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I.

Die äußere Politik

Albrechts II. von Mecklenburg

Von

Dr. Werner Strecker = Rostock

 

Vignette
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Abkürzungen


Römische Ziffern in den Noten ohne weitere Angaben beziehen sich auf die Bände des Mecklenburgischen Urkundenbuches (z. B. XVI, 9560 = Mecklb. Urkb. Bd. XVI, Nr. 9560). Die Ziffern hinter der Zahl des Bandes von Urkundenwerken bezeichnen die Urkundennummern/ wenn nicht ausdrücklich S. (= Seite) hinzugesetzt ist.

M. Jbb. = Jahrbücher des Vereins für mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde.

HR. = Hanserezesse.

HU. = Hansisches Urkundenbuch.

LU. = Urkundenbuch der Stadt Lübeck.

S. R. S. = Scriptores Rerum Svecicarum.

N. = Note.

 


 

 

Die Schrift ist an der Rostocker Universität gearbeitet und von der philosophischen Fakultät als Doktorarbeit angenommen worden.

Tag der Promotion: 17. Juni 1912.
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Öfter angeführte Quellensammlungen und Darstellungen.


Barthold , Geschichte von Rügen und Pommern, Bd. III. 1842 (zitiert: Barthold).

Boll , Geschichte des Landes Stargard. 1846 (zit.: Boll, Stargard).

Böhmer-Huber , Regesten Karls IV. (Regg. Imperii VIII) (zit.: Böhmer-Huber).

Daenell , Die Kölner Konföderation vom Jahre 1376 und die schonischen Pfandschaften. Leipziger Studien I, 1. Heft 1894 (zit.: Daenell, Köln. Konf.).

Denicke, Die Hansestädte, Dänemark und Norwegen von 1369 bis 1376. 1880.

Erslev , Dronning Margrethe og Kalmarunionens Grundläggelse. 1882 (zit.: Erslev, Dronning Margrethe).

Erslev , Repertorium diplomaticum historiae Danicae mediaevalis (zit.: Erslev, Repertorium).

Grandinson , Studier i Hauseatisk-Svensk Historia II. 1885.

Hildebrand , Medeltiden (Teil des großen Werkes verschiedener Historiker: Sveriges Histria intill tjugonde Seklet) zit.: Hildebrand Medeltiden, oder Hildebrand).

Hildebrand , Konung Magnus Eriksson och Skäne, Historik Tidskrift, utg. af Svenska Hist. Föreningen, 1882.

Hoffmann , Der Lüneburger Erbfolgestreit, Diss. Halle 1896 (zit.: Hoffmann).

Langebek , Scriptores Rerum Danicarum (zit.: Langebek).

Munch , Det norske Folks Historie VII (1862) und VIII (1863) (Zit.: Munch).

Oelgarte , Die Herrschaft der Mecklenburger in Schweden, Mecklb. Jahrb. LXVIII (zit.: Oelgarte).

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Reinhardt , Valdemar Atterdag oq hans Kongegjerning. 1880 (Zit.: Reinhardt).

Riedel , Codex diplomaticus Brandenburgensis (zit.: Riedel, Codex).

Rische , Geschichte der Grafschaft Schwerin. Programm. Ludwigslust 1893.

Rische , Mecklenburgische Geschichte in Einzeldarstellungen. Heft IV.

Rugenstein , Nikolaus III., Fürst von Werle-Güstrow. Diss. Rostock 1895. (zit.: Rugenstein).

F. A. Rudloff, Pragm. Handbuch der mecklenburgischen Geschichte. 1795-1822. (zit.: Rudloff, Mecklb. Gesch.).

Rudloff , Mecklenburgische Geschichte in Einzeldarstellungen. Heft III (zit. Rudloff).

Rydberg , Sverges Traktater med Främmande Magter II. 1883. (zit: Rydberg).

Schäfer , Die Hansestädte und König Waldemar von Dänemark. Hansische Geschichte bis 1376. 1879 (zit.: Schäfer Waldemar, oder Schäfer).

Scholz , Die Erwerbung der Mark Brandenburg durch Karl IV. Diss. Breslau 1874 (zit.: Scholz).

Styffe , Bidrag till Skandinaviens Historia I. 1859 (zit.: Styffe).

Sudendorf , Urkundenbuch zur Geschichte der Herzöge von Braunschweig-Lüneburg (zit.: Sudendorf).

Werunsky , Geschichte Kaiser Karls IV. (zit.: Werunsky).

Wehrmann , Geschichte von Pommern I (Allgemeine Staatengeschichte III. Abt.). 1904 (zit: Wehrmann).

 


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Einleitung.

Solange Mecklenburg ausschließlich von Wenden bewohnt war, blieb dem Lande der Segen höherer Kultur versagt. Die slavische Bevölkerung war unfähig zu jeder Entwicklung. Und von den Fürsten, die in jener Zeit hier herrschten, haben sich nur zwei zu staatsmännischem Wirken erhoben, deren Erfolge freilich ohne Dauer blieben; diese beiden aber, Gottschalk und Heinrich, waren deutschfreundliche Christen. Was die wendischen Stämme an Energie besaßen, äußerten sie im Raub zu Wasser und zu Lande und in zähem, immer wieder entfesselten Kampfe gegen die deutsche Herrschaft und die Ausbreitung des Christentums. Erst durch die deutsche Besiedelung Mecklenburgs, mit der zugleich die Christianisierung fortschritt, - durch die Vernichtung der heidnisch=wendischen Nationalität ward der Grund gelegt zur Entfaltung reicherer Kultur und ebenso zu dem Aufschwung, den die politische Geschichte des Landes oder, wenn man will, der mecklenburgischen Dynastie im vierzehnten Jahrhundert erfahren hat.

Die Besiedelung begann unter Heinrich dem Löwen. Das Machtgebiet Heinrichs im Wendenlande nahm den größten Teil der alten, mit dem Herzogtum Sachsen verknüpften billungischen Mark nordöstlich von der Elbe ein, deren ursprüngliche Grenzen es freilich im Süden überschritt, während es nach Vorpommern nicht mehr hinreichte 1 ). In diesen Landen hatten sich auf den Trümmern vom Reiche des Wendenkönigs Heinrich die obotritischen Fürsten Pribislav und Niklot ihre aneinander grenzenden Herrschaften gegründet, Pribislav wurde, nachdem Sachsen Heinrich dem Löwen zugesprochen war, sehr schnell seiner Gebiete beraubt, die sich darauf der deutschen Einwanderung erschlossen.

Niklot besaß den größten Teil des heutigen Mecklenburg=Schwerin 2 ). 1160 fiel er im Kampfe gegen den Sachsenherzog. Seine Söhne Pribislav und Wartislav behielten darauf nur den nordöstlichen Teil der Herrschaft ihres Vaters. Die übrigen


1) Über Heinrichs Mark vgl. Rudloff, Mecklb. Gesch. in Einzeldarst. III, S. 1 ff., wegen Vorpommerns Salis, Archiv f. Urkundenforschung I, S. 323 ff.
2) Rudloff a. a. O. S. 2.
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Gebiete wurden der Einwanderung geöffnet. Wirklich durchgeführt freilich wurde die Kolonisation zunächst nur im Schweriner Gebiete. Und als dann endlich Pribislav das väterliche Erbe nach Abtrennung des zur Grafschaft erhobenen Landes Schwerin im Westen und des größeren Teiles von Circipanien im Osten, der an Pommern kam oder gekommen war, als sächsisches Lehn zurückerhielt (1167) 3 ), da verschloß er sein Land, wenn auch nicht dem Kreuze, so doch dem Deutschtum.

Ende Dezember 1178 starb Pribislav; Heinrich Burwy und Nikolaus, Sohn und Neffe des toten Fürsten, stritten um die Herrschaft. Nicht lange darauf erfolgte der Sturz Heinrichs des Löwen; und weil nach des Herzogs Falle niemand mehr die Gebiete nordöstlich von der Elbe schützte, in diesen selber aber keine bedeutende Kraft des Widerstandes vorhanden war, so bot sich dem gerade damals durch Waldemar den Großen und Axel Absalon mächtig gehobenen dänischen Königtume die Gelegenheit, seine Herrschaft über die deutsche Ostseeküste auszudehnen. Bereits 1168 hatte König Waldemar Rügen erobert, mit dem vielleicht schon zu jener Zeit der nördliche Teil Vorpommerns, das Land Tribsees, verbunden war. Jetzt machte sich sein Nachfolger Knut den Pommernherzog untertan und zwang die beiden miteinander hadernden Obotritenfürsten zur Landesteilung und zur Anerkennung der dänischen Lehnsherrschaft (1185) 4 ). - Im Dienste Knuts fiel Nikolaus bei Waschow, wo er und sein Vetter den Grafen von Ratzeburg schlugen (1201). Burwy war fortan alleiniger Fürst des Obotritenlandes.

Auf Knut († 1202) folgte sein Bruder Waldemar der Sieger. Er vollendete die dänische Herrschaft im deutschen Norden und setzte durch, daß ihm Friedrich II. alle Lande nördlich der Elbe und Elde nebst Pommern abtrat, Gebiete, die man gar nicht mitrechnen wollte zu dem Reich von der Elbe unz an den Rîn und her wider unz an Ungerlant. Lange Zeit ist Burwy dem Könige treu geblieben, hat in Holstein, Livland und Estland 5 ) für ihn gestritten, doch wandte er sich, als Heinrich von Schwerin zur Vernichtung der Fremdherrschaft aufrief, von Dänemark ab. Einer seiner Söhne focht auf Seiten der deutschen Partei bei Mölln (1225). Und nach Burwys Tode fochten seine


3) Rudloff S. 26, 35. - 1236 kam (Circipanien wieder an Mecklenburg, Wiggers, Gesch. d. Stadt Gnoien (1855), S. 12, vgl. Rische, Meckl. Gesch. in Einzeldarst. IV, S. 3.
4) Wehrmann, Gesch. v. Pommern I, S. 92; Rudloff S. 82.
5) Rudloff S. 129 ff.
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Enkel - die Söhne waren noch vor ihm gestorben - in der Schlacht bei Bornhöved (1227), deren Verlust Waldemar den Sieger zwang, der Herrschaft über deutsche Gebiete zu entsagen. - Neben Holstein, Schwerin und Dannenberg standen auch die Lande der Obotritenfürsten außer den südlich der Elde gelegenen Gebieten, für die gemäß der alten Markengrenze die brandenburgische Oberhoheit galt, nunmehr wieder unter sächsischer Lehnsherrschaft 6 ).

Heinrich Burwys Besitz fiel an seine vier Enkel, und es entstanden die Herrschaften Mecklenburg, Rostock, Parchim und Werle, von denen nur Mecklenburg zu politischer Bedeutung emporwuchs. Es lag am Meer, umfaßte die Küste von Dassow bis Fulgen; die Südgrenze zog sich an der Grafschaft Schwerin entlang, die keilförmig in die Mitte Mecklenburgs hineinragte. Dazu kam, als sich die Herrschaft Parchim um die Mitte des Jahrhunderts wieder auflöste, noch ein Teil davon, Sternberg, an Mecklenburg 7 ). - An Enkel und Urenkel des ersten Regenten dieses kleinen Territoriums, an Heinrich II. (den Löwen) und seinen Sohn Albrecht knüpft sich der Höhepunkt mecklenburgischer Geschichte im Mittelalter. Freilich war inzwischen die Germanisierung der Obotritenlande, schon von Heinrich Burwy mächtig gefördert, vor sich gegangen. Deutsche Mönche, Bauern und Ritter waren ins Land gekommen, Städte waren entstanden, die Fürstenhöfe trugen deutsches Gepräge, das Lehnswesen hatte sich ausgebildet, und auf deutsche Kräfte konnten sich die beiden Nachkommen Niklots in ihrem Wirken stützen.

Heinrichs Vater wurde auf der Pilgerfahrt im heiligen Lande gefangen (1272) und kehrte erst, nachdem er sechsundzwanzig Jahre zu Kairo vertrauert hatte, in die Heimat zurück († 1302). Unterdessen hatte der Sohn, der in verwirrten Tagen der Vormundschaft herangewachsen war, die Regierung übernommen 8 ). Skrupellos, tatkräftig, kriegerisch, wurde er einer


6) Rudloff S. 155 und 160.
7) Rische, Einzeldarst. IV, S. 8.
8) Er war nach dem Tode seines jüngeren Bruders († 1289, Wigger, M. Jbb. L, S. 162) der einzige Erbe. - Für die Geschichte Heinrichs verweise ich auf Witte, Mecklb. Gesch. I; Boll, Stargard I; Reinhardt, Valdemar Atterdag Buch 1; Fischer, Heinrich d. Löwe v. Mecklb. (I: Seine Bezieh. zu Brandenburg, II: Seine Kämpfe mit Rostock und Wismar), Diss. Rostock 1889; Koppmann, Erwerb. d. Landes Stargard usw., M. Jbb. LV (gegen Fischer gerichtet); Stichert, Nilolaus II. v. Werle, Jahresber. d. Gr. Stadtschule zu Rostock 1891, 93, 96. Eine Biographie des Fürsten fehlt.
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der hervorragendsten norddeutschen Fürsten seiner Zeit. Kurz vor 1300 erwarb er von seinem Schwiegervater Albrecht von Brandenburg das Land Stargard und nicht lange darauf von Albrechts Nachfolger auch Wesenberg mit der Lize, das früher zu Werle gehört hatte, jedoch 1276 von den Brandenburgern erobert war 9 ), nebst Lychen als märkische Lehen, die freilich von der Herrschaft Mecklenburg durch die werlischen Gebiete getrennt waren.

Entscheidend ward es für Heinrichs Geschichte, daß in jener Zeit Erich Menved von Dänemark die deutsche Politik Knuts und Waldemars des Siegers wieder aufnahm. Als der erste Schritt hierzu getan wurde, als Nikolaus von Rostock sein Land von Erich zu Lehn nahm (1300), da stellte sich mit Nikolaus II. von Werle und anderen Fürsten auch Heinrich dem Könige entgegen. Doch gelang es diesem, nicht nur die Lehnsherrschaft zu behaupten, sondern sich in den Besitz des Landes zu setzen, von dem der rechtmäßige Fürst nur einen kleinen Teil behalten durfte. Außerdem mußte Nikolaus II. dem Könige die Burg Schwaan mit der Hälfte des Landes abtreten, ebenso eine Hälfte des Ländchens Gnoien, während er die zweite zunächst als Pfand behalten durfte 10 ).

Mit der Zeit gewann Erich eine vorherrschende Stellung in Norddeutschland und ließ sich jene Abtretung Kaiser Friedrichs II. durch den Habsburger Albrecht bestätigen; nur die Reichsstadt Lübeck wurde ausgenommen (1304). Fürst Heinrich trat in ein freundschaftliches Verhältnis zum Könige; jedoch hat er nicht, wie späterhin Erich von Lauenburg, die Grafen von Schwerin und die Fürsten von Werle 11 ), sein Territorium von ihm zu Lehn genommen 12 ). Zum Anschlusse an den früheren Gegner bewog ihn wohl von vornherein der Wunsch, das Land Rostock,


9) Boll, Stargard I, S. 83 f.
10) Stichert a. a. O. (1893) S. 9 ff. Auch sollte Kalen (z. Herrschaft Rostock gehörig) herausgegeben werden, das, ebenso wie Gnoien, nach Sticherts Ansicht von den Gegnern des Königs besetzt war. Gnoien hatte Nikolaus II. wahrscheinlich früher an den Fürsten von Rostock verpfändet (Stichert ebb. Anhang S. 31, s. dort S. 30 ff. überhaupt über Gnoien). Gnoien und Schwaan wurden hernach zur Herrschaft Rostock gerechnet.
11) Vgl. Koppmann, M. Jbb. XV, S. 213; VI, 3754 und 3811 (wegen des Datums Koppmann, Städtechron. XIX, S. 426 Anm. 2).
12) Zumal er sich seine Lande 1314 von Ludwig dem Bayern bestätigen ließ, VI, 3722 (Henricus . . . . fidelis noster dilectus). Es handelt sich um eine Erneuerung der Heinrichs Großvater 1236 von Friedrich II. erteilten Bestätigung (I, 447).
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wenn auch unter dänischer Oberhoheit, von Erich zu erhalten. Als dieser 1309 nach Schweden zog, um die Herrschaft seines Schwagers, des Königs Birger, der vor seinen aufrührerischen Brüdern geflohen war, wieder herzustellen, begleitete ihn Heinrich als Bundesgenosse. Einige Zeit später wandten sich beide zusammen mit einer Anzahl norddeutscher Fürsten zum Kampfe gegen Rostock und Wismar, die zu den hervorragenden Mitgliedern des wendischen Städtevereins gehörten und sich im Vertrauen auf ihre wachsende Kraft und den Beistand ihrer städtischen Helferinnen den territorialen Verbänden zu entziehen suchten. Hier gingen Heinrichs und des Königs Interessen Hand in Hand; denn der Fürst war Landesherr über Wismar, und diese Stadt hatte ihm 1310 die Tore geschlossen, ebenso hatte Rostock im nächsten Jahre an Erich gehandelt. Heinrich war einer der eifrigsten Verfechter der landesherrlichen Rechte den Seestädten gegenüber. Schon früher hatte er Gerhard II. von Holstein=Plön gegen das reichsfreie Lübeck unterstützt, das nur dadurch, daß es den Dänenkönig zum Schutzherrn annahm (1307) 13 ), der Gefahr, holsteinisch zu werden, entgangen war. - In dem nun gegen Wismar und Rostock eröffneten Kampfe hat Heinrich das Beste getan. Er leitete die Belagerung nicht nur seiner eigenen Stadt, sondern, als dänischer Hauptmann (Hauptmann des Landes Rostock) auch die Rostocks und bezwang beide Städte (1311 und 1312). Stralsund und Greifswald, ihre Verbündeten, suchten den Frieden.

Unterdessen entzweite sich Stralsund mit seinem Landesherrn, dem dänischen Lehnsmanne Wizlav von Rügen. Dieser verband sich mit Heinrich und anderen Fürsten (9. Januar 1314). Stralsund stellte sich unter den Schutz des Markgrafen Waldemar von Brandenburg; doch scheint der Zwist beigelegt zu sein. Am 11. August schloß Heinrich zu Templin ein Bündnis mit Waldemar und erhielt von ihm das Versprechen eines Lehns von 200 Stücken Geldes; dann begleitete er ihn auf der Fahrt zur Königswahl. - Im nächsten Jahre aber entbrannte der Stralsunder Hader von neuem; vergebens war wiederholt versucht, eine Einigung zu erzielen. Wizlav hatte Erich Menveds Hilfe angerufen, und nun erhob sich im Anschluß an den sundischen Streit der große Kampf zwischen Dänemark und Brandenburg, in dem der Markgraf dem Vordringen des dänischen Einflusses ein Ziel zu setzen suchte. Heinrich war des


13) Schäfer, Waldemar S. 96 ff.
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koninghes helpere unde hovetman sines orloghes 14 ); er war ihm längst unentbehrlich geworden, war geradezu die Stütze seiner Stellung in Norddeutschland. In dem entscheidenden Treffen bei Gransee (1316) schlug er Waldemar und erhielt dann im Templiner Frieden (24./25. November 1317) nicht nur Stargard 15 ) bestätigt, sondern wurde vom Markgrafen zudem mit Schlössern und Landen Eldenburg (Lübz mit der Ture) und Wredenhagen, die früher zum werlischen Besitz gezählt hatten, belehnt; doch sollten sie nur dann überliefert werden, wenn Waldemar, ohne einen Sohn zu hinterlassen, sterben würde 16 ). Schon vorher (7. Januar) hatte Heinrich die Herrschaft Rostock von Erich Menved als Pfandlehn erhalten; er sollte sie besitzen, bis er für seine Kriegskosten entschädigt sei 17 ). Einen Teil dieser Herrschaft, das Land Kalen und das Ländchen Hart, die der König dem Rostocker Fürsten gelassen hatte, wovon sich Kalen aber bereits in den Jahren 1305 bis 1309 in gemeinschaftlichem Besitze Nikolaus' II. von Werle und Heinrich findet, hatten diese beiden vor dem 12. Oktober 1316 unter sich aufgeteilt 18 ). -

Im August 1319 starb Markgraf Waldemar. Sein Erbe war ein unmündiger Vetter, der ihm ein Jahr darauf im Tode folgen sollte. So gut wie herrenlos waren Waldemars weite


14) Detmar S. 425 f.
15) Mit Wesenberg und Lychen, die dazu gerechnet wurden und hier nicht besonders genannt sind ("Stargard im weiteren Sinne" Boll I, S. 124).
16) VI, 3942.
17) VI, 3871.
18) VI, 3721 mit Anm.; Koppmann, M. Jbb. LV, S, 219 f.; Stichert a. a. O. (1893) S. 9 Anm. 8, vgl. S. 13 f. In den Darstellungen der mecklb. Gesch. findet sich vielfach (so bei F. A. Rudloff II, S. 213 f.; Lützow II, S. 116; E. Boll, Gesch. Mecklenburgs I, S. 124) die Ansicht, daß die Teilung Kalens und Harts nach dem Tode Nikolaus' von Rostock vollzogen sei, eine Ansicht, die auch VI, 3721 Anm. für wahrscheinlich gehalten wird. Dagegen vgl. Stichert a. a. O. (freilich konnte die Teilung auch noch vor 5. Februar 1311 stattgefunden haben). - Wenn sich nun bei der werlischen Landesteilung vom 2. Dezember 1316, die nach dem Tode Nikolaus' II. (12. Oktober 1316) vor sich ging, ganz Kalen in werlischer Hand findet und nunmehr an Johann II., den Bruder Nikolaus', kam (Koppmann a. a. O.), so wird sich dies folgendermaßen erklären. Wie Koppmann bemerkt, ersehen wir aus VI, 3969 (4. April 1318, Bündnis zwischen Waldemar und Brandenburg, Erich Menved und Heinrich v. Mecklb. gegen Johann II.), daß Johann II. dat land tů dem Caland als Pfand innehatte und gegen den Pfandschilling herausgeben sollte. Da jedoch hier, wie schon F. A. Rudloff (II, S. 233) sah, offenbar nur eine Hälfte des Landes, und zwar die mecklenburgische, die also Heinrich schon an Nikolaus II. verpfändet hatte, gemeint ist, so war in der Tat ganz Kalen, eine Hälfte aber nur als Pfand, in werlischem Besitze.
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Gebiete schon gleich, nachdem dieser selbst die Augen geschlossen hatte, und es bot sich, da die Reichsgewalt durch den Kampf, der sich aus der Doppelwahl von 1314 ergeben hatte, gelähmt war und nicht fest eingreifen konnte, den umwohnenden Fürsten die Gelegenheit, Teile der verwaisten Lande in Besitz zu nehmen. Heinrich nützte diese Gelegenheit aus. Gemäß der Bestimmung des Templiner Friedens überlieferten die markgräflichen Drosten Kröcher und Redern ihm Eldenburg und Wredenhagen. Außerdem traten sie ihm den Pfandbesitz der Prignitz ab, die ihnen für 20000 M versetzt war. Weiter schloß sich ihm die Ukermark an. Und endlich errang er in der Altmark gemeinsam mit seinem Schwager Rudolf von Sachsen=Wittenberg Erfolge; doch stießen beide hier mit den Interessen Ottos von Braunschweig-Lüneburg und des Erzbischofs von Magdeburg zusammen. In der Ukermark hatte Heinrich das Gewonnene gegen die Herzöge von Pommern=Stettin und =Wolgast zu verteidigen 19 ).

Drei Monate nach Markgraf Waldemar war auch Erich Menved gestorben, und gleich darauf hatte Heinrich sich angeschickt, die Herrschaft Rostock für die Dauer in Besitz zu nehmen und von der dänischen Oberhoheit loszureißen. So geriet er in Zwist mit dem neuen Könige, Christoph, dem Bruder Erichs. Christoph, fand in Deutschland Unterstützung, besonders bei den pommerschen Gegnern des Mecklenburgers; der Streit um Rostock verwob sich mit dem märkischen Kriege. Heinrich knüpfte mit Schweden an. Hier war König Birger endgültig vertrieben und sein Neffe Magnus Erichsson auf den Thron erhoben worden, ein unmündiger Knabe, der nach dem Tode seines Großvaters mütterlicherseits, des Königs Hakon von Norwegen, auch dessen Krone erhalten hatte. Seine Mutter Ingeborg suchte sich in beiden Reichen der Regierung zu bemächtigen. Gemeinsam mit ihrem Vertrauten und späteren zweiten Gatten Knut Porse, dem Hauptmann zu Warberg, plante sie einen Angriff auf Schonen, um dem Dänenkönige diese Provinz zu rauben. Mit ihnen setzte sich Heinrich in Verbindung. Am 24. Juli 1321 schloß in seinem Auftrage der Ritter Martin von der Hude mit Ingeborg und - dem Namen nach - mit Magnus zu Bohus ein Abkommen, wonach der junge König seine vierjährige Schwester Euphemia mit Albrecht, dem dreijährigen Sohne des Fürsten verlobte; dazu wurde ein Hülfsbündnis ge=


19) Vgl. auch Wehrmann I, S. 133 f.
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schlossen 20 ). Aber aus der Eroberung Schonens wurde nichts; Ingeborg verlor in Schweden und bald darauf auch in Norwegen ihren Einfluß.

Unterdessen Suchte Heinrich in einem Gewirr wechselreicher Fehden seinen Rostocker Besitz und die märkischen Gebiete zu verteidigen. Drei Jahre schon währten die Kämpfe, als die Nachricht kam, daß Ludwig der Bayer, der Sieger von Mühldorf, seinen ältesten gleichnamigen Sohn mit der Mark belehnt habe (vor dem 4. Mai 1323). Wegen dieser neuen Gefahr entschloß sich Heinrich zum Frieden mit Christoph; am 21. Mai 1323 nahm er die Herrschaft Rostock mit Gnoien und Schwaan von ihm und seinem Sohne Erich zu Lehn 21 ). Mit den Vertretern des jungen Markgrafen einigte er sich erst im übernächsten Jahre endgültig. Am 24. Mai 1325 schloß er mit den Grafen von Lindow, den Vormündern des jungen Ludwig, an der Daber einen Vertrag, wonach Heinrich gegen 8000 M brand. Silbers auf die Prignitz sowie auf Seehausen und Werben in der Altmark verzichtete; für das Geld wurden ihm Meyenburg und Grabow verpfändet 22 ). Am 3. Juni folgte bei Gaudenitz ein zweiter Vertrag; der Fürst leistete auch auf die ukermärkischen Vogteien Jagow, Stolp und Liebenwalde Verzicht, doch wurde ihm eine Entschädigung von 20000 M , brand. Silbers zuerkannt, wofür die drei Vogteien selber zu Pfand gesetzt wurden 23 ). Somit entsagte Heinrich seinen märkischen Erwerbungen für im ganzen 28000 M .

Doch nicht lange ruhte er von diesen Kämpfen aus. Die Ereignisse in Dänemark boten ihm neue Gelegenheit, sich zu betätigen. Eben jetzt, 1325, war es zwischen König Christoph und Gerhard dem Großen von Holstein=Rendsburg, der von seinem Vetter Johann von Plön unterstützt wurde, um die Vormundschaft über Schleswig zum Bruche gekommen. Im nächsten Jahre erhob sich der dänische Adel und machte mit Gerhard gemeinsame Sache gegen den König. Dieser, dem der Boden unter den Füßen wankte, erkaufte am 3. Mai zu Nykjöbing (Falster) für 17000 M Silb. Köln. auf ein halbes Jahr den Beistand Heinrichs von Mecklenburg, Johanns II. Von Werle=Güstrow und Johanns III.


20) VI, 4285 ff., vgl. 4295. Munch, Det norske Folks Historie VII, S. 41 ff.
21) VII, 4443.
22) VII, 4630.
23) VII, 4633.
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von Werle=Goldberg 24 ). Für 14000 M , die der König nicht sogleich zahlte, wurden die Inseln Laaland, Falster und Möen den drei Fürsten verpfändet 25 ). In Rostock fand Christoph zunächst eine sichere Stätte. Dann versuchte er mit mecklenburgischer und werlischer Hülfe, seine Herrschaft in Dänemark wieder herzustellen. Am 22. Juni empfingen Johann von Werle und Fürst Heinrich am Grönsund die Pfandhuldigung Möens und der Stadt Stege auf der Insel 26 ). Aber schon am 7. Juni war der junge Waldemar von Schleswig zum dänischen König gewählt worden, und Christophs Zug blieb erfolglos. Schon am 13. Juli schloß Heinrich auf der Insel Bogö (zwischen Falster und Möen) mit (Gerhard, dem Vormunde des neuen Königs, Frieden 27 ). Gegen reiche Versprechungen erklärte sich Heinrich bereit, den König nicht mehr zu unterstützen. Für den Fall, daß dieser ihn "von sich weise" 28 ), ließ er sich die Belehnung mit Rostock durch Waldemar in Aussicht stellen. Möen und Falster sollten für 14000 M , wieder eingelöst werden, wenn "der von Wenden" 29 ) sich dem Frieden anschlösse, sonst Heinrichs Anteil für 7000 M . Die Verpfändung Laalands wurde nicht bestätigt; doch blieb wenigstens die Pfandsumme die gleiche wie für alle drei Inseln.

So war Heinrich bereit, König Waldemar anzuerkennen. Trotz der Klausel über Rostock bedeutete der Friede vom 13. Juli eine vollständige Änderung seiner Stellung. Da suchte König Christoph ihn noch einmal an sich zu fesseln. Am 3. Mai in Nykjöbing hatten Heinrich und die Werler dem Könige auch gegen Wartislav IV. von Pommern=Wolgast Hilfe versprochen 30 ). Dieser hatte das Erbe des Fürsten Wizlav von Rügen angetreten, ohne Christoph, der ihm einst die Anwartschaft erteilt hatte, den


24) Nach dem Tode des Fürsten Nikolaus II., der alle werlischen Lande in seiner Hand vereinigte, hatten Johann II. und Johann III., Bruder und Sohn des Verstorbenen, dessen Besitz unter sich geteilt (1316).
25) VII, 4726.
26) VII, 4741.
27) VII, 4750.
28) van sik wisit (der Lehnspflicht entlasse), wert it en sone, das kann nur heißen, wenn es zu einem Frieden komme, in dem Christoph der Krone entsage.
29) Hier und ebenso bei der Pfandhuldigung Möens vom 22. Juni wird nur einer der Herren von Werle genannt. Ich finde dafür keine rechte Erklärung. Nach Detmar S. 454 machten beide Fürsten den Zug mit.
30) VII, 4725.
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Lehnseid zu leisten 31 ). Aber Wartislav hatte gleich darauf eingelenkt. Hernach freilich hielt er es mit König Waldemar; doch starb er am 1. August. Und nun gab Christoph Insel und Festland Rügen dem Fürsten Heinrich und den Werlern zu Lehen; sie sagten ihm dafür wiederum Beistand gegen seine Gegner in Dänemark zu (6. August) 32 ). Die noch unmündigen Söhne Wartislavs 33 ) ihrerseits empfingen durch König Waldemar die Belehnung. So kam es zwischen Mecklenburg, Werle und Wolgast um die Nachfolge in Rügen zu einem heftigen Kriege, in dem Stralsund und einige pommersche Städte, vor allem Greifswald, die Sache der jungen Herzöge führten. Im September langte Gerhard von Holstein, der Verweser Dänemarks, mit Truppenmacht in Stralsund an und übernahm die Vormundschaft über Wartislavs Erben. Aber zum zweitenmal verständigte sich Heinrich über König Christoph hinweg mit dem Grafen. Es wurde ein Waffenstillstand geschlossen, und Gerhard kümmerte sich hinfort nicht mehr um Rügen 34 ), während die verbündeten Fürsten ihn in Dänemark ungestört ließen. Doch gelang es ihnen nicht, sich in den Besitz des strittigen rügischen Landes zu setzen. Am 27. Juni 1328 schlossen sie mit Barnim III. von Pommern Stettin, der nunmehr Vormund der Wolgaster war, einen Frieden, wonach sie gegen 31000 M löth. Silb. köln. Gew. auf ihre Ansprüche verzichteten. Für das Geld wurden ihnen Schlösser und Lande Barth, Grimmen und Tribsees verpfändet; bis zum 6. Dezember 1340 mußten diese wieder eingelöst werden, sonst sollten sie verfallen 35 ). Bei der Teilung mit den Werlern erhielt Heinrich Barth und die halbe Abtei Neuenkamp 36 ).

Ein halbes Jahr darauf ist Fürst Heinrich gestorben (21. [22.?] Januar 1329) 37 ). Er hinterließ außer dem angestammten Besitz die Herrschaft Rostock als dänisches Lehn, die an Mecklen=


31) Über den rügischen Nachfolgestreit vgl. Barthold, Gesch. v. Rügen u. Pommern III, S. 197 ff. S. 201 finden sich einige Fehler (vgl. VII, 4725 f.), doch ist hierfür Rudloff, auf den B. sich stützt, und in letzter Linie Chemnitz verantwortlich zu machen.
32) VII, 4756 (Rostock).
33) Bogislav V. und Barnim IV. Drei Monate nach dem Tode Wartislavs gebar seine Gattin noch einen dritten Sohn, Wartislav V. (Barthold III, S.211; Wehrmann I, S. 136).
34) Barthold S. 211 und 216; vgl. VII, S. 573, 575, 577; Detmar S. 456.
35) VII, 4940.
36) VII, 4943 (nach Kirchbergs Chronik).
37) Wigger, Stammtafeln, M. Jbb. L, S. 159.
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burg grenzend mit diesem ein zusammenhängendes Gebiet an der Küste, vom Priwall bis zum Ribnitzer Binnenwasser, ausmachte. Dazu kamen das Land Stargard mit Wesenberg und Lychen, dann Eldenburg, die alle unter märkischer Oberhoheit standen 38 ). Auch das Schloß Strelitz hatte er - wir wissen nicht wie - in seine Hand gebracht 39 ). - Weiter hinterließ er bedeutende Pfandschaften in der Mark und auf dem Festlande Rügen; in den Pfandbesitz von Möen und Falster endlich, die ihm und den Fürsten von Werle geblieben waren, hatte er sich mit diesen dahin geteilt, daß ihm Möen und noch ein Stück von Falster zufiel 40 ).

Heinrich hatte deutsch=territoriale und nordische Politik, beide des öfteren in engem Zusammenhange, getrieben. Während der Zeit seiner Regierung hatte sich die politische Lage Mecklenburgs insofern geändert, als die lose Verbindung, die zwischen ihm und dem Reiche bestanden hatte, allmählich etwas fester wurde; nach der Erwerbung der Mark durch die Wittelsbacher traten die Lande nordöstlich von der Elbe aus ihrem Sonderdasein heraus. Mit Schweden hatte Heinrich eine Verbindung angeknüpft, die für sein Haus folgenreich werden sollte. Beziehungen zu Dänemark waren für seine Erben schon durch Rostock gegeben. Mit den


38) Über Wredenhagen s. Anlage 1.
39) Boll, Stargard I, S. 279 Anm. 2, und II, S. 3. - Doch ist es vielleicht zuviel gesagt, wenn Boll und vielleicht zuviel gesagt, wenn Boll und nach ihm Koppmann, M. Jbb. LV, S. 235, meinen, daß auch das ganze Ländchen Arnsberg in Heinrichs Besitz war. Über Arnsberg vgl. Boll I, S. 132 ff.
40) Am 20. Mai 1330 lassen die Vormünder der Söhne Heinrichs sich von den Fürsten von Werle das Versprechen geben, die Grenze auf Falster innezuhalten (VIII, S. 131). Am 20. Juli 1344 (IX, 6434, Erbverbrüderung zwischen den Fürsten v. Mecklb. u. Werle=Güstrow) findet sich Möen mit Stege in mecklenburgischem, Falstere half im Güstrower Besitze. Die andere Hälfte von Falster hatte also offenbar der Goldberger Fürst. Bei der Güstrower Landesteilung vom 14. Juli 1347 (X, 6779, S. 136) war Nycopinghe unde dat land to Valstere in güstrowscher Hand. Ob hiermit etwa nur die Hälfte des Landes gemeint war, oder ob Johann von Goldberg seine Hälfte den Vettern überlassen hatte, muß zweifelhaft bleiben. 1348 gewann dann König Waldemar Atterdag Nykjöbing und Stege, d. h. wohl beide Inseln, ganz zurück (Seeländ. Chronik, Langebek VI, S. 525). - Vgl. über die Pfandschaften Reinhardt, Valdemar Atterdag S. 32 u. Anm. z. Buch 1 Nr. 29, 127 f. u. Anm. z. Buch 2 Nr. 81 u. S. 165. Doch hat Reinhardt die Erbverbrüderung vom 20. Juli 1344 mißverstanden und als Tauschvertrag aufgefaßt. So ist er zu dem Irrtum gekommen, daß Möen an Werle und eine Hälfte von Falster an Mecklenburg gegeben sei. Der Wortlaut der Urkunde ist allerdings ungenau.
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starken dänischen Einfluß auf Norddeutschland freilich, wie ihn Erich Menved ausgeübt hatte, war es vorüber. Die Macht des Inselreiches wurde durch die Holsteiner, die dort nur sehr eigennützige Ziele verfolgten, tiefer und tiefer herabgedrückt. Außer in Rostock war in den heute mecklenburgischen Landen nirgends mehr von dänischer Lehnsherrschaft die Rede, sondern lediglich von brandenburgischer und der alten sächsischen, die jedoch nur für die Geschichte der Grafschaft Schwerin hernach noch einmal von Wichtigkeit wurde.

Es war Heinrich nicht gelungen, alle seine Pläne in vollem Maße durchzuführen. Ohne das aber, was er geschaffen hatte, ist die Geschichte seines Sohnes undenkbar. -

 


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I.

Die äußere Politik der Vormundschaft

1329-1336.

Die Zeit der vorherrschend
deutsch-territorialen Politik Albrechts

1336-1360.


1.

Die äußere Politik der Vormundschaft.

Fürst Heinrich hinterließ außer mehreren Töchtern zwei unmündige Söhne, Albrecht (geb. 1318) und Johann (geb. 1326?), die aus seiner zweiten, mit Anna von Sachsen=Wittenberg geschlossenen Ehe stammten. Mit der Führung der Vormundschaft hatte er kurz vor seinem Tode sechzehn seiner Ritter und die Ratmänner der Städte Rostock und Wismar beauftragt. Diese Vormünder wurden von dem Grafen Heinrich von Schwerin, einem Freund, und durch Herzog Rudolf von Sachsen, den Schwager des verstorbenen Fürsten, die jedoch beide nicht dem von Heinrich eingesetzten Kollegium angehörten, mit Rat und Tat unterstützt. Sie vorstunden de kindere unde de lant mit groten eren 1 ), haben sich, soweit wir übersehen können, mit Ausnahme des Ritters Bolte Hasenkop, ihres Amtes würdig gezeigt 2 ).

Es war natürlich, daß die Vormundschaft darauf verzichtete, die Eroberungspolitik Heinrichs fortzusetzen, und mit den umwohnenden Fürsten Frieden zu halten suchte. Die Belehnung


1) Detmar § 561.
2) Die von Lützow (Mecklb. Gesch. II), Lisch (M. Jbb. VII) und E. Boll (Mecklb. Gesch. I) gegen die Vormundschaft erhobenen Vorwürfe finden in den Quellen keine Begründung. Eine nähere Darlegung kann ich hier nicht geben. Mit Recht ist in den neueren Arbeiten von Rische und Witte günstig über die Vormundschaft geurteilt worden.
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mit Rostock ward in richtiger Würdigung des augenblicklichen Standes der dänischen Dinge von König Christoph erbeten. Dieser hatte sich im November 1328 mit seinem Stiefbruder Johann von Holstein verständigt 3 ) und gewann nun allmählich wieder Boden. Zusammen mit seinem Sohne Erich verlieh er am 25. Juni 1329 zu Schlutup den beiden mecklenburgischen Fürsten, ihren zukünftigen Erben und ihren ebenfalls unmündigen Schwestern Beatrix und Agnes die Lande Rostock, Gnoien und Schwaan zur gesamten Hand. Albrecht und Johann mußten sich, ebenso wie im Jahre 1323 ihr Vater, verpflichten, dem jeweiligen Dänenkönige jenseits der See, in Dänemark, Schweden und Norwegen mit 50 Reitern, in Deutschland dagegen mit ganzem Aufgebote und allen Schlössern zu dienen. Albrecht empfing die Belehnung persönlich, seine Geschwister sollten später ein Gleiches tun 4 ). - Bald darauf ward Graf Gerhard durch seinen Plöner Vetter bewogen, in die Entthronung des Schleswigers Waldemar und die Wiedereinsetzung Christophs zu willigen. Dieser erlebte noch ein kurzes Nachspiel seiner Herrschaft in Dänemark; freilich war er - und auch der Plöner Graf wollte das nicht anders - nur ein Schattenkönig, mußte das Reich zum großen Teile als Pfand oder Lehn den Holsteinern überlassen. Immerhin galt er wieder als rechtmäßiger Herrscher. Am 11. und 12. November 1329 findet sich der junge Albrecht mit vieren seiner Vormünder bei ihm in Ringsted auf Seeland; auch die Fürsten von Werle waren zugegen. Hier verglich sich Christoph mit seinem alten Gegner Knut Porse, der durch König Waldemar zum Herzog von Südhalland erhoben war (11. November) 5 ). Am nächsten Tage belehnte er den Grafen Johann mit Fehmarn und verpfändete ihm u. a. Schonen und Seeland, ausgenommen Kallundborg und das, "was die von Wenden, die von Mecklenburg und Herzog Knut in den Landen haben" 6 ).


3) Vgl. Koppmann, Hans. Geschbb. 1873, S. 209; Detmar S. 460 mit Anm. 7.
4) VII, 5066. Die Urkunde stimmt mut. mut. zum großen Teile fast wörtlich mit dem Reverse überein, den Fürst Heinrich am 21. Mai 1323 über die ihm erteilte Belehnung mit Rostock ausstellte (VII, 4443). - Auffallend ist es, daß Beatrix und Agnes mitbelehnt wurden. Beatrix (geb. 1324) trat, wie ihr Vater bestimmt hatte, ins Kloster Ribnitz ein (Palmsonntag 1329); sie starb 1399 (Äbtissin zu Ribnitz 1349-98). Agnes, die noch jünger war als Beatrix, wurde im Januar 1338 mit Nikolaus III. von Werle=Güstrow verlobt und heiratete ihn bald darauf; sie starb schon vor 1341 (Wigger, M. Jbb. L, S. 166).
5) VIII, 5093.
6) VIII, 5094.
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Für Mecklenburg handelte es sich hier augenscheinlich um die Ortschaften Kallehauge und Vibemose auf Seeland, die sich hernach im Pfandbesitze des Fürstenhauses finden 7 ) und vielleicht schon vom Fürsten Heinrich erworben waren.

Schon vorher traf die Vormundschaft wichtige Übereinkünfte mit der Mark. Sie erstrebte für Albrecht und Johann die Belehnung mit den unter brandenburgischer Oberhoheit stehenden, von Heinrich erworbenen Gebieten 8 ). Überdies hatten sich aus der Pfandschaftangelegenheit Weiterungen ergeben, die geordnet werden mußten. Die für Meyenburg und Grabow zu zahlenden 8000 M hatten in sechs Raten abgetragen werden sollen, von denen die erste am 11. November 1325, die letzte am 1. Mai 1328 fällig gewesen war, die 20000 M für Stolp, Liebenwalde und Jagow in fünf Raten, deren erste am 6. Dezember 1325 und deren letzte am 6. Dezember 1327 hatte entrichtet werden sollen. Zahlungen waren jedoch kaum geleistet worden, und es hatten sich deshalb Streitigkeiten erhoben. ImApril 1326 rechnete Heinrich mit der Möglichkeit, daß er wegen der Einlösung der Pfandschaften mit der Mark in Krieg geriete 9 ), und noch zu Anfang August desselben Jahres war diese Gefahr nicht beseitigt 10 ). Ob es wirklich zum offenen Kampfe kam, läßt sich nicht sagen 11 ).

Nach Heinrichs Tode mag man in der Mark die Belehnung Albrechts und Johanns von einer Auseinandersetzung über die


7) Vgl. VIII, 5591.
8) Ob der verstorbene Fürst von wittelsbachischer Seite neu belehnt wurde, ist unbekannt. Koppmann, M. Jbb. LV, S. 232 meint, es sei nicht der Fall gewesen, doch kann trotz dem Mangel eines urkundlichen Zeugnisses die Belehnung sehr wohl stattgefunden haben. - Wenn Ludwig der Bayer seinen Sohn am 24. Juni 1324 abermals mit der Mark und dazu mit den Herzogtümern Stettin und Demmin, dem Lande Stargard usw. belehnte, so war nur die Oberhoheit über diese drei gemeint. Das ist nach der Urkunde (Riedel II, 2 S. 14) anzunehmen.
9) Vgl. VII, 4717 f.
10) Als König Christoph am 6. August 1326 Heinrich und die Werler mit Rügen belehnte, wogegen sie ihm 200 Mann wider seine Feinde in Dänemark zu stellen hatten, wurde bestimmt, daß die Fürsten die Truppen persönlich über die See führen sollten, si proprias gwerras cum . . . . marchione non habuerint (die Werler wurden offenbar als Heinrichs Bundesgenossen betrachtet). VII, S. 384.
11) Das Bündnis Heinrichs mit Pommern=Stettin vom 15. November 1328 (VII, 4992), das von Barthold (III, S. 231) und Boll (Stargard I, S. 279) als gegen die Mark gerichtet angesehen wurde, ist von Koppmann (a. a. O. S. 233) in einen anderen Zusammenhang gestellt worden.
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Pfandschaften abhängig gemacht haben. Im September 1329 war von den 8000 M noch nichts bezahlt; ob von den 20000 M etwas abgetragen war, muß unentschieden bleiben. Nun aber einigte sich die Vormundschaft mit den brandenburgischen Bevollmächtigten zu Wittstock über einen Vergleich, der, wohl unmittelbar darauf, bei der görnischen Brücke beurkundet wurde (24. September). Der junge Markgraf belehnte die Mecklenburger mit Stargard, Lychen, Wesenberg mit der Lize, Eldenburg mit der Ture und 200 Stücken Geldes 12 ) aus der Vogtei Jagow. Er erhielt die drei ukermärkischen Pfandschaften und Meyenburg zurück, und es wurden ihm die für Meyenburg zu zahlenden 4000 M nebst den Zinsen für vier Jahre erlassen. Dafür belehnte er Albrecht und Johann des weiteren mit dem Lande Arnsberg samt dem Städtchen und Neuendorf, sowie mit dem Schlosse Strelitz, das ja Fürst Heinrich schon besessen hatte, nebst dem Dorfe und der Pare. Endlich sollte er ihnen 2800 M brand. Silb. zahlen. Zugleich wurde ein zehnjähriges Hilfsbündnis geschlossen, wobei freilich von mecklenburgischer Seite fast alle umwohnenden Fürsten behutsam ausgenommen wurden 13 ).

So waren die von Heinrich erworbenen märkischen Lehen seinen Söhnen bestätigt, außer Wredenhagen, das sich seit dem 23. Mai 1329 in werlischer Hand findet und das der verstorbene Fürst vermutlich noch selber an Werle abgetreten hatte 14 ); als neue Lehen waren Arnsberg und Strelitz hinzugekommen. - Es fällt auf, daß von Grabow in den Verträgen nicht die


12) Dieses Lehen von 200 Stücken Geldes war, wie oben erwähnt, dem Fürsten Heinrich 1314 vom Markgrafen Waldemar versprochen worden. Im Templiner Frieden vom 24. November 1317 wurde dann bestimmt, daß super ducentorum talentorum Brand, den. redditibus, quos . . . . Magnopolensis a nobis (Waldemar) in pheodo tenuit, zwei märkische Ritter entscheiden sollten (VI, S. 317). Boll, Stargard I, S. 244.
13) VIII, 5081 (Dies ist geschehen zu Wittstock, und dieser Brief ist gegeben bei der görn. Brücke) und 5082. - Die Urkunden zeigen, daß für Meyenburg noch 4000 M und vierjährige Zinsen zu zahlen waren. Da nun Meyenburg, wie im Vertrage an der Daber festgesetzt war, nach Zahlung der ersten Hälfte der 8000 M zurückgegeben werden sollte, so war von diesen 8000 M nichts und folglich auch für Grabow noch nichts bezahlt. - Bei Koppmann a. a. O. S. 234 findet sich die irrtümliche Angabe, daß Markgraf Ludwig "noch" (d. h. im ganzen noch) 4000 M und vierjährige Zinsen schuldig war. - Die görnische Brücke befand sich nach Boll (Stargard II, S. 2) bei Wittstock, nach XI, Ortsregister S. 28 bei Gören südöstlich von Friedland oder bei Gören südlich von Friesack.
14) Vgl. Anlage 1.
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Rede ist. Fürst Heinrich hatte diese Herrschaft (Haus, Stadt und Land) im Jahre 1321, obwohl er selber nur ein Pfandrecht auf die Prignitz besaß, mit allen Rechten, so wie sie einst den Grafen von Dannenberg gehört habe, für 3000 M Brand. an den Ritter Wipert Lützow und dessen Brüder verkauft und sie damit belehnt 15 ). Nach dem Vergleiche an der Daber aber hatte er mit der Prignitz auch Grabow zur Huldigung an den Markgrafen weisen müssen. Damit war der von vornherein sehr anfechtbare Kaufvertrag in sich zusammengefallen. Und wenn die Lützows auch vorerst in Grabow, das ja als Pfand an Mecklenburg gegeben wurde, bleiben durften, so mußten sie doch, wenn das Ländchen eingelöst wurde, mit irgend einer Entschädigung vorlieb nehmen. Wipert Lützow nun gehörte zu den eifrigsten Mitgliedern des Vormundschaftkollegiums, er und seine Brüder werden sich gegen eine vorzeitige Rückgabe Grabows an die Mark gesträubt haben, in der sicheren Hoffnung, daß die Pfandschaft verfallen würde. Und sie setzten ihren Willen durch, Grabow verfiel an Mecklenburg und blieb vorerst noch einige zwanzig Jahre in Lützowscher Hand 16 ).

Auch mit den Fürsten von Werle, Johann II. und Johann III., mußten sich die Vormünder abfinden. Die Werler waren noch mit Heinrich wegen gewisser Forderungen in Streit


15) Koppmann a. a. O. S. 224; VI, 4281 (1. Juli 1321). - Offenbar schon im Interesse der Lützows war bestimmt worden, daß von den Pfändern für die 8000 M zuerst Meyenburg zurückgegeben werden sollte.
16) Am 13. März 1328 trat Markgraf Ludwig dem Kloster Eldena das Patronatrecht über die Grabower Kirche ab (VII, 4905) und am 21. Mai 1329 taten Fürst Albrecht und Wipert Lützow dasselbe (VIII, 5056). Jedoch ist hieraus nicht zu schließen, daß Grabow inzwischen durch eine Übereinkunft mit der Mark für immer an Mecklenburg gekommen war, sondern daß Kloster wollte sich für den Fall, daß die Pfandschaft verfiel, decken, während Lützow gerne seinen Anspruch auf Grabow zum Ausdruck brachte. Daß Grabow verfiel, zeigt folgende Stelle einer von Albrecht und Wipert Lützow am 27. April 1334, also nach dem Verfallstage ausgestellten Urkunde: Si vero, quod absit, municionem et terram Grabowe aliquo temporum liberacione (Auslösung) permutacione, vendicione . . . . a nobis alienari contigerit (VIII, 5517). Auch der Umstand, daß man in Mecklenburg diesen Erwerb zunächst als noch nicht recht gesichert betrachtete, deutet darauf hin. Am 22. November 1346 nämlich, als er schon den Krieg gegen die Mark im Anschlusse an Luxemburg erwog, ließ sich Albrecht von den Lützows das Versprechen geben, ihm und seinem Bruder, ihren "rechten Herren", mit Burg und Stadt Grabow zu dienen (X, 6698). Vor dem 27. Juni 1354 kaufte er die Herrschaft zurück (XIII, 7964). Späterhin, am 10. August 1363, finden sich dann wieder Mitglieder der Familie Lützow als Pfandbesitzer Grabows (XV, 9186).
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geraten und erhoben überdies Anspruch darauf, für Albrecht und Johann die Regierung zu führen. Im Schwisower Vertrage jedoch vom 20. Mai 1330 verzichteten sie gegen 3000 löth. M Köln. auf die Führung der Vormundschaft und erklärten ihre Forderungen für erloschen. Zugleich wurde ein Hilfs= und Landfriedensbündnis, sowie ein Erbvertrag zwischen ihnen und Heinrichs Söhnen vereinbart 17 ).

Einige Jahre später kam es zwischen Mecklenburg und Brandenburg zu Mißhelligkeiten, deren Ursache unbekannt ist. Um dieselbe Zeit hatte sich auch Johann III. von Werle wegen seiner Pfandbesitzungen Meyenburg und Freienstein mit dem Markgrafen entzweit. In beiden Fällen war Graf Heinrich von Schwerin, dort als Vermittler, hier als Schiedsrichter, tätig. Der mecklenburgisch=brandenburgische Streit sollte durch Schiedsrichter geschlichtet werden 18 ); Urteilssprüche sind jedoch nicht erhalten. In der werlisch=brandenburgischen Sache fällte der Graf am 27. Mai 1334 eine Entscheidung 19 ). Dennoch bestand Mitte August zum mindesten die Gefahr eines Krieges zwischen Johann III., dem ihm verbündeten Güstrower Fürsten und dem Markgrafen 20 ). Am 23. November, zu Templin, kam es dann zur Aussöhnung 21 ). -


2.

Die ersten Regierungsjahre Albrechts.

Bis gegen Ostern 1336 währte die vormundschaftliche Regierung. Dann wurde Albrecht, der ältere der beiden Brüder, volljährig 1 ). Von einem stargardischen Ritter, Erich von Lübberstorf,


17) VIII, 5145. Woher die Werler ihren Anspruch auf Führung der Vormundschaft ableiten, ist fraglich, doch wohl nicht, wie ich verschiedentlich angenommen finde, aus dem Vertrage zwischen Heinrich von Mecklenburg und Nikolaus II. von Werle vom 27. Januar 1302 (V, 2780), da hier eben nur dem Fürsten Nikolaus das Recht auf Übernahme der Vormundschaft zugestanden war.
18) VIII, 5532. 5552 (1334).
19) VIII, 5524.
20) Vgl. VIII, 5533. Johann II. und Johann III. hatten sich am 5. Oktober 1332 zum Schutze ihrer märkischen Pfandschaften zusammengeschlossen (VIII, 5358); vgl. Rudloff II, S. 274 f., wo der Streit zwischen Werle und Brandenburg besprochen ist.
21) VIII, 5554 ff. -
1) Vgl. Lisch, M. Jbb. VII, S. 1 ff.
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erzogen 2 ), hatte er schon früh an den Geschäften des Landes, die in der Regel von Wismar, dem Sitze des Hofes, aus geführt wurden, Anteil genommen. In den letzten Jahren war der Wunsch nach selbständiger Tätigkeit augenscheinlich immer reger geworden; so betonte er einmal neben der Zustimmung der Vormundschaft den eigenen freien Willen 3 ). Er war, als er nun die Regierung übernahm, achtzehn Jahre alt und war, obschon er noch keine völlig ausgebildete Persönlichkeit sein konnte, früh gereist. Nach der großen Gedenktafel in der Doberaner Kirche 4 ) soll er freigebig, frohen Gemütes, sittenrein gewesen sein; auch seine Redegabe und diplomatische Rührigkeit (in placitis agilis) werden hervorgehoben. Kunst und Wissenschaft ließen ihn nicht gleichgültig; die Chronik Ernst von Kirchbergs ist auf sein Geheiß entstanden. Er war ein Freund ritterlicher Waffenübungen; wiederholt wird seine Anwesenheit bei Kampfspielen bezeugt, noch als Fünfzigjähriger forderte er seine Vasallen auf, mit ihm zum Turnier zu reiten 5 ). Er war entschlossen und unermüdlich tätig wie sein Vater, und sicherlich beherrschte ihn der Wunsch, es diesem gleichzutun. Ebenso wie Heinrich war er bereit, sich in der äußeren Politik über das formelle Recht hinwegzusetzen; im Privatleben vielleicht ohne schroffes Wesen, konnte er, wenn ihm jemand seine Kreise störte, bis zur Grausamkeit hart werden. Von scharfem Verstande, fand er sich bald in den politischen Verbindungen seiner Zeit zurecht; einen Fuchs nennt ihn die schwedische Heilige Birgitta. Er wollte wirken, jede Möglichkeit des Vorteils ausnutzen; alle Abenteuerlichkeit aber war ihm fremd, er besaß den nüchternen Sinn für das Erreichbare. Er scheute den Krieg nicht und er war fähig, außerordentliche Kräfte zu entfalten, doch be=


2) Boll, Stargard II, S. 2, Anm. 3. - Lisch (M. Jbb. VII, S. 11) meinte, daß der Kaplan Willekin v. Helpte Albrechts Erzieher gewesen sei. Es ist möglich, daß er den Unterricht leitete. Zuverlässige Beweise können jedoch) nicht geliefert werden.
3) VIII, 5487 (13. Januar 1334): ac libera nostra voluntate.
4) Es hängen in der Kirche zwei renovierte Gedenktafeln für Albrecht. Sie sind beite mit leoninischen Versen beschrieben, die zuletzt abgedruckt sind bei Schlie, Kunst= u. Gesch.=Denkmäler d. Großherzgt. Mecklb.=Schw. III, S. 634 ff. Die Verse finden sich auch nebst Übersetzungen bei Kühne, Kirche zu Doberan S. 9 ff., S. 22 ff. Auf der kürzeren Tafel werden Albrecht wahllos alle möglichen guten Eigenschaften beigelegt. Einen etwas zuverlässigeren Eindruck macht die größere, oben im Text erwähnte, die gewisse geschichtliche Tatsachen richtig andeutet. Über das Alter der Tafeln siehe unten (Albrechts Todestag).
5) XVIII, S. 270.
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wahrte ihn sein kühler Verstand davor, die Dinge nutzlos auf die Spitze zu treiben. Was ein kleiner Territorialfürst leisten konnte, daß hatte nicht nur sein Vater gezeigt, das bewies gerade jetzt auch Gerhard der Große, dem Albrecht, wenn nicht früher, im Januar 1338 zu Lübeck begegnete und dessen mächtige Persönlichkeit sicher nicht ohne Eindruck auf ihn blieb.

