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II.

Stammtafeln

des

Großherzoglichen Hauses

von Meklenburg

von

Dr. F. Wigger,

Geh. Archivrat.


Einleitung.

E s ist bereits ein halbes Jahrtausend verflossen, seitdem man den ersten Versuch machte die Genealogie unsers Regentenhauses darzustellen, und kaum ist seitdem ein Jahrhundert vorübergegangen, das nicht einige immer fortgesetzte Stammbäume desselben aufzuweisen hätte. Aber seitdem Rudloff seinem auch jetzt noch unentbehrlichen Handbuche der mecklenburgischen Geschichte vollständige Stammtafeln über die Entwicklung des Fürstenhauses im Mittelalter hinzugefügt hatte und zum Staatskalender wenigstens die Abfolge der Regenten aus der blühenden mecklenburgischen Linie zu geben pflegte, standen eine Weile Lisch mit seinen zahlreichen Einzelforschungen und Beyer mit seiner scharfsinnigen Abhandlung über Kruto und sein Geschlecht so ziemlich allein da auf dem Gebiete der mecklenburgischen Fürstengenealogie, und eine umfassende Revision der fürstlichen Stammtafel haben auch sie nicht unternommen. Ihre Ergebnisse sind sorgfältig verwerthet in den trefflichen genealogischen Tabellen von Camill v. Behr und Cohn 1 ); allein Werke, welche alle deutschen oder gar alle europäischen Regenhäuser umfassen sollen, erfüllen vollständig ihren Zweck, wenn sie den jedesmaligen Stand der Forschung wieder


1) C. v. Behr, Genealogie der in Europa regierenden Fürstenhäuser etc. 2. Aufl. Leipzig 1870. Folio. - L. A. Cohn, Stammtafeln zur Geschichte der deutschen Staaten und der Niederlande. Braunschweig 1871. Querfolio.
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geben, und müssen den Spezialhistorikern die Ausgabe überlassen, die Stammtafeln der einzelnen Fürstenhäuser immer aufs Neue nach den Quellen zu revidieren und zu den einzelnen Daten die Beweise zu liefern.

Eine solche Arbeit in ähnlicher Weise, wie ich im 34. Jahrbuche die Stammtafel der erloschenen Grafen von Schwerin behandelt hatte, auch für unser Großherzogliches Haus zu unternehmen, gab mir die Redaction des Meklenburgischen Urkundenbuches vielfach Anreiz; und wenngleich das urkundliche Material erst bis zum Jahre 1400 gesammelt ist, mir also die Gefahr drohet, daß ich noch hier und da Urkunden des 15. Jahrhunderts, welche genealogische Daten enthalten, übersehen habe, glaube ich doch bei einer so erfreulichen Veranlassung, wie mir die bevorstehende Jubiläumsfeier unsers Vereins bietet, den Versuch schon wagen zu dürfen, meiner Vorgänger und meine eigenen Ergebnisse in der Genealogie unsers Regentenhauses zu einer Stammtafel zusammenzufassen. Es wird mich sehr erfreuen, wenn andere Forscher meinem Versuche die Beachtung schenken, meine Resultate zu prüfen, zu berichtigen und zu erweitern.

Das Hauptgewicht lege ich ans die Rechtfertigung der gegebenen Daten, und damit auf die Behandlung der ersten 15 Generationen. Denn über die meisten Daten der letzten 10 fehlt es nicht an amtlichen Kundgebungen über die in den Stammtafeln zur Darstellung gelangenden Ereignisse in dem Fürstenhause und an gleichzeitigen Druckschriften, welche die Datierungen erleichtern; es wird daher hier in der Regel genügen, einfach auf das Großherzogliche Geh. und Haupt=Archiv zu verweisen.

Anders steht es um die Generationen vom 12. bis zum 16. Jahrhundert. Auch für diese bleiben selbstverständlich die Urkunden unsere vornehmsten Quellen, und sie reichen in der Regel auch dazu aus, den genealogischen Zusammenhang vollständig und sicher zu erweisen. Indessen enthalten sie selten bestimmte Angaben über Jahre und Jahrestage, welche für die Stammtafel gewünscht werden, sondern gewähren meistentheils nur annähernde Zeitbestimmungen, und damit allerdings doch die Möglichkeit, die Daten der Annalisten und Genealogen alter Zeit aus ihre Glaubwürdigkeit zu prüfen und gebotenen Falles zu berichtigen.

Denn wer zeichnete im Mittelalter die Geburtstage der fürstlichen Kinder auf? und wie selten lassen sich auch nur die Geburtsjahre aus den gelegentlichen Angaben in den Urkunden berechnen! Für die Daten der Vermählungen geben vielfach die Ehepakten

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wenigstens einigen Anhalt. Ueber die Todestage, und auch wohl über manches Todesjahr, das wir jetzt mühsam zu ermitteln suchen müssen, würden wir sicher unterrichtet sein, wenn nicht der protestantische Eifer des 16. Jahrhunderts sämtliche Todtenbücher der katholischen Stifter und Kirchen in Meklenburg, und Kriegsverwüstungen, Mangel an Pietät und selbst "Restaurationen" die meisten Grabschriften aus dem Mittelalter vernichtet hätten. Als den empfindlichsten Verlust beklagen wir den Untergang des Nekrologiums des Klosters Doberan, welches schon Marschalck zutreffend als das commune conditorium unsers Fürstenhauses bezeichnet hat. Dafür giebt uns das in 2 Abschriften erhaltene Fürstennekrologium aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts, welches vormals ein Kreuzgangsfenster zu Doberan schmückte 1 ), doch nur geringen Ersatz.

Gewiß gaben auch die Fürstengräber und die Einzeichnungen des Todtenbuches, sowie andere chronistische Aufzeichnungen über das Fürstenhaus zu Doberan die erste Anregung dazu, daß eben hier die genealogischen Arbeiten über unser Regentenhaus ihren Anfang nahmen. Die erste - uns erhaltene! - Frucht derselben ist die 1364 abgeschlossene Genealogia Doberanensis, von welcher dann sofort eine Abschrift genommen, mit unwesentlichen Erweiterungen versehen und zu Parchim (Genealogia Parchimensis) ins Stadtbuch eingeheftet ward 2 ). Der uns dem Namen nach unbekannte


1) Gedruckt in Jahrbuch I, zu S. 136, nach einer Abschrift aus dem Anfange des 16. Jahrb. im Haupt=Archiv zu Schwerin. Eine andere ebendaselbst befindliche Abschrift des Archivars Sam. Fabricius zeigt einige wesentliche Abweichungen, namentlich unter Pribislav MCLXXVII., VII. cal. Jan. (St. MC. XV., III. kal. ianuarii), unter Albertus: XVII. Maij St. 5 to Xo mai, unter Nicolaus dei gra. dns. de Rostzock: Mccc. xiiii. st. Mccc. tercio decimo.
2) Beide Genealogien sind neben einander abgedruckt in Jahrb. XI, S. 10 flgd. Ich stimme Lisch darin bei, daß die Doberaner Chronik die ursprünglicheres sei; die ganze Einleitung derselben macht den Eindruck einer Originalarbeit, und das Ganze ist wie aus einem Guß hingeschrieben. (Möglich bleibt aber immer, daß der Parchimsche Genealoge nicht die Reinschrift des Doberaner Werkchens im Diplomatarium Doberanense vor sich hatte, sondern nur ein Konzept, in welchem die Linie Rostock noch nicht oder nicht mehr stand.) Man sieht nicht ein, warum der Doberaner Genealoge die Zusätze der Parchimschen Genealogie über die Werlesche Linie und namentlich über die Töchter Herzog Albrechts II. übergangen haben sollte, wenn er sie gekannt hatte. Uebrigens setzt Lisch die Zeit der Abfassung beider Genealogien etwas zu spät an ("gegen das Jahr 1370"). Das letzte Ereigniß in beiden ist, daß Herzog Albrecht II. seinen Sohn gl. N. nach Schweden geleitete (Martini 1363) und dort auf den Thron (  ...  )
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Doberaner Genealoge setzt erst dort ein, wo die Urkunden des Klosters beginnen, und wenngleich er Chronika Saxonum et Slauorum erwähnt, beruhen doch seine Angaben ersichtlich vorzugsweise aus urkundlichen Nachrichten, die er mit größter Gewissenhaftigkeit verwerthet.

Der Zeit nach mag auf die Genealogie zunächst das erwähnte Nekrologium folgen, wenn anders dasselbe (nach den Abschriften zu schließen) in Minuskeln geschrieben war. Etwa gleichzeitig mit demselben begann aber auch Kirchberg im Jahre 1378 auf Herzog Albrechts II. Anregung seine Reimchronik, deren genealogische Daten über das mecklenburgische Fürstenhaus, wie man schon aus der Uebereinstimmung mit dem Nekrologium in gemeinsamen Fehlern schließen muß, größtentheils aus Doberaner Quellen geflossen sein werden. Die hohe Bedeutung dieser Reimchronik für unser Thema wird sich weiterhin ergeben, wo wir jede Angabe einzeln mittheilen und an den Urkunden prüfen werden, soweit solche es nur zulassen. Kirchberg als Historiker überhaupt zu würdigen, ist hier nicht der Ort; viele seiner Irrtümer fallen aber gewiß schon seinen Quellen und Gewährsmännern zur Last, im Allgemeinen wird man seiner Umsicht und seiner Gewissenhaftigkeit die geziemende Anerkennung nicht versagen dürfen 1 ).


(  ...  ) brachte (Febr. 1364). Beide kennen nur 2 Töchter Heinrichs III.; eine dritte (Ingeburg) ward demselben aber 1368 geboren. Zu beachten ist ferner, daß der Parchimsche Genealoge von Herzog Albrechts II. Töchtern hinzusetzt: Yngeburgem, quam desponsauit Romano marchioni Brandenburgensi, et Annam, quam comiti Adolfo comiti (sic!) desponsauit. Hatte er wohl so geschrieben, wenn er schon von dem Ableben Ludwigs des Römers († 14. Mai 1365) Kunde gehabt hätte?
1) Rätselhaft bleiben bisher für uns Kirchbergs Worte (Cap. 181):
eyn son von der frowen [des Nicolaus IV. von Werle] quam,
knyse Janeke waz des nam,
vnd czwo tochtere schon vnd here;
dy cronike sayd von den wol mere
in herczogin Albrechtis buche;
wer es wiszin wil, der suche!
War es eine - vielleicht in niederdeutscher Sprache verfaßte - Chronik über Herzog Albrechts Regierung? Oder hatte Kirchberg selbst schon in seinem Mitteldeutsch eine solche verfaßt? Oder verweist er mit jenen Worten in seinem - noch unfertigen! - Werke auf ein Buch, welches er noch folgen lassen wollte? Die vorliegende Reimchronik ist jedenfalls unvollendet. Denn der Verfasser bemerkt in Cap. 171, wo er den Tod Heinrichs II. von Meklenburg erzahlt hat:
Nu insage ich hy mit keynre schicht
noch lange von synen kynden nicht; (  ...  )
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Noch einmal regte sich, zu Anfang des 15. Jahrhunderts, in Doberan die Lust zur Geschichtsschreibung; die Doberaner Genealogie empfing zwischen den Jahren 1404 und 1412 1 ) eine Fortsetzung in der ursprünglichen Weise. Auch zu Parchim nahm man etwa um das Jahr 1460 2 ) wieder einen kleinen Anlauf; es entstand damals die Stammtafel zu der Parchimschen Genealogie und (wohl von demselben Verfasser) eine kurze Aufzeichnung über den Abgang der Fürsten von Wenden (Werle). In beiden fehlt die Nachkommenschaft Bernhards von Werle=Waren, und die Genealogie der Rostockschen Linie ist in der Stammtafel aus unbekannter Quelle ganz fehlerhaft dargestellt.

Damit aber, wenn wir noch die Chronik über die Rostocker Domhändel hinzurechnen, erschöpft sich auch der Rest von unserm Schatz einheimischer Geschichtsschreibung im 15. Jahrhundert, nachdem die große lateinische Chronik in 2 Bänden, welche der Bischof Nicolaus Böddeker († 1459) hatte schreiben lassen und welche der Wismarsche Rath leider an den Lübischen Prediger und Chronikenschreiber Reimarus Kock verliehen hat, damit anscheinend auf immer für uns verloren gegangen ist. Immerhin ist es aber für uns ein Glück, daß die Fortsetzer des Detmar, dem wir so manche Daten aus unserer Fürstengeschichte verdanken, Korner und Andere,


(  ...  ) ich wil berichten rechte
erst der von Werle geslechte
vnd der herren von Rodestog. Er wollte also auf Heinrichs II. Kinder noch später kommen; die wenigen Blätter aber, die am Schlusse aus dem Codex verloren gegangen sind, können keine Geschichte der Regierung Albrechts II. enthalten haben. Entweder hat Kirchberg also sein Werk unvollendet gelassen, oder die Geschichte der Kinder Heinrichs II. hat einen zweiten Band für sich gebildet. Müffelmann hat nun recht sorgfaltig, aber doch ohne zwingende Beweisgründe, darzutun versucht, daß noch Marschalck das Albrechtsbuch benutzt habe. Ist das richtig, so muß Marschalck dasselbe aber entweder sehr schlecht ausgebeutet haben, oder der Ertrag aus dem Albrechtsbuche für unser Thema würde ein äußerst geringer gewesen sein.
1) Der Fortsetzer kennt noch nicht den Tod des Königs Albrecht († 1412) wohl aber schon mindestens 3 Kinder des Herzogs Johann, der sich erst 1400 vermählte.
2) Lischens Ueberschrift: "Stammbaum etc. . aus dem Ende des 14. Jahrb." (Jahrb. XI, S. 26) enthalt ersichtlich einen Schreibfehler. Denn in der Stammtafel wird ja noch die Verlobung der Katharine von Wenden und Herzog Ulrichs II. von Stargard (1444) erwähnt, und in dem Schluß der Genealogie der Fürsten von Wenden noch das Jahr 1455 sowie die Einlösung von Lübz 1456.
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auch im 15. Jahrhundert Meklenburg ihre Aufmerksamkeit zugewandt haben.

An der Spitze der Geschichtsschreiber des 16. Jahrhunderts steht dann freilich ein Mann von hervorragender Bedeutung, Albert Krantz, der durch seine Wandalia und seine Metropolis sich um unsere Fürsten= und Landesgeschichte große Verdienste erworben hat; allein die Genealogie läßt dieser Schriftsteller sehr zurücktreten. Seine Stammtafeln über die Meklenburgische und über die Werlesche Linie (Wand. VII, 16 und 42) haben uns keinen einzigen Beitrag geliefert. Seinem Plan gemäß beschränkt er sich darauf die Abfolge der Regenten zu verzeichnen; er übergeht aber dabei Herzog Albrecht V. von Meklenburg=Schwerin und Albrecht II. von Meklenburg=Stargard, dagegen nennt er einen in Urkunden und auch sonst völlig unbekannten Johann als einen Sohn des Fürsten Nicolaus V. von Werle=Waren.

Uebrigens scheint Krantz - gewiß sehr wider seine Absicht - durch rhetorischen Schmuck in seiner Gedächtnisrede auf Herzog Magnus II. (Wand. XIV, 33) ein großes Unheil in der mecklenburgischen Geschichtsschreibung angerichtet zu haben. Er findet nämlich dort, daß das hohe Alter des mecklenburgischen Fürstenhauses noch viel zu wenig gewürdigt werde; denn schon in der vorchristlichen Zeit, als die Fabier und Cornelier blüheten, habe es mit den Dänen gekämpft; die Römer hätten nie gewagt die Elbe zu überschreiten; Karl der Große habe die Freundschaft der mecklenburgischen Fürsten gesucht u. s. w. Kurz, Krantz geht aus von der Voraussetzung, daß zwischen Niklots Haus und den allerältesten, vorslavischen Fürsten Meklenburg ein verwandtschaftliches Verhältniß bestehe. Diesen Gedanken griff dann aber Nicolaus Marschalck (Marescalcus Thurius) auf und erdichtete, wie man dergleichen zu seiner Zeit liebte, vermöge ausgebreitetster Belesenheit und mit historischer Leichtfertigkeit in seinen 1521 gedruckten Annalium Herulorum ac Vandalorum libri septem nicht weniger als 38 Stammverwandte Vorgänger Niklots in der Königswürde, deren ältester Ahn, Anthyrius, bis in die Zeit Alexanders des Großen hinausragt!

Dies ist jedoch nur der erste Theil seines Werkes, welches Marschalck bis auf seine eigene Zeit fortsetzte. Als die zweite Abtheilung läßt sich der Abschnitt bezeichnen, wo er Kirchberg folgt, und als die dritte derjenige Zeitraum, für welchen er auf andere Quellen angewiesen war. Natürlich ist diese letzte Partie für uns die wichtigste; allein, wenn man in der zweiten Abtheilung steht,

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mit welcher Flüchtigkeit Marschalck den Kirchberg stellenweise gelesen und excerpirt, wie arg er denselben nicht selten mißverstanden, wie er mitunter einen pragmatischen Zusammenhang hergestellt hat, wo sein Vorgänger solchen gar nicht andeutet, und dann dessen Worte in sein wunderliches Latein hineinzwängt: so kann man nicht umhin, die späteren Angaben Marschalcks, deren Fundstätte wir nicht kennen, nur mit größter Vorsicht aufzunehmen und, soweit es die Urkunden irgend gestatten, einer scharfen Prüfung zu unterwerfen. Andererseits darf man freilich auch nicht außer Acht lassen, daß Marschalck nachweislich zu Doberan in engeren Beziehungen stand, und daß zu seiner Zeit die Necrologien der mecklenburgischen Stifter und Kirchen noch vorhanden waren, und solche neben dem Todestage auch noch Einzeichnungen über Schenkungen an das betreffende Stift etc. . zu enthalten pflegten, - daß ferner damals unzweifelhaft noch viele Todesjahre und Todestage nachgewiesen wurden durch Inschriften auf Grabsteinen, die jetzt längst vertreten oder beim Abbruch von Klöstern bei Seite geworfen oder auf andere Weise untergegangen sind. Um Wiederholungen zu vermeiden, verweisen wir, statt Beispiele anzuführen, einfach auf unsere späteren Abschnitte, in welchen wir alle Angaben Marschalcks einzeln anführen und würdigen werden.

Kaum hatte Marschalck seine Annales veröffentlicht, als sie auch schon in dem stillen St.=Klaren=Kloster zu Ribnitz von einem Annalisten benutzt wurden. Bruder Lambrecht Slagghert von Stralsund, der Michaelis 1522 aus Hamburg in jenes Kloster als Beichtiger kam, ließ sich bald von den Nonnen bewegen, aus weltlichen Chroniken und aus Büchern über den St. Klarenorden, sowie aus den Quellen, welche das Kloster Ribnitz besaß - er selbst nennt dat dodenbo e ck, breue und die cronik - eine Chronik des Klosters zu verfassen. Schon am 22. Novbr. 1523 widmete er diese der Aebtissin Dorothea und den Nonnen. Da das Kloster von Heinrich II. von Meklenburg gestiftet war, und von den früheren sieben Aebtissinnen vier, sowie eine Vicaria und eine Nonne dem herzoglichen Hause angehört hatten, desgleichen die dermalige Aebtissin Dorothea eine Schwester, und ihre Vicaria Ursula eine Tochter des Herzogs Heinrich V. war: so gestaltete sich die Klosterchronik so zu sagen von selbst auch zu einer Chronik der Aebtissinnen, über welche sich im Kloster Auszeichnungen vorfanden, und indem auch über deren Verwandte Angaben eingeschaltet wurden, zugleich zu einer Chronik des herzoglichen Hauses seit Heinrich II. Es war für Slagghert ein glücklicher Umstand, daß seine Aebtissin Dorothea schon 1480 geboren war, ihre persönlichen Erinnerungen also fast

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40 Jahre zurückreichten, und daß er auch aus der Zeit, die er selbst nun im Kloster verlebte, von dieser Herzogin, die in stetem brieflichem Verkehr mit ihren Verwandten stand, alle wichtigeren Ereignisse aus dem herzogl. Hause zuverlässig erfuhr. Er hat seine aus den speziellsten Vorfällen im Kloster und aus Nachrichten über das Fürstenhaus gemischten Einzeichnungen nur bis Michaelis 1532 fortgesetzt, aber doch in das Verzeichniß der verstorbenen Klosterschwestern auch noch den Tod der Elisabeth Jork von Lätare 1533 und ihr Begräbniß am Abend Annunciacionis Marie (24. März) eingetragen. - Slagghert zeichnet sich weder durch einen weiten und freien Blick noch durch Kunst der Komposition aus; er erzählt schlicht und treuherzig in gemütlicher Breite, zu welcher der niederdeutsche Dialekt sich so gut eignet, wiederholt sich auch mitunter. Seine Register des Klosterpersonals, der Hebungen, Schenkungen etc. . sind sehr fleißig zusammengetragen, die Schenkungen aus dem Todtenbuche zusammengestellt, dabei jedoch leider nicht die Todestage der Geber genannt, bei welchen sie eingetragen zu werden pflegten. Kritik ist nicht Slaggherts Stärke: doch findet er sich veranlaßt, sich bei einer Wundergeschichte durch Berufung auf die Erzählung der oltsustern zu decken.

Einen Fortsetzer hat Slagghert erst etwa 40 Jahre später in dem Prediger Jakob Isermann gefunden, der 1569 ans Kloster berufen ward und bis zum Jahre 1578 mancherlei Einzeichnungen hinzugefügt hat 1 ).

Am Hofe zu Schwerin scheint man damals wenig genealogische Aufzeichnungen gemacht zu haben; das Großherzogliche Archiv besitzt aus jener Zeit nur ein einziges Quartblatt, auf welchem 9 Todestage und 2 Geburtstage fürstlicher Personen aus der Zeit von 1477-1524 (nach der Handschrift zu schließen, 1524 oder doch bald danach in einem Zuge niedergeschrieben). Wir bezeichnen dieses Blatt als "Daten von 1477-1524."

An diese Aufzeichnung schließt eine von uns als "Daten von 1525-64" citirte, welche 13 Geburts=, Hochzeits= und Todestage aus dem mecklenburgischen Fürstenhause von 1525-57, dahinter


1) Auf die bei v. Westhalen, Mon. ined. IV, 841, abgedruckte lateinische Bearbeitung des Slagghert gehe ich hier nicht ein, weil sie neben manchen kleinen Berichtigungen sehr viele willkürliche und unberechtigte Aenderungen, auch in den Zahlen, zeigt. - Den niederdeutschen Text Slaggherts benutzte ich in einer sehr sorgfältigen Abschrift vom Original, welche Herr Dr. Crull genommen hat. Eine zweite Copie, aus dem Nachlaß des älteren Rudloff, besitzt das Großherzogliche Archiv zu Schwerin.
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aber noch 13 solcher Daten aus dem dänischen Königshause bis 1564 enthält. Das Ganze ist von einer Hand geschrieben, und zwar nicht vor 1566, gewiß aber auch nicht viel später, und höchst wahrscheinlich am Hofe Herzog Ulrichs zu Güstrow. Denn es ist die Bemerkung eingeschaltet: "Hertzog Caroln zu Mekelenburgk etc. ., Desgleichen Fraw Annen geboren zu Mekelenburgk, Herzoginnen zu Churlandt" [seit 1566], "Geburtstage seindt s. f. g. Hertzogk Vlrichenn zu Mekelenburgk etc. . unbewust." Dieser Herzog und seine erste Gemahlin, Elisabeth von Dänemark, beschäftigten sich beide eifrig mit Genealogie und Heraldik, und haben von dem Erfolg ihrer Studien in dem großartigen heraldisch=genealogischen Denkmal im Dom zu Güstrow, welches ihre Ahnentafeln über ihren Statuen zeigt, der Nachwelt einen glänzenden Beweis hinterlassen.

Ein Auftrag dieser Herzogin gab auch dem Rath des Herzogs Johann Albrecht, Andreas Mylius, 1571 die Veranlassung, seine Genealogie des herzoglichen Hauses Meklenburg zu verfassen. Es ist diesem Schriftsteller immerhin anzurechnen, daß er über die von Marschalck erfundenen Ahnen "jedem seine Meinung gern gönnen" wollte, sich selbst aber von dieser Phantasterei frei hielt und erst dort beginnen mochte, wo Chroniken und Urkunden sicheren Anhalt böten; allein selbständige Forschungen hat auch er nicht gemacht, er schreibt vielmehr die Jahreszahlen Marschalcks ohne Kritik nach. Seine Genealogie ist für uns von geringem Werth. Viel bedeutender sind seine Annales, welche mit der Geburt Herzog Johann Albrechts I. beginnen und bis zum Jahre 1592, bis zu dem Tode der Herzoge Christoph und Johann VII., reichen. Denn von 1548 an lebte Mylius als Vertrauter Johann Albrechts I. fast in steter Umgebung dieses ausgezeichneten Regenten und kannte den ganzen Verlauf seiner Regierung wie kein anderer Zeitgenosse. Da der Herzog Ulrich die Veröffentlichung dieser Annalen nicht wünschte, sind sie bekanntlich erst 1737 in Gerdes' Sammlungen zugleich mit der Genealogie gedruckt (obwohl die letztere schon seit 1599 aus dem Plagiat Calovs bekannt geworden war); benutzt sind aber beide Werke schon, wenn nicht von Simon Pauli, so doch von Chemnitz.

Ueber Simon Pauli wissen wir leider sehr wenig. Von Herzog Adolf Friedrich I. ward er Antoni 1610 als Secretair bei der Regierungs=Canzlei bestellt, am 1. Januar 1616 aber zum Archivar und Lehnssekretär ernannt, und als Solcher empfing er am 2. Febr. 1622 seine letzte Besoldung für das jüngst verflossene Jahr: doch war er noch im October 1622 in fürstlichen Ange=

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legenheiten thätig. Sein Archivamt hat ihm entweder die erste Anregung gegeben eine Genealogie des herzoglichen Hauses zu verfassen, oder doch Gelegenheit dies Werk zu vervollständigen. Leider kennen wir dasselbe aber nur aus den vielfachen Zitaten bei Chemnitz; der Text selbst ist nicht mehr aufzufinden. Es liegt die Vermuthung nahe, daß diese Genealogie das prachtvoll ausgestattete genealogische Werk über das mecklenburgische Fürstengeschlecht war, welches die Herzogin Isabelle Angelique bei ihrem Abzuge aus Meklenburg im Mai 1673 ohne Vorwissen ihres Gemahls, Herzog Christians I. Louis, und zum größten Verdruß seiner Beamten nach Frankreich entführte, wo es noch irgendwo in der Verborgenheit ruhen mag.

Wir führen hier schließlich nur noch das großartige Werk des Johann Friedrich Chemnitz an, der Johannis 1642 vom Herzog Adolf Friedrich I. zu seinem Archivar bestellt ward, Michaelis 1648 aber in den Dienst der Herzogin Magdalene Sibylle von Meklenburg=Güstrow überging. In jenem kurzen Zeitraum von nur 6 Jahren hat Chemnitz Erstaunliches geleistet, indem er den gesamten Urkundenschatz, welchen damals das herzogliche Archiv enthielt, zu einer mecklenburgischen Chronik in der Weise verarbeitete, daß er alle Urkunden, in welchen jeder Fürst auftritt, excerpirte und diese Auszüge mit Einflechtung der ihm bekannten chronistischen Nachrichten in chronologischer Folge zu einer Lebensbeschreibung an einander reihte, am Schlusse aber kurze Nachrichten über die Gemahlinnen und Töchter (leider meistens ohne Angabe der Urkunden, denen sie entnommen sind) hinzufügte. Die saubere Reinschrift seines Werkes, welches mit dem Jahre 1600 abschließt, füllt 6 Foliobände. Gedruckt ist diese Chronik freilich niemals ihrem vollen Wortlaute nach, der Inhalt derselben ist aber bekannt genug, da sie neben dem ausführlichen handschriftlichen Diplomatar, welches E. A. Rudloff gesammelt hatte, dem Sohne des Letzteren, Regierungsrat F. A. Rudloff, als Hauptfundgrube für sein treffliches pragmatisches Handbuch der mecklenburgischen Geschichte gedient hat. Dürftige Auszüge aus dem weitläufigen Werke von Chemnitz sind mehrfach gemacht; eine "Fortsetzung des Johann Friedrich v. Chemnitz Historisch=Genealogischen Nachrichten aller Meklenburgischen Regenten bis aufs Jahr 1722", von J. v. Klein, dem bekannten meckl. Geh. Rath, Kanzler und Hof= und Landgerichts=Präsidenten, entworfen, hat J. E. Michelsen 1749 herausgegeben. Dies Buch, welches nur 88 Quartseiten zählt, ist für die Landesgeschichte unter den Herzogen Friedrich Wilhelm und Karl Leopold, da v. Klein selbst an den Regierungsgeschäften theil=

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nahm, von erheblichem Werthe; dagegen finden sich in den genealogischen Daten manche Fehler, da sie vielfach nur Hübner und andern Genealogen entnommen sind.


Der Stammvater des Großherzlichen Hauses.

Der sicher nachweisbare Stammvater des mecklenburgischen Fürstenhauses ist der im Jahre 1160 im Kampfe gegen die Sachsen getötete Obotriten=Fürst Niklot 1 ). Allein es hat nicht an Versuchen gefehlt, auch noch dessen Ahnen zu ermitteln. Schon E. v. Kirchberg suchte das mecklenburgische Regentenhaus an den Wendenfürsten Gottschalk anzuknüpfen, indem er Niklot für einen Enkel desselben, für einen Sohn von Gottschalks ältestem Sohn Butue, ausgab 2 ), obwohl er für diese Annahme bei Helmold nicht den geringsten Grund fand. Natürlich ist auch für Marschalck Niklot ein Sohn Butues, und er beschenkt ihn freigebig auch mit einer Mutter, einer Ruyanerin Namens Ida, und, wie schon oben bemerkt ward, mit einer Ahnenreihe, die bis auf die Zeit Alexanders des Großen hinaufreicht. Man muß sich fast wundern, daß seine so fruchtbare Erfindungsgabe nicht auch für Niklots Gemahlin Namen und Herkunft erdichtet hat.

Mit solchen Phantastereien brauchen wir uns nun freilich nicht weiter abzufinden 3 ). Dagegen können wir nicht umhin zu


1) Ich behalte diese Namensform bei, weil sie uns nicht nur stets bei Helmold, bei Arnold. Lub. (III, 4), in den Ann. Palidens. 1160, in den Ann. Stad. u. s. w. entgegentritt, sondern, weil auch in einer Urkunde von 1222 [Mekl. U.=B. I, Nr. 282] ein Privatmann mit dem Namen "Niclot" vorkommt. In den Ann. Pegav. (p. 260) lautet der Name: Niuclat, in den Ann. Magdeb. (p. 191): Niuclath, bei Saxo Gramm.: Nucletus, in der Knytlinga=Saga: Miuklatr, bei Boguchwal (Jahrb. XXVII, S. 128): Mikkol, Miklo. Boguchwal deutet: Theutunici - ab ipso Miklone Mikelborg nominabant! - "Niclolum, qui et Nicolaus", schon in den Ann. Palidenses und Annal. Magd. zum Jahre 1160.
2) Konig Hinriches bruder kinde -, der eyne hiez Pribislaus, der andere hiez Nyclotus (Westph. 657); - czwene brudere daz virnamen, - der eyne Pribislaus, der ander hiez Nyclotus; sy warin geborin, horet me, vondemfursten Buthue (W. 661); - von Buthue geboren Nyclod (W. 670). - Da Westphalens Nummerierung der Kapitel (Monum. ined. IV) nicht mit der Handschrift Kirchbergs übereinstimmt, citiren wir lieber nach Westphalens Kolumnen, haben übrigens die Textesworte aus der Handschrift berichtigt.
3) Vergl. Beyer, Jahrb. XIII, S. 6, 7.
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einer neuen Hypothese, nach welcher Niklot nicht Butues, sondern seines Gegners, Krutos, Enkel war, hier Stellung zu nehmen. Nämlich mein verewigter, sehr lieber College G. Beyer hat 1848 in einer überaus scharfsinnigen und gelehrten Abhandlung (in Jahrb. XIII, S. 1 flgd.) zu erweisen gesucht, daß Niklot aus dem ruyanischen Königshause stammte (wie schon Marschalck vermuthete) und ein Sohn des Wendenkönigs Burislav und Enkel jenes "Cruto, filius Grin", gewesen sei.

