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Bericht
über
die am 24. April 1860 begangene
der
am 24. April 1835,
dem Tage
des 50jährigen Regierungs-Jubiläums
des
hochseligen Großherzogs
Friedrich Franz I.,
mit
von
W. G. Beyer, Dr.,
Archiv=Secretair, als derzeitigem zweiten Secretair des Vereins.
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In Commission in der Stillerschen Hofbuchhandlung (Didier Otto).
Schwerin, 1860.
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Gedruckt in der Bärensprungschen Hofbuchdruckerei in Schwerin.
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D as schöne Fest der Stiftung unsers Vereins, der nun das erste Viertel=Jahrhundert überdauert hat, ist ohne jeglichen Mißklang vorübergegangen, und hat gewiß bei allen Theilnehmern eine dauernde freundliche Erinnerung zurückgelassen. Für die Abwesenden aber wird es hier am Orte sein, eine etwas eingehendere Schilderung des Festes, als die öffentlichen Blätter bisher gegeben haben, niederzulegen.
Die Ordnung des Festes, dessen Veranlassung und Bedeutung schon in den voraufgehenden Berichten besprochen ist, war im Ganzen dem an alle Mitglieder versandten gedruckten Programme entsprechend. Aber schon am frühen Morgen des 24. April zeigten die herzlichen Glückwünsche, welche die anwesenden fremden Gäste und zahlreiche hiesige Freunde und Mitglieder dem eigentlichen Gründer und nunmehr fünfundzwanzigjährigen Führer und ersten Secretair des Vereins, Herrn Archivrath und Conservator Dr. Lisch, in seiner Wohnung darbrachten, so wie die große Menge ehrender Zuschriften seiner gelehrten Freunde aus allen Theilen des großen Vaterlandes, wo der rechte Mittelpunkt des Festes, wenn auch außerhalb des Programmes, zu suchen sei. Nachdem die Fremden sodann noch unsere reichen Sammlungen in Augenschein genommen hatten, begann das festlich geschmückte Vereinslocal, in welchem das bekränzte Bild des unvergessenen hochseligen Großherzogs Friedrich Franz I. die Eintretenden sofort daran erinnerte, unter wessen Schutz und Schirm der Verein vor 25 Jahren ins Leben trat, sich gleich nach 12 Uhr allmälich zu füllen, so daß der große Saal des großherzogl. Antiquariums, in welchem die alljährlichen General=Versammlungen gehalten zu werden pflegen, bald die Menge der Theilnehmer nicht mehr zu fassen vermogte, sondern auch die anstoßenden Gemächer mit benutzt werden mußten. Unter den anwesenden fremden Gästen ist vor allen der durch seine gründlichen historisch=topographischen und genealogisch=heraldischen Forschungen allen Freunden der vaterländischen Geschichte hinreichend bekannte Herr Director, Freiherr v. Ledebur aus Berlin hervorzuheben, der seit dem 5. October 1835 unser correspon=
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direndes Mitglied ist, und als Director des Museums der vaterländischen Alterthümer, der königlichen Kunstkammer und der ethnographischen Sammlungen zu Berlin, so wie als Vorsteher des uns so nahe verwandten Vereins für die Geschichte der Mark Brandenburg und Herausgeber der inhaltreichen märkischen Forschungen, von Anfang an als Zeuge und Theilnehmer unserer Arbeiten gleichsam mitten unter uns gestanden hat. Sein persönliches Erscheinen in unterer Mitte war aber für uns um so erfreulicher und ehrenvoller, als er nebst dem Herrn Hofprediger Frege aus Alt=Schöneberg bei Berlin, gleichfalls Vorstandsmitglied des genannten Nachbarvereins, zugleich Abgeordneter und Ueberbringer der Glückwünsche desselben zu unserm Ehrentage war. Außerdem sind als gleich werthe Gäste der Herr Canzlei=Secretair Dr. Dittmer aus Lübeck und Herr Pastor Ragotzky aus Triglitz bei Putlitz zu nennen, beide gleichfalls unsere correspondirenden Mitglieder und Mitarbeiter, denen der Verein mehrfache Beiträge für unsere Jahrbücher und werthvolle Geschenke für unsere Sammlungen verdankt. Die Betheiligung unter den ordentlichen Mitgliedern außerhalb Schwerins war dagegen wider Erwarten verhältnißmäßig keine sehr lebhafte, doch bemerkte Referent unter den erschienenen altbewährten Freunden des Vereins namentlich die Herren Pastor Masch zu Demern, Pastor Pumplün zu Carlow, Doctor Crull zu Wismar, Senator Demmler zu Rehna, Präpositus Schencke zu Pinnow, Pastor Willebrand zu Kladow und einige andere Mitglieder aus Wismar. Von den hiesigen zahlreichen Mitgliedern dürften sich aber nur wenige ausgeschlossen haben, wobei es besonders erfreulich war, unter den Erschienenen noch viele wiederzufinden, die schon in der ersten constituirenden Versammlung gegenwärtig gewesen waren, z. B. die Herren Geh. Canzleirath Faull, Regierungsrath Prosch und Prorector Reitz, alle drei Mitglieder des ersten geschäftsführenden Ausschusses.
Um 1 Uhr ward die Versammlung von dem Vorsitzenden, Herrn Minister=Präsidenten v. Oertzen Exc., durch eine kurze Begrüßung der Anwesenden unter Hinweisung auf die Bedeutung des Festes eröffnet, worauf zuvörderst die laufenden Geschäfte, deren am Schlusse dieses Berichtes noch zu gedenken sein wird, erledigt wurden, demnächst versuchte der Unterzeichnete, dem ihm als derzeitigen zweiten Secretair des Vereins gewordenen Auftrage gemäß, in einem Vortrage über die Wirksamkeit des Vereins während der ersten 25 Jahre seines Bestehens eine flüchtige Skizze der Resultate unserer Arbeiten für die vaterländische Alterthumskunde zu
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geben, während es in Betreff dessen, was der Verein für die Bereicherung und Berichtigung der Geschichte im engern Sinne geleistet hat, zu genügen schien, auf die in den 25 Bänden unserer Jahrbücher vorliegenden wissenschaftlichen Arbeiten hinzuweisen. Auf den in ehrender Weise ausgesprochenen Wunsch der Versammlung ist diesem Berichte ein unveränderter Abdruck des Vortrages angeschlossen.
Demnächst theilte der Herr Präsident der Versammlung zuvörderst mit, daß Se. Hoheit der Herzog Georg von Mecklenburg=Strelitz von dem Ausschusse des Vereins, in dem Bewußtsein, damit nur dem allgemeinen Wunsche zu entsprechen, ehrerbietigst ersucht worden sei, mit dem heutigen Tage gleich den übrigen allerhöchsten Gliedern beider Herrscherhäuser als hoher Beförderer des Vereins an dessen Spitze zu treten, welcher Bitte auch von Seiten Sr. Hoheit des Herzogs Georg sofort durch freundliche, vom Herrn Archivrath Lisch verlesene Erwiderung aus St. Petersburg vom 6. d. M. entsprochen sei. Ferner wurden auf Vorschlag des Ausschusses durch einhellige Zustimmung der Versammlung folgende 6 Herren zu Ehrenmitgliedern des Vereins ernannt:
Se. Durchlaucht der Fürst Friedrich Karl von Hohenlohe=Waldenburg zu Kupferzell im Oberamte Oehringen im Königreich Würtemberg, der nicht bloß als Freund und Schützer der historischen Wissenschaft, sondern auch durch eigene Forschungen im Vaterlande bekannt und geehrt ist;
der Graf Friedrich Bernhard August von der Osten=Sacken zu Schwerin, Oberst und ehemaliger Führer des meklenburgischen Freicorps in den Freiheitskriegen von 1813-15, zwanzigjähriger Director des patriotischen Vereins und seit dem 8. Oct. 1838 unser ordentliches Mitglied;
der Landrath Ernst Anton Wilhelm v. Blücher auf
Kuppentin, Teschow
., vieljähriger Vorsitzender Landrath
im Landtags=Directorium und Engern Ausschusse, der
uns gleichfalls schon seit dem 4. Mai 1855 als
ordentliches Mitglied angehörte;
der Professor Dr. Jacob Grimm zu Berlin, dessen Namen zu nennen jedem Deutschen genügt, uns aber seit dem 5. October 1835 als correspondirendes Mitglied, so wie als helfender Freund und Gönner besonders theuer;
der königlich dänische Conferenzrath Thomsen zu Kopenhagen, Director des königlichen Kunstmuseums, der Gemäldegallerie und Alterthumssammlung, der sich um die germanische Alterthumswissenschaft überhaupt die höchsten Verdienste erworben, und sich unserm Vereine, dessen correspondirendes
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Mitglied er seit dem 2. Jan. 1837 gewesen ist, stets als der treueste, zuverlässigste Freund erwiesen hat; endlich
der Pastor Gottlieb Matthias Karl Masch zu Demern im Fürstenthum Ratzeburg, Mitstifter des Vereins und seit dem 11. Juli 1838 Aufseher unserer Münzsammlung, durch seine Geschichte des Bisthums Ratzeburg in weitern Kreisen als tüchtiger Forscher bekannt, über dessen Verdienste um den Verein jeder Band der Jahrbücher ehrendes Zeugniß giebt. - In ähnlicher Weise wurden endlich zu correspondirenden Mitgliedern ernannt: der Geheime Rath Dr. v. Langenn, Präsident des Oberappellationsgerichts zu Dresden, der Professor und Conservator Dr. v. Hefner=Alteneck zu München, der Professor und Conservator Lindenschmitt zu Mainz, der Finanz=Assessor Paulus zu Stuttgart, der Conservator Dr. Janssen in Leiden und der Professor und Conservator Dr. Worsaae in Kopenhagen, sämmtlich Männer, deren Namen in der gelehrten Welt einen guten Klang haben, und die sich auch uns bereits seit Jahren als Freunde und bereitwillige Helfer in unsern Forschungen bewährt haben. Die zum Voraus ausgefertigten Diplome wurden noch während der Festversammlung versandt 1 ).
Hieran schloß sich sodann die eigentliche Festrede unsers ersten Secretairs, Herrn Archivraths Dr. Lisch, über die Verdienste des hochseligen Großherzogs Friedrich Franz I. um die vaterländische Geschichte und Alterthumskunde, ein werthvoller Beitrag zu der Biographie dieses geistreichen und vielseitigen Fürsten, dessen theures Bild durch das heutige Fest, das ja zugleich eine Erneuerung seines eigenen 50jährigen Jubelfestes sein sollte, gewiß in der Seele aller, die ihn kannten, lebendig wieder erweckt ward. Auch dieser Vortrag ist auf den lebhaften Wunsch der Versammlung unverändert gedruckt und diesem Berichte als Beilage angefügt.
Nachdem hiermit dem Andenken an vergangene Zeiten genügt war, begann die Versammlung sich mit der Zukunft des Vereins zu beschäftigen, und nach den Mitteln zu suchen, durch welche ihm der Weg zu fernerer erfolgreicher Thätigkeit am sichersten gebahnt werden könne. Auch hier hatte der Ausschuß bereits vorgearbeitet, und legte die von einer besondern Committe entworfenen, hier gleichfalls im Anhange gedruckten Vorschläge zur Berathung und Genehmigung vor. Von diesen Vorschlägen, die Herausgabe eines meklen=
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burgischen Urkundenbuches, so wie eine Veränderung der Jahrbücher des Vereins und der bisherigen Jahres= und Quartalberichte nach Form und Inhalt betreffend, fand namentlich der erstere sofort den allgemeinen und unbedingten Beifall der Versammlung, und ward nach ziemlich lebhafter Debatte über einzelne Punkte schließlich einstimmig in der vorliegenden Fassung genehmigt, indem man sich überzeugte, daß es die Aufgabe der Versammlung nur sein könne, den Plan in allgemeinen Umrissen festzustellen, für die Ausführung desselben aber der künftigen Redaction möglichst freie Hand zu lassen. - Der zweite Vorschlag erregte zwar Anfangs einiges Bedenken, da sich unsere Jahrbücher in der bisherigen Form eine höchst ehrenvolle Anerkennung nicht nur in dem Vereine selbst, sondern fast mehr noch außer demselben, d. h. außerhalb Meklenburgs, erworben hätten. Andererseits ward jedoch darauf hingewiesen, daß es auch hier nicht die Absicht sei, der bisherigen Redaction der Jahrbücher irgend einen beschränkenden Zwang in Ausübung ihrer Thätigkeit aufzulegen, sondern vielmehr nur, ihre Vollmachten zu erweitern, um nicht nur eine größere Mannigfaltigkeit in der Wahl des zu bearbeitenden Stoffes möglich zu machen, sondern auch um eben dadurch darauf hinzuwirken, daß nur wirklich gediegene Arbeiten Aufnahme fänden. Diese Gründe hatten denn auch die Wirkung, daß auch dieser Vorschlag einstimmig angenommen ward. Die armen Jahresberichte, denen freilich schon im Jahre 1844 durch die mit dem 9ten Bande der Jahrbücher eingetretene Theilung in Jahrbücher der Geschichte und Jahrbücher der Alterthumskunde ihre frühere Bedeutung und jedes Wissenschaftliche Interesse genommen war, und die nach dem jetzigen Plane der Sache nach ganz wegfallen werden, fanden dagegen keinen Vertheidiger. Nur darüber zeigte sich eine Verschiedenheit der Ansicht, ob es nicht zweckmäßig sei, auch die Quartalberichte ganz aufhören zu lassen; nachdem jedoch durch andere darauf aufmerksam gemacht war, daß man eines solchen Anzeigers schon wegen seiner Eigenschaft als Danksagungs= und Quittungsblattes nicht wohl gänzlich entbehren könne, gab man sich der Hoffnung hin, daß durch die beabsichtigte theilweise Rückgabe des früher den Jahresberichten zugewiesenen Materials und die Vertheilung des ganzen Inhalts der letzteren auf 4 Quartalberichte, das Interesse an diesen soweit gehoben werden dürfte, um ihnen einstweilen noch die Existenz zu gönnen.
Mögten diese Beschlüsse, namentlich der erste, dessen Ausführung nicht von dem Vereine allein abhängt, auch außer
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demselben bei den hohen Regierungen und Ständen die nöthige Unterstützung finden und der Wissenschaft wie dem Vaterlande, für dessen Ehre und Glück auch wir arbeiten, wahrhaft förderlich werden.