Kurz nachdem er die Regierung angetreten hatte, feierte Albrecht in Rostock seine Hochzeit mit der ihm seit 1321 verlobten schwedischen Prinzessin Euphemia. Zugleich empfing er von der Hand des Herzogs Erich von Lauenburg den Ritterschlag 6 ). Ende Junis fuhr er dann mit seiner Gattin, seinem Vetter, dem jungen Herzog Rudolf von Sachsen=Wittenberg, und großem Gefolge zur Krönung des Schwagers, des Schwedenkönigs Magnus und dessen Gemahlin, der Königin Blanka, nach Norden. Auch der noch unmündige Heinrich von Holstein 7 ), der Sohn Gerhards des Großen, nahm an der Reise teil. Die Herzogin Ingeborg, Euphemiens Mutter, fuhr dem Paare entgegen und geleitete es nach Kalmar. Hier rastete man einige Tage. Dann ging es weiter nach Stockholm, wo Albrecht den jungen König zum Ritter schlug. Am nächsten Tage begann das Krönungsfest 8 ). - Nach beschwerlicher Rückfahrt - er wurde mit seinen Begleitern schließlich nach Gotland verschlagen, wo


6) Detmar § 585, vgl. § 561.
7) Vgl. Junghans, Heinrich d. Eiserne, S. 2 f.
8) Detmar § 586. Lisch, M. Jbb. VII, S. 22 f. Nach Detmar fuhr Albrecht am 25. Juni aus der Warnow. Zwei Tage vorher, am 23., war er in Warnemünde (VIII, 5674; vgl. Koppmanns Anm. zu der Detmarstelle). Er erließ an diesem Tage der Stadt Rostock die zu Michaelis fällige Orbõr, variorum commodorum nobis per ipsos (sc. consules) exhibitorum ac multe servitutis ob respectum, worin vielleicht die Stellung von Schiffen einbegriffen wurde. Denn es ist doch wahrscheinlich, daß Albrecht Rostocker Fahrzeuge benutzte und nicht lübische, wie VIII, 5677, Anm. (vgl. 5666, Anm.) angenommen wird. Bei der Sendung des Priesters Engelbert nach Lübeck (VIII, 5666) handelte es sich wohl nicht um Stellung von Schiffen. - Der Abreise am 25. Juni widerspricht nicht, daß zwei Urkunden, in denen Albrecht die Schutzherrschaft über Lübeck übernimmt und einen Teil des Schutzgeldes erhalten zu haben bescheinigt, vom 28. und 29. Juni datieren. Die zweite Urkunde ist in Lübeck ausgestellt, ebendort vermutlich die erste, die keine Ortsangabe trägt. Beide sind in Albrechts Abwesenheit ausgefertigt; Bevollmächtigter war Wipert Lützow, der die zweite Urkunde mit besiegelte. Möglich, daß Albrecht diesem besiegelte Blankette zurückgelassen hatte. Die VIII, 5677, Anm. vertretene Ansicht, daß die Urkunden auf einem lübischen Schiffe ausgestellt seien, halte ich für unwahrscheinlich, ebenso Koppmanns Meinung, wonach sie auf der Insel (  ...  )
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die Inselbewohner mit Proviant und anderen Dingen aushalfen - traf Albrecht wieder in Warnemünde ein 9 ).

Von politischer Wichtigkeit war die Reise kaum. Zwar legte Magnus augenscheinlich Wert auf gute Beziehungen zu Mecklenburg. (Er hatte im Jahre 1332, kurz nachdem er mündig geworden war, die dänische, an Johann von Holstein verpfändete Provinz Schonen in seinen Schutz genommen und war als ihr Herr aufgetreten; er hatte das auf Wunsch der Bewohner des Landes selbst getan, die sich in großer Erbitterung gegen das holsteinische Regiment erhoben hatten. Nach kurzem Kampfe hatte er sich dann mit dem Grafen Johann geeinigt und ihm sein Recht auf die Provinz für eine Riesensumme abgekauft 10 ). Doch war er mit dem bloßen Pfandbesitz nicht zufrieden, sondern betrachtete seine Erwerbung als dauernd 11 ). Wie würde sich Gerhard von Holstein hierzu stellen, der in Dänemark - wo man seit Christophs Tode (2. August 1332) nicht einmal mehr dem Namen nach einen König hatte - allmächtig war? Und überdies: würde Magnus, der sich stets in finanziellen Nöten befand, die Johann versprochene Summe abtragen können? Dazu plante er eine Zeitlang, sich noch weitere dänische Gebiete anzueignen 12 ); schritt er aber hierin zum Werke, so geriet er mit Holstein aneinander. Solche Erwägungen hatten ihn Anschluß an Mecklenburg suchen lassen, schon zur Zeit, wo dort noch die Vormundschaft regierte. Einen der einflußreichsten Männer dieser Vormundschaft, Wipert Lützow, hatte er gewinnen wollen. Lützow war mecklenburgischer Marschall und als Hauptmann des Schlosses Stege auf Möen über diese Insel und die gleichfalls an Mecklenburg verpfändeten Ortschaften Kallehauge und Vibemose auf Seeland gesetzt. Zwischen ihm und Bevollmächtigten des Königs hatten vor dem 15. Mai 1335 zum mindesten Verhandlungen darüber geschwebt, daß die Bewohner Möens und der


(  ...  ) Moen ausgefertigt würden, weil Wipert Lützow Hauptmann zu Stegeborg (auf Moen) war, wo er sich noch am 26. Mai findet (VIII, 5669). Zwischen dem 26. Mai und 28. Juni bleibt noch genügend Zeit für eine Reise des Ritters nach Deutschland.
9) Detmar S. 477.
10) Hildebrand, Konung Magnus Erikson och Skåne, Hist. Tidsskrist, utg. af. Svenska Hist. Föreningen 1882, S. 188 f. Derselbe, Medeltiden S. 201 f. Reinhardt, Valdemar Atterdag S. 55 ff.
11) Bezeichnend ist es, daß Magnus schon im August, nach dem Tode Christophs von Dänemark, Schonen in seinen Titel aufgenommen hatte (Hildebrand, Medeltiden S. 203).
12) Vgl. Dahlmann, Gesch. v. Dänem. I, S. 478.
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beiden seeländischen Plätze gewisse Vorrechte auf den schonischen Märkten Skanör und Falsterbo genießen sollten und Lützow hier eigene Vögte für sie anstellen dürfe 13 ). - Am 18. Mai 1335 soll dann Magnus dem Drosten Niels Abjörnson Vollmacht erteilt haben, ein Abkommen über die Ehe zwischen Albrecht und Euphemia zu schließen 14 ), d. h. wohl, der König beabsichtigte, zu der Heirat, die einst seine Mutter in seinem Namen mit dem Fürsten Heinrich verabredet hatte, nun, wo er mündig war, seine Zustimmung zu geben und den Vertrag etwas zu verändern. Sicher ist, daß die ursprünglich auf 5000 M Silb. köln. Gew. festgesetzte Mitgift verdoppelt wurde 15 ).

Die mecklenburgische Vormundschaft ihrerseits mag ein freundschaftliches Verhältnis zu Schweden schon deswegen gewünscht haben, weil sie bei den zweifelhaften Zuständen in Dänemark, die nach den Schlachten auf der Loheide (1331) und auf der Tapheide (1334) gänzlich auf Graf Gerhards gutem oder bösem Willen beruhten, Grund hatte, sich um die dortigen Pfandschaften ihrer Fürsten zu sorgen. Indessen war es zu keinen Konflikten zwischen Holstein und Mecklenburg oder Schweden gekommen. Es ist bezeichnend, daß Graf Heinrich seinen Sohn an der Reise zum Krönungsfeste teilnehmen ließ. -

Albrecht und Magnus beide waren einander nunmehr im Norden zuerst persönlich näher getreten. Niemand konnte ahnen, daß ihre Freundschaft sich dereinst in bitteren Haß verwandeln würde. -

*              *
*

Die erste Regierungszeit Albrechts ging nicht ohne widerwärtige Eindrücke vorüber. Schon vor seiner Reise hatte er den Streit, der seit Jahren den Frieden des Doberaner Klosters störte, zu beendigen gesucht 16 ). Die Mönche zerfielen in zwei


13) Vgl. VIII, 5591 mit Anm.
14) VIII, 5592, nach dem Berichte Suhms, der hier Lagerbring gefolgt ist.
15) Nach dem Vertrage von 1321 (s. oben S. 7) sollte die Mitgift 5000 M reinen Silb. Köln. Gew. betragen. Davon sollten 2000 M ein Jahr nach dem Hochzeitstage, 1500 M ein Jahr darauf und der Rest wiederum ein Jahr später entrichtet werden. Morgengabe: Gadebusch. Hernach wurde jedoch die Summe auf 10000 M reinen Silb. erhöht, IX, 5994.
16) Vgl. über das Folgende Lisch, M. Jbb. VII, S. 39 ff. und die daselbst im Anhange zum großen Teile und IX, 6596 vollständig abgedruckte Klageschrift.
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Lager; die wendischen Brüder (aus den Ostseeländern) wurden von den sächsischen - auch der Abt, der Prior, der Subprior, sowie der Konversenmeister waren Sachsen - bedrückt und nicht als gleichberechtigt anerkannt. Ihre Stellung war um so schwieriger, als der Abt von Amelungsborn, dem Mutterkloster Doberans, als Visitator die sächsischen Brüder begünstigte. Anfang Mai hielt sich Albrecht in Satow, einem Klosterhofe, auf, um zwischen den Parteien zu vermitteln. Er trat für die wendische Gruppe ein, sodaß deren Gegner von heftiger Entrüstung gegen ihn ergriffen wurden. Einer seiner Begleiter, der Schildknappe Wedekin von Plate, starb hier in Satow unter eigentümlichen Umständen; er hatte drei Tage vorher von dem sächsischen Laienbruder Johann Unversehrt einen Trank erhalten und, nachdem er ihn zu sich genommen, sogleich über Schmerzen und Vergiftung geklagt. Alsbald regte sich der Verdacht, daß das Gift in Wahrheit bereitet sei, damit einige Widersacher der sächsischen Klosterbewohner, vor allem Albrecht selber, dadurch aus dem Wege geschafft würden 17 ). Der Visitator aber, der Abt und die übrigen Doberaner Würdenträger suchten den Vorfall totzuschweigen. Dann tauchte der Gedanke auf, den Fürsten und die Laienbrüder Cruse und Redewisch, zwei Führer der wendischen Opposition, durch Hexerei zu vernichten. Einige sächsische Laienbrüder, unter ihnen wiederum Unversehrt, ließen sich von einem Weibe zu Hohenfelde ein Wachsmännlein anfertigen, das auf den Namen des Teufels getauft und mit heiligem Öle gesalbt wurde. Verbrenne das Männchen, so, meinte man, sieche der bezauberte Mensch dahin, und zerschmelze die Herzstelle, so müsse er sterben. Der Plan blieb nicht verborgen, und als der Doberaner Abt in der St. Marienkirche zu Rostock eine Totenmesse las, ward ihm zu seiner Bestürzung ein Wachsmännlein von einem Kleriker 18 ) vor versammelter Gemeinde entgegengehalten. - Albrecht überlieferte hernach das Weib, das geständig war, dem Scheiterhaufen. Die Laienbrüder entkamen und wurden geächtet. Der Abt hatte ihnen fortgeholfen und zahlte dafür eine Buße.

Im nächsten Jahre machte Albrecht noch einmal den Versuch, die Ordnung in Doberan wieder herzustellen. Dort war unterdessen völlige Anarchie ausgebrochen. Der wendische Laienbruder Cruse, ein von Natur gewalttätiger Mann, sah sich durch die Be=


17) Das Gift soll Unversehrt in Rostock gekauft haben, IX, S. 719 § XXIV.
18) clericus nomine Foysan (ebd. S. 723 § LVIII). Lisch (a. a O S. 289, vgl. S. 41) las Olricus n. F.
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handlung im Kloster zur Verzweiflung getrieben 19 ). Um sich zu rächen, hatte er im November 1336 mit Hülfe einer Rotte Bewaffneter die im Chor versammelten Mönche überfallen. Der Abt war mit genauer Not entwichen, war dann nach Rostock und schließlich nach Amelungsborn gereist. Mit Cruse tat sich jener Redewisch, den ebenfalls nach Rache verlangte 20 ), zusammen, und beide machten nunmehr die ganze Gegend unsicher. Im März 1337 griffen sie den Prior auf der Landstraße an und verstümmelten ihn. In heller Angst flohen darauf eine Anzahl sächsischer Klostermitglieder nach Rostock. - Endlich griff der Visitator ein. Mit dem Doberaner und vier anderen (sächsischen) Äbten erschien er in Güstrow, wo - unter Umgehung Albrechts, dessen Teilnahme für die wendischen Brüder ja bekannt war - mit Johann II. von Werle ein Bündnis zur Beschirmung der Sachsen im Kloster geschlossen wurde. Dann schickte man nach Doberan, um einige Mönche der Gegenpartei vor sich zu laden. Da diese jedoch, besonders, weil sie den Werler fürchteten, nicht kommen wollten, so reisten die Äbte nach Rostock weiter. Hier trafen sie Anfang Mais mit Albrecht zusammen und ersuchten nun auch ihn um Schutz für ihren Doberaner Freund, damit dieser sein Regiment ungestört wieder antreten könne. Eine Entschädigung von 100 M lüb. solle dem Fürsten aus den Klostergeldern geleistet werden. Albrecht ließ sich bereden und brach in Begleitung der Äbte mit einem großen Gefolge von Rittern und Bürgern nach Doberan auf. In der Hoffnung, daß noch eine Versöhnung möglich sei, erklärte er dort, es sollten der Abt und die übrigen Sachsen ihre Plätze im Kloster wieder einnehmen und von niemand angetastet werden. Darob jedoch so lebhafter Widerstand und so flehentliche Bitten der nichtsächsischen Brüder, daß Albrecht mit dem ganzen Zuge unverrichteter Dinge zurückkehrte. Jetzt legten sich die Äbte von Dargun und Neuenkamp,


19) Er hatte - ohne Ursache, wie berichtet wird - gefangen gesetzt werden sollen, war aber rechtzeitig entkommen und hatte dann, im November 1336, den Abt aufgehoben, beraubt und in die Burg des Knappen Engelke Pressentin geschleppt, wo er ihn einige Tage in Fesseln hielt, bis der Gefangene seine Wächter bestach und sich davonmachte. Cruse unternahm darauf eine Bußfahrt nach Rom, konnte aber nach seiner Rückkehr trotz päpstlichen und bischöflich Schweriner Absolutionsbriefen in Doberan keine Verzeihung für seine Gewalttat erlangen. Er ward an der Klosterpforte abgewiesen, Kleidung und Nahrungsmittel wurden ihm verweigert und schwere Strafen angedroht. Im November bewerkstelligte er dann die oben berichtete Überrumpelung. - IX, S. 724 f., Lisch S. 40 ff.
20) Er war ohne Urteil in Haft gehalten worden.
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die den Niedergang des alten Klosters nicht länger mit ansehen konnten, ins Mittel, und endlich griff man nach der einzig möglichen Lösung, daß der Doberaner Abt auf sein Amt verzichtete. Das Kloster wurde reformiert 21 ), hatte jedoch noch nach Jahren unter mancherlei Unruhen zu leiden. -

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Albrechts Stellung zu dieser Wirrnis war etwas schwankend gewesen. Der junge Fürst hatte den Überredungskünsten der sächsischen Äbte nicht ganz widerstehen können und war sich vor allem über die Persönlichkeit des Doberaners nicht klar geworden. Um so umsichtiger und tatkräftiger hatte er sich in einem gefährlichen Kampfe gezeigt, den er inzwischen durchgefochten. Dieser Kampf wurde ihm durch die Unbotmaßigkeit des mecklenburgischen Adels aufgezwungen. Er mußte ihn führen zur Sicherung des Landfriedens und zur Wahrung der fürstlichen Autorität.

Seit das Reich den Landfrieden nicht mehr aufrecht erhalten konnte, hatten die Territorialherren und die deutschen Städte die Sorge dafür übernommen. Auch die Vormünder Albrechts waren auf den Schutz der öffentlichen Ordnung bedacht gewesen. Sie hatten im Juni 1329 zusammen mit Heinrich von Schwerin einen Landfrieden mit den Sachsen=Lauenburger Herzögen vereinbart 22 ), im Mai 1330 mit den werlischen Fürsten 23 ), im Juli 1331 wiederum mit Johann III. von Werle und Barnim von Pommern=Stettin 24 ). Im Sommer 1333 hatten dann der Schweriner Graf und die Lauenburger beschlossen, gegen die Ruhestörer in ihren Landen und auch in den zu Mecklenburg gehörenden Bezirken von Gadebusch, Grevesmühlen und Sternberg zu Felde zu ziehen. Die Vormünder waren hiermit offenbar einverstanden. Zwar sollte der Zug besonders gegen einen von ihnen, Bolte Hasenkop, der im Ländchen Gadebusch auf fürstlichem Gebiete eine Feste erbaut hatte, gerichtet sein, aber eben dieser Ritter wurde im Mai 1335 von anderen Mitgliedern des Kollegiums zu dem Versprechen veranlaßt, die Burg niederzureißen oder an Albrecht zu verkaufen 25 ). Als dann die Vormünder vom Ruder zurücktraten, brach die solange niedergehaltene Fehde= und Raub=


21) Vgl. IX, 5768 ff.
22) VIII, 5060. Der Landfriede wurde auf 4 Jahre geschlossen.
23) VIII, 5145, vgl. S. 18.
24) VIII, 5254.
25) VIII, 5443. 5594.
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lust, die sich nach dem Tode des Fürsten Heinrich nicht mehr in Kriegen des Landesherrn hatte austoben können, fessellos hervor. Es war, als ob ein Druck von dem Adel genommen werde. Die Vasallen in Mecklenburg begannen zu plündern, zu brennen und einander zu befehden; se vruchteden clene eren junghen heren. Albrecht aber wollte nicht nur für Sicherheit im Lande und für den Schutz des Eigentums sorgen, er wollte auch durchsetzen, daß keiner seiner Mannen die Waffen erhöbe außer in seinem Dienst 26 ). Und als er nun eingriff, zog er sich gleichsam als unwillkommener Spielverderber den Zorn des Adels zu. Am 22. Oktober 1336 schloß er bei Misdorf mit den Fürsten von Werle eine Landfriedensvereinigung, ließ sich Hülfe versprechen für den Fall, daß seine Mannen sich empören würden, und die Zusage geben, keinen anzunehmen, der mit seinem Schlosse in fremde Dienste treten wolle 27 ). Diese Bestimmungen hatten ihren guten Grund; Albrecht sprach hernach selber davon, daß seine Vasallen, zumal die Plessen, sich gegen ihn aufgelehnt hätten, um ihn zu verderben 28 ). Es wird ein großer Teil des mecklenburgischen Adels gewesen sein, der sich erhob. Albrecht zog Truppen aus dem Lande Stargard, wo die Ritterschaft offenbar treu blieb, heran. Auch die Städte Rostock und Wismar, deren kaufmännische Interessen durch die Straßenräuber bedroht waren, standen ihm zur Seite. Mit ihrer und der werlischen Hülfe schlug er den Aufruhr nieder, brach und verbrannte viele Burgen unde makede enen ghuden vrede over al dat land 29 ).


26) Vgl. in her Urkunde des Lübecker Landfriedens vom 11. Januar 1338, an dessen Abschluß sich Albrecht beteiligte, den ersten Paragraphen: dat neman roven, bernen eder en den andern van scal binnen usen landen ane der herren orloghe; unde en iewelk user man scal sik genøghen laten an rechte vor syme herren, IX, S. 96.
27) VIII, 5704. Vgl. Lisch a. a. O. S. 31.
28) IX, 5781 (11. Juni 1337). Vgl. Koppmanns Anm. zu Detmar § 590.
29) Detmar § 590 mit Anm. Er setzt den Zug insJahr 1337, beginnt aber die Erzählung davon mit den Worten: In der tiid, do Albert de here van Mekelenborch worden was mundich. Der Vertrag mit den Werlern vom 22. Oktober 1336 wird kurz vor dem Kampfe geschlossen sein; das ist wegen der genannten, auf die Haltung der Vasallen berechneten Bestimmungen, wie ich sie sonst in Landfrieden nicht gefunden habe, anzunehmen. Wahrscheinlich also begann der Kampf im Herbst 1336, nicht lange nach der schwedischen Reise, und dauerte bis ins nächste Jahr. - Es heißt bei Detmar u. a.: he (Albrecht) nam rät unde helpe van vronden, de eme wol ere ghunden. Mit den Feunden sind vrmutlich die Fürsten von Werle gemeint, deren Hülfe nach dem Vertrage mit ihnen ja erklärlich ist, und (  ...  )
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- Konrad, Bernhard und Reimbern Plessen, die einzigen, die wir von seinen Gegnern kennen, verkauften im August 1337 ihre Güter Stove und Güstow an den Bischof von Lübeck 30 ). Sie hatten statt deren auf Albrechts Rat den Eikhof bei Sternberg erworben und versprachen, den mecklenburgischen Fürsten mit dem Schlosse zu dienen. Damit verzieh ihnen Albrecht 31 ). Er hatte sich "die stolzen Nacken gebeugt" 32 ), nun aber suchte er den Adel auch zu gewinnen. In ihm fand er später in zahllosen Kriegen seine stärkste Stütze.

Nach glücklichem Siege suchte er den Landfrieden durch Verträge mit anderen Fürsten zu sichern. Auch in benachbarten Territorien hatten sich aufsässige Vasallen geregt. Etwa gleichzeitig mit dem Mecklenburger wandte sich Herzog Barnim gegen die Friedensstörer in Pommern=Stettin, kurz vorher hatte einer der werlischen Herren sein Land beruhigt 33 ). ImSeptember 1337 vereinbarte Albrecht mit Johann III. von Werle=Goldberg und Barnim von Stettin ein Landfriedensbündnis 34 ). Zu Beginn des nächsten Jahres war er auf einem Fürstentage zu Lübeck und wirkte hier beim Abschluß eines sechsjährigen Landfriedens mit, an dem sich außer ihm der Bischof von Schwerin,


(  ...  ) nicht etwa Rostock und Wismar. Auch IX, 5777 könnten die Werler gemeint sein, wo Albrecht von seinem Kriegszuge spricht, auf dem er sich iuxta affinium nostrorum suasiones et consilia gegen die Vasallen gewandt habe.
30) IX, 5803 f. (26. August).
31) Ebd. 5806 (29. August). Hirumme so hebben se (Albrecht und sein Bruder Johann) uns wedder ghenomen an eren vrede unde an eren heghe. Vgl. Lisch S. 38. - Das Gebiet des Eikhofes lag teils im mecklenburgischen, teils im bischöflich Schweriner Lande. Es wurde deshalb bestimmt, daß die Plessen sich bei Streitigkeiten zwischen den Mecklenburgern und dem Bischof neutral verhalten sollten. - Lisch (S. 39) legt Wert darauf, daß ein Ritter Raven Barnekow am 7. November 1338 dem Kloster Neukloster die Dienste aus dem Dorfe Kl. Schwaß schenkte ad peticionem et instanciam . . . . domini mei Alberti Magnopolensis (IX, 5898). Albrecht bestätigte die Schenkung am 13. November, im Hinblick auf die Verdienste, die der Propst und die Nonnen des Klosters um ihn hätten (IX, 5901). Mit solchen Opfern, meint Lisch, scheine der Fürst, durch Vermittelung der Kirche, die Ungetreuen wieder angenommen zu haben. Das geht mir zu weit.
32) Nidos (die Raubnester) confregit, sibi colla superba subegit (Größere Gedenktafel in der Kirche zu Doberan, vgl. Schlie a. a. O.).
33) Detmar § 591-2.
34) IX, 5812. - Die Datierung des Landfriedens mit Erich von Sachsen=Lauenburg (VIII, 5726), der an sich recht wohl 1336 oder 1337 geschlossen sein könnte, ist doch zu unsicher.
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die Herzöge von Sachsen=Lauenburg, von Pommern=Stettin und von Schleswig, die Grafen Heinrich und Nikolaus von Schwerin und Gerhard und Johann von Holstein, die Fürsten Johann III. und Nikolaus III. (der Sohn Johanns II.) von Werle und die Grafen von Schauenburg und Gützkow beteiligten; die Städte Lübeck, Hamburg, Rostock und Wismar wurden mit aufgenommen 35 ). Über so viele zusammenhängende Gebiete sollte sich der Friede erstrecken.

Albrecht hat die Sorge für den Landfrieden auch später nicht außer acht gelassen; das bezeugen viele Verträge, die er im Laufe seiner Regierung mit Fürsten und Städten deswegen schloß 36 ). Und wiederholt noch ist er mit seinem Heerbann gegen die Raubburgen ausgezogen. So im Jahre 1343, als er mit dem Grafen Heinrich von Schwerin die Länder Wittenburg und Ratzeburg säuberte und auf bischöflich ratzeburgischem Boden die Trutzfeste Bethow errichtete, die er, aus Furcht vor dem Banne, wie es heißt, hernach wieder niederreißen ließ 37 ). Von Ratzeburg aus waren vermutlich die mecklenburgischen Grenzgebiete beunruhigt worden; der Herr des Landes, Herzog Erich II. von Sachsen, trieb selber Straßenraub 38 ). Im Herbst 1344 (5?) rückte Albrecht mit Rudolf von Sachsen=Wittenberg aufs neue starkgerüstet ins Lauenburgische ein und eroberte in der Frühe des 11. Novembers Ratzeburg selbst. Auch vertrieb er damals die Scharpenberger aus dem Darzing 39 ). Fast zehn Jahre später unternahm er mit seinem Bruder, den Fürsten von Werle, dem Grafen von Schwerin, dem Markgrafen von Brandenburg, dem Herzog Johann von Sachsen=Lauenburg, den Städten Lübeck,


35) IX, 5844.
36) Vgl. Lisch, Albrecht II. u. d. norddeutschen Landfrieden, Festschrift 1835.
37) Korner II § 724.
38) Detmar § 630, zu 1343 [vgl. Korner II, § 728 (1344)]. Es wird hier weiter erzählt, daß Herzog Albrecht IV., der Vetter Erichs II., empört über diese Zustände, im Winter in Erichs Land einfiel und mit holsteinischer, lübischer und hamburgischer Hülfe einige Raubschlösser eroberte. Vielleicht stand Albrechts und des Grafen Heinrich Zug mit dieser Expedition in Verbindung.
39) Detmar § 639, zu 1345; Korner II § 725 (zu 1344, secundum chr. Obotritorum; statt Rudolfs von Sachsen wird hier wohl irrtümlich Otto von Sachsen genannt); Marschalks Reimchronik Kap. 70 (Westphalen, Mon. ined. I, S. 619 f.). Marschalk mischt den Zug mit Ereignissen durcheinander, die erst 1370 stattfanden. Auch die Bedrückungen des Ratzeburger Bistums, von denen er spricht, gehören vermutlich ins Jahr 1370. Korner betont ausdrücklich, daß das Bistum 1344 nicht verletzt sei.
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Rostock, Wismar und einigen kleineren Städten eine große Razzia, zu der die Vorbereitungen im Februar 1353 getroffen wurden und die bis tief ins Jahr 1354 hinein währte. Mindestens sechzehn Raubschlösser wurden damals erobert 40 ).

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*

Vor allen anderen lag den Städten an der Erhaltung des Landfriedens. Es war ja ihr Vorteil, wenn die Frachtwagen der Kaufleute sicher ihres Weges ziehen konnten. Niemand war daher Albrecht dankbarer als sie. In Lübeck nannte man ihn einen "friedsamen und redlichen Herrn" 41 ) und in Erfurt wurde er, weil er seine Straßen von "Placken" rein hielt, ehrenvoll aufgenommen, als er 1341 durch Thüringen an den Hof Ludwig des Bayern reiste 42 ).

In seinen eigenen Landen und der Nachbarschaft war in dem wendischen Städteverein eine bedeutende Macht vorhanden, stärker als die der kleineren Territorien. Albrechts Vater hatte in diesem Bunde eine Gefahr für die landesherrlichen Rechte in den beteiligten Städten, die ja außer Lübeck alle Landesstädte waren, gesehen; und die trotzige Haltung, die Rostock und Wismar damals annahmen, ließ seine Sorge gerechtfertigt erscheinen. Durch den Kampf, den er mit Gerhard II. von Holstein gegen Lübeck geführt hatte, und besonders durch die Unterwerfung Wismars und Rostocks war die Entwicklung des Bundes für eine Reihe von Jahren gehemmt worden. In Rostock hatte Fürst Heinrich dann einige durch einen Aufruhr in der Stadt vertriebene Ratmänner wieder eingesetzt, die neue, von den Ämtern erzwungene demokratische Verfassung zerrissen und sich so die Patriziergeschlechter verpflichtet. Während der letzten fünfzehn Jahre seiner Regierung hatten seine beiden Seestädte ihm nicht mehr widerstrebt. Doch war es ein wohlberechneter Entschluß gewesen, daß er ihre Ratsherren ins Vormundschaftkollegium berief; er tat dies wohl nicht nur aus Sorge, daß die aus der


40) Vgl. über diesen Feldzug XIII, 7712, 7716, 7717, 7731, 7743, 7748, 7797 f., 7815 f., 7821 f., 7843, 7848, 7898, 7911, 7923, 7932 f., 7942, 7988. Detmar § 685; Korner II, S. 270 f.; über die 16 Schlösser XIII, 7797 N. -Daß der Markgraf von Brandenburg sich an der Unternehmung beteiligte, ist schon deswegen wahrscheinlich, weil unter den gewonnenen Burgen märkische waren. Überdies lag er im September 1353 mit Albrecht im Lager vor Brandenburg (XIII, 7814 f.).
41) Detmar § 675.
42) Marschalks Reimchronik a. a. O. Kap. 67.
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Ritterschaft entnommenen Vormünder für die städtischen Interessen wenig oder gar kein Verständnis an den Tag legen würden, sondern auch, damit die beiden Gemeinwesen an der Verwaltung des Landes interessiert und nicht durch die herrnlose Zeit verleitet würden, ihren Zusammenhang mit dem Territorium zu lockern. - Inzwischen hatte sich der wendische Bund wieder gefestigt 43 ). Und Albrecht begriff, daß der Nutzen der Städte eine solche Vereinigung fordere, und versuchte nicht, Rostock und Wismar Hindernisse in den Weg zu legen. Am Ende ließ sich ja auch ihre Zugehörigkeit zum Bunde mit der Treue, die sie dem Landesherrn schuldeten, in Einklang bringen. Wenn sie zu ihm standen, konnten sie ihm mit ihren reichen Mitteln nur nützen. Wie wacker hatten Stralsund und Greifswald im rügischen Nachfolgekriege die Sache der jungen Wolgaster Herzöge verfochten! Und Albrecht selber hatte bei seinem Zuge gegen die Vasallen den Beistand seiner Seestädte genossen. Er erfuhr von ihnen keine Opposition, und deswegen konnte er ihre und ihres Bundes Bedeutung unbefangener würdigen als sein Vater.

Wismar blieb seine Residenzstadt, und auch in Rostock hielt er sich häufig auf. Weil zu befürchten war, daß der bezwungene Adel an den Bürgern der beiden Städte wegen der dem Fürsten geleisteten Hülfe Rache üben würde, so verpflichtete sich Albrecht, in derlei Unbilden für sie einzutreten (Juni 1337) 44 ). Den Wismarern gestand er hierin für den Fall, daß er außer Landes sei, das Recht der Selbsthülfe zu. Auch wurden ihre Privilegien anerkannt. Dankbar hob er die Treue der Städte in diesen Urkunden hervor 45 ). Wismar hat er dennoch längere Zeit gezürnt. Die Stadt hatte gleich nach dem Tode des Fürsten Heinrich den landesherrlichen Hof am Mecklenburger Tore mit Genehmigung der Vormundschaft gekauft und den Turm dann niederreißen lassen 46 ). Es war das dritte Mal gewesen, daß ein Fürstenhof in Wismar zerstört wurde. Das erste von Albrechts Urgroßvater, Johann I., erbaute Schloß hatte vor der Stadt auf dem Weberkamp gelegen. Heinrich der Pilger und sein Sohn verkauften es unter der Bedingung, es selber zu schlei=


43) Schäfer, Waldemar S. 245.
44) IX, 5777 und 5781.
45) In der Note zu IX, 5777 wird auf die Schenkungsurkunde IX, 5778 verwiesen, in der ebenfalls Albrechts Dankbarkeit Rostock gegenüber zum Ausdruck kommt.
46) S. hierüber und über das Folgende Lisch, Das Schloß zu Wismar, M. Jbb. V, S. 5 ff.
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fen, an die Stadt und nahmen mit einem Bauplatz innerhalb der Mauern vorlieb. Der hier errichtete Hof wurde 1310 beim Kampfe Heinrichs des Löwen gegen die Städte von den Rostockern niedergerissen, doch ließ der Fürst hernach an seiner Stelle ein neues Schloß mit einem starken Turme erbauen 47 ). Diese Burg nun, die einer Zwingburg sehr ähnlich sah, hatten die Wismaraner 1329 an sich gebracht. Sie hatten den Erben Heinrichs außer der Kaufsumme von 1000 M lüb. Pf. einen anderen Hof bei der St. Georgenkirche zugewiesen, der schon früher in fürstlichem Besitze gewesen war 48 ). Albrecht aber konnte den Verlust des Schlosses am Mecklenburger Tore und die Zerstörung des Turmes nicht verschmerzen 49 ). Er bedachte auch wohl, daß aus dem Kaufe, gegen den sich rechtlich allerdings nichts einwenden ließ, doch noch einmal das alte Mißtrauen der Stadt gegen die landesherrliche Gewalt gesprochen hatte. Erst im Herbste des Jahres 1339, als er sich aus anderen Gründen mit Wismar entzweit hatte, wurde durch Vermittlung Rudolfs von Sachsen und einiger Rostocker Ratmänner mit dem neuen Groll auch der alte wegen des Fürstenhofes abgetan 50 ).

Zu Lübeck, der Führerin der wendischen Städte, trat Albrecht früh in ein freundschaftliches Verhältnis. Der Rat der Stadt hatte sich ihm genähert, um seine Fürsprache beim Schwedenkönige zu gewinnen, der die lübischen Privilegien in Schonen bisher noch nicht anerkannt hatte und den deutschen Kaufleuten überhaupt ungünstig gesinnt war.Im Juni 1336 ward Albrecht die Schirmvogtei über die Stadt auf zwei Jahre bei einem Schutzgelde von jährlich 750 M lüb. Pf. übertragen 51 ), wovon die zu Weihnachten fällige Rente (300 Pf. lüb. Pf.) seinem Bevollmächtigten Wipert Lützow schon jetzt in Lübeck ausgezahlt wurde 52 ). Albrecht war damals bereits auf der Fahrt zum


47) Ein durch einen zweiten Turm geschütztes Tor führte durch die Stadtmauer auf den Weberkamp hinaus (also dat he in unnd uth mochte, ahne der borger danck, wen he wolde). Rostocker Chronik, s. Lisch a. a. O. S. 8 Anm. 2.
48) Er hatte Heinrich dem Pilger gehört, der ihn dann seinem Bruder Nikolaus schenkte. Nikolaus verkaufte ihn 1288 an die Stadt (III, 1950), doch) besaß auch Heinrich der Löwe ihn hernach eine Zeitlang. Lisch S. 9 Anm. 5.
49) IX, 5997; Lisch S. 10; ders. M. Jbb. VII, S. 35 ff.
50) Ebd.
51) VIII, 5676 (28. Juni), Mantels, Herr Thidemann v. Güstrow, Beiträge z. lüb.=hans. Gesch. (herausg. v. Koppmann), S. 113.
52) VIII, 5677 (29. Juni). Über die Datierung und über Wipert Lützow als Bevollmächtigten s. oben S. - Anm. 8.
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Krönungsfeste seines Schwagers begriffen. Als er in See kam, traf er ein lübisches Schiff, das bis an den Kalmarsund voranfuhr. An Bord befanden sich der Ratsherr Thidemann von Güstrow und der Ratsnotar Johann Rode, die als Gesandte ihrer Stadt nach Schweden gingen 53 ). Vielleicht war doch der Einfluß des Fürsten mit im Spiele, als Magnus nun endlich (12. August) die Privilegien mit Ausnahme des höchsten Gerichts neu verlieh, den Handel in Schweden für die Lübecker freigab und das Strandrecht in seinen Reichen für sie aufhob 54 ). -

Jedenfalls konnte man an der Trave auf Albrechts Wohlwollen rechnen. Als seine Vögte eine Befestigung auf dem Priwall anzulegen begannen und von Lübeck deswegen Beschwerden kamen, erklärte er sich bereit, das Werk binnen vier Wochen nach geschehener Aufforderung niederzureißen, obwohl es vorher seine Billigung gefunden hatte 55 ). Eben hier auf dem Priwall hatte einst sein Vater, als er Gerhard II. gegen Lübeck unterstützte, eine Feste dem Turm von Travemünde gegenüber errichtet, um den lübischen Handel zu sperren 56 ).

Vielleicht infolge seiner engen Beziehungen zu dreien der großen wendischen Städte trat Albrecht auch mit Stralsund in Verbindung, der vierten Stadt, die einst vom Fürsten Heinrich bekämpft worden war.Im Dezember 1337 nahm er sie auf drei Jahre in seinen Frieden 57 ). Auch seiner eigenen Städte vergaß er in Zukunft nicht. Als König Magnus im Juli 1340 den Kaufleuten Rostocks und ein Jahrzehnt später den Wismarern Freiheiten in seinen Reichen erteilte, geschah es auf Albrechts Bitten 58 ). So suchte der Fürst den Handel seiner Städte zu fördern, im Bewußtsein, daß ihr Reichtum und ihre Blüte schließlich ihm selber und seinem Lande zugute kommen mußte.

 



53) Detmar § 586; Mantels a. a. O. S. 113 f.
54) Mantels S. 114 f. Schäfer (Das Buch des lübeckischen Vogts auf Schonen [Hans. Gesch.=Quellen IV]), Einl. S. XXX. Sch. meint allerdings, daß Magnus beabsichtigt habe, Lübeck durch diese Vergünstigungen von den übrigen wendischen Städten zu trennen. Er weist darauf hin, daß der König 1332 auch nur Lübeck Freiheiten in Bergen habe erteilen wollen; Lübeck hatte jedoch damals mit den übrigen wendischen Städten zusammengehalten und eine Bevorzugung abgelehnt. Indessen stand es um Schonen offenbar anders, da Magnus so lange zögerte und die Lübecker doch ganz augenscheinlich viel Wert auf die Fürsprache Albrechts legten.
55) IX, 5773-4 und 5798.
56) Detmar § 438.
57) IX, 5835 (Demmin, 28. Dezember).
58) IX, 6057. XIII, 7500 (die Datierung, ob 1350 oder 1351, ist nicht ganz sicher). -
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3.

Albrecht und Waldemar Atterdag in den ersten Jahren nach dessen Wahl.

Unterdessen vollzog sich in Dänemark eine Umwälzung, durch die Albrecht den wendischen Städten schließlich noch näher geführt wurde. - Seit dem Tode Christophs gab es keinen dänischen König; und worüber hätte er auch herrschen sollen, da das gange Land verpfändet, meist in holsteinischer und schwedischer Hand war! Graf Gerhard allein hatte Fünen und Nordjütland mit den Konigsfriesen in Besitz 1 ). Aber wie die Bevölkerung Schonens, bevor sie sich unter den Schutz des Schwedenkönigs gestellt hatte, ertrugen auch die übrigen Dänen unwillig die holsteinische Herrschaft 2 ). Überdies hatte Gerhard das Mißtrauen Waldemars von Schleswig erregt; denn der Einfluß des "kahlen" Grafen machte sich im Herzogtum, obwohl er hier die vormundschaftliche Regierung 1336 niedergelegt hatte, sehr fühlbar, ja es wurde immer deutlicher, daß er das Land bald gänzlich in seine Gewalt bringen wollte 3 ). Also bedroht, trat der Hergog mit den unzufriedenen Dänen in Verbindung, um dem dritten Sohne König Christophs, Waldemar (Atterdag), der sich am Hofe seines Schwagers, des Markgrafen von Brandenburg, aufhielt, in daß Reich einzuführen und die Übermacht Gerhards zu brechen 4 ).

Es geschah wohl im Zusammenhange mit diesem Plane, daß nun auch Markgraf Ludwig für den Prinzen zu wirken begann. Im Januar 1340 fand in Lübeck ein Kongreß statt, wo viele Fürsten und Herren aus den umliegenden Territorien - auch Albrecht könnte also recht wohl zugegen gewesen sein - über den Landfrieden und anderes verhandelten. Hier erschienen Gesandte des Markgrafen mit der Aufforderung, dem jungen Wal=


1) Nach den Bestimmungen des Kieler Friedens zwischen Gerhard und König Christoph vom 10. Januar 1332, Reinhardt, Valdemar Atterdag S. 53.
2) Schäfer, Waldemar, S. 118 f. Das zeigt auch besonders, außer dem Aufstande in Schonen, die Erhebung, die sich zur Zeit der Schlacht auf der Tapheide gegen Gerhard und Johann von Holstein richtete (Reinhardt S. 61 f.), und hernach der jütische Aufstand Von 1340.
3) Vgl. Reinhardt S. 65 ff.
4) Detmar § 602; vgl. Reinhardt S. 69.
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demar zur dänischen Krone zu verhelfen 5 ). Auch Graf Gerhard war auf der Versammlung. Er hatte schon von dem Komplott des Schleswiger Herzogs gehört und deshalb Truppen werben lassen. Kein Zweifel, daß er sich gegen den brandenburgischen Vorschlag heftig zur Wehr setzte. Er wollte nichts von einem neuen Könige wissen. Der hätte nur Unruhe stiften können, hätte alles aufbieten müssen, die Pfandinhaber zu verjagen. Gerade der Mangel eines legitimen Herrschers begünstigte ja den Zerfall des Reiches. Es kam auch zu nichts in Lübeck; der Graf konnte seinen Willen am besten zur Geltung bringen, indem er sich auf seine eben zusammenströmenden Söldner stützte. Er veranlaßte Waldemar von Schleswig zu dem Versprechen, seinen Plan aufzugeben; zugleich wurde der Herzog genötigt, den nordjütischen Besitz Gerhards zu erwerben und diesem für den größeren Teil der Kaufsumme Schleswig zu verpfänden (11. Februar, Lübeck). Als dann aber unter den Jüten ein heftiger Aufstand gegen den Grafen losbrach, wagte auch Waldemar, die Waffen zu ergreifen. Da geschah es, daß Gerhard in der Nacht vom 1. auf den 2. April zu Randers ermordet wurde 6 ).

Seine jungen Söhne Heinrich und Klaus waren energische Naturen, und besonders der ältere liebte den Krieg; aber sie ließen doch zu, wogegen ihr Vater sich eben noch gesträubt hatte: der Ulfinger Waldemar durfte jetzt in Dänemark einziehen. Im Spandauer Vertrage vom 22. April verlobten sie Waldemar ihre Schwester, rechneten die Mitgift auf die Pfandsumme für Nordjütland ab und versprachen, ihm einen Teil des Landes sogleich auszuliefern 7 ).

Wie Detmar erzählt, hatte Graf Gerhard hören müssen, daß viele Fürsten und Städte die Wahl eines neuen Königs wünschten in der Erwartung, daß durch die Rückkehr geordneter Zustände dem in Dänemark und auf den dänischen Gewässern überhand nehmenden Raubwesen ein Riegel vorgeschoben werden würde 8 ). Unter den Fürsten, die so dachten, ist Albrecht kaum gewesen. Auch er hätte sicherlich die Herstellung des öffentlichen


5) Detmar § 601; Reinhardt S. 70. - Detmar erzählt, daß die Versammlung nach dem 6. Januar 1340 stattfand und vele vorsten und heren, ummelang beseten, dazu eintrafen. Am 3. Januar urkundete Albrecht in Wismar, IX, 6021.
6) Reinhardt S. 70 ff.
7) Reinhardt S. 84 f.
8) Detmar § 602 (s. Schäfer, Waldemar S. 128). Über dieses Raubwesen vgl. Schäfer S. 121 ff.
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Friedens begrüßt, sie aber nicht mit dem Einzuge Waldemars erkaufen mögen; so weit ging nicht sein Wohlwollen für die städtischen Interessen, daß er die eigenen dabei übersehen hätte. Für ihn wäre es vorteilhafter gewesen, wenn in Dänemark alles beim alten geblieben wäre; denn solange es dort keinen König gab, konnte die Lehnsherrschaft über Rostock nicht geltend gemacht werden. Ein anderes kam hinzu. Noch immer hatte Albrecht die Pfandschaft Barth, die mit Grimmen und Tribsees im Brudersdorfer Frieden von 1328 den Fürsten von Mecklenburg und Werle überlassen war 9 ), in seiner Hand; im Dezember eben dieses Jahres 1340 mußte sie nach der Friedensurkunde verfallen, und es war sehr unwahrscheinlich, daß sie bis dahin eingelöst werden würde. Ebenso stand es um Grimmen und Tribsees, die noch in werlischem Besitze waren. Alle drei Pfandschaften gehörten zum Festlande Rügen und unterstanden mit diesem und der Insel dänischer Oberherrschaft, die jedoch - wie die über Rostock - seit Christophs Tode nicht hatte ausgeübt werden können. Wie sollte es nun werden, wenn der neue König kam? Würde er für Albrecht und die werlischen Fürsten gegen die Herzöge von Pommern=Wolgast Partei ergreifen, die den Verfall der Pfandschaften kaum ruhig geschehen lassen wollten? Konnte er in eine Zerstückelung des Festlandes Rügen willigen, die den Heimfall erschwert hätte und leicht dazu führen konnte, daß die dänische Oberhoheit allmählich in Vergessenheit geriet? Das waren Fragen, die schwerlich bejaht werden durften. In den letzten Tagen des Aprils schien eine Zeitlang Hoffnung zu sein, daß die holsteinische Politik sich doch noch ändern würde, da kurz nach dem in der Mark geschlossenen Vertrage eine Spannung zwischen Waldemar und den Grafen eingetreten war 10 ). Jedoch wurde bald darauf eine Zusammenkunft der Parteien in Lübeck verabredet, auf der eine endgültige Verständigung herbeigeführt werden sollte. Albrecht konnte an der Lage der Dinge nichts ändern; er beschloß, sich Waldemar zu nähern, wohl in der Absicht, wenigstens den Versuch zu machen, ihn in der Barther Sache für sich günstig zu stimmen. Die Belehnung mit Rostock konnte der Ulfinger, wenn er erst gewählt war, den Mecklenburgern nicht verweigern 11 ).


9) Vgl. oben Einleitung S. 12.
10) Vgl. Reinhardt S. 87.
11) In der Urkunde, die König Christoph 1329 Albrecht und dessen Geschwistern über die Belehnung mit Rostock ausstellte, heißt es: Promittimus insuper vera fide, quod post mortem nostram heredes nostri (  ...  )
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So reiste Albrecht im Mai nach Lübeck, wo sich außer Waldemar und den Holsteinern wiederum eine stattliche Schar von Fürsten und Herren zusammenfand. Auch Ludwig von Brandenburg und der Herzog von Schleswig waren gekommen. Die Verhandlungen endeten mit einem Ausgleich, der nun doch auf der Grundlage des Februarvertrages zwischen Gerhard und Herzog Waldemar zustande gebracht wurde. Die Söhne des kahlen Gafen erhielten Schleswig, der Herzog Nordjütland. Und dieser übernahm jetzt die Verpflichtungen, die Heinrich und Klaus im Spandauer Vertrage eingegangen waren; er verlobte Waldemar seine Schwester und gab ihm jenen Teil Nordjütlands (Aalborg mit den umliegenden Bezirken) als Mitgift 12 ). Nur sein Mißtrauen gegen die Grafen, die ihm vorerst noch verdächtig blieben, und der Wunsch, sich möglichst eng an den neuen König anzuschließen, konnte ihn zu diesem Opfer veranlassen 13 ). Am 19. Mai stellte er Waldemar hierüber eine Urkunde aus. Zwei Tage später urkundeten Heinrich und Klaus über ihre Versöhnung mit dem Ulfinger und über ihre Pfandschaft Fünen, deren Besitz er ihnen bestätigt hatte. Beide Male findet sich Albrecht unter denen, die mit dem Prinzen - der hier schon als König bezeichnet wurde - das Gelöbnis, daß der Vertrag nicht gebrochen werden sollte, entgegennahmen; es waren außer ihm der Markgraf von Brandenburg, Barnim von Pommern=Stettin, Graf Ulrich von Lindow und zwei Grafen Günther von Schwarzburg 14 ). Albrecht erscheint hier im Kreise der Freunde Waldemars.

Er gehörte auch zu den Zeugen eines Freibriefes, worin der Prinz den Lübeckern u. a. die ihnen einst von seinem Vater verliehenen, vom schwedischen Könige nicht in vollem Maße anerkannten Privilegien auf den schonischen Märkten bestätigte (21. Mai, Lübeck) 15 ). Diese Urkunde aber verstieß gegen die


(  ...  ) et successores nobis in regno Dacie mediate et inmediate successive perpetuo succedentes dictis dominis et eorum sororibus virginibus, necnon ipsorum veris heredibus, predictas terras . . . . iure concedere et dimittere debeant pheodali (VIII, 5066).
12) Reinhardt S. 89 ff.
13) Reinhardt S. 97.
14) Schl.=Holst.=Lauenb. Urks. II, S. 103 und S. 198; der Schluß der Urkunden ist abgedruckt IX, 6047 f.
15) LU. II S. 652. Die Zeugen danach IX, 6050. Über die schonischen Privilegien s. Schäfer, Das Buch des lübeckischen Vogts auf Schonen (Hans. Geschichtsquellen IV), Einl. S. XXXI, vgl. S. XXVIII und XXX.
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Interessen von Albrechts Schwager Magnus; denn dadurch - und ebenso durch eine gleiche, den Stralsundern erteilte Bestätigung - sprach Waldemar aus, daß er nicht bereit sei, in die Trennung Schonens von Dänemark zu willigen 16 ). Nur den Bertrag, in dem Johann von Holstein sein Pfandrecht auf die Provinz dem Schwedenkönig überlassen hatte, wollte er anerkennen; das versprach er dem Grafen hier in Lübeck 17 ). Er stellte sich also auf streng rechtlichen Boden. Albrecht aber wußte so gut wie jedermann, daß Magnus damit nicht zufrieden sein würde.

In der Tat sah dieser dem Ulfinger mit Argwohn entgegen. Am 24. Juni 1340 wurde Waldemar zu Nyborg gewählt 18 ). Und am 28. bestätigte Magnus den Schoningern ihre alten Freiheiten und ließ sich von ihnen die Huldigung, die sie ihm 1332 geleistet hatten, erneuern 19 ). Damit gab er seine Stellung vor aller Welt zu erkennen. Ein Konflikt zwischen ihm und Waldemar schien unvermeidlich.

Albrechts Verhältnis zu Magnus war bisher nicht gestört worden. Im Herbste des vorigen Jahres hatte sich seine Gattin in Begleitung einer Gesandtschaft des Fürsten nach Schonen begeben, um mit dem Könige über ihre Mitgift, von der noch nichts bezahlt worden, zu verhandeln. Dort war es dann am 18. November bei Helsingborg unter Zustimmung der anwesenden schwedischen Reichsräte zu einem Vertrage 20 ) gekommen, wonach Magnus sich verpflichtete, am 25. Juli 1340 2000 M reinen Silb. köln. Gew. an Albrecht zu zahlen. Außerdem verpfändete er ihm die Märkte von Falsterbo und Skanör; und zwar sollte er die Einkünfte mit Ausnahme des Abfalles vom Heringe 21 ) und dessen, was zur Erhaltung der beiden Burgen auf den Plätzen nötig sei, solange genießen, bis er unter Hinzurechnung der 2000 M im ganzen 5000 M reinen Silbers köln. Gew., also


16) Reinhardt S. 101.
17) Reinhardt S. 95.
18) Reinhardt S. 95.
19) Reinhardt S. 101 f. - Hildebrand, K. Magnus u. Schonen a. a. O. S. 194.
20) IX, 5994. Ein Vertrag, den Magnus vorher bei Lindholm mit seiner Schwester über die Mitgift geschlossen hatte, über den aber nichts weiter bekannt ist, sollte durch diesen neuen nicht außer Kraft gesetzt werden.
21) Schäfer (Das Buch des lübeckischen Vogts auf Schonen a. a. O. Einl. S. LIX f.) nimmt an, daß dieser Abfall (grumagield) wie in Malmö so auch in Skanör und Falsterbo auf den Strand, der des Königs war, gebracht wurde und so dem Landesherrn anheimfiel.
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die Hälfte der Mitgift, erhalten habe. - Einige Jahre mußten vergehen, bis Albrecht in seinen Ansprüchen befriedigt war 22 ).

Wegen dieser Interessen, die er in Schonen hatte, konnte ihm ein Kampf um die Provinz nur sehr unwillkommen sein. Wollte er sich die Freundschaft Waldemars erhalten, so durfte er Magnus nicht unterstützen. Trat er aber auf die Seite des Dänenkönigs, so wurden ihm die Einkünfte aus den Märkten gesperrt, ja, vielleicht schon die am 25. Juli fälligen 2000 M , wenn er gezwungen wurde, vorher Partei zu ergreifen; denn Magnus hätte sich gehütet, die Kasse seines Gegners zu füllen. Wollte er einen Mittelweg gehen, nur das Lehnsaufgebot für Rostock stellen, sonst jedoch neutral bleiben, so konnte er vielleicht einem Konflikte mit Magnus ausweichen; aber Waldemar hätte die Sendung der fünfzig Mann als eine selbstverständliche Leistung angesehen und nicht eben hoch angerechnet.

So peinlich war Albrechts Lage. Er schwankte, zu welcher Partei er sich halten solle. Dann entschied er sich für Magnus. Zu Anfang des Julis trat er für eine jährliche Hebung von


22) Als dreißig Jahre später die Hansestädte in den Besitz von Falsterbo, Skanör, Malmö und Helsingborg gekommen waren, betrugen ihre Einkünfte aus Falsterbo und Skanör in den Jahren 1371, 77, 78 im Durchschnitt wenig über 3500 lüb. M (Schäfer, Das Buch d. lüb. Vogts a. a. O. S. CXLII; Daenell, Köln. Konf. Exkurs I; s. Tabelle I S. 169). Für die Jahre 1372-75 und 1376 hat Daenell a. a. O. ebenfalls eine Berechnung aufgestellt, die jedoch nur hypothetischen Wert hat. Danach würden die Einnahmen aus Falsterbo und Skanör auch für diese Jahre durchschnittlich ungefähr der Summe von 3500 M gleichgekommen sein. Nun gaben die Städte für die Erhaltung und Verwaltung aller vier Schlösser von Falsterbo, Skanör, Helsingborg und Malmö an den dänischen Drosten Putbus, der sie für die Hansen verwaltete, zuletzt jährlich 1000 M sundisch (= 666 2/3 M lübisch); ebensoviel erhielten hernach die hansischen Hauptleute, die Putbus ablösten; nur in den letzten Jahren, wo die Städte die Schlösser hatten (1383-85), zahlten sie 1150 M sundisch. Da nun Helsingborg als stärkste Feste vermutlich mehr Kosten machte als eine der übrigen, so könnten für Falsterbo und Skanör zusammen wohl höchstens 300 lüb M jährlich aufgewendet sein. Eine solche Summe ist also von den Einnahmen abzuziehen. Dürfen wir diese Verhältnisse nur annähernd auf die 30er und 40er Jahre des Jahrhunderts anwenden, so ist klar, daß es einige Jahre währen mußte, bis Albrecht aus den beiden Märkten 3000 M reinen Silb. empfangen hatte, zumal da ja Magnus sich den Abfall vom Heringe vorbehielt (die Mark reinen Silbers = 3 lüb. M ; s. XVII, S. 495 Sp. 1; vgl. auch Schäfer, Waldemar S. 207 [nach Schäfer um die Mitte des 14. Jahrhunderts auch = 3 1/2 bis 3 1/4 lüb. M ]. Daß die löthige Mark gleich der Mark reinen Silbers ist, wird XVII a. a. O. bewiesen).
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200 M reinen Silb. köln. Gew. in den Dienst des Königs 23 ). -Im November aber schloß er sich an Waldemar an. Er verpflichtete sich ihm zu bewaffneter Hilfe und versprach, die mecklenburgischen Häfen dem Könige offen zu halten, dessen Gegnern aber zu verschließen 24 ). Würden ihm hieraus irgendwelche Verluste oder Gefahren erwachsen, so wollte Waldemar nach Kräften für ihn eintreten (17. November) 24 ). Dieser Vertrag kam bei Wordingborg zustande, und wenn Albrecht selber anwesend war, so müßte er spätestens damals mit Rostock belehnt sein 25 ). - Das Bündnis galt gegen alle Feinde des Königs ohne Ausnahme, jedoch läßt sich schlechterdings nicht beurteilen, ob es besonders gegen Magnus gerichtet sein sollte. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß Waldemar zu dieser Zeit schon entschlossen war, sich gütlich mit dem Folkunger zu einigen oder vielmehr ihn hinzuhalten. Denn sieben Wochen später stand er Schonen mit Blekingen, Lister und der Insel Hven für immer an Schweden ab und verkaufte dem Könige die Lehnshoheit über Südhalland und die beiden dazu gehörigen schonischen Harden Berge und Nörre=Åsbo, doch zögerte er, hierüber besiegelte Urkunden auszuliefern 26 ). Wie er nun Magnus auf solche Weise vorerst beschwichtigte, so könnte er Albrecht schon vor dem Abschlusse des Bündnisses erklärt haben, er sei bereit, in der schonischen Frage nachzugeben. Dann hätte der Fürst annehmen müssen, daß der einzige Streit, der die beiden Könige trennte, ausgeglichen werden, daß es zwischen ihnen nicht zum Kriege kommen würde 27 ).