Deutsche Geschichtsquellen kennen nun allerdings keinen Wendenkönig Burislav in unsern Gegenden. Aber in der Knytlinga=Saga (aus dem 13. Jahrhundert) wird erzählt 1 ), daß Rikissa, eine Tochter des Wendenkönigs Burislav, zuerst mit dem dänischen Prinzen Magnus, dem Mörder Knut Lawards, später mit dem Schwedenkönig Sörkver Kolson vermählt gewesen sei, und daß Knut, ihr Sohn erster Ehe, nach erlittener Niederlage bei Viborg (1151) zu seinem Stiefvater nach Schweden, dann weiter nach Rußland gegangen, von hier aber südwärts nach Rostock zu seiner Mutter Brüdern gesegelt, von diesen jedoch abgewiesen sei aus Furcht, daß er (der Flüchtling!) ihr Reich an sich reißen wolle, und daß er sich darum alsbald nach Bremen zum Erzbischof Hartwig und mit diesem nach Braunschweig zu Herzog Heinrich (dem Löwen) begeben habe. In diesen furchtsamen Oheimen Knuts zu Rostock erkennt nun Beyer den Fürsten Niklot und dessen bei Helmold I, 93, einmal genannten Bruder Lubemar, und in Burislav jenen von Helmold nicht mit Namen genannten Mann, der 1193 von den heidnisch gesinnten Wenden dem Fürsten Heinrich, Gottschalks Sohn, Krutos Nachfolger in der Ehe mit der Slavina 2 ) und in seiner


1) Cap. 89 (Uebersetzung von Sveinbiörn Egilsson): "Magnus Nicolai filius Rikizam, Burizlavi Vendorum regis nliam, in matrimonium duxit, ex quibus nati Knutus et Nicolaus." - Vgl. auch c. 104. - C. 108: Nach der Niederlage bei Viborg verlaßt Knut Dänemark, "Sorkverum Koli filium, vitricum suum, qui Rikizam, matrem Knuti regis, in matrimonio habebat, in Gothia convenit. - Inde rex Knutus orientem versus in regnum Gardorum profectus moxque ab oriente reversus, meridiem versus Rostokkum ad avunculos suos se contulit, a quibus, ne ibidem commoraretur, prohibitus est, verentibus, ne regno per eum privarentur. Itaque rex Knutus meridiem versus Bremas concessit ad archiepiscopum Hardvigum, a quo Brunsvikam" - -.
2) Des Namens wegen ist die Geschichtlichkeit dieser Frau neuerdings angezweifelt, meines Erachtens sehr mit Unrecht. Denn ina ist wie inus (Vicelinus, Hennekinus, Gunzelinus) die lateinische Bildungsform. In deutscher Diminutivform: Slaweke findet sich derselbe Name noch im 14. Jahrh. in der wendischen Adelsfamlie Gamm [Mekl. Urk.=Buch (  ...  )
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Herrschaft, entgegengestellt war 1 ), bei Schmilau dann aber geschlagen ward und dadurch Heinrich den Weg zum Königthum über die Wenden bahnte. Hulte schon Krantz 2 ) in diesem Manne einen Verwandten Krutos vermuthet, so erklärt nun Beyer denselben geradezu für den Sohn Krutos und beide für Könige von Rügen, weil Dänemarks Küsten gegenüber es keine anderen Wendenkönige gab als die von Rügen. Er gewinnt damit folgende Stammtafel:

Stammtafel

Für Enkel von Kruto erklärt er dann noch Race, der um 1138 Lübeck zerstörte, und dessen Söhne Rochel, um 1150 Fürsten in Wagrien, Pribislav, 1156 Fürsten in Wagrien, und den 1162 erschlagenen Nicolaus, Statthalter von Schleswig 3 ).

Diese ganze Hypothese Beyers hat wegen ihrer seinen Durchführung vielfachen Beifall gefunden; allein wir müssen nach wiederholter Prüfung, wenn auch widerstrebend, gestehen, daß wir uns von der Annehmbarkeit derselben nicht haben überzeugen können.

Denn 1) steht die isländische Knytlinga=Saga mit ihren Angaben ganz allein da; die dänischen Quellen dagegen bezeichnen die


(  ...  ) Nr. 6704, A.]. Einen Söldner in Pommern Namens Slawekinus s. ebendort Nr. 4400.
1) Helm I, c. 34: "conveneruntque omnes una voluntate et eadem sententia, ut pugnarent adversus Heinricum, et statuerunt in locum eius, qui erat cristicolis oppositus omni tempore."
2) Wand. III, 20: alium sibi principem statuentes de genere Crutonis.
3) Helm. I, 55 (c. 1138): "quidam Race de semine Crutonis" I, 69:,princeps terre Rochel, qui fuerat de semine Crutonis"; c. 81, 82: "Pribizlaus regulus." Saxo XIV, p. 299: "Nicolaus qui dam, Razi filius, rccenter Sleswicensium satrapa constitutns"
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Rikissa als eine Tochter des Polenherzogs Bogislav oder richtiger Boleslav III. Dies geschieht insonderheit von Saxo Grammaticus (XIII, 235), nach dessen Erzählung auch Polenherzoge später Rikissas Sohn Knut aus Furcht, er möchte wegen seiner Mutter Ansprüche auf eine Theilung des Reiches erheben, den Eintritt in ihre Städte versagten und ihm nur die Durchreise zum Herzog Heinrich von Sachsen und zum Erzbischof Hartwig gestatteten. Beyer entscheidet sich freilich (S. 37) gegen diese Erzählung Saxos und für die Knytlinga=Saga, weil letztere in den Namen bestimmter sei, weil auch Helmold von einem Umwege Knuts über Polen nichts sage 1 ), weil ein Sohn der Rikissa aus der Ehe mit König Swerker von Schweden und ein Sohn des Ruyanerfürsten Boris (Borislav) hießen, weil Magnus sich nach 1121 gar nicht habe mit einer polnischen Prinzessin vermählen können wegen des Krieges der Dänen und Polen an den Odermündungen, endlich weil Boleslav III. nur eine Tochter gehabt habe, die wenigstens in Frage kommen könne, die Svantoslava (geb. 12. April 1106).

Der letzte Grund ist nun aber, obwohl auf polnischen Angaben beruhend 2 ), entschieden irrig; denn nach ganz unverdächtigen deutschen Nachrichten war eine zweite Tochter Boleslavs III. (Judith) mit dem Markgrafen Otto I. von Brandenburg vermählt 3 ), eine dritte (Dobergana = Lukardis) mit dem Marchio orientalis Dietrich 4 ); er konnte also immerhin auch eine vierte haben. Die andern Gründe Beyers geben aber gar keinen Ausschlag, zumal 2) König Waldemars I. vertrauter Freund und Rathgeber von Jugend auf, der berühmte Erzbischof von Lund und Bischof von Roeskilde, Absalon, in einem Briefe an den Papst Coelestin III. von 1194 die Großmutter der Ingeburg (der Verstoßenen Gemahlin König Philipps von Frankreich und Tochter Waldemars I. von Dänemark), also die


1) c. 71: Kanutus fuga lapsus venit in Saxoniam; Helmold spricht auch ebenso wenig von der Fahrt nach Schweden und Rußland, hatte auch gar keine Veranlassung, den Weg oder Umweg Knuts anzugeben.
2) Boguchwal bei Sommersberg 11, p. 30, 36. Dlugoss nennt ihren Namen. S. IV, p. 355. Boguchwal nennt aus der 2. Ehe keine Tochter Boleslavs.
3) Chron. princ. Saxon., Scr. XXV, p. 476; Chron. Montis Sereni, Scr. XXIII, p. 147.
4) Chron. Mont. Ser., p. 159: Thidericus Orientalis marchio († 1185) - ab uxore sua, quae soror erat Mesoconis ducis Poloniae (also Boleslavs III. Tochter), Dobergana nomine, quae et Lucardis vocabatur, de qua filios susceperat -. Geneal. Wettin. (Scr. XXIII, p. 229): Thidericus Orientalis marchio duxit uxorem sororem Meseconis ducis Poloniae, Dobernegam nomine, quae etiam Lukardis dicta est.
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Rikissa, als eine Tochter des Polenherzogs Boleslav III. bezeichnet 1 ), und zwar in einem Zusammenhange, wo gar nichts darauf ankam, ob Rikissa polnischer oder mecklenburgischer Herkunft war. Jene Angabe Absalons hat dann auch der Abt Wilhelm von Ebelholt in seine Genealogie der dänischen Könige, welche er (1194 oder 1195) in der Scheidungsahngelegenheit der Königin Ingeburg verfaßte, aufgenommen 2 ) Man wird aber keinen Anstand nehmen, dem Zeugnisse dieser dem dänischen Königshause so nahe stehenden Personen den Vorzug zu geben vor der ein halbes Jahrhundert später auf Island geschriebenen Knytlinga=Saga, und annehmen müssen, daß Knut seiner Zeit seine Seefahrt nicht nach der Mündung der Warnow, sondern nach den Odermündungen richtete. Damit aber verschwindet dann der König Burislav aus Meklenburg.

Indem wir aber die Knytlinga=Saga ausgeben müssen, verlieren wir nicht nur den Namen von Niklots vermuthetem Vater, sondern auch den ganzen Zusammenhang zwischen Niklot und dem ruyanischen Königshause. Wenn wir an Helmold zurückverwiesen werden, so ist dieser der Beyerschen Kombination in keiner Weise günstig. Allerdings berichtet dieser Schriftsteller (I, 36), daß vor allen andern


1) "Waldemarus (I., König von Dänemark) autem hanc dominam nostram (Ingeborg) Franciae reginam genuit ex Sophia, cuius pater fuit Waledar, qui et ipse Ruthenornm rex fuit (plures enim ibi reges sunt), mater autem ejus [d. i. Rikissa] filia fuit ducis Poloniae nomine Bolezlavi." Der Brief ist gedruckt bei Langebek, Scr. r. Dan. VI, p. 41. - Daß statt Waledar eine Handschrift durch einen Schreibfehler Waldemar giebt, ist ohne Bedeutung; vergl. z. B. ein Fragm. Island. bei Langebek, p. 43: "Hann (Waldimar) atte Suffin, dotter Waladar, konungs af Polonia (!), und Suorre Sturlefon, Norske Kongers Chron.: "Valdemar Danaekonning fick til hustru Sophia, konung Valadars dotter af Polen ok dronnings Rikize."
2) Iste Waldemarus, rex gloriosus et potens in diebus suis, genuit ex Sophya Kanutum regem pium et gloriosum, qvi nunc regnat in Dacia (1182 - 1202), et sororem ejus Ingeburgam, quae nupsit regi Francorum excellentissimo Philippo. Praedicta autem Sophia regina filia fuit Waledar Ruthenorum regis (nam plures ibi reges sunt); cujus Sophiae mater filia fuit Boleslavi ducis Poloniae." So Langebek II, p. 161, nach der Kopenhagener Copie, wahrend in dem Cod. Laudun. die gesperrten Worte fehlen, vermuthlich unabsichtlich. - Denn die Annahme, daß dieselben erst in neuerer Zeit in den (1728 verbrannten) dänischen Codex und auch in Absalons Brief eingeschaltet waren, ist ausgeschlossen, weil schon Huitfeldt I, p. 161, sie las. Er sagt z. B. 1195 (genealogia Ingeburgica): "Konning Valdemar føodde denne vor Dronning, fru Ingeborg, aff Dronning Sophia, hues Fader vaar Konuing Voldemar eller Valdemar, huilcken oc vaar en Konge udi Rytzland. Thi det Land Rytzland haffde den tidt fleere Konger; men hans Moder vaar Hertug Boleslavi Datter udaff Polen."
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wendischen Völkerschaften an der Ostsee die nie unterjochten Ruyaner einen Vorrang hätten durch den Zwantewitstempel, und daß allein ihre Fürsten, obwohl im Ansehen dem Oberpriester nachstehend, den Königstitel führten 1 ) und von unterworfenen Nationen einen Tempelzins eintrieben. Aber Helmold weiß nichts davon, daß Kruto, wie Beyer annimmt, König von Rügen gewesen sei; er bezeichnet ihn überhaupt nicht als König, sondern nur einfach als Wendenfürsten (I, 26, 34), der von den gegen Gottschalk ausgestandenen heidnisch gesinnten Wenden an ihre Spitze berufen wird (I, 25). Und wenn nach seiner Darstellung Kruto über das ganze Wendenland geherrscht hat (obtinuitque dominium in nniversa terra Sclavorum), so kann man - wie wir sogleich an einem ähnlichen Beispiele nachweisen werden - aus diesem unbestimmten Ausdruck nicht schließen, er müsse also auch König von Rügen gewesen sein. Der Sitz seiner Macht war jedenfalls Wagrien; auf der Grenze zwischen Wagrien und Polabien, da, wo jetzt Lübeck liegt, auf dem Hügel Buku, hat er sich eine sehr feste Burg erbaut 2 ), und dorthin sollte der König von Rügen seine beständige Residenz verlegt haben? Das hätten die Zwantewits=Priester zugegeben, deren Ansehen und Macht über die des Königs ging, deren Tempelsteuern der König einzutreiben hatte? Wenn seine Enkel später, und nicht ohne Erfolg, von Rügen aus Erbtheile in Wagrien zu erkämpfen suchten, so kann das entweder wegen verwandtschaftlicher Verhältnisse zu dem Königshause geschehen sein, oder sie waren auch nach Krutos Ermordung gerade nach Rügen geflüchtet, weil der Wendenkönig Heinrich und sein Geschlecht ihre und Rügens gemeinschaftliche Feinde waren. Anscheinend hatte Kruto seinen Sohn - oder seine Söhne - Verloren, und nur Enkel überlebten ihn. Denn kein Sohn tritt nach seiner Ermordung als sein Rächer und Nachfolger auf, sondern "die gesamten Wendenvölker" vereinigen sich zum Kampfe gegen den christen= und sachsenfreundlichen Heinrich, Gottschalks Sohn, und stellen gegen diesen "einen Mann auf, der allzeit der Christen Gegner war" (et statuerunt in locum eius [Heinrici], qui erat cristicolis oppositus omni tempore). Dieser Ausdruck Helmolds verbietet


1) Helm. I, 2: "Rani, qui et Rugiani, - qui soli habent reges." Die gesperrten Worte sind nicht Helmolds Zutat, sondern entnommen aus dem Schol. 117 zu Adam IV, 18: Reune insula est Runorum, vicina Jumne civitati, qui soli habent regem.
2) Helm. I, 57. - Boguchwal (Jahrb. XXVII, S. 128): "Item castrum Buccowecz, ubi nunc monasterium fratrum praedicatorum in Lubek constructum cernitur; Slavi vero inibi moram trahentes Lubiczensem ciuitatem non Lubek, sed Buccoweecz appellant."
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aber geradezu, an einen Sohn Krutos zu denken, der nicht erst aufgestellt zu werden brauchte, und für "filium Crutonis" wären diese Worte doch eine sonderbare Umschreibung. Wer aber dieser Gegenkönig Heinrichs gewesen sein mag, ist schier nicht weiter zu ermitteln. Herzog Magnus von Sachsen Schlägt ihn 1093 1 ) bei Schmilau, erobert noch 14 feste Plätze im Wendenlande und erhebt Heinrich, der, wie sein Vorgänger in Wagrien, im neubefestigten Alt=Lübeck seinen Sitz hat, zum Herrn über die Wenden in der Sächsischen Mark; alle jene ostwärts wohnenden Wendenstämme sind ihm seit jenem Tage untertan und zahlen ihm Tribut (servieruntque a die illa omnes ille orientalium Sclavorum nationes Heinrico sub tributo), wie sich Helmold wieder sehr allgemein ausdrückt.

Aber in diesem unbestimmten Ausdruck sind abermals wenigstens die Ruyaner sicher nicht enthalten. Vielmehr eröffnen diese nun den Kampf um den Principat im Wendenlande (dominationis libidine provocati) gegen Heinrich; sie kommen über die See, die Trave hinauf, um diesen aus Wagrien zu vertreiben. Doch mit Hülfe der Holsteiner gelingt es Heinrich dieses Heer zu vernichten 2 ), und erst damit ist seine Herrschaft über die Wenden bis zur Oder befestigt. Er selbst begehrt und empfängt nun erst den Königstitel, den bisher die ruyanischen Fürsten geführt hatten (I, 36). Die Völkerschaften zahlen ihm Tribut und leisten ihm Heeresfolge auf zwei Zügen, die er doch noch mit den holsteinschen Sachsen, und den einen unter persönlicher Theilnahme des Sachsenherzogs Lothar, unternehmen muß (I, 38). Erst sein nicht lange hernach erfolgter Tod macht seinem Streit mit den Rujanern ein Ende: sie bleiben unabhängig. Unter seinem Sohne Zventepolch stehen dann auch die Obotriten auf und werden von diesem und vom Grasen Adolf von Holstein - und zwar, setzen wir hinzu, unter Führung des Herzogs Lothar selbst - 1121 3 ) durch die Eroberung der Burgen Werle und Kessin zur Gestellung von Geißeln und zu einer Geldbuße genöthigt. Nachdem König Heinrichs Nachkommenschaft erloschen ist,


1) Ann. Hild. 1093; Helm. I, 34.
2) Vgl. übrigens Lappenberg zu I, 36.
3) Ann. Saxo z. J. 1121: "Liuderus dux - collecto exercitu valido Sclaviam invadit terramque cuiusdam Zuentubaldi usque ad mare predabundus perambulat; urbibusque in dedicionem acceptis, quarum una Kizun dicebatur, famosior et opulentior ceteris, obsidibusque acceptis cum pecunia non parva victor regreditur." - Die Identität dieses Zuges mit dem von Helmold I, 48, erzählten Zuge Zventepolchs kann trotz der Differenz in den Ramen: Zventepolch und Zventubold nicht bezweifelt werden.
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tritt sein Neffe, Butues Sohn Pribislav, ins Erbe ein, aber nur in Wagrien und Polabien; denn in Obotritien tritt jetzt bald als Herrscher Niklot hervor. Die wendische Königswürde aber giebt der 1125 zum König des deutschen Reiches erwählte Lothar, der soeben selbst noch einen erfolglosen Zug gegen die Wenden unternommen hatte 1 ), als Lehn dem Dänen Knut Laward, der dann Pribislav und den major terrae Obotritorum Niklot zum Gehorsam zwingt (I, 41). Pribislav verliert später auch Polabien, wo ein deutscher Graf zu Ratzeburg eingesetzt wird; und in Wagrien erzwingt ein Nachkomme Krutos, Race, durch die Zerstörung Alt=Lübecks von Pribislav Wohnsitze; wir finden dort noch nach 1150 Krutos Nachkommen (s. o.). - So etwa dürfen wir kurz Helmolds Erzählung zusammenfassen.

Den Niklot nennt er (c. 49), wo er uns zuerst bei ihm begegnet, "majorem terre Obotritorum Niclotum", dann spricht er (c. 52) von seinem "principatu", hernach heißt er bei ihm "princeps terre Obotritorum" (z. B. I, 57, 71, 84), auch wohl "Niclotus regulus Obotritorum" (I, 83). Aber für die Abstammung Niklots von dem Fürsten Kruto, oder aus dem ruyanischen Königshause, oder aus dem Hause König Gotschalks spricht bei Helmold keine einzige Andeutung 2 ).


1) Ann. Saxo z. J. 1125: "Eodem anno dux Liuderus contra Sclavos trans Albiam ivit, sed inacte rediit."
2) Auch aus späteren urkundlichen Andeutungen über verwandtschaftliche Beziehungen zwischen dem mecklenburgischen und dem ruyanischen Fürstenhause läßt sich mit einiger Sicherheit kein Rückschluß auf Niklots Zeit machen. Freilich Pribezlavs (II.) dei gracia domicellus de Belegart gedenkt 1289, April 30 [M. U.=B. III, 2049], domini Wizlaui cognati nostri, aber nur wegen Verwandtschaft durch Mestwin I. von Hinterpommern (Pomerellen), und von demselben Fürsten stammte auch Heinrich II. von Meklenburg, dem als "dilecto consanguineo meo" Wizlav in seinem Testament [M. U.=B. V, 2835] 1302 ein Geschenk vermacht. Mestwin I., † 1212.
Stammtafel
(  ...  )
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Daß übrigens Niklot nicht etwa durch Tüchtigkeit und Glück aus einem Adelsgeschlecht zur Fürstenwürde erhoben ward, sondern aus einem Fürstengeschlechte stammte, ergiebt sich nicht nur daraus, daß sein Sohn Prislav vom König Waldemar I. gewürdigt ward sein Schwager zu werden, sondern auch daraus, daß Prislav von sich rühmen durfte: "Eo enim sanguine oriundus sum, quem nulli Slavorum attemptandi unquam ausus incessit" (Saxo XIV, p. 294); denn eben die Fürsten waren bei den Wenden sacrosanct. (Vgl. das. p. 362.) Eben dasselbe aber will auch Helmold mit dem unbestimmten Ausdruck "major terre" sagen; dieser ist wie "princeps" und "regulus" eine Uebersetzung des wendischen Titels, welcher in Meklenburg noch im 13. und im 14. Jahrhundert üblich war, indem man den "Herrn" (dominus) Johann I. von Meklenburg und später Johann IV. von Werle "knese Janeke" nannte 1 ).


(  ...  ) Beide Verwandtschaften gehen also nicht auf Niklots Zeit zurück. Weniger klar ist aber, warum Wizlav 1293 [M. U.=B. III, Nr. 2207] dem Nicolaus von Werle (dem Vatermörder) das Prädikat "nostri consanguinei predilecti" giebt; uns fehlen dafür die Mittelglieder, insonderheit wissen wir nicht, ob des Nicolaus Mutter Rixa etwa mit dem ruyanischen Fürstengeschlecht verwandt war. - In welchem Verwandtschaftsverhältniß die domini de Sclauia Borvinus, Nicolaus, Jarmerus zum Erzbischof Jakob Erlandsön von Lund als dessen consanguinei standen [U. 2670], ist nicht ermittelt.
1) In der Doberaner Genealogie (Jahrb. XI, 10) wird Pribislav noch dominus Pr., Magnopolitanorum et Kissinorum ac tocius Slauie regulus atque nobilis princeps, betitelt, ebenso in der Parchimschen Genealogie er, und auch Niklot: "Magnopolitanorum, Kussinorum, Cispanorum (!), Circipanorum, Vagirorum, Obotritorum, Polaborum ac tocius Slauie princeps et regulus." - Dagegen giebt Ernst von Kirchberg schon beiden Fürsten den Königstitel, dem Niklot z.B.W.670: Von Nyclote, eyme konige von Obotriten, Nyclot, dem konige von Obotriten; desgl. 671, 683, 709, 717, 731; dem Pribislav W. 738: konig Pr., desgl. 731, 741, 750, 760; ebenso Sp. 727: der Wende konig Werczisla; - 741: zu Obotriten daz konigrich. Daneben spricht aber Kirchberg Sp. 666 vom fursten von Obotriten, 686: der furste Nyclot; 714: der Wende fursten. Nyclod, der waz zu den cziden groz konig in Obotriten; 732: der Wende furste Prybisla, 733: der strenge furste Prybisla, auch 740. - In dem Nekrologium auf dem Doberaner Kreuzgangsfenster steht obenan: "Niclotus, Wagirorum, Cirsipanorum, Polaborum, Obotrit[o]rum, Kissinorum ac totius Sclauie rex"; dann folgen "Pribizlaus dei gracia Wagirorum, Polaborum, Magnipoli et Cisinorum regulus", und "Wratizlaus, Cirsipanorum, Cussinorum et Kissinorum rex." - Wenn 1418 Balthasar von Werle dem Bischof von Havelberg 2 Chroniken der Klöster Dobbertin und Neuenkamp "in antiqua scriptura" (d. h. nicht erst nen geschrieben) vorlegen ließ (s. Jahrb. XI, S. 331), welche eine Genealogie der Herren von Werle ent= (  ...  )
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Ueber diesen Fürsten (Knesen) standen dem Range nach nur die "Könige" (reges) der Rujaner, der König Heinrich der Wenden und Knut Laward.

Solche Knesen der einzelnen Stämme finden wir in früherer Zeit bei Adam von Bremen öfters neben einander genannt, z. B. II, 24: "Missizla, Naccon et Sederich" (von denen Naccon, Nacun 973 von Ibrahim als "König in dem westlichen Theil der Slavenländer" bezeichnet wird 1 ). Ferner II, 40: "Principes Winulorum erant Mystiwoi et Mizzidrog, quorum ductu sedicio (983) infiammata est". - II, 58 (ca. 1025): "Sclavorum satrapas Utonem et Sedericum". - II, 64 (ca. 1030): "Principes eorum (sc. Winulorum) Gneus et Anatrog =, tercius vero Uto (bei Saxo: Pribignev), filius Mistiwoi" - II, 69 (1036 f.): "Principes Sclavorum Anatrog et Gneus et Ratibor." Uto war damals wohl schon ermordet; Ratibor und später auch seine acht Söhne fielen gegen die Dänen. Utos Sohn Gottschalk erhebt sich hernach zum Herrscher über die Ostsee=Wenden bis zur Peene und drängt damit die andern Fürstengeschlechter völlig in den Hintergrund; Nachkommen von Anatrog und Gneus hat Helmold gar nicht genannt. Noch weniger erfahren wir von ihm, wo jene beiden Fürsten ihre Sitze gehabt hatten; auch nicht, welches Wendengebiet ursprünglich Utos und Gottschalks Stammland war. Helmold (I, 21) betitelt Letzteren "principem Obotritornm"; wenn aber das eigentliche Obotritenland im engeren Sinne (ohne Polabien), das Land der Rereger (Adam II, 18), sein Stammland gewesen wäre, so hätte ohne Zweifel sein Enkel Pribislav hernach gerade auf dieses Anspruch gemacht; er nahm jedoch nur Besitz von Wagrien und Polabien (von der Elde und Elbe bis Boizenburg, Wittenburg, Ratzeburg und Gadebusch), während Niklot in dem Obotritenlande im engeren Sinne unangefochten von jenem Pribislav regierte.


(  ...  ) hielten, aus der hervorging, "quod sint de regia stirpe et successiuis temporibus ab ipsis et suorum successorum Slauorum principibus - procreati", so kann man an Abschriften Kirchbergs denken; oder vielleicht hatten beide Klöster von der Parchimschen Genealogie überarbeitete Abschriften in ihre Copialbücher eingetragen. - Marescalcus bemerkt dann III, c. 41: "Henricus, Pribi[s]lai regis filius - cognoment[o] Burvinus =, in quo primo titulus regius cecidit, maioribus sub Cunrado, Ludovico, F[r]ederico, caesaribus Romanis, maximeque sub Leone Saxonum duce potentissimo attritis." - Daß Schon Boguchwal, der 1253 verstorbene Bischof von Posen, vom "rege Slauorum nomine Mikkol" geschrieben hatte (s. Jahrb. XXVII, S. 128), war damals hier zu Lande unbekannt.
1) Jahrb. XLV, S. 7.
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Im Obotritenlande haben wir also Niklots fürstliche Vorfahren zu suchen, dieses ist sein Stammland. Leider wissen wir nun gerade von diesem Lande recht wenig aus jener Zeit; aber auch diese anscheinend so unbedeutenden Spuren müssen wir doch verfolgen, um vielleicht noch Namen von den nächsten Vorfahren Niklots aufzufinden, oder uns doch ihre Verhältnisse klar zu machen.

Soviel dünkt uns wahrscheinlich, daß schon die Obotritenfürsten vor Niklot (oder doch spätestens er selbst) ihr ursprüngliches Gebiet nach zwei Seiten hin erweitert hatten. Wenigstens 1160 war Niklot schon im Besitz der Burg Schwerin (Helm. I, 87); das Burgward Schwerin gehörte aber zum Polabenlande 1 ). Daß er selbst es erst dem Grafen von Ratzeburg abgewonnen hätte, ist nicht anzunehmen, denn Herzog Heinrich hätte eine solche Störung des Landfriedens sicherlich nicht geduldet; vielmehr hat entweder Niklot selbst das Ländchen Schwerin erst Gottschalks Enkel Pribislav entzogen, oder es war bereits seit längerer Zeit von Polabien an Obotritien übergegangen.

Auf der andern Seite ward Niklot im Besitz seiner Herrschaft über die Kessiner und Circipaner (1150) sogar von den Sachsen geschützt, als ihm jene den herkömmlichen Tribut zu entziehen versuchten 2 ). Wie lange diese Gebiete schon mit Obotritien verbunden waren, erfahren wir nicht; wahrscheinlich bestand dieses Verhältniß aber schon 1121. Denn als damals Herzog Lothar und Zventepolch den schon erwähnten Zug gegen die Obotriten unternahmen, ward der Krieg erst damit zu Ende geführt, daß man auch die nicht im Obotritenlande, sondern im Osten der Warnow, im Lande der Circipaner und in dem der Kessiner belegenen Burgen einnahm 3 ). Ein Fürst der Obotriten wird leider auch bei dieser Gelegenheit nicht namhaft gemacht.


1) M. U.=B. I, Nr. 88: "Tota siquidem terra Zwerinensium de foro fuit Raceburgensis episcopi." - 1158 bestätigte Papst Hadrian IV. [das. Nr. 62] aber dem Ratzeburger Stift: "Sadenbandiam atque Polabiam totam et integram." - Den Umfang des eigentlichen Obotritenlandes (des Landes der Rereger) ersieht man ungefähr aus der Reihe der Burgen, welche Helmold I, 87, außer Schwerin aufführt: Ilow, Meklenburg, Dobbin, Quitzin (Cuscin) und Malchow (Milicou); es reichte vom Priwal (Travemünde gegenüber) bis zum Lande Malchow, allem Anscheine nach umfaßte es auch schon das ganze Müritzerland, bis an das Gebiet der Redarier.
2) Helm. I, 71: "Niclotus princeps terre Obotritorum - conquestus est, quia Kizini et Circipani paulatim rebellare ceperint et obniti tributis iuxta morem persolvendis."
3) S. oben S. 127, Anm. 3.
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Es bleibt uns aber noch übrig, auf die Berichte über Herzog Lothars Feldzug vom Jahre 1114 einen Blick zu werfen. Helmold tut (I, 38) diese, nach seiner Darstellung zweite Expedition nach Rügen freilich auffallend kurz ab; er beschränkt seine Mittheilung daraus, daß der Herzog Lothar und der Wendenkönig Heinrich vereint nach der Insel Rügen ziehen, aber, weil Tauwetter eintritt, schon nach drei Tagen über das Eis nach dem Festlande zurückkehren und unverrichteter Sache heimziehen. - Dieser Bericht ist jedoch glücklicher Weise nicht der einzige. In den Corveyer Annalen 1 ) wird uns wenigstens eine interessante Episode aus diesem Feldzug erzählt, wie nämlich der Herzog im Lande der Circipaner aus jedem ihrer drei Burgwarde 100 Reiter ausheben läßt, wie er erfährt, welche Tempelsteuer sie an den "St. Vit", d. h. an den Tempel Swantewits auf Rügen, zu entrichten haben, obwohl sie sehr gut wissen, daß sie dem Herzoge als ihrem Markgrafen untertan seien u. s. w. Ein Fürst dieser Völkerschaft wird bei dieser Gelegenheit nicht erwähnt; vielleicht standen sie, da sie ihre Tempelsteuer nach Arkonah sandten, damals noch direkt unter dem König von Rügen. Immerhin erfahren wir aber aus dieser Stelle, welche Richtung der Herzog und der Wendenkönig Heinrich auf dem Marsche nach Rügen einschlugen; denn wenn sie Circipanien passierten, müssen sie durch Obotritien und Circipanien ins Festland Rügen gezogen sein, welches letztgenannte Gebiet anscheinend längst von der Insel Rügen aus beherrscht ward, da Adam von Bremen schon (1075) Rujaner bei Demmin und dem Ausfluß der Peene kannte 2 ). Die Kenntniß von der Marschroute ist aber für uns nicht ohne Werth wegen eines dritten Berichts, welchen wir beim Annalista Saxo finden. Dieser erzählt uns nämlich zum Jahre 1114 3 ): "Lüder, der Herzog von Sachsen, unternimmt einen Kriegszug gegen den Wenden Dumar und dessen Sohn, und er zwang sie sich zu ergeben. Auch den Fürsten der Rujaner, der sich ihm zum Kampfe gegenüber stellte, umging er durch List und Geschwindigkeit. Wie dieser sich umgangen sah, richtete er an den Herzog die Bitte um Frieden und um eine persönliche Unter=


1) Pertz, Scr. III, p. 8.
2) Adam Brem. II, 19: - "ad Dyminem urbem, que sita est in hostio Peanis nuvii, ubi et Runi habitant."
3) Liuderus dux Saxoniae expeditionem movet super Dumarum Slavum ejusque filium et eos ad deditionem coegit. Principem quoque Rugianorum ad se in bellum venientem sagaci agilitate circumvenit. Qui ut circumventum se vidit, pacem colloquiumque ducis depoposcit, germanum fratrem suum obsidem dedit, pecuniam copiosam spopondit, ndem sacramento conurmavit."
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redung mit demselben. Er gab seinen leiblichen Bruder als Geisel, gelobte eine ansehnliche Menge Geldes zu zahlen und leistete für seine Treue auch noch einen Eid".

