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I.

Die Grabfelder der älteren Eisenzeit
in Mecklenburg

Von

Robert Beltz.


D ie Gruppe vorgeschichtlicher Fundstücke, die man unter der Bezeichnung "alteisenzeitlich" zusammenfaßt, hat bisher in unsern Jahrbüchern eine Behandlung überhaupt nicht gefunden. Es ist unter den vorgeschichtlichen Gruppen diejenige, welche hier am spätesten in ihrer Eigenart erkannt ist und die allgemein am wenigsten in ihrer Bedeutung gewürdigt wird. Nicht als ob es an Material fehlte. Im Gegenteil: keine andere Periode ist in den letzten Jahrzehnten auf so vielen Fundplätzen uns entgegengetreten. Aber ihre äußere Erscheinung war, auch für Altertumsfreunde, wenig anziehend: die Gräber durchgehend Urnenfelder einfachster Art mit massenhaften, aber fast stets zerdrückten Urnen, die Beigaben spärlich und überwiegend zerbranntes, verrostetes und zerbrochenes Kleingerät. Und auch der wissenschaftlichen Erkenntnis stellten sich und stellen sich noch ungemeine Schwierigleiten entgegen: die ganze Periode zeigt einen Mangel an originalen Dingen; fremde Motive treten überall hervor, besonders auch in der Keramik, deren Herleitung und zeitliche Festlegung an der Hand des einheimischen Materials nicht zu bewerkstelligen ist und einen Überblick über sehr weite archäologische Provinzen erfordert.

Dabei ist die Bedeutung dieser Zeit, der letzten Hälfte des vorchristlichen Jahrtausends, und gerade auch ihrer Altertümer eine ganz gewaltige. Mit ihr schließt eigentlich die Vorgeschichte; die ersten datierbaren Ereignisse auch unserer Landesgeschichte liegen in ihr, die Bevölkerung ist nicht namenlos mehr,

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Beobachter der griechisch=römischen Kulturwelt berichten von ihnen, und bald erfolgt auch der erste große geschichtliche Vorstoß nordischer Völker. Für das Verständnis dieser Bewegungen sind die Bodenaltertümer die hauptsächlichste, vielleicht die einzige sichere Quelle. Die Verteilung der verschiedenen Bevölkerungsschichten (Stämme) über die norddeutsche Ebene, ihr Kulturzustand und ihre Kulturbeziehungen, sodann die Veränderungen, welche in dieser Verteilung stattgefunden haben (Stammeswanderungen), erschließen sich nur durch die richtige Gruppierung und Analyse ihrer Hinterlassenschaft, eine Betrachtungsweise, durch die in neuer Zeit G. Kossinna mit Energie und Erfolg die vorgeschichtliche Altertumskunde belebt hat.

Aber auch für die vorgeschichtliche Archäologie selbst ist es von entscheidendem Werte, die älteste Eisenzeit mit ihren Erscheinungen genau umschreiben zu können. Erst dann ist eine sichere Abgrenzung der weiter zurückliegenden Periode, der Bronzezeit, zu erhoffen, die jetzt noch ganz fehlt. Hierin liegt auch eine Schwierigkeit der Fassung unserer Aufgabe. Zeitlich sicher ist die untere Grenze: die "frührömische" Kultur, auf deren Inhalt wir hier nicht einzugehen brauchen, setzt in den ersten Jahrzehnten unserer Zeitrechnung mit scharf markierten Zügen ein und gerade hier zu Lande in so glänzender Entfaltung, daß mit ihr ein Einschnitt gemacht werden muß. Aber die obere Grenze schwankt noch durchaus: vor der ältesten Eisenzeit liegt natürlich eine jüngste Bronzezeit, aber auch deren Erscheinungen zeigen, sehr im Gegensatz zu der früheren glänzenden Periode, dieselbe schwer faßbare flaue Breite wie die alteisenzeitlichen Dinge. Es ist vielleicht nicht überflüssig, ausdrücklich zu betonen, daß das erste Vorkommen von Eisen noch lange keine "Eisenzeit" herbeiführt. Jahrhundertelang ist im Süden das Eisen bekannt und auch in vereinzelten Stücken bis zu uns vorgedrungen und in Gebrauch gewesen, ehe es in solcher Menge und solchen Formen eingeführt ist, daß es das herrschende Metall wurde und eine einheimische Eisenkultur herbeiführte. Unsere jüngere Bronzezeit geht zeitlich parallel der Hallstattzeit Mitteleuropas und muß doch als Bronzezeit bezeichnet werden, weil sie lange bei allen wichtigen Gerätformen die alte Bronzetechnik, in selbständiger Auffassung auch fremder Motive beibehält. Wann diese Herrschaft der Bronze vom Eisen abgelöst wird, das eben ist die Frage. Daß es um die Mitte des Jahrtausends geschehen ist, dürfte heute allgemeine Annahme sein; im einzelnen bleibt noch ein sehr weiter Spielraum.

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Der erste Forscher, der diesen Problemen mit der nötigen großen Stoffkenntnis und richtiger Kombination nachgegangen ist, Ingvald Undset, ließ, übrigens mit aller Vorsicht und Vorbehalt, die vorrömische Eisenzeit in Norddeutschland mit dem Jahre 200 vor Chr. beginnen. Diese Ansetzung ist jedenfalls viel zu niedrig. Im übrigen bleibt Undsets großes Werk "Das erste Auftreten des Eisens in Nord=Europa" 1882 noch immer die umfassendste und zuverlässigste Sammlung, welche wir besitzen, und an seinem Ergebnis (S. 341) "die ersten Eisensachen empfängt Norddeutschland durch Einfluß der Hallstatt=Kultur, doch scheint derselbe die neue Zeit nur anzubahnen; der la Tène=Kultur war es vorbehalten, durch ihre Einwirkungen die Eisenzeit in Norddeutschland zu begründen" haben die seit Undsets Studien verflossenen 25 Jahre, in denen an vielen Stellen eigentlich erst eine intensivere Durcharbeitung des heimischen Bodens begonnen hat, wenig geändert. Noch sind uns alte Eisenzeit und la Tène ziemlich identische Begriffe, wenn auch die Grenzen sich verschoben haben und wir heute sehr wohl wissen, einmal daß es Grabfelder mit vor= la Tène Typen gibt, sodann daß diese selbst in ihren jungen Formen in die frührömische Periode hineinreichen. 1885 gab dann Otto Tischler seine nach den wechselnden Formen von zwei hervorragenden Geräten, dem Schwert und der Gewandnadel (Fibel) begründete Einteilung von früh=, mittel= und spät=la Tène Zeit (Korrespondenzblatt der deutschen Gesellschaft für Anthropologie 1885), die noch heute maßgebend ist. J. Mestorf betonte den Hallstättischen Charakter einer geschlossenen Fundgruppe und gelangte so zu der Annahme einer vor= la Tène Periode. Sodann erschienen nun allmählich die das Inventar der einzelnen Landschaften zusammenfassenden Werke und Abhandlungen; für Schleswig=Holstein: J. Mestorf, Urnenfriedhöfe 1886, für Pommern: Schumann, Urnenfriedhöfe 1888, für Westpreußen reiches Material bei Lissauer, Prähistorische Denkmäler 1888, für Brandenburg bei Voß, Vorgeschichtliche Denkmäler 1886, für die Nieder=Lausitz: Jentsch, Niederlausitzer Mitteilungen IV. 1896, für Schlesien: Seger, Schlesiens Vorzeit VI. 1895. Es fehlten noch zusammenfassende Darstellungen für Prov. Sachsen, Hannover und Mecklenburg; für Hannover liegt jetzt wenigstens eine mustergiltige Behandlung eines wichtigen Fundplatzes vor in Schwantes, Urnenfriedhof von Jastorf; Jahrbuch des Provinzialmuseums 1904; das kostbare Material der Provinz Sachsen, das reichste und wertvollste in ganz Norddeutschland, ist kläglich zersplittert und bedarf dringend einer wissenschaftlichen Zusammenstellung.

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Betreffend die skandinavischen Verhältnisse, die für Mecklenburg, das ja in der ganzen Vorgeschichte als ein Teil der skandinavischen Provinz erscheint, die allergrößte Bedeutung haben, sei nur auf S. Müllers Nordische Altertumskunde II verwiesen; eine wertvolle Monographie über ein schwedisches Grabfeld gibt Arne en urnegraffält i Västergötland 1904. Alle die genannten Werke sind im wesentlichen Stoffsammlungen. Dem ethnologischen Problem, das in ihm liegt, ist bekanntlich besonders G. Kossiuna nachgegangen, von dem mir eine baldige Veröffentlichung seines reichen Studienmaterials erwarten, dem chronologischen Paul Reinecke (zuletzt Mainzer Festschrift 1902 und Korrespondenzblatt der deutschen anthrop. Gesellschaft 1904). Reinecke setzt (mit überzeugenden Gründen) den Beginn der la Tène=Periode in eine dem Tischlerschen Früh=la=Tène noch vorausliegende Stufe und gelangt so zu einer Vierteilung: sein auf steter Berücksichtigung der datierten Fundstücke südlicher Kulturländer beruhendes chronologisches Schema führt zu einer Verschiebung der Tischlerschen Typen innerhalb der vier Stufen; von besonderer Bedeutung für die ganze Auffassung der norddeutschen Alteisenzeit ist sein Nachweis des Nachlebens oder Wiederauflebens alter Motive in oft sehr viel jüngerer Umgebung. Reineckes Schema ist in groben Umrissen ungefähr folgendes:

Reineckes Schema
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Danach würden über weite Zeiträume hin die Verhältnisse im Norden noch nicht geklärt fein; und die Ausfüllung der sehr großen Lücken müßte durch Einordnung zeitlich noch nicht genau bestimmter Grabfelder oder zu erhoffende neue Funde erfolgen. Dahin gehört aus Mecklenburg der einzige Grabfund mit Hallstätter Charakter, der von Sembzin, den ich wiederholt besprochen habe (z. B. Jahrb. 61 S. 212) und der in die Hallstatt=D=Reihe einzufügen wäre, dahin auch die Mestorfsche vor=la=Tène=Gruppe, die doch wohl trotz des Fehlens von la Tène=Typen südlichem la Tène gleichzeitig ist, usw. Umfangreiches Material liegt erst für die C=Stufe vor, der die Mehrzahl der großen Urnenfelder an der mittleren und unteren Elbe im Magdeburgischen, der Altmark, Teilen von Hannover, dem südwestlichen Mecklenburg (Brahlstorf, Besitz, Zweedorf und viele andere), dem Hamburgischen Gebiete und Holstein angehört. Wie weit sich diese Gruppe in das Innere unseres Landes erstreckt, wie sie sich zu Grabfeldern aus dem Osten des Landes, die eine Gruppe für sich zu bilden scheinen Sparow, Mölln, Dargun II, Gehlsdorf, Kl.=Methling u. a.), und Pommern näherstehen dürften, wie sie sich zu der skandinavischen verhält, das alles bedarf noch weiterer, recht komplizierter Untersuchungen. Diese im folgenden zu geben ist nicht meine Absicht. Es soll zunächst nur eine alte Schuld abgetragen und das reiche mecklenburgische Material (es sind nicht weniger wie 88 Grabfelder, von denen 61 überhaupt noch nicht bekannt gegeben sind) vorgeführt werden. Schon daraus aber wird sich ergeben, daß wir alle Veranlassung haben, mit weitergehenden Schlüssen noch zurückzuhalten. Denn was wir an la Tène=Sachen besitzen, ist wissenschaftlich noch ganz unzureichend. Die zahlreichen Ausgrabungen, die in den beiden letzten Jahrzehnten stattgefunden haben, hatten fast ausschließlich das Ziel, die Bedeutung gefährdeter Denkmäler noch rechtzeitig festzustellen und charakteristische Fundstücke zu sichern. Zu der erschöpfenden Ausgrabung eines Urnenfeldes ist es, abgesehen vielleicht von Krebsförden I, überhaupt nie gekommen; und so besitzen wir von der Mehrzahl nur einige Urnen, die wohl die zeitliche Stellung im allgemeinen geben, aber garnichts sagen über Ausdehnung, zeitliche Dauer, Kulturveränderungen an demselben Platze usw. Und gerade darauf kommt es an. Die meisten Grabfelder sind sehr ausgedehnt; viele erstrecken sich zweifellos über mehrere der vier Stufen, und eine an einem einzigen Felde durch die Lagerungsverhältnisse gesicherte und in einem Situationsplan darstellbare chronologische Reihenfolge verspricht

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sichereren Erfolg, als alle theoretischen Erwägungen und Kombinationen.

So werden wir denn im folgenden auf eine Aufteilung der Grabfelder auf die vier Stufen verzichten und nur bei besonders augenfälligen Erscheinungen einige Andeutungen geben. Im allgemeinen muß die Zweiteilung, die ich der Behandlung dieser Periode in meiner Vorgeschichte S. 92 flgd. zu Grunde gelegt habe, noch bestehen bleiben, indem nur aus zwei Stufen hinlängliches Material vorliegt; meine erste Periode entspricht Reinecke B=C, meine zweite Reinecke D; A hatte ich noch zur jüngeren Bronzezeit gezogen.

Ehe die Grabfelder selbst zur Besprechung kommen, ist ein Überblick über das Inventar an Geräten, das sie bergen, erforderlich, unter welchem die keramischen Produkte die erste Stelle einnehmen.

Tongefäße

Form. Eine Hauptform dieser Keramik ist der einfache, gering profilierte, hohe Topf, charakterisiert durch einen länglichovalen Körper, der mit leichter Schweifung in den Hals übergeht; die Standfläche ist glatt, breit und setzt scharf von der Wandung ab. Der Hals biegt leicht ein, der Halsansatz ist gelegentlich durch eine scharfe Linie, seltener durch ein umlaufendes plastisches Band (vergl. Helm 3) markiert; die Mündung biegt leicht aus. Bei den einfacheren Formen fehlt ein besonders gearbeiteter Mündungsrand. Henkel kommen vor, dann stets zwei, in Form kleiner, hochsitzender Tragösen mit horizontaler Öffnung. Die Farbe ist stets braun, die Arbeit derb, oft ist die Oberfläche gerauht, meist dann der Hals glatt gelassen. Als Beispiele des einfachen Typus mag Besitz 19 (Form 1), für den mit stärkerer Ausbauchung (Form 2) Hoppenrade 6 dienen. Außer in diesen beiden Urnenfeldern sind sie besonders bei Helm vertreten; in anderen, so Krebsförden 1, Mölln, Dargun II fehlen sie gänzlich.

Eine Abart (Form 3) entsteht durch eine Stärkere Ausbauchung und größere Steilheit des Halses; sie erinnert an ältere, bronzezeitliche Formengebung und kommt nur in einigen wenigen Exemplaren vor, aus Gräbern, deren Zugehörigkeit zu unserer Periode nicht zweifelsfrei ist: Beispiel Muchow 4.

Andere Abarten entstehen, wenn die Mündung durch einen besonders gearbeiteten Rand verstärkt wird. Gewöhnlich fehlt dann der Hals ganz, der Rand steigt gerade auf oder biegt sich

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leicht auswärts, und es kommt zu Formen, wie Besitz 14 (Form 4) und, mit stärkerer Ausbauchung (Form 5), Krebsförden II 6. Gern verbindet sich damit die Besonderheit, daß auch die Standfläche hervorgehoben wird, indem die Biegung der Wandung nicht unmittelbar an der Standfläche beginnt (wie unten bei Sparow 4). Oder es tritt zwischen Rand und Körper ein ziemlich stark eingezogenes Mittelglied, an welchen Hals sich dann der Rand meist mit starker Außenbiegung ansetzt, eine wichtige Erscheinung (selbst in chronologischer Hinsicht), die auch bei anderen keramischen Typen der Periode erscheint und auf unserem Boden geradezu als ein la Tène Merkmal bezeichnet werden kann; vergl. als Beispiel der Typen mit geringerem Halse (Form 6) Kl.=Methling 58, für die mit höherem Halse (Form 7) Hoppenrade 9.

Dieselbe schlanke Topfform erscheint nun auch bei einer Gruppe kleinerer Gefäße, die den behandelten gegenüber mehrfache Befonderheiten zeigen. Zunächst sind sie überwiegend besser gearbeitet: der Ton ist feiner und die Wandung dünner, es tritt gelegentlich eine glänzend schwarze Färbung ein; auch Verzierungen durch kleine Tupfen oder Liniensysteme erscheinen; der Halsansatz wird stets Schärfer markiert. Als Beispiele mögen Gefäße wie Plau 1 (Form 8) und (mit rundlicherem Körper, Form 9) Kl.=Methling 21 und Mölln 30 ferner für einen Typus mit etmas gebrochener Wandung (Form 10) Sparow 4 dienen. Zeitlich reichen diese Typen ziemlich weit hinunter und kommen z.B. in den für spätes la Tène charakteristischen Feldern von Nauheim und Rondsen vor.

Durch Verbreiterung des Körpers entsteht dann die Krugform, im ganzen selten; gewöhnlich mit einem starken Henkel zwischen Rand und Halsansatz (Form 11). Als Beispiele Besitz 10a und Muchow 15 (bei letzterer ist die zeitliche Bestimmung nicht ohne Zweifel, ganz dieselbe Form ist schon bronzezeitlich); auch Brahlstorf (mit tiefer liegender größter Weite, Form 12) mag hierher gerechnet werden.

Eine zweite hohe Topfform unterscheidet sich von den zuerst behandelten durch die wesentlich breitere Mündung. Die Wandung steigt von der flachen, verhältnismäßig schmalen Standfläche mit leichter Ausbiegung und leichter Schwellung auf und biegt oben zu einem kurzen Halse ein. Henkel sind selten. Farbe meist braun, oft mit Rauhmachung; gelegentlich aber auch schwarz. Die Form (Nr. 13) ist wichtig, denn sie leitet zu der bekannten Charakterform (14 flgd.) über, erinnert auch an gewisse Becher=

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formen, die eine Leitform der letzten gallischen Periode sind. Als Beispiel Dambeck 36.

In scharfem Gegensatz zu diesen einfachen wenig profilierten hohen Töpfen steht eine andere Topfform, die in ihren entwickeltsten (jüngsten) Formen eine extrem scharfe Profilierung zeigt, eine Form, die man als Tonsitula zu bezeichnen pflegt. Von einer schmalen, oft nach innen gewölbten Standfläche steigt die Wandung mit leichter Einbiegung ausladend auf, biegt sich im oberen Teile um und zieht sich dann wieder rasch zu der breiten Mündung zusammen. Bei den ausgesprochensten Formen bildet die größte Weite einen starken Knick, sonst rundet sie sich leicht ab. Ein Mündungsrandstück fehlt nie, es steht gerade oder ist etwas nach außen gebogen; zwischen diesem und der Wandung ist oft ein einbiegendes Zwischenglied eingeschoben, wie oben bei Form 6 und 7. Henkel kommen vor, entweder ein stärkerer zwischen Mündungsrand und größter Weite, oder zwei, diese auf der Schulter sitzend; auch ornamentale Henkel treten auf. Es ist die künstlichste, ja oft gekünstelte, Form der ganzen hier behandelten Gruppe; ausgezeichnet durch dünne Wandung und glänzend schwarze Farbe (braune Urnen dieser Art sind eine seltene Ausnahme), auch durch ihre reiche Linearverzierung. Beispiele: für die rundliche Form (14) Pogreß, für die stärker geknickte (15) Krebsförden I 84.

Über ihre große chronologische Bedeutung wird noch mehrfach die Rede sein. Vorbildlich für dieso Form ist m. E. die bekannte junghallstättische Form, die mit ihrem reichen Farbenschmucke einer der auffallendsten Typen österreichischer, schweizerischer und süddeutscher Museen ist; s. z.B. auch für die Ornamentik die Württemberger Urnen Lindenschmit A. u. h. B. IV, 44. Die Form der Urne von Pogreß z.B. entspricht (abgesehen von den Henkeln) genau der Nr. 2 jener Tafel; die glänzend schwarze Färbung soll die Vielfarbigkeit ersetzen, und die unruhigen, ungleichmäßigen Ornamentmotive sind verständnislos dem Hallstättischen entnommen. Es werden dann allerdings Nachahmungen der italischen Metallsitulen mitgewirkt haben, um die schlanken Schlußformen zu schaffen, wie z.B. die Tafel in A. Evans Aufsatz über Aylesford Archaeologia 52 überredet.

Seltener sind stärker profilierte Formen mit Umbruch der Wandung, wo dieser (größte Weite) in der Mitte liegt; es sind gut gearbeitete und verzierte Gefäße (Form 16); das Beispiel aus Pampow.

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Gefäßformen und Fundorte
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Gefäßformen und Fundorte
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Die Gegenseite zu den Formen 14. 15 wird gewissermaßen durch eine andere ebenso auffällige Gruppe gebildet, flaschenartige Gefäße mit sehr starker Verbreiterung oberhalb der Standfläche und hohem Halse. Der Boden ist rundlich, oftvertieft, und geht allmählich in die Wandung über; diese breitet sich wulstartig aus und verengert sich dann zu dem schmaleren Halse; dieser geht entweder allmählich aus der Schwingung der Wandung hervor, gelegentlich mit Markierung, oder er ist als Cylinder daraus gesetzt; der Mündungsrand fast stets glatt, selten ausladend. Farbe schwarz oder braun; stets glatt und gut gearbeitet. Beispiele die wichtige Urne von Boddin (Form 17); mit stärkerem Halsabsatz (Form 18) Mölln 6; mit steilem Halse (Form 19) Besitz 32; es ist der im Gebiete der Gesichtsurnen beliebte Typus, der aber feine Heimat sicher im Süden oder Westen hat.

Größere Töpfe mit starker Ausbauchung und schmalerem Hals, den Typen 17-19 nahe stehend; nach der höheren oder tieferen Lage der stärksten Ausbauchung entstehen verschiedene Formen. Die Standfläche ist meist verhältnismäßig schmal, oft vertieft, der Hals kürzer als bei den genannten, eingezogen und sich verschmälernd, selten mit Mündungsrandstück. Henkel kommen vor und sitzen auf der Schulter; häufig sind ornamentale Henkel. Die Formen variieren sehr; es sind durchgehends gut gearbeitete hellbraune oder braunschwarze Gefäße. Beispiele: mit stärkerer Ausbauchung (Form 20, auch anderwärts, z. B. im Rheinlande, eine alt= und mittel= la Tène Form) Helm 22; mit geringerer Ausbauchung (Form 21) Besitz 16.

Eine Besonderheit stellt die Urne Kl.=Methling 29 (Form 22) dar; auf einer besonderen Standfläche ein breiter wulstförmiger Körper mit schmalem, sich einziehendem Halse; Farbe hellrotbraun; reich, aber sehr flüchtig verziert.

Gefäße mit rundlichem Körper (Höhe und Weite meist annähernd gleich). Standfläche flach, meist ziemlich schmal; die größte Weite liegt der Mitte nahe, meist etwas oberhalb derselben. Henkel häufig, zwei oder vier; ornamentale Henkel beliebt; stets Mündungsrand, kurz, meist aufrechte oft auch leicht ausgebogen; unter dem Rande mehrfach ein umlaufender Wulst. Farbe rotbraun oder schwarz; fast stets starkwandig; gern verziert mit Streifen, welche die Wand entlang laufen. Abbildungen der minder gerundeten Form (23, die noch an 14 erinnert) Kützin 12, der stärker gerundeten (jüngeren) Nr. 24 Püttelkow II 10.

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Setzt sich an den rundlichen Körper ein Hals (der Hals cylindrisch oder leicht eingebogen, der Körper auch mit ausbiegendem Bauchrande), so entstehen Formen, die an bronzezeitliche Typen 25 a (Hagenow IV, 25) oder an die schon besprochenen, wie Helm 25 b u.a., erinnern. Vgl. die Abbildungen Dargun II 21 (Form 25 b, gleichmäßige Rundung), Mölln 29 (Form 26, schwächere Rundung).

Schalen. Obere Weite größer als die Hohe. Eine Ausnahmestellung nimmt ein ziemlich plump gearbeitetes Stück Dambeck 20 ein (Form 27), welches einen allbekannten bronzezeitlichen Typus: stumpfwinklig gebrochene Seitenwand mit gerade aufsteigendem Mündungsteile, zeigt, ein in la Tène Umgebung recht befremdliches Vorkommen. Sonst sind die Schalen flache rundliche Gefäße mit scharf absetzendem Hals= oder Mündungsrand; die Standfläche ist oft ganz klein, oft vertieft, seltener eine besonders gearbeitete Fußscheibe. Als Beispiele dienen: Schlemmin 2 (Form 28, mit kleinem, ausbiegendem Mündungsrande); Klein=Methling 124 und Mölln 38 (Form 29, mit Mündungsrand und besonderem Fuße; dieser tritt bei dem ersten Exemplar in der Abbildung nicht recht hervor, das Möllner Stück ist ungewöhnlich groß und nähert sich schon der Topfform). Gelegentlich ist die Wandung scharfkantig gebrochen (Form 30). Ferner Besitz 8 (Form 31, mit scharf ansetzendem Halse und kleinem Rande), Besitz 31 (Form 32, mit scharf ansetzendem Halse und stark ausbiegendem Ränder; eine der wichtigsten Formen der ganzen Periode, sicher zu den ältesten gehörend und für die früheren Abschnitte ebenso charakteristisch, wie die Tonsitula für die spätere); Kl.=Methling 34 (Form 33, klein, eingezogener Hals ohne Mündungsrand; Übergang zum kleinen Schöpf= oder Trinkgefäß.

Derartige Schalen kleinerer Form werden mit einem Henkel versehen und so zu Schöpfgefäßen oder Trinkgefäßen, die meist dünnwandig und gut gearbeitet sind; die Standfläche gern vertieft und verziert. Im allgemeinen sind diese Schalen, deren Herleitung aus hallstättischen Metallgefäßen zweifellos ist, sicher einem früheren Abschnitt unserer Periode zuzuschreiben; in Holstein z. B. sind sie eine Charakterform der dortigen "vor la Tène=Zeit", doch reichen sie tiefer hinab; so in einem auch sonst wichtigen Grabfelde der Provinz Sachsen bei Förtsch, Festschr. 1900 Tafel III (aus Reineckes Stufe C). Seltener sind Schalen mit geradliniger Wandung, diese mit weiter Mündung und scharf abschneidendem Rande (Form 34),z.B. Besitz 10 b.

Flache breite Näpfe oder Schalen sind nicht gerade häufig; ihre Form ist ganz einfach, ein flacher Kugelabschnitt mit Ver=

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tiefung auf dem Boden; Farbe braun; einfache Arbeit; sie erscheinen gewöhnlich als Deckelschalen, aber gelegentlich auch allein (so in mehreren Fällen in Mölln). Eine Überdeckung der Urnen mit Schalen findet in der ganzen Zeit nur ausnahmsweise statt. Zur Abbildung geeignete sind überhaupt nicht erhalten.

Alle die abgebildeten Typen dienen als Behälter des Leichenbrandes (Urnen). Beigefäße kommen nur ausnahmsweise vor, und zwar in den zeitlich früheren Grabfeldern häufiger; gewöhnlich liegen sie in der Urne zwischen oder auf den Gebeinen, seltener stehen sie neben der Urne; so das schon oben besprochene Gefäß Besitz 10 b. Sie haben z. T. dieselben Formen wie die Urnen, sind aber klein und sollen offenbar meist als Trinkgefäße dienen. Vgl. unten bei Hagenow IV, Kl.=Methling usw.)

Arbeit und Farbe. Recht verschiedenartig wie in den Formen sind die Gefäße auch in ihrer Herstellung und der Farbe. Technisch stehen sie im ganzen höher als die mecklenburgischen jungbronzezeitlichen Gefäße (welche bekanntlich die Vollendung der Lausitzer Gattung nicht erreichen). Die Tonmischung ist feiner, die Wandung dünner; gegenüber der Bronzezeit fällt der gewöhnlich graue Farbenton des ziemlich homogenen Tonkerns auf. Die Töpferscheibe ist in der ganzen Periode nicht bekannt, trotzdem die Formen z.T. von einer Keramik abhängen, welche mit der Töpferscheibe vertraut war. Dagegen ist der Brand der Gefäße durchgängig wesentlich schärfer als in der voraufgehenden Zeit. Graphitierte oder buntfarbige Gefäße fehlen, aber eine Farbenwirkung ist zweifellos angestrebt. Im Vergleich mit der gleichförmigen natürlichen Tonfarbe der jüngeren Bronzezeit bieten die la Tène=Schränke fast ein farbiges Bild; besonders gegen das Ende hin ist eine intensive glänzende Schwärze beliebt, daneben ein ganz helles Braunrot. Es überwiegen graue Töne, ein tiefes Schwarzgrau, ein helleres Schwarzgrau und ein Braungrau; sonst ein Rotbraun in verschiedenen Tönen. Die künstliche Rauhung der Wandung ist beliebt; beliebt auch die Abwechslung verschiedenfarbiger Streifen.

Mit letzterem kommen wir zu dem wichtigen Kapitel über die Verzierung. Die Neigung zur Verzierung ist ganz bedeutend stärker als in der voraufgehenden Periode, und es haben sich eine Anzahl Motive durchgesetzt, welche zur zeitlichen Bestimmung der Urnen oft allein genügen.

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Plastische Verzierungen sind selten. Wir können dahin rechnen den unter dem Rande oder dem Halse umlaufenden Wulst, der gelegentlich mit Grübchen versehen ist; außerdem treten an Stelle der Henkel oft kleine plastische Bänder, Rippen oder Leisten, gelegentlich auch eine aufliegende Scheibe (Kl.=Methling 98); einmal eine längliche halbrunde Leiste mit Loch, in Gesichtsurnengeschmack (Kl.=Methling 113; in dem Henkel der Urne Mölln 8 hing ein Ring); besonders interessant Mölln 19 (Abb. 2), wo der Henkel angedeutet wird durch ein glattes Kreuz mit Punkten, offenbar eine Nachahmung der Bronzehenkel. Kleine Grübchen kommen häufig vor, zu Dreiecken geordnet, (Abb. 1), z.B. Plau 1, Plau 6, Klüß, in Reihen unter dem Halsansatz Kl.=Methling 34, ähnlich Kl.=Methling 111, in den Ecken und an den Enden kreuzförmiger Vertiefungen (Abb. 3) Dargun II 8, Mölln 19, Kl.=Methling 34; auch sonst an den Abschlüssen von Linienstreifen (Mölln 30, Sparow 4, 5 usw.). Furchen sind selten und als Überreste des Geschmacks der vergangenen Periode aufzufassen; es sind dies die verbreiteten Horizontalfurchen (Hohlkehlstreifen) des Lausitzer Typus (Voß, Zeitschr. für Ethnol. 1903, S. 167 u. f.). Ein Beispiel oben Muchow Form 11.

Im wesentlichen sind es Linearverzierungen, seltener eingeritzte einfache Striche in Art flacher Furchen, viel häufiger Linien von sehr geringer Tiefe, gelegentlich auch mit einem kammartigen Geräte hergestellte Strichsysteme. Die Stellen, an denen die Verzierungen angebracht sind, sind zunächst der Teil unter dem Halsansatz (Schulter) oder der oberste Teil der Wandung, sodann die eigentliche Wandung bis zur Standfläche; gelegentlich auch die Außenseite des Bodens. Unter dem Halsansatz läuft oft ein einfaches Band von Punkten zwischen Linien (Abb. 4 Progreß), oder kleine Kerben zwischen Linien (Abb. 5 Pampow). Neben den dünnen Strichen läuft oft eine Punktreihe; vereinzelt treten auch selbständige Punktreihen auf (z.B. bei Pogreß oben Form 14). Als Schulterverzierung überwiegt weit das Motiv des Zizackstreifens, welches in folgenden Formen hergestellt wird: einfache Linie, gelegentlich mit Punkten auf einer oder beiden Seiten (Abb. 6 Krebsförden I mehrfach), zweifache Linie (Abb. 7 Kl.=Krams, Dargun II 17, Krebsförden I mehrfach, auch dreifache Linie), zweifache Linie mit Punkten dazwischen (Abb. 8 Kl.=Krams), Hängedreiecke (Abb. 9 Krebsförden I 75), Dreieckband mit Schraffierung durch Linien in verschiedenen Richtungen (Abb. 10 Krenzlin), die verschiedenen Arten oft miteinander kombiniert (Abb. 11 Krebsförden I, 58. 83), sich kreuzende

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Verzierungen
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Linien (Krebsförden I 71), schräge, sich im Winkel treffende Parallellinienstreifen (Abb. 12 Helm 1, Dargun II 37, 41, Besitz 32, Neu=Wendorf II, Kl.=Methling29, Krebsförden I mehrfach, Hagenow II, Raduhn, Gehlsdof), dasselbe Motiv durch Vertikalstreifen unterbrochen (Grevesmühlen), vereinzelt Parallellinien mit kleinen Schrägstrichen (Pampow, Besitz 3), letztere gelegentlich kombiniert mit Punkten (Sparow 5 und 6). Seltenere Motive: Kleine Bögen mit Punkten umsäumt (Abb. 13 Krebsförden I 3, kombiniert mit Wellenlinie), Wellenlinie allein (Abb. 14 Krebsförden I 12). Senkrechte Linienstreifen mit glatten Flächen wechselnd (Pampow, Dargun II 2), z.T. "metopenartig" (Abb. 15 a Neu=Wendorf I). Ganz ausnahmsweise findet sich auch die Einteilung in einzelne Felder durch Systeme senkrechter Linien: Streifen von 6 und 2 Strichen in der unter Nr. 15 b abgebildeten Ordnung, (Sparow) interessant auch dadurch, daß die Zweistriche z.T. durch Grübchen mit Innenkreisen eingerahmt sind, einem eigenartigen Ornamente, welches als Motiv der bunten Hallstatt=Urnen ja allgemein ist. Seltsam ist auch die Verzierung der Brahlstorfer Urnen (Abb. 16; vgl. oben Form 12): Bögen und Winkel in mehrfachen Furchenlinien, dazwischen eine Kombination, die wohl eine menschliche Gestalt darstellen soll. Ähnliche primitive Menschenbilder aus gleicher Zeit siehe bei Mestorf, Urnenfriedhöfe, S. 34 und 102; Größler, Sächsisch=thüringische Jahresschrift I, Tafel XXII, 799 (wohl etwas älter); ein ähnliches Tierbild bei Seger, Schlesiens Vorzeit VI, S. 456.

Am augenfälligsten und als Hauptverzierungsmotiv anzusehen ist aber die Teilung der Wandung durch Vertikallinien oder Vertikalstreifen. Einfache, leicht eingerissene parallele Striche, die den ganzen Körper überziehen, sind selten (Hoppenrade 3, Gehlsdorf 24); häufiger, besonders gegen das Ende der Periode, sind einfache Linien, die, gleichmäßig verteilt oder zu Paaren geordnet, gewöhnlich vom Halsansatz bis zur Standfläche hinabgehen, am häufigsten abwechselnde Streifen; entweder glatte und rauhe nebeneinander, am auffallendsten Kl.=Methling 21 (Abb. 17 und oben Form 9), wo die glatten vertieft, die rauhen leicht konvex gewölbt sind; gewöhnlich ist die Wandung rauh und die glatten Streifen erscheinen als Unterbrechungen, z.B. Hoppenrade 21 und vielfach sonst (Abb. 18); oder es wechseln glatte Streifen mit solchen aus Parallellinien (Hoppenrade 11 und vielfach, Abb. 19 nach Mölln 30); in einzelnen Fällen wird dann die Wandung durch einen horizontalen glatten Streifen noch einmal geteilt (Abb. 20, Sparow 3, Kl.=Methling 48. 112). Oder die

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Streifen sind ornamentiert: durch sich kreuzende Linien (Abb. 21 Mölln 33); durch schraffierte Dreiecke wie Abb. 10 (Dargun II 19, Kl.=Methling 29); beides zusammen Mölln 13, besonders reich Pogreß, wo schräge Strichstreifen und "Tannenwedel", sowie Mölln 38 (siehe oben Form 29), wo gitterartig sich schneidende Linien (Abb. 21), ein Strahlenornament (Abb. 22), ein Zickzack mit Gitterliniensaum (Abb. 23), Tannenwedel (Abb. 24), schräge Strichstreifen, ferner Kl.=Methling 29, wo auf der Schulter schräge Strichstreifen, auf der Wandung Tannenwedel, Gitterlinien und schräge Strichstreifen, Helm 17, wo als Schulter= und Wandornament schräge Strichstreifen nebeneinander auftreten. Ganz vereinzelt ist die Verzierung von Perdöhl 717 mit großen, aus Parallellinien gebildeten Dreiecken an der Wandung, und von Boddin (in spitzem Winkel sich schneidende Doppellinien mit kleinen, scharfen Strichen; abgebildet oben Form 17).

Seltenere Motive sind: gekrümmte Linien, z.T. Wellenlinien, mit einem kammartigen Instrumente eingerissen (Brahlstorf, Dargun II 2, Mölln 19), unregelmäßig sich schneidende Geradliniensysteme auf der exzeptionellen Urne Dambeck 20, unregelmäßige vertikale Zickzacklinien auf der von Tramm.

Die Verzierung der Wandung durch eingedrückte Kerben kommt vereinzelt vor, aber nur an kleinen Gefäßen, z. B. Hagenow IV, Polz; ähnlich z.B. in Nauheim (Quilling, Seite 56). Auch die Standfläche erscheint gelegentlich verziert zwei sich rechtwinklig schneidende Furchenlinien ohne weitere Verzierung: Dambeck 38, Besitz 10 a; in den Winkeln oder an den Kreuzenden Punkte oder kleine Grübchen: (Abb. 3 f. o.); an den Kreuzenden je ein Punkt: Klueß; in der Schnittstelle ein Punkt: Kl. Methling 34.)

Die Verteilung der Ornamente auf die verschiedenen Urnengattungen ist natürlich nicht die gleiche; besonders beschränkt sich die Schulterverzierung auf wenige Typen, wie aus den Abbildungen oben hervorgeht. Die besondere Form 22 hat auch eine besonders reiche Verzierung, aber genau im Geschmack von Mölln 38 und ähnlichen. Selten sind Form 23 und 24 verziert: Krebsförden I 9 und 58, (Zickzackbänder an der Schulter), Helm 17; reich (das Exemplar kommt Typ 18 u. ä. nahe).

Besonders beachtenswert ist die Ornamentation der Tonsitulen und ihrer Vorgänger (Form 14, 15). Mit großer Gleichmäßigreit kehrt hier das Zickzackband wieder, gewöhnlich an der Schulter, in den verschiedenen oben angegebenen Formen, einmal auch an

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der Wandung (Perdöhl 717); zum Fuß hinab gehen Striche; Streifen nur in den breiteren (älteren) Formen. Es scheint hier eine Veränderung des Ornaments stattgefunden zu haben, die für die Chronologie der Urnen und damit der Grabfelder nicht bedeutungslos ist. Im allgemeinen scheint das Motiv der Vertikalstreifen einer mittleren Periode anzugehören; gegen das Ende zu wird es selten (es fehlt z.B. auf dem für die späte Zeit besonders wichtigen Grabfeld Krebsförden I). Da es aber in der darauf folgenden Periode, der frührömischen, wenn auch sehr vereinzelt (z.B. in Jamel), wiedererscheint, darf es nur in Kombination mit anderen Erscheinungen zu chronologischen Schlüssen verwendet werden.


Eine Analyse der keramischen Motive unserer alteisenzeitlichen Gefäße zum Zwecke ihrer Herleitung und chronologischen Fixierung muß einer späteren besonderen Behandlung vorbehalten bleiben. Einige Andeutungen sind aber auch für unsere Zwecke unentbehrlich. Alle Tongefäße sind von einheimischer Arbeit, aber die Motive stammen z.T. weither und kreuzen sich in seltsamer Weise. Einheimische jungbronzezeitliche, fremde Hallstätter und la Tène Muster sind erkennbar. Bronzezeitlichen Charakters, z.T. von bronzezeitlichen garnicht zu unterscheiden, sind eine Anzahl der hohen Töpfe, Gefäße wie das von Gadebusch, Krüge wie der von Muchow, weitbäuchige Urnen wie Hagenow IV, Urnen mit gebrochener Seitenwandung. Diese Gruppe bildet die Minderzahl.

Bedeutungsvoller sind die hallstättischen Einflüsse. Diese äußern sich in Form wie Ornament. Und zwar haben sowohl Metall=(Bronze=) wie Tongefäße dazu beigetrageu. Zweisellos gehen die Urnenformen (sowohl die topf= wie die schalenartigen) mit höherem eingezogenen oder einbiegenden Halse und ausladendem Rande aus hallstätter Metallgefäße zurück. Die Vorbilder liegen z.B. in den getriebenen hallstätter Kannen, wie Schumacher in Lindenschmit Altertümer u. h. V. V, 3, 47; ganz ähnliche Exemplare sind bis nach Mecklenburg vorgedrungen, und die Nachbildung könnte also sehr gut nach solchen eingeführten Stücken stattgefunden haben, wenn nicht chronologische Schwierigkeiten vorlägen. Unsere Exemplare sind unbekannten Fundorts, (abgebildet Friderico=Francisceum XII 2) und von Waren (K.=Nr. 2850; noch nicht abgebildet). Recht interessant ist, wie die Henkelbildung einiger hallstattzeitlicher Gefäße hier in der Keramik als Ornament Nachahmung gefunden hat. Das Henkel=

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motiv an der Urne Mölln 19 (oben Abb. 2) geht doch zweifellos auf die Kreuzhenkel von Gefäßen wie Wies, Frögg (Much, Atlas 1889, 44, 15, 50, 14, in beiden Grabfeldern auch verwandte Keramik) zurück; die Nieten sind durch Grübchen wiedergegeben. Auch hier findet sich das bronzene Vorbild in der Nähe, z.B. in Pommern Undset 24, 3 und in der Altmark Undset 23, 1 u. f. Vielfach ist eine Schale mit ganz derselben Henkelbildung gefunden. Und auch auf die Ornamentik haben die fremden Metallgefäße gewirkt. Punktreihen und kleine Grübchen sind als Nachahmungen der Nieten, das (allerdings nicht häufige) Augenmotiv, wie es sich an einer Urne in Sparow (s. Abb 15 b.) auch an Metallgegenständen, so einem Ringe von Helm unten S. 31) findet, als Nachahmung der getriebenen Kreise aufzufassen.

Ebenso sind die Nachklänge Hallstätter Keramik unverkennbar. Um bei genannten Beispielen zu bleiben, liegt in Gefäßen wie denen von Wies zweifellos das Vorbild zu unsern Typen 20 u. a. aber auch zu Typ 14; ebenso iu Gefäßformen von Frögg Much 50, 8 das Vorbild zu 22 (in Kombination mit dem in den anderen Typen vertretenen Halse). Daß die bekannte farbige süddeutsch=österreichische Keramik stark auf die unsere eingewirkt hat, bedarf auch nur eines Hinweises. Die Form des Gefäßes Lindenschmit Altertümer IV 44 ist die nämliche wie unser Typus 14, und unsere Ornamentmotive (Dreieckband, Grübchen=Dreieck, Gittermuster usw.) finden sich in dieser keramischen Gruppe wohl ausnahmslos. Diese Beziehungen scheinen zeitlich sogar noch höher hinauszureichen. Man sehe die althallstättischen Gefäße, die Schumacher in Lindenschmits Altertümern u. h. V. V, 3, 51-59 abbildet; da ist es nicht nur die Formengebung im allgemeinen, sondern charakteristische kleine Züge, der kleine runde Fuß, die Abschrägung des Randes nach innen, die bei uns z.B. in der Kl.=Methlinger Keramik wiederkehren. Daß Schalen unserer Typen 31 und 32 mit junghallstätter Formen, wie Koenen, GefäßkundeVI, 9 (eine Gefäßgruppe, die ihren Ursprung aus Metallnachahmung auch in der Ornamentik nicht verleugnet), noch zusammenhängen, ist ohne weiteres klar. Das wird als Beispiel genügen. Es würde nun nahe liegen, die mecklenburgische la Tène=Keramik auch zeitlich der südlichen Hallstätter nahe zu rücken und ihre Beziehungen zu chronologischen Festlegungen zu verwenden. Da geraten wir aber in unentwirrbare Schwierigkeiten. Die oben genannten auf nordischem Boden gefundenen Metallgefäße reihen sich sehr wohl in das Inventar der einheimischen Funde ein, aber in einer ganz anderen Periode, nämlich der jüngeren

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Bronzezeit; und auf der anderen Seite kommen unsere alteisenzeitlichen Gefäße von Hallstattcharakter mit Eisensachen (jüngeren la Tène=Fibeln z.B.) vor, die zu einer Ansetzung in ganz bedeutend jüngeren Perioden (zweites und erstes vorchristliches Jahrhundert) zwingen. Es bleibt also nichts übrig als die Annahme, daß in der hiesigen Keramik fremde Motive einer sehr viel älteren Stilrichtung weiter gelebt haben; eine Datierung unserer Grabfelder nach Hallstattverwandtschaft allein ist unmöglich.

Noch komplizierter wird die Verwandtschaft mit den östlichen keramischen Gruppen, die hallstättisch beeinflußt sind, besonders im "Aurither" und "Göritzer" Typus. Ein Vergleich unserer Formen mit den von Goetze, Vorgeschichte der Neumark" S. 25 und Voß, Zeitschr. f. Ethnologie 1903 S. 202 gegebenen, zeigt die unverkennbaren Berührungen in Formengebung und Ornamentierung (z.B. die Strichlinien mit Punkten und facettierten Ränder oder Abplattungen des Aurither, die Schrägstrichbänder und Grübchen des Goritzer Typs sind uns wohl vertraut). Die Art, wie hier die Beziehungen sich kreuzen, bleibe unerörtert, auf ihr Vorhandensein mußte hingewiesen werden.

Wie zu der süddeutschen Hallstattkeramik, so führen auch zu der süd= und westdeutschen la Tène=Keramik deutliche Spuren hinüber. Von den bei Koenen Tafel VII als alt=la Tène gegebenen Typen (10 gehört nicht dahin) finden sich außer 2 oder 3 alle, wenn auch die dort beliebte Knickung der Wandung bei uns Ausnahme ist (Bobzin 2, Sparow 5 usw.), ebenso von den jungen Formen (Tafel VIII) die weitbauchigen Töpfe wie Fig. 3, auch mit ähnlichem Ornament (s. Püttelkow Tafel V, 24): hier liegt sicher auch zeitliche Berührung vor. Wenn die schlanken Töpfe der westlichen Keramik nicht übernommen sind, so liegt das wohl hauptsächlich an dem Mangel der Kenntnis der Drehscheibe. Auch die Ornamentik geht im Westen andere Wege. Daß auch hier eine Nachahmung von Metallgefäßen mitwirkt, ist schon oben erwähnte; es sei auch auf beistehendes Bronzegefäß von Körchow hingewiesen, das sicht=

Bronzegefäß
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lich formverwandt mit der weitbauchigen Urne (Form 24) ist. Ganz gleiche Bronzegefäße gehören dem berühmten überwiegend jung=la Tène=Grabfelde von Idria bei Goerz an (Szombathy, Mitt. der präh. Rom. Wien 1901 z.B. 132) und haben auch dort Nachahmung gefunden. Neben diesen starken Ähnlichkeiten fällt eine Besonderheit stark auf, die Neigung der ganzen Elbgruppe zur vertikalen Gliederung der Wandung. Das Motiv gehört schon der älteren gallischen la Tène=Stufe an (Reinecke B), wie z.B. ein Grabfund von Chassemy (bei Soissons) zeigt, wo genau dieselbe Teilung der rauhen Wandung durch glatte Streifen vorgenommen ist wie bei unseren Urnen (s. Hubert, Revue archéologique 41 1902 S. 179). Aber wie es zu uns gekommen ist, weiß ich nicht zu sagen; jedenfalls ist es lange Zeit das herrschende Ornamentationsprinzip gewesen und läßt sich bei einer Gliederung der betreffenden Keramik wahrscheinlich eher zu Grunde legen als die stets von fremden Einflüssen abhängigen Formen.

Chronologie. Eine zeitliche Scheidung des bedeutenden keramischen Materials kann nur unter Berücksichtigung des Gesamtinhaltes der Grabfelder und auf Grund ihrer Beziehungen zu anderen datierbaren stattfinden. Die Urnenformen allein genügen nicht; mit dem Metallinhalt in den Urnen kommen wir nicht weit, da die Beigaben recht geringfügig sind. Auch die Form der Gräber entscheidet nicht, da es sich ausschließlich um Urnenfelder handelt. Allerdings finden sich in den Grabanlagen Unterschiede, und ein zeitliches Verhältnis zwischen diesen tritt deutlich hervor; im allgemeinen zeigen die Grabfelder, denen wir nach den Funden ein höheres Alter zuschreiben müssen, größere Steinsetzungen als die jüngeren, wo diese ähnlich wie in der folgenden Zeit oft gänzlich fehlen. Eine zeitliche Sonderung nach diesen immerhin sekundären Gebräuchen aber durchzuführen ist schon darum unmöglich, weil bei der Steinbedeckung örtliche Verhältnisse sehr stark mitsprechen. Mehr Aussicht verspricht der Vergleich mit der Keramik der zeitlich anschließenden Grabfelder, sowohl denen der vorausgehenden Periode, der jüngeren Bronzezeit, als auch denen der folgenden, der frührömischen. Ganz klar liegt es bei dem letzten. Unmerklich geht die la Tène=Periode in die frührömische über. la Tène=Typen finden sich gesellschaftet mit frührömischen, oft in derselben Urne, bei uns besonders auf dem großen Grabfelde von Körchow: wenn wir (ungern) die hier und auf ähnlichen Feldern (Neu=Stieten, Kl.=Plasten) gefundenen la Tène=Sachen, die zu unseren schönsten gehören, ausschließen, so geschieht es, weil nur eine Veröffentlichung des ganzen

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Feldes mit Situationsplan usw. das richtige Verhältnis zwischen la Tène und frührömisch geben könnte; das führt aber weit über die Grenzen unseres Themas hinaus. Die frührömische Keramik liegt klar und in scharf umschriebenen Formen vor. Eine ihrer Charakterformen ist im ganzen Elbgebiet bis Böhmen die schmalfüßige schwarze Tonsitula (Form 15), eine andere das weitbauchige Vorratsgefäß (Form 24). Diese Typen gehören also zu den noch am spätesten vorkommenden, und umgekehrt fehlen sie in gewissen relativ älteren oder sind doch weniger ausgebildet (so fehlt in Bülstringen noch die Situla; vgl. Zeitschrift für Ethnologie 1895).

Aus anderen Grabfeldern kommen Typen bronzezeitlicher Art oder solche, die eine unverkennbare Verwandtschaft mit der bronzezeitlichen zeigen, häufiger vor; schon die Gruppe der hohen Töpfe ist in bronzezeitlichen Gräbern oft vertreten. Typen wie 3 und 8 würden dort nicht befremden; echt bronzezeitlich sind 11, 25a und besonders 27.

Die anderen Typen bleiben auf die vorrömische Eisenzeit beschränkt.

Die Urnengruppen, die wir den bronzezeitlichen Typen, und die, welche wir den frührömischen annäherten, kommen auf demselben Grabfelde nur sehr selten nebeneinander vor. Danach ergibt sich für die Grabfelder mit ausschließlich der ersten Art (also 3. 8. 11. 25a. 27) ein wesentlich höheres Alter als für die, welche ausschließlich die zweite (also 15. 24) Art enthalten. In die erste (älteste) Gruppe fallen Gadebusch, Muchow, Plau, Hagenow IV, Clausdorf. In die zweite (jüngste) Perdöhl, Kl.=Krams und besonders Krebsförden I. Damit sind aber nur Endpunkte einer zeitlichen Einteilung gewonnen. Die Einordnung der großen Masse in diesen Rahmen wird nur durch eine Parallelisierung der mecklenburgischen Funde mit denen der Nachbarländer möglich werden; und noch unterliegt sie unüberwindlichen Schwierigkeiten, die nicht nur in der Geringfügigkeit der Metallobjekte, sondern auch darin bestehen, daß auch die Erscheinungen der Nachbarländer noch durchaus nicht so geklärt sind, daß die Aufmachung eines chronologischen Systems möglich gewesen wäre. Dazu kommt noch, daß im Lande selbst nicht nur zeitliche, sondern auch lokale Unterschiede bestehen. So scheinen die im östlichen Teile des Landes gelegenen Sparow, Mölln, Dargun II, Thürlow, Gehlsdorf, Kl.=Methling einander näher zu stehen als die westlichen Helm, Zweedorf, Besitz usw., während doch die Grundformen beider Gruppen die nämlichen sind.

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Metallgeräte.

Der erste Eindruck unserer Geräte ist der der Ärmlichkeit. Edelmetall fehlt gänzlich. Die Typen sind einfacher Art, wenn auch in einigen tüchtigen Bronzegegenständen ein sehr respektables Weiterleben der guten alten bronzezeitlichen Tradition erkennbar ist.

Waffen fehlen so gut wie ganz. Die einzigen la Tène=Schwerter, die wir gefunden haben, gehören erst der folgenden (frührömischen) Periode an.

eiserne Lanzenspitze

Das einzige hierher gehörige Stück ist eine bei Hoppenrade (Nr. 16) gefundene eiserne Lanzenspitze beistehender Form, auch diese nicht aus einer Urne, sondern allein liegend und verbogen; länglich, mit scharfem Mittelgrat, von einer am Anfang der Eisenzeit allverbreiteten Form.

Von Gebrauchsgegenständen anderer Art sind besonders Messer zu nennen, gerade schmale Klingen mit leicht in die Höhe gebogener Spitze; der Griff ist erkennbar an dem Exemplar von Besitz Nr. 33 (siehe Abbildung), eine kleine, schmale Griffangel mit zwei Nietlöchern. Ähnliche von Hof Nesow, Krebsförden I, Warlitz (aus einem zeitlich nicht sicher bestimmten Grabe), Clausdorf; mit breiterer Klinge von Sparow. Ein halbrundes Messer ist bei Perdöhl I gefunden; in Mecklenburg gehört diese Messerform ja im wesentlichen erst der frührömischen Periode an, doch geht sie auf eine altitalische Form zurück und läßt sich in norddeutschen Funden sehr früh nachweisen (siehe u.a. Schumann, Lemcke=Festschrift 1898 Seite 5).

Toilettengegenstände bilden die große Masse der Funde, unter diesen besonders Gürtel, Schnallen und Nadeln, also Geräte zum Zusammenhalten des Gewändes. Eigentlicher Schmuck ist selten. Auch die genannten Dinge erheben sich durch Form und Material wenig über die einfache Notwendigkeit.

Nadel
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Die Gürtel selbst waren natürlich von vergänglichem Material und sind nicht erhalten; nur ein aus eisernen Platten mit Bronzebeleg bestehender Gürtel (oder Wehrgehänge) kann hier genannt werden. Das seltene Stück ist unten bei Hagenom IV besprochen.

Dagegen sind Gürtelhaken und die dazu gehörigen Ringe sehr häufige und für die ganze Periode sehr charakteristische Stücke. In der Konstruktion ergeben sich nur geringe Verschiedenheiten: alle sind eingliedrig, die eine Seite biegt sich zu einem, meist spitzen, Haken um, der in einen Ring oder direkt in den Gürtel eingriff; die andere Seite ist verschieden: entweder sie schließt mit einer geraden Kante ab und ist dann oft mit Nietlöchern zur Beseitigung am Gürtel versehen, oder sie endet in einer geschlossenen Öse zur Aufnahme eines Ringes, oder sie hat einen zweiten Haken. Es ergeben sich danach mehrere Typen, die auch chronologische Bedeutung haben. Soweit nicht anders bemerkt, sind sie aus Eisen:

1. Breite, hinten gerade abschneidend:

  1. groß; mit einer Rippe, sicher eine der ältesten Formen:
    Alt=Bartelsdorf, Clausdorf (beistehend abgebildet),
    Gürtelhaken
    Püttelkow I, Thürkow, Pogreß (sehr groß), Plau, Hagenow IV, Kl.=Methling, Helm; mit zwei Rippen: Bellevue, Brahlstorf; bei den beiden letzteren ist der Abschluß durch einen Streifen Bronze verstärkt; Bronzenieten haben auch die von Plau und Alt=Bartelsdorf;
  2. kleine derfelben Art: Helm 7, 16, 39, Neu=Stuer 3, 6, Bobziu 20, Bellevue 18;
  3. das hintere Ende wird gebildet durch eine scharfwinklig absetzende seitliche Verlängerung: Krebsförden II, Warlitz (abgebildet), Hof Nesow, Bellevue 15,
    Gürtelhaken
    Kützin; der Typus ist alt (vgl. Anthropologie 1904 S. 302, zusammen mit junghallstättischen Paukenfibeln).
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2. Breite, hinten spitz. Das Schlußende setzt mit einem stumpfwinkligen Dreieck ab:

  1. mit Loch: Friedrichsruhe (abgebildet);
    Gürtelhaken
  2. mit Umbiegung zu einem Haken:
    Rankendorf, Bobzin, Hof Nesow, Plau, Klinken, Bellevue, Neuburg, Krebsförden II, Pampow, Schwandt; ähnlich auch Kritzow.

3. Schmale, hinten gerade abschneidend:

Raduhn, Krebsförden II, Neu=Stuer, der einzige aus Bronze, (abgebildet).

Gürtelhaken

4. Schmale, hinten spitz, stets mit Haken oder Ösenring:

Crivitz (derRing erhalten), Neu=Stuer, Bobzin, Borkow,

Gürtelhaken

Krebsförden II (abgebildet), Pampow,Kl.=Methling (mehrere), Dargun I, Brünkendorf (mehrere), Schmadebeck.

Zu dem Gürtelschmuck gehört wohl auch die Schmuckscheibe von Rankendorf, gepreßtes Bronzeblech auf Eisen; wichtig, da auch sonst verbreitet (abgebildet).
Gürtelschmuck

Ringe. Die zahlreichen runden Eisenringe von annähernd 4 cm Durchmesser, meist kräftig, flach und im Durchschnitt rundlich, gehören sicher überwiegend zum Gürtelhaken oder sonst zur Gürtelbefestigung. Eine Einzelaufführung ist müßig, sie kommen in fast allen Grabfeldern vor.

Eine andere Ringform, deren Sinn nicht aufgeklärt ist, wird durch flache Eisenscheiben mit Mittelloch gebildet; sie kommen zu mehreren zusammen vor und mögen einen Hängeschmuck gebildet haben (Raduhn 3 Exemplare).

Ebenfalls unsicher ist die Bestimmung gewisser größerer Bronzeringe mit bügelförmiger Öse ("Ösenringe"); doch scheint mir auch für sie die Deutung als eine Art Schnallenringe am nächsten liegend. Wir haben nur zwei Stücke aus Gräbern

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(ein drittes, von Karstädt, ist Einzelfund): aus Gersdorf (abgebildet) und aus Bellevue; letzteres wichtig, da das Feld ziemlich gut ausgestattet ist. J. Mestorf hat wiederholt die Aufmerksamkeit auf diese Ringform gelenkt und ihr eine gewisse chronologische Bedeutung zugeschrieben (Mitteilungen des anthropologischen Vereins in Schleswig=Holstein 5 Seite 33). Ösenring Danach ist die große Masse dieser Ringe in Holstein gefunden und zwar iu Urnenfeldern, die zu den ältesten eisenzeitlichen gerechnet werden müssen. Bellevue gehört zweifellos einem jüngeren Abschnitte an. In Dänemark sind die Ringe die Hauptcharakterform der "einheimischen alteisenzeitlichen Gruppe". (Siehe Müller, Nordische Altertumskunde II, 37.) Dieselbe Erscheinung wird uns bei einer andern alten Form, den "Holsteiner" Nadeln, begegnen, die wir bis in Mittel=, wenn nicht Jung=la Tène hinein verfolgen können.

Schnallen, fast ebenso häufig wie Gürtelhaken und wie diese gleichmäßig über die ganze Periode verbreitet. Schnalle Da die Nadel oft fehlt, mag manches der anfzuführenden Stücke auch zum Eingreifen in den Gürtelhaken gedient haben. Der Rahmen besteht meist aus einem runden oder gedrückt ovalen Ringe von rundem oder flachem Durchschnitt, in dem die Nadel frei hängt; auf der anderen Seite oft eine kleine Zwinge zur Befestigung am Gewande. Das Material ist meist Eisen. Aus Bronze sind nur zwei, eine aus Brahlstorf mit rhombischem Durchschnitt (siehe Abbildung), groß und mit Schräglinien verziert, und eine von Mölln, mit flach gewölbtem, unten glattem Rahmen.

In diesem Zusammenhang als Schnalle oder Gürtelring sei auch ein sonderbares Stück aus Friedrichsruhe erwähnt (abgebildet Jahrbuch 47, Tafel VI, 13).

In seltenen Fällen ist der Rahmen vierseitig (rechteckig); Perdöhl I, Helm und besonders Krebsförden I (siehe Abbildung), offenbar junge Formen. Schnalle

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Nadeln, meist auch zur Befestigung der Kleidung dienend, kommen in großer Menge vor. Der Formenreichtum ist besonders groß, und sie sind vielleicht eher zu einer chronologischen Sichtung zu verwenden, als die sonst so brauchbare Fibel. Abgesehen von einigen exzessiv großen (Gr.=Labenz) und kleinen, die meist nur in Bruchstücken erhalten und genauer nicht zu bestimmen sind, schwankt die Größe zwischen 16 und 6 cm.

Die Nadeln sind selten gerade, in einem Falle gekrümmt (Hagenom IV; Bronze, bronzezeitlicher Art), gewöhnlich "gekröpt" d. h. mit einer Einbiegung unterhalb des Kopfes, die meist unmittelbar oder in geringer Entfernung unter diesem liegt. Biegt dieser selbst sich noch einmal zurück, so entsteht die viel besprochene "Schwanenhalsnadel", die in unserer Periode nur durch ein Stück vertreten ist (Dargun I). Wir scheiden sie nach der Bildung des Kopfes. (Soweit nichts anderes bemerkt, hat der Körper eine Einbiegung.) Dieser ist

Nadel

1. kolbenartig, oben flach. Der Kolben ist gelegentlich mit flügelartigen Ansätzen oder Fortsätzen versehen. Ohne solche: Besitz (Eisen); mit ihnen: Crivitz (Bronze), Dargun I (Bronze), das nebenbei abgebildete besonders schöne Stück (Bronze) stammt aus einem Moor bei Laage, Mölln (Bronze; im Museum von Neubrandenburg). Auch die genannte Schwanenhalsnadel Dargun I (Eisen, Kopf Bronze, nebenbei abgebildet) kann hierher gerechnet werden; nur ist die flache Seite des Kolbens unten und die Spitze wird durch eine rundliche Verstärkung gebildet.

Über die Verbreitung der Flügelnadeln stehe u. a. Schumann a. a. O. Seite 7 wozu noch der Fund von Jastorf in Hannover kommt; die Form beschränkt sich im wesentlichen auf die Küstenländer von Hamburg bis Hinterpommern und erscheint hier stets in derselben Umgebung (stark profilierte Schalen wie Besitz 31) stets einer alten Stufe (Mestorfs Vor= la Tène) entsprechend, womit natürlich nicht gesagt sein soll, daß nicht einzelne Exemplare in jüngere Perioden reichen können.

Flügelnadel

2. Der Kopf flach kegelförmig, platte Seite nach oben. Eine Charakterform, nach ihrem Hauptverbreitungsgebiet auch als "Holsteiner" Nadel bezeichnet; zum Teil sehr stark, gedrungen,

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in gutem Bronzeguß, oft mit Strichen verziert; dahin gehören außer Einzelfunden die von Kützin, Brahlstorf, Gallin (es ist wohl kein Zufall, daß alle diese im südwestlichen Landesteile gefunden sind). Kleinere Exemplare von Bobzin, Dambeck I, Kl.=Methling;

ohne die Biegung der Nadel: Püttelkow I (bei allen diesen der Kopf von Bronze, die Nadel von Eisen).

Flügelnadel

Das Verbreitungsgebiet dieser Nadeln scheint weniger weit zu sein, als das der vorigen und sich im wesentlichen auf das Elbgebiet zu beschränken; im Süden reicht es bis tief in die Provinz Sachsen. (Mestorf, Urnenfriedhöfe, mehrfach, besonders II, 20 Dockenhuden, Schwantes, Jastorf III, 12). Doch kommt eine ähnliche Form auch in Dänemark vor, dort aber nicht in Gräbern, sondern in der Gruppe derselben nordischen Moorfunde wie die Kronenringe, vgl. Neergaard, mémoires des antiquaires 1890 S. 182. Der Typus ist zweifellos alt, aber er reicht, wie z. B. die Funde von Westerham an der Eibmündung und von Pötrau im Lauenburgischen zeigen (vgl. Rautenberg, Jahrbuch der wissenschaftlichen Anstalten in Hamburg III 1886, T. 3 und 4; Freund, Lübecker Festschrift 1897) bis in die Zeit der Fibeln mit Kugelköpfen, also bis an den Schluß der Periode, ist also als Merkmal nicht zu verwenden.