Am Schlusse dieser Verhandlungen bat der Herr Director Freiherr v. Ledebur um das Wort, um das von ihm überbrachte Glückwunsch=Schreiben des Vereines für die Geschichte der Mark Brandenburg zu verlesen. Ich kann mir nicht versagen, auch diese höchst geschmackvoll auf Pergament geschriebene, durch Inhalt und Form gleich ausgezeichnete Urkunde, die der Herr Director demnächst als ein werthvolles Andenken an diesen Tag, der dadurch zugleich ein Fest der Verbrüderung beider Vereine ward, in die Hände des Herrn Archiv=Raths Lisch übergab, in dem Anfange gleichfalls vollständig mitzutheilen. Demnächst wurden auch die Glückwünsche der mit uns verbundenen Vereine so wie einzelner Freunde und Mitglieder der Versammlung vorgezeigt und zum Theile verlesen. Unter den auswärtigen Vereinen hatten namentlich noch die schleswig=holstein=lauenburgische Gesellschaft für vaterländische Geschichte zu Kiel, der Verein für lübecksche Geschichte und Alterthumskunde, der Verein für Geschichte und Alterthumskunde im Herzogthum Bremen und Verden zu Stade, der historische Verein für Niedersachsen zu Hannover, der königlich sächsische Verein für Erforschung und Erhaltung vaterländischer Alterthümer zu Dresden, der hennebergische alterthumsforschende Verein zu Meiningen, und der voigtländische alterthumsforschende Verein zu Hohen=Leuben 1 ) in herzlichen Worten unsers Ehrentages gedacht; aber auch unser einheimische Bruderverein, der Verein für Freunde der Naturgeschichte in Meklenburg wollte nicht unter den Glückwünschern fehlen. - Außerdem hatte eine große Menge einzelner Freunde und Mitglieder des Vereines aus fern und nah ihre Glückwünsche theils an den Verein selbst, theils in Privatschreiben an den Herrn Archiv =Rath Lisch eingesandt, und zwar großen Theils unter Anschluß werthvoller Geschenke. Mit Vergnügen erfülle ich die Pflicht der Dankbarkeit, indem ich auch ihre Namen mit Angabe der eingesandten Geschenke hier vollständig aufführe. Sie sind, die auswärtigen voran, folgende:
1) Herr Conferenz=Rath Thomsen in Kopenhagen.
2) Herr k. k. Regierungs=Rath J. Arneth in Wien,
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schenkte folgende 3 so eben im Druck erschienene Abhandlungen des Einsenders: Der Fund an Gold= und Silber=Gegenständen aus der Pußta Bakod unweit Kolocza in Ungarn; Studien über Benvenuto Cellini; die neuesten archäologischen Funde in Cilli.
3) Der Freiherr A. v. Witzleben, herzoglich nassauischer Kammerjunker zu Cöln, schenkte: 1 Exemplar der Prachtausgabe seiner "Geschichte und Genealogie des gesfammten Fürstenhauses Nassau".
4) Herr Geh. Rath und Director der königlichen Museen v. Olfers zu Berlin.
5) Der Aufseher des königl. Münzcabinets Herr F. Kretschmer in Berlin.
6) Herr Hofrath und Oberbibliothekar G. Klemm in Dresden.
7) Der Freiherr v. Hodenberg, Landschaftsdirector zu Celle, schenkte: Archiv für Geschichte und Verfassung des Fürstenthums Lüneburg, unter Mitwirkung des Herrn Einsenders herausgegeben von E. L. v. Lenthe; topographisch=historische Beschreibung der Städte, Aemter und adligen Gerichte im Fürstenthum Lüneburg, von H. F. C. Maneke; kurze Geschichte des Klosters S. Michaelis in Lüneburg von L. A. Gebhardi; Lüneburger Urkundenbuch; Lüneburger Lehnregister.
8) Herr Professor Dr. Havemann zu Göttingen.
9) Herr v. Pott zu Luchau in Hannover, schenkte: seine Geschichte der kaiserl. russischen Gesellschaft für Mineralogie.
10) Herr Bürgermeister Fabricius zu Stralfund.
11) Herr Pprofessor E. Zober zu Stralsund, schenkte seine Geschichte des Stralsunder Gymnasiums.
12) Herr Professor Kosegarten zu Greifswald.
13) Herr Professor Ratjen zu Kiel.
14) Herr Archivar Lappenberg zu Hamburg, welcher sein Bedauern ausspricht, durch eine Reise nach England in der Ausführung seiner festen Absicht, persönlich nach Schwerin zu kommen, behindert zu sein.
15) Herr Professor Petersen zu Hamburg.
16) Herr Maler Milde zu Lübeck, übersandte mit einem warmen Glückwunsche seine dem Vereine gewidmete Abhandlung über den bronzenen Thürring in der Sacristei der St. Petri=Kirche zu Lübeck, nebst treuer Abbildung desselben.
Unter den einheimischen Freunden und Gönnern sei es zuvörderst erlaubt eines zu gedenken, dem ein hartes Geschick es gleich unmöglich gemacht hat, in der Versammlung zu erscheinen, oder uns schriftlich seinen Freundesgruß zu senden, der aber gleichwohl sicher im Geiste unter uns gewesen ist:
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ich meine den ehemaligen Domprediger Bartsch, jetzt in Warin, den die Matrikel neben dem "Archivar Lisch" als zweiten Gründer und vieljährigen zweiten Secretair des Vereins aufführt. Unter denen dagegen, die uns schriftlich Zeugniß ihrer Theilnahme gaben, nenne ich voran zwei, die sich nach Ausweisung der Matrikel den eigentlichen Stiftern zunächst anschlossen, und durch ihren gewichtigen Einfluß das rasche Gelingen des Planes wesentlich förderten und vielleicht allein möglich machten, nämlich
17) den ehemaligen Präsidenten des Staatsministeriums, Herrn v. Lützow Exc. auf Boddin, den 15 jährigen Präsidenten, und jetzt Ehrenmitglied des Vereins, welcher leider durch häusliche Verhältnisse an einer persönlichen Theilnahme behindert war, aber zum Beweise seines unveränderten Interesses mehre von ihm selbst gesammelte Alterthümer einsandte; so wie
18) den derzeitigen Regierungsrath, spätern Regierungs=Director, Geheimen Rath v. Oertzen, jetzt in Berlin, ersten Vicepräsidenten des Vereins, welches Amt er mit kurzer Unterbrechung 25 Jahre bekleidete, und erst an diesem Festtage durch seine Entfernung von dem Sitze des Vereins niederzulegen gezwungen war. - Ihnen schließen sich an
19) der Landrath v. Maltzan, Freiherr zu Penzlin und Wartenberg auf Rothenmoor, in Rostock, der in einem herzlichen Zuschreiben zugleich seines auch für uns zu früh verstorbenen Sohnes, des wailand Freiherrn Albrecht v. Maltzan auf Peutsch und Peccatel, mit Wehmuth gedenkt, dieses treuesten unserer Freunde, dessen rastlosem Eifer der Verein unendlich viel verdankt. Ehre sei dem Gedächtniß des Treuen, den sicher nur der Tod verhindern konnte, an diesem Tage in unserer Mitte zu sein! - Ferner
20) der Herr Geheime Amtsrath Koch zu Sülz, welcher neben einer alten Münze einen Separatabdruck seiner Abhandlung über die Ortschaft Langsdorf im Amte Sülz mit einem sehr ähnlichen Bildniß des Earl Christian v. Langsdorf als Festgeschenk einsandte;
21) Herr Pastor Vortisch zu Satow, Verfasser mehrer sehr geschätzter Werke über Geologie und Naturgeschichte und einer der glücklichsten Sammler für unser Alterthumscabinet, schenkte dem Vereine auf Veranlassung des Jubelfestes neben einem Streithammer die berühmte Schrift des Joseph Leidy: The ancient Fauna of Nebraska. Washington 1852;
22) Herr Pastor Fr. Boll zu Neubrandenburg, früheres Mitglied und einer der gelehrtesten und gründlichsten Mitarbeiter an den Jahrbüchern des Vereins;
23) Herr E. Boll zu Neubrandenburg, der bekannte
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Naturforscher, Stifter und Vorsteher des Vereins für Freunde der Naturgeschichte in Meklenburg, und Verfasser der ersten verdienstvollen Kulturgeschichte unserer Heimath;
24) Herr Professor Dr. Crain, Director des Gymnasiums zu Wismar, Herausgeber und Fortsetzer der Schröderschen Geschichte der Stadt und Herrschaft Wismar;
25) der Universitäts=Secretair, Herr Advocat Diedrichs zu Rostock;
26) Herr Pastor a. D. Ritter zu Friedrichshöhe.
Auch von den Schweriner Mitgliedern endlich brachten drei Herren dem Vereine werthvolle und interessante Festgeschenke dar; es überreichten nämlich
27) der Oberlehrer Herr Dr. Wigger die ersten Druckbogen seiner vielversprechenden meklenburgischen Annalen mit einer Dedication an den Herrn Archivrath Lisch;
28) der Redacteur des Archivs für Landeskunde, Herr Th. Schäfer, einen Separatabdruck der so eben in seinem Archive erschienenen Abhandlung über die Geschichte und Wirksamkeit unseres Vereins mit einer Dedication an den Verein, und
29) der Hofbuchdrucker Herr Dr. Bärensprung ein von ihm verfaßtes und in seiner Officin in verschiedenfarbiger Schrift geschmackvoll gedrucktes Gedicht an den Archivrath Dr. Lisch, nebst einer Votivtafel mit der Unterschrift der 24 Beamten und Arbeiter dieser ältesten und gesuchtesten Officin des Landes, in welcher namentlich auch die 25 Bände unserer Jahrbücher erschienen sind.
Nach diesen Mittheilungen ward die Versammlung und damit der erste Act des Festes um 3 Uhr von dem Herrn Präsidenten geschlossen.
Das auf die Festversammlung folgende gemeinsame Mahl, von welchem sich nur wenige der in der Versammlung erschienenen Gäste und Mitglieder des Vereins zurückzogen, war in dem großen Saale in Sternes Hôtel arrangirt, da die Räumlichkeiten des Vereinslocals für diesen Zweck nicht geeignet und für die Zahl der Theilnehmer zu klein waren. Die festliche Ausschmückung dieses Saales und die ganze Anordnung des Festmahles, das allgemeine dankbare Anerkennung fand, war ein Verdienst der Herren Baumeister Krüger und Wachenhusen, Architekt Stern, Advocat Schweden sen. und Oberlehrer Dr. Schiller, welche sich zu diesem Zwecke bereitwillig der aus den Beamten des Vereins gewählten allgemeinen Festcommitte, Herren Archivrath Lisch, Dr. Wedemeier und dem Unterzeichneten, angeschlossen hatten. Dem Sinne und Geiste dieses zweiten Festactes angemessen, welcher der
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Gegenwart und der Hoffnung einer glücklichen Zukunft galt, prangte hier an der Hauptwand des Saales das große, mit Blumen und wehenden Fahnen reich und geschmackvoll geschmückte Bild unsers jetzt regierenden Großherzogs Friedrich Franz II. Königliche Hoheit, des hochverehrten Protectors unsers Vereins. An seiner Seite hingen die gleichfalls bekränzten Bildnisse der hohen Ahnen und Vorfahren Sr. Königl. Hoheit, der hochseligen Großherzoge Paul Friederich und Friedrich Franz I., so wie der Herzoge Friedrich und Christian Ludwig; unter diesen Bildnissen aber deuteten die Wappen der Städte Schwerin, Rostock, Wismar und Grabow auf das nähere persönliche Verhältniß der Herrscher zu ihnen hin, während die Wappen der übrigen Städte die gegenüberliegende Wand schmückten. Einen außerordentlich günstigen Eindruck machte endlich auch nach eingetretener glänzender Erleuchtung des Saales das an der dritten schmäleren Wand befindliche Orchester, welches durch reiche Laub= und Blumengewinde, Fahnen und Bänder in einen leuchtenden Tempel verwandelt schien.
Diesem Orchester gegenüber stand der Ehrentisch der in Hufeisenform gedeckten Tafel, woran der Herr Präsident des Vereins, Minister=Präsident v. Oertzen Exc., der Herr Staatsminister v. Levetzow Exc. und der Herr Staatsminister v. Brock Exc. und zwischen ihnen die schon genannten fremden Ehrengäste Platz nahmen. Die übrigen Theilnehmer gruppirten sich nach freier Wahl an den beiden langen Seitentischen der Tafel. Es waren über 80 Personen zugegen.
Der erste, von dem Herrn Präsidenten des Vereins ausgebrachte Toast galt natürlich den allerhöchsten Landesherren beider Herzogthümer, den Großherzogen Friedrich Franz und Georg, Königliche Hoheiten, die heute zugleich als Protectoren unsers Vereins doppelten Anspruch auf den Dank der Anwesenden hatten. Die kurzen eindringlichen Worte des Herrn Präsidenten, worin an die unwandelbare Treue erinnert ward, womit Fürst und Volk immerdar in schlimmen und guten Zeiten zu einander gestanden, riefen daher ein lebhaftes, gewiß aus dem Herzen kommendes dreimaliges Hoch der Versammlung hervor. Der zweite Toast auf das frühere und jetzige Präsidium ward von dem Herrn Prorector Reitz, und der dritte auf die Stifter des Vereins von dem Herrn Director Dr. Wex durch längere, den Verhältnissen und Persönlichkeiten angemessene Reden eingeleitet. In der letztern hob der Redner namentlich die Verdienste des Herrn Archivraths Dr. Lisch hervor, und knüpfte daran die Ueberreichung eines Ehrengeschenkes, indem er demselben als dem eigentlichen Gründer
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und Träger des Vereins im Auftrage des Vorstandes, als des statutenmäßigen Organs der Gesammtheit, deren Anerkennung und Dank in beredten Worten aussprach.
Diese Festgabe war durch die alljährlich gewählten vier Repräsentanten des Vereins, zur Zeit der Redner, Herr Director Dr. Wex selbst, Herr Canzlei=Director v. Bülow, Herr Revisionsrath Hase und Herr Prorector Reitz, so wie den Herrn Ministerial=Registrator Dr. Wedemeier und den Unterzeichneten, als Mitglieder der Festcommitte, schon vor Monaten mittelst einer Missive an die gesammten, in Meklenburg wohnenden ordentlichen Mitglieder des Vereins in Anrege gebracht, und hatte die allgemeinste, von vielen Seiten in den anerkennendsten Zuschriften ausgesprochene Theilnahme gefunden. So ward denn nach dem Maaße der zu Gebote gestellten Mittel die treue Nachbildung der schönen, bei Hagenow ausgegrabenen, römischen bronzenen Gießkanne, welche in den Jahrbüchern VIII, B. S. 42 besprochen und abgebildet ist, in Silber beschlossen, da gerade dies Gefäß, worüber der Herr Archivrath Lisch schon im Jahre 1842 bei seiner Auffindung an der angeführten Stelle urtheilte, daß es unbezweifelt eins der schönsten Stücke des Alterthums sei, welches je in nördlichen Gegenden gefunden worden, stets zu seinen Lieblingsstücken unterer Sammlung rechnete. Da aber dies Gefäß einen convexen Boden hat, zu seinem Gebrauche also nothwendig eines Untersatzes bedarf, der in dem Funde von Hagenow fehlt, so hatte der eben aus Rom zurückgekehrte Herr Architekt Daniel aus Schwaan die Güte gehabt, die Zeichnung eines solchen Untersatzes nach den zahlreichen Mustern der römischen Antiken=Sammlungen zu entwerfen. Auf dem Rande dieses Untersatzes fand sich dann zugleich der passende Raum für die vom Herrn Direktor Dr. Wex vorgeschlagene Inschrift: Antiquitatis . Megalopol . Eruendae . Socii . F. Lischio . Suo . Per . XXV . Ann . Duci . Meritiss . D . D . A . MDCCCLX . A . D . VIII . Kal . Mai. Die Ausführung dieser Arbeit, so wie eines massiv silbernen Tellers zur Ueberreichung des Geschenkes, übernahmen die bekannten Hofgoldschmiede Sy und Wagner in Berlin zu der vorgeschriebenen Zeit zu beschaffen. Leider war indeß der Untersatz, nach Versicherung des Geschäftsführers des Hauses, so völlig mißlungen, daß er zum zweiten Mal in Angriff genommen werden mußte und deshalb nicht rechtzeitig abgeliefert werden konnte. Das Gefäß mußte daher am Festabende auf einem nur vorläufig in Eile angefertigten, zu dem antiken Gefäße sehr wenig passenden Untersatze überreicht werden.