Wir gehen hier nicht weiter darauf ein, wie weit dieser Annalist von Helmolds Nachrichten abweicht; vielmehr fassen wir den Wenden Dumar näher ins Auge. Offenbar werden hier zwei Feinde unterschieden. Der zweite ist der Rujanerfürst, der nicht einmal mit Namen genannt wird. Wer ist nun aber der erste, Dumar, dessen Namen der Annalist der Erwähnung werth hält? Beyer erkennt in ihm einen "Slawischen Häuptling" (S. 14). Aber damit will er ihn doch wohl nicht als einen beliebigen Burgherrn, einen castellanus, bezeichnen? Denn um einen solchen Besitzer einer Burg hätten doch der Herzog und der Wendenkönig wohl keinen Feldzug unternommen? (expeditionem movet!) Allem Ansehen nach ist dieser so bedeutend hervorgehobene "Wende Dumar" ein Wendenfürst; und erwägen wir die soeben erörterte Richtung des Zuges, so liegt es am nächsten, in Dumar den damaligen Obotritenfürsten zu sehen, in seinem Sohne aber den, der etwa ein Jahrzehnt später an seiner statt regierte - den Niklot.

Da indessen die ausdrückliche Bezeichnung Dumars 1 ) als eines Obotritenfürsten in unserm Berichte fehlt, und leider auch des Sohnes Name nicht beigefügt ist, so wagen wir nicht, unserer Vermuthung in der Stammtafel Ausdruck zu geben, sondern stellen nach wie vor den Fürsten Niklot an die Spitze derselben.



1) Ob die überlieferte Form des Namens, Dumar, eine correct wendische sei, mögen die Slawisten entscheiden. Zur Vergleichung bieten sich zwei aus Personennamen abgeleitete wendische Ortsnamen in Meklenburg, Dummere 1230 [Mkl. U.=B. I, 375] und Dummerstorp 1497, jetzt Dümmer und Dummerstorf. Kühnel deutet (Jahrb. XLVI, S. 43 und 44) jenen Ortsnamen "die Domamer" [vom Hause Ruhm habend], und den zweiten "Dorf des Domamer". - Auch der oben erwähnte Name (des Knesen) Gneus findet sich in mecklenburgischen Ortsnamen wieder: Gneve i. A. Wredenhagen (1261 Gnewe, "plur. die Gnev", Kühnel), Gneven i. A. Kriwiltz ("Ort des Gneven"), Gnevsdorf, Gnewik i. A. Ribnik (1297 Gneviz: "Nachkommen des Gnev"); Grevesmühlen hieß zuerst (1230 und oft) Gnevesmulne: "Mühle des Gnêv, Gnevis v " (Kühnel).
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Stammbaum
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Stammbaum
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Zu Tafel I.

I. Generation.

a. Niklot. Die Rechtfertigung der Daten unserer Stammtafel ist in unsern Erörterungen über den Stammvater gegeben. Niklots Todesjahr. ist zweifellos das Jahr 1160 (nicht, wie Beyer meinte, 1161); darin Stimmen die Pegauer, Pöhlder, Magdeb. Annalen u. a. Quellen überein. - Der Todestag des Fürsten ist nicht zu ermitteln. Herzog Heinrich ließ die Seinen sich zu dem Zuge "zur Erntezeit" (tempore messis, Helm. I, 86) bereit halten: er selbst war am 26. Juli (VII. kal. Augusti) noch zu Erfurt (Ann S. Petri Erphesf. 1160): Niklots Söhne beunruhigten von Werle aus zunächst die bei (prope) Meklenburg gelagerten Sachsen. Dann aber zieht Niklot selbst gegen diese Feinde und legt ihnen einen Hinterhalt, von dem aus er dieselben beim Fouragieren überfällt. Dabei findet er selbst - wohl noch im August - seinen Tod, wahrscheinlich also in der Nähe von Meklenburg, jedenfalls zwischen diesem Orte und Werle. - Vergl. meine Bemerkungen in Jahrb. XXVIII, S. 113 f.

b. Lubemar. Helmold erzählt I, 92 (Frühling 1163), nachdem Wertislav, Niklots Sohn, die Burg Werle hatte dem Herzog Heinrich dem Löwen übergeben müssen, von dem Herzoge weiter:

"Porro castrum et vulgus ignobile fecit servari et praeposuit eis Lubemarum quendam veteranum, fratrem Nicloti, ut presset terrae et sentiret ea, que subjecta sunt." Dies ist die einzige Stelle, wo Lubemar uns sicher vor Angen kommt. - In den Urkunden des Stifts Ratzeburg von 1158 [Mekl. Urk.=Buch I, U. 65], 1171 [U 101], 1174 [U. 113, auch in U. 284] findet sich unter den drei Dörfern im Lande Bresen (etwa Amt Grevesmühlen), die Heinrich der Löwe dem Bischof von Ratzeburg verlieh, eine Lubimari villa. Ob dieses Dorf (dessen Lage nicht mehr nachzuweisen ist) seinen Namen von Niklots Bruder empfing, bleibt ungewiß; wir sehen aber auch aus diesem Dorfnamen, daß der Personenname, den Helmold nennt, hier zu Lande üblich war.


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II. Generation.

a. Pribislav wird von Helmold als Niklots älterer Sohn bezeichnet [I, 92: Pribizlavus senior natu, - Pribizlavus senior natu et acris ingenii], Wertislav als der jüngere. Prislav, den Helmold nicht kennt, ist gewiß nicht älter gewesen als Pribislav; sonst hätte der König Waldemar von Dänemark für diesen (seinen Schwager!) sicher 1160 die Succession in Meklenburg verlangt, wahrscheinlich auch König Kanut für Prislavs Söhne, als er (Arn. Lub. III, 4) Pribislavs und Wertislavs Söhne in Hast hatte. - Ueber Pribislavs Besitz von Kessin und Circipanien in Gemeinschaft mit Wertislav S. Helm. I, 87, 92. - Ueber die Wiedergewinnung des Obotritenlandes (wohl im Jahre 1167) berichtet Helmold II, c. 7: Communicato quoque fidelium suorum consilio (Herzog Heinrich der Löwe) Pribizlavum principem Sclavorum, quem multis, ut supra dictum est, preliis expulerat provincia, admisit in gratiam et reddidit ei omnem hereditatem patris sui, terram scilicet Obotritorum, preter Zverin et attinentia eius. Et fecit Pribizlavus duci et amicis eius securitatem fidelitatis - stare scilicet ad mandatum ipsius et observare oculos amicorum eius absque omni infensione. - Ueber Pribislavs Aufnahme unter die Fürsten des deutschen Reichs, 1170, Anf. Jan., s. M. U.=B. I, U. 91. - In Heinrichs des Löwen Stiftungs=Urkunde für das Bisthum Schwerin vom 9. Septbr. 1171 [M. U.=B. I, S. 100] steht er unter den Zeugen als Pribizlauus de Kizin, unter des Herzogs Urkunde vom 19. Septbr. 1171 [M. U.=B. I, U. 101]: Cazemarus de Dymyn, Pribezlavs de Mikelenburg, principes Slauorum, unter desselben Herzogs Urkunde von 1174, Artlenburg [M. U.=B. I, U. 113 , steht als Zeuge: Pribizlavus de Mikelenburg. - In der Urk. 91 wird gesagt: Berno - ad insigne et nobile castrum Dimin - vsque peruenit, vbi a principibus terre illius: Bugezlauo, Casemaro, Pribezlauo, qui eius predicatione compnncti et labori patienter compassi sunt -. Aber in der Doberaner Genealogie (Jahrb. XI, S. 10) heißt es: sciendum, quod a. d. MCLXIIII., tercio kalendas Maij (April 29), dominus Pribizlawus - sacrum baptisma suscepit et ad fidem Christi perfecte conuersus est. Damals konnte auch nach Helmolds Bericht (II, 3, 4) Pribislav schon Demmin erreicht haben. In Demmin wird also Pribislav durch Berno die Taufe empfangen haben.

Sicher starb Pribislav vor 1179, weil von diesem Jahre die älteste Urkunde seines Sohnes und Nachfolgers Heinrich Burwy I.

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datiert ist [M. U.=B. I, U. 127] . In der Urkunde vom 1. Febr. 1177 [das. U. 122], wo Berno von des Fürsten Bewidmung des Klosters Doberan handelt, nennt er ihn: Pribizlaus, deuotus princeps Slauorum, ohne ihn als einen Verstorbenen zu bezeichnen. Auch nennt Papst Alexander III. in der Konfirmation des Bisthums Schwerin vom März 1178, welche Berno aus Rom holte [M. U.=B. I, U. 124], noch nicht die "villas in Kixin, que pertinere solebant ad Werle, quas idem quondam dux [sc. Henricus] consensu Pribeslai contulit Botissi[u] die 1181 Kaiser Friedrich I. besonders bestätigte [M. U.=B. I, U. 134], die also Berno nach seiner Rückkehr aus Rom (nach 1. Juni 1178, M. U.=B. IV, Nr. 2654) von Pribislav empfing. - Da nun nach dem Necrol. mon. s. Michaelis Lunebg. Pribislav III. kal. Jan. (Decbr. 30) gestorben war, so ist der 30. Decbr. 1178 als sein Todestag anzunehmen. Die Geneal. Doberan. (p. 10) berichtet: - dominus Pribizlavus - Luneborgh proficiscitur, vbi tunc principes curiam sollempuem habuerunt, ibique in torneamento lesus heu obiit et in castro apnd Benedietinos sepelitur. - 1219 [M. U.=B. I, U. 260] schenkte Borwin I.: pro remedio anime nostre et parentum nostrorum et precipue domini Pribislai, patris nostri, ecclesie beati Michahelis archangeli in Luneburg, vbi corpus dicti patris nostri quiescit, - villam Cesemone (Michaelisberg). Danach irrt im Jahre die Doberaner Genealogie (S. 12): ex vehementi ipsius conuentus desiderio et conamine dicti domini Hinrici Burwi principis ossa patris sui domini Pribizlaui anno domini MCCXV., kalendis Octobris, de Luneborgh asportantur et in Doberan, vbi nunc est claustrum, honorifice reconduntur. - Die Begräbnisstätte Pribislavs glaubt Lisch vor dem Hochaltar der Doberaner Kirche gefunden zu haben (s. Jahrb. XIX, S. 342 flgd.; XXII, S. 206 flgd.).

Woislava, Pribislavs Gemahlin. Diese wird in den Urkunden ihrer Nachkommen nie erwähnt. Wir lernen sie erst aus der Doberaner Ueberlieferung des 14. Jahrhunderts kennen, theils aus der Ziegelinschrift von ihrem Grabe in der Kapelle zu Althof (Lisch in Jahrb. II, S. 2 flgd.: XX1, S. 172 flgd.), welche aus diesem Jahrhundert stammt, theils aus der von Kirchberg aufgezeichneten Tradition, welche ich in Jahrb. XXVIII, S. 128 flgd., ausführlich besprochen habe. Der Name wird aus dem Nekrologium des Klosters entnommen sein. Daß die Fürstin mit dem Wendischen Namen als eine norwegische Prinzessin bezeichnet wird, spricht eher für als gegen die Tradition. Wahr=

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scheinlich dünkt mich auch jetzt noch die Lösung dieses Widerspruchs, daß sie warägischen Ursprungs war. - Gestorben mag Woislava immerhin, wie Kirchberg (Cap. 113) berichtet, sein, während ihr Gemahl mit dem Herzog Heinrich dem Löwen auf der Pilgerfahrt nach Jerusalem begriffen war, also 1172, aber sicher nicht in Folge ihrer Entbindung von ihrem Sohne Heinrich Burwy; denn dieser zählte damals gewiß schon mindestens 20 Jahre. (S. unten S. 141.)

b. Wertislav. - Helmold sagt II, 4 (1164): Wertielavus, Nicloti filius junior. Daselbst: Dux vero (Heinrich der Löwe), ubi transiit Albiam et attigit terminos Sclavorum, fecit Wertizlavum principem Sclavorum suspendio interfici prope urbem Malacowe, eo quod pessundaverit eum frater ejus Pribizlavus et prevaricatus fuerit promissiones pacis, quas pactus fuerat. - Vgl. Ann. Palidens. z. J. 1164: Hinricus dux - urbem Dimin captam destruxit et filium Nicloti christianum, quem apud se habebat, infausto consilio suspendi iussit. Die Reihenfolge der Ereignisse ist hier umgekehrt. In Demmin rückte der Herzog erst am 7. Juli ein (Helm. II, 4); auf dem Wege dorthin traf er Malchow. Am 16. Febr. hatte Pribislav Meklenburg erstürmt (Helm. II, 1), dann Ilow, post non multum vero tempus - venit Malacowe et Cuscin. Nun erst rüstet der Herzog, bei Malchow trifft er mit dem Grafen Adolf v. Holstein zusammen und läßt diesen dann nach Demmin vorausziehen. Der Tod Wertislavs wird in den Mai oder Juni zu sehen sein.

Name und Herkunft seiner Gemahlin sind unbekannt. sie lebte noch 1182 in der Burg Ilow. Vgl. Arnold. Lub. III, 4: Herzog Bernhards Gegner, die Grafen von Holstein, Ratzeburg und Schwerin, congregato exercitu - occulto quodam aditu noctu occupaverunt castrum Ylowe, et clanculo illud intrantes matrem Nycloti, qui Wertizlavi filius fuerat, inde ejecerunt 1 ).


1) Das Jahr 1182 giebt Abt Arnold freilich nicht an; er erzahlt aber vorher schon den Tod König Waldemars I. († 12. Mai 1182) und den des Bischofs Heinrich von Lübeck († 29. Novbr. 1182). Andererseits berichtet Abt Arnold aber, bevor er (c. 6) auf die Ernennung Konrads zum Bischof von Lübeck (Mai 1183) und (c. 7) auf den Krieg des Herzogs Bugislav von Pommern mit Jarimar von Rügen und König Kanut von Dänemark (1184) kommt, daß (c. 4) nach der Einnahme von Ilow Niklot zu Herzog Bernhard geflohen sei und zu Havelberg eine Zuflucht gefunden habe, daß larimar seinetwegen Circipanien verwüstet und hernach Burwy gefangen genommen und an König Kanut ausgeliefert, dieser aber den mecklenburgischen Fürsten lange (diu) in Haft gehalten und endlich gegen das Versprechen der Vasallität entlassen habe. Diese ganze Kette von Er= (  ...  )
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c. Prislav. - Während Helmold und die andern deutschen Quellenschriftsteller nur zwei Söhne Niklots kennen (Pribislav und Wertislav), lernen wir aus Saxo Grammaticus und der Knytlinga=Saga einen dritten Sohn, Prislav, kennen. Saxo XIV, p. 753, z. J. 1159: Prislavus olime Slavia profugus, - p. 759: Quod (das abgeschlagene Haupt Niklots) cum filio eius Priszlavo, qui ad Danos et christiani ritus amore et paganae superstitionis odio patria pulsus transierat - -. Pag. 760: Priszlavus quoque, potentissimi Sclavorum principis Nucleti filius, quem, quod Waldemari sororem in matrimonio haberet christianaeque disciplinae sacris initiatus esset, pater iam pridem perinde ac insidias sibi nectentem conspectu suo submoverat - -. Huic siquidem tum rex (Waldemar) ob bonae fidei experientiam tum ob connubii affinitatem magnam nobilium insularum partem fruendam concesserat. - Ueber Pribislavs Führung der Dänen im Jahre 1160 gegen seinen Vater und seine Brüder s. Saxo, p. 760-763, auch Knytl., c. 119: Rex Valdemar iterum in Vindlandiam profectus est, - rex vero amni Gudracae (Warnow) subvectus proelium cum principe Vendorum Mjuklato commisit. Cuius filius Fridlevus (sic!) superiori expeditione a Danis captus, jam christianus factus cum rege (Waldemar) versabatur. Confiixerunt ad oppidum Urcam (Burg Werle): rex Valdemarus victoria potitus est, Mjuklatus fugit et deinde cecidit - -.

Durch seine Ehe mit der Schwester Waldemars, der seit dem Siege über König Svein bei Wiborg am 23. Octbr. 1157 König von Dänemark war, ward also Prislav der Schwiegersohn des weiland Obotritenkönigs Knut Laward. Die Knytlinga=Saga berichtet c. 93: Sanctus Knutus Lavardus et Ingibjarga tres filias procrearunt, Margaretam, Kristinam, Katarinam: haec in terras orientales nuptum collocata est; Kristinam Magnus Caecus, filius Sigurdi Hierosolvmipetae, Norvegie rex, in matrimonio habuit, Margaretam Stigus Albipellis Skaniensis, quorum liberi erant Nicolaus et Kristina, quam Karl Sorkveris filius, rex Svionum, in matrimonio habuit. - Der dem Verfasser unbekannt gebliebene Gemahl der Katharina kann also nur Prislav sein. - Der Uebertritt Prislavs zum Christenthum und seine Vermählung fällt allem Ansehen nach in die Jahre 1158 oder 1159.


(  ...  ) eignissen scheint im Jahre 1182 angefangen und 1183 geendet zu haben. Die Nachricht, daß auch Niklot dänischer Lehnmann geworden sei, erscheint uns etwas zweifelhaft.
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Prislav wird wohl zuletzt 1164 genannt; Saxo berichtet p. 800 über König Waldemars Vertrag mit den Wendenfürsten (1164): - pactum cum hostibus habuit, ut, Walogosti (Wolgast) dominio trifariam diviso, pars una Tetizlavo (von Rügen), reliqua Cazimaro (von Pommern), tertia Nucleti filio Priszlavo vindicaretur. - 1176 im Novbr. lebte Prislav sicher nicht mehr, weil damals schon sein Sohn im Besitz des Lehns war.


III. Generation.

A. Pribislavs Sohn. Heinrich Burwy 1 ), Pribislavs Nachfolger (schon 1179, M. U.=B. I, U. 127), gedenkt 1192 [daselbst U. 152] Pribizlavi patris nostri. Er war nach der Geneal. Dob. dni. Pribizlai filius et heres vnicus; es werden auch in Urkunden nie Geschwister Heinrichs erwähnt. - Er selbst nennt sich 1192 [Nr. 152]: Heinricus Buriinus Magnopolitanorum et Kyzzenorum princeps, obgleich er 1183 (s. S. 139, Anm. 1) nur unter der Bedingung von König Kanut aus der Gefangenschaft entlassen war: ut a rege Danorum terram suam (er und sein Vetter Niklot) susciperent et obsides, quos habere voluisset, darent. Dederunt ergo obsides viginti quatuor, inter quos Burvinus filium suum dedit; et recessit a castro Rostoch, tradens illud nepoti (Niklot); ipse vero Ylowe et Michelenburg in possessionem sortitus est, rege sic disponente. - Die Herrschaft Rostock fiel ihm erst durch des Vetters Tod im Jahre 1200 wieder zu.

Heinrich Burwy kann nicht, wie Kirchberg Sp. 757 erzählt, erst 1171-72 geboren sein, da er 1183 schon einen Sohn als Geisel stellen konnte, 1192 [U.=B. I, Nr. 152] de consensu filiorum nostrorum Henrici et Nycolai an Doberan Güter verlieh, und dem älteren Sohne sicher schon um 1212 Kinder geboren wurden. Seine Geburt wird eher vor, als nach 1150 anzusetzen sein. Den Namen Burwi oder Buriwoi wird er als Heide (aber freilich nicht, wie Marschalck II, 41, behauptet, ab auo ma=


1) Neben der latinisierten Form Burwinus oder Borwinus oder Boriwinus (s. Personen=Reg. zum U.=B., Bd. IV) erscheinen auch die Formen: Buruwe und Buruwe [U.=B. I, Nr. 147, 148]; seine Söhne nennen ihn 1219: dominus Henricus Buruwi, seine Enkel 1231: Heinricus Buriwoi, avus noster [U.=B. I, Nr. 258, 391]; in den Geneal. Dob. et Parch.: Hinricus Burwy (Burwi), ebenso Kirchberg 762.
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terno, rege Noricorum) geführt, und den Namen Heinrich in der Taufe (wohl 1164) empfangen haben.

Burwys letzte erhaltene Urkunde [U. 331] ist vom 10. Aug. 1226 datiert; am 28. Aug. 1227 gaben schon seine Enkel als Landesherren eine Bestätigung [U. 343]. Als seinen Todestag bezeichnet das Necrol. Dob. den 28. Jan. (V. klas Febru.) 1227, denselben Monatstag auch das Necrol. s. Michaelis zu Lüneburg; den 29. Jan. giebt nur das Necrol. Amelungesb. [U.=B. I, 336]. Wenn die Ann. Stad. 1226 als das Todesjahr nennen, so ist dort das Jahr vermuthlich bis zum dies incarnationis (25. März) gerechnet. - Sein Grab fand er in der Kirche zu Doberan. (Kirchberg Sp. 765.)

Gemahlinnen. 1) Burwy spricht am 29. Decbr. 1223 [U.=B. I, 299] von Mecthilde, clare memorie nostra vxore. Sie war nicht, wie Kirchberg Sp. 764 angiebt, die Tochter eines polnischen Herzogs (Marschalck nennt sie II, 41, Matildim, filiam regis Sarmatarum), sondern nach dem Berichte des Zeitgenossen Arnoldus Lub. eine Tochter Herzog Heinrichs des Löwen (III, 4: Burvinus vero, filius Pribizlavi, qui filiam Heinrici ducis habebat, Mechthildam dictam; V, 7: Burwinus, gener ducis, nämlich Heinrichs des Löwen). - Vgl. auch Ann. Stad. ad a. 1164; Albericus Triumfontium monachus (Rertz, Scr. XXIII), p. 851, 870. - Diese Ehe wird frühestens bei der Aussöhnung zwischen Pribislav und Herzog Heinrich (1167) geschlossen sein, jedenfalls noch bei Pribislavs Lebzeiten, da ein Sohn Mechthilds schon 1183 als Geisel gegeben ward (S. 139, Anm. 1), beide Söhne 1192 schon den Consens zu einer Veräußerung gaben. Gestorben ist Mechthild sicher vor 1219; denn in der Stiftungs=Urkunde für das Kloster Sonnenkamp (Neukloster) von diesem Jahre erscheint schon

2) Adelheid als Heinrich Burwys I. Gemahlin: ego Heinricus Burwinus dei gra. princeps Slavorum cum filiis meis Heinrico et Nicolao et voluntate vxoris mee Adeleidis eligentes patrocinivm beate dei genitricis Marie - [U.=B. I, 254]. Desgl. heißt es im Stiftungsbriefe für das Antonius=Hospital Tempzin vom 7. Juni 1222 [U.=B. I, 282]: Ego Borewinus diuino favore Magnipolensis dominus -, quod ego vna cum vxore mea Adelheyde filiisque meis Hinrico et Nicolao -. Der Fürst sagt an beiden Stellen nicht (wie man im 15. Jahrh. [s. Anm. zu der Urk. im U.=B.] Verstand) filiis nostris, sondern filiis meis, weil die beiden Söhne nicht Adelheids, sondern Mechthildens Söhne waren, was auch die Ann. Stad. z. J. 1164 aus=

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drücklich berichten. Aus der ersten Ehe stammte (nach den Altersverhältnissen) gewiß auch noch die 1222 erwähnte Tochter (s. u. Generation IV, c). - Was Adelheids Herkunft betrifft, so möchte ich annehmen, daß sie eine Tochter des Markgrafen Otto I. von Brandenburg († 1184) und seiner zweiten Gemahlin Ada (Adelheid, Tochter des Grafen Florenz III. von Holland) gewesen ist, die noch 1205 lebte (Riedel, Cod. Brand. II, 1, S. 3). Unter dieser Voraussetzung allein kann ich mir nämlich erklären, warum die Aebtissin Elisabeth zu Wienhausen (U.=B. 1, 521 [vor 1248]): Agnes dei gra. ducissa, fundatrix ecclesie in Winhusen, Elizabeth abbatissa =), die noch am 3. Jan. 1265 lebte [U.=B. II, 1031) und ins Nekrologium von Wienhausen zum 10. Febr. als religiosa domina Elyzabeth de Wenden, quarta abbatissa hujus monasterii Wynhusen, eingetragen ist, von der Herzogin Mechthild von Braunschweig als ihre Blutsverwandte bezeichnet werden konnte. [U.=B. 11, 712: Dei gra. M. ducissa de Brunswich ac domina in Luneburg consanguinee sue abbatisse totique conuentui in Winhusen salutem.] Ihre Verwandtschaft war dann folgende:

Stammbaum

B. Wertislavs Sohn: Niklot II. - Arn. Lub. III, 4: Nycloti, qui Wertizlavi filius fuerat; VI, 13: Heinricus, qui et Borvinus, et Nicolaus, nepos ipsius, qui et Niclotus. - In seinen beiden Urkunden für Doberan [M. U.=B. I, 147, 148] führt er den Titel: Nicolaus dei gratia Slauorum princeps, auf seinem Siegel: Nicolaus de Roztoc; er spricht von patruus meus Pribizlaus, nepote meo Burowone. - Seine Urkunden datiert er, obwohl er bei der Erwerbung von Rostock 1183 (Arn. Lub. III, 4) dänischer Unfall geworden sein soll, regnante Friderico imperatore. - Doch fiel er auf dem Zuge, den er auf König Kanuts Veranlassung mit Heinrich

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Burwy gegen den Grafen Adolf v. Dassel (zu Ratzeburg) unternahm, bei Waschow (Warsikowe, Arn. Lub. VI, 13); er ist nach dem Doberaner Necrol.: anno dni. MCC., octauo kalendas Junii interfectus in Warcho, also am 25. Mai 1200. Kirchberg, der den historischen Zusammenhang nicht kennt, erzählt Sp. 762, Nicolaus sei bei "Watschowe" gegen aufständische, heidnisch gesinnte Wenden gefallen:

"Der wart darna gar wirdiglich
mit groszin vugehabin
zu Doberan begrabin,
du man nach Godes geburt schreib war
tusint vnd czweyhundirt iar,
in dem sybenden kalendas Junii [26. Mai].
Der bygraft waren innig by
von Mekilnborg Hinrich Burwy da,
von Pomern herczoge Wartzisla,
vnd der furste waz da war
von Rugien, her Jheremar."

Vermuthlich will Kirchberg aber den 26. Mai als den Todestag verstanden wissen, nicht als den Begräbnistag; denn sonst müßte er, oder vielleicht eher sein Gewährsmann, das fürstliche Grabgefolge hinzugedichtet haben, da, wenn Nicolaus erst am 25. Mai gefallen war, die Fürsten aus Pommern nicht schon am nächsten Tage zu Doberan erscheinen konnten. - Marcshalck (II, 40) versteht irrtümlich den Wendenausstand von 1179, läßt Nicolaus in diesem Jahre octauo kalendas Junii gefallen und (weil damals das Kloster noch nicht nach Doberan verlegt war) zu Althof begraben sein (in curia illa antiqua, ubi et Voisclaua - in sacello)!

C. Prislavs Söhne. a. Kanut - ohne Zweifel Prislavs älterer Sohn, weil er schon ein Lehn hatte - erscheint zuerst im Novbr. 1176 bei Saxo XIV, p. 869, wo er eine Abtheilung der dänischen Flotte nach Rügen führen soll: Kanutus Prizlavi filius a rege (Waldemar) praeesse jussus, deformiter imperio repugnavit, praefatus se nihil praeter augustos Lalandiae fines in Dania possidere eosque tanti non. esse, ut pro iis tuendis se ipsum indubitato periculo objicere cupiat. - Tam imÎudenti juvenis - er wird um 1160 geboren sein (s. oben II, c.) - responso percitus, Waldemarus, exigua illum beneficia, quod exignis dignus sit, accepisse respondit. - Doch muß Kanut auch auf Fünen Besitz gehabt haben. Denn Saxo

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berichtet p. 871: Quorum incautior pars, dum australia Foeniae latera praetervehitur, apud urbem a Kanuto Priszlavi filio conditam (Nyborg) piratis obviis - -. - 1183, Novbr. 30 [M. U.=B. I, U. 137] vermachte Kanutus, Prizlaui principis filius, dem Kloster zu Odensee für die Verleihung der Brüderschaft und Bewilligung eines Begräbnisses in St. Knuts=Kirche alle seine Besitzungen auf Alfen. Wahrscheinlich tat er es in Erwartung seines nahen Todes, da er sonst (s. unten) des Geizes beschuldigt wird. - Daß er vermählt gewesen sei, wird nicht berichtet.

b. Waldemar. - Abt Stephan zu St. Genovefa in Paris meldet Kanuto nobili viro de Dacia (Prislavs Sohn) in einem undatierten Briefe [M U.=B. I, Nr. 139]: Frater vester carnalis, bonae indolis iuuenis, Waldemarus, - regio generi vestro condigna virtute respondens, et apud nos spiritum reddidit deo et inter nos corpus commendauit sepulcro. Orationum ac beneficiorum spiritualium sicut unus ex nobis particeps est =, und bittet zugleich um einen Beitrag zur Wiederherstellung seines Klosters. - In einem andern Briefe, welchen derselbe Bote überbrachte [M. U.=B. I, Nr. 140], bittet derselbe Abt den König Kanut von Dänemark: vt misericorditer consanguineum vestrum, nobilem virum Canutum (Prislavs Sohn) moneatis, ne omnino sit immemor fratris sui Waldemari, qui in beato fine suo canonicus noster factus, in celebri claustri loco sepultus - -, nec in vita partem aliquam, vt dicitur, seu funiculum hereditatis suae possedit, nec post mortem siue ipse siue ecclesia pro eo aliquid inde percepit. Rogamus =, vt vos, qui tociens armis idolatras et iugo subjicitis christiano, nobilis illius viri pectus, licet ferreum, precibus expugnetis, vt mortuo fratri suo gratiam non neget et in tanta necessitate ecclesiae, in qua frater eius et diem clausit vltimum et diem expectat extremum, pro tota hereditate, quam possidet, aliquid mittat =. Dieser Brief kann nicht vor 1182, in welchem Jahre (am 12. Mai) Kanut erst König ward, geschrieben sein, aber, da ein anderer ähnlicher an Bischof Waldemar von Schleswig gerichtet war (der 1191 oder 1192 Erzbischof von Bremen ward), auch nicht nach 1192. - Da Waldemar, Prislavs Sohn, hier als "juvenis" bezeichnet ist, der noch kein Erbe gehabt, er auch vor seinem Bruder starb, so ist sein Tod wahrscheinlich nicht später als 1182 zu setzen, vielleicht aber schon früher.


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IV. Generation.

Kinder Heinrich Burwys I. - a. b. Nach der Geneal. Dob. hatte Heinrich Burwy zwei Söhne, Hinricum et Nicolaum; und damit stimmen die Urkunden, auch in Betreff der Reihenfolge, überein. Aber in der Zeit irrt die Genealogie, wenn sie hinzufügt: qui post mortem patris diuiserunt principatum siue dominium, ita quod Hinricus in Rostock et Nicolaus in Magnopoli, id est in Mychelenborgh, tenuit dominium et principatum. (Deshalb setzt Kirchberg p. 765 ihre Landestheilung ins Jahr 1228, obwohl er hernach (p. 766) gesteht, daß er die Todesjahre der beiden Brüder nicht finden könne). Heinrich erscheint in Urkunden seit 1219 [U.=B. I, U. 258] meistens als Herr zu Rostock [z. B. I, 278, 396 u. s. w., Heinricus Burwinus dei gra. dominus in Rozstoc nur in U. 319], bisweilen auch als Herr zu Werle [U. 283 (1222): Hinricus de Werla, Burwini filius; U. 298 (1223): dns. Hinricus de Werle junior, vgl. 317]; Nicolaus dagegen heißt regelmäßig Herr zu Meklenburg [nur U. 298 (1223): dns. Nicolaus de Gadebusk, nach seiner Residenz]. Beide werden als des Vaters Mitregenten genannt. Nicolaus kommt als consentirend zuletzt 1225 vor [U. 315], sein Tod ward - nach dem Annivers. Amelungesb. am IV. kal. Oct. 28. Septbr. - durch einen Sturz in der Burg zu Gadebusch (Gen. Dob., Necrol. Dob.) herbeigeführt (viel sich da zu Godebus zu Tode mit dem lugenhus, Kirchberg p. 765; cadens moritur in castro Godebuz van deme loghenhuse, Parchimsche Stammtafel). Dies muß am 28. Septbr. 1225 geschehen sein. Denn sein Bruder Heinrich († 5. Juni 1226) hat noch "vor seines Brudern Nicolai seele" (zum Gute des Klosters Dobbertin) "gegeben das Dorf Lomene" [U.=B. I, 343]: auch spricht Kaiser Friedrich II. im Juni 1226 [U.=B. I, 322] nur noch de tota terra Buruwini et ejus filii (nicht filiorum). - Uebrigens starb auch Heinrich schon um diese Zeit, nämlich 1226, am 5. Juni (non. Jun., Amelungsb. Anniversarium; in die Bonifacii, M. U.=B. II, 1438; dagegen II. non. - 4. Juni im Necrol. Lunebg.); nachdem er am 3. Juni zu Güstrow in Anwesenheit seines Vaters die Stiftungsurkunde der Collegiatkirche St. Cäcilien gegeben hatte [U.=B. I, 324]. Richtig wird in den Ann. Stad. (z. J. 1226) bemerkt, daß dem (am 28. Jan. 1227 verstorbenen) Fürsten Heinrich Burwy I. die 4 Söhne Heinrich Burwys II. succedierten.