3. Kopf knaufartig; der Kopf ist klein und wegen des Rostes im einzelnen nicht erkennbar: Bobzin, Besitz (gerade).

4. Kopf stabförmig; der Griff wird durch eine kleine längliche Stange gebildet: Plau, Kl.=Methling (Eisen; Schwandt (Nadel Eisen, Stab Bronze).

5. Kopf scheiben= oder schalenförmig. Der Kopf sitzt seitlich:

a) Spiralscheibe: Clausdorf, (Bronze); eine langlebige wichtige Form. Auch sonst finden sich kleine beschädigte Spiralscheiben einzeln mehrfach (Plau, Clausdorf) und sind dann wohl als abgebrochene Köpfe zu erklären.

b) Runde oder ovale Scheibe: Besitz, Friedrichsruhe (Scheibe aus Bronze), Plau (desgl.), Borkow, Püttelkow, Bellevue, Mölln, Kl.=Methling (Kopf vertiefte Bronzeschale), Schwandt.

c) Rhombische Platte: Plau, Borkow, Clausdorf (nebenbei abgebildet). Vgl. dazu Schumann

Nadel

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a. a. O. und Baltische Studien N. F. VIII, 123 (in einem wichtigen Funde von Mühlenhagen zusammen mit einer "Nauheimer" Fibel).

Nadel

6. Ringförmig. Friedrichsruhe (Bronze, groß, f. Abbildung), Hof Nesow, Bellevue, Mölln, Krebsförden I, Besitz, Friedrichsruhe. Durch Umbiegung des Nadelkörpers und Breithämmern des Endes ist der Kopf hergestellt in der Art des bekannten bronzezeitlichen Dauertypus der Rollennadeln an einem Exemplar von Clausdorf (Eisen).

7. Kopf flachkugelig:

a) massiv: Camin IV. Der Kopf besteht aus Bronze und Eisenscheiben.

b) hol; eines der eigenartigsten Gebilde. Der Kopf besteht aus zwei Halbkugeln aus Bronze oder seltener Eisenblech, zwischen denen eine eiserne Scheibe liegt; die eiserne Nadel geht durch diese Scheibe und ist aus dem Scheitel der oberen Halbkugel befestigt. Wir haben Beispiele von Holdorf, Helm (ein großes, nebenbei links abgebildetes und ein ganz kleines Exemplar) Bobzin und Gr.=Labenz (Eisen, excessiv groß; s. Abbildung).

Nadel Nadel

Das Verbreitungsgebiet dieses seltsamen Typus scheint im wesentlichen dasselbe zu sein wie das der Kegelkopfnadeln, das untere und mittlere Elbgebiet. In Pommern fehlen sie und auch schon im Osten unseres Landes.

Fibeln. Mit diesem bei der chronologischen Betrachtung vorgeschichtlicher Dinge mit Recht hoch geschätzten Toilettenstück sind mir hier übel beraten. Die Zahl der Fibeln ist gegenüber den Schnallen, Nadeln usw. recht klein; viele Grabfelder enthalten überhaupt keine, und so müssen sie als Mittel einer zeitlichen Scheidung wegfallen. Außerdem sind die wenigen vorhandenen meist nur in Resten erhalten.

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1. In der Art jüngerer Hallstattfibeln.

Hof Nesow: Bronze unvollständig; rundlich gewölbtes Bronzeblech, mit zwei Lappen über eine lange Spiralrolle übergreifend, erinnernd an Paukenfibeln; Nadel aus Eisen.

Holdorf (abgebildet): Fibel Bronze; nur der Bügel; aufgebogen; mit verbreiteter Nadelscheibe; auf dem Scheitel kleine flache Schale. Unsichere Reste von ähnlichen aus Clausdorf und Borkow.

2. Die sog. "Pommerische" Fibel ; Bronze mit eiserner Nadel, breiter gewölbter Bügel, auf dessen Fußende eine Schale; am Kopfende lange Spiralachse, an deren Ende zwei weitere Schalen; die Endigungen der Achse sind mit dem Fußende durch ein Spiralband verbunden. Einmal sind auch diese Verbindungsstücke in Guß hergestellt (Gr.=Methling). Fibel Vgl. dazu Jahrb. 47 S. 297 (die dort erhobenen Bedenken gegen den Fibelcharakter, die sich besonders auf das exceptionelle Gr.=Methlinger Stück stützten, sind unberechtigt). Wir haben Stücke aus Turloff, Kritzow, Brüel, Neuburg (2 Ex..), Raduhn (4 Ex.), Friedrichsruhe; ebensoviele wie in Pommern gefunden sind. Die Fundorte liegen nicht weit von einander, getrennt von der Gruppe der großen westlichen Felder (Helm usw.) und ebenso von der der östlichen (Mölln usw.). Zur Bestimmung der zeitlichen Stellung ist nur das Feld von Raduhn verwendbar, welches nach den Urnenformen einer mittleren oder jüngeren Zeit angehören muß. Über die weitere Verbreitung (Vorpommern, Mecklenburg, ein Exemplar Altmark) s. Schumann, Lemcke=Festschrift 1898; dort S. 14 ist auch der Versuch der Herleitung der Form aus süddeutschen Junghallstattformen gemacht und als zeitlicher Ansatz frühestens die Mittel=la Tène=Periode gegeben. Das reiht sich in die mecklenburgischen Beobachtungen durchaus ein. Vgl. jetzt auch Reinecke in Lindenschmits Altertümern V, 35.

3. Mittel=la Tène=Fibel (nach Tischlers Benennung); Fibel mit zurückgebogenem Fibel

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Fuß und Verbindungsstück, wie umstehendes Stück, ein Einzelfund von Hohen=Lukow. Raduhn: Eisen, beschädigt, langgestreckt, der Verbindungsring aus Bronze, lange Spiralachse. Ähnlich ein Stück von Dargun II (19). Hierher ist wohl auch ein Teil der Fibeln mit Kugelknöpfen zu rechnen, langgestreckte Exemplare von Eisen, deren Bügel mit mehreren Bronzekugeln versehen ist (besonders an der Verbindungsstelle desselben mit dem zurückgeschlagenen Fuße); meist lange Spiralachse. Hagenow IV.

Dargun II, 20, 30. (Das abgebildete Exemplar, Dargun II, 30 mit seinem langgestreckten breiten Bügel nähert sich dem Jung= la Tène=Charakter), Bellevue 11, Krebsförden I (auf den Kugeln kreuzförmige Vertiefungen, die ursprünglich eine Füllmasse, gewöhnlich Glasemail, enthielten). Der Verteilung dieser weitverbreiteten Form nachzugehen, ist hier nicht der Raum; sie reicht mit starken lokalen Veränderungen von der Schweiz bis Schweden; scheint aber im deutschen Osten seltener zu sein (s. u. a. Seger, Schlesiens Vorzeit VI, S. 413).

Fibel

4. Jung=Tène=Fibel (Tischler); das Schlußstück ein in einem Stücke gegossener Rahmen. Perdöhl II, Eisen, mit geknicktem Bügel (s. Abbildung). Dargun II (4 Exemplare), Klein=Methling 7. Dazu kommen noch unkenntliche Reste von kleinen Eisenfibeln in Helm, Dambeck, Twietfort, Neu=Stuer, Neu=Wendorf.

Fibel

5. "Nauheimer" Fibel. Kl. Methling, Bronze, ausnahmsweise gut erhalten; flacher gewölbter Bügel aus Bronzeblech, unter dem Kopfende eine kleine Spiralachse, am Fußende eine

kleine Nadelscheide. In dem bekannten großen Grabfelde von Nauheim, welches für die jüngste la Tène=Periode als besonders charakteristisch angeführt zu werden pflegt, ist dieselbe Fibel mehrfach gefunden; vgl. Quilling, Nauheimer Funde 1903 Typus d S. 99. Wir gewinnen damit einen sehr wertvollen Anhalt für die zeitliche Bestimmung des großen und wichtigen Kl.=Methlinger Feldes (wobei allerdings nicht unberück=

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sichtigt bleiben darf, daß das Stück nicht einer Urne entnommen, sondern auf der ausgedehnten Fläche, welche das Urnenfeld barg, frei im Boden gefunden ist. Es ist nur noch eine andere Jung=la Tène Fibel hier geborgen, und wir können das Grabfeld als ganzes recht gut höher ansetzen; über seine Anfänge geben die Fibeln keinen Anhalt). Auch in Pommern ist eine "Nauheimer" Fibel gefunden, zusammen mit einer Nadel mit rhombischer Scheibe und einem merkwürdigen Fibelgebilde mit einer aus fünf Kreisen (ein großer in der Mitte) zusammengestellten Platte, die nur zu sehr an die seltsame "vor= la Tène=Fibel" von Tindsdahl (Mestorf, 40. Bericht 1894 S. 10) erinnert und vor einer zu hohen zeitlichen Ansetzung dieser Gruppe warnen muß. (Balt. Studien N. F. VIII, S. 123.)

Ketten mögen in diesem Zusammenhang erwähnt werden, da sie anderwärts oft in Verbindung mit Fibeln, (aber auch an Nadeln und Gürtelhaken) gefunden werden. Wir haben Ketten und kleine Eisenringe in Kritzow, Borkow und Thürkow, hier noch an einem Gürtelhaken ansitzend; solche aus kleinen Bronzeringen von Neu=Stuer und Mölln.

Kette

Größere Bronzeblechringe, die zu einer Kette verbunden sind, stammen von Holdorf (abgebildet) und Borkow, die letzteren mit einem Ornament eingeschlagener Kreise mit Punkt (wie an dem Fingerringe von Helm unten S. 31).

Pincetten, dies häufige Gerät der jüngeren Bronzezeit sind jetzt selten. Es sind gefunden zwei kleine Exemplare mit schmaler Zwinge und rundlicher Ausweitung am Griffende, beide von Eisen: Zweedor, Clausdorf, (nebenbei abgebildet).

Pincette

Schmuckringe sind nicht gerade häufig, aber von großer Bedeutung, da hier der Zusammenhang mit bronzezeitlichen Erscheinungen deutlicher ist, als sonst. So erscheint der gewundene Halsring (torques). Ein "echter" Torques, d. h. durch wechselnde Drehung und Zusammenschweißung mehrerer Bronzestangen hergestellt, ist auf der Stelle des Grabfeldes Krebsförden II vor Jahren gefunden (abgebildet).

Schmuckring

Seine Zugehörigkeit zu den Urnen konnte fraglich sein, wird aber durch ganz analoge Vorkommnisse in drei Holsteiner Urnenfeldern wahrscheinlich gemacht (vgl. Mestorf, Urnenfriedhöfe S. 18). Übrigens ist bei uns kein einziger dieser Ringe in einem

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gesicherten bronzezeitlichen Funde gemacht worden; alle Exemplare waren Einzelfunde, und es liegt kein Hindernis vor, sie alle erst der ältesten Eisenzeit zuzuschreiben. Über die weitere Verbreitung und sonstige zeitliche Stellung sei auf S. Müller Ordning II 406 verwiesen.

Sicher und von großer chronologischer Bedeutung ist der "unechte" Torques (mit imitierter Torsion) von Clausdorf. (Das Stück ist zerbrochen; beistehende Abbildung gibt ein vollständiges Exemplar) und aus Thürkow.

Schmuckring

Auch dieser Typus ist nie in bronzezeitlicher Umgebung gefunden; sonst aber finden sich Analogien genug. Hingewiesen sei auf die nordthüringischen Skelettgräber, deren Bedeutung, ob nun jung=hallstättisch oder alt=la Tène bleibe noch offen, wiederholt (z. B. Zeitschr. f. Ethn. 1900, Verhandlungen S. 487) von Reinecke hervorgehoben ist Abbildungen s. Foertsch, Hallesche Festschrift 1900, etwas anderer Art Jahresschrift der Sächs.=Thüringischen Länder III, Tafel 4 mehrfach) und auf das Urnenfeld von Peiesterwitz in Schlesien, dessen zeitliche Stellung als junghallstättisch (um 500 vor Chr., eher älter) gesichert ist. Vgl. sonst Müller Ordning II 407.

Eine wesentlich jüngere torquesähnliche Form ist die (nebenbei abgebildete) von Raduhn (mit Einkerbungen und kolbenartiger Endigung). Ein ähnliches Stück von Plau.

Schmuckring

Die mecklenburgischen Leser wird es besonders interessieren, daß auch unsere allbekannte "wendische Krone" in diese Umgebung einzureihen ist. Daß die berühmten Fundstücke sicher nicht wendisch und sehr wahrscheinlich keine Kronen, sondern Halsringe sind, ist wiederholt zur Sprache gekommen, in den Jahrbüchern allerdings noch nie zum Ausdruck gebracht worden. Über die Begründung muß aus meine Vorgeschichte S. 100 verwiesen werden. Die zeitliche Stellung war aber außerordentlich schwer genauer zu bestimmen, da die wenigen überhaupt vorhandenen Stücke meist

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Einzelfunde waren. In einem Falle wenigstens ist ein Kronenring genannter Art in einer Urne gefunden ; es ist das Exemplar von Admannshagen (verbogen und unvollständig, nebenbei mit Ergänzungen abgebildet).

Krone

Analogien von Dänemark bis Schlesien geben die Einfügung in die ältere Eisenzeit; in welchen Abschnitt derselben aber, das muß erst noch weiteren Funden überlassen bleiben. Vgl. u. a. S. Müller Ordning III, 60 flgd., Seger, Schlesiens Vorzeit VI, S. 418.

Ein dünner Torques stammt von Bobzin, unverzierte Bronzehalsringe ebendaher und von Clausdorf; größere schmale Eisenbänder, die kaum anders wie als Halsringe aufzufassen sind, von Krebsförden I und Bobzin.

Fremdartig berührt im Vergleich mit der Überfülle an Arm= und Handschmuck in der Bronzezeit jetzt der fast gänzliche Mangel an Arm= und Handringen. So erhalten, daß die Form bestimmbar wäre, ist überhaupt keiner. Spiralwindungen, die wohl von Armschmuck stammen, sind in Radulm; Reste von Bronzewülsten in Borkow gefunden; dünne Bronzestreifen, die von Armringen stammen könnten, in Hof Nesow und Polz. Übrigens ist dieser Mangel allgemein und deutet auf eine durchgehende Sitte.

Auch Fingerringe sind mit Sicherheit überhaupt nicht nachweisbar. Ein schlichter rundlicher Bronzereif, den man hierher rechnen könnte, stammt von Clausdorf, Spiralringe aus Bronzeblech von Alt=Bartelsdorf und Borkow, ein schmaler Ring aus Bronzeblech mit Augenverzierung von Helm (abgebildet), ein kleiner Bronzereif von Hagenow IV, der Rest eines kleinen Hohlrings von Dambeck.

Ring

Befremdender ist die Seltenheit von Ohrringen. In der Gegend der mittleren Elbe finden sich in dieser Zeit Ohrringe, hauptsächlich aus segelartig gebogenem Bronzeblech, in größter Menge, sodaß sie ein Hauptmerkmal der Periode bilden; wir haben nur einige wenige Reste zerbrochener von Bobzin.

Ebenso befremdend ist das Fehlen von Perlen, die allgemein in der la Tène=Zeit einen beliebten Schmuck bilden; wir besitzen eine unscheinbare blaue von Neubur

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An Einzelheiten sind noch zu erwähnen: eiserne Näh= oder Stopfnadeln von Wittenburg und Kützin, ein flacher Spindelstein aus Ton von Hagenow II, kleine Bronzeblechstücke, die zu Beschlägen unbestimmten Zwecks gedient haben, von Hof Nesow und Dambeck, ein kleiner klumpen Urnenharz von Krebsförden II, kleine runde Feuersteine von Krebsförden II und Dargun II, eine Reibkugel von Besitz, ein seltsames Knochengerät von Gadebusch (s. unten S. 39), kleine bronzene Spiralrollen, Scheiben, Kugeln, Blechstücke unbestimmbaren Zweckes vonHagenow IV, Borkow, Neu=Stuer, Clausdorf, Kritzow.


Damit ist das nicht gerade großartige Inventar erschöpft, mit dem sich, soweit die Sprache der Gräber entscheidet, die altgermanische Bevölkerung des heutigen Mecklenburg in dem letzten vorchristlichen Halbjahrtausend beholfen hat. Niederlagen in Mooren oder in freiem Boden, die das matte Bild beleben könnten, fehlen, wenn man von einigen schönen Bronzeringen, die an der Grenze zur Bronzezeit stehen, absieht, ganz, Einzelfunde sind spärlich. Einheimische bronzezeitliche, fremde hallstättische und la Tène=Einflüsse sind erkennbar und kreuzen sich; eine Parallelifierung der Fundplätze mit den fremden reicheren und zeitlich sicherer bestimmbaren, eine Aufteilung der Typen auf getrennte Zeiträume und damit eine Periodeneinteilung der langen alten Eisenzeit ist noch unmöglich. Dazu gehört noch eine viel intensivere Durcharbeitung unseres Landes, besonders die vollständige Ausgrabung einiger größerer Grabfelder in den verschiedenen Landesteilen, da die starken Unterschiede zwischen einzelnen Gruppen, wie wiederholt bemerkt, nicht nur zeitliche, sondern auch örtliche sind und sicher auf eine verschiedene Bevölkerung zurückgeführt werden müssen.


Die Grabfelder der älteren Eisenzeit.

Im allgemeinen sei über die Grabfelder folgendes bemerkt:

Es herrscht durchaus der Leichenbrand wie schon lange vorher und noch Jahrhunderte weiter. Nach Seite der Bestattungsart bietet die ganze lange Periode nichts wesentlich verschiedenes. Die Gebeine werden in Leichenbehältern geborgen; in der Art, wie es geschieht, sind Verschiedenheiten erkennbar: entweder sind die Gebeine sauber, oft schneeweiß, von jeder Beimengung mit Asche, Kohle usw. sorgsam gereinigt (wie schon in der vorauf=

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gehenden Periode, der jüngeren Bronzezeit), dann füllen sie meist die ganze Urne; oder sie sind vermengt mit Resten des Leichenbrandes, dann sind die Urnen gewöhnlich nur zum Teil mit Gebeinen gefüllt, man hat sich augenscheinlich begnügt, einige Handvoll Überbleibsel von der Leichenbrandstätte zu entnehmen und in das Grabgefäß zu legen. Der Unterschied ist nicht zufällig, sondern weist auf eine Verschiedenheit im Bestattungsritus; in Krebsförden I (am Ende der Periode, wo sonst die flüchtige Art oft beobachtet ist) z. B. herrscht durchgängig das erste Verfahren, in Dargun II (älter als Krebsförden I) ausschließlich das zweite; ein zeitlicher oder ethnischer Unterschied läßt sich aber darauf noch nicht gründen. Ganz überwiegend findet die Beisetzung in Tongefäßen (Urnen) statt; aber man findet oft auch Knochenhäufchen ohne Urne, oft mit so scharfen Ränderabschnitten, daß die Beisetzung in einem Holzkasten angenommen werden muß. Die Beigaben sind durchgängig sehr spärlich und zeigen meist Spuren des Leichenbrandes: Beigefäße in der Urne sind sehr selten, häufiger leere Tongefäße gleich den Urnen, die vielleicht als Beigefäße aufzufassen sind. Vielfach hat man in Nachbarländern beobachtet, daß Veränderungen mit den Urnen vorgenommen sind: es fehlt der Boden, von den beiden Henkeln ist einer abgeschlagen, in der Wandung oder dem Boden ist ein Loch angebracht usw. Alle diese Sonderbarkeiten sind auch hier mehrfach beobachtet; das Fehlen des Bodens z. B. in Helm, das Fehlen eines Henkels bei sonst leidlich erhaltenen Gefäßen häufiger, deutlich z. B. bei einem sehr gut erhaltenen Gefäße von Sparow; und gelegentlich (vgl. Kl.=Methling) scheint auch ein Loch in der Wandung absichtlich hergestellt zu sein. Die Urnen finden sich sehr selten allein, fast stets mit anderen zusammen, sodaß es sich sichtlich um gemeinsame Bestattungsplätze einer größeren Gemeinschaft handelt. Wohl ausnahmslos liegen diese in leichtem, meist in sandigem Boden; mit Vorliebe werden flache Kuppen gewählt. Diese Wahl ist so stetig, daß die breiten Sandhügel des Landes geradezu eine Charakterform vorgeschichtlicher besonders früheisenzeitlicher Grabanlagen sind; gar manches Urnenfeld ist allein aus der Bodenbeschaffenheit entdeckt worden. Doch finden sich auch ausgedehnte Urnenfelder in durchaus flachem Boden. Gerade die großen Urnenfelder im Osten des Landes Kl.=Methling, Dargun II, Mölln boten gar kein äußeres Merkmal.

Die Urnen finden sich in geringer Tiefe, etwa 30 cm unter der jetzigen Oberfläche, manchmal in einer Schicht brandgeschwärzter Erde; einige Male war auch eine Brandschicht über den Urnen;

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sie stehen in Steinpackungen oder frei im Boden. Das letztere scheint gegen das Ende der Periode zu häufiger zu werden und ist jedenfalls die herrschende Sitte in der darauf folgenden Zeit. Sonst in Steinschutz. Steinkisten aus flachen Platten wie in der Bronzezeit kommen nicht mehr vor; wohl aber steht die Urne gern auf einem Steine und wird durch einen ähnlichen überdeckt; auch zur Seite wird sie oft mit Steinen umstellt und in ihrer Lage gehalten; größere Steinpackungen oder Schichtungen fehlen. Eine leichte Bodenerhebung über den Urnen habe ich öfter beobachtet, z. B. in Muchow und Brünkendorf, aber es fehlt, soweit wir sehen können, die Uberdeckung mit einem Hügel. In einigen Fällen wird davon berichtet, daß die Urnen in einem Hügel gefunden seien; es muß aber noch dahin gestellt bleiben, ob es sich dabei um künstliche Hügel, wie sie in letzter Zeit aus der jüngeren Bronzezeit mehrfach (Granzin und Greven bei Boizenburg) aufgedeckt sind, oder um natürliche handelt.

Alle genauer untersuchten Grabfelder bargen massenweise Gräber, stets auch dicht bei einander. Doch fehlt noch immer eine Untersuchung eines ganz unberührten Grabfeldes, wo die ursprüngliche Anlage, Verteilung der Urnenstellung usw. auf größerer Fläche nachgewiesen wäre. Reihen sind beobachtet, häufiger aber eine gruppenweise Stellung der Urnen, letzteres besonders deutlich in der Art, daß eine Anzahl Urnen mit einem gemeinsamen Pflaster überdeckt waren. Dieser Steindamm liegt stets unmittelbar unter der jetzigen Oberfläche, sodaß anzunehmen ist, daß er ursprünglich ganz frei lag und so den Grabraum bezeichnete. Die bedeutende Ausdehnung der meisten Grabfelder weist auf eine lange Dauer ihrer Benutzung; und sicher reichen manche über weite Zeiträume, in denen ein allmählicher Wechsel der Gerätformen stattgefunden hat. Die große Schwierigkeit der zeitlichen Bestimmung, die in diesem Umstande und in dem bisherigen Mangel ausgedehnterer Ausgrabungen liegt, ist schon wiederholt betont.

Unsere folgende Aufzählung und Behandlung der einzelnen alteisenzeitlichen Urnenfelder sieht von einer zeitlichen Trennung ab; wir geben sie in geographischem Zusammenhange, beginnend mit dem Nordwesten und mit dem Nordosten schließend; 62 sind neu ausgegraben oder bekannt geworden und werden hier zum ersten Male veröffentlicht. Auch die 27 alten erscheinen in wesentlich anderer Auffassung, zeitlich richtig bestimmt ist in den alten Veröffentlichungen kein einziges; bei unserer Besprechung

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wird nur das für ihre Auffassung wesentliche gegeben; für die Einzelheiten muß auf die früheren Veröffentlichungen verwiesen werden.

Rankendorf bei Grevesmühlen.
(Katalog=Nummer 4483-4485.)

1875 etwa 30 cm tief eine Urne mit Gebeinen; nach den Resten ein braunes rundliches Gefäß mit einem Henkel und steil ansteigendem Halse, an den ein kleiner Rand nach außen schräg ansetzt, (zerfallen); darin die folgenden Gegenstände (vgl. Jahrb. 41 S. 168):

1. Eine Scheibe von Bronzeblech, 3,75 Durchm., mit rundem Buckel in der Mitte, flachem Wulst (beides getrieben) und vier kleinen zackigen Ausläufern; unterhalb der Scheibe ein eisernes Band, an einem der Zacken nach oben gebogen; anscheinend ein Gürtelbeschlag (abgebildet oben S. 22).

2. Ein eiserner Gürtelhaken, 9,5 cm lang; kurz, breit mit zwei nach unten gebogenen Ösen.

Tramm bei Grevesmühlen.
(Katalog=Nummer 2968.)

1845 ohne genaueren Bericht (vgl. Jahrb. 19 S. 327):

Urne mit zerkleinerten zerbrannten Gebeinen Schwarz; kleiner, nach außen gebogener Rand, großer Henkel vom Rande zur Bauchkante gehend. Diese scharf und hoch gelegen. Höhe 19, oberer Durchmesser (vom äußerem Rande gemessen) 20, unterer Durchmesser (Standfläche) 9, größter Umfang (11 von unten) 90 cm. Verziert mit seichten Zickzackstreifen, die, doppelt oder dreifach, unregelmäßig über die ganze Wandung laufen, die Form ist selten und nimmt eine Mittelstellung zwischen 15 und 16 ein.

Grevesmühlen.
(Katalog=Nummer E. 1583. 1584.)

I. Über einen sicher hierher gehörenden Begräbnisplatz ist bereits Jahrb. 3 B S. 123 berichtet; zwischen der Stadt und dem Plockensee rechts von der Straße nach Klütz sind in einem Sandhügel Reihen von Urnen 30-60 cm tief angetroffen; einer ist eine "runde Schlange von Eisen" (wohl ein Gürtelhaken) entnommen. Bewahrt ist von dieser Fundstelle nichts.

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II. Dagegen ist in Grevesmühlen selbst 1902 ein Begräbnisplatz angetroffen und am 23. April g. J. von dem Verfasser untersucht. Derselbe liegt in der Hinterstraße auf dem Grundstücke des Stellmachers Möller. Nach Abbruch eines alten Hauses stieß man bei der Neufundamentierung 2,3 m tief auf alte Sachen; da der spätere Auftrag etwa 1,30 m beträgt, haben diese in einer ursprünglichen Tiefe von 1 m gestanden. Es waren drei Urnen, frei im Sande, mit zerbrannten Gebeinen, in einer ein "kupferner Knopf" (verworfen), an zweien Eisenrost. Außerdem an sechs Stellen Brandschichten von 60 bis 70 cm Länge und 20 bis 30 cm Breite, in denen ebenfalls zerbrannte Gebeine gelegen haben sollen. Die Ränder der Schichten hoben sich so scharf von dem gelben Sande ab, daß es auf die Beobachter den Eindruck gemacht hat, es wären ursprünglich Holzkisten gewesen.

Bewahrt sind zwei Urnen; eine größere in so trümmerhaftem Zustande, daß sich genaueres nicht angeben läßt, als daß sie der Form 23 angehört; und eine kleinere sehr hübsche, Form 24, die Grundfarbe schwärzlichbraun. Schmale Standfläche, gleichmäßige Ausbauchung, kleiner starker, nach außen schräger Rand. H. 11, gr. Ufg. (6 v. u.) 50, Durchm. ob. 12,5 u. 5. Unterhalb des Halses ein Streifen mit regelmäßigen, sicher gezogenen Schrägstrichen (je drei), zwischen jedem Strichpaar vier Vertikalstriche. Nach dem Fuß führen 14 Striche, je zwei näher aneinander. Form und Verzierung der Urne kommen auch noch in der darauf folgenden Periode, der frührömischen vor, sodaß die Zuweisung des Grabfeldes nicht ganz zweifellos ist.

Nesow bei Rehna.
(Katalog=Nummer TIA 1 c 16 u. flgd.)

1841 auf Hoffeld viele Urnen, etwa 60 cm tief in bloßer Erde, jede einzeln mit einem dichten Steinkreise umstellt und mit einem Steine überdeckt; untersucht z.T. von Pastor Masch in Demern. Erhalten sind:

Urne 1: Hellrotbraun; Form 7; Oberfläche z.T. glatte, z.T. rauh; groß und schlank, Rand stark nach außen gebogen, schräger Hals, ein ziemlich kleiner Henkel unterhalb des Halses. H. 30, ob. Durchm. 16, u. Durchm. 10, gr. Ufg. (17 v. u.) 83 cm.

Darin: Ein Gürtelhaken (s. unten).

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Urne 2: Hellrotbraun, glatt; Form 6; zwei Henkel. Oben stark beschädigt. H. 21, ob. Durchm. ung. 18, u. Durchm. 10, gr. Ufg. (13 v. u.) 66 cm.

Darin: "Ein Messer von Eisen mit Bronzenieten in der Griffzunge" (unter den stark vergangenen Sachen nicht mehr erkennbar).

Eine Fibel von merkwürdiger Form, leider nur zum kleinsten Teile erhalten; eiserne Sehnenachse mit bronzenen Spiralwindungen; der Bügel bestand aus einem gewölbten Bronzeblech. Es ist eine sonst in Mecklenburg ganz unbekannte Form, entsprechend süddeutschen Früh = la Tène=Fibeln wie Lindenschmit, Altertümer der heidnischen Vorzeit II, H. 6, T. 3, 9 u. 12.

Eine eiserne Nadel, stark vergangen; oben gebogen; abschließend in einem kleinen Ringe.

Kleine, leicht gebogene Bänder von Bronze und Eisen mit Stiften und Nieten, Beschläge unbestimmbarer Art.

Urne 3: Ungleichmäßig braun; oben beschädigt, rundlich; Form 24; Hals leicht ansteigend; ein kleiner Henkel am Halsansatz (ursprünglich wohl zwei); am oberen Teile der Wandung mit zehn flachen Kehlstreifen verziert. H. ung 14, Durchm. ob. ung. 8,5, u. 6, gr. Ufg. (8 v. u.) 50 cm.

Darin lagen kleine Stücke von Eisendraht, wie Drahtstifte oder Nadeln.

Urne 4: Schwarz, rundlich; Form 24; oben stark beschädigt; zwei kleine Henkel unterhalb des Randes. H. ung. 18, ob. Durchm. ung. 14, u. Durchm. 7,5 gr. Ufg. (10 v. u.) ung. 72 cm.

Darin: Ein Gürtelhaken (s. u.) und ein Ring (Eisen), flachrundlich, mit kreisförmigem Durchmesser von 4 cm, wohl zum Gürtelhaken gehörend. Außerdem zerbrochene und zerschmolzene Stücke von eisernen Messern und Nadeln und die Reste eines glatten, runden Bronzeringes.

Von anderen Urnen sind Reste und der Inhalt bewahrt.

Darunter: Fünf Gürtelhaken, in dem Katalog von den oben genannten nicht geschieden, sodaß diese hier mit besprochen werden müssen. Unter den arg zerrosteten Stücken sind drei Typen erkennbar (vgl. oben S. 21 und 22): 1c, 2 und 4.

Zwei eiserne Schnallen, die eine rund, die andere oval, 3 cm Durchm.

Rest eines dünnen Bronzehandringes.

Rest eines kleinen eisernen Messers mit nach oben gebogener Spitze; 9 cm lang.

Außerdem unbestimmbare kleine Eisenringe, Nadeln usw.

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Holdorf bei Gadebusch.
Katalog=Nummer E. 904-906.)

Bei dem Bau der Bahn Schwerin=Rehna wurde 1897 hinter der Holdorfer Ziegelei an dem Abhang zur Radegast ein größeres Urnenfeld angeschnitten. Mehrere Urnen, die nach Angabe der Arbeiter frei oder mit geringem Steinschutz etwa 75 cm tief im Sande standen, wurden zerstört. Der Inhalt von einer (Form 24) wurde durch die Herren Rohde in Rehna und Goldhorn in Holdorf geborgen und eingesandt.

Es sind kleine Bronzen mit nicht tiefer, z.T. hellgrüner, glänzender Patina.

1. Der Kopf einer (eisernen) Nadel, zwei flachgewölbte Schalen aus Bronze, zwischen denen ein kreisrundes Bronzeblech von 3 cm Durchm.; über die Oberfläche der Schalen laufen im Scheitelpunkt rechtwinklig sich schneidende Streifen von je 3 Linien. (S. oben S. 26.)

2. Der Bügel einer Fibel; flache, runde, vertiefte Schale, tief herabgehender Fuß, Loch für die Achse, abgebildet oben S. 27; außerdem eine Spiralachse, die aber nicht zu dieser Fibel paßt.

3. Eine Kette von in einander hängenden Ringen, aus flachen Blechstreifen, zwei Stücke von sieben und sechs Gliedern, zwei einzelne Ringe; abgebildet S. 29.

Ich habe darauf hin am 7. Juli 1897 die Stelle untersucht, fand aber den Platz, wo die ersten Urnen geborgen waren, schon gänzlich zerstört. Einige 100 Meter südlich dagegen stieß ich auf eine andere Gruppe von Urnen, von denen sieben untersucht werden konnten. Diese waren alle frührömischen Charakters. Ob und wie die beiden Gruppen zusammengehören, bleibe dahingestellt. Die enge Berührung von la Tène und frührömischen Feldern, ja der Übergang in einander wird uns noch wiederholt beschäftigen (s. u. Neu=Stieten, Körchow, Pütteltow, Kl.=Plasten).

Gadebusch.
Katalog=Nummer E 1071-E 1079.)

I. Östlich von der Stadt, etwa 1,5 Kilometer entfernt, liegen an einer Wiesenniederung zwei Hügel, die zur Kies= und Sandgewinnung benutzt werden und bei dieser Gelegenheit wiederholt Altsachen ergeben haben.

Nach einer Untersuchung des Verfassers vom 18. und 19. September 1898 handelt es sich hier auf engem Raume um

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vier zeitlich weit getrennte Anlagen: eine steinzeitliche Feuersteinwerkstätte, jungbronzezeitliche Brandgräber, wendische Skelettgräber, und, was uns hier allein beschäftigt, ein Urnenfeld im la Tène=Charakter. Dieses lag am östlichen Abhange des Hügels; ohne erkennbare Anordnung standen die Urnen frei im Sande, einige in Steinen verpackt; in einem Falle lagen die Gebeine ohne Urne in einer kleinen Steinkiste. Fünf Grabstellen sind freigelegt; nur eine Urne erhalten.

1. Frei im Sande, nur mit einem Deckstein geschützte Urne; Form 3; braun, ziemlich schlank; hoher, leicht eingebogener Hals, zwei Ösen an dem Halsansatz; der Boden etwas absetzend. H. 20,5, ob. Durchm. 11, u. Durchm. 7, gr. Ufg. (10 v. u.) 56 cm.

Inhalt, wie auch bei den andern, weiße starke Gebeine, wie sonst in bronzezeitlichen Feldern.

2. Ganz nahe bei 1, ohne jeden Schutz, eine große braune Urne mit streifenartigen Verzierungen in der bekannten la Tène=Art; etwa Form 5; ganz zerdrückt.

3. Steinpackung, in der nur kaum erkennbare Urnenbrocken.

4. Runder Steinring von 60 cm Durchm., innerhalb dessen, von Keilsteinen in ihrer Lage gehalten, eine schöne braune Urne mit Streifenverzierungen, leider ganz zerdrückt; der vorigen ähnlich.

5. Kleine quadratische Steinkiste aus Granitplatten, 50 cm breit und ebenso hoch, darin ein Haufen zerbrannter Gebeine ohne Urne; zwischen den Gebeinen ein eigentümliches Knochengerät, von dem mir anbei nach der Wiederherstellung, die es durch das Entgegenkommen des römisch=germanischen Zentralmuseums in Mainz gefunden hat, eine Abbildung geben.

Eigentümliches Knochengerät

Dasselbe ist leicht konvex, endet an der eine Seite in zwei Zacken, zwischen denen ein Loch, auf der andern gerade. Die Verzierungen, die aus der Abbildung genügend erkennbar sein worden, sind an den Rändern mit kräftigeren, sonst mit flachen und flüchtigen Strichen eingeritzt. Ähnliche Stücke sind mir nicht bekannt, und über den Zweck wüßte ich nichts zu sagen.

II. Einen Kilometer weiter nach Süden liegt zwischen Wiesenniederungen ein auffallender großer Sandhügel, mit Tannen bestanden, der "Totenberg" genannt. Seit Jahren sind hier Urnen,

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angeblich auch bronzene Gegenstände, angetroffen. Nach den Berichten standen die Urnen z.T. in Steinsetzungen aus größeren Steinblöcken, z.T. in Steinkisten; mehrmals sind auch Brandschichten angetroffen. Ich habe mehrere Steinpackungen freigelegt, fand sie aber alle schon gestört; verstreute Scherben lagen überall herum und genügen zur zeitlichen Feststellung des Feldes. Es waren dieselben schwarzen und roten, z.T. mit Punktlinien und Strichen verzierten Stücke jüngeren Charakters, die uns wiederholt z.B. bei Krebsförden I beschäftigen werden.

Neuburg bei Wismar.
(Katalog=Nummer 3109-3113.)

1851. 40-60 cm tief zwei Urnen mit zerbrannten Gebeinen (vgl. Jahrb. 18, S. 262 und 20, S. 294).

Urne Nr. 1, Form. 7; rot, Rand stark nach außen gebogen (nur ein Stück erhalten). Darin (nach Angabe der Arbeiter, die sie fanden, oben auf liegend) ein eiserner Gürtelhaken (a. a. O. als Messer gedeutet) von der oben S. 22 unter 2b besprochenen Form, zerbrochen und beschädigt, noch 9 cm lang; zwei "pommerische" Fibeln aus Bronze (s. oben S. 27), zerbrochen und unvollständig, mit drei Schalen, gewölbtem Bandbügel, eiserner Sehnenachse.

Urne Nr. 2 (ohne Beigaben) Form 14; schwarz, mit zwei Henkeln, nach außen gebogenem Rande. H. 19, Durchm. ob. 17,5, u. 6, gr. Ufg. (9,5 v. u.) 80 cm.

Schwerin.
(Katalog=Nummer 1144. 1145.)

Eingeliefert 1843 mit dem Vermerk "in der Paulsstadt am Pfaffenteiche hinter dem Hause des Mundkochs Schack am Nordende der Alexandrinenstraße in der Tiefe auf Steinpflaster":

Urne der Form 14, halb erhalten; schwarz, klein, derb; mit Henkel; Höhe etwa 12,5 cm. Außerdem Scherben von rotbraunen Urnen.

Der Fund, sicher ein Grabfund, ist interessant als eins der ältesten Denkmäler der Besiedelung der Stadt Schwerin. Steinzeitliche Funde sind ja in und bei Schwerin häufig; an eisenzeitlichen aber fehlt es fast ganz. Noch wichtiger wird der Fund dadurch, daß in nicht großer Entfernung, am Medeweger See, der ja durch den Aubach mit dem Pfaffenteiche verbunden ist, eine la Tène=Ansiedelung aufgedeckt ist, die dem besprochenen Grabfunde zeitlich gleich stehen muß.

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Renzow bei Gadebusch.
(Katalog=Nummer TIAIe 14.)

Als in Gr.= oder Kl.=Renzow gefunden befindet sich ohne weiteren Bericht seit etwa 1830 eine Urne mit zerbrannten Gebeinen in der Sammlung.

Diese ist oben beschädigt, Form 6, hellbraun, leicht gewölbt, der Rand nach außen gebogen; zwei Henkel nahe dem Rande; die sonst rauhe Oberfläche wird durch vier glatte Längsstreifen unterbrochen, auch ist der Teil am Boden glatt gehalten. H. 23, ob. Durchm. ung. 14, u. Durchm. 9, gr. Ufg. (12,5 v. u.) 68 cm. Im Boden befindet sich in der Mitte ein Loch, das "Seelenloch", wie man es wohl genannt hat, ein in Mecklenburg wenig beobachteter Gebrauch (ein weiteres Beispiel unten bei Klein=Methling).

Neu=Stieten bei Wismar.
(Katalog=Nummer 3979-4014.)

Bericht f. Jahrb. 33, S. 139 flgd.

Ausgebeutet 1865, z.T. von Büsch. Ebene Fläche, sandig, die Urnen etwa 40 cm tief. Das Grabfeld gehört zweifellos der frührömischen Zeit an (Bandfibeln, Urnen mit Rädchenverzierungen usw.), doch finden sich auf ihm auch einige typische la Tène=Urnen; die eine, Form 15, ist schwarz, mit schmalen, hohen Fuß, Starker und scharfer Ausbauchung im oberen Teile und einer Verzierung aus gezogenen Zickzacklinien, die mit Punktlinien umzogen sind. H. ung. 18, u. Durchm. 8, gr. Ufg. (11 v. u.) ung. 60 cm. - Von einer ähnlichen ist nur ein Bruchstück erhalten; sie hatte dieselbe Form, war aber etwas anders verziert, nämlich durch Zickzacklinien ohne Punktreihen und durch senkrechte zum Fuße herabgehende Striche.

Ob ein schwerer Eisenring zu einer Bronzeurne im Charakter derer von Körchow gehört oder zu einer römischen Urne, muß dahingestellt bleiben. Jedensalls aber haben wir hier genau dieselbe Mischung von la Tène= und frührömischen Funden wie in Körchow.

Krebsförden bei Schwerin Nr. I.
(Katalog=Nummer E 316. 1283-1341.)

Die Feldmark des Dorfes Krebsförden, 3,7 Kilometer südlich von Schwerin und durch den Ostorfer See von der Stadt getrennt, hat sich als eine reiche Fundstätte vorgeschichtlicher Alter=

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tümer erwiesen. Die Lage erfüllt auch alle Bedingungen, welche man für alte Ansiedelungen vorauszusetzen pflegt. Vom Ostorfer See aus steigt der sandige Boden steil auf und fällt südlich zu einem Bache sanft ab, um auf der andern Seite sich wieder zu einem flachen langgestreckten Hügel zu erheben, der durch eine sumpfige Wiesenniederung auch nach Osten zu abgeschnitten wird.

An drei Stellen ist man bei dem Dorfe auf Urnen gestoßen; direkt östlich vom Dorfe am Westabhange des oben genannten, vom Ostorfer See aus aufsteigenden Hügels, südwestlich am Wege nach Wüstmark und südöstlich in dem Winkel, den dieser Weg mit dem Bache bildet.

Eine genauere Untersuchung hat zunächst das zuletzt genannte Feld gefunden, auf welches durch den Herrn Schulzen Stender in Krebsförden und seinen Bruder die Aufmerksamkeit gelenkt wurde, indem dieselben eine wohlerhaltene Urne dem Museum schenkten. Im Auftrage der Großherzoglichen Kommission zur Erhaltung der Landesdenkmäler hat Verfasser unter Mitwirkung des Herrn Geh. Archivrat Grotefend am 2. bis 7.August 1889 eine Ausgrabung vorgenommen, welche folgendes Resultat ergab:

Der Abhang des Hügels nach der Talniederung zu wird als Sandgrube benutz, und beim Sandfahren sind seit langer Zeit Urnen gefunden und zerstört, eine Feststellung der ursprünglichen Ausdehnung des Feldes nach dieser (West=) Seite ist daher unmöglich; auch nach der entgegengesetzten Seite läßt sich die Ausdehnung nicht sicher feststellen; der Hügel steigt nach Osten an und besteht aus leichtem Sande. Die Urnen sind offenbar ganz flach in den Boden gesetzt, und die scharfen Ostwinde haben auf dem ungeschützt liegenden Hügel aus der Höhe so viel Sand weggenommen, daß die Urnen freigelegt wurden und der Zerstörung beim Ackern leichter ausgesetzt waren als auf der Westseite. Der Besitzer des Stückes, Erbpächter Kempcke, hat auch auf der Höhe oft Scherben ausgepflügt, wahrend die Ausgrabung dort nichts mehr ergab. Überhaupt fanden sich die am tiefsten stehenden und dem entsprechend am besten erhaltenen Urnen in der Richtung des Abhangs, während nach der Höhe zu fast alle schon zerdrückt waren. Ganz klar war die Grenze des Urnenfeldes nach Süden und Norden, wo sich ein fast geradliniger Abschluß ergab. Der Raum, innerhalb dessen unversehrte Urnenstellungen aufgedeckt wurden, bildet ein unregelmäßiges Viereck von ung. 10 (Westen), 12 (Süden), 5 (Osten), 15 (Norden) m Seitenlänge. Gefunden sind im ganzen 103 Urnenstellungen, die

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sich auf die angegebene Fläche nicht in gleicher Weise verteilen; am dichtesten standen sie im Westen, am spärlichsten im Osten; an zwei Stellen, ziemlich an den nordwestlichen und südöstlichen Ecken, ließ sich eine regelmäßige Setzung beobachten, es standen hier 22, resp. 17 Urnen nach den Himmelsrichtungen reihenweise in Abständen von 50 bis 75 cm; da dieselbe Entfernung und Orientierung sich an anderen Stellen bei den einzelnen Urnen wiederholt, so mag ursprünglich das ganze Feld so geordnet gewesen sein, und da die Verteilung der Urnen auf das Viereck jetzt leere Stellen ergibt, so wird die minder tiefe Stellung der Urnen hier ihre Zerstörung herbeigeführt haben.

Die Beisetzung der Urnen war eine recht ungleichmäßige und sorglose; in Steinen verpackt waren nur sehr wenige, viele lagen schief, einige wenige standen 80 cm tief, die meisten ung. 30, doch ist nach dem oben Gesagten damit die ursprüngliche Tiefe nicht bestimmt; in einigen Fällen standen zwei dicht neben einander, in einem zwei über einander. Am nordöstlichen Ende unseres Ausgrabungsfeldes war eine 1,50 m tiefe Aschenschicht, mit großen Steinen umlegt und durchsetzt, offenbar eine Stätte für den Leichenbrand.

Sämtliche Urnen mit Ausnahme von zweien waren mit starken Splittern zerbrannter Knochen gefüllt; die spärlichen Beigaben lagen auf oder zwischen ihnen. Ihre Erhaltung war natürlich eine sehr schlechte; nur vier wurden unversehrt gehoben, 21 waren schon so zerstört, daß nichts erhalten geblieben ist.

Die Arbeit der Urnen war durchweg eine gute. Eine gewisse Gleichmäßigkeit geht durch. Sie haben ihren größten Umfang ungefähr in 2/3 ihrer Höhe; ein Rand fehlt nie, er ist fast immer leicht nach außen gebogen, bei den sorgsameren Exemplaren scharfkantig abgestrichen (facettiert); die Standfläche ist klein. Je nachdem der Bauchrand mehr gerundet oder scharf ist, ergeben sich zwei Hauptformen, zwischen denen als Übergangsform eine dritte einzuschieben ist. 1. Form 23 und 24 mit gerundeter Seitenfläche; diese sind meist gröber gearbeitet und haben eine überwiegend braune Oberfläche, 2. Form 14, sonst ähnlich 1, aber mit stärkerer Ausbauchung und dadurch der folgenden Form näher stehend, meist braun, 3. Form 15, mit scharfem, oft weit ausladendem Bauchrande, meist schwarz und mit stärker gebogenem Rande und spitzem Fuße. So bekommen dieselben ein bewegtes Profil und sind natürlich der Zerstörung am meisten ausgesetzt. Henkel kommen nicht viel vor, die schwarzen

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haben meist einen großen, einige auch kleine Leisten unter dem Rande. Sehr viele Urnen, meist schwarze, sind verziert mit Systemen von feinen Zickzacklinien und Punkten oberhalb des Bauchrandes. Diese Verzierungen bestehen aus leicht eingerissenen oder punktierten Streifen aus Zickzacklinien (zwei bis drei), oft ist zwischen den Zickzacklinien eine Punktreihe oder sie sind mit Punkten eingefaßt; zweimal (Urne 3 und Urne 12) treten an ihre Stelle Wellenlinien. Einmal ist (bei 3) eine solche kombiniert mit einem Hängeornament (Kreisbogen mit Punkten). Andere Hängezierate sind Dreiecke, z.T. mit parallelen Seiten. Oft gehen von dem Halsornament gerade Striche zu dem Fuße.

Die erhaltenen oder in ihrer Form deutlich erkennbaren sind folgende:

Urne 1a: Schwarz; Form 14; unter dem Rande Zickzackband aus je 3 Linien. H. 13, Durchm. ob. 13, u. 5,5, gr. Ufg. (7,5 v. u.) 62 cm.

Urne 9: Schwarz; schönes typisches Exemplar der Form 23; Boden vertieft, Rand scharf abgestrichen; unter dem Rande verziert mit einem Bande von Zickzacklinien. H. 13, Durchm. ob. 18, u. 7, gr. Ufg. (8 v. u.) 69 cm.

Urne 37: Groß, rotbraun; Form 24; leicht nach außen gebogener Rand, darunter eine Leiste 4 cm lang; verziert mit flachen, weit auseinander stehenden Längslinien. H. 25, ob. Durchmesser 17,5, u. 13, gr. Ufg. (17 v. u.) 106 cm.

Urne 58: Schwarz, sehr schön, Form 23, aber alles reicher; der Fuß leicht absetzend; ein Henkel, unter dem eine Platte; unter dem Rande reich verziert (Schräglinien sich in spitzem Winkel treffend von Punkten eingefaßt, oben und unten von Streifen paralleler Linien begrenzt; darunter Hängedreiecke, denen entsprechend nach oben gerichtete am Fuße). H. 18, Durchm. ob. 17, u. 9, gr. Ufg. (11 v. u.) 82 cm.

Urne 62: Rotbraun, ähnlich 37 (Form 23), aber etwas gedrungener und ohne Leiste. H. 17, Durchm. ob. 18, u. 9, gr. Ufg. (11 v. u.) 80 cm.

Urne 84: (Abgebildet auf Tafel III) Form 15; schwarz, sehr schön; Fuß besonders klein, dem entsprechend stark ansteigende Wandung und scharfer Bauchrand, facettierter Rand; der Hals eingezogen und scharf absetzend; ein großer Henkel; verziert am Halse mit einem Zickzackbande aus drei punktierten Linien. H. 18, Durchm. ob. 17, u. 8, gr. Ufg. (10 v. u.) 82 cm.

Urne 85: Form 23. Schwarz, mit Henkel, sonst gleich 62, verziert am Halse mit Zickzackstreifen, bestehend aus seichten Linien

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mit seichten Tupfen dazwischen. H. 20, Durchm. ob. 18, u. 8, gr. Ufg. (13 v. u.) 80 cm.

Von den mehr oder weniger zerbrochenen lassen sich noch erkennen:

2: fein, schwarz; Form 15. H. 20 cm. Inhalt: eiserner Ring.

3: sehr fein, schwarz; Form 15. H. 16 cm; verziert mit Hangebogen und Wellenlinien.

7: einfach, hellbraun; Form 24.

8: grob, braun; Form 14. H. 18 cm.

10: hellbraun; Form 14.

11: grob. schmutzigbraun; Form 14.

12: grob, braunschwarz; Form 14; mit Wellenornament.

15: gut gearbeitet; braun; Form 23. H. 18 cm.

16: schwarz, zierlich; Form 15. H. nur 10 cm.

17: grob, hellbraun; Form 24. H. 12 cm.

18: bröckelig, braun; Form wohl 14. Darin zwei eiserne Ringe.

20: fein, schwarz; Form 24 (trotz der Farbe !); H. 18 cm. Zickzackband.

2l: schön, schwarz; Form 15, besonders scharf profiliert. H. 20 cm. Zickzackband mit Punkten. Darin ein formloses Stück Eisen.

29: schön, schwarz; Form 15; Zickzackband.

33: schön, hellbraun; Form wohl 14; Zickzackband mit Punkten.

36: schön, schwarz; ganz zerdrückt. Daneben eine Schale (zum Zudecken? sonst in Krebsförden nicht beobachtet).

39: grob, hellbraun; Henkel.

40: sehr schön, schwarz; Form 14. H. nur 15 cm. Inhalt:

eiserne Fibel.

47: grob, braun.

57: groß, schwarz; Form 15; Zickzackband aus Punktlinien.

60: groß, schwarz; Form 15; Linie bis zum Fuße.

61: hübsch, klein, schwarz; Form 15. Darin Rest einer eisernen Fibel mit Bronzeknöpfen.

63: fein, schwarz; Form 15; Band aus Schräglinien.

64: schön, braun. H. 18 cm. Form 15 (trotz der Farbe!).

65: grob, braun; Band aus Schräglinien.

66: schwarz; Form 15.

67: bröckelig, braun; Form 24. Darin eiserner Ring.

68: groß, schwarz; Form 15; mit Henkel; Zickzackband.

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71: sehr dünnwandig, schwarz; Form 15; eigenartig verziert mit sich kreuzenden Schräglinien aus kleinen Strichelungen.

72: derb, braun; Form 23.

73: derb, rotbraun; Form 14.

74: schwarz; Form 15.

75: fein, schwarz; Form 15. H. 20 cm. Band aus Hängedreiecken.

76: derb, braun; Form 24. H. 18 cm.

77: derb, braun; Form 23, aber kugeliger als gewöhnlich; H. 20 cm.

78: sehr schön, schwarz; Form 15; Zickzackband; ornamentaler Henkel.

80: derb, schwarz. Darin eiserne Fibel.

81: braun; Form 23; rauhe Wandung, in der glatte Streifen, eine sonst auf diesem Urnenfelde nicht vorkommende Verzierung.

82: schön, schwarz; Form 15. H. 17 cm. Zickzackband mit Punkten.

83: besonders schön, schwarz; Form 15; zwei Zickzackbänder, eins aus kleineren Dreiecken und eins aus größeren mit Punkten; an der Wandung herabgehende Streifen von verschiedener Färbung.

86: derb, braun; Form 24.

87: sehr groß und derb, hellbraun; Form 23; Streifen aus schwachen sich schneidenden Linien.

88: schwarz; fast ganz vergangen. Darin eiserner Halsring.

89: zart, schwarz; Form 15. H. 13 cm. Darin Kinderknochen.

90: klein, schwarz; Form 15. In der Nähe eine eiserne Schnalle.

92: klein, schwarz; Form 15.

93: schön, stark, schwarzbraun. H. 15 cm. Form 15, aber mehr schalenförmig. Zickzackband.

95: grob, braun; Form 23. H. 19 cm.

96: schwarz; Form 15. Verziert mit einem Bande sich schneidender Linien. Darin eiserner Ring.

98: stark, schwarzbraun; Form 3. H. 25 cm. Zickzackband mit Punkten.

100: grob, braun; Form 14.

101: mittelfein, rotbraun; Form 23.

103: roh, rotbraun; Form 24, nur etwas kugeliger.

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Die sehr geringfügigen Metallbeigaben betreffend fanden sich 1. eiserne Ringe in U. 2, U. 18 (zwei Stück), U. 21, U. 67, U. 96, alles einfache runde Schnallenringe von 1,25-2,50 Durchm. 2. ein eiserner Halsring aus U. 88, einfachste Form mit spitzen Enden, ung. 11 cm Durchm. 3. eiserne Fibeln: drei Stück, aus U. 40, U. 61, U. 80, leider so zerbrochen, daß Form und Mechanismus nicht mehr genauer erkennbar; die eine hat zwei bronzene Knöpfe, eine andere eine zweiseitige Spiralachse mit äußerer Sehne. 4. Rest einer eisernen Nadel mit rundem Ösenkopf aus U. 3. Vereinzelt gefunden ist später der Rest eines Messers. Ob eine frei im Sande bei U. 90 gefundene Schnalle mit vierseitigem Rahmen und freihängendem Dorn (abgebildet oben S. 23) hierher gehört, bleibe dahingestellt.

Verglichen mit dem zweiten (folgenden) Felde, ist dieses unzweifelhaft jünger; es ist unter allen das am schärfsten ausgeprägte Jung= la Tène=Feld.

Krebsförden bei Schwerin Nr. II.
(Katalog=Nummer E 519-527.877. 1591-1594.1713-1714. 1770-1776.)

Ein zweites Feld liegt östlich vom Dorfe nach dem See zu auf hohem, sandigen Gelände. In dem älteren Bestande der Großherzoglichen Sammlung befindet sich ein bronzener Torques (K.-N. L II R 32), eingeliefert 1845 mit dem Vermerk "gefunden von dem Büdner Bühring unter einem Steinhügel, der wegen der Ackerkultur abgetragen wurde, neben dem Ringe fanden sich Urnenscherben und Kohlen". Nach Angaben alter Leute hat ein Teil jenes Feldes zur Bühringschen Büdnerei gehört; es ist also sehr wohl möglich, daß der Ring mit dem Urnenfelde zusammenhängt; und er sei in diesem Zusammenhange wenigstens erwähnt da die zeitliche Stellung der Wendelringe bei uns noch durchaus nicht sicher ist (vergl. oben S. 29). Der Ring ist stark verbogen und zerbrochen; es ist ein echter Wendelring mit siebenmal wechselnder Torsion.

Nachdem von einem Finder eine Urne eingeliefert war (1 a), habe ich auf der Stelle, die zum Teil als Sandgrube benutzt wird, zuerst September 1890 und dann wiederholt kleinere Ausgrabungen veranstaltet und auch durch private Gefälligkeit mehrfach Berichte und Funde erhalten. Noch unlängst hat Herr Dr. Oskar Almgreen aus Stockholm die Stelle besichtigt und eine schöne Urne mit Inhalt geborgen (Nr. 12). Auch hier ist bei der starken Zerstörung ein allseitiges Bild nicht zu gewinnen.

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Doch ist es klar, daß sich die Anlage von dem ersten Felde wesentlich unterscheidet und sicher einen älteren Charakter trägt. Die Urnen standen nämlich stets unter oder zwischen Steinen, z.T. von ganz beträchtlicher Größe; fast stets in einer Schicht Asche und Kohle.

Urne 1 a: zerbrochen; schwarz, ziemlich klein; Form 14. Wie alle übrigen gefüllt mit zerbrannten kleinen Gebeinen.

Steindamm von etwa 4 m Durchm., darunter in Steinen verpackt

Urne 1 b: zerbrochen; rotbraun; Form 5 folgende; die Urne fast ganz gleich der unten zu besprechenden Nr. 6.

Unter einem ähnlichen Steindamm:

Urne 2: zerbrochen, rotbraun; sonst gleich der vorigen, aber mit drei Henkeln (eine ziemlich seltene Erscheinung). Darin: ein eiserner Gürtelhaken (abgebildet oben S. 22), lang und schmal, am breiteren Ende zur Öse umgehämmert, 7,5 cm lang; und ein eiserner Schnallenring, rund, 2 cm Durchm.

Unter einem (zerstörten) Steindamm:

Urne 3: stark zerbrochen; rotbraun, wahrscheinlich auch gleich den vorigen.

Unter dieser Urne:

Urne 4: gleich Urne 3, darin ein eiserner Ring, ähnlich dem aus Urne 2.

Kleiner Steindamm, darunter von einem Steinkranze umgeben:

Urne 5: zerbrochen; hellbraun, feinwandig; Form nicht mehr erkennbar. Gebeine sehr zart.

Von einem Arbeiter gefunden 1895:

Urne 6 (abgebildet Tafel I): am Rande beschädigt, sonst erhalten: rotbraun mit glatter Oberfläche; Form 5, oben abgebildet; zwei Henkel, verziert mit einfachen Strichen, horizontalen zwischen den Henkeln und am Fuße, vertikalen dazwischen. H. ung. 23,5, Durchm. ob. 15, u. 11, gr. Ufg. (13,5 v. u.) 72 cm.

In dieser Urne lag ein kleines Beigefäß (Nr. 7); zur Unkenntlichkeit zerdrückt; schwarzgrau. Außerdem am Boden ein Harzklumpen.

Zwischen großen Steinen:

Urne 8: zerdrückt; schwarz. Form wohl gleich 14. Darin ein eiserner Gürtelhaken, länglich. schmal, mit spitzem Ende auf der Breitseite, 9,5 cm lang.

Aus einer ganz zerstörten Urne 9: Rest einer eisernen Nadel, stark, mit Krümmung unter dem Kopfe, Einzelheiten nicht erkennbar.

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Aus einer ganz zerstörten Urne 10: Rest eines eisernen Gürtelhakens mit Platte an dem breiteren Ende, Form 2 oben S. 22.

Etwa 50 cm tief, zwischen größeren Steinen, die aber die Urne nicht berührten:

Urne 11: rotbraun, fast ganz erhalten; Form 24; zwei Henkel. H. 22, Durchm. ob. 16,5, u.9, gr. Ufg. (16 v. u.) 61 cm. Am Boden der Urne ein eiserner Gürtelhaken mit rechteckiger Platte am breiten Ende (Form 1 c), 12,5 cm lang.

Urne 12: mit Steinen dicht umstellt, Standstein und ein kleiner Haufen Decksteine etwa 50 cm lang und breit; diese Schicht stand 20 cm unter der Oberfläche. Die Urne war schon gearbeitet; rotbraun, rauhe Wandung; aufsteigender, leicht nach außen gebogener Hals; kleiner Henkel; Form 2, aber breiter. H. 29, Durchm. ob. 19, u. 11,5, gr. Ufg. (13 v. u.) 83 cm.

Sie war gefüllt mit kleinen Knochen bis oben hin. In deren Mitte lag ein eiserner Gürtelhaken mit kleinen Einkerbungen am Ende und starkem Mittelgrate; Länge 10, Breite am Ende 4 cm. Am Boden lag ein rundlicher Stein (Kiesel).

Urne 13: ganz zerdrückt; rotbraun; erkennbar noch, daß die Form gleich 12 ist.

Urne 14: zerdrückt; mit Henkel, rotbraun, ziemlich dünn, rundlich, sonst gleich 12; darin ein eiserner Gürtelhaken, von dem nur ein Rest erhalten ist, die Zunge absetzend und stark gebogen.

Urne 15: zerdrückt; fast ganz gleich 14.

Pogreß bei Wittenburg.
Katalog=Nummer 4479-4482.)

Großes Urnenfeld in flachem Boden; angetroffen 1875; vgl. Jahrb. 41, S. 167. Die Urnen standen frei im Boden. Gerettet ist eine, ein sehr schönes Exemplar; Form 14 (abgebildet Tafel III). Tiefschwarz, mit zwei Henkeln, eingezogenem Halse und ausbogenem Rande; verziert mit einem Bande von sich im Winkel treffenden Linien, deren Herstellung in eigenartiger Weise wechselt, zwei Zonen aus gezogenen, zwei aus Punktlinien; zum Fuß gehen Streifen aus verschiedenartig gestellten Linien. H. 21, Durchm. ob. 11,5, u. 9, gr. Ufg. (15 v. u.) 82 cm. Darin:

eiserner Gürtelhaken, sehr groß, mit Knopfende, L. 17, Br. hinten 4 cm; am breiten Ende drei Löcher, hohe Mittelrippe;

eiserner Schnallenring, ebenfalls groß, rund, 4,5 cm Durchm.

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Krummbeck bei Wittenburg.
(Katalog=Nummer E 1484.)

Nach freundlicher Einsendung und Bericht des Herrn Lehrer Blenck in Kothendorf 1901. Auf einer 3-4 m hohen Erhebung lehmigen Bodens hat der Besitzer, Erbpächter Dechow, an einer Stelle, wo auch Sand ansteht, vier Urnen mit zerbrannten Gebeinen frei im Boden stehend gefunden. Bewahrt ist nur eine, auch diese oben beschädigt. Hellbraun, ziemlich dickwandig, gut gebrannt; Wandung langsam schräg ansteigend bis zu einem Bauchrande, oberhalb dessen sie sich rascher zusammenzieht H. noch 10,5, Durchm. u. 6,5, gr. Ufg. (6,5 v. u.) etwa 42 cm. Die Form (zu 28 zu rechnen) ist wenig sagend, und es muß noch dahingestellt bleiben, ob das Grabfeld überhaupt hierher und nicht zu der vorausgehenden Periode, der jüngeren Bronzezeit, zu zählen ist.