*              *
*

Wenn irgend einer, so war Waldemar fähig, Dänemark aus dem Zerfalle zu retten. Kühn und ehrgeizig, zäh und berechnend, grausam und herrisch, eine ebenso heimtückische wie tatkräftige Natur, wollte er das Reich von den Fremden be=


23) IX, 6056. Diese Urkunde des Königs ist fast gleichlautend mit der von ihm den Schweriner Grafen, als diese im Juni 1343 in seinen Dienst traten, ausgestellten (IX, 6319). Demnach ist kein Zweifel, daß auch Albrecht sich in den Dienst seines Schwagers begab. Es heißt ja auch in der Urkunde: exhibicione sui gratuiti servicii.
24) Vgl. IX, 6081.
24) Vgl. IX, 6081.
25) Er wird von Waldemar in der Urkunde schon als Rostok dominus bezeichnet.
26) Reinhardt S. 103; Hildebrand a. a. O. S. 195 f.
27) Wegen der Verschreibung des Schwedenkönigs vom Juli und des Bündnisses zwischen Albrecht und Waldemar meinen Reinhardt und Hildebrand, daß der Fürst hier eine Doppelstellung zwischen den (  ...  )
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freien, die seit dem 13. Jahrhundert mächtig emporgekommenen Stände zurückdrängen und eine starke monarchische Gewalt aufrichten. Er gab die Hoffnung nicht auf, Schonen einst, wenn er mächtiger geworden war, wiederzugewinnen; vorerst aber schien es ihm leichter, sich zum Herrn Jütlands und der Inseln zu machen. Und alsbald suchte er auf Seeland festen Fuß zu fassen 28 ). Zugleich ging er gegen die Seeräuber und Straßenräuber vor, die Handel und Wandel störten. Er verbündete sich mit Johann von Holstein, den wendischen Städten (15. Juli 1341) und dem Herzoge von Schleswig. Die Piraten aber waren zum großen Teile Vasallen der Rendsburger Grafen, und diese fühlten sich durch den Angriff auf ihre Mannen selber bedroht. In der Tat scheint es, daß die Bündnisse Waldemars nur in erster Linie gegen die Räuber gerichtet waren; es offenbarte sich in ihnen zugleich eine politische Verbindung, die Heinrich und Klaus gefährlich dünkte. Graf Johann und der Herzog von Schleswig fürchteten noch immer die starke Stellung der Söhne Gerhards. Und die Städte wünschten wohl lebhaft die Vernichtung der Piraten, aber sie wünschten auch, daß Waldemars Macht wüchse, daß er ihnen eine Stütze sei, nicht nur gegen Holstein, sondern auch gegen König Magnus, der wenig für sie übrig hatte 29 ). Nicht mit Unrecht wandten sich die beiden Grafen zum Angriff. Jedoch wurde am 1. September ein Waffenstillstand geschlossen und ein Schiedsgericht eingesetzt 30 )


(  ...  ) beiden Königen eingenommen habe. Teilte ihm jedoch Waldemar schon im November mit, daß er Schonen abtreten wolle, so mußte Albrecht glauben, daß die Feindschaft der Könige damit ein Ende haben würde. Und wenn das Bündnis wirklich gegen Magnus gerichtet war, so möchte ich ebenfalls keine berechnete Politik des Fürsten nach zwei Seiten - die doch im Falle eines Krieges sogleich einer klaren Entscheidung hätte weichen müssen -, sondern ein Schwanken in seiner Haltung annehmen, für das ich die Gründe oben angegeben habe.
28) Reinhardt S. 105 ff.
29) Vgl. Schäfer, Das Buch d. lüb. Vogts a. a. O. S. XXXI.
30) Vgl. über diese Kämpfe Schäfer, Waldemar S. 131 ff.; Reinhardt S. 107 ff. Wir sind über Waldemars Bündnisse durch die beiden IX, 6141 f. abgedruckten Urkunden und durch den Stillstandsvertrag vom 1. September (Regest IX, 6147) unterrichtet. Nach IX, 6142 scheint das Bündnis mit den Städten nicht nur gegen die Pitraten gegolten zu haben. Vermutlich hatte Waldemar die Absicht, sich durch die Eroberung von Burgen, deren Hauptleute oder Besatzungstruppen Raub trieben, zugleich in den Besitz dieser Burgen zu setzen; belagerte er doch Kallundborg, ein Besitztum der Herzogin Ingeborg, der Mutter des Schwedenkönigs, nicht nur, weil sich dort Pitraten aufhielten.
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Trotz seinem Bündnisse mit Waldemar nahm Albrecht an diesen Kämpfen nicht teil 31 ). Er hatte erwartet, daß der König ihm in der Barther Sache willfahren würde. Zwar stand Waldemar - wie sich im späteren Verlaufe der Angelegenheit zeigte - auf Seiten der Wolgaster Herzöge und hegte vermutlich die oben hervorgehobenen Bedenken gegen eine Teilung Rügens, aber er wird dies nicht offen ausgesprochen haben. Wahrscheinlich hatte er Albrecht vertröstet, ihm Hoffnung gelassen, wenn nicht etwa gar - ebenso wie dem Schwedenkönige in Beziehung auf Schonen - ein bestimmtes Versprechen gegeben, durch das er ihn hinhalten wollte. Sonst wäre es wenigstens schwer zu begreifen, daß der Fürst im November des vorigen Jahres so entschieden für ihn Partei genommen hatte. Inzwischen aber war Barth verfallen und demnach keine Belehnung der Mecklenburger mit dem Ländchen durch Waldemar erfolgt. Es ist wohl möglich, daß die Freundschaft zwischen Albrecht und dem Könige hierunter gelitten hatte.

Zu Anfang des nächsten Jahres (1342) unternahm der Fürst im Auftrage des Schwedenkönigs eine Reise an den Hof Ludwigs des Bayern, und zwar wegen einer geplanten Ehe. Augenscheinlich handelte es sich um die Verlobung Erichs, des ältesten Sohnes des Schwedenkönigs, mit einer wittelsbachischen Prinzessin 32 ). Magnus wünschte eine solche Verbindung aus einem ganz bestimmten Grunde. Er zürnte nämlich Waldemar Atterdag, weil dieser die Abtretung Schonens immer noch nicht beglaubigen wollte, und begriff, daß er getäuscht sei, daß es früher oder später doch zum Kampfe um die Provinz kommen müsse. Er wollte deshalb in ein ähnliches Verhältnis zu den Wittelsbachern treten, wie es zwischen diesen und Waldemar bestand, und sie dadurch zum mindesten zur Neutralität veranlassen 33 ). Daß Albrecht eine derartige Mission übernahm, beleuchtet deutlich seine Stellung zu Magnus.

Der Kaiser und der Markgraf von Brandenburg hatten ihm freies Geleit erteilt. Er reiste über Erfurt, wo er zwei Tage verweilte und ehrenvoll vom Rate bewirtet wurde. Sein Geleitsmann, Graf Günther von Schwarzburg, blieb hier in der Stadt


31) Im Vertrage über den Waffenstillstand vom 1. September wird er nicht unter den Helfern des Königs genannt. Vgl. auch Reinhardt S. 110.
32) Styffe, Bidrag till Skandinaviens Historia I, S. XV. Erich heiratete später in der Tat eine Enkelin des Kaisers, ebd. Anm. 4.
33) Vgl. Grandinson, Studier i Hanseatisk=Svensk Historia II (Stockholm 1885), S. 24.
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zurück. Als Albrecht dann weiter durch Thüringen zog, wurde er samt seinem Gefolge von einem Vetter des Schwarzburgers, dem Grafen Günther von Schwarzburg zu Arnstadt - dem späteren Gegenkönige - aufgehoben und nach dessen Feste Blankenburg, später nach Ranis 34 ) gebracht. Durch diese Gewalttat glaubte der Graf die Zahlung einer gewissen Geldsumme, die er noch vom Vater des Fürsten zu fordern hatte, am besten erreichen zu können. Wahrscheinlich hatte er schon im Mai 1340 mit Albrecht, als er ihm zu Lübeck begegnete, über diese Schuld verhandelt. Der Kanzler des Fürsten (Barthold Rode) war unter den Gefangenen, doch wurde er in Freiheit gesetzt, und begab sich eilends zum Kaiser, um Beschwerde zu erheben. Auch schrieb der Herzog Rudolf von Sachsen an Ludwig und verwandte sich für seinen Neffen. Endlich forderte Graf Günther, der Geleitsmann Albrechts, seinen Vetter wegen Bruch des kaiserlichen Geleites vor das Reich. Darauf wählten der Kaiser, der Markgraf und der Arnstädter den Erzbischof Heinrich von Mainz zum Schiedsrichter 35 ). Und dieser erklärte am 25. Mai zu Nürnberg, der Graf solle seine Aussage, es sei ihm unbekannt gewesen, daß Albrecht im Geleite des Kaisers und des Markgrafen reiste, beschwören. Auch solle er allen Forderungen entsagen, ebenso Albrecht und die Wittelsbacher jedem Anspruche auf Schadensersatz, den sie wegen der Gefangenschaft stellen könnten. - Wie es scheint, war der Fürst mit einigen seiner Leute schon vorher auf Ehrenwort aus der Haft entlassen worden. Er reiste weiter, wurde in Nürnberg neu ausgerüstet und soll in Kärnten eine günstige Antwort vom Kaiser empfangen haben 36 ).

Natürlich kam die Rede auch auf die Zwistigkeiten im Norden. Dort hatte die Einsetzung des Schiedsgerichtes nicht zum Frieden geführt, doch war wenigstens der Waffenstillstand bis zum 19. Mai 1342 verlängert worden 37 ). Noch vor diesem Tage hatte sich der Lübecker Rat beim Kaiser und dessen Sohne


34) Im oberen Vogtlande, nordwestlich von Ziegenrück; Lisch, M. Jbb. XV, S. 173 f.
35) Der Kaiser und sein Sohn durch Urkunden vom 3. und 25. April (beide zu München ausgestellt), der Graf von Schwarzburg durch eine Urkunde vom 9. Mai (vgl. IX, 6212; Lisch, M. Jbb. XV, S. 48).
36) Diese günstige Antwort erwähnt Marschalk (Ann. Herulorum etc., bei Westphalen Mon. ined. I, Sp. 305), Korner II, § 704 (secundum cron. Obotritorum) sagt nur, Albrecht sei vom Kaiser entlassen negocio suo peracto. Vgl. Lisch, M. Jbb. XV, S. 44 u. 49 f. Im übrigen s. über die Gefangennahme Anlage 2.
37) Reinhardt S. 112. S. Detmar § 619 mit Anm.
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über die Gewalttaten der Holsteiner beklagt 38 ). Die Wittelsbacher standen zu der Stadt im besten Einvernehmen und waren ihr dankbar dafür, daß sie so tapfer für den Dänenkönig Partei ergriff 39 ). Sie sandten bewaffnete Hilfe 40 ) und suchten nun auch Albrecht für Lübeck zu gewinnen. Er ließ sich von ihnen bereit finden 41 ). - Als er schon fort war, trafen neue Briefe aus Lübeck ein. Inzwischen war der Stillstand abgelaufen und der Krieg in vollem Gange. Lübeck hatte sich mit Hamburg zusammengetan und am 17. Februar mit dem Grafen Johann ein Bündnis geschlossen 42 ). Die übrigen wendischen Städte hielten sich jedoch augenscheinlich zurück. Lübeck war deswegen höchst beunruhigt Abermals bat der Rat die Wittelsbacher um Hilfe und ersuchte sie, sich bei den Seestädten zu Lübecks und König Waldemars Gunsten ins Mittel zu legen. Zugleich erkundigte er sich über ihre Stellung zu Albrecht, den der Rat aufs neue zum Schutzherrn erwählen wollte. Kaiser Ludwig und der Markgraf erwiderten am 1. August von München aus, sie hätten volles Vertrauen zu dem Mecklenburger, der in bester Freundschaft von ihnen geschieden sei. Gemäß dem Wunsche des Rates habe man ihn jetzt noch einmal durch Briefe gemahnt. Ebenso seien an die Städte Schreiben ergangen. Endlich wurde die Sendung von Truppen in Aussicht gestellt 43 ).

Noch bevor diese Antwortschreiben Lübeck erreichen konnten, begann der Rat mit Albrecht zu verhandeln. Am 11. August


38) Detmar § 623.
39) Diese Dankbarkeit brachten sie in ihren Briefen vom 1. August an Lübeck zum Ausdruck, IX, 6225 f.
40) Detmar § 623.
41) So erklärte der Kaiser in seinem Schreiben vom 1. August an Lübeck, s. unten.
42) Schäfer, Waldemar S. 134. Vgl. Detmar § 617. - Der Vertrag mit Hamburg (22. November 1341, HU. II, 688) war allerdings nur ein Landfriedensbündnis gegen die Krummendiek, deren Helfer und andere Räuber in Holstein, doch war ein Feldzug gegen diese von einem Kriege gegen die Grafen, die ihre Vasallen schützten, nicht zu trennen. Hamburg beteiligte sich eifrig am Kampfe. Detmar erwähnt in seinem Bericht über den Krieg nach Ablauf des Waffenstillstandes überhaupt nur Lübeck und Hamburg von den Städten, §§ 623-5, 629. - Das Bündnis zwischen Lübeck und dem Grafen Johann (zum Schutze Lübecks und K. Waldemars) war beschränkt auf die Lande vom Dannewerk bis Lübeck, also auf Holstein (HU. II, 693).
43) IX, 6225 f. Nach Detmar (§§ 623 und 625) führte Lübeck zur Zeit des Waffenstillstandes (binnen deme daghe) beim Kaiser und beim Markgrafen Klage und bat nachher den Markgrafen noch einmal um Hilfe. Jedoch wandte der Rat sich auch diesmal nicht an Markgraf Ludwig allein, (  ...  )
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übernahmen die beiden mecklenburgischen Fürsten aufs neue für drei Jahre die Schirmvogtei über die Stadt gegen eine jährliche Entschädigung von 200 M reinen Silbers 44 ). Albrecht versprach, fünfzig Berittene zu stellen 45 ). Einige Wochen früher aber war König Magnus auf die Seite der Holsteiner getreten 46 ); er hatte sich mit den Lübeckern überworfen 47 ) und wollte Waldemar zum endgültigen Verzicht auf Schonen zwingen 48 ). Etwas später wechselte Johann von Holstein die Partei 49 ). Auf der anderen Seite nahmen nun doch alle großen wendischen Städte am Kriege teil 50 ). Albrecht verfolgte keine politischen Ziele in dieser Fehde. Es war ihm im Grunde sehr lästig, daß er als Schutzherr Lübecks zugleich Gegner seines Schwagers geworden war; allerdings


(  ...  ) sondern auch an dessen Vater, wie aus den Briefen der Wittelsbacher vom 1. August hervorgeht. Das Schreiben des Kaisers läßt zugleich erkennen, daß die Bayern schon bei Albrechts Anwesenheit, also wohl nach dem Eingange des ersten Schreibens von Lübeck, mit dem Fürsten über die Dinge im Norden verhandelt hatten.
44) IX, 6227; Detmar § 625.
45) Detmar § 625. In der Urkunde wird die Zahl der von den Mecklenburgern zu stellenden Truppen nicht angegeben.
46) Schon als er sich selber noch dem Kampfe fernhielt, hatte sich Magnus auf Veranlassung des Grafen Heinrich, der zu ihm nach Schweden gekommen war, für die Holsteiner durch Briefe an die Landesherren, an Lübeck und andere Seestädte verwandt (Detmar S. 491).
47) Detmar § 624; s. Reinhardt S. 114.
48) Schon im Juni belagerte Waldemar Kopenhagen, über das sich Magnus das Pfandrecht hatte übertragen lassen (Reinhardt S. 115; Hildebrand, K. Magnus u. Schonen S. 197; derselbe, Medeltiden S. 206). Ob jedoch diese Belagerung für den Schwedenkönig mit ein Grund zum Kriege war, oder ob sie erst nach dem Bruche zwischen den Königen begonnen wurde, läßt sich wohl nicht entscheiden. Obgleich die schwedischen und holsteinischen Entsetzungstruppen von dem dänischen Marschall Friedr. v. Lochen und den Städtern geschlagen wurden (26.Juni), so blieb doch die Belagerung vergeblich. - Es ist sehr auffallend, daß Waldemar am 10. August (vor Kallundborg) Stralsund u. a. Privilegien in Skanör verlieh (HU. II, 700; Reinhardt S. 117). Der König gab also Schonen noch nicht auf.
49) Schäfer S. 135; Reinhardt S. 115. Vgl. Detmar § 625.
50) Vgl. IX, 6238 f. (13. Oktober 1342). Der Brief des Erzbischofs v. Lund, ebd. 6237, der hier (ebenso vorher bei Sudendorf II, S. 1, nachher HU. II, 699) zu 1342 angesetzt ist, könnte auch erst 1343 geschrieben sein. - Nach dem Briefe Johanns von Holstein vom 2. Oktober (ohne Jahreszahl), den Höhlbaum, HU. II, 706 zu 1342 ansetzt (Reinhardt S. 531 Anm. 60 stimmt dem zu), müßte, wenn diese Datierung richtig ist, Stralsund noch am 2. Oktober dem Kriege ferngeblieben sein, wenngleich es zum Dänenkönig neigte. Ich möchte eher annehmen, daß der Brief ins Jahr 1343 gehört. Der Krieg zwischen Holstein und Dänemark, der nach dem Schreiben noch nicht beendet war, wurde erst 1344 beigelegt (Reinhardt S. 131).
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fochten die mecklenburgischen Truppen wahrscheinlich nur gegen die Holsteiner, die den Lübeckern bei Segeberg Schaden taten und hernach - schon zum zweiten Male - vor Lübeck erschienen 51 ). Der Fürst wünschte, daß es möglichst bald zum Frieden käme und wirkte selber hierauf hin. Auch Lübeck wurde des Krieges müde, zumal da die Truppen, die im Auftrage des Kaisers und des Markgrafen Ende August an der Trave anlangten, der Stadt viele Kosten machten, aber nur wenig ausrichteten 52 ). Am 30. September schrieb Albrecht den Lübecker Ratsherren, daß er getreulich und nach Möglichkeit für sie wirken wolle, wenn sie seiner bei ihren Verhandlungen bedürften 53 ). Offenbar fanden schon solche statt, und vierzehn Tage darauf, am 13. Oktober, kam es in Lübeck zu einem Vertrage, wonach Albrecht und Graf Günther von Schwarzburg, einer der Führer des markgräflichen Hilfsheeres, den Zwist zwischen dem Schwedenkönige und den Städten Lübeck, Hamburg, Rostock, Wismar, Stralsund und Greifswald entscheiden sollten (13. Oktober) 54 ). Zugleich wurden die Streitigkeiten König Waldemars und der Städte mit den drei Grafen von Holstein der Entscheidung der in Lübeck anwesenden kaiserlichen und markgräflichen Räte anheimgegeben (13. Oktober Lübeck) 55 ). Beide Schiedsgerichte sollten am 6. Dezember in Rostock tagen und ebendort sollten am 6. Januar die Sprüche gefällt werden. - Auch zwischen Waldemar Atterdag und Magnus kam es zu einem Waffenstillstande 56 ).

Ob am 6. Dezember in Rostock verhandelt wurde, wissen wir nicht 57 ). Ebenso ist unbekannt, ob Albrecht und Graf Günther


51) Detmar § 626, vgl. § 623. Vgl. Schäfer S. 135. Segeberg war vorher von Johann von Holstein an Lübeck verpfändet worden (Detmar § 617; s. Schäfer S. 134).
52) Detmar § 628. Vgl. Schäfer S. 135 f.; Reinhardt S. 117. Detmars Bericht ist wohl etwas parteiisch gefärbt.
53) IX, 6235.
54) IX, 6238. Daß dieser Vertrag in Lübeck geschlossen wurde, wird ebd. 6324 ausdrücklich gesagt.
55) IX, 6239.
56) Reinhardt S. 118; Hildebrand, K. Magnus und Schonen S. 198.
57) Am 9. Dezember war Albrecht dort anwesend, IX, 6254. übrigens sind die Beschwerdeschriften der Städte, soweit sie datiert sind, alle vor dem 6. Dezember angefertigt (IX, 6247, 6250 f., HU. II, 722 ff.). In diesen Schriften zählten die Städte die Schädigungen auf, die ihre Bürger durch die Holsteiner erlitten hatten; sie sollten den zu Schiedsrichtern erwählten kaiserl. und markgräfl. Räten eingereicht werden.
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eine Entscheidung trafen 58 ). Jedenfalls wurde durch sie (kein Friede der Städte mit Magnus herbeigeführt. Zwar brach der Krieg zwischen diesen nicht wieder aus 59 ), doch blieb ihr Verhältnis zueinander gespannt. Es ist hierfür bezeichnend, daß Graf Heinrich von Schwerin und seine Neffen Otto und Nikolaus sich am 28. Juni 1343 in den Dienst des Schwedenkönigs begaben 60 ). Sie erhielten dafür zwar - ebenso wie früher Albrecht - eine jährliche Hebung von 200 M reinen Silbers köln. Gew. zugesichert 61 ), aber sie hatten noch einen anderen Grund für ihren Entschluß. Sie zürnten nämlich dem Mecklenburger, weil dieser mit ihrem Vetter und Oheim Nikolaus II. am 7. März einen Erbvertrag abgeschlossen hatte, durch den die Grafen geschädigt wurden 62 ). So hofften sie an Magnus, der sie


58) Detmar § 629 (s. Schäfer S. 136 f.) berichtet nur, daß das Schiedsgericht, das zwischen den Städten und den Holsteinern entscheiden sollte, am 6. Januar in Stralsund und nachher in Rostock erfolglos verhandelte.
59) Das geht daraus hervor, daß hernach im Frieden zwischen Magnus und den Städten (17. Juli 1343, IX, 6324) bestimmt wurde, daß alle Verluste ersetzt werden sollten, die die Parteien einander zugefügt hätten, nachdem ihnen das Kompromiß vom 13. Oktober 1342 gemeldet sei und sie Zeit gehabt hätten, ihre Hauptleute davon zu benachrichtigen. Die vorher, zur Zeit des Krieges (discordia durante) zugefügten Schädigungen sollten als durch einander ausgeglichen gelten, und es sollte nicht mehr die Rede davon sein.
60) IX, 6318. Vgl. Grandinson a. a. O. S. 30. G. behauptet, daß auch die Fürsten von Werle sich im Laufe des Winters dem Schwedenkönige zur Verfügung gestellt hätten. Er weist erstens auf den Schiedsgerichtsvertrag vom 13. Oktober hin, den die Holsteiner mit Dänemark und den Städten schlossen (IX, 6239 mit Note; HU. II. 710). In der einen Ausfertigung des Vertrages gelobten nämlich Nikolaus und Bernhard von Werle=Güstrow, K. Magnus und zahlreiche Ritter mit den Holsteinern, daß die in der Urkunde niedergelegten Bestimmungen gehalten werden sollten; indessen ist hieraus kein Schluß auf das Verhältnis zwischen Magnus und den Werlern zu ziehen, sondern nur auf das zwischen diesen und den Holsteinern, wobei jedoch keineswegs angenommen werden muß, daß sie mit den Grafen verbündet waren. In einer zweiten Ausfertigung finden sich wieder die Werler, dagegen nicht der Schwedenkönig. - Weiter verweist G. auf IX, 6254 (9. Dezember 1342) und 6271 (22. Januar 1343), wo sich die Fürsten von Werle=Güstrow und die von Werle=Goldberg mit den Mecklenburgern (gegen Pommern=Wolgast) verbünden. Alle Werler nehmen in diesen Urkunden u. a. usen heren den koninch van Zweden (übrigens auch wiederum die Holsteiner) aus. Ich gestehe, daß es mir nicht klar ist, warum sie Magnus als ihren Herrn bezeichneten. Daß sie sich ihm jedoch im Winter zur Verfügung stellten, ist ausgeschlossen, da sie mit Albrecht gegen Pommern=Wolgast zu kämpfen hatten.
61) IX, 6319.
62) S. unten Kap. 5.
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wie seine Vasallen in ihren Rechten zu verteidigen versprach 63 ), eine Stütze zu finden. Und wenn der Kampf zwischen den Städten und dem Könige erneuert wurde, dann wollten sie offenbar im Bunde mit Schweden gegen Albrecht vorgehen, der ja als Schutzherr Lübecks wieder an der Fehde hätte teilnehmen müssen. Für den Fürsten wäre dies um so gefährlicher gewesen, als er inzwischen zu einem Kriege gekommen war, den er gemeinsam mit den Herren von Werle um die rügischen Pfandschaften gegen die Herzöge von Pommern=Wolgast führte 64 ). So unternahm er es von neuem, Frieden zwischen den Städten und seinem Schwager zu stiften. Er reiste selber nach Helsingborg, wo Magnus sich am 17. Juli 1343 endlich mit den Städten aussöhnte 65 ).

Auch daß Schiedsgericht, durch das der Streit zwischen Waldemar Atterdag, den Städten und den Holsteinern hatte beigelegt werden sollen, war gescheitert. Obwohl eigentlich die Waffen ruhen sollten, hatte Lübeck, mit Hamburg verbündet, sich wieder gegen allerlei Raubanfälle der Holsteiner und deren Vasallen zu wehren 66 ). Albrecht sah sich deshalb genötigt, für die Stadt einzutreten. Vor Gadebusch machte der holsteinische Ritter Klaus von Wedel mecklenburgische Gefangene 67 ). Erst am 26. September 1343 schlossen einige Vasallen Albrechts in seinem Namen mit den Grafen Johann und Nikolaus auf dem Priwalk einen Vergleich, wonach die Fürsten Johann und Nikolaus von Werle=Goldberg zwischen Albrecht und allen Holsteiner Grafen entscheiden sollten 68 ). Diesem Vertrage mag dann der Friede gefolgt sein.

Zwischen König Magnus und Waldemar Atterdag kam es am 18. November zu einer Einigung, wonach Waldemar Schonen nunmehr mit ganz Halland, Lister, Blekingen und Hven an die schwedische Krone verkaufte 69 ).


63) quod ipsius domini comitis et patruorum suorum iuris et iusticie proplacitator erimus et esse volumus requisiti . . . . Indessen war dies eine allgemein gehaltene Bestimmung, wie sie in einem derartigen Vertrage, da sich doch die Grafen unter die Vasallen des Königs aufnehmen ließen, nicht fehlen durfte. - Magnus hat, soweit wir wissen, hernach nicht für die Grafen gegen Mecklenburg Partei ergriffen.
64) S. unten Kap. 4.
65) IX, 6324. Albrecht findet sich unter den Zeugen.
66) Detmar § 629 mit Anm. Vgl. Koppmann, HR. I, S. 67.
67) Vgl. IX, 6343: de vanghenen van Godebuze mith den husluden.
68) IX, 6343. Lübeck und Hamburg schlossen erst am 13. Dezember 1343 mit den Holsteinern Frieden, Koppmann, HR. I, S, 67, 69.
69) Reinhardt S. 123; Hildebrand, K. Magnus u. Schonen, S. 199.
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Das gute Verhältnis Albrechts zu Magnus war wieder hergestellt. Eine eigentlich feindselige Haltung hatte der König ihm gegenüber nicht angenommen; dies zeigt sich darin, daß seine Bevollmächtigten den Fürsten im Oktober - 1342 zum Schiedsrichter ausersahen 70 ). Die Freundschaft Albrechts mit Waldemar dagegen hatte durch die Enttäuschung in der Barther Sache einen Riß erhalten, der fürs erste nicht geheilt werden sollte.

4.

Das Nachspiel des rügischen Erbfolgekrieges ( - 1346).

Am 6. Dezember 1340 war die Pfandschaft Barth verfallen. Ebenso Tribsees, das Johann III. von Werle=Goldberg in seiner Hand hatte, und Grimmen, das sich int Besitze Nikolaus' III. und seines minderjährigen Bruders Bernhard II. befand, die 1337 auf Johann II. von Werle=Güstrow gefolgt waren. Albrecht und die Werler hatten nunmehr das gute Recht, die Pfandschaften als dauerndes Eigentum in Anspruch zu nehmen, doch war nicht zu erwarten, daß dies ohne Widerstand von Pommern=Wolgaster Seite geschehen könne. Solche Erwägungen vielleicht hatten Albrecht schon vor Jahren veranlaßt, die Freundschaft Nikolaus' III. von Güstrow zu suchen; im Januar 1338, auf jenem Kongresse zu Lübeck, hatte er seine Schwester Agnes mit dem Fürsten verlobt 1 ). Doch wünschte Albrecht nicht etwa, einen Krieg mit Pommern vom Zaune zu brechen; er beabsichtigte nur, den alten Zustand zu erhalten, er und die Werler waren ja tatsächlich im Besitze der Lande. Eben dieser Zustand aber war für die drei jungen Herzöge Bogislav V., Barnim IV. und Wartislav V. von Wolgast unerträglich. Sie wollten nicht ruhig mit ansehen, daß ihnen ein beträchtlicher und nicht der schlechteste Teil ihrer Lande auf immer verloren ging 2 ). Da geschah es im Herbst 1342, noch im vollen Frieden, daß Grimmen dem pommerschen Marschall Wedego Bugenhagen


70) S. o. -
1) Detmar § 595. IX, 5842.
2) Am 15. September 1342, also nachdem Barth verfallen war, verlieh Bogislav von Pommern=Wolgast mit Zustimmung seiner Mutter und seiner Brüder habito provido consilio nostrorum consiliariorum für den Fall, daß er oder seine Erben wieder in den Besitz (in possessionem corporalem) der Vogtei Barth käme, drei Brüdern von Manteuffel das Eigentum zweier Hegerhufen in Lüdershagen und Bartelshagen im Lande Barth, IX, 6233.
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in die Hände gespielt wurde 3 ). Alsbald schloß sich Albrecht mit den Werlern zusammen. Am 9. Dezember vereinbarte er in Rostock mit den Fürsten von Güstrow, am 22. Januar 1343, wieder in Rostock, mit Johann von Goldberg und dessen Sohne Nikolaus IV. ein Bündnis 4 ).

Bald darauf wird es zum Kampf gekommen sein, doch blieb Grimmen noch bis zum Ende des Sommers in der Hand der Wolgaster. Im Juli 1343 unterbrach Albrecht den Krieg durch eine Reise nach Schonen, war er doch zugegen, als König Magnus am 17. des Monats in Helsingborg mit den Städten Frieden schloß 5 ). Anfang August findet er sich wieder in Mecklenburg 6 ). Im Monat darauf, am 20. September, gelang es ihm, das hartnäckig und von starker Mannschaft verteidigte Grimmen zu erstürmen. Die Besatzungstruppen wurden teils niedergehauen, teils gefangen; nur wenige entkamen. Den Ratsherrn Johann Rike, der die Stadt den Pommern überliefert hatte, ließ Albrecht öffentlich verbrennen; durch diese grausame Strafe gedachte er die Bewohner von Grimmen und auch wohl von Barth und Tribsees auf immer vom Verrate abzuschrecken. Grimmen gab er dem Fürsten Nikolaus III. zurück. Wedego Bugenhagen selber war in Gefangenschaft geraten; er wurde nach Ribnitz geführt, doch glückte es ihm, "über die Mauer" zu entspringen 7 ).

Dann vermittelten die Städte Stralsund und Greifswald einen allgemeinen Waffenstillstand, der bereits vor dem 26. Oktober geschlossen wurde und wahrscheinlich bis zum 11. April


3) Korner II, § 723 (secundum cronicam Obotritorum); Marschalk, Reimchronik, bei Westphalen, Mon. ined. Kap. 68. - Korner berichtet, daß die Übergabe tempore pacis et treugarum geschehen sei. Demnach waren die Bündnisse zwischen Mecklenburgern und Werlern wohl eine Folge davon.
4) IX, 6254, 6271.
5) Vgl. oben S. 47.
6) Er urkundete am 5. (4.?) und 15. August in Sternberg (IX, 6328, 6335), am 17. September in Rostock (IX, 6341).
7) Korner und Marschalk a. a. O. - Nach Korner fand die Eroberung Grimmens am 20. September 1343 statt. Korner gibt sie wie seinen ganzen Bericht nach der rätzelhaften Chr. Obotritorum, aus der oder deren Quelle auch wohl Marschalk, der hier jedenfalls nicht Korner benutzt haben kann, geschöpft hat. Am 17. September urkundete Albrecht in Rostock, IX, 6341. Daß er in der Tat Grimmen um diese Zeit gewann, beweist IX, 6395 (21. März 1344), worin er dem Knappen H v. Bülow Ersatz für seinen Verlust bei der Erstürmung versprach. Weiter läßt sich mit großer Wahrscheinlichkeit darlegen, daß die Eroberung vor den 26. Oktober 1343 fällt. Denn bereits vor diesem Tage muß ein Waffenstillstand abgeschlossen sein, (  ...  )
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1344 gelten sollte. Und es scheint, daß die streitenden Parteien, wenigstens die Güstrower Fürsten und die Wolgaster, einer Aussöhnung nahe waren; denn noch im Jahre 1343 verlobte sich Barnim IV. mit Sophie von Werle, wohl einer Schwester Nikolaus' III. und Bernhards 8 ). Am 19. März 1344 wurde in Gnoien der Waffenstillstand bis zum 24. Juni 1345 verlängert 9 ). Aber zwei Monate später schwand wieder die Aussicht auf Frieden, da Albrecht und die Werler durch den Bischof Heinrich von Schwerin einen neuen, wenn auch zweifelhaften Rechtstitel auf die drei Lande erhielten. -

Das Bistum Schwerin nämlich erhob Anspruch auf das Land Tribsees (Festland Rügen), und zwar gründete sich diese Forderung auf eine angebliche Schenkung Herzog Heinrichs des Löwen, des Stifters der Schweriner Kirche, eine Schenkung, die von Kaiser Friedrich II. bestätigt sein sollte 10 ). Daß sie in Wahrheit nicht stattgefunden hatte, sondern eine Urkundenfälschung vorlag, steht um so eher außer Zweifel, als Heinrich tatsächlich niemals über einen Teil Rügens oder Pommerns geherrscht hatte, wie denn alle späteren sächsischen Ansprüche auf


(  ...  ) vgl. IX, 6349 (26. Oktober, Demmin): Die Herzöge von Pommern=Wolgast befreien die Räte von Anklam und Demmin von aller Verantwortung ex parte treugarum et aliorum articulorum per consules civitatum Stralessund et Gripeswold inter nos, ex una, et . . . . Albertum Magnipolensem . . et . . . Johannem et Nycolaum de Werle, parte ex altera, factorum et condictorum . . . .; et omnia in litteris ipsorum contenta, quas nomine nostri predictis dominis tribuerint seu dederint, tenebimus et debemus . . . . observare. Am 19. März 1344 wurde ein neuer Waffenstillstand geschlossen, der vom 11. April bis zum 24. Juni 1345 gelten sollte. Da dieser Stillstand erst am 11. April begann, war die Zeit bis dahin vermutlich noch durch den ersten ausgefüllt; es handelte sich wohl nur um eine Verlängerung. Danach bestand von vor dem 26. Oktober 1343 bis zum 24. Juni 1345 Waffenruhe. Es muß also die Eroberung Grimmens vor dem 26. Oktober 1343 geschehen sein.
8) Vgl. IX, 6272.
9) Vgl. IX, 6391. Über die Waffenruhe vgl. oben S. 49 Anm. 7.
10) Auf diese angebliche Schenkung beriefen sich nachher Bischof Ludolf und sein Domkapitel in dem Prozesse, den sie wegen des Festlandes Rügen gegen die Fürsten von Mecklenburg und Werle sowie gegen die Herzöge von Pommern=Wolgast und die Stadt Stralsund bei der Kurie anstrengten. Sie schrieben an Benedikt XII. (IX, 5914, 1338/9): . . quod quondam clare memorie Henricus dux Bruneswicensis . . . . dictam ecclesiam Zwerinensem . . . . fundavit et dotavit et inter cetera bona donavit . . . . iure proprio et irrevocabiliter terram seu districtum quendam wlgariter nuncupatum Tribezes, alias Ruyanorum, et territorium districtus eiusdem, quam quidem donacionem quondam Fredericus ultimus Romanorum imperator per suas certi tenoris litteras confirmavit eamque ratificavit et eciam approbavit. Nun gibt es zwei (  ...  )
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rügische oder pommersche Lande haltlos waren 11 ). Es hatte der Herzogin Helene und ihren Söhnen Johann und Albrecht nichts gekostet, daß sie 1261 zugunsten des Bistums Schwerin auf die Oberhoheit über das Land Tribsees verzichteten 12 ). Immerhin hatte Fürst Wizlav II. von Rügen 1293 seinen festländischen Besitz als Schweriner Stiftslehn anerkannt 13 ). Dann aber hatte sein Sohn am 14. Oktober 1304 dem Könige Erich Menved für Insel und Festland den Vasalleneid geleistet und sich so der dänischen Lehnsherrschaft wieder unterworfen 14 ). Nachdem zwei Jahrzehnte später das Geschlecht der Fürsten von Rügen erloschen war (1325), hatte der Bischof Johannes dem Könige Christoph von Dänemark, Wartislav IV. von Wolgast, dem Nachfolger des letzten Fürsten, und den Stralsunder Ratstherren vor Zeugen erklärt, daß er das Land Tribsees als heimgefallenes Lehn in Anspruch nehme 15 ). Und als König Christoph ganz Rügen den Fürsten von Mecklenburg und Werle verliehen hatte (6. August 1326), war Johann diesen gegenüber erbötig gewesen, das Recht des Bistums aus seinem Archive zu beweisen 16 ). So


(  ...  ) unechte, interpolierte Rezensionen der echten Bewidmungsurkunde Heinrichs des Löwen vom 9. September 1171 und eine ebenfalls unechte Konfirmation Friedrichs I., Fälschungen, die das Bistum in der Zeit von um 1325 bis 1329 während seines mit Kammin und Havelberg um die Diözesangrenzen geführten Streites anfertigen ließ (I, 91 und 100 B und C; vgl. Salis, Die Schweriner Fälschungen, Archiv s. Urkundenforschung I). Nach ihnen fiel oder konnte zwar das Land Tribsees unter den Sprengel des Bistums Schwerin fallen (zu dem es übrigens vielleicht schon vorher tatsächlich gehörte, vgl. Salis S. 292 f.), zur dos aber wurde es nicht gerechnet. Überdies ist die in Ludolfs Schreiben erwähnte Bestätigung von Fredericus ultimus Roman, imp. ausgestellt, womit nur Friedrich II. gemeint sein kann. Ludolf und sein Kapitel müssen sich also auf eine oder zwei uns nicht erhaltene Urkunden gestützt haben. Sicherlich handelte es sich um eine Fälschung, doch muß es unentschieden bleiben, ob zwei Urkunden vorlagen und ob auch die Konfirmation unecht war. War diese gefälscht, so ist es nicht nötig, eine weitere unechte Urkunde Heinrichs anzunehmen; war aber die Konfirmatton echt, so muß eine gefälschte Urkunde Heinrichs vorhanden gewesen sein.
11) Salis a. a. O. S. 323 ff
12) Salis S. 328. - II, 915, 930. Von einer Schenkung durch Heinrich den Löwen wird hier nichts gesagt; möglich, daß die oben erwähnte Fälschung erst später vorgenommen wurde.
13) III, 2207; Salis a. a. O.
14) Barthold, Gesch. v. Rügen u Pommern III, S. 104; Wehrmann, Gesch. v. Pommern I, S. 127. Das Land Loitz wurde allerdings in Erichs Belehnungsurkunde übergangen.
15) VII, 4816. Über den Anspruch des Bischofs vgl. auch Detmar S. 451.
16) VII, 4815.
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war es kein Wunder, daß er ihnen das Präsentationsrecht der Pfarren von Barth und Stralsund, wo sie kraft landesherrlichen Patronats zwei Geistliche aufgestellt hatten, prompt bestritt 17 ). Auf dem Wege des kanonischen Prozesses suchte man sich auseinanderzusetzen, und noch nach dem Brudersdorfer Frieden, als Barth an Mecklenburg verpfändet war, dauerte der Streit wegen der Pfarre dort.

Unterdessen hatte der Bischof einen weiteren Prozeß angestrengt, der den Besitz des Landes Tribsees betraf. Dieser Rechtskampf wurde von den Nachfolgern Johanns, den Bischöfen Ludolf von Bülow und dessen Bruder Heinrich, weitergeführt 18 ). Nachdem er sich durch mehr als anderthalb Jahrzehnte hingezogen, hatte Heinrich Ende 1343 oder Anfang 1344 die Absicht gehabt, den Streit dreißig Jahre zu vertagen, und war auch schon mit der Stadt Stralsund, die "gleichsam das Haupt des Landes Tribsees" bildete und sich dem Krummstab durchaus nicht unterwerfen wollte, deswegen in Verbindung getreten. Hierbei war er aber auf den Widerstand seines Domkapitels gestoßen, das von dem Plane des Bischofs gar nicht vorher in Kenntnis gesetzt war und nun seinen Einspruch nachdrücklich zu Protokoll nehmen ließ (30. Januar 1344) 19 ). Wenige Monate später entschloß sich Heinrich, seine Interessen mit denen der Fürsten von Mecklenburg und Werle zu verknüpfen, derselben Fürsten, über die sich sein Vorgänger Ludolf noch bitter beim Papste Benedikt XII. beklagt hatte, weil sie in ihren Pfandschaften, "gestützt auf ihre Laienmacht", alle Rechte ausübten, die eigentlich dem Bistume zuständen 20 ). Am 21. Mai, neun Wochen, nachdem sie ihren Waffenstillstand mit den Wolgastern verlängert hatten, trafen Albrecht, Johann III. und Nikolaus III. von Werle mit Bischof Heinrich und zwei Vertretern des Domkapitels bei Eikhof zusammen. Hier erhielten Albrecht und mit ihm sein Bruder Land und Stadt Barth, der Güstrower Fürst und dessen Bruder Grimmen, endlich Johann von Goldberg und sein Sohn Stadt und Land Tribsees vom Bischofe unter Zustimmung des Kapitels zu Lehn. Sie verpflichteten sich dafür, die Schweriner Kirche in


17) Vgl. die Prozessakten VII, 4789, 4800, 4809.
18) Vgl. die Prozessakten VII, 4947, 5005; VIII, 5027, 5116, 5493; IX, 5914; vgl. auch VIII, 5426 f. Über den Prozeß handelt kurz Barthold III, S. 223 f.
19) IX, 6377.
20) IX, 5914 A u. B (1338/9).
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ihren Rechten und Besitzungen zu schützen und gegen jedermann zu verteidigen, vor allem gegen die Herzöge von Wolgast und die Stadt Stralsund, deren Zorn durch den neuesten Schachzug der Schweriner Politik erregt werden mußte; mit ihnen sollten sich die Fürsten nicht unter Ausschließung des Bistums verständigen. Stralsund selbst behielt Heinrich seiner Kirche vor, und wohlweislich wurde jetzt hervorgehoben, daß die Lehen zurückfallen sollten, wenn die Fürstenhäuser in männlicher Linie ausstürben 21 ).

Ob Albrecht die Ansprüche des Bistums für gut oder schlecht begründet hielt, mag dahingestellt bleiben. Allzu schwer wog ihm die Lehnsherrschaft, der er sich unterworfen hatte, nicht, und bald genug sollte er sie verleugnen, als habe er sie niemals anerkannt. Für jetzt schien die Belehnung wenigstens über eine rechtliche Schwierigkeit hinwegzuhelfen, die ihm und seinen Verbündeten bei der Behauptung der drei Gebiete als Eigentum hinderlich war. Sie mußten sich entweder der Schweriner Oberhoheit unterwerfen oder die dänische nachsuchen. Von Waldemar Atterdag war jedoch nichts zu erwarten. Auch seine Interessen wurden durch das Abkommen von Eikhof bedroht. Sie zu verteidigen überließ er freilich zunächst den Wolgastern, weil er mit der Aufrichtung seiner Königsmacht im Norden beschäftigt war.

Bis zum 24. Juni 1345 währte noch der Waffenstillstand. Inzwischen galt es, sich für den Krieg zu rüsten. Am 21. März 1345 schlossen Nikolaus und Bernhard von Güstrow in Spandau ein Bündnis mit Markgraf Ludwig von Brandenburg 22 ). Albrecht gelang es, Barnim von Pommern=Stettin auf seine Seite zuu bringen; am 10. Mai verband er sich mit ihm zu Ückermünde. Wenn Barnim im rügischen Streite einen Ausweg finden könnte, so sollten die Mecklenburger ihn gewähren lassen 23 ). So hatten Albrecht und die Werler sich wohl vorbereitet.

Ein halbes Jahr lang etwa währte der Kampf. Am 20. Januar 1346 kamen Albrecht, sein Bruder und die Fürsten von Güstrow mit den Herzögen von Wolgast zu Treptow a. d. T. überein, den Streit der Entscheidung des Herzogs Rudolf von Sachsen=Wittenberg und des Bischofs von Kammin anheimzu=


21) IX, 6420 f.
22) IX, 6503. Vgl. Rugenstein, Nikolaus III., Fürst v. Werle=Güstrow, Diss. Rostock 1895, S. 29 ff.
23) IX, 6528.
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geben, die spätestens Michaelis gefällt werden sollte; bis dahin sollten die Waffen ruhen. Johann von Goldberg und seinem Sohne wurde es freigestellt, dem Vertrage beizutreten; vom Bischofe von Schwerin, ohne den die Fürsten doch eigentlich nicht abschließen durften, war schon gar nicht mehr die Rede 24 ). Ein Schiedsspruch freilich erfolgte nicht. Der Termin wurde zunächst ein Jahr, dann ein weiteres Jahr hinausgeschoben 25 ).

Mecklenburger und Werler blieben vorläufig im Besitze der drei Gebiete. Aber als Albrecht im Februar 1346 das Kloster Neuenkamp im Lande Barth für 900 M Sund. in seinen Schutz nahm und auf drei Jahre von allen Lasten befreite, da zog er die Möglichkeit in Berechnung, daß Barth inzwischen zurückgekauft werden könnte 26 ). Nur durch die Ereignisse, die im Reiche vor sich gingen und die ihren Schatten auch auf Mecklenburg und Pommern warfen, durch den beginnenden Kampf zwischen Wittelsbach und Luxemburg, ist es zu erklären, daß der rügische Streit vorläufig beiseite gelassen wurde, daß Albrecht sogar eine Zeitlang daran dachte, Barth wieder herauszugeben.

 


5.

Albrecht und der wittelsbachisch=luxemburgische Krieg.
Die Schweriner Erbverträge.

Für alle am rügischen Kriege beteiligten Fürsten war der Bruch zwischen dem bayrischen und dem luxemburgischen Hause, mittelbar oder unmittelbar, von Bedeutung. Albrecht war entschlosen, sich der böhmischen Partei zuzuwenden, sobald deren Sache günstig genug stand; denn dann bot sich ihm Gelegenheit, die Spuren seines Vaters in der Mark zu verfolgen. Er wußte, was durch die Verträge an der Daber und bei Gaudenitz 27 ), zu denen Fürst Heinrich sich hatte bequemen müssen, seinem Hause verloren gegangen war. Als Erbe Heinrichs war er ein natürlicher Feind bayrischen Königtums und bayrischer Herrschaft in der Mark, die der Losreißung Stargards von der brandenburgischen Oberhoheit unüberwindliche Schwierigkeiten in den Weg


24) X, 6616.
25) X, 6797.
26) X, 6625.
27) S. o. S. 8.
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legten. 1345 entbrannte der offene Krieg im Reiche 1 ). Noch hatte sich Albrecht nicht für die Böhmen erklärt. Auch wenn ihn der rügische Streit damals nicht beschäftigt hätte, würde ihm die ungeschwächte Stellung des bayrischen Hauses verboten haben, gegen die höchste deutsche Gewalt die Waffen zu ergreifen. Ein Krieg gegen die Mark aber im Bunde mit Böhmen war unmöglich, wenn er sich nicht zugleich gegen den Kaiser richtete.

*              *
*

In dieser Zeit, kurz vor dem Ablaufe des Waffenstillstandes mit den Wolgastern, verhandelte Albrecht über einen Vertrag mit dem Grafen Nikolaus II. von Schwerin. Nikolaus hatte 1326 in drückender Geldnot seine Besitzungen Boizenburg und Crivitz mit dem Lande Sillesen dem Grafen Heinrich III. von Schwerin, demselben, der bei der mecklenburgischen Vormundschaft eine Rolle gespielt hatte, auf zehn Jahre zur Verwaltung gegeben. Außerdem hatte er ihm die Erbhuldigung zugestanden 2 ). Nach Ablauf der zehn Jahre blieben jedoch die Gebiete in Heinrichs Hand, und Nikolaus mochte fürchten, daß er sie niemals zurückerhalten würde. Die Lage hatte Albrecht sich zunutze gemacht. Er hatte schon am 7. März 1343 einen Vertrag mit Nikolaus abgeschlossen, worin dieser den beiden mecklenburgischen Fürsten das Erbfolgerecht auf Crivitz und Boizenburg und alles, was ihm sonst innerhalb und außerhalb der Grafschaft Schwerin zufallen könnte, erteilte 3 ). In diesem Vertrage kam der Wunsch des aus Niklots Stamme entsprossenen Fürsten, altes wendisches Land zurückzuerwerben, zum Ausdrucke 4 ). Albrecht hatte die Interessen des Grafen zu seinen eigenen gemacht; er war bereit, Nikolaus in seinen Rechten zu schützen. Allerdings hatte der Erbvertrag nur zum Teil Gültigkeit, da ja der Anfall von Boizenburg und Crivitz schon früher dem Grafen Heinrich zugestanden war.

Im Herbste des folgenden Jahres aber starb Heinrich III. Damit erlosch seine Erbverbrüderung mit Nikolaus II., und die zwischen diesem und den Mecklenburgern vereinbarte erlangte


1) Werunsky, Gesch. Kaiser Karls IV., I, S. 381 ff.
2) VII, 4721 und 4729; vgl. Rische, Gesch. d. Grafschaft Schwerin S. 44.
3) IX, 6289.
4) Korner (II, § 759) fühlt ganz richtig, indem er meint, daß die Mecklenburger die Grafschaft Schwerin erwerben wollten, weil einst Herzog Heinrich der Löwe sie Pribislav genommen hatte.
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in vollem Umfange Rechtskraft. Heinrichs Lande Schwerin, Marnitz und Neustadt fielen Graf Otto von Wittenburg zu, einem Neffen des Verstorbenen, der dafür Wittenburg an seinen Oheim Nikolaus II. abtrat 5 ); dieser erhielt nun auch Boizenburg und Crivitz zurück. Und jetzt erfüllte Nikolaus sein Albrecht und Johann gegebenes Versprechen. Am 2. Juni 1345 erneuerte er den mecklenburgischen Fürsten das Erbrecht auf Crivitz und Boizenburg und dehnte es auf Wittenburg aus; als Gegenleistung sicherten sie ihm für den Fall, daß sie ohne Erben stürben, Grevesmühlen zu 6 ). Ende Juni ging die Eventualhuldigung von Land und Stadt Crivitz sowie die Bestätigung der Privilegien vor sich. Am 1. Juli erkannten Albrecht und Johann die Freiheiten der Stadt Wittenburg an und erteilten den Mannen des Landes eine Handfeste über ihre Rechte 7 ). - Es war die Zeit, wo gerade ein Vorstoß der Böhmen in die Niederlausitz einsetzte; doch wurde am 11. August ein dreimonatiger Waffenstillstand abgeschlossen 8 ).

Natürlich unterrichtete Albrecht sich genau über die politischen Strömungen und Gegenströmungen im Reiche. Sein Onkel, der Herzog Rudolf von Sachsen, der den beiden mecklenburgischen Fürsten in den Jahren ihrer Unmündigkeit seine Fürsorge bewiesen hatte, war eines der eifrigsten Mitglieder der luxemburgischen Partei. Rudolf übernahm die Vermittlung zwischen seinen Neffen und den Böhmen, und es war kein Zufall, daß Albrecht im April 1346 bei einem Turnier in Lübeck mit dem Sohne des Sachsenherzogs zusammentraf 9 ). Alles drängte damals schon auf die Königswahl Karls von Mähren, des Sohnes Johanns von Böhmen, hin. Am 11. Juli fand sie statt. Albrechts Bruder wohnte ihr bei 10 ), und er findet sich auch hernach in der Begleitung des neuen Königs. Er focht bei Crecy (25. August) an seiner Seite und verdiente sich hier den Ritterschlag 11 ). Ein Jahr darauf weilte er in Prag, als Karl sich zum


5) M. Jbb. XXXIV, S. 55 ff., XLII, S. 124.
6) IX, 6538.
7) X, 6542 ff. und 6552 f.
8) Werunsky) I, S. 381, 386. Taube, Ludwig d. ä. als Markgraf von Brandenburg (Hist. Studien, herausg. v. Ebering 1900) S. 83 f.
9) Detmar § 644.
10) Böhmer=Huber 233 b.
11) Boll, Stargard II, S. 9, nach Marschalks Reimchronik Kap. 69, wo offenbar die Schlacht bei Crecy gemeint ist, wenn sie auch nicht ausdrücklich genannt wird.
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böhmischen König krönen ließ 12 ). Johann war also der Träger von Unterhandlungen. Doch scheint es, daß man sich auf mecklenburgischer Seite den Rückzug noch offen halten wollte. Es war ja nicht abzusehen, wie der Kampf zwischen der wittelsbachischen und der luxemburgischen Partei ausfallen würde. Da kam, als die böhmischen Truppen zu Taus standen, um den Krieg gegen Bayern zu eröffnen, die sehr willkommene Kunde, Kaiser Ludwig sei gestorben. Johann, der sich noch immer im böhmischen Lager aufhielt, wußte sich mit dem Bruder einig, wenn er jetzt die letzten Bedenken fallen ließ. Am 16. Oktober, fünf Tage nach dem Tode Ludwigs, erfolgte zu Taus die Verleihung Stargards und der übrigen märkischen Lehen durch Karl IV. von Reichswegen 13 ). Das war die Wendung gegen Markgraf Ludwig, der endgültige Bruch mit Wittelsbach, und kettete die mecklenburgischen Interessen an Luxemburg.

Doch war es nicht der einzige Lohn oder die einzige Bedingung für den Beistand. Schloß Albrecht sich Karl IV. an, so lag nahe, daß er etwas verlangte, was eben nur der deutsche König gewähren konnte. Er wünschte die Herzogswürde und die Reichsstandschaft für sein Haus. Am 8. Juli 1348 empfing er beides zu Prag und leistete mit seinem Bruder dem Könige in feierlicher Versammlung den Lehnseid 14 ). - Herzog Rudolf, dessen Vermittlung zu Taus und Prag in klarem Lichte erscheint 15 ), verzichtete auf die sächsische Oberhoheit. Jetzt erst wurde die Reichsstandschaft des mecklenburgischen Fürstenhauses begründet.

Das vom Reiche zu Lehn gehende Herzogtum Mecklenburg sollte umfassen: die Lande, Städte und Häuser Mecklenburg, Wismar, Gadebusch, Grevesmühlen, Bukow mit dem Buge, Eikhof (soweit er zu Mecklenburg gehörte), Sternberg, Eldenburg mit der Ture, Wesenberg mit der Lize, Barth und Damgarten


12) Böhmer=Huber 334 (Z.).
13) X, 6794. Johann muß sich noch in Karls Umgebung aufgehalten haben. Wäre er schon wieder in Mecklenburg gewesen, so hätte sich wegen der weiten Entfernung in fünf Tagen keine Verständigung mit Karl IV. bewerkstelligen lassen.
14) X, 6860. Detmar § 665. Korner II, § 758 (sec. chron. Obotritorum). Werunsky II, S. 120.
15) inclinati precibus illustris Rudolfi ducis Saxoniae . . . . nobis pro parte vestra oblatis und necnon propter specialem dilectionis affectum ac intime supplicationis instanciam illustris Rudolfi heißt es in den Urkunden von Taus und Prag. Über Rudolfs Vermittlung vgl. die Doberaner Genealogie, M. Jbb. XI, S. 20.
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und endlich Gnoien. Gnoien aber gehörte wie Schwaan zur Herrschaft Rostock und unterstand dänischer Oberhoheit. Rostock und Schwaan wurden offenbar nur deswegen übergangen, weil Albrecht und Karl IV. sich scheuten, Waldemar Atterdag allzu schwer zu reizen 16 ). Sie halfen sich mit einer Klausel, die deutlich genug zeigte, daß auch Rostock und Schwaan der fremden Oberherrlichkeit entzogen werden sollten und daß König Karl von der Preisgabe der Ostseeküste, wie sie einst durch Friedrich II. und Albrecht von Habsburg vollzogen war, nichts wissen wollte 17 ).

