden, Denken, Tichten und Trachten sein. In dir müsse sich nun freuen mein Herz und Sinn. Gelobet seist du, daß du mich in deinen Weinberg berufen! Gelobet seist du daß du mir meinen lieben Hofprediger Zachariae geschenket! Nun Jesus müsse ganz mein, ganz mein, ganz mein, und ich müsse auch ganz, ganz, ganz sein sein. Amen! Amen! Amen! Ich schlage Ihnen jetzo den Spruch auf im Schatzkästgen 160. Und wissen Sie, was Gott thun will? Mit Lust, mit Lust will er Ihnen Gutes thun. Denken Sie einmal, mit uns will Gott einen Bund machen; wir arme, elende Würmer, Sünder und Uebelthäter, mit Gott sollen wir im Bund kommen, mit dem ewigen, heiligen, gütigen, barmherzigen, reichen Gott, der macht einen Bund mit uns, o Ehre! Ehre! Ehre! Ich schäme mich und freue mich doch, mit Gott im Bunde. Victoria! Hallelujah! Tod, Hölle, Teufel, Welt, Sünde, Victoria! hie Bund des Herrn, hie Bund mit Gott, was willt Du arme Bettelwelt mir deinen Bund anbieten? Hie ein besserer Bund, nun mag sich einmal der Teufel mucken, wir haben einen starken Bundesgott. Die Welt muß sich verstecken, wenn wir nur vom Bunde lallen, das lassen Sie einen Bund sein. Was sind wir nun? Bundesgenossen, ja Eigenthümer Gottes, und Gott ist auch unser Eigenthum; was sind wir nicht vor reiche, herrliche, selige Christen! und der Bund ist durch Blut gemacht, mit Blut unterschrieben, ein Salzbund, der nicht verwesen kann. Meine Frau schickt Ihnen auch den Spruch mit: Wachet, stehet im Glauben, seid männlich und seid stark! Wachet! der Feind ist listig und schläft nicht; wachet der Herr kommt als ein Dieb, selig ist der da wachet und hält seine Kleider u. s. w. Steht im Glauben, denn die Waffen müssen nie aus der Hand geleget werden. Seid männlich und seid stark, ja! ja! mit Gott wollen wir über die Mauern springen, mit unsern Bundesgott wollen wir

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alle Macht des Satans zerschlagen. Was mein Amt in der Kirche anlanget, komme ich sehr gut zurechte, und wenn ich je worinne fehlen sollte, hat man mit mir Geduld.

(Hier folgen eine Reihe von Einzelnachrichten, über seine Schule, die Fürstin, den Hofprediger und Anderes. Dann schließt Rudolph:) Ich kann versichern, ich habe Jesum viel lieber als in Bruckdorff und Plannena und schäme mich manchmal vor meinem Heilande, wenn ich ans Vorige gedenke; doch es soll vergessen sein, und mein Heiland hat michs versichert. Ich kann nicht leugnen, ich hatte immer alte Adams=List gegen den Heiland, und ich hielt ihm immer vor, da ich so müßte unter den Bauern leben, so müßte ers mit mir so genau nicht nehmen, welches eine rechte Grobheit des trägen alten Adams war. Jesus aber hat doch dem alten Adam wollen das Maul stopfen und hat mir nicht nur schöne Gelegenheit geschenket alleine zu sein, sondern auch andere Fromme um mich zu haben und eine reiche lautere Verkündigung des Worts, und nun habe ich keine Entschuldigung mehr. Nun solls auch durch die Gnade meines lieben Heilandes recht wohl gehen, dazu helfe mir Gott! Dieses beiliegende Briefgen bitte doch Johann zu geben; ich weiß nicht, ob er Jesum verlohren, oder ob er mich nicht mehr liebet, daß er mir noch nicht einmal geschrieben. Die Bekehrung gehet jetzo bei uns göttlich; denn wir merken nichts. Jesus sei und bleibe nun und in Ewigkeit Dero Liebe, Freude und Trost! Mir aber sei er nicht weniger, als der ich mich ihm höchst verpflichtete zu sein

Jesus Schäflein  

Darguhn den 17. Februar

Jacob Rudolph. 1

1737.



1) Nach dem Tode der Herzogin kam Rudolph als Waisenhauscantor nach Neustadt im Jahre 1756, wurde dann Rector daselbst. Er beschäftigte sich auch mit Vorbereitung junger Leute zum Lehrerberuf. (Das landesherrliche Schullehrerseminar. Festschrift 1882. S. 2.) Von 1773 an lebte er pensionirt (48 Thlr., Speisung aus der Hofküche) bei seiner Tochter in Ludwigslust.
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IV.

Geheime Untersuchungen.

Die neuen Prediger beherrschten vollständig die Situation in Dargun. Der von ihnen geübte allgemeine Einfluß war zunächst kein ungünstiger. Für Kirche und Schule geschah ganz Erhebliches. Das Hofleben ward ein ernstes und gehaltvolles. Doch schon die Berufung von Fremden in gute und von Landeskindern vielbegehrte Pfarrstellen, dann ihre rumorende Wirksamkeit in den Gemeinden, der schroff erhobene Anspruch ausschließlicher Christlichkeit, die besonderen Lehren und Manieren, die Umwandlung des Hofes unter offenkundiger Opposition des Hofpredigers, dazu der "außerordentlich tendre Umgang" der neuen Geistlichen mit dem Hofe, - das alles mußte sehr bald die Umgegend alarmiren.

Vor allem den benachbarten Predigern waren die Ankömmlinge im höchsten Grade unsympathisch. Die meklenburgischen Pastoren jener Tage hatten ein sehr starkes Corporationsbewußtsein und ein unbeugsames, an den Gesetzen orientirtes Rechtsgefühl. Als 1735 auf Betreiben der Stände ihre Immunität gröblich verletzt, und sie rechtswidrig zur Reichssteuer herangezogen waren, schickten sie sich an beim Corpus evangelicorum in Regensburg Schritte zu thun. Alle Confratres des Neukalenschen Cirkels sind gleicherweise tief entrüstet über die erlittene Execution, auf welche sie es hatten ankommen lassen, und begrüßen freudig die "höchst ersprießliche Erfindung" der Appellation. Allein Schmidt und Ehrenpfort, gleichgültig gegen juristische Gesichtspunkte, haben sich im Gebet die fromme Ueberzeugung zuwege gebracht, daß man dem Kaiser geben müsse, was des Kaisers ist, und ohne gerade von der Aktion sich auszuschließen, lassen sie merken, daß die Sache sie wenig interessirt. Dies wird um so verständlicher, wenn man aus den Rechnungen ersieht, daß die Fürstin ihnen (und nicht etwa allen Predigern ihres Patronats!) die Steuer ersetzt hat. Mit Beziehung darauf bemerkt Sarcander in Altkalen: "Daß der Clerus Meklenburgensis mit den Juden zu Christi Zeit gar quadrire; also kann ich auch das dictum Matth. 22, 21 hier gar nicht als applicable ansehen; . . . . ich habe aus meinen eigenen Mitteln, ohne daß mir, wie unserer etlichen

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geschehen, das Geld dazu vorgegeben, noch vor mich bezahlet worden, ob man sich gleich auf den Aufschluß Gottes durchs Gebet berufet", die eingetriebene Summe entrichtet (Schorrentiner Currendenbuch).

Abgesehen von diesem tief gehenden Unterschiede in der ganzen Denkweise, auch soweit die religiösen Dinge nicht in Betracht kommen, mußte es auch social für die Fremdlinge sehr schwer sein, sich in den Kreis der Amtsbrüder einzuleben. Es gab keine regelmäßigen Zusammenkünfte der Consynodalen. Zu bestimmten Zwecken wurden sie, aber anscheinend oft in Jahren nicht, vom Präpositus zusammengerufen. Die segensreichen Präpositur=Synoden, welche heute dem Neuzuziehenden ein schnelle Einleben ermöglichen, sind erst 1769 1 ) durch Herzog Friedrich im Anschluß an Bestimmungen der Kirchenordnung eingeführt. Bei dem gegenseitigen Mißtrauen zwischen alten und neuen Predigern war ein brüderlicher Verkehr schwer möglich. Uebrigens suchten die Darguner solchen auch gar nicht, wenn man nach dem sehr wenig höflichen Verhalten urtheilen darf, welches sie gelegentlich in Rostock für angezeigt hielten.