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Herr Archivrath Lisch, der den vierten Toast auf den Verein übernommen hatte, knüpfte daran in bewegten Worten seinen Dank an die Geber. Demnächst brachte der Herr Präpositus Schencke zu Pinnow das Hoch auf die Ehrenmitglieder des Vereins, gleichfalls durch eine längere Rede eingeleitet, worauf Herr Pastor Masch aus Demern, als das einzige anwesende Ehrenmitglied, da Herr Graf v. d. Osten=Sacken leider plötzlich erkrankt war, sofort sfeinen Dank aussprach, und daran den letzten officiellen Toast auf die correspondirenden Mitglieder, namentlich die anwesenden Herren v. Ledebur, Ragotzky und Dittmer anknüpfte. Herr Freiherr v. Ledebur ergriff hierauf das Wort und sprach (nach dessen späterer eigenhändiger Aufzeichnung) unter lautem Beifallssturme Folgendes:
"Hochgeehrte Versammlung! Gestatten Sie mir, daß ich nicht bloß im Namen des Vereins für die Geschichte der Mark Brandenburg, sondern aller Vereine verwandter Bestrebungen in dem gemeinsamen deutschen Vaterlande das Wort ergreife. Unter allen diesen Vereinen wird das Alter ihres Bestehens allein beim meklenburgischen Vereine für Geschichte und Alterthumskunde durch die Zahl von Bänden seiner Vereinsschriften verkündet. Geisteskinder sind dies, einander ähnlich, fast gleich an äußerer Erscheinung, wie an innerm Gehalt. Blicken wir in das Inhaltsverzeichniß, da heißt es: "Von Dr. Lisch - von demselben - von demselben" u. s. w. Nun, da dürfen wir uns über eine gewisse physiognomische Aehnlichkeit und Werthgleichheit dieser Geistesproducte nicht wundern! Und dennoch, schauen wir an die Mannigfaltigkeit des Gebotenen: hier ein geöffnetes Grab, aus welchem das Leben einer heidnischen Vorzeit uns heraufsteigt; dort Urkunden und Kunstdenkmäler, die von der Glaubens= und Thatkraft christlichen Mittelalters Zeugniß ablegen: - und diese reiche Folge von Forschungen, die nicht bloß in Chronikenweise berichten, was geschehen, sondern auch des Historikers höhere Aufgabe lösen, indem sie die Continuität der Gegenwart mit der Vergangenheit zeigen, - da gewinnt man doch die Ueberzeugung, so etwas kann der Gelehrte allein in seiner Isolirtheit nicht schaffen, dazu muß eine Vereinigung von Kräften, Unterstützungen, Bereitwilligkeiten und Handreichungen mitwirken, das kann nur durch einen historischen Verein von Männern geschehen.
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Diese Aufgabe der historischen Vereine hat keiner in gleichem Maaße erfüllt wie der meklenburgische Verein . Diese Anerkennung muß ich im Namen aller verwandten Vereine aussprechen, mit dem Wunsche, daß dieser Verein ein recht hohes Alter erreichen, aber nie altern möge!
Der Verein für meklenburgische Geschichte und Alterthumskunde lebe in stets jugendlicher Frische hoch!"
Von nun an war es nicht mehr immer möglich, Wort und Sinn der unter fröhlichem Jubel einander drängenden scherzhaften und ernsten Toaste zu fassen und dem Gedächtnisse einzuprägen. Nur Beispielsweise nenne ich unter den zahlreichen Rednern noch den Herrn Hofprediger Frege, der sich selbst in fließender, mit gewandten Reimen gemischter Rede, mit Anspielung auf den unfertigen Berliner Untersatz zu der Festgabe, als einen "janz fertigen Berliner" präsentirte, und Herrn Director Wex, der auch der Frauen zu gedenken mahnte und mit einem jubelnd aufgenommenen Hoch auf unsere treue Aufseherin des Antiquariums schloß. Auch des Vaterlandes und seiner Hoffnungen ward unter stürmischem Beifall gedacht. Allmälich ward zwar die Zahl der fröhlichen Gäste geringer, aber der Jubel nicht schwächer, bis die späte Nacht das letzte Häuflein trennte.
Mögten nun auch die fröhlichen Hoffnungen für die Zukunft unsers Vereins, die wohl alle Teilnehmer des Festes an diesem Abende mit heim getragen haben, in Erfüllung gehen, und das Fest der Erinnerung an unsere erste thatkräftige Jugendzeit zugleich - wie wir hofften - ein Fest der Verjüngung und Wiedergeburt werden!
An den vorstehenden Festbericht habe ich nun noch die Chronik des Vereins seit dem Juli vorigen Jahres anzureihen, die sonst in dem Jahresberichte gegeben zu werden pflegt, da die Festversammlung zugleich die Stelle der statutenmäßig am 11. Julii zu haltenden Generalversammlung zu vertreten bestimmt war. Beschlußmäßig habe ich mich zwar dies Mal im Wesentlichen auf die Personal=Chronik zu beschränken, die Veränderungen der Matrikel in der angegebenen Zeit sind aber ziemlich bedeutend.
Zunächst habe ich hier der Erledigung des zweiten Präsidentenstuhles in Folge der Uebersiedelung unsers langjährigen
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hochgeehrten Vicepräsidenten, Herrn Geh. Raths v. Oertzen, nach Berlin zu erwähnen. Mit dem Abgange dieses um die Gründung und das rasche Gedeihen des Vereins hochverdienten Mannes blieb von den ersten constituirenden Ausschußmitgliedern nur noch der Herr Archivrath Lisch übrig. Es war daher der dringende Wunsch der Festversammlung, statt seiner ein anderes, früher aus seiner damaligen Stellung ausgeschiedenes Mitglied dieses Ausschusses, das aber noch jetzt in unserer Mitte weilte, wiederzugewinnen, ich meine den ehemaligen Berechner des Vereins, Herrn Geh. Canzlei=Rath Faull, der dann auch nach erfolgter einstimmiger Wahl sich zur Annahme derselben bereit erklärte, und sofort in der Versammlung den leergelassenen Sitz neben dem Herrn Präsidenten v. Oertzen einnahm.
Von den ordentlichen Mitgliedern raubte uns der Tod in diesem Zeitraume den General=Lieutenant v. Witzleben, gest. zu Goslar am 4. Oct. 1859, nachdem er sich durch die Reorganisation unsers Militairwesens ein dauerndes Ehrendenkmal in unserm Lande gesetzt, kurz vor seinem Tode aber in preußische Dienste zurückgetreten war; Karl Aug. Ludwig v. Jasmund, früher auf Dobbin, gest. zu Bützow am 16. Dec. 1859, an welchem der Verein einen alten Freund verlor, der seine Theilnahme mehrmals durch werthvolle Geschenke bethätigt hat, und den Medicinalrath Dr. Brückner zu Ludwigslust, gest. am 30. März 1860, einen hochverdienten praktischen Arzt, der auch in der Wissenschaft, namentlich als Geologe, mit Ehren genannt wird und in dem Archive für Freunde der Naturgeschichte Meklenburgs, Jahrg. 1860, an seinem Neffen E. Boll bereits einen Biographen gefunden hat. Ferner sind die Herren Kammerherr v. d. Lanken auf Galenbeck, v. Gundlach auf Möllenstorf, Criminalrath v. Bülow zu Bützow und Particulier Röseke zu Goldberg, welcher in das Ausland gegangen ist, freiwillig ausgeschieden. Rechnet man dazu noch die in der Festversammlung zu Ehrenmitgliedern des Vereins ernannten Herren Landrath v. Blücher auf Teschow, Oberst Graf v. d. Osten=Sacken zu Schwerin und Pastor Masch zu Demern, so hat der Verein im Ganzen 10 ordentliche Mitglieder verloren. Dieser Verlust ist indeß durch die Beitrittserklärungen der folgenden 14 Herren und Damen reichlich ersetzt, nämlich der Frau v. Schulse, geb. v. Knuth, auf Ludorf, und der Herren Fr. Wilh. Cossel zu Schwerin, Archivschreiber Jahr zu Schwerin, Pastor Engmann zu Gr. Panckow, Gymnasiallehrer Fischer zu Schwerin, Forstmeister v. Glöden zu Dargun, Amtsverwalter Flörcke
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zu Dargun, Oberpostamts=Director Flügge zu Rostock, Pastor Malchow zu Schwerin, Schuldirector Schmidt daselbst, Dr. med. Pfeiffer daselbst, Gymnasiallehrer Latendorf daselbst, Major Köhler daselbst und Advocat Hobein daselbst. Es ist also für dies Jahr im Ganzen ein Gewinn von 4 ordentlichen Mitgliedern zu melden, wogegen ich nachfraglich noch den schon im Jahre 1838 erfolgten Austritt des Herrn Präpositus Bauer zu Rehna anzuzeigen habe, so daß wir das zweite Viertel des Jahrhunderts mit 278 Mitgliedern antreten.
Endlich ist hier noch wiederholt des schon in dem Neujahrsberichte d. J. angezeigten Todes des Professors Dr. Wilhelm Grimm zu Berlin am 16. Oct. 1859 zu gedenken. Der Verstorbene, dessen Verlust ganz Deutschland mit seinem berühmten Bruder betrauert, war seit dem 5. October 1835 unser correspondirendes Mitglied, und hat als solches die Arbeiten unsers Vereins vielfach gefördert.
Das statutenmäßig in diesem Jahre auszugebende Verzeichniß der Mitglieder ist durch den in dem Festprogramm angekündigten Abdruck der vollständigen Matrikel des Vereins, den ich in dem Anhange vorzulegen mir erlaube, überflüssig geworden, da dieselbe in ihrem Haupttheile, dem Verzeichnisse der ordentlichen Mitglieder, alphabetisch geordnet und die noch lebenden Mitglieder durch den Druck ausgezeichnet sind.
Ebendaselbst befindet sich auch der in der Versammlung von dem Herrn Berechner Dr. Wedemeier vorgelegte Auszug aus der Rechnung vom 1. Juli 1859 bis 20. April 1860, so wie das Verzeichniß der in eben diesem Zeitraum erworbenen Bücher vom Herrn Bibliothekar Candidaten Dolberg und der Bericht über die Bildersammlung vom Herrn Registrator Glöckler.
Schließlich fühle ich mich noch verpflichtet, einige Worte zu meiner Rechtfertigung wegen des Wegfallens der in dem Festprogramme verheißenen Geschichte des Vereins hinzuzufügen. Gegen Ende des Monats März, nachdem ich die Vorarbeiten zu dieser Abhandlung vollendet und mit der Ausarbeitung selbst begonnen hatte, theilte mir der Herr Redacteur Schäfer hieselbst mit, daß er schon vor Jahren eine ähnliche Arbeit entworfen, und jetzt mit Bezug auf das bevorstehende Vereinsfest, nochmals überarbeitet, in dem nächsten Hefte seines Archivs für Landeskunde, dessen Druck bereits begonnen habe, zu veröffentlichen gedenke, auch dem Vereine einen Separatabdruck als Festgabe überreichen werde. Diese Mittheilung bestimmte mich, mit meiner Arbeit einstweilen inne zu halten,
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nachdem ich aber die nach meinem Urtheile sehr zweckmäßig und besonnen durchgeführte Abhandlung des Herrn Schäfer, deren wirkliches Erscheinen oben bereits angezeigt ist, gelesen hatte, glaubte ich meinen Plan ganz fallen lassen zu müssen. In der That giebt Herr Schäfer, dessen Zeitschrift so ziemlich allen Mitgliedern unsers Vereins bekannt sein dürfte, wenigstens leicht zugänglich ist, im Wesentlichen alles, was ich nach längerm Schwanken über den meiner Abhandlung zu gebenden Umfang auch meiner Seits nur bieten zu dürfen glaubte. zwar wird von vielen eine nicht in dem Plane des Herrn Schäfer liegende tiefer eingehende Kritik der in unsern Jahrbüchern niedergelegten historischen Arbeiten ungern vermißt werden; allein grade ich bin nach meiner amtlichen und persönlichen Stellung zu dem Herausgeber und in Wahrheit fast alleinigen Verfasser der Jahrbücher, wie zu andern Mitarbeitern, um von mir selbst zu schweigen, am wenigsten der Mann, der diese Lücke zu füllen versuchen darf. Kann ich mir doch selbst ein unbefangenes Urtheil über diese Arbeiten, die ich fast alle gleichsam in der Geburt gesehen und liebgewonnen habe, nicht zutrauen; den bloßen Panegyriker meines verehrten Collegen und lieben Freundes zu machen, entspricht aber weder seiner, noch meiner Ehre, noch der Würde des Vereins! Ich hoffe daher, daß mir die hiedurch gehorsamst erbetene Indemnitäts=Bill für mein Verfahren nicht verweigert werden wird.
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zur
Veränderung der Jahrbücher des Vereins.
Nachdem in 25 Jahrgängen der Jahrbücher die Geschichte und Alterthmuskunde Meklenburgs von allen Seiten beleuchtet und dadurch eine ziemlich genügende Uebersicht über das ganze Gebiet der meklenburgischen Geschichte gewonnen ist, dürfte es vielleicht angemessen sein, von Zeit zu Zeit auch mehr übersichtliche Darstellungen, namentlich auf dem Gebiete der alten Kunst, zu liefern, theils zur eigenen Befriedigung, theils zur Nacheiferung anderer Staaten und gelehrter Gesellschaften.
Der Ausschuß stellt daher die Anfrage,
ob es dem Vereine gefalle, daß von Zeit zu Zeit, wenn Stoff vorhanden ist, übersichtliche Darstellungen aus den Gebieten der heidnischen Alterthumskunde und der mittelalterlichen Kunst, von ausreichenden Abbildungen begleitet, in wissenschaftlicher Folge, mit dem bisherigen Haupttitel der Jahrbücher, statt der geschichtsforschenden Jahrbücher eintreten dürfen.
Für Unternehmungen dieser Art würde die Lieferung von Abbildungen die Hauptsache sein und die Jahreseinnahmen des Vereins zum größten Theile aufzehren, so daß der dazu zu liefernde gedruckte Text angemessen beschränkt werden müßte. Die Kosten eines solchen von Abbildungen begleiteten Jahresheftes würden die Kosten eines Bandes Jahrbücher nicht überschreiten dürfen, es sei denn, daß für diesen Zweck besondere außerordentliche Zuschüsse und Hülfen, um welche sich der Ausschuß bemühen wird, gewonnen würden. Es läßt sich aber für den durchschnittlichen Preis eines Jahrganges Jahrbücher ein ausreichendes und anständiges Heft Kunst= oder Culturgeschichte mit Abbildungen herstellen.