Rechnete der König aber überhaupt mit der Möglichkeit, daß Waldemar Atterdag seinem brandenburgischen Schwager zu Hilfe kommen könnte, so war es sehr klug gedacht, Mecklenburg als Bollwerk gegen den dänischen Einfall zu benutzen; denn gerade die mecklenburgischen Fürsten mußten in diesem Falle alle Macht aufbieten, um Waldemar zurückzuwerfen. Unklug war es dagegen, daß auch Barth jetzt als Reichslehn bezeichnet wurde, wobei Albrecht sich über die bischöflich Schweriner Lehnsherrschaft hinwegsetzte. Der Zwist um Barth mit den Pommern war einem Schiedsgerichte unterworfen worden, und es ist nicht ausgeschlossen, daß Rudolf von Sachsen, der ja einer der beiden Schiedsrichter war, als eifriger Freund der Mecklenburger die Entscheidung absichtlich bis zu der Prager Belehnung verzögerte. Da aber Karl die pommerschen Herzöge beider Linien bereits zu seiner Partei herübergezogen hatte, indem er sie zu gesamter Hand belehnte und dadurch die brandenburgische Anwartschaft auf das Herzogtum Stettin aufhob 18 ), durfte er den Wolgastern jetzt diesen Schlag nicht versetzen. Und es ist wahrscheinlich, daß die Belehnung der Mecklenburger mit Barth den Übergang der Herzöge von Wolgast zur gegnerischen Partei veranlaßte.

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16) Warum gerade Gnoien mit genannt wird, ist mir nicht klar.
17) Vgl. den Satz: Preterea, si a celebris memorie Romanis imperatoribus seu regibus divis, predecessoribus nostris, quidquam irrationabilis, iniusti vel inconsueti super antedictos principes nostros, principatum, dominia seu terras ipsorum indultum, donatum seu conscriptum foret personis quibuscunque, hoc tanquam iuri contrarium de regie potestatis plenitudine abrogamus, destruimus et penitus abolemus, volentes, quod ex huiusmodi indulto, cum nullius roboris seu firmitatis existat, supradictis illustribus Alberto et Johanni ducibus Magnopolensibus, heredibus et successoribus ipsorum imperpetuum in principatu, ducatu, terris, vasallis, hominibus, iuribus, honoribus, dignitatibus et libertatibus ipsorum nullum debeat preiudicium generari, X, S. 196.
18) Wehrmann S. 140.
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Der eigene Vorteil hatte Albrecht zum Anschluß an Karl IV. bewogen, persönlicher Vorteil trieb die Gegner der territorialen Politik des Herzogs ins wittelsbachische Lager. Es war Graf Otto von Schwerin, der von diesen Widersachern zuerst gegen Mecklenburg auftrat. Die Erbverträge Albrechts mit Nikolaus II. hatten lebhaften Unwillen bei den übrigen Mitgliedern des Grafenhauses hervorgerufen, da deren Interessen dadurch geschädigt wurden. Von diesen Verwandten Nikolaus' II. lebten noch seine beiden Neffen, die Brüder Otto von Schwerin und Nikolaus III., der sein mütterliches Erbe, die Grafschaft Tecklenburg, angetreten hatte. Im Juni 1343, bald nach dem ersten Erbvertrage, waren beide mit dem damals noch lebenden alten Grafen Heinrich III. in den Dienst des Schwedenkönigs getreten, um von diesem gegen die Mecklenburger Schutz zu erlangen 19 ). Es war vergebens gewesen. Jetzt beschloß Otto, den Kampf gegen Albrecht aufzunehmen, während sich sein Bruder vorerst noch fernhielt.

Graf Otto tat sich mit Nikolaus von Werle=Güstrow, einem alten Anhänger der Wittelsbacher, zusammen. Im Spandauer Bündnis mit Markgraf Ludwig vom 21. März 1345 hatte Nikolaus sich vorbehalten, nicht gegen Mecklenburg zu Felde zu ziehen. Damals fesselte ihn noch der rügische Streit; jetzt wollte der Fürst solche Bestimmungen nicht mehr achten. Sein Bruder Bernhard, dem bei der Güstrower Landesteilung vom 14. Juli 1347 20 ) das Fürstentum Werle=Waren zugefallen war, beteiligte sich nicht am Kriege 21 ).

Gleich nach der Rückkehr von Prag wurden Albrecht und sein Bruder in diesen Kampf verwickelt. Schon am 22. Mai 1348 hatten sie mit dem alten Johann von Werle=Goldberg und seinem Sohne Nikolaus ein Bündnis geschlossen 22 ).


19) S. oben S. 46.
20) X, 6779. Rugenstein a. a. O. S. 35.
21) So nehme ich im Gegensatze zu Rugenstein (S. 43) an. Detmar, der § 665 über diese Fehde berichtet, nennt nur Otto von Schwerin und Nikolaus von Wenden. Ebenso spricht Johann von Goldberg in einer Urkunde vom 28. Januar 1349 (X, S. 245), wo er seine Beteiligung am Kriege erwähnt, nur von Nikolaus. Desgleichen Ludwig von Brandenburg in seinem Bündnis mit Otto und Wilhelm von Braunschweig=Lüneburg vom 24. August 1349, wo er seine Helfer aufzählt (X, 6992).
22) Vgl. den Erbvertrag X, 6848, die vorige Anm. und das Bündnis von Kremmen, wo die Mecklenburger Johann und Nikolaus von Goldberg ausnehmen (X, 6875), endlich X, 6888, wo Barnim von Pommern sich mit dem Dänenkönig gegen Herzog Albrecht und den Fürsten Johann von Goldberg verbündet.
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König Karl versuchte unterdessen, sich mit Kaiser Ludwigs Sohne friedlich auseinanderzusetzen. Ohne Erfolg, die Passauer Verhandlungen scheiterten gänzlich. Da trat ein Ereignis ein, das die wittelsbachische Herrschaft in Brandenburg plötzlich in Frage stellte. Es kam die Kunde, daß der askanische Markgraf Waldemar, der in Wirklichkeit seit fast drei Jahrzehnten in der Gruft des Klosters Chorin begraben lag, nach langer Abwesenheit in sein Land zurückgekehrt sei. Der Erzbischof von Magdeburg, Herzog Rudolf von Sachsen und die Grafen von Anhalt traten für ihn ein. Der bayrischen Partei war er bald höchlichst im Wege; sie verwahrte sich gegen einen solchen Betrug. Der Verdacht der Anstiftung fiel auf diejenigen, die den angeblichen Askanier unterstützten. Neben ihnen nennt Detmar auch Albrecht von Mecklenburg 23 ). Mit Unrecht, zu den ersten Helfern des falschen Waldemar hat er nicht gehört. Erst als dieser nach Gewinnung der Altmark und Prignitz schon in der Mittelmark stand, schloß er mit ihm ein Bündnis, das am 1. September 1348 zu Kremmen in Gegenwart der Hauptvertreter der askanischen Partei von Magdeburg, Sachsen und Anhalt, sowie Barnims von Stettin und des Grafen von Barby abgeschlossen wurde 24 ). Wenig später brachte Albrecht jene Rente von 200 Stücken Geldes zur Sprache, mit der die Mecklenburger 1329 vom Markgrafen belehnt worden waren. Wahrscheinlich äußerte er den Wunsch, daß sie durch Abtretung eines Landgebietes abgelöst werden solle. Die Entscheidung hierüber wurde den askanischen Verwandten des alten Markgrafen, Rudolf von Sachsen und Albrecht von Anhalt, die Waldemar völlig unter ihrem Einfluß hatten, sowie Herzog Barnim übertragen 25 ). Sie ward in der Zeit vom 11. September 1348 bis zum 25. Januar 1349 dahin gefällt, daß das Land Fürstenberg südlich von Stargard an Mecklenburg abgetreten wurde 26 ).

So hatte sich Albrecht dem falschen Waldemar verbunden. Ob er wie die Anhalter, die ihrem Schützling hernach ein Grab in ihrer Dessauer Fürstengruft bereiteten, wirklich geglaubt hat, daß es sich um den echten Askanier handele, oder nicht, darüber wird man kein Urteil fällen dürfen. Nahe lag ja der Vergleich mit Albrechts Großvater, Heinrich dem Pilger, der nach jahr=


23) Detmar § 663.
24) X, 6875. Klöden, Diplom. Gesch. d. Markgrafen Waldemar III, S. 203; Taube a. a. O. S. 97.
25) X, 6877 (11. September 1348). Vgl. o. S. 5, 16.
26) Nachgewiesen von Boll, Stargard II, S. 27 f. und 41.
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zehntelanger Abwesenheit in die Heimat zurückgekehrt war. Die Aussichten, die sich dem Herzoge durch den Anschluß an Waldemar eröffneten, waren nicht zu unterschätzen. Wenn dieser anerkannt wurde und Markgraf Ludwig sein Land verlor, so konnte es geschehen, daß die einst vereitelte märkische Politik Heinrichs von Mecklenburg jetzt noch durchgeführt wurde; denn in den Bundesgenossen des angeblichen Askaniers lebte der Wunsch, mit Hilfe dieses alten und erbenlosen Mannes die Teilung der Mark zu vollziehen, die durch Ludwig den Bayern verhindert war.

Überall fiel Waldemar das brandenburgische Land zu 27 ). Spät erst zog Markgraf Ludwig von Bayern heran. Von Böhmen kam König Karl mit seinen Truppen. Das bayrische Hilfsheer, mit dem der Pfalzgraf Ruprecht und Günther von Schwarzburg in die Mark eilten, ward von Rudolf von Sachsen abgefangen und geschlagen, so daß Markgraf Ludwig sich in das feste Frankfurt werfen mußte 28 ). Vor diesem Zufluchtsorte versammelten sich die Gegner. Hier wollte Karl IV. den Gegenmarkgrafen anerkennen. Die Verantwortung für seine Echtheit überließ er einer Kommission von Fürsten und Herren, die über diese geheimnisvolle Persönlichkeit nähere Untersuchungen anstellen sollten. Der Ausfall mußte von vorneherein klar sein; denn die Mitglieder der Kommission waren in der Mehrzahl nachweislich Anhänger des falschen Waldemar. Zu ihnen gehörte Johann von Mecklenburg, der im Jahre 1319, dem Todesjahre des echten Askaniers, noch nicht geboren war, diesen also nie gekannt hatte. Die Kommission erklärte sich für den falschen Waldemar, stützte sich jedoch nur auf Nachforschungen bei "Fürsten, Herren, Rittern, Knappen und gemeinen Leuten", die den Markgrafen vormals noch gekannt hätten, und vermied es, ihre Aussage eidlich zu bekräftigen 29 ). Doch Karl IV. war befriedigt; am 2. Oktober belehnte er in seinem Lager zu Heinersdorf den angeblichen Askanier mit dem brandenburgischen Lande. Am gleichen Tage, zu Tempelberg, nicht weit von Heinersdorf, ließ er sich von ihm die Lausitz abtreten.

Bei allen diesen Vorgängen war Albrecht nicht anwesend. Herzog Johann lag ohne ihn vor Frankfurt. Er allein von den


27) Werunsky II, S. 129.
28) Werunsky II, S. 133; Taube S. 102 f.
29) Riedel, Codex II, 2 S. 217 (Belehnungsurkunde Karls IV. vom 2. Oktober) im Auszuge X, 6884. Vgl. Werunsky II, S. 136. Falsche Behauptung bei Detmar § 678.
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Mecklenburgern bezeugte die Überlassung der Lausitz an die Krone Böhmen und versprach dem Könige Beistand bei der Unterwerfung des Landes; Albrecht sollte später ein gleiches Gelübde leisten 30 ). Ihn hielt die Fehde mit Otto von Schwerin und Nikolaus von Güstrow in der Heimat zurück 31 ). Erst im folgenden Jahre (1349), als er die eigene Partei schwächer, die Gegner stärker sah, stand er im Mittelpunkte des großen Kampfes. Es war die Zeit, wo Waldemar Atterdag dem bayrischen Schwager zu Hilfe eilte.

Den König trieb nicht allein Dankbarkeit für Markgraf Ludwig, der ihm einst bei der Gewinnung der dänischen Krone gute Dienste geleistet hatte. Es war hauptsächlich sein Gegensatz zu Herzog Albrecht, der ihn veranlaßte, sich einzumischen. Schon im rügischen Kriege war die mecklenburgische Politik den Interessen des Dänen zuwidergelaufen. Jetzt sah der König seine Lehnsherrschaft über Rostock bedroht; durch einen Brief Albrechts an die Bürger von Roeskilde wollte er über die Absicht des Herzogs, sich von ihm loszusagen, unterrichtet sein 32 ). Er hatte nicht den Plan, die Tage Waldemars des Siegers und Erich Menveds wieder heraufzuführen; solche Absichten lagen ihm, der sich noch nicht einmal in den Besitz von ganz Dänemark gesetzt hatte, fern. Und wenn er sie später gehegt hat, so wurde ihm doch niemals die Möglichkeit geboten, sie durchzuführen. Für jetzt wollte er nur erhalten, was er besaß.

Für seine Oberhoheit über Rügen hatte der König kaum zu fürchten gehabt. Der Anschluß der Wolgaster an Karl IV. kann nur von kurzer Dauer gewesen sein. Schon im Juli 1348, vierzehn Tage, nachdem die Mecklenburger zu Prag mit Barth belehnt worden waren, rechnete Waldemar neben Nikolaus von Güstrow auch Barnim IV. von Wolgast zu seinen Freunden 33 ); das Wolgaster Haus hatte sich dem Könige und der wittelsbachischen Partei genähert. - In demselben Jahre brachte Waldemar die Burg Stege aus Möen und damit wohl zugleich die


30) Im Auszuge X, 6885 f.
31) Vgl. Boll, Stargard I, S. 22.
32) Vgl. den Brief Waldemars an Rostock X, 6893.
33) Dies geht daraus hervor, daß er in einem Vertrage mit Heinrich und Klaus von Holstein die Bürgschaft Barnims IV. und des Fürsten Nikolaus in Aussicht stellte, X, 6865. - In der Urkunde Waldemars X, 6866 (Veile, 25. Juli 1348) treten Barnim und Nikolaus als Bürgen auf. Da nach der Note keine Siegel der Bürgen an dieser Urkunde hängen, sondern nur Öffnungen für die Siegelriemen vorhanden sind, wage ich nicht anzunehmen, daß die Fürsten anwesend waren.
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ganze Insel an sich 34 ), die sich mit der Feste in mecklenburgischem Pfandbesitz befand; wahrscheinlich durch Gewalt, es ist nicht anzunehmen, daß er die Lösungssumme bezahlte. Die Besetzung von Stege mag die erste kriegerische Handlung gewesen sein. Zum ersten Male sollten sich jetzt König Waldemar und Herzog Albrecht, deren Feindschaft und Freundschaft später für die nordische Geschichte bedeutungsvoll wurde, mit den Waffen gegenüberstehen.

Für den König kam es besonders darauf an, Rostock auf seine Seite zu bringen. Von der starken, durch einen guten Hafen ausgezeichneten Stadt aus konnte er den Feldzug gegen Mecklenburg am besten leiten. Am 23. November 1348 schrieb er an Rostock und ermahnte es zur Treue. Der Brief enthält die heftigsten Vorwürfe gegen Albrecht, der dem Könige den wiederholt geforderten Lehnsdienst verweigert habe, immer sein Feind gewesen sei und sich dem Rechtsspruche des Reichsrates und der Mannen Dänemarks vor dem Könige nicht habe unterwerfen wollen, der nun im Begriffe stehe, sich einem fremden Herrn zuzuwenden. Der König will ihm das Lehn nehmen, verbietet der Stadt jegliche Unterstützung des Herzogs und schließt mit einer leisen Drohung: man möge sich wegen der städtischen Kaufmannsgüter in acht nehmen 35 ).

Der Rat der Stadt setzte sich mit Albrecht in Verbindung. Am 31. Dezember war der Herzog in Rostock 36 ). Die Stadt war in großer Verlegenheit. Sie war sicher lieber deutsch als dänisch und vertraute Albrecht, aber sie hatte ihren Handel, ihre Kaufleute und Waren in Dänemark zu berücksichtigen. Dazu war Albrechts Lage augenblicklich keineswegs günstig. Barnim III. von Pommern=Stettin war zu den Wittelsbachern übergegangen, weil er befürchten mußte, bei der Teilung der Mark, die die Anhänger des falschen Waldemar bezweckten, zu kurz zu kommen 37 ). Bereits am 18. Oktober hatte er sich mit Waldemar Atterdag gegen die Mecklenburger und Johann von Goldberg verbündet 38 ). Neben ihm sah Albrecht die Wolgaster und den Bischof von Kammin im Lager seiner Gegner 39 ). Von allen Seiten war er jetzt bedroht. Auch im


34) Seeländ. Chr., Langebek VI, S. 525.
35) X, 6893.
36) X, 6898.
37) Werunsky II, S. 209.
38) X, 6888.
39) Werunsky II, S. 209.
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Schweriner Kriege standen die Dinge schlecht. Albrecht hatte bedeutende Verluste an Gefangenen erlitten 40 ), und vielleicht hatte schon damals Graf Nikolaus II. mit den Mecklenburgern gebrochen und sich seinen Neffen wieder zugewandt. Und durfte man denn wirklich von Karl IV. viel erwarten? Die Belagerung Frankfurts war aufgehoben worden, und Markgraf Ludwig hatte in seinem Lande wieder ein wenig Anhang gefunden 41 ). Selbst auf Johann von Goldberg konnte man sich in Mecklenburg nicht mehr verlassen; er neigte zum Frieden, wenn er sich nicht bereits mit den Gegnern ausgesöhnt hatte 42 ). Die Lage war kritisch geworden für Mecklenburg.

Indessen war die Antwort des Rostocker Rates an Waldemar eine höfliche Absage: man wisse nichts davon, daß Albrecht sich vom Dänenkönige abwenden wolle; er habe den Vorwurf, seine Lehnspflicht nicht erfüllt zu haben, zurückgewiesen und sei bereit, sich dagegen zu verteidigen. Im übrigen sei die Stadt einst von König Christoph angehalten worden, Albrecht den Treueid zu leisten; und da Waldemar dem Herzoge früher das Lehn bestätigt habe, könne sie ihn nicht verlassen, ohne Schaden an ihrer Ehre zu nehmen, auch den Besitz des Hafens dürfe sie ihm nicht verweigern. Die Drohungen Waldemars beantwortete der Rat mit einer nachdrücklichen Hinweisung auf die Hilfe, die er Waldemar bei der Aufrichtung seiner Herrschaft geleistet habe. Er bat endlich, den Frieden mit Albrecht zu bewahren, und ersuchte um Schutz für die städtische Kaufmannschaft 43 ). Der Sinn war der: wir wollen gerne dein Freund sein, kommst du aber jetzt in Waffen herüber, so sind unsere Schwerter auch für dich geschliffen.


40) Detmar § 665.
41) Taube a. a. O. S. 102 ff.
42) In einer Urkunde vom 28. Januar 1349 spricht Johann von seiner Fehde mith deme herteghen van Stedtyn, mith iungheren Niclawse van Wenden, unseme vedderen, unde mith greven Otten van Zwerin als von einer beendeten, X, 6918. Rudloff II, S. 301; Boll, Stargard II, S. 23.
43) X, 6945 (Konzept ohne Datum). Im Eingange entschuldigt sich der Rat wegen der Verspätung der Antwort; er habe Albrechts Anwesenheit propter publicas gwerras terrarum et maris discrimina nicht eher erlangen können. Nun war Albrecht am 31. Dezember 1348 in Rostock, ebenso am 26. März 1349, wo er sich neu huldigen ließ, X, 6898, 6944. X, 6945 N wird für wahrscheinlich gehalten, daß der Brief bei der neuen Huldigung geschrieben sei; ich nehme jedoch an, daß es bei oder nach der ersten Anwesenheit des Herzogs geschah.
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König Waldemar verstand. Daß er eingreifen müsse in die deutschen Händel, stand ihm fest. Alle Interessen hatte der wittelsbachisch=luxemburgische Kampf gegeneinander aufgeregt, es handelte sich hier wenig um Kaiser und Reich. Am 15. März 1349 schloß Albrecht auf dem Priwall mit dem Grafen Johann von Holstein ein Bündnis gegen Waldemar, doch bevollmächtigte man einander, bis zum 9. Mai eine Aussöhnung mit dem Könige herbeizuführen 44 ). Am 26. März war der Herzog wieder in Rostock; durch eine neue Huldigung und Bestätigung der Privilegien wurde das Band zwischen ihm und der Stadt noch fester geknüpft 45 ). Zum Unglück zeigte sich, daß man aus eine wirksame Unterstützung Karls IV. nicht mehr rechnen durfte. Ende Mai machte der König vor Eltville Frieden mit der wittelsbachischen Partei und versprach, Markgraf Waldemar keine Hilfe mehr zu leisten 46 ). Schon vorher hatten sich die Herzöge von Sachsen=Wittenburg und die Anhalter enger an Albrecht angeschlossen. Karl hatte ihnen, da sie ja askanischen Stammes waren, vor Frankfurt die Eventualbelehnung mit der Mark erteilt. Sie glaubten die brandenburgischen Gebiete schon in der Hand zu haben und sahen sich jetzt durch die Schwenkung der luxemburgischen Politik in ihren Aussichten bedroht, wenngleich König Karl es vorderhand noch zweifelhaft ließ, ob er Ludwig oder den falschen Waldemar als Markgrafen anerkennen wollte. In dieser Lage hatten sich die Askanier zu großen Zugeständnissen an die Mecklenburger bereit erklärt. Sie hatten am 5. Mai in Berlin mit Albrecht und Johann eine Teilung der Mark, oder doch derjenigen Gebiete des Landes, die man in Besitz haben würde, verabredet; jeder sollte erhalten, was ihm günstig gelegen sei; nach dem Tode des falschen Waldemar sollte diese Teilung vorgenommen werden. Auf die Kurwürde verzichteten die Mecklenburger 47 ).

Bald darauf segelte Waldemar Atterdag mit einer Flotte nach Poel. Von hier aus beabsichtigte der König seine Truppen aufs Land zu werfen, um mit den Grafen von Schwerin und Nikolaus von Güstrow gemeinsam zu handeln. Poel wurde verwüstet, aber von Wismar aus wandte sich Herzog Albrecht gegen


44) X, 6933.
45) X, 6944.
46) Lindner, Karl IV. und die Wittelbacher MJÖG. Xll, S. 68; derselbe, Habsburger und Luxemburger II, S. 25.
47) X, 6958. Boll, Stargard II, S. 31 f.
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die dänischen Truppen und trieb sie auf die Schiffe zurück 48 ). Dann unternahm der König eine zweite Landung, wahrscheinlich an der pommerschen Küste, wo ihm die Freundschaft mit den Greifenherzögen den Rückzug deckte. Gegen Ende des Juli betrat er das Festland 49 ).

Nicht weit von der Stargarder Grenze, in dem ukermärkischen Städtchen Strasburg, setzte Waldemar sich fest, um die Ankunft pommerscher Truppen zu erwarten. Herzog Albrecht beschloß, zu verhindern, daß die feindlichen Streitkräfte vereinigt würden. Er wandte sich eilends gegen den Dänen und schloß ihn in Strasburg ein; doch veranlaßte ihn die Nachricht, daß Ludwig der Römer, der Bruder Markgraf Ludwigs, heranrücke, bald zum Abzug.

Ludwig der Römer wollte den König entsetzen. Vom Lande Lebus aus zog er die alte Kaufmannsstraße an der Oder entlang nach Norden. So gelangte er nach Oderberg, das, hart am Flusse gelegen, im Rücken von einem leichten Höhenzuge überragt wird 50 ). Auf dieser Hochfläche muß das mecklenburgische Kriegsvolk versteckt gelegen haben. Der Bayer geriet in die gestellte Falle und sah sich zwischen Fluß und Höhen einem heftigen Angriffe preisgegeben. Ein Teil seiner Truppen suchte sich auf die Schiffe der Oder zu retten. Ein Fahrzeug versank und mit ihm, wie man schätzte, hundert Verzweifelte. Etwa 350 Ritter und Knechte sollen gefangen sein, und Ludwig entrann aus dem Treffen "nicht selbviert" 51 ).

Dieser glänzende Sieg, der nach Detmar zwischen den 15. August und 8. September 1349 fällt, ließ den geschlagenen Bayern für eine Zeit aus dem Kampfe ausscheiden. Herzog Albrecht wandte sich wieder gegen den Dänenkönig, der, endlich mit der pommerschen Streitkraft vereint, vor Berlin gerückt war, wo


48) Korner II, § 759; Seeländ. Chr., Langebek Vl, S. 525. (Die Chronik unterscheidet zwischen zwei Zügen: Expeditio facta in Alemanniam & combusta terra Pole. Expeditio in Marchiam . . . . . , zu 1349.) Detmar § 677 spricht nur von der zweiten Landung. Vielfach (Dahlmann I, S. 498; Schäfer S. 144; Reinhardt S. 181; Werunsky II, S. 209) findet sich die Angabe, daß der König von Poel aus Mecklenburg durchzogen habe. Doch schon Boll (Stargard II, S. 34) macht auf die Stelle bei Korner und die Seeländ. Chr. aufmerksam. Der Zug des Königs nach Strasburg paßt viel besser zu einer zweiten Landung an der pommerschen Küste.
49) Detmar § 677. Boll, a. a. O. S. 34.
50) Über das Gelände vgl. Klöden a. a. O. III, S. 350 f.
51) Detmar § 677.
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man es mit den Askaniern hielt. Vor den Mauern der Stadt wurde die Entscheidungsschlacht erwartet; indessen kam es zu einem Waffenstillstande. Die Ratgeber der beiden Gegner sollen für ihn geworben haben 52 ). Der Dänenkönig hatte erkannt, daß es schwer sei, seinen mecklenburgischen Lehnsmann mit den Waffen zu zwingen, und beschloß, sich lieber seine Freundschaft zu erwerben. Albrecht mußte erwägen, daß sein Kampf gegen Schwerin und Pommern=Wolgast bedeutende Streitkräfte erforderte. Überdies war durch den Frieden von Eltville die ganze Macht der Wittelsbacher frei geworden, und am 24. August hatten diese ein Bündnis mit Otto und Wilhelm von Braunschweig=Lüneburg abgeschlossen, die ihnen fünfzig Mann zu stellen versprachen 53 ). So beschloß der Herzog den Feldzug gegen Waldemar in der günstigen Stellung, die ihm der Oderberger Sieg geschaffen hatte, zu beendigen. Es wurde verabredet, die Entscheidung des Schwedenkönigs anzurufen, die bis Pfingsten des folgenden Jahres gefällt werden sollte 54 ). Die Verhandlungen von Berlin fallen in die Zeit von etwa Mitte September bis Ende Oktober. Anfang November befand sich Albrecht schon wieder in der Heimat 55 ). Hier wurde, wahrscheinlich durch Vermittlung von Werle=Goldberger Seite, eine Auseinandersetzung mit Nikolaus von Güstrow herbeigeführt. Am 11. November finden sich die früheren Gegner zusammen als Zeugen einer von den Goldberger Fürsten ausgestellten Urkunde, ein Zeichen nahender oder schon geschehener Verständigung 56 ).

So hatte sich die Schar der Feinde Albrechts etwas gelichtet. Die Anstrengungen dieser Kämpfe waren groß gewesen. Das Aufgebot der eigenen Lande genügte nicht; der Herzog mußte fremde Söldner anwerben, und er, der einst die Scharpenberger aus dem Darzing vertrieben hatte, nahm diese Ritter, die inzwischen die Lübecker Landfriedensvereinigung von 1349 auch auf Linau gejagt, in seine Schlösser auf. Hier setzten sie ihr Räuberhandwerk fort; Albrecht aber sagte nicht zuviel, als er aus die Klagen der geplagten Städte erwiderte, die Not seines Streites zwinge ihn aufzunehmen, wer sich ihm böte 57 ).


52) Detmar § 678.
53) X, 6992.
54) Detmar § 678. Die Urkunden, die hier erwähnt werden (dar up loveden se mit hanvestene unde mit breven) sind nicht erhalten.
55) X, 7003, 7008.
56) X, 7009.
57) Detmar § 674 f., vgl. oben S. 28.
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Unterdessen gelang es Markgraf Ludwig, unter dem Adel, der Geistlichkeit und den Städten des brandenburgischen Landes nach und nach wieder mehr Anhang zu gewinnen 58 ); man spürte, daß sich die Rolle des falschen Waldemar allmählich ihrem Ende näherte. Zwar hatte Karl IV. am 15. August auf die Anfrage einer Reihe von märkischen Städten erwidert, daß er Waldemar und nach dessen Tode die Herzöge von Sachsen und die Anhalter als Herren Brandenburgs anerkenne 59 ), aber niemand wußte, was von Karl eigentlich zu halten war; so zweideutig, wie seine Politik heute erscheint, erschien sie auch damals. Es kam hinzu, daß Markgraf Ludwig im Dezember den Herzog Barnim von Pommern=Stettin durch die Abtretung der Vogteien Jagow und Stolpe in der Ukermark an sich fesselte 60 ). Kurz darauf versprach Kasimir von Polen dem Wittelsbacher Hilfe 61 ). Unter diesen Umständen konnte den Askaniern und den ihnen seit dem Teilungsvertrage so eng verbundenen Mecklenburgern eine gütliche Einigung mit Markgraf Ludwig und seinen Brüdern nur erwünscht sein. Am 2. Februar 1350 schlossen die Hauptvertreter beider Parteien, darunter einer der Herzöge von Mecklenburg, zu Spremberg in der Lausitz einen Vergleich, dessen Hauptbestimmung dem Berliner Vertrage zwischen Albrecht und König Waldemar nachgebildet wurde; vielleicht hatten diese damals ihren Verbündeten den Beitritt offen gehalten. Man kam überein, daß König Magnus von Schweden ersucht werden sollte, durch Vermittlung oder durch einen Rechtsspruch bis Pfingsten eine Auseinandersetzung zwischen den Gegnern herbeizuführen. Bis dahin sollten die Waffen in der Mark ruhen 62 ).

Durch dieses Akommen blieb die Entscheidung über ein deutsches Reichslehn einem fremden Könige überlassen, ohne daß die Rechte Karls IV. auch nur berücksichtigt worden wären. Wenn Albrecht und die Askanier erwartet hatten, daß Karl froh sein würde, einer weiteren Einmischung in den märkischen Streit enthoben zu sein, so hatten sie sich verrechnet. Der König war entschlossen, diesen Vertrag nicht anzuerkennen, und da er es mit den Bayern nicht wieder verderben wollte, zögerte er nicht länger, den falschen Waldemar fallen zu lassen. Es ist wohl möglich, daß


58) Werunsky II, S. 213 Anm. 3.
59) Werunsky II, S. 199.
60) Riedel, Codex II, 2 S. 265; Werunsky II, S. 212.
61) WerunskyII, S. 213.
62) X, 7047.
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Markgraf Ludwig über diese Absicht des Luxemburgers schon unterrichtet war und sich nur zum Scheine mit dem Spremberger Vergleiche einverstanden erklärt hatte 63 ). Bereits fünf Tage später verhandelte er mit Karl in Bautzen, wo er sich sehr schnell mit ihm verständigte. Nachdem ein Schiedsgericht, dessen Spruch Ruprecht von der Pfalz am 14. Februar verkündete, sich für die Bayern erklärt hatte, erteilte König Karl dem Markgrafen Ludwig sowie seinen Brüdern Ludwig und Otto die Belehnung mit Brandenburg und auch mit der Lausitz. Am 6. April entschied das königliche Hofgericht zu Nürnberg, daß Waldemar nicht der alte Markgraf sei. Die askanisch gesinnten Städte Brandenburgs wurden angewiesen, sich ihren rechten Herren zuzuwenden, und den Markgrafen von Meißen, sowie den Herzögen von Braunschweig=Lüneburg der Auftrag erteilt, die Wittelsbacher in ihren Ansprüchen zu unterstützen 64 ).

Welche Stellung sollte Albrecht dieser Wendung der Dinge gegenüber einnehmen? Er mußte sich sagen, daß die Lage der Bayern, in deren Dienst sich am 4. März noch Erich von Lauenburg begeben hatte 65 ), jetzt günstiger sei als die der Askanier. Zwar hatten diese nicht die Absicht, sich ohne weiteres zu fügen, doch war keine Aussicht, den falschen Waldemar zu halten und nach seinem Tode die Teilung der Mark durchzuführen. So faßte Albrecht seinen Entschluß. Er war bereit, die Hoffnungen auf neue Erwerbungen fahren zu lassen, war aber ebenso entschlossen, das, was er schon erreicht hatte, Fürstenberg und die Aushebung der märkischen Lehnsherrschaft zu verteidigen. Hätte er anders gedacht, wollte er Frieden um jeden Preis, so hätte er die Verbindung mit den Anhängern Waldemars abbrechen, hätte sein Bruder sich nicht noch Mitte Mai im askanischen Lager aufhalten können 66 ). Wollte er aber die Gewinnung eines Teiles der Mark auch jetzt noch nicht aus den Augen lassen, so würde er nicht schon vier Wochen nach dem Nürnberger Spruche, bevor der Kampf überhaupt wieder ausgebrochen war 67 ), auf entgegengesetzter Grundlage verhandelt haben.

Zunächst erhob sich die Frage, ob Ludwig und sein gleichnamiger Bruder - Otto, der dritte der Markgrafen, war noch


63) Lindner, MJÖG. XII, S. 70.
64) Werunsky II, S. 215 ff.
65) Riedel, Codex II, 2 S. 293.
66) X, 7070 u. 7077 (Zeugen). Boll, Stargard II, S. 39.
67) Der Kampf wurde im August wieder aufgenommen (Taube a. a. O. S. 128).
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unmündig - auf der Grundlage dieser Bedingungen mit dem Herzoge Frieden schließen würden. Wir wissen nicht, ob Karl IV., der ja die brandenburgische Oberhoheit über Stargard aufgehoben hatte, jetzt für die Mecklenburger eintrat. Mit großem Eifer wird es kaum geschehen sein; auch um seine verheißungsvollen Worte über Rostock und um die Belehnung mit Barth hat sich Karl nicht mehr gekümmert. Überdies war Fürstenberg durch den falschen Waldemar abgetreten worden, es war also zu erwarten, daß die Wittelsbacher dessen Urkunde für ungültig erklärten. Albrecht beschloß, sich der Fürsprache des Dänenkönigs zu bedienen. Er trat zu Waldemar Atterdag in ein durchaus freundschaftliches Verhältnis, das schon durch den Berliner Waffenstillstand angebahnt worden war. Es wurde jetzt davon abgesehen, die Entscheidung des Schwedenkönigs über den mecklenburgisch=dänischen Streit zu erbitten, wie ursprünglich verabredet war. Am 8. Mai söhnte sich Albrecht, zugleich im Namen seines noch bei den Askaniern weilenden Bruders mit Waldemar aus; der König ließ sich bei diesen Verhandlungen durch seinen Freund Erich von Sachsen=Lauenburg und drei dänische Ritter vertreten. Als Unterpfand des Friedens wurde eine Ehe zwischen Albrechts Sohne Heinrich und Waldemars Tochter Margareta verabredet. Der junge Herzog sollte am Hofe des Königs, die Prinzessin am mecklenburgischen Hofe erzogen werden. Die Herrschaft Rostock wurde als dänisches Lehn anerkannt, die Mecklenburger mußten sich zum Dienst mit fünfzig Mannen verpflichten; sobald Waldemar es verlange, wollten sie die Huldigung leisten. In der Barther Sache sollte der König vermitteln, oder, wenn ihm dies nicht gelingen würde, einen Rechtsspruch fällen. Für den mecklenburgisch=wittelsbachischen Streit hatte er schon einen Sühnevertrag aufgestellt, der Albrechts Erwartungen entsprach. Waldemar muß vorausgesehen haben, daß die Markgrafen auf seine Vorschläge eingingen, denn das vorsichtig ausgedrückte Hilfsversprechen für den Fall der Ablehnung war kaum ernst gemeint 68 ).

ln der Tat wurde ein Friede geschlossen, in dem die Bayern sich zu den verlangten Zugeständnissen bereit erklärten. Wie es scheint, wurde bei dieser Gelegenheit Albrechts Tochter Ingeborg mit Otto, dem jüngsten der Markgrafen, verlobt. Vermutlich kam der Vertrag in Friedland zustande, wo am 23. Juni


68) X, 7076.
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Markgraf Ludwig und seine Brüder in einer besonderen Urkunde in Gegenwart Waldemar Atterdags, Barnims III. von Pommern=Stettin und anderer die Unabhängigkeit Stargards und der übrigen früher märkischen Lehen, sowie die Abtretung Fürstenbergs anerkannten, während die Mecklenburger auf jenes Lehn von 200 Stücken Geldes verzichteten 69 ).

Wie sich die Dinge einmal entwickelt hatten, war dieser Friede für Mecklenburg günstig genug. Die Mühen des Krieges hatten sich gelohnt. In der Erwerbung des Herzogswürde und der Reichsstandschaft sowie in den übrigen Errungenschaften des Feldzuges gegen die Wittelsbacher lagen Albrechts erste große Erfolge. Noch war die Gestalt Heinrichs von Mecklenburg dem Gedächtnis der Lebenden nicht entschwunden, als zum zweiten Male in diesem vom Reiche so lange mißhandelten Lande an der Ostsee eine Persönlichkeit erwuchs, die aller Augen auf sich richtete. Albrecht hatte von sämtlichen Fürsten des böhmischen Bundes im heftigsten Feuer gestanden und durch den Sieg bei Oderberg eines der bedeutendsten Treffen des ganzen Krieges entschieden.Im richtigen Augenblick hatte er die Pläne, die nicht mehr durchzuführen waren, aufgegeben und sich mit den Bayern verständigt, hatte, um der freundschaftlichen Vermittlung Waldemar Atterdags sicher zu sein, sich der dänischen Oberherrschaft über Rostock wieder unterworfen. Er zeigte schon damals, in seinen jungen Jahren, nichts von der ihm angedichteten Leidenschaft, die ihm das "nicht selten völlig Nutzlose, immer sehr Kostspielige,


69) X, 7086 f.; Korner II, § 787; vgl. Krantz, Vandalia VIII, Kap. 32; Boll, Stargard II, S. 40. In beiden Urkunden ist, wie Boll hervorhebt, von einer weiteren Urkunde die Rede, dar unse ghantze sone mit al eren stukken unde articulen begrepen unde bescriven is. Der Inhalt dieser Urkunde oder ein Teil davon scheint bei Korner erhalten zu sein. Allerdings nimmt er irrtümlich einen Spruch des Schwedenkönigs an und nennt Ludwig den Römer als Verlobten der Ingeburg; diese sollte aber ursprünglich Otto den Faulen heiraten und wurde erst 1357 mit Ludwig dem Römer verlobt (XlV, 8368, vgl. Gerstenberg, Ludwig der Römer als Alleinherrscher in der Mark, Berliner Diss. Buch 1 S. 35). Beide Verlobungen scheinen bei Korner verwechselt zu sein. Er irrt auch, wenn er annimmt, daß Lenzen als Mitgift gegeben wurde. Lenzen wurde erst 1354 an Mecklenburg verpfändet (s. Anlage 7). Als Leibgedinge nennt Korner Arneburg, Werben, Seehausen, Perleberg, während Ludwig der Römer später nur Perleberg bestimmte. Wegen Korner und Krantz ist wohl die X, 7076 Anm. ausgesprochene Vermutung, daß Hvitfeldt, derI, S. 499 ebenso berichtet, vielleicht ein undatiertes Konzept ohne Namen des Königs vorgelegen habe, hinfällig. Nur Seehausen nennt Hvitfeldt nicht unter den Leibgedingen.
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oft Ohnmächtige seines Strebens unkenntlich machte" 70 ). - Er hatte den Teilungsvertrag, den er mit den Askaniern geschlossen hatte, fallen lassen, aber beharrlich hielt er an dem vom Vater übernommenen Gedanken fest, daß der Besitz seines Hauses durch märkisches Land vergrößert werden müsse. Vielleicht hat er jene brandenburgischen Pfandschaften, die sich 1352 zuerst in mecklenburgischem Besitze nachweisen lassen 71 ), noch vom falschen Waldemar für seine Hilfe erhalten 72 ). Die Wittelsbacher würden sie dann nur neu übergeben haben. Möglich auch, daß die Gebiete überhaupt erst von ihnen versetzt wurden 73 ). Albrecht entschloß sich, nun auf ihre Seite zu treten 74 ), und die Bedingung hierfür dürfte die Bestätigung oder die Überlassung der Pfänder gewesen sein. Wenn die Zeit es fügte, konnte aus diesen märkischen Pfandschaften leicht dauerndes Eigentum werden. -

 

6.

Die Schweriner Fehde bis zum Vertrage von Wismar
am 12. Oktober 1352

Mit dem Kriege Albrechts gegen die wittelsbachische Partei hatten sich die Schweriner und die rügische Fehde verflochten. Beide harrten noch des Friedens. Der Streit mit Otto von Schwerin hatte spätestens zu Anfang des Jahres 1349 eine neue Wendung genommen. Graf Nikolaus II., der bisher Anhänger der Mecklenburger gewesen war, vermählte sich mit Elisabeth, der Tochter des Edelherrn Wedekin vom Berge, des Vogtes am Stifte zu Minden. Und da er auf männliche Nachkommenschaft hoffte, mußte es ihm darauf ankommen, dieser den ganzen Besitz


70) Lützow, Pragm. Gesch. v. Mecklb. II, S. 213. Die hier gegebene Charakteristik Albrechts konnte eben nur ein Historiker von moralisierender Richtung schreiben.
71) S. unten Kap. 5 (Landesteilung) und Anlage 5.
72) So nehmen Klöden, Waldemar IV, S. 138, und nach ihm Riedel, Bismarck, Märk. Forsch. Xl, S. 116 an.
73) In der Urkunde der mecklenburgischen Landesteilung vom 25. November 1352 ist zuerst von diesen Pfandschaften die Rede, Xlll, S. 238: van den panden . . . ., de uns markgreve Lodewich van Brandeborch settet heft. Aus diesen Worten geht hervor, daß zum mindesten eine Bestätigung der Pfänder, die Riedel a. a. O. ablehnt, erfolgte.
74) In dem Waffenstillstande der askanischen Partei mit den Wittelsbachern vom 20. Mai 1351 werden die Mecklenburger unter den Verbündeten der Bayern genannt. Riedel, Codex II, 2 S. 330 (Regest XIII, 7469).
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der Grafen von Schwerin zu sichern für den Fall, daß die zweite Linie des Hauses ausstürbe; es mußte ihm also darauf ankommen, Erbverträge mit seinen Neffen, den Brüdern Otto und Nikolaus, abzuschließen. Weil nun klar war, daß diese beiden Grafen sich niemals auf solche Abmachungen einlassen würden, wenn nicht ihr Oheim ihnen Gleiches mit Gleichem vergalt, d. h. über seine Verträge mit den Mecklenburgern hinwegging, so änderte Nikolaus II. seine Stellung. Die ganze Familie tat sich gegen Albrecht und Johann zusammen. Bereits vor dem 11. März 1349 kam es zu einer Erbverbrüderung zwischen Nikolaus II. und Otto von Schwerin, in die dessen Bruder mit aufgenommen wurde 1 ). Daraufhin eilte der jüngere Nikolaus aus seiner Grafschaft herbei, gab am 11. März seine Zustimmung zu dem Vertrage, schloß am 12. mit seinem Oheim ein Bündnis 2 ) und nahm am Ende des Monats die Eventualhuldigung der Stadt Wittenburg entgegen 3 ). Aber dieser neue Erbvertrag Nikolaus' II. war rechtlich bedeutungslos, Weil die früheren, mit Mecklenburg geschlossenen dadurch nicht beseitigt wurden. Dem allgemeinen Empfinden nach waren allerdings Graf Otto und sein Bruder die gegebenen Erben ihres Oheims. Otto war auch nicht ohne Anhang in dessen Gebieten. Stadt und Land Boizenburg hatten den Mecklenburgern erst im April 1347 die Erbhuldigung geleistet, und nur unter der Bedingung, daß auch Otto ohne Erben aus der Welt gehen würde; dieser Huldigung, die seine Forderungen berücksichtigte, hatte der Graf zugestimmt 4 ). Rechtsgültigen Anspruch konnte jedoch weder er noch sein Bruder erheben; denn durch die Todteilung der Grafschaft war die Nachfolge der Agnaten gebrochen worden, die nur durch Aufrechterhaltung der gesamten Hand, also durch eine Mutschierung hätte geschützt werden können. Selbst wenn die Verträge mit Mecklenburg nicht bestanden hätten, wäre eine agnatische Nachfolge an die Zustimmung des sächsischen Lehnsherrn gebunden gewesen,


1) Vgl. X, 6931 (11. März 1349), wo sich Nikolaus von Tecklenburg und Schwerin seinem Oheim gegenüber verpflichtet: Vortmer de breve, de use brůder greve Otto tů Zwerin eme ghegheven heft uppe de huldinghe tů Zwerin, stad huses unde landes, scole wi unde willen se stede unde fast holden, . . . . Weiter erklärt er: Were och, dat use veddere greve Clawes afghynge, . . . ., unde wi tů den landen unde sloten qwemen, . . .
2) X, 6932.
3) Vgl. die Bestätigung der Privilegien X, 6947.
4) X, 6755 f.
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ohne die natürlich auch die Mecklenburger die Erbschaft Nikolaus' II. nicht antreten durften, wenn sie sich keiner Rechtsverletzung schuldig machen wollten. Immerhin war es für Albrecht sehr unerwünscht und gefährlich, daß sich alle Mitglieder des Grafenhauses gegen ihn vereinigten. Gerade damals wurde der Herzog durch die Fehde gegen die wittelsbachische Partei schwer bedrängt; es war die Zeit, wo Waldemar Atterdag in den Kampf eingriff und der Stern der Bayern heller zu leuchten begann. Die Landung des Dänenkönigs auf Poel, so nahe bei den Schweriner Burgen, war auf den Beistand der Grafen berechnet.

Um diese Zeit starb Nikolaus II. (nach dem 17. Mai 1349) 5 ). Albrecht wollte nun die Bestimmungen des Erbvertrages verwirklichen. Durch den Waffenstillstand mit Waldemar Atterdag und durch das Spremberger Abkommen erhielt er freie Hand für den Schweriner Krieg. Er suchte sich in den Besitz der Lande zu setzen, die er beanspruchte. Noch 1349 eroberte er Wittenburg 6 ). Auch Boizenburg gewann er. Wittenburg ging jedoch wieder verloren, ebenso, wahrscheinlich, auch Boizenburg 7 ). Sogar die Leibgedinge der verwitweten Gräfin Elisabeth brachte Albrecht an sich. Am 20. Februar 1350 ernannte sie mit Zustimmung von Vater und Bruder die Herzöge von Mecklenburg zu Vormündern ihrer Leibgedinge in den Kirchspielen Hagenow, Stralendorf und Warsow 8 ). Gleich am folgenden Tage aber überließ sie ihnen für eine Summe Geldes fast alle ihre Leibgedinge, außer den drei Kirchspielen auch noch Haus, Stadt und Land Crivitz mit Sillesen, samt der Mannschaft; nur die Kirchlehen zu Crivitz, Pinnow und Retgendorf behielt sie sich vor. Das Geld sollte an die Herren vom Berge bezahlt und Gadebusch dafür verpfändet werden; doch mußte das für den Krieg sehr wichtige, nicht weit von Schwerin gelegene Schloß den Mecklenburgern offen stehen 9 ). So erhielt Herzog Albrecht durch die Witwe


5) Wigger, M. Jbb. XXXIV, S. 119, 139.
6) Korner II § 759 (zu 1349).
7) Vgl. X, 7064, 7071 (24. März, 24. April 1350). Danach finden sich mecklenburgische Vasallen, u. a. die Gebrüder von Barnekow, in Boizenburg (s. Rische, Einzeldarst. IV, S. 42), Wittenburg aber war in Schweriner Hand, also zurückerobert. Da nun die Barnekows hernach in Schweriner Gefangenschaft gerieten (XIII, S. 169), so liegt der Gedanke nahe, daß auch Boizenburg zurückgewonnen wurde.
8) X, 7050.
9) X, 7051.
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Nikolaus' II. selber Gelegenheit, im Lande ihres verstorbenen Gatten Stützpunkte zu erwerben. Graf Otto und sein Bruder sahen sich völlig vereinsamt. Gerade der Mann, auf den sie so große Hoffnungen gesetzt hatten, Waldemar Atterdag, begünstigte jetzt ihren Gegner; denn er wollte Albrecht möglichst schnell von allen deutschen Händeln befreien, um sich seiner bei der Ausbreitung der dänischen Königsmacht zu bedienen. Noch zur Zeit, wo zwischen ihm und den Mecklenburgern nur Waffenruhe bestand, verbündete sich sein Freund Erich von Sachsen=Lauenburg, wohl auf Veranlassung des Königs, mit Albrecht gegen die Grafen; es geschah das spätestens im Frühjahre 1350 10 ). Zugleich mit dem Frieden vom 8. Mai wurde darauf ein Bündnis zwischen Mecklenburg und Dänemark geschlossen 11 ). Dann aber kamen Albrecht und Otto überein, ihren Streit durch Johann von Werle=Goldberg schlichten zu lassen. Am 13. Mai übernahm dieser das ihm angetragene Amt und stellte für den 8. Juli die Fällung eines Spruches in Aussicht, wenn er nicht vorher eine gütliche Einigung erreichen könnte. Dem Grafen Nikolaus von Tecklenburg wurde es freigestellt, sich ebenfalls dem Spruche zu unterwerfen 12 ).

Am 8. Juli entschied Johann über Brandschatzungen und Lösegelder für Gefangene 13 ). Von einem Urteile darüber, wem das Erbe Nikolaus' II. in Zukunft gehören solle, findet sich nichts. Jedenfalls blieben die Bemühungen Johanns erfolglos.

Der Krieg brach wieder aus, und Graf Otto hatte - vor dem 25. Mai 1351 - das Mißgeschick, in die Hände seines lauenburgischen Gegners zu fallen. Er wurde an Albrecht ausgeliefert und nach Wismar gebracht 14 ). Aber die Fehde war durch seine Gefangennahme nicht entschieden. Der energische und


10) Am 13. Mai wird Erich zuerst als Bundesgenosse der Mecklenburger genannt (X, 7078), doch muß sein Übergang früher erfolgt sein, da an diesem Tage der Streit bereits der Entscheidung Johanns von Goldberg übertragen wurde.
11) X, S. 383, 385.
12) X, 7078.
13) X, 7094.
14) Vgl. Albrechts Vertrag mit Erich von Lauenburg vom 25. Mai 1351 (XIII, 7470): . . . um den greven van Zwerin, den wi in der vengnisse hebben, wat wi unseme oome van Sassen darumme don schuln, dat schal uppe unsen heren den koninch van Denemarken staan, . . . Dazu stimmt Detmar § 686: hertoghe Albert kofte mit gude unde mit ghelde den guden greven Otten to sik. Daß Otto zu Wismar gefangen gehalten wurde, geht aus XIII, 7602 hervor.
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tapfere Otto blieb unbeugsam. Er erwartete, daß sein Bruder und seine treuen Mannen den Mut nicht verlieren würden, und er täuschte sich nicht; hartnäckig setzten sich die Ritter und Knappen in der Grafschaft als vrome trůwe lude zur Wehr 15 ). Freilich, Überläufer gab es auf Seiten 16 ).

Unterdessen war der Dänenkönig mit den Holsteinern in Krieg geraten 17 ). Am 27. April 1351 aber ernannten die Parteien Erich von Sachsen und den Grafen von Hoya zu Schiedsrichtern 18 ). Am 18. Mai war Albrecht zu Rostock 19 ). Dann fuhr er nach Dänemark hinüber, um sich Erichs Beistand von neuem zu sichern. Am 25. Mai, in Nykjöbing auf Falster, schloß er sich noch einmal mit ihm zum Schweriner Kriege zusammen 20 ). Es scheint, daß König Waldemar auf die Abmachungen nicht ohne Einfluß war; seinem Gutachten wurde die Teilung des Lösegeldes für Gefangene und die Entschädigung, die Erich für die Auslieferung Ottos zu leisten sei, anheimgestellt. - Vor allem in einer Frage kam es zur Verständigung. Die Grafschaft Schwerin und damit auch das Erbe Nikolaus' II. war sächsisches Lehn, und zwar übte die lauenburgische Linie die Oberhoheit aus. Es wurde jetzt der Entscheidung Waldemar Atterdags überlassen, wie Erich und seine Vettern von Mölln und Bergedorf, deren Einwilligung man voraussetzte, die Mecklenburger vorwaren scholen in der aflathinge der lenware; und nach der Entscheidung sollten die Lehen aufgelassen werden, sobald Albrecht, allein oder mit seinem Bruder, es verlange. Der Herzog erkannte also die lauenburgische Oberherrschaft an. Doch hielt man es nicht für ausgeschlossen, daß Rudolf von Sachsen=Wittenberg oder seine Söhne Ansprüche erheben (de leen anspreken) würden. Für den Fall, daß es geschehen sollte, verpflichtete sich Erich, mit seinen Vettern alles aufzubieten, um die Mecklenburger von den Ansprüchen zu befreien. -

Nachdem dieser Vertrag unter den Auspizien König Waldemars zustande gekommen war, machten sich die Verbündeten an die Fortführung der Schweriner Fehde. Albrecht lag vor allem daran, den wertvollsten Punkt des Landes, das Schloß Schwerin mitsamt der Stadt, in seine Gewalt zu bringen. Hier


15) Detmar § 686.
16) Vgl. XIII, S. 169 oben.
17) Reinhard, Valdemar Atterdag S. 205.
18) Ebd.
19) XIII, 7468.
20) XIII, 7470.
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konzentrierte sich der Kampf. Rings im Umkreise hatte der Herzog Festen und Bergfriede errichten lassen und starke Mannschaft hineingelegt; aber es gelang nicht, die Zufuhr abzuschneiden, wente de Swerineschen quemen uter stad unde inter stad, wen se wolden, beide to lande unde to watere 21 ). Gegen Ende des Jahres nahm Erich von Lauenburg den Ritter von der Hude mit seinen Schlössern Dömitz und Redefin in seinen Dienst und gewann so Stützpunkte südlich von der Grafschaft 22 ). - Bis in den Frühling 1352 währte die Fehde; doch scheinen die Verbündeten, soweit sich übersehen läßt, nicht glücklich gefochten zu haben. Am 26. April schlossen die Schweriner Ratsherren und einige gräfliche Vasallen mit Albrechts Bevollmächtigten in Wismar einen Waffenstillstand bis zum 12. November. Otto wurde solange in Freiheit gesetzt 23 ). Dreißig seiner Mannen und sechs Schweriner Ratsherren verbürgten sich für ihn; außerdem mußte er das Schloß Boizenburg, das ja bereits in mecklenburgischer Hand gewesen, aber wieder verloren gegangen war, als Pfand für seine Rückkehr an Albrecht geben 24 ).

Stellte Otto sich nicht wieder ein, so verzichtete er damit auf Boizenburg. Freilich hätte Albrecht auch sonst keinen Augenblick daran gedacht, es wieder herauszugeben. Vor mehr als zwei Jahren hatte er dieses frühere Besitztum Nikolaus' II. erobert und Haus, Stadt und Land dann den Gebrüdern von Barnekow verpfändet 25 ). Dann hatten vermutlich gräfliche Truppen das Schloß zurückgewonnen; jedenfalls gerieten die Barnekows in Gefangenschaft 26 ). Als sie jetzt aus der Haft entlassen wurden, eilten sie sogleich zu ihrem Herrn nach Wismar. Und hier ließ sich Albrecht am 27. April von ihnen die Zusage geben, daß sie sich mit ihrer Pfandschaft Boizenburg auch dann zu ihm halten und ihm die Einlösung gestatten wollten, wenn Otto in die Gefangenschaft zurückkehre. Eine bedeutungslose Klausel ward hinzugefügt: würden die Barnekows von dem Grafen und den


21) Detmar § 686.
22) XIII, 7546 (18. Dezember 1351); vgl. Rische, Grafschaft Schwerin S. 52.
23) XIII, 7602 f.
24) Vgl. XIII, 7604.
25) Vgl. XIII, 7604 (27. April 1352). Die Barnekows bekennen hier, dat wy Boyceneborch . . . hebben unde holden to eynen pande. Ich nehme an, daß die Verpfändung schon vor der Ausstellung dieser Urkunde stattgefunden hat, zumal da sich die Barnekows schon 1350 in Boizenburg finden (s. oben S. 74 Anm. 7).
26) S. oben S. 74 Anm. 7.
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Seinen um das Schloß gemahnt, so sollten sie an den Vertrag nicht gebunden sein, aber nur dann, wenn Herzog Albrecht und seine Ratgeber der Ansicht wären, daß sich eine Verweigerung der Herausgabe mit der Ehre der Ritter nicht vertrüge 27 ).Doch entstanden hieraus keine Weiterungen. Noch vor Ablauf des Waffenstillstandes kam es zum Frieden. Bereits am 12. Oktober 1352 war Otto wieder in Wismar. Hier wurde der Streit durch die Verlobung seiner Tochter Richardis mit Albrechts zweitem, gleichnamigem Sohne beigelegt. Als Pfand für die Mitgift (4500 M löth. Silbers Köln. Gew.) erhielt der Herzog Boizenburg, das er von den Barnekows einlösen mußte 28 ). Mit Sicherheit darf angenommen werden, daß zugleich eine Auseinandersetzung über das Erbe Nikolaus' II. zustande kam; und zwar scheint das Land Crivitz an die Mecklenburger abgetreten zu sein 29 ), das ja schon die verwitwete Gräfin Elisabeth ihnen überlassen hatte.