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Von den Brüdern Heinrich Burwy II. und Nicolaus bemerkt Kirchberg p. 766: sy sint doch zu Doberan beyde begrabin sundir wan. - Daneben kann Marschalcks Bericht (II, 42) von Heinrich Burwy II.: templum cum uiris ordinis canonici in urbe Gustroina in honorem diuae Ceciliae incoepit, in cuius olim die festo tota Vandalornm regio fidem agnonit christianam (?), in quo templo et tumulatus est anno millesimo ducentesimo duodeuigesimo (!), der vielleicht auf Güstrowscher Tradition beruhet, keine Beachtung finden. Dennoch mag er dazu Veranlassung gegeben haben, daß Herzog Ulrich das schöne Kenotaph für Heinrich Burwy II. im Güstrowschen Dom herstellen ließ.

Nicolaus mag unvermählt gestorben sein; Nachkommen desselben werden nie erwähnt, und nach Kirchbergs Zeugniß (p. 765) hinterließ er keine Erben.

Den Namen von Heinrich Burwys II. Gemahlin nennt zuerst Kirchberg (p. 766): "Sophia, von Sweden eins koniges kint, als man in der croniken vint. Dyselbe frow gebar im so vier sone vnd schonre tochter czwo." - Diese "Chronik" ist mir unbekannt; übrigens hat dieselbe Nachricht auch Krantz (Wand. VII, 16), und auf einer Tafel im Chor der Franziskaner zu Wismar las man die (wohl erst dem 16. Jahrh. angehörende) Inschrift: "Anno 1252 Johannes Theologus (!), eyn hertogk (!) tho Mekelnborch van der linie der koninge Obotritorum vnd eyn ßone hern Hinrici Burewini, syn mutter Sophia, des koninges to Sweden dochter, nam de barfoter in tor Wißmar Vnd gaff ehn de kerke des hilligen Cruces" - Diese Angabe ist falsch; wahrscheinlich beruhet sie auf einer Verwechselung mit Sophie, der Gemahlin Burwys III., oder sonst war Sophie die erste Gemahlin Heinrich Burwys II. und Mutter Johanns, während die andern drei Söhne aus einer zweiten Ehe stammten. Denn Nicolaus, Heinrich Burwys zweiter Sohn, nennt seine Mutter Christine. Er bezeugt [M. U.=B. I, 396, um 1232]: "protestor, quod bone niemorie dns. Heinricus de Werle, pater meus, consensu meo, sicut decuit, accedente, mansos duos in Wildeshusen sitos pro remedio sue et matris mee domine Christine anime, necnon pie memorie domini Burwini, aui mei, et patrui mei Nicolai - - deo et sanctis eius obtulit in perpetuum, arbitrio sororis Cristine, recluse de Satowia, relinquens, ut singulis septimanis missa vna pro uiuis et altera pro defunctis pro jam dictis fidelibus persolnatur in loco, ubi eidem visum fuerit ordinare." Daß die (geistliche) Schwester Christine, die Reclusa zu Satow (bei Doberan), dem von Conversen [U.=B. I, Nr. 557]

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bewohnten Hofe des Klosters Amelungsborn, mit der verwittweten Fürstin Christine, der Mutter des Nicolaus, identisch war, geht aus dem obigen Zusammenhange mit Wahrscheinlichkeit hervor. Daß letztere auch 1248 noch in der Nähe von Doberan wohnte, ergiebt sich aus dem Privilegium, welches ihr Papst Innozenz IV. am 20. Mai 1248 (pontif. anno V.) ertheilte: Innocentius eps. etc. dilecte filie, nobili mulieri . . sorori carissimi in Cristo filii nostri . . . illustris regis Scotie salutem. - - nos tue nobilitatis precibus annuentes, ut cum sex matronis honestis monasterium Doberan, Cisterciensis ordinis, Zverinensis diocesis, cuius nobilis vir B[orwinus] de Rozstoc, maritus tuus, fundator existit, bis vel ter in anno causa devotionis intrare valeas, eiusdem ordinis statuto contrario non obstante tibi auctoritate presencium conferimus facultatem (Jahrb. XLI, 151). Die Gemahlin Burwys III. von Rostock kann nicht gemeint sein, da dieselbe keine Schottin war; auch konnte dieser unmöglich noch als Stifter des Klosters Doberan bezeichnet werden, eher aber sein Vater, der schon 1192 zum Privilegium Nr. 152 für Doberan seinen Consens ertheilt hatte. - Hiernach lebte also Christine, die Wittwe Heinrich Burwys II. und Schwester des Schottischen Königs Alexander II. (reg. 1214-49), mithin Tochter König Wilhelms I. des Löwen von Schottland, sicher bis 1248 und wahrscheinlich immer noch zu Satow. Nach Kirchberg, p. 772, starb frow Sophya, - des jungen Hinrich Burwinis wib, 1252, und wart mit ungehabin zu Doberan begrabin.

c. Die Genealogen erwähnen keine Töchter Burwys I., wohl aber er selbst in einer Urkunde vom 8. Juli 1222 [U.=B. 1, 284] eine Tochter mit ihrem Sohne Johann: tocius prouincie Dartzowe medietatem decime mee filie et suo filio in feudo [sc. episcopus Raceb.] concessit - -; concessit insuper episcopus Nicholao meo filio et filie mee filio Johanni silue, que nocatur Clutze, postquam culta fuerit, duas partes decimarum. Den Namen der Tochter erfahren wir leider nicht, und die Angabe neuerer Genealogen, daß ein Graf von Oldenburg jener Zeit mit einer mecklenburgischen Prinzessin Katharine vermählt gewesen sei, stützt sich auf kein altes Zeugnis. Wahrscheinlich war diese Tochter Burwys I. 1222 schon Wittwe und lebte darum mit ihrem Sohne Johann in Meklenburg. Nach den Altersverhältnissen muß sie aus der ersten Ehe Burwys I. stammen. Uebrigens ersehen wir aus dem Ratzeburgischen Zehnten=Register [U.=B. I, p. 371, 372], daß zur Zeit seiner Entstehung, 1231, der Bischof im Lande Dassow schon theilweise den halben Zehnten, im Walde Klüz

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(p. 375) z. Thl. nur noch 1/3 inne hatte, das Uebrige aber im Besitz des Landesherrn (domini terre) war; vielleicht lebten also Burwys I. Tochter und ihr Sohn Johann damals nicht mehr. Ein zweiter Sohn dieser Prinzessin war vielleicht der von dem Fursten Johann I. von Meklenburg im Jahre 1229 [U.=B. I, 362] in der Verleihungs=Urkunde über Besitz (zu Krukow) bei Wismar an diese Stadt genannte Pribislav: cum noster cognatus Pribizlaus eosdem terminos multis presentibus resignauerit. Denn daß Johann seinen eigenen Bruder Pribislav als cognatus, nicht als frater bezeichnet haben sollte, halte ich für unannehmbar, bis man diesen Sprachgebrauch anderweitig, selbst wenn die Brüder aus verschiedenen Ehen ihres Vaters stammten, nachweist.

d. Als eine Tochter Burwys I. und seiner zweiten Gemahlin Adelheid betrachten wir die Elisabeth von Wenden, Aebtissin zu Wienhausen; s. oben S. 143.


V. Generation.

Heinrich Burwys II. Kinder. - Von den vier Söhnen Heinrich Burwys II. ertheilten drei: Johannes, Nycolaus, Heinricus fratres, domini de Rozstoch, - unter ihres Vaters Siegel - am 15. Febr. 1226 [U. 321] apud Lubeke den Lübeckern Zollfreiheit; am 3. Juni 1226 [U. 323] bewidmete Heinrich Burwy II. das Domkapitel zu Güstrow: accedente - consensu - filiorum meorum Johannis, Nicolai, Heinrici, Pribizlaui. - Alle vier Brüder succedierten am 28. Jan. 1227 ihrem Großvater gemeinschaftlich (1227, 3. Decbr. [U.344]: quia vero tota iurisdictio ac hereditas progenitorum nostrorum ad nos deuenit). Der zweite Bruder, Nicolaus, berichtet 1261 [U. 913], daß er mit seinen Brüdern zuerst unter Vormundschaft gestanden habe (quod nos vna cum fratribus in iuuenil[i] etate sub tutoribus constituti -). Vgl. über diese Vormundschaft Lisch in Jahrb. X, 1 flgd. - Wenn wir von Johanns Privilegienbestätigung für Parchim [U. 337] absehen, weil in der Copie derselben die Jahreszahl 1226 ersichtlich verschrieben ist, so sind die ersten von Johann allein ausgestellten Urkunden [U. 362 und 370] im Jahre 1229 gegeben (vgl. auch U. 363 [1229]: Johannes vnd desselbin brudere). Hiernach ist Johann - den Eintritt der Mündigkeit mit vollendetem 18. Jahr angenommen - spätestens 1211 geboren. - Eine Landestheilung unter die vier Brüder war ohne Zweifel vom

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Großvater angeordnet und ward 1227 zunächst so ausgeführt, wie schon in der Geneal. Dob. angegeben ist, daß nämlich Pribislav, der jüngste Bruder, später von dem ältesten Bruder Johann, der die Herrschaft Meklenburg empfing, der dritte Bruder Heinrich (Burwy) aber von dem zweiten Bruder, Nicolaus, dem Rostock und Werle zufielen, abgetheilt werden sollte. Ein Privilegium für Dobbertin vom 28. Aug. 1227 [U. 343] gaben Johannes vnd Nicolaus, gebrudere, hern zu Mechelnburg, allein; vgl. 1230, 30. Octbr. [U. 381]: dominum Johannem Magnopolensem, dominum Nicolaum de Rozstoch et fratres eorum (mit zweimal angehängtem Siegel der fratrum Magnopolensium). Sonst wurden Urkunden über allgemeine Landesahngelegenheiten von allen vier Brüdern nach der Reihenfolge des Alters [U. 344, 359, 427], oder von ihnen paarweise (Johannes et Pribizlaus de Magnopoli, Nicolaus et Hinricus de Roztoc, fratres, U. 391 von 1231), über Angelegenheiten, welche nur einen der beiden Landestheile berührten, von dem betreffenden Brüderpaar gegeben (von Johann und Pribislav U. 376, 385; von Nicolaus und Heinrich U. 369, 371, 398). - Die erste bekannte Urkunde, welche Nicolaus allein ausstellte [U. 410], ist datiert vom 30. Decbr. 1232 (vgl. U. 414, 415), die erste selbständige seines Bruders Heinrich vom 15. Febr. 1237 [U. 463]. Ueber Plau (in Pribislavs Antheil) verfügten 1235 [U. 427] noch alle vier Brüder: die erste Urkunde, welche Pribislav allein gegeben hat, ist vom Jahre 1238 [U. 476]. - Dieser jüngste Bruder mag also 8 - 9 Jahre nach dem ältesten, 1219-20, geboren sein.

a. Johann I. - Titel in Urkunden: dei gratia dominus Magnopolensis, einmal [U. 792] 1257, 25. März: Johannes dei gracia Magnopolensis et dominus in Wysmaria. Knese Janeke heißt er zuerst in der Geneal. Dob. und in der Gen. Parch. - Der Beiname Theologus findet sich zuerst bei Kirchberg, p. 767, und in dem Necrol. Doberan. - Johann schloß noch am 6. Decbr. 1263 einen Vertrag [U. 999]. sein Todestag war nach dem Necrol. Dob. 1264, 1. Aug. (MCCLXIIII., kal. Aug.). - Der Irrthum Kirchbergs p. 774, 1260 sei Johanns Todesjahr, mag auf einen Lesefehler zurückzuführen sein, indem man die IIII. der Jahreszahl mit kal. Aug. verband. - Sein Grab fand er zu Doberan nach der gleich anzuführenden Urkunde [1123] von 1267 und auch nach Kirchberg; erst Marschalck sagt (V, 1): in Gadebuso sepultus! Er verwechselt ihn mit Johann II.

Gemahlin. An Johanns I. Urkunde über Fährdorf auf Pöl von 1257 [11. 791] hängt das Siegel der in der Urkunde

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nicht genannten [Lu]tgardis domine Magnopolensis (wahrscheinlich, weil Pöl ihr Leibgedinge war); in der Rechten hält die Fürstin den hennebergischen, in der Linken den mecklenburgischen Schild. Auch Kirchberg, 767, bezeichnet Luitgard als Schwester des (Grafen) v. Henneberg, die Johann "alsbalt" (p. 786) nach der Landestheilung geehelicht. Wenn Marschalck (V, 1) Von Johann sagt: Hermanni principis Hennobergii filiam Lutgardim accepit in uxorem a. fere - 1231, so wird er die Zeit der Vermählung ungefähr errathen haben, wenn anders Kirchbergs Erzählung (p. 786), daß Johann seiner Gemahlin zu Liebe zu Neuburg ein Schloß erbaut habe, richtig ist; denn 1231, am 9. Juli, stellte er in Nouo Castro eine Urkunde aus [U. 386]. Der Vater Luitgards aber hieß Graf Poppo († 1245), nach welchem ein Sohn von ihr benannt ward. - 1267, 14. Juni [U. 1123], schenkte Heinrich I. dem Kloster Doberan pro salutari remedio animarum - patris nostri, videlicet Johannis de Wismaria, et matris nostre domine Luthgardis fratrisque nostri domini Alberti Renten aus Lüneburg zur Unterhaltung einer ewigen Wachskerze circa predictorum defunctorum sepulchra. Luitgard ruhete also schon in Doberan; wahrscheinlich schon mindestens seit etwa 1259, da auch ihrer Schwiegertochter Anastasia Pöl zum Leibgedinge verschrieben war.

b. Nicolaus, s. unten Tafel IV, Linie Werle.

c. Heinrich Burwy III., s. unten Tafel V, Linie Rostock.

d. Pribislav, s. unten Tafel VI., Linie Parchim=Richenberg.

Johanns I. Schwestern. - Nach der bei Kirchberg aufgezeichneten Sage hatte Johann zwei Schwestern, welche er, während er in Paris Theologie studierte, verlobte; die eine ward Königin in Marsilien, die andere Königin von Neapel und Zypern. Ueber diese Sage, welche sich ganz aus den Erzählungen über Heinrichs I. Wallfahrt nach dem heil. Lande entsponnen zu haben scheint, vgl. meine Anm. zu Jahrb. XL, S 55 flgd. - Uebrigens aber scheint Johann I. in der Tath zwei Schwestern gehabt zu haben. Denn

e. Johanns Schwester Margarete ward am 30. October 1230 dem jungen Grafen Gunzel III. Von Schwerin verlobt. Sollte sich ein zu naher Verwandtschaftsgrad herausstellen, so sollte Gunzel Dispensation erwirken [U. 381]. Uebrigens ist uns zwischen beiden keine so nahe Verwandtschaft, die ein Ehehinderniß hätte abgeben können, bekannt. Denn die von mir in Jahrb. XXXIV, S. 72-77, besprochene Kombination ist nicht mehr haltbar, seitdem wir wissen, daß die Mutter Margaretens, Christine, nicht aus Dänemark stammte, sondern eine schottische Prinzessin war. =

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Gunzels Gemahlin (und einmal ist er nur vermählt gewesen, U. 2350 vom 10. Aug. 1295: Guncelini et uxoris sue, nicht uxorum suarum) lebte sicher noch am 18. Aug. 1267 [U. 1128] und auch in seiner letzten Urkunde [U. 1344] vom 23.Oct. 1274, durch welche er - wohl im Angesichte des Todes - eine Vicarei in der H. Bluts=Kapelle zu Schwerin gründete, gedenkt er unter den Verstorbenen seiner Familie nicht seiner Gemahlin. Man muß danach annehmen, daß sie ihn überlebt hat.

f. Für eine Tochter Heinrich Burwys II. erklärt Quandt (Balt. Stud. 26, H. 2, S. 67) Mechthild, die Gemahlin Sambors II., Herzogs zu Lübschau († 13. Novbr. 1278), welche eine Urkunde ihres Gemahls vom 10. Juli 1258 [U. 828] mitbesiegelte. Meine Bedenken gegen diese Vermuthung habe ich in der Note zum M. U.=B. IV, Nr. 2667, ausgesprochen; allein ich kann doch jetzt nicht umhin, mich Quandt anzuschließen, weil ich mir sonst nicht erklären kann, warum der König Christoph I. von Dänemark den Fürsten Johann I. von Meklenburg in der Urkunde vom 15. April 1253 [U. 716] seinen Schwager nennt (dilecti soceri nostri domini Johannis Magnopolensis). Ihre Verwandtschaft war demnach diese:

Stammbaum

Den Zamburius dux Pomeranie finden wir beim Fürsten Nicolaus von Werle am 6. März 1237 [U. 464]; seine Vermählung wird aber vielleicht schon um das Jahr 1230 anzusetzen sein, weil ihre Tochter Margarete bereits 1248 Christophs Gemahlin ward.


VI. Generation.

Die Reihenfolge der Söhne Johanns I. wird von den Historikern verschieden angegeben. Gen. Dob. [et Parch.]: habuit [genuit] sex filios, videlicet Hinricum, Nicolaum, Hermannum, Popponem, Albertum et Johannem; ebenso

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Kischberg 767; dagegen zählt Krantz (VII, 16) auf: Nicolaus, Hermannus, Poppo, Albertus, Johannes, Hinricus; Marschalck (V, 1) schließt sich Kirchberg an, überschlägt aber Hermann. - In den Urkunden kommen Heinrich und Albrecht (und immer in dieser Folge) seit dem 25. April 1247 [U. 592] sehr oft zusammen in ihres Vaters Briefen vor; 1257, 25. Mai [U. 792]: milites: Heinricus dei gracia iunior dominus Magnopolensis et noster filius (der mitsiegelt), hernach: Albertus noster filius, adhuc seruus; 1255, 2. März, in einer Urkunde Bischof Friedrichs von Ratzeburg [U. 744]: Testes dns. Hinricus junior Magnopolensis, dns. Albertus frater suus, Nicolaus et ceteri fratres eorum; 1260, 7. März [U. 859]: Ego Johannes dns. Magnopolensis et Heinricus et Albertus filii mei et eorum fratres; 1262, 13. Decbr. [U. 969]: Johannes d. gr. dns. Magnop. et dns. Heinricus filius suus - cum consensu et voluntate Alberti domicelli, qui presens aderat; als Regenten erscheinen am 17. März 1265 [U. 1040]: Hinricus et Albertus domini Magnop. - Wir ordnen hiernach: Heinrich I., Albrecht I., Nicolaus. Poppo wird in den Urkunden nie genannt; wir lassen ihn also an vierter Stelle stehen, ordnen aber die beiden letzten Brüder so: Johann und Hermann, weil sie in U. 1088 (von 1266) zweimal so auf einander folgen: Johannes et Hermannus dei gra. domini Magnopolenses; Johannes et frater meus Hermannus (die cum fratre nostro dno. Heinrico Magnop. im Erbstreit waren).

a. Heinrich I. mag um 1230 geboren sein, da ihn von 1247 an sein Vater in seinen Urkunden zunächst als Zeugen, später als Mitaussteller nennt. Er succedirte mit seinem Bruder Albrecht I. zugleich dem Vater († 1. Aug. 1264). - Ueber seine Pilgerfahrt s. meine Abh. in Jahrb. XL, S. 39 - 86. - Todestag: 1302, 4 to nonas Jannarii - 2. Jan. (Necrol. Dob. und Inschrift der Franziskaner=Kirche zu Wismar, s. U.=B. VI, 2773. - Bestattet ist er zu Doberan [U. 2779], am 10. Jan. (den vierden idus des mandes Januarii, Kirchberg 779).

Gemahlin: Anastasia wird urkundlich zuerst genannt 1273, 29. Aug. [U. 1294]; aber ihre Hochzeit wird wohl spätestens ins Jahr 1259 fallen, da ihre Tochter schon 1273 vermählt ward (s. u.). In ihrem Siegel [zu U. 1353 abgebildet] weist sie sich durch den Greisenschild in der Linken als eine geborene Herzogin von Pommern aus; se was heren Barnemes dochter, des hertoghen van Stetyn, meldet schon Albrechts v. Bardewik Chronik, Grautoff I, 417(auch Detmar z. J. 1274, Kirchberg p. 774 etc. .).

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- Landesregentin für ihren gefangenen Gemahl [U. 1353] war sie von 1272 - 1287, als Vormünderin ihrer beiden Söhne, 1275 bis 1283 mit Johann und Nicolaus, ihren Schwägern [tutores ipsius domine et filiorum eins, U. 1382, 1385]. - Ihr Leibgedinge war Pöl [dotalieinm, U. 2297, 3080 etc. ]. - Ihr Todestag ist wohl der 15. März 1317. (S. meine Note zu U.=B. VI, Nr. 3887.) - Ihre Grabstätte hat sie in der Franziskaner=Kirche zu Wismar ("by ehren szon Johannem im kor int norden", Tafel vom Chor der Barfüßer in Wismar) gefunden.

b. Albrecht I. succedirte dem Vater († 1. Aug. 1264) mit seinem älteren Bruder Heinrich [U. 1040]; er starb aber schon 1265 (Kirchberg 768), und zwar (nach dem Dob. Necrol.) am 15. oder 17. Mai 1265 (s. oben S. 113, Anm. 1), nicht, wie Marschalck (V, 1) angiebt, anno fere 1265., ad cal. Maias. - Grab zu Doberan [U. 1123].

Gemahlin. Dominus Albertus ducta uxore obiit absque liberis (Geneal. Dob., Parch.). In den Urkunden wird aber die Gemahlin nie erwähnt. Erst Marschalck berichtet (V, 1), sie sei eine Tochter des Nicolaus (I.) von Werle gewesen: Albertum, qui filiam duxit Nicloti Herulorum ac Vandalorum domini. Leider giebt er seine Quelle nicht an.

c. Hier etwa wird Elisabeth, die Gemahlin des Grafen Gerhard I. von Holstein, einzufügen sein. Ihre mecklenburgische Herkunft bezeugt ihr Bild in ihrem Siegel [M. U.=B. 11, S. 436], wo sie mit der Linken den Schild mit dem Stierkopf (ohne Halsfell) hält. De Ghert hadde knese Janeken dochter van Mekelenborch, berichtet Detmar z. I 1263. - Dagegen sagt das Chron. principum Sax. (Rertz, Scr. 25, 474): Gerardus vero filius junior (sc. Adolfi Johannis) duxit filiam Nicolai de Sclavia et genuit ex ea filiam, quam dnxit Johannes dux de Luneburg; qua defuncta Gerardus duxit relictam Alberti ducis de Brunsvie Aleidim, filiam marchionis Montis Ferrati, 1281.

- Letztere Angabe über Elisabeths Herkunft halten wir für unrichtig. Denn v. Aspern (Grafen v. Schauenburg, S. 145 f.) irrt freilich im Namen (Lutgard st. Elisabeth), erklärt aber mit Recht Gerhards Eingreifen in die Streitigkeiten um die Vormundschaft im meckl. Fürstenhause 1275 [U.=B. II, 1382] aus der Schwägerschaft, und seinen Besitz des Landes Dassow [U. 620 v. I. 1249, U. 929 v. I. 1261, vgl. meine Note] daraus, daß dieses dem Grafen Gerhard für den Brautschatz Elisabeths verschrieben war. Danach fiel Elisabeths Vermählung spätestens ins Jahr 1249 (1253 ist auch schon von ihren Kindern die Rede). Sie starb

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spätestens zu Anfang des Jahres 1280. Gerhard vermählte sich nicht lange hernach mit Alesine von Montferrat, Wittwe Albrechts des Großen von Braunschweig seit dem 15. Aug. 1279. Er starb am 21. Decbr. 1290. Vgl. Koppmann zu Detmar, S. 107.

d. Nicolaus. Nicolaus fuit prepositus Zwerinensis et canonicus Magdeburgensis et Hamburgensis, Geneal. Dob., Parchim. (und danach Kirchberg, auch Krantz VII, 16; Marschalck V, 1: templorum multorum canonieus). Urkunden reden nicht von den Canonicaten zu Magdeburg und Hamburg, nennen Nicolaus dagegen am 9. Juli 1246 [U. 583] magister Nic. canonicus Zwerinensis; 11. Septbr. 1248 [U. 609] ist er schon scolasticus und noch 21. Octbr. 1261 [U. 930]; 1266, 5. Jan., nennt ihn Heinrich I. als testis Nicolaus prepositus Zwerin., frater noster [U. 1059], am 9. Jan. 1266 wird er Domherr zu Lübeck [U. 1060]; 1269, 22. Febr., ist er auch Pfarrer zu St. Marien in Wismar [U. 1158]; 1275, 20. Jan. [U. 1353], heißt er dus. Nic. Zwerinensis et Lubic. ecclesiarum prepositus; er wird mit seinem Bruder Johann II. Vormund für seine Schwägerin Anastasia und ihre Söhne; am 17. Juli 1282 [U. 1635] war prepositus Nycolaus Magnopolensis auch Inhaber der Pfarre zu Bergedorf. Lebend wird er zuletzt erwähnt am 2. April 1289 [U. 2015]. - sein Todestag ist der 8. Juni (obiit VI. idus Junii et sepultus in Dobbran, Necrol. Dob.) oder nach dem Lib. memor. eccl. Lubic. [U. 2025] der 9. Juni (V. idus Junii) [U.=B. III, S. 630] 1289 oder 1290. (S. meine Anm. zu U. 2025.)

e. Poppo crucifer: sagt die Geneal. Dob.; Poppo erat crucifer: die Gen. Parch. Mehr weiß auch Kirchberg, 767, nicht (cruciger). Krantz macht daraus (VII, 16): suscepit ordinem Thentonicorum, und nach ihm Marschalck (V, 1): in ordinem Teutonicorum inter Bructeros adscitus! - sicher ist Poppo vor dem Vater gestorben, da ihn die Urkunden, in denen er, wenn er gelebt hätte, genannt sein müßte, hernach nie erwähnen. Wahrscheinlich hat er auf einem Zuge nach Livland sein Ende gefunden.

f. Johann (II.). Dominus Johannes, qui diuiserat (irrig) dominium cum fratre suo duo. Hinrico factusque fuerat dominus in Godebutze, accepta vxore filia comitis de Rauensbergh, de qua gennit vnicam filiam, mortuus est absque aliis heredibus -. So berichtet die Geneal. Dob. und fast ebenso die Geneal. Parch. - (Einen Erbschaftsstreit hatten er und Hermann mit Heinrich I. [U. 1088]; 1275 ward er mit Nicolaus Vormund für Anastasia und deren Söhne und Mitglied der Regentschaft, bis

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er 1283 mit dem Lande Gadebusch anscheinend apanagirt ward 1283, 24. Juni: Testes patrni nostri dns. prepositus Zwerin. et dns. Johannes de Godebuz.) - Kirchberg zuerst (768) berichtet von seinen angeblichen geistlichen Würden:

Der seste bruder her Johan
waz lange czid eyn geystlich man;
her waz zu Hildensheym alsus
vnd zu Zwerin canonicus.
Der ubete wundirliche werg.
Eyns greuen tochtir von Rauensberg
nam her zu eynem wybe. - -

(Nach Kirchberg schreibt Marschalck (V, 2): in urbe Hildeshemia =templisque nonnullis aliis canonicus.)

Die Urkunden erwähnen nichts von Johanns II. geistlichem Stande. - Sein Todestag ist der 14. October 1299 (pridie idus Octobris, Dob. Necrol.).

Gemahlin: Richardis. Deren Namen erfahren wir 1302, am 29. Septbr., wo vor Eingehung einer Ehe mit ihr Wilhelmus comes de Dale ihr das Leibgedinge verschreibt [U. 2823]. Er nennt sie dominam Richardam, relictam quondam dni. Johannis dni. Magnopolensis, filiam domini Ludewici comitis de Arnesberge. Er gedenkt dabei auch eines dotalicii, quod ipsa in castro et domo Godebuz habere dinoscebatur. Vgl. unten ihre Tochter Elisabeth.

g. Hermann. Hermannus (fuit) canonicus Zwerinensis et Lubecensis: Gen. Dob., Parch. - Als Domherr zu Lübeck ist er urkundlich nicht bekannt. Herzog Wartislav von Pommern nennt ihn 1264, 17. Mai, einfach: Hermannus Magnopolensis domicellus [U. 1011]. Dann aber ward er seines Bruders Nicolaus Nachfolger als Scholaster zu Schwerin: Herm. scolasticus Zwerinensis 1265, 25. Jan. [U. 1034]. Gestorben ist er 1272 oder vor dem 4. Octbr. 1273; denn sein Nachfolger Mauritius erscheint 1272 noch einfach als canonicus [U. 1272], am 4. Octbr. 1273 aber als scolasticus [U. 1297].


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VII. Generation.

A. Heinrichs I. Kinder. a. von den drei Kindern Heinrichs I. wird die Tochter Luitgard das älteste gewesen sein; denn ihre Brüder sind erst nach 1266 geboren, sie aber ward schon 1273 vermählt. Ueber sie berichtet Detmar z. J. 1274 (Wohl nach einer Wismarschen Quelle): "By der tiid do ghaf Anastasia van Mekelenborch nach rade eres vaders, hertoghen Bar[n]em van Stetyn, ere dochter Lutghart hertoghen Primslave van Gnesen in Polenen, dewile dat ere here was in der vengnisse des soldanes van Babilonien. Desse bose hertoghe Primslaf worghede de erliken vrowen Lutgharde in sunte Martinus auende (10. Novbr.), in der tiid, do he se neghen iar hadde ghehad in den echte (also 1283). - Ebenso Korner (Eccard II, 923). - Etwas weichen davon ab die Annales 994 - 1309 bei [Sommersberg II, p. 90 und] Scr. rer. Pruss. I, p. 76: 1273: Nobilis dominicellus Przemisl puer, filius quondam ducis Przemislii (nach Somm. II, p. 70, geb. 14. Oct. 1257), intravit in terram Slavie ducis Barnim, vt videret dominicellam filiam cujusdam ducis (!) Henrici de Vistimuczcz (!), que erat nata de filia ducis Barnimi (Anastasia). Et ob hoc idem dux (Barnim) ipsam tenebat penes se, quia sibi attinebat. Et cum eam videret, complacnit sibi persona et ibidem (sibi) in terra prefati ducis Barnimi in civitate Sczeczin ipsam sibi in uxorem copulavit; et hoc factum fuit, cum sibi terminabatur sextus decimus annus natiuitatis sue (das 16. Jahr beschloß Przemysl II. erst 14. Octbr. 1273). Item a. D. 1273, in mense Julio nobilis vir dns. Boleslaus (Przemysls II. Vaterbruder) cum nobili dua. Helena uxore sua et reverendo patre duo. Nicolao episcopo et cum baronibus suis et cum eodem dominicello Przemislone occurrerunt eidem domine Lucarthe usque ad Drdzen et ibi ipsam cum honore receperunt et usque in Poznaniam duxerunt; et per dictum episcopum et canonicos ejusdem ecclesie secundum consuetudinem ab antiquo observatam cum processione sollempui ipsam in ecclesiam susceperunt. - Hiernach fand die Vermählung also 1273 zu Stettin statt. - Nach Kirchbergs gewiß nicht richtiger Erzählung (p. 782) hätte noch Heinrich I. vor seiner Pilgerfahrt selbst seine Tochter Luitgard dem Polenherzog zur Ehe gegeben. Derselbe Schriftsteller erzählt ausführlich, wie Luitgard, weil sie nicht in eine Scheidung wegen Unfruchtbarkeit willigen wollte, von ihrem Gemahl mit einem Messer erstochen und von seinen Dienern erdrosselt ward; nach Kirchberg wäre sie zu Kalisch begraben.