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Zur Hebung der Jahrbücher geht ein fernerer Vorschlag des Ausschusses dahin:
daß die auch in den Jahrbüchern bisher alljährlich gelieferten Verzeichnisse der eingegangenen Bücher, Bilder, Alterthümer, Münzen, Kunstsachen
., sobald diese nicht von bedeutendem wissenschaftlichen Werthe sind und eine besondere wissenschaftliche Bearbeitung verdienen, so wie auch der Bericht über den Jahresabschluß fortan aus den Jahrbüchern wegfallen und ihre Stelle in kurzer, systematischer Darstellung nur in den vier Male im Jahre herauszugebenden und nach dem vorliegenden Material zu erweiternden Quartalberichten finden, welche fortan ganz in der Form und mit den Lettern der Jahrbücher gedruckt und in der Größe der Auflage der Jahrbücher übergedruckt werden sollen, um sie der Vollständigkeit und des Zusammenhanges wegen auch den Jahrbüchern anzubinden.
Der Ausschuß erwartet über diese Vorschläge die Aeußerung der Versammlung.
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zur
Herausgabe eines meklenburgischen Urkundenbuches.
Für die wissenschaftlichen Bedürfnisse Meklenburgs ist die Herausgabe eines Urkundenbuches, wie es die meisten Staaten besitzen, nicht allein ein erwünschtes Unternehmen, sondern auch ein dringendes Bedürfniß. Die Möglichkeit einer befriedigenden und achtungswerthen Veröffentlichung ist vorhanden, da sowohl Meklenburg selbst einen großen Schatz von Urkunden besitzt, als auch alle Nachbarländer umher (Brandenburg, Pommern, Hannover, Holstein, Hamburg, Lübeck, Dänemark, Schweden) unter ihren Urkunden auch eine reiche Fülle meklenburgischer Urkunden veröffentlicht haben. Die Ausführung des Unternehmens hat aber große Schwierigkeiten, da es bis jetzt an Mitteln dazu fehlt, sowohl an Arbeitskräften, als an Geld, um so mehr da im Lande auf freiwillige Hülfe wenig zu rechnen und im Verhältniß zu dem vorhandenen reichen Urkundenschatze wenig Vorarbeit gethan ist. Soll das Unternehmen ausgeführt werden, wie es Bedürfniß und Ehre erfordern, so müssen Arbeitskräfte und Geldmittel herbeigeschafft werden, da es in jeder Hinsicht die Kräfte des Vereins bei weitem übersteigt, mit eigenen Mitteln erfolgreich einzugreifen.
Um eine kurze Uebersicht über das Unternehmen zu geben, dürften folgende Puncte grundleglich zu machen sein.
1. Das Urkundenbuch erstreckt sich vorläufig von den ältesten Zeiten bis ungefähr zum Jahre 1500.
2. Die Ordnung des Urkundenbuches wird eine chronologische sein, da nach vielfältiger, genauer Ueberlegung diese Art der Anordnung die leichteste Uebersicht und Benutzung gewährt, jede andere Art der Ordnung aber das Material zu sehr zersplittert.
3. Zur Benutzung für einzelne Zwecke werden vielfache und übersichtliche Register beigegeben.
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4.) Die Art der Bearbeitung der Urkunden, die Kritik des Textes, die Inhaltsangabe und Beschreibung wird in der Weise gehalten werden, welche der Verein in feinen Jahrbüchern bisher befolgt hat.
5. Die Ausdehnung des Werkes wird sich ungefähr dadurch bestimmen lassen, daß zunächst bis ungefähr um das Jahr 1300 alle vorhandenen Urkunden ohne Ausnahme gedruckt werden, für die Zeit nach 1300 aber eine Auswahl nach weiterer Ueberlegung vorbehalten bleibt.
6. Die äußere Form wird derjenigen ähnlich sein, welche die meisten Urkundenbücher anderer Staaten angenommen haben.
Nach diesem grundleglichen Plane, welcher nach reifer Ueberlegung als zweckmäßig erkannt ist, muß ein sehr großer Theil des Urkundenvorrathes vollständig bearbeitet sein, ehe die Herausgabe möglich ist, so daß mehre Jahre hingehen werden, ehe der Druck beginnen kann.
Die Verfolgung eines anderen möglichen Planes, die Urkunden nach einzelnen Gesichtspuncten und Instituten in kleinern Sammlungen zu geben, wie dergleichen im Lande schon vorhanden sind, würde auch nicht früher zweckmäßige Uebersichten gewähren, als bis das ganze Werk vollendet sein würde.
Zur Erreichung des Zieles würde es also nöthig sein,
A. daß wenigstens ein befähigter Mann ganz allein oder doch zum großen Theile seiner Arbeitskraft für dieses Unternehmen gewonnen und
B. daß eine zur Ausführung des Unternehmens ausreichende Geldsumme für den Druck des Werkes gesichert würde.
Die Geldmittel müßten beim Beginne des Unternehmens schon vorhanden sein, um die Möglichkeit der Ausführung gesichert zu sehen, damit die Arbeit nicht vergeblich gemacht wird. Die laufenden Zinsen der Summe würden zu den Kosten der Vorbereitung unentbehrlich sein, ja vielleicht nicht einmal ausreichen.
Nach diesen Andeutungen dürfte sich folgender Plan zur Beschlußnahme stellen lassen:
I . Der Verein für meklenburgische Geschichte und Alterthumskunde übernimmt die Leitung und allseitige Beförderung der Bearbeitung und Herausgabe eines meklenburgischen Urkundenbuches und giebt das Werk unter seinem Namen heraus.
II . Der Verein wird durch eine eigens zu diesem Zwecke erwählte Commission bei der großherzoglich=meklenburg=schwerinschen Landesregierung beantragen, daß von ihr zur Bearbeitung und Herausgabe des Ur=
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kundenbuches ein Wissenschaftlich gebildeter, geeigneter Mann dem Vereine nach Umständen zur Disposition gestellt und für die Arbeit an dem Werke honorirt werde. Die großherzoglich=meklenburg=strelitzische Regierung wird von dem Vereine ersucht werden, auf ihre Kosten von den in ihren Landestheilen befindlichen Urkunden, so weit sie zu ihrer Verfügung stehen, Abschriften zu dem Werke zu liefern.
III . Der Verein wird bei den meklenburgischen Landständen ebenfalls durch eine Commission beantragen, daß demselben zu den Kosten des Druckes des Urkundenbuches aus ständischen Mitteln die Summe von 4000 Thalern bewilligt werde.
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aus
der Berechnung der Vereins=Casse vom 1. Juli 1859 bis 20. April 1860.
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Schwerin, den 20. April 1860.
F. Wedemeier, Dr.,
Ministerial=Registrator,
p. t. Cassen=Berechner.
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der
12. Juli 1859 bis 24. April 1860 erworbenen Bücher.
I. Sprachkunde.
Nr.
II. Kunstgeschichte.
III. Biographien.
IV. Russische Ostseeprovinzen.
V. Nordische Alterthumskunde.
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VI. Frankreich.
VII. Die Schweiz.
VIII. Belgien und die Niederlande.
IX. Allgemeine deutsche Geschichte und Alterthumskunde.
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X. Oesterreich.
XI. Bayern und Würtemberg.
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XII. Der Mittelrhein, Nassau und Hessen.
XIII. Sachsen und Thüringen.
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XIV. Schlesien und die Lausitz.
XV. Westphalen und Niedersachsen.
XVI. Preußen, Brandenburg und Pommern.
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XVII. Hamburg, Lübeck, Holstein, Lauenburg
und Schleswig.XVIII. Meklenburgica.
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XIX. Amerika.
Dolberg, Cand. theol.
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Die Bilder- und Autographen-Sammlung.
Die Bilder=Sammlung des Vereins ist in dem Zeitraum von Joh. 1859 bis Ostern 1860 durch 28 Blätter, sämmtlich Geschenke, bereichert worden. Es befinden sich darunter 19 Portraits, größten Theils Handzeichnungen, geschenkt von Herrn E. v. Kamptz hier und Herrn Student G. Brüning zu Berlin; 1 älteres Bildniß in Kpf. vom Herrn Küster Bohn zu Demern geschenkt; ferner 8 Blätter Alterthümer und Kunstdenkmäler, ebenfalls meist Handzeichnungen, geschenkt von den Herren Pastoren Pumplün zu Carlow und Zander zu Teterow, so wie den Herren Baron v. Hammerstein zu Verden, Dr. Crull in Wismar und Gutsbesitzer Pogge auf Gewezin. Diese Blätter sind bereits in den Quartalberichten vom 30. Oct. 1859 und 5. Januar 1860 genauer verzeichnet.
Im laufenden Quartale sind bisher als Geschenke eingegangen: Ansicht vom Stifte Bethlehem zu Rattey, Lith. 8., geschenkt vom Herrn Archivrath Dr. Lisch; 4 Situationspläne von ältern Burg= und Dorfanlagen und andern Alterthümern auf den Feldmarken von Schulenberg, Fahrenhaupt, Dänschenburg und Freienholz, 4 Bl. Handzeichn. Q.=Fol., geschenkt vom Hrn. Forstgeometer Bölcken hier; Album, enth. Portraits, Karrikaturen und Genrebilder, gesammelt vom wail. Freih. Albrecht Maltzan auf Peutsch und als Geschenk übergeben vom Herrn Freiherrn Maltzan auf Groß=Lukow; zwei Portraits der Gutsbesitzer Kollmann und Harms (aus der Zeit mn 1820), Handz. in Tusche, 8., und zwei Portraits von meklenbrg. Militairs, Lith. Fol. und Silh. 8., geschenkt vom Herrn E. v. Kamptz hier; Bildniß des Schauspieldirectors Bethmann zu Rostock, Lith. Fol. (2 Explr.), geschenkt vom Hrn. O.=App.=Ger.=Canzlisten Rogge daselbst.
Für die Autographen=Sammlung sind bisher 10 Stücke, meist aus Acten=Makulatur, erworben, und zwar: 3 fürstliche Unterschriften, 4 desgl. von landesherrlichen Ministern und Räthen, 2 Schriftstücke von Gelehrten (Paul
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Tarnow, 13. Juni 1625, G. Brückner, 12. Dec. 1824) und 1 Zuschrift der wail. Frau Gräfin Agnes Hahn zu Basedow vom 21. November 1847.
An literarischem Material ist für die Sammlungen angeschafft: Allgem. Portrait=Catalog von W. E. Drugulin. Erster und zweiter Band. (A bis T). Leipzig 1859. 60. 8. Ferner: Deutsches Stammbuch. Autographen=Album. Dritte Aufl. Leipzig. 1860. Q.=8.
A. Glöckler.
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des
Vereins für meklenburgische
Geschichte und Alterthums=
kunde
aus den ersten 25 Jahren seines Bestehens.
(Die 5 ersten Verzeichnisse sind chronologisch, das 6te ist alphabetisch geordnet. - Die Angabe des Standes, Amtes, Titels und Wohnortes bezieht sich bei den gegenwärtigen Mitgliedern auf den 24. April 1860, bei den übrigen auf die Zeit des Todes oder Austritte. - Die Namen der gegenwärtigen Mitglieder sind mit einem Sternchen bezeichnet. Diejenigen ehemaligen Mitglieder, bei welchen die Art des Ausscheidens nicht angegeben ist, sind entweder nach voraufgegangener Kündigung ordnungsmäßig ausgetreten, oder wegen Nichterfüllung ihrer statutenmäßigen Verpflichtung gestrichen.)
I. Die Allerhöchsten Protectoren.
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II. Hohe Beförderer.
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III. Ehren=Mitglieder.
IV. Correspondirende Mitglieder.
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V. Correspondirende Gesellschaften.
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VI. Ordentliche Mitglieder.
Friedrich Wilhelm, Erbgroßherzog von Meklenburg=Strelitz, auf ausdrücklichen allerhöchsten Befehl als ordentliches Mitglied aufgenommen am 17. Nov. 1835, auf den Wunsch des Vereins jedoch in die Reihe der hohen Beförderer eingetreten am 8. Febr. 1836.
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Der Verein umfaßte also am 24. April 1860 2 allerhöchste Protectoren, 9 hohe Beförderer, 9 Ehrenmitglieder, 56 correspondirende Mitglieder, 80 correspondirende Gesellschaften und Vereine und 278 ordentliche Mitglieder.
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zu
den Jahrbüchern S. 222.
Ueber die Bronzewagen.
N achdem die Jahrbücher Jahrgang 25 im Druck vollendet waren, brachte mir der Herr Bauconducteur Langfeld aus Güstrow nach seiner Heimkehr aus Hinter=Pommern, wo er längere Zeit beim Bau der Eisenbahn beschäftigt gewesen war, die Nachricht, daß der Herr von der Lühe auf Zarnefanz bei Belgard in Pommern einen dreiräderigen Bronzewagen (also dem bei Frankfurt a. O. gefundenen ähnlich) mit andern Alterthümern auf diesem seinem Gute gefunden habe. Es sind hierauf Einleitungen getroffen, um Nachrichten über diesen Fund zu gewinnen. (Vgl. Jahrb. oben S. 320)
G. C. F. Lisch.
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:
Ueber
gehalten in der Fest=Versammlung am 24. April 1860,
als
dem 25jährigen Stiftungstage des Vereins,
von
dessen zweiten Secretair, Herrn Archiv=Secretair Dr. Beyer .
Wie der einzelne denkende Mensch an den von Zeit zu Zeit eintretenden Wendepunkten des Lebens seinen Schritt zu hemmen und einen Rückblick auf die Vergangenheit zu thun pflegt, um sich selbst Rechenschaft zu geben über sein bisheriges Thun und Lassen, und aus der Summe seiner bisherigen Erfahrungen neue Entschlüsse zu ziehen zur Vorbereitung auf die kommenden guten und bösen Tage, - so begegnen wir einer ähnlichen Erscheinung auch in dem Leben ganzer Völker. Wenn in Folge größerer, tiefer eingreifender Weltereignisse eine Entwickelungsperiode sich abschließt, und eine neue beginnt, dann pflegt nicht bloß der Gelehrte oder der Dichter, sondern das ganze Volk sich mit besonderer Vorliebe seiner Geschichte zuzuwenden. Ein solcher Abschnitt trat für unser Volk mit dem Ende der Freiheitskriege ein. Kaum hatte daher unsre tapfere Jugend das siegreiche Schwert in die Scheide gesteckt, und die blutige Waffenrüstung abgelegt, als sie sich mit gehobenem Selbstbewußtsein der Erforschung der großen Vergangenheit unseres Volkes hingab. Es war vor allen der edle Freiherr v. Stein, der durch die Stiftung der Gesellschaft für die ältere deutsche Geschichte zu Frankfurt die Losung für die neue nationale Arbeit des Friedens gab, wie er früher die Losung zur kriegerischen Rüstung und nationalen Erhebung gegen den Feind gegeben hatte. Und der Mann verstand sein Volk, und wußte, was ihm noth that, und das Volk verstand ihn,
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und folgte seinem Rufe. Nicht nur seine eigne Stiftung hatte durch allseitige Unterstützung fröhliches Gedeihen bis auf den heutigen Tag, sondern seinem Beispiele folgend traten in allen deutschen Ländern patriotische Männer an die Spitze, und gründeten in rascher Folge zahlreiche Special=Vereine zur Erforschung der besondern Geschichte der einzelnen Stämme. Das war kein partikularistischer Widerspruchsgeist gegen die nationalen Bestrebungen Steins, wie man es später zu deuten gesucht hat, es war vielmehr die wirksamste Unterstützung derselben, denn nur aus dem Besondern und Einzelnen ist das Gemeinsame und Ganze richtig zu erkennen.