Somit war ein Friede geschlossen, der nur die Zufriedenheit der Grafen erregen konnte. Otto trug den Löwenanteil von den Gebieten des Oheims davon. Neben dem Rechte auf Einlösung Boizenburgs besaß er Wittenburg 30 ), obwohl die Stadt, vielleicht auch das Land, im März 1349 seinem Bruder die Eventualhuldigung geleistet hatte. Nikolaus von Tecklenburg scheint sich nach der Beendigung des Krieges in seine westfälische Grafschaft zurückgezogen zu haben; erst vier Jahre später läßt er sich wieder in Schwerin ermitteln. - Herzog Albrecht hatte sein Ziel nicht erreicht. Es war die Hartnäckigkeit dieser Fehde und der gerade jetzt heftig tobende Kampf mit den Wolgastern, der ihn zum Abschlusse eines solchen Kompromisses bewog. -


27) XIII, 7604.
28) XIII, 7669 f.
29) So geht daraus hervor, daß in dem am 1. Dezember 1358 zwischen Albrecht, seinen Söhnen und den Grafen von Tecklenburg und Schwerin abgeschlossenen Erbvertrage den Grafen der Erbanfall von Boizenburg und Crivitz zugestanden wurde (XIV, S. 366). Diese Gebiete waren danach in Albrechts Hand, auch Boizenburg muß inzwischen für die Dauer in seinen Besitz gekommen sein. Weiter verpfändete Albrecht Crivitz, verfügte also darüber, vgl. XIX, 11 065 (1377), auch die beiden verdächtigen Urkunden XIII, 8073 und XIV, 8210. - Nach Chemnitz (bei Westphalen, Mon. ined. II, S. 1653) soll schon Johann II. von Werle=Goldberg Albrecht und Graf Otto 1350 dahin verglichen haben, daß der Herzog Crivitz behielt, Wittenburg aber herausgeben solle. Jedoch handelt es sich hier offenbar nur um eine Kombination, die sich darauf stützt, daß Crivitz später in Albrechts Hand war.
30) Vgl. XIII, 7711 und 7716 (S. 268).
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7.

Weiterer Verlauf und Ende des Streites um Barth.

Der Streit um Barth hatte eine Zeitlang geruht, nachdem Waldemar Atterdag im Lübecker Frieden die Vermittlung oder Entscheidung zwischen Mecklenburg und Pommern=Wolgast übernommen hatte. Michaelis 1350 sollten sich die Parteien beim Könige einfinden 1 ). Die Wolgaster setzten eine Klageschrift auf, die sieben Artikel enthielt; diese betrafen den Besitz von Barth selber, einen Plünderungszug in die Umgegend Stralsunds, der bis vor die Mauern der Stadt ausgedehnt worden sei, die Belagerung der Hertesburg, die Eroberung von Loitz und Plünderungszüge in die Gegend von Wolgast, Wusterhusen (nordwestlich von Wolgast) und Anklam; die Pommernherzöge behaupteten, schon vor ihrer Mündigkeit von den Mecklenburgern und Werlern bedrängt zu sein, und beschwerten sich über den Schaden, den die verbündeten Fürsten ihnen zugefügt hätten 2 ). - Albrecht rechtfertigte sich in einer Gegenschrift und wies in sämtlichen Punkten eine Schuld zurück. Vor allem betonte er sein gutes Recht auf Barth. Zwanzig Jahre seit seines Vaters Tode habe er es besessen, ohne daß die Vormünder der Wolgaster und dann diese selbst einen rechtmäßigen Einspruch erhoben hätten, ohne daß deswegen ein Gerichtstag angesetzt sei. Mit Nachdruck erklärte er, daß er seine "habende Gewere", seine "Lehnsgewere und seines rechten Vaters Erbe" behalten wolle 3 ). Er durfte so sprechen, denn die Pommern hatten sich nicht lange mit Einreden aufgehalten, sondern im Jahre 1343 lieber gleich den Krieg begonnen, indem sie zunächst Grimmen in ihre Gewalt brachten; auch ein Gerichtstag war nicht abgehalten worden, da ja die Entscheidung Rudolfs von Sachsen und des Bischofs von Kammin, die im Januar 1346 in Aussicht genommen war, niemals stattgefunden hatte; endlich blieb kein Zweifel, daß die Pfandschaft Barth an Mecklenburg verfallen sei.


1) Vgl. X, 7128 (15. Oktober 1350, Wordingborg). Die Pommern erklären: Umme use daghe, de wi scholden holden tu sunte Michelis daghe unde hebben gheholden tu Wordingheborg umme dat lant unde stat tu Bard . . . .
2) Die Urkunde findet sich nicht, doch sind Punkte aus Albrechts Erwiderung (X, 7123) zu entnehmen. Diese trägt kein Datum; ich möchte glauben, daß Klage und Verteidigungsschrift vor dem ersten von Waldemar angesetzten Termine, also vor Michaelis 1350, eingereicht wurden (vgl. ebd. N.).
3) Ebd.
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Waldemar Atterdag war betroffen. Lehnsgewere, was sollte das heißen? Damit konnte nur die Verleihung Karls IV. gemeint sein 4 ). Über alles rügische Land aber gebührte dem Könige von Dänemark die Oberhoheit. Auch sonst liefen Waldemars Wünsche denen des Herzogs schnurstracks zuwider, da der König nichts von einer Zerstückelung Rügens wissen, sondern das ganze Land als einheitliches Lehn im Besitze der Wolgaster lassen wollte.

Der für die Zusammenkunft festgesetzte Termin wurde augenscheinlich nicht innegehalten. In den ersten Tagen des Oktobers war Albrecht in Rostock 5 ). Von dort mag er nach Dänemark übergesetzt sein. Von pommerscher Seite kamen die Herzöge Barnim und Bogislav. Der König befand sich in peinlicher Lage; es war ein recht lästiger Streit für ihn. Der große Schaden freilich, über den die Wolgaster so bitter geklagt hatten, setzte ihn kaum in Verlegenheit; viel wichtiger war die Frage, wem Barth fortan gehören solle. Waldemar wollte es den Mecklenburgern nicht zusprechen, wollte es ihnen aber auch nicht aberkennen. Denn dadurch hätte er es mit Albrecht verdorben; das durfte nicht sein, weil er ihn im Norden brauchte. So verschob er die Entscheidung bis zum 25. Juli des nächsten Jahres. Am 15. Oktober in Wordingborg gelobten die Wolgaster, sich ihr dann zu fügen 6 ).

Acht Tage später, am 23. Oktober, schlossen Albrecht und Waldemar zu Taarnborg auf Seeland ein enges Bündnis. Durch diesen Vertrag und einen weiteren vom 3. November gewann Waldemar den Herzog ganz für seine, gegen Holstein und Schweden gerichtete Politik 7 ). Er dachte fürs erste nicht daran, mit dem mecklenburgischen Freunde wieder zu brechen; als der neue Termin zur Fällung eines Spruches in der Barther Sache heranrückte, legte er das ihm so unbequeme Schiedsrichteramt kurzab nieder. Am 27. Juni 1351 sprachen ihn die Wolgaster davon frei 8 ).

Bald darauf brach der Kampf um die rügischen Pfandschaften auf der ganzen Linie von neuem aus. Die alten Verbündeten von Werle und Mecklenburg fanden sich wieder zusammen 9 ).


4) Vgl. oben S. 57 f.
5) Am 4. und 6. Oktober urkundete er zu Rostock, X, 7124 f.
6) X, 7128.
7) S. unten Kap. 9.
8) XIII, 7486.
9) Den Sternberger Landfrieden vom 16. Oktober 1351 (XIII, 7524) möchte ich allerdings nicht mit Rudloff (II, S. 312) und Rugenstein (S. 57) als ein Bündnis gegen Pommern ansehen.
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Ein Wolgaster Vasall, der ältere Graf von Gützkow, trat zu ihnen über; schon vor Jahrzehnten, im rügischen Nachfolgekriege, hatte der wankelmütige Mann eine Zeitlang gegen seine Herzöge gefochten 10 ). Gemeinsam mit ihm belagerte der werlische Hauptmann Klaus Hahn Loitz, wurde aber auf dem Schoppendamm vor der Stadt am 25. Oktober 1351 von Barnim von Stettin, der seinen Vettern zu Hilfe geeilt war, völlig geschlagen. Der jüngere Graf von Gützkow, der den Pommern die Treue gehalten hatte, fiel im Gefecht, wie es heißt, an seinem Hochzeitstage 11 ).

Wenige Tage später versuchte Waldemar Atterdag einzugreifen. Er hatte sich inzwischen trotz dem Nyborger Vertrage mit den Holsteinern wieder verfeindet 12 ). Auch zu König Magnus von Schweden stand er in einem bedenklichen Verhältnisse 13 ); ebenso zu einer Reihe vornehmer Jüten, die sich bald darauf


10) Descriptio Gryphiswaldensis, VII, 4942 (S. 572), vgl. Barthold III, S. 208 ff.
11) Kantzow, Chronik von Pommern in niederdeutscher Mundart, ed. Böhmer S. 91; derselbe, Chronik in hochdeutscher Mundart, ed. Gaebel, 1. Bearb. S. 136, 2. Bearb. S. 213 f. - Kantzow setzte ursprünglich die Niederlage des Klaus Hahn ins Jahr 1327 (l, S. 127; 2, S. 195). Später erkannte er dann seinen Fehler und setzte an den Rand der 2. Bearb.: "Mit Hanen ists eine andere Historie, und ist geschehn, wie hiernach stehet MCCCLI." - Übrigens setzt er im Text die Schlacht ins Jahr 1357 und behauptet, der Graf von Gützkow habe auf pommerscher Seite gekämpft. Hier widerspricht er sich jedoch selber, denn er setzt die Empörung des Grafen zu 1351, die Schlacht aber zu 1357, ein Jahr nach dem großen Sterben 1356, an. Da nun aber der große Tod noch ins Jahr 1350 fällt, fällt die Schlacht ins Jahr 1351 und mit der Empörung zusammen. - Den Widerspruch in der Überlieferung über die Stellung des Grafen hat schon Barthold (III, S. 399 f.) durch die Trennung zwischen beiden Grafen gelöst. Hierzu stimmen auch die Angaben der Urkunde von 1352, durch die Herzog Barnim von der Grafschaft Besitz nimmt (bei Schwartz Hist. d. Grafsch. G., im Anhange z. Dipl. Gesch. d. pomm.=rüg. Städte, S. 794), wo der Tod des jüngeren (occiso . . . ., quod a partibus esset nostris) und der Abfall des älteren Grafen, die Belagerung von Loitz und der Sieg Barnims erwähnt wird. - Zum Jahre 1351 hat übrigens Kantzow nach Krantz, Vandalia VIII, 25, nachträglich den Bericht von der Eroberung Grimmens, die Korner richtig zu 1343 ansetzt, eingefügt. Derselbe Fehler findet sich bei Schwartz (Hist. fin. princ. Rugiae S. 190) und ist dann in spätere Darstellungen übergegangen. Das ewige Hinundher der Eroberungen von Grimmen und Barth bei Schwartz ist sehr verdächtig und erklärt sich aus der mangelhaften Chronologie seiner Quellen.
12) Reinhardt S. 205, vgl. Seeländische Chronik, Langebek VI, S. 526.
13) H. Hildebrand, K. Magnus och Skåne, S. 219; derselbe, Medeltiden S. 227. - S. unten Kap. 9.
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gegen ihn erhoben 14 ). Wahrscheinlich wünschte er von mecklenburgischer und Wolgaster Seite Unterstützung zu erhalten. Da hiervon keine Rede sein konnte, solange Albrecht und die Pommern sich gegenseitig bekriegten, wollte er nun doch eine Schlichtung des Streites um Barth in Angriff nehmen. Gelang es ihm, dann wurden die Herzöge etwas entlastet und konnten wenigstens einen Teil ihrer Truppen nach Dänemark schicken, wenngleich Albrecht noch in die Schweriner Fehde verwickelt war und die Wolgaster gegen die Fürsten von Werle zu kämpfen hatten. So segelte der König am 28. Oktober nach Rostock, um mit Albrecht zu verhandeln. Von hier begab er sich nach Stralsund zu den Pommern; am 20. November kehrte er wieder zurück 15 ). Eine Aussöhnung bewirkte er nicht; doch ist es möglich, daß er wenigstens einen Waffenstillstand zustande brachte. Hierfür würde sprechen, daß Albrecht in der ersten Hälfte des nächsten Jahres (1352) Deutschland verlassen und nach Dänemark fahren konnte. Er findet sich bei Waldemar Atterdag auf Fünen, wo es unter seiner Mitwirkung zu einer vorläufigen Übereinkunft zwischen dem Könige und dessen Gegnern kam. Dann reisten der Herzog und andere Fürsten als Gäste Waldemars über Seeland nach Helsingborg zu einer Zusammenkunft mit Magnus von Schweden 16 ).

Der rügische Krieg wurde fortgesetzt. Am 22. Juli übertrugen Bogislav und Barnim von Wolgast dem Demminer Rate für eine Anleihe von 1000 M Sund. Pf. bis zum gleichen Werte die Schatzungen, die ihnen aus dem mecklenburgischen, werle=goldbergischen und, wenn sie mit Nikolaus III. von Güstrow Krieg führen würden, auch aus dessen Lande zufallen möchten 17 ). - Nikolaus III. scheint also an Frieden gedacht zu haben, verhandelte vielleicht mit den Wolgastern. Albrecht sah das sicherlich sehr ungern. Noch mißlicher war es für ihn, daß Johann von Goldberg bald darauf starb (zwischen dem 22. Juli und 28. August 1352) 18 ). Der alternde Fürst hatte sich zwar schon


14) Vgl. Reinhardt S. 201 f., S. 206.
15) Seeländ. Chronik a. a. O. Diese Zusammenhänge sind schwer zu erkennen, da wir ganz auf die Seeländ. Chronik angewiesen sind.
16) Seeländ. Chronik a. a. O. (zu 1352). Reinhardt S. 207 ff. - Vgl. Anlage 3.
17) XIII, 7634.
18) Wigger (M. Jbb. L, S. 234 f.) setzt seinen Tod zwischen 1. April und 28. August 1352 an. Die Zeit läßt sich noch etwas genauer festlegen. In der erwähnten Urkunde vom 22. Juli, die die Wolgaster dem Demminer Rate ausstellen, finden sich die Worte: ut des olden lande van Wenden. (  ...  )
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seit 1350 von der Regierung zurückgezogen, diese seinem einzigen lebenden Sohne Nikolaus IV. überlassen 19 ); doch scheint er aus Goldberger Seite die treibende Kraft im Kriege um Tribsees gewesen zu sein. Nikolaus IV. beteiligte sich nach dem Tode seines Vaters nicht mehr am rügischen Feldzuge, verständigte sich vermutlich mit den Wolgastern dahin, daß er ihnen das Recht, Tribsees einzulösen, gewährte. Der Güstrower Fürst aber hielt schließlich doch noch an Albrechts Seite aus. Am 18. August kam es in Sternberg zu einem neuen Bündnisse, das bis zum 16. Oktober 1356 laufen sollte und besonders gegen die Pommern gerichtet war 20 ).

Etwa zehn Wochen später (zwischen dem 23. und 31. Oktober 1352) erschien Waldemar Atterdag mit einem Heere in Deutschland. Sein Verhältnis zu Albrecht war damals noch so gut, daß man in Dänemark glaubte, er wolle dem Herzoge gegen die Pommern zu Hilfe ziehen. Davon war jedoch keine Rede. Waldemar hatte gehofft, daß die Gegner im rügischen Streite sich endlich einmal verständigen würden, und nun schien der Friede wieder in weite Ferne gerückt. ImNorden herrschte zwar zurzeit einigermaßen Ruhe; aber die Funken glühten unter der Asche, Waldemars Werk war noch längst nicht beendet. Was nützte dem Könige schließlich sein Bündnis mit dem Mecklenburger, wenn dieser immer nur seinen eigenen Interessen nachging, auch wenn sie, wie in Rügen, den dänischen zuwiderliefen. Der Herzog war am Ende doch kein Bundesgenosse, wie Waldemar Atterdag ihn brauchte, war viel zu selbständig, nicht so zuverlässig wie Erich von Lauenburg, der dem dänischen Freunde in allem und jedem folgte.So hatte der König sich entschlossen, die bisher beobachtete Rücksicht fallen zu lassen. Er trat als


(  ...  ) Danach lebte Johann von Goldberg noch. Er starb also in der Zeit von frühestens kurz vor dem 22. Juli bis zum 28. August 1352. Am 1. April wird er als schwerkrank erwähnt, den Folgen dieser Krankheit mag er erlegen sein (Wigger a. a. O.).
19) Wigger a. a. 0. S. 234.
20) XIII, 7647. Nikolaus' jüngerer Bruder Bernhard von Waren, der nach der Landesteilung von 1347 (X, 6779; Rugenstein S. 35, 38) mit ihm gemeinsam Grimmen besitzen sollte, wird hier nicht erwähnt. Auch die eben angeführte Urkunde der Wolgaster nennt ihn nicht. Und als Albrecht schließlich das Bündnis gegen die Pommern brach (s. u.), geriet er dadurch nur mit Nikolaus, nicht auch mit Bernhard in Zwist (vgl. XIII, 7712). Endlich spricht die Seeländ. Chronik bei der Erzählung von Waldemar Atterdags Zug gegen Werle (vgl. unten) nur von dem dominus de Slavia. Danach scheint Nikolaus doch allein im Besitze Grimmens gewesen zu sein.
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Schiedsrichter zwischen Mecklenburg und Pommern=Wolgast auf, erzwang sich - so scheint es - das Amt, das er im Vorjahre niedergelegt hatte. Und sein Spruch, den er - vor dem 25. November - fällte, lautete dahin, daß Barth für eine Geldsumme herausgegeben werden sollte 21 ). Das war eine Lösung, die sich durchaus nicht mit den Wünschen Herzog Albrechts vertrug, der ja sein Recht auf dieses vom Vater ererbte Besitztum stark genug betont hatte. Wenn er sich jetzt fügte, so geschah es im Hinblick auf Waldemars Truppen. Es ist kein Zweifel, daß der König einen Druck auf ihn ausübte; und der vereinigten dänisch=pommerschen Macht konnte der Herzog, dessen Kraft durch die ewigen Fehden der letzten Jahre geschwächt, der nur mit Nikolaus von Güstrow verbündet war, nicht widerstehen. Er gab gezwungen nach, und es datiert von diesem Augenblicke an eine Entfremdung zwischen ihm und Waldemar, die im Laufe der Zeit immer schärfere Formen annahm.

Indem Albrecht sich, wenn auch widerwillig, dem Schiedsspruche des Königs unterwarf, verstieß er gegen das Bündnis mit dem Fürsten von Güstrow, ohne dessen Zustimmung er weder Waffenstillstand noch Frieden schließen durfte 22 ). Der König schickte sich nun an, Nikolaus III. zum Verzichte auf Grimmen zu nötigen, damit auch dieses wieder mit dem Festlande Rügen vereinigt würde. Er unternahm einen Streifzug in das Gebiet des Fürsten, seines früheren Bundesgenossen aus den Jahren 1348-1349, und hauste dort mit äußerster Grausamkeit 23 ). - Nikolaus, dem keiner von seinen alten Verbündeten mehr zur Seite stand, wird sich bald darauf mit den Wolgastern ausein=


21) Vgl. Seeländ. Chronik a. a. O. und dazu Anlage 4. Nach der Chronik versöhnte Waldemar den Herzog mit den Pommern (confoede-ravit). Wenn aber vorher berichtet wird, daß er nach Deutschland zog, um Albrecht zu unterstützen, so ist das ein Irrtum. Die Tatsache, daß Barth herausgegeben werden mußte, und der Angriff des Königs auf Nikolaus von Güstrow (vgl. unten), der doch mit Mecklenburg verbündet war, stehen dazu im Widerspruche. - Die Zeit von Waldemars Zug ergibt sich aus folgenden Daten. Gleich vor dem Berichte von der Abfahrt des Königs bringt die Seeländ. Chronik die Notiz: Mondfinsternis am 23. Oktober. Am 31. Oktober, während Waldemar abwesend war, schrieben diejenigen, denen er die Führung der Regierung anvertraut hatte, eine Steuer aus (ebd.). Vor dem 25. November wurde der Schiedsspruch gefällt (Anlage 4). Weihnachten feierte der König in Wordingborg (Seeländ. Chronik).
22) S. die Bündnisurkunde XIII, 7647.
23) Seeländ. Chronik a. a. O. - Reinhardt S. 212, dem Erslev, Danmarks Riges Historie II, 1, Den senere Middelalder S. 302 gefolgt ist, meint, daß Nikolaus den Zorn des Königs herausforderte, weil er sich mit (  ...  )
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andergesetzt haben; jedenfalls geschah das vor dem 12. Januar 1354 24 ). Der Fürst war empört darüber, daß Albrecht ihn im Stiche gelassen hatte. Kein Wunder, daß es deswegen zu einem Zwist kam, der am 13. Februar 1353 in einem Friedensvertrage der Mecklenburger mit Nikolaus und dessen Bruder Bernhard von Werle=Waren der Entscheidung des Grafen Heinrich von Holstein anheimgestellt wurde 25 ).

Es ist nur zu verständlich, daß nach dem von Waldemar Atterdag erzwungenen Frieden eine Spannung zwischen Albrecht und den Wolgastern zurückgeblieben war. Eine eigentliche Versöhnung, etwa gar ein freundschaftliches Verhältnis, hatte nicht erwirkt werden können. Das wurde erst, nachdem mehr als ein Jahr verflossen war und die Spannung sich gelöst hatte, nachgeholt. Am 12. Februar 1354 traf Albrecht in Stralsund mit Bogislav, Barnim und Wartislav von Pommern=Wolgast zusammen; es war gerade der Termin, wo ein Teil der Summe für die Einlösung Barths gezahlt wurde. Hier in Stralsund kam es zu einem Friedens= und Freundschaftsvertrage, dessen Bestimmungen im Abschlusse eines Bündnisses gipfelten. Doch war Albrecht vorsichtig genug, sich gegen Angriffe von Vorpommern aus auf alle Fälle möglichst zu decken; er entriß den Wolgastern die Zusage, daß sie die Hertesburg (auf dem Darß) brechen und auf dem Darß sowie in den Gebieten von Prerow und Gudow weder Festen erbauen, noch Wege anlegen würden, die für Mecklenburg gefährlich werden könnten 26 ). Als dieser


(  ...  ) den Holsteinern verbündet hatte. Dieses Bündnis folgert R. aus einer Bestimmung des Friedens von Vindinge Aa, 26. Juli 1353 (Urk. b. Stemann, Gesch. d. öff. u. Privat=Rechtes d. Hzgt. Schlesw. III, S. 16 f.), wonach der Ritter Brüsehaver zwischen Nikolaus und K. Waldemar entscheiden sollte. Daß der Fürst sich den Holsteinern angeschlossen hatte, geht auch aus XIII, S. 419 hervor. Das Bündnis ist um so erklärlicher, als Nikolaus in zweiter Ehe eine holsteinische Gräfin zur Frau hatte, Mechthild, die Tochter Johanns III. von Plön (M. Jbb. L, S. 237). Es fragt sich nur, ob Nikolaus es vor dem dänischen Einfalle oder nachher, um sich Genugtuung zu verschaffen, schloß. Wenn vorher, so ist zu beachten, daß Waldemar ja bereits einen Vertrag mit seinen Gegnern im Norden vereinbart hatte, in den doch wahrscheinlich die Bundesgenossen beider Parteien mit aufgenommen wurden. Es scheint mir sicher zu sein, daß der Zug des Königs gegen Werle mit dem rügischen Streite zusammenhing.
24) Anlage 4 (am Schlusse).
25) XIII, 7712.
26) XIII, 7890 ff.
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Vertrag zustande kam, hatten die Pommernherzöge Barth und Grimmen wieder in ihrer Hand; möglich auch, daß Barth erst jetzt überliefert wurde. Am 16. Juni 1356 findet sich auch Tribsees im Besitze der Wolgaster. Damit hatten sie die drei Pfandschaften zurückgewonnen 27 ).

 

8.

Die Landesteilung. Das Goldberger Intrigenspiel.

Nachdem Waldemar Atterdag dem Kampfe um Barth ein Ende bereitet hatte, wandte Albrecht sich einer Angelegenheit zu, die nachgerade dringend der Ordnung bedürfen mochte. Herzog Johann war seit 1344 (?) mündig 1 ); er konnte einen Teil des Landes für sich beanspruchen. Die Regierung war zwar bisher dem Namen nach von beiden Herzögen gemeinsam geführt worden, aber Albrecht hatte doch Urkunden, die sich auf die Verwaltung des Landes bezogen, oft genug allein ausgestellt. Nun gar in der äußeren Politik erscheint er ganz als die leitende Persönlichkeit; selbst bei den ersten Verhandlungen mit den Luxemburgern, wo Johann hervortritt, war dieser doch nicht mehr als der Beauftragte des Bruders gewesen. Und doch war Johann nicht unbedeutend; er hatte sich beim Anschluß an Karl IV. als geschickter Diplomat bewährt, noch im Alter hat er eine nicht gewöhnliche Tatkraft gezeigt. Er mag im wesentlichen mit den Handlungen des Älteren einverstanden gewesen sein, aber was hatte er schließlich dazu sagen sollen, daß Albrecht zum Beispiel im Taarnborger Vertrage (23. Oktober 1350) die mecklenburgische Macht in den Dienst Waldemar Atterdags stellte, ohne des Bruders auch nur Erwähnung zu tun. Bisher war von einer Erbscheidung abgesehen worden, um in dieser fehdereichen Zeit die Einheit des Landes zu erhalten. Vernünftiger Weise hatte Johann sich damit zufrieden gegeben. Kein Wunder aber, daß er jetzt die mehr unter= als nebengeordnete Stellung nicht länger ertragen wollte, daß er einen Wirkungskreis verlangte, in dem er allein schalten und walten konnte, ein Land, das ihm und seinen Erben vorbehalten blieb.


27) Anlage 4. -
1) Vgl. Wigger, M. Jbb. L, S. 204.
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So kam es am 25. November 1352, sehr bald also nach dem Frieden mit den Wolgastern, in Gegenwart Heinrichs von Holstein und des Grafen Otto von Schwerin in Wismar zur Landesteilung 2 ). Johann sollte das Land Stargard, Eldenburg (Lübz) mit der Ture, Sternberg und die für 18000 M Silb. an die Mecklenburger versetzten märkischen Pfandschaften 3 ) erhalten, außerdem - bis zum 2. Februar 1353 - 578 M löth. Silbers 4 ). - Aber die Gebiete waren zum Teil verpfändet oder weiterverpfändet. Das meiste sollte Albrecht seinem Bruder einlösen; Sternberg bis zum 2. Februar 1353, Stargard und die märkischen Pfandschaften außer Wittenberge bis Ostern 1354. In Stargard handelte es sich um Schulden, die an den Grafen von


2) XIII, 7679.
3) Noch 1371 waren alle für 18000 M Silb. angerechneten märkischen Pfandschaften in mecklenburgischer Hand (vgl. XVIII, 10 237). Es lassen sich folgende feststellen:
1-4. Liebenwalde, Zehdenick, Strasburg, Fürstenwerder (1376 an das luxemb. Haus zurückgegeben, vgl. XIX, 10 851). Boll, Stargard II, S. 45.
5. Boitzenburg (von dem im Mai 1354 gesagt wurde, daß die Pommern es belagert hätten; es wurde deshalb ein mecklb. Gesandter zu ihnen geschickt; vgl. XIII, S. 530).
6. Wittenberge (XIII, S. 238).
7. Der Schnakenburger Elbzoll (von Wenzel am 10. Juni 1373 bestätigt; vgl. XVIII, 10 456).
Lützow (Gesch. v. Mecklb. II, S. 187 Anm. 5) führt noch Jagow und Stolpe an, ebenso Sudendorf, Urkb. III, S. CL. Klöden (Markgraf Waldemar IV, S. 139) außerdem noch Perleberg. Riedel (Bismarck, Märk. Forsch. XI, S. 111) läßt Stolpe weg, nennt aber außer den übrigen Pfandschaften (nur Boitzenburg fehlt) die Vogtei Jagow mit den festen Plätzen Jagow, Strasburg und Fürstenwerder. Auf Sudendorf und Riedel beruft sich Scholz, Die Erwerb. der Mark Brandenburg durch Karl IV., Diss. Breslau 1874, S. 22. Aber Riedels Bericht über die Vogtei Jagow kann schon deswegen nicht stimmen, weil die Vogteien Stolpe und Jagow z. T. an Pommern kamen und daher schon 1354 und 1355 als brandenburgische Verwaltungsbezirke aufgelöst wurden (vgl. v. Arnim=Criewen, Über die Vogteien der Ukermark, Forsch. z. brand. u. preuß. Gesch. I, S. 413 u. 417). Und ich finde auch keinen Beweis dafür, daß die festen Plätze Jagow und Stolpe, die ja früher mit den Vogteien an den Fürsten Heinrich verpfändet, aber von der Vormundschaft herausgegeben waren, sich jetzt wieder in mecklenburgischem Besitze befanden. Perleberg war ebenfalls nicht in der Hand eines der Herzöge, vgl. u. S. 101.
4) Von denen 253 löth. M schon am 13. Dezember 1352 gezahlt wurden, XIII, 7686. Vielleicht gehört die Abrechnung aus dem Jahre 1354 (XIII, S. 528) in diesen Zusammenhang. Danach machte Albrecht im Namen Johanns Zahlungen im Werte von 600 M Silbers, die er ihm schuldete.
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Fürstenberg 5 ) zu bezahlen waren und die Albrecht mit Ausnahme der vom Vater der Herzöge und von Johann selber gemachten decken sollte; solange bis dies geschehen sei, sollte er seinem Bruder Gnoien überlassen. Die Entschuldung Stargards und der märkischen Pfandschaften mußte am bestimmten Termine bis auf höchstens 3000 M durchgeführt sein; für diesen Rest sollte Grevesmühlen zum Pfande gegeben werden. Wittenberge und Eldenburg mit der Ture sollte Johann sich selber einlösen. Den Dienst für die brandenburgischen Pfänder verpflichteten sich beide Brüder gemeinsam zu leisten, ebenso die dem Markgrafen noch für später, wenn er die Gebiete eingelöst habe, zugesagte Kriegshilfe. Das Schloß Eldenburg sollte Albrecht und dem Markgrafen offen stehen, wenn sie sich gegenseitig unterstützen wollten. Die brandenburgischen Pfandschaften wurden Johann garantiert; Albrecht versprach, sie mit ihm gemeinsam zu verteidigen und ihn schadlos zu halten, wenn sie ihm mit Gewalt entrissen würden. Endlich sollte Johann die Frieden, die sein Bruder mit Brandenburg und Pommern=Wolgast geschlossen hatte, urkundlich bestätigen 6 ). - Spätestens bis Ostern 1354 mußte Albrecht alle Bestimmungen, die er zu erfüllen hatte, durchführen. Sonst verlor der Vertrag seine Gültigkeit, und man sollte dann eine neue Erbscheidung vornehmen.

Der Vertrag war eine Todteilung, doch wurde er später in eine Mutschierung verwandelt. Die Bestimmungen scheinen nicht so ganz genau vollzogen zu sein. Es kam zu Streitigkeiten, die am 13. März 1355 zu Sternberg beigelegt wurden. Außer den ihm vorher zugesprochenen Gebieten sollte der jüngere Bruder nun auch noch Lychen, Wesenberg mit der Lize, Arnsberg und das Schloß zu Ramelow erhalten, und zwar sollte er diese ihm jetzt neuerdings überlassenen Besitzungen mit den Schulden, die Albrecht dort gemacht hatte, übernehmen. Dazu


5) Das war Otto v. Dewitz, früher Mitglied der Vormundschaft, den Karl IV., als er den Mecklenburgern die Herzogswürde verlieh, in den Grafenstand erhoben hatte. Albrecht und Johann hatten ihm dann am 25. Januar 1349 Fürstenberg, Strelitz und Arnsberg zu Lehn gegeben (X, 6915; Boll, Stargard II, S. 27 f.).
6) Diese Bestimmung ist, was den Frieden mit Brandenburg angeht, nicht ganz klar, da die Sühne vom Jahre 1350 von Albrecht und Johann gemeinsam eingegangen war (vgl. X, 7087). Nun ist es ja möglich, daß Albrecht im Namen des Bruders abschloß, dieser aber die Besiegelung des Vertrages nachholen sollte und das später versäumte. Trifft diese Kombination nicht zu, so müßte es sich um einen Vertrag handeln, von dem sonst nichts bekannt ist.
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sollte er die Lehnsherrschaft über die Grafschaft Fürstenberg ausüben. Zugleich beschlossen die Herzöge, alle ihre Lande zur gesamten Hand vom Römischen Reiche und der Krone Dänemark zu Lehn zu tragen. Sobald Albrecht es verlange, sollte Johann mit ihm nach Dänemark reisen und hier alles bestätigen, wozu Albrecht sich König Waldemar gegenüber zugleich im Namen des Bruders verpflichtet hatte 7 ). Beide nannten sich Herzog von Mecklenburg, der Lande Rostock und Stargard Herr. Und Karl IV. hat später, am 10. August 1373, vor Fürstenwalde anerkannt, daß ihre Lande, soweit sie der Oberhoheit des Reiches unterständen, ein Gesamtlehn sein und bleiben sollten 8 ).

*              *
*

Das Gebiet, das Albrecht behielt, umfaßte das Herzogtum Mecklenburg außer Sternberg und den früher märkischen Lehen Eldenburg mit der Ture und Wesenberg mit der Lize, die zu Mecklenburg gerechnet wurden, sowie die Herrschaft Rostock; dazu besaß er die Ländchen Crivitz und Grabow, die von den übrigen Gebieten getrennt lagen. Im ganzen mochten Albrechts Lande etwas mehr als ein Viertel der heutigen Großherzogtümer ausmachen. Sie wurden, soweit sie eine zusammenhängende Masse bildeten, im Westen begrenzt von den bischöflich=ratzeburgischen und herzoglich lauenburgischen Gebieten, im Süden von dem gräflich Schweriner Besitze, dem Lande Sternberg, den bischöflich Schweriner, Werle=Goldberger und Güstrower Landen, in Osten von Rügen und Pommern=Wolgast. Die Küste mit den beiden großen Seestädten hatte Albrecht behalten. Sein Territorium war das umfangreichste aller, die von Fürsten aus obotritischem Stamme beherrscht wurden, weit größer als das seines Bruders, der ja noch die brandenburgischen Pfandschaften erhalten hatte; aber es war doch nur klein. Die Macht, die Stoßkraft Albrechts hatte unter der Landesteilung gelitten. Er war entschlossen, jede Gelegenheit zur Vergrößerung seiner Lande auszunutzen, und eine solche Gelegenheit schien sich ihm in Werle=Goldberg zu bieten.

Mit den Fürsten dieses Territoriums, Johann III. und seinem Sohne Nikolaus IV., hatten die Mecklenburger am 22. Mai 1348 einen Vertrag geschlossen, worin ihnen gegen ent=


7) XIII, 8049. Boll, Stargard II, S. 50 f.
8) XVIII, 10 470.
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sprechende Gegenleistung die Erbhuldigung der Goldberger Lande zugestanden wurde 9 ). Diese Huldigung sollte später vor sich gehen und ward in der Tat von Stavenhagen 10 ), also auch wohl von den übrigen fürstlichen Landen geleistet. Schon vorher, am 20. Juli 1344, war eine Erbverbrüderung der Mecklenburger mit Nikolaus III. und Bernhard II. von Werle=Güstrow, die damals ihre Lande noch nicht geteilt hatten, vor sich gegangen 11 ). Beide Verträge galten aber nicht für alle Zukunft, sondern nur für den Fall, daß die abschließenden Fürsten selbst keine nachfolgeberechtigten Erben hinterlassen würden. Nach dem Tode Johanns von Goldberg hatte daraus dessen Sohn am 8. Mai 1353 eine neue Erbvereinigung mit den Herren von Güstrow und Waren geschlossen, wonach alle werlischen Lande in der gesamten Hand verbleiben sollten 12 ). Die mecklenburgischen Ansprüche waren hier nicht beachtet worden, doch durfte man erwarten, daß die Verträge mit den Herzögen niemals erfüllt zu werden brauchten, da alle Fürsten von Werle damals schon männliche Erben besaßen 13 ). Immerhin ist es wahrscheinlich, daß sich der Zwist der Mecklenburger mit den Fürsten von Werle=Güstrow und Waren, der am 12. Januar 1354 in Rostock durch einen Friedensvertrag beigelegt wurde 14 ), aus der werlischen Erbvereinigung von 1353 ergeben hatte.

Im nächsten Jahre starb Nikolaus IV. (in der Zeit vom 14. März bis vor dem 1. Oktober) 15 ). Und jetzt faßte Albrecht


9) X, 6848.
10) Vgl. XIII, 8125.
11) IX, 6434.
12) XIII, 7771; vgl. Rugenstein S. 72.
13) Lorenz, der Sohn Nikolaus' III., findet sich als Regent 1361, war also 1353 schon geboren (M. Jbb. L, S. 236). Auch Johann IV., der Sohn Nikolaus' IV. von Goldberg, lebte bereits (er wurde 1361 mündig, ebd. S. 249). Bernhard von Waren hatte damals noch keinen Sohn. Das tat jedoch nichts zur Sache, da die Güstrower Landesteilung von 1347 eine Mutschierung war (X, 6779; Rugenstein S. 35).
14) XIII, 7881.
15) Vgl. die Kostenrechnung XIII, 7988, S. 532: . . . . cum observavit (sc. Albrecht) terminum placitorum ibidem (sc. in Malchin) pro tutela puerorum de Werle (vor dem 1. Oktober). Da die Rechnung nicht über das Jahr 1354 hinauszureichen scheint, können hier kaum die späteren Malchiner Verhandlungen vom August 1355 (s. unten) gemeint sein. Nikolaus IV. wäre danach in der Zeit vom 14. März bis vor dem 1. Oktober 1354 gestorben (nach Wigger, M. Jbb. L, S. 241, zwischen dem 14. März und dem 16. November 1354). - Die ersten Malchiner Verhandlungen können wohl, ebenso wie die letzten, nur mit der Witwe Agnes stattgefunden haben.
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den Plan, sich das Recht der Nachfolge in Werle=Goldberg auch für den Fall zu sichern, daß Nikolaus' einziger Sohn Johann IV. keine Erben zurücklassen würde. Zunächst suchte er die Vormundschaft über alle drei Kinder des Verstorbenen, Mechthild, Agnes und Johann, zu gewinnen und setzte sich deshalb mit Agnes, der Witwe Nikolaus' IV., einer Tochter des Grafen Ulrich von Lindow, in Verbindung. Schon vor dem 1. Oktober verhandelte er mit ihr zu Malchin 15 ), erreichte aber seinen Zweck nicht; denn Nikolaus III. von Güstrow übernahm, wahrscheinlich auf Anordnung des Verstorbenen, die Vormundschaft. Trotzdem gab Albrecht die Hoffnung nicht auf, und im folgenden Jahre kam er seinem Ziele schon näher. Es gelang ihm, die Witwe Agnes auf seine Seite zu bringen. Ende August 1355 erschien er aufs neue in Malchin; auch Barnim III. von Pommern=Stettin traf ein, den der Herzog sich wegen der vorauszusehenden Verwickelungen mit den Fürsten von Werle=Güstrow und Waren als Bundesgenossen sichern wollte. Am 29. kam es hier zu einem Vertrage zwischen Albrecht und Agnes, wonach die junge Mechthild oder, wenn diese stürbe, ihre Schwester mit Magnus, dem dritten Sohne des Herzogs, verheiratet werden sollte. Machte der Tod beide Ehen unmöglich, so sollte eine andere zwischen den Häusern Mecklenburg und Werle=Goldberg verabredet werden, nach dem Rate Barnims von Stettin. Außerdem aber wurde die kühne Bestimmung getroffen, es sollten, wenn der junge Johann ohne Erben stürbe, seine beiden Schwestern das Fürstentum Goldberg behalten 16 ). - Nach diesen für ihre Töchter so günstigen Bestimmungen war Agnes sicherlich damit einverstanden, daß Herzog Albrecht die Vormundschaft und damit Einfluß auf Werle=Goldberg gewann. Er war es ja hauptsächlich, der dieses rechtlich mehr als zweifelhafte Abkommen gegen die Fürsten von Güstrow und Waren verteidigen


16) XIII, 8126; vgl. Rugenstein S. 75 hier, S. 73 ff., überhaupt über das ganze Intrigenspiel. - Nach Wigger (M. Jbb. L, S. 249) unterstellte Agnes ihre Kinder der Vormundschaft des Herzogs. Hiervon steht jedoch nichts im Vertrage. Die Fürstin war auch zu einer Übertragung dieses Amtes gar nicht befugt, da es höchst wahrscheinlich schon damals, wohl auf Anordnung des verstorbenen Fürsten, von Nilolaus III. von Güstrow verwaltet wurde, der sich später, 1357 und 1360, ausdrücklich als Vormund bezeichnet (Wigger a. a. O. S. 249. Danach war Nikolaus allein Vormund, nicht zusammen mit seinem Bruder Bernhard von Waren, wie Rugenstein S. 80 annimmt; XIV, 8234 ist hier irreführend). - Agnes selber, was rechtlich möglich gewesen wäre, übte jedenfalls nicht die Vormundschaft über ihre Kinder aus; sonst hätte Sie das Amt entweder Albrecht überlassen oder es behalten (  ...  )
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mußte, denen das am 8. Mai. 1353 gewährleistete Erbrecht entzogen werden sollte.

Nahm der junge Herzog Magnus eine der beiden Töchter Nikolaus' IV. zur Gattin, so war es nach dem Malchiner Vertrage möglich, daß ein Teil von Goldberg an Mecklenburg fiel. In Wahrheit aber gingen Albrechts Wünsche noch weiter. Wenn Johann IV. ohne Erben verstürbe, wollte er sich in den Besitz des ganzen Landes setzen. Er stellte sich, ohne dies allerdings Agnes zu erkennen zu geben, auf den Standpunkt, daß seine 1348 mit den Fürsten von Goldberg geschlossene Erbverbrüderung für alle Zukunft gelte, also auch für den Fall, daß Johann IV. keine Erben hinterlasse; damit verstieß er freilich gegen den Wortlaut des Vertrages. - Noch zu Malchin, ebenfalls am 29. August, schloß er unter Zuziehung einiger vertrauter Zeugen einen geheimen Vertrag mit Herzog Barnim. Dieser wünschte das Land Stavenhagen zurückzuerwerben, das früher zu Pommern gehört hatte und vor dem Juni des Jahres 1300 irgendwie an Werle gekommen war 17 ). Albrecht erklärte jetzt die ihm von den Mannen dieses Landes geleistete Erbhuldigung für ungültig und verpflichtete sich, möglichst bald dahin zu wirken, daß an seiner Stelle Barnim die Huldigung empfange 18 ). Auch wollte er dazu verhelfen, daß der junge Fürst Johann, wenn er mündig geworden sei, Stavenhagen von dem Pommernherzoge zu Lehn nehme. Barnim dagegen sagte seinen Beistand zur Erlangung der Vormundschaft über Witwe und Kinder Nikolaus' IV. zu. Stürbe Johann ohne Erben, so sollte Stavenhagen an Pommern, alles übrige Werle=Goldberger Land an seine Schwestern fallen. Und hiervon sollte Albrecht die Prin=


(  ...  ) Vgl. die Kostenrechnung XIII, 7988, S. 532: . . . . cum observavit (sc. Albrecht) terminum placitorum ibidem (sc. in Malchin) pro tutela puerorum de Werle (vor dem 1. Oktober). Da die Rechnung nicht über das Jahr 1354 hinauszureichen scheint, können hier kaum die späteren Malchiner Verhandlungen vom August 1355 (s. unten) gemeint sein. Nikolaus IV. wäre danach in der Zeit vom 14. März bis vor dem 1. Oktober 1354 gestorben (nach Wigger, M. Jbb. L, S. 241, zwischen dem 14. März und dem 16. November 1354). - Die ersten Malchiner Verhandlungen können wohl, ebenso wie die letzten, nur mit der Witwe Agnes stattgefunden haben.
(  ...  ) können. Das erste geschah jedoch nicht, und daß vom letzten keine Rede war, geht aus der Erklärung der Fürstin hervor, es sollten, wenn das Land an ihre Töchter falle, diese edder wy ere vormunder den is ihr 3000 löth. M zahlen. Da nun Barnim von Stettin dem Herzoge versprach, dat wy em scolen helpen tů der vormunderscap, di he anghetastet heft unde antasten scal na unseme rade (XIII, 8125 B), so war die Vormundschaft offenbar in der Hand eines Dritten, der wohl nur Nikolaus von Güstrow sein kann. Ob es Albrecht überhaupt gelang, sich für eine Zeit die Vormundschaft anzueignen (Rugenstein S. 76), ist mindestens zweifelhaft.
17) Stichert, Nikolaus II. von Werle, Progr. der Gr. Stadtschule zu Rostock 1891 (S. 7).
18) Eben daraus, daß Albrecht jetzt zu Barnims Gunsten dem Anfallsrecht auf Stavenhagen entsagte, geht hervor, daß er den Erbvertrag von 1348 noch als gültig betrachtete.
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zessinnen aussteuern, den Rest aber selber in Besitz nehmen 19 ). In dieser Bestimmung waren die Absichten des Herzogs ausgesprochen. Er und Barnim wollten sich gegenseitig in die Hände arbeiten, wenn nötig, mit den Waffen unterstützen.

Wenn auch dieser Vertrag mit dem Pommernherzoge geheim gehalten wurde, schon die Abmachungen, die Albrecht mit der Witwe Nikolaus' IV. getroffen hatte, konnten die Fürsten von Güstrow und Waren nicht ruhig mitansehen; auch war es natürlich, daß Nikolaus III. sich die Vormundschaft nicht ohne weiteres nehmen ließ. Leider erfahren wir wenig von dem Verlaufe des Zwistes, doch ist sicher, daß Albrecht schließlich zurückwich. Noch vor dem Frühling des nächsten Jahres versöhnte er sich mit den Werlern. Er gab die geplante Ehe auf; am 8. März 1356 verlobte er zu Sternberg seinen Sohn Magnus, der eine der Goldberger Schwestern hatte heiraten sollen, mit Katharina, der Tochter Nikolaus' III. 20 ). Und am 7. Juni, wieder in Sternberg, schlossen er und sein Bruder ein ewiges Friedens=, Hilfs= und Landfriedensbündnis mit den Fürsten von Güstrow und Waren, die den jungen Johann von Goldberg und seine Schwestern in den Vertrag mit aufnahmen 21 ). Die Vormundschaft über die Kinder Nikolaus' IV. führte nach wie vor der Güstrower 22 ); also auch auf dieses Amt hatte Albrecht verzichtet. Nikolaus III. und sein Bruder hatten die Witwe Agnes für sich gewonnen. Sie ließen die Bestimmung, daß das Erbrecht auf Goldberg den Töchtern der Fürstin zustehen sollte, unangefochten; doch sorgten sie dafür, daß ihre Söhne Lorenz und Johann mit den Prinzessinnen verlobt wurden, und sicherten ihrem Hause auf diese Weise den Anfall 23 ).

Es ist schwer zu sagen, aus welchem Grunde der Herzog so völlig nachgab. Wurde sein Abkommen mit Barnim von Stettin


19) . . . . . unde van den andern landen (ane dat lant tůme Stophenhagen) scal unse vorbenůmede oym hertoghe Albrecht di iuncvrowen, iuncheren Hennighes sustere[n], beraden na unseme rade, unde wy scolen em unde sinen erven den helpen tů den andern landen, des besten, des wy konen unde moghen; XIII, 8125 B. Rugenstein (S. 75) faßt die Stelle nicht richtig auf; beraden ist gleich "aussteuern" (die Erbtöchter beim Übergänge des Landes an Seitenverwandte), XVII, Wort= und Sachregister S. 327.
20) XIV, 8202.
21) XIV, 8234.
22) S. oben S. 91 Anm. 16.
23) Rugenstein S. 78 f. -
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bekannt, so daß die Witwe Nikolaus' IV. und ihr Anhang sich von Albrecht abwandten? Hatten die Werler mächtige Bundesgenossen gewonnen? Möglich auch, daß die nordischen Angelegenheiten den Herzog bewogen, seine Goldberger Pläne fallen zu lassen.

 


9.

Albrechts nordische Politik von 1350-1360.

Der Kampf um die Grafschaft Schwerin und deren Erwerbung 1 ).

Wie einst Erich Menved den Fürsten Heinrich, so hatte Waldemar Atterdag Albrecht als dänischen Feldhauptmann benutzen wollen. Kurz nach seiner Wahl hatte er sich mit dem Herzoge verbündet 2 ), ebenso später, nach dem Kriege zur Zeit des falschen Waldemar, nachdem beide zum ersten Male die Waffen gekreuzt hatten. Im Lübecker Frieden vom 8. Mai 1350 war es zu einem Bündnisse gekommen; doch hatte Albrecht sich damals vorbehalten, bei Streitigkeiten des Königs mit Magnus von Schweden oder mit den Holsteinern - und das waren die Hauptgegner des Dänen - zu vermitteln oder als von Waldemar ernannter Schiedsrichter aufzutreten 3 ). Offenbar schwankte der Herzog noch, ob es richtig sei, sich der dänischen Partei zuzuwenden. Dann starb die dem Sohne Albrechts, dem jungen Heinrich, verlobte dänische Prinzessin Margareta, und es wurde in Taarnborg auf Seeland am 23. Oktober 1350 nunmehr ihre Schwester Ingeborg mit Heinrich verlobt. Zugleich schloß Albrecht mit Waldemar Atterdag ein fast uneingeschränktes Bündnis; es sollte sich gegen jedermann, nur nicht gegen den Römischen König in Böhmen und jenseits des Thüringer Waldes 4 ) richten. Der Herzog erklärte sich bereit, seinem Freunde und dessen Erben zum Besitze aller Lande zu verhelfen, die einst in der Hand Erich Menveds und König Christophs gewesen seien 5 ). Es war also


1) Die Belege für Kapitel 9 sind, soweit sie nicht in den Fußnoten angegeben, in Anlage 5 zu suchen.
2) S. oben S. 39.
3) X, 7076.
4) Diese räumliche Einschränkung ist von Interesse.
5) X, 7130; Reinhardt S. 189.
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nicht die Absicht des Vertrages, daß die alte waldemarische, von Erich Menved wieder aufgenommene deutsche Politik von neuem verfolgt werden sollte. Denn Erich - von Christoph ganz abgesehen - hatte von deutschen Landen nur Rostock wirklich in Besitz gehabt, und dieses sollte - so wurde Albrecht im Vertrage zugesichert - in der Hand der Mecklenburger bleiben. Jene Politik würde, zumal da die Holsteiner dem Könige noch gewachsen waren, aussichtslos gewesen sein, und Albrecht durfte sie niemals unterstützen, wollte er nicht die eben erst gewonnene Reichsstandschaft wieder aufgeben.

Von den Gebieten, die Erich besessen hatte, war neben anderen Schonen noch nicht in Waldemars Hand. Das Bündnis wandte sich also auch gegen König Magnus. Gerade gegen diesen war ein Vertrag gerichtet, den Albrecht und Waldemar elf Tage später, am 3. November, in Kopenhagen miteinander schlossen. Danach versprach der König, dem jungen Herzoge Heinrich 10000 M löth. Silbers zu zahlen, wenn er durch die Hilfe seines Vaters Helsingborg, die wichtigste Feste Schonens, gewönne. Sei das Geld nicht binnen eines halben Jahres, nachdem das Schloß in Waldemars Hände gekommen sei, entrichtet, so sollte Laaland dafür verpfändet werden 6 ).

In Schweden blieb der feindliche Plan des dänischen Königs augenscheinlich nicht verborgen. In den ersten Monaten des Jahres 1351 - Magnus war auf einem Feldzuge gegen die Russen begriffen - erwartete man dort den Krieg mit Dänemark 7 ). Aber Waldemar wurde durch den Kampf gegen die Holsteiner festgehalten, während Albrecht mit den Grafen von Schwerin und Tecklenburg und hernach mit den Herzögen von Pommern=Wolgast in Fehde lag 8 ).

Albrecht und Waldemar sahen sich ähnlich in ihren Charaktereigenschaften und Fähigkeiten 9 ), im Willen zur Macht, dem unerbittlichen Eigennutz, in der Elastizität des Geistes und der Tatkraft, die mit allen Mitteln ihre Ziele verfolgte. Sie paßten zusammen und fühlten sich einander verwandt. Gegenseitige Achtung hatte vielleicht ihr Bündnis gefördert, aufgebaut


6) X, 7132; Reinhardt S. 189 f.
7) Hildebrand, K. Magnus u. Schonen S. 209, Medeltiden S. 220 und 227.
8) S. oben Kap. 6 und 7.
9) Die Ähnlichkeit ihrer Naturen ist von Erslev, Danmarks Riges Historie II, 1 richtig betont worden.
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aber war es nicht auf solcher Empfindung, sondern auf dem Nutzen, den sie dabei fanden. Von Unterordnung Albrechts unter Waldemar war ja keine Rede. Durch den Gegensatz der Interessen in der Barther Sache erschien das Bündnis von vorneherein etwas brüchig, und die Entscheidung, die Waldemar hier schließlich fällte, ließ die Freundschaft sofort erkalten.

Alsbald besserten sich Albrechts Beziehungen zur dänenfeindlichen Partei. Bei der mecklenburgischen Landesteilung von 1352 findet sich Heinrich von Holstein, der um diese Zeit mit Magnus befreundet war und ihn auf dem Feldzuge gegen die Russen begleitet hatte 10 ), als Zeuge 11 ). Das Verhältnis zwischen Magnus und Albrecht hatte natürlich durch dessen Anschluß an Waldemar Atterdag gelitten, wenn auch der Schwedenkönig vielleicht über die Verträge von Taarnborg und Kopenhagen nicht genauer unterrichtet war. Augenscheinlich aber lag Magnus daran, den Herzog zu sich herüberzuziehen. Wohl auf jener Helsingborger Versammlung von 1352, wo er mit Albrecht und Waldemar zusammentraf 12 ), suchte er sich ihm zu nähern. In dem Streite, der ihn um diese Zeit mit den Seestädten entzweite, bestellte er den Herzog zum Vermittler. Zusammen mit schwedischen Räten und Lehnsmannen schloß Albrecht - vor dem 9. August 1352 - für den König einen Waffenstillstand mit Lübeck bis Pfingsten 1353 13 ), den er dann bis zum 2. Februar 1354 verlängerte (vor dem 18. Mai 1353) 14 ). Im Dezember 1353 wurde er von neuem beauftragt; gemeinsam mit Heinrich von Holstein wurde er bevollmächtigt, über den Frieden oder einen weiteren Stillstand mit Lübeck zu verhandeln 15 ). Er verlängerte darauf die Waffenruhe bis zum 11. November 1354 16 ). Auch mit Rostock, Wismar und Stralsund sollte der Herzog im Namen des Königs in Verbindung treten 17 ).


10) Hildebrand, Medeltiden S. 227.
11) S. oben S. 87.
12) S. oben S. 82.
13) XIII, 7638 (Magnus bestätigt den abgeschlossenen Waffenstillstand, 9. August 1352). Styffe I, S. XIX, f. hier auch über die im Folgenden berichtete weitere Vermittlungstätigkeit Albrechts. Grandinson a. a. O. S. 51.
14) XIII, 7777 (Bestätigung des Königs vom 18. Mai 1353).
15) XIII, 7855 (15. Dezember 1353). Grandinson a. a. 0. S. 52, Anm. 4.
16) Styffe S. XIX.
17) XIII, 7858 (Vollmacht des Königs für Albrecht vom 18. Dezember 1353). Styffe a. a. O. Grandinson a. a. O.
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Er hatte das Vermittleramt anfangs übernommen, ohne daß er sich von Waldemar getrennt hätte, - es bestand ja keine offene Feindschaft zwischen den beiden Königen. Als aber Waldemar den Streit um Barth in einer für Albrecht so unerwünschten Weise entschieden hatte, wechselte der Herzog seine Stellung. Das Verhältnis zwischen ihm und Magnus wurde zusehends besser. Im März 1354 gab ein Beamter Albrechts einem Wismarer Ratsherrn Geld zur Einlösung der verpfändeten schwedischen Krone 18 ). Im Frühling desselben Jahres schickte der Herzog mehrmals, zuletzt im Juni, Gesandte zu seinem Schwager nach Norden 19 ). Und am 9. August 1354 trat er zu Bohus in den Dienst des Königs, der ihm dafür jährlich 200 M reinen Silbers zu zahlen versprach. Albrecht leistete ihm den Treueid. Auch für die Nachkommen der beiden Schwäger sollte der Vertrag gelten 20 ). - Im September verlängerten Albrecht und der Lübecker Rat den Waffenstillstand zwischen dem Könige und der Stadt noch einmal bis zum 11. November 1355 21 ).