Endlich muß man zu einer gerechten Würdigung des Folgenden im Auge behalten, daß die seit 1720 am Darguner Hofe beliebten Geheimlehren schwärmerischer Art bis dahin nur dem Hofprediger bekannt gewesen waren. Seit aber Helwig, Schmidt und Ehrenpfort als ein "Drei=Klee=Blatt treuer Freunde" 2 ) zusammenstanden, war durch die Predigten der eifrigen jungen Männer mancherlei davon an die Oeffentlichkeit gedrungen. Diese doch nicht unbegründeten Gerüchte ließen sich durch die klärende Wirksamkeit Zachariae's nicht plötzlich wieder aus der Welt schaffen. Sie wirkten nach.

Die Pastoren der Synode hatten bereits lange vor Stieber's Demission ein amtliches Einschreiten gegen die Fremdlinge zu provociren gesucht. In dem Currendenbuch der Schorrentiner Kirche sind ihre bezüglichen ersten Auslassungen erhalten. Den Anfang machte Christian Heinrich Pauli, Pastor zu Gorschendorf. Er schrieb am 9. Februar 1735: "Gott schaffe Recht Allen, die Unrecht leiden, und erbarme sich unseres armen Landes, im Leiblichen und Geistlichen, insonderheit da unser meklenburgisches Zion durch Pietisten, Quäker und Fanaticos unter vielen Teufelslarven in der Nachbarschaft will verwüstet werden, und Niemand


1) Nicht 1773. Wiggers, Kirchengeschichte, S. 228.
2) Carmen auf Hempel's Hochzeit. Walch. illustr. S. 52.
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vor dem Riß stehen, noch sich um den Schaden Josephs bekümmern will." Die entfernter von Dargun wohnenden Pastoren gingen auf diese Andeutungen nicht ein. Schmidt und Ehrenpfort schwiegen zuwartend. Der 70jährige Senior Caspar Mantzel in Jördensdorf votirte: Gott lasse im Frieden sein Wort noch ferner schallen, "damit nicht etwa bittere Wurzeln unter uns aufwachsen und Unfrieden anrichten, und Viele durch dieselbigen verunreiniget werden; sondern daß das Wort Gottes nach dem Exempel unserer Vorfahren, die ihr Amt als evangelische Prediger redlich ausgerichtet haben, möge lauter und rein gelehret und geprediget werden, nach Maßgebung der heiligen Schrift, der Augsburger Confession und ferneren Inhalts unserer Symbolischen Bücher: auch wir ohne phantastische Deuteleien einzig und allein dabei beruhen, und nicht meineidig werden an der uns ertheilten Vocation und bei unserer Ordination an heiliger Stelle geschehenen Verpflichtung, insonders an Eidesstatt desfalls geleisteten theuersten Ja=Worts. Soviel denn nach der richtigem Regul der heilsamen und keinen irrigen Zusatz leidenden Lehre einhergehen, über diese sei Friede und über den Israel Gottes!" Der ehrwürdige, streitbare alte Herr wußte augenscheinlich selbst nicht recht, von was für Irrlehren eigentlich die Rede war. Hövet beantwortete den eingeschränkten Friedenswunsch Mantzel's mit einer ähnlichen, beziehungsreichen Einschränkung: "Der Friede Gottes, welcher höher ist denn alle Vernunft, bewahre der Gläubigen Herzen und Sinn in Christo Jesu!"

- Dies zwingt J. F. Sarcander zu Alt=Kalen zu einer Berichtigung: "Die Enge des Raumes als auch die Betrübniß über das abermalige harte Verfahren mit unserm theuersten Landesherrn wollen nicht verstatten, meine innerliche Herzensmeinung von unserm gegenwärtigen verderbten Zustande zu entdecken. Derowegen subscribire ich unsers Ehrw. Herrn Senioris (Mantzel) Subscription und wünsche, daß Gott sich aller Menschen (und nicht allein der Gläubigen) erbarme".

So kam die Currende an den Präpositus Jacob Sigismund (von) Suckow zu Neukalen zurück. Derselbe meldete unverweilt "den überall beschrieenen Greuel" nach Wismar, und konnte bald darauf an Stieber schreiben: "Gott hat solches ohnlängst gelingen lassen, daß es gar sehr apprehendiret worden, so daß in contestirter Tendresse ein inneres Verlangen die vorgefallene Greuel specificirt zu sehen, hat wollen bezeiget werden." In Folge dessen setzte er eine

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Currende in Umlauf, durch welche er die Consynodalen zu specificirtem Bericht aufforderte. Aber weder Stieber hielt es für gerathen den Denuncianten zu machen, solange er in den Diensten der Fürstin stand 1 ), noch schickten die Consynodalen die Currende zurück. Suckow argwöhnte bereits, sie sei von "Widrigen" aufgefangen. Erst Mitte April war sie wieder in seinen Händen. Die meisten Eonsynodalen wissen nichts Specielleres 2 ).

Von wirklicher Bedeutung ist nur die Subscription Seedorffs, der, eingekeilt zwischen die drei Pietisten- so liegt Brudersdorf zwischen Levin, Röknitz und Methling - von ihrem Leben und Lehre, wenn Einer, zuverlässigen Bericht geben konnte. Seine Aussagen sind um so werthvoller, als er den Eindruck eines nüchternen, nicht feindseligen Mannes macht. Er schreibt unter dem 4. April 1735:

"Wie sehr die wahre Buße, Bekehrung und Gottseligkeit zu lieben und jedermann zu recommendiren ist, da dieselbe in Heiliger Schrift gegründet, so sehr ist die fanatische Buße und Bekehrung, der Bußkampf und das heuchlerische Wesen zu verwerfen, weil es in Heiliger Schrift nicht gegründet ist. Wir haben leider Exempel davon in unsrer Nachbarschaft bei den Neulingen. Ihr vornehmstes Hauptwerk ist die Bekehrung und der Buß=