Dieser durch ganz Deutschland gehenden geistigen Bewegung nun schloß sich auch unser Meklenburg an, zögernd zwar und spät nach der Weise unsers Stammes, dann aber auch mit ganzer Energie und unermüdlicher Ausdauer zur Ausführung des einmal gefaßten Entschlusses schreitend. Es trat aber noch ein besonderes heimisches Ereigniß hinzu, das diesen Entschluß bei uns zur Reife brachte.
Die 52jährige Regierung des hochseligen Großherzogs Friedrich Franz I. gehöre unstreitig zu den thaten= und ereignißreichsten in der ganzen Geschichte unsers Landes. Nachdem der junge kräftige und geistreiche Fürst sofort nach dem Antritte der Regierung durch den Rostocker Erbvergleich den innern Frieden des Landes hergestellt hatte, und demnächst durch die Wiedererwerbung der vor 150 Jahren von Meklenburg, und damit thatsächlich auch von Deutschland abgerissenen zweiten Seestadt Wismar, die letzten Spuren des verheerenden 30jährigen Krieges, sowie die Schmach des westfälischen Friedens für Meklenburg getilgt hatte, brach abermals eine fast nicht minder verderbliche und schmachvolle Zeit über das Vaterland und das hohe Fürstenhaus herein. Wie einst sein wackerer Ahne Adolph Friedrich, so mußte auch Friedrich Franz zwei Mal sein theures Land und Volk verlassen, und den Fremden auf der Burg seiner Väter schalten sehen. Doch der rasche und entscheidende Sieg der durch den Uebermuth des Feindes in dem einen großen Gedanken der Freiheit des Vaterlandes vereinigten Völker und Fürsten Deutschlands führte auch unsern geliebten Herrscher als ersten Großherzog zu den Seinen zurück, um noch 20 glückliche Jahre des Friedens mit ihnen zu theilen.
Diese gemeinsam durchlebten großen Ereignisse und die persönliche Liebenswürdigkeit des Herrschers knüpften ein so enges Familienband zwischen Fürst und Volk, wie es selten in der Geschichte gefunden wird. Friedrich Franz ward nicht von Schmeichlern der Liebling des Volkes genannt, er war es wirklich in dem ganzen vollen Sinne des Wortes. Groß war daher die Freude und der Jubel in allen Schichten des Volkes, als am 24 April 1835 das allgemeine Dankfest der 50jährigen segensreichen Regierung des geliebten Fürsten
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gefeiert ward, jetzt eines gebückten Greises, aber noch in voller geistiger Kraft. Und mitten in diesem Jubel war es, als auf Veranlassung des damaligen Regierungsrathes, spätern Ministerpräsidenten v. Lützow Excellenz, unseres vieljährigen Präsidenten, - des kurz zuvor zum Archivar berufenen, jetzigen Archivraths und Conservators Dr. Lisch, unsers ersten Secretärs, und nun 25jährigen treuen Führers und Meisters, - sowie des leider seitdem von schwerem Leiden heimgesuchten Pastors Bartsch als zweiten Secretärs, 84 Vaterlandsfreunde zusammentraten, um durch die Stiftung eines Vereins für meklenburgische Geschichte und Alterthumskunde zugleich den Grundstein zu einem Denkmal des hohen Jubilars zu legen, zu dem er selbst bereits ein reiches Baumaterial geliefert hatte.
Das ist die Geschichte der Gründung unsers Vereines, der diesem Ursprunge gemäß nicht nur der Wissenschaft, sondern zugleich dem Vaterlande dienen will. Seitdem ist abermals ein Viertel=Jahrhundert verflossen, und auch wir sind damit an einem Wendepunkte unsrer Entwickelung angelangt, an dem es uns geziemen will, zurückzublicken und uns selbst Rechenschaft abzulegen, wie wir die Zeit benutzt haben zum würdigen Fortbau jenes vor 25 Jahren begonnenen Liebes=Denkmals zu Ehren des Fürsten, dessen Jubelfest nun auch das unsrige geworden ist.
Unter der Protection der beiden hohen Landesherren, von welchen der jüngere, Se. K. H. der Großherzog Georg von Meklenb.=Strelitz, noch heute an unsrer Spitze steht, während nach dem Tode des hochseligen Großherzogs Friedrich Franz am 1. Febr. 1837 dessen allerhöchste Nachfolger in der Regierung auch unsre Führung in dem Sinne und Geiste Ihres hohen Ahnen zu übernehmen geruheten, - unter dieser Protection schritt der junge Verein einer raschen Entwicklung entgegen. Schon am 11. Juli 1835 konnte derselbe seine erste Generalversammlung unter Vorlegung des ersten Bandes seiner Druckschriften eröffnen, die seitdem ohne alle Unterbrechung alljährlich erschienen sind und nun in 25 Bänden das beste Zeugniß seiner Arbeit und deren Früchte geben. Damals zählte der Verein, dem die sämtlichen erwachsenen Mitglieder beider Fürstenhäuser sich als hohe Beförderer angeschlossen hatten, bereits 126 ordentliche Mitglieder. Diese Zahl stieg in den folgenden Jahren bis auf 402, sank aber dann in den Jahren 1847 bis 1853 in Folge der damaligen politischen Bewegung Deutschlands bis auf 280 herab und ist seitdem mit geringen Schwankungen auf dieser Höhe stehen geblieben, während die Zahl der hohen Beförderer noch durch den Beitritt mehrer auswärtiger Fürsten, namentlich Ihrer Majestäten der Könige von Preußen, Sachsen und Dänemark vermehrt ward. Im Ganzen aber sind die Namen von 680 ordentlichen Mitgliedern in unsre Matrikel eingetragen, die hier zur Einsicht vorliegt. Unter diesen 680 Männern
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sind alle Stände und Berufsclassen von den höchsten Staatsdienern zunächst an dem Throne des Fürsten, bis zum einfachen Bürger und Landmann vertreten; und wenn auch die Zahl der eigentlichen Mitarbeiter natürlich nur klein ist, so sind es doch verhältnißmäßig nur wenige, die nicht Gelegenheit gefunden hätten, sich irgendwie durch außerordentliche Geschenke zur Bereicherung unsrer Sammlungen, oder durch Mittheilung interessanter Nachrichten mittelbar an den Arbeiten des Vereins zu betheiligen. Ich muß es mir versagen, hier auch nur die Namen der verdientesten Mitarbeiter und Förderer zu nennen, werde aber anderswo Gelegenheit haben, ihr Andenken zu ehren.
Nur durch diese außerordentliche, von wenigen vorhergesehene Theilnahme ward es möglich, in den abgelaufenen 25 Jahren ein Arbeitscapital von circa 22,000 Thaler für die Zwecke des Vereins aufzubringen, wozu noch fast der ganze höchst bedeutende Werth unsrer Sammlungen kommt, da diese nur zum geringsten Theile durch Ankauf oder sonstige Geldopfer aus jenen Capitalfonds, vielmehr fast ausschließlich durch außerordentliche Geschenke erworben sind. - Unter ihnen nimmt unbestritten die in ihrer Art in Deutschland fast einzig dastehende Alterthumssammlung den ersten Rang ein, und umfaßt gegenwärtig, ohne die damit äußerlich verbundene großherzogliche Sammlung, nicht weniger als 4000 Nummern. Am Schwächsten ist darin das Mittelalter vertreten, wogegen die vereinigten Sammlungen heidnischer Alterthümer Meklenburgs vielleicht alle ähnlichen Deutschlands übertreffen, nicht nur an Umfange, sondern mehr noch an innerem Werthe, der von allen Kennern bereitwillig anerkannt wird. Daran schließt sich zunächst die Münzsammlung mit mehr als 6300 Stücken; ferner die Bildersammlung in 820 Blättern, die Bibliothek, die bereits 3350 Bände zählt und endlich die Urkundensammlung von etwa 800 Nummern.
Diese Sammlungen werden allen künftigen Forschern ein Hülfsmittel von unschätzbarem wissenschaftlichem Werthe bieten; besonders aber wird die Allerthumssammlung, wie sie hier in diesen Schränken aufgestellt ist, eine reiche lebendige Quelle für die älteste Geschichte unsrer Heimath werden, deren Existenz vor 25 Jahren noch von Niemanden geahnet ward, und aus welcher den Entdeckern selbst erst kaum zu schöpfen vergönnt war. Die Wichtigkeit der noch in großer Zahl über unsre Fluren zerstreueten Grabhügel früherer, zum Theil schon vor Jahrtausenden dahin gesunknen Geschlechter erregten gleich anfangs die besondere Aufmerksamkeit des Vereins, der deshalb sofort eine eigne Commission zur Leitung regelrechter Aufgrabungen niedersetzte. Der unbefangnen Beobachtung dieser Männer aber konnte es nicht entgehen, daß jene Hügel sowohl der Form, als dem Inhalte nach wesentlich von einander verschieden seien, und die nähere Untersuchung ließ keinen Zweifel über diese Entdeckung zu. So entstand
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ohne alle Systemsmacherei zuerst in Deutschland die wissenschaftliche Ordnung unsrer Sammlung, die viel angefochten, sich nach und nach überall Anerkennung erworben hat.
Das Resultat dieses Verfahrens ist nicht hoch genug anzuschlagen. Wir wissen jetzt mit völliger Sicherheit, daß auf diesem Boden, den wir heute bebauen, in ungemessener Zeit 4 Völkerschichten nach einander abgelagert sind. Dort jene Schädel mit der niedern zusammengedrückten Stirn und die rohen Waffen von Knochen, die der in der Grube sitzenden Leiche beigegeben waren, beweisen, daß jenes ärmliche, jetzt an den mit ewigem Eise bedeckten Nordpol zurückgedrängte Geschlecht, einst mit seinem treuen Rennthier auch unsre Weiden besuchte. - Ihm folgte ein anderer Stamm von stärkerem Knochenbau, in dem die fortgeschrittne Entwickelung des Geistes auch die Stirne bereits ein wenig, aber nur erst ein wenig, höher gewölbt hatte. Auch seinen Namen und seine Thaten nennt uns keine historische Urkunde, aber zahlreiche, mit mühevollem und ausdauerndem Kunstfleiß aus hartem Kiesel gearbeitete Waffen und Geräthschaften, welche nebst den geschmackvoll geformten Aschenurnen jenen hauptsächlich an der Meeresküste und den Ufern der größern Landgewässer zerstreuten Riesengräbern entnommen sind, zeigen uns ein rauhes starkes Geschlecht von Fischern und Jägern, das jene schwächern Nomaden verdrängt hatte, und dann selbst einem ähnlichen Geschicke erlegen, jetzt erst durch unsre Forschungen aus tausendjährigem Schlafe gleichsam wieder erweckt ward.
Wer aber war der Sieger dieses Hünen=Geschlechtes? Unsere Untersuchungen zeigen keine Spur jener unvermeidlichen Kelten, welche nach früherer Ansicht einst ganz Europa bewohnt haben sollten; noch nie ist z. B. bei uns auch nur eine einzige jener kleinen Hohlmünzen entdeckt worden, die man im südlichen Deutschland Regenbogenschüssel zu nennen pflegt, und die von dem eigentlichen Gallien über den Rhein und die Donau hinunter, so weit jemals ein Keltenvolk nach historischem Zeugniß geherrscht hat, namentlich in Böhmen, zu Tausenden beisammen gefunden werden. Dagegen stimmt alles, der dritten Periode angehöriges Geräthe mit demjenigen, das in dem rein germanischen Norden gefunden wird, auf das Genaueste überein. Kein Zweifel also, auf jenes unbekannte Hünenvolk der Steingräber folgte unmittelbar der edle Germane, dessen Enkel noch heute Europa beherrschen, und hier in unsern Gauen nur zeitweilig durch den, aus dem tiefern Osten vordringenden, stammverwandten, aber auf tieferer Stufe der Kultur stehenden Slaven verdrängt wurden.
Die welthistorischen Thaten dieses kriegerischen Stammes, welcher demnächst, nach der Verdrängung oder Unterwerfung seiner keltischen Nachbaren im Süden und Westen, sich allmälig auch in den Besitz der ganzen reichen Erbschaft der vor ihm in den Staub gesun=
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kenen ewigen Roma zu setzen wußte, - erzählen uns die Geschichtschreiber jener Zeit. Aber selbst ein Tacitus läßt uns nur ahnungsvolle Blicke in das häusliche Leben des von ihm mit Bewunderung betrachteten edlen Feindes thun. Hier dagegen, meine Herren, hier in diesen Räumen treten die hohen Gestalten unsrer Ahnen, aus den mächtigen Kegelgräbern hervorsteigend, lebendig unter uns. Mit Ehrfurcht schauen wir den schlanken und kräftigen Wuchs jenes Fürsten eines freien Volkes, oder gebietenden Kriegsherrn einer kampflustigen Schaar kühner Jünglinge. Aus der tiefliegenden Augenhöhle unter der hohen und breiten, den Helden und Weisen verkündenden Stirn jenes Schädels sehen wir im Geiste noch den Zornblick des blauen Auges, vor dem selbst ein Römer zitterte, und unter dieser einfach edlen Krone, oder dem goldglänzenden Helme dort, wallten die blonden Locken auf die breite Schulter hinab, welche einst der vornehme Jüngling der Hauptstadt der Welt nachahmte, um die Liebe seines Mädchens zu gewinnen. Wir sehen in der nervigen Faust das kurze zweischneidige Bronzschwert, oder den zierlichen Herrscherstab mit der dem Gotte der Schlachten geweiheten, Sieg verheißenden Schwertspitze. Auf der breiten Brust hält eine starke Spange von gleichem Metalle mit den hübsch gearbeiteten elastischen Spiralwindungen, zugleich zum Schutze und zum Schmucke dienend, den Mantel zusammen, vielleicht von dem Felle eines selbst erlegten Bären; ähnliche Windungen decken den Arm, goldene und bronzene Ringe zieren Hand und Finger. Auch der starke Elch fehlt nicht und der riesige Ur, deren Erlegung den rüstigen Jäger, jenes prächtige Hifthorn dort an der Seite, im Frieden erlustigte, und den Jüngling zu ernsterem Kampfe stählte. - Zur Seite der Helden sehen wir das zierliche Weib, mit einem dieser geschmackvollen Diademe in den blonden Locken, und dem reichen Schmucke von goldenen und bronzenen Ringen, Halsketten, Brochen, Haarnadeln u. s. w. In des Führers Gefolge endlich den bärtigen Krieger mit dem runden Schilde, mit Lanze, Schwert und Dolch, oder der gefürchteten fern hin treffenden Framea, die er mit Gewandtheit aus der durchbohrten Brust des Feindes zum zweiten Wurfe zurückzuziehen wußte. - Daheim aber reffen wir den frommen Priester in dem eigenthümlichen Schmucke, und mit den räthselhaften gottesdienstlichen Geräthen an dem einfachen mächtigen Opferstein im heiligen Haine, aber keine Spur eines Tempels noch Bilder der verehrten Götter von Menschenhänden geformt. - Draußen endlich auf dem angebaueten Felde neben der Burg des Fürsten oder Stammeshäuptlings den fleißigen Arbeiter mit dem die Erde lockernden Steinkeil, der bronzenen Sichel, Messer, Pfriemen und andrem Handwerksgeräthe, so wie die züchtige Hausfrau mit Spindel, Scheere und Nadel bis zum einfachen thönernen Kruge herab, wobei aber auch das Spielzeug der Kinder nicht fehlt. Alle diese Geräte aber, auf heimischen Fabrik=
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stätten in edlem Geschmacke und mit hoher Kunstfertigkeit gearbeitet, zeigen uns den alten Germanen aus der Zeit der Römer, auf die einzelne römische Münzen und Gefäße hinweisen, auf einer Stufe der Kultur, die wir aus den schriftlichen Denkmälern jener Zeit nicht entfernt errathen konnten.