Waldemar Atterdag täuschte sich nicht über die veränderte Gesinnung des Herzogs. Noch im Jahre 1354, gleich nachdem er - um Michaelis - eine Zusammenkunft mit Magnus in Helsingborg gehabt hatte, ließ er seine Tochter Ingeborg, die seit ihrer Verlobung mit Heinrich am mecklenburgischen Hofe in


18) S. die Kostenrechnung XIII, S. 521. Demselben Beamten wurde in Lübeck im Namen des Schwedenkönigs Geld gezahlt, ebd. S. 534.
19) Zwischen dem 26. März und dem 2. April wurde Heinrich Stenhagen von Albrecht nach Schweden geschickt, s. die Kostenrechnung XIII, S. 521. Ebd. S. 530 f.: Bertramo Kulen et Veregden, cum ultimo transfretaverunt Schaniam, et hoc in vigilia corporis Christi (11. Juni).
20) XIII, 7976. Styffe S. XX f. In der Kostenrechnung (1354) XIII, S. 529 heißt es: per dominum Helsingborg, cum ibi ultimo fuit, vgl. auch S. 532: ante transfretationem und S. 535: post reditum de Schania. Die Zeit läßt sich nicht genauer bestimmen. Einmal war Albrecht vielleicht in Helsingborg, als er nach Bohus reiste. Welcher Aufenthalt dort in der Rechnung sonst noch gemeint ist, ist nicht festzustellen. Möglicherweise war der Herzog um Michaelis 1354 in Helsingborg, wo damals eine Zusammenkunft zwischen Magnus und Waldemar stattfand (Seeländ. Chr., Langebek VI, S. 528; Reinhardt S. 229), doch könnte er auch zugegen gewesen sein, als Magnus im Dezember 1353 in Helsingborg für ihn die Vollmachten zur Verhandlung mit den Städten ausstellte (XIII, 7858, f. oben S. 96). - Die Kriegszüge, von denen in der Kostenrechnung die Rede ist, sind gegen Raubschlösser gerichtet (vgl. oben S. 28 f.).
21) XIII, 7979 (Albrechts Urkunde, Wismar, 5. September) und XIII, 7981 (Lübecker Urkunde, ohne Ort, 8. September). Grandinson S. 52 Anm. 4.
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Wismar erzogen wurde, "feierlich" zurückholen 22 ). Es ist dies immerhin ein Zeichen dafür, daß sich das Verhältnis zwischen ihm und Albrecht zugespitzt hatte. ImFrühling 1356 traf der Herzog den König auf einem Turnier in Kiel und mahnte ihn an etwas; wir wissen nicht, um was es sich handelte. Auch die Holsteiner Grafen stellten Waldemar hier zur Rede 23 ). Albrecht schied in Feindschaft von dem Könige. ImAugust begegnete er ihm in Lübeck, wo ein von vielen norddeutschen Fürsten besuchter Kongreß stattfand. Es soll hier ein allgemeiner Landfriede vereinbart worden sein. -

Auch die Freundschaft zwischen Magnus und Albrecht war nicht von Bestand. Innere Wirren in Schweden zerstörten sie. Seit dem Jahre 1353 machte der König ernstliche Anstrengungen, die übermächtige Stellung der schwedischen Großen, die seit langem ihren Einfluß zum Schaden des Königtums zu erweitern suchten, zu brechen und zugleich, um sich aus drückender Geldnot zu befreien, die Freiheiten der Großen einzuschränken. Er wollte diese Vorsätze durchführen in Gemeinschaft mit Bengt Algotsson, den er zum Herzog von Finnland und Halland erhob und zum Statthalter von Schonen machte; es war ein Mann aus vornehmem Geschlechte, rücksichtslos, aber seinem Könige treu ergeben 24 ). Ein festes monarchisches Regiment sollte aufgerichtet werden, und Magnus ging daran, das oberste Reichsamt, das des Drosten, der dem Könige leicht gefährlich werden konnte, aufzuheben. Diese antiaristokratischen Bestrebungen mußten Magnus den Beifall der durch den Adel herabgedrückten niederen Stände gewinnen. In den Kreisen des Adels riefen sie natürlich Widerstand hervor. Es bildete sich eine aristokratische Partei, der Nikolaus Turesson, der bisher das Amt des Drosten ausgeübt hatte, Bengt Filipsson, Bo Jonsson, Karl Ulfsson, Erich Karlsson, Erengisle Sunesson, der Bischof Nikolaus von Linköping und andere angehörten. Ihnen stellte sich Erich, der ältere Sohn des Königs,


22) Seeländ. Chr., Langebek VI, S. 528; Reinhardt S. 230. Über die Helsingborger Verhandlungen zwischen Magnus und Waldemar wissen wir nichts Näheres, s. Reinhardt S. 229. - In der Kostenrechnung XIII, S. 527 findet sich die Notiz: . . Wilkino Manduvel, cum debuisset transfretasse versus Daciam (vgl. ebd. S. 525).
23) Den Grund kennen wir nicht. Hernach, am 22. Mai, verhandelte Waldemar in Kolding mit den Holsteinern und jütischen Adligen (Reinhardt S. 235).
24) Hildebrand S. 228 ff. Vgl. hier auch über das Folgende.
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an die Seite. Sein jüngerer Bruder Hakon war schon 1343 zum Nachfolger in Norwegen bestimmt worden, wo er 1355 die Regierung antrat 25 ). Erich fühlte sich hierdurch zurückgesetzt. Er sollte Nachfolger in dem Wahlreiche Schweden werden, hatte jedoch keinen Anteil an der Regierung und mußte sehen, daß Bengt Algotsson ihm vorgezogen wurde. So wurde er das Haupt der Unzufriedenen. Er entschloß sich zu einem Aufstande, der sich gegen Herzog Bengt, aber damit auch gegen Magnus richtete. ImHerbste 1356 rückte der Prinz in Schonen und Halland ein und belagerte Warberg in Nordhalland.

In seinem Lager befand sich Herzog Albrecht. Wie weit er an der Erregung des Aufstandes beteiligt war, seit wann er mit seinem Neffen verhandelte, wissen wir nicht. Er unterstützte Erich mit Truppen, auch veranlaßte er Adolf von Holstein, in den Dienst des Prinzen zu treten 26 ). Seinen Beistand ließ der Herzog teuer erkaufen. Am 27. Dezember, bei Warberg, verlieh ihm Erich die Schlösser Skanör und Falsterbo mit Fullsoken auf zwölf Jahre. Albrecht sollte dort alle Rechte ausüben und alle Einkünfte mit Ausnahme des Abfalls vom Heringe für sich einziehen. Am selben Tage verlieh Erich - er nannte sich in beiden Urkunden König der Schweden und Goten und Herr des Landes Schonen - den Söhnen des Herzogs, Heinrich und Albrecht, das Herzogtum Südhalland mit den beiden dazugehörigen schonischen Harden Berge und Nörre=?sbo als erbliches schwedisches Kronlehn, behielt sich jedoch den Rückkauf vor 27 ). Mit dreißig Mannen sollten die Mecklenburger den Lehnsdienst leisten. Es waren die Gebiete, die einst Knut Porse und dann dessen Söhne, die inzwischen gestorben waren, besessen hatten. - So faßte das mecklenburgische Haus in Schweden festen Fuß.

Aber Erich war ein Empörer. Es bedurfte erst einer Auseinandersetzung mit Magnus, bevor die den Mecklenburgern ausgestellten Urkunden rechtliche Gültigkeit erlangten. Es scheint nicht, daß der Aufruhr viel Widerstand fand. Bengt Algotsson war entflohen, und Magnus mußte sich im Januar 1357 bequemen, seinen Zwist mit Erich der Entscheidung Albrechts und Adolfs von Holstein anheimzugeben, der Bundesgenossen seines Sohnes;


25) Hildebrand S. 206 f., 230.
26) Über Adolf Von Holstein vgl. XIII, 8163; Styffe S. XXII f.
27) Auch sollten die beiden Herzöge damit zufrieden sein, wenn Erich ihnen andere, ebenso gute Lande anstatt der verliehenen anweisen würde.
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es ist das ein Zeichen dafür, daß er hilflos unterlegen war. Am 28. April wurde in Jönköping der Spruch der beiden Schiedsrichter verkündet, der natürlich für Erich vorteilhaft ausfiel. Magnus sollte seinem Sohne den südöstlichen Teil Schwedens mit Schonen und Südhalland und dazu Finnland überlassen. Drei Tage später wies er Herzog Albrecht eine dreijährige Rente von 4000 M schwedischer Pfennige an. - Am 24. Mai verpflichtete sich Erich, den Lehnbrief für Albrechts Söhne zum 6. Oktober zu überliefern; die Urkunde sollte dann mit den Siegeln aller Zeugen, die zum Teil noch fehlten, versehen, und es sollte Erichs Sekret durch das große Siegel ersetzt sein 28 ).

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Waldemar Atterdag hatte die Entwicklung der Wirren in dem Nachbarreiche mit Spannung beobachtet. Erich stand zu ihm in verwandtschaftlicher Beziehung, da er kürzlich eine Nichte des Königs, Beatrix, die Tochter des Markgrafen Ludwig, geheiratet hatte 29 ). Vor dem Aufstande war er in Dänemark gewesen, wohl, um Waldemars Beistand zu gewinnen. Der König aber wollte sich augenscheinlich vergewissern, ob nicht Magnus ihm mehr bieten würde. Er schickte einen Gesandten zu diesem, der jedoch von Erich aufgefangen ward 30 ). Waldemar sah in dem Zwist zwischen Vater und Sohn eine Gelegenheit, Schonen, die reiche Provinz mit dem frisch pulsierenden wirtschaftlichen Leben, deren Verlust er so schmerzlich empfand, zurückzuerwerben. Im Frühling 1357 aber geriet er in einen Krieg mit allen drei Holsteiner Grafen und aufsässigen Jüten 31 ).

Daß Magnus mit seiner Lage nicht zufrieden war, ist natürlich. Wenn Waldemar seine Fehde beendet hatte, dann konnte es leicht sein, daß Magnus in ihm einen freilich nicht uneigennützigen Helfer fand. Albrecht und Erich erkannten die Gefahr, die ihnen in einem Bunde zwischen den beiden Königen drohte. Sie wollten ihr zuvorkommen und beschlossen, den Gegnern Wal=


28) sigillum nostrum auctenticum, cum eius usum habuerimus. Der Lehnbrief befindet sich im Schweriner Archive. Nach der Note zu dem Abdruck XIII, 8164 ist anzunehmen, daß er gehörig besiegelt war. Erichs Siegel fehlt allerdings, ist aber wohl abgefallen.
29) Reinhardt S. 232; Hitdebrand S. 238.
30) Langebek VI, S. 530; vgl. Reinhardt S. 234; Hildebrand S. 238.
31) Reinhardt S. 237 ff.
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demars beizutreten, in der Hoffnung, daß der König durch die Koalition, die ihm dann gegenüberstand, geschlagen würde, so daß er hernach nicht daran denken konnte, Magnus zu unterstützen. Am 6. September 1357 kam es in Doberan zu einem Bündnisse zwischen Erich und den Holsteiner Grafen gegen Waldemar, Bengt Algotsson, der in Dänemark eine Zuflucht gefunden hatte, und deren Helfer. Auch Albrecht nahm an dem Bunde teil. Seine und Erichs Kriegserklärung ging dem Könige allerdings erst am 9. Januar 1358 zu.

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Wie der Feldzug gegen Waldemar im Jahre 1349, so verwob sich auch dieser für Albrecht mit einem Kriege gegen Schwerin. Mit seinem Schwiegersohne, dem Grafen Otto, hatte der Herzog zuletzt in Frieden gelebt. Im Dezember 1354 waren er und Barnim von Pommern=Stettin zu Schiedsrichtern über die Streitigkeiten ernannt worden, die Otto mit dem Markgrafen Ludwig dem Römer, der jetzt in Brandenburg regierte, um Perleberg, Marnitz, Neustadt und Stavenow führte 32 ). Erst im übernächsten Jahre jedoch war es Albrecht - ohne Barnims Hilfe - gelungen, den Zwist aus der Welt zu schaffen; Otto verzichtete auf Perleberg und nahm die übrigen Besitzungen nebst einer jährlichen Rente von 125 M Silber vom Markgrafen zu Lehn 33 ). Bald darauf starb Otto. In seiner letzten Lebenszeit war sein Bruder Nikolaus von Tecklenburg in der Grafschaft gewesen und hatte an den Regierungsgeschäften teilgenommen 34 ). Nikolaus und sein Sohn Otto traten nun das Erbe an.

Albrecht aber wollte das Land, das sich in die Herrschaft Mecklenburg hineinschob, erwerben. Ein Anrecht auf irgend welche Teile der Grafschaft hatte er seit dem Wismarer Vertrage vom Oktober 1352, soweit sich beurteilen läßt, nicht mehr; doch suchte er sich jetzt einen Rechtstitel auf das ganze Land zu verschaffen. Er wandte sich an seinen Oheim Rudolf von Sachsen=Wittenberg; und dieser erklärte - es war am 28. Juli 1357 zu Sandow im Havelbergischen -, die Grafschaft sei wittenbergisches Lehn, eine Behauptung, bei der er sich besonders auf die Kurwürde berief, die Karl IV. kürzlich der wittenbergischen Linie des sächsischen Hauses zugewiesen hatte. Das Lehn sei nach dem


32) XIII, 8018.
33) XIV, 8235 und 8261 f.
34) XIV, 8263 und 8265 (30. September und 9. Oktober 1356).
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Tode der Grafen Heinrich, Nikolaus und Otto, die ohne männliche Erben gestorben seien, anheimgefallen. Rudolf belehnte nun für sich und seine Erben die beiden jüngsten Söhne Albrechts, Albrecht und Magnus, und den alten Herzog selbst als deren Vormund mit der Grafschaft, dazu mit Crivitz und Boizenburg, die ja schon in mecklenburgischer Hand waren. Auch gebot er den Mannen, Burgmannen und Städten des Landes, den jungen Herzögen und zu ihrer Hand ihrem Vater zu huldigen 35 ).

Albrecht selber hatte früher die Lehnsherrschaft der lauenburgischen Linie als berechtigt anerkannt 36 ) und setzte sich also nun in Gegensatz zu den Herzögen dieses Zweiges des sächsischen Hauses. Es handelte sich für ihn in diesem Streite nicht eigentlich um eine Rechts=, sondern um eine Machtfrage.

Die Tecklenburger hatten augenscheinlich vorausgesehen, daß ihnen von Albrecht Gefahr drohe. Schon am 10. Juli 1356, noch vor Ottos Tode, hatten sie mit Erich von Lauenburg und dessen gleichnamigem Sohne ein Bündnis geschlossen 37 ). Am 15. August 1357 verbündete sich Albrecht mit dem Herzoge Wilhelm von Lüneburg gegen die Tecklenburger und die Lauenburger; die Eroberungen, die man in der Grafschaft machen würde, sollten an Albrecht, die in Lauenburg an Wilhelm fallen. Am 27. Juli traten die Herren von Preen und die von Pentz für den Feldzug in Albrechts Dienst. Zwischen Erich von Lauenburg und Albrecht sowie dem Herzoge Johann von Mecklenburg, der seinen Bruder unterstützte, wurde am 19. November ein kurzer Waffenstillstand (bis zum 24. November) vereinbart. Erich hatte nicht nur als Bundesgenosse der Tecklenburger und Verteidiger der lauenburgischen Oberhoheit über Schwerin, sondern auch als Freund des Dänenkönigs die Waffen gegen Herzog Albrecht erhoben.

Mitte Januar des nächsten Jahres (1358) war dieser in Prag bei Karl IV. Es hatte zwischen ihm und dem Luxemburger eine Zwistigkeit gegeben, über die nichts Näheres bekannt ist. Barnim von Pommern=Stettin und auf dessen Veranlassung Bogislav V. von Wolgast und der Bischof von Kammin hatten sich auf die Seite Karls gestellt und Albrecht gegenüber eine drohende Haltung eingenommen. Daß auch der Dänenkönig sich


35) Vgl. Rische, Grafschaft Schwerin S. 54.
36) S. oben S. 76; Rische S. 55.
37) XIV, 8247.
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ihnen anschloß, war kein Wunder. Besorgt war Albrecht nach Prag geeilt, wo er sich mit dem Luxemburger ausgesöhnt haben mag 38 ).

Von Ende Januar bis Ende Juli leitete er den Kampf um die Grafschaft Schwerin. Mechthild, die Witwe Ottos, hatte er gefangen nehmen lassen 39 ). Als Stützpunkte für den Kampf wurden die Schlösser Rlate und Redefin errichtet 40 ). Wie 1351, so belagerte Albrecht auch jetzt wieder Schwerin. Der Stadt gegenüber entstand vor dem 6. April 41 ) eine Befestigung namens Neu=Schwerin. Achtunddreißig Mannen wurden hier einquartiert 42 ). Eine gange Stadt, sagt Detmar, sei es gewesen. Nirgends sollten die Belagerten einen Ausweg finden; aber sie waren "zu behende". Heimlich fielen sie in das Herzogtum ein, legten Feuer an und machten Gefangene, wobei freilich auch von ihnen mitunter einige ergriffen wurden. Zuweilen verkleideten sie sich, kamen als Landleute und Weiber mit Hühnern, Eiern und Butter ins feindliche Lager und verbrannten dann wohl die Befestigungswerke. Auch stellten sie sich, als ob sie Fischer seien, und fischten mitunter Leute für Fische 43 ). - Die Rostocker schickten dem Herzog eine Belagerungsmaschine 44 ). Wiederholt finden sich Gesandte der Stadt um diese Zeit bei ihm. Vor dem 3. Juni nahmen die Mecklenburger die Schelfburg ein und freuten sich der dort erbeuteten Fleischvorräte 45 ). Im Juni lag Albrecht vor Neustadt, auch Lassan wurde damals belagert 46 ).

Viel machte Erich von Lauenburg dem Herzoge zu schaffen. Am 24. August eroberte er Plau 47 ), das Bernhard und Nikolaus III. von Werle 1356 an Albrecht verpfändet hatten 48 ). Im September griff er Proviantwagen der Mecklenburger auf 49 ).


38) Vgl. XIV, 8476. Über diesen Streit habe ich nicht ins Klare kommen können.
39) Vgl. XIV, 8476.
40) XIV, S. 365.
41) XIV, S. 265. Hieraus ist nicht, wie Lisch (M. Jbb. XVII; S. 115) will, zu schließen, daß die Belagerung Schwerins am 6. April begann. Am 27. März schon lag Albrecht vor Schwerin; s. Anlage 5.
42) XIV, S. 280.
43) Detmar § 688.
44) XIV, S. 363.
45) XIV, S. 268.
46) XIV, 8494.
47) Detmar § 702.
48) XIV, 8242 f.
49) XIV, S. 276.
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An seiner Seite beteiligten sich seine Vettern Erich und Albrecht von Sachsen=Mölln und Bergedorf am Kriege. Augenscheinlich wollte der Lauenburger Albrecht davon abhalten, nach Norden gegen Waldemar Atterdag zu ziehen. Das gelang freilich nicht.

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Der Dänenkönig hatte im Frühjahr den Grafen von Delmenhorst zu Barnim von Pommern=Stettin gesandt und ihn bitten lassen, sich im Namen Waldemars beim Kaiser über Albrecht zu beschweren. Barnim richtete daraus am 10. April einen Brief an Karl IV.: Der König beklage sich über den Mecklenburger, der sich durchaus nicht an seinen ihm geleisteten Lehnseid kehren wolle. Auch darüber, daß die Gräfin von Schwerin gefangen sei, wurde Beschwerde geführt; Albrecht wolle sie ihrer Leibgedinge berauben 50 ).

Am 2. Juli erschien eine dänische Flotte vor Wismar. Die Besatzung begann im Hafen zu plündern. Da aber sprang, nach dem Berichte der dänischen Chronik, der Wind um, so daß die Schiffe den Hafen nicht verlassen konnten. Die Wismarer warfen sich in ihre Ruderfahrzeuge und machten, immer durch Nachschub vom Lande verstärkt, Angriff auf Angriff. Als sie endlich Schiffe mit Holzwerk füllten und als Brander gegen die feindliche Flotte sandten, ergaben sich die "von allen vier Elementen" bekämpften Dänen. Vom Morgen bis zum Abend währte der Kampf. Der feindliche Admiral selber wurde gefangen, mit ihm, wie es heißt, 160 Gewappnete. Viele ertranken oder fielen. Dem Admiral gelang es zu entfliehen. Die Wismarer verherrlichten seine Gefangennahme durch eine Inschrift im Chor ihrer Dominikanerkirche 51 ).

Es war ein Glück für Albrecht, daß er von dem Schwager Waldemars, dem Markgrafen Ludwig dem Römer - dessen Bruder Otto, ebenfalls Markgraf, war noch unmündig -, nichts zu fürchten hatte. Sein Verhältnis zu Ludwig war seit 1350 einige Jahre hindurch gut geblieben. 1354 jedoch hatte es einen Streit gegeben. Im Dezember dieses Jahres hatte nämlich der Bischof von Havelberg Albrecht für den Schutz gegen mancherlei


50) XIV, 8476.
51) Seeländ. Chronik, Archiv für Staats= und Kirchengeschichte der Herzogtümer Schleswig, Holstein, Lauenburg II, S. 218 f; Korner II, § 838 (sec. chron. Obotritorum); XIV, 8496; Crull, M. Jbb. XLV, S. 31. Vgl. Reinhardt S. 244 f.
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Angriffe die Oberhoheit über die Herrschaft Putlitz zu Lehn gegeben 52 ), auf die auch der Markgraf Anspruch machte. Otto Gans von Putlitz erkannte damals die mecklenburgische Oberhoheit an 53 ). Sehr ernst scheint dieser Streit mit dem Wittelsbacher allerdings nicht gewesen zu sein; noch 1356 vermittelte Albrecht zwischen ihm und dem Grafen Otto von Schwerin 54 ), und erst im Juli des nächsten Jahres legte er seinen eigenen Zwist mit dem Markgrafen bei. Er kam mit Ludwig überein, daß dieser Ingeborg, die seinem Bruder Otto verlobte Tochter Albrechts 55 ), selber heiraten solle; zugleich wurde die Putlitzer Sache einem Schiedsgerichte übertragen. - Der Herzog behielt dann die Lehnsherrschaft 56 ).-

Am 26. Juli 1358 war er bei Tribsees und versöhnte den Markgrafen mit den Herzögen von Pommern=Wolgast, ein Zeichen, daß die beteiligten Fürsten in dem bestehenden Kriege nicht gegen ihn Partei ergriffen hatten. Barnim von Wolgast begleitete ihn sogar auf den nordischen Kriegsschauplatz.

Eben um die Zeit, wo er sich in der Gegend von Tribsees aufhielt, schickte Albrecht eine Truppenabteilung nach Dänemark. In der zweiten Woche des Augusts begab er sich über Neustadt in Holstein mit den Holsteiner Grafen nach Fehmarn. Diese Insel hatte Waldemar dem Grafen Johann entrissen 57 ), und die Verbündeten machten nun einen vergeblichen Versuch, sie zurückzuerobern 58 ). Dann ging es weiter nach Schonen. Albrecht wollte von hier aus Seeland angreifen, soll jedoch diesen Plan aufgegeben haben, nachdem er vernommen, daß Waldemar ihn stark gerüstet erwarte. Dann setzte der König nach Schonen über. Er stand bei Helsingborg, als - im September - der junge Herzog Heinrich seinem Vater nachsegelte. Um diese Zeit aber, zwischen dem 24. August und dem 21. September, verlor Albrecht ein Treffen gegen Erich von Lauenburg, das nach Detmar auf dem Yellande stattfand. Ungefähr 150 Ritter und


52) XIII, 8019.
53) XIII, 8010.
54) S. oben S. 101.
55) XIV, 8368.
56) 1361 noch erkannten die Putlitz Albrecht als Lehnsherrn an, und die Stadt Putlitz verschrieb ihm das Öffnungsrecht, XV, 8827 und 8829 - 1438 traten die Edlen von Putlitz zum Bischofe zurück, Riedel, Codex I, 1 S. 279.
57) Reinhardt S. 243.
58) Vgl. Reinhardt S. 246.
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Knappen sollen ihm abgefangen sein. Was unter dem Yellande zu verstehen ist, ist zweifelhaft, vielleicht die Ebene zwischen Krakow und Goldberg. Dann müßte die Schlacht in Albrechts Abwesenheit ausgefochten sein, da der Herzog im Norden war. Er fuhr mit seinem Sohne von Schonen nach Seeland, landete bei Kopenhagen und ritt nach Köge. Wahrscheinlich wollte er mit Waldemar unterhandeln. Jedenfalls schickte er, nachdem er es aufgegeben hatte, den Krieg nach Seeland hinüberzutragen, Barnim von Wolgast an den König ab. Wenn das Treffen gegen den Lauenburger vorher stattfand, so könnten wohl die in ihm erlittenen Verluste Albrecht veranlaßt haben, den Frieden zu suchen. Herzog Barnim trat als Friedensvermittler auf und brachte einen Waffenstillstand zustande, der wohl in Helsingborg abgeschlossen wurde; dort übernahm Barnim zugleich die Entscheidung zwischen dem Könige und den Holsteinern (zwischen Ende September und Mitte Oktober 1358). Der endgültige Friede sollte auf einer nach Stralsund anberaumten Versammlung geschlossen werden. Diese fand dort gegen Ende des Oktobers statt. Von den in Stralsund zwischen Albrecht und Waldemar getroffenen Abmachungen wissen wir nur das eine, daß eine neue Vereinbarung über die Gefangenen, die Barnim vorher freigesprochen hatte, zustande kam. -

Zwischen Albrecht und Erich von Sachsen vermittelte der Dänenkönig; Erich sollte das von ihm eroberte Plau herausgeben und dafür Gadebusch oder Boizenburg erhalten. Dies wurde jedoch nicht durchgeführt, vielleicht weil sich Erichs Verbündete, seine Vettern von Mölln und Bergedorf und die Tecklenburger Grafen, widersetzten, die alle Anteil an Plau hatten. Zunächst gab nur Erich seinen Anteil heraus; er wird dafür irgendwie entschädigt worden sein. Ende November verhandelte er in Gadebusch mit Heinrich von Mecklenburg, dem Sohne Albrechts. Gleich darauf, kurz nach dem 25. November, traf Albrecht dort ein. Auch zwei Rostocker Ratsherren waren zugegen. Hier in Gadebusch kam offenbar die endgültige Sühne zwischen Erich und Herzog Albrecht zustande.

Möglich, daß die Verbündeten beider Parteien mit aufgenommen wurden; jedenfalls bestand zwischen den Verhandlungen in Gadebusch und dem gleich darauf erfolgenden Frieden Albrechts mit den Tecklenburgern irgend ein Zusammenhang. Am 1. Dezember schlossen der Herzog und seine Söhne in Schwerin Frieden, Bündnis und Erbverbrüderung mit den Grafen Niko=

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laus und Otto. Land und Stadt Schwerin leisteten den Herzögen am gleichen Tage die Erbhuldigung, ebenso Land und Stadt Wittenburg am 4. Dezember. Aber schon am 7. Dezember wurde in Plüschow eine ganz neue Vereinbarung getroffen: die Grafschaft wurde für 20000 M löth. Silbers an Albrecht und seinen ältesten Sohn verkauft 59 ). Gräfin Mechthild sollte ihre Leibgedinge behalten. Der Anteil der Tecklenburger an Plau wurde herausgegeben.

Die Kaufsumme für die Grafschaft war in vier Raten von je 5000 M zu zahlen. Nachdem die erste Rate entrichtet sei, sollten für die zweite Bürgen gestellt, für die beiden letzten Boizenburg verpfändet und ebenfalls Bürgen gestellt werden. Dann mußten die Tecklenburger die Grafschaft überliefern. - Die erste Rate wurde, freilich zehn Tage zu spät, am 27. März 1359 gezahlt. Nachdem auch die übrigen Bedingungen erfüllt waren, wurde die Grafschaft am 31. März übergeben 60 ). Albrecht verlegte bald darauf seine Residenz von Wismar nach Schwerin.

Nun aber begannen die Zahlungen zu stocken. Von der zweiten Rate, die am 6. Dezember 1359 entrichtet werden sollte, wurden nur 2850 M rechtzeitig erlegt, der Rest nach und nach in kleineren Beträgen, wovon der letzte am 25. Mai 1360 gezahlt wurde, bis auf 800 M entrichtet. Dieser Rest ward zweimal, zuletzt bis zum 5. November 1360, gestundet. Bei solcher Verschleppung der Zahlungen mußte es dem Grafen Nikolaus willkommen sein, wenn er durch einen wohlhabenden Dritten in seinen Ansprüchen befriedigt wurde, dem er dann natürlich das Pfandrecht auf Boizenburg abtreten mußte. Dieser Dritte nun fand sich in Lübeck. Mit sicherem Blicke erfaßte der Rat die günstige Gelegenheit. Gelang es ihm, Boizenburg an sich zu bringen, so hatte Lübeck damit bis zur Auszahlung des Restes der Kaufsumme für Schwerin, also höchst wahrscheinlich noch für längere Zeit, Einfluß auf die Elbschiffahrt gewonnen und den Boizenburger Elbzoll in seiner Hand.

So kalkulierte man an der Trave und verständigte sich dann mit dem Grafen. Der Pfarrer Werner Struve, der Bevollmächtigte des Tecklenburgers, der schon bei den Zahlungen des Kaufgeldes eine Rolle gespielt hatte, sollte Boizenburg übergeben. Er war zu diesem Zwecke in der Stadt zurückgeblieben, nachdem der


59) Vgl. Anlage 7.
60) Vgl. Anlage 7.
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gräfliche Burgmann mit den Seinen davongeritten war, und hatte den Rat bereits von der bevorstehenden Ankunft der Lübecker in Kenntnis gesetzt, als diese vor dem Tore erschienen. Sie mußten versichern, sich jeder Gewalttat gegen das Schloß zu enthalten, und wurden dann eingelassen. Während nun die Ratmänner ihren Richterpflichten nachgingen, überlieferte Struve Schloß und Turm den Fremden. Die Ratmänner von Boizenburg hatten nicht die Absicht, sich zu widersetzen. Nachdem ihnen die Urkunde vorgelegt und sie über die Sachlage unterrichtet worden waren, erklärten sie das Geschäft für rechtmäßig. Auf die Frage der Lübecker aber, ob ihnen irgendwelche heimliche und besondere Abmachungen bekannt seien, erwiderten sie, daß Boizenburg als offenes Schloß des Herzogs zu gelten habe. Diese Bestimmung, die sich übrigens in den Kaufverträgen nicht findet, war den Lübeckern unbekannt. Sie bemerkten, dann sei ihnen Boizenbnrg nicht zwei Pfennige wert, und zogen zurück, so daß sich Struve seine Urkunden wiedergeben ließ. Nachdem man dann noch vergeblich unterhandelt hatte, ritten die Lübecker davon 61 ).

Der Plan war gescheitert, doch brachte er Albrecht eine nicht unwillkommene Gelegenheit, die lästigen Verpflichtungen den Tecklenburgern gegenüber von sich abzuschütteln. Man scheint nämlich bei der Verabredung gar nicht berücksichtigt zu haben, daß der Herzog mit Lübeck in Fehde lag, weil die Bürger sich auf eigene Hand gegen räuberische mecklenburgische Vasallen - es handelte sich um einen Warenraub zwischen Hamburg und Oldesloe 62 ) - Recht verschafft und einige erschlagen hatten. Von Bedeutung wird die Fehde kaum gewesen sein. Es war zu Verhandlungen in Dassow gekommen 63 ) und auch wohl, durch Vermittlung Rostocks, zu einem Stillstand; jedenfalls wurde ein solcher am 19. April 1361, diesmal allerdings erst nach den Verhandlungen der Lübecker in Boizenburg, geschlossen 64 ). Und endlich, Mitte Juni, kam man überein, den Zwist durch den Erzbischof Fromhold von Riga schlichten zu lassen, der Lübeck eine


61) Vgl. den Bericht des Boizenburger Rates vom 2. April 1361, XV, 8858.
62) Vgl. HU. III, 537 (30. Oktober 1360) und Anm. 3 das.
63) Vgl. ebd.
64) XV, 8868 (Waffenruhe bis Pfingsten). Nach der Rostocker Kämmereirechnung vom 14. November 1360 bis 13. Februar 1361 waren zwei Rostocker Ratsherrn in Lübeck, um wegen eines Stillstandes zwischen Albrecht und Lübeck zu verhandeln (XlV, S. 661, HU. a. a. O.). Dieser Stillstand müßte, wenn er zustande kam, wohl schon vor dem 19. April 1361 geschlossen sein.
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Buße von 1000 M Lüb. in Gold auferlegte 65 ). - Wegen dieses Streites warf Albrecht dem Tecklenburger Verrat vor. Er erklärte, der Graf habe Boizenburg seinen Feinden ausliefern wollen, nahm die Pfandschaft an sich, verpfändete sie den Sukows und verweigerte hinfort jegliche Zahlung. Ein Prozeß, den Graf Nikolaus anstrengte, blieb ergebnislos. Der lübische Chronist aber, der den schönen Plan seiner Stadt hatte scheitern sehen, fand Worte ehrlicher Entrüstung 66 ).

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In dem Kriege, der im Norden getobt hatte, war Waldemar Atterdag trotz der großen Zahl seiner Gegner Sieger geblieben. Die Stellung des jungen Königs Erich war erschüttert. 1357 hatte er, nicht zufrieden mit seinem Anteil an Schweden, in das Gebiet des Vaters übergegriffen, und dieser hatte sich genötigt gesehen, ihm die Verwaltung fast ganz Svealands zu übertragen (November 1357) 67 ). Im März 1358 aber war Magnus im Besitze Helsingborgs. ImDezember erklärte er sich bereit, zwischen sich und Waldemar auf der einen, Erich auf der anderen Seite zu entscheiden. Würde Erich dem Spruche nachkommen, so sollte er Helsingborg zurückerhalten 68 ). Magnus also wollte in eigener Sache urteilen, ebenso wie Albrecht und Graf Adolf von Holstein im Jahre 1357; es muß bedenklich um Erich gestanden haben. Eine Aussöhnung wurde offenbar nicht herbeigeführt. Zu Beginn des Jahres 1359 waren Magnus und Blanka, seine Gattin, in Kopenhagen. Hier wurde Hakon von Norwegen, ihr jüngerer Sohn, mit Waldemars sechsjähriger Tochter Margareta verlobt. Zugleich wurde ein Bündnis gegen Erich geschlossen. Augenscheinlich wurde bestimmt, es sollten für den Fall, daß Magnus gegen die Kopenhagener Abmachungen verstoßen würde, Schonen samt Blekingen und Südhalland, die Lande östlich vom Sunde, die früher dänisch gewesen waren, an Waldemar fallen 69 ). Mit dessen Hilfe wollte Magnus Erich vernichten und seine alte Stellung in Schweden zurückgewinnen.


65) Vgl. XV, 8911-13, 8944 und 8957 (Albrecht bekennt, das ihm zugesprochene Geld empfangen zu haben, 3. November 1361).
66) Detmar § 688, vgl. Anlage 7.
67) Hildebrand S. 236.
68) Munch Vll, S. 654, Hildebrand S. 236.
69) Vgl. über diesen Vertrag Rydberg, Sverges Traktater med främmande Magter II, 339 und 350.
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Bald darauf fiel Waldemar in Schonen ein und unterwarf einen Teil des Landes für Magnus. Durch Mangel an Proviant wurde er jedoch zum Rückzuge genötigt. Erich hatte unterdessen ein Heer gesammelt, und es gelang ihm, sich noch einmal zum Herrn der Lage in Schweden zu machen. Im Mai oder Anfang Juni 1359 zwang er Magnus zu einem Vergleich 70 ), durch den wahrscheinlich die Kopenhagener Abmachungen aufgehoben wurden 71 ). So erlangte Waldemar Anspruch auf Schonen. Es galt, die Provinz gegen ihn zu verteidigen. Bald darauf starb Erich (21. Juni).

Albrecht hatte das Bündnis zwischen Magnus und Waldemar, die bedrängte Lage Erichs nur mit Sorgen betrachten können. Er hatte ja für Südhalland und seine schonischen Pfandschaften 72 ) zu fürchten. Sein Friede mit Dänemark, das mußte er sich sagen, war nur ein Waffenstillstand, solange Erichs und damit des mecklenburgischen Hauses Stellung im Norden durch Waldemar Atterdag bedroht blieb. Schon vor Erichs Tode hatte er von neuem gerüstet, um dem jungen Könige zu Hilfe zu kommen.

Wiederum fand er in den Holsteinern Verbündete. Ob zwischen Waldemar und den Grafen Heinrich und Klaus überhaupt ein Frieden geschlossen worden war, läßt sich nicht sagen. Johann von Plön jedenfalls hatte die von Barnim von Stettin gefällte Entscheidung angenommen, wonach alle Eroberungen und Gefangenen herausgegeben werden sollten. Vor dem 31. März 1359 aber trugen Johann und sein Sohn Adolf Herzog Albrecht ihre Beschwerde darüber vor, daß Waldemar Fehmarn nicht herausgeben wolle, und daß die den Grafen von den Herzögen von Sachsen abgefangenen Mannen noch nicht in Freiheit gesetzt seien. Albrecht III. von Mölln habe die Plöner sogar noch nach der Sühne geschädigt 73 ). Am Tage der Übergabe der Grafschaft Schwerin (31. März) traf dann Albrecht in Boizenburg mit den Herzögen von Mölln und Bergedorf zusammen, erreichte aber nur, daß Albrecht III. den gefangenen Holsteinern eine Frist


70) Seeländ. Chronik, Archiv II, S. 221 f.; Reinhardt S. 253 f.; Rydberg II, S. 264, vgl. S. 258.
71) Vgl. Rydberg II, 339 (S. 261).
72) Er hatte sie vielleicht damals schon an Heinrich von Stralendorff weiter verpfändet, vgl. XIV, 8753 (1360?).
73) XIV, 8589. Nach der Urkunde scheint es, daß Albrecht zum Vermittler in diesem Streite ernannt worden war.
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zur Zahlung des Lösegeldes bewilligte. Zugleich kaufte er den Sachsen ihren Anteil an dem im verflossenen Jahre eroberten Plau für 200 löth. M ab 74 ).

Ende Juni oder Anfang August griffen Albrecht und die Holsteiner Fehmarn an und brachten die Insel in ihre Gewalt. Am 8. Juli verabredete der Herzog hier auf Fehmarn mit den Knappen von Bosel die Anwerbung von Mannschaften to desser reyse, de wi nu denken to donde. Erichs Tod war ein schwerer Schlag für ihn. Aber er entschloß sich, den Kampf fortzusetzen; denn es schien, als ob Magnus sich nun, wo er von Erich erlöst und wieder Herr des ganzen Schwedens war, gegen Waldemar Atterdag und dessen Ansprüche auf Schonen zur Wehr setzen wollte. Der Herzog fuhr in Begleitung der Holsteiner nach Schonen hinüber und schloß am 17. August in Falsterbo ein Bündnis mit Magnus. Aber bald darauf soll es zu einem Waffenstillstande zwischen ihm, den Holsteinern und Waldemar gekommen sein, in den Magnus wohl mit aufgenommen wurde. Am 31. August fuhren Albrecht und die Holsteiner Grafen von Falsterbo ab in die Heimat 75 ).

Im nächsten Jahre (1360) kam es zu mannigfachen Verhandlungen. Am 8. Februar tagte in Ripen ein Gesandtenkongreß, der von Waldemar, Magnus, den Holsteinern 76 ) und Albrecht beschickt war. Für den schwedisch=dänischen Streit wurde ein Schiedsgericht in Aussicht genommen, doch blieb dies ohne Folgen. Zwischen Waldemar und den Holsteinern sollten in Kolding weitere Verhandlungen stattfinden, und es sollte, wenn man dort zu keiner Einigung gelange, ein Schiedsgericht eingesetzt werden. Von diesen Verhandlungen hören wir nichts weiter, doch ist es sicher, daß nicht viel später auf der Insel Faenökalv bei Fünen ein Friede der Holssteiner mit Waldemar zustande kam. Und zwar wirkte Albrecht bei dieser Aussöhnung irgendwie mit.

Er muß sich dem Dänenkönige um diese Zeit genähert haben. Er hatte sich entschlossen, nicht länger dem entgegenzutreten, daß Waldemar Schonen in Besitz nahm. Wahrscheinlich hatte er erkannt, daß es Magnus mit dem Widerstand gegen den


74) Was den Anteil Albrechts von Sachsen angeht, möglicherweise auf eine Entscheidung der Tecklenburger hin, die eine solche hatten treffen sollen (XIV, S. 365) und ja in Boizenburg anwesend waren.
75) S. Anlage 6.
76) Johann von Holstein=Plön war am 27. September 1359 gestorben, Reinhardt S. 259. Sein Sohn Adolf folgte ihm.
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Ulfinger doch nicht ernst war, daß nur die Furcht vor den Großen, der Partei Erichs, ihn dazu getrieben hatte. Die Großen nämlich sahen in einem Bunde zwischen Magnus und Waldemar eine schwere Gefahr für sich, da sie besorgten, daß ihr König, wenn er sich auf die Freundschaft des mächtigen Dänen stützen durfte, seine antiaristokratische Politik mit besserem Erfolge als früher wieder aufnehmen würde. Was die Großen verhindern wollten, das ersehnte Magnus. Er wünschte von Waldemar, der ja selber in seinem Lande für ein starkes monarchisches Regiment wirkte, Hilfe gegen die Adelspartei zu erhalten, eine Hilfe, für die ihm Schonen kein zu hoher Preis zu sein schien. Es war ein unseliger Gedanke, denn Waldemar hatte natürlich kein Interesse daran, für die Festigung des Königtums im Nachbarreiche zu sorgen; er wollte aus den schwedischen Wirren nur Vorteil ziehen.

Albrecht begriff, daß er seinen und seiner Söhne schwedischen Besitz nur dann verteidigen konnte, wenn er auf Magnus rechnen durfte. Wie die Dinge lagen, schien es ihm richtiger zu sein, auf Waldemars Seite zu treten, ihm zur Erwerbung Schonens zu verhelf0en; denn dann trat jener Vertrag in Kraft, wonach der Dänenkönig dem jungen Heinrich von Mecklenburg 10000 M zahlen mußte, wenn er mit Albrechts Hilfe Helsingborg gewinnen würde 77 ). Vielleicht hoffte der Herzog auch, daß Waldemar für Südhalland und die Pfandschaften Entschädigung leisten oder Magnus veranlassen würde, dies zu tun.

Am 8. April stellte der Schwedenkönig Albrecht einen Geleitsbrief aus 78 ). Augenscheinlich wollte dieser zu ihm reisen, um in Waldemars Interesse mit ihm zu unterhandeln. Im Juni oder Anfang Juli begann Waldemar - jetzt mit allen seinen Gegnern außer Magnus, seit dem Kallundborger Reichstage vom 24. Mai 1360 auch mit den aufrührerischen Juten versöhnt 79 ) -, Schonen zu erobern.

Am 4. Juli sandten der König, sein Sohn Christoph und Erich von Sachsen=Lauenburg von Malmö aus einen Geleitsbrief an Albrecht, der damals in Mecklenburg weilte; sicherlich wollte sich der König der Vermittlung des Herzogs, zu der dieser ja auch bereit war, bedienen. Am 9. Juli begann die Belagerung


77) S. o. S. 95
78) Die Quellenbelege für die folgende Darstellung sind in den Anlagen 5 und 7 enthalten.
79) Reinhardt S. 264 ff.
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Helsingborgs. Hier hielten sich Magnus und Hakon auf; auch Albrecht war schon vor dem 14. Juli in der Feste. ImAuftrage des Schwedenkönigs begab er sich von dort zu Waldemar nach Helsingör (14. Juli), wo er Gesandte der wendischen Städte antraf, die längst wußten, woher der Wind blies, und sich ihre schonischen Privilegien vom Dänenkönige bestätigen lassen wollten. Am 15. war er wieder in Helsingborg; ohne Zweifel vermittelte er zwischen den Königen. Waldemar folgte ihm über den Sund. Er hoffte bereits zuversichtlich, seinen Willen durchzusetzen, und bat die städtischen Gesandten, die ihn begleiteten, beim Friedensschlüsse mitzuwirken 80 ). Und er täuschte sich nicht. In einem Kloster vor Helsingborg 81 ), wo er sich einquartiert hatte, kam es zwischen den beiden Königen zu Verhandlungen, deren Ergebnis Waldemar am 16. Juli den Sendboten der Städte mitteilte. Er erklärte nicht ohne Ironie, der Inhalt des Kopenhagener Vertrages sei Magnus wieder ins Gedächtnis zurückgerufen worden; es sei durch den Herzog von Mecklenburg und andere mehr geschehen, denen die Berechtigung der Ansprüche Waldemars feststehe. Magnus sei nun selber gekommen und habe sie anerkannt. Doch, fuhr er fort, weil das Brot der Schweden hier "dauerhafter" sei als seines, habe er sich bereitfinden lassen, den Streit einem Schiedsgerichte zu übergeben. Jede Partei habe vier Schiedsrichter ernannt; auf schwedischer Seite sei Herzog Albrecht, auf dänischer Erich von Sachsen beteiligt.

Bisher hatte Magnus aus Furcht vor der Adelspartei geschwankt, ob er Waldemar nachgeben sollte. Jetzt aber war er, wohl nicht ohne Albrechts Zutun, hierzu entschlossen. Eine offene Übergabe Schonens freilich scheute der König, und deswegen wurde das Schiedsgericht eingesetzt, das nur eine Form war. Magnus berief Albrecht, von dem er wußte, wie er jetzt zu dem Streite stand, in das Kollegium und schuf damit, selbst wenn seine drei anderen Schiedsrichter gegen Waldemar waren, wissentlich eine Majorität für die dänischen Ansprüche. Er wollte sich hinter dem Schiedsspruche gegen alle Vorwürfe verschanzen, die ihm von den schwedischen Großen drohten. Und auch für Waldemar hatte das Gericht Bedeutung. Die Abtretung Schonens war nämlich an die Zustimmung des schwedischen Reichs=


80) Gesandtschaftsbericht des Rostocker Stadtschreibers, HR. I. 233 § 10.
81) Vgl. Munch VII, S. 695, Anm. 1; Rydberg II, S. 284. Der Bericht des Stadtschreibers überspringt in § 10 die Reise nach Helsingborg.
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rates gebunden; da diese aber nicht zu erreichen war, so sollte für sie durch einen richterlichen Spruch gewissermaßen Ersatz geschaffen werden. So erhielt der Dänenkönig für den Besitz Schonens eine bessere rechtliche Grundlage, als sie Magnus ohne Genehmigung des Reichsrates durch eine Beurkundung der Abtretung geben konnte.

Das Schiedsgericht entschied, wie es sollte. Am 17. Juli schrieb Waldemar frohlockend an die Städte, Gott habe ihm zu seinem Erblande Schonen verholfen. In der Zeit vom 17. bis zum 19. Juli ist der König vermutlich in den Besitz Helsingborgs gesetzt worden. - Die Verlobung Hakons mit Margareta mag wohl erneuert sein.

Am 19. setzte Waldemar nach Helsingör über. Magnus und Albrecht reisten ungefähr gleichzeitig mit ihm ab. Am 23. verhandelte der Herzog in Rostock mit holländischen Gesandten, die ihn durch reiche Versprechungen veranlaßten, seinen Einfluß auf den Markgrafen Ludwig den Römer dahin geltend zu machen, daß dieser einen Zug nach Holland unternehme.

Am 10. August war Albrecht schon wieder im Norden. In den Kreisen der schwedischen Adelspartei hatten die Helsingborger Übereinkünfte heftige Entrüstung hervorgerufen; man hatte die Abmachungen wohl bald durchschaut, zumal da Waldemar den städtischen Gesandten den wahren Wert des Schiedsgerichtes angedeutet hatte, was leicht allgemein bekannt werden konnte. Magnus war den Großen jetzt "ein Verräter, der seine Herde verläßt" 82 ). Wer milde dachte, glaubte, er sei von Waldemar durch Drohungen und Versprechungen mürbe gemacht oder übertölpelt worden 83 ). Wegen der Erregung der Großen wagte Magnus augenscheinlich nicht, den Befehl zu geben, daß die schonischen Schlösser Waldemar geöffnet würden und die Bevölkerung des Landes ihm die Huldigung leiste. Jedenfalls mußte der Dänenkönig sich Schonen selber unterwerfen. Am 10. August schloß Albrecht mit ihm vor Helsingborg einen Vertrag, worin unter anderem bestimmt wurde, daß Albrecht und Waldemar sich gegenseitig in ihren Ansprüchen, die sie an Magnus zu stellen hätten, unterstützen sollten. Albrecht suchte Entschädigung für das durch die Abtretung Schonens an den Ulfinger seinem Hause verlorene Südhalland und für seine Pfandschaften.


82) Libellus de Magno Erici Rege, S. R. S. III, I, S. 15.
83) S. R. S. I, I, S. 44, ebd. S. 58.
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Aus diesem Grunde wohl war er noch einmal über die See gekommen. Ebenfalls am 10. August vor Helsingborg kam es zu einem Bündnisse zwischen ihm und Erich von Sachsen. Dessen Tochter Jutta wurde mit dem jungen Magnus von Mecklenburg verlobt. Zugleich verzichtete Erich auf alle Anrechte an die Herrschaft Mecklenburg und die Grafschaft Schwerin, das heißt, er verzichtete auf die sächsische Oberhoheit.

Zwischen dem 13. und 15. August war der Herzog bei einigen schwedischen Herren, unter denen sich Erengisle Sunesson, ein Mitglied der Adelspartei, befand, in Rögnabrö an der schonischen Grenze. Was er dort wollte, wissen wir nicht. Noch am 20. September findet er sich im Norden, in Helsingborg.

Er ist weder von Magnus noch von Waldemar entschädigt worden und hat auch die berufenen 10000 M schließlich nicht erhalten. Seine nordische Politik war gescheitert.

 


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II.

Die Zeit der vorherrschend

nordischen Politik

(1361-1379).


1.

Der schwedische Thronstreit bis zur Schlacht bei Enköping.

Fast ein Vierteljahrhundert war verflossen, seit Albrecht die Regierung angetreten hatte. Zweiundvierzig Jahre alt, mag er jetzt etwa so ausgesehen haben, wie ihn sein Bild in der Doberaner Kirche zeigt: eine hohe Gestalt in unförmigem Panzer, die Füße mit roten Schnabelschuhen bekleidet; unter der runden Eisenkappe ein schmales, edelgeschnittenes Antlitz, dem geistige und körperliche Anstrengungen einen etwas müden Ausdruck gegeben hatten; den kurzen blonden Vollbart trug er nach der Rittermode der Zeit in zwei Zipfel auseinandergeteilt 1 ). - Er war eine weit und breit wohlbekannte und gefürchtete Persönlichkeit geworden. Und in fast allen seinen Unternehmungen war er erfolgreich gewesen, außer da, wo sich Waldemar Atterdag ihm entgegengestellt hatte. Dem Dänenkönige war es zu verdanken, daß Barth und alles, was der Herzog durch seinen Anschluß an Erich von Schweden im Norden gewonnen hatte, wieder verloren gegangen war. Albrecht hatte selber bei der Abtretung Schonens und Südhallands mitgewirkt, aber nur, weil er die Lande nicht verteidigen konnte. Wiederum hatte er vor Walde=


1) Das Bild ist allerdings eine Kopie zweiter Hand aus dem Jahre 1750, s. Schlie, Kunst= und Gesch.=Denkm. d. Großherzogt. Mecklb.=Schw. III, S. 637. Die Kopie Krommenys ist jetzt im Schweriner Archiv. - Ein Bild, das den Herzog in späteren Jahren zeigt, findet sich als Titelblatt in der Chronik Ernsts von Kirchberg, wiedergegeben bei Schäfer, Die deutsche Hanse, Monogr. z. Weltgesch. XIX, S. 61 und bei Lindner, Die deutsche Hanse.
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mar Atterdag zurückweichen müssen, dem er sich an Begabung gewachsen fühlte, dem er jedoch an Macht zu weit nachstand. Unter trüben Gedanken war er im Spätsommer 1360 von der schonischen Küste heimgesegelt. Und doch waren die jüngsten Helsingborger Übereinkünfte zwischen Magnus und dem Dänenkönige, die Albrecht im Grunde bedauern mußte, ein Glied in der Kette der Ereignisse, durch die letzten Endes seinem Hause eine ungeahnte Aussicht eröffnet wurde. -

Die Abtretung Schonens war die tragische Schuld im Leben des Königs Magnus. Aufs äußerste gereizt, suchte die schwedische Adelspartei ihn mit allen Mitteln von Waldemar Atterdag fernzuhalten. Wie sie sich einst mit König Erich zusammengetan hatte, so suchte sie jetzt Hakon auf ihre Seite zu bringen. Und es gelang ihr für eine Zeit, wahrscheinlich nur deshalb, weil Hakon glaubte, daß die folkungische Herrschaft in Schweden gefährdet sei, wenn er nicht die Großen besänftigte; denn aus Norwegen haben er und sein Vater niemals genügend Kräfte ziehen können, um sich in Schweden durchzusetzen. Es war eine Zeit, wo die Adelspartei alles, Magnus nichts bedeutete. Um die gefürchtete dänische Heirat zu verhindern, veranlaßten die Großen Hakon, seine Verlobung mit Margareta zu brechen und eine neue mit Elisabeth von Holstein, der Schwester der Grafen Heinrich und Klaus, der unversöhnlichen Feinde Waldemars, einzugehen (im Februar 1361) 2 ). Magnus mußte sich fügen. In einem Vertrage vom 29. Juni 1361, den Gesandte der Könige in deren Namen mit den beiden Grafen schlossen, wurde bestimmt: wenn Hakon die Ehe nicht eingehen und Heinrich und Klaus dadurch Schaden erleiden würden, so sollten sich alle Mannen in Schweden und Norwegen zu ihnen halten und ihnen helfen, bis der Schaden ersetzt sei 3 ). Schon gegen Ende des folgenden Monats wurde dann die Ehe in Deutschland durch Stellvertretung vollzogen 4 ).

Indem die Adelspartei somit die Verbindung zwischen Waldemar und den Folkungern zerstörte, wollte sie vielleicht zugleich einen Krieg mit Dänemark heraufbeschwören und im Bunde mit


2) Korner S. 277, s. Schäfer S. 266, Anm. 3.
3) Schlesw.=Holst.=Lauenb. Urks. II, S. 242; Rydberg II, 351; Hildebrand, Medeltiden S. 245.
4) Korner S. 277. Die Ehe durch Stellvertretung fand doch wohl 1361 statt, vgl. Schäfer a. a. O. und Koppmann, Städtechroniken XXVI, S. 362, Anm. 3. Hildebrand a. a. O. S. 246 setzt sie allerdings zu 1362 an.
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Holstein die Wiedergewinnung Schonens in Angriff nehmen. In der Tat war es wegen der Verlobung Hakons mit der Holsteinerin zum Bruche zwischen Waldemar und den Folkungern gekommen 5 ). Im Juli 1361 wandte sich der Dänenkönig gegen Öland und Gotland und brachte die Inseln in seine Gewalt. Durch die Eroberung Wisbys auf Gotland aber verfeindete er sich auch mit den Städten von der deutschen Hanse 6 ). Es begaben sich daher schwedische Gesandte, Mitglieder der Adelspartei - zum Teil dieselben, die den Vertrag vom 29. Juni mit den Holsteinern abgeschlossen hatten 7 ) -, nach Deutschland, um im Namen der Folkunger ein Bündnis mit den Städten zu vereinbaren. ImSeptember kam das Bündnis - für das auch die Holsteiner wirkten - auf einem Hansetage in Greifswald 8 ) zustande, doch überschritten die Gesandten ihre Vollmacht; sie verpfändeten nämlich Bahus mit Marstrand für die Kosten des Krieges an die Städte, obwohl ihnen verboten war, diesen Schlösser und Lande zu überliefern 9 ). Magnus wollte infolgedessen den Vertrag nicht anerkennen 10 ). Er befand sich selber Zeit seiner Regierung in Geldnot 11 ) und wollte nicht den Städten, die doch ebenso gut wie er ein Interesse am Feldzuge hatten, die Ersetzung ihrer Kriegskosten - die ganz unberechenbar waren - garantieren. Überdies war Magnus der ganze Krieg höchst unerwünscht. Wahrscheinlich hätte er sich gern gütlich mit Waldemar verständigt. Er zürnte ja selber über den Bruch jener Verlobung, die er als einen Erfolg seiner Politik betrachtet hatte. Aber gegen die Kriegspartei konnte er nicht aufkommen. Und Hakon hielt es für richtig, zu ihr zu stehen, in der Bündnis=


5) Schäfer S. 268.
6) Bei der Handelssperre gegen Flandern 1358 waren die Städte zuerst als Städte von der deutschen Hanse aufgetreten, Stein, Zur Entstehung und Bedeutung der deutschen Hanse, Hans. Geschbl. 1911, S. 338 ff.
7) Vgl. Hildebrand S. 245.
8) Schäfer S. 281.
9) An Stelle von Bahus sollte, wenn die Städte es wünschten, Warberg verpfändet werden, sobald man gemeinsam zur Eroberung Schonens vorging. Würde Schonen gewonnen, so sollten die Städte dort bestimmte Schlösser, Gebiete und Einkünfte als Pfand erhalten und Bahus (oder Marberg) wieder zurückgeben (HR I, 260). - Über das instruktionswidrige Verhalten der Gesandten, die sich offenbar festen Bedingungen der Städte fügten, s. HR. II, 2 §§ 2, 3, 6; 3 §§ 1-4, 7; 40, §§ 3-6; vgl. Styffe S. XXXIII, Munch VII, S. 711 f., Reinhardt S. 310, Hildebrand S. 246, die mir hier richtiger geurteilt zu haben scheinen als Schäfer S. 284 ff.
10) Vgl. Grandinson, Studier i Hanseatisk=Svensk Historia II, S. 67.
11) Vgl. Hildebrand S. 207 und 251 (Nr. 4).
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frage nachzugeben 12 ). Doch ließen sich die Städte fürs erste hinhalten. Vielleicht wegen dieser Meinungsverschiedenheit über den Greifswalder Vertrag, aber auch wohl, weil sie sich über die prinzipielle, den Großen gegenüber angebrachte Politik damals nicht einigen konnten, kam es dann zwischen Magnus und Hakon zu einem Zwist. Auf Seiten Hakons stand die Partei der Großen; am 15. Februar 1362 wurde er zum Könige von Schweden neben Magnus erhoben 13 ). Erst im Frühjahre söhnten sich Vater und Sohn vorläufig wieder aus 14 ).

Auch die Holsteiner und der Herzog von Schleswig waren dem Bunde gegen Waldemar Atterdag beigetreten 15 ). Jedoch war der Verlauf des Krieges für den König günstig. Zwar wurde Öland zurückerobert 16 ), aber bei Helsingborg schlug Waldemar die Hansen gänzlich (im Juli 1362), so daß sie sich genötigt sahen, eine Waffenruhe mit ihm abzuschließen 17 ).