1) Späterhin war er nicht so zartfühlend, wie er uns glauben machen will. In seinen bez. handschriftlichen Berichten bei den Akten finden sich viele hämische und absichtlich zweideutig gefaßte Details.
2) Zum Beispiel Mantzel; aber das hindert ihn nicht, "in allen Stücken seine deduction weiterzustellen in der schon in ideâ concipirten Warnung an die liebe Gemeinde Gottes zu Jördensdorf", und dazu folgenden Vorschlag zu machen: "Mein, als nach Gottes heiligem Willen des Aeltesten in unserm Synodo, Rath ist: Unser Hochwerthgeehrter Herr Präpositus setze eine zulängliche Zahl Thesium Anti-Pietistico-Fanatico-Enthusiastico-Chiliastico-Schismaticarum auf, ex scriptura sacra et Libris Symbolicis, nach jetziger Sachen Beschaffenheit, auch absonderlich einige Anti-Judaico-Papistico-Ethnico-Muhamedanicas de statu animarum beatarum Separatarum; eas non esse in Paradiso terrestri, sed in sinu Abrahae sive in coelesti patria, communiciere sie mit uns Synodalibus, lasse sie auf Befehl unseres gnädigsten regierenden Landesherrn et Summi Episcopi durch Dero Rostockische Facultät censiren. Convocetur Synodus: da ein jeder einzeln auf sein gutes Gewissen und Seligkeit kann protocollmäßig gefragt werden, was er aufrichtig, redlich, unverschraubt und nicht tockmäuserisch von jeder Thesi halte? Da sich denn finden muß, wie ein jeglicher vel juxta vel contra sc. sacram et L. Symb. gesinnet und wessen Geistes Kind er sei. Wer alsdann obversa fronte gehen, sich dessen weigern und mit uns nicht halten will, exesto usque ad palinodiam. Und dieses Protocollum rei sic gestae werde geschrieben auf die Nachkommen und in öffentlichen Druck gegeben u. s. w."
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kampf. Ein solcher Bußkampf, der nicht alleine in ängstlichem und verzweifeltem Ringen und Durchbrechen bestehet, sondern der auch in gewissen Arten und terminis geschlossen ist, darinnen man zum wenigsten 1/4 Jahr zubringen muß, mit solcher Angst und Schrecken, daß man nicht weiß, was man thun oder lassen soll, öfters nicht essen oder trinken mag; eine solche Bekehrung, darauf, Wenn man endlich durch die enge Pforte durchgedrungen, lauter heimliche Süßigkeit und Seligkeit folgen, und (man) einen solchen festen Fuß setzet, daß man nicht leicht wieder sündigen könne, und so man etwa sündiget, einem von Gott nicht zugerechnet werde, sondern bekehrt bleibet, welches erschrecklich ist und endliche Sicherheit nach sich ziehet. Gewiß, diese Reformatores gehen weiter als ihre Autores. Conf. Spener's Reden von der Buße und Bekehrung, und Franke von der Bekehrungs=Art und denen in der Bekehrung zu setzenden terminis. Aus diesem falschen Fundament fließet es nun, daß Alle, die nicht auf diese Art bekehret (i. e. fanatice), die sind Teufels Kinder und, wenn diese sterben, nicht selig zu preisen sein; auch können unbekehrte Lehrer, die nicht durch ihren Bußkampf und durch die enge Pforte nicht gegangen sind, Andere nicht bekehren, sondern müssen gemieden werden als Wölfe, Diebe, Räuber und Mörder. Ihre Gemeinen nun werden unterschieden in Bekehrte und Unbekehrte. Denen (ihrer Meinung nach) Unbekehrten wird immer der Fluch, denen Fanatisch=Bekehrten aber immer der Segen angekündigt; wer nur mit ihnen und ihrer Lehre hält, der ist bekehrt, er mag im übrigen sein, wie er will. Ihre Bekehrte werden für Allen erhoben, die Andern verachtet. Daher entstehet geistlicher Hochmuth . . . . . . Diese Heiligen meinen, wir widersetzeten uns der wahren Buße und Bekehrung, uns wäre angst, wir möchten zu fromm werden; aber man widersetzet sich nicht der wahren Buße, Bekehrung und Gottseligkeit, sondern der falschen Buße und heuchlerischen Gottseligkeit. Man merkt überdem viele Unbeständigkeit bei diesen Heiligen. Bald behauptet man die Vollkommenheit absolute, bald secundum quid und insoweit, daß man von Sünde der Herrschaft (d. i. von der herrschenden Sünde) frei werden könne. Jetzt will man ein Mädchen nicht zum Abendmahl nehmen, wie ex vicinia spargiret wird, es sei denn auf ihre Art bekehrt; schreibet aber die Obrigkeit desselbigen Mädchens als einer Unterthanin an den Prediger einen ernstlichen Bedrohungsbrief, so heißt es, das

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wäre falsch, das Mädchen könne wohl zum Abendmahl kommen, man wäre nicht anders als andere Prediger. Man weiset auch einen Menschen vom Beichtstuhl als ein verfluchtes Teufelskind, hernach nimmt man ihn ohne einigen Wortwechsel an. Ist das nicht Unbeständigkeit? O es ist ein köstlich Ding, daß das Herz fest werde, welches geschieht durch die Gnade Ebr. 13, 9. Aergerlich und sündlich ists auch für öffentlicher Gemeinde, darüber jedermann klaget, und von den Reformirten entlehnt ist, wenn sie sich nicht beugen für den Namen Jesu, sondern es für eine Abgötterei halten. Der barmherzige Gott ändere doch dieses Wesen! und wo es nicht geändert wird, so werden ganze Gemeinen be= (ver=) kehret werden, theils aus Interesse, theils aus Furcht und Gesetzlichkeit, welches keine wahre Bekehrung ist, dawider Franck selbst schreibet in einem Sendschreiben, darinnen die Quästion erörtert wird, wie ein Prediger seine Zuhörer aufs beste zur Bekehrung bringen möge. Gott erhalte unser Herz bei dem Einigen, daß wir seinen Namen fürchten und in reiner Lehre beständig bleiben und diesem Pharisacismo desto mehr entgegengehen mit täglicher wahrer Herzensbuße, Bekehrung und mit einem rechtschaffenen Wesen in Christo! Die Zeit leidet es nicht, ein Mehreres zu schreiben, weil man mit der Festarbeit zu thun hat, und wenn man dem täglichen Gerüchte glaubete, so möchte man ganze Bogen voll schreiben können".

Die Vorwürfe, welche hier den Dargunern gemacht werden, sind im Ganzen als begründet anzusehen. Hinsichtlich der "Nebenmeinungen" hat Seedorff dem Gerüchte sogar weniger geglaubt, als er hätte glauben dürfen 1 ) Er beschreibt den Bußkampf richtig aus der Praxis (vergl. Rudolph's Brief). Ihn hervorzurufen, griffen jene zu scharfer, einseitig gesetzlicher Predigt. Nach Bußkampf und Durchbruch machten sie ihre Gemeindeeintheilung, und nur die solches erlebt hatten, waren im Grunde würdig zum Abendmahl zu gehen; doch wagten sie hiermit nicht vollen Ernst zu machen, - daher die getadelte "Unbeständigkeit". Die kirchliche Sitte achteten sie gering - um dafür ihre eigenen, nicht weniger in Aeußerlichkeiten verlaufenden, frommen Manieren einzuführen.


1) Gerade das, was er davon anführt, daß den Gläubigen die Sünden nicht zugerechnet werden, das heißt hier: gar nicht als Sünden gelten, wird nicht zuverlässig von den Dargunern bezeugt.
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Am 16. März 1735 standen vor dem Herzog zu Wismar ein gewisser Reinhold Wilh. Moberg und ein Schweriner Bürger Wilh. Bühring und wurden von dem Rath Wolff einem Verhör unterworfen. Es erhellt nicht, welcherlei Motiv oder welche höhere Gewalt sie nach Wismar zu gehen veranlaßt hat Sie waren in der Altkalenschen Gemeinde bei dem Schulzen Hans Schütte zu Damm gewesen. Das Gespräch kam auf die drei neuen Prediger. "Sie hätten ein so groß Unglück, äußerte die Schulzenfrau, daß sie sich neu bekehren sollten, und wüßten nicht, was das für ein Glaube wäre, den sie annehmen sollten". Die sich dazu verstünden, "müßten ganz gebückt den Kopf an den Ofen legen und so lange beten, bis sie Gott und Jesum nicht mehr nennen könnten und in Ohnmacht niedersünken. " "Es gingen noch wohl tollere Sachen vor, addendo: O mien leef Kind, unse ganze Hofstaat, ock Laqueyen un übrige schullen nu all so syn". Die Hofgänger müßten früher zur Arbeit auf den fürstlichen Hof kommen - um sich bekehren zu lassen. "Die Prediger hätten ein Ding an der Wand wie ein Kalb, das brülle, wenn die Bekehrung recht gewesen sei", und im Nebenzimmer sei zugleich ein "so wunderliches Geschrachtel und Lärmen", daß man nicht wüßte, was es sei; es zeigten sich Dinger darin, die hätten Krähen= und Teufelsfüße. Die Bekehrten brauchten nicht zu arbeiten, sie litten dennoch keinen Mangel.

Eine Denunciation auf Hexerei in aller Form.

Carl Leopold sah sich veranlaßt, zunächst Suckow zu sich zu bescheiden, der am 22. März in Wismar erschien und für den Senior Hahn, den Visitationssecretair Knegendorff und sich selbst ein Untersuchungscommissorium erwirkte. Zur Aufnahme der Kirchenrechnungen sollten sie sich nach Dargun begeben und dabei geheime Erhebungen anstellen, indem sie eine geheime Zusammenkunft der umwohnenden Pastoren veranlaßten, die erweisliche nähere Bewandtniß erkundeten und speciell jene Schulzenleute vernähmen. Dem Berichte über das alles sollten sie ihr eigenes Votum anfügen (d. d. Wismar 23. März 1735. Generalacten).