Püttelkow bei Wittenburg Nr. I.
(Katalog=Nummer 713. 714. 754-757.)

Nordöstlich vom Dorfe, etwa 1 Kilometer entfernt, in einer (natürlichen) Erhöhung 1840 und 1841 gefunden (vgl. Jahrb. 6 B, S.S. 41 und 142) dreizehn Urnen, von denen noch drei in ihrer Form erkennbar:

1: braun, ähnlich den Helmer Urnen, Form 13; rauhe Oberfläche, Henkel. H. 21, Durchm. ob. 13, u. 10,5, gr. Ufg. 88 cm.

2: braun, Form 13, ziemlich gleichmäßig ansteigend, nur unter dem Halse leichte Einbiegung. H. 21,5, Durchm. ob. etwa 20, u. 10, gr. Ufg. (15,5 v. u.) 72 cm.

3: rotbraun, etwas gerundeter und kleiner als 2., sonst gleich, stark beschädigt.

In den Urnen sind folgende Gegenstände gefunden (wie diese sich auf die einzelnen verteilen, ist nicht angegeben):

1. ein großer eiserner Gürtelhaken, ursprünglich 13 cm lang, hinten gerade und mit Nieten, vorn mit einer gebogenen Spitze, Form 1 a S. 21;

2. eine kleine eiserne Nadel, ursprünglich 6 cm lang, mit flachem umgekehrt kegelförmigen bronzenen Kopf;

3. eine eiserne Nadel, ursprünglich 11,5 cm lang, mit flachem aufrecht stehenden Kopf und kleiner Einbiegung unter dem Kopfe;

4. 5. zwei kleinere eiserne Gürtelhaken, 7,25 und 5,25 cm lang, 2 (1,25) cm breit, oval, an beiden Seiten gleichmäßig gebogen.

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Püttelkow bei Wittenburg Nr. II.
(Katalog=Nummer E 485-501.)

Ein zweites Urnenfeld wurde fast 3 Kilometer vom ersten entfernt, 0,8 Kilometer westlich vom Orte in den sogenannten Karfter Tannen, auf einem Felde, welches früher schon einmal Wald gewesen war und im Winter 1891/92 wieder aufgeforstet wurde, angetroffen und am 19. und 20. Juli 1892 vom Verfasser untersucht. Das Gelände ist ganz eben, der Boden leichter Sand. Die Urnen standen etwa 60 cm tief unter Steinen, z.T. unter Steindämmen, einige dicht neben einander, meist gut geschützt, wesentlich sorgsamer verpackt, als sonst in dieser Periode Sitte ist. Eine Steinsetzung mit Urne ist in das Großh. Museum überführt und dort ausgestellt (s. unten Nr. 11). Alle Urnen waren, soweit unten nicht anders bemerkt, mit zerkleinerten Knochen bis oben hin gefüllt.

Unter einem Deckelsteine:

1: hellbraun, unverziert; Form 14; zerdrückt.

2: gleich der vorigen, Form 14; ganz zerdrückt.

3: von Steinen umgeben. Tief schwarz, Form 14; unverziert, fein geschlemmt, Rand stark umgebogen, starker Bauchrand; zerdrückt.

4. Unter einem Steindamme und von Steinen gehalten; Form 15; zerdrückt; merkwürdigerweise fehlte der Fuß, und zwar war die Urne offenbar ohne solchen beigesetzt, eine auch sonst in Mecklenburg gelegentlich beobachtete Erscheinung.

5. Ohne Steinschutz; Form 14; braun, zierlich; rundlich, mit Henkel; zerdrückt. Dabei zwei stark zerbogene Bronzestückchen von unsicherer Bestimmung.

6. Unter einem Steindamm, eng zusammen mit den folgenden vier (7-10), sodaß es den Anschein bot, als seien diese fünf Urnen einzeln in Steine verpackt beigesetzt und dann mit einem gemeinsamen Damme überdeckt. Schönes typisches Exemplar der Form 15 (nebenbei abgebildet).

Urne

Tiefschwarz, dünnwandig; schmaler, leicht eingebogener Fuß, schräg

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ansteigende, leicht konkave Wandung, scharfer Bauchrand, dann scharfe Einbiegung, nach außen gebogener Rand, ein großer Henkel. Verziert an der Schulter mit Halbkreislinien, die mit Punkten umsäumt sind, spitzwinkligen Linienstreifen, geraden Linienbändern in bunter Abwechselung, ähnlich dem Exemplar von Pogreß. H. 20, Durchm. ob. 11, u. 7, gr. Ufg. (16 v. u.) 91 cm.

7: klein, zierlich, fein geschlemmt; schwarz; Form im Charakter der frührömischen, ebenso wie die Verzierung: mäanderartige Treppen, darunter Hängedreiecke, von deren Spitzen Linien bis zum Fuße laufen; zerdrückt. Inhalt: wenig Knochen, kleine runde eiserne Schnalle mit Dorn; unbestimmbares Eisenstück (Reste eines Messers?).

8: braun, einfacher gearbeitet, sonst sehr ähnlich der vorigen, auch in der Verzierung, nur daß die Hängedreiecke durch flache Bögen ersetzt sind; zerdrückt; H. 15 cm. Ebenfalls in frührömischem Charakter.

9: hellbraun, einfach, unverziert; Form gleich den beiden vorigen; zerdrückte etwa 15 cm hoch.

10: ähnliche Steinsetzung wie bei 11. Die Urne groß, schwarz, rundlich; Form 24, oben abgebildet Tafel V; aufrecht stehender, leicht nach außen gebogener Rand, ornamentaler Henkel (starke stumpfwinklig zusammenstoßende Wulste); Verzierung: große mit flüchtigen Linien eingerissene Dreiecke, umsäumt mit Punkten, davon ausgehend Linie bis zum Fuße. H. 27, Durchm. ob. 29, u. 13, gr. Ufg. (18 v. u.) 121 cm. Darin kleiner eiserner Ring.

11: rings eingepackt in aufrecht stehende Steine und überdeckt mit einem sogenannten "Dreikanter" (Granitgeschiebe mit glatten, in scharfem Winkel zusammenstoßenden Flächen). Hellbraun; Form 24, aber schalenförmiger; an Stelle des Henkels kleine vertikale Leiste von je zwei flachwulstigen Linien begrenzt; Verzierung anders wie bei den vorigen: unter dem Halse zwei starke Längslinien, darunter Hängedreiecke, von deren Spitzen Linien bis zum Fuße gehen. H. 14, Durchm. ob. 23, u. 8, gr. Ufg. (9 v. u.) 85 cm.

An einer anderen Stelle des Feldes, etwa 30 Meter von den besprochenen entfernt, die folgenden.

12: glänzend hellbraun, sehr fein geschlemmt. Grundform ähnlich 10, aber der Rand stark nach außen gebogen. Verzierung: bandartige Erhöhung zwischen Rand und Körper, darunter vier tiefe Parallelen, von denen gleichartige Streifen bis zum Fuße gehen; zerdrückt.

13: sehr ähnlich der vorigen, aber sehr zerdrückt.

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Der Mangel an Beigaben ist hier besonders empfindlich, denn das Grabfeld zeigt eine sehr interessante Mischung von la Tène= und "frührömischen" Urnenformen, und zwar so neben einander, daß eine gleichzeitige oder doch zeitlich nur wenig getrennte Bergung zweifellos wird. 7, 8, 9 sind römische Formen genau wie die typischen Caminer, 12 und 13 erinnern besonders durch das ornamentale Band an Kothendorfer Urnen. Dagegen sind 3, 4 und besonders 6 und 10 typische la Tène=Formen; bei 11 bin ich zweifelhaft. Wenn ich das Püttelkower Feld hier mit aufzähle, ähnliche wie Körchow, Neu=Stieten, Kl.=Plasten, der frührömischen Periode überlasse, so geschieht es, weil in Püttelkow der ältere Charakter überwiegt; die Urnen haben noch nicht die reiche Ausstattung, welche die frührömische Zeit überall kennzeichnet. Zweifellos ist Püttelkow I älter als Püttelkow II; es ist dasselbe Verhältnis wie zwischen Krebsförden II und Krebsförden I.

Boddin bei Wittenburg
(Katalog=Nummer E 1757.)

Nach Untersuchung des Herrn W. Sager in Wittenburg vom 28. Juli 1904. Sandige Anhöhe in der Großherzoglichen Forst, an der Südostseite des Woezer Sees. Beobachtet wurde eine Steinsetzung aus 7 großen Blöcken (etwa 50 cm dick), welche ein längliches Viereck von etwa 5 m Länge (nno.-ssw.) und 3 m Breite umschlossen zu haben scheinen. In diesem Binnenraume zwei Steinpackungen, deren eine eine mit gebrannten Gebeinen gefüllte Urne barg. Diese Urne, schwarz, zerdrückt und leider nicht zusammensetzbar, ist von ungewöhnlicher Gestaltung (abgebildet oben Tafel IV): von der ziemlich breiten Standfläche baucht sie sich sehr stark aus und zieht sich dann zu einem schmalen Halse zusammen; auf der oberen Öffnung liegt eine flache Deckelschale (Mützendeckel oder Stöpsel). H. etwa 30, Durchm. ob. 9, u. 18, gr. Durchm. (6 v. u.) 35; 6 cm unter dem Halse läuft eine vertiefte Linie und zwei gleiche über die Stelle der stärksten Ausbauchung; an vier Stellen der oberen Linie 3 tiefe Löcher, von denen leicht geschwungene Schrägbänder zu der unteren Linie gehen, bestehend aus je zwei Strichen mit seitlichen Schrägkerben. Die Form (17) deckt sich mit keiner hier bekannten und erinnert sehr an gewisse hinterpommersche und westpreußische Urnen aus dem Kreise der Gesichtsurnen; dahin weist auch der Deckel und das Ornament. Fremdartig ist auch der Grabbau: die Abgrenzung eines gesonderten Grabraumes durch größere Blöcke. Zu weiteren

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Folgerungen berechtigt der Fund noch nicht, aber eröffnet interessante Perspektiven.

Neuhof bei Wittenburg Nr. I.
(Katalog=Nummer E 1630-1636.)

Ausgegraben vom Verfasser aus freundliche Einladung des Herrn von Treuenfels auf Neuhof am 6. April 1903. Lage 1 Kilometer nordöstlich vom Hofe, rechts von dem neu angelegten Privatwege nach Drönnewitz, auf flachem, leichtem Boden am Fuße einer sanften Anhöhe. Auf eine große Strecke hin war man bei der Bewirtschaftung auf Steindämme, die fast unmittelbar unter der Oberfläche lagen, gestoßen, und zahlreiche Urnen sind dabei seit Jahren angetroffen und zerstört. An Inhalt ist ein eiserner Ring und ein eiserner Gürtelhaken beachtet, aber nicht bewahrt. Die Form der Steindämme war nach der Ausgrabung recht verschieden gebaut; sie waren aus größeren bis 60 cm hohen Steinen an den Rändern, der Damm selbst bestand aus zwei bis vier Schichten Dammsteinen, unmittelbar darunter die Urnen, stets in kleine Steine verpackt, aber alle zerdrückt. Der Inhalt der Urnen waren zerbrannte Gebeine, stark zerkleinert und in auffallend geringer Anzahl; Beigaben fanden sich nicht. Aufgedeckt sind auf einer Fläche von 45 m Länge (ns.) und 30 m Breite (ow.) sieben Dämme, von denen aber nur zwei ungestört waren:

I. Nordsüdlich gerichtet, 5,5 x 2,25 m. Drei Urnen, alle nahe dem Rande:

1: braun, klein, zierlich, leicht gebogener Rand;
2: schwärzlichbraun, Form 14;
3: derb, rötlich.

II. Kreisförmig, etwa 10 m Durchm., so gestört, daß einzelnes nicht erkennbar; Inhalt nur einige Reste zerstörter Urnen.

III. Nordwest=südöstlich gerichtet, 7 x 4,50 m. Die Urnen in der Mitte:

4: braunrot, sehr gut gearbeitet, leicht gewölbt, Rand nach außen gebogen; Form 5;
5: schwarz, klein; Form 14.

IV. Quadratisch, 1,5 m Durchm., große Steine. Ganz leer.

V. Ostwestlich gestreckt, 5 m lang, nur 1 m breit, anscheinend aus mehreren Einzelgräbern zusammengesetzt.

6: klein, rötlich, rundlich;
7: ähnlich 6, aber etwas derber.

VI. und VII. Zur Unkenntlichkeit gestört.

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Von 8 und 9 nur einige braune Scherben. An Urnenformen treten also zwei deutlich hervor, die kleinen schwarzen mit starker hochliegender Ausbiegung und die braunen rundlichen. Am meisten von den besprochenen bietet das zweite Feld von Krebsförden Ähnlichkeit.

Wittenburg (Porcelin).
(Katalog=Nummer 656-659. E 1069. 1070.)

Bekannt gegeben von Ritter 1840, Jahrb. 5 B S. 70. 4 Kilometer südlich von Wittenburg an der Perdöhler Scheide auf dem Felde des untergangenen Dorfes Porcelin (auch Putzlin u. ä. geschrieben). Flacher, nach Süden sich abdachender Sandboden. Urnen von Steinen umsetzt, frei im Boden oder unter kreisförmigen Dämmen. Im Winter 1898/99 ist dann Herr Ökonom Dittmann in Wittenburg auf gleichartige Steindämme gestoßen und hat eine Anzahl zerdrückter Urnen beobachtet; einige Reste und ein bronzenes Schwert=Beschlagstück, das aber wohl jüngeren Zeiten angehört, sind dem Museum übersandt.

Urne 1: Form 5; hellbraun, hoch, gerundete Wandung, scharf absetzender Hals; zwei Henkel. H. 25, Durchm. ob. 11, u. 10, gr. Ufg. (13 v. u.) 71 cm.

Darin eine eiserne Nadel mit Öse (Stopfnadel), zerbrochen, jetzt noch 11 cm lang, ursprünglich größer.

Urne 2: stark beschädigt; Form 21; braun, zierlich dünnwandig, scharf absetzender leicht eingebogener Hals, an Stelle des Henkels kleine Leiste, unter und an der Leiste fünf rundliche Eindrücke. H. 19, Durchm. ob. 10, u. 9, gr. Ufg. (7 v. u.) 65 cm.

Urne 3: stark beschädigt; Form 13; rotbraun, hoch mit gerundeter Wandung, Halsform nicht mehr erkennbar, ein Henkel. H. 25, Durchm. ob. 13, u. 13, gr. Ufg. (12 v. u.) 85 cm.

Die 1899 eingesandten Scherben stammen von ähnlichen Gefäßen; abdeichend ist nur ein Randstück einer schwärzlichen Urne mit scharf abgestrichenem, leicht nach innen gebogenem Rande.

Camin bei Wittenburg Nr. IV. (Wulfskuhl.)
(Katalog=Nummer 775-783. E 1781).)

Wie die Wittenburger Gegend überhaupt durch Reichtum an Urnenfeldern, hauptsächlich der hier besprochenen Periode, alle anderen Striche des Landes übertrifft, so im besonderen die Caminer Feldmark. Über einen Fund berichtet schon 1841 Ritter

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Jahrb. 7 B S. 29; und neuerdings hat Herr Raster Clodius in Camin ermittelt, daß seitdem bis in die neueste Zeit zahlreiche Urnen dort zerstört sind, und es ist ihm gelungen, noch Reste von einer zu bergen. Diese hat denselben Charakter wie die früheren, ist aber etwas derber; ihr Fundort ist nahe der Motel, gleich wenn der Weg die Wulfskuhler Scheide überschritten hat, 1 Kilometer von der Stelle der Ritterschen Funde; aber nach Angaben der Leute sind Urnen auf der ganzen dazwischen liegenden Strecke gefunden. Ebener sandiger Boden am Wege nach Lehsen, 2 Kilometer nordöstlich vom Orte, der sog. Käterkamp. Jetzt gehört der Acker zu Wulfskuhl. Ritter fand zahlreiche Urnen, frei im Boden oder in Steine verpackt, z.T. von einem Steindamm überdeckt. Ein größerer Damm (6 X 4,20 m) war mit einer Brandschicht und verbrannten Gebeinen überdeckt und machte den Eindruck einer Leichenverbrennungsstelle.

Urne 1: jetzt zerbrochen, hellbraun, hoch, rundlich; Form 21; Hals scharf absetzend, Rand leicht nach außen gebogen; Hals glatt, die Wandung rauh; unter dem Halse zwei kleine knotenartige Erhöhungen. H. 37, Durchm. ob. 18, u. 13 cm.

Darin, eine in dieser Periode nicht gerade häufige Erscheinung, ein kleines Tongefäß: schärfere Ausbauchung, eingezogener Hals, Henkel unterhalb des oberen Randes bis zur größten Ausbauchung. H. 9, Durchm. ob. 5, u. 3,5, gr. Ufg. (4 v. u.) 28 cm.

Urne 2: jetzt zerbrochen, hellbraun; Form 21, Form und Arbeit ähnlich der vorigen; an Stelle des Henkels ein nach unten offener bogenförmiger Wulst. H. ursprünglich 30, Durchm. ob. 12, u. 9,5 cm.

Urne 3: stark beschädigt, anscheinend ursprünglich der vorigen gleich.

Darin eine eiserne Nadel (zerbrochen), ursprünglich 19 cm lang, der Kopf flach rundlich von 1,5 cm Durchm., besteht aus auf einander gelegten Scheiben aus Bronze= und Eisenblech, durch welche die Nadel hindurchgesteckt ist, eine seltene Form.

Urne 4: stark beschädigt; Form 1; rotbraun, glatt; Wandung leicht gebogen, zwei große Henkel. H. 26, Durchm. u. 11. Innerhalb der Urne Scherben eines gröberen schwarzbraunen Gefäßes, "dessen Rand durch Eindrücke verziert war".

Urne 5: schönes Exemplar der Form 26; schwärzlich, glatt, feinwandig und gut gearbeitet; rundlich, ziemlich stark ausgebaucht; der Boden leicht vertieft, Hals scharf absetzend; Rand nach außen

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gebogen; an Stelle des Henkels ein Bogenwulst, darunter in zwei Reihen 6 + 5 Vertiefungen. H. 24, Durchm. ob. 17, u. 9,5, gr. Ufg. (12 v u.) 92 cm.

Darin ein zur Unkenntlichkeit zerbrochener eis. Gürtelhaken.

Urne 6: zerbrochen, schwarzbraun, feinwandig, sehr ähnlich 5, aber mit einem Henkel. H. 13, Durchm. ob. 8,5, u. 6 cm.

Dazu kommt nun neuerdings:

Urne 7: zerbrochen, braunrot; großer Henkel, rundliche Form; näheres nicht erkennbar.

Aus einer nicht bewahrten Urne zwei Teile einer zylindrischen Bronzestange von 0,7 cm Durchm.

1853 ist ein kleines Tongefäß als von Camin stammend eingeliefert, welches vielleicht von diesem Felde stammt (K.-N. 2747, Jahrb. 18, S. 253). Es ist fast kugelig rund, hat eine flache Standfläche und eine Öffnung von 1,5 cm, H. 3,5, gr. Ufg. 15 cm.

Camin bei Wittenburg Nr. V.
(Katalog=Nummer E 1577.)

Etwa 600 m westlich vom Dorfe an einer Stelle, wo das Gelände steil zu der Flußniederung der Schilde abfällt, am sog. hohen Ufer, ist man neuerdings mehrfach beim Pflügen auf Scherben gestoßen, für deren Beobachtung und Bergung Herr Pastor Clodius in Camin freundlichst Sorge getragen hat. Die große Mehrzahl ist wendischen Ursprungs und stammt offenbar von einer wendischen Dorfstelle. Doch wird auch von kleinen Steinsetzungen berichtet, und ein 1901 eingeliefertes Tongefäß trägt den unverkennbaren la Tène=Typus. Es ist klein, schwärzlich, mit schmaler Standfläche (4,75 cm), starker, hochliegender Ausbiegung und leicht nach außen gebogenem Rande, entsprechend Form 15.

Lehsen bei Wittenburg
(Katalog=Nummer 1096.)

Untersucht von Ritter 1841; s. Jahrb. 8 B S. 75. Auf sandigem, nach Osten zu einem Wiesengrunde sich abdachendem Gelände knapp 1 Kilometer östlich vom Orte zu beiden Seiten der Chaussee; nur 2 Kilometer von dem Wittenburger (sog. Porceliner) Urnenfelde entfernt. Hier sind zahlreiche Urnen zerstört, zum Teil beim Steinsuchen, sodaß Steinpackung wahrscheinlich wird. Erhalten ist nur eine, und auch bei dieser ist der Inhalt (eine bronzene Fibel und Eisengerät) nicht bewahrt. Die

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Urne selbst ist ein schönes Exemplar der Form 24; tiefschwarz, schmale Standfläche, diese vertieft und mit zwei sich rechtwinklig schneidenden Linien verziert; rundliche Ausbauchung, auf der zwei Henkel sitzen, dann starke Zusammenziehung und kleiner aufrecht stehender Halsrand. H. 12,5, Durchm. ob. 11, u. 7, gr. Ufg. (7 v. u.) 55, Höhe des Halses 1,5 cm.

Perdöhl bei Wittenburg Nr. I.
(Katalog=Nummer 715-727.)

Untersucht von Ritter 1840; s. Jahrb. 6 B. S. 42. Sandiges, ebenes Feld östlich vom Orte (0,7 Kilometer), links vom Wege nach Körchow; 2 Kilometer von dem dortigen Urnenfelde, nur 1,2 von dem Wittenburger, 2,5 von dem Helmer entfernt. Die Urnen standen bis fast 1 m tief und zwar in fast regelmäßigen ostwestlichen Reihen, die durch einzeln gelagerte Steine in den Zwischenräumen bezeichnet waren. Die Urnen standen frei im Sande oder waren mit kleineren Steinen umstellt, auch mit platten (gespaltenen) Steinen bedeckt oder unterlegt. Geborgen sind damals:

Urne 1: schwarz; sehr charakteristischer Vertreter der Form 15; ein starker Henkel vom Halsrande bis oberhalb des Bauchrandes.

Urne 2: beschädigt; schwarz; der vorigen sehr ähnlich; auch mit Henkel, aber verliert, indem die Wandung zwischen Bauchrand und Fuß durch scharfe senkrechte Linien in 18 Felder geteilt ist, die abwechselnd glänzend und stumpf schwarz sind. H. 16,5, Durchm. ob. 19,5 u. 9,5, gr. Ufg. (11 v. u.) ung. 84 cm.

Urne 3: schwarz; den vorigen sehr ähnlich, aber an Stelle des Henkels kleine Leiste in der Kerbe unter dem Halsrande; verziert: unter der ornamentalen Leiste drei nach unten gerichtete Punktlinien, von seichten ausgezogenen Linien umrahmt, auf der Wandung ein spitzwinkliges Zickzackband von 1,75 cm Breite. H. 14,5, Durchm. ob. 23, u. 7,5, gr. Ufg. (9 v. u.) 87 cm.

Urne 4: etwas beschädigt; hellbraun, etwas derber wie die vorigen; Form 13. H. 19, Durchm. ob. 22,5, u. 12, gr. Ufg. (15 v. u.) ung. 88 cm.

Zwei weitere von Ritter beschriebene Urnen sind nicht erhalten.

Der Metallinhalt der Urnen war geringfügig. Erhalten sind nur (auf die Verteilung in den Urnen ist nicht geachtet):

drei ziemlich starke eiserne Ringe von 3,5; 2,75; 2,5 cm (äußerem) Durchmesser;

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zwei runde eiserne Schnallen mit Dorn, jetzt stark beschädigt;

eine viereckige eiserne Schnalle mit Dorn, 3 cm lang, 2 cm breit;

ein halbrundes eisernes Messer; stark beschädigt; ursprünglich etwa 10 cm lang, 2 cm breit.

Das Grabfeld ist interessant als eines der wenigen jüngsten la Tène=Felder (wie Krebsförden I, Kl.=Krams) noch ohne frührömische Beimengungen.

Perdöhl bei Wittenburg Nr. II.
(Katalog=Nummer 758.)

Nordwestlich vom Orte 0,8 Kilometer entfernt, 2,2 Kilometer von dem eben besprochenen Felde; untersucht von Ritter 1841, s. Jahrb. 6 B S. 142. Ziemlich hoch gelegenes, sandiges Feld, wo beim Steinbrechen mehrere Urnen gefunden sind. Leider sind diese zerschlagen, was um so mehr zu bedauern ist, als der einzige Gegenstand, der geborgen ist, von besonderer Bedeutung ist, nämlich eine der sehr seltenen, ganz tadellos erhaltenen, eisernen la Tène=Fibeln; der Bügel schmal, mit rechtwinkliger Einknickung, vierseitigem Rahmen am Fuße, 7 Spiralwindungen ohne Achse und äußere Sehne, die bekannte Grundform III des Tischlerschen Schemas. L. 8,5, H. 2 cm. Abgebildet oben S. 28. Zeitlich steht es dem vorigen zweifellos nahe, doch muß dahin gestellt bleiben, ob es nicht wie das benachbarte von Körchow, welches dieselben Fibeln ergeben hat, erst der frührömischen Zeit angehört.

Kützin bei Wittenburg.
(Katalog=Nummer E 1449-1472.)

Nach gefälliger Meldung des Herrn Schulzen Prösch in Kützin untersucht vom Verfasser im Juni 1900. Das Urnenfeld liegt in leichtem, z.T. kiesigem und sandigem Boden aus ebenem, zu einer Bachniederung sich senkendem Gelände, 0,8 Kilometer südwestlich vom Orte rechts von dem Wege nach Camin, 2,7 Kilometer entfernt von dem zweiten Perdöhler Felde, an das es seiner Lage nach sehr erinnert. Die beobachteten Urnen standen dicht zusammen auf einer Fläche von etwa 18 m nordsüdlich und nur 7 ostwestlich; anscheinend in nordsüdlichen Reihen, die etwa 1 m von einander entfernt waren. Da das Feld beim Beackern schon vielfach gestört ist, läßt sich genaueres darüber nicht bestimmen. Die

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Urnen standen in geringer Tiefe, höchstens 40 cm unter dem Boden in kleinen Steinpackungen; in drei Fällen waren mehrere zusammen mit einem Steindamm überdeckt.

1: sorgsam verpackt; an den Seiten flache Keilsteine, darüber drei Schichten. Die Urne war zerdrückt, braun, rundlich, mit ornamentalem Henkel; Form 21; darüber eine flache dünne Deckelschale. Merkwürdiger Weise war die Urne ganz leer. Ein kleiner Steindamm verband dieses Gefäß mit dem nächsten; es ist mohl anzunehmen, daß es ein Beigefäß zu diesem Grabe ist.

2: auch sorgsam verpackt; zerdrückt; Form 2; rauhe Wandung, glatter Hals, leicht gebogener Rand; überdeckt mit einer feinen, glatten Schale; ganz gefüllt mit zarten Knochen.

3: nahe bei 1 und 2; sehr gut verpackt in kleine Steine, die sich genau der Form anschlossen; braun; Wandung rauh, Hals glatt; Form 2. H. 28, Durchm. ob. 13, u. 12, gr. Ufg. (14 v. u.) 80 cm. Auffallend wenig Knochen.

4: stark gestört; rötlich, derb; Form nicht mehr bestimmbar. Wenig Knochen.

5: nahe bei 4; ganz zerdrückt, gut gearbeitet; braun, Wandung rauh, Hals glatt; Form 21; ornamentaler Henkel, an 4 Stellen der Wandung je 9 Tupfen.

Die folgenden Nummern 6. 7. 8. 11 standen in einer Nordsüdlinie; die Urnen etwa 1 m von einander entfernt, alle in kleinen Steinpackungen, alle mit wenig Knochen.

6: rotbraun; schlanker, hoher Topf mit zwei hochsitzenden Henkeln und einem etwas nach außen gebogenen Halsrande; Form 1. H. 28, Durchm. ob. 15,5 u. 10,5, gr. Ufg. (16 v. u.) 75 cm.

7: zerdrückt; schwarz, aus leicht absplitternder Masse; von der Form nur erkennbar, daß die Standfläche klein ist und die Wandung sich rasch ausbiegt, also der Form 14 sich nähernd. Auch hier nur wenig Knochen; dazwischen ein eiserner Ring, rund, von etwa 4 cm äußerem Durchmesser und 0,5 cm Dicke.

8: zerdrückt; von unbestimmbarer Form; rot und rauh.

9 und 10 standen seitlich der vorigen Reihe nach Osten in geringer Entfernung und gehören vielleicht damit zusammen.

9: zerdrückt; braun, glatt, klein, zierlich rundlich; Form nicht erkennbar.

10: schwarz; klein, aber stark; Form 14; zwei Henkel. H. 14, Durchm. ob. 9,5, u. 6,5, gr. Ufg. (8,5 v. u.) 55 cm. Etwas mehr Knochen als sonst gewöhnlich.

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11: zerdrückt; zierlich, klein, hellbraun, rundlich.

12: in Steinpackung, mit Deckstein. Hellbraun, rauh, fest; starke, hochliegende, rundliche Ausbauchung, kurzer Halsrand; vier ornamentale Henkel (länglich=rundliche, vertikale Wulste), Form 23; oben Tafel V abgebildet. H. 19,5, Durchm. ob. 12, u. 9, gr. Ufg. (12 v. u.) 70 cm.

Die nächsten beiden standen zusammen unter einem (schon gestörten) Steindamm.

13: fast ganz zerdrückt; braun, derb; weniger gut gearbeitet als die meisten, der Boden war besonders angefertigt und an die noch nasse Wandung angesetzt, wie an dem übergestrichenen Lehmwulst deutlich erkennbar.

14: gleich 13, aber besser gearbeitet, mit glatter Wandung.

15: in geringer Steinpackung; braun, hübsch, hoch mit gewölbter Wandung, ähnlich der Form 2. Scharfe Rinne am Halsansatz, darunter 2 Henkel; die Wandung herablaufend acht ungleiche, etwa 2 cm breite Streifen, die aber nicht wie gewöhnlich (vgl. z. B. unten Urne 17) anders gefärbt sind. H. 21, Durchm. ob. 6,5, u. 8, gr. Ufg. (10,5 v. u.) 57 cm. Sie war ziemlich voll von Knochen, zwischen denen eine eiserne Nadel lag, mit offener Öse ganz gleich der von Wittenburg (Putzlin), 7 cm lang.

Die vier nächsten standen wieder nahe bei einander unter einem größeren, nordsüdlich gerichteten Steindamm, der seine ursprüngliche Form aber schon verloren hatte.

16: ungewöhnlich stark in Steine verpackt; aber zerdrückt; derb, rotbraun, rauhe Wandung; Form 2. Voll starker Knochen.

17: gleich 16, aber verziert, indem glatte Streifen von etwa 3 cm Breite die Wandung herabgehen.

18: an 17 anstehend, ohne alle Gebeine, also wohl Beigefäß zu dieser; zerdrückt, klein; Form 14; hellbraun, glatt; rundlich, ausgebogener Rand; zwei Henkel.

19: auch gut verpackt. Schön, leider zerdrückt; schwarz; Form anscheinend 15; verziert am Fuß mit einem Winkelbande, bestehend aus seichten Parallellinien mit Punkten.

Südlich von der durchgrabenen Fläche liegt eine Kiesgrube, in welcher in der Richtung des Nordsüdstreifens unserer Ausgrabung wiederholt Urnen gefunden sind; Herr Prösch hat folgende uns bewahrt:

20: in Steinpackung; zum größten Teil erhalten, doch fehlt der obere Teil. Braun, glatt, gut gearbeitet; Form 24; rund; der Boden scharf absetzend und leicht vertieft; Halsrand scharf absetzend, darunter ein rundlicher, nach unten offener

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ornamentaler Henkel. Durchm. des Bodens 6,5, gr. Ufg. (8 v. u.) 59 cm; gefüllt mit ganz zarten Knochen, zwischen denen ein eiserner Ring, rund 0,75 cm dick; 3 cm Durchm.

21: schwarz; nur der untere Teil erhalten; Henkel; Form 15.

22: braun, rauh, nur der untere Teil erhalten, Form 15. Aus Urnen, die nicht erhalten sind, sind dann folgende Metallgegenstände bewahrt:

[23.] Eiserner Gürtelhaken von der oben S. 21 unter 1 c abgebildeten Form, 18 cm lang.

[24.] Bronzenadel mit starkem, massivem, halbkugeligem Kopf ("Holsteiner" Typus); am Kopf ist oben am Rande ein Streifen durch zarte Längslinien abgeteilt; zerbrochen, noch 4 cm lang.

Helm bei Wittenburg
(Katalog=Nummer 417-440. 484-495. 571-601. 671-675.)

Von Ritter untersucht 1838-1840 und gut beschrieben Jahrb. 4 B S. 39 flgd., 5 B S. 66 flgd. Durch Anzahl und typische Form der Urnen der wichtigste Fundplatz des älteren Abschnitts; allerdings anscheinend nicht ganz einheitlicher Art. Lage: ausgedehnter, ziemlich steiler Sandberg nördlich vom Orte, der "Heidberg"; ungefähr 2,6 Kilometer von dem ersten Urnenfelde von Perdöhl und ziemlich ebensoweit von dem unten zu besprechenden von Bobzin entfernt. Urnen in flacher Stellung, z.T. in Steinschutz, massenhaft, dicht neben einander. Interessant ist die Beobachtung, daß wiederholt der Boden der Urne fehlte; eine Bestattungssitte, die ich ähnlich in Besitz und Hoppenrade angetroffen habe. Auch die Beisetzung der verbrannten Gebeine ohne Urne kommt in Helm vor.

Die gelegentlich gesammelten Scherben zerstörter Urnen stimmen mit den näher zu beschreibenden überein; an Beigaben sind aus diesen bewahrt:

Glasschlacke; kleine Stücke, hellblau, wohl von Perlen, wie sie bei uns nur ganz vereinzelt, in Nachbarländern häufig in dieser Periode erscheinen.

Eine eiserne Schnalle; viereckig; näheres nicht erkennbar.

Von den durch Ausgrabung gewonnenen wird über folgende berichtet:

1: zerdrückt; braun, dünn und gut gearbeitet; verziert mit sich kreuzenden und schneidenden Streifen von je fünf bis sechs leicht eingerissenen Linien.

Darin Eisendraht, im einzelnen nicht erkennbar.

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2: zerdrückt; braun, rundlich, derb; mit Deckel.

3: schön; hellbraun; typische Form 1. Hoher Topf mit gewölbter Wandung; Wandung gerauht, Hals glatt; Hals leicht eingezogen, Halsrand ausladend; am Halsansatz ein aufgelegtes Band mit starken senkrechten Kerben. H. 30,5, Durchm. ob. 16, u. 12, gr. Ufg. (16,5 v. u.) 85; Höhe des Halses 5,5 cm.

Knochenhaufe ohne Urne. Darin eiserner Ring, rund, stark, wohl Gürtelring, 5 cm Durchm.

4: zerbrochen; schwarz; Form ähnlich 14. Darin:

eiserner Schnallenring; rund; mit flachem Beschlagstück; 4,5 cm Durchm.;

eiserne Fibel; leider so zerbrochen, daß nichts zu erkennen ist, als daß sie klein und länglich war.

5: zerdrückt; braun, derb.

6: zerdrückt; braun; gut gearbeitet; Henkel.

7: zerdrückt; braun; rauhe Wandung, glatter Hals, Form 3. Darin: eiserne Nadel mit eigentümlichem Kopfe, bestehend aus zwei flachen, mit Kreuzlinien verzierten Halbkugeln aus Bronzeblech, zwischen denen eine starke, eiserne Scheibe (7 cm Durchm.) liegt; von der Nadel ist wenig erhalten; abgebildet oben S. 26; eiserner Gürtelhaken von einfacher Form, 5 cm lang. Andere Eisenreste, darunter auch etwas Eisendraht, sind unerkennbar.

8: hellbraun, glatt; Hals scharf absetzend und sich nach innen verjüngend; Halsrand nach außen gebogen; ein Henkel am Halsansatz; darunter ringförmige Erhöhung; am Boden zwei sich annähernd rechtwinklig kreuzende Linien. Wichtige Form 26. H. 26, Durchm. ob. 14,5, u. 9,5, gr. Ufg. (11,5 v. u.) 80, H. d. Halses 8 cm. Überdeckt mit einer halbrunden Deckelschale.

9: schwarz; zwei Henkel; Form 14. H. 18, Durchm. ob. 10,5, u. 5, gr. Ufg. (10 v. u.) 61 cm.

11: stark beschädigt; hellbraun; dickwandig; zwei große Henkel; Form 13. H. etwa 28, Durchm. u. 12,5 gr. Ufg. (16 v. u.) 68 cm.

Aus 16, die als ein Gefäß von ähnlicher Gestalt wie 11 beschrieben wird:

eiserner Gürtelhaken; ähnlich dem aus Urne 7, aber derber, 6,5 cm lang.

17: schwarz, Grundform rundlich; Form 24; steiler, etwas nach außen gebogener Rand; zwei Henkel; verziert mit einem Längsbande am Halse von je fünf sich spitzwinklig treffenden

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Linien und vier gleichen, senkrechten Streifen an der Wandung; beschädigt.

Aus 18: Stück Eisendraht 1 )

Aus 19: eiserner Gürtelhaken, zur Unkenntlichkeit zerrostet.

20: braun; kleiner Krug mit rundlicher Wandung und steil ansetzendem, leicht eingebogenem Halse; Form 11; ein großer, vom Halsrande bis zum Halsansatz gehender Henkel. H. 17, Durchm. ob. 10, u. 8, gr. Ufg. (7 v. u.) 50, Höhe des Halses 5 cm.

22: besonders groß und gut gearbeitet; Form 20; oben Tafel IV abgebildet; hellbraun, glatt; starke rundliche Ausbauchung; scharf ansetzender, eingebogener Hals; aufgesetzter ornamentaler Henkel in Form eines stumpfwinkligen Bandes mit aufgebogenen Enden. H. 31,5, Durchm. ob. 13, u. 11, gr. Ufg. (13 v. u.) 108, H. d. Halses 10 cm. Dazu ein Deckel mit scharf einbogenem Rande.

27: hellbraun; Form 24; glatt, rundlich; Halsansatz sehr hoch; Hals leicht eingebogen, Halsrand ausladend; vier Henkel zwischen Halsansatz und größter Weite; vom Halsansatz bis nahe an den Boden vier senkrechte Streifen, innerhalb derer oben die Henkel. H. 24, Durchm. ob. 15, u. 9, gr. Ufg. (15 v. u.) 90, H. d. Halses 3 cm.

Darin Eisenschnalle, rundlich, ziemlich dünn, sehr zerbrochen.

29: hellbraun; Form 26; glatt, rundliche Wandung; scharfer Halsansatz; Hals stark eingezogen; zwei Henkel unter dem Halsansatz. H. 24, Durchm. ob. 13, u. 8,5, gr. Ufg. (12,5 v. u.) 73 cm.

30: hellbraun, glatt; starke Ausbauchung; scharf ansetzender, verhältnismäßig hoher und schmaler Hals; auch schmale Standfläche. Typisches Exemplar der Form 19. H. 21, Durchm. ob. 8,5, u. 6, gr. Ufg. (7 v. u.) 69, H. d. Halses 8 cm.

32: rotbraun, glatt; Form 2. H. 28,5 Durchm. ob. 12, u. 8, gr. Ufg. (13 v. u.) 88, H. d. Halses 7 cm.

Aus Urne 37: eine kleine eiserne Nadel, zerbrochen, mit flachrundlichem Kopf aus zwei Bronzescheiben und dazwischen liegender Eisenplatte, also ganz wie bei 7, nur bedeutend kleiner (Durchm. 1 cm).

39: zerbrochen; schwarz; rundlich; Form 24; Hals leicht nach innen gewölbt; zwei Henkel. H. 19,5, Durchm. ob. 11, u. 10 cm.

Darin: eiserner Ring, dünn; 4 cm Durchm. und flacher eiserner Gürtelhaken, im einzelnen nicht mehr erkennbar.


1) An dieser Stelle erwähnt Ritter auch zwei "Leichen in Särgen" ohne Beigaben; eine zeitliche Bestimmung derselben ist nicht möglich, eine Zusammengehörigkeit mit unserem Grabfelde aber nicht anzunehmen.
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40: Farbe sehr ungleich; schwarz bis gelbbraun; Form 5; leicht eingezogener Hals ohne Halsansatz; zwei Henkel unter der Halseinbiegung; H. 26, Durchm. ob. 11, u. 9,5, gr. Ufg. (10 v. u.) 72,5 cm. Dazu eine flache Deckelschale.

45: braun; Wandung rauh, Hals glatt; Form 2, aber mit kürzerem Halse. H. 29, Durchm. ob. 14, u. 12,5, gr. Ufg. (16 v. u.) 86, H. d. Halses 5,5 cm. Überdeckt mit einer schwarzen Schale.

Darin: Ring aus dünnem, 0,5 cm breitem Bronzeblech; 1,5 cm Durchm., verziert mit drei augenartigen Vertiefungen, abgebildet oben S. 31.

48: unvollständig; braun, glatt; starker Henkel; Form 1. H. noch 25, Durchm. u. 13 cm. Die Knochen waren besonders stark.

49: unvollständig; braun, glatt; derb, sehr dickwandig; zwei Henkel. Grundform 24, aber gedrungener. H. 21,5, Durchm. ob. 19, u. 13,5 cm. Das Gefäß enthielt gar keine Gebeine, ist also wohl Beigabe einer benachbarten Urne.

Aus Urne 50: ein eiserner Gürtelhaken, den Ritter als besonders schön schildert, der aber jetzt fast ganz vergangen ist; L. ung. 17 cm, erhabene Mittellinie, knopfartiges Hakenende; dabei ein runder Ring von 4 cm Durchm.

58: braun; bröckelige Masse; klein; zwei Henkel; Form 14. H. 14, Durchm. ob. 10, u. 6, gr. Ufg. (8 v. u.) 42 cm.

60: stark beschädigt; schwarz, schön; zwei Henkel; Form 14; verziert mit senkrechten Linien, die von einer Längslinie in der Gegend der größten Ausbauchung zu einer gleichen nahe dem Boden laufen. H. 21,5, Durchm. ob. 15,5, u. 9,5 cm.

61: ziemlich derb; hellbraun und rötlich; zwei Henkel; kleiner steiler Hals; Form 13. H. 25, Durchm. ob. 21, u. 11, gr. Ufg. (17 v. u.) 88 cm.

Darin zerrostete Eisenstücke, unter denen einige von einer Fibel, deren Form allerdings nicht mehr bestimmbar ist, zu stammen scheinen.

Körchow bei Wittenburg
(Katalog=Nummer E 386-482. 1787-1922.)

Auf dieses ergiebigste und interessanteste von allen unseren Urnenfeldern lenkte zuerst im März 1891 1 ) der hochverdiente Heinrich Wildhagen, damals in Helm die Aufmerksamkeit und lieferte einige hervorragende Stücke (Bronzeurnen mit Inhalt) ein, die sofort zu einer Untersuchung des Unterzeichneten führten, welche

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März 1905 mit außerordentlich günstigen Ergebnissen wieder ausgenommen ist.

Das Feld, Schlag 9 der Gutskarte, auf der Direktorialkarte "Pielsbreite" genannt, liegt auf einer natürlichen Erhebung in sandigem Acker 800 m nordwestlich vom Orte links von dem Wege nach Perdöhl an der östlichen Seite derselben Bachniederung, an der westlich das zweite Urnenfeld von Perdöhl, wiederum etwa 2,6 Kilometer entfernt liegt. Die Urnen standen ganz dicht zusammen, ohne erkennbare Ordnung, auch in Steinpackungen, die so eng zusammenstießen, daß offenbar mehrfach bei Anlage eines Grabes ein früheres beschädigt war. Besonders dicht standen die Urnen um die reich ausgestatteten Bronzeurnen herum. Mehrfach fanden sich Urnen über einander, in einem Falle vier Stück.

Der Charakter der (240) Urnen und der Beigaben ist großenteils der ausgesprochene der "römischen" Eisenzeit in ihrer frühesten Periode. Daneben finden sich aber eine Anzahl la Tène=Sachen, die hier wenigstens erwähnt werden müssen. Dahin gehören neun große Bronzeurnen, zum Teil mit Eisenrand; Urnen von der Grundform 15, auch mit den gleichen Verzierungen; eiserne Fibeln mit festem, durchbrochenem Rahmen und echte eiserne la Tène=Schwerter, die einzigen in Mecklenburg gefundenen. Aber in den Urnen von la Tène=Charakter fanden sich Fibeln "frührömischer" Art, und in den typisch "frührömischen" Urnen mit Mäanderband und Rädchenverzierung die la Tène=Schwerter. Es ist also zweifellos, daß diese Dinge hier zu Lande gleichzeitig in Benutzung gewesen sind; und es kann sich nur darum handeln, festzustellen, ob dem zeitlichen Unterschiede der Typen auch eine verschiedene Lagerung auf dem Grabfelde entspricht. Das ist nun in der Art, daß etwa ein Raum des Feldes dem älteren, der la Tène=Zeit nahe liegenden Zeitabschnitt angehörte, nicht der Fall; die Urnen standen wirklich durcheinander, wenn auch an einigen Stellen mehrere la Tène=Urnen nebeneinander sich fanden. Ich hatte bei der ersten Ausgrabung eher den Eindruck einer etwas tumultuarischen Massenbeisetzung; das hat sich bei der zweiten aber nicht bestätigt. Auffallend ist, daß die Urnen im la Tène=Charakter sehr wenig Beigaben enthalten, die römischen ganz wie die rein frührömischen Felder von


(  ...  ) Die Bemerkung von Lisch Jahrb. 2 B S. 56 beruht offenbar auf einer Verwechslung mit den Grabfunden von Schwaberow, über die unten S. 79 gesprochen werden wird.
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Camin I, Rothendorf, Wotenitz, Jamel meist sehr reich ausgestattet waren. Hier eine Entscheidung herbeizuführen, bedarf es noch weiterer, sehr genauer Untersuchung. Das scheint mir aber schon jetzt zweifellos: ein größerer zeitlicher Unterschied liegt zwischen den einzelnen Fundgruppen des Feldes nicht; es liegt nicht so, daß etwa an derselben Stelle, wo früher ein reines la Tène=Feld lag, nach längerer Pause ein frührömisches angelegt wäre, sondern die la Tène=Erscheinungen gehen unmerklich in die "römischen" über. Das entspricht ja auch völlig der jetzt allgemein gültigen Anschauung, nach welcher von einer "römischen" Kultur in jener Zeit (erstes Jahrhundert n. Chr.) noch nicht die Rede sein kann, sondern die archäologischen Erscheinungen nördlich der Donau auf la Tène=Einflüssen beruhen. Körchow ist das norddeutsche Seitenstück zu Dobrichow (Pichora) in Böhmen, aber auch eines zu Rondsen in Westpreußen, in der Mitte zwischen beiden stehend, indem nach Böhmen schon mehr römische Luft gedrungen ist, nach Westpreußen weniger. Anders liegen die Verhältnisse auf dem schönen Felde von Sorge in Anhalt (Thüringisch=sächsische Jahresschrift II), wo nicht etwa, wie der Berichterstatter annimmt, la Tène in frührömisch übergeht, sondern die la Tène=Funde einer viel früheren Periode angehören.

Bobzin bei Wittenburg
(Katalog=Nummer E 320-334.)

Die Kenntnis dieses interessanten Feldes verdanken wir Herrn H. Wildhagen, damals Lehrer in Helm, der es, z. T. in Gegenwart des Verfassers, in den Jahren 1885-1888 wiedenholt untersucht hat. Dasselbe liegt auf dem sog. Karkfelde, Besitz des Erbpächters Pamperin westlich vom Dorfe ungefähr 400 m, rechts von dem Wege nach Helm, von dem dortigen Urnenfelde 2,6 Kilometer entfernt, also genau so weit wie dieses von dem von Perdöhl. Es ist sandiger Boden in der Nähe einer feuchten Niederung, also ähnlich gelegen wie viele dieser Urnenfelder (Kützin, Perdöhl II, beide Krebsförden, Hoppenrade usw.). Die Urnen fanden sich besonders auf einer kleinen, flachen Erhebung im Acker, wo der Besitzer beim tieferen Pflügen eine größere Anzahl schon zerstört hatte. Die Gräber lagen meist ganz flach, sodaß sie mit geringen Ausnahmen schon stark beschädigt waren; einige Urnen standen ganz frei im Sande, meist aber waren sie in Steinen verpackt. Reihen oder Gruppen sind nicht beobachtet; am ergiebigsten erwies sich eine Stelle von

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etwa 10 m im Durchmesser, wo sie dicht gedrängt neben einander standen.

Urne 1: zerdrückt; schwarz, klein; Form 14.

Urne 2: schwarzbraun, gut gearbeitet; klein, aber doch kein Beigefäß, sondern mit zarten Knochen gefüllt. Starke Ausbauchung, scharfer Halsansatz, eingezogener Hals; an Stelle des Henkels kleiner senkrechter Wulst mit Seitenflügeln. Form 20. H. 9, Durchm. ob. 7, u. 4,25, gr. Ufg. (4 v. u.) 34; H. d. Halses 2,5 cm. 1 )

Urne 4: zerdrückt; schwarz, groß; mit nach außen gebogenem Rande; Form 24. Darin eine eiserne Nadel mit bronzenem Kopf von der Form S. 25, 2; L. noch 4,3, ursprünglich etwa 8 cm.

Urne 5: auf einem flachen Steine stehend und in kleinere Rollsteine gut verpackt. Zerdrückt; schwarz; Form 1. Darin:

eiserne Nadel, in zwei Stücken, 14,5 cm lang; mit kleinem, flachem Kopfe; genauer wegen der starken Verrostung nicht erkennbar.

Urne 6 und 7: nahe bei 5; ganz flach stehend und bis auf wenige, nicht charakteristische Scherben zerstört.

In der Nähe eine Brandstelle; schwarze, mit Kohlen durchmengte Erde auf einer Fläche von etwa 3 m Durchmesser; kein Steinpflaster darunter. Vielleicht die Brandstelle der Bestatteten. Auch die nächsten Urnen 8-12 lagen dicht bei dieser Stelle, auf der 5-7 entgegengesetzten Seite.

Urne 8: starke Steinpackung; doch waren die Steine so in die Urne hineingepreßt, daß diese nicht zu retten war. Es war ein schwarzes Gefäß von ausgezeichneter Arbeit; ausgebogener Rand, ganz flach und breit, also eine Schale wie Form 32.

Urne 9: hellbraun, stark; Form 24; Wandung rauh, vom Halsansatze glatt. Der Hals zieht sich nach innen, bildet dann einen starken Wulst (ähnlich wie gewisse Urnenformen der Provinz Sachsen), der Halsrand biegt sich leicht nach außen. Drei Henkel; ähnlich der vierhenkligen Urne Helm 27. Darin zwischen starken Knochen: eiserne Nadel mit Bronzekopf, bestehend aus zwei flachkugeligen Schalen, Form S. 26, 7 b, stark zerdrückt und im einzelnen nicht mehr erkennbar.


1) Als Nr. 3 waren eine Anzahl Scherben bezeichnet, die sich bei der genaueren Untersuchung als zweifellos wendisch herausstellten. Außerdem wurde mitten zwischen den la Tène=Urnen ein kleiner steinzeitlicher sog. Zonenbecher gefunden. Der Platz hat also zu sehr verschiedenen Zeiten als Ansiedlung gedient.
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Urne 10: auf einem flachen Steine stehend und von einem flachen Steine überdeckt; fast ganz zerdrückt; braun, anscheinend von ähnlicher Grundform wie Urne 9. Vom Rande zeigte sich keine Spur, es machte den Eindruck, als ob dieser absichtlich abgebrochen wäre, eine auch anderwärts beobachtete Erscheinung.

Urne 11: starke Steinsetzung, die aber zur völligen Zerdrückung des Gefäßes beigetragen hat. Schwarze Urne, elegant geschweift; mit Deckelschale (eine sonst in Bobzin nicht beobachtete Sitte); Form wohl 14. Darin ein bronzener Halsring, dünn, mit regelmäßiger Riefelung, leider so zerbrochen und verbogen, daß sich näheres nicht bestimmen läßt.

Urne 12: zerdrückt; braun, einfach.

Urne 13: zerdrückt; klein; merkwürdig schlecht gearbeitet; ungleichmäßige, rauhe Oberfläche. Ohne Gebeine. Wahrscheinlich gehört das Gefäß gar nicht hierher, sondern ist wie die in der Anmerkung oben erwähnten Scherben wendisch.

Urne 14: zerdrückt; hellbraun, groß; näheres nicht bestimmbar. Darin stark beschädigte Eisenstücke, unter denen erkennbar:

ein eiserner Halsring mit scharfen Kanten; ung. 0,5 cm dick; in der Art des oben beschriebenen von Krebsförden I;

eine große Nadel, deren Kopf leider fehlt, noch 22 cm lang;

ein auffallend kleiner Gürtelhaken länglicher Form mit Öse, nur 5 cm lang.

Urne 15: zur Unkenntlichkeit zerdrückt. Darin:

Reste einer größeren eisernen Nadel;

Reste eines bronzenen "Segelohrrings", leider sehr geringfügig.

Urne 17: zur Unkenntlichkeit zerdrückt. Überdeckt mit einer flachen, rundlichen Deckelschale, die in der Mitte der Außenseite eine flache, rundliche Vertiefung hat.

Urne 18: unkenntlich. Darin: Reste eines glatten bronzenen Hals= oder Armrings.

Urne 19: unkenntlich. Darin:

Reste eines eisernen Gürtelhakens;

kleiner eiserner Ring von 2,5 cm Durchm., wohl zu dem Gürtelhaken gehörend;

Reste von zwei bronzenen "Segelohrringen".

Urne 20: unkenntlich. Darin:

großer eiserner Gürtelhaken von der Grundform Helm 7. Hinten gerade abschneidend, auf der Unterseite ein Dorn. L. 16; H. hinten 3 cm;

dazu ein etwas verbogener Ring von ung. 3,5 cm Durchm.

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Die Ahnlichkeit der Urnenformen und der Ausstattung mit den benachbarten Grabfeldern von Kützin und Helm erhellt ohne weiteres; auch Bellevue zeigt Verwandtschaft.

Zweedorf bei Boizenburg.
(Katalog=Nummer E 502-06. 835. 845. 846.)

Südöstlich von dem Dorfe Zweedorf ist seit Anfang der neunziger Jahre von einem auswärtigen Unternehmer Kies in bedeutenden Mengen abgebaut; bei der Gelegenheit ist man in leicht hügeligem Boden, nicht weit von der Stecknitzniederung auf den Hufen der Erbpächter Nabein und Scharnberg, auf ein sehr großes Urnenfeld gestoßen; viele Gefäße sind in Privathände gelangt, eine Anzahl so in das Hamburger Museum gekommen, und einige durch Vermittelung des Großherzoglichen Amtes in Boizenburg auch nach Schwerin. Nach den beigefügten Berichten standen die Urnen an verschiedenen Stellen der ausgedehnten Fläche dicht zusammen, stets flach, ohne oder mit geringem Steinschutz. Zwei Arten, eine derbere rote und eine feinere schwarze, sind beobachtet. Eine sachgemäße Untersuchung hat leider nicht stattfinden rönnen.

In Schwerin befinden sich

Urne 1: groß, braun, einfach; rundlicher hoher Topf mit gerade abschneidendem Halse; zwei Henkel, mit Zapfen eingefügt; der eine ist ausgebrochen, vielleicht absichtlich; Form 1. H. 30, Durchm. ob. 15, u. 12, gr. Ufg. (15 v. u.) 85 cm.

Darin viele und große Knochen; die Schädelknochen lagen oben auf, dann kamen die Wirbel, unten die Beinknochen; eine absichtliche Ordnung der Gebeine ist wohl anzunehmen.

Ziemlich in der Mitte zwischen den Knochen eine eiserne Pinzette, leider zerbrochen. Klinge schmal, oben zu einer halbrunden Öse erweitert; 7,5 cm lang. Pincetten sind in unserer ältesten Eisenzeit recht selten; vgl. oben S. 29.

Urne 2: klein, fein gearbeitet, bräunlich; der Boden ist flach gewölbt, darin eine halbrunde Vertiefung; nach einer starken Ausbauchung zieht sie sich bis zu dem scharfen Halsansatz stark zusammen; Hals eingezogen, Halsrand leicht ausladend; ein kräftiger Henkel. H. 9,5, Durchm. ob. 10, gr. Ufg. (3 v. u.) 46 cm. Form 33. Darin nur wenige und zarte Gebeine; offenbar Kinderurne.

Urne 3: klein, braun; einfach; H. nur 6,5, Durchm. ob. 5, u. 2,5 cm. Damit zusammen einige Gebeinreste und eine

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eiserne Schnalle: rund; mit scharfkantigem, rhombischem Durchschnitt; kleine Zunge von Bronzeblech mit kleinen bronzenen Nieten.

Das kleine Gefäß ist wohl ein Beigefäß aus einer zerstörten größeren Urne.

Urne 4: schwarz, von der bekannten Form 14. H. 15, Durchm. ob. 17,5, u. 7,5, gr. Ufg. (9 v. u.) 74 cm; verziert unter dem Halsrande mit einem Bande von sich spitzwinklig schneidenden seichten Linien (je 3). Ebenso auf dem Boden ein unregelmäßiges Kreuz.

Urne 5: braun; die Form nimmt eine Mittelstellung zwischen den stark profilierten, von denen die eben besprochene ein Beispiel ist, und den hohen Töpfen ein, ähnlich 23. Der Boden ist nämlich schwal, dann baucht sie sich stark aus und zieht sich zu einem scharf ansetzenden, leicht eingezogenen Halse zusammen; der Halsrand ist glatt; zwei Henkel unter dem Halsansatz. H. 27, Durchm. ob. 12, u. 8,5, gr. Ufg. (11 v. u.) 79 cm.

Urne 6: schwarz, von ähnlicher Form wie Urne 5, aber der Halsrand liegt stärker nach außen und unter diesem läuft ein Wulst; offenbar ein älterer Typus. Zwischen dem Umbruch und dem Halsansatze Reihen von spitzwinklig sich schneidenden Linienstreifen; vom Umbruch zum Boden 14 Linien. H. 15, Durchm. ob. 19,5, u. 7,5, gr. Ufg. (8 v. u.) 82 cm.

Besitz bei Boizenburg.
(Katalog=Nummer E 1717-1745.)

Nach einer Ende März 1904 von dem Verfasser mit eifriger Beihülfe des Herrn Fust in Besitz vorgenommenen Ausgrabung. Das Dorf Besitz liegt ganz flach in einer Marschniederung, die noch jetzt bei Hochwasser der Elbe Überschwemmungen ausgesetzt ist. Der höchste Teil, im Westen des Ortes, ist ein Sandhügel, der einige Gehöfte, darunter das Schulgebäude, trägt; vor diesem, auf einer meist als Garten benutzten Fläche, sind seit Jahren Urnen gefunden. Anlage und ursprüngliche Ausdehnung des Grabfeldes sind demnach nicht mehr festzustellen. Die von uns gehobenen standen mit zwei Ausnahmen (s. unten 32 und 33) dicht zusammen auf einer Fläche von 8 m ostwestlich und 6 m nordsüdlich. Die Tiefenstellung der Urnen war recht verschieden: einige reichten mit dem Rande bis unter die jetzige Oberfläche, andere standen etwa 1 m tief; die Mehrzahl ungefähr 40 cm; eine Verschiedenheit, die zum

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Teil ursprünglich ist, indem sie auch benachbarte Urnen betraf, zum Teil aber von Aufschüttungen und Abtragungen herrührt. Im Gegensatz zu der Mehrzahl der anderen hier besprochenen Grabfelder standen die Besitzer Urnen mit wenigen, unten zu bemerkenden Ausnahmen, frei im Sande, ohne Steinschutz, wohl erklärlich in jenem Boden, wo Steine natürlich fehlen. An vier Stellen lagen die Gebeine frei im Boden; vielleicht ursprünglich in einem Holzkasten. Wo nichts anderes bemerkt, waren die Urnen bis oben mit stark zerbrannten und zerkleinerten Knochen gefüllt.

1: Urne, etwa 1 m tief; ganz zerdrückt; schwarz, fein, rundliche, flache Form.

2: Urne; einfach, hellbraun; glatt, rundlich, der Halsrand aufrecht stehend mit leiser Biegung nach außen. H. 19,5, Durchm. ob. 20, u. 10, gr. Ufg. (12 v. u.) 75, H. d. Halses 2,75 cm. Vom Halsansatz zum Boden fünf besonders geglättete Streifen. Form 24.

Darin eiserne, gekröpfte Nadel, dünn, beschädigt, noch 5 cm lang.

3: Urne, mit einem flachen Stein zugedeckt, aber ganz zerdrückt. Schwarz glänzend, flache Schale, ähnlich der Urne 8, Boden rund und vertieft; Hals stark ausgebogen; ein Henkel, darunter drei Grübchen, von denen je drei Schräglinien ausgehen. Darin zwischen den Knochen eine Reibkugel von altem Sandstein, rötlichweiß, mit drei abgenutzten Flächen, rundlich, ung. 7,5 cm Durchm., genau von der bekannten steinzeitlichen Form; ein recht merkwürdiger Fund, indem solche Steine bisher weder aus bronzezeitlichen noch eisenzeitlichen Gräbern bekannt geworden waren; mir entnehmen daraus, daß die alte Sitte des Getreidequetschens auch in der Eisenzeit noch geübt wurde und die Zuweisung der zahllosen im Lande noch erhaltenen Quetschmühlsteine in eine bestimmte vorgeschichtliche Periode unmöglich ist. Übrigens ist auch auf dem berühmten Grabfelde von Rondsen ein ähnlicher Stein gefunden.

4: Urne sehr verwittert; bräunlich, Oberfläche rauh, am

Halse glatt; Hals steil ansteigend, Halsrand stark ausladend. Form etwa 19.

5: Urne der obere Teil fehlt; braun, glatt; zwei Henkel; von der bekannten Form 1. H. noch 24, Durchm. u. 10, gr. Ufg. (12,5 v. u.) 70 cm. Dazu eine flache, ebenfalls rauhe Deckelschale.

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6: unter einem großen Steine ein Knochenhaufe, auf kleiner Fläche, aber platt gedrückt, sodaß es zweifelhaft bleiben muß, ob er in einem hölzernen Behälter, einem Tuche, sonst einer Einhüllung oder ob er frei im Boden niedergelegt ist. Dazwischen ein starker Eisenring, rundlich, mit rundem Durchschnitt, breit, Durchm. 4, Dicke 1 cm.

7: Urne; zerdrückt; groß, braun, rauh; Form etwa 2.

8: Urne; gut gearbeitet; schwarzbraun glänzend; flache Schale, leicht vertiefter Boden; Form 31, oben Tafel VI abgebildet; scharfer Halsansatz, Halsrand leicht verstärkt. H. 11, Durchm. ob. 13,5, u. 4, gr. Ufg. (4 v. u.) 59 cm. Darin nur wenige und sehr zarte Knochen, offenbar von einem Kinde.

9: Urne; zerdrückt; groß, braun, rauhe Oberfläche. Grundform wohl 1.

10a: Urne; unter einem Steine; Form 11. Auf dem Boden vertieftes Kreuz, oben Tafel II abgebildet; glatt, glänzend braun, gut gearbeitet; schmale Standfläche, rundliche Ausbauchung, scharf absetzender, leicht einbiegender Hals; ein starker Henkel. H. 22,5, Durchm. ob. 16, u. 9, gr. Ufg. (10 v. u.) 73,5, H. d. Halses 6 cm.

Darin ein kleineres, schalenartiges Gefäß (10b), hellrotbraun, Form wie Hagenow IV, 26, aber ohne Löcher, Form 34, oben Tafel VI abgebildet, verziert mit unregelmäßig sich kreuzenden Strichreihen, die mit einem siebenzinkigen Instrumente gezogen zu sein scheinen, ähnlich wie Dambeck 34. H. 11, Durchm. ob. 19, u. 9 cm.

11: Urne; ganz zerdrückt; schwarz glänzend; rundlich; scharf ausgebogener Rand; Grundform nicht mehr bestimmbar.

12: unter einem Steine Knochenhaufe auf kleiner Fläche mit scharfen Rändern, anscheinend in einem hölzernen Kasten beigesetzt. Die Knochen waren ungewöhnlich groß und zahlreich.

13: Urne, auf einem flachen Steine; ganz zerdrückt; glänzend schwarz, mit leichten Strichverzierungen ähnlich der Urne 3. Grundform nicht mehr bestimmbar.