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Sehr diplomatisch äußern sich dagegen über den Tod der Lukardis die Annal. Polonor. I (Pertz, Scr. XIX, p. 648]: Anno eodem (1283) obiit illustrissima domina conjunx dni. ducis Primislii Majoris Polonie, filia Nicolai Kassubite (!), nomine Lucardis dicta; mortem vero eius nemo potuit indagare, qualiter interiit. - - Dux eciam Primislius nomine, filius Primislii, sepulta uxore quatuor diebus ante in Gnezna, quantocius ad predictam consecrationem (nämlich zur Weihe des Jacobus Dwinka in Kalis 19. Decbr. et dominico die in archiepiscopum Gneznensis ecclesie) cum magna multitudine advenit. Ein Zusatz zu der analistischen Nachricht, daß man den Tod der Fürstin nicht habe ermitteln können, in einer Heilsberger Handschrift (Scr. rer. Pruss. I, p. 769) lautet: Sed salva reverentia illius historiographi nos temporibus juventutis nostre vidimus in castro Gnesnensi capellam quandam ligneam, que vulgariter appellatur Cruchta, in qua erant duo grandes lapides in modum molarum molendini, sanguine, ut dicebatur, ejusdem domine rubricati, inter quos, ut dicitur, fuit concussa totaliter et extincta, et in ecclesiam Gnesnensem fuit tradita sepulture. - Nach diesen verschiedenen polnischen Nachrichten wird man annehmen dürfen, daß Luitgard nicht, wie Detmar sagt, am 10. Novbr., sondern erst im Decbr. 1283 von ihrem Gemahl und dessen Dienern zu Gnesen ermordet und dort auch (und nicht in Kalisch) bestattet ward. - Przemysl II. vermählte sich 1285 wieder mit Rixa von Schweden. Er ward am 26. Juni 1295 als König gekrönt, aber 1296, 8. Febr., prope oppidum Rogoszno von Polen ermordet.

b. Heinrich II. Dieser nennt 1286, Juli 26 [U. 1858], seine Vorfahren: illustris Borwinus quondam dns. Magnopolensis de voluntate filii sui dni. Henrici dicti de Werle, nostri proaui pie mem., subsequente eciam consensu dni. Johannis, nostri aui, et Hinrici, patris nostri felicis recordacionis, - vna cum matre nostra Anastasia et fratre nostro Johanne. =1266, am 14. April [U. 1078], hatte Heinrich I. noch keine Söhne; der ältere, Heinrich, ist nach Kirchberg (p. 774) zu Riga geboren, Johann 3 Jahre später (das. p. 782). Johann wird aber spätestens 1271, wahrscheinlich jedoch, da er sich 1288 vermählte, 1270, Heinrich II. also 1267 oder zu Anfang 1268 geboren sein. (Von Heinrich I. haben wir vom Juni 1267 - 1. Mai 1269 keine in Meklenburg gegebene Urkunden; in diese Zeit fällt also höchst wahrscheinlich seine "peregrinacio versus Lyuoniam", deren er am 8. Juli 1270 Erwähnung tut [U. 1193]). zu beachten ist auch,

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was Slagghert (vielleicht nach einer alten Auszeichnung in Ribnitz über den Stifter des Klosters) auf Fol. 142 b z. J. 1292 erzählt: Here Hinrick de Lowe ghenomet - de nu olt was xxv iar, heft syck vorenyget myt deme - froyken Beatrix ofte Beata. Zählte er 1292 aber 25 Jahre, so muß er 1267 geboren sein. - (Seit dem 26. Juli 1286 [U. 1858] stellt Heinrich II. Urkunden mit Consens seiner Mutter oder in Gemeinschaft mit ihr aus, sicher seit seines Bruders Tode allein. Nach des Vaters Heimkehr ist er dessen Mitregent und succedirt diesem am 2. Jan. 1302. - Ueber Stargard regiert Markgraf Albrecht III. bis an sein Ende (nach 1300, 28. Aug. [U. 2510]), nach seinem Tode zunächst sein Neffe Markgraf Hermann (schon 5. Novbr. 1300 [U. 2636]), dann auch Heinrich II. von Meklenburg (schon 11. Novbr. 1300 [U. 2637, 2638, vgl. Nr. 2806, 2815, 2872, 2885]), als Hermanns Lehnmann [U. 2791, 2827]. Aber ohne Rücksicht auf Hermann nennt sich Heinrich schon 1302, Juni 24: Nos Hinricus d. g. dns. Mychelburgensis et de Stargarde [2806], 1303, Juni 23: Hinricus d. g. Magnopolensis Stargardieque dns. [2872] in stargardischen Angelegenheiten; seit dem Vietmannstorfer Vertrag (15. Jan. 1304) wird der Zusatz et Stargardie oder ac Stargardensis dns., here to Mekelenborgh vnde to Stargarde, bald auch in den nicht Stargard angehenden Urkunden immer häufiger und hernach regelmäßig - Schon am 30. Juni 1322 [U. 4362] giebt Heinrich II. eine Urkunde als Hinricus dei gra. Magnopolensis, Stargardie et Rostock dominus, desgl. am 13. Decbr. 1322: Ic Hinric van Mekelenborch, van der godes chenade to Stargarde vnde to Rozstoke en here [U. 4394], auch ac Rozstoccensis dns. am 8. März und 10. April 1323, also, wenn auch noch vereinzelt, schon vor der erblichen Belehnung mit dem Lande Rostock durch König Christoph von Dänemark am 21. Mai 1323 [U. 4443].

Heinrichs II. Todestag ist der 21. Jan. 1329 nach Detmar (in sunte Agneten daghe), auch nach Korner (bei Eccard II, 1037, aber z. J. 1330), und nach der Ziegelinschrift auf des Fürsten Grab zu Doberan (S. U.=B. VIII, Nr. 5023) und Marschalck (auf seiner Holztafel in Doberan), oder der 22. Jan. nach dem Necrol. Dob., Kirchberg (825), Marschalck (V, 4). Eine Entscheidung zwischen diesen beiden Tagen ist sehr schwierig.

Gemahlinnen: 1) Beatrix, Tochter des Markgrafen Albrecht III. von Brandenburg(=Stargard), vor dem 23. December 1291 mit Heinrich II. verlobt [U. 2138]. Wegen Verwandtschaft

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der Verlobten im 4. Grade erfolgte am 22. März 1292 [U. 2159] Dispensation.

Stammbaum

In deme iare Cristi 1292, in dem daghe sancti Tibnrcii (11. August), do untfink her Hinric van Mekelenborch sine brut, de het Beatrix, in der stad to Nygenbrandenborch, meldet Detmar; dasselbe Jahr giebt auch Slagghert (s. oben S. 159). - Beatrix starb 1314, Mauricii (Septbr. 22) zur Wysmar -, yn der smede straße - uf irem wagen - und ward daselbst zu den barfuszin begraben (Kirchberg 807), vor dem hoghen altar (Slagghert Fol. 143). Die Franziskaner=Kirche steht nicht mehr, ihre Stelle ist bekannt; s. den Grundriß in Jahrb. VI, zu S. 99.

2) Anna ward von ihrem Bruder, Herzog Rudolf von Sachsen, 6. Juli 1315 (bei Kraak), Heinrich II. von Meklenburg verlobt (Leibgedinge: Gadebusch, U. 3771). Sie war also eine Tochter Albrechts II., filia quondam illustris princ. Alberti ducis Saxonie [U. 5007, 5016], Herzogs von Sachsen=Wittenberg, und durch ihre Mutter Agnes [U. 3185] eine Enkelin des deutschen Königs Rudolf I. - Am 6. Jan. 1317 war sie bereits Frau von Meklenburg [U. 3870]; die Hochzeit war zu Dömitz gehalten (Kirchberg 807). Anna war Wittwe des am 13. Januar 1315 erschlagenen Markgrafen Friedrichs des Lahmen von Meißen (den Kirchberg (807) und Slagghert (Fol. 143) einen lantgreven von Düringen nennen). Sie lebte noch am 25. Juni 1327 [U. 4843], aber nicht mehr am 9. Aug. 1328 [U. 4960, B.]. Nach Kirchberg (822) starb sie am 22. Novbr. 1327 [czehin kalendas Decembris] und ward in Wismar begraben ,zun barfuszin" (by froychen Beaten [Beatrix] in dat kor, setzt Slagghert hinzu). Dagegen starb nach Latomus (Westph. IV, 285, unter Berufung auf eine Wismarsche Urkunde) Anna erst am 1. März 1328; auch die ehemalige Tafel im Franziskaner=Chor gab das Jahr 1328. Dies zweite Datum stimmt aber weniger zu Detmars Angabe über Heinrichs II. dritte Vermählung in dem zweiten Quartal des Jahres 1328 (s. u.).

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3) Heinrich II. gedenkt am 13. Jan. 1329 [U. 5016] aller drei dominarum consortum nostrarum, Beatricis videlicet, filie quondam inclyti princ. Alberti marchionis Brand., et Anne, ill. princ. Alberti ducis Saxonie, felicis recordacionis, necnon et dilecte in Cristo nostre conjugis Agnetis, filie Guntheri comitis Lindowensis, adhuc superstitis. Seit dem November 1325 war Agnes Wittwe des Fürsten Wizlav (IV.) von Rügen; mit Heinric von Meklenburg vermählte sie sich 1328. Detmar z. J. 1328: "In der tyd in der vasten an unser vrowen daghe der bodescap (25. März) do vil grot snee - -. In der tyd nam de here van Mekelenborch sin dridde wif, des greven dochter van Reppin, de den van Ruyen vore hadde. Do wart vorevenet dat orloghe tuschen hertoghen Wertzlawen kindere vnde de heren van Mekelenborch vnde Wenden (zu Bruderstorf 27. Juni, s. U. 4940). Hieraus möchte man entnehmen, daß die Hochzeit zwischen dem 25. März und dem 27. Juni gefeiert sei. Dann fällt aber allerdings auf, daß Heinrich am 9. Aug. [U. 4960] noch sagt: Vt autem. omnium bonorum operum apud dictas virgines (zu Ribnitz) - vna cum nostris progenitoribus et vxoribus piissime recordacionis participes effici mereamur, ohne auch seine dritte Gemahlin einzuschließen. - Seit diese am 21. oder 22. Jan. 1329 zum andern Mal Wittwe ward, scheint sie in ihrem Leibgedinge, Stadt und Land Sternberg [Kirchberg und U. 5095, 5295, gelebt zu haben. Zuletzt begegnet uns "domina Agnes, nunc terre Sternebergensis dominatrix", am 30. Juli 1343 U.. 6327], nicht viel später wird sie gestorben sein [U. 6598 mit m. Anm.] 1 ).

c. Johann III" geb. um 1270 (s. o. S. 158), in den Urkunden oft als Anastasiens jüngerer Sohn und Heinrichs II. Bruder bezeichnet. So auch bei Kirchberg, 781; doch mißverstand diesen Marschalck (V, 2) in seiner grenzenlosen Flüchtigkeit so, daß er Johann III. für einen Sohn Johanns II. ausgiebt, Luitgart, Johanns III. Tochter, für dessen Mutter! - Detmar erzählt: In deme iare Cristi 1289, twe daghe na alle[r] godes hilghen daghe (= 3. Novbr.), do untfink in dat echte junchere Johan van Mekelenborch de erlike, schone maghet Helena,


1) Anm. Irrthümlich bezeichnet G. v. Hirschfeld: Geschichte der Sachsischakanischen Kurfürsten, Anl. II (Stammtafel), die dritte Gemahlin des sächsischen Kurfürsten Rudolf I., Agues (Hagne), Tochter des Grafen Ulrich I. von Lindow=Ruppin, ais Wittwe des Fürsten Heinrich II. von Meklenburg.
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ene dochter Wentslavi (Witzlavs), enes vorsten van Ruyen =. He vurde ze over unde brachte ze to den Sterneberghe, dar was de brutlacht mit groten hove. Diese Vermählung gehört aber spätestens ins Jahr 1288. Denn im Jahre 1289 (Tafel in Chor der Wism. Franziskaner und Kirchberg 781), und zwar schon 1289, 27. Mai (VI. kalendas Junii, Necrol. Dob.), ertrank Johann bei Pöl (nicht 1299, wie Marschalck (V, 2) angiebt). =Grab im Chor der Franziskaner=Kirche zu Wismar (Tafel im Chor dieser Kirche, Jahrb. VI, S. 101; Kirchberg 781).

Ueber Helenas Abstammung berichtet Kirchberg, 781, wie Detmar. - Ihr Name kommt in unsern Urkunden nicht vor; einmal consentirt [U. 2023] relicta filii ejus (sc. Anastasie) quondam Johannis. - 1302, 27. December, in seinem Testament [U,=B. V, 2835], gedenkt ihr Vater Wizlav III. ihrer schon als dilecte filie mee comitisse de Bernaburgh. - Im Kloster Widerstedt (bei Hettstädt) fand auf ihrem Grabstein Hoppenrod (Stammbuch, 1570) die Inschrift: "Anno domini 1315. obiit Helena d. [R]uye, uxor illustrss. principis Bernhardi, uigilia Laurentii (= 9. Aug.). Cujus anima requiesc[a]t. Amen." - Vgl. Lisch, Jahrb. XXV, S. 67.

B. Johanns (II.) Tochter. Nach der Geneal. Dob. (s. S. 155) hinterließ Johann II. von Meklenburg(= Gadebusch) vuicam filiam, absque aliis heredibus. - Kircherg, 781, berichtet von ihm:

Her liez hindir im eyn tochtir so,
dy gab her Hinrich Leo
zu echtin dingen sundir wan
von Hademersleybin eyme edeln man;
mit gelde richte her zy vz
vnd behielt daz lant zu Godebuz.

Dagegen v. Behr (p. 93) und Cohn (Stammtafeln I, Tf. 139) schreiben dem Fürsten Johann II. drei Kinder zu: 1) Lütgard, † nach 2. Aug. 1353, vermählt mit Werner (Cohn: N.) v. Hadmersleben; 2) Johann, † jung; 3) Elisabeth, lebte noch 1352 als Aebtissin von Rehna. Indessen ist Johann, der jung verstorben sein soll, nur aus der S. 161 gerügten Konfusion Marschalcks entsprungen, desgleichen ohne Zweifel der Name Lütgard. Elisabeth wird in Urkunden wohl nicht vor dem 2. Aug. 1353 [U. 7804] genannt; an diesem Tage aber schenkte Herzog Albrecht von Meklenburg dem Kloster Rehna: quinque marcarum redditus Lub. den. annuatim in villa Roduchelstorpe (Roduchelstorf, im Lande

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Gadebusch) sublevandos, quos religiosa domicella Elizabeth, filia nobilis viri . . domini de Godebutz, patrui nobis felicis recordacionis karissimi, nomine dotalicii hactenus possedit pacifice et adhuc actu dinoscitur possidere, qui ipso jure post eius obitum ad nos nostrosque successores denoluerentur. Also am 2. Aug. 1353 war die Fürstin Elisabeth noch einfach Noune zu Rehna; am 20. Decbr. 1354 [U. 8021] erscheint dann zuerst Elizabeth priorissa - in Rene. Ob diese identisch ist mit der Fürstin Elisabeth, oder mit der am 9. Septbr. 1346 [U. 6678] genannten Elizabet celleraria - in Rene, muß dahingestellt bleiben, zumal 1326, im Septbr. [U. 4765], auch eine Elizabet de Lubeke und mit ihr gleichzeitig eine Elisabeth Krufe [U. 4677] als Nonnen im Kloster Rehna lebten. Die Priorin Elisabeth lebte auch noch am 27. März 1355 [U. 8062]. - Auch die Annahme, daß Elisabeth als Wittwe eines Edlen v. Hadmersleben ins Kloster Rehna gegangen sei, findet in den Nachrichten bei Engeln: "Die Edlen von Hadmersleben" (Magdebg. Geschichtsbl. X, 1875, S. 342 f.), keinen Anhalt, da derselbe um jene Zeit keine Gemahlin eines Edlen v. H. mit dem Namen Elisabeth und überhaupt keine Verschwägerung dieser Herren mit den Fürsten von Meklenburg kennt. Wäre der Name Lütgard von einer Tochter Johanns von Gadebusch in älterer Zeit bezeugt, so konnte diese allerdings nur die zweite Gemahlin Werners, Grafen zu Friedeburg und Herrn zu Egeln, der 1269 - 1314 in Urkunden vorkommt und vor dem 13. Decbr. 1317 gestorben ist (s. Engeln S. 362), gewesen sein; denn diese hieß nach Jordan angeblich Lukardis. Doch ist auch dies sehr ungewiß (Engeln S. 362). Bis auf etwanige weitere Entdeckungen können wir also, dem ältesten Zeugniß folgend, nur Elisabeth, Nonne zu Rehna, in unsere Stammtafel aufnehmen.


VIII. Generation.

A. Heinrichs II. Kinder. - Die Geneal. Dob. kennt nur zwei Söhne Heinrichs II.: Albrecht und Johann, und keine Töchter. Kirchberg c. 138 (p. 783) berichtet von der ersten Gemahlin Beatrix:

Vil kinder sy by im (Heinrich) gebar,
dy storbin alle in godis mild,
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ane eyn tochtir, hiez Mechthild, dy nam von Lunoborg Otto zu eynem elichin wybe so.

Aus der 2. Ehe mit Anna kennt Kirchberg c. 155 (p. 807) fünf kinder:

dry sone vnd czwo tochtere gar,
der hiez eynen Hinrich,
der starb in der jugint glich
Albrecht vnd ouch Johan,
iglichir der lebte vordan,
Anna, Agnete sundir sparin
dy beyde kint ir tochtere warin.

Anna (p. 824) hält Kirchberg irrig für die Ribnitzer Klosterfrau und spätere Aebtissin zu Ribnitz. (Ihm folgt Marschalck V, 4.) Slagghert (Fol. 143) kennt 6 Kinder der Herzogin Anna: Hinrick, Albrecht, Johan, Anna, Agnes, Beata, hält aber Mechthild für das einzige Kind von froyken Beatrix ofte Beata. - Die Abschrift im Franziskaner=Chor zu Wismar nennt statt Anna: Anastasia. Es scheint hiernach, als ob man Anna als Kosesorm von Anastasia, und Beate als Koseform von Beatrix deutete. Namentlich Slagghert nennt die Aebtissin Beatrix stets Beata, obwohl er die Bedeutung des letzteren Namens recht wohl kannte. (Fol. 167: Beata, dat is hillich.) Auch König Albrecht spricht 1388, 6. Dec., von vnses leuen vader suster Beaten, ebbedishen etc.

a. Mechthild, dem Herzog Otto III., Sohne Ottos (II.) des Strengen von Braunschweig=Lüneburg, verlobt II. Aug. 1307 [U. 3179], wird am 1. Mai 1311 [U. 3467] schon als dessen Gemahlin bezeugt. Dadurch gewinnt die Rostocker Chronik und Kirchbergs Erzählung (p. 789), daß die Hochzeit 1310, und zwar, weil Wismar sich weigerte die Hochzeitsgäste einzulassen, in Sternberg stattgefunden habe, an Glaubwürdigkeit. (Detmar erzählt z. J. 1311 die Weigerung Wismars aus Anlaß der zweiten Vermählung Heinrichs II., die dort erst 1315 stattfand!) Slagghert giebt an (fol. 142 b ):. Metilde, welle(r) wurt vortruwet deme eddelen hertogen Otte tho Luneborch, do se olt was xviii jar, in deme jare, do men screff drehundert vnde x. Danach muß sie im Jahre 1293 geboren, also das älteste Kind der Fürstin Beatrix gewesen sein. Die Verwandtschaft zwischen den 1307 Verlobten, deretwegen die päpstliche Dispensation eingeholt werden sollte, war, wie Lisch in Jahrb. XVIII, S. 203, richtig angegeben hat, diese:

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Stammbaum

(Die andere Verwandtschaft über Brandenburg, welche Lisch ebendort aufgestellt hat, ist aber irrig; Beatrix war nicht Ottos VI., sondern Albrechts Tochter.) - Am 27. Febr. 1334 [U. 5500] leistete Mechthild zu Gunsten ihrer beiden Brüder Verzicht auf alle Anwartschaft an Lehn= und Erbgut von väterlicher und von mütterlicher Seite. - Am 19. Aug. 1352 ward sie Wittwe . Sie lebte noch 1358, am 20. April. Ihr Todestag ist nach dem Necrol. Luneb. der 3. Juni. - Wie ihr Gemahl, ist auch sie zuerst (nach C. Steinmann, Grabstätten der Fürsten des Welfenhauses, Braunschweig 1884, S. 85) in der Kirche des St. Michaelis=Klosters auf dem Kalkberge vor Lüneburg bestattet, aus welcher 1371 bei der Zerstörung des Klosters auf dem Kalkberge und Verlegung desselben in die Stadt die Gebeine der dort begrabenen Fürsten zunächst nach St. Cyriaci in die Kapelle Omnium sanctorum und hernach in die neue Michaeliskirche zu Lüneburg übertragen wurden.

b. Unter den Kindern der 2. Ehe ist vielleicht Heinrich das älteste; jedenfalls war er älter als Albrecht, denn 1321, am 5. Jan. [U. 4252], gedenkt Heinrich II. filiorum nostrorum Henrici et Alberti (also Heinrichs zuerst). Albrecht aber muß Ende 1317 oder im Jahre 1318 geboren sein, da er bis 1336 unter Vormundschaft stand. Nach dem 5. Jan. 1321 wird Heinrich in Urkunden nicht mehr erwähnt; hätte er am 24. Juli 1321 [U. 4285 flg.] noch gelebt, so wäre sicher er, und nicht Albrecht, mit der Euphemia von Schweden verlobt. Daß er am 22. April 1321 verstorben sei, geben neuere Genealogen aus mir unbekannter Quelle an.

c. Albrecht, s. unten Tafel II.

d. Die (nur abschriftlich erhaltene) Tafel im Chor der Franziskaner=Kirche zu Wismar berichtet: Anno 1321 ist gestoruen desulue iunge her Hinricus, filius [filii] Hinrici Hierosolimitani. Sin suster froychen Anastasia kort darna. Die Tafel erwähnt (sehr unvollkommen) ihrer noch beim Tode der Mutter, was Latomus (Westph. IV, 285) besser erzählt, daß nämlich der Herzogin Anna "Corper mit zweien Corpern ihrer Kinder, nemlich Herrn

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Henrichs und Frewlein Anastasiae, zur Wismar im Kloster [der Franziskaner] zur erden bestätiget und in ein Begräbniß gesetzt worden.

e. Von den jüngeren beiden Töchtern wird Beatrix stets vor Agnes genannt [U. 5066 (1329): domicellis Alberto et Johanni ac Beatrici et Agneti; U. 5145: vnsen susteren Beatricen vnde Agneten], doch mohl nicht wegen ihres geistlichen Charakters, sondern weil Agnes jünger war. Slaggherts Angabe, daß Beatrix 1324 geboren sei, steht mit nichts im Widerspruch. Am 15. März 1325 [U. 4602] verlobte Heinrich II. filiam nostram Beatricem mit dem Prinzen Jarimar von Rügen, der aber noch in demselben Jahre starb. Die Eltern bestimmten Beatrix nun zum geistlichen Stande, und zwar der Vater am 20. Jan. 1329 [U. 5022] zum Kloster Ribnitz; schon am Palmsonntag 1329 ward sie ghecledet vor deme hoghen altar. - 1349, an deme auende der hemelvart vnses heren (= 20. Mai), ward sie zur Aebtissin gewählt, trotz ihres Bedenkens: so se nicht older were also xxiiii jar (wonach ihre Geburt nach dem 20. Mai 1324 angesetzt werden muß). (Slagghert fol. 160.) Als "Beatrix domicella Magnopolensis, sororum ordinis s. Clare in Rybbenitze locum tenens abbatisse, gab sie 1350, nach dem 8. September, eine noch erhaltene Urkunde [7120]. Beatrix restgnirte als Aebtissin 1398 (am 4. Sonntage nach Ostern [= 5. Mai] ward ihre Nachfolgerin erwählt); sie starb 1399, do se olt was lxxv jar, - des dinxtedages vor Tiburcii (= 5. August). (Alles nach Slagghert, fol. 166, 167.)

f. Agnes. War sie jünger als Beatrix, so kann sie erst 1325 geboren sein, mithin noch nicht volle 13 Jahre gezählt haben, als sie sich vermählte. Detmar erzählt nämlich: 1338, to twelften -in der großen Versammlung geistlicher und weltlicher Herren vom 6.-13. Jan. - to Lubeke -, dar louede de here (Albrecht II.) van Mekelenborch sine suster demejuncheren Nycolawese (III.) van Wenden; de nam se cortlilken darna. - Sie ist aber sehr jung verstorben. Denn Nicolaus III. und Bernhard II. gedenken 1344, 14. März [U. 6390], Agnetis, vxoris domicelli Nicolai pie memorie. Sie war aber auch damals nicht erst vor Kurzem, sondern schon vor 1341 verstorben, da in diesem Jahre Nicolaus von Werle sich abermals vermählte. (S. unten zu Tafel IV.)

g. Das jüngste Kind Heinrichs II. war vermuthlich Johann II. S. Tafel III

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B. Johanns III. Tochter. - Lütgard, Johanns III. vnica filia (Geneal. Dob.), kommt in mecklenburgischen Urkunden wohl nur einmal vor; 1318, Novbr. 22 [U. 4025], verkaufte nämlich Heinrich II. die Insel Pöl und Dörser der Vogtei Bukow: accedente - beneplacito nostre predilecte fratruelis domine Ludchardis, ohne Zweifel, weil dies ihr Leibgedinge war. Damals war sie aber schon zum 2. Mal Wittwe . Kirchberg berichtet c. 137 (781) von ihr:

dy gab irs vatir brudir so,
den man hiez Hinrich Leo,
dren greuen zu echtir dinge tad
ir eyme nach dem andirn drad:
der erste von der Hoya Gerhard,
greue Adolf von Holtzten der andir wart;
der dritte von Lyndowe Gunther
zuleist do nam dy frowen her.

Graf Gerhard II. von Hoya † 18. Octbr. 1311 (v. Hodenberg, Hoyer U.=B. I, Stammt. Nr. 13 und 13 b II, 8, S. 92, U. 123). - Detmar 1315: In deme herveste wart dode slaghen greve Alf to Segheberghe uppe sinem bedde enes morghens by der grevinnen, de broderdochter was des heren van Mekelenborch. - Graf Günther III. von Lindow kommt bis 1334 vor; Lütgard ward noch zum 3. Mal Wittwe . Denn die Denktafel in der Dominikanerkirche zu Neuruppin berichtet: Anno MCCCLII. obiit domina Lutgardis, uxor domini Guntheri (Riedel, Cod. dipl. A, 4, S. 39). Sie scheint aber zuletzt nicht in der Grafschaft Lindow=Ruppin, sondern in Meklenburg gelebt zu haben. Denn die Denktafel der Franziskanerkirche zu Wismar schließt mit den Worten: Froychen Lutgart, filia ducis Johannis submersi. Im kor begrauen. Bestattet ist sie hiernach also zu Wismar.


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Stammbaum
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Stammbaum
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Zu Tafel II.

Haus Meklenburg=Schwerin bis auf Herzog Magnus II.

VIII. Generation.

Albrecht II., geboren (1317 oder) 1318, succedirte seinem Vater (s. o. S. 159) unter Vormundschaft 1329, erreichte die Mündigkeit 1336, erlangte zu Prag am 8. Juli 1348 durch K. Karl IV. die Würde eines Reichsfürsten und Herzogs, theilte seinen Bruder Johann am 25. Novbr. 1352 mit den Landen Stargard, Sternberg und Eldenburg (Lübz) mit der Ture ab [U. 7679, vgl. U. 8049] und erwarb am 7. Decbr. 1358 die Grafschaft Schwerin [Jahrb. XXIV, S. 199].

In deme jare Cristi M. ccc. lxxix., des vrydages vor vastelavende (= 18. Febr.), do starf hertoge Albert van Meklenborch to Swerin unde wart begraven to Doberan, berichtet der Zeitgenosse Detmar. Und es giebt auch keine nach diesem Tage von Albrecht ausgestellte Urkunden. (Korner sagt erst zum Jahre 1380: Albertus dux Magnopolensis - obiit in carnisprivio, secundum chronicam Obotritorum (?), et sepultus est in Dobberan, monasterio ordinis s. Bernhardi; und auch Marschalck (VII, 1): obiit a. fere 1380!)

Gemahlinnen. 1) Euphemia, Tochter Herzog Erichs von Schweden, durch den Vertrag ihrer Mutter, der Herzogin Ingeborg, und des Fürsten Heinrich II. von Meklenburg vom 24. Juli 1321 [U. 4285] mit Albrecht II. verlobt. Ueber die Hochzeit berichtet Detmar: In deme jare Cristi 1336, na paschen (Ostern: 31. März), do sande de koningh Magnus van Sweden unde van Norweghen sine suster Euphemiam to Rostok Alberte, deme heren van Mekelenborch; de nam se, unde hadde dar vele heren to der hochtid. - Eufemye, van der gnade ghodes hertoghinne to Mekelenborch vnd greuynne to Zwer[in] verzichtete 27. Octbr. 1363 dor bede willen vses heren hertoghen Albertes van Mekelenborch auf Haghenowe, dat vse lifghedingh was Mit Hebungen aus Hagenow stiftete aber Albrecht II. am 16. Juni (dominiea post Viti) 1370 im Dom zu Schwerin eine Vicarei precipue in remedium animarum illustrium et inclitarum principum Euphemie, nostre, Ingheburg, dicti Hihrici filii

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nostri conthoralium, pie recordacionum ducissarum Magnopolensium. Wahrscheinlich waren beide Herzoginnen unlängst verstorben; Ingeburg lebte noch 1368, s. u. - Am 10. October 1378 (Lisch, Maltzan II, S. 319) gedenkt Herzog Albrecht II. quondam felicis memorie Eufemye, nostre conthoralis. Damals war er aber schon wiedervermählt mit:

2) Adelheid. - Slagghert erzählt merkwürdiger Weise schon zum Jahre 1371 (fol. 163 b ) die Widervermählung Albrechts II. mit der Gräfin von Hohenstein, deren Namen er so wenig kennt wie Marschalck (VII, 1), der übrigens kein Jahr nennt, sondern nur sagt, Albrecht sei damals grandaevus gewesen (wiewohl er höchstens 60 Jahre zählte). Jedenfalls fällt die Vermählung wohl nicht lange vor den 4. März 1378. Denn an diesem Tage verpflichteten sich Albrecht, Herzog von Braunschweig, und Dietrich, Sohn des Grafen Ulrich von Hohenstein, dem Herzog Albrecht II. und seinen Söhnen zu halbjährigen Kriegsdiensten vor de medegaue, de greue Olrik van Honsteyne der hochgebornen vrowen Alheyde, syner dochter, dessem vorbenanten hertogen Albrechte van Mekelenborgh medeghaf (d. h. als Mitgabe versprochen hatte!). - Adelheids Todesjahr ist uns unbekannt.


IX. Generation.

Herzog Albrechts II. Kinder. - Die Geneal. Dob. berichtet nur: Iste dominus Albertus habuit (!) tres filios: Hinricum, Albertum et Magnum, quos genuit sibi uxor sua Eufemia, soror domini Magni, quondam regis Suecie. Dagegen ist die Geneal. Parch. ausführlicher: Iste dns. Albertus predictus genuit ab Eufemia, sorore Magni regis Swecie, tres filios: Hinricum, Albertum, Magnum, et duas filias: Yngeburgem, quam desponsauit Romano marchioni Brandenburgensi, et Annam, quam comiti Adolpho comiti (!) desponsauit.

a. Heinrich III. wird zuerst genannt am 8. Mai 1350 [U. 7076]; er konnte damals höchstens 13 Jahre zählen. Später (seit etwa 1356) finden wir ihn vielfach in Geschäften bei dem Vater und als dessen Stellvertreter. Er succedirte demselben mit seinen beiden Brüdern 1379. - Ueber seinen Tod berichtet der Continuator Geneal. Dob. (S. 22) im Anfange des 15. Jahrhundert's also

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etwa 20 Jahre nach dem Ereignis: Hinricus hastiludiis intendens in curia sua Wismer [am Rande von derselben Hand: anno dni. M°ccclxxxiiii°, in die sancti Georgii], ubi subtus equum corruit, adeo lesus fuit, quod paulo post exspirauit. - Dagegen der Zeitgenosse Detmar berichtet zum Jahre 1383 (Koppmann I, S. 578): In deme sulven jare, in der anderen weken na paschen, do starf to Zwerin hertoghe Hehrik to Mekelenborch. - Slagghert fol. 165: Anno M. ccc. lxxxvj. Hertich Hinrick tho Mekelenborch, ghenomet de Henger, Albrechtes sone - -. Na deme dode sines heren vader heft he regeret vij jar lanck in groter leue vnde rechuerdicheyt, vnde darna in dessem vorbescreuen iar - ys gestorben an deme dage Georgii tho der Wysmer in deme stekel- vnde riddersspele. Im Tage konnte, so sollte man denken, der Doberaner Autor nicht wohl irren, da Heinrich zu Doberan bestattet und unzweifelhaft dort ins Necrologium eingetragen ward; und die Lübecker Angabe: in der anderen weken na paschen, würde dazu ganz wohl stimmen für das Jahr 1384, insofern der gewöhnliche Georgentag, der 23. April im Jahre 1384 der Sonnabend in der ersten vollen Woche nach Ostern war, im Jahre 1383 aber, wo Ostern am 22. März gefeiert ward, der Georgentag erst in die vierte Woche nach der Osterwoche fiel. Wie geneigt man daher sein möchte, dem Doberaner Genealogen beizutreten (der übrigens auch den Tod des Herzogs Magnus, wie wir hernach sehen werden, um ein Jahr zu spät angesetzt hat), verbieten es uns doch die Urkunden. Denn die letzte von Heinrich III. Selbst gegebene ist vom December 1382 datiert. Am 15. August 1383 aber verpfändeten schon Magnus vnde Albrecht, vedderen, van godes gnaden hertogen to Mek., greuen to Zwerin (also Magnus I. und Albrecht, Heinrichs III. Sohn) ihre Mühle zu Poischow (Orig). Desgleichen bestätigten dieselben am 21. Novbr. 1383 den Verkauf von Zessin (Orig.), und am 25. Jan. 1384 urkundeten dieselben beiden Herzoge (und nicht mehr Heinrich III.) über 2 Hufen zu Hornstorf. Detmar verdient also in Bezug aus das Jahr sicher den Vorzug; dagegen den Todestag konnte der Genealage zu Doberan zu leicht mit Sicherheit aus dem dortigen Necrologium erfahren, als daß man darin einen Irrthum annehmen sollte, zumal Detmar sich so unbestimmt ausdrückt. Es dünkt uns daher das wahrscheinlichste, daß das Turnier zu Wismar in der zweiten Woche nach Ostern 1383 stattfand, und an der dabei empfangenen Verletzung der Herzog am 24. April [dem Georgentage der Schweriner Diöcese] zu Schwerin gestorben ist.