Die Commission trat zusammen und hielt (26. April) in der Kirche zu Altkalen ein Verhör. Dasselbe ergab gar nichts. Der Schulze suchte Ausflüchte wie ein rechter niedersächsischer Bauer: "Die Sache sei vor ihm zu hoch, gehe über seinen Verstand; es wäre so insgemein gesprochen worden; er könnte es nicht gewiß sagen, von wem er es gehört; daß er es aber gehört hätte, wäre wahr u. s. w." Von Be=

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kehrungspulver vermeldet die Frau: "Se schöhlen gantz unwirß darna wahren, dat se ock den Kop vör Angst in dat Küssen stecken möhten"; von den Dingen zu reden, sei abseiten der Fürstin bei Strafe eines Backenstreichs oder auch einer Geldstrafe (10 Thlr.) untersagt. Unter dem 8. Mai sandte die Commission das Protokoll ein, indem sie ihr Votum dahin abgab: der Herzog möge eine öffentliche außerordentliche Untersuchungscommission einsetzen. Beigefügt waren ferner zwei Stücke einer "Sammlung einiger Nachrichten vom obschwebenden Kirchenübel im Dargunischen", - schriftliche Berichte der Pastoren. Suckow hatte seine liebe Noth dieselben zusammenzubringen. Von den meisten waren ihm weitschichtige "Refutationes der irrigen Lehre" eingesandt worden. Die hatte er zurückgegeben und recensiones dictorum et factorum verlangt. So konnte er vor der Hand nur Sarcander's und seinen eigenen Bericht einsenden. Am 17. Juni war er in der Lage, ähnliche von Pauli, Pristaff und dem stud. theol. Alb. Heinr. Fabricius zu Lelkendorf (dem zweiten Sohn des verstorbenen Darguner Pastors) vorzulegen.

Diese "Sammlung einiger Nachrichten" wäre besser ungesammelt geblieben. Sie gehört zu dem Allerunerquicklichsten, was in der ganzen Streitsache geschrieben ist: auf dem Grunde gewisser richtiger Beobachtungen ein Gebäude abgeschmackter und boshafter Verläumdungen über die neuen Prediger. Nicht so zwar, als ob die Berichterstatter das alles, oder auch nur zum Theil es erfunden hätten. Sie verwahren sich dagegen ausdrücklich: "daß dieses alles von wahrhaften und glaubwürdigen Personen vernommen und gehöret, auch nichts weiter dazu gesetzet, noch viel weniger erdichtet, solches bezeuge an Eides Statt. Gottfried Pristaff, Pastor zu Schorrentin." Wir mißtrauen nicht so feierlichen Versicherungen. Um so greller tritt die kritiklose Leichtgläubigkeit hervor, sowohl hinsichtlich des Wem? als des Was? - Wir lassen es nicht außer Acht, daß die lutherische Kirche jener Tage von Sectirern und Schwärmern jeder Art beständig in Athem gehalten wurde. Trotzdem ist es schwer, sich zu überreden, daß dem Verfahren der Pastoren ein reiner Eifer zu Grunde liegt, wenn man sieht, wie auf die Aussagen von Holzschlägern, Schäferfrauen, aufsässigen Küstern, des und des "Mannes", der und der "Frau" ganz unbedenklich läppische, abergläubische, unfläthige, höchst gravirende Dinge über Amtsbrüder denuncirt werden. Der wirkliche Anlaß, welchen die Darguner gegeben haben, das

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blinde Vorurtheil gegen sie und ein nicht unbegründeter Neid genügen nicht, dies Verfahren psychologisch verständlich zu machen. Der Fall steht in jener Zeit nicht vereinzelt da 1 ). Es offenbart sich eben noch in solchen Vorkommnissen jene "größere Ohnmacht des inneren sittlichen Factors in Angelegenheiten der Amtsehre", von welcher Tholuck (Akad. Leben I. S. 29, 300) in Bezug auf das Mittelalter, ja bis Mitte des 17. Jahrhunderts spricht.

Wir unsrerseits können nicht wohl umhin, eingehende Proben dieser Denunciationen zu geben. Nicht allein um die Culturstufe gewisser Elemente des gleichzeitigen geistlichen Standes zu charakterisiren; es ist auch Pflicht der Gerechtigkeit gegen die "fremden Prediger". Wir haben keinen Schleier über die geheimen Verirrungen der Darguner gedeckt, - mit einem Theil ihrer Gegner steht es, moralisch angesehen, leicht noch übler. Die Darguner haben sich zu Urtheilen über die damalige Pastorenschaft hinreißen lassen, welche in ihrer Allgemeinheit ungerecht sind; dennoch hatten diese Urtheile einen anderen Ursprung als frevlen Hochmuth und Selbstüberhebung. Die "Sammlung" läßt uns sehen, welcher Art ihre nächsten Nachbarn waren.

Der erste Berichterstatter ist Präpositus Suckow selbst. Er berichtet zunächst von dem neuen Bekehrungs=Modus: Der Inspector Lotzow aus Wolkow (Parochie Levin) und der Tagelöhner Peter Stein bringen den "Trescher" Thies (Matthias) Stein vor den Herrn Präpositus. Der Thies Stein befindet sich im Bußkampf: er tritt auf "mit ungemein erblaßtem Angesicht und zitternden Gliedern". Etwas beruhigt, erzählt er "unter ängstlichen Geberden, Händewringen und hertzlichem Seufzen seine habende Noth". Auf dem Kirchweg ist er mit Neubekehrten in Disput gerathen über einige ihrer Lehren, "die er nach dem Katechismus nicht richtig befunden. Insbesondere da der Pastor Schmidt und seine Neubekehrten bei Nennung des Namens Jesu die Kniee nicht beugten, mit Vorgeben: Wiedergeborene hätten Jesum im Herzen und wären daher an solchem Bücken und Beugen nicht gebunden, mit Beifügung, der Pastor sagte: es ließe die Bückenden als wie die Vögel duckten, wie man nach selbigen würfe". Ohne weiteren Anlaß traten nun Angstanfälle bei Thiesen auf. Er träumte, der Böse wolle ihn holen, und dieser Traum setzte sich im Wachen fort. Er verfiel in Tobsucht. Nun sei Pastor Schmidt geholt, aber der habe gar wenig geredet, "weil sie nun nicht so


1) Vergl. z. B. Dalmer, Krackevitz, S. 56 f.
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dreist mehr wären wie hiebevor, weil ihnen bewußt, daß nach ihren Worten und Werken geforscht würde". Doch forderte Schmidt ihn auf "fleißigen kämpfen", erklärte es für eine "Anfechtung der Bekehrung": so gehe es, wenn man der Bekehrung widerstrebe; die Bekehrung könne sich nun wohl mit einem hitzigen Fieber anmelden, man solle den Arzt holen. Damit reiste er ab, ohne dem Geängsteten das geringste tröstliche Wort zu geben. Dieser meint noch jetzt, "die Bekehrung säße ihm in der Brust, beklemme das Herz und liefe davon etwas in alle Glieder, ja durch Mark und Bein, welches unaussprechliche Marter und Angst verursache." "Bekehrung" nenne er sein Leiden, weil alle bekehrten es durchzumachen hätten. - Ueberhaupt, wenn diese Pastoren auf ihre Frage: ob Einer schon bekehrt sei? die Antwort erhielten: "Ja, denn sie ihre Sünde herzlich bereueten und suchten in wahrem Glauben an ihren Erlöser Gnade und Vergebung bei Gott", so sei ihre Rede: "Ei was, das sei der allgemeine Schnack, damit wolle man in den Himmel laufen, man liefe aber zur Hölle u. s. w." Man müsse fühlen, was es heiße, durch die enge Pforte gehen. Der Teufel, welcher noch in den Unbekehrten wohne, müsse herausbekehrt werden u. s. w.

Betreffend die Wirksamkeit der unbekehrten Geistlichen hat ein "Holländer'' ein Gespräch mit Schmidt gehabt. Auf die Frage: wann und von wem er bekehrt sei, hatte jener geantwortet: vom vorigen Pastor. Darauf Schmidt: "ob er ihm wolle ein Paar Schuhe machen?" Das könne er nicht. "So sei es auch mit den vormaligen und den in der Nachbarschaft itzo vorhandenen Lehrern, die bekehren wollten und wären unbekehrt." (Nach Sarcander soll derselbe sich haben vernehmen lassen, sein Vater wäre auch so ein Wolf gewesen nemlich ein orthodoxus.)