14: Urne; Form 4, oben Tafel I abgebildet; einfach, gut gearbeitet, ungleichmäßig braun; zwei hochsitzende Henkel. H. 29,5, Durchm. ob. 19,5, u. 11, gr. Ufg. (19 v. u.) 82 cm. Zwischen den Gebeinen lagen Tonstückchen von roter Färbung.

15: Urne am Rande etwas beschädigt, einfach. Form 2. H. 33, Durchm. ob. 15,2, u. 12, gr. Ufg. (16,5 v. u) 86 cm.

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Darin: kleines Tongefäß, 6 cm hoch, obere Weite 5 cm; ferner eine zerbrochene eiserne Nadel von 4 cm Länge und ein runder eiserner Ring von 3,5 cm Durchm.

16: Urne; an 15 anstehend; Form 1, oben Tafel IV abgebildet; glatte Oberfläche, dünnwandig, gut gearbeitet; zwei Henkel. H. 29, Durchm. ob. 11, u. 11, gr. Ufg. (11,5 v. u.) 80, H. d. Halses 10 cm.

17: Urne, unter 16 stehend; ebenfalls ganz zerdrückt und so an 16 geschoben, daß nicht mehr bestimmbar ist, ob es vielleicht ein Beigefäß zu dieser war. Nach der Form ist dies wahrscheinlich; es ist nämlich ein Gefäß im Charakter der Vorratsgefäße mit dickem, derbem Boden und rauher Wandung, hellrot; der Hals dagegen ist ganz glatt und zeigt einen nach außen gebogenen Halsrand.

18: Urne; beschädigt; graubraun; rauh; Form 13. H. 21, Durchm. ob. ung. 20, u. 10, gr. Ufg. (15 v. u.) ung. 62 cm.

19: Urne; groß, hoher Topf; Form 1, oben Tafel I abgebildet. Wandung rauh, Hals glatt; gerade abschneidender Rand. H. 34, Durchm. ob. 16,5, u. 15, gr. Ufg. (15 v. u.) 94 cm.

Darin zwei eiserne Nadeln; die eine stärker, mit gebogener Spitze und ringförmigem Kopfe, 9,5 cm lang; die andere (beschädigt) mit flacher Kopfscheibe, noch 5,5 cm lang.

20: unter einem Steine Knochenhaufe, über dessen ursprüngliche Bergung nichts Genaueres zu sagen ist.

21: Urne; zerdrückt; braun, rauh; einfach, rundlich; ohne Hals, Halsrand gerade abschneidend; seltene, leider nicht genauer zu bestimmende Form.

22: Urne; hochstehend, sodaß der obere Teil abgebrochen ist und fehlt; hellbraun, glatt; Form etwa 13.

23: Urne; nur halb erhalten; braun; rauh, Hals glatt; Form 20. Die größte Weite liegt sehr tief; zwei Henkel unter dem Halsansatz. H. 23, Durchm. ob. ung. 10,5 u. nur 8, gr. Ufg. (8 v. u.) ung. 64 cm.

Darin sehr wenig Knochen.

24: Urne; braun; Wandung rauh, Hals glatt. Form 1. H. 30, Durchm. ob. 17,5, u. 12,5, gr. Ufg. (17 v. u.) 92 cm.

25a: Urne; sehr groß, unter 24 stehend; mit Deckelgefäß und Beigefäß; oben beschädigt, Form etwa 5. H. noch 33, Durchm. u. 13, gr. Ufg. (19 v. u.) 99 cm. Das Deckelgefäß (25c) (nicht zusammensetzbar) ist ein Tongefäß etwa von der Form 33, das Beigefäß 25b (ebenfalls nicht zusammensetzbar) ihm ähnlich aber mit großem, oben am Rande sitzendem Henkel.

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26: Urne; zerdrückt; rauhe Wandung, glatter Hals; Form nicht mehr erkennbar.

27 Urne; zerdrückt; unter einem flachen Steine; schöne, schwarze, flache Schale. Form ungefähr 31, aber größer.

28: Knochenlager frei im Boden ohne erkennbare Lagerung.

29: Urne; leider ganz zerdrückt; dünnwandig, gut gearbeitet, hellbraun; erkennbar der scharf ausladende Hals und eine vom Halsansatz nach unten gehende Strichverzierung, Form wohl 8.

30: Urne; ganz zerdrückt; klein, rundlich; näheres nicht erkennbar.

31: Urne; schwarz, sehr schön. Typisches Exemplar der Form 32, oben Tafel VI abgebildet. H. 19,5, Durchm. ob. 24, u. 12, Ufg. (8 v. u.) 92, H. d. Halses 7 cm.

Auf den Knochen aufliegend eine gekröpfte, eiserne Nadel mit dickem Kopfende, 11,5 cm lang.

Während die bisher behandelten Urnen nahe bei einander standen, waren die nächsten durch einen leeren Raum getrennt.

32: 9 m nordöstlich von 31; Urne, Form 19, oben Tafel IV abgebildet; schwarz, sehr schön; dünnwandig. Henkel am Halsansatze, unter dem Henkel als Fortsetzung zwei Schrägrippen; am oberen Teile der Wandung das bekannte Schrägstrichmuster, aber durch vier Längsstriche abgegrenzt. H. 19, Durchm. ob. 9,5, u. 7, gr. Ufg. (6,5 v. u.) 61,5, H. d. Halses 8,5 cm.

33: ungefähr 3 m östlich von 32; Urne, 1,20 m tief in einer Kohlenschicht. Braun, glatt; zwei Henkel; Form 2. H. 27. Durchm. ob. 13,5, u. 10,5, gr. Ufg. (13 v. u.) 78, H. d. Halses 6 cm. Dazu eine flache Deckelschale.

Darin ein zusammengebogenes eisernes Messer, einschneidig, mit sich zuspitzender Griffangel und zwei Nieten; eine seltene Form, welche an gewisse Schwerter vom Ende der la Tène=Zeit erinnert; 21 cm lang (Abbildung s. oben S. 20).

Gallin bei Boizenburg.
(Katalog=Nummer 4617. 4618.)

Südlich vom Orte gleich hinter den letzten Häuslereien am Wege nach Granzin ist anfangs der sechziger Jahre eine bis dahin brach liegende größere Fläche in Ackerkultur genommen und dabei ein größeres Urnenfeld zerstört; auf die Anlage ist nicht geachtet, und Urnen oder Urnenreste sind nicht bewahrt.

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Nur zwei bronzene Nadeln hat Herr Pastor Reisner, damals in Granzin, an sich genommen und später geschenkt. Es sind zwei kräftige Stücke vom sog. "holsteinischen" Typus, gleich groß, aber verschieden verziert, das eine mit einfachen Parallellinien, das andere (abgebildet oben S. 25) mit Schrägstreifen aus Parallellinien, die sich schneiden, eine Verzierungsart, die in der Keramik des "Lausitzer Typus" ja allgemein ist, bei uns aber nur vereinzelt, so auf der gleich zu besprechenden Urne von Brahlstorf, angetroffen wird. L. 5 cm, (das eine Stück ist unvollständig), Durchm. der Kopffläche 1,8 cm.

Brahlstorf bei Boizenburg.
(Katalog=Nummer E 839-844. 1171.)

Auf sandigem, im ganzen ebenem Acker, links vom Wege nach Düssin etwa 1 Kilometer östlich vom Hofe, sind vor Jahren beim Steingraben unter einer niedrigen Erhebung mehrere Urnen angetroffen, deren Reste mit Inhalt Herr Graf Oeynhausen 1895 dem Großherzoglichen Museum geschenkt hat. Eine Untersuchung des Feldes durch den Unterzeichneten Herbst 1901 ergab keine Funde, doch sind nach Angabe der Leute auf diesem Felde, dem einzigen steinhaltigen des Gutes, seit Jahren Steine gebrochen und es ist beobachtet, daß diese meist in Haufen zusammen in flachen Erhebungen steckten. Das Urnenfeld wird also allmählich zerstört sein. Bewahrt sind:

Eine Urne, Grundform 12, oben Tafel III abgebildet; glatt, braun; mit zwei Henkeln am Halsansatz; interessant, unsymmetrisch verziert mit seichten, unregelmäßigen Strichen, die offenbar ein fremdes und mißverstandenes Muster nachahmen wollen; unter dem einen Henkel bis zum Bauchrande ("Umbruch") fünf Senkrechte, oben in einem Grübchen abschließend, unten seicht verlaufend; unter dem anderen fünf wagerechte Linien. Am Halsansatz drei tiefere, umlaufende Parallellinien, von denen an drei Stellen Schrägstreifen aus Parallellinien, an einer Stelle ein gerader Strichstreifen, an einer ein Bogenband ausgeht; auf dem Bauchrande sitzt an fünf ungleich verteilten Stellen ein Ornament aus vier oder fünf schrägen Parallellinien, die sich im Scheitelpunkte spitzwinklig schneiden, z.T. so gebogen, daß man auch ein Bogenornament annehmen könnte. Besonders auffallend sind einige Linien, in denen man wohl den Versuch der Nachbildung einer menschlichen Gestalt mit ausgespreizten Beinen und ausgebreiteten, gebogenen Armen sehen muß; abgebildet oben

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auf der Ornamententafel Nr. 16. H. 22, Durchm. ob. 12, u. 8,5, gr. Ufg. (8 v. u.) 69 cm.

Von zwei anderen Urnen, einer braunen, rauhen und schwarzen, glatten sind nur Reste, die zur Bestimmung nicht ausreichen, vorhanden. Bewahrt sind ferner:

eiserne Gürtelhaken; zwei von gleicher Form; nur Reste Sehr groß und kräftig mit zwei starken Längsrippen; am breiten Ende ein bronzener Beschlag, bestehend aus einem Bande, welches durch drei flachkugelige Nieten befestigt ist; Breite am Ende 6, ursprüngliche Länge etwa 20 cm;

bronzener Schnallenring, wohl zum Gürtel gehörend; rund, mit rhombischem Querschnitt; bronzene Zwinge, mit einer kleinen Niete zusammengehalten; verziert mit Schrägstrichen im Charakter der einen Nadel von Gallin und der erhaltenen Brahlstorfer Urne; dunkelgrüne Patina; auf der einen Seite mit Eisenspuren und stark abgenutzt. Durchm. 4,8, Dicke 0,8 cm;

bronzene Nadel; "holsteinischer" Typus; der Kopf verziert mit Längsstreifen, zwischen denen zwei Reihen Zickzackbänder.

Schwechow bei Lübtheen.

Während die Urnenfelder der Wittenburger Gegend dicht zusammenlagen und mit der gleich zu besprechenden Hagenower Gruppe sichtlich zusammengehören, ist zwischen Brahlstorf und den nächstliegenden dieser Gruppe (Warlitz, Schwaberow) scheinbar eine Lücke. Doch liegt das wohl nur an mangelnden Beobachtungen. Bei Kloddram oder Jesow wird sicher noch ein unbekanntes Feld stecken, über Schwechow liegt wenigstens eine unverdächtige Nachricht vor. Danach sind bei der Ziegelei zwischen Ruhethal und Setzin anfangs der neunziger Jahre beim Waldabräumen viele Steindämme, unter denen Urnen standen, gefunden. Bewahrt ist, soweit meine Erkundigungen reichen, nichts. Doch kann der Fund keiner anderen Periode angehören als der unseren.

Warlitz bei Hagenow Nr. I.
(Katalog=Nummer E 947. 950. 951.)

Jahrb. 8 B S. 93 wird von der Zerstörung eines großen Urnenfeldes bei Warlitz berichtet; auf dem Wege nach Pätow in den Tannen seien bei Ebenlegung des Weges einige hundert Urnen zertrümmert; weitere Funde sind noch bis in neuere Zeit gemacht. Auf Urnenfunde ist man auch beim Sandfahren

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in einer Sandgrube südlich vom Hofe gestoßen. Ohne nähere Angaben, aus welchem der beiden Felder sie stammen, sind 1898 eine Anzahl Fundstücke von verschiedenen Seiten, von den Herrn Rittmeister von Könemann auf Goldenitz und Amtsanwalt Langermann in Hagenow in die Sammlung gelangt. Die Gegenstände entstammen offenbar ganz verschiedenen Zeiten; die eine Gruppe ist ganz jung=eisenzeitlich ("Völkerwanderungsperiode"); einige aber gehören in die hier behandelte Periode. Nämlich:

Urne; schwarzglänzend; klein; mit zwei Henkeln; Form 24. H. 9, Durchm. ob. 7,8, u. 5, gr. Ufg. (4 v. u.) 36 cm;

eiserner Gürtelhaken, schmal; am breiten Ende mit Querplatte, an der ein eisernes Band sitzt, das mit zwei Nieten befestigt ist, versehen. L. 15, größte Breite 4 cm. Abgebildet oben S. 21 c;

eisernes Messer mit gerader, sich zuspitzender Griffangel; stark beschädigt; Länge noch 10,5 cm.

Schwaberow bei Hagenow.
(Katalog=Nummer 1565.)

In einer Sandgrube südöstlich vom Dorfe links von dem Wege von Toddin nach Setzin entdeckte Herr Lehrer Hagemann in Hagenow im Frühjahr 1901 ein Urnenfeld, welches Verfasser am 29. Juni genannten Jahres untersucht hat. Äußerlich bot das Feld ein außerordentlich typisches Bild einer alteisenzeitlichen Grabanlage, eine flache, sandige Kuppe; die Ausbeute selbst aber war nur unbedeutend. Das Feld hatte früher in Ackerkultur gelegen, und so waren die Grabanlagen fast ganz zerstört.

Beobachtet sind:

1: vier Urnen ohne wesentlichen Steinschutz, ganz flach stehend und zerdrückt; zwei braun, rauh und einfach, zwei schöne schwarze. Darin Leichenbrandreste. Nähere Form nicht bestimmbar.

2: drei Steindämme, nahe bei einander; darunter schwarze Brandschicht; der erste rund, 2,20 m Durchm., in einem zweiten (oval, 2,70 m lang; an den Breitseiten unvollständig) in einem kleinen Steinbehälter eine schwarze, ganz zerdrückte Urne; der dritte 1,20 m Durchm., gleich dem ersten, doch fanden sich unter ihm an mehreren Stellen Urnenscherben.

3: zwei Brandgruben; 1 m breit und 1 m tief; auf dem Boden ein Steinpflaster; von Tongeräten, Gebeinen usw. keine Spur.

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Von der Feldmark Schwaberow haben wir übrigens die älteste Nachricht über Ausgrabungen im Lande, die überhaupt bekannt ist. Schröder, Papistisches Mecklenburg 1741 I S. 344, erzählt folgendes:

"Von Schwaberow hat ein guter Freund vor einigen Jahren folgende Nachricht erteilt: Bei Schwaberow im Kirchspiel Körchow ist ein ganzes Revier voller Hügel oder Grabmale der alten Wenden; etliche derselben sind höher als die anderen, es meinen dannenher einige, es müsse in alten Zeiten eine Schlacht daselbst gehalten, und die Erschlagenen, die Vornehmsten unter den höheren, die geringeren aber unter den niedrigen Hügeln begraben worden sein. Ein dänischer doctor medicinae erhielt vor einigen Jahren Erlaubnis einige von solchen Hügeln zu eröffnen, da er denn in einem jeden einen schwarzen irdenen Topf oder eine urnam, darinnen die Asche des Verbrannten verwahret, angetroffen. An jeder Seite der Urnen lag ein breiter Stein, und oben eben dergleichen. Einige silberne Ringe, Haarnadeln und dergleichen hat man auch darinnen gefunden. Nach der Zeit hat ein Förster in einer Urna eine kleine subtile güldene Haarzange angetroffen. Endlich ist das Ausgraben verboten .... Um Wittenburg und sonderlich zu Perdöhl, Körchow, Zühr usw. sind solche Grabhügel gar häufig zu sehen."

Aus unser Urnenfeld bezieht sich diese Nachricht offenbar nicht, sondern auf niedrige Hügelgräber aus der jüngeren Bronzezeit, deren Bestattungsart in dem Berichte, wenn man für Gold und Silber Bronze setzt, hinreichend deutlich charakterisiert ist (kleine Steinkisten mit je einer Leichenbrandurne und spärlichen Beigaben an bronzenem Kleingerät). Erhalten ist von den Hügeln seit Menschengedenken keiner mehr.

Hagenow Nr. II.
(Katalog=Nummer E 630-632.)

Ungemein reich an eisenzeitlichen Grabfeldern aller Zeitstufen und Arten ist das Gebiet der Stadt Hagenow und ihre Umgegend, um deren Erforschung sich in den letzten Jahren besonders Herr Lehrer Hagemann verdient gemacht hat. Zwei gehören unserer Periode an. Das eine liegt in der städtischen Forst auf dem sog. Ehmkenberge am Wege von Granzin nach Toddin 2,2 Kilometer westlich von Hagenow, 3 Kilometer von dem Urnenfelde von Schwaberow, 1 Kilometer von dem gleich zu besprechenden Hagenow IV. Vor etwa 20 Jahren ist hier eine Kiesgrube an=

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gelegt, und dabei sind zahlreiche Urnen mit Inhalt an Bronze und Eisen angetroffen, aber achtlos zerstört oder verschleppt. Eine Ausgrabung des Verfassers am 24. Mai 1893 ergab, daß die Urnen ungewöhnlich tief standen (1 m) und nur wenig durch Steine geschützt waren; fast alle waren durch Baumwurzeln gänzlich zerstört.

Bewahrt sind:

Eine Anzahl Scherben; glatt, braun, unverziert; eine Urne; klein, schwarz; von eleganter, sehr ausgeprägter typischer Form (14); schmale, leicht vertiefte Standfläche; Wandung mit leichter Einziehung rasch sich ausweitend; hochliegende größte Weite; kleiner, leicht nach außen gebogener Halsrand; darunter leichte Strichverzierungen. H. 9, Durchm. ob. 14,5, u. 4,5, gr. Ufg. (6 v. u.) 50 cm.

Zweifelhaft ist die Zugehörigkeit einiger vereinzelt gefundener Stücke:

eine kleine Bronzestange, mit trapezförmigem Querschnitt; 5 cm lang;

ein Spindelstein, flach; rundlich, um das Loch auf einer Seite Vertiefung. Durchm. 4, Dicke 1 cm. Spindelsteine kommen im allgemeinen in la Tène=Gräbern nicht vor.

Hagenow Nr. IV.
(Katalog=Nummer E 1350-1359. 1531-1539.)

Ein zweites großes Grabfeld unserer Gruppe, welches recht interessante, aber auch recht schwer deutbare Erscheinungen aufgewiesen hat, liegt auf dem sog. Kreuzberg, 2,5 Kilometer von der Stadt (Kirche) entfernt, zu beiden Seiten des von der Chaussee rechts nach Grünenhof abgehenden Weges. Es liegt auf einem aus reinem, gelbem Sande bestehendem, nach Westen geneigtem Ackerstück. Im Spätherbst 1899 hat der Besitzer, Herr Schmiedemeister Plog, begonnen, das Feld zwecks Anlage von Spargelkulturen tief umgraben zu lassen. Dabei sind zahlreiche Steinsetzungen freigelegt, welche Urnen bargen. Diese Steinlager werden geschildert als rundliche oder längliche Dämme von etwa 3 m Durchm., bestehend aus großen Steinen; die Urnen standen unter den Dämmen in Steine verpackt, einige auch ohne Dämme in einer Brandschicht. Im ganzen sollen an die fünfzig Stück so gefunden und zerstört sein. Geborgen und von Herrn Plog geschenkt ist folgendes:

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1: der Inhalt einer Urne, die nicht bewahrt ist, aber als brauner, großer Topf beschrieben wird:

a) sechs Teile einer eisernen Platte; leicht gewölbt, 8 cm breit, oben und unten kleiner, aufgebogener Rand; die Platte war ursprünglich mit Bronzeblech belegt, von dem einige Reste noch erhalten sind. Diese zeigen gepreßte Verzierungen: Kreise oder flache Buckel in derselben Art wie b. Auf der einen Schmalseite schließt das Stück glatt ab, die andere fehlt. Der unvollständige Zustand ist in hohem Grade bedauerlich, denn die Reste entstammen sichtlich einem Gegenstande, der uns hier zu Lande bisher ganz fremd war, einem Gürtelblech. Bekanntlich sind bronzene Gürtelbleche in der süddeutschen Hallstattperiode allgemein; es sei z. B. auf Naue, Hügelgräber zwischen Ammer= und Staffelsee Tafel XXX verwiesen, wo ein auch in der Ornamentik dem unseren nahestehendes Gürtelblech (Bronze, aber mit eisernem Haken) behandelt ist. Daß unsere älteste Eisenzeit sich mit dieser süddeutschen Gruppe berührt, machen Gürtelhaken wie 31, 1, verglichen mit dem Rankendorfer, und Urnenformen wahrscheinlich; die chronologische Stellung einzelner Stücke unterliegt aber anderen Gesetzen.

b) vier flache, eiserne Platten mit Belag von Bronzeblech; eine ziemlich vollständig, von den andern drei, zwei, ein Bruchstück, die aber hinreichen, um die, allerdings nicht völlige, Gleichheit in Größe, Arbeit usw. darzutun. Eine eiserne Platte von 5 X 4,3 cm ist mit einem verzierten Bronzeblech belegt, das in einen schmalen Eisenrand eingefalzt und in den vier Ecken mit kleinen Eisenstiften befestigt ist; ebenso sind Bronzestifte mit flachkugeligem Kopfe am Rande der Schmalseite in der Mitte eingeschlagen. Das Bronzeblech ist mit eingepreßten (oder eingestanzten?) Verzierungen versehen; an den Schmalseiten ein Halbbogen mit strahlenartig ausgehenden, kurzen Linien, in dem die runden Nietköpfe sitzen, an den Breitseiten mit je sieben oder sechs Ringen mit Mittelpunkt; fünf gleiche Ringe füllen den Raum zwischen den "Strahlen".

verzeirtes Bronzeblech

Die Platten bildeten offenbar einen Gürtel und waren, wie auch Eisenspuren zeigen, an den Schmalseiten mit einander verbunden. Wie man diese Verbindung und überhaupt die Gürtel sich zu denken hat, dafür müssen wir etwas auf analoge Erscheinungen im Holsteinischen eingehen. Dort sind nämlich an verschiedenen Stellen Gürtel oder Wehrgehenke gefunden, über die auf die sorgsame Behandlung

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von J. Mestorf, Mitteilungen des anthropologischen Vereins Kiel 1897, S. 1 und 41. Bericht des Kieler Museums 1897 S. 5 hingewiesen sein mag. Es sind dort dieselben, allerdings etwas größeren, Platten, verbunden durch bronzene Ringe und mit abschließenden Haken, in genau derselben archäologischen Umgebung wie in Hagenow; als jung=la Tène durch Ornamente und Beiformen gut charakterisiert. Diese "Gürtel" waren außerhalb des Hamburgischen und Schleswig=Holsteinischen Gebietes nie gefunden, und der Name "holsteinische" erscheint voll berechtigt, auch wenn verwandte Formen in Dänemark vorkommen (wohl aus einer noch etwas jüngeren Zeit, siehe dazu S. Müller, Mémoires des antiquaires du Nord 1896-1901 S. 338) und aus dem Gebiete phönikisch=altgriechischer Mischkultur Erscheinungen von solcher Familienähnlichkeit vorliegen, daß ein Zusammenhang, der ja bei der allgemein angenommenen Abstammung des la Tène=Stils aus altgriechischer Wurzel nichts Befremdendes hat, auch ohne nachweisbare Bindeglieder wahrscheinlich wird. Gemeint sind verzierte Silberplatten von einem Gürtel aus einem Grabe von Marion auf Cypern, die z.B. Helbig, Homerisches Epos 2 S. 209, abbildet. Wenn Gürtel der Holsteiner Art auf ein enges Gebiet beschränkt sind, stehen sie doch nicht ganz isoliert. Gepreßtes Bronzeblech auf Eisenplatten anderen Zweckes, die z.B. als Helmwangen dienen finden sich, worauf Reinecke, Zeitschr. f, Ethnologie 1900 Vhdl. S. 595 aufmerksam macht, in St. Margarethen in Krain ebenfalls in einem von althallstättischen Motiven beeinflußten, ganz jungkeltischen Zusammenhange.

c) ein starker bronzener Knopf; flache, kugelige Schale auf dickem, rundem Stiel, von dem schräge eine rechteckige Zwinge mit Nietloch am Ende ausgeht; parallel dazu Reste einer zweiten Zwinge. Der Kopf trägt ein einfaches Sternmuster mit drei Strahlen. Ich halte den Knopf für den Abschluß einer Gürtelplatte, wahrscheinlich der Platte a, zu der er nach seiner Größe sehr gut passen würde.

d) ein eiserner Ring; rund; 3 cm Durchm., wohl der Gürtelring zu einer der beiden Platten.

e) zwei Stücke Bronzeblech mit ausgezahntem Rande, röhrenartig zusammengebogen, 7 bzw. 5 cm lang. Wahrscheinlich waren Teile des Gürtels in die Spalte eingeklemmt; wenigstens wird auch bei einem der "holsteinischen" Gürtel von gleichartigem Bronzeblech berichtet.

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f) ein rätselhafter Gegenstand aus Bronze; flach und dünn, mit eingebogener Öse; am anderen Ende rundlich, aber etwas beschädigt; 5,8 cm lang. Es gibt ähnlich geformte Messerschärfer aus Eisen; ob es einem ähnlichen Zwecke gedient haben kann, lasse ich dahingestellt. Als Schmuckgegenstand ist es gar zu einfach.

g) eine eiserne Fibel, in acht Stücke zerbrochen, aber in ihrer Form unverkennbar. Spiralachse von 3 cm Länge; flach gestreckter Bügel besetzt mit zwei Bronzekugeln; schräges Verbindungsstück zwischen dem Bügel (von der Stelle der einen Bronzekugel) bis zur Nadelscheide. Länge ung. 11 cm. Es ist der wohlbekannte "Mittel=la Tène=Typus", oben S. 28, 3.

Der Inhalt dieser Urne gewinnt ein besonderes Interesse, wenn man ihn mit dem Inhalt der Urnen vergleicht, welche die "holsteinischen" Gürtel ergeben haben. Die Zusammensetzung ist nämlich völlig die gleiche: dieselben Gürtelbleche, dieselbe Fibelform, dieselben Röhren kommen auch dort zusammen vor. Die zeitliche Stellung unseres Grabfeldes als jung=la Tène ist damit gesichert. Das Gebiet der holsteinischen Gürtel, welches bisher mit den Endpunkten Hamburg und Schleswig besonders das östliche Holstein einnahm, gewinnt so eine weitere Ausdehnung nach Osten.

2: Urne; beschädigt; hellbraun, z.T. rotbraun; hochliegende Ausbauchung; Hals eingezogen und zu einem leicht gebogenen Halsrande ausladend; vom Bauchrande zum Fuße gehend sechs z.T. kaum erkennbare Streifen aus seichten Vertikalfurchen. Form 23; H. 23,5, Durchm. ob. 16, u. 10, gr. Ufg. (13 v. u.) 89 cm. Darin stark zerbrannte weiße Gebeine mit Rostflecken von Bronze und Eisen; auch liegen einige unbestimmbare Bronze= und Eisenstückchen darin.

3: Urne; beschädigt; hellbraun, sonst der unter Nr. 25 zu beschreibenden ähnlich, aber wesentlich flacher und dadurch gedrückter, auch ohne erkennbaren Hals. H. 14,5, Durchm. ob. ung. 20, u. 11, gr. Ufg. (10 v. u.) 82 cm.

Ich habe darauf in Gemeinschaft mit Herrn Hagemann am 7. April 1900 das Feld untersucht, fand es aber schon in einem Zustande weitgehender Verwüstung. Die Steinsetzungen waren nicht mehr erkennbar, und in dem durcharbeiteten Boden lagen Scherben massenhaft. Einige wichtigere sind gesammelt:

4: der Fuß einer braunen Urne mit schräg ansteigender Wandung.

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5: der untere Teil eines kleineren Gefäßes mit ziemlich gerader Wandung; verziert mit tiefen Kerben, die anscheinend durch den Fingernagel von obenher in den feuchten Ton gedrückt sind; das ist ja ein altes und weitverbreitetes Motiv, aber recht befremdlich in dieser Umgebung; denn aus eisenzeitlichen Funden kannten wir es bisher überhaupt nicht, und auch ein gut bestimmbarer jungbronzezeitlicher Fund, der von Lanken, zeigte es in anderer Form, nämlich kleinere, seitlich neben einander geordnete Kerben; unsicher ist auch noch das Urnenfeld von Polz (s. u.), auf dem es vorkommt.

6: der untere Teil eines dünnwandigen, graubraunen Gefäßes; die Wandung steigt ziemlich schräg an; der Rest gehört wohl eher einem Becher als einer Urne an.

7: der Boden eines starken, hellbraunen Gefäßes; Wandung stark ausbiegend; flach, 14 cm Durchm.

8: braune Scherbe vom Ansatz der Wandung an dem Boden; mit Verzierungen, dünnen, scharfen Linien, die sich netzartig schneiden.

9: braune Scherbe; der Umbruch eines Gefäßes mit scharfem Bauchrande.

In dem noch nicht von der Tiefkultur betroffenen Teile des Ackers fanden wir dann noch einige Steinsetzungen, die wir aufgegraben haben. Zwölf lagen auf dem Plogschen Acker nördlich vom Wege, drei von diesen südlich in einer Entfernung von etwa 20 m auf Pfarracker. Wir zählen sie in der Reihenfolge von Westen nach Osten auf; die Tiefe betrug etwa 30 cm; wo nichts anderes bemerkt, ist nichts darunter gefunden.

A. Nördliche Gruppe; Raum von ung. 40 m Länge (ostwestlich) und 10 m Breite.

10 (Nummer des Ausgrabungsprotokolls 15): drei große, etwa 75 cm lange Steine neben einander im Boden.

11 (Pr.=N. 9): 10 m östlich von 10. Runder, sehr fest gebauter Damm aus großen Steinen, 1,50 m Durchm. Darauf eine Brandschicht, in der Scherben von einfachen, braunen Gefäßen mit flüchtigen ziemlich tiefen Furchen.

12 (Pr.=N. 8): nahe bei 11; gestörter Damm; erhalten drei große Steine. Darauf einige Scherben, unter denen das Randstück eines kleinen, braunen Gefäßes bronzezeitlichen Charakters.

13 (Pr.=N. 3): Damm von 2,30 X 1,20 Durchm. Darunter Scherben verschiedener brauner Gefäße, sichtlich als Scherben niedergelegt.

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14 (Pr.=N. 4): gestörter Damm aus großen Steinen. Darunter zwei ganz zerdrückte, braune Gefäße; das eine derb, groß; das andere flach, schalenartig, dünnwandig; Form beider nicht erkennbar.

15 (Pr.=N. 11): Damm aus platten Steinen von 20-25 cm Länge; L. (ostwestlich) 3, Br. 1,20 m.

16 (Pr.=N. 2): Damm aus kleinen Steinen; 2,40 m lang (nordsüdlich), 1,50 m breit.

Diese sieben Steinsetzungen lagen in einer ostwestlich gerichteten Reihe.

Parallel dieser Reihe nach Norden lagen die nächsten drei.

17 (Pr.=N. 5): gestört; große, aufrecht stehende Steine (der größte 75 X 60 cm); dazwischen leerer Raum, in dem einige zerbrannte Gebeine.

18 (Pr.=N. 12): kleiner, gestörter Damm aus kleinen Steinen.

19 (Pr.=N. 14): kleiner, in seiner Form nicht mehr erkennbarer Haufe größerer Steine. Dazwischen eine starke Brandschicht, die bis 1 m tief ging, und in welcher die Reste eines sehr starken Gefäßes, wohl eines Vorratstopfes, dabei aber auch zerbrannte Gebeine lagen.

Die nächsten beiden lagen südlich der Reihe 10-16.

20 (Pr.=N. 10): Damm aus Steinen von ung. 25 cm Durchm., 2 m lang (ostwestlich), 1,20 m breit. Darunter in einer Brandschicht zwei ganz zerdrückte Urnen, die eine mit einem Deckstein versehen, der hineingesunken ist und sie zerstört hat, hellbraun, groß, gut gebrannt in bronzezeitlicher Art; die andere klein, schwarz.

21 (Pr.=N. 6): neben 20; ebenso gebaut, aber etwas größer; ganz leer.

B. Südliche Gruppe.

22 (Pr.=N. 1): fester Damm aus kleinen Steinen; 3,20 m lang (ostwestlich), 2,70 m breit.

23 (Pr.=N. 13): gebaut wie 22; 3m lang (ostwestlich), 2 m breit.

24 (Pr.=N. 7): ebenfalls wie 22, rund 1 m Durchm.

Im Winter 1900/01 ist dann ein weiterer Teil des Feldes nordwestlich von der letztgenannten Ausgrabungsstelle durcharbeitet und sind dabei wieder eine größere Anzahl Steindämme angetroffen. Herr Hagemann hat die Arbeiten beaufsichtigt; gefunden sind zerdrückte Urnen und Scherben in der oben geschilderten Art.

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Dagegen wurden noch etwas weiter nach Westen näher der Niederung mehrere Urnen und Urnenreste geborgen.

25 (Pr.=N. U. 12): Urne; hellbraun, z.T. rotbraun; glatt, innen und außen mit dünnem Tonüberzug; in Form und Arbeit bronzeitlicher Keramik. (Form 25 a, abgebildet Tafel V.) Starke Ausbauchung, allmählich zu dem (geraden) Halse ansteigend; Hals glatt und gerade abschneidend. H. 26, Durchm. ob. 20,75 u. 12, gr. Ufg. (11 v. u.) 93, H. d. Halses 9 cm.

Inhalt weiße, stark zerbrannte Gebeine.

26 (Pr.=N. U. 13): flache Schale, halb erhalten; am Rande zwei Löcher. H. 7,5, Durchm. ob. 24, u. 9 cm. Das Gefäß scheint eine Deckelschale bronzezeitlicher Art zu sein (kommt aber in ähnlicher Form auch in la Tène=Feldern vor, z.B. in Jastorf). Dabei gefunden: bronzene Nadel, leicht gekrümmt, Kopf flachkugelig, darunter leichte Verstärkung des Nadelhalses, sechs Parallelfurchen, zwei parallele Zickzacklinien. L. (ohne Biegung) 9,5 cm. Derartige Nadeln sind unserer la Tène=Zeit fremd, aber häufig in der jüngeren Bronzezeit.

27 (Pr.=N. U. 14): Urne; zerbrochen; dickwandig; glatt, braun; starke Ausbauchung; ein Henkel.

Darin Reste eines kleinen, bronzenen Ringes.

28 (Pr.=N. U. 15): becherartiges Gefäß; stark beschädigt; braun; rauhe Wandung, steil aufsteigend, aber leicht gewölbt; seltene Form; H. 13 cm.

29 (Pr.=N. U. 16): ähnlich 28, aber glatt. Durchm. des Bodens 7 cm; näheres nicht bestimmbar.

30 (Pr.=N. U. 17): kleines, plumpes Tongefäß; graubraun, rauh und unregelmäßig; Form 26; H. 6,5, Durchm. ob. 5,5, u. 5, gr. Ufg. (3 v. u.) 25 cm. Gefüllt mit seinem, schwarzem, kohlenhaltigem Sande.

31 (Pr.=N. U. 18): kleines Tongefäß; stark beschädigt; hellbraun; Fuß leicht vertieft; starke, hochliegende Ausbauchung; echter la Tène=Charakter. Grundform etwa 14; H. ursprünglich etwa 5, Durchm. u. 3, gr. Ufg. (3 v. u.) 25 cm.

32 (Pr.=N. U. 19): aus einer zerstörten Urne: großer, eiserner Gürtelhaken; drei Reste; eine starke Mittelrippe; am Ende konischer etwas nach außen gebogener Knopf; ursprüngliche Länge etwa 28, größte Breite 6 cm. Grundform S. 21 1 a.

33 (Pr.=N. U. 20): aus einer zerstörten Urne: ein Stück gebogenes Bronzeblech von 3 X 2,5 cm; an einem Ende ein kleines Loch; Bestimmung unsicher.

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Soweit der Befund, dessen Deutung dadurch erschwert ist, daß die sorgfältig ausgegrabenen Anlagen sicher bestimmbare Altsachen nicht ergeben haben und umgekehrt über die Lagerung dieser keine ausreichenden Beobachtungen vorliegen. Zunächst die Ausgrabungen. Steinlagerungen ohne oder mit ganz geringfügigen Altsachen kommen ja oft genug vor; doch war bisher meist die Zuweisung in die jüngere Bronzezeit wahrscheinlich zu machen (doch vgl. den nachfolgenden Bericht über Bellevue). Welchem Zwecke diese Zusammenhäufungen oft sehr beträchtlicher Blöcke gedient haben mögen, bleibe dahingestellt; doch bleibt irgend ein Ritualgebrauch immerhin das Wahrscheinlichste. Gräber primärer Art waren es schwerlich. Wo sich Urnen finden, stehen sie auf oder unter den Steinen ohne Gleichmäßigkeit. Vgl. z.B. den Bericht über das jungbronzezeitliche Grabfeld von Stubbendorf, Jahrb. 61, S. 202.. Dämme, wie wir sie in der la Tène=Zeit allgemein haben, waren hier nur vereinzelt und auch diese meist leer. Bronzezeitlichen Charakter haben auch die Urnen 2, 5, 7, 25-29, ebenso wie die bronzene Nadel aus 26. Daneben aber finden sich die ausgeprägtesten la Tène=Dinge. 3, 4, 31 ist gesicherte la. Tène Keramik. Und dazu kommt das sehr gute Inventar von 1; und zwar sind es zweifellos Jung=la Tène=Dinge, die mit denen von bronzezeitlichem Charakter keine zeitliche Kontinuität haben können. Es bleibt also nur die Annahme über, daß hier auf dem Kreuzberge zwei ganz verschiedene Grabfelder, ein jungbronzezeitliches und ein jung la Tène=zeitliches nach einander, ohne räumliche Trennung, angelegt sind.

Bellevue (Scharbow) bei Hagenow.
(Katalog=Nummer E 1138-1160.)

Nach Untersuchung des Verfassers am 11. Dezember 1898 und 8. April 1899. Bei dem zu dem Gute Scharbow gehörenden Vorwerke Bellevue zu beiden Seiten des von Hagenow kommenden Fußweges unmittelbar vor den Häusern auf sandigem, etwas ansteigendem Gelände. Die nächsten Grabfelder sind die bereits besprochenen vom Ehmkenberge bei Hagenow und von Bobzin, beide 4 Kilometer entfernt. Das Grabfeld hat eine beträchtliche Ausdehnung gehabt; Urnenfunde sind sicher beobachtet auf einem Raum von etwa 400 m Länge (ow.) und 250 m Breite, doch sollen auch noch weiter hin auf Scharbower Gebiet Urnenscherben ausgepflügt sein. Die Hauptfundstätten scheinen auf den Ackern der Hauswirte Hagen (näher am Wege) und Blohm (nach

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Scharbow zu) zu liegen. Hier sind seit Menschengedenken Urnen gefunden, und noch kurz vor meinem Eingreifen sind beim Steinesuchen eine ganze Anzahl zerstört.

I. Blohmscher Acker.
(l, 2 von Blohm gesammelt, 3-7 ausgegraben.)

1: größerer Steindamm, unter dem mehrere zerdrückte Urnen; z.T. erhalten eine schwarze, kleine, von der bekannten Grundform 14. H. 10,5, Durchm. ob. 17, u. 5,5, gr. Ufg. (6,5 v. u.) ? cm.

2: Steinsetzung mit Urnen, von deren Inhalt bewahrt ist: ein bronzener Ring, seltene Form, indem eine große, runde, feste Öse sich anschließt; einfache Arbeit. Durchm. des großen Rings 6,8 (lichte Weite 5,5), Durchm. der Öse 3 (lichte Weite 2,1) cm. Besprochen oben S. 23.

3: etwa 25 cm tief ovaler Steindamm von 2 m Länge (ow.) und 1,20 m Breite. Oben kleinere Steine, unten beträchtliche Blöcke bis zu 75 cm Länge. Darunter garnichts, wie auch sonst die Bauern beobachtet haben wollen, daß gerade die größten Steinhäufungen leer seien, also ganz wie auf dem Kreuzberge bei Hagenow.

4: zerstörte Steinsetzung, unter der die ganz zertrümmerten Reste mehrerer Urnen. Erkennbar die Reste eines sehr derben, hellbraunen Gefäßes (wohl Vorratstopf) und einer braunen, platten Urne.

5: gebaut gleich 3, aber kleiner und von kleineren Steinen; schon gestört. Darunter eine zerdrückte, schöne Urne, fast ganz gleich der in 1. Inhalt wenige und feine Knochen.

6: gebaut gleich 3, auch von derselben Ausdehnung. Am westlichen Ende schön in Steine verpackt eine kleine, ganz zerdrückte Urne; schwarz; der Form nach nicht mehr genauer bestimmbar, aber anscheinend auch wie in 1 und 5.

7: gestörter Damm; darunter einige Reste von drei Urnen. Erkennbar eine sehr derbe, rotbraune, mit rauher Wandung.

II. Hagenscher Acker.
(8 und 9 von Hagen gesammelt, 10-24 ausgegraben.)

8: aus einer der zahlreichen zerstörten Steinsetzungen: der Fuß einer schönen, schwarzen Urne im Charakter von 1 usw. Der Boden ist leicht vertieft und setzt mit einem Horizontalstrich scharf ab.

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9: ebenfalls aus einer Steinsetzung, die eine größere braune Urne enthalten haben soll: Reste eines großen eisernen Gürtelhakens von 7 cm Breite, mit zwei starken Längsrippen.

10: kleine, gestörte Steinsetzung. Leer.

11: Steindamm von 75 cm Durchm. Darunter fest in kleinere Steine verpackt eine schöne, leider zerdrückte Urne; schwarz; Form 14 oder 15. H. etwa 20, Durchm. der Grundfläche 9 cm; Henkel; am Halsrande Band aus schrägen Dreistrichen mit abschließenden Punkten, zum Fuß herabgehende Strichlinien. Die Knochen waren scharf zerbrannt. Zwischen ihnen einige stark verbogene und zerbrochene eiserne Geräte:

Gürtelhaken; mit zwei Längsrippen und aufgebogenem Dorn; ähnlich denen von Pogreß und Brahlstorf S. 23. L. 18,5, Br. (am Ende) 5 cm;

Schnalle (zum Gürtelhaken gehörend?) mit länglichem, unregelmäßigem Rahmen; 5,5 cm lang. Doch ist die Deutung nicht sicher;

Fibel gleich der oben S. 83 beiHagenow IV beschriebenen, leider unvollständig; die zwei bronzenen Kugeln haben eine kreuzförmige Vertiefung, in der eine weißliche Füllmasse (Glasfuß) noch erkennbar ist. L. ung. 11, L. der Achse 5 cm.

12: Urne mit flachem Fuß und Deckstein, mit kleineren Steinen fest umgeben, aber zerdrückt; braun, glatt, ornamentaler Henkel. Auffallend wenig Knochen.

13: kleiner Steindamm, darunter eine zerdrückte Urne; braun; Wandung rauh, z.T. glatt; Form 7; Hals scharf absetzend, Halsrand leicht ausbiegend.

14: kleiner Steindamm, darunter sorgsam verpackt zwei braune Urnen. Die eine größere (A) ist zerdrückt; sie war glatt, hatte eine starke Ausbauchung und ansteigenden Hals; Gebeine wie üblich. Die kleinere (B) enthielt zarte Gebeine, sodaß der Gedanke einer Doppelbestattung von Mutter und Kinde nahe liegt; sie war wiederherstellbar. Topfartig, mit zwei Henkeln unterhalb des Halsansatzes; Hals scharf ansetzend, leicht eingezogen und zu einem etwas wulstigem Halsrande ausbiegend. Form 8. H. 19, Durchm. ob. 9, u. 9, gr. Ufg. (9 v. u.) 49, Höhe des Halses 7 cm.

15: kleiner Damm, darunter zerdrückte Urne, sehr schön, schwarz; mit ausladendem Rande und Henkel. Form 14. Darin:

Gürtelhaken von Eisen, schmal, mit verbreiterter Platte am Ende. L. 15, Br. 3,8 cm. Form S. 21 1c;

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Ringschnalle mit starker, durch einen Ösenring beweglicher Zunge, Durchm. 5, lichte Weite 2,2 cm. Form S. 23.

16: großer, rundlicher Damm von etwa 10 Meter Durchm. Darunter, nach der Mitte zu, zwei Meter von einander entfernt in kleine Steine verpackt zwei Urnen:

A. hoher Topf, braun, mit leicht gewölbter Wandung, die ohne Absatz in den geraden Hals übergeht; zwei Henkel. Form 1. H. 26, Durchm. ob. 15,5, u. 12,5, gr. Ufg. (15 v. u.) 77, H. d. Halses 3 cm. Darin:

Gürtelhaken, ganz wie in 15; 15 cm lang, 2,2 cm breit, zerbrochen;

Ringschnalle, ganz wie in 15; 5 cm Durchm., 2,2 cm lichte Weite;

Nadel von Eisen, gekröpft; der Kopf kleine, senkrechte Scheibe; 7 cm lang. Form S. 25 5b.

B. braun; sehr gut gearbeitet, ein Streifen am Fuße und der Hals glatt, sonst rauh; der etwas nach innen gebogene Hals scharf ansetzend; auch der Halsrand scharf ansetzend, aber nur wenig ausbiegend; ein Henkel, über den Halsansatz greifend; Form 8. H. 19,5, Durchm. ob. 12,5, u. 8, gr. Ufg. (9 v. u.) 60, H. d. Halses 6,25 cm. Ganz leer, also wohl ein Beigefäß zu 16 A trotz seiner besonderen Stellung.

17: an 16 angrenzend; großer, stark gestörter Damm aus größeren Steinen; in der Mitte eine Urne; am östlichen Ende eine zweite, beide ganz zerdrückt und mit wenig Gebeinen:

A. schwarz; weit ausladendender Rand; Form wohl 5; Wandung rauh, mit glatten Streifen;

B. braun, einfach.

18: kleiner Damm; in der Mitte zwischen zwei großen, flachen Sandsteinplatten eine Urne; zerdrückt; braun; Wandung z.T. rauh, z.T. glatt. Form 1 oder 5.

Darin: eiserner Gürtelhaken, kleiner und breiter wie die andern von Bellevue. L. 8,2, größte Br. 4 cm. Darin angerostet der Rest einer eisernen Nadel.

19: kleiner Damm, darunter eine größere Sandsteinplatte (30 X 25 X 6 cm), unter welcher, von Steinen in ihrer Lage gehalten, eine Urne; rotbraun; Wandung rauh, am Halse glatt; zwei Henkel an der breitesten Stelle. Form 1. H, 26,5, Durchm. ob. 9, u. 12, gr. W. (13 v. u.) 78 cm. Darin:

eiserner Gürtelhaken mit Krampen auf beiden Seiten; L. 8,5, ar. Br. 3 cm;

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eiserne, gekrönte Nadel, mit großem Ringkopf und Einbiegung unter dem Kopfe; 9 cm lang.

20: Damm von 2 m Länge (ow.) und 0,80 m Breite. Darunter ganz am westlichen Ende ein kleines, leeres Tongefäß; zerdrückt; braun, Wandung glatt, z.T. mit ornamentalen Streifen; Form 15, eine Form, die bei braunen Urnen selten ist. Es ist wohl das Beigefäß zu einer urnenlosen Beisetzung.

21: flacher Sandstein, darunter frei im Sande ein ganz zerdrücktes Tongefäß ohne Inhalt; rotbraun; mit Henkel; hoher Topf; die Oberfläche geschwärzt, wohl vom Feuer. Wahrscheinlich ein Beigefäß.

22: kleiner, runder Steinhaufe, darin eine ganz zerdrückte, schwarze Urne unkenntlicher Form.

23: das schönste Grab. Damm ganz regelmäßig rund von 1,50 m Durchm. Die Steine auf die hohe Kante gestellt und ganz dicht verpackt; an der Außenkante nur eine Lage Steine, nach der Mitte zu immer mehr; in der Mitte die Urne zwischen zwei flachen Platten; von Keilsteinen in ihrer Lage gehalten, aber doch zerdrückt; braun, glänzend; hoher Hals; ornamentaler Henkel; nach innen vertiefter Fuß. Form etwa 2.

24: sehr ähnlich dem vorigen; auch hier die Urne ganz zerdrückt; schwarz; mit zwei Henkeln; Form ungefähr 15.

Darin ein eiserner Ring, rund; 3,5 cm Durchm., 2 cm lichte Weite.

Der zeitliche Charakter des Feldes als jung=la Tène,wenn auch nicht vom Ende der Periode ergibt sich (trotz des Ösenringes) durch Urnenformen und Fibeln.

Alt=Zachun bei Hagenon.
(Katalog Nummer E 1483.)

Am Wege von der Station Zachun nach dem Dorfe links sind aus hochgelegenem sandigem Acker wiederholt Urnen zwischen Steinen ausgepflügt. Eine hat Herr Schulze Dahl, der Besitzer des Ackers bewahrt und 1900 geschenkt. Dieselbe ist hellbraun, glatt; Form 24; mit rundlicher Ausbauchung, scharf ansetzendem, leicht nach außen gebogenem Bauchrand; von dem Halsansatz gehen neun Strichlinien zum Fuße. Die Form nähert sich den Schalen der folgenden ("frührömischen") Periode. Da sie sich aber von diesen durch die Bildung des Halsrandes und die Strichverzierung unterscheidet, so mag sie hier, wenn auch ohne Sicherheit, erwähnt werden. H. 23, Durchm. ob. 23,5,

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u. 9, gr. Ufg. (10 v. u.) 83 cm. Der Inhalt besteht aus zerbranntem, nur wenig zerkleinertem Gebeine; auch dieses letztere eine Abweichung.

An einer anderen Stelle der Feldmark Alt=Zachun (am Wege nach Neu=Zachun) sind interessante Wohngruben der la Tène=Zeit gefunden worden, auch Anzeichen von Gräbern; doch muß deren Besprechung noch aufgehoben werden.

Kl.=Krams bei Ludwigslust.
(Katalog=Nummer T I A 1a γ 13. 17. 18. ... 1c 12-15. ... B I 39.)

"Beim Steinbrechen zum Wegbau 1826 und 1827 in der Nähe eines Tannenkamps gefunden"; vgl. Friderico-Francisceum Tafel 34, 9 und 10, Text S. 159.

1: braun, in der Mitte rauh; Halsrand wulstig und leicht nach außen gebogen; die typische Topfform der Form 13. H. 28,5, Durchm. ob. 21, u. 15, gr. Ufg. (19,5 v. u.) 89 cm.

2: Hals fehlt; rotbraun, glatt, schmale Standfläche, starke, rundliche Ausweitung, scharfer Halsansatz mit Einziehung; an Stelle des Henkels kleiner Kegel. Form wohl 8. H. noch 15, Durchm. u. 5,5, gr. Ufg. (7,5 v. u.) 78 cm.

3: schwarzbraun; von der verbreiteten Form 14; ein Henkel; oberhalb des Wandumbruchs (Bauchrandes) leicht eingerissenes, zweistrichiges Zickzackband; zum Fuße herablaufend sechs rauh gemachte Streifen. H. 19, Durchm. ob. 18, u. 75, gr. Ufg. (13 v. u.) 73 cm.

4: schwarz; der vorigen sonst gleich; aber alles schärfer profiliert, also mehr Form 15, ein (abgebrochener) starker Henkel vom oberem Halsrande bis zum Bauchumbruch; verziert mit einem Zickzackbande aus Punktreihen mit abschließenden Linien. H. 16,5, Durchm. ob. 15, u. 8, gr. Ufg. (11,5 v. u.) 75 cm.

5. schwarz; Grundform der vorigen ähnlich, aber mit scharfem Absatze des eingebogenen Halses, also mehr gleich 14; ein großer, jetzt fehlender Henkel, Zickzackband aus dünnem Zweistrich; vier rauhe Streifen die Wandung hinab. H. 18,5, Durchm. ob. 15, u. 8, gr. Ufg. (12 v. u.) 76 cm.

6: schwarzbraun; einfach, sonst gleich 1; H. 12, Durchm. ob. 12, u. 5,5, gr. Ufg. (8 v. u.) 49 cm.

7: braun, z. T. schwarz, gleich 2, ohne Henkel mit zweistrichigem Zickzackband. H. 10, Durchm. ob. 14, u. 4,5, gr. Ufg. (6,5 v. u.) 52,5 cm.

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8: braun, kleiner Henkelbecher; Halsrand durch Abschnürung angedeutet. H. 7, Durchm. ob. 9,5 u. 5,8 cm.

Das Kl.=Kramser Feld ist ein sehr typischer Vertreter jener Jung=la Tène=Gruppe, die uns bisher besonders durch Krebsförden I bekannt geworden ist.

Krenzlin bei Ludwigslust.
(Katalog=Nummer T I A 1 a α 9. 20, .... α γ 1.)

Aus dem ältesten Bestande der Sammlung haben wir sechs Tongefäße, über deren Fundverhältnisse kein Bericht vorliegt. Alle tragen den Vermerk 1804; 1-3 Krenzliner Moor, 4,5 Krenzlin, 6 Neu=Krenzlin. Ob also alle demselben Funde angehören, ist unsicher und wird sehr zweifelhaft, wenn man die Gefäße genauer mit einander vergleicht; drei haben ausgesprochene la Tène=Formen, drei ebenso sicher bronzezeitliche. Ich scheide diese daher hier aus und nehme nur die ersten, von denen zwei "im Moor" gefunden sind. Es handelt sich wohl um ein Urnenfeld, das, wie ja allgemein üblich, an eine feuchte Niederung angrenzt.

1: rotbraun, rauh, derb; Wandung vom Boden aus erst mit geringerer Schrägung aufsteigend, dann stärker gewölbt und sich zu einem etwas nach innen gebogenen Halse zusammenziehend; von der gewöhnlichen Topfform 1, etwas stärkere Profilierung. H. 28, Durchm. ob. 17, u. 11, gr. Ufg. (14 v. u.) 73 cm.

2: hellbraun; glatt; hoher Topf mit scharf absetzendem, nach innen geneigtem Halse und leichter Ausbiegung des Halsrandes. Form 7. H. 25, Durchm. ob. 13, u. 9,5, gr. Ufg. (11 v. u.) 70 cm.

3: hellrotbraun; Form gleich der vorigen, aber mit zwei Henkeln unter dem scharfen Halsansatze. H. 23, Durchm. ob. 14, u. 9,5, gr. Ufg. (9 v. u.) 67,5 cm. Verziert auf der Wandung mit zwei 5 cm breiten Längsstreifen: durch eine Zickzacklinie werden spitzwinklige Dreiecke gebildet, die durch verschieden gerichtete Linien schraffiert sind. Das Ornament ist sehr flüchtig ausgeführt, aber von Interesse; denn es ist unserem Boden ursprünglich fremd, aber sehr beliebt in dem Formenkreise des Lausitzer Typus; dort meist wesentlich älter als unser Tongefäß seiner Form nach sein kann.

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Glaisin bei Ludwigslust.
(Katalog=Nummer E 361.)

1890 ist in sandigem Acker ein Urnenfeld zerstört. Unter Steinen und Steindämmen standen zahlreiche Urnen, z.T. mit Inhalt an Metall, z.B. bronzenen Ringen. Genauere Nachrichten liegen nicht vor. Einige eingesandte Scherben machen wahrscheinlich, daß es sich um ein la Tène=Feld handelt.

Polz bei Dömitz.
(Katalog=Nummer E 938. 939.)

Bei Tiefkultur zur Anlage eines Spargelbeetes sind Februar 1898 eine Anzahl Urnen angetroffen. Bewahrt und von Herrn Kandidat Metzmacher in Dömitz eingesandt sind:

1: einige Stücke gebogenes Bronzeblech mit kleinen Löchern (Reste eines Hohlringes?).

2: Reste einer größeren Urne mit jenen durch Fingernägeleindrücke hergestellten Kerben, über die oben S. 84 bei Hagenow IV gesprochen ist. In dieser soll ein bronzener Ring gelegen haben.

Die zeitliche Stellung des Polzer Feldes muß noch unbestimmt bleiben; es kann auch in die jüngere Bronzezeit fallen.

Granzin bei Neustadt.
(Katalog=Nummer 2376.)

Mit dem Vermerke "Im Hofgarten flach im Sande" 1846 eingeliefert:

1: Scherbe, braun, rauh.

2: Urne; klein, schwarz; Form 15. H. 10, Durchm. ob. 10, u. 6, gr. Ufg. (5 v. u.) 46 cm.

Auch noch in neuerer Zeit sind nach einwandfreien Mitteilungen bei Granzin Urnenfunde gemacht; aber etwas bestimmtes ist darüber nicht zu erfahren gewesen.

Muchow bei Grabow.
(Katalog=Nummer E 1084-1101.)

Nach einer vom Verfasser unter dankenswertester Mitwirkung des Herrn Präpositus Ihlefeld in Muchow Herbst 1898 vorgenommenen Untersuchung. Die Grabstätten liegen nördlich vom Dorfe auf einer ebenen Sandfläche und erstrecken sich über

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ein ausgedehntes Gebiet (mindestens 1/4 □ Kilometer). Hier sind beim Beackern und bei Sandentnahme, besonders auf den Hufen der Erbpächter Korup (links vom Wege) und Zabel (rechts vom Wege) seit Jahren Grabstätten angetroffen und zerstört. Meist waren diese an leichten Bodenwellen erkennbar. Drei Gruppen von Gräbern sind beobachtet: 1. Steinsetzungen mit braunen Urnen; 2. frei stehende schwarze Urnen, die als verziert mit eingedrückten Punkten und ausgestattet mit bronzenen Scheren und Pincetten geschildert werden; 3. Skelettgräber. Diese drei Gruppen waren räumlich nicht getrennt, sondern lagen durch einander. Meine Ausgrabung hat das bestätigt. Es handelt sich demnach sicher bei 3 um ein wendisches Skelettgräberfeld, bei 2 um ein "frührömisches" Urnenfeld mit den bekannten schwarzen Mäanderurnen; die Funde der ersten Gruppen seien hier besprochen, wenn auch eine zweifellose Festlegung der zeitlichen Stellung (jungbronzezeitlich oder la Tène?) noch nicht angängig ist.

Feld von H. Korup.

1: Brandstelle, rund, von 1,5 m Durchm.; 1,5 m tief. Fundament aus faustgroßen bis 30 cm starken Geröllsteinen. In der Brandschicht zahlreiche Scherben von mehreren Gefäßen; braun, gut geschlemmt, Oberfläche z.T. rauh; ein Randstück mit gerade abgestrichenem Halse.

2: Halbrunde Steinsetzung; aus großen Blöcken und mauerartig geschichteten Steinen, etwa 40 cm hoch; 4 m im Durchm. An der inneren Seite der Steine am Fuße schwache Brandspuren.

3: Urnengrab. Auf einem flachen Steine und von einem solchem überdeckt eine zerdrückte Urne; braunrot rundlich; Halsrand nach außen gestrichen.

4: Urnengrab; kleine Steinkiste ohne Deckstein; darin Urne mit zerkleinerten Gebeinen, die Eisenrost zeigen; schmutzig= dunkelbraun, unregelmäßig; topfartig, mit stärkerer Ausbauchung und geradem, glatt abschließendem Halse; Form 3, oben Tafel I abgebildet. H. 24, Durchm. ob. 15, u. 10, gr. Ufg. (10 v. u.) 68 cm. Dazu eine (zerdrückte) Deckelschale.

5: Steindamm; 1,5 m Durchm. Leer, doch ist bei der hohen Lage eine Störung, die mit Entfernung der Urne verbunden war, nicht unmöglich.

6: Steindamm; 1 m Durchm. In der Mitte darunter flache Grube mit zerbrannten Gebeinen in sehr geringer Menge.

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[7: wendisches Skelettgrab.]

8: dicht neben einander die Reste mehrerer Steindämme und Steinpackungen, arg zerstört und in wirrem Durcheinander; erkennbar die Standsteine von acht Urnen. Scherben zahlreich, darunter:

Randstücke; der Rand z.T. nach außen gebogen, in echtem la Tène=Charakter;

Wandungsstücke mit flüchtig eingerissenen Linien, ebenfalls la Tène;

Reste einer schönen schwarzen Mäanderurne.

Es sind also hier die Überbleibsel verschiedener Zeiten vermengt und die Störung reicht wohl noch in prähistorische Zeit zurück.

9: Urnengrab. Sandsteinplatte, darunter frei im Sande die leider zerdrückte schöne Urne. Braun, Wandung rauh, sonst glatt; Form 3, aber etwas breiter und dadurch bekannten bronzezeitlichen Formen (s. oben Hagenow IV, 25) nahe kommend.

10: Leichenbrandgrab. 0,75 cm tief ohne jeden Schutz im Sande ein Haufe kleiner zerbrannter Gebeine, offenbar ein Knochenlager wie in Besitz und sonst.

[11: wendisches Tongefäß.]

12: gestörte Steinsetzung. Darunter zerdrückte Urne mit stark zerbrannten Gebeinen; Form 6; braun; stark ausgebaucht; glatter Rand; darunter flüchtige Verzierung, breite flache Linie, bis zum Fuße gehend, eingerissen mit einem kammartigen Instrumente von 4, z.T. 5 Zinken.

13: Steindamm; 1,5 m Durchm.; darunter in der Mitte Urne, schon gestört und tief liegend; braun, niedrig, flach.

Auf demselben Felde hat Korup im Frühjahr 1899 noch folgendes angefroren:

14: nahe den Gräbern 9-13 ein Urnengrab. Von Steinen rings geschützt eine Urne, schwarzbraun, schlank, hoch; Form 3. H. 25, Durchm. ob. 14, u. 11, gr. Ufg. (11 v. u.) 62 cm.

15: Urnengrab gleich dem vorigen; darin eine Urne von Form 11 (oben Tafel III abgebildet); schmutzigbraun, innen rötlich; dünnwandig und gut gearbeitet; rundlich; Hals leicht eingezogen und glatt abschneidend; ein großer Henkel; unter dem Halsansatze vier Horizontalrieseln (Kehlstreifen); die Form erinnert ja an andere, die Verzierung aber, ein Hauptmerkmal des Lausitzer Typus, ist bei uns recht selten. H. 22, Durchm. ob. 16,5, u. 11, gr. Ufg. (11 v. u.) 77 cm.

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16: noch mehrere derartige Gräber; bewahrt nur der Rest einer hohen, topfartigen Urne mit Henkel von der Form 6.

Gerade diese letzte Form ist wichtig, denn sie gehört zweifellos in unsere Zeit; bei den anderen könnte man auch an jüngere Bronzezeit denken, besonders wegen der Kannelierung der Urne 15. Metallsachen fehlen ja gänzlich. Am meisten erinnert das Grabfeld an das von Gadebusch. Ist es als ganzes eisenzeitlich, so gehört es sicher einem ganz frühen Abschnitte, wohl demselben wie Clausdorf, an.

Dambeck bei Grabow.
(Katalog=Nummer E 314. 1639-1675.)

Neben der Umgebung von Hagenow ist die flache und sandige Feldmark von Dambeck die reichste an jungbronzezeitlichen und la Tène=Grabfeldern im ganzen Lande; doch haben sie nirgends eine größere Mißachtung erfahren, wie gerade hier. Große Grabfelder sind hier durch den Dampfpflug umgewühlt und gänzlich zerstört, ohne daß jemand darauf geachtet hätte. "Die Menschenknochen lagen auf dem frisch gepflügten Acker überall so dicht, daß es aussah, als ob es geschneit hätte," erzählte mir ganz naiv der Pächter, als ich in letzter Stunde dazu kam. Einige Fundstücke hat bereits 1886 Herr Pastor Zülch eingesandt; ein Feld habe ich am 16. und 17. April 1903 durchgraben und die anderen berichtigt. Es handelt sich danach um sechs Grabfelder.

A. Auf Dorffeld.

I. Bauernhufe am Ende des Dorfes im Besitz des Herrn Negendank, wohnhaft in Grabow. Ebener, sandiger Boden; reihenweise standen hier in geringem Steinschutz Urnen an Urnen, die als kleine, schwarze Töpfe geschildert werden; beim Umrajolen sind große Massen zerstört. Von hier stammen die früher erworbenen Gegenstände, die leider alle stark beschädigt sind.