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Gemahlinnen 1) Heinrich III. ward, noch Knabe, durch seinen Vater am 8. Mai 1350 [U. 7076] verlobt mit Margarete, Tochter König Waldemars IV. von Dänemark, die noch nicht 10 Jahre zählte, und als diese bald hernach starb, am 23. Octbr. 1350 [U. 7130] mit deren Schwester Ingeburg. Mit dieser Prinzessin ist Heinrich später vermählt, nach Slagghert (fol. 162, aus unbekannter Quelle, vielleicht aber nach Aufzeichnungen über die Tochter, Aebtissin Ingeburg) im Jahre 1361. Diese Angabe ist nicht unwahrscheinlich; denn am 4. Juni 1362 quittierten Herzog Albrecht II. und seine Söhne den König Waldemar und seinen Sohn Christoph wegen Geldes, dat se vs schůldich hebben wesen van der medeghaue weghene vrowen Ingheburges, vses vorbenomeden heren koningh Woldemares dochter, de vses, hertoghen Hinrikes vorbenomet, hwsvrowe is. (Kopenh. Archiv.) - Ingeburg ward noch 1368 von einer Tochter (der oben erwähnten späteren Aebtissin) entbunden. Am 16. Juni 1370 aber lebte sie nicht mehr (s. o. S. 170/1).

2) Am 26. Febr. 1377 beurkundete Fürst Bernhard II. von Werle, dat wi vnd vse eruen deme hochgeborn vorsten hertogen Hinrike, des dorluchtigen hertogen Albrechtes to Mekelenborges sone, hebben ghegheuen vnse oldeste dochter vern Mechtilde to eneme eliken wiue, und verpfändete für ihren Brautschatz Stadt und Land Röbel. - Spätere Nachrichten über Mechthild sind bisher nicht bekannt; Kinder aus dieser zweiten Ehe werden nicht erwähnt.

b. Ingeburg. - 1) Ingeburg war zunächst verlobt mit dem Markgrafen Otto (IV.) von Brandenburg (geb. 1347); allein diese Eheberedung ward am 25. Juli 1357 aufgehoben, und Ingeburg gleichzeitig mit Ottos (älterem) Bruder, dem Markgrafen Ludwig dem Römer (geb. 1328), verlobt (- dat wi vorbenů mede marggreue Ludowich die Romer selue nemen scholen vnd willen vnd nemen - hertogen Albrechtes dochter iungfrowen Ingheborgh tu enem eliken wife, vnd die selue fruntschap mit vnsem liuen brudere marggreuen Otten, die vor begrepen was, schal af sin mit vnser beider guden willen etc.). Ihre Hochzeit muß vor dem 28. Febr. 1360 gefeiert sein; denn an diesem Tage leistete die Stadt Perleberg ihr als Markgräfin die Leibgedinges=Huldigung, und sie gab derselben eine Privilegien=Bestätigung. Ludwig der Römer † 14. Mai 1365.

2) Ingeburg vermählte sich zum andern Mal mit dem treuen Verbündeten ihres Vaters, dem Grafen Heinrich II. von Holstein

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(dem Eisernen), dessen erste Gemahlin Mechthild v. d. Lippe 1365 (vor dem 12. März) erstorben war. Von dieser Vermählung erzählt M. Eilard Schonevelt (bei Korner [Eccard II, 1105] und bei Junghans, Heinrich der Eiserne, S. 54), doch einige Jahre zu früh: Medio autem tempore (1363!) Albertus dux Magnopolensis filiam suam Yngeburg, per mortem Lodowiei marchionis de Brandenburg interim vidnatam, - dno. Henrico prelibato Holtzatorum comiti in matrimonio copulanit. Der Presb. Brem. (25) berichtet auch davon und von Ingeburgs reichem brandenburgischem Leibgedinge, aber mit einem genealogischen Irrthum: Comes Hinricus, rediens in patriam suam, duxit vxorem filiam supradicti Hinrici (vielmehr Alberti!) ducis Magnopolensis, cujus sororem Adolphus comes sibi eciam copulabat. (S. u.) Hec autem filia ducis Magnopolensis prius nupta fuit marchioni Brandenburgensi, nobili viro Romano, a quo hec domina large ad tempus vite sue fuit dotata cum castris Arndesburgh et opido Perleberghe etc. Auch in Urkunden treffen wir Ingeburg mehrfach als Gräfin von Holstein, z. B. bei Riedel: Cod. A. I, S. 158 (1374); VI, S. 196 f. (1377). Am 16. Novbr. 1384 fällte der Rath zu Hamburg einen Spruch über die Streitigkeiten, welche Herzog Albrecht von Sachsen und her Hinrik greve to Holsten und sin eerbare vrowe vor Ingheborch mit einander hatten. (Schl.=Holst.=Lauenb. Urk.=S. II, S. 343.) Heinrich II. starb im Auslande vor dem 17. April 1390 (s. Lappenberg zum Presb. S. 165); die Gräfin Ingeburg schenkte aber noch am 25. Juli 1395 ein Dors an eine Kapelle zu Perleberg (Riedel, Cod. A. I, S. 169); am 23. August 1409 wird sie als eine Verstorbene bezeichnet (das. A. VI, S. 198).

c. Albrecht III., 1364, 18. Febr. (dominica Reminiscere), in Upsala zum König von Schweden gewählt, seit dem 24. Febr. 1389 in Gefangenschaft seiner Gegenkönigin Margarete von Dänemark und Norwegen, erlangte seine Freiheit erst am 26. Septbr. 1395 (Hanserecesse IV, S. 299), kehrte nach Meklenburg=Schwerin zurück (auf welches er nie verzichtet hatte), und führte hier, wie schon in den Jahren 1385 - 88 vielfach, bis an seinen Tod die Regierung mit seinem Neffen Johann IV. - Ueber seinen Todestag existieren die verschiedensten Angaben. Am weitesten entfernt sich von der Wahrheit Marschalck (VII, 3): Tumulatus in Gadebuso, anno millesimo trecentesimo nonagesimo quarto. Die Lübische Chronik (Grautoff II, S. 5) z. J. 1406: Hertoch Albert van Mekelenborch, dede was tovorne konyngh to Sweden, starf to

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Sweryn, der lateinische Korner (Eccard II, 1190) und der Sog. Rufus (Grautoff II, S. 470) geben dieselbe Nachricht z. 1. 1407, Rufus mit dem Zusatz: unde wart dar sulues (zu Schwerin!) gegraven. Dagegen die Hamb. Handschrift der Chronik berichtet von König Albrecht noch in den Jahren 1409 und 1411 (Grantoff II, 597, 599), meldet seinen Tod aber gar nicht. Endlich nach den Annalen der Minoriten zu Wisby (Fant, Rer. Succ. T. P, p. 47) ist Albrecht III. gestorben 1412, in coena Domini (31. März), sepultus in Doberan, und diese sehr bestimmte Angabe ist gewiß die richtige. Denn die letzte bekannte Urkunde des Königs ist die in Gemeinschaft mit seiner Gemahlin und seinem Sohn gegebene Privilegienbestätigung für das Kloster Ribnitz vom Dienstag nach Judica (= 23. März) 1412. - Die Angabe des "Rufus" von seinem Begräbniß zu Schwerin steht ganz vereinzelt da und hat, da diese Chronik sonst so schlecht von des Königs Ableben unterrichtet ist, keine Bedeutung, findet auch keine Stütze darin, daß sein Bild sich auf der Wand der H. Bluts=Kapelle neben denen der Grafen von Schwerin fand [Jahrb. XIII, 163]: denn auch Johann I. von M.=Stargard war dort abgebildet, der auch nicht in Schwerin bestattet war. Es steht aber zu vermuthen, daß der König diese Bilder selbst veranlaßt hatte, da die Grafen von Schwerin die Ahnen seiner ersten Gemahlin waren. Ebenso unglaubwürdig ist die Nachricht Marschalcks von dem Begräbniß des Königs zu Gadebusch. Denn des Königs Wittwe Agnes ließ die Marien=Kapelle (Königs=Kapelle) daselbst erst im Jahre 1423 weihen (Jahrb. III A., 239); und der angebliche Grabstein des Königs in dieser Kapelle zeigt ein Frauenbild und erweist sich durch das mecklenburgische und das braunschweigsche Wappen zu den Füßen der Figur als der Grabstein der Königin Agnes. S. Lisch, Jahrb. III B., S. 132 f. Der König ist also gewiß, wie die Annalen der Minoriten angeben, nach der Sitte seiner Vorfahren in der Kirche zu Doberan bestattet.

Gemahlinnen. 1) Richardis. 1352, 12. Octbr., zu Wismar [U 7669], beurkundete Graf Otto I. von Schwerin, daß er sich habe beurkundet mit - hertogen Alberte van Mekelenborch, - vnd hebben gegheuen vse dochter iuncvrouwen Richkarden sime sone iuncheren Alberte to enem wiue (er bestimmt ihr eine Mitgift); und an dem nächsten Tage [U. 7670] verschrieb Herzog Albrecht II. Stadt und Land Grevesmühlen iuncwrow Richarden, greue Otten dochter van Zwerin, vses sones wiue, iuncher Albertes, to eneme lifghedinge. - Uebrigens konnte Albrecht III. damals höchstens 15 Jahre, aber wahrscheinlich war er erst 13 Jahre alt; wann aber die Ehe vollzogen ward, ist nicht überliefert.

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- Richardis gab noch am St. Georgentage (= 23. April) 1377 zu Stockholm eine Urkunde für ihre Dienerin Ingierd, Jon's Tochter (Dalin, Geschichte des Reiches Schweden, übersetzt von Dähnert, II, S. 420, Anm. g, und Svenska Riks=Archivets Pergamentsbref I, Nr. 1265, nach dem Original). Ihr Todesjahr und ihr Todestag sind nicht ausdrücklich angegeben. Chemnitz nimmt das Jahr 1380 an; Dalin setzt den Tod der Königin (nach Messen. III, p. 28, und Ann., p. 205) in den Ausgang des Aprilmonats 1377. Diese Annahme der Schwedischen Gelehrten ist jedenfalls richtiger; denn im Juni 1377 waren Stadt und Land Grevesmühlen, das Leibgedinge der Königin Richardis, schon erledigt; am 11. Juni 1377 leisteten sie schon der neuen Inhaberin dieses Leibgedinges, der Herzogin Elisabeth, Gemahlin des Herzogs Magnus, die Huldigung, und am 16. ward dieser Fürstin Stadt und Land Grevesmühlen von Herzog Albrecht II. und seinen Söhnen Heinrich und Magnus förmlich als Leibgedinge zugewiesen. Die Begräbnißstätte der Richardis kennt Marschalck (VII, 3): At mox (?) Ingeburgis (Schreibfehler statt Richardis, wie er sie zuvor richtig genannt hat) in Scandinauia obiit, in urbe Stocholmo tumulata, in aede dini Dominici. (Diese Kirche ist im 16. Jahrh. abgebrochen.)

2) Agnes. Die Detmarsche Chronik berichtet: In dem vastelavende des sulven jares [nämlich 1396] do helt de koning van Sweden enen groten hoff to Zwerin =. Dar brachte men to bedde de suster der hertoghen to Lunenburch unde Brunswik, ene wedewen, de vore hadde enen greven van Mansvelt, darna den hertoghen van Wolghast, un[de] den koningh van Sweden. Agnes, die Tochter des Herzogs Magnus II. von Braunschweig († 1373), war als Wittwe des Grafen Busso V. von Mansfeld zum andern Mal mit Herzog Bogislav VI. von Pommern=Wolgast am 20. September 1389 verlobt und hernach vermählt, aber am 7. März 1393 wiederum Wittwe geworden. - 1396, des sondages to vastelauende (= 20. Febr.), verschrieben ihre Brüder Friedrich, Bernhard und Heinrich, Herzoge von Braunschweig und Lüneburg, hern Alberte, der Sweden vnd der Goten konynge, hertogen to Mekelenborch etc. - 6000 Lüb. Mark, de wy em to brutschatte geuen scholen myt vnser suster. (Slagghert erzählt die Vermählung z. J. 1395 [fol. 166] also um ein Jahr zu früh.) - Agnes überlebte auch ihren dritten Gemahl, und auch noch ihren Sohn Albrecht V. Aus ihrem jetzt verstümmelten Leichenstein in der von ihr (vor Agnes, der Sweden vnde Ghoten koninghinne, hertoghinne to Mekelenborch, greuinne to Zwerin, to Stargarde vnde Rostok) erbauten Marien=Kapelle zu Gadebusch (s. o. S. 175)

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las Franck 1711, wiewohl "auch die Schrift darauf schon sehr ausgetreten war, die Jahreszahl 1430 noch ganz deutlich", "die Zahlen waren von Messing" (A. u. N. M. VII, S. 131). Jetzt sind sie nicht mehr vorhanden; nicht unwahrscheinlich aber folgten ursprünglich nach xxx auch noch Einer. 1430 stiftete die Königin am 1. Aug. (Lisch, M. U.=B. II, S. 192) eine Vicarei zu Neukloster; dagegen am 22. Decbr. 1434 lebte sie nicht mehr 1 ). Eine Differenz über Vermächtnisse in ihrem Testament ward erst am 28. Jan. 1436 beigelegt.

d. Anna. Die Geneal. Parch. (nicht die Geneal. Dob.) zählt Albrechts II. Töchter auf: duas filias: Yngeburgem, quam desponsauit Romano marchioni Brandenburgensi, et Annam, quam comiti Adolpho comiti (!) desponsauit. - Presb. Brem., c. 23: comitem Adolphum (VII. von Holstein=Plön), qui duxit vxorem filiam dicti Hinrici (vielmehr Alberti) ducis Magnopolensis, Alberti regis Swecie sororem nomine Annam, sterilem permanentem. Am 20. Juni (mand. na des hilghen lychames dage) 1362, zu Travemünde, versprachen die Herzoge Albrecht II. von Meklenburg und (sein Sohn) Heinrich, dat wy scholen und willen unseme leven suaghere greven Adolve to Holsten und to Stormeren unse dochter und suester und syne vrouwen vor Annen des neghesten sonnendaghes vor sente Nycolaus daghe, de nu neghest tukomende is [4. Decbr.], to hus bringhen to Plone, und bestimmten den Brautschatz (Schl.=Holst.=Lauenb. Urk.=Samml. II, S. 246). Am 2. Septbr. 1366 bezeugt Graf Adolf von Holstein den Herzogen Albrecht II. und Heinrich III., van der medegane vnser husurowen vrowen Annen schon 1000 löth. Mark empfangen zu haben. Anna wird 1390, am 17. April, als Wittwe genannt (vrowen Annen, de greven Alves vrowe was, daselbst S. 365), desgleichen 1397, am 28. Aug. (das. S. 381). Gestorben ist sie spätestens 1415. Denn in diesem Jahre begehrten die mecklenburgischen Herzoge schon die Herausgabe ihres Brautschatzes. (Vgl. Huitfeldt I, 660.)

e. Magnus I., zuerst genannt 1355, nahm späterhin mit seinen Brüdern Theil an des Vaters Regierungsgeschäften, succedirte


1) Marschalck (VII, 3) kennt Albrechts beide Gemahlinnen Richardis und Agues, dichtet ihm aber noch eine dritte an: Duxit uero postremo ducis Sidinorum ac Juliae Augustae filiam, e qua nullos accepit liberos. Er scheint Erichs Gemahlin für dessen Stiefmutter angesehen zu haben. In demselben Capitel berichtet er zuerst, Erich sei ein Sohn der Agnes (also aus der 2. Ehe des Königs), und hernach: Erico rege ex conjugio primo!
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mit den Brüdern dem Vater 1379, und führte seit Heinrichs III Tod die Regierung, aber nicht mehr lange. Seine letzte Urkunde über eine mecklenburgische Angelegenheit, welche im besiegelten Original erhalten ist (über Schmadebek), ist datiert 1384, palmedagh (= 3. April), und nach einer unverdächtigen Copie urkundeten Magnus vnd Albrecht, vedderen etc. noch gemeinschaftlich am 15. Mai 1384 über Unstede. - Dagegen gab am 25. Novbr. 1384 Albrecht, van godes gnaden hertoge to Meklenborch, greue to Zwerin etc , (Heinrichs III. Sohn) allein (ohne Magnus!) eine Bestätigung über Hufen zu Blowatz (Orig); derselbe Albrecht IV. nahm am 13. Decbr. 1384 das Stift Ratzeburg in seinen Schutz (Orig. in Neustrelitz); und am 14. Decbr. 1484 bestätigte er (nach einer Copie) dem Rostocker Bürgermeister Arnd Kröpelin und seinem Sohn Lambert das Dorf Bartelstorf. - Am 24. April 1385 bekannten Henning und Brüning Voß sich von hertoch Albrecht van Mekelenborch befriedigt für alle de schuld vnde scaden, die vns - hertoch Albrecht van Mekelenborch, sin elderuader, vnde hertoch Hinrik, sin vader, schuldich weren. (Orig.)

Eine unbefangene Betrachtung dieser Urkunden führt zu der Annahme, daß Herzog Magnus zwischen dem 15. Mai und denn 25. Novbr. 1384 gestorben ist. Denn wenn er auch krank gewesen wäre, würde doch Albrecht IV. diese Urkunden ohne Zweifel in ihrer beider Namen haben ausstellen lassen. Diesem Schlusse widersprechen nun aber die Chroniken. Nämlich in der Fortsetzung der Doberaner Genealogie aus dem Anfange des 15. Jahrh. ist zu den Worten: dominus Magnus - decesserat von der Hand des Verfassers an den Rand geschrieben: anno domini M°ccc° lxxxv°, in die sancti Egidii (= 1. Septbr.). Die Detmarsche Chronik dagegen berichtet z. J. 1385: By der sulven tyd, na paschen (also nach 2. April), do starf hertoge Magnus van Mekelenborch. (Koppmann I, S. 184 und 586.) Korner [Eccard II, 1143] schreibt Detmar nach, doch: circa festum paschae, secundum chronicam Obotritorum! Alle diese berichten nichts von einer Reise des Herzogs nach Aachen. Dagegen erzählt Krantz (Wand. IX, 8): Magnus autem cum Alberto de Luneburgo duce profectus deuotionis gratia Aquisgranum, quum inde rediret, febre correptus rebus excessit, ad annum Christi LXXXV. post mille trecentos. Aus der Erwähnung des Herzogs Albrecht können wir leider nichts entnehmen, da uns die Zeit seiner Fahrt nach Aachen nicht bekannt ist; jedenfalls fiel die Heimkehr desselben aber vor den 16. April 1385, da er an diesem Tage vor Rikelingen zog, wo er dann die Wunde empfing, die am

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28. Juni seinen Tod herbeiführte. Ganz kurz faßt sich Marschalck, indem er wahrscheinlich den Bericht von Krantz mit einer Doberaner Ueberlieferung flüchtig zusammenschmiedet (VII, 4): Magnus - dum Aquas Granias - uisitat, vita functus, anno millesimo trecentesimo octogesimo quinto, postridie calendas Septembres (= 2. Septbr.). - Am wahrscheinlichsten dünkt es uns, daß Magnus schon am 1. Septbr. 1384, vielleicht auf der Heimkehr von Aachen, außerhalb Meklenburgs starb, die Nachricht von seinem Tode aber erst nach Ostern 1385 zu Detmars Ohren gelangte. Der Doberaner Genealoge hatte auch Heinrichs III. Tod um ein Jahr zu früh angegeben (s. o. S. 172). - Daß Magnus, wie Lisch (Jahrb. XIX, S. 357, 359) angiebt, zu Doberan begraben sei, ist sehr wahrscheinlich, aber aus alter Zeit nicht bezeugt.

Gem. Magnus ist dreimal verlobt, ohne daß die Hochzeit nachfolgte: 1) am 29. Aug. 1355 mit Mechthild, der älteren Tochter des Fürsten Nicolaus IV. von Werle=Goldberg; und falls diese vor der Hochzeit (die nach 3 Jahren gehalten werden sollte) stürbe, sollte deren Schwester Agnes an ihre Stelle treten [U. 8126]; 2) am Dienstag vor Fastnacht 1356 mit Katharine, der Tochter des Fürsten Nicolaus III. von Werle=Güstrow (hernach 1366 vermählt mit Herzog Albrecht V. von Sachsen=Lauenburg); 3) am 10. Aug. 1360 mit Jutta, der Tochter des Herzogs Erich von Sachsen=Lauenburg. Daß Jutta jemals die Gemahlin des Herzogs Magnus geworden wäre, wie Cohn, Tafel 58, annimmt, ist nicht nur unbezeugt, sondern auch ganz unwahrscheinlich. Denn am 5. Juli 1362 gelobte Barnim (IV.), Herzog zu Stettin und Fürst von Rügen, dat wy vse dochter iuncvrowen Elzeben sco v len vnde willen ghe a uen tho der ee hertoghe Magnus van Me a klenborgh, des vorbeno v meden hertoghen Albrechtes so o ne (mit 3000 löth. Mk. Brautschatz); und am selben Tage verschrieb Herzog Albrecht II. mit seinen Söhnen der hochghebaren iunghevrowen vor Elzeben, iunge hertoghe Barnyms dochter von Stettyn, de gefriet is hertoghe Magnusse van Meklenborg vorgenomet tho echte unde tho rechte tho eyner vrowen, na der ee de staad tho Grevesmolen mit der Vogtei zum Leibgedinge. (Westph., Monum. IV, 986.) - Die Herzogin Elisabeth lebte noch im Jahre 1377: am 11. Juni leisteten Stadt und Land Grevesmühlen der irluchtigen vorstinnon vor Elzeben, vses vorbenomeden heren hertogen Magnus eliker husfrowen, die Huldigung - oft vnse vorbenomede here hertoghe Magnus afiginghe eer se =; und am 16. Juni wies Herzog Albrecht II. mit willen vnd mit vůlbort vser leuen sønes - vern Ylseben, vses vor=

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benomeden sones hertoge Magnus eliker husurowen, Stadt und Land Grevesmühlen als Witthum an. - Ilsabes Todesjahr ist noch nicht ermittelt. Das Amt Grevesmühlen ward am 24. Febr. 1405 der Gräfin Jutta von Hoya, Gemahlin Johanns IV. seit 1400, zum Leibgedinge verschrieben; damals lebte also deren Schwiegermutter Elsabe sicher nicht mehr.

f. Außer des Herzogs Albrecht II. Kindern erster Ehe kennt Marschalck (VII, 1) auch noch einen Sohn aus der zweiten Ehe: Grandaevus uero (Albrecht II.) filiam comitis Hoensteinii conjugem (Adelheid) accepit, e qua Albertum sustulit, qui breui elatus. Und ihm erzählt wohl Slagghert (fol. 163 b ) nach: De (die Gräfin von Hohenstein) heft em getelet I sone, alze hertich Albrecht, de nicht lange leuede. - In Urkunden wird dies Söhnlein nie genannt, und da wir Marschalcks Quelle nicht kennen, ist diese Angabe schwer zu würdigen. Daß dieser spätgeborene Sohn gleichen Rufnamen mit dem Stiefbruder, dem König Albrecht, gehabt, ist noch kein zwingender Grund sie abzuweisen. Dasselbe findet sich ja auch sonst um jene Zeit in Fürstenhäusern, z. B. bei den beiden brandenburgischen Markgrafen Ludwig und bei den Söhnen Johann II. und Henning des Fürsten Johann I. von Werle. Vielleicht hatte Marschalck Nachricht von diesem Sohn der Herzogin Adelheid aus Doberan, wo er begraben sein mochte.


X. Generation.

A. Die Kinder Herzog Heinrichs III. (aus seiner ersten Ehe). - Marschalck (VII, 2) kennt nur Albrecht IV. und seine Schwester [Maria], welche Herzog Wartislavs Gemahlin ward, aber nicht Euphemia und Ingeburg; die Doberaner (und die parch.) Genealogie: filium nomine Albertum cum duabus filiabus (et duas filias), weil sie vor der Geburt Ingeburgs verfaßt sind.

a. Euphemia. Am 31. Octbr. 1366 [Lisch, Maltzan. U. II, 190] bezeugten Laurencius vnde Johan de junghere (V.), syn broder, vnde Johan de oldere (mit dem Siegel:   Inschriftskreuz  S' . IOhĪS DO M I c e LLI . D — L e IIII., also Johann IV. von Werle=Goldberg), den Vertrag mit dem Herzog Albrecht II. und seinen Söhnen Heinrich und Magnus: dat wy Johan de oldere (IV.) vorbenomed scolen nemen to der ee juncvrowen Eufemyen,

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hertoghen Hinrickes dochter van Mekelenborgh -. Des scal me vns, Johanne deme olderen vorbenomed, desse iuncvrowen Eufemyen - gheuen to der ee vnd in vnse bedde antwarden nu to vastelauende, de neghest tokumpt, vor[t] ouer twelfjaren (also Fastnacht 1379); were ouer dat wy des in beydent syden endrachtlich worden, dat id er schen scolde, so scal id er schen. (Gedr. Lisch, Maltzan II, S. 190.) Euphemia zählte 1366 erst 3 - 4 Jahre. Indessen, bevor jene 12jährige Frist ablief, 1374 (vor dem 14. Decbr.), starb Johann IV., ohne daß diese Ehe vollzogen ward. - Darauf aber, am 16. Juni 1377, versprach Johan der junghere, van godes gnaden here to Werle (Johann V. von Werle=Güstrow), den von Herzog Albrecht II. und seinen Söhnen Heinrich III. und Magnus I. ihm zugestellten Brief, darinne stan de degedinge, wo vns desse vorbenomeden vsen leuen vedderen hertoge Hinrikes dochter ver Offemygen gegeuen hebben to eneme eliken wiue, vnd wo w de suluen vse husurowe scolen mit ereme lifgedinge na vorstelikeme sede beligen, van desser tiid binnen eyme iare besiegelt zu schicken. Da Johann die Euphemia schon seine Hausfrau nennt, wird die Hochzeit schon vor dem oben genannten Tage gehalten sein. Lange hat die Ehe aber nicht bestanden; denn Johanns V. Tod erfolgte zwischen dem 24. Aug. 1377 und dem 9. Septbr. 1378. S. unten Tafel IV, Generation IX.

b. Albrecht IV. war seit 1371 von seinem Großvater, König Waldemar (Atterdag) von Dänemark, zu seinem Nachfolger bestimmt; allein nach dessen Tode (25. Octbr. 1375) gaben die dänischen Reichsstände dem Sohn Margaretens, der jüngsten Tochter Waldemars, Olaf von Norwegen, den Vorzug, und wählten auch nach dessen Absterben 1387 nicht Albrecht IV., der sich freilich in seinen Urkunden als ware erfname des rikes tho Dennemarken bezeichnete und seinem Siegel die Umschrift: S' ALB e RTI . R e s ' . DA c I e A c DV c ' . MA s N OPOL . gab, sondern Margarete selbst. Inzwischen nahm Albrecht IV. seit seines Vaters Tode Antheil an der Regierung in Meklenburg. Seine letzte bekannte Urkunde ist von ihm, König Albrecht und Johann IV. gemeinschaftlich zu Stockholm am 24. Juni 1388 (über Bede zu Lankow) gegeben. Die Detmarsche Chronik besagt zum Jahre 1388: In deme sulven jare starf hertoge Albert van Mekelenborch, hertogen Hinrikes sone, und ebenso Korner zum Jahre 1388 [Eccard II, 1156]: Eodem tempore Albertus dux Magnopolensis, filius Hinrici ducis, obiit, juvenis existens. Er kann allerdings höchstens wohl

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erst ungefähr 25 Jahre gezählt haben. (Einen sonderbaren Fehler begeht Marschalck (VII, 2): [Albrecht IV.] peste absumptus interiit, Doberanum relatus, ubi et conditus, anno millesimo trecentesimo septuagesimo!!)

Gem. Am 8. Septbr. 1378 gelobten Wenzlav und Albrecht, Herzoge zu Sachsen(=Wittenberg) und Lüneburg, den mecklenburgischen Herzogen Albrecht (II.), Heinrich (III.) und Magnus (I.), dat we vorbenomede Albrecht, hertoge to Sassen vnde to Luneborch, schullen vnde willen ghenen dem houchgebornen Albrechte, hertogen Hinrikes sone van Mekelenborch, koningh Woldemars dochtersone van Denemarken, vnse dochter Elsebeten to eynem eliken wyue also drade, also se manbar wert. Ob aber die Ehe mit der Tochter Albrechts je vollzogen ward, ist höchst zweifelhaft; wahrscheinlich ist mir, da ich Elisabeth in Stammtafeln nicht angegeben finde, daß sie jung, noch vor der Hochzeit gestorben ist. Unsere einheimischen Chronisten kennen nicht sie als Gemahlin Albrechts IV., wohl aber ihre gleichnamige Tante, des Herzogs Albrecht von Sachsen Stiefschwester Elisabeth, die Tochter des Grafen Nicolaus von Holstein 1 ). So sagt der Fortsetzer der Dob. Genealogie (S. 22): Albertus (IV.) accepit vxorem nobilem dominam, filiam domini Nicolai comitis Holtzacie ac sororem domini Alberti ducis Luneburgensis, de qua nullam prolem suscepit, quam modico tempore superuixit. Dies ist alles richtig, außer den letzten Worten. Denn Elisabeth von Holstein hat Albrecht IV. lange überlebt. Am 25. Novbr. (Katherinen) 1389 verschrieben Herzog Gerhard (VI.) von Jütland und seine Brüder Albert (I.) und Heinrich (III.), Grafen zu Holstein (die Söhne des Grafen Heinrich II., der ein Bruder von Nicolaus


1) Anm. Das Verwandtschaftsverhältniß der in Rede stehenden Personen zeigt folgende Tafel:
Stammbaum
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war), der dorchluchtegen vorstinnen vrowen Elizabeth, hertoginnen to Mekleborch, vnser leuen suster, für eine Schuld von 400 Mk. Pf. dat kerspel to Qu v erne, brukliken to besittende. Sie war schon Wittwe ; demgemäß fügen die Herzoge hinzu: Wert ou v er dat vnse vorbenomede suster eneme heren beraden worde na ereme willen, vnd sy e beliftuchtet worde van deme suluen heren myt alsodanegem lifgedinge, dar sy e wol ane vorwaret were, so schal dit vorbenomede kerspel weder in vns vnd in vnsen ernen vallen. (Sudendorf, Br.=Lün. U.=B.VI, S. 293.) Die Bezeichnung suster statt vedderke geben sie ihr wohl nur vmme sunderligher trů wer, angheborner leue willen, de wy hebben to der hoochgebornen vorstynnen vnde vrowen vrow Elizabeth, hertoghinnen van Mekelnborch, vnses leuen vedderen dochter, grenen Clawus, wandages grene to Holsten - seligher dachtnisse, wie Gerd und seine Brüder sich am 17. Juni 1397 (Sudendorf VIII, S. 20) ausdrücken, da sie die Vormundschaft für sie übernahmen. Ganz richtig bezeichnen dieselben drei Brüder ihr Verwandtschaftsverhältniß zu Elisabeth in einer Urkunde vom 25. Mai 1391, wo sie eine Hebung aus Schleswig der eddelen vorstinnen vrowen Elizabeth, herteginnen to Mekleborch, vnzer leu v en vedderken, verschrieben, ist sy leu v e den dot vnses veddcren vorscrenen (nämlich greu v en Clawes), eres vaders. - Elisabeth vermählte sich später (1404?) zum andern Mal mit Herzog Erich V. von Sachsen=Lauenburg; 1416 lebte sie nicht mehr.

c. Marie, geb. vor 1368. Es heißt in der Pomerania I, 405: .,Wartislaff [VII. von Pommern] nham hertzog Heinrichs [III.] von Mekelburg Tochter Marien zur ehe, welche von Ingeburg, khönigs Waldemar von Denemarken tochter, geporen was." Ihre Hochzeit mag ums Jahr 1380 gefeiert sein, da ihr Sohn Erich (König von Dänemark etc. .) 1382 geboren ist.

d. Ingeburg. - Ueber diese jüngste Tochter Heinrichs III. giebt uns Slagghert genügende Auskunft: Fol. 162 b : Anno 1368 froychen Ingheborch, des koninges dochter tho Dennemerken vnde eyn vorstynne hertich Hinriks, heft entfangen vnde getelet eyn schone dochter, de ghenomet ys ock Ingenborch. - Fol. 164: Anno 1376 froychen Ingeborch, hertich Hinrikes dochter -, so se nu olt was viii jar, ys se ghecledet to Ribbenitz vnde gade van hemmel vortruwet. - Fol. 166 b z. J.