Trotz der Niederlage wollten die Städte den Feldzug wieder aufnehmen und an der Seite der Folkunger ausharren; aber sie bestanden nun offenbar auf der vollen Durchführung des Bünd=


12) Am 22. September (1361) richtete er in Lödösö ein Schreiben an die Städte, worin er alles, was die schwedischen Gesandten vereinbart hätten (quemadmodum . . . placitaverant), zu halten versprach (HR. I, 265, vgl. Schäfer S. 285). Dieses Schreiben kann nicht, wie Reinhardt S. 562, Anm. 14 will, wesentlich nur als ein nachgesandtes Beglaubigungsschreiben für die schwedischen Gesandten und die Holsteiner Grafen betrachtet werden (die Gesandten hatten ja schon ein Beglaubigungsschreiben, das von Magnus, Hakon und den schwedischen Reichsräten besiegelt war, vor ihrer Abreise erhalten, HR. II, 3 § 1). Es geht vielmehr daraus hervor, daß Hakon von dem Abschlusse des Bündnisses schon Kunde hatte, was ja auch sehr wohl möglich ist, da der Greifswalder Hansetag am 7. September stattfand und die Bündnisurkunden (HR I, 260, 262) vom 8. und 9. September datieren. Siehe auch Grandinson S. 67, dessen Darstellung ich hier, was Hakon angeht, im übrigen für verkehrt halte. Seine Ansicht über die von den Städten ausgestellte Bündnisurkunde (s. auch S. 65 seiner Arbeit) und den Betrug, der damit getrieben sein soll, ist unhaltbar. Es ist mir überhaupt unwahrscheinlich, daß Hakon die Bestimmungen des Bündnisses zum Teil verheimlicht wurden, da sich dies auf die Dauer nicht durchführen ließ. Jedenfalls müßte er die Wahrheit, ebenso wie Magnus, sehr bald erfahren haben, und daß er sich trotzdem nicht von der Adelspartei trennte, zeigt sein Verhalten in dieser Zeit.
13) Hildebrand S. 246.
14) Hildebrand S. 246, Rydberg II, 356.
15) Schäfer S. 287 f.
16) Nach Schäfer S. 310 im Jahre 1361, Reinhardt S. 565 Anm. 23 entscheidet sich für 1362.
17) Schäfer S. 315.
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nisvertrages und dessen Anerkennung durch Magnus. In Söderköping wurde hierüber verhandelt 18 ). Magnus und Hakon waren beide zur Stelle, auch Heinrich von Holstein und einige Mitglieder der Adelspartei; dieser hatte der Graf sich angeschlossen, und er gewann viel Einfluß auf sie. Magnus sträubte sich. Es kam dazu, daß Hakon ihn gefangen setzte, augenscheinlich auf Anstiften des Holsteiners. Nur so konnte Magnus bewogen werden, sich zu fügen. Am 28. September überließen die beiden Könige unter Zustimmung des Reichsrates den Städten an Stelle von Bahus nunmehr die Insel Öland mit Borgholm; in derselben Urkunde wurde das Greifswalder Bündnis bestätigt 19 ). - Im November aber schlossen die Städte mit den Gesandten Waldemars einen neuen Stillstand bis zum 6. Januar 1364. Den Verbündeten der Hansen wurde der Beitritt freigestellt 20 ).

Doch nun nahmen die Dinge eine unerwartete Wendung. Im Dezember wollte Elisabeth von Holstein, die bisher in der Heimat geblieben war, nach Schweden segeln. Ihr Schiff aber wurde vom Winde verschlagen, und sie geriet in dänische Hand. Waldemar ließ sie gefangen halten; er wollte den günstigen Zufall ausnutzen und versuchen, jetzt doch noch die Heirat Margaretas mit Hakon durchzusetzen, um die Folkunger wieder unter seinen Einfluß zu bringen und von der Dänemark feindlichen Partei zu trennen. Es ging ihm auch wohl gegen die Ehre, daß seine Tochter verschmäht war; um so besser, wenn sich hier Abhilfe schaffen ließ.

Er eröffnete Verhandlungen mit den beiden Nachbarkönigen 21 ). Bei Magnus mußte er Entgegenkommen finden. Und es gelang, auch Hakon von den Großen zu trennen und für eine dänenfreundliche Politik zu gewinnen. Manches mochte hierbei ins Gewicht fallen. Die militärische Lage der Folkunger war ungünstig 22 ). Sie litten an Geldmangel 23 ), während Walde=


18) Schäfer S. 318 f.
19) HR. I, 268. Vgl. Schäfer S. 318 f., Grandinson S. 69 f. Wie Grandinson (S. 69 Anm. 3) feststellt, gehört die Gefangennahme (nach HR. II, 40 §§ 7-8) unstreitig ins Jahr 1362 (nicht 1361).
20) Vgl. Schäfer S. 320 ff., Reinhardt S. 318.
21) Hildebrand S. 247 meint, man wisse nicht, von wem die Annäherung eingeleitet sei. Nach Schäfer (S. 328) und Reinhardt (S. 323 f.) war es Waldemar. Und dies wird auch durch Detmar § 710 (S. 532) bestätigt.
22) Waldemar hatte im Sommer 1362 - nach der Schlacht bei Helsingborg - die Landschaft Finweden (in Småland) durch seinen Sohn Christoph erobern und dort feste Plätze aufführen lassen, vgl. Schäfer S. 317, Reinhardt S. 316.
23) Vgl. Schäfer S. 277, Reinhardt S. 305, HR. I, 270.
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mar in Wisby Schätze gesammelt hatte. Dazu war das Bündnis mit den Städten in Norwegen unpopulär 24 ). Und vor allem, wie Magnus über die Knechtung durch Heinrich von Holstein und die Adelspartei empört war, so war es ja auch Hakon im Grunde seines Herzens. Ungern, nur durch politische Erwägungen bestimmt, hatte er sich den Großen angeschlossen 25 ); es war ihm sicher nicht leicht geworden, den Vater gefangen zu setzen. Das Schmachvolle ihrer Lage wurde den Folkungern unerträglich. So verständigten sie sich mit Waldemar. Man erklärte später auf dänischer Seite - und auch Magnus und Hakon werden sich diesen Standpunkt zu eigen gemacht haben -, die Ehe zwischen Hakon und Elisabeth sei ein Verstoß gegen die Gesetze der Kirche gewesen 26 ). Am 9. April 1363 wurde in Kopenhagen die Hochzeit Hakons mit der zehnjährigen Margareta gefeiert. Die Folkunger warfen der schwedischen Adelspartei den Handschuh hin, in der Hoffnung, beim Dänenkönige Schutz und Hilfe zu finden.

Was hätten die Grafen Heinrich und Klaus tun sollen, als sie von der Gefangennahme der Schwester hörten! Mit Gewalt konnten sie Elisabeth, die auf Bornholm saß, höchstens durch einen Handstreich befreien. Noch im Januar 1363 verhandelten sie mit Dänemark über ihre Aufnahme in den Waffenstillstand. Sie baten die Städte, ihnen zum Abschlusse zu verhelfen und wegen ihrer Schwester Mahnungen an den König zu richten. Daneben aber berieten sie mit ihnen über ein Bündnis. Und an diesen Verhandlungen nahm Seite an Seite mit den Holsteinern auch Herzog Albrecht teil 27 ).

Er hatte im Kriege Neutralität bewahrt, hatte höchstens Waldemar das Lehnsaufgebot für Rostock gestellt, wodurch die Neutralität nicht verletzt worden wäre. Im Juli 1361 hatte er ein Turnier besucht, das zur Feier der Vermählung Hakons mit Elisabeth in Hamburg veranstaltet wurde 28 ). Es war die Zeit,


24) Munch VII, S. 729 f.
25) Später, 1370 und 1372, bei Streitigkeiten mit den Städten, kam zum Ausdruck, wie Hakon in Wahrheit über das Verhalten der Großen beim Abschlusse des Bündnisses mit den Städten dachte, HR. II, 2 und 40.
26) HR. I, 293 § 25, vgl. Schäfer S. 338.
27) HR. I. 287 § 17 (Rezeß vom 5. Februar 1363), 291 § 2 (Rezeß vom 17. März), 292 § 11 (Rezeß vom 23. April). Schäfer S. 335 f.
28) Vgl. Schäfer S. 266 Anm. 3 und Koppmann, Städtechroniken XXVI, S. 362 Anm. 3 (nach Kämmereirechnungen der Stadt Hamburg I, S. 76). Hildebrand, der ja die Ehe durch Stellvertretung zu 1362 ansetzt, (  ...  )
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wo Waldemar den Krieg eröffnete. Möglich, daß Albrecht erwogen hat, es könne sich ihm, wenn er der Koalition gegen Dänemark beitrete, Gelegenheit bieten, Südhalland wiederzuerwerben. Jedoch hielt er sich zurück. Zu Anfang des Junis 1362 war er mit seinen drei Söhnen Heinrich, Albrecht und Magnus bei Waldemar in Wordingborg 29 ), wo möglicherweise die Hochzeit Heinrichs von Mecklenburg mit der ihm seit 1350 verlobten Tochter des Königs, Ingeborg, stattfand 30 ). Am 14. Juni findet sich Albrecht wieder in seinem Lande 31 ). Am 13. August aber war er aufs neue in Dänemark, in Nykjöbing auf Falster 32 ).

Um diese Zeit nun müssen sich Streitigkeiten zwischen ihm und Waldemar erhoben haben. Auf Grund seiner Mitwirkung bei der Übergabe Helsingborgs hatte Albrecht Anspruch auf die 1350 von Waldemar in Aussicht gestellten 10000 M gemacht, und mit ihm wohl sein ältester Sohn, dem die Summe zufließen sollte. Das Geld hatte binnen eines halben Jahres, nachdem der König in den Besitz der Feste gelangt war, gezahlt werden sollen.


(  ...  ) meint (S. 245), daß dieses Turnier, von dem die Kämmereirechnung berichtet, im August 1361 zu Ehren der damals in Lübeck anwesenden schwedischen Gesandtschaft (die hernach nach Greifswald weiterreiste und das Bündnis mit den Städten schloß) stattgefunden habe. Aber diese Gesandtschaft bestand aus lauter Schweden (vgl. auch Reinhardt S. 310), während in jener Notiz ausdrücklich consiliarii regis Norweygie genannt werden.
29) XV, 9043, 9045. Danach wurden am 4. Juni in Wordingborg von Ingeborgs Mitgift (6000 M löth. Silber köln. Gew.) 10125 M lüb. Pf. ausgezahlt. Weitere 1000 löth. M wurden gegen das Lösegeld aufgerechnet, das die Wismarer den 1358 im Hafen ihrer Stadt gefangenen Dänen (s. o. S. 104) abgeschatzt hatten; diese Summe ward also von der Mitgift abgezogen. Vgl. Reinhardt S. 308, der jedoch die Berechnung des Geldes mißverstanden zu haben scheint. - Im Helsingborger Vertrage vom 10. August 1360 war festgesetzt worden, daß Albrecht alle Gefangenen, de us (Waldemar) noch tho der Wismer afghevanghen sint, und wat se van erer bescattinghe daer noch sculdech sint, ledig und los machen und das noch nach dem Stralsunder Frieden vom Oktober 1358 gezahlte Lösegeld bis Pfingsten 1361 zurückzahlen sollte (XIV, S. 621). Jetzt aber leisteten die Mecklenburger durch die Abziehung der 1000 M (von der Mitgift für das ganze gezahlte Lösegeld Entschädigung.
30) Reinhardt S. 308.
31) XV, 9047.
32) Er stellte dort über eine neue Teilzahlung (400 löth. M ) von Ingeborgs Mitgift, die drei Tage vorher zweien seiner Mannen in Wordingborg übergeben war, eine Quittung aus, XV, 8991 (die Urkunde ist jedoch nicht, wie hier geschehen, zum 29. Januar, sondern zum 13. August anzusetzen. Auf den Fehler im Mecklenb. Urkundenbuch weist Grotefend, Zeitrechnung I, S. 67 hin. Reinhardt [S. 308 f.] hat die richtige Datierung).
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Diese Frist war jedoch abgelaufen und es war deswegen jene Bestimmung des Vertrages von 1350, daß dann Laaland für die Summe verpfändet werden solle, in Kraft getreten. In der Tat hatte Waldemar sich bereitfinden lassen, die Insel zu übergeben. Wann es geschehen war, läßt sich nicht sagen. Vielleicht hatte er es nur getan, weil er befürchtete, daß sich Albrecht sonst dem Bunde der Feinde Dänemarks anschließen würde.Im Juni 1362 war Laaland in mecklenburgischem Besitze 33 ). Nachdem aber der Krieg eine für Waldemar günstige Wendung genommen hatte, mag der König die Auslieferung der Insel bereut haben. Am 3. September ließ Albrecht die Urkunde von 1350, auf die sich ja die mecklenburgischen Ansprüche stützten, durch die Bischöfe von. Ratzeburg und Lübeck transsumieren 34 ). Er fühlte sich im Besitze Laalands bedroht 35 ), und wenn es auch noch nicht zum offenen Bruche zwischen ihm und dem Könige kam, hielt er es doch für geraten, sich nach Beistand umzusehen.

Deswegen hatte er sich den Hosteinern angeschlossen und ein Bündnis mit den Städten erstrebt. Als dann aber die Folkunger mit Waldemar einig wurden, als Hakon die Tochter des Königs heiratete, da gewann seine Verbindung mit den Grafen eine ganz neue Bedeutung. Heinrich und Klaus beschwerten sich bei den Folkungern und den Schweden, die sich für den Vertrag vom 29. Juni 1361 verpflichtet hatten 36 ). Magnus und Hakon wollten und konnten nicht mehr zurück. Eine Anzahl schwedischer Großen aber - darunter die Bischöfe von Linköping und Wexiö, Nikolaus Turesson, Karl von Tofta, Erich Karlsson, Bo Jonsson, also die bedeutendsten Männer der Adelspartei - fuhr über die See zu den Holsteinern, um sich diesen mit Schlössern und


33) Vgl. XV, 9043, wan men Lalande weder van en (den Mecklenburgern) loset.
34) XV, 9085.
35) Die Transsumierung der Urkunde allein wäre hierfür noch kein Beweis; doch sei gleich bemerkt, daß Albrecht am 15. Juli 1363 einem Schweriner Domherrn Vollmacht erteilte, in seinem Namen bei Karl IV. gegen König Waldemar wegen Vertragsbruches Klage zu erheben (XV, 9177, s. Schäfer S. 410 Anm. 2). Sicherlich handelte es sich bei dieser Klage um Laaland, und wenn man sie berücksichtigt, so wird man annehmen dürfen, daß schon zur Zeit der Transsumierung der Urkunde die Insel dem Herzoge streitig gemacht wurde, oder daß er dies wenigstens befürchtete. Soweit allerdings, daß Waldemar die Insel mit Gewalt an sich brachte, kann es 1362 noch nicht gekommen sein, sonst hätte sich der König nicht noch im Frühling 1363 über die feindliche Haltung Albrechts ihm gegenüber wundern können (s. u.).
36) Vgl. die mecklenb. Parteischrift (Städtechroniken XXVI) S. 364 und Korner II, S. 278, abgedruckt auch XV, S. 387.
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Landen zur Verfügung zu stellen; so war ja im Vertrage bestimmt für den Fall, daß Hakon Elisabeth nicht zur Gattin nehmen würde und deren Brüder dadurch in Schaden gerieten 37 ). Es sollte wohl darüber beraten werden, was zu tun sei. Hier in Deutschland erst, so scheint es, wurde dann der Plan gefaßt, Magnus und Hakon aus Schweden zu verjagen und an ihrer Stelle einen der Söhne Herzog Albrechts, deren Mutter ja dem Geschlechte der Folkunger entstammte, zum Könige zu erheben. Es war Graf Heinrich, der die Schweden hierauf hinwies und seinen Einfluß auf sie im mecklenburgischen Sinne geltend machte 38 ); so konnte ja das, was Elisabeth angetan war, am fühlbarsten gerächt werden. Ob er etwa diesen Plan schon vorher mit Albrecht erwogen hat, sei dahingestellt. Der Herzog ging darauf ein. Hier war eine Aufgabe, die ihn locken mußte. Und er hoffte, daß sie sich durchführen ließ; wie hätte er also die Gelegenheit, seinem Hause zum Herzogshut noch eine Krone zu verschaffen, vorübergehen lassen können! Die Männer der Adelspartei kannte er ja längst, er war ihnen zuerst nähergetreten, als er sich Erich von Schweden angeschlossen hatte. Gewiß hatten sie sein Verhalten bei der Abtretung Schonens übel aufgenommen; aber sie wußten, daß nur die schwankende Haltung ihres Königs ihn damals veranlaßt hatte, sich für Waldemar ins Mittel zu legen. Sie schätzten seine Tatkraft, seine kriegerische Tüchtigkeit und diplomatische Klugheit. Keinen besseren Verbündeten konnten sie finden als den Herzog, der sich für alles, was er unternahm, ganz einsetzte. - Man kam überein, dem zweiten, gleichnamigen Sohne Albrechts die Krone zu verschaffen. Gründe für die Absetzung des Magnus ließen sich finden, da er gegen die Bestimmungen des im Königsbalken von 1347 festgesetzten Herrschereides verstoßen hatte oder verstoßen haben sollte. 39 ). Zwar durfte nach schwedischem Rechte nur ein Inländer von Geburt gewählt werden, aber da der junge Herzog durch seine Mutter mit den Folkungern verwandt war, so glaubte man dieses Gesetz übersehen zu dürfen. Die schwedischen Gäste fuhren dann, wenigstens zum Teil, zurück 40 ) und gewannen


37) S. Anlage 9.
38) So muß nach § 8 der mecklenburgischen Parteischrift und nach Korner S. 278 (Quos idem comes . . . .) angenommen werden.
39) S. Anlage 9.
40) Nik. Turesson findet sich am 29. Juli 1363 in Wiborg; am 9. September war er mit Bo Jonsson in Kalmar, XV, 9196, vgl. Styffe S. XXXIV, Anm.
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vermutlich die Anhänger ihrer Partei in der Heimat für die mecklenburgische Kandidatur.

Ohne Kampf natürlich ließ sich die Krone nicht erringen. Zwar konnte Albrecht den Folkungern allein mit Hilfe der Adelspartei und der Holsteiner entgegentreten, aber er mußte erwarten, daß Waldemar Atterdag ihnen Beistand leisten würde. Der König war nicht davon unterrichtet gewesen, daß Albrecht sich schon gegen Ende des vorigen Jahres den Holsteinern angeschlossen hatte und mit den Städten verhandelte. Er war erstaunt, als er aus Briefen, die er einem - wohl gegen Ende des Aprils - aufgefangenen holsteinischen Gesandten abgenommen und die Graf Heinrich an Magnus und Hakon und den schwedischen Reichsrat gerichtet hatte, entnahm, daß außer anderen Fürsten auch Albrecht mit dem Grafen einig sei. Er beschloß, den Boten solange festzuhalten, bis er sich vergewissert habe, ob es mit dieser Nachricht wirklich stimme; denn die Mecklenburger hätten ihm doch - im Vertrage vom 10. August 1360 - festen Frieden und Freundschaft gelobt 41 ). Bald darauf wird Waldemar sich in den Besitz Laalands gesetzt haben; jedenfalls erteilte Albrecht am 15. Juli 1363 dem Schweriner Domherrn Johann Swalenberg Vollmacht, in seinem Namen bei Karl IV. gegen den König wegen Vertragsbruches Klage zu führen 42 ).

Indessen war dieser Streit jetzt eine Nebensache. Nicht mehr eigentlich wegen Laalands, sondern weil er glaubte, daß die Erhebung seines Sohnes bei Waldemar Widerstand finden würde, bemühte sich Albrecht weiter um ein Bündnis mit den Städten. Die Verhandlungen waren bisher erfolglos geblieben, obwohl man schon einmal, im März, dem Abschlusse nahe gewesen war 43 ). Nachdem dann die Städte im Mai zu Nykjöbing vergebens versucht hatten, sich mit Waldemar zu verständigen, wurde auf dem folgenden, reich besuchten Hansetage vom 24. Juni 1363 aufs neue über ein Bündnis mit den Fürsten verhandelt. Albrecht war selber in der Travestadt, ebenso Adolf von Holstein, der am Bunde teilnehmen wollte 44 ).


41) HR. I, 293 § 26; XV, 9164 N., Schäfer S. 338.
42) S. oben S. 123 Anm. 35.
43) Vgl. HR. I, 291 § 2, Schäfer S. 336.
44) Albrecht bemühte sich in Lübeck zugleich, allerdings vergeblich, den Prozeß zu entscheiden, den Graf Adolf mit Hamburg um das Hoheitsrecht über die Stadt führte. Er war von Karl IV. zum Richter in dieser Sache ernannt worden. Der Termin war am 23. Juni, XV, S. 296 f.
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Die Städte stellten einen Bündnisentwurf auf, wonach die Fürsten 1200 Ritter und Knappen stellen sollten, ebensoviel die Städte, die außerdem noch 600 gewöhnliche Kriegsknechte zu Fuß aufzubringen und ihren Verbündeten an Hilfsgeldern 1200 M reinen Silbers zu zahlen hatten. Weiter sollten die Städte Schiffe, große und kleine, liefern und die Bedienungsmannschaften besolden. Auch für Kriegsmaschinen und =Geräte mußten sie Sorge tragen. Das Bündnis sollte vom Ablauf des Waffenstillstandes (6. Januar 1364) an ein Jahr dauern, und während dieser Zeit durfte keine Partei ohne Zustimmung der anderen irgend eine Einigung, Waffenstillstand oder Frieden schließen. Nach einem Jahre erlosch dann der Vertrag, wenn nicht die Städte seine Verlängerung wünschten. Bis zum kommenden 6. Januar sollte es den Städten noch frei stehen, sich auszusöhnen, den Fürsten dagegen nicht, doch sollten diese, wenn die Städte bis zu dem genannten Termine endgültig Frieden schlössen, "zum Zeichen der Freundschaft" eine Entschädigung von 600 M reinen Silbers erhalten. - Diese letzte Bestimmung aber wiesen Albrecht und die Holsteiner zurück. Sie meinten, es müsse hier gleiches Recht herrschen; die Aussöhnung bis zum 6. Januar müsse entweder auch ihnen erlaubt oder allen Verbündeten untersagt sein. Man konnte sich nicht einigen und beschloß, bis zum nächsten Hansetage (25. Juli) weiter über den Vertrag zu beraten 45 ).

Aber auch dann wurden keine Fortschritte gemacht. Die Städte waren schwankend und unentschlossen. Trotzdem gab Albrecht die Hoffnung nicht auf. Er leitete Verhandlungen ein mit den städtischen Sendboten, die am 8. September in Stralsund tagten 46 ). Als die Versammlung dann einen Rostocker und einen Wismarer Ratsherrn 47 ) zu ihm schickte, verabredete er mit diesen, daß weitere Besprechungen in Damgarten stattfinden sollten. Dorthin ordneten die Hansen dieselben Ratmänner und noch zwei andere ab. Zu gleicher Zeit aber ward von pommerscher Seite eine Vermittlung zwischen Waldemar und den


45) XV, 9164, Schäfer S. 344 f.
46) HR. I, 300 § 2. Nach der Redaktion der Ledraborger Handschrift des Rezesses ließ sich Albrecht auf der Versammlung durch den Rostocker Ratmann Arnold Kröplin vertreten, nach der Redaktion der Rostocker und Wismarer Handschrift aber durch die Ratmänner von Rostock und Wismar. Vielleicht erklärt sich dieser Unterschied dadurch, daß Kröplin als Wortführer auftrat.
47) Arnold Kröplin und Johann Dargetzow.
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Städten eingeleitet 48 ). Der König selber wurde erwartet. Das Bündnis mit Albrecht kam nicht zustande.

Nun aber sollte es dem Herzoge klar werden, daß Waldemar nicht daran dachte, die Folkunger zu schützen. Der König kam in der Tat nach Deutschland, und zwar war diese Fahrt der Beginn einer großen Reise, die ihn über Pommern nach Krakau und Prag und dann nach Flandern und Avignon führte. Er erwartete, daß die Städte, obwohl er nicht auf ihre Wünsche einging, sich doch nicht zur Erneuerung des Krieges gegen ihn aufraffen würden. Und das Königtum des jungen Mecklenburgers - denn daß ihm die Vorbereitungen dazu ganz verborgen blieben, ist nicht glaublich - wollte er ruhig entstehen lassen, um dann für dessen Anerkennung seinen Preis fordern zu können. Er ließ Magnus und Hakon vorläufig fallen. Ob Folkunger oder Mecklenburger in Schweden regierten, war ihm gleichgültig, wenn er nur Gelegenheit fand, für sein Dänemark etwas zu gewinnen. Daß Albrecht ihn jetzt wegen Laalands mit den Waffen zur Rechenschaft ziehen würde, nahm er nicht an; der Herzog mußte froh sein, wenn er Waldemar nicht entgegenzutreten brauchte.

*              *
*

Eine günstigere Zeit als nach der Abreise des Königs konnte für die schwedische Expedition nicht kommen. Einen Stützpunkt im Norden hatte sich Albrecht schon gesichert; er hatte sich von Graf Heinrich versprechen lassen, daß ihm das den Holsteinern schon seit mehr als zwei Jahren verpfändete Schloß zu Kalmar geöffnet werden solle. Albrecht wollte dafür die Hälfte alles Schadens tragen, der dort etwa erlitten werden würde, nachdem seine Mannen auf der Burg eingetroffen und Graf Heinrichs Kriegserklärung an Magnus ergangen sei (25. Juli 1363) 49 ). Schon zu Anfang des Septembers finden sich drei Mecklenburger,


48) XV, 9164 N. ist der Wortlaut des Rezesses so aufgefaßt, als ob Albrecht wie die Pommernherzöge zwischen Waldemar und den Städten vermittelt habe. Das halte ich für verkehrt. Die Verquickung beider Verhandlungen im Texte des Rezesses wirkt allerdings verwirrend. Vgl. auch Schäfer S. 362 f.
49) XV, 9182. Ebenso wie Graf Heinrich werden doch auch die Mecklenburger eine Kriegserklärung gesandt haben. Die von Styffe (S. XXXVIII) und Hildebrand (S. 286) vertretene Behauptung, daß Albrecht den Krieg in Schweden ohne Absage begonnen habe, ist dogmatisch. Es sind doch nur wenige Absagebriefe von Kriegen dieser Zeit erhalten. Gegen Styffe wendet sich Schäfer S. 405 Anm. 2.
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Johann und Vollrath Lützow und Hermann Storm, in Kalmar, wo sie mit Nikolaus Turesson und Bo Jonsson zusammentrafen 50 ).

Außer von den Grafen Heinrich und Klaus und den schwedischen Großen erhielt Albrecht wenig Beistand. Adolf von Holstein wurde von Waldemar Atterdag um diese Zeit - wohl noch vor der Abreise des Königs - mit Fehmarn belehnt und dadurch von der mecklenburgischen Partei getrennt 51 ). Mit Lorenz und Johann, den Söhnen Nikolaus' III. († 1360[1?]) von Güstrow, hatte Albrecht im Juli nur ein Friedensbündnis auf fünf Jahre geschlossen 52 ). Lorenz segelte jedoch hernach mit nach Schweden 53 ). Zu einer allerdings nur geringen Hilfsleistung bewog Albrecht im Oktober den Fürsten Bernhard von Werle=Waren, der sich verpflichtete, zwanzig Mann zur Kriegsfahrt über die See zu stellen 54 ).

In den ersten Tagen des Novembers verließ die mecklenburgische Flotte die Warnowmündung. Sie sollte den Herzog, seinen Sohn und Heinrich von Holstein sowie ein stattliches


50) XV, 9196 (9. September 1363). Nik. Turesson erklärt: Sobald Herzog Albrecht und sein Sohn "mit Gottes Hülfe zu der erwünschten Stellung im Reiche Schweden" gelangt seien, ihm seine von den Folkungern überlassenen Pfandschaften bestätigt und ihm für die Ersetzung der Schäden und Kosten, die er occasione officii nune assumpti etwa erleiden würde, Gewähr geleistet hätten, sollten Vollrath Lützow, Bo Jonsson und Hermann Storm des Versprechens, das sie ihm und in seinem Namen Johann Lützow an Stelle der Herzöge deswegen geleistet hätten, entbunden, und es sollte die von ihnen darüber ausgestellte Urkunde ungültig sein. Da diese hier erwähnte Urkunde vermutlich kurz vorher in Kalmar ausgefertigt wurde, ist anzunehmen, daß die genannten Mecklenburger damals dort anwesend waren.
51) Reinhardt S. 335.
52) XV, 9173 f.
53) Korner II S. 278.
54) XV, 9207 (nu tu desser reyse, de wy [Albrecht] willen don over se). - Fürst Bernhard hatte 1362 Stadt, Land und Schloß Röbel mit Ausnahme der im Sande liegenden Leibgedinge seiner Gattin an Albrecht verpfändet. Das Schloß Wredenhagen in der Vogtei Röbel sollte gemeinsam besetzt, und es sollte von dem werlischen Vogte Joh. v. Grambow und dem mecklenburgischen Detlef Scharfenberg der Burgfriede gewahrt werden (XV, 9007 ff. und 9054 ff.). Dann aber brach wegen der Mühle im Lande Röbel und der zum Leibgedinge gehörigen Höfe Gnewe und Solzow ein Streit aus, und Johann v. Grambow wurde wegen Verletzung des Burgfriedens von Albrecht gefangen gesetzt. Am 18. Oktober 1363 ward der Zwist beigelegt; bei dieser Gelegenheit versprach Bernhard, die erwähnten 20 Mann zu stellen, doch sollte Albrecht ihnen Zehrung, Schiffe und Pferde, wenn er sie beritten machen wollte, liefern, auch für Schaden und Kosten einstehen.
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Heer nach Norden bringen. Außer Lorenz von Werle wird noch Graf Günther von Ruppin als Teilnehmer am Zuge genannt 55 ). Bei Kalmar betrat man zuerst die Küste. Von dort ging es weiter nach Stockholm, wo man am 29. November anlangte 56 ). Am 30. schwur der Rat der Stadt "dem jüngeren Herrn Albrecht von Mecklenburg" - er heißt noch nicht König - Treue 57 ). ImFebruar 1364 sollte die Wahl vor sich gehen 58 ). Durch das ganze Reich wurden Boten gesandt, um dazu einzuladen. Nach altem Brauche fand dann die feierliche Versammlung auf der Morawiese bei Upsala statt. Der Erzbischof von Upsala, Bischöfe und weltliche Große, dazu niedere Kleriker und eine unabsehbare Volksmenge stellten sich ein. Ob allerdings alle Lagmänner und Abgeordneten der Landschaften zugegen waren, ist unbekannt; jedenfalls ist dies für Westgotland zweifelhaft, weil Magnus dort viele Anhänger hatte. Der Reichsmarschall Karl von Tofta, der Lagmann von Upland, verlas "aus dem Rechtsbuche des Reiches" die Artikel, auf die die Entthronung des Magnus gegründet werden sollte, das heißt, er verlas den Königseid. Magnus wurde abgesetzt, weil er diesen Schwur gebrochen habe. Darauf ward der junge Albrecht unter Beobachtung der hergebrachten Formen gewählt und, nachdem er den verfassungsmäßigen Eid geleistet hatte, auf den Morastein gehoben und so in das Reich eingewiesen. Man begab sich dann in die erzbischöfliche Kirche, wo das Tedeum gesungen und die Messe zelebriert wurde. Auch der Schmaus hernach durfte nicht fehlen 59 ).

Vielleicht war es schon vor der Wahl, bald nach der Ankunft der Mecklenburger, zum Kampfe mit den Folkungern gekommen. Stark scheint deren Partei nur in Westgotland und vielleicht noch in Finnland gewesen zu sein. Besonders die=


55) Korner II S. 278; vgl. die mecklenb. Parteischrift § 9. Kurz erwähnt wird die Expedition nach Schweden in der Doberaner Genealogie, M. Jbb. XI, S. 20 (1363, circa festum beati Martini).
56) Mecklenb. Parteischrift und Korner a. a. O.
57) XV, 9215, Styffe S. XXXVIII.
58) Nach § 10 der Parteischrift fand die Wahl zwischen dem 11. und 17. Februar statt, nach Korner am 18. Februar.
59) Über die Vorgänge aus der Morawiese vgl. § 10 der mecklenb. Parteischrift, Korner II, S. 278, und den Brief Herzog Albrechts vom 20. März, XV, 9251. - Nicht wird berichtet, daß auch Hakon abgesetzt worden sei, der doch schon zum König von Schweden gewählt war und beim Morasteine die Huldigung empfangen hatte (Hildebrand S. 246). Ich finde dafür keine rechte Erklärung.
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jenigen Adligen blieben ihnen treu, die in Schweden und Norwegen zugleich begütert waren und deswegen an der Erhaltung der Union der beiden Reiche ein Interesse hatten. Zu diesen gehörte Erengisle Sunesson, der früher ein eifriges Mitglied der Adelspartei gewesen war, nun aber beim alten Königshause ausharrte 60 ). Der Krieg war für Albrecht glücklich. Im März schlug der Herzog mit seinen Verbündeten das feindliche Heer in einer Schlacht, der die Folkunger wahrscheinlich nicht beiwohnten; über hundert Ritter gerieten in seine Gefangenschaft. Gleich darauf wurden Sundby und Örebro (Nerike) erstürmt und hierbei wiederum über sechzig Gefangene gemacht 61 ). Schon am 14. März 1364 schrieb Heinrich von Holstein von Örebro aus an die Städte, daß fast das ganze Reich unterworfen und alle Schlösser außer Swanholm (Ostgotland) und Warberg erobert seien; man schicke sich schon an, über den schwedischen Wald gegen Swanholm zu ziehen 62 ).

Am 20. März schrieb Herzog Albrecht aus dem Lager bei Swanholm an Rostock oder Wismar 63 ). Er berichtete, daß sein Sohn rechtmäßig 64 ) gewählt und auf den Morastein gehoben sei, daß Graf Heinrich ihn noch an der Stätte der Wahl zum Ritter geschlagen und der junge König selber dann den Schlag an dem Fürsten von Werle und mehr als hundert anderen vollzogen habe. Mit Gottes Hilfe werde alles Begonnene in Kurzem zu gutem Ende geführt werden. Denn Magnus und Hakon schweiften wie Flüchtlinge über die norwegische Grenze herüber und hin=


60) Vgl. Munch VII, S. 748 ff.
61) Vgl. Herzog Albrechts Brief vom 20. März, XV, 9251. Er teilt hier mit, daß die Schlacht intra . . . . quindenam proxime preteritam geschlagen sei. Magnus und Hakon urkundeten am 8. März in Bergen, s. die Jtinerare bei Grandinson a. a. O. II S. 110 und 115.
62) XV, 9249. Auch Heinrich berichtet, daß 150 Ritter gefangen genommen seien.
63) XV, 9251.
64) rite et sollempniter. Hildebrand (S. 286) bezweifelt die Richtigkeit dieser Angabe, weil er es für unwahrscheinlich hält, daß alle Lagmänner bei der Wahl zugegen waren. Übrigens nimmt er an, daß Albrechts Brief - nur diesen vom 20. März kann Hildebrand meinen - an Lübeck ging. Jedoch ist er offenbar, der ganzen Form nach zu urteilen, an eine mecklenburgische Stadt geschrieben worden (vgl. die Wendungen: fideliter intendatis, fideliter adimpleatis). XV, 9251 und HR. I, 323 wird für wahrscheinlich gehalten, daß das Schreiben an Rostock gerichtet war; so ist nach den dem Briefe vorgedruckten Regesten anzunehmen. Schäfer (S. 422) läßt die Frage, ob an Rostock oder Wismar, offen. Sie läßt sich auch nicht entscheiden.
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über 65 ); nur noch in Warberg hätten sie eine Zuflucht. Er berichtete auch von den Erfolgen im Kriege. Dann ersuchte er um Nachricht über den Stand der Dinge in der Heimat, den benachbarten Territorien und Städten, um Zufuhr von Waren nach Kalmar und Stockholm, um Zusendung des städtischen Armbrustmeisters mit seinen Geschossen. Auch möge man die Kaufleute der übrigen Seestädte in seinem Namen veranlassen, ihm nach Kalmar, Stockholm, Söderköping, Nyköping oder wo er sich sonst mit den Seinen aufhalte, unter freiem Geleite und gegen hinreichende Bezahlung Proviant zuzuführen. - Auch die beiden Hafenplätze Söderköping und Nyköping waren also in mecklenburgischer Hand 66 ); in Söderköping hatte sich Hakon noch am 25. Februar aufgehalten 67 ).

Zugleich sandte Albrecht durch den Überbringer des Briefes noch ein Schreiben, das ohne Aufschub den anderen Städten vorgelegt werden sollte 68 ). Wahrscheinlich war hierin von dem Bündnis mit den Hansen die Rede. Der Herzog plante nämlich, jetzt, in Waldemars Abwesenheit, in Schonen einzufallen. "Wir sind drauf und dran, Schonen zu besuchen", hatte Graf Heinrich schon in seinem Briefe vom 14. März geschrieben. Man erwartete in den Kreisen des schwedischen Adels, daß die an Dänemark verlorenen Lande nun von den Mecklenburgern zurückgewonnen würden 69 ); schon beim Bündnisse der Folkunger mit den Städten vom Jahre 1361 war die Wiedereroberung nicht nur Gotlands und Ölands, sondern auch Schonens in Aussicht genommen worden 70 ). Albrecht hoffte, daß seine Erfolge in Schweden den Mut der Hansen stärken, daß sie nun mit ihm zusammen das verwaiste Dänemark angreifen würden. Es war ja im Kampfe gegen die Folkunger alles viel schneller gegangen, als Waldemar Atterdag sich hatte träumen lassen.


65) quasi fugientes extra et intra regnum vagando transeunt. Magnus urkundete am 20: Januar in Skeninge, am 25. Januar in Vingaken, am 8. März in Bergen, am 18. April in Groda (Westgotland); Hakon am 25. Februar in Söderköping, am 8. März in Bergen, am 27. März in Jönköping, s. die Jtinerare bei Grandinson S. 110 und 115.
66) Vgl. auch Schäfer S. 406 Anm. 2.
67) S. oben Anm. 65.
68) Insuper petimus seriöse, quatenus litteras istas, quas vobis presencium ostensor presentaverit, ad unumquemque presentari ordinetis, nullatenus obmissuri. Dieser Brief wurde dann wohl auf dem Stralsunder Hansetage vom 14. April vorgelegt.
69) Vgl. Libellus de Magno Erici rege, S. R. S. III, I, S. 15.
70) HR. I, 260 und 262, II,1 § 1, Grandinson S. 63.
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Die Verhandlungen mit den Städten waren inzwischen überhaupt nicht abgebrochen worden 71 ). Der Waffenstillstand der Hansen mit Dänemark war abgelaufen, und die Städte mußten sich sagen, daß die Zeit zum Kriege jetzt außerordentlich günstig sei 72 ). Jedoch kamen sie aus dem Schwanken nicht heraus. Auch auf dem Hansetage vom 14. April 1364, als schon die Briefe Heinrichs von Holstein 73 ) und Albrechts eingetroffen waren, sprachen sich nur die Sendboten von Kiel, Wismar und Rostock für das Bündnis mit den Fürsten aus; die übrigen Gesandten hatten Bedenken und machten Vorbehalte 74 ). - Am 21. Juni wurde dann unter Vermittlung Barnims von Pommern=Wolgast ein neuer Waffenstillstand zwischen Dänemark und den Städten bis zum 2. Februar 1368 geschlossen. - Ob Albrecht schon vorher den geplanten Angriff auf Schonen ins Werk setzte, sei dahingestellt 75 ). Jedenfalls wurde die Eroberung des Landes aufgegeben, weil die Hansen sich versagten. Überdies hatte Klaus von Holstein sich mit Dänemark verglichen; nur so konnte er sich wie er sagte, aus der schweren Gefahr befreien, in die er durch den Anschluß Adolfs von Plön an Waldemar Atterdag geraten sei 76 ).

Der Herzog und Graf Heinrich hatten in ihren Briefen an die Städte übertrieben, die Lage allzu glänzend geschildert, um die Zögernden mit fortzureißen. Es war nicht richtig, daß nur noch Warberg Magnus und Hakon eine Zuflucht bot. Außer diesem waren mindestens Westgotland und angrenzende Teile Smålands und Ostgotlands, überdies Finnland damals noch nicht unterworfen 77 ). Gleichwohl war die Sache der Folkunger so


71) Vgl. HR. I, Rezeß vom 6. Januar 1364 § 9: sed de juvamine faciendo . . . .
72) Schäfer S. 371.
73) Item de responso comitis Hinrici verzeichnet der Rezeß vom 14. April § 17. Heinrich hatte nämlich in seinem Brief vom 14. März die Städte um Nachricht gebeten, qualiter se status (vester) cum rege Dacie et fratris nostri et patrui (Adolfs v. Holstein) se habeat.
74) HR. I, 321 §§ 2-7, vgl. Schäfer S. 373.
75) In den Waffenstillstand der Städte mit Dänemark wurden neben anderen Fürsten auch die Mecklenburger und Holsteiner von beiden Parteien aufgenommen (XV, S. 422).
76) Vgl. Reinhardt S. 353 f. Die Urkunde der Sühne findet sich nicht. Sie wurde wohl im März oder April 1364 geschlossen.
77) S. die Jtinerare bei Grandinson a. a. O. Genau läßt sich das Machtgebiet König Albrechts in dieser Zeit nicht feststellen. Vgl. darüber Schäfer S. 406 Anm. 2; allerdings ist auch Hakon 1364 in Schweden nachweisbar, und Magnus nicht nur am 20. Januar.
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gut wie verloren. Am 24. April 1364 wurde zwischen den beiden Parteien in Schweden durch Abgeordnete eine Waffenruhe bis zum 19. Mai abgeschlossen 78 ). Man rechnete schon mit weiteren Verhandlungen 79 ), und im Juli erklärte sich Magnus bei einer Unterredung mit den Mecklenburgern und den schwedischen Reichsräten zu Jönköping bereit, gegen den Besitz Westgotlands auf Lebenszeit bei Fortführung des Königstitels auf das übrige Reich zu verzichten. Da Hakon nicht zugegen war, wollte man im nächsten Sommer noch einmal zur endgültigen Verständigung zusammenkommen. Bis dahin sollten die Waffen ruhen, und Magnus versprach, König Albrecht inzwischen im Besitze Schwedens nicht zu stören. Er schwur es am Altar der Franziskanerkirche, "indem er die Büchse mit dem Leibe des Herrn berührte" 80 ).

So schien er sich in sein Schicksal fügen zu wollen; der Krieg mit den Folkungern schien beendet. Der alte Herzog kehrte mit den übrigen Fürsten in die Heimat zurück 81 ), nachdem sein Sohn dem Grafen Heinrich zur Entschädigung für seine Dienste Gotland mit Wisby um die Summe von 4000 M löth. Silb. verpfändet hatte. Allerdings war die Insel nicht in mecklenburgischer Hand; mit Minne oder Macht sollte Heinrich in ihren Besitz gesetzt werden 82 ). - Im Herbste brach dann König Albrecht auf,


78) XV, 9263.
79) Were ok dat binnen desser vorbenomden tyd use here koningh Magnus und de vorscrevene koning Alberd, hertoghe Albert, greve Hinrik eder erer ienich wor to daghen quemen, so scal desse vorbenomede vrede waren achte daghe daerna, dat sik de heren scheden (ebd.).
80) Korner II, S. 278 f. S. auch XV, S. 431, Mecklb. Parteischrift § 11, Lib. de Magno Erici rege, S. R. S. III, I, S. 15. Vgl. auch Schäfer S. 407 Anm. 2, Oelgarte, Die Herrschaft der Mecklenburger in Schweden, M. Jbb. LXVIII, S. 13 f.
81) Korner S. 279. - XV, 9306 (14. November 1364, Stockholm) zwingt nicht zu der Annahme, daß Herzog Albrecht noch in Schweden war. Lorenz von Werle urkundete am 19. November in Dargun (XV, 9307), Herzog Albrecht am 27. Februar 1365 in Schwerin (XV, 9331, vgl. XV, S. 432 oben und Städtechroniken XXVI, S. 369 Anm. 4).
82) Schlesw.=Holst.=Lauenb. Urks. II, S. 269, Rydberg II, 368, im Auszuge XV, 9288. - Die Frage, ob Gotland mit Wisby damals in dänischer Hand war, oder ob es sich König Albrecht noch nicht unterworfen hatte (etwa weil dort eine dänische oder folkungische Partei bestand), lasse ich offen. Vgl. Rydberg II, S. 338 ff. Schäfer meint, daß die Insel mit Wisby der Herrschaft Waldemars überhaupt nicht wieder entzogen sei (vgl. S. 271 f. und S. 408 Anm. 1).
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um Finnland zu unterwerfen. Bei der Belagerung (bos kam hier Nikolaus Turesson ums Leben 83 ).

Während der König noch vor Åbo lag, rüsteten sich die Folkunger - gegen die Abrede - zu einem unerwarteten Angriff. Sie wollten sich der Herrschaft über Schweden wieder bemächtigen und rückten zu Beginn des Jahres 1365 mit einem Heere in der Richtung auf Stockholm vor. Von Arboga in Westmanland aus forderten sie den Erzbischof, die Geistlichen und die Ritter des Erzstifts von Upsala zum Anschlusse auf 84 ). Bei Enköping am Mälarsee aber traten ihnen die Anhänger König Albrechts entgegen und erfochten einen vollständigen Sieg (3. März). Magnus selber geriet in Gefangenschaft. Sechs Jahre hindurch wurde er zu Stockholm in Haft gehalten. Anfangs blieben ihm die Fesseln nicht erspart 85 ). Seine politische Laufbahn war zu Ende. -

Da Magnus das Übereinkommen von Jönköping gebrochen hatte, so suchte König Albrecht nun auch in Westgotland festen Fuß zu fassen. ImFrühling (zwischen dem 13. April und dem 6. Juni) fanden bei Arboga mit Männern aus der Provinz Verhandlungen statt, ebenso später, Mitte Juni, zu Westerås, wo der König selber zugegen war 86 ). - Seine Herrschaft konnte durch die gewonnene Schlacht nur befestigt werden.


2.

Vom Angriff König Waldemars auf Schweden bis zum Bündnisse der Mecklenburger mit der Hanse.

Im Sommer 1364 war Waldemar Atterdag nach Dänemark zurückgekehrt 1 ). Schon vor der Schlacht bei Enköping hatte Herzog Albrecht Verhandlungen mit ihm eingeleitet, um die An=


83) Schäfer S. 408.
84) XV, 9330 (27. Februar). Vgl. Hildebrand S. 288.
85) Vgl. Koppmann, Städtechroniken XXVI, S. 370 Anm. 7 (nach XVI, 9593).
86) Vgl. die Kostenrechnung Raven von Barnekows, XV, S. 560, Schäfer S. 409. Im letzten Teile der Rechnung, die vom März 1365 bis zum März 1367 läuft, finden sich Verluste an Pferden aufgezählt, die in Gefechten erlitten wurden (S. 774-776). Zuweilen wird auch der Ort oder die Gegend genannt, wo die Pferde eingebüßt sind. Die Zeit dieser Verluste läßt sich aber nur fiir ein Treffen in Dalarne genauer bestimmen, das bald nach dem 7. Januar 1366 stattfand (S. 576, vgl. S. 562 Anm.). -
1) Reinhardt S. 347.
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erkennung des Schwedenkönigs von ihm zu erlangen 2 ). Augenscheinlich aber stellte Waldemar die Bedingung, daß ihm schwedische Gebiete dafür überlassen werden sollten. Es ist wohl möglich, daß er, wie berichtet wird, das norwegisch=westgotische Heer der Folkunger, die gerade damals ihren Einfall in Schweden unternahmen, durch Hilfstruppen verstärkte 3 ); denn je gefährlicher dieser Einfall für König Albrecht wurde, um so eher durfte Waldemar bei den Mecklenburgern auf Entgegenkommen rechnen. Jedoch machte Albrecht ihm offenbar keine Zugeständnisse, zumal da er von der siegreichen Schlacht und der Gefangennahme des Königs Magnus erfuhr 4 ). Weder seinem Sohne noch dem schwedischen Reichsrate konnte er zumuten, ohne Kampf Gebiete an Dänemark abzutreten.

Der König beschloß nunmehr, mit den Waffen zu erzwingen, was er durch Verhandlungen nicht hatte erreichen können. Im Juni 1365 beriet er sich zu Aalborg in Jütland mit Hakon 5 ).Im folgenden Monat (7. Juli) schloß er in Kolding einen Friedensvertrag mit Heinrich und Klaus von Holstein. Es sollte den Grafen jedoch freistehen, außerhalb der dänischen und holsteinischen Lande dem Könige von Schweden oder dem von Norwegen Beistand zu leisten 6 ). Die Grafen rechneten also mit der Möglichkeit, daß sie sich entschließen würden, für Hakon einzutreten. Es ist dies ein Zeichen, daß es zwischen ihnen und den Mecklenburgern zu einer für diese recht gefährlichen Spannung gekommen war; vielleicht erklärt sie sich daraus, daß Heinrich die Insel Gotland nicht erhalten hatte 7 ).

Mit den Städten verhandelte Waldemar schon seit dem Frühling über eine Aussöhnung. Er fand sie bereit dazu. Rostock


2) Am 1. Februar 1365 stellte Waldemar dem Herzog einen bis zum 13. April laufenden Geleitsbrief zur Fahrt nach Jütland (mit hundert Pferden) aus, XV, 9324, Reinhardt S. 358.
3) Vgl. Reinhardt S. 358 und S. 571, Anm. 103.
4) Schäfer S. 410 f.
5) Schäfer S. 382, Oelgarte, Die Herrschaft der Mecklenburger in Schweden, M. Jbb. LXVIII, S. 16.
6) Rydberg II, 370, Reinhardt, Beilage 9, im Auszuge XV, 9377.
7) Möglich auch, daß es wegen Kalmar, der Pfandschaft der Holsteiner (s. oben S. 127) zum Zwist gekommen war. Vgl. Munch VII, S. 771 f., Reinhardt S. 361. Jedoch finde ich nicht, daß die Worte deme koming van Sweden edder van Norweghen zweideutig sind, wie R. meint. - Wenn die Holsteiner sich die Erlaubnis geben ließen, für Hakon, mit dem Waldemar doch verbündet war oder sich wenigstens verbünden wollte, einzutreten, so geschah dies, weil die augenblickliche politische Konstellation sich jederzeit ändern konnte.
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und Wismar war es allerdings peinlich, gerade jetzt dem Könige die Hand zu bieten, wo er plante, sich gegen ihr Herzogshaus zu wenden 8 ), doch nahmen auch sie an dem Frieden teil, der im September 1365 zu Wordingborg zwischen Waldemar und den Hansen geschlossen wurde. Bei der Vereinbarung der Waffenruhe vom vorigen Jahre hatten sie sich ausbedungen, daß sie ihren Herzog in einem Kriege gegen Dänemark unterstützen dürften; sie sollten die Fehde dann drei Wochen vorher ansagen 9 ). Solche Bestimmung findet sich in der Friedensurkunde zwar nicht, doch standen die beiden Städte Albrecht hernach im Kampfe gegen Hakon und Waldemar Atterdag zur Seite.

Es konnte Albrecht nicht verborgen sein, daß diese Friedensschlüsse dem Dänenkönige freie Hand für einen Einfall in Schweden schaffen sollten. Auch er traf seine Maßregeln. Indem er sich gewisse Streitigkeiten im Hause der Herzöge von Pommern=Wolgast zunutze machte, schloß er am 12. Oktober 1365 in Stralsund mit Wartislav V. und den beiden Söhnen Barnims IV., Wartislav VI. und Bogislav VI., ein Bündnis, wobei die Wolgaster sich allerdings vorbehielten, dem Dänenkönige das Lehnsaufgebot von fünfzig Gewappneten zu stellen 10 ). Am 15. März 1366 folgte ein Bündnis mit Albrecht von Sachsen=Mölln und Bergedorf 11 ), der dem Herzog dankbar war, weil dieser sich ihm für die Zahlung der Mitgift seiner Gattin Katharina, der Schwester des Fürsten Lorenz von Werle, verbürgt hatte 12 ). - So suchte Albrecht sich für die Zeit des nahenden schwedischen Krieges gegen Angriffe in Deutschland, etwa von seiten Erichs von Lauenburg, zu decken. Dann reiste er an den kaiserlichen Hof in Prag 13 ), vermutlich um durch Karl IV. auf Waldemar Atterdag einzuwirken, der seine 1350 mit dem Luxemburger geschlossene Freundschaft während jener großen Auslandsfahrt zu Krakau und Prag erneuert hatte 14 ).


8) HR. I, 356 § 4, 360, 363 (im Auszuge XV, 9368), s. Schäfer S. 381 mit Anm. 2 und S. 382.
9) XV, S. 421 f., Schäfer S. 379.
10) XV, 9402.
11) XVI, 9458.
12) XVI, 9448 (25. Januar 1366). Lorenz von Werle verspricht Albrecht mit Beziehung auf diese Bürgschaft Schadloshaltung.
13) Am 14. April war er in Prag, XVI, 9473, ebenso am 19. April, Böhmer=Huber 4298 (S. 351).
14) Reinhardt S. 341 f. - Albrecht mochte um so eher auf die Bereitwilligkeit des Kaisers rechnen, als er unter den Fürsten war, auf deren Rechtsspruch hin Karl das Bündnis zwischen Ludwig von Ungarn und den (  ...  )
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Zum Glück gelang es Albrecht, sich den Beistand der Grafen Heinrich und Klaus zu erhalten 15 ). Am 10. Mai gab ihm Heinrich das Recht, die Pfandschaft Kalmar, die noch immer in holsteinischem Besitze war, einzulösen 16 )

Wohl gegen Pfingsten des Jahres 1366 eröffnete Waldemar, außer mit Hakon auch mit Erich von Lauenburg verbündet, den Angriff auf Schweden 17 ). Schon im Vorjahre, wie es scheint, war ihm Warberg mit Nordhalland unter Zustimmung Hakons überliefert worden 18 ). Jetzt drang er siegreich vor. Die Lage der Mecklenburger wurde alsbald so schwierig, daß Herzog Albrecht durch Vermittlung seines Schwiegersohnes Adolf von Holstein Unterhandlungen mit Waldemar anknüpfte. Wenn Adolf auch seit seiner Belehnung mit Fehmarn zur dänischen Partei neigte 19 ), so war er doch dem Herzoge nicht feindlich gesinnt. Am 21. Juni 1366 schloß Albrecht mit ihm einen Vertrag über die Zahlung der Mitgift seiner Gattin 20 ), die eigentlich schon bis Weihnachten 1364 hatte erfolgen sollen 21 ). Zugleich wird er


(  ...  ) Österreichern für aufgehoben erklärte, XVI, 9469 (29. März 1366, Prag). - Die Urkunde vom 31. März (XVI, 9470, Schwerin) muß in Albrechts Abwesenheit ausgestellt sein.
15) Daß Heinrich und Klaus hernach die Mecklenburger gegen Waldemar unterstützten, geht aus XVI, 9516 hervor.
16) Für 3500 löth. M . Auch sollte König Albrecht gewisse Verpflichtungen erfüllen, die Heinrich einigen Rittern gegenüber hatte. Für die 3500 M sollte der König dem Grafen und seinem Plöner Vetter, der Anteil an Kalmar hatte, ein Pfand bestellen (XVI, 9480). Er wies als solches am 5. Februar 1367 eine jährliche Rente von 100 Schiffspfund Kupfer an, der Herzog Albrecht, dem das Kupfer verpfändet war, zugunsten der Holsteiner entsagte (XVI, 9601, Kalmar). Vgl. Schäfer S. 417 f. Graf Klaus wird weder in dem Vertrage vom 10. Mai 1366, noch in dem vom 5. Februar 1367 erwähnt, scheint also seinen Anteil an Kalmar abgestanden zu haben.
17) Reinhardt S. 369 und S. 573 (Anm. 119).
18) Hakon erhielt dafür Bohus, das Leibgedinge seiner Gattin, (Rydberg II, S. 331, vgl. Reinhardt S. 325), zurück (s. Reinhardt S. 361 ff., Munch VII, S. 769). Im Koldinger Vertrage vom 7. Juli zwischen Holstein und Dänemark wurde festgesetzt, daß die Grafen, wenn sie in den Besitz Warbergs kämen, dies (natürlich an Waldemar) ausliefern sollten. Die Frage, warum die Holsteiner Aussicht hatten, Warberg in ihre Hand zu bekommen, sucht Reinhardt S. 362 zu beantworten, doch muß sie unentschieden bleiben, ebenso läßt sich nicht erkennen, ob die Grafen, wie Reinhardt annimmt, dann bei der Übergabe Warbergs mitwirkten.
19) S. oben S. 128.
20) XVI, 9495. Schon am 2. September 1366, noch früher als am 21. Juni festgesetzt wurde, waren zwei Drittel der Mitgift, die im ganzen 1500 löth. M betrug, bezahlt, XVI, 9534.
21) XV, 9049.
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die Vermittlung des Grafen erbeten haben, durch die dann bewirkt wurde, daß der Herzog am 28. Juli in Alholm auf Laaland mit Waldemar zusammenkam 22 ). Albrecht wurde von seinen Söhnen Heinrich und Magnus begleitet. Der Schwedenkönig dagegen fehlte, sein Vater handelte für ihn.

Es schien, als ob Waldemar einen seiner größten Erfolge erringen sollte. Gotland mit Wisby, Wärend und Finweden in Småland, Kind und Mark in Westgotland, die Feste Elfsborg 23 ) mit ihrer Harde und der halben Insel Hisingen vor Gotenburg, aber ohne Lödöse, sollten für immer zu Dänemark gehören. Ebenso alle Schlösser und Lande, die Waldemar Pfingsten 1366 in Besitz gehabt habe; es sind hiermit sicherlich besonders Schonen und Blekingen gemeint 24 ). Waldemar betrachtete zwar diese Lande längst als seinen rechtmäßigen Besitz, doch wollte er augenscheinlich die Zustimmung des schwedischen Reichsrates, die für den ganzen Alholmer Vertrag eingeholt werden sollte, in der Form einer solchen Umschreibung nachträglich für die Eroberung Schonens und Blekingens gewinnen. Über Halland, das der König ja ebenfalls schon vor Pfingsten in seiner Hand gehabt hatte, findet sich noch eine besondere Bestimmung. Warberg mit Nordhalland war eine der jüngsten Errungenschaften Waldemars, und auf Südhalland hatten die Mecklenburger vielleicht niemals, oder doch jedenfalls nur unter Vorbehalt, verzichtet; jetzt aber verhießen Herzog Albrecht und seine Söhne, den König im Besitze Hallands (by Hallande, by Wartberghe) zu erhalten 25 ).