Die vermeintlich Unbekehrten hätten schlechten Trost im Beichtstuhl. Wenn ein jeder seine Beichte sprechen wolle, sage der Pastor: "es wäre ja genug, daß Einer das ärgerliche Plapperwerk verrichte, er könne sie nicht alle plappern hören". Er halte dann eine Verdammungspredigt (jene Beichtrede, auf welche dem Pietismus alles ankam) "mit dem Schluß der conditio der Bekehrung", worauf er die Vergebung der Sünden lediglich verkündige.

Sarcander 1 ) weiß von den Halle'schen Spruchkapseln, deren eine er als corpus delicti einsendet. Aus den ge=


1) übrigens keineswegs ein ganz unzweifelhafter Charakter.
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zogenen Sprüchen weissage der Pastor, ob einer im Bußkampf stehe. "Sonsten kann man von ihrer Bekehrung nichts sonderliches erfahren, indem Alles sehr cachiret wird". Ein Jeder müsse anzeigen, wann und wo er "seinen Jesum" gefunden hat; da habe ihn dann der Eine beim "Hexelskum", der Andre auf dem Feld beim Dornbusch gefunden; dann wieder habe ihn Einer verloren und suche ihn mit großem Jammer, Andere zu Hülfe rufend 1 ). Dafür lasse sich denn auch der Engel Gabriel sehen in weißer Gestalt, lasse sich mit "Wein und Gebackenes bewirthen", und - was sonst die boshafte Zunge eines "guarde-de-robe-Mädchens" ausstreuen mochte, nichts ist hier verschwiegen. Die Bekehrten sind ihren Eltern ungehorsam, indem sie "plötzlich einen raptus kriegen und zum Priester laufen, auch bei Nacht", trotz aller Verbote.

Viele Beschwerden gehen auf die Behandlung des Cultus. Manches davon ist später gerichtlich festgestellt. Die vorgeschriebenen Evangelien vernachlässigten die Pietisten zu Gunsten unverständlicher Texte aus der Offenbarung; sie sängen den Glauben nicht mit; statt des Katechismus ließen sie chiliastisch verwendbare Sprüche memoriren. Wenn sie einmal eine "gute Predigt" anfingen, so sagten sie hinterher: sie gehe nur die Bekehrten an. Die Absolutionsformel und der Friedenswunsch würden so verändert, daß die "Unbekehrten" ausgeschlossen würden: Der Friede Gottes bewahre mein und der Gläubigen Herz und Sinn (oder gar: mich und meine Gläubigen. Ehrenpfort). Bei einer großen Communion vor der Ernte habe Ehrenpfort gesagt: er müsse sich wundern, wie das unbekehrte Volk so häufig käme; er hielte davor, sie würden sich den Teufel am Halse fressen (oder: sie würden sich am Abendmahl todtfressen). Das Vaterunser achteten sie gering, beteten es auch nicht bei Tische, noch ein anderes bekanntes Tischgebet, sondern brächten "unter viel Husten und Stöckereien ein gar langes Gebet hervor", ein freies nämlich, das die Leute nicht verstünden. Vor Serenissimo Episcopo - das mußte auf den Herzog wirken! - bezeugten sie schlechte Devotion. Schmidt z. B. lebe der Meinung, daß das Jus episcopale mit dem


1) Ehrenpfort, Predigt und Taufe, S. 55: "Entziehet sich die Empfindung des Friedens bei ihm (dem Kinde Gottes), so ist es als wie ein Kind, wenns von der Mutter Brust entwöhnt werden soll. Es jammert und ächzet, suchet und seufzet so lange, bis der Friede wieder im Herzen ist". "Jesum suchen" ist ein häufiger Ausdruck in den Darguner Correspondenzen.
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Jus patronatus verknüpft wäre. "Unsere Kirchenordnung nennen sie unseren Abgott und binden sich gar nicht daran, sondern was vom Hofe gut geheißen wird, das ist ihre Kirchenordnung."

Von dogmatischen Irrthümern erwähnt Sarcander die Lehre von einem ewigen menschlichen Leibe Christi und den Chiliasmus. Von den Dingen zu reden sei zwar gefährlich, "aber wir vertrauen Gott und verlassen uns auf unsern theuern Landesfürsten als unserem Episcopo". Sarcandern hat die Fürstin durch seine Frau verwarnen lassen, weil er gegen die "Neulinge" gepredigt. Doch die Frau Pastorin hat geantwortet: sie redete mit ihrem Manne nicht von dergleichen Sachen, und er auch nicht mit ihr, was er predigen wollte; er werde sich selbst defendiren. Er ist schon in offenbarer Ungnade, indem er "nicht einmal 8 vom Winde umgeschlagene Tannen erhalten kann zum Cabinet für seine Bibliotheque, da doch andere Leute viele hundert bekommen".

Pastor Pauli in Gorschendorf ist derjenige, welcher die von Franck XVIII, S. 137 f. mitgetheilte Qualification der Aufführung der Darguner ersonnen hat als "unchristlich, gotteslästerlich, pietistisch, enthusiastisch und fanatisch, ja gar teufelmäßig". So verhalte es sich - dem Gerüchte nach. Die Gewährsleute sind: der Fadenholzschläger Kruse aus Dörgelin, den er im Holze getroffen hat, und eine Weberfrau, aus deren Mund er die allerbösesten Dinge berichtet. Er war ein Strudelkopf. Noch 20 Jahre später, als längst durch Herzog Christian Ludwigs Verordnung vom 6. August 1748 den Predigern untersagt war, "Privatanmerkungen und ungebührliche Urtheile" in die Currende zu schreiben, "auch keine Affecte gegen ihre Mitbrüder zu äußern", wurde es diesem hitzigen Herrn schwer an sich zu halten, so daß der Senior Sarcander ihm die "Einschreibung seines unnöthigen Eifers" verweisen mußte. (29. November 1753. Schorr. Curr.)

Charakteristisch ist die von Pauli erwähnte Taufe im Namen des Teufels. Bald sollen die Darguner die kirchliche Taufe so genannt haben, bald sie selbst so vollzogen haben. Letzteres erschloß das Volk aus gewissen willkürlichen Entstellungen des Formulars, wie in Dargun so auch anderwärts. - Auch seien schon blutige Schlägereien zwischen bekehrten und unbekehrten Kindern vorgekommen. Siegten letztere, so folge ein Strafgericht. Beim Siege der bekehrten aber hieße es: das sei recht, die Frommen müßten die Gottlosen vertilgen.

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Manches Besondere bietet der Schorrentiner Bericht. Da lesen wir von Vertheilung "kleiner Bücher" (der Halleschen Tractätlein), aus welchen die Pietisten auch auf der Kanzel vorlesen; von dem "heiligen Kuß", von Zulassung einer "bekehrten" Reformirten (Französin) zum Abendmahl. Vom Quäckerpulver weiß er Entsetzliches zu berichten: es soll von der Beschaffenheit sein, daß, wenn Etwas von selbigem nur auf einen Stuhl gestreut wird, und der Mensch darauf sitzen geht, so schlägt solches, sobald es nur warm wird, ins Geblüt und verursacht Angst und Schmerzen, daß man gar rasend davon wird. Die Weiber laufen allenthalben in die Häuser, die Leute zu bekehren. Ehrenpfort besonders, doch auch Hövet, fallen öfter in einen saloppen, würdelosen Ton, im Bestreben volksthümlich zu reden. So jener: "wenn er der Unbekehrten Kinder taufe, so nütze denen es ebenso viel, als wenn er sie s. v. im Kuhdreck steckte", und zu einer Frau, welche ein kirchliches Zeugniß verlangte: "er wolle ihr zwar den Schein geben, durch welchen sie könnte ad Sacra admittiret werden; aber es werde derselbe sie nicht selig machen, indem sie, woferne sie sich nicht bekehrte, das Abendmahl so empfangen würde, als die Sau den Trank". Die Taufe verrichte Ehrenpfort "ohne Ehrerbietung". Hövet aber hat auf der Kanzel gebetet: "Ach Gott, laß dichs doch einmal ein rechter Ernst sein, daß du die Leute bekehrest."