1398 (da die Aebtissin Beatrix restgnirte): Des iiij. sundages na pasken (5. Mai) ys vthghekaren in ene ebdiske desses closters (Ribnitz) froychen Ingeborch, hertich Hinricus dochter tho Me=

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kelenborch, ghenomet de Henger, vnde confirmeret von deme vader ministro in deme hilgen horsam. - Fol. 167 b z. J. 1408: An deme auende Michaelis (28. Septbr.) dat eddele froycnen suster Ingeborg, eyn abbatissa -, ys ghestoruen - in der pestilencien myt anderen velen susteren desses closters, thosamen in dem ta e l xiij. - 1405, 1. Novbr., bekennt Ingheburgh van Mekelenburgh, van godes gnaden eyn dochter der dochter konyngh Woldemers to Dennemarken, ebbedysche to Rybbenitze, van vnser ghenedighen vrouwen vnde moder, der konynghinnen (Margarete) van Dennemarken vnde Zweden vnd Norwegen, 400 Mark empfangen zu haben. (Sudendorf, Br.=Lüneb. U,=B. IX, S. 8.)

B. Die Kinder Albrechts III., Königs von Schweden. Aus der ersten Ehe entsprangen mindestens 3 Kinder, aus der zweiten nur Albrecht V.

a. Erich. Geneal. Dob. (S. 24): Filius vero ejus (Albrechts III.) Ericus ad recuperandum regnum patris amissum cum vxore sua et milicia transiuit ad insulam Gothlandie, quam feliciter cum cinitate Wisbii optinuit, sed ibidem in breui tempore moriendo vite cursum consum[m]auit. - Nach der Chronik der Minoriten zu Wisby (Fant, Scr. rer. Succ. la, 46) starb Erich 1397, 26. Juli (feria quinta post Marie Magdalene) zu Landskrona und fand sein Grab in Wisby zu St. Marien. - Auch Korner berichtet z. J. 1397: Fricus, filius Alberti regis Succorum, obiit in Godlandia (Eccard II, 1175), und Marschalck VII, 3: Erico rege - peste absumpto, in Albiburgio Gotorum tumulato.

Gem. Detmar z. J. 1396: In deme vastelavende des sulven jares do helt de koning van Sweden enen groten hoff to Zwerin. - (Folgt die Erzählung von dem Beilager des Königs selbst, s. oben S. 176.) Ok wart sineme sone, koning Erik van Sweden, dar suluest bracht de dochter des hertoghen van Wolghast. Ein wenig mehr weiß Slagghert (Fol. 163): Koninck Eryck. Dessem - vurt vortruwet - froychen N., des herteghen dochter tho Wolgast Buggeslaff. Nach der Pomerania (I, 437) hinterließ Herzog Bogislav VI. von Pommern=Wolgast († 1393) nur 2 Töchter, Sophie und Agnes. "Sophie nahm hertzog Erich von Mekelburg . . . aber er ist bald gestorben; darumb hat die Fürstinne widder genhomen Johan von Wenden." Wir glauben vielmehr, daß ihr zweiter Gemahl nicht Johann VII. von Werle=Güstrow, sondern Nicolaus V. von Werle=Waren war. S. Tafel IV, Gen. X.

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b. u. c. Die Chroniken berichten nur von einer Tochter König Albrechts, der Gemahlin Johanns von Görlitz, so namentlich auch Slagghert (Fol. 163): Froychen N. - wurt vortruwet deme eddelen heren Johan, hertige tho Gorlitz, eyn ßone Karel des IIII., keyser des Ronreschen rykes. Allein es wird noch mindestens eine andere erwähnt. Nämlich 1376, 4. März, zu Eger, Schloß der Kaiser Karl IV. mit Herzog Albrecht II. einen Vertrag wegen Vermählung seines Sohnes Johann (geb. 22. Juni 1370) mit Albrechts II. Enkelin, Herzog Magnus I. Tochter, Euphemia nach 3 Jahren. Würde der Papst die Dispensation vom verbotenen Grade verweigern, oder Euphemia vor der Hochzeit sterben, so sal der egenante marggraff Johans zu der ee nemen kunig Albrechtes tochter von Swiden die iungiste. Stirbt auch diese, so soll an ihrer beider Stelle treten herczogen Heinrichs von Mekelimburg tochter die jungiste (Ingeburg), oder desselben herczogen Albrecht von Mekelimburg sone tochter eyne, weliche denne die iungiste ist. Diese Eheberedung ward von denselben Contrahenten wiederholt zu Weiden am 1. und 3. Mai. In diesem neuen Vertrage lauten die gesperrt gedruckten obigen Worte: kunig Albrechtes von sweden tochter, wie die genant ist, die ytzunt die iungste ist. (Also gab es doch auch eine oder mehrere ältere Töchter Albrechts III.) - Mit dieser Vermählung sollten aber die mecklenburgischen Pfandbesitzungen in der Mark (Straßburg, Liebenwalde, Zehdenick und Fürstenwerder) an die Mark zurückkommen.

Euphemia, des Herzogs Magnus I. Tochter, war allerdings mit des Kaisers Sohn Johann (von Görlitz) im 3. Grade verwandt:

Stammbaum

Es scheint jedoch, daß man sich um den päpstlichen Dispens nicht erst bemüht und von Euphemia bald ganz abgesehen hat; sie ward am 21. Jan. 1378 anderweitig mit Erich d. j. von Lauenburg verlobt (S. u.). Der Kaiser war nun freilich am 23. März 1377 schon im Besitz der Pfandstädte Straßburg u. s. W.; ob aber damals schon eine der Töchter des Königs Albrecht für Johann fest als Gemahlin bestimmt war, mag man, weil Johann noch im 7. Lebensjahre stand, eine Ehe also fürs Erste noch nicht geschlossen

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werden konnte, billig bezweifeln. Kaiser Karl IV. und Herzog Albrecht II. starben dann darüber hinweg (1378 und bezw. 1379), und Karls Sohn Wenzel ging später auf das Anerbieten des Giovanni Galeazzo Visconti, seine Erbtochter Valentine dem Herzog Johann von Görlitz zu vermählen, lebhaft ein. Als der italienische Fürst aber endlich (1385?) die Verhandlungen abbrach, inzwischen auch seine Tochter schon anderweitig verlobt hatte, kam man auf die Vertrage zwischen Kaiser Karl und Herzog Albrecht II. zurück. Am 10. Febr. 1388 fand die Hochzeit des Herzogs Johann von Görlitz mit der Schwedischen Prinzessin (zu Prag?) statt. 1394 war noch König Albrechts von Schweden Tochter Herzogin von Görlitz (Hanserec. IV, 226), am 1. März 1396 ward sie Wittwe . Die relicta quondam ducis Gorlicenzis et de Lausitz wohnte 1400 noch einer Krönung in Prag bei. Ihr Todestag ist unbekannt, auch ihre Begräbnißstätte; doch vielleicht ruht sie im Dom zu Prag, wo ein Mitglied des mecklenburgischen Fürstenhauses bestattet sein soll. - S. über sie R. Gelbe: Herzog Johann von Görlitz, im Neuen Lausitz. Magazin Bd. 59, S. 1 f., namentlich S. 22 - 29, auch S. 133. In Urkunden scheint ihr Name nicht vorzukommen; Chemnitz nennt sie nach ungenannter Quelle Richardis (wie auch ihre Mutter hieß). Von ihrer jüngeren oder älteren Schwester (oder Schwestern) hören wir nach 1376 nichts mehr.

d Albrecht V. - [König Albrecht] sibi dominam Agnem - vxorem accepit, de qua vnum filium nomine Albertum procreauit. Dieser Sohn zweiter Ehe ist frühestens Ende 1396, wahrscheinlich aber 1397, geboren; er war beim Tode des Vaters also noch unmündig und Stand in Gemäßheit eines Abkommens mit Johann IV. vom 28. Juli (Pantal.) 1412 unter Vormundschaft seiner Mutter bis zur Mündigkeit (1415 oder 16), regierte dann selbständig und seit 1422 auch als Vormund der von seinem Vetter Johann IV. hinterlassenen Söhne. Er starb jedoch schon 1423, und zwar zwischen dem 1. Juni und dem December; am 6. Decbr. lebte er sicher nicht mehr (s. u.) - Es irrt also der Fortsetzer der Detmarschen Chronik im Jahre, wenn er z. J. 1324 berichtet: In deme suluen yare starff hertich Albert van Mekelenborch unde wart begraven in deme clostere Doberan. (Desgl. auch Rufus und Korner.)

Gemahlinnen. Am 19. Juni 1413 (zu Perleberg) ward Albrecht V. unter Vermittelung Herzog Ulrichs I. von Stargard durch seine Mutter, die Königin Agnes, verlobt mit Cäcilie, der zweiten Tochter des Burggrafen Friedrich zu Nürnberg, damals

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Verwesers der Mark Brandenburg. Das Beilager sollte in drei Jahren gehalten werden, ist aber nicht erfolgt. Vielmehr ward Cäcilie 1423 mit dem Herzog Wilhelm d. ä. von Braunschweig=Calenberg vermählt, aber in demselben Jahre Albrecht V. mit deren Schwester Margarete (welche 1413, am 19. Nov., mit Wartislav, Sohn Wartislavs VIII. von Pommern(=Barth), verlobt war, diesen Bräutigam aber bald durch den Tod verloren hatte). Bei der Verlobung Margaretens mit Albrecht am 5. Febr. (Dorothee) 1423 zu Perleberg (Riedel, Cod. B III, 439) war die Hochzeitsfeier vor Pfingsten, zu Tangermünde, festgesetzt und ist dann Pfingsten (23. Mai) dort gefeiert. (Vnde de brutlacht ward geholden bynnen Angermunde in der gegenwordicheit veler vorsten vnde heren. Rufus z. J. 1423.) Am Hochzeitstage wies der Kurfürst Friedrich I. in Gemäßheit des Ehevertrages seinem Schwiegersohne Dömitz und Gorlosen erblich zu. (Das. S. 449.) Am 1. Juni (des dinxstages na Trinitatis) befand sich das junge Paar schon in Meklenburg, zu Wittenburg; hier verschrieb an diesem Tage (Riedel S. 449) Albrechte, von gotes gnaden der reiche Sweden vnd Norde(r)gen ware erfname, herczog czu Mekelburg, gref czu Swerin, czu Rostock vnd Stargarde der lande here, - - frawen Margarete, herczoginn czu Mekelburg - -, vnser lieben husfrawen, ihr Leibgedinge. - Margarete ward aber, wie bereits oben erwähnt, schon bald hernach Wittwe . Da Meinungsverschiedenheiten wegen des auszukehrenden Witthums entstanden, wurden solche 1423, Nicolai (6. Dec.), zu Perleberg verglichen (Riedel a. v. O. S 456). - Etwa 15 Jahre später (1. Nov. 1438 nach v. Behr) ging Margarete eine zweite Ehe ein mit Ludwig VIII. (dem Buckligen) von Baiern=Ingolstadt, ward 1445 abermals Wittwe und Vermählte sich noch zum 3. Mal mit Martin von Wallenfels. Als ihr Todestag wird der 27. Juli 1465 angegeben. S. Cohn, Stammtafeln, Taf. 74.

C. Die Kinder des Herzogs Magnus I. Geneal. Dob. cont.: Magnus - vnum filium dominum Johannem et vnicam fliam Eufemiam - reliquerat. Mehr Kinder nennen auch die Urkunden nicht und kennen auch die Chronikenschreiber nicht.

a. Johann IV. Succedirte 1384 seinem Vater, stand aber 1388, 17. Dec., noch unter Vormundschaft Albrechts III.; sed quoniam ipsi patrui Albertus rex et Johannes dux in preessendo terre concordare minime valuerunt, tam Magnopolensem et Rozstoccensem terras quam comeciam Zwerinensem inter se diniserunt. Nach des Königs Tod († 1412) regierte Johann mit Albrecht V. -

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Ueber Johanns IV. Tod berichtet der Sogen. Rufus erst z. J. 1423: Do starf ok hertich Johan van Mekelenborch in sunte Gallen dage (= 16. Oct.) uppe deme slote to Zwerin; und ebenso giebt Slaggheit Fol. 168 b das Jahr 1423; nach Marschalck VII, 5 starb aber Johann schon anno miliesimo quadringentesimo secundo, und er hat darin Recht. Denn Rufus setzt Johanns IV. Tod ebenso wie Albrechts V. um ein Jahr zu spät an. Aber der Jahrestag wird richtig sein. Denn am 18. Oct. (Luce) 1422 finden wir schon Albrecht V. als Vormund für Johanns IV. Kinder in einer Konfirmation von Bede aus Satow für das Kloster Doberan. Auch beurkundete am 9. April 1430 und 22. April 1431 (Lisch, Mkl. Urk., Bd. II, S. 188 und 196) das Kloster Neukloster eine Vicarienstiftung, welche dort gemacht war von der Herzogin Katharine, ihr zum HEIL und ihren beiden Söhnen Heinrich (IV.) und Johann (V.), ferner ,"vnseme gnädigen heren hertige Johanne (IV.) van Mekelenborch, deme de almechtige god gnedich vnde barmhertich zy, allen Mekelenborgeschen, Sasschen heren vnde vrowen, de in gode vorstornen sy e n =; ok schole wy vnde willen alle iar an sunte Gallen daghe des auendes tovoren mit vigilien vnde des morghens mit selmissen desse ergescreuen heren vnde vrowen bogha ] en - -. Den Gallen=Tag wählte die Herzogin wohl, weil er der Todestag ihres Gemahls war.

Gemahlinnen. 1) Jutta. Geneal. Dob. contin.: Johannes vero, filins ducis Magni, ad viriles annos perueniens recepit vxorem filiam Ottonis comitis de Hoya, de qua filium Magnum cum filiabus generauit. Unter Vermittelung König Albrechts von Schweden und Herzog Bernhards von Braunschweig=Lüneburg ward zu Boizenburg am 15. December 1398 von Otto, Grafen von Hoya und Bruchhausen, versprochen: To deme ersten, dat we willen vnde schullen dem vorgenanten hertogen Johanne (IV.) geuen vnse dochter junchurowen Ju e tten to der ee, vnde he wel vnde schal se nemen to der ee, vnde we willen vnde schollen öm vnse dochter vorbenant to hu e s bringen to Swerin verteyn dage na sunte Michaelis dage un neygist tokomende; allein der Termin ward nicht eingehalten, sondern am 25. Juli 1399 gelobte Graf Otto von Hoya abermals, er wolle dem Herzog Johann (IV.) vnsse dochter bringhen vnde by em tho bedde lecghen des sundaghes an dem vastelauende nv neghest thokomende tho Zwerin. Da weitere Verträge nicht vorliegen, wird also die Hochzeit wohl am Sonntag Estomihi (28. Febr.) 1400 zu Schwerin stattgefunden haben. Am 24. Februar (in sunte

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Mathies dage, des hilgen apostoles) 1405 verschrieben König Albrecht III. und Herzog Johann IV. vrowen Jutten, vnserleuen husvrowen vnd vedderken, to enem rechten liffgedinge Land und Stadt Grevesmühlen. Die beiden Herzoge gelobten dies Jutta selbst, ihrem Vater, ihren Brüdern vnde heren hern Bernde vnde hern Hinrike eren omen, hertogen to Brunswick vnde to Lunenborch. Sie war nämlich, wie sich weiter unten zeigen wird, eine Tochter des Grafen Otto III. von Hoya aus dessen zweiter Ehe mit Mechthild, der Tochter des Herzogs Magnus II. mit der Kette von Braunschweig (nicht aus der ersten Ehe mit Adelheid, wie v. Hodenberg, Hoyer U.=B. 1, S. 352, vermuthet; denn sonst wäre sie nicht im 2. Grade mit Johanns IV. 2. Gemahlin Katharine verwandt gewesen). Chemnitz berichtet ganz bestimmt (ob nach dem zu seiner Zeit etwa noch vorhandenen Grabsteine?) z. Z. 1415: "Im selbigen jahr ist Fraw Jutta, geborne Gräfin zur Hoye, Hertzog Johansen zu Meklenburg gemahlin, todes verfahren und zu Schwerin begraben worden." Nach dem Wienhauser Todtenbuch starb Marci p. (am 7. Oct.) nobilis dna. Jutta, de Meklingeborch duxissa.

2) Zum andern Mal vermählte sich Johann IV. mit Katharine, Tochter Herzog Erichs IV. von Sachsen=Lauenburg und seit 1414 Wittwe Johanns VII. von Werle=Güstrow (S. d.). (Erat relicta dni. Johannis de Werle principis, cujus fratres Balthasar, Wilhelmus, sagt Krantz, Wand.X, 25) - Rufus berichtet z. J. 1416: Dosulves ok hertich Johan van Mekelenborch nam Catherinen, hertich Erikes (V.) suster van Lovenborch, de em tohorde in deme drudden lede, unde darumme dogede he des pawes ban lange tyd mit syner vrouwen. To dem lesten leet de pawes to dat echte gnedilikin unde losede se beyde uthe deme banne. (Ebenso der lateinische Korner, Eccard II, 1220.) Dieser Bericht ist nicht genau; Johann und Katharine waren nicht im 3. Grade mit einander verwandt. Sie hatten, scientes se aliquo affinitatis gradu fore conjunctos, sed tamen, in quo specialiter gradu essent conjuncti, ac prohibitionem ecclesie ignorantes, die Ehe vollzogen. Tandem ad eorum deuenit notitiam, quod quondam Jutta, altera ipsius Johannis - vxor, dum uiueret, predigte Katherine secundo erat consanguinitatis gradu conjuncta. (Johanns Frauen waren beide Enkelinnen des Herzogs Magnus mit der Kette von Braunschweig.) Um aus dem dadurch verwirkten Bann zu kommen und ihre Ehe legitimiert zu sehen, brachten sie ein Mandat des Jordanus episcopus Albanensis aus, datiert Constanz 19. März (XIIII. kl. Aprilis),

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1417, an den Bischof (Heinrich) von Schwerin, das Fürstenpaar vom Banne zu lösen und die Ehe zu legitimieren; doch geschah dies erst im August 1418 1 ), nachdem inzwischen der neu erwählte Papst Martin V. am 17. März 1418 ein ähnliches Mandat an Bischof Heinrich erlassen hatte. - Während der Minderjährigkeit ihrer Söhne führte Katharine die Regentschaft ( 1436). Ihre letzte eigene Urkunde, so viel mir bekannt, ist datiert von 1448, Dienstag nach Margareten (23. Juli). Nach Rudloff hat sie noch am 18. November desselben Jahres gelebt (nach einer Urkunde?).

b. Euphemia. Diese, soviel wir wissen, einzige Tochter des Herzogs Magnus, ward (s. o. S. 185) zunächst 1376 als Braut des Markgrafen Johann, Herzogs zu Görlitz, ins Auge gefaßt; allein ihrer Cousine ward der Vorzug gegeben. Sie selbst wurde inzwischen schon am 21. Januar (Agneten) 1378 aufs Neue verlobt mit Herzog Erich V. von Sachsen=Lauenburg. Erich IV. gelobte an diesem Tage dem Herzog Albrecht II. von Meklenburg, hertogen Hinrike vnd hertogen Mangnus, sinen sonen, dat vse sone Eryk schal nemen vses vorbenomeden omes hertoghen Mangnus dochter, gheheten Eufemya, thu eynem elyken wiue. Wan se veerteyn jare olt is, so scollen vnde willen vse vorbenomeden ome desser vorbenomeden Eufemygen, hertoghen Magnus dochter, thu medegaue geuen etc. - Allein auch diese Ehe ist nie vollzogen; vielmehr nahm Erich V. die Wittwe Herzog Albrechts IV. später (um 1404) zur Gemahlin (s. o. S. 183). Seine ehemalige Braut, iuncvrouwe Offemye, des hertogen Magnus dochter, war aber damals bereits die Gemahlin des Fürsten Balthasar von Werle=Güstrow, mit dem sie am 18. October 1397 zu Schwan verlobt war. (S. Tafel IV.)



1) Nach dem vorliegenden Notariats=Instrument, welchem der päpstliche Brief vom 17. März 1418 inseriert ist, datiert: anno dni. millesimo quadringentesimo decimo septimo! die solis XVI a . mensis Augusti. Der 16. August fiel weder 1417 noch 1418 auf einen Sonntag. Wahrscheinlich ist dies Instrument erst nach Jahren angefertigt.
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XI. Generation.

Die Kinder Johanns IV.

1) Erster Ehe. - Contin. geneal. Dob. (S. 24): Johannes vero, filius ducis Magni, - recepit vxorem filiam Ottonis comitis de Hoya, de qua filium Magnum cum filiabus generauit. - Desgleichen Marschalck VII, 5: Joannes Magni filius Juditam duxit, filiam Otonis comitis de Hoja, e qua Magnum suscepit, qui breui in fata concessit, Suerini tumulatus, filias insuper aliquot.

a. Magnus kann frühestens Ende 1400 geboren sein. In den Urkunden kommt er uns nur am 27. December 1408 [1409, an sunte Johannis evangeliste daghe yn deme winachten] zu Gesicht, in dem Lehnrevers über Putlitz, welchen "Jaspar geheten Ghans" - "hern Albrecht, der Sweden vnd der Gothen konige, und hern Johan, hertogen to Meklenborg, greven to Zwerin, to Stargarde und to Rostock hern, hertogen Albrechte und hertogen Magnus, eren sonen", ertheilte. In diesem Briefe werden diese Herzoge (auch Magnus) in gleicher Weise 5mal genannt, desgl. in dem Zeugniß der Stadt Putlitz über diese Belehnung von demselben Tage. (Riedel, Cod. A. I, S. 307, 308.) Viel länger wird Magnus auch nicht gelebt haben, da ihn sonst der Vater in seinen Urkunden gewiß erwähnt hätte. Seiner Schwestern wird in Urkunden nie gedacht; doch s. Generation XII, unter Katharine.

2) Zweiter Ehe. Töchter sind auch aus der zweiten Ehe nicht bekannt, dagegen aus sehr zahlreichen Urkunden die beiden Söhne Heinrich IV. und Johann V.

b. Heinrich IV., wegen seines gleichnamigen, etwas älteren Vetters von Stargard gewöhnlich "der jüngere" zubenannt, wegen seiner Fettleibigkeit später auch Pinguis, de Bukede. - Heinrich IV. wird 1417, Johann V. 1418 geboren sein; sie standen unter der (von Kaiser Sigismund 1432 bestätigten) mütterlichen Vormundschaft bis 1436, regierten dann (sicher schon 27. September 1436) selbständig erbten mit den stargardischen Vettern das durch des Fürsten Wilhelm Tod (7. Sept. 1436) erledigte Fürstenthum Wenden; und als durch Ulrichs II. von Stargard Ableben 1471 auch der Stargardische Landestheil an Heinrich IV. fiel, kam dieser zuerst in den Besitz der gesamten mecklenburgischen Lande

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(mit Einschluß der Grafschaft Schwerin) und konnte mit vollstem Recht nun den Titel führen: Herzog zu Meklenburg, Fürst zu Wenden, Graf zu Schwerin, der Lande Rostock und Stargard Herr, den er aber auch schon vor dem Heimfall Stargards geführt hat. Die Lüb. Chronik berichtet z. J. 1477: In desseme sulven jare starf hertich Hinrik van Mekelenborch unde ward begraven in deme closter Dobberan van sunte Berndes orden. - 1477, am 24. Febr. (Mathie), gab Herzog Heinrich IV. noch eine Urkunde (über Verpfändung von Bede aus Timmendorf). Dadurch wird eine aus dem Kloster Doberan stammende Aufzeichnung (aus der Mitte des 16. Jahrh.), wonach der Herzog am 6. Februar jenes Jahres schon gestorben sein soll, widerlegt. Die übliche Angabe, sein Todestag sei der 19. März 1477, geht wohl zurück auf Marschalck VII, 7: mortuus anno millesimo quadringentesimo nonagesimo primo, cuius ante conjunx septuagesimo fera septimo, ad calendas Apriles decimum quartum (= 19. März) =, wo M. obenein die Todesjahre Heinrichs IV. und seiner Gemahlin verwechselt! - Diesen konfusen Angaben steht bestimmt gegenüber das Verzeichniß fürstlicher Lebensdaten von 1477 1524 im Hauptarchiv zu Schwerin (s. oben S. 118), welches beginnt: "Amme iare dusent iiiic lxxvij, vp den sondach Oculi, starff in godt den heren hertzog Henrich, H. tho Meklenborch etc. Oculi siel i. J. 1477 auf den 9. März. Dazu stimmt dann auch die Nachricht aus Doberan, daß der Herzog dort die Gregorii (12. März) bestattet worden sei.

Gemahlin: Dorothea. schon am 6. December 1423, auf der S. 187 erwähnten Tagfahrt zu Perleberg, wurde zwischen dem Markgrafen Friedrich I. von Brandenburg und der Herzogin Katharine v. M. die Eheberedung getroffen, daß seine Tochter Dorothea (die am 9. Februar 1420 geboren sein soll) nach acht Jahren mit Herzog Heinrich IV., oder wenn dieser vor der Hochzeit stürbe, mit dessen Bruder Johann V. vermählt werden sollte, und am 24. November 1427 (zu Perleberg) ward dieser Ehevertrag bestätigt. Nach neuen Verhandlungen ebendaselbst am 10. Mai 1429 [Riedel, Cod. B. III, 491] sollte das Beilager nach 3 Jahren gefeiert werden, doch ist die Ehe wohl nicht vor (1435 oder) 1436 vollzogen. - Dorothea überlebte ihren Gemahl ziemlich lange. Ihr Todesjahr ist unzweifelhaft 1491; nicht nur bei Marschalck und (klarer) in den oben angeführten Daten v. 1477 1524 findet es sich; sondern auch auf dem von Lisch in Jahrb. III B, S. 135, genau beschriebenen Grabstein der Herzogin in der Marien=Kapelle zu Gadebusch lautet die Umschrift:

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in . pfesto fabiani . ø                    

Umschrift

1485, 25. Nov., sagen Magnus und Balthasar, daß ihre Mutter sick in eyn ensaem leuent gegeuen unde int kloster Rene bestediget heft, und ein Brief an ihren Sohn Magnus v. I. 1487 hat die Unterschrift: Dorothea, van gades gnaden hertoghinne to Meklenborgh, zeligenn hertich Hinrikes naghelaten wedewe, nv bogheuen suster amme closter Rene. (Jahrb. XX, S. 356.)

c. Johann V. regierte nach Ausweis zahlreicher Urkunden gemeinsam mit seinem (älteren) Bruder Heinrich IV. bis z. J. 1442. Hinrick die older (V. Stargard), Hinrick die junger (IV.) vnde Johan (V.), van godes gnaden herttogen to Mekelnborch, ertheilten nämlich am donredage aller hiligen dage (1. Novbr.) 1442 dem Lübeke Hahn das Lehn über einen Antheil an Holz=Liepen (Maltzan III, S. 137); aber am 13. Januar 1443 verpfändete schon Heinrich allein (und ohne noch seines Bruders Consens zu erwähnen) ansehnliche Hebungen; Johann wird also gegen Ende des Jahres 1442 gestorben sein. Die Lübecker Chronik und Marschalck nennen so wenig sein Todesjahr als seine Begräbnißstätte. Nach Chemnitz (der sich auf Simon Pauli beruft) ist Johann V. zu Doberan bestattet, was allerdings dem Herkommen entsprach.

Gemahlin: Anna. - Marschalck (VII, 6): Joannes, Joannis filius, conjugem duxit Annam, Casimiri ducis Sidinorum filiam, qui haud ita multo interjecto tempore uitam sine liberis cum morte commutauit, peste correptus. - Daß bei Heinrichs IV. Verlobung mit Dorothea von Brandenburg 1423 verabredet ward, aus seinen Todesfall solle sein Bruder Johann in seine Stelle als Verlobter eintreten, ist S. 192 erzählt. Aber, noch bevor die dort bestimmte Frist von 8 Jahren verflossen war, schon am 27. Mai (Tag nach Corp. Christi) 1429 traf die Herzogin Katharine zu Cummerow mit Herzog Kasimir VI. zu Stettin († 1434) eine Eheberedung wegen ihres Sohnes Herzog Johanns und seiner Tochter Anna; deren Beilager sollte Michaelis 1434 stattfinden. Doch verzögerte sich die Hochzeit; sie ist nicht, wie

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Klempin (Pomm. Stammt., S. 6 angiebt), am 17. September 1430 vollzogen. Die Verlobten waren mit einander im 3. Grade verwandt:

Stammbaum

Es ward also vor der Hochzeit die nöthige Dispensation nachgesucht und am 25. September 1435 vom Kardinal=Legaten Julian auf dem Concil zu Basel ertheilt. Das Beilager mag am 17. September 1436 gehalten sein: denn an diesem Tage verpflichtete sich Annas Bruder, Herzog Joachim, mit Bürgen, seinem Schwager, Herzog Johann von Meklenburg, den Brautschatz seiner Schwester Anna, Herzogin zu Stettin, zum 11. November 1437 zu entrichten. (Lisch, Maltzan III, S. 76.) Am 14. Mai 1447 fand Herzog Heinrich IV. Seines Bruders Johann Wittwe , Anna, für ihre Witthums=Ansprüche mit einer Verschreibung auf 6500 Rhein. Gulden, in 2 Terminen zu Demmin zahlbar, ab (Lisch, Maltzan III, S. 172); sie ist also zweifellos nach Pommern zurückgekehrt. Ihr Todestag ist uns unbekannt.


XII. Generation.

Diese wird in dem Hause Mekl.=Schwerin allein vertreten durch die Kinder Herzog Heinrichs IV. Denn die von Genealogen des 16. Jahrh. aufgeführte Anna, Tochter Johanns V., hat nie existiert; er ist, wie schon Marschalck angiebt, kinderlos verstorben. Die Gemahlin Wartislavs VI., Anna, welche die Tochter Johanns V. sein sollte (was schon der Zeit nach unmöglich anzunehmen wäre), ist vielmehr die Tochter Johanns I. von Stargard. (S. zu Tafel III, Gen. IX.)

Desgleichen schließen wir von unserer Stammtafel Ulrich aus, den unter Berufung auf Simon Paulis Genealogie Chemnitz als Heinrichs IV. ältesten, 1437 gebornen Sohn, der "in seiner blühenden Jugend den Wegk aller Weld gegangen" sei, ausführt. Von ihm tun die Urkunden und die älteren Genealogen, und namentlich auch Slagghert keine Meldung. Letzterer ist gerade über Heinrichs IV. Kinder, unter denen sich eine Aebtissin von

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Ribnitz befand, wohl unterrichtet. Er erzählt z. J. 1438, daß Herzog Heinrich IV. mit seinem Bruder Johann in Ribnitz erschienen sei, um einen Streit des Klosters mit dem Rath der Stadt zu Gunsten des Ersteren zu entscheiden, und fährt dann fort: In deme seluen iar hertich Hinrich tho Mekelenborch van siner brut vnde vorstynne froychen Dorothea, des marckgreuen dochter tho Brandenburch, heft entfangen sinen ersten ghebaren heren, also hertich Albrecht, vnde darna in siner tydt de anderen heren III:

Johan natus est 1439,
Magnus 1441,
Balthasar 1451,
Katherina 1444,
Anna 1447,
Elyzabeth 1449.

Diese Angaben beruhen höchst wahrscheinlich auf einer Aufzeichnung im Kloster aus der Zeit der Aebtissin Elisabeth. Indem wir uns denselben anschließen, behandeln wir diese Geschwister in folgender Reihe: a. Albrecht, b. Johann, c. Magnus, d. Katharina, e. Anna, f. Elisabeth, g. Balthasar.

a. Albrecht VI., geb. 1438, in seines Vaters Vertrag mit Lübeck 1451 wohl zuerst genannt, dann als consentirend 1456, 10. Nov., und fortan immer mehr an des Vaters Regierung theilnehmend. 1464 empfing er mit seinem Bruder Johann zum Unterhalte vom Vater die Vogteien Güstrow, Plau, Lage und Stavenhagen, zunächst auf 6 Jahre. 1477 succedirte er dem Vater in Gemeinschaft mit seinem Bruder Magnus. Nachdem aber Balthasar 1479 in den weltlichen Stand zurückgetreten war (s. u.), vermittelte die Mutter 13. Jan. 1480 den Theilungsvertrag, wonach Albrecht VI. das Fürstenthum Wenden (nur Stadt Waren, Stadt und Land Penzlin, Kl. Broda, Röbel, Stadt und Land, und Bede und Vogtei zu Wredenhagen ausgenommen) empfing, Magnus und Balthasar aber zu gesamter Hand alle übrigen mecklenburgischen Lande. Dieser Vertrag ist jedoch schon nach 3 Jahren durch den Tod Albrechts VI., dessen Ehe unbeerbt war, hinfällig geworden. "Amme jare des Heren M. iiij c lxxxiij, des sondages Inuocauit [= 16. Febr.] starff h. Albert", berichten die oben erwähnten Daten von 1477 - 1524. Das Jahr 1483 giebt auch Marschalck. - Am 27. April 1483 nahmen Magnus und Balthasar schon Besitz von dem durch des Bruders Tod erledigten Fürstenthum Wenden. - Albrecht VI. ist im Dom zu Güstrow begraben.