Mit gleicher Lebendigkeit endlich tritt uns aus den ausgedehnten flachen Todtenfeldern der jüngsten Heidenzeit, das Bild des nunmehr in unsern Gauen herrschenden und demnächst mit den rückkehrenden Enkeln der verdrängten Germanen zu einem einzigen Volke verwachsten Slaven entgegen, eine ähnliche Erscheinung, nur daß das Schwert aus weichem noch nicht gestähltem Eisen die Stelle der Bronze, und der Silberschmuck die des Goldes vertritt.
Während der zweite Theil unsrer Jahrbücher sich hauptsächlich die Erörterung dieser Denkmäler der ältesten Zeit zum Ziele gesetzt hat, ist in dem ersten Theile mit gleichem Fleiße und nicht geringerm Erfolge die Geschichte der mittlern und neuern Zeit bearbeitet worden. Auch hier ist in 25 Jahren ein sehr bedeutendes Material aufgeschichtet, das schon jetzt im Inlande wie im Auslande vielfach benutzt, künftig eine wahrhaft wissenschaftliche Bearbeitung der Geschichte Meklenburgs, wie sie den Anforderungen unserer Zeit entspricht, erst möglich machen wird. Außer den hier mitgetheilten, bisher ungedruckten Urkunden, deren Zahl bereits über 700 beträgt, und einer großen Menge kleinerer, aber oft sehr wichtiger historischer Nachrichten und Anzeigen, finden wir hier über 250 größere Abhandlungen, in denen alle Seiten unseres Volkslebens mit gleicher Liebe erörtert sind. Zahlreiche Berichtigungen der Genealogie unsers Fürstenhauses, worüber die neuere Stammtafel des officiellen Staatskalenders Nachweisung giebt, und Biographien der Fürsten und Staatsmänner wechseln mit Erörterungen der früher fast ganz vernachlässigten Kultur= und Sittengeschichte des Volkes; Beiträge zur Geschichte des Kirchenwesens mit denen zur Geschichte der Städte; die Rechtsgeschichte, wie die Geschichte des Handels und der Gewerbe haben gleiche Berücksichtigung gefunden, wie die Geschichte der heimlichen Kunst, deren Existenz möchte man sagen, hier zuerst nachgewiesen ist; auch die Münz= und Wappenkunde, die ältere Topographie, selbst die Sprachkunde u. s. w. sind nicht vernachlässigt. Aber die mir gegönnte Zeit erlaubt es nicht, hier nähere Nachweisungen zu geben, die ich vielmehr für einen andern Ort aufsparen muß, und ebenso kann ich hier auf den praktischen Einfluß, den der Verein unleugbar in mehrfacher Beziehung über seinen nächsten Zweck hinaus gewonnen hat, nur andeutend hinweisen.
Dabei hat unser Verein sich stets fern gehalten von jeder engherzigen partikularistischen Tendenz, die man dem historischen Vereinswesen überhaupt so oft zum Vorwurf gemacht hat. Zwar den wiederholten, aber glücklicherweise gescheiterten Versuchen, die freien
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wissenschaftliche Vereinigungen gleichgesinnter Männer in den verschiedenen Provinzen des großen Vaterlandes, ohne alle Verpflichtung zu einer bestimmten Thätigkeit in äußerlich vorgeschriebener Richtung und Ordnung, einem großen deutschen Centralverein mit fabrikmäßiger Centralisation der Arbeit unterzuordnen, - diesen Versuchen haben wir mit Nachdruck widerstrebt, weil sie nur zur gänzlichem Auflösung aller Specialvereine führen konnten. Aber wir haben uns deshalb nicht abgeschlossen von unsern Bruderstämmen jenseits unserer engen Grenzen. Die in unsrer Matrikel aufgeführten 80 mit uns verbundenen Vereine, und 52 correspondirenden Mitglieder in allen Gegenden Deutschlands und der benachbarten stammverwandten Ländern, mit denen wir in stetem lebhaften Verkehre stehen, sind Zeugniß des Gegentheils. Ja der unter dem Banner völliger Freiheit und Selbstständigkeit der einzelnen Vereine vor einigen Jahren zusammengetretene Gesammtverein, dessen Aufgabe ist, den Verkehr der Specialvereine mehr zu erleichtern und zu ordnen, und die gegenseitige Unterstützung zu gemeinsamen Zwecken zu vermitteln, - dies neue Institut ist gerade von hier aus zuerst angeregt, und nach Kräften gefördert.
Diese Andeutungen mögen genügen, um die heutige festliche Stimmung durch das Bewußtsein zu heben, daß wir uns unsrer bisherigen Leistungen nicht zu schämen haben. Seien wir uns aber auch zugleich bewußt, daß noch viel, sehr viel zu thun übrig ist, ja so viel, daß die bisherigen Mittel zu den wachsenden Bedürfnissen nicht ausreichen werden. Doch wenn unsre Arbeit wirklich als fruchtbringend und dem Vaterlande heilsam erkannt wird, dann wird es uns auch an den Mitteln nicht fehlen. Dann aber wollen wir und die nach uns kommen werden, mit Gottes Hülfe neu gestärkt und verjüngt fortbauen an dem vor 25 Jahren begonnenen Werke, bis abermals ein Menschenalter vergangen ist, und abermals das Land von Jubel erschallt, zu Ehren des hohen Fürsten und Herrn, der nicht nur der Erbe des Namens und des Thrones jenes ersten Jubelgreises geworden ist, sondern auch der Liebe seines treuen Volkes.
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:
Ueber
um
Vortrag
gehalten
an dem 25. Stiftungsfeste
des Vereins
für meklenburgische
Geschichte und Alterthumskunde
am 24. April 1860
von
dem Archiv=Rath Dr. F. Lisch ,
25jährigen ersten Secretair des Vereins. * )
Heute vor einem Vierteljahrhundert strömte eine große, freudige Bewegung durch das ganze Vaterland; Meklenburg beging ein Fest, welches es nie erlebt hatte: sein Herrscher Friedrich Franz I. feierte in voller Kraft und mit bewußter Ueberzeugung den 50. Jahrestag Seiner ereignißreichen, thätigen Regierung, eine Segnung, die Er lebendig und dankbar erkannte. Denn eine Seiner Haupttugenden, welche so viele andere Fürsten unseres Vaterlandes ausgezeichnet hat, war eine begeisterte Vaterlandsliebe, welche sich stark und tief auch
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darin offenbarte, daß Er alles mit ernstem Eifer und mit Selbstbethätigung pflegte, was die Kenntniß des Vaterlandes zu erweitern im Stande war. Friedrich Franzens Sinn war ganz ein geschichtlicher, und daher konnte man Ihm außer den wohl verdienten Ehren= und Liebesbezeugungen, keine größere Anhänglichkeit und Dankbarkeit beweisen, als daß man einen Bund zur Pflege der vaterländischen Geschichte schloß, um die zahlreichen Unternehmungen, welche er, Allen vorauseilend, auf diesem Felde begonnen hatte, nicht fruchtlos untergehen zu lassen, sondern durch weitere Ausführung lebensvoller und wahrer Bilder die Liebe zum Vaterlande und die Aufopferungsfähigkeit immer mehr zu befruchten und zu beleben. Deshalb stiftete heute vor 25 Jahren zur Feier des großen Jubelfestes eine große Anzahl einsichtsvoller und bewährter Männer einen Verein für meklenburgische Geschichte und Alterthumskunde, dessen Gründung Friedrich Franz freudig begrüßte, indem Er Sich Selbst als Protector an die Spitze stellte. Diesen Tag feiern wir heute in unserm Vereine, hier und wahrscheinlich in vielen engern Kreisen des Vaterlandes, im treuen Andenken an den verewigten Fürsten und zugleich als ein Erinnerungsfest an die lebhafte, große Feier, welche uns Alle vor 25 Jahren beseelte.
Und Friedrich Franz hat ein treues, dankbares Andenken verdient. Friedrich Franz war schon von Natur ein ungewöhnlich begabter Mensch: bei großer Klarheit und Umsicht, vorzüglich aber bei einer Lebendigkeit und Beweglichkeit, welche selten ihres gleichen findet, und dabei von einer unternehmenden Rüstigkeit und ausdauernden Arbeitskraft und Lust, welche oft wahrhaft Staunen erregt, war Er ein geborner Regent; seine Personenkenntniß und seine Gedächtnißstärke sind noch heute berühmt, seine ritterlichen Uebungen angesehen.
Und diese glänzenden Anlagen offenbarten sich schon in Seiner frühen Jugend sowohl in Seiner Geistesrichtung, als auch in Seinem Aeußern. Man kann sich schwerlich ein edleres, feineres, geistvolleres Knabenbild denken, als die allerdings sehr schön gemalten Bildnisse, welche aus Seinen Jugendjahren vorhanden sind. Vorzüglich aber zeigte sich Seine große Begabung schon früh in Seiner Neigung zu allem Edlen und Schönen, namentlich zu den schönen Künsten. Sein Erzieher v. Usedom berichtet über Ihn aus Lausanne schon im Novbr. 1767, als Er kaum 11 Jahre alt war: "Zur Musik zeigen Sie immer mehr natürliche Geschicklichkeit, ich lasse Sie jetzt schon im Generalbasse unterweisen", und im J. 1781 wird über Ihn berichtet : ** ) "Die Musik ist eine vorzügliche Lieblingsbeschäftigung Seiner Nebenstunden und Seine Kenntnisse darin gehen so weit, daß Er nicht nur
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verschiedene Instrumente spielt, sondern auch mit außerordentlicher Fertigkeit auf dem Flügel ganz allein das stark besetzte Ludwigsluster Orchester dirigirt."
Als Er am 8. Januar 1807 der Gewalt der napoleonischen Armee weichen und Sein Land verlassen mußte, bedauerte Er die Seinigen, that aber dabei den merkwürdigen Ausspruch * ), "Er Selbst könne Sich allenfalls durch Clavierunterricht Sein Brot verdienen."
Dieser lebhaften Neigung zu der Musik blieb Er Sein ganzes Leben hindurch treu; namentlich aber wandte sich in reifern Jahren Sein Sinn zu dem vollkommensten Instrumente, der Orgel. Er hatte in jedem Palais, das Er bewohnte, eine kleine Orgel, und einer Seiner ersten Gänge in Seiner Lieblingsschöpfung, dem wunderlieblichen Doberan, war zu der prachtvollen Kirche, um in diesen geweiheten, kunsterfüllten Räumen, dem Todtenfelde Seiner Ahnen, wo Er Selbst zu ruhen beschlossen hatte, die Orgel zu spielen. Seine Hofkapelle, deren sich noch viele unter uns mit Freuden aus Doberan erinnern werden, war eine Gesellschaft von Meistern ersten Ranges und in Europa berühmt; Er war der erste Fürst in Meklenburg, welcher das Schauspiel zu einer öffentlichen, gemeinnützigen Anstalt erhob und ihr, wie schon lange vorher in Doberan, am Ende Seines Lebens auch in Schwerin einen Tempel erbauete. ** ) Seine reizende Bildergallerie, welche selbst die Habgier der Pariser Despoten reizte, pflegte Er mit Liebe und Lust, obgleich Seine Regierungszeit den bildenden Künsten nicht besonders hold war; Er war aber doch der erste, welcher die wieder entdeckte Freskomalerei indem musterhaften Regierungsgebäude zu Schwerin in den Norden verpflanzte. Seine zärtliche Neigung zu schönen Blumen, deren Er immer einige in Seinen Wohnzimmern pflegte, blieb bis zu Seinem Tode lebendig, und mancher hat noch in Seinen letzten Lebensjahren die rührendsten Aeußerungen dieser Neigung von Ihm erlebt, wenn Er ihm mit inniger Lust Seine seltenen Pfleglinge zeigte. Seine Offenheit, Wahrheit, Menschlichkeit und Leutseligkeit stimmten harmonisch zu allen diesen edlen Neigungen.
Doch es ist unmöglich, alle die Blumen, welche Sein Leben umdufteten, in einen Kranz zu flechten. Uns ziemt es heute nur, uns Seine Verdienste um die vaterländische Geschichte und Alterthumskunde in's Gedächtniß zurückzurufen, um uns zur Dankbarkeit und Nachfolge aufzumuntern und anzuspornen. Es können aber bei der Kürze der uns zugemessenen Zeit und der großen Fülle des Stoffes nur sehr kurze Andeutungen gegeben werden, welche
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oft als karg erscheinen können, da sie nur ein Auszug aus dem überreichen Stoffe sind.
Friedrich Franz hatte ganz einen historischen Sinn und trieb mit Liebe und Eifer besonders die meklenburgische Geschichte nach allen Seiten hin, während die Richtung Seines Vorgängers in der Regierung mehr eine theologische gewesen war. Dennoch schien Er in der Jugend wenig Neigung zur Geschichte zu haben. Merkwürdiger Weise berichtet Sein Hofmeister v. Usedom im Dec. 1769 aus Genf:
"Der Durchl. Prinz sind bisher der Historie gar nicht gewogen gewesen."
Dieses auffallende Urtheil erklärt sich aber sehr leicht dadurch, daß Er damals vorzüglich zu der alten Geschichte in der frühern trockenen Weise angehalten ward, welche Seinem lebendigen Geiste nicht zusagte und nicht zusagen konnte.
Noch merkwürdiger ist aber v. Usedoms frühere Aeußerung vom Nov. 1767 aus Lausanne, welche den rechten Schlüssel zur Lösung dieses Räthsels giebt:
"Die Meklenburgische Geschichte haben Sie von Anfang an meistentheils mit Vergnügen getrieben."
Damals war der Prinz erst 11 Jahre alt.
Diese Richtung war Ihm in früher Jugend schon von Seinem Vater, dem Prinzen Ludwig, gegeben, welcher die meklenburgische Münzkunde mit so großem Eifer und Erfolge trieb, wie keiner vor ihm und bis heute nach ihm.