1: viereckiges Stück Bronzeblech mit einem Loch an der Schmalseite und einem festen, eisernen Ringe; 3 X 2 cm, Zweck unsicher;

2: Bronzekopf einer Eisennadel mit Einbiegung; kegelförmig, massiv: Durchm. der flachen Oberseite nur 1 cm;

3, 4: zwei runde Eisenringe, ziemlich scharfkantig; 4,8 und 3,5 cm Durchm.;

5: eiserne Fibel, ganz klein (2,5 cm lang), erhalten nur der halbrunde Bügel und die Nadel;

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6: unbestimmbare Eisenteile, anscheinend von Gürtelhaken und Messern.

II. Hufe des Erbpächters H. Winterfeld; sandiger leicht ansteigender Boden; acht (vielleicht neun) Gräber beim Ackern Herbst 1902 zerstört; Steinpackungen und Steinkisten mit je einer braunen Urne. Anscheinend jungbronzezeitlich.

B. Auf Hoffeld.

III. Glashüttenberg; ansteigendes Gelände; vereinzelt Urnen und Urnenscherben, über die nichts näheres ermittelt ist.

IV. Sandgrube am Hofe; seit vielen Jahren sind hier Urnen gefunden, aber vereinzelt und in weiten Abständen; schwarze, gut gebrannte Gefäße mit Henkeln, also wahrscheinlich auch la Tène gleich I; erhalten ist nichts.

V. "Kleberberg"; hoch gelegen, sandig; vereinzelte Urnen in weiten Abständen.

VI. "Am Galgenberge" (Schlag V); links vom Wege nach Brunow; Boden reiner, weißer Sand mit dünner Ackerkrume; auf dem Galgenberge selbst, einem kiesigen Rücken, ist nichts gefunden, aber nordöstlich davon Urnen in großen Massen. Die Stellen der Urnensetzungen erstrecken sich über etwa 300 m im Quadrat. Seit 1894 ist hier tiefer gepflügt und sind alljährlich Urnen zu Tage getreten, einige wohl erhaltene auch durch unbefugte Privatgrabungen entführt. Stets standen sie unter Steinen. Meine Ausgrabung traf nach einigem Suchen eine nur wenig berührte Fläche, auf der die Steinsetzungen im allgemeinen in ursprünglicher Lage sich befanden. Die Tiefenlage war nur gering, etwa 30 cm, die Urnen also natürlich sehr zerstört. Die Steinsetzungen bestanden nicht eigentlich aus Dämmen, sondern die Urnen waren mit Steinen umsetzt, hatten auch stets einen Bodenstein und meist einen Deckstein; mehrere dieser Steinpackungen sind dann mit einander durch Steinschichtungen verbunden. Demnach standen die Urnen mit geringen Ausnahmen nicht in der Mitte der Steinlagen, sondern an den Enden. An einer Stelle war eine Brandfläche. Die Urnen waren einfach, aber meist gut gebrannt, sehr verschiedenartig; stets mit geringem Inhalt an stark zerbrannten Gebeinen; zweimal lagen die Gebeine ohne Urne, ob aber hier ursprünglich in Holzkasten, ist doch (s. unten bei der dritten Steinsetzung) sehr fraglich.

Erste Steinsetzung: unregelmäßiges Oval von ung. 4 m Länge (nw. = sö.) und 2 m Breite. Darin ganz dicht neben einander am nordwestlichen Ende sieben Urnen, alle zerdrückt.

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1: rotbraun, rauh, derb; flach rundlich;

2: rotbraun, rauh; flach; Rand etwas nach außen gebogen;

3: braun; nur einige derbe, rauhe Scherben;

4: rotbraun; rundlich; unter dem wulstigen Rande eine Hohlkehle. Dazu eine flachkugelige Deckelschale;

5: schmutzigbraun; Wandung rauh, oben glatt. Dabei Scherben eines dünnwandigen, sehr feinen, schwarzen Beigefäßes mit einigen Schrägkerben unter dem eingezogenen Halsrande. Darin der Rest eines Bronzeringes; Hohlblech, 1 cm breit;

6: braun; unten derb, oben glatt; Rand leicht nach außen gebogen;

7: braun, glatt, einfach.

Zweite Steinsetzung: 2 m lang (nw.=sö.); 50 cm breit.

8: klein; fein geschlemmt; schwärzlich; Hals scharf absetzend; Rand leicht nach außen gebogen. Horizontalriefeln an der Wandung;

9: klein; rotbraun, rauhe Wandung, Henkel; Rand leicht nach außen gebogen.

Dritte Steinsetzung: dammartig; an den Enden kleinere, nach der Mitte zu größere Steine; in der Mitte eine Platte; aus dieser ein kleiner Haufe zerbrannter Gebeine; Gebeine zerstreut auch sonst auf und zwischen den Steinen; einige auch unter ihnen, doch mögen diese durch die Lücken gedrungen sein.

Vierte Steinsetzung: 2m lang (ns.), 50 cm breit.

11: klein, dünnwandig, fein, schwarz, mit einfachen Strichverzierungen im Charakter der jungen Krebsfördener Gruppe; Henkelgefäß mit steil aufsteigendem Halse;

12: schwarzbraun, ziemlich dünn; Hals aufsteigend und leicht eingezogen. Ohne alle Gebeine;

13: schwarzbraun, glatter Rand.

Fünfte Steinsetzung: oval, 3 m lang (ow.), 1,25 m breit; am westlichen Ende kleine, rundliche Verlängerung. Darunter fünf Urnen und eine Brandschicht.

14: schmutzigbraun; Form 11; kleiner Henkelkrug mit scharf absetzendem, leicht eingezogenem Halse, Randwulst, rundlicher Vertiefung im Boden. H. 12, Durchm. ob. 10, u. 4, gr. Ufg. (5 v. u.) 44, H. d. Halses 4,5 cm;

15: schmutzigbraun; kleiner Henkelkrug ähnlich dem vorigen, aber breiter, mehr Grundform 33. H. 11, Durchm. ob. 13, u. 6,5, gr. Ufg. (5 v. u.) 50,5 cm;

16: Brandstelle am nördlichen Ende. Dazwischen verstreut Scherben eines größeren, derben, braunschwarzen Gefäßes;

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17: bräunlich, glatt; ziemlich groß; rundlich; Rand nach außen gebogen. Dazu schwarzbraune Deckelschale mit scharf abgestrichenem Rande;

18: schmutzigbraun, rundlich. Dazu besser gearbeitete Deckelschale;

19: rotbraun; Wandung z.T. glatt, z.T. rauh; gerader Hals, glatter Rand.

Sechste Steinsetzung: 3 m lang (sw.=nö.), 0,50 m breit.

21: ganz am westlichen Ende; in Steinplatten sehr gut verpackt, aber zerdrückt. Braun; glatte Wandung, gerader Hals; rundlich; H. 21, gr. Ufg. 82 cm.

Achte Steinsetzung: 2,50 m lang (nw.=sö.), 1,60 m breit. Vier Urnen ziemlich gleichmäßig über den Raum verteilt.

22: rotbraun, sehr derb, rauh;

23: schwärzliche etwas feiner; klein;

24: schwarzbraun; rundlich; unter dem Halse leichte Hohlkehle;

25: rotbraun, derb.

Siebente Steinsetzung: die größte und reichste; 2 X 2 m; Richtung nordost=südwestlich. Darunter 13 Urnen.

20: ganz am Nordwestende ohne Schutz nach oben, von einem Steinkranze umgeben; Form 27, oben Tafel VI abgebildet; hellbraun, schlecht und unregelmäßig gearbeitet. Von einer in diesem Zusammenhang sehr auffallenden Form: die schräg aufsteigende Wandung geht mit starkem Umbruch in einen geraden Hals über. Vom Umbruch bis zur Standfläche verziert mit flüchtigen Linien, denen wohl das Motiv von herabgehenden Streifen, die durch Schrägstriche verbunden sind, zu Grunde liegt. H. 19 Durchm. ob. 26, u. 11, gr. Ufg. (9 v. u.) 90, H. d. Halses 9,5 cm. Die Grundform ist ja eine allbekannte jungbronzezeitliche, für deren Weiterleben oder Aufleben in dieser eisenzeitlichen Umgebung ich keine Erklärung habe;

26: am Nordende. Rotbraun, Wandung rauh, Hals glatt; gut gearbeitet, rundlich, scharfer Halsansatz, gerader Hals;

27: am Nordostende. Schwarzbraun, glatt; rundlich, kleine Schale mit geradem Halsrande;

28: am Ostrande. Rotbraun, Wandung rauh, oben glatt; schön, groß; dazu feinere Deckelschale;

29: am Südwestrande. Schwarzbraun, fein, klein;

30: neben 29. Schwarz, schön, Rand nach innen gebogen. Darin der Rest einer eisernen Fibel; leider zur Unkenntlichkeit zerrostet;

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31: am Westende. Bräunlich, am Halse rot, glatt; ziemlich dünnwandig; kleiner Henkel;

32: neben 28, besonders gut verpackt. Rot, derb und dickwandig; oben unvollständig; Form 1; mit starkem Henkel. Höhe ursprünglich etwa 22, Durchm. u. 11, gr. Ufg. (13 v. u.) 58 cm;

33: neben 32. Rotbraun, derb; Wandung rauh, Hals glatt; rundlich;

34: neben 32 und 33. Schmutzigbraun, oben glatt; schön, rundlich; Form 27; verziert mit einem System sich kreuzender Striche, die mit einem mehrzinkigen Gerät eingerissen zu sein scheinen. Dazu Deckelschale. Das Gefäß war leer, dagegen lagen zerbrannte Gebeine darunter; es ist also wohl als Beigabe zu den anders (in einem Kasten oder Tuche?) geborgenen Gebeinen anzusehen;

35: nahezu in der Mitte. Braunrot; Wandung rauh und glatt;

36: neben 32. Braunrot, Wandung rauh, Hals glatt; schönes Beispiel der hohen Topfform; Form 13 (oben Tafel III abgebildet). H. 26, Durchm. ob. 18, u. 9,5, gr. Ufg. (18 v. u.) 77 cm. Darin ein kleines, einfaches Beigefäß, leider zerbrochen.

37: in der Mitte. Schmutzigbraun, rauh, groß und derb, aber ganz zerbrochen.

Eine neunte Steinsetzung war zu stark zerstört.

Zehnte Steinsetzung: rund, klein.

38: schwarz, fein geschlemmt; Form 28. Rundlich; Boden derb, nach oben feiner. Rand nach innen gebogen. Auf dem Boden Kreuzverzierung.

Klütz bei Grabow.
(Katalog=Nummer E 1637. 1638.)

Sandiger, flacher Acker im Besitz des Büdners Neumann; an der rechten Seite des Weges nach Brunow (an dem links das eben besprochene Urnenfeld am Galgenberge bei Dambeck liegt). Hier sind April 1903 beim Steinebrechen mehrere Urnen mit Leichenbrandresten angetroffen. Eingeliefert sind:

1: Reste einer sehr gut gearbeiteten, braunen Urne. Erkennbar die starke Ausbauchung und der scharf ansetzende, leicht eingebogene Hals; Form 26. Interessant verziert mit runden, tief und scharf eingedrückten Gruben; diese befinden sich außen am Boden, anscheinend mit Strichen kreuzweise verbunden, ferner unten am Ansatz der Wandung (einreihiges Band) und unterhalb des Halsansatzes (Dreieck).

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2: verbogene Eisenreste, unter denen Nadeln und Gürtelhaken erkennbar sind.

Die Ausbeutung des Feldes ist in Aussicht genommen.

Parchim.
(Katalog=Nummer E 1581.)

Um die Stadt Parchim herum sind im Laufe der Jahre vier Urnenfelder bekannt geworden: ein bronzezeitliches aus dem Felde zwischen dem Buchholze und der Slater Fähre, beim Steinbrechen zerstört 1891; ein reich ausgestattetes aus der "Völkerwanderungszeit" schon 1864; ein noch nicht untersuchtes in den Markower Tannen und das uns hier angehende la Tène=Feld auf dem Neustädter Felde, untersucht vom Verfasser am 15.April 1902.

Dasselbe liegt 1,5 Kilometer südwestlich von der Stadt zwischen dem Wege nach Godems und der Lau'schen Ziegelei nahe der Elde in durchaus ebenem, sandigem Boden und bot äußerlich kein Kennzeichen dar; durch den Besitzer, Herrn Kaufmann ist hier eine Fläche von etwa 80 preußischen Morgen in der Länge von 1 Kilometer und der Breite von 150 m durch den Dampfpflug zwecks Anlage einer Spargelplantage tief umgearbeitet. Dabei ist man auf eine große Anzahl Dämme (der Vorarbeiter sagte, über hundert) gestoßen, unter denen schwarze Brandstellen, meist auch Tongefäße, waren. Die Stellen verteilten sich über die ganze bedeutende Fläche und waren zum Teil daran erkennbar, daß eine flache Bodenwelle darüber lag. Es waren runde Steinpflaster aus mittelgroßen Dammsteinen, die meist Brandspuren zeigten; die Größe wechselnd von 1 bis 5 m. Einmal ein Steinring aus großen Blöcken, in der Mitte Urnen. Diese standen meist 50 cm tief. Es waren größere Tongefäße mit Leichenbrandresten und kleinere Beigefäße in Form von Krügen, Schalen, Tassen. Metall ist nicht beobachtet. Ich konnte nur noch eine Anzahl Scherben sammeln. Diese haben den typischen la Tène=Charakter, eine zeigt ein plastisches Band. Erhalten ist eine Schale, rot, mit glatt abschneidendem Rande; die Form ähnlich 34. H. 9, Durchm. ob. 14, u. 6,5 cm.

Kritzow bei Crivitz.
(Katalog=Nummer 4059-4060.)

Erworben 1866 ohne näheren Bericht:

1: einige Klumpen zusammengeschmolzener Bronze=, Eisen= und Glasteile; unter diesen sind erkennbar:

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a) ein Stück Bronze in der Art eines Gußkuchens;

b) mehrere kleine, runde, vertiefte Schalen aus Bronze in der Art der Aufsätze auf den "pommerischen" Fibeln, vielleicht von solchen Fibeln stammend;

c) kleine Kettenringe von Eisen (von einem Kettenpanzer??);

d) ein Gürtelhaken von Eisen; 7 cm lang;

e) ein Klumpen geschmolzenes Glas, hellgrünlich, anscheinend nicht von Perlen, sondern von einem Gefäße stammend;

2: kleines Tongefäß, oben zerbrochen, einfache, rundliche Topfform; zwei kleine Henkel. H. nah. 8, Durchm. u. 4, gr. Ufg. (4,5 v. u.) 26 cm.

3: eine Scherbe, rotbraun, rauh, von üblicher la Tène=Art.

Nach Ermittelungen, die im April 1904 vom Verfasser an Ort und Stelle angestellt sind, liegt die Fundstelle auf dem Hofe zwischen den Scheunen. Es sind hier größere Steindämme entfernt und darunter standen Tongefäße, stets mit starken Brandschichten. Jetzt ist die Stelle ganz verändert und nichts mehr zu erwarten. Leider, denn der Fund ist sonderbar genug: weder Glas noch Bronze findet sich in unseren la Tène=Gräbern in nennenswerter Menge, und die Ausstattung des Beerdigten weist einen ganz ungewöhnlichen Reichtum auf.

Crivitz.
(Katalog=Nummer E 341-342.)

Beim Bahnbau Ende der achtziger Jahre sind in der Nähe des jetzigen Bahnhofs eine größere Anzahl Urnen frei im Sande oder mit geringem Steinschutz angetroffen und verschleudert. Nach Schwerin gekommen ist nur eine:

Urne; schwarz, dickwandig und gut gearbeitet; mit hochliegendem Bauchrand und aufrechtem Halse mit verstärktem, glatt abschneidendem Halsrand; Form 14. H. 19, Durchm. ob. 13,5 u. 8,5, gr. Ufg. (12,5 v. u.) 70 cm. Darin mehrere eiserne Gegenstände:

Gürtelhaken, von seltener Form; runde Stange von ungleichmäßiger Dicke, am schmalen Ende in einer offenen, am dicken in einer geschlossenen Öse endigend; in dieser sitzt ein runder Ring. L. der Stange 9, Durchm. des Ringes 3 cm;

Ring, rund, wohl in das offene Ende des Hakens gehörend; 4,5 cm Durchm;

Gürtelhaken, schmal, gleichmäßig gebogen; 7 cm lang.

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Andere Fundstücke sind in den Besitz des Herrn Uhrmachers Schroeder in Crivitz gelangt, darunter folgendes hervorragende Stück:

Bronzene, gekröpfte Nadel; der kolbenartige Kopf verziert mit flügelartigen Ansätzen; oben S. 24.

Friedrichsruhe bei Crivitz.
(Katalog=Nummer E 150-160.)

Nach Untersuchung von 1882. Vgl. Jahrb. 47 S. 299.

Ebener, sandiger Boden. Steindämme von 3-6 m Durchm. Darunter Urnen oder die Reste des Leichenbrandes ohne Urnen, dazwischen zerstreute Scherben. Die Urnen alle zur Unkenntlichkeit zerdrückt; hart gebrannt, grau oder grauschwarz. Beigaben z.T. in den Urnen, z.T. in der Leichenbrandmasse. Erhalten sind:

1: Nadel aus Bronze; oben zu einer runden Öse eingebogen, darunter Biegung; 11,2 cm lang. Abgebildet oben S. 26.

2-4: Reste von drei eisernen Nadeln (vielleicht auch mehr). Erkennbar bei zweien ein Ring, der als Kopf diente, wie bei 1; bei einer eine kleine, seitlich sitzende, runde Bronzescheibe von 1 cm Durchm., bei einer eine Einbiegung unterhalb des Kopfes.

5: Reste einer "pommerischen" Fibel; drei kleinere und eine größere, bronzene Schale; genaueres nicht mehr zu bestimmen.

6-9: vier eiserne Gürtelhaken; der eine mit einem Loch am breiten Ende; oben S. 22 2a. abgebildet; Länge annähernd 7,5 cm.

10: eiserner Beschlagring seltener Form, wohl zu einem Gürtelhaken: kleiner Eisenstab, in der Mitte zu einer runden Öse gebogen und mit den Enden in zwei starken Zwingen schwebend; 5 cm lang.

11: kleines Tongefäß, zerbrochen, ganz flach; runde Vertiefung auf dem Boden; H. 2, Br. des Bodens 6 cm.

Klinken bei Crivitz.
(Katalog=Nummer E 914. 915.)

Nach einer vorläufigen Untersuchung des Verfassers vom 29. September 1897. In der Sandgrube in der Gabelung des Weges nach Goethen und nach der Pöls links auf einem nach der Niederung zu abfallendem Gelände sind wiederholt kleine Steinsetzungen mit Scherben angetroffen. Die Urnen waren ganz zerdrückt; meist scheinen die Leichenbrandreste mit Kohlen, klein

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zerbrannten Gebeinen und einigen Beigaben in Gruben oder kleinen Steinbehältern geborgen zu sein.

Die wenigen Gefäßreste stammen von rotbraunen, rauhen oder glatten oder von schwarzen Gefäßen wie gewöhnlich.

An Metallsachen ist geborgen ein eiserner Gürtelhaken wie S. 22 2 b, 7,5 cm lang.

Näheres muß einer weiteren Untersuchung überlassen bleiben.

Raduhn bei Crivitz.
(Katalog=Nummer E 105-115.)

Nach Untersuchung von 1881. Vgl. Jahrb. 47 S. 296. Steinringe und Steinkreise, unter denen Urnen.

1: Steinring; leer;

2: (zerdrückte) Urne; schwarz, Form etwa 14;

3: ganz gleich 2;

4 innerhalb eines Steinkreises zwei braune Urnen, Form 24;

5: Steinpackung; drei schwarze Urne, Form 14;

6: Steinring; leer;

7: Steindamm; darunter:

rotbraune Urne mit zwei Henkeln; Form 24. Darin:

drei flache Ringscheiben, ungleich; Durchm. annähernd 4 cm; Durchm. des Loches annähernd 1 cm. Die Bestimmung dieser Ringe ist dunkel;

ein kleiner, runder Ring von 1,8 cm Durchm.

Schwarze Urne; zwei Henkel; an der Schulter verziert mit dreistrichigem Zickzackband. Form 14. H. 14, Durchm. ob. 12, u. 7, gr. Ufg. (8 v. u.) 65 cm;

Darin: zwei "pommerische" Fibeln von Bronze mit eiserner Nadel. L. 6 cm, Br. 6,5 cm;

ein bronzener Halsring, verbogen und zerbrochen; in der Mitte glatt, nach den Enden zu mit parallelen Kerben verziert (nachgeahmte Torsion); an der offenen Seite in einem abgeschnürten und glatt abschließenden Kolben endigend; abgebildet oben S. 30.

Bronzedraht, 0,4 cm breit; spiralig gewunden; an einem Ende ein kleines Loch, wohl von einem Armringe;

zwei runde, eiserne Schnallenringe der bekannten Grundform, 4 und 3 cm Durchm.;

eiserne Fibel; zerbrochen; erkennbar die Sehnenachse, der rundliche Bügel, auf dessen Höhe ein bronzener Ring, offenbar zum Festhalten des zurückgeschlagenen Fußes, also Schema S. 28, 3 (aber ohne Kugeln und mit stärkerer Biegung des Bügels)

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unbestimmbare Eisenstücke; darunter Ringe, Schnallen u. dgl.

8: Steindamm. Urne, schwarz, ähnlich der vorigen. Darin: eine "pommerische" Fibel gleich den beiden obigen; eiserner Gürtelhaken in 4 Stücke zerbrochen, mit bronzenen

Nieten am breiten Ende; Form S. 22, 3, 17 cm lang;

eiserner runder Ring von 2,8 cm Durchm., wahrscheinlich

zu dem Gürtelhaken gehörend.

9: Steindamm von 2 m Durchm. Darunter Scherben

und eine fein gearbeitete schwarze Urne ähnlich der aus 7. In dieser "pommerische" Fibel, gleich den obigen; zerbrochener, eiserner Ring.

Aus einem früher zerstörten Grabe:

Rotbraune Urne gleich oben bei 7. Darin:

zwei "pommerische" Fibeln von wesentlich kleineren

Dimensionen, stark zerbrochen; Rest eines eisernen Ringes.

Ruten bei Lübz.
(Katalog=Nummer T I A I a 32.)

Gefunden gegen 1880; ein zuverlässiger Bericht liegt nicht vor. Geschenk des Herrn Voß jun. in Lübz 1899.

Urne (der obere Teil fehlt); schwarz, dünnwandig, gut gearbeitet; ziemlich gleichmäßig gerundet. Form 24. H. noch 16, Durchm. u. 9, gr. Ufg. (10 v. u.) 64 cm.

Schlemmin bei Lübz.
(Katalog=Nummer E 1923. 1924.)

Nach Untersuchung .des Verfassers am 11. Juli 1905. Im Sommer 1905 wurden beim Bau der Chaussee von Lübz nach Schlemmin einige Feldmarken Steinschlägern überlassen, die eine grauenhafte Verwüstung an Grabstätten verschiedener Art, Hünengräbern, bronzezeitlichen Flachgräbern usw. angerichtet haben, ehe diesseits Schritte zur Rettung oder eine Untersuchung stattfinden konnte. Auch ein hierher gehöriges Urnenfeld ist zum Opfer geworden. Dasselbe liegt etwa 1 Kilometer westlich vom Hofe Schlemmin auf ebenem, sandigem Gelände in der sog. Husarenkoppel und einem angrenzenden Fichtenbestande. Geschildert werden die Grabanlagen als Dämme, z.T. aus größeren Steinen, unter denen Urnen standen, und allein stehende kleine Steinkisten mit je einer Urne. Die Urnen waren schwarze und braune, gut

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gearbeitete Gefäße, einige mit Verzierungen. Inhalt an Bronze und Eisen ist beobachtet, aber nicht bewahrt. Gerettet sind durch das rechtzeitige Eingreifen eines jungen Altertumsfreundes, des Forstlehrlings Buckentinin Sandkrug, zwei Urnen, alles andere ist vernichtet.

Urne 1: oben beschädigt; Grundform 5; gut gearbeitet, hellbraun, rauh, die Wandung verziert mit neun schmalen, glatten Rinnen. An der Innenseite der Wandung Eisenspuren. Höhe noch 17,8, Durchm. u. 10, gr. Ufg. (10 v. u.) 68 cm.

Urne 2: am Rande beschädigt. Schalenform 28, oben Tafel VI abgebildet; gut gearbeitet. schwarz, dünnwandig. An Stelle des Henkels ein halbkreisförmiger, unten offener Wulst. H. 16, Durchm. ob. 20, u. 8, gr. Ufg. (10,5 v. u.) 67 cm.

Ganzlin und Twietfort bei Plau.
(Katalog=Nummer 2002. E 1163.)

Vgl. Jahrb. 9 S. 381 und 392. 1843 berichtete Ritter kurz über ein Urnenfeld am Wege von Ganzlin nach dem Twietforter Forsthause. Erhalten ist nur der Rest einer eisernen Fibel, an der Einzelheiten nicht mehr erkennbar sind. Nur 300 Schritte südlich davon auf Ganzliner Bauernacker ist eine Urne gefunden, die möglicherweise zu demselben Grabfelde gehört; es ist ein oben beschädigter, brauner, rundlicher Topf mit zwei Henkeln. Form 3. H. noch 17, Durchm. u. 9, gr. Ufg. (9 v. u.) 59 cm.

Plau.
(Katalog=Nummer E 1377-1393.)

Nach Untersuchung des Verfassers am 19. April 1900. Das Feld liegt ung. 3 Kilometer südlich von Plau an der Reppentiner Scheide auf den Stücken der Ackerbürger Fritz Pries und Alban; es liegt in sandigem Boden, der im allgemeinen flach ist, an einer Stelle aber eine flache, höhere Kuppe bildet. Die Ausdehnung des Urnenfeldes ist nicht festgestellt. Durchgraben ist eine Fläche von 18 m nordsüdlich und 10 m ostwestlich; davon etwa 50 m getrennt sind einige Stellen auf der erwähnten Kuppe durchsucht. Aufgedeckt sind im ganzen 19 Grabstellen, von denen 10 unter Steindämmen, 7 in Steinpackungen lagen. Die Tiefenlage war die übliche geringe (etwa 30 cm unter der Oberfläche). Alle Gräber enthielten die Reste verbrannter Leichen, die in acht Fällen in Urnen geborgen waren, in sieben ohne Urne unter den Steinen lagen, vier Fälle sind zweifelhaft.

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Von den folgenden Nummern lagen 1-3, 5-8, 16, 19 auf dem Pries'schen, 9, 10, 12-15, 17, 18 auf dem Alban'schen Acker, 4 und 11 auf der Kuppe.

1: Damm aus kleinen Steinen; darunter zierliche Urne; jetzt meist hellbraun, ursprünglich wohl schwärzlich; der Boden leicht eingezogen, die Wandung gewölbt; Hals scharf absetzend und sich verjüngend; Halsrand verdickt, aber gerade abschließend; kein Henkel, aber an einer Stelle unter dem Halsrande vier Punkte. Form 8, abgebildet Tafel II. H. 21, Durchm. ob. 9,5, u. 8,5, gr. Ufg. (7,5 v. u.) 63, H. d. Halses 7 cm. Gefüllt mit starken, weißen Knochen.

2: kleine Steinsetzung; darunter zwischen kleinen Steinen eine zerdrückte Urne; schwarz, zierlich, der vorigen ähnlich, Henkel durch kleine Erhöhung angedeutet.

3: kleine Steinsetzung; darunter eine zerdrückte, aber zusammensetzbare, braune Urne mit Deckelschale; Grundform 2, aber breiter. Darin: eiserner Ring von 3,5 cm Durchm.

4: Damm, regelmäßig gebaut; 3,50 m lang (sö=nw.) und 2 m breit. Am südöstlichen Ende eine Steinpackung ohne Inhalt. Unter dem ganzen Damme verstreut zerbrannte Gebeine.

5: kleine Steinsetzung, gestört. Darunter Urnenreste und ein Rest eines großen, glatten Halsringes von Bronze (mit altem Bruch).

6: kleine Steinsetzung; darin eine Urne, geschützt durch platte, sich nach oben zusammenschließende Steine; ganz zerdrückt, braun; Form ähnlich 1; unter dem Halsansatze Reihe von im Dreieck stehenden Punkten.

Darin: großer, eiserner Gürtelhaken mit starker Mittelrippe und bronzenen Nietknöpfen am Ende, von der Grundform S. 21 1a, L. 15, Br. 4 cm.

7: kleine Steinsetzung; zerdrückte Urne, groß, rotbraun, schön, Form ähnlich 3.

8: frei im Boden stehend: zerdrückte, braune Urne mit gehenkelter Deckelschale; Form gleich der vorigen.

9: runder Damm von 2,20 m Durchm. Am Ostende eine mit Steinen ausgesetzte Grube, in der die Reste des Leichenbrandes lagen: Asche, Kohle, zerbrannte Gebeine. Dazwischen:

eiserner Gürtelhaken, ähnlich S. 21 1c aber weniger scharfen Ecken, 8,5 cm lang;

eiserne, gerkröpfte Nadel in vier Stücken, etwa 12 cm lang; der Kopf besteht aus einer hohlen Röhre.

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10: Damm von unregelmäßiger Form (wohl schon gestört). Darunter Urne der Form 2 mit dunklerer Deckelschale; schön; hellbraun, Wandung rauh, Hals glatt; sonst gleich 1, aber der Halsrand biegt mit markiertem Ansatz nach außen. H. 26, Durchm. ob. 16,5, u. 10,5, gr. Ufg. (11 v. u.) 76, H. d. Halses 10,5 cm.

11: Damm, quadratisch, 0,75 cm Durchm. Leer.

12: Damm, oval von 3,40 (ow.) X 1,40 m Durchmesser. Darunter verstreut Gebeine in geringer Zahl.

13: nahe bei 10, vielleicht damit zusammengehörig: eine einzelne rote Scherbe.

14: Steinpackung an 10/13 anstoßend und vielleicht ursprünglich damit zusammenhängend. Darin ein eng zusammenliegender Haufe starker Knochen.

15: Steinpackung mit darunter liegendem Knochenhaufen.

16: Steinpackung. Darunter ein Knochenhaufen, über dem ein kleines, zerdrücktes Tongefäß lag. Dazwischen acht Reste von zwei eisernen Nadeln; etwa 16 cm lang; der Kopf sitzt seitlich und besteht aus einer rhombischem Scheibe; darunter die übliche Einbiegung.

17: an 10/13/14 anschließend und wohl dazu gehörend unter Steinen ungewöhnlich tief stehend eine zerdrückte Urne, groß, braun, rund, einfach; überdeckt mit einer sehr feinen, glänzend schwarzen Deckelschale. Ausfallend wenig Gebeine.

18: gestörter Damm, vielleicht auch noch zu 10 usw. gehörend. Darunter ein eng zusammenliegender Knochenhaufe, neben dem, also wohl als Beigabe, ein zerdrücktes, sehr feines, kleines Henkelgefäß, glänzend schwarz.

19: Steinpackung, schon gestört, darunter eine zerdrückte, braune Urne.

Außerdem sind von F. Pries aus seinem Acker gefunden und dem Großh. Museum übergeben:

Reste einer bronzenen Spiralscheibe, wohl ein Nadelkopf wie unten bei Clausdorf zu besprechen;

eiserne Rollennadel mit Einbiegung unter dem Kopfe ähnlich der Nadel aus Urne 9, 9 cm lang;

zerbrochene, eiserne Nadel in vier Stücken; der Kopf besteht aus einer kleinen, quersitzenden Bronzescheibe wie bei Friedrichsruhe (vgl. auch Besitz 19).

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Borkow bei Sternberg.
(Katalog=Nummer 4314-4322.)

Eine Urne in Steinpackung, 1871 gefunden. Vgl. Lisch, Jahrb. 37 S. 207.

Von der Urne ist nur erkennbar, daß es ein dickwandiges, braunes Gefäß war, an dessen Wandung eine tiefe Linie (Hohlkehle) herumlief. Die Urne hatte reichen und interessanten Inhalt (in dessen Deutung und entsprechend zeitlicher Bestimmung Verfasser von Lisch vielfach abweichen muß).

1: mehrere zusammengerostete Klumpen kleiner Kettenglieder, für einen Kettenpanzer zu wenig, wohl von einer größeren Kette; ähnlich wie in Kritzow.

2: ein geschmolzenes, kleines Bronzestück, dessen Deutung unmöglich ist, das aber einigermaßen an die Form der Paukenfibeln erinnert, von denen ja auch ein Exemplar in Mecklenburg (Sembzin, vgl. auch Holdorf) gefunden ist.

3, 4: zwei Köpfe von eisernen, gekröpften Nadeln, rhombisch, seitlich sitzend, an den Kanten gestrichelt; ganz wie in Plau.

5: zwei Reste einer eisernen, gekröpften Nadel; der Kopf besteht aus einer aufrecht stehenden, länglichen Scheibe mit Loch.

6: eiserner Gürtelhaken, klein, unvollständig; ungefähr wie Bobzin 14. L. noch 3,5 cm.

7: Stücke gebogenes Bronzeblech, mit einigen Löchern; wahrscheinlich von einem wulstförmigen Armringe von 3 cm Breite.

8: Kette aus Bronzeringen; 12 z.T. in einander hängende Glieder aus Bronzedraht; verziert z.T. mit eingeschlagenen Augenkreisen; die Kette ebenso in Holdorf; die Augenverzierungen wie an dem Ringe von Helm S. 31.

9: 5 Glieder eines dünnen Fingerringes aus Bronzedraht.

10: eine kleine, bronzene, hohlkugelförmige Schale von 1,5 cm Durchm. und eine etwas flachere und breitere mit Loch, die ursprünglich dazu gehört haben mag und verbogen ist. Zweck unsicher.

Turloff bei Sternberg.
(Katalog=Nummer E 1161. 1162.)

Ohne Bericht eingeliefert vor 1880:

1: die Reste einer "pommerischen" Fibel.

2: der Bügel einer frührömischen Bandfibel; beide von Bronze.

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Ob die Gegenstände demselben Grabfelde entstammen, ist nicht bestimmbar; aber es ist wenig wahrscheinlich.

Die Fundstelle habe ich mit Hülfe des Herrn Förster Hunger 1895 ausfindig gemacht; sie liegt südlich vom Forstshause im Walde; nach Angaben älterer Forstarbeiter sind dort in den siebziger Jahren wiederholt in ebenem, sandigem Boden beim Roden Urnen mit Inbalt angetroffen, aber achtlos verworfen.

Brüel.
(Katalog=Nummer 3579. 3580.)

1861 bei Neubauten auf der Westseite des Marktes und an der Straße nach Blankenberg fast 2 m tief (doch ist der Boden sicher erhöht, die ursprüngliche Tiefe war also geringer) gefunden (vgl. Jahrb. 27 S. 182):

Drei Urnen, von denen nichts bewahrt ist; darin:

die Achse einer pommerischen Fibel.

Einzeln eine Urne; dickwandig, gut gebrannt; rotbraun; Form 23. H. 16, Durchm. ob. 13,5, u. 8,5, gr. Ufg. (9 v. u.) 62 cm.

Gr.=Labenz bei Warin.
(Katalog=Nummer E 636. 637.)

Eingesandt 1893 durch Herrn Landrat von Langen auf Gr.=Labenz. Bei mehreren kleineren Hügeln, über deren Entstehung, ob Bodenwellen, ob künstlicher Auftrag, kein Urteil vorliegt, ist auf der Höhe ein Steindamm gefunden, unter dem Urnen standen; auch bronzene Ringe sind beobachtet. Bewahrt und im Großh. Museum befindlich sind:

Reste von mehreren Urnen, alle in la Tène=Charakter; die Oberfläche entweder glatt oder künstlich gerauht;

eine große, eiserne Nadel, verbogen und zerbrochen (9 Stücke), mindestens 60 cm lang. Der Kopf besteht aus zwei eisernen, hohlen Halbkugeln, durch die das Nadelende hindurchgeht, um oben in einer Spitze zu endigen; unter dem Kopfe eine Einbiegung; abgebildet oben S. 26. Die Nadel erinnert also an die Nadel mit bronzenem Hohlkopf von Helm usw., ist aber als eiserne Nadel und in dieser Größe ein Unikum.

Hoppenrade bei Krakow.
(Katalog=Nummer E 1609-1628.)

Nach Untersuchung des Verfassers vom 3. Oktober 1902. In einem Ackerstücke, welches auch als Sandgrube benutzt wird, einige Schritte südlich von den zum Bahnhof gehörigen

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Wohnhäusern in der Ecke zischen der Bahnstrecke, dem Lüdershagener Wege und einem Landwege zur Chaussee; auf leicht abfallendem, nach der Flußniederung geneigtem Gelände gelegen, bietet das Grabfeld ein außerordentlich typisches Bild. Seit mehreren Jahren sind hier Urnen, z.T. in bester Erhaltung, gefunden; über den Inhalt verlautet nur ungewisses.

Die Ausgrabung hat eine Fläche von 23,80 m ostwestlich und 10 m nordsüdlich behandelt; die eine Hälfte davon war ganz leer; auf der andern fanden sich dicht neben einander 34 Gräber, die aber nicht gleichmäßig über den Raum verteilt waren, sondern besonders in der Mitte leere Stellen ließen. Urnenscherben zeigten, daß hier schon Urnen zerstört waren. Mit Ergänzung dieser leeren Stellen ergibt sich eine ziemliche Regelmäßigkeit der Anlage, indem die Gräber in Reihen, die ostwestlich 2 m, nordsüdlich 1 m von einander entfernt waren, standen; mehrmals standen Urnen Wand an Wand zusammen.

Zur Anlage der Gräber: flach, meist 30, höchstens 50 cm tief; einige Male frei im Sande, meist in Steinen verpackt (kleiner Standstein; rundliche, der Urnenwandung sich anschließende Seitensteine; 3-5 überdeckende Steine); sehr oft stand das Grab in einer Asche= und Kohlenschicht. Steinkisten und Steindämme fehlten.

Inhalt der Gräber: meist Urnen, z.T. mit Deckelschale, die mit zerkleinerten Gebeinen und Überbleibseln des Leichenbrandes gefüllt waren, in sechs Fällen Gebeine usw. ohne Urne; in einem Falle lag in der Steinpackung ohne Urne und ohne Gebeine eine eiserne Lanzenspitze (Erinnerungsgrab? Weihegabe?. Metallbeigaben hatte eine einzige.

Die Grabstellen, deren Urnen zur Unkenntlichkeit zerdrückt sind, zählen wir im folgenden nicht besonders auf; es sind sieben. Nur Gebeine enthielten die Gräber 12, 13, 18, 19, 27, 34. Auszuscheiden ist auch 10, eine Brandschicht mit rotgebrannter Diele, auf der wendische Scherben, zerschlagene Tierknochen und Reste des Lehmbewurfs einer Wohnhütte lagen; offenbar handelt es sich also hier um eine wendische Wohngrube, die zufällig inmitten des alten Urnenfeldes angelegt ist und zu seiner teilweisen Zerstörung mit beigetragen hat.

2: schöne, große Urne mit Deckelschale; braun; Wandung rauh, Hals glatt; starke Ausbauchung; scharfer Halsansatz; Hals leicht eingezogen; Form 2. H. 26, Durchm. ob. 10, u. 9, gr. Ufg. (11 v. u.) 87, H. d. Halses 8 cm.

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3: zerdrückte Urne ähnlicher Form wie 2; braun; die ganze Wandung bedeckt mit unregelmäßigen, senkrechten Strichen, die z.T. mit einem mehrzinkigen Instrument eingerissen zu fein scheinen.

4: braunrote Urne; oben beschädigt; derb, dickwandig; rauh. Grundform 1. H. ursprünglich etwa 28, Durchm. u. 15,5, gr. Ufg. (17 v. u.) 87 cm.

5: Tiefer stehend als die anderen, aber stark beschädigt. Urne fast ganz gleich der vorigen. Darin:

Rest eines runden, eisernen Ringes.

6: hellbraune Urne; kräftig und gut gearbeitet. Wandung rauh, Hals glatt. Typisches Stück der Form 2, Tafel I abgebildet. H. 31,5 Durchm. ob. 16, u. 13, gr. Ufg. 17 v.u.) 85, H. d. Halses 10 cm. Die Gebeine größer und stärker wie gewöhnlich.

7: schalenförmige Urne; schwarz; Form 31. H. 17, Durchm. ob. 23, u. 5,5, gr. Ufg. (6,5.v. u.) 92, H. d. Halses 5 cm.

8: zerdrückte Urne; braun, z.T. rotbraun. Form die übliche des hohen Topfes (1), ornamentaler Henkel, bestehend aus einem flachen Bogen; die rauhe Wandung entlang laufen glatte Streifen (das beliebte Motiv).

9: etwas beschädigte Urne; Form 7, Tafel II abgebildet; z.T. graubraun, z.T. rotbraun; rundliche Wandung, scharf absetzender, leicht verjüngter Hals, steil ausladender Rand; Wandung rauh mit sechs glatten Streifen, Hals glatt; ein Henkel unter dem Halsansatz. H. 20, Durchm. ob. 13, u. 7,5, gr. Ufg. (8 v. u.) 63, H. d. Halses 5,5 cm.

11: zerdrückte Urne; z.T. graubraun, z.T. rotbraun; Form 2. An der Wandung flüchtige, senkrechte Striche wie bei 3, aber unterbrochen durch glatte Streifen wie bei 8, 9 usw.

16: in einer Steinsetzung gleich den andern alleinliegend eine eiserne Lanzenspitze; zerbogen und beschädigt; abgebildet oben S. 20, die einzige la Tène=Spitze aus unsern Gräbern; starke, scharfe Mittelrippe; verhältnismäßig schmal. Länge ung. 26, größte Breite 4 cm.

20: Urne; z.T. graubraun, z.T. rotbraun; gut gearbeitet; Wandung rauh, Hals glatt; Form 2. H. 22, Durchm. ob. 12,5, u. 9, gr. Ufg. (12 v. u.) 60, H. d. Halses 4 cm.

21: zwei in einander stehende, zerdrückte Gefäße, von denen das eine ein Beigefäß gewesen sein mag; beide rotbraun und gut gearbeitet; die Urne der übliche hohe Topf; Wandung rauh, unterbrochen durch glatte Streifen.

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23: zerdrückte, häßliche Urne; braun, rundlich.

24: auf einem Steine stehend ohne weitere Steinpackung: rundliche schwarze Urne; der Bodenteil durch eine umlaufende Linie bezeichnet, eine gleiche unter dem Halsansatz; der Hals gerade und kurz; Form 25b. H. 18,5, Durchm. ob. 9,5, u. 9,5, gr. Ufg. (9,5 v. u.) 66, H. d. Halses 3 cm.

25: große, zerdrückte Urne; glatt, hellrot; rundliche Wandung.

26: große, zerdrückte Urne; rotbraun, rundlicher wie die Mehrzahl.

28: schöne, schwarze Schale; ganz wie oben 7. H. 13, Durchm. ob. 27, u. 7,5, gr. Ufg. (6,5 v. u.) 90 cm.

29: zerdrückte Urne; braun, von der üblichen Topfform.

32: zerdrückte Urne; braun, glatt; schalenförmig, ähnlich 7 und 28.

33: zerdrückte Urne; braun, glatt; gewöhnlich.

Zietlitz bei Krakow.
(Katalog=Nummer E 1994. 1995.)

Im Winter 1905/06 ist Herr Erbpächter Marion in Zietlitz beim Pflügen auf seinem Acker auf ein Urnenfeld gestoßen, über welches er folgendes berichtet: "Die Grabstellen liegen unregelmäßig fast über meinen ganzen Acker verteilt, ohne im Gelände sichtbar zu sein. Die Urnen stehen etwa 30 cm tief in schwarzen Brandstellen, welche beim Pflügen sichtbar werden. Die Fundstelle liegt am Krakower See am Wege Dobbin=Serrahn." Die Fundstücke sind freundlichst dem Großh. Museum übergeben. Es sind:

Eine Urne, braunrot; gut gebrannt; Form 6, mit scharf ansetzendem Halse. H. 16, H. d. Halses 3,5, Durchm. ob. 12, u. 8, gr. Ufg. (11,5 v. u.) 72 cm.

Eine Urnenscherbe, schwarz, mit Schrägstrichen verziert.

Die Meldung ist während des Druckes eingegangen; näheres über Bedeutung und zeitliche Stellung des Feldes wird eine demnächstige Ausgrabung ergeben.

Sparow bei Malchow.
(Katalog=Nummer LIIA2bß1 usw.)

Frid. Franc. Text S. 58 ist über Ausgrabungen berichtet, die Zinck 1806 an verschiedenen Stellen bei Sparow vorgenommen hat. Die Funde sind nicht aus einander gehalten.

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Doch hat Lisch schon 1837 a. a. D. zweifellos richtig eine Gruppe der Bronzezeit zugewiesen. Eine andere gehört in unser Gebiet. Es sind dieses die schönen sechs Urnen, abgebildet a. a. D. Tafel VI, 5, 6, 9, 11-13; (zwei andere sind anscheinend bronzezeitlich).

1: rote, beschädigte Urne, von der rundlichen Topfform Form 6; mit zwei in Löcher der Wandung besonders eingesetzten Henkeln, von denen der eine absichtlich ausgebrochen zu sein scheint. H. 21, Durchm. ob. ung. 12, u. 9,5, gr. Ufg. (11 v. u.) 63 cm.

2: einfache, graubraune Urne der Form 13, aber wesentlich kleiner. H. 14,5 Durchm. ob. 16,5, u. 9, gr. Ufg. (9 v. u.) 63 cm.

3: braune Urne der Form 8; hübsch verziert; Hals und Fuß glatt; die Wandung mit senkrechten Strichen ähnlich Hoppenrade 11, die von schmalen, glatten Streifen unterbrochen werden; ein gleicher Streifen läuft in der Mitte um die Wandung herum. H. 23,5, Durchm. ob. 11, u. 9,5 gr. Ufg. (8 v. u.) 55, H. d. Halses 5,5 cm.

4: glänzend schwarze Urne; Form 10, Tasel II abgebildet; sehr, schön; Bodenteil und Hals scharf absetzend, Rundung der Wandung ungleichmäßig; Hals leicht nach außen gebogen, ohne Halsrand; die Wandung entlang laufend fünf senkrechte Streifen von Parallelstrichen, oben und unten durch ein Strichband abgeschlossen, über dem oberen eine Punktreihe, unter dem oberen bis zur Stelle der größten Weite zwischen jedem Streifenpaar drei senkrechte Doppelstriche, bei denen die äußeren Paare von Punktlinien begleitet werden. H. 18,5, Durchm. ob. 11, u. 9, gr. Ufg. (9,5 v. u.) 62 cm.

5: glänzend schwarze Urne, Form 30. Verziert oberhalb des Wandungsumbruchs: zwischen zwei Punktreihen schräge Dreistriche, die mit Punktreihen eingefaßt sind. H. 11,5, Durchm. ob. 15, u. 6,5, gr. Ufg. (6 v. u.) 62 cm.

6: glänzend schwarze Urne, von derselben Form, aber alle Profile weicher. Ähnlich verziert; an Stelle der Punkte kurze Striche. H. 11,5, Durchm. ob. 13,5, u. 5, gr. Ufg. (6 v. u.) 55 cm.

Von den anderen aus Sparow eingelieferten Dingen gehören wahrscheinlich zu diesem Grabfelde noch:

7: eisernes Messer seltener Form: die Schneide gewölbt, der Rücken gerade, nach der Spitze zu etwas nach oben gebogen; der Griff ist leider verloren, erhalten nur der Griffansatz, der

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zeigt, daß der Griff in der Mitte durchbrochen war, also wahrscheinlich aus einem eisernen Rahmen bestand. L. 13, gr. Br. 4 cm.

8: Schlacken von grünlichweißem Glase.

Neu=Stuer bei Malchow.
(Katalog=Nummer E 1342-1348.)

Nach Untersuchung des Verfassers am 19. Juli 1898.

Beim Bahnbau ist in den Neu=Stuerschen Tannen, etwa 200 m vom Kruggehöft des Dorfes Stuer entfernt ein Urnenfeld angetroffen (bei Station 65+30). Von den Arbeitern ist beobachtet, daß die Urnen reihenweise standen, etwa 1 m von einander entfernt; sie standen ziemlich tief (bis 1 m), waren durch kleine Steinpackungen geschützt und wie üblich mit zerkleinerten Gebeinen gefüllt. Erhalten sind die Ergebnisse folgender Gräber:

1: zerdrückte Urne; mittelgroß, derb, aber gut gearbeitet, rundlich, hellbraun. Grundform unbestimmbar; zwei (abgebrochene Henkel. H. 17, Durchm. u. 7.

2: stark beschädigte Urne; groß, graubraun; Form etwa 24; aus der rauhen Wandung glatte Streifen. Durchm. u. 11, gr. Ufg. (9 v. u.) 90 cm. Darin:

bronzener Gürtelhaken, etwas sehr seltenes; einfach, länglich gestreckt, mit Mittelrippe und erhöhten Rändern; zwei kleine Löcher am Ende; L. 11,5 cm; abgebildet oben S. 22;

bronzene Kette, unvollständig und zerbrochen; ungefähr 50 Glieder von 21 cm Länge; bestehend aus kleinen, flachen, fest in einander greifenden Ringen;

Reste einer eisernen Fibel; erkennbar nur die kleine Spiralachse (drei Windungen) mit unterer Sehne;

kleiner, eiserner Ring; 1,5 m Durchm;

breite, eiserne Schnalle, flach, rundlich, mit sehr starker Nadel; L. 5,5 cm;

Spiralwindung aus Bronze; gewundener Draht unbekannten Zweckes (von einer "pommerischen" Fibel?).

3: zerdrückte Urne; groß, schön, schwarz. Näheres nicht bestimmbar. Darin:

eiserner Gürtelhaken mit starker Mittelrippe. Grundform S. 21 1b. L. 7,5 cm;

eiserner Schnallenring mit Zwinge. Durchm. 3,5, lichte Weite 2 cm.

4: zerdrücktes Tongefäß; groß, derb, graubraun, rauhe Wandung. Ohne Gebeine, vielleicht ein Beigefäß (zu dem nahe gelegenen 3?).

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Meine eigene Ausgrabung auf der Höhe der Bahnböschung ergab folgende Gräber:

5-7: unmittelbar neben einander drei Gefäße. In etwa 1 m Tiefe eine 1,5 m im Durchmesser haltende, fast 10 cm starke Brandschicht. In dieser von kleinen Steinen umsetzt eine zerdrückte Urne; Form 24; groß, hellbraun, rauhe Wandung; verziert mit einzelnen senkrechten Strichen; sehr wenig Gebeine. Darin:

eiserne Ringschnalle (zum Gürtel) mit breiter Zwinge; 3,5 cm Durchm.

Daran anliegend und offenbar zusammengehörig:

beschädigte Urne der Grundform 14, aber ohne Henkel; schwarz klein. H. 9, Durchm. ob. 9 (?), u. 4, gr. Ufg. (5 v. u.) ung. 32 cm. Sehr wenig Gebeine. Darin:

eiserner Gürtelhaken, schlank, Grundform S. 21 1b, 10 cm lang; der Haken paßt so zu der in der anliegenden Urne gefundenen Gürtelschnalle, daß er offenbar derselben Garnitur angehört.

Zwischen der Kohlenschicht fand sich ein zerdrücktes Beigefäß; schwarz, von derselben Grundform wie das vorige, verziert mit einem plastischen Rundbogen.

8: Steinpackung, durch Wurzeln gestört. Schöne, leider zertrümmerte Urne; rotbraun, rundlich; Form etwa 24, auf der sonst rauhen Wandung glatte Streifen. Darin:

eiserner Gürtelhaken der Form S. 22, 4, schlank, an der Seite zu einer runden Öse gebogen, 12 cm lang;

eiserner Gürtelschnallenring, rund, mit rhombischem Querschnitt; ähnlich dem von Brahlstorf S. 23, Durchm. 4,5, lichte Weite 3 cm.

Moelln bei Penzlin.
(Katalog=Nummer E 686-721.)

Nach Untersuchung des Verfassers vom 6. bis 8. April 1893. In sandigem, ebenem Boden in einem kleinen Tannengehölze südlich vom Gute, in dem Winkel zwischen der Bahnlinie und dem Wege von Gr.=Helle nach Kl.=Helle östlich von der Bahn. Grabanlage: Dämme aus mittelgroßen Geröllsteinen, jetzt 15 cm unter dem Boden, ursprünglich wohl frei liegend, also wie bei Brünkendorf (vgl. S. 147); darunter die Urnen, z.T. frei im Boden, z.T. in kleinen Steinpackungen, sämtlich mit stark zerbrannten Gebeinen gefüllt, meist bis oben hin; z.T.

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waren die Gebeine sogar noch über die Urne gehäuft. Beigaben hatten nur fünf. Ausgegraben sind zwei Dämme:

Erster Steindamm.

Oval von 10,25 m nordwestlich und 8,70 m nordsüdlich. Darunter standen 28 Urnen ohne erkennbare Ordnung, am dichtesten in der Mitte, aber vereinzelt bis ganz an den Rand; am östlichen Ende eine Gruppe von fünf nahe beieinander, zwei sogar übereinander.

1: (mit 2. 3. 5. 15. 16 eine Gruppe im Westen bis nahe zur Mitte bildend) beschädigt; braun, rauhe Wandung, Hals glatt; Form 8. H. 35, Durchm. o. 12, u. 15, gr. Ufg. (9 v. u.) 80; Höhe des Halses 7 cm.

2: beschädigt; braun, glatt; Form 31. H. 13, Durchm. o. 20, u. 11, gr. Ufg. (5 v u.) 60 cm. Wenige und zarte Knochen.

3: beschädigt; braun, glatt; ungewöhnliche Form (26); starke Ausbauchung, der obere Teil allmählich in den Hals übergehend, der aber durch eine Linie markiert ist, Halsrand leicht nach außen gebogen; ein großer Henkel. H. 22, Durchm. o. 9, u. 9, gr. Ufg. (7 v. u.) 70; Höhe des Halses 5 cm.

4: etwas abseits von der ersten Gruppe nach dem Westrande zu; in Steinen verpackt und in einer Aschenschicht. Zerdrückt; schön, stark, braun; von einer breiten Grundfläche leise gerundet aufsteigend, dann etwas zusammenziehend; steiler, etwas nach außen gebogener Rand; kleiner runder Henkel. Form 29 oder 31. H. 16, Durchm. o. etwa 20, u 9, gr. Ufg. (10 v. u.) etwa 60, Höhe des Halsrandes 3,5 cm.

5: ganz zertrümmert.

6: (mit 9 und 24 zusammen in der Mitte etwas nach Norden) beschädigt; schwarzbraun; schmale Standfläche, Boden leicht vertieft, starke Ausbauchung, Halsansatz, hoher, sich verjüngender Hals, Rand nach außen gebogen, ein kleiner Henkel. Form 18, Tafel III abgebildet. H. 20, Durchm. ob. 5, u. 12, gr. Ufg. (5 v. u.) 75; Höhe des Halses 8 cm.

7: am südlichen Rande allein; zerdrückt; ganz klein, aber mit Gebeinen gefüllt; hellbraunrot; Halsrand etwas nach innen gebogen. Form 2.

8: (mit 10. 11. 14. 17. 18. 20. 23 zusammen in der Mitte etwas nach Süden) unter einem großen Deckstein; zur Unkenntlichkeit zerdrückt.

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9: in einer Brandschicht. Zerdrückt; klein, fein, schwärzlich; vertiefte Standfläche, tiefe rundliche Ausbauchung, Hals scharf absetzend, sich verjüngend, verhältnismäßig hoch. Form 18. H. etwa 13, Durchm. u. 6 cm. Dazu eine kleine, flache Deckelschale von ung. 12 cm Durchm. mit Grübchen.

10: in Steinen verpackt, aber ganz zerdrückt; umfangreich, derb; rotbraun, rauh; alles rundlich, auch der Boden; Rand etwas nach innen gebogen.

11: besonders tief stehend, in Steinen verpackt, aber zerdrückt; kleine, braune Schale mit Grübchen; ähnlich 9. Form 34.

12: (mit 25 zusammen am nördlichen Rande.) Leider zerdrückt; sehr schön, tiefschwarz; breite Grundfläche, kugelige Wandung, scharf absetzender Hals mit stark ausbiegendem Halsrande. Form 18. H. etwa 25, Durchm. o. 12, gr. Ufg. (11 v. u.) etwa 75; Höhe des Halses 8 cm.

13: (mit 26. 27. 28 am östlichen Rande.) Zerdrückt; feine, dünnwandige Schale; glänzend schwarz; Standfläche vertieft, leicht ausbauchende Wandung, Rand etwas ausbiegend. Form 29. Verziert mit herablaufenden Streifen von 2-3 cm Breite, die mit sich kreuzenden Linien, z.T. auch mit schraffierten Dreiecken verziert sind, ähnlich wie bei der entsprechenden Urne von Krenzlin.

14: zerdrückt; klein, zierlich, glänzend schwarz; anscheinend rundliche Schale.

15: zerdrückt; schwarz; flacher Boden, rundliche Wandung, scharfer Halsansatz. Form 18. Verziert an der Wandung mit unregelmäßigen, tiefen, senkrechten Linien, die von schmalen glatten Streifen unterbrochen werden. H. 22, Durchm. o. ungefähr 10, u. 16, gr. Ufg. etwa 75; Höhe des Halses 6 cm.

16: in einer starken Brandschicht. Zerdrückt; dickwandig, derb, hellrot; starker Henkel. Form 14. H. etwa 15 cm.

17: beschädigt. Form 8; zierlich. H. 18, Durchm. o. 11, u. 6, gr. Ufg. (7 v. u.) 50; Höhe des Halses 5 cm.

18: zerbrochen; flache, braune Schale mit Grübchen; Form 34. H. 11, Durchm. o. 27, u. 6; gr. Ufg. (6 v. u.) 100 cm.

19: Allein am Ostrande, nicht weit von der Gruppe 13 u. flgd.; leider am Rande stark beschädigt; schwarzbraun; feine Mischung. Form 20. Der ganze Körper verziert mit senkrechten Strichen, die durch drei glatte Streifen unterbrochen werden, von denen der eine (unter dem Henkel) einen Querbalken hat und dadurch kreuzförmig wird; an den Ecken befinden sich Punkte; offenbar liegt hier eine Nachahmung der kreuzförmigen Metallhenkel vor. Abbildung Formentafel Nr. 2. Die senkrechten

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Streifen sind offenbar mit einem kammartigen Gerät hergestellt; mit demselben sind an zwei Stellen der Wandung horizontale Wellenlinien eingestrichen; darüber sieben Dreipunkte. Kleiner Henkel. H. 16, Durchm. 12 und 3, gr. Umfg. (11 v. u.) An einer Seite in der Wandung eine runde Öffnung (das "Seelenloch").

20: zerdrückt; braun, fein; kleiner Henkel. Grundform und Ausmessungen ähnlich wie oben Nr. 4.

21: (mit 22 zusammen nahe der Mitte nach Osten zu) zertrümmert; braun, grob.

22: zerdrückt; schön, braun; hoher Hals mit besonders gearbeitetem aufrechtem Rande. Näheres nicht erkennbar.

23: zertrümmert; braun, hoch; schlanke Form, hoher Hals.

24: in große Steine verpackt; hellbraun; Form 18. An der Wandung verziert mit Vertikalstrichen, die durch glatte, etwas vertiefte Streifen unterbrochen werden.

25: zerdrückt; sehr schöne flache Schale, tiefschwarz; Grundfläche breit und unten gerundet, scharf absetzender Hals. Form 31. H. etwa 17, Durchm. o. etwa 25 cm. Darin:

eine bronzene Schnalle seltener Form, rundlich, unten flach, oben leicht gewölbt, an den Rändern eine hohle Röhre und drei kleine Zapfen, die wie unabgeputzte Gußzapfen aussehen; aus der Unterseite eine geschlossene und eine offene Öse, in ersterer die Nadel; verbogen. Durchm. etwa 4, lichte Weite etwa 3 cm;

einige Klumpen zusammengerosteter Eisen= und Bronzeteile; erkennbar Teile einer Kette aus ganz kleinen ineinander greifenden Bronzeringen, ähnlich wie in Neu=Stuer 2. Bei dem Eisen sind Nadeln und gebogene Stangen erkennbar; es könnte sich um Fibeln oder Gürtelschnallen handeln, doch ist eine Entscheidung nicht angängig.

26: (Stand neben 27; auf beiden 13, etwas seitlich davon 28) zerdrückt; hellbraun, fein; Boden leicht vertieft. Form 18. Verziert mit acht senkrechten Streifen aus etwa zwölf Strichen. H. 25, Durchm. u. 8, gr. Ufg. ung. 55; Höhe des Halses 7 cm.

Darin: eiserne gekröpfte Nadel; Rollennadel, 7,5 cm lang.

27: zerdrückt; braun, stark; Hals hoch und leicht eingebogen; Grundform wohl der vorigen ähnlich.

28: etwas beschädigt; braun, glatt; schmale Standfläche; birnenförmiger Leib, der allmählich in den leicht eingezogenen Hals übergeht. Form 18. Der Halsansatz bezeichnet durch eine Längslinie, auf der an einer Stelle ein flüchtiges Ornament:

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Punkt in einem flachen Halbkreisbogen. H. 25, Durchm. o. ung. 9, u. 9, gr. Ufg. (10 v. u.) 86; Höhe des Halses ung. 7 cm.

Zweiter Steindamm.

1 m westlich von dem ersten, doch liegen die Längsachsen nicht in einer Linie, sondern die des zweiten weicht etwa 2 m nach Norden ab. Länge (ostwestlich) 7,40, Breite 7,20 m, also fast rund. Darunter standen zehn Urnen, alle nahe der Mitte, etwas nach Nordwesten; fünf (29-33) standen nebeneinander unter einer großen Steinplatte, 32 in der Mitte, eine (34) einzeln nahe dabei, etwas weiter drei (35-37) nebeneinander, eine (38) einzeln.

29: besonders schön; sehr gut gearbeitet; hell rotbraun; Wandung rauh, Hals glatt; Grundform 26, Tafel V abgebildet. Hals scharf ansetzend, darunter ein Band von kleinen, runden Vertiefungen; Halsrand leicht nach außen aufgebogen, unter dem Punktbande zwei kleine Henkel; in dem einen hing ein kleiner eiserner, runder Schnallenring von nur 2,5 Durchm., der andere war absichtlich abgebrochen. H. 27, Durchm. o. 13, u. 11, (13 v. u.) 90, Höhe des Halses 7 cm.

30: beschädigt; schwarzbraun. Form 9, Tafel II abgebildet. Rundliche Wandung; Hals scharf absetzend und etwas verjüngt, an der Wandung verziert mit vierzehn Streifen aus senkrechten Strichen (meist acht), die oben in einem Punkt endigen. H. 22, Durchm. o. 10, u. 9, gr. Ufg. (11 v. u.) 68 cm.

31: zerdrückt; schwarzbraun, dünnwandig; Form der vorigen ähnlich. Darin:

eiserne Nadel mit Biegung unter dem Kopfe, der Kopf fehlt; noch 8 cm lang.

32: beschädigt, groß, derb, schwarzbraun; Wandung rauh, Hals glatt; Form 26. H. 25, Durchm. o. 18, u. 14, gr. Ufg. (11 v. u.) 90; Höhe des Halses 7 cm.

33: zerdrückt; fein und zierlich; schwarz, verziert mit Streifen und Strichverzierungen, ähnlich Mölln 13 und 38.

34: stark beschädigt; groß und einfach, rotbraun; kein Hals. Form 16. H. 28, Durchm. u. 11, gr. Ufg. (14 v. u.) 88 cm.

35: zerdrückt; schwarzbraun, mit Henkel; Form 9. H. 25, Durchm. o. 11, u. 10, gr. Ufg. (10 v. u.) 90; Höhe des Halses 8 cm. Darin:

eine dünne eiserne Nadel mit flach scheibenförmigem aufrechtem Kopfe und Einbiegung am oberen Teile der Nadel, Form S. 25 5b,7 cm lang.

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36: zerdrückt; dunkelbraun, feinwandig; Form 9; vertiefte Standfläche. H. etwa 20, Durchm. o. etwa 8, u. 4,5 cm.

37: zertrümmert; nichts bestimmtes erkennbar.