Doch genug. Die übrigen Pastoren schwiegen, auch Seedorff, aus Furcht vor der Ungnade der Patronin, meint Suckow in seinem Begleitschreiben vom 17. Juni 1735. Das Unwesen nehme zu, es sei eher Qwackerismus als gemeiner Pietismus.

So wenig nun diese Documente ihre Verfasser ehren, und so viel plumpe Mißverständnisse, Uebertreibungen und boshafte Erfindungen sie enthalten, so bestätigen sie doch jedenfalls, daß die fremden Prediger mit unweiser Rücksichtslosigkeit gegen die bestehende kirchliche Sitte aufgetreten waren und eine subjective Frömmigkeit an ihre Stelle zu setzen suchten, deren Centrum ein eigenthümlicher Bekehrungsvorgang war, und in deren Schutz allerlei besondere Lehren ihr Haupt erheben durften. Dagegen wird es nicht unmotivirt erscheinen, wenn Carl Leopold (Wismar, 23. Juni 1735) sich unzufrieden bezeigte "mit generalen und ungewissen Anzeigen und Herümbtragungen bei solchen höchsten Wichtigkeiten und leicht abzusehenden schwierigsten Folgen". Er verlangt "beeidigte, unverwerfliche Zeugen", und committirt deshalb den Präpositus, "attention darauf zu nehmen, ob und wie desfalls ein ge=

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nughafter legaler Beweis durch redliche Zeugen oder sonstige Ueberführung" vorhanden sei, und darüber zu berichten. Ein solcher Bericht ist nicht erstattet worden.

 


 

V.

Erste Druckschriften der Darguner.

Im September desselben Jahres sandte die Herzogin an den regierenden Herzog 1 ) mehrere "Tractätgens, die auff meine depence habe drucken laßen, an einem Orte, da sie nicht würden verfälscht werden", "damit Ew. Liebden desto mehr versichert werden möchten, daß ich keine Lehrer berufen, die in irgend einer irrigen und falschen Lehre, die wider Gott und sein heiliges Wort liefe und also mit Recht eine neue Lehre zu schelten sei, sondern daß sie die lautere, reine evangelische Lehre predigen, dero Endzweck nach Gottes Willen und Befehl ist, daß die Seelen durch wahre Herzensbuße und lebendigen Glauben, der in einem göttlichen Wandel sich thätig erweiset, selig werden sollen". Für den Herzog hat sie "zu viel Egard und Ergebenheit", um ihm zu gönnen, daß er "durch etwanige übele Impressions Sich an Knechten Gottes und Hinderung Seiner Werke einigermaßen zu versündigen" sollte veranlaßt werden. Diese "Tractätgens" waren ohne Zweifel drei Predigten ihrer Geistlichen, welche im Beginn des Sommers erschienen sind 2 ). Dieselben sind nicht nur "in einigen Stücken weiter ausgeführt", sondern sorgsam zur Veröffentlichung zurecht gemacht: es fehlen in ihnen gerade die charakteristischen Wendungen, von denen wir nach dem Vorangegangenen nicht bezweifeln können, daß sie in Dargun gang und gäbe, ja entscheidend waren. Es


1) Der Brief abgedruckt Jahrbücher, Band 45, S. 98 ff.
2) I. Ehrenpfort, Eine predigt und Taufe u. s. w. Alten=Stettin. 1735. II. Schmidt, Eine Predigt vom Gebet u. s. w. ebenda. III. Hövet, Die Gewißheit bey denen Wiedergeborenen, daß sie Gottes Kinder seynd u. s. w., ebendaselbst. (Wieder abgedruckt in Wiggers, Zeugnisse von Christus aus der Meklenb. Kirche 1847, S. 201-215.)
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ist nur von "wahrer Buße" und "wahrer Herzensbuße" die Rede, nicht ein einziges Mal vom "Bußkampf", während dieser Ausdruck doch schon für dieso Zeit durch Seedorff's Bericht sicher gestellt ist. Wir hören von "Wiedergeburt" und "Bekehrung", aber nicht von "Durchbruch" u. s. w. Von den "Nebenmeinungen", welche damals (vor Zachariae's Ankunft) ohne Zweifel noch herrschten, fehlen auch die leisesten Spuren.

Ehrenpfort warnt davor, aus der heiligen Taufe falschen Trost zu fassen: Dadurch werde die Taufe zu einem Strick, an welchem der Teufel viele Tausende ins ewige Verderben ziehe. Nicht daß er die Kräftigkeit der heiligen Taufe in Zweifel zöge: die Taufe ist ihm allerdings das Bad der Wiedergeburt, aber er behandelt das, was die Taufe giebt, als eine absolut einfache, numerisch einzelne Größe, die man schlechtweg hat oder nicht hat. Durch die kleinste bewußte Sünde ist sie absolut verloren, "verschüttet", bis auf die Spur. Wer sie so verloren hat, für den hat die Taufe natürlich gar keinen positiven Werth mehr; er ist völlig wie ein Heide, wie Einer, an dem die Gnade nie wirksam geworden ist; er kann sich in keinem Sinne mehr auf die Taufe berufen. Von der göttlichen Zusage und Verheißung, die dem Abgefallenen noch tröstlich ist, hat Ehrenpfort kein Bewußtsein mehr: nur eine Verpflichtung legt die ehedem empfangene Taufe dem Gottlosen auf, die Verpflichtung, sich zu bekehren. Da aber dies eine reine Forderung ist, keine Gabe, zudem eine solche Forderung, welche dem Heiden gegenüber ganz ebenso gilt, - so ist klar, daß die Wirkung der Taufe durch den absolut gefaßten "Fall" (lapsus) schlechterdings aufgehoben wird.

Demnach liegt in der Berufung auf die Taufe durchaus kein Hinderniß, die Forderung der "Bekehrung" zu erheben und sie an Alle zu richten, welche derselben bis dahin noch nicht nachgekommen sind. Denn es wird kaum Einer sein, der nicht irgendwie und irgendwann seinen Taufbund übertreten und folglich ungültig gemacht hätte. Ohne Beachtung der bleibenden grundleglichen Bedeutung der Taufe für das ganze Christenleben innerhalb einer christlichen Gemeinde, ohne eine Anknüpfung an das Wirken des göttlichen Geistes während der Jugendzeit und unter vollständiger Vernachlässigung seiner stillen, allmählichen Arbeit an allen Gliedern einer Gemeinde Jesu Christi, wird nun der Wiedereintritt in den Taufbund durch die wahre Herzensbuße beschrieben, ganz wie die ruckweise Zurechtbringung des rohesten Heiden oder eines groben Verbrechers, mit angelegentlicher Hervor=

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hebung des Bewußten, des Fühlens und Empfindens, und mit Vorliebe für allerlei fremdartige mystische Phrasen. Wer diesen Proceß nicht so erfahren hat, wird angewiesen, sich für unbekehrt und noch unter dem Zorne Gottes stehend anzusehen. Der Weg einer allmählichen Belebung des Guten, welches im Getauften schlummert, kommt nicht in Betracht. Nicht ein stufenweises Heranwachsen zu bewußtem Glaubensleben, nicht Evolution, sondern ausschließlich Revolution des religiös=sittlichen Bestandes führt zum Heil.

Die Buße besteht aus Reue und Glauben. In jener soll die Seele ihr grundverderbtes, böses Herz und wie sie allerdings ganz todt und blind sei, mit inniger Scham, Demuth und Wehmuth vor Gott und Jesu Christo aufrichtig erkennen, beweinen und bekennen, sich für "meineidig durch Abfall von Gott und der in der Taufe erlangten Gnade verlustig" achten. Sie hat zwei Stadien: 1) die "guten Ueberzeugungen und Rührungen", 2) die "kindliche Reue" d. h. die Zerknirschung. Es wäre nun gefährlich, wenn man in der Zerknirschung nicht verweilen wollte aus Furcht vor der Verzweiflung. Eine solche Furcht ist grundlos. Denn die Zerknirschung ist kein glaubenloser Zustand, sondern, sobald ein Mensch den "redlichen Entschluß " faßt, sich und sein ganzes Herz "an Gott zu übergeben, damit es bekehrt werde", sobald ist schon der Glaube nach seinem Anfang in ihm entzündet. Die Entwicklungsstufen des Glaubens sind folgende: 1) Vermehrung der Zerknirschung; 2) Hunger und Durst nach der Gnade; 3) Hoffnung auf Gottes Hülfe, welche "bei manchen durch vielerlei Kämpfe wider den Unglauben nach und nach erst fest gemacht werden muß"; 4) Gewißheit der Sündenvergebung, "indem die Früchte derselben sich hervorthun".