Wenn auch der Herzog Friedrich die geschichtlichen Studien nicht Selbst trieb und beförderte, so überkam doch Friedrich Franz beim Abritt Seiner Regierung von Seinem Oheim sowohl sehr tüchtige Räthe, als auch im Staatsdienste in Schwerin eine Reihe von geschichtlich durchgebildet Männern, Zierden unsers Vaterlandes, welche nicht nur in unglaublichem Umfange sammelten, sondern auch eben so gediegen und klar forschten und arbeiteten, in einer Zeit, in welcher die kritische Forschung sich kaum zu regen begann; vor allen andern sind hier zu nennen: der Geheime Rath und Minister Johann Peter Schmidt († 1790), der Regierungs= und Lehns=Fiscal Dr. Ernst Friedrich Bouchholtz, genannt der "Erzfiscal" († 1790), der Geheime Archiv=Rath Evers († 1803), der Regierungs=Rath Friedrich August Rudloff († 1822), Männer von der gediegendsten Tüchtigkeit und zugleich unerhörtem Fleiße, zu denen sich noch viele andere, wie zur Nedden, Krüger, Faull u. a., gesellten. Die kolossalen Sammlungen dieser Männer, welche keinen vaterländischen Sammlungen anderer Länder nachstehen, sind unter Friedrich Franz nach und nach für den Staat erworben und bilden die Zierden der Regierungs=Bibliothek, zu welcher Friedrich Franz den Grund legte, wie Er die interessante Bibliothek zu Ludwigslust schuf.
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Friedrich Franz würdigte, beförderte und schützte aber nicht allein das Streben solcher Männer, sondern arbeitete auch Selbst unermüdlich in ihrem Sinne. Er ward von Seinem gewissenhaften Oheim früh mit aller Strenge zu einer geregelten Thätigkeit, welche Ihm freilich auch Bedürfniß war, angehalten, indem Er in Staatsangelegenheiten aller Art Ausarbeitungen und Erlasse ausfertigen ("extendiren") mußte, wodurch Er Sich eine ungewöhnliche Geschäftskenntniß, Gewandlheit und Einsicht erwarb.
Sobald Er aber die Regierung angetreten hatte, suchte Er Sich Selbst durch eigene Studien und Arbeiten auf dem Felde der vaterländischen Geschichte auszubilden, auf welchem Er früh völlig heimisch ward, zumal Er durch ein vortreffliches Gedächtniß kräftig darin unterstützt ward. Seine Urtheile über meklenburgische Begebenheiten aller Zeiten, selbst über sehr dunkle und unerforschte Ereignisse alter Zeit, waren oft im höchsten Grade überraschend und gaben Zeugniß von Seiner ungewöhnlichen Begabung für Geschichte.
Neben den meklenburgischen Studien unternahm Er aber auch Arbeiten in andern Zweigen der Geschichte und verband diese mit Uebungen in der französischen Sprache, indem Er theils aus dem Französischen ins Deutsche, theils aus dem Deutschen ins Französische übersetzte. Auf diese Weise ist eine Reihe eigenhändig geschriebener Folianten entstanden, von denen die Geschichte der Ihm lieben Stadt Genf von Spon zwei Folianten von 572 und 129 Seiten füllen.
[Vorlegung]
Aus tiefster, vaterländischer Seele drang Ihm Seine Empörung gegen die napoleonische Eroberungssucht, eine Entrüstung, von welcher viele Thaten geschichtlich geworden sind. In diesem Sinne übersetzte Er die Schrift:
"Meklenburg in Beziehung auf sein Verhältluß zu dem Bündnisse für Europens Freiheit, Rostock d. 18. Oct. 1813, von C. Sibeth", eine Lebensbeschreibung des Fürsten Blücher von Wahlstatt,
[Vorlegung]
"aus dem Neuen deutschen Journale Berlin, 1814, und die Schrift "Magdeburg während der Belagerung in den Jahren 1813 und 1814", Magdeburg, 1814, eigenhändig ins Französische, welche drei Schriften einen Folioband von 168 Seiten bilden, denen die "Berichte von Herrn LaPorte, Kammerdiener Ludwig's XIV.", Genf, 1766, angebunden sind. Ein dritter Folioband Uebersetzungen scheint verloren gegangen zu sein.
Vor allen Dingen aber suchte Er Seine Einsicht in den Angelegenheiten, die Ihm zunächst lagen, durch eigene Arbeiten zu befestigen und zu erweitern. Als Oberbischof fertigte Er Sich am Ende des
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vorigen Jahrhunderts eigenhändig vollständige Auszüge aus Schröder's [Vorlegung] Papistischem Meklenburg
über das Stift Schwerin an:
"Angefangen d. 19. Febr. 1794,
geendigt d. 1. Mai ejusd. anni.",
in Folio, 111 Seiten, mit einem Anhange über das Kloster Dobbertin:
"Angefangen im Monat Mai.
Geendigt d. 1. Junii 1794."
in Folio, 9 Seiten. Etwas später, nach der offenbar jüngern Handschrift, jedoch ohne Datum, machte Er Sich eigenhändig einen
"Auszug aus Schröder's Papistischem Meklenburg
die Bischöfe zu Schwerin betreffend", mit Registern,
in Folio, 100 Seiten, und einen
"Auszug über die Klöster und über das Bisthum Ratzeburg",
mit Registern,
in Folio, 92 Seiten, zusammengebunden in Einen Folioband. Außerdem verfertigte Er eigenhändig einen
"Auszug aus den Visitations=Protokollen des Fürstenthums
Schwerin",
in Folio, 39 und 24 Seiten.
Als ehemaliger Landesherr von Wismar, dessen Wiedergewinnung Sein Streben war, schrieb Er Sich eine Geschichte von Wismar aus Nordbergs Geschichte des Königs Carl XII, als Bewohner von Ludwigslust Auszüge aus den Visitations=Protocollen der Ihm zunächst liegenden Aemter Grabow, Neustadt und Crivitz und einen eigenhändigen Auszug aus einer handschriftlichen Chronik der Stadt Grabow während der Jahre 1761-1763 von dem Senator Jürgen Jacob Behn (105 Seiten in Folio) und ähnliche Arbeiten.
Aber noch wichtiger ist die ununterbrochene Pflege, welche Er den einzelnen Zweigen der vaterländischen Geschichtswissenschaften und Geschichte überhaupt zuwandte.
Diese Neigung offenbarte sich schon sehr früh. So wie Sein Hofmeister v. Usedom schon im Herbste 1767 aus Lausanne berichtete, daß der Prinz, damals 11 Jahre alt, die meklenburgische Geschichte von Anfang an mit Vergnügen getrieben habe, berichtete er zugleich:
"Die Heraldik ist allemal, insofern sie es mit dem Blason zu thun hat, Ihr liebstes Studium gewesen."
Im Frühling 1770 ward zu Genf noch wöchentlich 2 Stunden Heraldik getrieben.
"Es ist auf Begehren des D. Prinzen und um Ihnen die Sache desto angenehmer zu machen, mit Ihrem eigenen Wapen der Anfang gemacht worden. Zuletzt haben wir dem D. Prinzen das Vergnügen
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gestattet, die Theile des Wapens, die Sie in der Stunde vorgehabt, in dem Wapen=Calender mit Farben auszumalen, und dieses ist Ihnen so angenehm, daß wir hoffen dürfen, hievon Ihre Lust zu diesem Studio so lange unterhalten zu sehen, bis kräftigere und schätzbarere Triebfedern die Stelle desselben vertreten werden."
Zur genealogischen Ausbildung wurden dabei Hübners genealogische Tabellen studirt.
Hiedurch entwickelte sich auch die Liebe zur zeichnenden Kunst, für welche er sein ganzes Leben lang eifrig und viel Schönes sammelte. Usedom sagt zu gleicher Zeit:
"Der D. Prinz sind ein großer Liebhaber von Kupferstichen." Diese Jugendbelustigung des Wappenmalens trieb Friedrich Franz während Seines ganzen Lebens täglich als letzte und leichteste wissenschaftliche Erholung, da er nie untätig sein konnte. Gegen 40 Jahre lang hat Er diese erheiternde und unterrichtende Beschäftigung mit Liebe getrieben.
Zuerst ward 1770 in Genf zum Ausmalen "der durchlauchtigen Welt Wappenbuch" benutzt,
dessen erster Band grade im J. 1770 erschienen war. Dieser erste von Friedrich Franz colorirte Jahrgang ist verloren gegangen; der zweite Band vom J. 1771 mit den Grafenwappen ist aber fast vollständig in 183 Wappen colorirt noch in der großherzoglichen Bibliothek vorhanden und ohne Zweifel noch in Genf colorirt, da die Pinselführung noch nicht so sicher erscheint, wie später. Im Herbste 1771 kehrte Friedrich Franz aus Genf zurück; daher sind die letzten 11 Wappen dieses Jahrganges noch nicht illuminirt. Der Jahrgang 1772 enthält nur einige Ausmalungen, der Jahrgang 1774 gar keine. Im J. 1774 machte nämlich Friedrich Franz Reisen in Deutschland. Bald setzte Er aber diese Beschäftigung fort, da sich in der großherzoglichen Bibliothek ein zweites Exemplar dieses Wappenbuches findet, welches ganz und sauber colorirt ist.
Späterhin seit 1791 malte Er das ganze große Wappenwerk von Tyroff, so wie es erschien, aus, und schenkte dieses Exemplar am 12. Nov. 1808 der Universitäts=Bibliothek zu Rostock, wo es als theures Andenken aufbewahrt wird. So hat Er nach und nach 8 Foliobände und 12 Octavbände dieses Werkes nach Rostock geschickt und in den 9ten Band des baierschen Wappenbuches eigenhändig geschrieben:
"Diesen neunten Band habe ich in meinem 71 Jahr illuminirt. Ludwigslust im Januar 1827.
[Vorlegung]
F. F. Gh. z. M.
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Seine letzte heraldische Arbeit ist die Ausmalung des ersten Heftes des österreichischen Wappenbuches, in welches eigenhändig geschrieben ist:
"Illuminirt Anno 1829."
F. F. Gh. z. M.
Außerdem malte Er noch das seit 1812 erschienene französische Wappenbuch von Henry Simon in zwei Exemplaren und anderes aus.
Diese in früher Jugend begonnene heraldische Erholungsbeschäftigung lenkte früh Seinen Sinn auf die Münzkunde. Sein Vater, der Prinz Ludwig, hatte eine große Neigung zur vaterländischen Münzkunde und brachte mit unendlichen Mühen und Opfern eine seltene Sammlung vaterländischer Münzen zusammen, welche Er durch ein eigenes Testament vom 29 Mai 1778, Seinem Todesjahre, dem "herzoglichen Regierhause als einen seltenen Schatz zu einem fürstlichen Hausstück und fürstlichen Fideicommiß" vermachte und sie dringend Seinem Sohne Friedrich Franz empfahl.
Der Prinz Ludwig hatte, nach Seinen eigenen Worten, "nach vieljähriger, mühsamer Erkundigung und durch beträchtliche Kosten endlich den Zweck erreicht, zum Eigenthum und Besitz einer ansehnlichen Parthei goldener und silberner Medaillen und Münzen, welche Er aus sehr vielen Privatschränken, Auctionen, Taschen und Winkeln zusammengekauft hatte, zu gelangen, womit Er ein nach guter Ordnung eingerichtetes Münz=Cabinet anlegte. Dieses meklenburgische Münz=Cabinet, welches "Ihm oft Gelegenheit zu mancher guten Betrachtung gegeben und dabei zum unschuldigen wahren Vergnügen gereicht" hatte, vermachte der Prinz "mit patriotischem Wunsch und starkem, ernstlichen Willen" dem fürstlichen Hause zu einem Hausstück und Fideicommiß.
Friedrich Franz, eifrig bemüht, Seines Vaters Willen zu erfüllen, befolgte nicht nur das Testament, sondern kaufte dazu noch die meklenburgische Münzsammlung des rostocker Stadt=Secretairs Niemann, die vollständigste im ganzen Lande, und andere Sammlungen und gab die ganze Sammlung im J. 1780 dem Archivar Evers ins Archiv, wo sie noch aufbewahrt wird. Die zahlreichen Doubletten bildeten die Grundlage der Sammlung der Universität Rostock, welche im J. 1830 dazu die Sammlung antiker Münzen des Prinzen Ludwig erhalten hat. Sogleich nach der Annahme betrieb Friedrich Franz die wissenschaftliche Bearbeitung dieses seltenen Schatzes und im J. 1798 erschien von Evers in zwei Bänden dessen "Meklenburgische Münzverfassung", ein noch jetzt höchst achtungswerthes Werk, welches dem Herzoge Friedrich Franz gewidmet ist.
Zu gleicher Zeit fing aber Friedrich Franz an, Selbst Münzen aller Art zu sammeln und zu studiren und legte Sich in Ludwigslust eine allgemeine Münzsammlung an. Einen lebhaften Anstoß hiezu gab
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der große Fund von Doberan, welcher im Herbste 1805 bei der Erforschung der Klosterfundamente über 4000 Münzen ans Licht brachte, welche während der Reformation an der Stelle der Klosterschatzkammer vergraben waren; sehr vielen Besuchern von Doberan, wird der große Denkstein nahe bei der Kirche bekannt sein, welchen Friedrich Franz auf die Fundstelle liegen ließ. Diese Sammlung, welche 1839 nach Schwerin versetzt und geordnet ward, hat mit 4056 Münzen die Grundlage zu der allgemeinen Münzsammlung in Schwerin gebildet.
Die wackern Forscher und Sammler, welche Friedrich Franz aus der Regierung Seines Oheims überkommen hatte, waren in der ersten Hälfte Seiner Regierung gestorben, mit Ausnahme des Geschichtschreibers Rudloff, welcher bis in das Jahr 1822 lebte. Sie hatten oft und große Anstrengungen gemacht, die Bearbeitung aller vaterländischen Wissenschaften anzugreifen.
Am 6. Nov. 1776 und wiederholt 1778 erbot sich Bouchholtz, ein meklenburgisches Urkundenbuch herauszugeben, und 1774 wollte Evers alle Stadtprivilegien des Landes drucken lassen; jedoch fehlte es dazu an Geld und Theilnahme. Am 16. Mai 1777 wollte Bouchholtz mit 14 andern Gesinnungsgenossen eine "Gesellschaft der für das Vaterland Beflissenen" stiften, welche alles Meklenburgische sammeln und bearbeiten sollte, wozu ein Vorschuß von 4000 Thalern erbeten ward, erhielt aber Abschlag, da die Regierung besorgte, daß es den Mitgliedern theils an Fähigkeit, theils an Zeit dazu mangeln würde.
Die Zeit zu solchen Unternehmungen war noch nicht gekommen. Rudloff setzte seine Meklenburgische Geschichte fort; der zweite, wichtigste Theil erschien am 16. April 1785, dem Monate der Thronbesteigung des Herzogs Friedrich Franz, welcher das Werk fortan eifrig befördere; in dem Todesjahre Rudloffs erschien die letzte Abtheilung. Seit 1827 folgte unter Friedrich Franz v. Lützow's Mekl. Geschichte.
Im Anfange dieses Jahrhunderts schien eine Ermattung eintreten zu wollen; die alten gewiegten Forscher waren todt; der Despotismus der französischen Revolution schien jede Blüthe edlerer Pflege knicken zu wollen; die Kunst erstarrte vor dem Medusenhaupte des religiösen und politischen Wahnsinns; Malerei, Bildhauerei und Baukunst versteinerten, bis sie sich erst in den allerneuesten Zeiten wieder zu regen begonnen haben. Die großen und geistreichen Ludwigsluster Maler der vorigen Regierung: Denner, Matthieu und Findorf, erlebten die Schreckenszeiten nicht mehr. Nur im Gebiete des dichterischen Wortes nahm der Gedanke in Deutschland einen großen Aufschwung, wie in den neueren Zeiten die Wissenschaft der Kunst immer vorangegangen ist.