38: stark beschädigt; sehr schön, schwarz; Form 29 mit einigen Besonderheiten, Tafel VI abgebildet; absetzende Standfläche; leichte, schräge Ansteigung der Wandung; scharfer, hochliegender Umbruch, darüber ein kleiner Henkel; scharf ansetzender nach außen gebogener, großer Halsrand. H. 13, Durchm. ob. 17, u. 8, gr. Ufg. (8 v. u.) 53, Halshöhe 3,5 cm. Zwischen zwei umlaufenden Linien am Wandumbruch und oberhalb der Standfläche acht Streifen, verschieden breit (1,8-3,2 cm), verziert mit sich schneidenden Linien, Zickzackbändern, Strahlen, Schräglinien in fünf verschiedenen Kombinationen (s. Formentafel Nr. 21).

Weitere Funde von diesem Urnenfelde sind in das Museum von Neubrandenburg gelangt, darunter Urnen im Charakter der oben beschriebenen und eine bronzene Flügelnadel des oben S. 24 abgebildeten Typus.

Schwandt bei Penzlin.
(Katalog=Nummer E 1926-1929.)

Bei einer Wegeanlage ist im Herbst 1905 bei Schwandt ein größeres Urnenfeld angeschnitten, welches im wesentlichen noch wohl erhalten zu sein scheint. Eine Untersuchung, welche Verfasser am 17. und 18. Oktober 1905 mit entgegenkommendster Unterstützung des Herrn Kammerherrn Grafen Schlieffen auf Schwandt vornehmen konnte ergab folgendes Bild. Das Grabfeld liegt etwa 600 m von der Kirche entfernt nordwestlich in dem südwestlichen Winkel eines Kreuzweges, gegenüber dem Kirchhofe; der Boden ist leicht, das Gelände sanft zu einer feuchten Wiesenniederung geneigt, also eine bei Grabanlagen recht beliebte Bodengestaltung. Die Gräber hatten die übliche geringe Tiefe von etwa 30 cm; beigesetzt waren zerbrannte Gebeine, stark zerkleinert und vermischt mit den Resten des Leichenbrandes, Kohle und Asche. Die Gebeine lagen frei im Boden oder in einer ganz kleinen Kiste aus flachen Steinen oder in einer Urne; stets überdeckt mit einem größeren oder kleineren Damm aus sorgsamst neben einander gelegten Steinen. Es scheint, daß jeder Damm nur eine Grabstätte geborgen hat, also anders als in dem benachbarten und sonst verwandten Grabfelde von Mölln, wo die Steindämme Massengräber darstellten.

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Mehrerer solcher Gräber sind bei Anlage einer Kiesgrube zerstört. Unsere Ausgrabung ergab noch fünf, über deren gegenseitige Lage die beistehende Skizze Aufschluß gibt.

Ring

I. Großer Steindamm, an den Rändern aus Blöcken bis 40 cm Durchmesser bestehend, sonst aus mittelgroßen Dammsteinen; rundlich, 10,40 lang (nordsüdlich), 8,20 breit (ostwestlich). Ungefähr in der Mitte in einer Steinpackung eine stark beschädigte Urne, braun, rauh, derbwandig; Grundform wohl 1, ursprüngliche Höhe etwa 24, Durchm. u. 11 cm. Darin eiserner Gürtelhaken der Form S. 22 2b, 6 cm lang; eiserne Nadel (zerbrochen) mit senkrechter Kopfscheibe der Form S. 25 5b; der Balken einer Nadel von der Form S. 25 4, 7 cm lang, bestehend aus einer bronzenen, mit Schrägstrichen verzierten Röhre, welche eine eiserne Achse umschließt.

II. Steindamm, nur zur Hälfte erhalten, ursprünglich wohl kreisrund mit 4,50 m Durchm. Der Mitte nahe (etwas nach Osten abweichend) unter den Steinen des Dammes eine Packung aus kleinen Steinplatten, darin die zerbrannten Gebeine und ein eiserner Gürtelhaken wie oben, 6 lang, 2,5 cm breit.

III. Steindamm, kreisrund, 4,40 m Durchm. Anscheinend leer; es ist aber nicht unmöglich, daß die zerbrannten Gebeine wie bei dem nächsten (IV) über die Fläche zerstreut gelegen haben und vergangen oder nicht ausgefunden sind.

IV. Steindamm, kreisrund, 2,50 m Durchmesser. Die Gebeine lagen nicht an einer Stelle, sondern unter dem Damme

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in der Mitte über eine Fläche von etwa 1 m Durchm. verstreut, ohne jeden Schutz.

V. Steindamm, kreisrund, 2,90 m Durchm. Ziemlich genau in der Mitte eine kleine Steinkiste mit einem dichten Haufen zerbrannter Gebeine; dazwischen ein eiserner Gürtelhaken von derselben Form wie die andern, 8,5 lang, 3 cm breit und zwei Reste einer dünnen eisernen Nadel.

Waren.
(Katalog=Nummer E 1165.)

Nach Untersuchung des Verfassers mit der tätigen Beihilfe des Herrn Senator Geist in Waren am 19. Juli 1899. In der Forst (Schlag 29) zwischen Teufelsbruch und Feisnecksee rechts von dem Wege Waren=Müritzhof in ebenem, sandigem Boden.

Am Rande des Weges ist Sand abgefahren, und dabei sind zahlreiche Urnen zerstört; diese standen nach Angaben der Arbeiter ziemlich tief (bis 80 cm) und in Steinen verpackt. Die Ausgrabung ergab in etwa 60 cm Tiefe Brandstellen, z.T. auf Steinpflastern, mit massenweisen Scherben, vereinzelten Tierknochen und Lehmstücken, die offenbar vom Bewurf der Hüttenwände stammten. Es handelt sich hier sichtlich nicht um Gräber, sondern um Wohnstellen. Dagegen fanden sich in dem schon gestörten Boden auch zerbrannte Gebeine, und an einer Stelle eine zertrümmerte und in ihrer Lage gestörte Urne der gewöhnlichen braunen Art mit Gebeinen, zwischen denen ein eiserner Gürtelring lag; rund, klein, mit ungewöhnlich starker Zwinge; Durchm. 2,5, lichte Weite 0,8 cm.

Es ergibt sich also das interessante Verhältnis, daß hier die Bestattung in unmittelbarer Nähe der Wohnstätten stattgefunden hat, eine Beobachtung, die man aber ja nicht verallgemeinern darf. Reste der Besiedelung sind sonst auf den zahlreichen Urnenfeldern nicht gefunden.

Clausdorf bei Stavenhagen.
(Katalog=Nummer E 925-937. 1360-1373.)

Nach Untersuchung des Verfassers mit gütiger Unterstützung des Herrn Domänenrates Vidal, dem wir auch die Überweisung der früher gemachten Funde verdanken, am 16. April 1900.

Die Fundstelle, der sog. Heidkamp, ist bis vor zwei Jahrzehnten mit Eichen bestanden gewesen; es ist ein von allen Seiten

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ansteigendes, rings von Wiesen umgebenes Ackerstück mit sandigem, z.T. kiesigem Boden, welches früher eine vollständige Insel gebildet haben muß; 1 Kilometer nördlich vom Hofe an der Kittendorfer Scheide. Beim Steinebrechen sind wiederholt Urnen mit Inhalt, z.T. in guter Erhaltung, angetroffen. Bewahrt ist folgendes:

Urne 1: einige Scherben, hellbraun und ungewöhnlich dick, aus denen sich über die Form leider nichts ergibt. Darin:

A. von Bronze

vierzehn Reste von zwei unechten Torques; die Torsion ist durch scharfe, dünne Striche nachgeahmt und wechselt mehrmals ihre Richtung. Der Abschluß besteht aus scharfkantigen Haken mit rechtwinklig gebogenen, in einander greifenden Enden, auf diesen Haken eine Augenverzierung. Vgl. oben S. 30. Durchm. nicht bestimmbar; Dicke meist 1 cm;

zwei kleine Spiralplatten von 4 1/2und 3 1/2 Windungen; unvollständig; Bedeutung nicht bestimmbar (von einer Nadel?);

zwei kleine Spiralröllchen von 4 mm Durchm., unvollständig; Bestimmung unsicher;

achtzehn zusammengeschmolzene Reste stärkerer Gegenstände; erkennbar einige Windungen, die auf Torques der eben behandelten Art weisen;

eine größere Anzahl verbogener und zusammengeschmolzener Streifen Blechs von 1 mm Breite, vielleicht von einem Spiralarmring wie dem von Raduhn;

acht kleine, verbogene, rundliche Streifen und Stäbe, vielleicht mit den Spiralscheiben zusammengehörend.

B. von Eisen

Gürtelhaken von ausgezeichneter Erhaltung; sehr breit, hohe Mittelrippe, scharfer Haken, drei Löcher an der einen Seite, L. 12,5, Br. 6 cm. Abgebildet oben S. 21 1a;

zusammengebogenes Messer, in drei Teile zerbrochen; der Rücken ist breit und gerade, die Schneide wird gleichmäßig spitzer, der Griff schneidet gerade ab. L. noch 20,5, Br. am Griffende 3,5 cm;

Pincette, oberer Teil, abschließend in rundem Griff, hängend in einem kleinen, runden Ringe; vgl. oben S. 29;

Rollennadel, nur der obere Teil.

(Ein in der Nähe gefundenes, kleines Tongefäß, beschädigt, auffallend stark und fest gebrannt, trägt den Charakter wendischer Keramik in Form und Arbeit so an sich, daß es hier auszuscheiden ist.)

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Außerdem ist gesammelt, aber nach seiner Herkunft und Zusammengehörigkeit nicht auseinander gehalten:

A. von Bronze

fünf Spiralscheiben und Reste, zerschmolzen, zerbrochen und unvollständig. Erhalten ist nur eine; diese hat 5 1/2 Windungen und besteht aus scharfkantigem Drahte, Durchm. 3,2 cm. Nach der Biegung des Drahtes unter der Scheibe könnte diese von einer Nadel stammen, doch ist eine andere so eng mit Spiralröllchen zusammengeschmolzen, daß man auch an Fibeln denken könnte;

neun kleine Spiralröllchen wie oben;

B. von Eisen

Nadel, gekröpft, mit rhombischem, gerade stehendem Kopfe, hinter dem eine Einbiegung. L. 15,5, Durchm. des Kopfes 2 cm. Abgebildet oben S. 25;

Reste von zwei gleichen Nadeln;

Gürtelhaken, zerbrochen, von derselben Grundform wie oben, aber wesentlich kleiner, L. noch 6 cm;

Gürtelhaken der Grundform S. 22, 4, ganz klein, nur 4 cm lang;

Ring, rund, 4 cm Durchm.

Meine Ausgrabung hat sich auf zwei Flächen erstreckt; von denen die eine (westliche) etwa 850 qm, die andere (östliche) etwa 900 qm umfaßte; zwischen beiden liegt ein 65 m breiter Streifen, auf dem nur Sondierungen vorgenommen find, die nichts ergeben haben. Eine regelmäßige Anlage der Grabstätten ist nicht beobachtet, war aber auch nicht mehr zu erwarten, da das Feld ja seit Jahren beim Steinesuchen gestört ist. Freigelegt sind im ganzen 24 Stellen, zerfallend in drei Gruppen: kleine aus größeren Steinen gebildete Schichtungen, Steindämme von durchschnittlich 3 X 1,25 m Durchm., mauerartig in offenem Bogen gesetzte Blöcke. Der Zweck der letzten ist unklar; Gräber sind es nicht, eher die Verbindungen zwischen zwei oder mehr Gräbern. Erkennbaren Inhalt hatten nur zehn Stellen, davon enthielten acht (oder neun) Urnen, eine zerbrannte Gebeine ohne Urne. Solche mögen z.T. auch in den anderen, anscheinend leeren, gewesen, aber spurlos vergangen sein.

I. Östlicher Teil.

1: Damm; 2 (ns.) X 4,20 (ow.) m; an den Rändern größere Steine. Am südlichen Ende eine zerdrückte Urne; braun, derb, rundlich; näheres nicht erkennbar.

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6 und 7: Mauer; halbrund, offen; an den Enden starke Blöcke;

dazwischen eine Reihe großer Steine.

8: Packung größerer Steine.

9: Damm von 2,5 (ns.) X 1,20 (ow.) m Durchm.

10: Damm, rund, von 2 m Durchm.

11: kleine Steinhäufung; innen leer, aber am Rande zerdrückte Urne, mit flacher Deckelschale, braun, derb, zwei große Henkel. Form 2.

17: Steinsetzung von 40 cm Breite, in flachem, offenem Bogen, dessen Enden 2 m von einander entfernt sind.

18: ganz gleich 17, diesem parallel.

19 und 20: ganz gleich 8.

21: gestörte Steinsetzung, darunter ganz zerdrückte Urne, in der folgende Stücke lagen:

Halsring aus Bronze, verbogen und in acht Stücke zerbrochen, ganz glatt mit spitzen Enden;

Halsring (?) ähnlich dem vorigen; nur zwei Reste erhalten;

Bronzestreifen, neun Stück; verschieden breit, bis 1 cm. Anscheinend Reste eines spiraligen Armrings, gleich denen von Raduhn;

Ring aus Bronze, ganz rund, hing an dem großen Halsringe, was natürlich Zufall sein kann; 2,8 Durchm., 1,8 cm lichte Weite;

Ring aus Eisen; rund, nur ein Rest.

22: Damm, 3,50 (ow.) X 1,50 (ns.). In der Mitte zerdrückte Urne mit Deckelschale, braun, im einzelnen unerkennbar; an den Wandungen Eisenspuren.

23: Packung größerer Steine. In der Mitte zerdrückte Urne, groß, braun, schlank, im einzelnen unerkennbar.

24: gleich 23, aber leer.

II. Westlicher Teil.

2: ganz kleine Steinpackung, darauf Scherben, darunter von kleinen Steinen umgeben eine zerdrückte Urne, klein, hellbraun; erkennbar nur der scharfe Halsansatz.

3: Damm, rund von 1,25 m. In der Mitte eine größere Platte, darunter eine einzige braune Scherbe (!). Das Grab schien vollständig unberührt.

4: Damm von 2 m (ns.) und 1 m (ow.). In der Mitte tief unter einem größeren Steine zerdrückte Urne, braun, einfach, rundlich, in bronzezeitlichem Charakter; an den Wandungen Eisenspuren.

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5: großer Steinhaufe; ganz leer.

12: Damm, rund, 2 m Durchm. In der Mitte zerbrochene, hübsche Urne, braun und schwärzlich; Boden eingezogen, Wandung rund ausbiegend und dann in einen geraden Hals übergehend; ganz kleiner Henkel oberhalb der größten Ausweitung. Bei aller Einfachheit interessante Form, nicht typisch bronzezeitlich und nicht typisch la Tène. H. 16, Durchm. ob. ung. 18, u. 8, gr. Ufg. (6 v. u.) ung. 65 cm.

13: Damm aus großen Steinen; rund 3,50 m Durchm.

14: gleich 13; rund; 1 m Durchm.

15: gleich 13 und 14; 2 m (ow.) X 1,20 m (ns.). Darunter an einer Stelle zusammengepreßt zahlreiche zerbrannte Gebeine.

16: offener Kranz aus Blöcken von etwa 60 cm Höhe, flacher Bogen, dessen Enden 4 m von einander entfernt waren.

Wir halten das Clausdorfer Feld für eines der ältesten, die wir überhaupt haben. Die noch bronzezeitliche Keramik, die breiten Gürtelhaken, besonders auch der Torques, weisen dasselbe in eine recht frühe Periode der Eisenzeit. Recht auffallend ist z.B. die Ähnlichkeit mit dem altertümlichen Felde von Peisterwitz in Schlesien (Seger in Schlesiens Vorzeit II, 24), wo mit einer Keramik, die unserer jungbronzezeitlichen entspricht, Torques und Spiralkopfnadel ähnlich der Clausdorfer, Messer gleich dem von Besitz, eine verbogene Lanzenspitze gleich der Hoppenrader, also lauter unserer la Tène= Zeit eigene Dinge gefunden sind und das durch die junghallstättische Fibelform einigermaßen datiert wird; noch mehr mit dem von Grünz in Vorpommern (Schumann a. a. D. S. 147), wo Gürtelhaken, Torques, Rollennadeln in ganz derselben, Urnen in sehr ähnlicher Form auftreten. Nirgends eine Beziehung zu echten la Tène=Formen, und so dürfte hier die Bezeichnung Vor=la Tène am Platze sein; ob Jung=Hallstatt oder "Übergangsperiode" (Reineckes la Tène A) bleibe noch dahingestellt.

Pampow bei Teterow.
(Katalog=Nummer 2379-2382.)

Beim Bau des neuen Hofes, z.T. in einem natürlichen Sandhügel 1846. Vgl. Jahrb. 13 S. 381.

1: Urne, braun, von seltener Form(16), abgebildet Tafel III; schmale Standfläche; birnenförmige Wandung ohne Halsansatz; Rand leicht nach außen gebogen, unter dem Rande zwei Reihen eingestochener kleiner Schräglinien (an ein imitiertes Schnurornament

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erinnernd). H. 18,5, Durchm. ob. 10, u. 6, gr. Ufg. (7 v. u.) 66,5 cm.

2: Urne, zerbrochen; hellbraun; breite Standfläche; rundliche Wandung, leicht eingebogener Hals; Form 24. H. ung. 18, Durchm. u. 11. Darin:

eiserner Gürtelhaken, stark beschädigt; etwa 20,5 cm lang.

3: Urne, erhalten nur der obere Teil; schwarz; Form 18. H. d. Halses 7,5, Durchm. ob. 8, gr. Ufg. 58 cm.

4: Scherbe einer Urne; Randstück; hellbraun; großer Henkel; verziert unter dem Halsrande mit drei Streifen von je vier unregelmäßigen Längslinien, zwischen denen kleine Streifen von je vier senkrechten Linien.

Thürkow bei Teterow.

Nach gefälliger Mitteilung der Herrn Bürgermeister Dr. von Pentz und Dr. med. Asmus in Teterow ist Ende der neunziger Jahre bei einem Baue ein Urnenfeld in einem Sandhügel bei Thürkow angetroffen. Die gefundenen Gegenstände befinden sich in Privatbesitz. Beobachtet sind folgende Gräber:

1: Urne in geringem Steinschutz, ebenso wie die übrigen Urnen; glänzend braun. Form 18. Darin kleine, nicht bestimmbare Eisensachen.

2: Urne; braun; Form 25b.

3: Urne; schwarz; Form 8, aber mit Henkel.

4: Urne; braun, an der Wandung glänzende, glatte Streifen, Form 21. Darin ein schöner, bronzener Torques, ganz zerbrannt und zerbogen, genau wie das Clausdorfer Stück oben S. 30.

5: Urne; schmutzigbraunschwarz; mit zur Wandung gehenden Strichen; Form 29.

6: Urne; glänzendbraun; Form 31.

7: ganz kleine Steinsetzung mit Standstein, kreisrund; darin zerbrannte Gebeine, ohne Urne, wohl in einer Holzschachtel beigesetzt; zwischen diesen ein prachtvoller, eiserner Gürtelhaken gleich dem von Clausdorf S. 21, mit hohem Mittelgrate und drei Löchern am breiten Ende, in denen noch die eisernen Nieten stecken, 19 cm lang, 7 cm breit; dazu gehörend ein kleiner, runder Eisenring von 2 cm Durchm., an dem noch Reste einer eisernen Kette aus kleinen, runden Gliedern.

8: Steinpackung ganz gleich der vorigen; darin unbestimmbare Eisenstücke.

Sicher eines der ältesten Urnenfelder der Zeit.

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Franzensberg bei Neukalen.
(Katalog=Nummer E 889-892.)

Nach Untersuchung des Verfassers am 2. Oktober 1896. Das Urnenfeld liegt im Franzensberger Revier an dem Wege vom Forsthof nach Salem und Gorschendorf kurz vor der Gabelung desselben an dem südöstlichen Abhange eines Berges, in Schlag 23. Der Boden ist stark hügelig und hier durchaus sandig.

Bei Verbreiterung des Weges wurde gefunden:

Urne; etwas beschädigt, braun, Hals scharf absetzend und etwas sich verjüngend, Halsrand groß und scharf nach außen gebogen; ein Henkel am Halsansatz; Form 17. H. 16, Durchm. ob. 11, u. 8, gr. Ufg. (5 v. u.) 59 cm.

Die Ausgrabung legte zwölf Grabstellen frei: Urnen in Packungen aus kleinen Steinen, von einer starken Asche= und Kohlenschicht umgeben; sie standen ung. 1 m von einander entfernt in ostwestlichen Reihen. Alle waren mit kleinen zerbrannten Gebeinen gefüllt und ohne Metallbeigaben. Die Pflanzenwurzeln hatten alle so zerstört, daß nur Scherben zu retten waren, doch waren die Formen deutlich erkennbar; sie gehörten den Typen 1, 17, 18, 24 an.

Verziert war eine Urne der Form 18 mit senkrechten Strichen, die glatte Streifen liefen und außerdem sich mehrfach kreuzten.

Dargun Nr. I.
(Katalog=Nummer E 1394-1405.)

Nach Untersuchung des Verfassers 9.-11. April 1900.

In der Gartenstraße wurden auf bisherigem Ackerlande auf dem Grundstücke des Dachdeckermeisters Zechel (Büdnerei 176) Baugruben zu Neubauten ausgehoben und dabei ein Urnenfeld angeschnitten. Bewahrt und dem Großherzoglichen Museum übergeben sind folgende Stücke:

Urne 1: beschädigt; flache, braune Schale der Form 31, kleiner Henkel, leicht vertiefte Standfläche. H. 9, Durchm. ob. ung. 12, u. 6,5, gr. Ufg. (3 v. u.) ung. 45 cm..

Aus Urne 2 (nicht beachtet): bronzene Flügelnadel in zwei Stücken; interessantes Stück: kolbenförmiger Kopf mit flachem Ende und drei leicht erhöhten, horizontalen Streifen aus Strichen, unter dem Kolben kleine, leicht erhöhte Scheibe mit flügelartigen Ansätzen, darunter rechteckige, längliche Platte mit zwei Löchern (zum Befestigen an einer Kette), die Nadel biegt sich unterhalb

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des Kolbenkopfes. L. 7, L. des Kopfes mit Scheibe 3,5 cm usw. Der Kopf erinnert an Besitz 31; eine Flügelnadel in Gräbern haben wir sonst nur aus Crivitz s. o. S. 24. (Die S. 122 bei Mölln angeführte ist ein Moorfund.)

Aus Urne 3 (nicht beachtet): eiserne Nadel (nur ein Rest erhalten) mit Ausbiegung und mit bronzenem, kegelförmigem Kopf, der in der Richtung der Ausbiegung horizontal steht; eine bei uns unbekannte Form, abgebildet oben S. 24;

eiserner Gürtelhaken von der Form S. 22,4, klein, zerbrochen. Von fünf weiteren Urnen ist nur beobachtet, daß sie unter Steinen standen, meist mit Standstein und Deckstein, eine in einer Brandschicht.

Die Ausgrabung hat außerdem elf Stellen auf einer Fläche von etwa 60 qm ergeben. Die meisten standen nahe bei einander; mehrere zusammen in einer starken Brandschicht, sodaß eine gemeinschaftliche Bestattung anzunehmen ist. Zerdrückt waren alle, einige so zerstört, daß es nur durch eine absichtliche Zertrümmerung (bei der Leichenzeremonie) erklärt werden kann. Auffallend die Verschiedenheit des Inhalts: einige waren mit starken, wenig zerkleinerten Gebeinen vollgestopft andere enthielten nur ganz wenige kleine Knochenstückchen.

Die Urnen 9 bis 14 standen in derselben Aschenschicht, die einen Kreis von etwa 2 m bildete. Unter ihr war ein Steindamm, auch in der Schicht lagen vereinzelte Steine, die Trümmer von 9 lagen an dem nördlichen Ende ohne Steinschutz, daneben 10 in kleinen Steinen, 11 und 12 weiter nach der Mitte zu, ebenfalls in Steinen; ebenso die am südlichen Ende stehenden 13 und 14; bei 9 waren keine Gebeine erkennbar.

9: braun, glatt, rundlich.

10: desgleichen; Höhe etwa 16, Durchm. u. 9 cm.

11: braun, klein, zierlich; erkennbar, daß von dem schmalen (7 cm) Fuße die Wandung sich rasch ausweitet, die Grundform also zu der Perdöhler Gruppe (Form 15) gehört.

12 (neben 11): braun, glatt, mit scharfem Umbruch.

13: braun, einfach.

14 (neben 13): großer, brauner Topf mit rauher Wandung; zu der Gruppe Form 2 gehörend.

15: alleinstehend; kleine Steinsetzung aus geraden Platten. Darin zerbrannte Gebeine ohne Urne.

16: runde Aschenschicht von 1,50 m Durchm., umstellt mit aufrechten Steinplatten. In der Mitte ohne Steinschutz die Urne; zerdrückt; schwärzlich, rundlich, ziemlich groß.

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17: nahe bei 16; kleine, sorgsame Steinpackung. Darin eine schöne Urne der Form 1, mit Henkel, rotbraun, leicht gerundete Wandung, ziemlich hoch; die Wandung verziert mit starken, senkrechten Strichen, zwischen denen breite, glatte Streifen.

18: nahe bei 16 und 17 auch ebenso verpackt. Braun, glatt, gut gearbeitet; Form etwa 19, aber mit stark ausgebogenem Halsrande.

19: von den anderen getrennt kesselförmige Steinsetzung von 70 cm Durchm. oben und ung. 50 cm Tiefe. Ganz leer.

Dargun Nr. II.
(Katalog=Nummer E 1406-1448.)

Wesentlich ergiebiger erwies sich ein zweites zu gleicher Zeit untersuchtes Urnenfeld, 2 Kilometer nördlich von dem besprochenen, nahe der Lehnenhofer Scheide am Abhange des sog. Lindenberges auf Gemeindeacker in ebenem, sandigem Gelände. Beim Steinebrechen waren zahlreiche Urnen angetroffen. Bewahrt sind:

1: oben beschädigt; rotbraun; rundlicher Topf mit zwei kleinen Henkeln; Form etwa 6. H. noch 16, Durchm. u. 7,5, gr. Ufg. (10 v. u.) 57 cm.

2: nur der untere Teil erhalten; rot, gut gebrannt; breiter als 1, fast schalenförmig; verziert mit Streifen, die mit einem kammartigen Instrument, meist von 17 Zacken, eingerissen sind; die Streifen sind nur kurz (3 bis 6 cm) und unregelmäßig, bald senkrecht, bald wagerecht, einmal gebogen, über die Wandung verteilt. Grundform wohl 21. H. noch 13, Durchm. u. 9, gr. Ufg. (10 v. u.) ung. 65 cm.

Die Ausgrabung hat sich nur auf eine Fläche von 13 m Länge (ostwestlich) und 9 m Breite (nordsüdlich) erstreckt, und hier sind nicht weniger wie 44 Stellen angetroffen, von denen 4 getrennt lagen, die anderen, in der nördlichen Hälfte des Ausgrabungsgebietes, ganz dicht zusammen, so daß die Urnen z.T. Wand an Wand standen, in zwei Fällen über einander. Es schien, als ob ostwestliche Reihen innegehalten seien. Fünf solcher Reihen waren erkennbar; der Abstand war verschieden; durchschnittlich 1 m, doch standen einige Urnen auch innerhalb des Raumes zwischen den Reihen.

Alle Urnen waren in kleine Steine verpackt, oft innerhalb einer Aschen= und Kohlenschicht stehend; Dämme fehlten; alle

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Urnen waren voll zerkleinerter Gebeine, in einem Falle Gebeine ohne Urne.

A. Nordöstliche Gruppe, zu welcher auch 1 und 2 gehören. Unsere Aufzählung gibt sie reihenweise von Norden nach Süden.

3: zerdrückt; schwarz, rundlich.

4: (mit 5-8 in einer Reihe.) Zerdrückt; brauner, z.T. rotbrauner Topf der Form 8. Darin eine zerbrochene, eiserne Fibel: Spiralachse von vier Windungen mit oberer Sehne, dünner, langgestrekter Bügel; offener Fuß. L. 10, H. 1,5 cm.

5: unter einem größeren Steine; zerdrückt; schwarzbraun, dünnwandig; Form 30; verziert mit Punktreihen, unter denen kurze, herabhängende Dreistriche.

6: zerdrückt; rotbraun, gut gearbeitet; Schalenform 31 usw.

7: zerdrückt; anscheinend gleich 6. Darin: der Rest einer anscheinend zerbrochen hineingelegten eisernen Nadel.

8: graubraun; Wandung rauh, sonst glatt. Form 21. Auf dem Boden Kreuz mit Punkten in den Winkeln und an den Balkenenden, also ähnlich wie Dambeck 38 und Klueß. H. 25, Durchm. ob. 16, u. 11, gr. Ufg. (11 v. u.) 76, H. d. Halses 8 cm.

9: (mit 10 und 11 eine zweite Reihe, südlich der vorigen, bildend.) 1 ) Zerdrückt, hellbraunschwarz: fein gearbeitet; Form wohl 15; ein kleiner Henkel; von dem Umbruch je zwei Linien zum Fuße gehend.

10: ganz dicht an 9; graubraun, rundlich; verziert mit gleichmäßigen, die Wandung herabgehenden Strichen, ähnlich Kützin 15.

11: graubraun, die typische Schalenform 31, nur der Halsansatz stärker absetzend, Halsrand stärker ausladend wie gewöhnlich, sodaß der Metallcharakter noch deutlicher zum Ausdruck kommt. H. 16, Durchm. ob. 28, u. 9,5, gr. Ufg. (7,5 v. u.) 85, Höhe des Halses 5 cm.

12: (mit 13 in einer Reihe.) Ohne Steinschutz, hoch stehend; zerdrückt; graubraun, Form nicht erkennbar; ungewöhnlich starker, ausladender, abgestrichener Halsrand.

13: zerdrückt; braun, derb und häßlich; rundlich, mit Henkel.

14: (mit 15 in einer Reihe). Zerdrückt; rotbraun; von einer ganz schmalen, scharf absetzenden Standfläche sich rasch verbreiternd, anscheinend ganz flache Schale. Darin: rundlicher Feuerstein von 4,5 und 2,5 cm.


1) Über die westliche Fortsetzung dieser und der anderen Reihe s. unten bei 23 flgd.
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15: sehr schön verpackt, aber zur Unkenntlichkeit zerdrückt; schwarz; breite Vertikalstreifen abwechselnd mit glatten, wie Ornamententafel 18.

16: allein stehend. Ganz zerdrückt; braun, rundlich.

17: (mit 18 und 19 in einer Reihe.) Zerdrückt, hellbraun; flache Schale, mit leichten Winkelstrichverzierungen unter dem Halsansatze.

18: zerdrückt; schmutzigbraun; großer Topf mit Henkeln und scharf ausladendem Halse.

19: zerdrückt; rotbraun, groß, rundlich; an der Wandung Streifen wie Ornamententafel 19. Darin: vier Reste einer größeren, eisernen Fibel mit längerer Sehne, etwa S. 27, 3.

20: (mit 21 und 22 in einer Reihe.) Braun; flache Schale, Form 29; schmale, leicht absetzende Standfläche, scharfer Halsansatz; der Hals nach außen biegend und glatt abschneidend. H. 11,5, Durchm. ob. 25, u. 7,5 gr. Ufg. (5 v. u.) 74, Höhe des Halses 4 cm.

Darin: eine leider sehr stark verrostete, eiserne Fibel, schlank, mit starker Sehne, flachem, breitem Bügel, umgebogenem Fuße, der von einem Knopfe gehalten wird, 10 cm lang.

21: braun, kräftig, ungewöhnliche Form. Der Gefäßkörper ist rundlich, biegt sich dann zu einer gerade abschneidenden Schulter zusammen, auf der der Hals steil aufsitzt, der Halsrand ist verdickt; Form 25b abgebildet Tafel V. H. 20, Durchm. ob. 13, u. 9, gr. Ufg. (9,5 v. u) 68, Höhe des Halses 5,5 cm.

22: zerdrückt; braun, klein.

B. Nordwestliche Gruppe.

Von der vorigen getrennt durch einen 2 m breiten, nicht untersuchten Streifen, der sicher auch noch Urnen enthält. Auch hier standen die Urnen in Reihen, die in der Richtung sich genau an die der Gruppe A anschließen.

23: (in einer Reihe mit 24, Fortsetzung der Reihe 9-11.) In einer dicken Kohlenschicht; zerdrückt; dunkelrotbraun, dünnwandig; rundlich.

24: zerdrückt, schwarzbraun, sehr gut gebrannt; Form 21. Unter dem Halse eine Punktreihe, von schwachen Linien eingefaßt.

25: (mit 26-29 in der Fortsetzung der Reihe 12, 13.) Zerdrückt; ungewöhnlich; großer Topf einfachster Form mit roter, z.T. ziegelroter Oberfläche und schlecht gebrannt.

26: ganz zerdrückt; ähnlich dem vorigen; derb und einfach.

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28 zerdrückt; derb, rundlich, braun.

29: zerbrochen; braun, schön; schmale Standfläche, starke Ausbauchung, Zusammenziehung zu einem verhältnismäßig schmalen Halse; ausladender Halsrand; Form 20. Der Halsansatz durch eine scharfe Linie bezeichnet, von der je zwei Striche bis zum Boden gehen.

30: (mit 31 und 32 zusammen in der Fortsetzung der Reihe 14 und 15.) Dunkelrotbraun, einfach und unregelmäßig; Form 23. H. 15,5, Durchm. ob. 21, u. 9,5, gr. Ufg. (9,5 v. u.) 80 cm. Darin ein Eisenklumpen, in dem zwei Fibeln ähnlicher Form wie die aus 20 erkennbar sind, vgl. oben S. 28.

31: zerdrückt; derb, rotbraun, rundlich, etwa gleich 1. Darin zerbrochene, eiserne, verkröpfte Nadel mit flachem. schalenförmigem Kopfe.

32: zerdrückt; braun, klein; Form etwa 24. Darin zerrostetes Eisen, erkennbar eine Fibel und ein runder Ring, beide von den bekannten Formen.

33: (mit 34-38 in der Fortsetzung der Reihe 17-19.) Zerbrochen, schwarzbraun, dünnwandig und sehr gut gearbeitet. Ausgezeichneter Vertreter der Form 19; der Rand leicht nach außen gebogen und innen zweimal abgestrichen (facettiert).

34: zerdrückt; schwarz, sehr fein. Form etwa 30 (vgl. auch unten 41), aber mit großem und breitem Henkel. Reich verziert, am oberen Teile der Wandung Punktband, von Linien eingefaßt, von dem herabgehend Streifen aus länglichen Tupfen, eingefaßt von je zwei Linien; auch der Henkel ist verziert (hohe Mittelrippe, eingefaßt mit Punktreihen).

35: zerdrückt; derb, bräunlich; anscheinend ein rundlicher, hoher Topf; an der Wandung Streifen von unregelmäßigen, tiefen Strichen.

36: schwarzbraun; Form 20; die Wandung scharf ausladend und sich dann stark zusammenziehend, aber nur kurzer, steiler Hals. H. 16, Durchm. ob. 9, u. 7,5, gr. Ufg. (6 v. u.) 67,5, Höhe des Halses 2,5 cm. Oben an der Wandung zwei umlaufende Linien, von denen neunmal drei Striche nach unten gehen.

37: sorgsam verpackt; zerdrückt; schwarz; Form etwa 34; sehr breiter und starker Henkel; leicht ausgebogener Rand mit verstärktem Halsrande; am oberen Teile der Wandung Band aus Schrägstreifen von je sieben Linien. Darin zerrostetes Eisen, unter dem die Reste einer Fibel erkennbar sind.

38: ebenfalls sehr gut verpackt, unter der vorigen stehend, aber ebenfalls mit Gebeinen angefüllt. Zerdrückt; sehr derb, rötlich und rauh im Charakter eines Vorratsgefäßes.

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39: (mit 40-42 in der Fortsetzung der Reihe 20-22.) Zerdrückt; schöner, schwarzer, dünnwandiger Henkelkrug mit einem kräftigen, scharfkantigen Henkel von quadratischem Durchschnitt.

40: zerdrückt; schwärzlichbraun, schön; kleiner Henkel. Darin zerrostetes Eisen, erkennbar die Reste eines Ringes und einer Nadel.

41: zerdrückt; fein, schwarz; Form 30, aber mit kleinem Henkel; verziert mit einer Reihe Punkte gleich oben 34 und darunter Band von Schrägstreifen gleich oben 37.

42: zerdrückt; schwärzlich, fein; der vorigen ähnlich.

C. Einzelne Gräber südlich von den beiden Gruppen.

43: zerdrückt; braun; scharfer Bauchrand, scharf absetzender Hals; wohl ähnlich oben 36.

44: zerdrückt; schön, fein, schwarz.

45: zerdrückt; gut gebrannt; rotbraun.

46: starke Kohlenschicht; darin Steinpackung mit zerbrannten Gebeinen ohne Urne.

Auffallend ist auf dem Felde das Fehlen der sonst unvermeidlichen Gürtelhaken.

Die Fibeln weisen das Feld einem der jüngeren Abschnitte in der la Tène=Zeit zu, wobei das Zurücktreten der sonst charakteristischen Typen 14 und 15 sehr zu beachten ist. Die Keramik im östlichen Teile des Landes ist eben eine andere.

Stubbendorf bei Dargun.
(Katalog=Nummer E 1474. 1475.)

In einem Sandhügel 1900 gefunden der untere Teil einer braunen Urne mit gerader, ausladender Wandung und die Reste eines eisernen Gürtelhakens länglicher Form.

Kl.=Methling bei Dargun.
(Katalog=Nummer E 952-988. 1473.)

Nach Untersuchung des Herrn H. Wildhagen, Lehrer in Stubbendorf bei Dargun 1897 und 1898. Nordwestlich von dem Hofe Kl.=Methling erstreckt sich links von dem Wege nach Bobbin auf überwiegend ebenem Acker in sehr ausgedehntes Grabfeld. Das ganze Feld ist durch den Dampfpflug umgearbeitet, und dabei sind zahllose Gräber zerstört, ehe man darauf geachtet hat, und auch von den sodann ausgegrabenen die große Mehrzahl stark beschädigt. Doch fanden sich noch an drei Stellen größere Steinsetzungen, die zwar auch vom Pfluge berührt waren, aber die unter ihnen geborgenen Urnen noch einigermaßen

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geschützt hatten. Die Steine lagen dammartig; die eine hielt 8-9 m im Durchmesser, die anderen waren kleiner, genauer nicht bestimmbar. Die Urnen standen z.T. frei in der Erde, z.T. unter Steinen; einige Male waren die Gebeine auch ohne Urne geborgen. Die erste Steinsetzung faßte 28, die anderen je 34 Urnen. Alle Urnen enthielten stark zerbrannte Gebeine. Außer diesen drei Massengräbern fanden sich noch mehrere kleine Steinsetzungen mit drei bis fünf Urnen und einige alleinstehende Urnen. So sind im ganzen 125 Urnen beobachtet, von denen hier nur die behandelt werden, von denen Reste erhalten sind.

Urne 5: alleinstehend. Oben etwas beschädigt; graubraun; Form 21, aber besonderer Art; gut gearbeitet; rundliche Wandung, ganz kurzer Hals, scharf ausladender Halsrand; unter dem Halsansatz zwei tiefe Furchen, darunter an vier Stellen herabhängende Bogen aus zwei tiefen Furchen, welche die (vier) Henkel umschließen; diese sind besonders gearbeitet und angesetzt, daher jetzt meist abgebrochen; sie sind scharfkantig, von rechtseitigem Durchschnitt und gabeln sich nach unten. H. 18,.5, Durchm. ob. ung. 11, u. 7, gr. Ufg. (9 v. u.) 65, Höhe des Halses ung. 3 cm.

Darin einige Klumpen zusammengerosteter Bronze= und Eisenteile; unter letzteren erkennbar ein schmaler Gürtelhaken der Form S. 22, 4 und zwei Nadeln, die eine ungefähr von der Form S. 25, 5b.

Urne 6: alleinstehend; zerdrückt; groß, schwarzbraun, schlank; an der Wandung einzelne Striche.

Urne 7: schön in Steinen verpackt, aber zur Unkenntlichkeit zerdrückt.

Darin eiserne, gekröpfte Nadel (mit Biegung unter dem Kopfe) zerbrochen; kleine, eiserne Fibel jüngerer Art, mit länglichem Bügel, nur 5,5 cm lang.

Unter einem Steindamme von 1 m Durchm., der mit einem Steinkranze eingefaßt war:

9: unkenntlich; darin eine zerbrochene, eiserne Nadel mit Biegung unter dem (fehlenden) Kopfe.

10: kleine Steinsetzung mit zerbrannten Gebeinen ohne Urne.

11: unkenntlich; darin eine zerbrochene, eiserne, gekröpfte Nadel mit konischem, bronzenem Kopfe, 7,5 cm lang.

Unter einem Steindamme gleich den drei vorigen, an dessen einem Ende ein großer Steinblock lag:

13: zerdrückt; schwärzlichgrau; ungewöhnliche Form, indem der Boden ganz breit ist (14,5 cm), doch ist näheres nicht er=

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kennbar. Auch hier wie bei 5 scharf profilierte Henkel mit gabelnartiger Endigung.

14: kleine Steinsetzung mit zerbrannten Gebeinen ohne Urne.

15: zerdrückt; klein und zierlich.

21: alleinstehend. Form 9, Tafel II abgebildet; graubraun; schön und charakteristisch; rundliche Wandung; Hals erst leicht eingezogen, dann hoch und scharf ausbiegend. Die Wandung verziert mit 15 Streifenpaaren, abwechselnd rauhen, leicht aus der Fläche hervortretenden und glatten. H. 23,5, Durchm. ob. 12, u. 10, gr. Ufg. (10 v. u.) 74, Höhe des Halses 6 cm.

22: alleinstehend. Graubraun, stark; rund, der Hals leicht eingezogen, Halsrand scharf nach außen biegend; Standfläche leicht vertieft: Form 26. H. 26, Durchm. ob. 16,5, u. 11, gr. Ufg. (10 v. u.) 83,5, Höhe des Halsen 5 cm. Interessant, daß in der Wandung ein kreisrundes, offenbar absichtliches Loch von 1,8 cm Durchm. sich findet, wohl ein sog. "Seelenloch".

23: kleine, ausgepflasterte Grube mit zerbrannten Gebeinen.

Unter einem Deckstein:

24: ganz zerdrückt; groß und derb.

25: an 24 anliegend; auch ganz zerdrückt; klein, wohl Beigabe.

26: unter Steinen eine ganz zerdrückte Urne.

Die folgenden 28 Urnen (28-55) standen unter einem größeren Steindamm.

28: zerdrückt; rotbraun, sehr gut gebrannt; Form ung. 20.

29: hellrotbraun; Form 22, Tafel V abgebildet; mit einem dünnen Farbenüberzug. Wichtiges Exemplar. Von einem kleinen, vertieften, aber scharf absetzenden Fuße stark ausgebauchte, rundliche Wandung, die sich nach oben wieder stark einzieht; hoher Hals mit starker Einbiegung und oben ausladend; zwei Henkel oberhalb der größten Weite. H. 22, Durchm. ob. 12, u. 7, gr. Ufg. (9,5 v. u.) 88, Höhe des Halses 6 cm. Verziert mit sehr flüchtig eingerissenen Linien: an der Schulter Band von Schräglinien der bekannten Art wie Dargun II 37; die Wandung hinabgehend an sechs Stellen Streifen mit in einander geschobenen, schraffierten Dreiecken wie Nr. 10 der Tafel, die von Strichen in wechselnder Zahl umrahmt werden; das Dreieckmotiv geht nur bis zur größten Weite, die Striche bis zum Boden. Die Form ist unserer Keramik im ganzen fremd.

31-33: klein, zur Unkenntlichkeit zerdrückt.

34: Form 33, Tafel VI abgebildet; klein, braun, flach, sehr zierlich; kleiner Boden rundlich vertieft; starke Ausbauchung; Hals scharf ansetzend, eingezogen, glatt abschneidend; ein kleiner

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Henkel an der Stelle der größten Weite; auf dem Boden unregelmäßiges Kreuz; unter dem Halsansatz vereinzelt runde Grübchen. H. 10,5, Durchm. ob. 15, u. 5, gr. Ufg. (4 v. u.) 57, Höhe des Halses 4 cm.

Aus 36 (unkenntlich): eiserne Nadel, zerbrochen, mit kleiner Einbiegung und dickem, anscheinend aus einer starken Spiralwindung bestehendem Kopfe, etwa S. 25 5a.

40: Gebeine ohne Urne.

41-43 standen dicht zusammen, 42 an 43 angelehnt, die kleinere 41 über beiden, doch sind sie ganz zerdrückt.

45: Gebeine ohne Urne in Steinpackung. Dazwischen die Reste eines breiten, sehr großen, eisernen Gürtelhakens; ursprüngliche Länge etwa 30, Breite am Ende 8 cm.

47: schwarz, groß, gut gearbeitet; die Wandung verziert mit einzelnen Vertikallinien.

48: zerdrückt; Form wohl 7. H. 17, gr. Ufg. 57 cm; an der Wandung die bekannten Streifen aus Parallellinien.

50: zerdrückt; schwarz, fein. Boden rundlich vertieft (5 cm Durchm.), starke Ausbauchung, hoher Hals (etwa 9 cm) mit ausladendem Halsrande; Form zwischen 20 und 33. Dazu eine halbrunde Deckelschale mit Grübchen am Boden.

53: Hals fehlt; schwarz; Form 25b, aber der Hals stärker eingezogen. H. noch 15,5,, Durchm. ob. jetzt 10, u. 10, gr. Ufg. (10 v. u.) 76 cm.

Auch die nächsten 34 (56-89) standen unter einem großen Steindamm.

58: Form 6, Tafel I abgebildet; graubraun; rundlicher, hoher Topf mit zwei Henkeln, scharf absetzendem, leicht einbiegendem Halse und ausbiegendem Halsrande. H. 23,5, Durchm. ob. 13, u. 8, gr. Ufg. (10,5 v. u.) 69, Höhe des Halses 5 cm.

65: beschädigt; rotbraun, hoher Topf; Wandung rauh, Hals glatt; zwei Henkel am Halsansatze; Form 1. H. noch 26, Durchm. ob. 16, u. 13, gr. Ufg. (15 v. u.) 80 cm. Darin eine eiserne, im einzelnen unkenntliche Nadel.

69: beschädigt; graubraun; glatt; stärkere Rundung; steil aufsteigender Hals; schräg nach außen gebogener Halsrand; Form 25b. H. 21, Durchm. ob. ung. 15, u. 11, gr. Usg. (10 v. u.) 72 cm.

Darin lag über den Gebeinen umgestülpt eine kleine (zerbrochene) rotbraune Schale.

76: beschädigt; rotbraun; Wandung rauh, Hals glatt; Form 2. H. 28, Durchm. ob. 14, u. 13, gr. Ufg. (12 v. u.) 87 cm.

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80: dunkelrotbraune Schale, Form 31. H. 16, Durchm. ob. 16,5, u. 8,5, gr. Ufg. (8,5 v. u.) 73, Höhe des Halses 5 cm.

86: ganz zerdrückt; außerhalb der Urne ein größeres Eisenstück.

90 und 91 standen einzeln, beide zur Unkenntlichkeit zerdrückt.

Weitere 34 Urnen (92-125) standen wieder unter einem Steindamm.

98: an Stelle des Henkels eine kleine, scheibenförmige Erhebung; sonst unkenntlich.

102: unkenntlich. Darin zusammengerostete Eisenteile, dabei die Reste von zwei Nadeln; die eine hat sehr tief eine Einbiegung und als Kopf eine kleine, bronzene Schale, die seitlich nach der konvexen Seite der Biegung gerichtet sitzt.

111: zerdrückt; dunkelbraunrot; sehr groß; unter dem Halsrande eine Reihe eingedrückter Tupfen (Rechtecke mit gerundeten Ecken).

112: zerdrückt; brauner, hoher Topf; die Wandung entlang senkrechte Striche, die mehrmals durch glatte Streifen unterbrochen werden wie Nr. 18 der Tafel.

113: zerdrückt; hellbraun, langhalsig, an Stelle des Henkels eine halbrunde, längliche Leiste mit kleinem Loch, in der Art, wie bei den Gesichtsurnen die Ohren dargestellt zu werden pflegen.

114: stark beschädigt; kleine, graubraune Schale. H. etwa 8, Durchm. u. 5,5 cm.

116: der obere Teil fehlt; rundlich; Form etwa 25b. H. noch 14, Durchm. u. 9,5, gr. Ufg. (11 v. u.) 72 cm.

Aus der unkenntlichen Urne 120 ein einfacher, eiserner Gürtelhaken der Form S. 22, 4; 9 cm lang.

122: zerdrückt; braun; an der Wandung die häufige mit einem kammartige Instrument eingerissene Verzierung.

124: Form 29, Tafel VI abgebildet; schwärzlich; sehr hübsch; schmale Standfläche, absetzend, dann rundliche Ausbiegung und Zusammenziehung; scharfer Absatz des hohen, nach außen gebogenen Halses, scharf abgestrichener Halsrand mit Abschrägung nach innen. H. 11, Durchm. ob. 18, u. 5,5, gr. Ufg. der Wandung (5 v. u.) 52 cm (in der Abbildung kommt die Standfläche nicht recht zur Geltung).

125: später einzeln gefunden. Zerbrochen; hellbraun; rundlicher, hoher Topf; Wandung rauh, verziert mit schmalen, glatten, sich kreuzenden Streife, ähnlich Nr. 20 der Tafel.

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126: auch einzeln stehend. Zerdrückt; schwarz, niedrig und rundlich, ungewöhnlich durch einen facettierten Henkel.

127: weiter entfernt von den anderen eine Anzahl zerdrückter Urnen, über deren Form leider nichts beobachtet ist; darin

eine bronzene Fibel seltener Form; der Bügel aus Bronzeblech, flach gewölbt, nach oben zu sich verbreiternd, verziert mit einer vertieften Mittellinie, die von leicht erhöhten Linien, am Fuße zwei, nach demKopfe zu vier, eingefaßt wird; unter dem Kopfe liegt die Spiralachse (drei Windungen) mit kleiner, unterer Sehne; die Nadelscheide besteht aus einem kleinen, angelöteten Blechstück. Es ist der Charakter der "Nauheimer" Fibel (s. oben S. 28 mit Abbildung).

Für die zeitliche Stellung des Urnenfeldes sind die beiden Fibeln entscheidend. Danach reicht dasselbe trotz des recht altertümlichen Aussehens einiger Urnen bis in einen ganz jungen Abschnitt der la Tène=Periode; auch hier fällt auf wie bei Dargun die durchgehende Verschiedenheit der Keramik von derjenigen, die wir im westlichen Teile des Landes in die jüngste Periode setzen mußten (Kl.=Krams, Perdöhl, Krebsförden I.)

Gr.=Methling bei Dargun.
(Katalog=Nummer 3364-3366.)

Vgl. Jahrb. 24 S. 270. Aus einem sandigen Bergrücken östlich vom Orte standen drei Sandhügel, der große und der kleine "Doktorberg" und ein unbenannter. Der größere hat sich als ein bronzezeitliches Hügelgrab erwiesen, in dem zweiten sind im Jahre 1857 bedeutende Steinmassen und nach dem auf Arbeiter zurückgehenden Berichte zwischen diesen eine Urne (ganz zerfallen) angetroffen; an dieser Urne sollen angesessen haben zwei bronzene Geräte, die man für Handgriffe ansah, die aber in der Form den "pommerischen" Fibeln so gleichen, daß wir sie sicher auch dazu rechnen müssen, wenn auch von einer Nadel keine Spur mehr erhalten und auch keine Andeutung der Befestigung, Nadelscheide usw. vorhanden ist; von Bronzedraht wird berichtet, doch ist dieser verloren. Die seltsamen Stücke sind gegossen, die drei Näpfchen besonders und aufgelötet; die Ränder des Fußes sind leicht erhöht; die Verbindungsstreifen zwischen den Näpfchen mit Strichlinien (Nachahmung der Spiralwindung des Bronzedrahtes) verziert; kleine Löcher sind am Kopfansatz des Bügels und am Fußende; Länge 6,5, Breite am Kopfende 7 cm.

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In dem dritten Berge sind ebenfalls große Steinmassen und dazwischen eine wohlerhaltene Urne gefunden; gut gebrannt; schwärzlichbraun; rundliche Wandung; scharfer Halsansatz; leicht eingezogener Hals; zwei kleine Henkel unter dem Halsansatze; Form 8. H. 19 Durchm. ob. 9, u. 6,5, gr. Ufg. (7,5 v. u.) 49, H. d. Halses 4 cm.

Es ist sehr bedauerlich, daß die Funde nicht von sachkundiger Hand gehoben sind; der Fundbericht muß verdächtig bleiben; denn das Vorkommen von la Tène=Gräbern in Hügeln mit größeren Steinsetzungen ist ohne Analogie. Auch so bleiben die gegossenen "Fibeln" noch merkwürdig genug.

Mit den folgenden Feldern treten wir in das Gebiet des nordöstlichen Küstenstrichs des Landes. Es sind nur einige Felder, die wir hier zu besprechen haben, und genauer untersucht sind wenige. Auf weitergehende Folgerungen über Stammeszugehörigkeit und Stammeszusammengehörigkeit wollen wir uns also noch nicht einlassen.

Gersdorf bei Kröpelin.
(Katalog=Nummer E 816. 817.)

In einer Sandgrube am Hofe sind wiederholt Urnen angetroffen. Aufbewahrt und 1894 von Frau von Plessen auf Friedrichsdorf geschenkt sind folgende Stücke:

Einige Scherben einer braunen, derben, rauhrandigen Urne und der dazu gehörigen Deckelschale; letztere hellbraun und dünnwandig;

"Ösenring" aus Bronze; zerbrochen in fünf Teile; der kleine Ring (jetzt fehlend) schließt sich an den größeren vermittelst eines zurückgebogenen Bandes. Durchm. innen 6, Dicke 0,5 cm. Es ist das oben S. 23 (mit Ergänzung) abgebildete Stück.

Biendorf bei Kröpelin.
(Katalog=Nummer E 1566.)

Nach Untersuchung vom 12. September 1901. Südöstlich vom Dorfe am Fußwege nach Sandhagen, "Sandhufe" des Erbpächters Westendorf, früher Heide, dann zeitweilig beackert, jetzt unbenutztes Feld mit Flugsand, der die Oberfläche vollständig verändert hat. Nach Angaben des alten Westendorf sind um 1860 hier zahlreiche Urnen in geringer Tiefe ohne wesentlichen Steinschutz aufgedeckt, auch später noch gelegentlich bei der Sandentnahme gefunden oder durch Flugsand freigemacht. Meine

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Ausgrabung ergab keine Urnen mehr, sondern nur zahlreiche Scherben, die nach ihrer Verwitterung längst zerstörten Urnen entstammten. Der la Tène=Charakter ist unverkennbar; weiteres nicht. Die Zerstörung des Feldes ist bei der anscheinenden Armut der ganzen Gegend besonders zu bedauern.

Schmadebeck bei Kröpelin.

Nach Untersuchung des Verfassers am 29. Mai 1896. Das untersuchte Feld liegt auf ebenem Boden rechts vom Dorfwege hinter dem Hause des Büdners Seirk; es zieht sich dann aber hinter den Nachbargehöften hin und reicht bis zur Scheide von Gr.=Siemen, muß also eine sehr bedeutende Ausdehnung gehabt haben. Nach den Angaben der Leute fanden sich in regelmäßigen Abständen von etwa 1 1/2 m Steinsetzungen, die oft ungewöhnlich tief in den Boden hineingingen (angeblich bis 1 1/2 m). Ein flacher, runder Deckstein lag über einer von kleineren Steinen gebildeten Höhlung; Fußsteine sind nicht bemerkt; in der Höhlung fand sich Branderde und Knochen; zwischen den Brandresten lagen Stücke von Tongefäßen, die nicht als Reste zerdrückter Urnen, sondern als regellos verstreute Scherben erschienen sind. Mit diesen Brandgruben abwechselnd fanden sich Steinkreise von verschiedenem Umfange, in denen Urnen standen, z.T. auf Steinpflaster, z.T. frei in der Erde. Aufgedeckt ist eine solche Grabstätte; ein Steinring von 2 m Durchmesser, in dem neben einander von kleinen Steinen umgeben fünf Urnen standen, vier zur Unkenntlichkeit zerdrückt; eine wohl erhalten, hübsch, braun; Form 14; 23 cm hoch. Darin ein eiserner Gürtelhaken der Form S. 22, 4; 10,5 cm lang.

Admannshagen bei Doberan.
(Katalog=Nummer 2027.)

Nach Untersuchung von Lisch 1843. Vgl. Jahrb. 10 S. 272. Auf ebenem Boden, auf der Hufe des Erbpächters Harms, mehrere niedrige Hügel von etwa 6 m Durchmesser; allmählich niedergeackert. Darin in Steinen verpackt Urnen, anscheinend je eine. Erhalten ist leider keine. Aber aus einer stammt ein höchst bedeutendes Stück, nämlich eine "wendische Krone"; s. oben S. 31. Das Stück ist verbogen und unvollständig, aber nach verschiedenen Seiten sehr interessant; so besteht es aus Kupfer, nur der Charnierstift ist aus Bronze. Der Guß ist etwas roh; ein Viertel des kronenartigen Ringes ist ausgeschnitten und beweglich, indem es an der einen Seite durch einen Charnierstift

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geschlossen werden kann und an dem anderen mittelst eines kleinen Zapfens in ein Loch greift. Oben endet der Ring in Zacken; der erhaltene Teil hat 14, ursprünglich waren es wohl etwa 20.

Noch in jüngerer Zeit sollen bei Admannshagen Urnen in Hügeln gefunden sein, doch fehlt es leider an genauen Untersuchungen. Daß wir das Feld trotz seiner ungewöhnlichen Grabform (Hügel!) hier einreihen, geschieht nur nach Analogien in Nachbarländern, wo "Kronen" der erwähnten Art durch die Fundverhältnisse als nachbronzezeitlich gesichert sind.

Kassebohm bei Rostock.

Nach Untersuchung von L. Krause in Rostock 1889-1891; vgl. Jahrb. 59 S. 229. Funde im Rostocker Altertumsmuseum. Südwestlich der Schraep'schen Steinschleiferei; Sandhügel auf dem Felde, nahe einer Wiesenniederung. Hier sind in geringer Tiefe zahlreiche Urnen mit Leichenbrandresten bei der Berwirtschafftung zerstört. Unter den Resten sind erkennbar braune Scherben mit Horizontalriefeln in bronzezeitlicher Art, zu welcher Gruppe sehr wahrscheinlich auch eine bronzene Nadel gehört; außerdem aber auch graue und braune Scherben von ausgesprochenem la Tène=Charakter, so das a. a. D. S. 237 beschriebene Bruchstück einer Urne Form 14.

Gehlsdorf bei Rostock.
(Katalog=Nummer E 1931-1969.)

Nach Untersuchung des Verfassers unter Teilnahme des Herrn Lehrer Berg in Gehlsdorf am 27. und 28. September 1905.

Die langgestreckte Bodenwelle, welche zwischen dem jetzigen Laufe der Warnow und einem alten Laufe, der jetzt von Niederungen ausgefüllt ist, sich hinzieht, ist seit frühen vorgeschichtlichen Perioden ungemein stark besiedelt gewesen und hat besonders steinzeitliche und wendische Kulturreste in Masse ergeben. Dazu tritt jetzt auch ein alteisenzeitliches Grabfeld. Dieses liegt "im Sande" auf der Hufe des Büdners Saß, gleich hinter dem Gehöft, etwa 150 m vom Warnowufer entfernt. Es ist leichter, sandiger Boden in Form einer Kuppe, also die übliche Gestaltung. Durchgraben ist eine Fläche von etwa 6 Quadratruten; hier fanden sich auf einer Strecke von 16 m nordsüdlich und 6 m ostwestlich dicht neben einander nicht weniger wie vierzig Grabstellen; alle in sehr geringer Tiefe (höchstens 30 cm) und entsprechender schlechter Erhaltung. Die Urnen standen meist frei im Sande, einige mit Standstein, einige

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wenige in Steinen kunstlos verpackt. Wiederholt ergab sie eine schwarze Brandschicht. Einmal waren die Gebeine auch ohne Urne in einem kleinen Steinbehälter beigesetzt. Alle waren mit zerkleinerten, stark zerbrannten Gebeinen gefüllt, die nicht gereinigt, sondern mit dem Brandschutt des Scheiterhaufens vermengt in die Urne gelegt waren.

Eine ausreichende Beschreibung der Urnenformen läßt sich zur Zeit nicht geben, da keine einzige vollständig erhalten und die Wiederherstellung der wenigen, die genügend Reste ergeben haben, noch nicht vollendet ist. Doch ist das klar, daß weder die hohe Topfform der Grabfelder vom Typ Helm usw. (Form 1 flgd.), noch die Situlenform der Grabfelder vom Typ Krebsförden I (Form 14 flgd.) vertreten war. Es herrschten sichtlich eine rundliche Topfform (5-7) und eine Schalenform mit ausbiegendem Rande (Form 28, nicht aber 32) vor; das Grabfeld schließt sich also, wie zu erwarten, den anderen des östlichen Landesteils (Mölln, Dargun, Brünkendorf) in den Urnenformen an. Das Vorwiegen der Schalenform hat zunächst bei der Aufdeckung zu einer irrigen Bestimmung der zeitlichen Stellung geführt (Form wie Ornamentik erinnerten an gewisse späteisenzeitliche Typen), die hier ausdrücklich berichtigt werden muß, da sie auch öffentlich ausgesprochen ist.

Die Arbeit der Urnen ist sehr verschiedenartig: sehr derbe, dickwandige Gefäße wechseln mit dünnen, gut gebrannten; die Farbe der ersten ist wie gewöhnlich rötlich; die Wandung oft mit künstlicher Rauhung; die Farbe der andern graubraun und schwarz, z.T. glänzend schwarz. An Verzierungen fanden sich folgende: Striche, welche die Wandung hinabgehen (2, 8, 15); verschiedenfarbige Streifen in echtem la Tène=Geschmack (Form 18 der Tafel); einfache wagerechte und senkrechte Strichlinien (4); mehrstrichiges Querstreifenband unter dem Halsansatze (Tafel 12; 7, 11, 17, 20, 27); dasselbe kombiniert mit Punktlinie (Tafel 8; 14); Gitterstriche an der ganzen Wandung (24); sich kreuzende Dreistriche (25); senkrechte Bänder mit verschieden gerichteten Schrägstrichen (Abb. 10; 33). Also eine verhältnismäßig reiche Ornamentierung in den wohl vertrauten alteisenzeitlichen Bahnen.

Die Metallbeigaben waren sehr gering, nur in fünf Urnen, und von schlechter Erhaltung, aber nicht ohne Interesse, denn es waren überwiegend Fibeln.

Aus 2: eiserne Fibel mit längerer Sehnenachse und Rahmenfuß; langgestreckt, auf dem Bügel eine bronzene Kugel; ähnlich der S. 28; Länge 10 cm, Länge der Sehnenachse 3 1/2 cm.

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Daran z.T. angerostet ein eisernes Band, vielleicht der Rest eines Gürtelhakens.

Aus 12: eiserne Fibel mit verlängerter Sehnenachse und Rahmenfuß sehr ähnlich der auf S. 28, aber wesentlich kleiner (5 cm lang).

Aus 25: eiserne Fibel, stark beschädigt, anscheinend gleich der aus Urne 2, aber ohne bronzene Kugel und kleiner (ursprünglich ungefähr 6 1/2 cm lang).

Aus 35: eiserne Fibel, nur ein Rest eines großen Exemplars desselben Typs wie das aus 12; Sehnenachse 6 cm lang.

Aus 36: eiserne Fibel desselben Typs wie aus 12, aber gedrungener und entsprechend höher; 4 cm lang.

Nach den Fibeln gehört das Grabfeld ganz an das Ende der Periode; es ist als eines der wenigen sicher datierbaren von besonderer Bedeutung, auch negativ durch das Fehlen der Situlen.

Alt=Bartelsdorf bei Rostock.
(Katalog=Nummer 3618. 3702. 3703. 3711.. 3772. E 303.)