Also: ehe der Glaube die Rechtfertigung oder doch die Gewißheit derselben zu Stande bringt, werden in ihm drei Stadien beschrieben, in welchen er sein eigenstes Werk nicht thut, sondern dazu dient das Verweilen in der Reue (im Bußkampfe) möglich zu machen. Denn wäre die Reue ohne Glauben, so müßte man aus ihr hinaus und zum Glauben hintrachten. Nun aber kann man ohne Gefahr der Verzweiflung in ihr verweilen, bis der harte Sinn recht zermalmt ist. Dem Interesse, dies einleuchtend zu machen, dient die ganze Auseinandersetzung. Das beherrschende ist die praktische Methode der Bekehrung: bewußter, einmaliger (wenn auch wiederholbarer) Bekehrungsact für jeden Christen in reinlich gesonderten, erkennbaren Momenten

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(Rührungen, Reue; Glaubensringen, Vergewisserung). Zu diesem Zweck wird der Glaube nicht mehr einfach als die Zuversicht (fiducia) beschrieben, welcher Erkenntniß und Beifall vorausgehen, sondern es wird in verwirrender Weise der Name Glaube dem werdenden Guten im Menschen überhaupt beigelegt, und dann doch mit diesem "Glauben" operirt, als sei er der Zuversicht gleichwerthig. Dies führt weiter dazu, die Zuversicht vom Glauben zu scheiden, und nun zwei Stufen im Glauben anzunehmen. Wie mir scheint, wird dadurch die lutherisch=kirchliche Vorstellung von "Glauben" gesprengt.

Es ist unmöglich, den großen religiösen und sittlichen Ernst, die Warme Frömmigkeit zu verkennen, welche sich in dieser wie in den beiden andern Predigten ausspricht. Das ist viel, aber es nicht Alles. Die orthodoxe Theologie betrachtet mit großer Weitherzigkeit alle Gemeindeglieder, die sich zu Gottes Wort und Sacrament halten und nicht durch offenbare Sünden das Gegentheil beweisen, als wirklich Gläubige. Sie behandelt den Berufenen rechtlich als Erwählten. Denn Gott allein vermag ins Herz zu sehen. Heuchelst du, so heuchelst du auf eigene Gefahr. Die wesentliche Verantwortung wird in das Gewissen des Einzelnen gelegt. Die lutherische Kirche ist gleich weit entfernt von der Beichtcontrole der römischen und der Policirung der calvinischen. Darnach hat sich ihre Praxis gestaltet, sie absolvirt den Bekennenden, sie spendet das Sacrament dem Begehrenden, sie predigt ihnen allen als Gläubigen und "Heiligen", wie Paulus 1 ), sie begräbt Jeden, den sie überhaupt als den ihren begräbt, "in der gewissen Hoffnung der Auferstehung zum Leben". So zu urtheilen scheint den Orthodoxen nicht nur ein Gebot der Nothwendigkeit, weil wir Niemanden ins Herz sehen können. sondern auch eine Pflicht der Liebe. Die Leipziger theol. Facultät sagt in einem später zu erwähnenden Erachten, daß man bei den in der Beichte Reue und Glauben Bezeugenden wirkliche Buße "ex judicio christianae charitatis praesupponiren und nicht erst fragen" solle, ob sie Buße


1) I. Corinth. I, 3 nach P. Pauli's v. Gorschendorf treffender Bemerkung. Aehnlich argumentirt schon Calvin gegenüber separatistischen Bestrebungen (Ritschl, Geschichte des Pietismus, I, S. 79) und Spener selbst in "Der Klagen über das verdorbene Christenthum Mißbrauch und rechter Gebrauch u. s. w." 1684 (vgl. Fecht Historia et Examen novae Theol. Indiff. S. 442, 449 ff.). Zur Stellung der Orthodoxen vergl. z. B. Fecht, Lectiones theol. in . . . Syllogen etc. S. 556. Institutio pastoralis S. 130: ut quilibet bonus, ita et Christianus praesumitur, donec probetur contrarium.
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gethan, wie Schmidt pflegte. Dasselbe judicium liege der kategorischen Absolutions=Formel zu Grunde und werde verletzt durch die declarative. Die Orthodoxie ist durchaus optimistisch, tief pessimistisch dagegen der Pietismus der jüngeren Hallenser. Dieser betrachtet die Christenheit als die von Gott abgefallene Menschheit, die Orthodoxie dagegen sieht in ihr das werdende Gottesreich 1 ). So betet Ehrenpfort zum Anfang und zum Schluß für "alle diese Seelen", daß sie mögen "erweckt werden" Gott in gehöriger Ordnung zu suchen, und daß sie diejenigen Gnadenschätze zu genießen bekommen, "welche du ihnen schon in der heiligen Taufe vormals geschenkt hast", - die sie aber ganz verloren haben. Denn die Masse der Gemeinde ist unbekehrt, todt, gottlos, Welt im biblisch=absoluten Sinne. Von ihnen werden die Gläubigen scharf unterschieden, in demselben Eingangsgebet: "Segne auch Deine Kinder, die unter uns sind u. s. w.". "Alle diese Seelen", und ihnen gegenüber: "wir" (S. 82), "Wir", die wenigen Bestimmten, Bekannten, welche die Buße dann und dann, da und da, so und so durchgemacht haben, die "Kinder Gottes", die "Redlichen", die "Rechtschaffenen", die "Gerechtfertigten", die "Bekehrten". Zwischen beiden stehen wiederum nicht solche, die still wachsen, schwanken, unklare, zu wenig erweckte, schwache oder sich scheu zurückhaltende Christgläubige: dazwischen giebt es nur solche, welche in der "Buße", und zwar in dem und dem Stadium derselben (Rührungen, Reue, Glaubenskampf) stehen und vom Geistlichen beobachtet, berathen, geleitet werden. Für jede dieser Classen wird nun besonders gepredigt. Man könnte gesonderte Gottesdienste für jede ansetzen. Wenigstens aber erhält jede ihren abgegrenzten Theil der Predigt; das hieß: das Wort Gottes recht theilen. (II. Tim. 2, 15.) Die principielle Bedeutung dieser Anschauung ist die, daß der Masse der Getauften der Christenname streitig gemacht, daß die Kirche als Volkskirche aufgegeben und auf das Conventikel reducirt wird.

Es ist ein ungeheurer Schritt von der kirchlichen zu dieser übrigens schon von Großgebauer vertretenen Auffassung. "Diese abstracte Scheidung zwischen Wiedergeborenen und Nichtwiedergeborenen, wie sie innerhalb der Kirche nicht nachweislich, bildet einen abstoßenden Charakterzug des Hallischen Pietismus" (Tholuck, Geschichte des Pietismus, S. 20). Und wie erst, wenn man mit dieser abstracten Scheidung


1) Hoßbach, Ph. J. Spener. 2. Aufl., S. 304.
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Ernst machte in concreto in der socialen und pfarramtlichen Praxis? Der Kreis, aus welchem die Darguner kamen, lehrte mit aller Energie so. Z. B. Lau, Hofprediger in Wernigerode: "Es ist daher auch ferner nichts gewisser, als daß, so oft ein Prediger vor seine Gemeinde tritt, er insgemein den größten Haufen derselben als Heuchler und Maulchristen ansehen muß 1 ). Hofdiaconus Ulitzsch zu Stolberg: "Die lutherische Kirche krimmelt und wimmelt von Heuchlern" 2 ). Schmidt=Levin erklärte später in einem Verhör vor dem Consistorium, daß er "bei seiner Ankunft zu der Gemeinde nach Levin alle erwachsene Personen vor Unwiedergeborene gehalten und also genennet".