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In dieser Zeit war es ein großes Glück, daß dem Herzoge Friedrich Franz ein Mann begegnete, der etwas jünger, als Er, von demselben Streben und demselben Eifer beseelt war. Dies war Dethlof Joachim v. Oertzen aus dem Hause Roggow, ein Mann von ausgebreitetem Wissen und Forschungstriebe, dem das Vaterland und das Fürstenhaus nach den verschiedensten Richtungen, sowie die vaterländische Geschichte unendlich viel verdankt, 1797 als Kammerherr dem Erbprinzen zugestellt und im J. 1812 zum Hofmarschall ernannt. * ) v. Oertzen trat bald mit dem Herzoge in vertrauten wissenschaftlichen Verkehr.
Friedrich Franz begnügte sich nicht damit, Münzen zum Besehen zu sammeln; Er behandelte und beschrieb, so lange die leiblichen Kräfte ausreichten, die Münzen eigenhändig, eine Arbeit, welche bekanntlich sehr viel Wissen und Geschick erfordert.
Die im J. 1805 zu Doberan gefundenen und bis dahin gesammelten Münzen sind bald nach der Auffindung von v. Oertzen in einem Foliohefte beschrieben. Die seitdem
gesammelten Münzen sind in einem zweiten und dritten Foliohefte von [Vorlegung] Friedrich Franz eigenhändig beschrieben.
Das vierte Heft seit 1828, ist von dem damaligen Ludwigsluster Rector, spätern Schulrath Meyer geschrieben, dessen Hand sich schon am Ende des dritten Heftes findet.
Während dieser Beschäftigung mit den Wappen und Münzen gerieth der Herzog, vielleicht durch v. Oertzen's Erfahrungen auf dessen vielen und weiten Reisen veranlaßt, auf die bis dahin völlig unbeachtet gebliebenen vaterländischen Alterthümer. ** ) Seit dem Anfange dieses Jahrhunderts hatte Friedrich Franz, durch glückliche Funde ermuntert, mehrere Aufgrabungen vornehmen lassen und gleitet. Im Frühling 1804 ward die in Schwerin befindliche kleine Sammlung nach Ludwigslust versetzt und zugleich der Oberzoll=Inspector Hauptmann Zinck mit ausgedehnten Aufgrabungen im Lande beauftragt, welche die erfolgreichsten und überraschenden Ergebnisse boten. Hiedurch ward der Grund zu der berühmten Alterthümersammlung gelegt, welche zu den wichtigsten von allen gehört und in Deutschland ohne Zweifel die bedeutendste in ihrer Art ist. Die französische Invasion störte dieses Bestreben auf einige Zeit; aber schon im J. 1810 sehen wir den Fürsten Höchstselbst schon wieder umfassende Forschungen und Nachgrabungen anstellen.
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Die Sammlung war zuerst der Pflege Oertzen's anvertraut und es wurde wohl mancher Plan gehegt, sie nutzbar zu machen. Da starb am 15. Febr. 1820 der um die vaterländischen Wissenschaften hoch verdiente Hofmarschall v. Oertzen.
Zu derselben Zeit war der junge, geistreiche und eifrige Dr. Hans Rudolph Schröter von seinen nordische Reisen heimgekehrt, zum Professor in Rostock ernannt und dem Großherzoge Friedrich Franz nahe getreten, welcher ihn im J. 1821 zum Aufseher der Alterthümer=Sammlung in Ludwigslust ernannte. Sogleich entstand der Plan zur Herausgabe des großen Werkes Friderico-Francisceum, wozu [Vorlegung] Friedrich Franz die Alterthümer studirie und zeichnen ließ und welches Er mit dem allergrößten Eifer betrieb. Im Dec. 1825 ward aber Schröter von einer Lähmung befallen, welche ihn auf immer seiner lebendigen Thätigkeit entriß. Nach vielen Mühen und Wechselfällen konnte das große und schwierige Werk erst im J. 1837, jedoch noch vor dem Tode des Großherzogs, durch mich vollendet werden.
Am 28. Aug. 1833 hatte Friedrich Franz das Diplom als Ehrenmitglied der königlichen Gesellschaft für nordische Alterthumskunde zu Kopenhagen * ) angenommen, zu derselben Zeit, als die vaterländische Alterthumskunde sich auch in Kopenhagen lebendig zu gestalten anfing.
Als war Friedrich Franz der erste, welcher auch eine vaterländische Alterthumskunde schuf, nachdem Er die glänzende Sammlung gebildet hatte, die uns umgiebt, und wir können Ihn mit Recht den Schöpfer der vaterländischen Alterthumswissenschaft nennen, um so mehr, da Er zu einer Zeit, als noch Niemand diese - verrosteten Dinge erkannte, schon eine völlig klare Einsicht in die ganze Vorzeit besaß.
Die übrigen geschichtlichen Bestrebungen Schröter's, welche Friedrich Franz mit Lebhaftigkeit auffaßte, unter andern auch die Stiftung eines geschichtlichen Vereins und die Herausgabe einer Urkundensammlung, gingen durch seine unheilbare Lähmung ebenfalls unter.
Kaum hatte Friedrich Franz die Alterthümersammlung in Ludwigslust fest gegründet und überwältigt, als Er, einen neuen großen Krieg voraussehend, ein großes Werk zur Erhaltung der Alterthümer des Landes unternahm, durch welches Er wieder mit leuchtendem dem Beispiele voraufging. Er forderte im Sommer des J. 1811 vollständige Beschreibung aller Kirchen des Landes und ihrer Geräthe ein und bearbeitete das ganze aus 8 Foliobänden bestehende Werk eigenhändig in genauen statistischen Uebersichten in Tabellenform, [Vorlegung] ein Werk, welches für die Zukunft von großem Nutzen
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für die Geschichtsforschung werden kann, da durch Kriegszüge und durch Nachlässigkeit und Unverstand viel Wichtiges im Lande untergegangen ist.
Hiedurch bereitete Er den neuern Umschwung im Bauwesen für die geschichtlichen Bauwerke vor. Friedrich Franzens Zeit war dem Bauwesen nicht günstig, da sie unter dem Einflusse des nüchternen Revolutionsstyls stand und die Gothik erst in der letzten Zeit seiner Regierung entdeckt ward. Dennoch geben das Regierungsgebäude in Schwerin, eine der schönsten Ideen des großen Reformators Schinkel und Norddeutschlands, die vielen großen Gebäude in Doberan und Ludwigslust, das Schauspielhaus in Schwerin und andere Bauten den Beweis * ), daß Er nach dem besten Erreichbaren strebte und wohl das Edle erkannte. Selbst in der Gothik eilte Er voraus, indem er schon sehr früh (seit 1804) eine Probe in der katholischen Kirche zu Ludwigslust hinstellte. Vor allen Dingen aber ist es Ihm nicht genug zu danken, daß Er die unvergleichliche Abtei=Kirche zu Doberan, in welcher Seine Ahnen und nach Seinem Willen Er Selbst ruhen, mit Liebe und Sorgfalt hütete und pflegte, und das älteste Gotteshaus des Landes zu Althof, welches über 200 Jahre lang zum Backhaufe hatte dienen müssen, im J. 1822 entdeckte und wieder herstellte. Schon daß Er die Kirche zu Doberan nicht nach dem damals allein geltenden Geschmack ausweißen ließ, als sie im J. 1830 neu roth getüncht ward, ist ein Verdienst, das nicht hoch genug angeschlagen werden kann. Die Achtung, welche Er diesen ehrwürdigen Denkmälern zollte, war vorzüglich der Hebel, welcher viele Menschen von nah und fern auf einen höhern Standpunkt in der Anschauung hob. Und diese beiden Gebäude und ihre Erforschung sind die ersten Veranlassungen gewesen und die Grundsteine geworden zu der großen Thätigkeit auf dem Gebiete mittelalterlicher Kunst, welche jetzt in Meklenburg herrscht; mit der Erforschung von Doberan und Althof begannen auch Schröter und unser Verein ihre von Friedrich Franz vorbereiteten Forschungen auf diesem Gebiete, welche jetzt nach 25 Jahren einen ziemlich sichern Abschluß erhalten haben.
Diefe mittelalterlichen Forschungen und diepflege der heidnischen Alterthumer setzten die geschichtliche Thätigkeit des Großherzogs in Seinen letzten Lebensjahren besonders in Bewegung, während Er auch in Andern die rein wissenschaftlichen Bestrebungen ehrte, indem Er wieder der erste Fürst war, welcher ein Ehrenzeichen für Verdienste um Kunst und Wissenschaft stiftete und es mit Seinem eigenen Bilde schmückte.
Bis zu Seinen letzten Lebenslagen hing Sein Herz treu an der Geschichte des Landes, und ich bin in der glücklichen Lage, aus meinen
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eigenen Lebenserfahrungen, außer vielen andern, besonders ein rührendes Zeugniß davon zu geben. Als Friedrich Franz im Sommer des J. 1836 schon auf dem letzten Siechbette lag, entdeckte ich in einer dunkeln Dachkammer des Schlosses zu Schwerin einen wohl verwahrten und künstlich verschlossenen Koffer, welcher, wie es sich später ergab, das geheime Archiv des Herzogs Carl Leopold und manches enthielt was wohl die Wißbegier reizen konnte. Kaum hatte Friedrich Franz von diesem Funde gehört, als Er Sich denselben augenblicklich nach Ludwigslust kommen ließ und mir am 1. Junii 1836 zurücksandte [Vorlegung] mit dem Befehle, die Papiere zu studiren und zu ordnen und Ihm nach den einzelnen Materien "packetweise" nach und nach nach Ludwigslust zu übersenden. Dies geschah denn auch vom 1. Julii 1836 an viele Male hinter einander, und Friedrich Franz nahm auf Seinem Sterbebette die genaueste Kenntniß von dem ganzen Inhalt dieser merkwürdigen Schriften, bis der Vorrath sich erschöpfte und Seine Kraft allmählig erlosch. Dies ist, neben der Vollendung des Friderico-Franciscei, Seine letzte Arbeit auf dem Felde der Geschichte und eine Seiner letzten Lieblingsbeschäftigungen gewesen, welche einen rührenden Beweis giebt, wie treu Sein Herz am Vaterlande und dessen Schicksalen hing.
Am 1. Februar 1837 ging Er, 80 Jahre alt, zu Seinen Vätern heim und ward mit großer Trauer in der Kirche zu Doberan vor dem Altare beigesetzt, wo Er Sich Selbst seine Ruhekammer erbauet hat.
Ehre sei Seinem Andenken, vor allem in unserm Vereine, welcher Seinen Sinn und Sein Streben zu bewahren und fortzupflanzen zur Aufgabe hat, welcher 25 Jahre lang gestrebt hat, sich diesem Ziele zu nähern, wenn auch nur durch die Anregung, welche durch ihn in seinen Jahrbüchern alljährlich gegeben ist, von denen ich jetzt als einen kleinen Tribut des Dankes den 25. Jahrgang dem Vereine überreiche [Vorlegung] und auf den Altar des Vaterlandes lege.
Lange lebe Friedrich Franz I. in unserm und in dem Andenken aller treuen Meklenburger!
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Zu der seltenen Feier
des
und rühmlichen Wirkens
und
hat, allen übrigen Schwester=Vereinen des
deutschen Vaterlandes
voraus,
Veranlassung, die Huldigungen
seiner vollsten Anerkennung
und
Dankbarkeit darzubringen,
denn es verdankt, trotz strengen Innehaltens der von vorn herein ausgesprochenen Aufgabe, die Grenzen des meklenburgischen Landes zu wahren, dessen Geschichte nach allen Seiten hin zu erforschen der Zweck der zu 25 inhaltreichen Bänden angewachsenen Vereinsschriften war, die Mark Brandenburg dem günstigen Umstande ihrer Nachbarschaft, so wie einer ganzen Reihe geschichtlicher Beziehungen, Berührungen und Durchflechtungen, auch für ihre Geschichte diesen Blättern die allerwerthvollsten Aufschlüsse und Besprechungen.
Wir schweigen von dem, was für die Gräber= und Grabalterthümer=Kunde einer heidnischen Vorzeit Wichtiges für das gesammte nordöstliche Deutschland aus den in Meklenburg gesammelten Erfahrungen in diesen Schriften niedergelegt ist; wir, die wir uns von Anfang an weniger den Alterthümern, als der Zeit urkundlicher Geschichte zugewendet haben, wollen hier nur in Kürze derjenigen Abhandlungen namentlich gedenken, welche auch die diesseitigen Lande berühren.
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Schätzbare, mit Urkunden reichlich ausgestaltete Beiträge zur Geschichte der Johanniter=Ordens=Ballei Brandenburg erhalten wir in der Geschichte der in Meklenburg gelegenen verschiedenen Comthureien: Krack nebst Priorei Eixen (I., 1-80, 176-178, 199-229), Mirow (II, 51-86, 213-296, IX, 97-110), Nemerow und Gardow (IX, 40-96, 249-288). Für die Kunde der älteren völker= und landschaftlichen Gliederungen des Havelbergischen Sprengels werden uns treffliche Aufschlüsse gegeben in den Besprechungen über die Lande Turne und Lieze (I, 87-106, XIII., 135-142), welche in den Ruppiner Kreis und die Ost=Priegnitz hinübergreifen, sowie für das einst zur Mark Brandenburg gehörige Land Stargard in der Abhandlung über die Stiftung des Klosters Broda, das Land der Rhedarier und die Lage des alten Rhetra (III., 1-33, 197-250, VIII., 223, 224). Nicht übersehen dürfen wir, was über die meklenburgischen Güter des Klosters Amelunxborn, namentlich auch über den in der Mark gelegenen Hof Dranse (XIII., 135-142) und über die in Meklenburg gelegenen Besitzungen des altmärkischen Klosters Arendsee (XV., 1-22, 185-199) beigebracht ist; was über die Beziehungen von Lenzen zu den Grafen von Schwerin (XIII., 243-247), was über die Fehde der Mecklenburger mit den Grafen von Lindow=Ruppin vom Jahre 1358 (XVI, 176, 177); was über die Volkssprache der nordwestlichen Slavenstämme (IX, 1-17), über die Genealogie der Edelherren von Havelberg (II., 96-99., III., 151-153); schließlich, was biographisch über des Churfürsten Joachim I. Tochter Anna, Gemalin Herzog Albrechts VII. von Meklenburg, (XXII., 1-100) mitgetheilt ist.
Wir können an diese unsere Anerkennung und unsern Dank nur den Wunsch knüpfen, daß die nächsten 25 Jahre nicht minder reiche Ausbeute für die Geschichte der Mark Brandenburg gewähren mögen. Auf diesem wissenschaftlichen Gebiete wollen wir uns nicht bloß fernere freundnachbarliche Berührungen, sondern selbst Uebergriffe in unsere Grenzen hinein gern gefallen lassen.
Berlin, den 11. April 1860.
(L. S.)
Der Vorstand des Vereins für Geschichte der Mark Brandenburg
v.
Ledebur. Odebrecht. Voigt. Märcker. Riedel. Saeger.
Voßberg. L. Frege.