Vgl. Jahrb. 28, S. 301, 29, S. 178. In der Kiesgrube der Stadt Rostock bei Bartelsdorf sind seit ihrer Anlage im Jahre 1862 eine Fülle von Altsachen zu Tage getreten, die den Platz zu einer der ergiebigsten Fundstätten vorgeschichtlicher Altertümer im Lande machen. Noch bis zur Gegenwart hält der Reichtum der Stelle an, deren Ausbeutung mit gewissenhafter Registrierung der Fundverhältnisse sich in den letzten Jahren besonders Rostocker Altertumsfreunde. in erster Linie Herr Ludwig Krause, haben angelegen sein lassen. Es hat sich danach ergeben, daß die Stelle Gräber und Wohnplätze ganz verschiedener, weit von einander getrennter vorgeschichtlicher Perioden enthält: Urnengräber im la Tène=Charakter, frührömische Urnengräber, spätrömische Skelettgräber, wendische Skelettgräber und wendische Wohngruben liegen, wie es scheint, nur teilweise räumlich getrennt. Bei der ersten Aufdeckung interessierten begreiflicherweise am meisten die wendischen Skelettgräber; war es doch das erste wendische Grabfeld überhaupt, welches als solches erkannt wurde. Und es ist wohl bei dem damaligen Stande der Altertumskunde verständlich, wenn Lisch das Urnenfeld, das an das Skelettgräberfeld sich anschloß und teilweise in dieses hineinreichte, für ein "Urnenlager der jüngsten Periode der heidnischen Eisenzeit" und das Skelettgräberfeld als unmittelbare christliche Fortsetzung desselben ansah. Tatsächlich ist das Urnenfeld durch einen Zeitraum von mindestens einem

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Jahrtausend von dem Skelettgräberfelde getrennt und stammt aus der la Tène=Zeit, zu deren hervorragendsten Vertretern es gehört. Über die Gräber liegt nur die Bemerkung vor, daß "sich sehr zahlreiche Urnen fanden, welche mit dem Boden nur zwei Fuß unter der Erdoberfläche standen und daher alle vom Pfluge erfaßt und zertrümmert waren".

Von den im Schweriner Museum befindlichen Bartelsdorfer Funden müssen als dem Urnenfelde angehörend folgende ausgesondert werden:

Eine Anzahl Scherben schmuckloser, brauner Urnen.

Ein schöner, starker, eiserner Gürtelhaken, der Form S.21 1a stark beschädigt; Mittelrippe, abgefaßte Seiten; Länge noch 9; ursprünglich etwa 12 cm.

Ein eiserner Gürtelhaken derselben Form, etwas schlanker, zerbrochen, hohe Mittelrippe; drei runde, bronzene Nieten am Ende; Länge etrva 20, größte Breite 5 cm.

Ein eiserner Gürtelhaken von ähnlicher Form, stark beschädigt.

Eine Urne, unvollständig; hoher, braunroter Topf; Form 1; Oberfläche rauh. H. noch 29 (ursprünglich etwa 34), gr. Ufg. (22 v. u.) ?, Durchm. u. 12 cm.

Darin: ein eiserner Gürtelhaken der großen Form, nur teilweise erhalten, sehr stark, mit hoher Mittelrippe und aufgebogenen Rändern; die Reste sind 17 cm lang und weisen auf eine ursprüngliche Länge von etwa 23 cm, bei 6 cm Breite. Daran angerostet sind: eine eiserne Platte mit kleinem, eisernem Ring, über deren Bedeutung ich keine Vermutung wage, ein bronzener Schnallenring und die Reste eines spiraligen Fingerrings aus dünnem Bronzebleche;

einige zusammengerostete klumpen von Eisen= und Bronzesachen; erkennbar ein eiserner Gürtelhaken, ein kleiner, bronzener Spiralring und ein flacher, bronzener Nietkopf.

Brünkendorf bei Ribnitz.
(Katalog=Nummer E 722-729.)

Nach Untersuchung des Verfassers am 2. und 3. Oktober 1903. Das Feld liegt 700 m vom Orte nordwestlich, links von dem Wege nach Bartelshagen an dem Kirchsteige von Kloster=Wulfshagen nach Kuhlrade, gehörend zur Erbpachtstelle Nr. V (Besitzer Thiel). Der Boden ist ziemlich reiner, gelber Sand, das Gelände leicht ansteigend zu einer flachen Kuppe. Der Berg wurde früher als Heidberg bezeichnet und ist erst seit Menschengedenken in Ackerkultur genommen. Auch einige niedrige Hügel mit Stein=

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packungen und Urnen sollen sich hier befunden haben. Die Funde verteilen sich über eine Strecke von etwa 300 m ostwestlich und 200 m nordsüdlich. Bei der Urbarmachung sind Urnen massenweise gefunden; darin auch einzelne Bronzestücke, aber alles verworfen. Reste zerstörter Gräber fanden sich bei der Ausgrabung überall. Die Gräber lagen unter regelmäßig angelegten Dämmen aus Sammelsteinen, die fast bis unter die jetzige Oberfläche gingen und z.T. das Ackern unmöglich machten; ursprünglich haben die Dämme sicher frei auf dem Boden gelegen. Unter ihnen stieß man auf Aschenschichten und in kleineren Steinen verpackte Urnen.

I. Ein großer, zum Teil zerstörter Damm. Darunter in kleinen Steinen verpackt eine Urne (1); zerdrückt; braun, schalenförmig; Form 32; Höhe etwa 15, Durchm. ob. etwa 20 cm. Darin ein eiserner Ring, einfach, rund; Durchm.3, innere Weite 2 cm.

II. Genauer untersucht werden konnte ein fast ganz unberührter Steindamm. Dieser war fast rund von beträchtlichen Ausdehnungen (13,40 m nordsüdlich, 12,40 m ostwestlich); der Rand wurde durch besonders hohe Steine (40-50 cm Durchm.) gebildet. Unter dem Damme lagen vier Gräber nahe bei einander in der Mitte.

2: ein Knochenhaufe ohne Urne, in Sandsteinplatten verpackt; darauf ein eisernes Gerät, unvollständig, flach, dünn, 1 cm breit, noch 7 cm lang, wohl der Rest eines Gürtelhakens länglicher Form.

3: eine zierliche, kleine, schwarze Urne (zerdrückt); darin eine eiserne Nadel, zerbrochen und verbogen, im einzelnen unkenntlich.

4: eine ähnliche Urne (zerdrückt); darin eiserner Gürtelhaken der Form S. 22, 4; 0,8 cm größte Breite, 10 cm lang.

5: ganz in der Mitte 1 m tief in größere Steine verpackt eine Urne, schön, schalenförmig von der bekannten Form 32; schön graubraun; H. 17,5, Durchm. ob. 20, gr. Ufg. (8,5 v. u.) 78, Höhe des Halses 8 cm.

Darin ein eiserner Gürtelhaken der länglichen Form; große, in drei Stücke zerbrochene Reste von ein oder zwei Nadeln.

III. Außerhalb dieses Dammes fanden sich ebenfalls unter Steinen, die anscheinend von einem zertrümmerten Damme stammen, drei Grabstätten:

6: eine ohne Urne; Knochen und Asche in einer mit Steinen ausgesetzten und mit größeren Steinplatten überdeckten Grube; darin die Reste eines unkenntlichen eisernen Gegenstandes (Gürtelhaken?); die anderen mit Urnen, die aber ganz zerdrückt waren.

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IV. Unter einem gleichen, ebenfalls schon stark gestörten Damme:

7: eine gleiche Grube mit zahlreichen zerbrannten Gebeinen, Asche und Kohle. Dazwischen ein vollständiger, eiserner Gürtelhaken derselben Form wie die anderen.

V. Andere Dämme waren schon entfernt, und die Urnen dabei zerstört. Zahllose Reste lagen auf dem Acker; die gesammelten Scherben zeigen denselben Charakter gut gebrannter, einfacher, brauner Gefäße. Verzierungen sind selten und beschränken sich auf einfache, die Wandung herablaufende Striche.

Neu=Wendorf bei Tessin Nr. I.
(Katalog=Nummer 3520. 3521.)

Vgl. Jahrb. 27 S. 181. 1860 an der Grenze von Dammerstorf "in einem an der Sülzer Chaussee liegenden Ackerschlage ein ziemlich großer Begräbnisplatz"; die Urnen in Steinpackungen etwa 30 cm unter der Oberfläche. Erhalten ist

eine hübsche, schwarze Urne, stark beschädigt; Form 24. Die Wandung ist durch drei Horizontallinien in zwei Streifen geteilt, auf denen abwechselnd glatte und mit acht bis zwölf Senkrechten verzierte Felder. H. 20,5, Durchm. ob. 13, u. 7, gr. Ufg. (10 v. u.) 62, Höhe des Halses 4 cm. Darin ein eiserner Gürtelhaken länglicher Form, 0,5 cm breit, 9 cm lang.

Neu=Wendorf bei Tessin Nr. II.
(Katalog=Nummer 3596-3604. 3756-3759.)

Vgl Jahrb. 29 S. 186. 1861 und 1863 weit entfernt von dem vorigen an der entgegengesetzten Seite des Gutsgebietes nahe der Reppeliner Scheide. Auch hier zahlreiche Urnen in geringer Tiefe, z.T. frei, z.T. in Steinpackungen oder mit Deck= oder Fußstein. Erhalten sind:

1: Urne, hellbraun, derb; mit kugeligem Bauch und kurzem, steilem Halse; Form 24; verziert durch senkrechte Striche an der Wandung. H. 21, Durchm. ob. 18, u. 10,5, gr. Ufg. (11 v. u.) 88, Höhe des Halses 2 cm.

2: Urne, rotbraun, breit; scharfer Bauchrand, niedriger, gerader Hals mit verstärktem Halsrande; unter dem Halse Streifen von länglichen Tupfen, eingefaßt mit zwei Horizontalen; zwischen Form 10 und 28. H. 19,5, Durchm. ob. 21, u. 10, gr. Ufg. (11,5 v. u.) 83, Höhe des Halses 2,5 cm. Zugehörigkeit nicht sicher.

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3: Urne; derb, hellbraun; stark ausgebaucht, eingezogene Schulter, aufrechter, etwas ausgebogener Hals; zwei Henkel oberhalb der größten Weite; Form 22, aber kurzer Hals. H. 16,5, Durchm. ob. 13, u. 8, gr. Ufg. (10 v. u.) 72 cm.

Urne; sehr hübsch; starke Ausbauchung; Form 28; verziert unter dem Halsansatze mit einem Streifen aus je vier Schrägstrichen. H. 13, Durchm. ob. 16,5, u. 6, gr. Ufg. (7 v. u.) 67, Höhe des Halses 1,5 cm.

Urne; schwarzgrau; Schale mit scharf absetzendem Fuße, Scharfem Bauchrande, scharf absetzendem, hohem, aufrecht nach außen gebogenem Halse; Form 29 (Kl.=Methling 124). H. 15,5, Durchm. ob. 27, u. 9, gr. Ufg. (8 v. u.) 75,5,, Höhe des Halses 5 cm.

Urne; schwarz; stark beschädigt; Form etwa 25; H. etwa 18, Durchm. ob. 7,5 cm.

Urne; braun; stark beschädigt; klein; Form etwa 20, kleine Leiste anstatt des Henkels. H. etwa 9, Durchm. u. 6 cm.

Urne; schwarz; stark beschädigt; gleich der vorletzten; auch in den Maßen ähnlich.

Drei eiserne Fibeln; nur Reste, aber von Interesse. Erkennbar bei einer eine breite Spiralachse mit äußerer Sehne, bei einer andern vier starke Spiralwindungen mit unterer Sehne.

Kleiner, eiserner, runder Ring.

Granzow bei Gnoien.
(Katalog=Nummer E 1598-1599.)

Erworben aus dem Nachlaß des Hauptmanns von Rantzau 1871. Kleine, gut gebrannte, gelbbraune Urne von seltener Form: breite Standfläche, starke, tiefliegende Ausbauchung, von der aus sich das Gefäß zu der schmalen Öffnung mit etwas ausgebogenem Rande zusammenzieht. Die Form erinnert einigermaßen an das Gefäß von Boddin (Tafel IV 17). Verziert mit langen Schräglinien (je drei). H. 9, Durchm. ob. 5,5, u. 7,5, gr. Ufg. (2,5 v. u.) 34 cm.

Darin die Reste eines breiten, eisernen Rings.

Sülze bei Marlow.
(Katalog=Nummer 3805. 3806.)

1862 beim Steinebrechen gefunden:

der Fuß einer schönen, schwarzen Urne der Form 15 und zwei Scherben ähnlicher tiefschwarzer und roter Gefäße.


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Es seien schließlich noch 25 Stellen namhaft gemacht, bei denen durch Urnenscherben das Vorhandensein von Gräbern der hier besprochenen Gattung wahrscheinlich geworden ist, eine ausreichende Untersuchung aber noch nicht stattgesunden hat:

Karlshöhe bei Schwerin, Sternsruh bei Wittenburg, Goldenbow bei Wittenburg, Albertinenhof bei Wittenburg, Gammelin bei Hagenow, Drefahl bei Grabow, Pampin bei Grabow, Platschowbei Grabow, Neustadt, Karrenzin bei Neustadt, Paarsch bei Parchim, Quetzin bei Plau, Bernitt bei Bützow, Schwiesow bei Güstrow, Lübsee bei Krakow, Gorschendorf bei Malchin, Darbein bei Dargun, Lehnenhof bei Dargun, Nantrow bei Neubukow, Doberan, Barnstorf bei Rostock, Kölzow bei Marlow, Fahrenhaupt bei Marlow, Prangendorf bei Tessin, Bobbin bei Gnoien.


Nachtrag.


Brahlstorf bei Boizenburg Nr. II.
(Katalog=Nummer E 2001-2003.)

Nach neuerdings erfolgter Mitteilung der Herren Forstsgeometer Günther in Schwerin und Stationsjäger Breuel in Vellahn befindet sich bei Brahlstorf noch ein zweites Urnenfeld, etwa 1,6 Kilometer von dem oben S. 76 beschriebenen entfernt an der Scheide nach Vellahn, in der Großh. Forst Hünerbusch. Durch Dampfpflugkultur sind hier links vom Wege Düssin=Vellahn, aber auch nahe der Bruchmühle links von der Chaussee, zahlreiche Urnen zerstört. Beobachtet ist, daß diese teils in größeren Gruppen, teils in geringerer Zahl bei einander standen, zum Teil auch einzeln. Steinpackung scheint nicht immer vorhanden gewesen zu sein; von den Knochen fanden sich nur wenige Stücke.

Die freundlichst eingesandten Scherben stammen von zwei Gefäßgruppen: die eine ist schwarz, dünnwandig, etwa Form 11; die zweite derb, rotbraun, mit rauher Wandung oder geglättet und mit Streifen, von den Formen 1, 2, 5, 13. Das Grabfeld würde demnach in die Reihe Helm, Krebsförden II usw. gehören.


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Admannshagen 143
Alt=Bartelsdorf 146
Bellevue 87
Besitz 71
Biendorf 142
Bobzin 67
Boddin 53
Borkow 110
Brahlstorf I. 76
     "      II 151
Brüel 111
Brünkendorf 147
Camin IV 55
     "      V 57
Clausdorf 124
Crivitz 103
Dambeck 97
Dargun I 130
     "      II 132
Franzensberg 130
Friedrichsruhe 104
Gadebusch 38
Gallin 75
Ganzlin 107
Gehlsdorf 144
Gersdorf 142
GlAlsin 94
Granzin 94
Granzow 150
Grevesmühlen 35
Hagenow II 79
     "      IV 80
Helm 62
Holdorf 38
Hoppenrade 111
Kassebohm 144
Klinken 104
Klüeß 101
Körchow 65
Kl.=Krams 92
Krebsförden I 41
     "      II 47
Krenzlin 93
Kritzow 102
Krumbeck 50
Kützin 59
Gr. Labenz 111
Lehsen 57
Gr.=Methling 141
Kl. Methling 136
Mölln 117
Muchow 94
Nesow (Hof) 36
Neuburg 40
Neuhof 54
Pampow 128
Parchim 102
Perdöhl I 58
     " II      59
Plau 107
Pogreß 49
Polz 94
Püttelkow I 50
     " II      51
Raduhn 105
Rankenoorf 35
Renzow 41
Ruthen 106
Schlemmin 106
Schmadebeck 143
Schwaberow 78
Schwandt 122
Schwechow 77
Schwerin 40
Sparow 114
Neu=Stieten 41
Stubbendorf 136
Neu=Stuer 116
Sülze 150
Thürkow 129
Tramm 35
Turloff 110
Twietfort 107
Waren 124
Warlitz I 78
Neu=Wendorf I 149
     "      II 149
Wittenburg 55
Alt=Zachun 91
Zietlitz 114
Zweedorf 70

 

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Wendische Zu= und Familiennamen

aus mecklenburgischen Urkunden und Akten gesammelt und mit Unterstützung des Herrn Prof. Dr. Ernst Mucke zu Freiberg (Sachsen) bearbeitet

von Archivar Dr. Hans Witte.


Mit einer Karte.


Bei meinen Untersuchungen über die Dauer wendischen Volkstums und wendischer Sprache über die Zeit der deutschen Besiedelung Mecklenburgs hinaus 1 ) haben mir die Zu= und Familiennamen wendischer Prägung gute Dienste geleistet. Zwar wäre es auch wohl ohne sie möglich gewesen, eine solche Dauer im allgemeinen wahrscheinlich zu machen, niemals aber, sie für eine ziemlich genau feststellbare Zeit und für eine so überraschend große, über alle Teile unseres Landes zerstreute Menge von Orten nachzuweisen.

Wenn meine Untersuchungen daneben auch dazu geführt haben, besondere slawische Agrarformen in Mecklenburg aufzudecken, deren Erhaltung in neueren Arbeiten bestritten worden war 2 ) oder deren Vorhandensein bisher von niemand geahnt wurde 3 ), so darf man wohl hoffen, daß Forscher von agrar=


1) Man vergleiche hierüber meine Arbeiten: Wendische Bevölkerungsreste im westlichen Mecklenburg (Deutsche Geschichtsblätter Band V, Heft 9, Juni 1904, S. 219-235).
Die Abstammung der Mecklenburger (Deutsche Erde, Jahrgang 4, Heft 1, deutsch=slawisches Heft 1905, S. 1-8). Endlich
Wendische Bevölkerungsreste in Mecklenburg (Band 16, Heft 1 der Forschungen zur deutschen Landes= und Volkskunde). Stuttgart 1905. J. Engelhorn. Zitiert: Bevölkerungsreste.
2) So die der minderwertigen Haken= und Sandhufen von Ahlers im Jahrb. 51 (1886) S. 79. Vgl. meine "Bevölkerungsreste" S. 43.
3) Der auf den urslawischen Lebensformen (Hauskommunion, Zadruga) unmittelbar beruhende hufenlose Zustand, wie er durch die Pauschalzahlung der Landbede so deutlich hervortritt. Vgl. darüber besonders "Bevölkerungsreste" S. 41 ff., 50 ff.
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geschichtlicher Schulung diesen interessanten und wichtigen Dingen eine eingehende Aufmerksamkeit zuwenden werden. Nicht minder verdienen indessen auch die wendischen Zu= und Familiennamen eine besondere systematische Behandlung, wie sie ihnen in meinen früheren Arbeiten, wo sie lediglich als Mittel zum Zweck und lange nicht mit voller Erschöpfung des massenhaft angesammelten Materials benutzt werden durften, nicht zu teil werden konnte.

Was die Abgrenzung des Stoffes betrifft, so beschränke ich mich im wesentlichen auf die bäuerliche Landbevölkerung in enger Anlehnung an meine früheren Arbeiten, von deren leitenden Gesichtspunkten diese aus den Vorarbeiten zu ihnen hervorgegangene Sammlung überall abhängig ist. Die in den Städten auftretenden slawischen Zu= und Familiennamen zeigen im allgemeinen die gleichen Formen wie die des platten Landes. Zumal bei den vielen kleinen Städten, in denen gleich dem Lande der Ackerbau den Hauptnahrungszweig der Bevölkerung darstellte, zeigt sich in der Personenbenennung eine augenfällige Abhängigkeit von der ländlichen Umgebung. Die Aufnahme aller in ihnen vorkommenden schon aus den Dörfern hinlänglich bekannten Namensformen hätte die Sammlung unleidlich anschwellen lassen. Und jedenfalls hätte der Größe dieses Zuwachses der durch ihn herbeigeführte wissenschaftliche Gewinn nicht entsprochen. Da unsere Städte mit ihrem von vornherein entschieden überwiegenden und stets stark hervorgekehrten deutschen Wesen der Erhaltung der ihnen beigemischten wendischen Bevölkerungsbestandteile jedenfalls nicht förderlich waren, glaubte ich mich darauf beschränken zu dürfen, nur solche in ihnen vorkommende wendische Namensformen, die sich auf dem Lande nicht belegt fanden, der Sammlung einzuverleiben. Die Ausbeute dieser Art ist allerdings nur sehr gering gewesen. Aber das muß bei dieser Vernachlässigung der Städte doch hervorgehoben werden, daß es trotz aller Abwehrmaßregeln gegen das Wendentum, die in dem bekannten Aufnahmeverbot der Zünfte gipfelten, in den nächsten auf die deutsche Besiedelung folgenden Jahrhunderten bei uns sicherlich keine Stadt gegeben hat, die sich ganz frei von jeder slawischen Bevölkerungsbeimischung gehalten hätte. Und nicht nur in den allerniedersten Schichten der städtischen Einwohnerschaft, sondern im 15. Jahrhundert z.B. auch unter der Geistlichkeit begegnet man vereinzelten Zunamen slawischer Prägung; ein deutliches Zeichen für die ohnehin sichere Tatsache, daß der Verschmelzungsprozeß beider Volksstämme schon sehr weit vorgeschritten oder so gut wie vollendet war.

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Während das enge städtische Zusammenleben dieser Entwicklung zweifellos Vorschub gewähren mußte, bot die Abgeschiedenheit des platten Landes einem slawischen Bevölkerungsrückstande doch ganz andere Möglichkeiten der Dauer, zumal wenn er - was in Städten niemals vorkam - durch ein örtliches zahlenmäßiges Überwiegen gestützt war. Darüber hinaus wird meine Beschränkung auf die Landbevölkerung noch durch die augenfällige Tatsache begründet, daß nur in ihr von einem bodenständigen Wendentum die Rede sein kann. So interessant es auch sein mag, den Städteverhältnissen und der Entwicklung, d.h. also dem allmählichen Untergang der wendischen Beimischungen in unseren einzelnen Städten nachzuspüren; wer immer auf ein bodenständiges Wendentum sein Augenmerk richtet, schließt schon dadurch diesen Teil unserer historischen Nationalitätsfrage von vornherein aus. Denn das unseren durchweg auf deutscher Gründung beruhenden Städten beigemischte Wendentum konnte in diese ja nur durch Umlagerung, durch Entwurzelung aus der Heimatsscholle und Verpflanzung in einen neugeschaffenen, ausgesprochen deutschen Kulturboden hineingelangt sein. Ihm fehlt daher vollkommen jener Zug eingeborener Kraft und Ursprünglichkeit, der uns auf dem Lande doch noch bisweilen mit überzeugender Gewalt entgegentritt. Rechte Wurzel gefaßt hat es hier niemals, sondern ist, ein von Anfang an kümmerliches Gewächs auf ungünstigem Erdreich, unter stetem Siechtum bald zugrunde gegangen.

Fast noch schneller als in den Städten ist das Wendentum in unserem Adel erloschen. Über dessen Herkunft wie über die unserer Bevölkerung überhaupt haben die Ansichten sehr geschwankt. Lisch war noch der Meinung, daß die eigentlich mecklenburgischen Adelsgeschlechter gleich unserem Fürstenhause aus wendischer Wurzel entsprossen seien. Jetzt dagegen will man nur noch die Gamm und Pritzbuer und allenfalls noch die Halberstadt als Geschlechter wendischer Herkunft gelten lassen. So zeigt sich hier eine deutliche Parallele des Übergangs von der Germanisationstheorie zur Ausrottungstheorie. 1 ) Und jedenfalls wird auch hier die Wahrheit in der Mitte liegen. Denn so stark zweifellos die Zuwanderung deutscher Adeliger gewesen ist, so gibt es doch außer den drei genannten bei uns noch manche Adelsfamilie, die z.B. in der Anwendung der Vornamen beachtenswerte slawische Anklänge zeigt. Ohne diesen Gegenstand irgendwie erschöpfen


1) Vgl. Bevölkerungsreste Kapitel I.
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zu wollen, möchte ich hier nur andeutungsweise erwähnen, daß in der Familie Kabold die slawischen Vornamen Dobislav, oder in verkleinerter Kurzform Dubbeke und Subislav bezw. Subbeke sowie Tesmar vorkommen. Mit dem bei Güstrow (Prisannewitz) begüterten Zweige dieser Familie waren die Pramule verwandt. Der Vorname Subislav (Gubbeke) kam außerdem noch in den Familien v. Hagen, v. Lanton, v. Püschow und v. Ziesendorf vor. Bei den v. Below ist der Vorname Iwan von der ältesten Zeit an sehr häufig, und noch im Jahre 1411 1 ) ist mir ein Iwan van der Belaw, Bürger zu Parchim, begegnet. Dieser slawische Vorname, der auch sonst dann und wann in der Parchimer Gegend bis gegen die Mitte des 15. Jahrhunderts auftritt, kommt außerdem bei den Familien v. d. Burg, v. Dissow, v. Grambow, v. d. Knesebeck, v. Köln, v. Radun, v. Restorf, v. Reventlow u.a.m. vor. Verhältnismäßig spät noch bei den v. Passow: ein "Ywan Parsow wanastich to der Tzene" ist mir noch im Jahre 1424 2 ) begegnet. Bei den besonders im Amte Wredenhagen ansässigen v. Retzow kommen die slawischen Vornamen Gotemarus (auch Chotemer, Gütmer) und Jon (auch Jien, Yien) mehrfach vor 3 ); bei den Preen wie bei den pommerschen Suhm der Vorname Gützlav.

Es liegt mir nun fern, behaupten zu wollen, daß für jede unserer Adelsfamilien, in der sich eine vielleicht nur vereinzelte Anwendung eines slawischen Vornamens feststellen läßt, deswegen slawischer Ursprung angenommen werden müßte. Aber bei dem Übergewicht der deutschen Sprache, dem gerade die slawischen Vornamen mit in erster Linie zum Opfer fielen; bei der offenbaren Mißachtung, die das deutsche Eroberervolk dem Slawentum gegenüber hervorkehrte und die wohl besonders wirkungsvoll zu dem schnellen Aufgehen der slawischen Oberschicht im herrschenden Deutschtum beigetragen hat, ist es gewiß keine häufige Erscheinung gewesen, daß deutsche Väter ihre Söhne mit dem Scheine der Zugehörigkeit zum Slawentum belasteten, indem sie ihnen slawische Vornamen beilegten. So bieten die bei einigen unserer Adelsfamilien auftretenden slawischen Vornamen unter allen Umständen wenn auch - besonders bei nur vereinzeltem Vorkommen - keinen strikten Beweis der Herkunft, so doch einen nicht zu über


1) Archiv zu Schwerin, Parchimsche Kirchenbriefe Fasc. 39, 4 d. Das übrige und weiteres findet sich in den Personenregistern zum M. U. B.
2) ebd. Fasc. 28, XCIV.
3) Zuletzt im M. U. B. 22 Nr. 12 575 i. J. 1393.
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sehenden Hinweis. An ihn wird man bei allen Untersuchungen dieser Art um so mehr anknüpfen müssen, als sonstiges Beweismaterial nur in sehr seltenen besonders günstigen Ausnahmefällen zu beschaffen sein wird und zumal die Familiennamen hier fast völlig versagen, weil sie in der weitaus überwiegenden Mehrzahl übertragene Ortsnamen sind, die, wie ich an anderer Stelle 1 ) ausführlicher dargelegt habe, für die Bestimmung der Nationalität ihrer Träger keinen Anhaltspunkt bieten können.

Einige Familiennamen unseres Adels allerdings knüpfen nicht an Orte an; so die schon erwähnten Kabold, Pramule, Pritzbuer, Preen, Suhm und die bekannten deutschen Formen Hahn, Voß, Behr, Barner u.a.m. Ihnen lassen sich auch einige weitere, ausgesprochen slawische Formen zugesellen. So die besonders im Lande Ribnitz angesessenen Stoislof, bei denen außerdem die slawischen Vornamen Gotan und Fenceke vorkommen; die Dargatz, ein werlisch=stargardisches Mannengeschlecht; die Dargeslav, die als Knappen mit Besitz in Bekentin, Balow, Kratel und Herzfeld auftreten. Auch der Name Moltke ist slawisch, ohne zugleich ein Ortsname zu sein. Die Familie Ribe führt im Schilde einen Fisch 2 ), hat also ein redendes Wappen, aber ein slawisch redendes.

Wenn ich nun in der folgenden Zusammenstellung nach Möglichkeit alle diejenigen Familiennamen ausgeschlossen habe, die lediglich dem Sprachmaterial nach slawisch, in unveränderter Form von Orten auf Personen übertragen sind, so kommt dadurch schon von selber die überwiegende Menge unserer adeligen Namen samt sehr vielen bürgerlichen in Fortfall. Sie können auch sehr wohl entbehrt werden, weil sie, soweit sie mecklenburgische Ortsnamen wiederholen, schon von Kühnel 3 ) erklärt worden sind; sie müssen es, weil sie eben für die Nationalität ihrer Träger nichts beweisen können.

Ich bin aber noch einen Schritt weiter gegangen und habe auch die wenigen adeligen Familiennamen, die nicht zugleich Ortsnamen sind, fortgelassen. Der ganze Adel, der ja doch sehr schnell der Germanisation anheimfiel, fehlt mithin in der Zusammenstellung. Diese beschränkt sich also, abgesehen von einer geringen Zahl städtischer Namen, rein auf die bäuerliche Schicht, die ja für die nationale Gestaltung - in früher Zeit mehr noch


1) Vgl. Deutsche Erde 1905 S. 3, und Bevölkerungsreste S. 31.
2) Zuerst nachweisbar 1334 M. U. B. 5482.
3) Jahrb 46.
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als jetzt - stets ausschlaggebend ist und auch spärlichen Resten eines unterdrückten Volkstums immerhin noch einige Gewähr einer Dauer im Verborgenen bietet. Nur einzelne der genannten adeligen Familiennamen slawischer Prägung finden sich in der alphabetischen Sammlung wieder, aber nicht als solche, sondern als Benennungen von Bauern, die zumeist weitab vom Bereiche der gleichnamigen Adelsfamilien wohnend diesen gegenüber wohl eine selbständige Namengebung aufweisen.

Wenn ich in dieser Art nach Möglichkeit versucht habe, die Familiennamen zusammenzustellen, die man wohl als selbständige Prägungen einer in Teilen unseres Volkes noch lebenden wendischen Sprache auffassen darf, und die mithin wiederum als Beweise des Lebens dieser Sprache an den Orten solcher Prägungen gelten können, so war es doch nicht ganz leicht, hierin eine stets gleichmäßig scharfe Grenzlinie überall innezuhalten. Zwar die von ursprünglichen Ortsnamen in unveränderter Form hergenommenen Familiennamen ließen sich wohl ohne große Mühe ziemlich vollständig aussondern. Wie sollte aber mit den slawischen Familiennamen verfahren werden, die von Bezeichnungen kleinerer Örtlichkeiten, von Flur= oder Lokalnamen hergenommen zu sein schienen? Sie ganz gleichmäßig mit den Ortsnamen zu behandeln d. h. ebenfalls außer Betracht zu lassen, hatte von vornherein seine großen Schwierigseiten, weil sie sich nicht annähernd mit der gleichen Sicherheit feststellen lassen. In vielen Fällen können wir nur vermuten, daß in uns entgegentretenden slawischen Familiennamen ursprüngliche Lokalnamen vorliegen, weil sie als letztere in unserer sehr lückenhaften Überlieferung nirgends auftreten. Die Form allein bietet zur Entscheidung dieser Frage keineswegs immer eine hinreichende Sicherheit. Aber auch wo zweifellos Personenbezeichnungen nach einer Örtlichkeit vorliegen, wird es oft schwer sein, mit Bestimmtheit zu sagen, ob der betreffende Familienname schon vorher als Lokalname bestanden hat und als solcher erstarrt auf eine Person übertragen worden ist, oder aber ob er erst zur Bezeichnung einer Person unter Anwendung eines örtlichen Merkmals neu geprägt wurde. Im ersten Falle würde er an sich für die Nationalität der Namengeber ebenso wenig beweisen wie die unverändert übertragenen slawischen Ortsnamen, im anderen Falle aber genau ebenso viel wie jeder aus beliebigen Appellativen frei gebildete slawische Zuname. Nehmen wir z.B. den Namen Padump, der quellenmäßig nur als Personenname belegt ist, aber der Bedeutung nach (= unter den Eichen) eine Örtlichkeit bezeichnet.

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Dieser Zuname könnte demnach in Moitin, wo er allein auftritt, schon lange vorher als Lokalname bestanden haben; er könnte aber auch erst bei Entstehung der Zunamen zur Bezeichnung einer Person, deren Wohnung vielleicht unter Eichen lag, geprägt worden sein. Bei dem Nachhinken 1 ) unserer slawischen Familiennamen hinter der Entstehung der deutschen und bei zweifellos fortschreitender Schwächung des slawischen Sprachgefühls auf diesem verlorenen, damals doch schon völlig vom Deutschtum überwucherten Posten kann es wenigstens nicht völlig von der Hand gewiesen werden, daß unter einer noch slawisch redenden, aber sicher des Deutschen kundigen Bevölkerung das Wirken des deutschen Beispiels die Entstehung solcher an sich unslawischen Personenbenennungen in der Form von Ortsbezeichnungen ermöglicht hätte. An Germanismen wird es gewiß unserer Wendenmundart kurz vor ihrem Erlöschen nicht gefehlt haben.

Wenn ich aber von einer solchen Möglichkeit absehe, so spricht doch die Erhaltung kleinerer Örtlichkeitsbezeichnungen auf jeden Fall in weit höherem Grade als die der eigentlichen Ortsnamen für die Dauer eines Volkstums. Schon deswegen ist es gerechtfertigt, den ersteren eine bevorzugte Behandlung zu teil werden zu lassen; und dies um so mehr, als die so durch die Personenbenennung erhaltenen Lokalbezeichnungen als solche urkundlich nicht überliefert sind. Es bedeutet für sie also einen Akt der Rettung, wenn ich sie dem nachfolgenden Zunamen=Verzeichnis einverleibt habe. Daß sie in dasselbe tatsächlich - im Gegensatz zu den übertragenen Ortsnamen - auch gehören, zeigt sich außer den vorstehenden Erwägungen noch darin, daß wo immer sie auftreten sie von andersartigen slawischen Zunamenbildungen begleitet zu sein pflegen. Das spricht besonders deutlich für die Berechtigung, sie hinsichtlich ihrer Bedeutung für die Erhaltung des slawischen Volkstums wenigstens ungefähr den letzteren gleich zu bewerten.

Es versteht sich von selber, daß ich auch ursprüngliche Ortsnamen, die nicht unverändert übertragen sind, sondern mit slawischem Personalsuffix ausgestattet (vgl. O.=N. Leussow) und Fam.=N. Leussath) oder durch eine frisch erhaltene slawische Flexionsform den Eindruck des Lebens der Sprache hervorrufen, ebenso in die Sammlung aufgenommen habe.

Weniger Schwierigkeiten als die eben geschilderte Abgrenzung des Stoffs machte eine andere mehr formaler Art. Schon in


1) Vgl. Bevölkerungsreste S.97 ff.
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der Überschrift ist ausgesprochen, daß Zu= und Familiennamen der Gegenstand der Bearbeitung sind. Völlig ausgeschlossen sind dadurch die vielen slawischen Personennamen, die noch während und unmittelbar nach der Zeit der deutschen Besiedelung in unsern Denkmälern erscheinen, Daß damals noch überall in unserm Lande neben den deutschen Einwanderern Slawen lebten, muß ja ohnehin schon jedem bekannt sein, der unsere Geschichte nur oberflächlich kennt. Wer sich für diese slawischen Personennamen der älteren Schicht interessiert, kann sie, soweit sie urkundlich genannt sind, mit leichter Mühe aus den Registern unsers Urkundenbuchs zusammenstellen.

Eine wirkliche Bedeutung für eine längere Dauer des Slawentums in die deutsche Zeit hinein hat dagegen erst die zweite Schicht slawischer Namenprägungen, wie sie - unter und trotz der Herrschaft der deutschen Sprache erwachsen - sich in unsern slawischen Zu= und Familiennamen kundgibt. Bei der Beschränkung auf sie ließ es sich im einzelnen nicht stets mit voller Sicherheit sagen, namentlich in der Zeit der Entstehung der Zunamen, ob schon ein solcher oder noch ein einfacher Personenname der älteren Art vorlag. Aus diesen letzteren haben sich ja vielfach ohne wesentliche äußerliche Veränderung Zu= und Familiennamen entwickelt. Hier habe ich die Grenze nicht mit einer Peinlichkeit innegehalten, die in diesem Falle übertrieben genannt werden müßte, sondern auch manchen an der Schwelle der Bildung der Zunamen stehenden slawischen Personennamen, bei dem diese Entwicklung vielleicht noch nicht vollendet vorlag, aufgenommen, soweit er der bäuerlichen Bevölkerung angehörte. Dies erschien schon dadurch geboten, daß durch solche Namen hinsichtlich der nationalen Dauer des Slawentums dasselbe bewiesen wird wie durch ausgebildete Zunamen.

Was die zeitliche Abgrenzung betrifft, so bin ich auch hier, wie in den "Bevölkerungsresten" im allgemeinen nicht über das Jahr 1600 hinausgegangen, weil danach unsere slawischen Familiennamen doch nur noch als Erinnerungszeichen an ein schon vor längerer oder kürzerer Zeit abgestorbenes Slawentum gelten können und weil bald darauf der dreißigjährige Krieg unsere Bevölkerung in einer Weise durcheinandergerüttelt hat, daß die spätere Verbreitung der Slawennamen keine einigermaßen sicheren Rückschlüsse auf die früheren örtlich=nationalen Verhältnisse mehr zuläßt. Nur in Gegenden, wo besonders dürftige ältere Materialien vorlagen, wie besonders im Fürstentum Ratzeburg, war ich allgemein auf spätere Quellen angewiesen. Sonst habe

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ich solche nur noch in vereinzelten Ausnahmefällen benutzt, soweit es mir zur Vervollständigung meiner Sammlung geboten schien.

Diese zeitliche Beschränkung erschwert auch das nach Möglichkeit zu vermeidende Eindringen außerhalb Mecklenburgs entstandener slawischer Namen in die Sammlung. Seit dem Abschluß der deutschen Besiedelung hat Mecklenburg bis zur Zeit des dreißigjährigen Krieges keine größere Einwanderung aufgenommen. Die innerhalb dieser Zeitbegrenzung bei uns auftretende ältere Schicht slawischer Familiennamen kann daher von vornherein im allgemeinen als in unserem Lande entstanden angesehen werden im Gegensatz zu der neuzeitlichen zweiten Schicht dieser Art, die im wesentlichen durch neuere polnische Wanderungen in unser Land hineingetragen ist.

Durch nachträgliche Auffindung einiger neuer Wendennamen hat sich deren Zahl gegen die in den "Bevölkerungsresten" verarbeitete etwas vermehrt. Die in der genannten Schrift niedergelegten Ergebnisse werden dadurch nicht beeinträchtigt; es sind nur einige wenige Orte mit einzelnen Wendennamen hinzugekommen.

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Schon bei flüchtiger Durchsicht der nachfolgenden Sammlung werden die eigenartigen Suffixe auffallen, durch die unsere slawischen Namensformen ihr besonderes, charakteristisches Gepräge erhalten. Es sind nicht dieselben Suffixe, die schon durch die Anwendung bei unsern slawischen Ortsnamen bekannt sind (z.B. - ow, in, itz), sondern im allgemeinen - wenn auch bei gelegentlichen Berührungen - andere, die eben im wesentlichen der Bildung der Personennamen dienen. Es sind, wenn auch nicht alle, so doch ein Teil der von Miklosich 1 ) zusammengestellten zur Bildung slawischer Personennamen angewandten Suffixe bei uns vertreten, und es verlohnt sich wohl, hier wenigstens die häufiger auftretenden vorzuführen und mit Beispielen aus der nachfolgenden Sammlung zu belegen. Da die nicht bedeutende Zahl unterer wichtigeren Suffixe eine leichte Übersicht gestattet, darf ich in der Anordnung wohl frei verfahren. In Klammern füge ich überall die altslawische Form nach Miklosich nebst der Nummer bei, unter der das betreffende Suffix von diesem Forscher an der unten angegebenen Stelle behandelt worden ist.

Von allen unsern slawischen Personalsuffixen ist das bekannteste, wohl weil es durch Fremdartigkeit und zahlreiches


1) In den Denkschriften der Kaiserl. Akademie der Wissenschaften. Philos.=hist. Classe. Band X. Wien 1860. S. 218 ff.
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Vorkommen am meisten auffällt, jedenfalls - atz (ačь S. 231 f 2), z.B. Babbatz, Benatz, Clavatze, Clibatze, Dargaz, Dubatz, Germatze, Giratz, Glafvatze, Goriatz, Gryvenatze, Karnatz, Kortatz, Krylatze, Loubatz, Tryatze, Vinatze, Werlatze. Öfter erscheint das - atz geschwächt zu - as, z.B. Jalasse, Jalas neben Jalatz, Toras neben Thoratz, Waggasse neben Waggatze, Kigas neben Kyatz oder Keiatze, Jarnas, Lopas, Ragaß.

Während in allen vorstehend mitgeteilten Beispielen der slawische Charakter der Namengebung sich geradezu aufdrängt und ein Zweifel kaum entstehen kann, bietet eine andere sehr häufige, Suffixgruppe, die ebenfalls bei uns schon früher als slawisch erkannt war, um so größere Schwierigkeiten. Ich meine die verkleinernden - ek, - ik auch - ke (-ekъ, - ikъ, - ьko S. 227 k 3, 4 und 8), die sich bei der Mangelhaftigkeit der Überlieferung unserer Namen nicht scharf von einander scheiden lassen. Zwar an dem slawischen Charakter von Formen wie Baldyc, Balyke, Balyschk, Banatkhe, Bardißke, Bardyc, Bliseke, Boiske, Braske, Bratke, Clobbyk, Cobellik, Dalyc, Daluchk, Garwanke, Genatzke, Giraneke, Glaweke, Grifaneke, Jantke, Kletzke, Kroske, Moltke, Pallutzeke, Pantzk, Pestryck, Pribeke, Proske, Streyeke, Slaueke, Teske, Tonatzke, Troyatzeke, Walyschke, Wollytzke, Woppoyseke u. ähnl. wird ernsthafter Zweifel sich nicht behaupten können, weil schon die Fremdartigkeit der ganzen Bildungen und die ihnen zu Grunde liegenden Stämme mit zu großer Bestimmtheit auf das Slawische hinweisen. Aber das mittelniederdeutsche Verkleinerungssuffix lautet ebenfalls - ke. Und da ähnlich aussehende Stämme im Niederdeutschen und Slawischen keineswegs selten vorkommen, so können damit in beiden Sprachen Namen gebildet werden, die kaum oder gar nicht von einander zu unterscheiden sind.

Die so entstehende Zone von Namen zweifelhafter nationaler und sprachlicher Zugehörigkeit, die natürlich nicht auf die eben behandelte Suffixgruppe beschränkt ist, stellt eine der größten Schwierigkeiten dieser Arbeit dar. Um irrige Auffassungcn zu vermeiden, wird es gut sein, bei dieser Gelegenheit ganz allgemein anzuerkennen, daß auf dem überaus schwierigen Gebiete der Namendeutung auch die beste philologische Durchbildung, die ich übrigens für mich keineswegs in Anspruch nehme, keinen unbedingten Schutz vor Irrtümern gewährt. Die Möglichkeit eines Irrtums liegt natürlich um so näher, je größere Schwierigkeiten

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die Zuteilung eines Namens zu einer der in Betracht kommenden Sprachen bereitet. Sich auf die Namen beschränken, die schon ihrem Äußeren nach zweifellos nur slawisch sein können, heißt der eigentlichen Schwierigkeit aus dem Wege gehen. Eine solche Beschränkung ist wohl am Platze, wo es gilt, ein Urteil darüber zu gewinnen, ob in einer Gegend bei der Entstehung der Zunamen überhaupt noch slawische Bevölkerungsteile mitgewirkt haben. Stößt man dabei auf zweifelhafte Formen der angedeuteten Art, ohne gleichzeitig Namen zu finden, die nur slawisch und nichts anderes sein können, so ist man nicht nur berechtigt, sondern sogar verpflichtet, die zweifelhaften Formen vollständig bei Seite zu lassen. Denn nur Formen, die hinsichtlich der slawischen Herkunft keinen Zweifel zulassen, können dem Schluß auf Vorhandensein einer slawischen Bevölkerung eine wirkliche Stütze bieten.

Sind aber solche unzweifelhaft slawische Formen einmal nachgewiesen, wie es in Mecklenburg der Fall ist, dann kann man nicht mehr nach dem Grundsatz verfahren: Alle Namen, die sich deutsch erklären lassen, müssen und dürfen nur deutsch erklärt werden. Dann ist vielmehr bei zweifelhaften Fällen die Möglichkeit einer Herleitung aus dem Slawischen nicht mehr von vornherein von der Hand zu weisen. Dieser Möglichkeit slawischer Herkunft muß jeder, der etwaige slawische Bevölkerungsreste nach Dauer, Verbreitung und Stärke zu erforschen unternimmt, gerecht zu werden suchen, ohne dabei in das Gegenteil des soeben angedeuteten Fehlers zu verfallen und nun alles nur slawisch zu erklären, was irgend so erklärt werden kann. Hier gilt es, eine gangbare Mittelstraße zu finden und sich möglichst nicht von ihr abdrängen zu lassen. Ich habe es zu vermeiden gesucht, in eins der gekennzeichneten Extreme zu verfallen, indem ich die zweifelhaften Formen berücksichtigte, von ihnen der nachfolgenden Sammlung aber nur solche einverleibte, deren Stämme bei uns außerdem noch in Verbindung mit zweifellos slawischen Suffixen auftreten, namentlich wenn auch noch ihre örtliche Verbreitung der Annahme slawischer Herkunft zur Stütze dienen konnte. Auch bei solcher Abgrenzung kann wohl nur von einer immerhin beachtenswerten Wahrscheinlichkeit slawischer Herkunft oder wenigstens einer Beteiligung des Slawentums an den betreffenden Namensformen die Rede sein. Eine unbedingte Sicherheit für jeden einzelnen Fall ist hier überhaupt nicht zu erlangen. Die hier bestehen bleibende Unsicherheit habe ich auch in der Zusammenstellung der Namen durch gelegentlich beigefügte Warnungszeichen zum Ausdruck gebracht. -

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Doch zurück zu den Bildungswörtern der wendischen Zunamen! Dann und wann wandelt sich - ek, - ik in - ink, z.B. Busecke - Busynck, Dubbeke - Dubyngh, Norcke - Norynk, Panick - Panynk, Pinnick - Pynyngk, Pomerenick - Pomerening, Steryck - Styrynck. Allein in der Form auf - inck habe ich belegt gefunden Goltzynk, Knesinck, Sitinck, Tepelinck.

Nahe verwandt mit den soeben behandelten Suffixen ist - ak (- akъ, S. 227 k 2). Es ist hier vertreten mit Bildungen wie Bidack, Blisake, Bosak, Buschack, Crafake, Dyvak, Fowsak, Karvak, Voysack.

Von Liquiden bildet l die Suffixe - al, - el und - ul (-alъ,] - el[ъ,], - ulъ S. 220 f. 1 3, 4, 7): Bulal, Kulal, ferner Bosel, Busscel, Kobell, Krochell, Kusel, Marseel, Muntzel, Possel, Prekel, Roggell, Seggel, Streuel, Teddele, Tengel, endlich Bachgull, Gramule. Von den Bildungen auf - el sehen manche süddeutschen Deminutiven zum Verwechseln ähnlich, z.B. Bechel, Guntzell, Jackel, Katel, Radele. Weil aber eine süddeutsche Bauerneinwanderung in Mecklenburg nicht stattgefunden hat und unsere niederdeutsche Mundart ein Deminutivsuffix - el oder überhaupt ein Personalsuffix - el gar nicht kennt, können Bildungen dieser Art nur aus dem Slawischen erklärt werden. So können gleich aussehende Namensformen in verschiedenen Teilen Deutschlands ganz verschiedene Deutungen, selbst Herleitung aus verschiedenen Sprachen erfordern. Deutungen mit allgemeiner Geltung für das ganze deutsche oder auch nur für das niederdeutsche Sprachgebiet sind hier nicht beabsichtigt; solche sind auch nur in beschränktem Maße - bei über das ganze Gebiet verbreiteten gleichen Formen von gleicher Herkunft - möglich. 1 ) Ich hebe das hier nachdrücklichst hervor, um davor zu warnen, bei etwaiger Auffindung einiger den unten mitgeteilten Formen gleich oder ähnlich sehender Familiennamen in Gegenden des deutschen Sprachgebiets, wo man bisher von einer slawischen Beimischung nichts gewußt hat, sogleich eine solche als damit nachgewiesen anzunehmen. Es würde in solchen Fällen stets zunächst zu untersuchen sein, ob die aufgefundenen Formen nicht auch auf Grund der dortigen deutschen Mundart erwachsen konnten. Denn äußere Gleichheit oder gar nur Ähnlichkeit braucht auch im Gebiete derselben Sprache keineswegs immer auf Gleichheit der Herkunft zu beruhen.


1) Vgl. hierüber "Bevölkerungsreste" S. 87 ff., besonders S. 89 vorletzter Absatz.
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Einzelne der mit Liquiden gebildeten Formen sind verunstaltet durch einen parasitischen t-Laut, wie er in unserer Mundart auch heute noch gern an auslautende Liquiden angehängt wird; so erscheint neben dem regelrechten Techel ein Techeldt, und Stragelt tritt nur in dieser Form auf.

Mit n sind gebildet die Suffixe - an, - en und un (- aъ, - enъ, unъ, S. 222 f. n 2, 3, 7), z.B. Ballan, Dustan, Guthan, Holdan, Kulan, Lipan, Loban, Lowdan, Luban, Malan, Milan, Molhan, Pollan, Priman, Sitan, Slipan, Soupan, Strejan, Streuhan, Teran, Tessan, Toran, Torban, Tzuchan, Vedan, Ventzan, Voysan, Volckan, Zethan, ferner Ballene, Bliesen, Ciren, Draffene, Pallen, Pamerene, Passtene, Pollen, Tzygen, endlich Labbuen. Der parasitische t-Laut zeigt sich auch hier bei Haban - Haband, Techan - Techandt; bei Crysant und Reybannt habe ich nur die verderbte Form belegt gefunden.

Von Dentalsuffixen treten bei uns auf - at (e) (- atъ S. 224 t 3), z.B. Borat, Bowchate, Clivate, Leussath; ferner - ute (- utъ S. 225 t 6), z.B. Loytzute, Lossute, Vylute; endlich - it (ob entstanden aus - jutъ t 7), z.B. Bannit, Pythyt, Pusterit, Striberith (?).

Sonst sind außer ganz vereinzelt vorkommenden Suffixen noch bemerkenswert - us (-ušь S. 232 š; 5), z.B. Lobus, Radus, Ragnus, Tribus; daneben tritt auch Radust auf (Suffix - stъ S. 224 t 2). Ferner eine Endung - up (ob vom asl. Suffix - ba? S. 226 b) in Formen wie Bullup, Kaurup, Mannup.

Doppelsuffixe sind im Vorstehenden schon dann und wann aufgetreten besonders in der Form - anek. Ich erwähne außerdem noch - elke in Feyleke oder Woylleke, Stouwelke, Szibelike und das umgekehrte - ek + -el, z.B. in Jenckel.

Unter den durch Zusammensetzung gebildeten Namen heben sich besonders ab die Formen auf - mer oder - mar; ein Bildungswort, das ja auch im Deutschen verwandt wird und in beiden Sprachen vielfach ähnliche Erscheinungen hervorgerufen hat. Aber bei Formen wie z.B. Darghemer, Feymer, Gostemer, Gusmer, Jermer, Koßemer, Lewmer, Prozmer, Tesmar, Techmer u. ähnl. kann nur von slawischer Herkunft die Rede sein. Mit - - mil sind gebildet Bagemil, Pentmyl, Susemile; mit - slav Dareszlaw, Dergschlaw, Gerslav, Guslof, Pixleff, Stoißloff, Tesloff.

Ich habe mit vorstehend zusammengestellten Formen keine Vollständigkeit erstrebt. Das angesammelte Namenmaterial in

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philologischer Hinsicht auszubeuten, ist nicht meine Sache. Hier wollte ich nur einige nach ihrer verwandten Bildungsart zusammengehörige Namenklassen vorführen und mit einigen Beispielen belegen, um zu zeigen, in wie augenfälliger Weise die Gesetze slawischer Formengebung für einen immerhin beachtenswerten Teil unserer erst gegen Ende des Mittelalters entstandenen Familienbenennung maßgebend gewesen sind. Aus der nachfolgenden Liste wird sich leicht weiteres beibringen lassen. Nur auf eins möchte ich bei dieser Gelegenheit noch hindeuten, daß nämlich der Übergang von g in h, wie er in mehreren slawischen Sprachen (der Obersorbischen, Tzechischen und Kleinrussischen) vorliegt, bisher aber weder im Obotritisch=polabischen noch im Liutizischen beobachtet worden ist, bei uns doch auch in einzelnen Fällen angedeutet zu sein scheint. In den Namen Harbulle, Holdan und Husse scheint er zur Durchführung gekommen zu sein. Und es ist auffallend, daß diese drei Formen auf ein ziemlich enges Gebiet um den Tollense=See herum, das alte Grenzgebiet der liutizischen Tolensaner und Redarier, beschränkt sind. Es könnte hierin also ein Anzeichen für eine mundartliche Sonderentwicklung oder den Keim zu einer solchen vorliegen, der aber durch den baldigen Untergang der wendischen Sprache nicht mehr zu voller Ausbildung kommen konnte, Sonst steht noch in Halatze, vielleicht auch in Homatze ein h für g.

Im allgemeinen wird man indessen gut tun, mit Schlußfolgerungen auf Grund der Schreibung unserer Wendennamen möglichst vorsichtig zu sein. Man wird sich stets gegenwärtig halten müssen, daß sie durch Deutsche, und jedenfalls zumeist des Slawischen unkundige Deutsche, auf uns gekommen sind. Daher die oft sehr schwankende Schreibung, wie sie sich bei vielen Formen in der nachfolgenden Zusammenstellung zeigt und die deutlich erkennen läßt, daß die Aufzeichner diese Namen sehr häufig nicht richtig gehört und noch viel weniger ihre Bedeutung verstanden haben. So erscheint die bei uns geredete Wendensprache, wenn man sie nach den an Varianten überreichen Formen der uns überlieferten Familiennamen beurteilen wollte, schon in einem Zustand arger Zerrüttung und weit vorgeschrittener Auflösung. Und auch wenn man berücksichtigt, daß dies ein durch die Art der Überlieferung hervorgerufener oder doch wenigstens bedeutend gesteigerter Schein sein könnte, so bleibt anderseits doch gewiß auch zu erwägen, daß alle diese Namensformen von einem Posten des Slawentums stammen, der schon zur Zeit ihres Entstehens unrettbar verloren war; der schon damals in allen

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seinen Teilen von Deutschen durchsetzt und längst unter deren staatliche und sprachliche Herrschaft gebeugt die als ein letztes Lebenszeichen geprägten nationalen Namensformen in rasch steigendem Maße auf Geschlechter vererbte, denen die Kenntnis dieser zum letzten Male schöpferisch aufgetretenen Sprache mehr und mehr schwand.

Die fortschreitende Zersetzung der wendischen Familiennamen, die also wohl nur zum Teil 1 ) auf Rechnung der deutschen Überlieferung zu setzen ist, zeigt sich außer der allgemein sehr schwankenden Schreibung auch in einzelnen ganz bestimmten lautlichen Erscheinungen. Von ihnen ist das parasitische t schon erwähnt. Der sonst bei uns unerhörte Wechsel von Tenuis und Media spielt bei den wendischen Namen eine merkliche Rolle: Um nur wenige Beispiele zu nennen. so erscheint Balatze neben Palatze, Bandeke neben Pandeke, Boddey neben Podey, Boddein neben Podeyne, Bußarent neben Putzarnt. Im letzten Falle wirkt also daneben auch das parasitische t umgestaltend und unkenntlich machend. Sehr stark hat auch das häufige Einschieben eines h zwischen Stamm und Suffix die wendischen Namen der deutschen Formgebung angenähert:: So wurde z.B. aus Vilak ein Vielhaack, aus Vilute ein Vilhoth, Wilhauth usw. bis zum Wildehoeth - hudt, aus Dobrota auf ähnlichem Wege ein Dofferhut, aus Milan ein Milhahn. Auch sonst nehmen ausgesprochen slawische Formen vor unsern Augen ein deutschähnliches Äußere an. In Mustin Amts Sternberg erwähnen die Landbederegister von 1567 noch die beiden slawischen Familiennamen Kobabe und Germatz. Zwei Jahre später (1569) erscheinen sie schon als Kobow und Germans. Ähnlich wird Maske vielfach zu Mass, Mittas zu Middach, Pusterit zu Püsterich, Slaveke zu Schlageke und weiter Schlacke. Der v-Laut verwandelt sich überhaupt gern in einen g-Laut; so z.B. auch in Rawodt über Ragheuoet zu Rachoet.


1) Die nachstehend aufgeführten Einzelfälle beruhen allerdings durchweg auf deutscher Einwirkung und sind teilweise hervorgerufen durch falsches Hören. So konnte z.B., da die niederdeutsche Sprache die Tenuis zur Aspirata erhoben hat, das deutsche Ohr den Unterschied zwischen slawischer Tenuis und Media nicht mehr hören. Für das parasitische t bietet die Lausitz eine Parallele. Dort wird z.B. der wendische Familienname Holan = Waldbewohner von den Deutschen gewöhnlich Holland gesprochen und geschrieben. Neben dieser deutschsprachlichen Beeinflussung der uns überlieferten Formen ist indessen eine wirkliche Entartung der wendischen Sprache einhergegangen, wie auf Grund anderer Erscheinungen nachgewiesen werden kann (Mucke).
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Bei solcher Zersetzung der slawischen Namensformen, für die sich aus der alphabetischen Namenliste noch manche Beispiele beibringen lassen, kann es nicht Wunder nehmen, daß eine große Zahl der dort verzeichneten Wendennamen heute in Mecklenburg nicht mehr anzutreffen ist. Manche weniger verbreitete Formen sind vielleicht auch ausgestorben, während sich ein immer noch in die Augen fallender Rest verhältnismäßig wenig verderbt bis auf unsere Tage erhalten hat.

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Jetzt noch einige wenige Worte über Entstehung, Anordnung und sonstige Äußerlichkeiten der alphabetischen Namenliste. Sie ist erwachsen bei der Sammlung des Materials für meine Forschung über die Wendischen Bevölkerungsreste in Mecklenburg. Bei der Deutung der einzelnen Namen erfreute ich mich der Unterstützung eines geborenen Oberlausitzer Sorbenwenden, zugleich eines bewährten Forschers auf dem Gebiete der ausgestorbenen westslawischen Sprachen, des Professors Dr. Ernst Mucke. Während der Genannte die Mehrzahl der Deutungen beisteuerte, manche meiner verfehlten Versuche auf diesem mir fremden Gebiet berichtigte oder die gelungenen bestätigte, ist die Auswahl der slawischen Namen aus Urkunden und Akten, ihre Anordnung und Bearbeitung durch mich geschehen. Durch das Mitlesen der Korrektur hat Mucke mich außerdem noch zu wärmstem Danke verpflichtet.

Was die Anordnung betrifft, so folgt der Zusammenstellung der hauptsächlichsten Schreibungen des einzelnen Namens, von denen eine als Stichwort hervorgehoben ist, die etymologische Erklärung. Meine literarischen Hülfsmitteln entnommenen Nachweisungen habe ich stehen lassen, soweit sie neben Muckes Zurückführung auf den polabisch=obotritischen Lautstand und sonstigen erklärenden Bemerkungen eine Ergänzung boten. Dabei tritt die Arbeitsteilung deutlich hervor, indem Muckes Erklärungen stets in eckige Klammern eingeschlossen sind. Meine literarischen Nachweisungen 1 ) bringen in der Regel neben dem altslawischen Stammwort möglichst eine urkundlich belegte ähnliche Namensform und die Stelle, wo der betreffende Stamm behandelt ist.


1) Die hierfür hauptsächlich benutzen Werke sind: Franz Miklosich, Die Bildung der slawischen Personennamen. (Denkschriften der K. Akademie der Wissenschaften. Philosophisch=historische Classe. Band X. Wien 1860. S. 215-330.) Zitiert: Mikl. 60.
Derselbe, Die slawischen Ortsnamen aus Appellativen. (Ebendort Band XXIII. Wien 1874. S. 141-272.) Zitiert: Mikl. 74. (  ...  )
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Kurz vor der Drucklegung dieser Arbeit ist noch Herr Professor Julius Koblischke zu Warnsdorf in Böhmen mit mir in Verbindung getreten. Einige von ihm in letzter Stunde beigesteuerte dankenswerte Beiträge habe ich noch verwerten können. Sie sind durch Einschließung in runde Klammern kenntlich gemacht. Auf die Erklärung folgt die Zusammenstellung der Orte, in denen ich den betreffenden Namen belegt gefunden habe, mit Angabe der Häufigkeit des Vorkommens, z.B. 2 X oder 3 X usw., der Quellen (in Klammern) und der Jahreszahl. Wenn nötig ist hier auch noch die quellenmäßige, vom Stichwort abweichende Namensform beigefügt. Alleinstehende Jahreszahlen ohne Quellenangabe bedeuten, daß auch für sie der Name im Orte belegt ist und zwar in der nächst voraufgehend angegebenen Quelle. Die archivalischen Quellenangaben beziehen sich, soweit nichts anderes ausdrücklich angegeben ist, auf das Schweriner Geheime und Hauptarchiv. Bei anderer Herkunft der benutzten Quelle steht unmittelbar hinter ihrer Angabe ein NSt. = Hauptarchiv zu Neustrelitz oder ein R. = Archiv der Landschaft zu Rostock. Folgen auf so bezeichnete Daten Angaben aus Schweriner Materialien, so mußte, um eine irrige Zurückbeziehung auf NSt. oder R. auszuschließen, ein Sw. beigefügt werden. Dabei ist aber, wenn es sich in beiden Fällen z.B. um Landbederegister derselben Vogtei handelte, dies nicht wiederholt, sondern , wie oben angedeutet, aus der voraufgehenden Quellenangabe zu entnehmen.

In der Anordnung der Ortsnamen bin ich der Reihenfolge der Vogteien, wie ich sie in meinen "Bevölkerungsresten" behandelt habe, gefolgt. So steht das geographisch Zusammengehörige am besten bei einander, während eine alphabetische Anordnung diese Zusammenhänge zerrissen hätte. Die Eigenart der Verbreitung der einzelnen slawischen Namensformen, die nahezu jeder Vogtei ihren eigenen Formenbestand zuweisend, in den "Bevölkerungsresten" eingehender behandelt ist 1 ), kommt so in jedem einzelnen Falle am besten zur Geltung. Eine leichte Zusammenstellung aller an einem Orte genannten slawischen


(  ...  ) Derselbe, Etymologisches Wörterbuch der slawischen Sprachen. Wien 1886. Zitiert: Mikl. 86.
Pfuhl, Lausitzsche=wendisches Wörterbuch. Budissin 1866. Zitiert: Pfuhl.
P. Kühnel, Die slawischen Ortsnamen in Mecklenburg. (Jb. 46, 1881 S. 3-168.) Zitiert: Kühnel.
Georg Jacob, Das wendische Rügen in seinen Ortsnamen dargestellt. (Baltische Studien, 44. Jahrgang 1894 S. 43-194.) Zitiert: Jacob.
1) S. 103 ff.
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Namen ermöglicht dann das zum Schluß gegebene alphabetische Ortsnamenregister.