Nichts hat die Dargunschen Gemeinden wie die meklenburgische Geistlichkeit so sehr gegen die Fremdlinge aufgebracht, als dies Absprechen des Christennamens dem Ganzen der etablirten Kirche gegenüber. Diese Anschauung ist aber die einfache Consequenz jener Bekehrungsschablone. Hängt die Gewißheit des Christenstandes von der Durchmachung der verschiedenen Stadien jener Methode ab, so ist für mich selber nicht nur eine Bekehrung "in der Ordnung" unerläßlich; ich kann auch keinen für einen rechten Christen achten, von dem ich nicht weiß, daß er sie durchlaufen hat. Und dies zu wissen, schien nicht eben schwierig. Man kargte in diesen Kreisen nicht mit der Aussprache der intimsten geistlichen Erlebnisse. Man war überzeugt, daß, wenn auch der Heil. Geist zuweilen verborgen an den Herzen arbeite, er doch nicht unterlassen werde, von der vollendeten Bekehrung deutlich Kunde zu geben. Und wo man diese Kunde nicht erhielt, war sofort das Urtheil da. Jene Unduldsamkeit, in welcher die alte Orthodoxie einem Reformirten und Katholiken das Prädicat "selig" nicht zugestehen wollte, wird vollständig aufgewogen durch den Anspruch auch der besten Pietisten wie A. H. Francke an jeden Gegner: vor allem Buße zu thun, - ausgehend von der Voraussetzung, daß Widerspruch gegen seine Weise und sein Werk nur von einem Unbekehrten ausgehen könne. Die gleiche Taktik befolgen die Darguner, indem sie jeden Gegner ihrer Methode für einen Gegner der Frömmigkeit, des "Guten" und Gottes überhaupt ausrufen, und als Bekennerleiden sich das anrechnen, was sie sich durch ihre


1) Schriftmäßige Beantwortung. S. 64.
2) Reidemeister, Nöthige Anmerkungen, S 19. Aehnlich klingende Aeußerungen kirchlicher Männer, wie des mit Luther so eng befreundeten Hieron. Weller (Tholuck, Geist der Wittenberger Theologen, S. 100) haben ein anderes Dilemma im Auge.
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sehr menschlichen Irrthümer und Fehlgriffe zugezogen hatten. Für jeden Gegner haben sie im Grunde nur die eine Antwort: er solle Buße thun und sich bekehren! Wer nicht zu ihnen hielt, war eo ipso unbekehrt und gottlos.

Wir werfen noch schnell einen Blick auf die beiden andern Predigten vom Jahre 1735.

Schmidt's Predigt über das Gebet verräth weniger Feuer, hat eine mehr verständige Haltung, zeigt indeß dieselbe Lehrart. Er beklagt, daß der "meisten" (Christen) Gebet ein Plappern sei, "da sie auch nicht einmal wissen was sie anbeten . . . . . Christus sagt solches selbst: Ihr wisset nicht, was ihr anbetet!" - Welche Anwendung des Schriftworts! Ganz genau entspricht sie dem Vorwurf Stieber's, daß die Darguner die Gemeinden hantiren wollten, als die Apostel die noch unbekehrten Juden und Heiden tractiret, da sie noch außer der Gemeinschaft der Kirche Gottes waren. Er betrachtet: 1) was annoch Unbekehrte, 2) was rechtschaffen Bußfertige, 3) was allbereits Gerechtfertigte beim Gebet zu merken haben. Zu den Unbekehrten gehören neben den offenbaren Sündern besonders die Weltehrbaren, die insgeheim den Sünden wissentlich dienen. Dies sind einfach alle diejenigen, welche den methodischen Bußweg nicht zurückgelegt haben: "Kömmt es auf ihr Herz an, so können sie nicht sagen, daß sie jemals ihre Sünden recht gefühlet, die Gnade Gottes in Christo recht gesuchet, noch weniger, daß sie eine Vergebung der Sünden geschmecket oder Gerechtigkeit und Friede und Freude im Heiligen Geist in sich empfunden haben". Sie sollen in ihr "Kämmerlein gehen" d. h. von Sünden, Welt und Geschäften sich losreißen, sich in solcher Entziehung von Allem recht in die Stille der Selbstprüfung begeben und um Bekehrung bitten. Die Bußfertigen sollen den Verkehr mit Weltkindern thunlichst meiden und "vor das rechte Kämmerlein, ich meine das Herz des Herrn Jesu", gehen und da anklopfen, so wird ihnen aufgethan und sie können hineingehen, wiewohl - "als wahrhaftig Bußfertige seid ihr schon in dem Herzen Jesu, aber ihr wisset es noch nicht, darum müßt ihr so lange anhalten mit Klopfen, bis ihr eingelassen und gewiß seid, dieser treue Heiland habe euch in seine Gemeinschaft aufgenommen". Dies ist bezeichnend. Nach kirchlicher Denkweise würde das: "ihr seid schon in dem Herzen Jesu" als Aufforderung gemeint sein, die quälenden Zweifel hindanzusetzen und sich dieser frohen Botschaft: "ihr seid schon" zuversichtlich zu getrösten. Aber das ist nicht im Ent=

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ferntesten die Meinung. Die Angeredeten "wissen es nicht", obwohl er es ihnen sagt, und er sagt es gar nicht, damit sie es "wissen". Sie "wissen" es erst, wenn sie durch ein besonderes Erlebniß, den "Durchbruch" oder, wie es später heißt: die "Publication" der Rechtfertigung des gewiß gemacht werden. - Gerechtfertigt heißen endlich die, welche "nach vorhergegangenem Leidetragen über ihren Sünden nunmehro den versprochenen Trost Christi geschmecket und das Zeugniß des Heiligen Geistes im Herzen wirklich empfinden, daß sie Gottes Kinder sind". Nach dem "Schmecken" heißen sie also erst gerechtfertigte; sie sind es aber nach dem Obigen schon während des Buß=, genauer Glaubenskampfes. Die Rechtfertigung im Sinne der Methode ist also hier etwas Anderes als die Rechtfertigung nach kirchlichem Sprachgebrauch.

Hövet handelt von der "Gewißheit bei denen Wiedergeborenen, daß sie Gottes Kinder sind". Im Tone weicher und inniger, theilt er mit seinen Freunden das unerquickliche Schwanken der theologischen Begriffe und die Vorliebe für mystische Phrasen: "sich immer tiefer in Jesum setzen"; "sich in Christi Versöhnungsschoß legen"; einen Andern bekehren heißt: "das Herz des Nächsten in die Wunden Jesu zerfließend machen"; die Gläubigen beten sich in Jesum hinein; der Abgefallene muß "in sein Nichts hineingehen und wieder zu Christum kommen;" den Gerechtfertigten ruft gar Christus zu: "kommt, ihr, meine Freunde, die ihr mich kennet, . . . . holet stets neues Blut aus meinen Wunden". Ebenso findet sich wieder die Bußkampf=Heilsordnung und die entsprechende Classification der Gemeinde im Schlußwunsch: "Die Gnade unsers Herrn Jesu sei mit euch allen, und bleibe bei denen, die ihn fürchten und lieben bis ans Ende". Noch ein anderer echt methodistischer Zug tritt vereinzelt auf: "Ach Herr Jesu, öffne doch diesen Augenblick einem jeden die Augen u. s. w."

Ueber die beiden ersten Predigten erschien nun in der Leipziger "Fortgesetzten Sammlung auserlesener Materien zum Bau des Reichs Gottes" (31. Beitrag) eine Recension (von Hövet?), welche viel böses Blut in Meklenburg machte. Es war da u. a. gesagt: "Gott lässet in einigen Gegenden unseres Landes, sonderlich in und um Dargun, sein Wort mit mehrerer Kraft und größerem Segen an denen Seelen anjetzo verkündet werden, als etwa sonst geschehen. Dannenhero denn auch die Leiden, welche das Evangelium ordentlich zu begleiten pflegen, die aldortigen Knechte Gottes betreffen.

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