22) Da eine der Abmachungen von Alholm durch Adolfs Schiedsspruch zustande kam (s. unten S. 139), so nehme ich mit Schäfer (S. 413 f.) an, daß der Graf, der zwischen den Parteien in der Mitte stand, die Zusammenkunft vermittelte.
23) Elfsborg war damals weder in mecklenburgischer noch in Waldemars Gewalt; König Albrecht sollte das Schloß ausliefern, wenn es in seinen Besitz kommen würde. Es war von Hakon oder schon von Magnus verpfändet worden (s. HR. II, 2 § 8).
24) Vgl. Reinhardt S. 574 Anm. 119. Rydberg (II, S. 304 f.) ist der Ansicht, daß Schonen hier nicht gemeint sein könne, da manche unbedeutendere Gebiete namentlich aufgeführt seien. Waldemar habe die Zustimmung des Reichsrates zur Abtretung Schonens jetzt wohl deswegen nicht gefordert, weil er nicht habe zugeben wollen, daß sein Recht auf die Provinz an dem Mangel dieser Zustimmung leide. Aber es steckt hinter der Umschreibung (al de slote unde alle de lant) doch wohl eine besondere Absicht.
25) In Beziehung auf Südhalland war es Waldemar natürlich hauptsächlich um den Verzicht des Schwedenkönigs und Heinrichs von Mecklenburg zu tun, deren Lehn das Herzogtum ja einstmals gewesen war, s Rydberg II, S. 304, der allerdings einen Verzicht des alten Herzogs vom Jahre 1360 annimmt.
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- Auf der Grundlage dieser Bestimmungen garantierten sich Waldemar und die Mecklenburger gegenseitig ihre sämtlichen Lande. Allerdings waren die Übereinkünfte noch nicht gesichert. Erst am 2. Februar des nächsten Jahres sollten die beiden Könige mit ihren Reichsräten und den für den Vertrag bestellten Bürgen zwischen Kalmar und Bröms 26 ) zusammenkommen, wo der Vertrag ratifiziert und der Friede geschlossen werden sollte. - Magnus sollte nicht aus der Gefangenschaft entlassen werden, bevor er die Abtretungen anerkannt habe. Und mit Hakon verpflichteten sich Albrecht und seine Söhne weder Frieden noch einen länger als drei Jahre währenden Waffenstillstand zu schließen, wenn er nicht vorher die Alholmer Abmachungen genehmigen wolle. Weigere er sich, so solle der Dänenkönig auf die Seite seiner Gegner treten. Wie dieses Verlangen nach der Zustimmung der Folkunger zeigt, hielt Waldemar die mecklenburgische Herrschaft in Schweden noch nicht für unbedingt gesichert; auch für den Fall, daß Magnus und Hakon doch noch das verlorene Reich zurückgewönnen, wollte er sich decken. Jedoch verhieß er für sich und seine Erben, dazu zu verhelfen, daß die schwedische Krone dem mecklenburgischen Hause erhalten bliebe, wenn König Albrecht keine Söhne hinterlassen würde. - Die Herrschaft Rostock erkannte Albrecht von neuem als dänisches Lehn an 27 ). Und endlich verzichteten die Mecklenburger auf jene 10000 M , die Waldemar dem Herzoge Heinrich schuldete; der Schaden, den die beiden Städte Rostock und Wismar dem Könige im Kriege von 1362 zugefügt haben sollten, wurde dagegen aufgerechnet. Es war eine rein formale Auseinandersetzung, damit der alte Streit endlich aus der Welt geschafft würde, und sie geschah auf Entscheidung Adolfs von Holstein 28 ). - Die von mecklenburgischer Seite über alle diese Vereinbarungen ausgestellten Urkunden wurden von Albrecht, Heinrich und Magnus besiegelt. Und die Herzöge gelobten, daß auch König Albrecht bis zum 2. Februar 1367 sein Siegel daran hängen und daß der Vertrag in der vorgeschriebenen Weise ratifiziert werden solle 29 ).

Einen förmlichen Waffenstillstand hatte das Abkommen nicht sogleich zur Folge, vielleicht weil beabsichtigt wurde, ihn


26) Schloß an der Grenze zwischen Blekingen und Småland, Munch VII, S. 780 Anm.
27) S. über die bisher genannten Bestimmungen XVI, 9513 und 9519.
28) XVI, 9515 und 9520.
29) XVI, 9517 und ebd. S. 70.
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Hakon, der sonst hätte Verdacht schöpfen können, bis zur Ratifikation geheim zu halten 30 ). - Am 20. August beauftragte Herzog Albrecht von Rostock aus einen Ritter mit der Anwerbung von Kriegsmannschaft 31 ). Und erst am 26. September gab der Schwedenkönig Bo Jonsson und Raven von Barnekow, dem Vogte zu Nyköping, Vollmacht, mit Waldemar und Hakon eine Waffenruhe abzuschließen 32 ). - Herzog Albrecht war im September und Oktober in Mecklenburg 33 ). Am 31. Oktober wurde zu Rostock seine Enkelin Euphemia, eine Tochter Heinrichs, mit Johann von Werle=Goldberg verlobt. Zugleich vereinbarte Albrecht gemeinsam mit dem Bischofe von Schwerin unter Einschließung seines Bruders, des Herzogs Johann, ein Bündnis und einen Landfrieden mit dem Goldberger und den Fürsten Lorenz und Johann von Güstrow. Es ist bezeichnend, daß der Herzog den Dänenkönig beim Abschlusse dieses Bündnisses ausnahm 34 ).

Am Silvestertage findet er sich im Norden, im Reiche seines Sohnes 35 ). Notgedrungen war er den Alholmer Vertrag eingegangen. Wieder hatte er Waldemar Atterdag aus seinem Wege gefunden; alle Erfolge in Schweden waren durch den König in Frage gestellt worden. Doch hatte Albrecht zu Alholm wenigstens nicht nur die Anerkennung seines Sohnes und die vollständige Isolierung Hakons erreicht, sondern auch die Garantie der Herrschaft des mecklenburgischen Hauses in Schweden durch Waldemar. Es ist wohl behauptet worden, daß der Vertrag ein politischer Fehler gewesen sei; gerade die Abtretung von Gebieten an Dänemark habe man ja Magnus in Schweden so sehr verübelt 36 ). Aber für Magnus, so hatte dieser gerechnet, sollte Schonen der Preis sein für die Hilfe Waldemars gegen die Adelspartei, also für deren Sturz. Daher die Erbitterung der


30) Vgl. Reinhardt S. 377. Dafür jedoch, daß auch König Albrecht das Alholmer Abkommen bis auf weiteres geheim gehalten werden sollte, sehe ich keinen Grund.
31) XVI, 9532.
32) S. die Urkunde bei Rydberg II, S. 351 Anm. 1.
33) Am 28. September urkundete er in Warin, am 18. Oktober in Wismar, am 28. Oktober in Rostock (XVI, 9541, 9551, 9559).
34) XVI, 9560.
35) XV, S. 568.
36) So Schäfer S. 416. Auf die Erklärungen des Vertrages einzugehen, die Munch (Vll, S. 782), Rydberg (II, S. 353 Anm. 1) und Reinhardt (S. 373 ff.) geben, würde mich hier zu weit führen.
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Großen über die Abtretung der Provinz. Jetzt lagen die Dinge umgekehrt. Herzog Albrecht wollte schwedische Gebiete preisgeben, um die Herrschaft seines Sohnes vor Waldemar zu retten. Das Interesse des jungen Königs war aber hierin von dem der Adelspartei gar nicht zu trennen; beide standen und fielen miteinander, beide hatten Waldemar und die Wiederkehr der folkungischen Herrschaft zu fürchten, die der Dänenkönig vielleicht herbeiführen wollte, wenn er von den Mecklenburgern nichts erreichte. Während einst die Abtretung Schonens die Stellung der Adelspartei zu gefährden schien, war der Vertrag von Alholm geeignet, die Großen, sie nicht minder als König Albrecht, aus gefährlicher Lage zu befreien. Überdies war ja der Vertrag nicht nur der Genehmigung König Albrechts, sondern auch der Zustimmung der schwedischen Bürgen unterworfen, die sich neben dem alten Herzoge und seinen Söhnen Heinrich und Magnus dafür verpflichten sollten. Zu Bürgen waren der Erzbischof von Upsala, alle Bischöfe, Kapitel und Äbte Schwedens, der ganze Reichsrat, alle Kirchenvorsteher, die Prälaten seien, fünfzig Ritter und Knappen, die besten, die in Schweden wohnten, und zehn der besten schwedischen Marktstädte in Aussicht genommen worden 37 ); diese alle repräsentierten das Reich, dat rike to Sweden 38 ). Und es ist doch fraglich, ob man dort jede Gebietsabtretung an Waldemar unbedingt, auch wenn sie Rettung aus gefährlicher Lage brachte, verweigern wollte. Wir wissen ja nicht einmal, ob nicht der Herzog sich, bevor er nach Alholm reiste, wenigstens mit König Albrecht und dem Reichsrate darüber verständigt hatte, wie weit er gehen sollte; unwahrscheinlich ist das durchaus nicht. Jedenfalls zweifelte er ursprünglich nicht daran, daß der Vertrag vollzogen werden würde, gelobte er doch Waldemar, es solle geschehen. Trotzdem geschah es nicht. Da der Herzog sich mit dem Schwedenkönige zur festgesetzten Zeit nach Kalmar begab, mag wohl die Zusammenkunft mit Waldemar Atterdag stattgefunden haben 39 ), doch müßte dann wohl über


37) Entsprechende Bürgen sollten auch von dänischer Seite den Vertrag besiegeln.
38) Siehe die Stellen zu Ende des Vertrages, XVI, S. 69 f.
39) Am 5. Februar waren der Herzog und sein Sohn in Kalmar (XVI, 9601), am 28. Februar kehrten sie nach Nyköping, von wo sie gekommen waren, zurück (XV, S. 571), vgl. Schäfer S. 417 mit Anm. 2 (in seiner Angabe, daß der Herzog am 29. Januar auf der Reise nach Nyköping gewesen sei, muß ein Irrtum stecken. In der Kostenrechnung Raven Barnekows, auf die Schäfer sich beruft, findet sich ein solcher Bericht nicht) und Reinhardt S. 379 und S. 575 Anm. 123. Styffe, Schäfer und (  ...  )
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eine andere Grundlage für den Frieden verhandelt worden sein. Der Alholmer Vertrag scheiterte, aber kaum wegen eines grundsätzlichen Widerstandes der schwedischen Großen, sondern weil die Lage für die Mecklenburger günstiger geworden war. Vielleicht wünschte Herzog Albrecht selber nicht mehr die Ratifikation. Denn schon gegen Ende des vorigen Jahres (1366) hatten die preußischen Städte das Signal zu einem Kampfe der Hansen gegen Dänemark und Norwegen gegeben; sie hatten die wendischen Städte zu einem Bündnisse aufgefordert, und obwohl ihnen von diesen eine ablehnende Antwort zuteil geworden war 40 ), so ließen sie doch ihre kriegerischen Pläne nicht fallen 41 ). Ferner hatte sich König Albrecht den Besitz des überaus wichtigen Schlosses Axewall in Westgotland gesichert. Bereits im Oktober hatte er den Befehlshaber der Feste, Gerhard Snakenborg, der bisher den Folkungern treu geblieben war, durch Bestechung für sich gewonnen; doch wollte Snakenborg, offenbar um seinen Verrat zu verhüllen, Axewall nur dann übergeben, wenn Magnus gezwungen würde zuzustimmen. Am 16. Januar 1367 bekannte dieser im Schlosse zu Stockholm, daß Snakenborg ihm die Feste als Beitrag zu seiner Loskaufung zur Verfügung gestellt habe, eine Erklärung, die er "bereits von den Fesseln, wenn auch noch nicht von der Gefangenschaft erlöst" abgab. Vielleicht ist diese Erleichterung seiner Haft der Lohn für die Urkunde gewesen 42 ). - Kurz darauf schickte Herzog Albrecht eine Truppe seiner Leute nach Axewall, wohl um das Schloß in Besitz zu nehmen 43 ).

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(  ...  ) Reinhardt halten es für wahrscheinlich, daß die Zusammenkunft stattfand, auch Rydberg nimmt sie an. Die Vidimation des Alholmer Vertrages, die Schäfer und Reinhardt in den Zusammenhang ziehen, ist früher von Gram falsch datiert worden; sie gehört ins Jahr 1377, vgl. Rydberg II, S. 354 und S. 361, Erslev, Repertorium II, 3134. Munch (S. 787) ist durch die falsche Datierung - anders als Schäfer und Reinhardt - zu der Ansicht gekommen, daß die Zusammenkunft nicht stattgefunden habe.
40) Dies übersieht Styffe S. XLV. Im übrigen folge ich seiner Ansicht, daß die feindliche Stellung der Städte - es kamen, wie gesagt, zunächst nur die preußischen in Betracht - gegen Dänemark und Norwegen ein hinreichender Grund für König Albrecht gewesen sei, den Alholmer Vertrag zu verwerfen, so daß man die Veranlassung hierzu nicht in einem Widerstande der schwedischen Großen zu erblicken brauche.
41) Schäfer S. 388 f.
42) XVI, 9593 mit Anm., vgl. Styffe S. XLIV f. und Urk. Nr. 34, Munch VII, S. 785, Schäfer S. 418 f., Hildebrand S. 289.
43) XV, S. 565, Styffe S. XLV.
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Ob Hakon von der Schwenkung seines Schwiegervaters genau unterrichtet war, mag dahingestellt bleiben. Jedenfalls fanden sich die beiden Verbündeten nach dem Scheitern des Alholmer Vertrages wieder zusammen. Der Krieg ging weiter. Herzog Albrecht unterstützte den König mit Rat und Tat 44 ), und es hat eine tiefe Bedeutung, daß auf dem Titelblatte in der Chronik des Ernst von Kirchberg Vater und Sohn gemeinsam den Schaft der schwedischen Fahne umfassen. Sogar bei Regierungshandlungen wird gelegentlich die Zustimmung des Herzogs erwähnt 45 ). Mitunter mag man seine Teilnahme an der Regierung als Anmaßung empfunden haben; als solche konnte es erscheinen, daß er (im März 1367) die Einwohner des Stiftes Linköping aufforderte, alles aufrührerische Wesen abzulegen und ihre Untertanspflichten zu erfüllen 46 ). Wahrscheinlich hat er bereits in diesen Jahren als Entschädigung für seine Kriegskosten alle die riesigen Pfandschaften erhalten, die sich früher oder später in seinem Besitze befanden; jedenfalls hatte er damals schon Nyköping=Län, d. h. den südwestlichen Teil Södermanlands und die Täler (Dalarne) mit den Einkünften aus ihren Kupfer= und Eisenbergwerken. Als Vogt über diese beiden Pfandschaften hatte er Raven von Barnekow eingesetzt, der sehr früh in seiner Umgebung erscheint 47 ). Um ein Gegen=


44) Am 1. März war er mit König Albrecht in Aflebro (Södermanland), XV, S. 571, am 11. März urkundete er in Stockholm, XVI, 9610, am 6. Juli ebendort, XVI, 9658. In Deutschland findet er sich inzwischen nicht.
45) S. die Urk. bei Styffe I, 39 (S. 121), Schäfer S. 420, Anm. 2. Styffe S. XLVIII f. geht übrigens zu weit.
46) XVI, 9610.
47) Über Albrechts Pfandschaften vgl. Styffe I, S. XLIX f. - Über Nyköping s. Raven Barnekows Abrechnung vom Ende des März 1365 bis zum Ende des März 1367, Styffe I, S. 62 ff., XV, S. 558 ff. - Vor dem 1. Mai 1373 wurde Nyköping von Albrecht an Barnekow weiterverpfändet, ebenso ungenannte Gebiete in Upland (XVIII, 10 433, vgl. 10 690 f., Styffe S. LXVI mit Anm. 1). Die Verwaltung Dalarnes übernahm Barnekow am 24. Juni 1366 (s. die Abrechnung von Johannis 1366 bis zum April 1367, Styffe I, S. 111 ff.), er erhielt die Landschaft ganz oder zum Teil oder Einkünfte daraus vor dem 2. Februar 1375 als Pfand (XVIII, 10 691). Weiter finden sich in Albrechts Pfandbesitz: das Schloß Stäkeholm und die Stadt Westerwik mit dem Lande Tjust in Småland, weiterverpfändet am 29. September 1370 an Johann und Vicke Ummereyse (XVI, 10 098), von diesen weiterverpfändet am 19. November desselben Jahres an Henneke Bützow (XVI, 10 113 B), dann am 15. Mai 1373 von Albrecht an Heinrich und Henneke Moltke verpfändet (XVIII, 10 440); Gebiete bei Westerås, die Ein= (  ...  )
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gewicht gegen den Einfluß der schwedischen Großen zu schaffen, wurden deutsche Ritter ins Land gerufen, auf die Albrecht und sein Sohn offenbar sicherer zählen zu dürfen glaubten. Jedoch war dies eine zweischneidige Maßregel; denn die fremden Ritter lebten zwar mit einem Teile des schwedischen Adels in bestem Einvernehmen 48 ), riefen jedoch, da sie als Verwaltungsbeamte und Pfandinhaber eine Rolle spielten, auch Eifersucht unter den eingeborenen Adligen hervor 49 ). Und die niederen Stände klagten über Bedrückungen durch die Deutschen, gegen die sich ihre Erbitterung wider die Aristokratie nun einseitig wandte 50 ). Schwer litt das Volk unter den Kriegslasten; 1367 verbot König Albrecht bei Todesstrafe, Adel und Geistlichkeit mit übermäßiger Einquartierung zu beschweren, des Volkes geschah jedoch keine Erwähnung 51 ). Allerdings leisteten auch die sonst schatzungsfreien Großen außerordentliche Beiträge zu den Kosten des Feldzuges. Karl Ulfsson und Erich Karlsson opferten für ein Jahr ihr halbes Einkommen, wollten auch andere hierzu veranlassen oder, wenn es sein müsse, zwingen 52 ). Bald darauf erklärten sich Adel und Geistlichkeit bereit, die Hälfte ihrer Einkünfte für das Jahr 1367 der königlichen Kasse zuzuführen. Das Geld sollte zur Verteidigung und Befreiung des Landes verwendet werden 53 ).

Im Sommer und Herbst 1367 lag König Albrecht vor Borgholm auf Öland 54 ), das der dort befehligende hansische Hauptmann


(  ...  ) künfte verpfändete der Herzog am 3. Juni 1375 an Raven Barnekow (XVIII, 10 740); Schloß, Stadt und Vogtei Kalmar, vor dem 11. Juli 1375 an Vicke von Vitzen weiterverpfändet (XVIII, 10 753. Vitzen war hiernach offenbar Pfandinhaber, nicht Hauptmann, wie Styffe S. L annimmt. Auch ist mir zweifelhaft, ob Kalmar an Bo Jonsson gegeben werden sollte [so schließt Styffe S. LXVI aus der Urkunde]); demselben Ritter überließ Albrecht vor dem 13. Juli 1375 noch andere, ungenannte Pfandschaften (XVIII, 10 755; die Urkunde bezieht sich wohl nicht auf Kalmar); endlich Helsingland, Angermanland und Medelpad (XVIII, 10 814, ohne Jahr).
48) Siehe Girgensohn, Die skandinavische Politik der Hanse (1375-95), Diss. Upsala 1898, Beilage I.
49) Das zeigt der spätere Aufstand von 1371 (s. unten Kap. 4). Insofern möchte ich Girgensohns Ausführungen S. 58 und Beilage I, S. 186 f. einschränken.
50) S. unten Kap. 4.
51) Styffe I, 39, S. 121.
52) XVI, 9629 f. (2. Mai, Skeninge), Schäfer S. 420.
53) XVI, 9637, Schäfer S. 420.
54) XVI, 9678, 9702.
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eigenmächtig an Hakon ausgeliefert hatte 55 ). Der König war also stark genug, die Eroberung der Insel in Angriff zu nehmen. Vor allem aber winkte jetzt die Aussicht auf ein Bündnis mit den Hansestädten.

Das mecklenburgische Königtum in Schweden entsprach durchaus den Wünschen der Politiker. Denn es war Gefahr gewesen, daß durch die Annäherung zwischen Waldemar Atterdag und den Folkungern, durch ein Bündnis der drei Könige, die alle den deutschen Kaufleuten nicht wohlwollten, die politische Bedeutung der Städte im Norden vernichtet wurde. Deshalb hatten es die Hansen gerne gesehen, daß die neue Dynastie sich in Schweden festsetzte. Hakon beklagte sich später (1370) darüber, daß die Städte die Mecklenburger begünstigt hätten. Seine Gegner und deren Güter seien in Borgholm verteidigt worden, als Öland noch in hansischem Besitze gewesen sei. Auch habe König Albrecht (filius Magnopolensis) damals den Anhängern der Folkunger ihre Landgüter auf Öland genommen und sie seinen Freunden zugewiesen 56 ). Die Hansen glitten in ihrer Erwiderung über den ersten Vorwurf hinweg 57 ), auf den zweiten entgegneten sie, sie glaubten nicht, daß dies während ihrer Herrschaft über die Insel geschehen sei 58 ). Hakon behauptete sogar, die Städter hätten an den Zügen seiner Feinde teilgenommen, als ihm durch diese von Öland aus Schaden zugefügt worden sei 59 ). Er beschwerte sich auch darüber, daß die Hansen den Mecklenburgern Proviant und Schiffe geliefert und alle Zufuhr von den schwedischen Gebieten, die noch in folkungischer Hand gewesen, ferngehalten hätten, bis diese Gebiete durch die Mecklenburger erobert seien. Ebenso hätten sie denen, die sich zu seinem Dienst begeben wollten, nichts verkauft und seinen Untertanen die Einfuhr aus den Städten abgeschnitten 60 ). Eben da=


55) Schäfer S. 412, Reinhardt S. 377 f. Mit der Übergabe Borgholms fällt zeitlich zusammen eine Belagerung Kalmars durch Hakon und dänische Truppen, jedoch läßt sich, wie ich glaube, nicht entscheiden, ob die beiden Ereignisse vor dem Alholmer Vertrage, wie Schäfer will, oder nachher (so Reinhardt) stattfanden.
56) HR. II, 2 § 7, vgl. 4 §§ 16 und 18.
57) Sie erwähnten allerdings in ihrer Erwiderung diesen Vorwurf, aber zusammen mit dem, daß die Diener Hakons von Borgholm aus beraubt seien, und gingen dann nur auf diese letzte Beschuldigung ein, HR. II, 3 § 8.
58) HR. II, 3 § 8.
59) HR. II, 4 § 16, Vgl. auch § 17.
60) HR. II, 4 §§ 5, 6.
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durch habe er das schwedische Reich verloren, daß Herzog Albrecht von den Hansen durch Geld und wessen er sonst bedurft habe, unterstützt worden sei 61 ). Diese Behauptung wiederholte Hakon 1372 zusammen mit seinem Vater; die Städte aber wiesen sie zurück 62 ).

Mit seinen Klagen über die ihm versagte, den Mecklenburgern aber erteilte Zufuhr traf Hakon allerdings nicht das Richtige. Denn auf dem Hansetage vom 6. Januar 1364, noch vor der Wahl König Albrechts, war der Seehandel bis Ostern gänzlich verboten worden 63 ). Das war geschehen, weil der Waffenstillstand der Städte mit Dänemark ablief. Als dann aber am 15. März 1364 das Verbot der Ausfuhr von Waren bis zum 21. April verlängert wurde, ließen sich Rostock und Wismar die Erlaubnis erteilen, ihrem Herzoge Proviant zuzuführen 64 ). Auf dem Hansetage vom 14. April wurde dann die Fahrt durch den Sund und der Handel nach Dänemark und Schonen untersagt, im übrigen aber den Kaufleuten freigestellt, die Ostseeländer, auch Schweden, zu besuchen 65 ). Am 25. Mai ordnete man jedoch wieder eine vollständige Sperrung bis Johannis an 66 ). Alle diese Maßregeln waren durch das unsichere Verhältnis der Hansen zu Dänemark hervorgerufen worden. Die Folkunger hatten darunter zu leiden, und dies sahen die Städte, da ja der Handel doch einmal stockte, wegen ihrer Sympathie für König Albrecht vielleicht nicht ungern. Die Mecklenburger dagegen wurden von Rostock und Wismar versorgt; kein Wunder, daß Hakon die Güter dieser beiden Städte als gute Prise erklärte, auch wenn sie auf fremden Fahrzeugen verfrachtet waren 67 ).

Mit Lübeck hatte Herzog Albrecht im April 1365, als Waldemar Atterdag den Angriff auf Schweden ins Auge faßte, ein vierjähriges Friedensbündnis geschlossen. Zugleich war ihm


61) HR. II, 4 § 15.
62) HR. II, 40 § 10. Hiernach erklärten die Folkunger, daß Albrecht von den Städten neben Schiffen, Lebensmitteln und anderem (alia necessaria) auch homines erhalten habe; doch braucht darunter nicht Kriegsvolk verstanden zu werden. Es können auch Schiffsmannschaften oder Packknechte gemeint sein.
63) HR. I, 310 § 6, Schäfer S. 367, vgl. HR. I, 313 § 2.
64) HR. I, 315 § 2, vgl. 316 § 2.
65) HR. I, 321 § 12.
66) HR. 325 § 15, Schäfer S. 376.
67) So wurde 1366 in Marstrand die Ladung eines lübischen Schiffes beschlagnahmt, weil sie aus Wismar stammte, HR. II, 1 § 7 (3), 2 § 9. Schäfer S. 428.
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von der Stadt für die Dauer des Vertrages eine jährliche Rente von 400 M lüb. Pf. angewiesen worden 68 ). Diese Rente war nichts anderes gewesen als eine Unterstützung für den drohenden Krieg, zumal da binnen zwei Monaten das Geld für drei Jahre, im ganzen also 1200 M , ausgezahlt wurde 69 ). Befriedigt hatte sich König Albrecht in einem im Juni 1365 aus dem Lager bei (bo entsandten Briefe, worin er einen Boten bei den Städten beglaubigte, über das gute Verhältnis zwischen ihnen und seinem Vater ausgesprochen 70 ).

Es ist wohl möglich, daß die Hansen seine Sache auf Öland begünstigt hatten, erteilten sie doch auf Hakons Beschwerde hierüber eine gewundene Antwort. Abgesehen von Rostock und Wismar waren jedoch die Mecklenburger im übrigen nur von Lübeck schüchtern unterstützt worden. Formell hatten die Städte eine Stellung zwischen den Parteien eingenommen 71 ). Sie hatten bisher nicht einmal gewagt, König Albrecht offen anzuerkennen, umgingen es, ihm den Königstitel zu geben, sprachen nur von Herzog Albrecht und seinen Söhnen 72 ), wie auch Hakon von dem Sohne des Mecklenburgers redete. Die Folkunger dagegen wurden von den Hansen als Könige von Schweden und Norwegen bezeichnet 73 ).

Niemals wäre es Albrecht gelungen, ein Bündnis mit den Städten zu schließen, wenn nicht Waldemar Atterdag sie in gefährlichem Leichtsinn durch Verstöße gegen die Bestimmungen des Wordingborger Friedens gereizt hätte, und das jetzt, wo er gegen Schweden im Felde stand 74 ). Auch mit Hakon lagen die Hansen in Streit 75 ). Und nun gaben, wie erwähnt, im Dezember 1366 die preußischen Städte das Zeichen zum Kampfe gegen Dänemark und Norwegen. Da jedoch die wendischen vor=


68) XV, 9345 f., Schäfer S. 422.
69) XV, 9347, 9349, 9367. Die letzten 400 M wurden 1368 in zwei Raten entrichtet, XVI, 9754, 9804.
70) XV, 9370. Schäfer S. 422. Westphal, Die Verhältnisse der wendischen Hansestädte untereinander, zu den Landesherren, zur Hansa, Diss. Greifswald 1911, S. 31.
71) So erklärte Reval, beiden Parteien freundlich gesinnt zu sein und keine von ihnen unterstützen zu wollen, Schäfer S. 421.
72) Schäfer S. 421.
73) Schäfer S. 421, HR. I, 325 § 5, ebd. S. 279, ebd. S. 382. Auch später, überall da, wo die politische Klugheit es gebot, gebrauchten die Städte diesen Titel, vgl. HR. II. 1 und 3 (1370).
74) Schäfer S. 387 f.
75) Schäfer S. 427 ff.
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erst nichts vom Kriege wissen wollten, knüpften die Preußen mit den Städten von der Südersee Verhandlungen an 76 ).

Herzog Albrecht beschloß, sich diese Kampfesstimmung im Ordenslande zunutze zu machen. ImApril 1366 war er in wundersamer Gemeinschaft mit den Königen von Dänemark und Norwegen vom Kaiser zum Schirmherrn des Erzbischofs Fromhold von Riga ernannt worden 77 ), den der Orden in Livland an der Residenz hinderte. Da Riga dem Erzbischof zugesprochen wurde, hatte Albrecht verlangt, daß man ihm die Stadt einräume 78 ). Glücklicherweise war der Streit inzwischen beigelegt 79 ) worden, ohne daß er ein Zerwürfnis zwischen dem Herzog und dem Orden zur Folge gehabt hätte. Jetzt schickten Albrecht und sein Verbündeter Heinrich von Holstein Briefe an den Hochmeister, der hinter seinen Städten stand 80 ), und erklärten sich zu einem Bündnisse mit den preußischen Hansen bereit 81 ). Auch den wendischen Städten übermittelten sie ihre Vorschläge 82 ). Wenn jetzt ein Kriegsbund mit den Hansen zustande kam, dann konnte Albrecht den Spieß umdrehen und den Vernichtungskampf gegen Waldemar Atterdag beginnen.

Die wendischen Städte hofften noch auf eine friedliche Auseinandersetzung mit Waldemar 83 ). Die Preußen und Niederländer aber schlossen ein Bündnis und kamen überein, Martini in Köln eine Versammlung abzuhalten 84 ).

Mit Spannung verfolgte Herzog Albrecht die Entwicklung der Dinge. Am 29. Juli tagten die Boten von neun wendischen Städten in Stralsund. Noch freilich verhielten sie sich dem Gesandten Waldemars gegenüber nicht ganz ablehnend; aber zugleich wurde eine vorläufige Handelssperre über Dänemark und


76) Schäfer S. 390.
77) XVI, 9474 (23. April 1366).
78) XVI, 9475 (nach dem 23. April 1366).
79) Voigt, Gesch. Preußens V, S. 188 ff.
80) Über die Stellung Kniprodes zum Kriege der Städte gegen Dänemark, auf die ich hier nicht weiter eingehen kann, s. Woltmann, Der Hochmeister Winrich von Kniprode und seine nordische Politik, Diss. Berlin 1901.
81) HR. I, 402 §§ 5, 6 (Rezeß vom 24. Juni 1367), Schäfer S. 398. Über den genauen Inhalt der Briefe sind wir nicht unterrichtet.
82) HR. I, 402 § 6.
83) Schäfer S. 393.
84) Schäfer S. 391, 392 Anm. 1. Daenell, Die Kölner Konföderation vom Jahre 1367 und die schonischen Pfandschaften, Leipziger Studien I (1. Heft) 1894 S. 5.
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Norwegen, auch Öland verhängt 85 ). Man beschloß, zum Kölner Tage Vertreter zu senden 86 ); und im Auftrage der Versammlung richteten Lübeck, Rostock und Wismar an Herzog Albrecht und Heinrich von Holstein die Frage, wie sie sich verhalten würden, wenn Waldemar bis Weihnachten eine der Städte blockiere 87 ). Das war eine Vorbereitung der wendischen Hansen auf das Bündnis. Nachdem sie dann in Falsterbo ganz vergeblich mit dem Könige, der seine schroffste Seite herauskehrte, verhandelt hatten, gaben auch sie die Hoffnung auf gütliche Einigung auf. Und nun, einmal entschlossen, ergriffen sie die Leitung der städtischen Kriegsbewegung; vor allen Dingen waren sie darauf bedacht, sich mit Albrecht, dem Schwedenkönige und den Holsteinern zu verbünden 88 ).

Die wendischen Städte hatten im Juni drei ihrer geschicktesten Politiker ins Ordensland abgeordnet. Sie sollten sich dort unter anderem über die Verhandlungen zwischen den niederländischen und preußischen Städten genauer unterrichten und den Hochmeister über die Vorschläge Albrechts und Briefe Heinrichts von Holstein 89 ) ausforschen 90 ). Diese drei Ratsherren waren von den Preußen und Niederländern ersucht worden, an ihrer Stelle mit den Fürsten zu unterhandeln. Aber es regten sich im wendischen Lager Bedenken, ob jene Städte auch wirklich auf ein Bündnis mit den Mecklenburgern und Holsteinern eingehen würden. Es kam deswegen auf der Rostocker Versammlung vom 6. Oktober der Beschluß zustande, daß in Köln erklärt werden solle, man habe sich mit den Fürsten schon zu tief eingelassen, um noch wieder zurück zu können; auch sollte darauf hingewiesen werden, daß man ohne sie nichts vermöge 91 ). - So war Albrecht das Bündnis, wenigstens mit den wendischen Städten, so gut wie sicher. Es kennzeichnete die Stellung Lübecks, der Führerin der Hanse, daß die Stadt zusammen mit Rostock, Wismar und Stralsund im September dem Herzoge Heinrich 800 M lüb. Pf. zur Ausrüstung von Truppen überwies, die er seinem Vater nachzusenden gedachte. Weder der alte noch der junge Herzog sollten sich vor dem 6. Dezember mit König Waldemar aussöhnen; würde


85) HR. I, 405 § 2. Schäfer S. 394.
86) HR. I, 405 § 5. Schäfer S. 394.
87) HR. I, 405 § 14. Schäfer S. 398.
88) Schäfer S. 395 ff.
89) S. oben S. 148.
90) HR. I, 402 §§ 1, 5, 6.
91) HR. I, 411 § 2.
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aber Albrecht dazu gezwungen, so sollte das Geld zu Ostern wieder zurückgezahlt werden 92 ).

Der Herzog findet sich im Juli, im September und Oktober in Schweden 93 ). Die Verhandlungen mit den Städten hatte bisher vermutlich sein ältester Sohn geführt. Die nun entschiedene Haltung der Hansen aber bewog Albrecht, nach Deutschland zurückzukehren, um selber mit den städtischen Politikern in Verbindung zu treten; am 7. November findet er sich zuerst wieder in der Heimat 94 ). Wenige Wochen später erhielt er die Nachricht, daß am 19. November zu Köln in der Tat eine Konföderation der deutschen Hanse und anderer Städte gegen Waldemar Atterdag und Hakon von Norwegen geschlossen sei. Vom Schwedenkönige hatten er und Herzog Heinrich sich schon Vollmacht zur Vereinbarung eines Kriegsbundes mit den Städten erteilen lassen 95 ).

In Köln hatten die Gesandten der wendischen Städte für ein Bündnis mit den Fürsten geworben. Die Niederländer und Preußen hatten zwar den Wendischen freie Hand zum Abschlusse eines einjährigen Bündnisses mit Mecklenburgern und Holsteinern erteilt, aber die Bedingung gestellt, es dürften ihnen keine Kosten und kein Aufwand daraus erwachsen. Sie hatten infolgedessen allem Anspruche auf Teilnahme am Kampfesgewinne der Fürsten entsagt. Gelänge es diesen, Lande oder Burgen zu erobern, so sollten sie sich darüber mit den Wendischen allein auseinandersetzen, unbeschadet des Rechtes der Kaufleute 96 ).

Bald nach dem Kölner Tage erhielt Albrecht von den wendischen Städten den Vorschlag, man möge sich auf ein Jahr verbünden 97 ). Er erwiderte, die Frist sei zu kurz bemessen; ebenso sprachen sich die Holsteiner aus. Darauf wurde Albrecht von der Versammlung, die am 1. Januar 1368 in Rostock tagte, benachrichtigt, daß sich Lübeck und Stralsund, Wismar und Rostock


92) XVI, 9683, 9687, Schäfer S. 398 f.
93) Am 6. Juli 1367 urkundete er in Stockholm, XVI, 9658. Am 27. September und 12. Oktober wird er als in Schweden anwesend erwähnt, XVI, 9683, 9687.
94) Am 7. November urkundete er zu Boizenburg, XVI, 9699.
95) XVI, 9702 (Vollmacht vom 16. November, vor Borgholm ausgefertigt).
96) HR. I, 413 (S. 375); im Auszuge XVI, 9706.
97) Wahrscheinlich empfing er diesen Vorschlag von der am 8. Dezember zu Lübeck tagenden Versammlung. Diese beschloß, daß die feindlichen Absichten gegen Dänemark geheim gehalten werden sollten, bis Antwort von den Fürsten da sei (HR. I, 420 § 6).
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zu einer Verlängerung des Bündnisses auf zwei Jahre verstanden hätten; die Vertreter von Greifswald, Hamburg, Stettin und Kolberg wollten die Sache ihrem Rate unterbreiten. Fast beschwichtigend klang die Meldung, daß nur noch ein einziges Mal - die städtischen Sendboten hatten sich in Köln dazu bereit erklärt 98 ) - mit dem Könige verhandelt werden solle. Zugleich wurde dem Herzog die Summe genannt, die die Städte als Ersatz des zugefügten Schadens von Waldemar fordern wollten - 150000 M reinen Silbers; aus dieser unerschwinglichen Forderung ließ sich ersehen, daß der letzte Schlichtungstermin nur der Form wegen stattfinden würde 99 ).

Fest stand es bei den Städten, daß Albrecht ihnen Pfänder für die Innehaltung des abzuschließenden Vertrages einräumen müsse. Und der Herzog war auch bereit dazu. Ribnitz und, je nach Wunsch Lübecks, eines der Städtchen Gadebusch, Wittenburg oder Boizenburg wurden von den Hansen hierfür in Aussicht genommen 100 ). Nur so glaubten sie sich gegen eine plötzliche Schwenkung von Albrechts Politik, eine einseitige Verständigung des Herzogs mit den Gegnern schützen zu können. Am 20. Januar sollten Ratsherren von Lübeck, Rostock, Wismar und Stralsund zu Wismar mit den Mecklenburgern und Holsteinern zusammentreffen und sich über fünfzehn bezeichnete Punkte mit ihnen ins Einvernehmen setzen. Es handelte sich um das Bündnis, um einen Streit Herzog Albrechts mit Kampen 101 ), über den nichts Näheres verlautet, dann um Wisby, das zwar der Hanse angehörte, aber wegen seiner Unterwerfung durch Waldemar in schwieriger Lage war, das die Mecklenburger jetzt natürlich mit ganz Gotland zurückzuerobern gedachten; weiter um die Stellung Bogislavs VI. und Wartislavs VI. von Pommern=Wolgast, um Briefe, die die Städte an den Papst, den Kaiser und andere Fürsten zur Rechtfertigung des Krieges schicken wollten, endlich um einige andere Fragen 102 ).

Albrecht kam mit seinen Söhnen Heinrich und Magnus nach Wismar. Auch zwölf jütische Adlige 103 ) hatten sich eingestellt, die


98) HR. I, 415, Schäfer S. 437 f.
99) XVI, 9725; HR. I, 421 § 13. Schäfer S. 438.
100) XVI, 9725; HR. I, 421 § 13.
101) Die Räte von Rostock und Wismar, Lübeck und Stralsund sollten entscheiden. Erwähnt wird der Streit auch HR. I, 420 § 1.
102) HR. I, 421 §§ 23 f., XVI, 9725. Über Pommern=Wolgast s. u. Kap. 4.
103) Vgl. HR. I, 421 § 13. Hiernach hielten sich schon vor dem 1. Januar 1368 jütische Adlige bei den Fürsten auf; ob nur bei den Hol= (  ...  )
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die günstige Gelegenheit benutzen wollten, um sich gegen Waldemar Atterdag zu erheben; unter ihnen war der Drost Nikolaus Lembek. Albrecht einigte sich mit den städtischen Abgeordneten über die einzelnen Bestimmungen des Bündnisses, ebenso die Holsteiner und Jüten, doch wechselte man noch keine Urkunden aus, machte das Bündnis noch nicht rechtskräftig, da die Städte ja noch einmal mit Dänemark verhandeln wollten 104 ). Doch schloß der Herzog hier in Wismar am 25. Januar mit den Grafen Heinrich und Klaus sowie mit den Jüten einen Kriegsbund, dem der Schwedenkönig bis zum 24. Juni beitreten sollte 105 ). Am selben Tage traf Albrecht mit den Holsteinern ein Abkommen, das für den ganzen Krieg von entscheidender Bedeutung wurde. Es sollten nämlich alle Eroberungen an Schlössern und Landen in Schonen, den zwischen Schonen und Schweden gelegenen, von Waldemar gewonnenen Gebieten, auf Gotland und den zu diesen Landen gehörenden Inseln an Schweden fallen; die auf Seeland, Möen und Falster mit den Inseln an Mecklenburg; die in Jütland, aus Fünen und Langeland an Holstein 106 ). Laaland wird nicht genannt, doch ist klar, daß es an Mecklenburg kommen sollte, da man dort schon ein Pfandrecht auf Laaland besaß 107 ). Eine vollständige Aufteilung des dänischen Reiches wurde in Aussicht genommen.

Nachdem dann kurz darauf, am 2. Februar, in Lübeck die Verhandlungen der Städte mit den Gesandten Waldemars pro=


(  ...  ) steinern oder auch in Mecklenburg, bleibt zweifelhaft. Ich möchte die Stelle auffassen wie Schäfer (S. 441). Bei Vergleichung der Rezeßhandschriften wird die Auffassung von Fock, Rügensch=Pommersche Geschichten III, S. 200, und Dahlmann, Geschichte von Dänemark II, S. 30, unwahrscheinlich. - Den Zwölfen schlossen sich später noch sechs andere an (Schäfer S. 442 Anm. 1).
104) Schäfer S. 443. Im Rezeß des Lübecker Hansetages vom 2. Februar (HR. I, 427 §§ 1-8) haben wir offenbar den Niederschlag dieser Wismarer Verhandlungen. Nachdem in Lübeck die letzte Unterredung zwischen den Hansen und den Gesandten des Dänenkönigs ohne Resultat geblieben war, ließen die Städte den Abschluß des Bündnisses in den Rezeß setzen und ordneten die Ausstellung der Urkunden an.
105) XVI, 9730.
106) XVI, 9731. - Wie es scheint, schloß sich der Herzog von Schleswig den Holsteinern und den aufständischen Jüten an; er sollte Langeland, das er an Waldemar verpfändet hatte, zurückerhalten, vgl. Schäfer S. 442. Schäfer bemerkt, daß dem die Bestimmung des Wismarer Vertrages, daß alle Eroberungen auf Langeland den Holsteinern zufallen sollten, widerspreche. (Es stand ja aber den Grafen frei, ihren Gewinn an den Herzog abzutreten.
107) Vgl. oben S. 123, 125.
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grammäßig gescheitert waren 108 ), kam Albrecht am 27. d. M. zu Grevesmühlen aufs neue mit den Holsteinern, Nikolaus Lembek und den Ratssendeboten von Lübeck, Stralsund, Rostock und Wismar zusammen, denen sich diesmal noch Greifswalder Abgeordnete anschlossen. Es war dieser Termin wohl bereits in Wismar verabredet worden. Ebenso scheint man schon dort zum Teil festgesetzt zu haben, was in Grevesmühlen geschehen und worüber hier verhandelt werden sollte 109 ). Vor allem wurden die Bündnisurkunden ausgewechselt. Um Lieferung von Schiffen und Proviant hatten der Herzog und Heinrich von Holstein schon früher ersucht. Sie erklärten sich jetzt bereit, dafür durch Überlassung von Gefangenen, die wegen des Lösegeldes zur Beute gerechnet wurden, und anderem Kriegsgewinne Entschädigung zu leisten 110 ). Außerdem machten sie Vorschläge über Verteidigungsmaßregeln. Dies alles beschlossen die Sendboten ihren heimischen Räten zu unterbreiten 111 ). Für die Zeit des Bündnisses sagte Albrecht den Hansen am 1. März, noch in Grevesmühlen, freies Geleit in seinem Lande zu 112 ).

Die Bündnisurkunden, die Albrecht und die Städte jetzt einander überreichten, datieren vom 20. Februar 113 ). Der Vertrag war weit eingehender als der kurze, zwischen Holsteinern, Jüten und Hansen vereinbarte 114 ). Die wichtigsten Bestimmungen waren die folgenden:

1. Die Herzöge Albrecht, Heinrich und Magnus schließen für sich und im Namen des Schwedenkönigs 115 ) auch für diesen mit Lübeck, Rostock, Stralsund, Wismar und den anderen Seestädten, die deren Helfer sind, einen Kriegsbund gegen


108) HR. I, 427 § 9. Vgl. den Absagebrief ebd. 429, dazu Schäfer S. 438 Anm. 5.
109) Wenn die Städte auf der Lübecker Versammlung vom 2. Februar den Grevesmühlener Termin innezuhalten beschlossen und einige Punkte, über die dort verhandelt werden sollte, festsetzten (vgl. den Rezeß vom 2. Februar, HR. I, 427 § 2 und den Rezeß der Grevesmühlener Versammlung, ebd. 436 § 10, dazu XVI, 9749), so geschah das offenbar infolge der Wismarer Verhandlungen. Vgl. auch oben Anm. 104.
110) benso Nikolaus Lembek, der also eine gleiche Bitte aussprach.
111) HR. I, 436 § 10.
112) XVI, 9749.
113) XVI, 9744 und (irrtüml. v. 13. Febr. dat.) HU. IV, 243, beide ohne Ort.
114) HR. I, 441 f., beide Urkunden ebenfalls ohne Ort.
115) Ursprünglich sollten nur der alte Herzog und sein ältester Sohn Vollmacht haben, doch wurde diese auf den Herzog Magnus ausgedehnt (vgl. auch XVI, 9808).
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die Könige Hakon und Waldemar, deren Reiche und Bundesgenossen; und zwar soll das Bündnis mit den wendischen Städten vom 20. Februar des laufenden Jahres bis Ostern (14. April) 1370, mit den preußischen und niederländischen Städten aber nur bis Ostern (1. April) 1369 bestehen. Während der Dauer des Vertrages darf keine Partei ohne Zustimmung der Bundesgenossen einen Waffenstillstand oder Frieden mit den Gegnern schließen.

2. Die Herzoge und der König stellen zusammen 1000 Ritter und Knappen, und nur wenn König Albrecht stirbt oder seines Reiches nicht mächtig ist, darf die Zahl auf 400 herabgemindert werden. Stirbt er aber und behalten die Mecklenburger trotzdem sein Reich in ihrer Gewalt, so soll die Zahl von 1000 Kriegern bestehen bleiben. Ebenso viel stellen die wendischen Städte, desgleichen die Preußen und Niederländer zusammen. Stellen diese weniger, so dürfen auch der Schwedenkönig und die Herzöge die Stärke ihrer Truppen herabsetzen. Doch verpflichten sie sich, im zweiten Jahre unter allen Umständen bei ihrer Zahl zu bleiben.

3. Bringen die Verbündeten während der zwei Jahre, die der Vertrag läuft, in Schonen Landgebiete, Schlösser oder Einkünfte in ihre Gewalt, so sollen die Mecklenburger und ihre Erben die eine Hälfte haben. An der andern sollen sich die Städte für ihre Kosten und Verluste im Kriege schadlos halten. Eine Partei soll teilen und die andere sich dann ihre Hälfte erwählen. Haben die Städte sich entschädigt, so sollen sie noch zwei Jahre im Genusse ihrer Hälfte bleiben, dann aber soll auch diese an die Mecklenburger fallen. Alle Freiheiten des Kaufmannes in Schonen sollen bestätigt werden.

4. Als Pfänder für die Innehaltung der bisher genannten Bedingungen werden die Schlösser und Städte Wittenburg und Ribnitz an Lübeck, Rostock, Stralsund und Wismar für die Dauer des Vertrages übergeben 116 ).

5. Erobern die Mecklenburger oder die Städte irgend eine Feste in Schonen, so sollen sie sie ohne Arglist bewahren.


116) Nach der von den Städten ausgefertigten Urkunde müßte man freilich annehmen, daß die Pfandsetzung auch für die Bedingung galt, daß das Kopenhagener Schloß niedergerissen werden sollte. Überhaupt finden sich Unklarheiten, die eine Folge der verworrenen und unlogischen Fassung der Urkunden sind, einer Nachlässigkeit, die wir bei Aktenstücken dieser Zeit leider öfter zu beklagen haben.
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6. Bemächtigen die Verbündeten sich Gotlands, so soll es bei Schweden bleiben.

7. Alle weiteren Eroberungen, die in Dänemark gemacht werden 117 ), fallen an die Mecklenburger allein; doch ist das Kopenhagener Schloß niederzureißen 118 ).

8. Alle Gefangenen und alle Beute sollen nach Beuterecht geteilt werden.

9. Entsteht einem der Kontrahenten "um dieses Krieges willen" ein neuer Feind, so sollen die Verbündeten deswegen zusammenreiten und versuchen, ob sie durch Verhandlungen und im Guten eine Schlichtung erreichen könnten. Ist dies nicht möglich, so soll einer dem andern tun, wie er von ihm nehmen wollte.

Von Grevesmühlen begab sich der Herzog mit den Gesandten der vier Städte sogleich nach Ribnitz. Dieses sollte ihnen, wie wohl schon im Januar zu Wismar beschlossen war, am 3. März ausgeliefert werden 119 ). Wittenburg war ihnen bereits am 27. Februar, am Tage der Grevesmühlener Versammlung, übergeben worden 120 ). Sie hatten unter sich ausgemacht, daß Ribnitz von Rostock und Stralsund, Wittenburg von Lübeck verwaltet werden sollte 121 ). - Hier in Ribnitz nahm Albrecht die Stadt Greifswald, die sich noch schwerer als die übrigen wendi=


117) unde wat wy bekrechteghen in al dem koningrike to Denemarken, dat schal der vorbenomeden heren allene wesen. Diese Bestimmung findet sich nur in der städtischen Urkunde, vgl. HU. IV, S. 99 Anm. 1.
118) Die Hansen wollten es zerstören, weil von dort aus die Sundfischerei beherrscht wurde (Schäfer S. 444). Es ward nach der Einnahme von den Städten noch eine Zeitlang als Stützpunkt im Kriege benutzt (ebd. S. 477), dann aber niedergerissen (vgl. XVIII, S. 275).
119) HR. I, 427 § 6.
120) HR. I, 427 § 2.
121) HR. I, 427 § 3. Hiernach sollte Wittenburg zwar von Lübeck und Wismar gemeinsam verwaltet werden, doch wurde dann eine Änderung dahin getroffen, daß es Lübeck allein übergeben werden sollte. So geht aus einer der Urkunden, in denen sich die vier Städte gegenseitig für die Verwaltungskosten Ersatz versprachen, hervor, XVI, 9759 f., vgl. Schäfer S. 445 Anm. 1. Beide Urkunden sind vom 14. März datiert und wahrscheinlich in Rostock ausgestellt, wo am nächsten Tage die Versammlung stattfand. In ihnen heißt es von Wittenburg und Ribnitz nuper obligati. Der Ansicht Schäfers (a. a. O.), daß Ribnitz von den Städten nicht in Besitz genommen sei, kann ich nicht zustimmen. Daß die Städte sich am 10. August 1368 auf die Beschwerden der Pommernherzöge hin entschlossen, Heinrich von Mecklenburg um Abstellung der Räubereien des herzoglichen Vogtes zu Ribnitz zu ersuchen (HR. I, 475 § 13), ist kein Beweis für (  ...  )
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schen Städte zum Kriege entschlossen hatte, besonders in das Bündnis auf 122 ).

Auf dem nächsten, am 15. März zu Rostock abgehaltenen Hansetage wurden dem Herzoge dann 10 Schiffe und für 1000 M Lüb. Proviant zugestanden. Seinen Antrag, daß ihm außerdem noch eine Anleihe von 2000 M Lüb. gewährt werden möge, zogen die Sendboten an ihren Rat. Mit seinem ältesten Sohne und zehn seiner Vasallen wollte sich Albrecht dafür verbürgen, daß er durch Überlassung von Gefangenen oder durch schwedische Waren (Kupfer, Eisen, Butter) bis Michaelis den Proviant bezahlen und die Anleihe zurückerstatten würde 123 ).

Mit dem treuen Anhänger Waldemar Atterdags, dem Herzoge Erich von Lauenburg, und dessen jungem Sohne hatte Albrecht bereits am 20. Februar unter Vermittlung der Städte einen Neutralitätsvertrag auf zwei Jahre geschlossen; er sollte jedoch nur für Deutschland gelten. Dasselbe hatten der Schwedenkönig, die Grafen Heinrich und Klaus und die Städte getan. Mit Adolf von Holstein sollte ein gleiches Abkommen vereinbart werden, das vermutlich auch zustande gebracht wurde 124 ).

Am 27. April wollte Herzog Albrecht, so versprach er den Städten, mit 300 Rittern und Knappen in Warnemünde bereit liegen, um beim ersten günstigen Winde in den Oeresund abzusegeln "zur Heerfahrt gegen ihre und seine Feinde" 125 ).


(  ...  ) Schäfers Ansicht. Denn es war festgesetzt, daß die Städte nur das Gericht und einen Teil der Einkünfte aus den beiden Pfändern erhalten sollten: wes darboven ut den vorbenomeden twen steden van rente unde van orbore komen mach, dat schal use (sc. Albrechts) wesen, XVI, S. 298. Der herzogliche Vogt blieb eben in Ribnitz; daß er auch in Wittenburg blieb, geht aus XVI, 10 060 hervor. Gerade daß die Beschwerde der Pommernherzöge an die Städte gerichtet war, spricht dafür, daß diese Ribnitz innehatten.
122) XVI, 9750 f. Über die Stellung Greifswalds vgl. Schäfer S. 451 f.
123) HR. I, 440 A §§ 11 und 15; B § 1. XVI, 9756 (in den Rezeß [B § 16] aufgenommene Formulierung einer Schuldurkunde über 3000 M ). Ob die Anleihe zustande gekommen ist, muß unentschieden bleiben, da sich keine vollzogene Schuldurkunde findet und der Rezeß des nächsten, für den 23. März in Aussicht genommenen Hansetages nicht vorhanden ist. Am 6. Oktober 1368 beschlossen die Städte, den Herzog um eine Schuld von 1000 M zu mahnen (HR. I, 479 § 22); hiermit könnte das Geld für den Proviant gemeint sein, s. Koppmann HR. I, S 400, Anm. 3.
124) Über diese Verträge vgl. HR. I, 427 § 7 ff.; 436 § 8. XVI, 9743 (Albrechts Vertrag mit Erich, ohne Ort [quod fiet in Lubeke sagt der Rezeß vom 2. Februar § 8]), 9745, XVIII, 10 442 § 9. Schäfer S. 473 f.
125) XVI, 9772 (3. April). Schäfer S. 445 f.
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3.

Der Gegensatz zwischen Albrechts und der lübischen Politik seine Einwirkung auf den Krieg gegen Waldemar.

Albrecht konnte aufatmen. Jetzt endlich war eine Koalition geschaffen, die Waldemar Atterdag Halt gebieten mußte. Es eröffnete sich die Aussicht, Schonen und Gotland und was der Dänenkönig sonst an schwedischem Lande gewonnen hatte, zurückzuerobern. Dazu durfte der Herzog erwarten, daß er einen Teil des alten dänischen Reiches für sein Haus erwerben könne. Seine hansischen Freunde schienen nichts dagegen einzuwenden.

Das Bündnis mit den Fürsten hatten im Namen aller beteiligten Städte die wendischen Hansen abgeschlossen, die ja in Köln hierzu bevollmächtigt worden waren. Sie allein hatten also mit den Mecklenburgern die Bestimmungen des Vertrages vereinbart. Das Haupt der wendischen Städte und die eigentliche Leiterin ihrer Politik war Lübeck. Und Lübecks Absichten schienen denen der Fürsten nicht zu widersprechen. Denn die Fürsten wollten das dänische Reich, und die Städte hatten den Mecklenburgern alle Eroberungen mit Ausnahme des zeitweiligen Besitzes einer Hälfte von Schonen zugesprochen; es war demnach Herzog Albrecht und seinen Söhnen freigestellt, nach Belieben mit den Holsteinern zu teilen. Diese Übereinstimmung der fürstlichen und der lübischen Politik war aber nur scheinbar; in Wirklichkeit lagen die Dinge ganz anders.

Hinter den Städten stand kein Kaiser und kein Reich. Überall, wo es ihre Interessen galt, waren sie angewiesen auf sich allein, ihr Geld und ihr Schwert. Wollten sie aber die Möglichkeit behalten, in den wichtigen Handelsgebieten des Nordens ein Wort mitzureden, dann mußte die Machtverteilung dort so bleiben, daß die Feindschaft der Städte gefürchtet und ihre Freundschaft geschätzt wurde. Die Hansen mußten also wünschen, daß in den skandinavischen Reichen das Gleichgewicht der Mächte erhalten blieb. Und hierfür hatten die lübischen Politiker bisher auch immer gewirkt.

Ob sich nun der Plan der Fürsten in seinem ganzen Umfange verwirklichen ließ, war noch nicht abzusehen. Jedenfalls aber war es möglich, Dänemark ebenso weit oder weiter noch herabzuzwingen als einst in den Tagen Gerhards des Großen, so daß Waldemars Reich nur noch eine Macht vierten Ranges war. Dann hätte das mecklenburgische Haus, mit Holstein durch

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