Zur Erklärung der angewandten Zeichen bemerke ich noch, daß ein ? vor der laufenden Nummer bedeutet, daß auch die Möglichkeit deutscher Namengebung in Erwägung zu ziehen ist. ?? an gleicher Stelle: die Möglichkeit deutscher Namengebung überwiegt; slawische Herkunft ist sehr zweifelhaft, wenn auch nicht in allen Fällen ausgeschlossen. Die durch doppeltes Fragezeichen gekennzeichneten Namen sind daher für die Klassifizierung der Orte im Text der "Bevölkerungsreste" und für ihre Bezeichnungen auf der Karte, soweit sie bei deren Herstellung schon erkannt waren, nicht berücksichtigt worden. Ein ? hinter den Namensformen bedeutet Unsicherheit der Erklärung bei anzunehmender slawischer Herkunft. Ein ! vor der Nummer kennzeichnet die wenigen in den Quellen bis 1600 nicht aufgefundenen, aber jedenfalls doch der einheimischen slawischen Namenschicht angehörigen Formen. Hinter den Jahreszahlen stehendes ! bedeutet, daß sich der Name in benutzten älteren Verzeichnissen des betreffenden Orts noch nicht gefunden hat. Bei der nicht immer gesicherten Vollständigkeit der Verzeichnisse ist es jedoch nicht ausgeschlossen, daß er trotzdem schon vorhanden war. Endlich haben sich einige für selbständige Zunamen gehaltene Formen als übertragene Ortsnamen erwiesen. Ich habe sie trotzdem in der Sammlung gelassen, weil ich sie in den "Bevölkerungsresten" verwendet hatte und weil dieser Irrtum sich so am ehesten berichtigen läßt In solchen Fällen habe ich der Nummer ein ON. vorangestellt. <ON.> bedeutet, daß Übertragung eines Ortsnamens, daneben aber auch selbständige Prägung möglich ist. 1 )



1) Verzeichnis der im folgenden angewandten wichtigsten Abkürzungen:
asl. = altslawisch,
czech. = czechisch,
Dem. = Deminutiv,
FamN. = Familienname,
Krzf. = Kurzform,
Kspl. = Kirchspiel,
nd. = niederdeutsch,
ns. od. nsorb. = niedersorbisch,
obot. = obotritisch,
ON. = Ortsname,
os. od. osorb. = obersorbisch,
PN. = Personenname,
sorb. = sorbisch,
Wz. = Wurzel.
Die Namen der Wüstungen sind nach der Schreibung der Vorlage in Anführungszeichen gegeben.
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B vgl. P.

1. Babbatz: [entweder von baba = alte Frau : Babac = Altweibersohn oder von bobъ = Bohne: Bobåc = kleine Bohne, Spitzname.]

Neukalen (Landbede NKalen R.) 1585.

2. Bachgull Bagguell Baguell Buggul; heutige Form Baguhl und Beguhl: bogъ = Gott. Mikl. 60 Nr. 11. [Bogula Demin. v. Bog bezw. Bogo = Kurzform von Bogusław Gottesruhm].

Broock (Landbede Lübz) 1538. 1539. (Türkensteuer) [1545]. 1584 Baggaul. (Amtsbuch) 1570.

3. Backell wie Bachgull.

Röcknitz (Amtsbuch Dargun) 1552.

<ON.> 4. Bagemil Baghemil - myl Baghenmile=Bogumil [obot. Bogumił Gottlieb] (oder Übertragung des ON. Bagemühl in der Uckermark Kr. Prenzlau; urkundl. Form: Bagemile u. ähnl.).

Ballwitz (Klosterurkk. Wanzka Nr. 83) 1477.
Ganzkow 2 x (Kaiserbede Stargard) 1496. 3 x (Landbede) 1508.
Rowa (Kaiserbede Stargard) 1496.
Sabel (Kaiserbede Stargard) 1496. (Landbede) 1508.
Riepke (Kaiserbede Stargard) 1496. 2 x (Landbede) 1508.
Cammin (Kaiserbede Stargard) 1496.

Baguhl, Bagguell, Baguell s. unter Bachgull.

5. Baldyc Baldick -digke Boldick : [Baltik Demin. von Balto, Krzf. von Balthasar].

Perlin 2 x (Schloßreg. Wittenburg) 1453. 3 x (Kaiserbede Wittenburg) 1496.
Kl.=Renzow 3 x Stift Schwerin, Türkensteuer) 1582!.

6. Balyke Baleke Balikhe Balcke Balke: ba=magicas artes exercere. Balika. Mikl. 60 Nr. 1. [Balik, Balek Demin. v. Balo, Krzf. v. Baloměr der die Welt Heilende]. Gr.=Schmölen (Landbede Dömitz) 1531. 1535. 1556.

Kl=Schmölen (Landbede Dömitz) 1531 Balke. 1551 Paleke. 2 x 1556.
Polz (Landbede Dömitz) 1531. 1535. 1551 Paleke. 2 x 1556 Balikhe.
Grittel 4 x (Amtsbuch Schwer.) 1550. (Landbede Dömitz) 1551. 3 x (Türkensteuer Eldena) 1558.

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Tews Woos (Schloßreg. Schwer.) 1456!.
Göhren (Landbede Gorlosen) 1552.
Moraas (Landbede Schwer.) 1585!.
Karow 2 x (Landbede Plau) 1538.
Kl.=Luckow 2 x (Landbede Stavenhagen) 1494 Balke. 2 x (Kaiserbede Penzlin) 1496. (Landbede) 1546. 1584.
Gr.=Luckow (Landbede Stavenhagen) 1494 Balke. 2 x (Kaiserbede Penzlin) 1496. 2 x (Landbede) 1518. 1546. 1584.
Kastorf (Kaiserbede Stavenhagen) 1496 Balke.
Markow (Landbede Stavenhagen) 1518 Balcke.
Kleeth (Landbede Stavenhagen) 1518 Balcke.
Fahrenholz 2 x (Landbede Stavenhagen) 1518 Balcke 1546. 2 x (Landbede Ivenack R.) 1567.
Zwiedorf (Kaiserbede Penzlin) 1496. 2 x (Landbede Stavenhagen) 1518 Balcke.
Ave (Kaiserbede Penzli ) 1496. (Landbede) 1518. 1584 Balcke.

7. Balyschk: [Bolišk Demin. v. Boliš=Boleš, Krzf. von Bolesław asl. bolje = plus, slava = gloria].

Woosmer (Landbede Dömitz) 1531.

<ON.> 8. Ballan: [vgl. ON. Bahlen i. Meckl. u. Bellahn i. Lüneb. obot. B'alańe = Bělańe = Sippe des Bělan bezw. Běla = Weiß asl. bêlъ; vgl. Ballene und Bellan.] Ballin (Landbede Stargard) 1508!

<ON.> 9. Ballene: [vgl. Ballan und Bellan].

Zühr (Schloßreg. Wittbg.) 1462!. (Zarrentiner Klosterbriefe B B 21) 1463.

10. Banatkhe: [vermutlich obot. Verstümmelung aus Bernhard, sorb. Benada u. Dem. Benadka.]

Göhlen (Amtsbeschr. Grabow) 16. Jh. Mitte!.

11. Banckel : [obot. Bąkula Dem. v. Bąk = poln. bąk Rohrdommel, Hummel].

Gothmann (Schloßreg. Boizbg.) 1462.

12. Bandan slavus: von asl. bąd = sein werden; Bąden vgl. Bandenitz u. ähnl. ON. bei Kühnel S. 22 f.

Rostock (Jb. 21 S. 27) 1289.

13. Banke: [vgl. Banckel = Bąk]

Falkenhagen im Ratzeburgischen (M. U. B. XIII Nr. 7644) 1352.
Benzin b. Rehna (M. U. B. XXI Nr. 11979) 1388. (Nr. 12070) 1389 Bacgghe. (M. U. B.=Manuskript) 1398 Jan. 6.
Mirow (Schloßreg. Schwer.) 1409/10.

14. Bantke : [aus Banke = Bąk Rohrdommel].

Loosen (Schloßreg. Schwer.) 1431.

15. Bannit : [ob aus Panaik', älter Panik = Junker, junger Herr von panъ Herr?]

Tarnow (Türkensteuer Bützow) 1558.
Boitin (Stift Schwerin, Türkensteuer) 1598!

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16. Bantze: [Panic bezw. Panica = Panik Junker.]

Kuhlrade b. Karlow (M. U. B. XVIII Nr. 10446) 1373.
Gr.=Krams (Amtsbuch Schwer.) 1550!. 2 x (Landbede) 1585.
Picher (Schloßreg. Schwer.) 1409/10.
Warlow (Schloßreg. Neustadt) 1459 vgl. (Vancze). 1465/6, 1468. 2 x 1477. (Amtsbeschr.) 1500.
Wöbbelin (Schloßreg. Neustadt) 1459!.

Hierher gehört auch Vancze, das mit Bancze wechselt.

Alt=Warlow (Schloßreg. Neustadt) 1407. 1412 Bancze. 1427 Bancze.
Neu=Warlow (Schloßreg. Neustadt) 1407. 1427 Bancze.

17. Bardißke: [Bartošk bezw. Bartüsk, Demin. v. Bartoš d. i. obotr. Bartholomäus; vgl. sorb. Bartuš, czech. Bartoš].

Bredenfelde (Amtsbeschr. Strelitz) 1505.

18. Bardyc: verkleinerte Krzf. von Bartholomeus vgl. Bardißke und Bortke.

Woldegk (Kaiserbede) 1496.

19. Barnam: [obot. Barnom = Barnim Krzf. v. Barnomir bezw. Barnimir = Schutz der Welt von asl. braniti = protegere u. mirъ = mundus].

Stowe b. Dreweskirchen 2 x (M. U. B. IX Nr. 5803) 1337.

20. Bartke vgl. Bortke.

Cramon r. A. Schwerin (Kaiserbede) 1496.

21. Barycke: [obot. Bårik = Borik, Dem. v. Boro, Krzf. v. Borisław von asl. borъ = pugna und slava = gloria].

Jürgenstorf (Landbede Stavenhagen) 1518!.

22. Basel: [Božel Dem. Krzf. v. Božidar = Theodor].

Glave 2 x (Kaiserbede Goldberg) 1496.

23. Batell: baSybol s udach]ta = Vater. Batela. Mikl. 60 Nr. 4.

Scharbow (Stift Schwerin, Türkensteuer) 1582.

<ON.> 24. Batze: Übertragung des ON. Basse i. A. Gnoien, urkundl. öster Batze. [In einzelnen Fällen viell. verderbt aus Bantze oder auch aus Bartsche = Bartoš Bartholomäus; vgl. Bardißke].

Jellen (Landbede Dobbertin) 1540. 1554. (R.) 1567 Base.
Bellin (Kaiserbede Goldberg) 1496. 2 x (Landbede) 1540.
Reimershagen (Landbede Goldberg R.) 1567!.
Sammit (Landbede Goldberg) 1540! Base 1554. (R.) 1567.
Suckwitz (Landbede Goldberg) 1540! Base. (R.) 1567.
Hoh.=Wangelin 3 x (Landbede Plau) 1531. 4 x 1538. (R.) 1567 Bartsche u. Basche.
Sapshagen (Landbede Plau) 1538. (R.) 1567 Basse. 1570 Bastze.
Sagel (Landbede Malchin) 1546!.
Zietliz (Landbede Goldberg R.) 1567!.

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25. Bechel, moderne Form Pechel vgl. Bichel; hat nichts mit dem südd. Dem. v. Bach zu schaffen, vgl. Bevölkerungreste S. 141 f. [Bêgula der Läufer von asl. bêgъ Lauf].

Passow (Schloßreg. Gadebusch) 1436. 3 x 1448.
Güstow (Kaiserbede Gadebusch) 1496!.
Radegast 2 x (Kaiserbede Gadebusch) 1496!. (Landbede) 1518.
Möllin (Schloßreg. Gadebusch) 1448.
Hundorf (Landbede Gadebusch) 1557!.

Beguhl f. Bachgull.

<ON.> 26. Bellan: bêlъ = weiß. Belan. Mikl. 60 Nr. 27 vgl. ON. Bellin sowie oben Ballan und Ballene.

Watzkendorf 2 x + 2 Blan, die viell. auch hierher gehören (Amtsbeschr. Strelitz) 1505.

Bellitzstke s. Bliseke.

27. Benatz: ben = occisio. Mikl. 60 Nr. 5. [Davon Benac, älter Benaĉ bezw.Benaŝ poln. Bieniasz Krzf. v. Benisław der durch das Töten (der Feinde) Berühmte; oder slaw. Krzf. v. Benedictus].

Platschow (M. U. B. XX Nr. 11448 u. 11452) 1382.

??28. Benne Bene: [Beno bezw. Benno Krzf. von Benedictus od. Bernhard; sowohl slawisch wie deutsch].

Perlin (Schloßreg. Wittbg.) 1453.
"Pacchouw" (Schloßreg. Wittbg.) 1453.
Steder (Schloßreg. Boizbg.) 1453.
Gr.=Welzin (Amtsbuch Schwer.) 1520.
Stolpe (Schloßreg. Neustadt) 1459!. 1464/5 3 x 1477.
Warlow (Schloßreg. Neustadt) 1465/6! 1468. 1477.
Hohen=Wangelin (M. U. B. VI Nr. 4152) 1319 Beno.
Suckow (Schloßreg. Marnitz) 1461. 1463. 2 x 1464. 1471.
Karrenzin (Schloßreg. Marnitz) 1463.
Marnitz 2 x (Landbede Dömitz usw.) 1551.
Priborn 3 x (Landbede Plau) 1538.
Speck (Landbede Stavenhagen) 1494. (Kaiserbede Penzlin) 1496.
Langhagen (Landbede Penzlin) 1518.
Dammwolde 2 x (Landbede Wredenhagen) 1539.
Wittenborn (Kaiserbede Stargard) 1496.
Granzin (Amtsrechng. Mirow) 1590.
Peetsch (Amtsrechng. Mirow) 1590.

29. Beske: [obot. Büzek = Božek Demin. v. Božo, Krzf. v. Bogusław s. oben unter Bachgull].

Gr.=Godems (Türkensteuer Eldena usw.) 1558.

30. Bestrey: [obot. pestry scheckig, bunt asl. pьstrъ].

Kublank (Kaiserbede Stargard) 1496.

31. Bichel vgl. Bechel.

Pätrow (Schloßreg. Gadebusch) 1436. 1448 Bechel. (Eccl. Gadebusch, Visitation Fol. 4) 1589 Pechel.

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32. Bick: asl. bykъ, os. u. ns. byk = Stier. Mikl. 86 S. 27 oder [Büg jüngere Form statt Bog Krzf. v. Bogusław].

Rankendorf (Landbede Grevesmühlen) 1519.
Pohnstorf (Landbede Grevesmühlen) 1519. (Amtsreg.) 1519.

33. Bidack Byda e k: bidê - bida = Elend. Mikl. 86 S. 12 f. [Bê]dak = der elende Mensch, arme Schlucker].

Brüsewitz (Stift Schwerin, Pächte) 1454.
Langen=Brütz (Stift Schwerin, Pächte) 1502. 2 x (Landbede Crivitz) 1518. 2 x (Amtsreg. Crivitz) 1523.
Gneven (Stift Schwerin, Pächte) 1528. (Amtsreg. Crivitz) 1545.
Sukow (Amtsreg. Crivitz) 1545!.

34. Bygode: bêgъ = fuga. Bogota. Mikl. 60 Nr. 26. [Bêgota = Läufer].

Gletzow (Schloßreg. Gadebusch) 1436.

Blan s. Bellan.

35. Blicsen: [obot.Blizån = Nachbar von asl. blizъ=finitimus].

Hohen Wangelin (M. U. B. VI Nr. 4152) 1319.
Jabel (Landbede Plau R.) 1567! Blixse.

36. Blisake: blizъ=nahe. Blizek. Mikl. 60 Nr. 8. [Blizak älter Bližak = Nachbar].

Vitense (Landbede Gadeb.) 1557!.

37. Bliseke Blyseke-zeke vgl. Blisake.

Alt=Pokrent (Schloßreg. Gadebusch) 1436. 1448.
Benzin (Rehnaische Klosterbriefe Nr. 75) 1435. (Schloßreg. Gadebusch) 1448. 1449.
Woosmer (Landbede Dömitz) 1535!. 1551 Bellitzstke. 1554 Blitzke. 2 x 1556 Blische.

38. Boiche: boj =pugna; Mikl. 60 Nr. 12 [Bojo bezw. Boj Krzf. v. Bojsław = der durch Kampf Berühmte].

Püttelkow (Schloßreg. Wittbg.) 1456.
Niendorf (Schloßreg. Boizbg.) 1453 Boychen.
Krebsförden (Landbede Schwer.) 1558!.

<ON.> 39. Boye Boie Boyge Boige vgl. Boiche (kommt auch als FamN. im Dithmarsischen vor, vgl. den Meldorfer Dichter Boie); außerdem ist Boye der Name eines Dorfes im Hannöverschen bei Celle.

Bechelsdorf (Pachtreg. Ratzebg. NStr.) 1546. 1549. 1553 ff.
Duvennest (Pachtreg. Ratzebg. NStr.) 1546.
Lockwisch 3 x (Pachtreg. Ratzebg. NStr.) 1546. 2 x 1549. 3 x 1553 ff.
Schwanbeck 2 x (Amtsreg. Schönberg) 1649/50.
Kl.=Bünsdorf 2 x (Amtsreg. Schönberg) 1649/50.
Gr.=Bünsdorf (Amsreg. Schönberg) 1649/50.
Blüssen (Amtsreg. Schönberg) 1649/50.
Rabensdorf (Amtsreg. Schönberg) 1649/50.
Püttelkow) (Schloßreg. Wittenburg) 1423.

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Wangern auf Poel (M. U. B. VII Nr. 4433) 1323.
Brunshaupten (Landbede Bukow) 1544.
Biendorf (Landbede Bukow) 1544.
Harmstorf (M. U. B. XlX Nr. 11281) 1380.
Brusow (Amtsbuch Doberan) 1552.
Dändorf 2 x (Türkensteuer Ribnitz R.) 1602.
Kambs (Amtsbuch Schwaan) ca. 1550! Boie.

40. Boiske Boyßke: [Bojsk synkop. aus Bogiŝk Demin. von Bogiŝ, Krzf. v. Bogisław = Gottesruhm].

Kalkhorst 2 x (Landbede Grevesmühlen) 1519.

41. Boysse: [Bojso 2te Krzf. v. Bojsław vgl. Boiche].

"Gramstorf" (Amtsbeschr. Gnoien) 1550.

42. Bokenteny.: [Lokativ des ON. Beckentin Bogętinê: Bogętin Ort des Bogęta, Dem. v. Bogusław].

Zierzow (Landbede Grabow) 1535/6.

Boldick s. Baldyc.

?43. Bole: [Bolo Bola Krzf. v. Boles'aw aus bolje besser und slava Ruhm] oder niederdeutsch = Vetter?

Grischow (Kaiserbede Stavenhagen) 1496. (Landbede) 1518. 3 x 1546 Bale.
Weitendorf (Landbede Stavenhagen) 1518.
Zolkendorf (Landbede Stavenhagen) 1546!.

?44. Boleke: [Bolek Dem. v. Bolo Bola vgl. Bole].

Kamin (Landbede Bukow) 1544.
Neu=Karin (Landbede Bukow) 1544. 1553.
Niendorf (Landbede Bukow) 1544.
Trepzow (Türkensteuer Bützow) 1558. (Stift Schwerin, Türkensteuer) 1577.
Baumgarten (Stift Schwerin, Türkensteuer) 1583. 1599.
Cosa (Kaiserbede Stargard) 1496. (Landbede) 1508.

45. Bolick: [Bolik wie Bolek unter Boleke].

Karcheez (Türkensteuer Güstrow) 1553.

46. Bolitz -tze: [Boliŝ ebenfalls Krzf. v. Bolesław].

Lübesse (Landbede Schwer.) 1585!.
Warlow (Kaiserschatzg. Neustadt) 1553!. (Amtsbeschr.) 1568 Boelitz.

47. Bollan -aen: [Bolan statt Bola s. unter Bole] oder ob=Pollan?

Zierzow (Landbede Stavenhagen) 1518.
Quadenschönfeld 2 x (Klosterurkk. Wanzka Nr. 32 c) 1450. (Nr. 32 a) 1460. 3 x (Kaiserbede Stargard) 1496.

48. Bonarde: [wohl polabisch verderbt aus deutsch Bernhard?]

Kummer (Amtsbeschr. Grabow) 16. Jh. Mitte.

49. Bonatz: [verderbt aus Bonaitz = obot. Ponaic = Panaic von asl.* panicь = czech. panic Junker].

Schwechow (Landbede Wittbg.) 1540. 1558 Finatz.
Kl.=Brütz (Amtsbuch Schwer.) 1520!. 1550.

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50. Bonicke: [Ponik = Panik Junker].

Kl.=Bützin (Landbede Güstrow) 155?.

51. Bonnit -idt - ith Bonith: [verderbt aus Ponik ? vgl. Bonicke].

Kirch=Upahl (Landbede Sternberg N.) 1567.
Gutow (Türkensteuer Güstrow) 1553. 2 x (Landbede) 155?. (N.) 1567. 2 x 1570.
Garden 2 x (Landbede Dobbertin) 1540. 2 x 1554. 2 x (R.) 1567.
Lahmen (Landbede Dobbertin) 1540. 1554. (R.) 1567.
Upahl (Landbede Dobbertin) 1554!. (R.) 1567.
Techentin (Kaiserbede Goldberg) 1496!. (Landbede) 1540 Banidt.

52. Borat: borъ = pugna. Borata. Mikl. 60 Nr. 16.

Bandekow (Kaiserbede Boizbg.) 1496.

53. Bordey: [obot. Bortaj = Bartholomaeus] heutige Form Bardey; vgl. Burdey.

Dersenow (Schoßreg. Boizbg.) 1479!. (Kaiserbede) 1496.

54. Bordinck -ingk -ick: vgl. Bortke.

Moitin (Bistum Schwerin, Pächte) 1454. 1496 und undatiert 15. Jh. Ende. 1518. (Landbede Bukow) 1544.
Brunshaupten (Landbede Bukow) 1544.
Clausdorf (Landbede Bukow) 1544.
Lüdersdorf (Amtsreg. NKloster) 1609/10 Küsserow (Amtsreg. NKalen) 1584.

55. Bores Boretz: borъ = pugna. Mikl. 60 Nr. 16. [Boriš Krzf. v. Borisław der Kampfberühmte.]

Kl.=Krams 2 x (Amtsbuch Schwerin) 1550!.

56. Bortke: [obot. Bortko Dem. v. Borto=Barto Krzf. v. Bartholomaeus].

Börzow 2 x (Landbede Grevesm.) 1519. 1557.
Schmachthagen 2 x (Landbede Grevesm.) 1519 u. 1557.
Kussow 2 x (Landbede Grevesm.) 1519 u. 1557.
Stellshagen (Landbede Grevesm.) 1519.
Pravtshagen, Gr.= oder Kl.=? (Landbede Grevesm.) 1519.
Teschow (Landbede Grevesm.) 1557!.
Mummendorf (Landbede Grevesm.) 1557!.
Questin (Landbede Grevem.) 1557!.
Upahl 2 x (Landbede im Amtsbuch Grevesm.) 1581!.
Diedrichshagen (Amtsbuch Doberan) 1552.
Bollhagen (Amtsbuch Doberan) 1552.
Bellin (Kaiserbede Goldberg) 1496.

57. Bosak: bosak = Barfüßer. Pfuhl S. 42 vgl. Bosejan.

Bentschow (Bistum Schwerin, Pächte) 1454.

58. Bosejan Boszejan: dtsch. böse verbunden mit slaw. Jan = Johann oder [Bosy Jan = Johann Barfuß von adj. bosy barfuß vgl. osorb. Bosak].

Goldenitz 2 x (Schloßreg. Wittenburg) 1453.

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59. Bosel Boßel vgl. Basel.

Kl.=Jarchow (Landbede Mecklbg.) 1528. (Amtsreg., Landbede) 1561/4.

60. Botoze: [obot. Bodac=asl. bodač Stecher von Wz. bod stechen].

Besendorf (Stift Schwerin, Türkensteuer) 1582!.

61. Bowchate: boj = Kampf. Bojata. Mikl. 60 Nr. 12. [oder eher von bogъ Gott Bogaty reich, von Gott begünstigt oder auch Bogata = Bogę Dem. Kzf. v. Bogusław].

Parchim (Parchimsche Klosterbriefe Fasc. 25, LXVII) 1489.

62. Brade: bratrъ = Bruder. Brat. Mikl. 60 Nr. 18.

Kl.=Laasch (Schloßreg. Neustadt) 1427.
Bakendorf (Schloßreg. Wittenburg) 1453.
Zahrensdorf (Tempzinsche Klosterurkk. Fasc. 5 Nr. 87) 1414.

<ON.> 63. Brame Bram: brama = porta. Mikl. 74 Nr. 24. [vgl. ON. Bramow Amt Schwaan u. Brohm Amt Stargard].

Probst=Woos (Türkensteuer Eldena) 1558.
Broda (Landbede Dömitz) 1556!.

64. Braneke: branь=pugna. Mikl. 60 Nr. 17 [Branek Dem. v. Brano, Krzf. v. Branisławst. Barnisław der Kampfberühmte].

Grebs (Landbede Dömitz) 1551. (Türkensteuer Eldena) 1558.
Ziegendorf (Türkensteuer Eldena) 1558!.

65. Braske Brascke Braszke Brasche Brassche: [Brosko Brosk Dem. Koseform v. Ambrosius].

Kl.=Salitz (Kaiserbede Gadeb.) 1496!.
Radegast (Schloßreg. Gadebusch) 1448. 3 x (Kaiserbede Gadebusch) 1496. 2 x (Landbede Gadeb.) 1518. 1557.
Ganzow (Landbede Gadeb.) 1518!.
Holdorf (Landbede Gadeb.) 1557!
Gr.=Brütz 2 x (Amtsbuch Schwer.) 1550!.
Gr.=Eichsen (Landbede Schwer.) 1585!.
Goldewin b. Lüssow (M.U.B. X Nr. 6645 u. 6726; hier Braszgne) 1346 u. 1347.
Göldenitz (Türkensteuer Güstrow) 1553.
Siemitz (Türkensteuer Güstrow) 1553. (Landbede) 155? (Landbede R.) 1567.
Striesdorf 2 x (Türkensteuer Güstrow) 1553. (Landbede) 155?. 2 x (R.) 1567.
Kölln (Landbede Güstrow) 155?. (R.) 1567. 1570.
Barkow (Türkensteuer Lübz) [1545!].
Gr.=Plasten (Kaiserbede Waren) 1496. (Landbede) 1518.
Kargow (Landbede Waren) 1584!

Brastke s. Bratsche.

! 66. Brataß: [Bratas bezw. Bratoš Krzf. v. Bratosław von bratъ = bratrъ Bruder u. slava Ruhm].

Polz (Türkensteuer Dömitz R.) 1602!.

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67. Bratke: [Bratko, Bratk, Dem. v. brat also = Brüderlein oder Dem. Krzf. v. Bratosław, s. Nr. 66].

Pamprin (Schloßreg. Wittbg.) 1462!.
Wehningen (Schloßreg. Schwer.) 1431.

68. Bratsche: Brateša. Mikl. 60 Nr. 18. [Brates = Bratoš, dasselbe wie Bratas].

Sapshagen (Landbede Plau R.) 1567!. 1568 Brastke.
Liepen (Landbede Plau R.) 1567!. 1568 Brastke.

Brauche Brawche s. Browche.

69. Brawtze: [obot. Prawc = asl. pravьcь der Rechtliche, Gerechte von asl. pravъ = rectus, justus].

Bresegard (Landbede Schwer.) 1585!.
Techentin (Amtsbeschr. Grabow) 1545 Brewtze. 2x (Amtsbeschr.) 16. Jh. Mitte.
Lüblow (Amtsbeschr. Neustadt) 1568! Brawß vgl. unter Browtze.

70. Breseke Breßeke Bretzke: brêza = Birke [Brêzka kleine Birke. Lokalname? vgl. auch ON. Presek von asl. prêsêka Hag, Hain].

Gehrum (Landbede Boizenbg.) 1538!.
Rensdorf (Kaiserbede Boizenbg.) 1496! Bretzke.
Dobbin (Landbede Dobbertin) 1554!. (R.) 1567.

71. Brisike vgl. Breseke.

Reimershagen (Landbede Goldberg) 1540!.

72. Brodes: [obot. Brotes = älter Brateš bezw. Bratoš Krzf. v. Bratoslaw aus bratъ u. slava].

Göhlen (Schloßreg. Schwer.) 1456.
Bakendorf (Schloßreg. Wittenburg) 1453.

73. Broye Broiche Broihe Broyhe: [Brojsław brojiti ungestüm sein].

Vorbeck (Amtsbuch Schwaan) ca. 1550.
Passin (Stift Schwerin, Türkensteuer) 1583! Broiche.
Kambs 2 x (Amtsreg. Schwaan) 1518 Broge. 3 x (Amtsbuch) ca. 1550 Broihe u. Broyhe.
Zolkendorf (Kaiserbede Stavenhagen) 1496.
Jürgenstorf (Landbede Stavenhagen) 1584!.
Gülzow (Landbede Stavenhagen) 1584!.
Luplow (Kaiserbede Penzlin) 1496.

74. Bromeke: vgl. Brame [Dem. davon.]

Sparow (Landbede Plau) 1538.
Klockow (Landbede Stavenhagen) 1494 Brůmek.

75. Brouwes: [jungobot. Prowüs = älter Prawoš Krzf. v. Prawosław von asl. pravъ = rectus, justus und slavagloria].

Krams (Schloßreg. Schwer.) 1456!.
Loosen (Schloßreg. Schwer.) 1456!.
Göhlen (Schloßreg. Schwer.) 1456.

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76. Browche Brouche: [jungobot. Prowoch = älter Prawoch Krzf. v. Prawosław vgl. Brouwes].

Gr.=Schmölen (Landbede Dömitz) 1556!.
Kl.=Schmölen (Landbede Dömitz) 1535!. 1551. 1554 Brauche. 2 x 1556.
Polz (Landbede Dömitz) 1531. 1535. 1551 Brauche. 2 x 1556 Brawche.
Neu=Wangelin (Landbede Plau) 1538.

77. Browtze [vgl. Brawtze].

Kummer (Amtsbeschr. Grabow) 16. Jh. Mitte.
Warlow (Kaiserschatzung Neustadt) 1553! Browetze. (Amtsbeschr.) 1568 Brawß.

78. Brusemer: vgl. ON. Brüsewitz; nach Kühnel S. 30 aus asl. brusъ Fels [oder verderbt aus Prosimêr der um Friede Bittende von asl. prositi = petere und mirъ, obot. mêr=pax. Mikl. 60 Nr. 303].

Severin (Landbede Crivitz R.) 1570!.

79. Budeyneke: vgl. Podein [?? Potajnik der Heimliche, Geheimnisvolle v. osorb. potajny = arcanus].

Stolpe (Schloßreg. Neustadt) 1427!.

80. Budick Buddeke Buddich -ick: bud-= vigilare. Budik. Mikl. 60 Nr. 21. [Budik Dem. v. Budo, Krzf. v. Budisław der durch Wachsamkeit Berühmte, Budiwoj der zum Kampfe Weckende usw.].

Nakenstorf (Bistum Schwerin, Pächte) 1454 Buddeke. 1496 Buddick. (Landbede Mecklbg.) 1528. (Amtsbeschr. Landbede) 1561 Buddyck.
Glambeck (Bistum Schwerin, Türkensteuer Warin) 1598! Buddich.
Pennewitt 2 x (Bistum Schwerin, Türkensteuer Warin) 1598! Buddich.
Strameuß (Landbede Bukow) 1544 Buddeke.

Buggul s. unter Bachgull.

81. Bulal: bolъ = majus, melius. Mikl. 60 Nr. 14 [Bólal, Bólula Dem. v. Bolo, Krzf. v. Bolesław der am meisten Berühmte].

Lütten Klein (M. U. B. XIII. Nr. 8157) 1355.

82. Bulitz: [jungobot. Bólis, älter Bóleš, ebenfalls Krzf. v. Bolesław].

Bresegard 2 x (Amtsbuch Schwer.) 1550!.

83. Bullup Bulup Bulupp: [ob Bóluba Krzf. v. Bolebor = der beste Kämpfer?].

Zühr (Urkk. A A 142) 1451. (Schloßreg. Wittenbg.) 1456. 1462. (Zarrentiner Klosterbriefe B B 21) 1463 Bullop.
"tom Hale" (Schloßreg. Wittenbg.) 1486.
Bobzin (Schloßreg. Wittenbg.) 1462!.

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84. Burdey vgl. Bordey.

Luckwitz (Schloßreg. Wittenbg.) 1453.
Döbbersen (Schloßreg. Wittenbg.) 1462! Burdeyg.

85. Buschack: [Bozak Dem. v. Božo, Krzf. v. Bogusław = Gottesruhm].

Potrems [Gr.=?] (Landbede Güstrow) 155?. (R.) 1567 Buschock. 1570 Buschalck.

86. Busecke Buseke Busseke verderbt auch Bußacker: [Bóžek = Bóžåk vgl. Buschack].

Kloddram (Schloßreg. Wittenbg.) 14.53. 1485. (Kaiserbede) 1496.
Zühr (Schloßreg. Wittenbg.) 1462!.
Gammekin 3 x (Kaiserbede Wittenbg.) 1496.
Grebs 2 x (Landbede Dömitz) 1551 Busßacker. 2 x (Türkensteuer Eldena) 1558 Bußacker.
Kl=Krams (Amtsbuch Schwerin) 1520 Bußke.
Loosen 2 x (Landbede Schwer.) 1585!.
Kowalz (Gutsurkk. Strietfeld) 1509 Bußacker.
Lüblow (Schloßreg. Neustadt) 1407 Büske. 2 x (Amtsbeschr.) 1500 Buske.

87. Busekiste: [ob slaw. Lokalname, obot. Bóy güst, asl. Božijь gvozdъ = Gottes Wald, der heilige Wald?]

Kl.=Salitz 2 x (Kaiserbede Gadebusch) 1496!. 2 x (Landbede) 1518.
Gr. Salitz (Schloßreg. Gadebusch) 1418.
Meetzen (Landbede Gadebusch) 1518!.
Kneese (Amtsbeschr. Rehna) 1552!.

88. Busekull: [Lokalname Bóžzy Koł = Gottes Sumpf oder Wyš(š)y Koł = der obere Sumpf].

Bresegard 5 x (Amtsbuch Schwerin) 1550!.

89. Businck Busynck: [Bóžik = Bóžåk vgl. Buschack].

Krönkenhagen 2 x (Landbede Grevesmühlen) 1519.
Saunstorf (Schloßreg. Mecklenburg) 1490/91 Buttzingk. (Amtsreg., Königsbede) 1525 Buthißingk. 2 x 1530 Bussingk. (Landbede) 1528 Businck. 1560. 2 x (Amtsreg., Landbede) 1561 Butzy ck.
Grambzow (Landbede Güstrow) 155?. 2 x (R.) 1567.
Glasow (Türkensteuer Güstrow) 1553.
Mieckow (Landbede Güstrow) 155?. (R.) 1567 Beusinck. 1568.
Daberkow (Landbede Stargard) 1508.

90. Bussebar: [jedenfalls Lokalname; obot.=polab. Bóžy Wår = asl. Božijь virъ Gottes Quell, der heilige Brunnen].

Bellin (Landbede Goldberg R.) 1567!.

91. Busseel Bussel(l) Busßell Butzeel Butzel Bützel -ell: [Bózel, Büzela, älter Božela, Dem. v. Božo, Krzf. v. Bogusław]. Kühnel S. 132 unter Seelstorf leitet es ab von bъčela Biene; vgl. auch Posseel.

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Kossebade (M. U. B. = Manuskr.) 1397 März 21 Bussele.
(Parchimsche Kirchenbriefe Fasc. 5 Nr. 9) 1402 Busseel. (Nr. 6) 1424 Bussel.
Woeten 2 x (Parchimsche Kirchenbriefe Fasc. 5) 1441 Butzel.
Schlutow (Amtsbeschr.Gnoien) 1520. 1550. (Amtsbuch Dargun) 1552.
Gevezin (Kaiserbede Stavenhagen) 1496. (Landbede Ware ) 1546 Putzel.
Klockow (Landbede Stavenhagen) 1518!.
Chemnitz 2 x (Landbede Stavenhagen) 1518. 1546 Putzele.

Bußarent s. Putzarne.

92. Buthke Butge: vgl. Budick. Butko Mikl. 60 Nr. 21.

Schlagsdorf (Landbede Meckibg.) 1528. (Amtsreg., Landbede) 1561.

93. Buutynk: [Budik s. Budick].

Güstow (Schloßregister Gadeb.) 1436.

C vgl. K.

94. Caribbe: kara = punire. Karьba. Mikl. 60 Nr. 161.

Sülz (Schloßreg. Boizenbg.) 1453.

95. Casyk Cassyk: [Kosik die kleine Amsel von kosъ=merula].

Scharbow (Schloßreg. Wittenbg.) 1453. 1462.

96. Catzel: [wahrscheinl. Kazula, Dem. v. Kazo, Krzf. v. Kazimir der den Frieden heischt von asl. kazati = imperare und mirъ = pax].

Döbbersen (Schloßreg. Wittenbg.) 1453. 1462.

97. Ceghedarghe: [wohl Lokalname Cěja Darga = Krähental von obot. cěja = asl. čeja čaja monedula und darga = asl. draga Tal, Straße].

Hohen=Wangelin (M. U. B. VI. Nr. 4152) 1319.

98. Cerneke Czerneke: črъnъ = schwarz. Črnek. Mikl. 60 Nr. 446. [Cernek bezw. Carnek = der kleine Schwarz. Dem. v. Cerny bezw. Carny].

Lüblow (Schloßreg. Neustadt) 1459!. (Amtsbeschr.) 1500 Tzarneke. 2 x (Kaiserschatzung) 1553 Cernecken. 2 x (Amtsbeschr.) 1568 Tzernicke. Kambs (Landbede Wredenhagen) 1531/4. 1539 Tzarneke. 4 x (R.) Zernike.
Krümmel (Landbede Wredenhagen R.) 1567! Zernike.
Vipperow (Landbede Wredenhagen R.) 1567! Zernike.
Dammwolde (Landbede Wredenhagen R.) 1567 Zernike.

99. Cheiche Cheike Cheyke: čaja, čajka = vanellus. Mikl. 60 Nr. 443 [Cějka = asl. čajka "Herr Rabe"].

Drefahl (Landbede Grabow) 1535/6. (Landbede Dömitz usw.) 1551. (Amtsbeschr.) 16. Jh. Mitte Ghoycke.

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Granzin (Amtsbuch Lübz) 1570.
Meiersdorf (Landbede Dömitz usw.) 1551.

100. Chur: kurъ=Hahn. Mikl. 74 Nr. 285 oder [chóry = asl. chvorъ krank].

Kummer (Amtsbeschr. Grabow) 16. Jh. Mitte.

101. Cyppute Cipput Cz- S- Tz-: [wohl Lokalname: obot. Süpüty, älter Sopoty Ort wo es rauscht, Rauschebach: asl. sopotъ das Rauschen].

Dütschow (Schloßreg. Neustadt) 1407. 1413.
Hohewisch (Schloßreg. Neustadt) 1407.
Stolpe (Schloßreg. Neustadt) 1427!. 1459. 1465/6. 1477. 2 x (Amtsbeschr.) 1500 Sipputte.
Kiez (Schloßreg. Neustadt) 1427!.
Granzin (Schloßreg. Neustadt) 1477.
Brenz (Amtsbeschr. Neustadt) 1500! Sippute.
Steinbeck (Amtsbeschr. Neustadt) 1568! Cziputt.

102. Ciren: [PN. Cirån bezw. Ceren = asl. črъnъ, os. čorny schwarz].

Büttlingen b. Grevesmühlen (M. U. B. II Nr. 1425) 1277.

103. Clalic?

Bock (Landbede Penzlin) 1518!.

104. Clauatze: [Głåwac = Großkopf von glava = caput]. Polz (Landbede Dömitz) 1556!.

105. Clibatze: [verderbt aus Clabatze = Głåwac vgl. 104]. Körchow 3 x (Schloßreg. Wittenbg.) 1453. 1466.

106. Cliuate Kliuathe heute Kliefoth: [Głåwaty der Großköpfige ebenfalls von asl. glava = caput]. Krenzlin (Schloßreg. Schwer.) 1431. 1456.

Leußow (Schloßreg. Schwer.) 1431. 1456.
Alt=Krenztin (Schloßreg. Schwer.) 1456 Cliuatze.
Bresegard 2 x (Schloßreg. Schwer.) 1456!. (Amtsbuch) 1520
Kliuettze. 1550 Kliuat. (Landbede) 1585 Kliuit.
Strohkirchen 2 x (Kaiserschatzung Neustadt) 1553!. 2 x (Amtsbeschr.) 1568 Kliuitt. 2 x (Landbede R.) 1569 Kliuit u. Kliuaht. 2 X 1570 Kliuit.

107. Clobbyk Clobbek: [Chłopik = Bäuerlein, Dem. v. chłop = asl. chlapъ = servus].

Waschow (Schloßreg. Wittbg.) 1453. 1462.
Toddin (Schloßreg. Wittbg.) 1285 Klobbeke.

! 108. Cludas: klud = Hüftknochen. Pfuhl S. 1076. [Kludac der Mann mit großen Hüftknochen].

Schwaberow (Kabinetsablieferung 1898, Amt Toddin, Altenteiler) 1779.

109. Cluke: klъkъ = trama Flocke. Mikl. 86 S. 121 oder [kłuk = asl. klokъ Pfeil].

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Melkof (Schloß. Wittbg.) 1453. 1466.
Schwechow 3 x (Schloßreg. Wittbg.) 1453.
Raddenfort (Landbede Dömitz) 155l! Kluck.
Zidderich (Landbede Goldberg) 1540! Kluke.

110. Cobellik: [kowalik Dem. v. kowal Kleinschmied, Schmiedchen].

Radelübbe (Kaiserbede) 1496.

111. Copatz: [Kopac = afl. kopačь der Gräber von kopati graben vgl. Kopasz].

Drefahl (Landbede Dömitz usw.) 1551!. (Landbede Gorlosen u. Marnitz R.) 1570. 1571 Kopatz.

Coß Coeße s. Kosse.

! 112. Crafake vgl. Karuak.

Bennin (Amtsreg. Schönberg) 1649/50.

113. Crysaut: križь = Kreuz. Crisan. Mikl. 60 Nr. 179 mit parasitischem t; vol. ON. Kriesow bei Kühnel S. 76.

Salow (Klosterurkk. Wanzka Nr. 16) 1412.
Wanzka (Klosterurkk. Wanzka Nr. 16) 1412.

114. Crün: kruna = corona. Mikl. 60 Nr. 181.

Gehrum (Schloßreg. Boizbg.) 1453.

115. Cureke Kurke: kurъ = Hahn. Mikl. 74 Nr. 285 [Kurko = Hähnlein].

Gehrum (Schloßreg. Boizbg.) 1453. (Kaiserbede) 1496.
Rensdorf (Schloßreg. Boizbg.) 1479!. (Kaiserbede) 1496.

Cz- vol. Tz -.

Czafincke s. Tzauenke.

116. Czeggel Tzeggel: [obot. Štegel = Stieglitz; vgl. asl. stegъlъ, poln. szczygieł, nsorb. šćigelc].

Eldena (Landbede Dömitz usw.) 1551. (Türkensteuer Eldena) 1558.

117. Czesske: [Cežik = Čižik, asl. čižikъ Zeisig].

Alt=Malchow (Landbede Plau) 1538.

Czilmer s. Selmer.

Czipput s. Cyppute.

118. Czobel: sobolь=Zobel. Mikl. 86 S. 312.

Meiersdorf (Landbede Dömitz usw.) 1551.

119. Czotke?

Liepen (Kaiserbede Penzlin) 1496.

Czulueke s. Sulueke.

D.

Dal - vgl. Dol -.

120. Dalyan: [Dal Jan = Johann Dal; Dal Krzf. v. Dalimir = der den Frieden verlieh].

Stadt Malchin (Kaiserbede) 1496.

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121. Dalyc -ic Dalige: dal -. Dalica. Mikl. 60 Nr. 101. [Dalik Dem. v. Dalo, Krzf. v. Dalimil = der gern Gebende].

Puchow (Landbede Stavenhagen) 1494.
Puchow=Wokuhl (Kaiserbede Penzlin) 1496.
Wokuhl (Landbede Penzlin) 1518.

122. Daluchk: [Dalušk Dem. v. Daluš od. Daleš, Krzf. v. Dalosłlaw = der weithin Berühmte von asl. dalja Weite, Entfernung und slava Ruhm].

Jesow (Kaiserbede) 1496!

?? 123. Dames: [aus Thomas slaw. Domaš, nddtsch. Damies].

Ankershagen (Kaiserbede Penzlin) 1496. (Landbede) 1518.
Wittenborn (Kaiserbede Stargard) 1496.
Weitin (M. U. B. IX Nr. 6565) 1345.

Damnatz s. Domatz.

ON. 124. Damplose Damlose: [Lokalname Dąbne Lozy = Eichenrode] (oder übertr. ON. von Damlos bei Lensahn in Holstein).

Niendorf a. Poel (Landbede Bukow) 1519. 1544 Danlese. 1552 Danlose.
Gr.=Strömkendorf (Landbede Bukow) 1544 Damlose.

? 125. Daneke - nicke -nike: [Danek od. Danik Dem. v. Dano, Krzf. v. Danislaw: danъ = datus und slava = gloria] vgl. Mikl. 60 Nr. 120 (od. nd. Dem. Krzf. v. Daniel.

Penkow (Landbede Plau R.) 1567.
Lebbin ö. Malchow (Landbede Plau R.) 1567!.
Alt=Malchow (Landbede Plau R.) 1567!.
Retzow 2 x (Schloßreg. Plau) 1448. 5 x (Landbede Lübz) 1538. (Türkensteuer) [1545]. 3 x (Landbede R.) 1567. (Amtsbuch) 1570.
Wahlstorf (Amtsbuch Lübz) 1570!. (Landbede) 1584.
Sammit (Landbede Goldberg) 1540. (R.) 1567.
Ganzlin (Schloßreg. Plau) vor 1476. (Amtsreg.) 1526/7. 5 x (Landbede) 1538. 2 x (R.) 1567.
Stuer 2 x (Landbede Plau) 1538. 2 X (R.) 1567.
Satow (Landbede Plau) 1538!.
Grüssow (Landbede Plau) 1538.
Lexow (Landbede Plau R.) 1567!.
Darze b. Finken 2 x (Landbede Plau) 1538. (R.) 1567.
Rogeez (Landbede Plau) 1538.
Kisserow 5 x (Landbede Plau) 1538. 4 x (R.) 1567.
Petersdorf (Landbede Plau) 1538!. (R.) 1567.
Moltzow (Landbede Malchin) 1518! Sietow (Landbede Wredenhagen) 1531/34.
Nätebow (Landbede Wredenhagen) 1539!.

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126. Daresziaw: darъ = Geschenk + slav. Daroslav. Mill. 60 Nr. 103. [Daroslaw, Darjesław der durch Geben, Schenken berühmte].

Herzfeld (M. U. B. X Nr. 6844) 1348.

127. Dargaz -gatcz -gatze -geze Derg-: [Dargac Krzf. v. Dargoslaw, Dargomir u. dergl. vou asl. dragъ = obot.=plab. dargy lieb, teuer; vgl. Mikl. 60 Nr. 118].

Käselow b. Wismar (M. U. B. II Nr. 1425) 1277.
Dömitz Umgegend (M. U. B. VII Nr. 4977) 1328.
Reez (M. U. B. XXI Nr. 12004) 1388 Dargeze; vgl. Darghetze de Retze in Rostock (Jb. 21 S. 28) 1355/64.
Hagen (Schloßreg. Goldberg) 1483.
Woosten (Parchimsche Kirchenbriefe Fasc. 36, K) 1494. (Kaiserbede Goldberg) 1496 Dergatze.
Wend. Waren 2 x (Kaiserbede Goldberg) 1496.
Augzin (Landbede Goldberg) 1540.
Bülow (Landbede Malchin) 1518!.

128. Dargen -ghen: [Dargoʼn wie 127].

Wilsen (Landbede Lübz) 1538. (Amtsbuch) 1570.
Retzow (Landbede Lübz) 1538. (Türkensteuer) [1545]. 2 x (Landbede R.) 1567. 2 x (Amtsbuch) 1570.
Darze (Türkensteuer Lübz) 1585!.
Vietlübbe 2 x (Schloßreg. Plau) 1476 1 x Dargun. 2 x (Landbede) 1538. 2 x (R.) 1567. 2 x (Amtsbuch Lübz) 1570 1 x Derggen. 2 x (Landbede) 1584.
Dammerow 2 x (Landbede Plau R.) 1567! Dergenn. 2 x (Amtsbuch Lübz) 1570.
Gnevsdorf (Amtsreg. Plau) 1526/7 Dergen. (Landbede) 1538.
Leisten b. Karow (Landbede Plau) 1531. (R.) 1567 Dergenn.
Ziddorf 2 x (Landbede Malchin) 1518. 1546 Darger. (R.) 1567 Dargen.
Schwinkendorf (Landbede Malchin) 1518!. 1546 Darghe. (R.) 1567.
Bülow (Landbede Malchin) 1546!.
Carpin (Amtsbeschr. Strelitz) 1505 Darge.

129. Darges: [Dargeš wie 127].

Vorder=Bollhagen (Amtsbuch Doberan) 1552.

130. Darghemer: dragъ = lieb + mir. Dragomir. Mirk. 60 Nr. 118. [obot. Dargoměr].

Kalsow (M. U. B. XIII Nr. 8141) [1355].

131. Dargis Dargiße: [Dargiš wie 127]. Luplow (Landbede Penzlin) 1546!.

Mölln (Landbede Stavenhagen R.) 1567!.

132. Dargus Darguß: [Darguš wie 127].

Hohenfelde (M. U. B. V Nr. 3520 S. 633) 1312.
Zettemin 3 x (Amtsbuch Dargun) 1552.
Rottmannshagen (Amtsbuch Dargun) 1552.

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133. Darinck Darinke Darnicke -ningh: darъ = donum. Mikl. 60 Nr. 103. [Darnik der Schenker, Geber].

Dersenow (Landbede Boizbg.) 1538! Darinke.
Severin (Landbede Parchim) 1518 Darinck.
"Gömtow"=Friedrichsruh (Landbede Parchim) 1584! Darnicke.
Wend.=Waren (Kaiserbede Goldberg) 1496 Darningh. (Landbede R.) 1567 Daringk.

134. Daze Dase, heute Dahse: [Daš od. Das Krzf. v. Dasław aus asl. da-ti geben und slava Ruhm].

Drefahl (Amtsbeschr. Grabow) 1535. (Landbede Dömitz usw.) 1551.
Dambeck (Amtsbeschr. Grabow) 1535. (Landbede) 1535/6 Daßy. (Amtsbeschr.) 1545. 16. Jh. Mitte.
Stresendorf (Türkensteuer Eldena usw.) 1558 Dase.

Deys Deuß s. Doys.

Derg - vgl. Darg -.

135. Dergschlaw vgl. Dareszlaw.

Balow (M. U. B. IX Nr. 6092) 1341.

136. Dideratz: hybride Bildung Diderik mit slaw. Suffix - ace.

Güstrow (Registratur der Domkirche von 1580 Nr. DCCLX) 1447. (Nr. DCCVIII) 1478.

137. Dyuak Diwack: div -, divjak = wild. Mikl. 86 S. 46 [oder Divak der Glänzende von divъ = splendor, miraculum].

Bobzin (Schloßreg. Wittbg.) 1456. 1466. (Kaiserbede) 1496.
Strohkirchen (Schloßreg. Neustadt) 1407.

138. Dober Dobber vgl. Dubber: dobrъ = gut. Dobr. Mikl. 60 Nr. 114.

Löwitz (Schloßreg. Gadebusch) 1449!.
Fahrenholz (Landbede Ivenack R.) 1567!

139. Doberhuth Dofferhut Dauerhot -hoth -hudt: verderbt aus Dobrota; dobrъ = gut. Mitl. 60 Nr. 114. [Dobrota Krzf. v. Dobromysl, - mil;, - sław u. dergl.] .

Wend.=Waren (Kaiserbede Goldberg) 1496. 3 x (Landbede) 1540. 1554. 2 x (R.) 1567.
Plauerhagen (Landbede Plau) 1531!. 1538.
Karow (Landbede Plau) 1531. 1538.
Lohmen (Landbede Dobbertin R.) 1570!.

140. Doys Doyß Doyss: doj = lactatio. Dojic. Mikl. 60 Nr. 115. [oder von Wz. div - (Mikl. 108) kontrahiert aus Diviš Krzf. v. Divisław der glänzenden Ruhm hat].

Wendorf (Pachtreg. Ratzebg. NStr.) 1546 Deys. 1553 ff. Doys. Duvennest (Pachtreg. Ratzebg. NStr.) 1546. 1549. 1553 ff.
Lüdersdorf (Pachtreg. Ratzebg. NStr.) 1546. 1553 ff.
Ziethen (Pachtreg. Ratzebg. NStr.) 1556!.
Lindow (Amtsreg. Schönberg) 1649/50 Deuß.

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141. Dolge Dollge Dollighe Dolghe: dlъgъ = lang. Jb. 46 S. 41 unter Dolgen. [Dołgi "Lang" "Lange".] Übertragung des ON. liegt hier wohl nicht vor, weil in Mecklenburg ein Abfall des auslautenden n nicht stattfindet.

Pastin (Amtsbeschr. Sternberg) 1526. (Türkensteuer Sternberg) [1588].
Bülow (Landbede Güstrow) 155?. (R.) 1567.
Lenschow (Türkensteuer Lübz) [1545].
Gerdshagen (Landbede Dobbertin) 1540. 1554. (R.) 1567.
Ruest 2 x (Landbede Dobbertin) 1540. 2 x 1554. 2 x (R.) 1567.
Mestlin (Landbede Dobbertin) 1540. 1554. 3 x (R.) 1567.
Sehlsdorf (Landbede Dobbertin) 1554!. (R.) 1567.
Zidderich 2 x (Schloßreg. Goldberg) 1483. (Kaiserbede) 1496. (Lanobede) 1540.
Kogel welches? 2 x (Kaiserbede Goldberg) 1496. (Landbede) 1540 Dalge. 2 x (R.) 1567.
Techentin 2x (Kaiserbede Goldberg) 1496.
Möllen (Kaiserbede Goldberg) 1496. (Landbede) 1540 Dalge. (R.) 1567.
Bellin (Landbede Goldberg R.) 1567!.

142. Dolynk -ink Dalinck Dallinck: dolъ = Tal. Kühnel S. 41 [Dolnik der unten Wohnende, der Talmann].

Melkof (Schloßreg. Wittbg.) 1453. 1466.
Pritzier (Schloßreg. Wittbg.) 1453.
Jesow (Schloßreg. Wittbg.) 1485!. (Kaiserbede) 1496. (Landbede) 1540.
Brahlstorf (Schloßreg. Wittbg.) 1466!. 1485. 3 x (Kaiserbede) 1496. (Landbede 1540.
Zühr (Schloßreg. Wittbg.) 1485!.
Klocksin (Landbede Plau) 1538 Dalinck.

143. Dollau [vgl. Dolyuk = der Talbewohner].

Gutow (Landbede Grevesmühlen) 1519.

144. Domal -mael: domъ = Haus. Mikl. 60 Nr. 117. [Domula Krzf. v. Domasław der in der Heimat Berühmte oder slaw. Form zum bibl. Namen Thomas].

Barkow 2 x (Schloßreg. Neustadt) 1407.
Karrenzin (Gutsurkk. B Fasc. III Berkow i. A. Neustadt AA 182 2 ) 1472.

?? 145. Doman: [Doman wie 144].

Plate (Schloßreg. Schwer.) 1409/10. 1433.

?? 146. Domas: [Domaš wie 144].

Hoort (Schloßreg. Schwer.) 1433. 1454.

147. Domatz: [Domac, älter Domač = der die Heimat Liedende od. Domas wie 144].

Gr.=Poltnitz (Landbede Dömitz usw.) 1551. (Landbede Gorlosen u. Marnitz R.) 1570 Damnatz.

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?? 148. Domes wie 144 vgl. auch Dames.

Lansen (Landbede Waren) 1546!.

149. Domoch: von domъ Haus. Domacha. Mul. 60 Nr. 117.

Priborn (Gutsurkk. Priborn i. A. Wredenhagen) 1474.

150. Domrynk: [Lokalname Dombrink od. Dąbriuk = Eichenhain vgl. den osorb. ON. Dubrink].

Brahlstorf (Schloßreg. Wittbg.) 1453.

151. Doupe: dupa = Höhle. Jb. 46 S. 44. [Lokalname Dupe od. Düpe ein Teil der Müritz].

Lübbendorf (Schloßreg. Schwer.) 1456!.

152. Dowke Dowpke: vgl. Doupe. [Lokalname Dem. v. dupa, dupka = kleine Höhle].

Lübbendorf 3 x (Amtsbuch Schwer.) 1550!. 2 x (Landbede) 1585.

153. Draffanike: drêvo = Baum; [Dem. v. Draffene polab. Dråwanik vgl. darunter.

Gülz (Landbede Boizbg.) 1538!.

154. Draffeue: [der Drawehne, Wende aus dem Lünebg. Wendland; polab.Dråwën od. Dråwënin, asl. Drъvêuinъ]. Melkof (Schloßreg. Wittbg.) 1453. 1466.

Pritzier 2 x (Schloßreg. Wittbg.) 1453.
Wölzow (Schloßreg. Wittbg.) 1462. 1485. (Kaiserbede) 1496.
Pamprin (Schloßreg. Wittbg.) 1462!.
"tom Hale" (Kaiserbede Wittbg.) 1496!.

155. Drußell: drugъ = Genosse. Mikl. 60 Nr. 120. [Druzela, älter Družela, Dem. zu Družo, Krzf. v. Družimil = der die Freunde, Genossen Liedende].

Walkendorf (Amtsbuch Dargun) 1552.

156. Důbatz: [Dobac od. Dobož Krzf. v. Dobosław = der schicklichen, guten Ruhm Besitzende, vom Stamme dob-= gut, geschickt].

Reez (M. U. B. XXI Nr. 12004) 1388.

157. Dubbeke: dob = gut. Dobek. Mikl. 60 Nr. 113. [Dobek Dem. v. Dobo, Krzf. v. Dobosław vgl. Nr. 156.]

Klenz 2 x (Landbede NKalen) 1585.
Gehmkendorf (Landbede NKalen R.) 1568. 1571. (Sw.) 1585.
Gr.=Raden (M. U. B.=Manuskript) 1400 Decbr. 20 Dubyngh.

158. Dubber: vgl. Dober [Dobår od. Dobry der Gute].

Buchholz (Landbede Mecklbg.) 1538!. (Amtsbeschr., Landbede)1561.

159. Duge Dugge: [Duch Geist asl. duchъ].

Sammit (Landbede Goldberg) 1540. (R.) 1567.
Serrahn (Landbede Goldberg) 1540. (R.) 1567.
Bansow (Landbede Gustrow) 155?. (R.) 1567 Dugge.
Gr.=Tessin (Kaiserbede Goldberg) 1496 Dugghe.
Koppelow (iber cop. capit. Rostoch. Fol. 93) 1500 Dugghe.

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Dule s. Tůle.

160. Dulleke: dolъ = vallis. Mikl. 74 Nr. 83 [entw. Lokalname Dólek das kleine Tal oder PN. Dołgi der Lange].

Grebs (Türkensteuer Eldena) 1558.

161. Dusiug -sinck -singk: duša = Seele. Mikl. 60 Nr. 124. [Dušink od. Dušuik = der Begeisterte, Beherzte].

Plauerhagen (Landbede Plau) 1538. (R.) 1567.
Satow (Landbede Plau) 1531. 1538.
Rogeez (Landbede Plau) 1531. 1538. 2 x (R.) 1567.
Jatzke (Kaiserbede Stargard) 1496. (Landbede) 1508.
Daberkow (Landbede Stargard) 1508.
Glienke (Landbede Stargard) 1510! Bredenfelde (Amtsbeschr. Strelitz) 1505.

162. Dustan: Stammwort wie vorstehend; Dušan, Dussan. Mikl. 60 Nr. 124. [Krzf. v. Dušosław der durch seinen Geist Berühmte].

Zurow (Landbede Mecklbg. R.) 1570!.

163. Dwse: Stammwort wie Nr. 161; Duše. Mikl. 60 Nr. 124. [Duš, Dušo od. Duša Krzf. v. Dušosław vgl. Nr. 162].

Leussow (Amtsbeschr. Grabow) 1545.

F.

164. Fabelcke: [polab.=obot. Wåblik od. Wåbelk = der kleine rundliche Mensch vou polab. wåbli, asl. oblъ = rotundus].

Wöbbelin (Landbede Neustadt R.) 1569.

Faske Faasch s. Phaske.

165. Feyelke Feyleke Feylke Feileke -like: voj = vir. Vojil. Mikl. 60 Nr. 44. Dem. vgl. unten Woylleke.

Ziegendorf (Amtsbeschr. Grabow) 1535. (Landbede) 1535/6. 2 x (Türkensteuer Eldena) 1558. (Amtsbeschr. Grabow) 16. Jh. Mitte Feygelcke.
Herzfeld 2 x (Türkensteuer Eldena usw.) 1558!.
Stresendorf (Türkensteuer Eldena usw.) 1558.
Kummin (Landbede Dömitz usw.) 1551. (Landbede Gorlosen u. Marnitz R.) 1570.
Gr.=Poltnitz 3 x (Landbede Dömitz usw.) 1551. 3 x (Landbede Gorlosen u. Marnitz R.) 1570.
Gr.=Godems 3 x (Türkensteuer Eldena R.) 1602!.

166. Feymer: voj + mer. Vojmir. Mikl. 60 Nr. 44. [Wojoměr od. Wojměr der den Frieden Erkämpfende bezw. der die Welt Bekämpfende].

Lübz (Amtsbuch Lübz) 1570.

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Fensan Fentzan s. Ventzan.

167. Fentech: [Wętek bezw. Wątåk spr. Wantek, Dem. v. Węto, Krzf. v. Węcesław oou asl. vęšte = plus und slava = gloria] oder ob verderbt aus Voytechen? s. darunter.

Gr.=Laasch (Amtsbeschr. Grabow) 1545!.

Finatz s. Bonatz.

168. Fireke Firrik Fyrcke Fircke V-: virъ = vortex Wirbel, Scheitel. Mikl. 74 Nr. 729. [Wasserwirbel, springender Quell, jedenfalls ursprünglich Lokalname]. Wendischhagen (Landbede NKalen) 1585.

Gülzow (Landbede Stavenhagen) 1518. 1546.
Torgelow (Kaiserbede Waren) 1496 Firrik. (Landbede) 1518. 1546.
Lansen (Landbede Waren) 1518!. 1546.

169. Foye Foige Foyge Fyge Feyge Voie Voige Veye: Voj = Mann, Krieger. Mikl. 60 Nr. 44. [Wojo Krzf. v. Wojosław = der im Kampf Berühmte].

Scharbow 3 x (Schloßreg.Wittbg.) 1485!. 3 x (Stift Schwerin, Türkensteuer) 1582 Voie.
Passin (Stift Schwerin, Türkensteuer) 1583! Foige.
Loosen (Schloßreg. Schwerin) 1431 Veye.
Peetsch (Amtsreg. Bützow) 1583. (Stift Schwerin, Türkensteuer) 1584 Foyge.
Wend.=Wehningen 3 x (Landbede Dömitz) 1531 Fyge u. Feyge. 3 x 1535 Fege. 3 x 1551 Voige. 4 x 1556 Vhege. 4 x (Türkensteuer R.) 1602 Veye.

Foysack -zak s. Voysack.

Foysan Fosaen s. Voysan.

170. Fonatz: [viell. obot. Wojnåc = asl. Vojnьcь der Krieger, Kämpfen von vojna Krieg].

Pritzier (Landbede Wittbg.) 1540!.

171. Fonus vom gleichen Stamme wie Fonatz vgl. Nr. 170.

Suckow b. Güstrow 2 x (Gutsurkk. Suckow) 1510.

172. Fowsack Fousack: [viell. Chwostak = Schwanzmann von chvostъ = cauda] oder verderbt aus Voysack vgl. darunter.

Retzow 2 x (Landbede Lübz) 1538. 2 x (Türkensteuer) [1545]. 2 x (Landbede R.) 1567 Fawsack. 2 x (Amtsbuch) 1570. Suckow (Schloßreg. Marnitz) 1461 Ffauzak.
N.=Wangelin (Landbede Plau R.) 1567!.

173. Frvsnick: [