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Gemahlin: Katharina. Im Frühling 1466 wurden erfolglose Verhandlungen über eine Vermählung Albrechts mit der Gräfin Elisabeth von Württemberg (Schwester Eberhards I. von Württemberg und Mömpelgard, also Tochter Ludwigs) geführt. Am 9. October 1466 erklärten die Grafen Johann und Jakob (Albrechts III. Söhne) von Lindow=Ruppin dem Herzog Heinrich IV. ihre Bereitwilligkeit, ihre Schwester Katharine mit Albrecht VI. zu verloben, und schlugen dazu Unterhandlungen zu Wittstock auf den 15. October vor. Um Ostern 1468 unterzeichnete Katharine einen Brief bereits als Herzogin von Meklenburg. - Sie überlebte ihren Gemahl. 17. Mai 1483 (nach dode des hochgebornen fursten hern Albrechts zeliger in godt vorstornen) verschrieben ihr, da sie in ihre Heimath zurückzukehren vorzog, Magnus und Balthasar noch einen Nachstand ihrer Leibzucht. Allein sie kam bald wieder nach Meklenburg; am 1. November 1483 gab sie bereits einen Revers wegen des empfangenen Witthumsamtes Goldberg. Am 10. September 1485 war das "lautgeruchte" von ihrem Tode schon bis Dessau gedrungen; ihre Brüder Waldemar und Sigismund erkundigten sich damals, ob es wahr esi. 1489 und 1491 ward noch über die Zurückgabe ihres Brautschatzes verhandelt. (S. Lisch, Jahrb. XXIII, 59.)

b. Johann, geb. 1439, wird zuerst in seines Vaters Vertrag mit Lübeck v. I. 1451 erwähnt, giebt einen Consens 10. November 1456, begegnet uns hernach noch oft in seines Vater Urkunden; 1464 wird er mit seinem Bruder Albrecht gemeinschaftlich apanagirt mit mehreren Aemtern (s. oben S. 195). Bei einer Zusammenkunft der Herzoge Heinrich IV. und seiner Söhne Albrecht, Johann und Magnus mit den pommerschen Herzogen Erich II. und Wartislav am 22. April (mydweken vor Kantate) 1472 ward eine Ehe verabredet zwischen Herzog Johann und fronweken Sophien, hertoginnen to Stetin etc., hertogh Erickes dochter, vnde hiirvp, heißt es in den darüber aufgesetzten Punctationen am Schlusse, is dat genante vrouweken hertogen Johanne tor ee amme hilgen echte in der parrekerke to Demyn vorbenomet vortruwet. (Lisch, Maltzan III, 381.] Am 1. Juli 1472 ward dann vor der Fähre bei Tribsees auf einer Zusammenkunft ein feierlicher Ehepact aufgesetzt, nach welchem das Beilager nach 2 Jahren stattfinden sollte. Allein dieses hat Herzog Johann nicht mehr erlebt. Zuletzt finden wir ihn in Meklenburg anwesend zu Neubrandenburg am 20. Mai 1474. Marschalck weiß nicht, wann er gestorben ist; er sagt (VII, 7): quem (Albertum) mox sequutus (!) Joannes, peste absumptus. Dagegen meldet Slagghert Fol. 170 b : Hertich

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Johan, de ander sone (Heinrichs IV.), reysede tho deme hilgen graue na Jerusalem; men nicht he ys wedder tho hus ghekamen. Latomus berichtet (v. Westph. IV, 403) z. J. 1474: "Auch ist im selbigen Jahr - Hertzog Johan der Bräutigam zu Chur" (d. i. Curia, Hos) "im Franckenland an der Rest gestorben." Ausführlicher Chemnitz: "Nach diesem hat Hertzog Johans zu Meklenburg ihm vorgenommen, seiner Fraw Mutter brudern Kurfürst Albrechten, Marckgraffen zu Brandenburg, in Franckenland zu besuchen; wie er aber in der Stadt Kulmbach angelangt, ist er daselbst mit der Pest befallen, daran im 35. Jahr seines alters gestorben, und ist hernach zum Hoff im Voigtland in S. Klaren Kloster begraben worden." (Er beruft sich dabei auf Marschalck VII, 7(?), Latomus, Reusner, Henning und Simon Pauli in geneal.). - Meine Anfrage in Hof ist leider erfolglos geblieben.

c. Magnus II., geb. 1441, seit 1456 immer häufiger in seines Vaters Urkunden genannt, succedirt dem Vater 1477 mit Albrecht VI. zunächst gemeinschaftlich, nach dem Landestheilungsvertrag v. I. 1480 regiert er in Gemeinschaft mit Balthasar die mecklenburgischen Lande außer der Herrschaft Wenden (s. oben S. 195), und seit Albrechts Tod 1483 auch diese, bis an seinen Tod im Jahre 1503. "M v c iij, amme auende Marien tempelofieringe (= 20. Nov.) starf H. Magnus", sagen die schon mehrfach angezogenen Daten von 1477 - 1524. Denselben Todestag giebt auch Slagghert Fol. 182, 1503: Magnus - an deme auende presentacionis Marie hefft gade van hemmel ofiert synen gheyst vnde vorlaten desse vorgenlyke werlt, de tho der erden ys bestediget - in dat closter tho Dubberan by sine oltvedere vnde heren. Desgl. Andere. Dagegen sagt Marschalck VII, 8 (wohl in Folge falscher Berechnung) von Magnus: Obiit uero diem - anno a natali Christiano millesimo quingentesimo tercio, X. Calendas decembres (= 22. Nov.), Doberani tumulatus. - Ueber die Todesursache s. jetzt Krause in Jahrb. XLVII, S. 143 f.

Gemahlin: Sophie. Magnus Henrici filius - Sophiam duxit, Erici Sidinorum ducis filiam, uirginem speciosissimam etc., berichtet Marschalck VII, 8 ganz richtig, irrig aber Slagghert fol. 170 b : Hertich Magnus - heft ghenamen vor syne vorstynne dat froychen tho Pameren froychen Sophia, hertich Bugslaffes dochter. Doch dochter ist nur ein Schreibfehler statt suster. Denn Fol. 179 b erzählt er (z. J. 1474!) Hertich Magnus tho Mekelenborch - heft ene vorstynne syck laten vortruwen -, froychen Zophia, des - vorsten hertich Eryckes tho Pameren

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dochter vnde hertich Bugslaff suster. Beiden ist es unbekannt, daß Magnus die von seinem Bruder Johann hinterlassene Braut zur Gemahlin nahm. Sie wurde von ihrer Mutter Sophie und ihrem Bruder Bogislav X. zu Anklam am 21. Mai (Dienst. nach Vocem joc.) 1476 mit Magnus verlobt; die Ehe sollte 14 Tage vor oder nach Michaelis d. I. zu Stettin vollzogen werden. (Lisch, Maltzan IV, 3.) Ihr Beilager ward aber nach der Pomerania II., 178 zu Anklam am 24. Mai (sontags nach corporis Christi), nach der gleichzeitigen Aufzeichnung in den Annal. acad. Grypesw. aber am 29. Mai 1478 begangen. Slagghert meldet dagegen freilich Fol. 179 b im Anschluß an die eben angeführten Worte: welker koste to Stetin vnde hochtydt sin in groter erwerdicheyt vullen gebracht bynnen Stettin vp deme haue myt haueren, steken vnde breken (ohne Zeitangabe), aber er irrt im Orte. Denn zu Anklam verschrieb Magnus am 5. Juni (Bonifatii mart.) 1478 seiner Gemahlin ihr Leibgedinge (Lisch, Maltzan IV, 51). - Von dem von ihr nach Johanns Tode geleisteten Gelübde ewiger Jungfrauschaft ward Sophie nachträglich durch Papst Junocenz VIII. losgesprochen (laut Anzeige des Kardinal - Diakonen Franciscus d. d. Rom 3. April 1486 ) gegen die Verpflichtung, quod Excellentia uestra loco penitentie quolibet anno tres pauperes amore dei de panno lane albe in memoriam beate Marie virgnis uestire teneatur. - Die ofterwähnten Daten v. 1477 - 1524 berichten: "M v c iiij, amme daghe Marci Evangeliste, starff Sophia, gemael H. Magni", also am 25.April. Ebenso Slagghert fol. 183: Anno M. d. iiij, an deme dage Marci froychen Sophia, hertich Magnus tho Mekelenborch naghelaten forstynne =, ys in got den heren gestoruen vnde begrauen tho der Wysmer bv den broderen sunte Dominicus orden vor deme hogen altar in enem vorhauen graue. Darvp licht eyn gaten missinges sten mit enem greten, schonen bylde na er gebildet, myt erem wapen. - Diese Grabplatte, welche in Wismar noch vorhanden ist, vor einigen Jahren aber, da die Kirche der Dominikaner abgebrochen werden mußte und der Chor zu einem Turnsaal für die anstoßende Schule umgewandelt ward, mit sehr geringen Resten von den Gebeinen der Herzogin in die St. Marienkirche übertragen wurde, stimmt nun aber nicht zu den obigen, merkwürdig übereinstimmenden Angaben über den Todestag der Herzogin. Denn die Umschrift (abgedruckt bei Lisch, Jb. XXIII, S. 66) giebt ausdrücklich vefteinhundert vnd im verden iare, am fridaghe na Misericordias domini als Sophiens Todestag, v. i. den 26. April. Es ist möglich, daß die Herzogin in der Nacht vom 25. zum 26. April

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entschlafen ist. Im Notificationsschreiben an den Kurfürsten Joachim von Brandenburg war auch der "freytag", also der 26. April, als der Todestag bezeichnet. - Ihre Kinder s. auf Tafel VII.

d. Katharine. Nach Slagghert fol. 170 war sie geboren 1444. Derselbe erzählt weiter von ihr: Froychen Katherina was in eynem juncfrowen=closter werlick vmme ghestlyker tu e cht wyllen vnde gude sede tho leren, vnde do se vij iar olt was, wyl se van ener treppen, darvan se starff. - Eine bei Lisch, Jahrb. XV, S. 300, angezogene Gadebuscher Amtsrechnung von Ostern bis Michaelis 1452 (1352 ist bei ihm ein Druckfehler) enthält nun aber die Nachricht: Eine halue last beres quam to Rene, do dat vroychen beghan wart. Lisch bezieht dieses Begängniß nicht ohne Wahrscheinlichkeit auf Katharine, weil deren Mutter, die Herzogin Dorothea, später gerade in dieses Kloster ging; Slagghert hätte Katharinens Alter dann um 1 Jahr zu geringe angegeben. Allein es ist auch nicht undenkbar, daß eine von den uns ganz unbekannten Stiefschwestern Heinrichs IV. (s. o. S. 191) als Nonne zu Rehna gelebt und dort im Sommer 1452 ihre Tage beschlossen hat.

e. Anna ist 1447 geboren nach Slagghert fol. 170 b , der dort weiter berichtet: Frovchen Anna was vortruwet hertich Buggeslaf, deme vorsten tho Stettin; men er de tydt des haues quam, dat de vorste scholde nemen syne brut, ys se ghestoruen, und zawr am 7. September 1464 nach der Umschrift ihres Grabsteins in der Kirche zu Doberan (beschrieben in Jahrbuch IX, S. 432):. Anno dni. m° cccc°. lx°. iiii° in profesto natiuitatis gloriose uirginis Marie, obiit illustris virgo Anna, - Hinrici quondam ducis Magnopolensis etc. filia, =.

f. Elisabeth iit 1449, und zwar 16./18. September, geboren. Denn Slagghert berichtet z. J. 1454 (fol. 173): Hertich Hinrick tho Mekelenborch, greue to Zwerin etc. - des achten dages" der bort Marien (= 15. Sept.), vp den snndach, heft syne dochter froyken Elyzabeth, de noch nicht olt was v jar, laten kleden (zu Ribnitz) - in iegenwardicheyt hertich Plinrick tho M. vnd Dorothea, sine vorstynne, myt den jungen heren, also hertich Albrecht, hertich Johan vnde hertich Magnus, broder des froychen, de gededet wart, - -. Anno 1461, des mandages in deme pasken (6. April froychen Hedewyg. de abdyske, heft froychen Elyzabeth ghenamen tho deme hyl. gen horsam (Das. fol. 175). - Fol. 178: Anno 1467, des negesten

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dages na der entfangige Francisci siner hilgen vyf vunden (= 18. Sept.) - ys ghekaren endrechtlyken van allen susteren - in ene moder vnde abdiske desses closters froychen Elyzabet van Mekelenborch, eyn suster hertieh Magnus =, do se olt was xviii jar -. Fol. 86b: Froychen Elizabet, hertich Magnus vnde Balthazar suster, do se nu abdiske hadde ghewest in dat xxvj. jar, vmme veler orsake wyllen, de duchtiger sint tho vorswigen also tho scriuen, ys se vorlaten van den susteren vnde hebben se nicht mer holden vor ene abdiske ofte er behorsam gheweset na der tydt (1492; doch Ward noch keine neue Aebtissin erwählt bis 1498). - Fol. 183, z. J. 1506 frychen vnde suster Elizabeth, hertich Magnus vnde Balthasar suster, eyn abdiske thovoren gheweset bauen xxvj jar, in deme dage Siluerii des pawes vnde mertelers (= 20. Juni) - ys ghestoruen vnd begrauen na wanheyt des ordens tho Ribbenitz.

g. Balthasar, geb. 1451, postulirter Administrator des Stifts Hildesheim (1471 - 1474) und des Stifts Schwerin 1474, resignierte hier 1479 (am Dingstage vor lutke Vastelauendt), trat in den weltlichen Stand zurück, regierte seit 1480 (dem Namen nach) mit Magnus über alle mekl. Lande außer Albrechts Antheil, seit dessen Tod auch über diesen (s. S. 197), seit Magnus Tod 1503 mit dessen Söhnen, jedoch ohne regen Antheil zu nehmen, † 1507 am 16. März, Dienstag nach Lätare, wie Herzog Heinrich V. seinem Bruder Albrecht VII. meldet, oder, wie Slagghert berichtet, an deme auende Gertrudis (= 16. März), tho de Wysmer vp deme Mekelenborge[r] haue, vnde thu Dubberan myt groter erwerdicheyt begrauen. Dagegen berichten die Daten von 1477 - 1524: m v c vij starff h. Baltazar thor Wismar anme daghe Gertrudis (= 17. März); sie weichen also wieder um einen Tag ab. Sicher ungenau meldet Marschalck (VII, 9): ad nonas Martias (= 7. März).

Gemahlin. Margarte, Tochter des Herzogs Erich II. von Pommern (Schwester Sophiens, der Gem. Hzg. Magnus II.) ward von ihrem Bruder Bogislav X. mit Balthasar verlobt am Sonntag vor Martini (7. Nov.) 1484; das Beilager ward auf Bartholomäi (24. August) 1485 festgesetzt, aber nicht gehalten; am 24. Juni 1487 versprach dann aber Herr Bogislav, daß es im bevorstehenden Herbst unfehlbar stattfinden solle. - Die Ehe blieb kinderlos. - Margarete starb 1526, 27. März. Slagghert fol. 194 b , z. J. 1526: An deme dinxtedage na palmarum (= 27. März)


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vs in got den heren vorscheden de hochghebaren vorstynne frowe Margareta =, ene vorstynne szelygher dechtnisse heren hertich Balthasar tho M. Bograuen tho der Wysmer in dat swarte closter preddeker ordens (bei ihrer Schwester). - Die Todesangabe: 27. März 1525 in neueren Stammtafeln ist unrichtig; Margarete war noch am Dienstag vor Michaelis 1525 mit Herzog Albrecht VII. und seiner Gemahlin zum Besuch in Ribnitz! (Slagghert fol. 191.)

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Stammbaum
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Zu Tafel III.

Das Haus Meklenburg=Stargard.

VIII. Generation.

Johann I., wahrscheinlich das jüngste Kind aus der zweiten Ehe des Fürsten Heinrich II. von Meklenburg, war anscheinend 1326 geboren (vgl. S. 166); denn er stand lange unter Vormundschaft und begann erst 1344 [U. 6434, B.] an der Regierung theilzunehmen und ein Siegel zu führen. Gleichzeitig mit seinem Bruder Albrecht erlangte er zu Prag am 8. Juli 1348 [U. 6860] die Herzogswürde. Bei der Landestheilung mit seinem Bruder am 25. November 1352 [U. 7679] fielen ihm die Länder Stargard, Sternberg und die Eldenburg (Lübz) mit dem Lande Ture zu [Vgl. U. 8049]. Er führte den Titel fort: Johan, van der gnade godes hertoghe tu Mekelenborch, tu Stargard vnde tu Rozstock here.

Marschalck berichtet VI, 1: Obiit vero Joannes, dux primus, anno fere millesimo trecentesimo (hier ist die Zahl der Einer ausgefallen) supra septuagesimum, Strilitii tumnlatus. Den hier angegebenen Begräbnißort bezweifelt Boll, Starg. II, 79, "da Strelitz damals noch nicht in unmittelbarem fürstlichen Besitz war"; allein für den Dom und das Domkapitel war dies doch nicht von Bedeutung. - Das Todesjahr ist sicher ganz unrichtig von Marschalck angegeben. Denn 1391, am 22. Mai, verbriefte sich noch Bischof Rudolf von Schwerin mit Herzog Johann (II.) vo e r de dorlu e chteghen vo e rsten Johan, hertoghen to Meklenborgh, unsen leunen vader, vor Vlrick vnde vor Albrechten, vnse broder - - (Boll, St. II, 324); aus dem Jahre 1392 haben wir von ihm noch ein Fürschreiben für seinen Sohn Ulrich (Riedel, Cod. A, Bd. IV, S. 77) und Urkunden vom 9. August 1392 [Rudl. II, 635 Anm.] und eine Original=Urkunde von 1392, des negesten dages na sunte Dyonisius dage (= 10. October), ausgestellt und besiegelt von: Johan de older vnde Johan de jungher, syn sone, van godes gnaden hertogen to Mekelenborch to Stargarde vnde to Rozstok heren (gedruckt bei Lisch, Behr. Urk. III. S. 95). Aber am 9. Februar 1393 regierten schon Johanns I. Söhne Johann und Ulrich (Boll, St. II, S. 327).

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Gemahlinnen: 1) Mrsch. VI, 1: [Joannes] duxit dein sororem Adoulphi, ducis (!) Cheronesi filiam, e qua suscepit Annarn, que Vratislao nupsit, Sidinorum ac Bardorum duci. Ihm folgt vermuthlich Slagghert fol. 162: des greuen dochter tho Holsten Adolphi. Aber dieser nennt auch fol. 108 unter den namen der yennen, de dyt closter (Ribnitz) hebben bedacht mvt eren mylden almissen: froychen (so nennt er alle vorstynnen) Anna, hertieh Johan vorstynne, des greuen dochter tho Holsten. Marschalcks etwas unklarer Ausdruck: sororem - filiam schadet in diesem Falle nichts, da der Zeit nach Anna nur eine Tochter des Grafen Adolf VII. von Pinneberg und Schauenburg († 1353), also eine Schwester des Grafen Adolf VIII. († 1370) gewesen sein kann. Auffallend ist allerdings, daß Anna in den Stammtafeln der Grafen von Holstein fehlt, noch auffallender aber, daß

2) Herzog Johann I., als er am 13. Januar 1358 (Riedel, Cod. A. XIII, S. 33; Jahrb. XXIII, S. 197) eine Memorienstiftung im Kloster Himmelpfort machte, ausdrücklich sagt: Desse missen scholenn sie holden tho troste vnnd tho gnadenn vnsenn oldernn vnnd all vnsenn liffhouedenn vnnd vru Ryccien, die hierbeuorne vnse leue echtghenote waß, vnnd ock vnß thor saldenn vnd vnsenn erfgenamen, vnseme broder hertoge Albrecht van Mychienborch, siner vrowenn vnnd erenn erfgenamenn - ohne dabei auch seiner Gemahlin Anna zu gedenken. Ist Ryccien kein Schreibfehler des Diplomatars (das Original ist nicht erhalten) statt Sophien, so wird man annehmen müssen, daß Rixa (aus einem unbekannten Fürstenhause) die erste (bald verstorbene) Gemahlin Johanns I. gewesen ist, und daß Anna die zweite Gemahlin war und am 13. Januar 1358 noch lebte. Da ihre Tochter Anna sich schon 1362 vermählte, muß sie selbst spätestens um 1346 Johanns I. Gemahlin geworden sein. Uebrigens wird Anna bald nach dem 13. Januar 1358 ihr Leben beschlossen haben. Denn in einer Rechnungsablage des Ritters Otto von Dewitz bei Herzog Albrecht von Meklenburg v. J. 1358 findet sich die Angabe: Item centum et XXVmr. Lub. pro dextrario, quod dns. Magnopolensis fecit auferre a duo. Ottone, quum frater domini Magnopolensis duxit suam dominam. Hiermit wird, wie schon Lisch vermuthete, ohne Zweifel hingewiesen auf Johanns I. Vermählung mit

3) Agnes. - Marschalck VI, 1 kennt nicht ihren Namen, aber ihre Herkunft (filiam comitis Rupinorum), ebenso Slagghert fol. 164. Doch steht ihr Name urkundlich fest. Agnes dei gra=

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- 206 =

cia ducissa Magnopolensis schenkte am 10. December 1361 mit Consens Johannis ducis Mangnopolensis, conthoralis nostri dilecti, der Kirche zu Lage 7 Hufen zu Deutsch=Kobrow ad perpetuas vicarias, ob salutem animarum nobilium virorum Johannis (III.) et Nicolai ejus filii (IV.), quondam domini et conthoralis nostri dilecti pie memorie († 1354), dominorum de Werle, ac patris nostri Ulrici (II.) et fratris nostri Ulrici (III.), comitum de Lindowe. (Das Original dieser bei Schröder P. M. S. 1400 gedruckten Urkunde existiert nicht mehr.) Einen zweiten Beweis für diese Verwandtschaft liefert das im Original erhaltene Testament der älteren Tochter von Agnes aus ihrer ersten Ehe, Mechthilds der Wittwe des Fürsten Lorenz von Werle=Güstrow (s. diesen Tafel IV, Gen. IX.) vom 17. December 1402, wo dieselbe einerseits ihrer Schwester (Agnes von Werle) Kinder gedenkt, andererseits vnzem leuen brodere bysscoppe Rodolpho, bysscoppe tu Zwerin, vnser sustere Constancien tu Rybbenisse, vnzen broderen, alze hertoghe Johan vnde hertoghe Vlrike - den Kindern Herzog Johanns I. v. M.=Stargard - als ihren Stiefgeschwistern, auch vnser moder suster Beaten tů Lindow Vermächtnisse ausgesetzt. Damals lebte die Herzogin Agnes selbst ohne Zweifel nicht mehr, da sie im Testamente nicht bedacht ist; wahrscheinlich ist sie schon bald nach ihrem Gemahl verstorben, wenn sie ihn überhaupt überlebt hat.


IX. Generation.

Kinder Herzog Johanns I.

Von Rixa kennen wir keine Kinder; aber aus der Ehe mit Anna von Holstein entsprang:

a. Anna. Am 4. April 1363 beurkundet zu Neubrandenburg Herzog Johann I., dat wy hebben ghegheuen hertoghe Wertzlaue dem iungen, hertoghe Barnyms sone, - vnse dochter iunchurown Annen thu der ee. Wartistav d. j. ist Wartislav VI., Barnims IV. († 1365) Sohn, seit 1377 Herzog zu Barth, † 13. Juni 1394 (Klempin).

Aus der Ehe mit Agnes von Lindow gingen, so viel wir wissen, 5 Kinder hervor:

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b. Johann II. regierte lange mit seinem Vater, nach dessen Tode aber Anfangs gemeinsam mit seinen Brüdern Ulrich I. und Albrecht, seit 1408(?) zu Sternberg, Friedland, Fürstenberg und Lychen. (Boll, St. II, 99.) - Da er von Mechthild (s. o.) als Bruder bezeichnet wird, muß er aus der letzten Ehe seines Vaters mit Agnes entsprossen sein. Nach Marsch. VI, 2 starb Johann II. anno fere millesimo quadringentesimo septimo; aber es scheint ein decimo ausgefallen zu sein. Am 7. Mai 1416 finden wir Johann II. noch zu Perleberg (Riedel, Cod. B. III, S. 252), am 6. Juli 1416 verpfändete er noch Bede aus Beseritz; dagegen am 19. März 1417 wird er schon als verstorben bezeichnet (Johanni duci Magnopolensi pie memorie, Boll, St. II, S. 367), und mit Wahrscheinlichkeit sieht Lisch (Jahrb. XXIII, 70) in dem Aussteller einer Schenkungsurkunde für Himmelpfort vom 9. October (in sunte Dionisius daghe) 1416, Johann III.; dann ist der dort erwähnte vnse lieue vader seliger dechtnus Johann II. Dessen Tod fällt hiernach also zwischen den 6. Juli und 9. October 1416. - Sein Grab fand er nach Chemnitz "zu Sternberg im Kore."

Gemahlin: Katharine (Wilheida). - Ein Hauptbericht über sie findet sich bei dem zeitgenössischen Fortsetzer der Doberaner Genealogie (Jahrb. XI., S. 22): Johannes duxit sororem Sthirgheyl Lythvanie atque Yaghel Cracouie regum, qui fratres et filii Algardi quondam gentilis in dictis regnis sunt baptizati. Marschalck VI, 2 nennt sie "Guilheidem" und erzählt von ihr: "Guilhaida Johannes fidei adhuc candidatulam moribus christianis formauit et pridie, quam nuptias celebraret, latice sacro una cum germanis initiauit. Diese Fassung ist ungenau. Jagal selbst ward (mit seinem ganzen Gefolge) im Feruar 1386 zu Krakau getauft, um wenig Tage später die Königin Hedwig und den polnischen Thron zu gewinnen; sein Versprechen, seine Litthauer etc. . taufen zu lassen, ward 1387 durch Massentaufen ausgeführt, und zu Wilna in des Königs Hof, wo bisher Pertinnos verehrt war, wurde eine Kirche erbaut. (Voigt, Gesch. Preußens V, S. 496.) Slagghert, der sich für sie als die Mutter der Aebtissin Hedwig sehr interessiert, folgt fol. 167/8 Marschalks Erzählung von der Wylheida; fol. 64 b und 66 b aber giebt er die Ribnitzer Ueberlieferung: Hertich Johan tho Stargart, des olden hertvgen Johans to Stargarde(s) sone, heft syck vortruwet cies konynges dochter tho Palen! froychen Katherina, de scho e n vede suuerlyck was, men vnkristen, so se wolde sick laten dopen vnd cristen werden. An dem iar des heren Mccc

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vnde lxxxviij heft he se entfangen vor syne brut vnd vorstynne, do se (1387?) cristen was geworden. Dat eddele froychen Katherina heft erem heren getelet eyn schone dochter genomet Hedewyg in deme iare des heren Mcccxc. - Fol. 109 nennt Slagghert froychen Katherina, hertich Johans tho Stargardt vorstynne, des konynges tho Palen syn dochter, unter den Fürstinnen, welche seinem Kloster Almissen zugewandt hatten, und fol. 167 berichtet er, daß sie 1396 vp sunte Katherinen (25. Nov.) selbst mit Bischof Rudolf ihre Tochter Hedwig nach Ribnitz gebracht habe. - Am 4. April 1422 war sie noch zu Lychen bei einer Verhandlung anwesend (Boll, St. II, S. 375: vrowe Katerina, hertoghen Johannes vrowe zeligher dechtnisse).

c. Rudolf. Die Reihenfolge der Brüder Rudolf und Ulrich steht nicht ganz fest. Da ihnen aber in einer Urkunde der v. Blankenburg und v. Clützow vom 22. Juni 1393 (Riedel, Cod. A II, S. 337) (mehrmals) folgende Ordnung gegeben wird: Johan, Rodeleph, biscop to Zwerin, Ulrike vnde Albrechte, broderen, hertogen to Mekelnburg, so geben wir (mit Boll) Rudolf seine Stelle vor Ulrich. - 1382 wurden dominus Rudolphus, dux Magnopolensis, und dominus Bernardus de Grollen, magister suus, bei der Universität Prag immatrikuliert. - Der Fortsetzer der Doberaner Genealogie berichtet: Rodolphus factus fuit episcopus Scharensis in Gothia; postmodum vero, Johanne Junghen, electo Zwerinensi, prodiciose a suis familiaribus interfecto, idem dominus Rodolphus postulatus fuit in episcopum Zwerinensem et per dominum Bonifatium papam nonum translatus. Rudolfs Vorgänger als Bischof zu Skara: Nicolaus (de Kalne), der seit 1358 regierte, vidimirte noch am 25. März 1386 (Svenska Riks=Archivets Pergamentsbref II, Nr. 2202) eine päpstliche Urkunde; sein Todestag ist uns ebenso unbekannt wie Rudolfs Wahltag. Nach Schwerin kam Letzterer allem Anschein nach 1390; sicher nicht früher, da am 13. Januar dieses Jahres Potho noch urkundlich Bischof von Schwerin genannt wird, Rudolf auch noch 1390, tercia die synodi, zu Skara als dortiger Bischof Güter an das Domkapitel daselbst überwies (Schröder, P. M. 1592); andererseits aber gab er am 26. Febr. 1391 schon als Swerinensis ecclesie episcopus einen Ablaßbrief zu Gunsten des H. Bluts in Wilsnack (Riedel, Cod. A, Bd. II, 142). - Rudolf lebte noch am 28. Juli 1415 (Urk.); aber "Zwerin 1416, mensis Decembris die 27." (d. h., da man das Jahr mit Weihnacht begann, nach unserer Rechnung am 27. December 1415) bestätigte schon der Schweriner Scholasticus Lübbert Witgherwer als amministrator etc. vacante

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sede episcopali eine prabende (s. Jahrb. XXIII, S. 72). Rudolfs Tod erfolgte also zwischen diesen beiden genannten Tagen des Jahres 1415, vielleicht erst gegen Weihnacht; denn der lateinische Korner (Eccard II, p. 1217) und die Sogen. Rufus=Chronik (Grautoff II, 488) erzählen ihn erst zurn Jahre 1416. Sein Begräbniß zu Doberan hatte der Bischof sich schon am 15. November 1400 erwählt. (Jahrb. IX, S. 300.)

d. Ulrich I. (den Marschalck VI, 4, irrthümlich für einen Sohn Johanns II. nimmt) regierte gemeinsam mit seinem Bruder Johann II. (und Albrecht - 1397), bis er um 1408 (s. S. 207) mit Johann die väterlichen Lande theilte und Neubrandenburg, Stargard, Strelitz und Wesenberg (mit der Lize) erhielt, seine Residenz aber zu Neubrandenburg hatte. - Am 19. März 1417, auf der Burg zu Strelitz, machte Ulrich I. sein Testament (Boll, Starg. II, S. 364, wo aber in der Jahreszahl decimo vor septimo ausgefallen ist!); 3 Wochen später, am 8. April (ipso die s. coenae) starb er, und es ging nach Korner (Eccard II, 1223) das Gerücht, daß er Gift bekommen habe (ab intimis suis, ut publica fama personuit, intoxicatus, in doloribus et cruciatibus magnis spiritum efflavit). Das Jahr (aber nicht der Tag) des Todes ist auch in der Fortsetzung der Detmarschen Chronik bei Grautoff II, 493, genannt. - Die Angabe bei v. Beehr (Rer. Mecl. 440), daß Ulrich I. zu Wanzka beerdigt sei, erscheint glaubwürdig; denn dort war des Herzogs einzige Tochter Aebtissin, und dort hatte er in seinem Testamente eine Vicarei gestiftet, vermuthlich zumeist zu Seelenmessen für sich selbst.

Gemahlin: Margarete. - Marschalck (VI, 4) berichtet kurz von Ulrich I.: conjugem duxit filiam Suantobori, Sidinorum ducis filiam. Das ist richtig. Denn ihr Enkel, Herzog Ulrich II. von Stargard, sagt in einem Verzeichnisse seiner Ansprüche an Herzog Erich von Pommern (1467/8): wegen vnses lieuen hern vaders (Heinrichs d. ä.) moder (also Ulrichs I. Gemahlin), de hertich Casemars, alle in godt vorstoruen, sustir geweßt ys. Kastmir VI. war aber, wie anderweitig feststeht, ein Sohn, mithin Ulrichs I. Gemahlin eine Tochter des Herzogs Swantibor III. von Pommern=Stettin. Sie lebte noch am 19. März 1417 (s. ihres Gemahls Testament); aber wann sie ihre Tage beschlossen, ist unbekannt, jedenfalls vor 1467.

e. Albrecht I. Albrecht regierte mit seinen älteren Brüdern; noch am 20. Februar 1397 gaben diese eine Urkunde [Lisch, Maltzan II, 240], welche mit auf seinen Namen ausgestellt ist. Zu

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Hause aber war er damals nicht, sondern längst in Livland. Schon am 19. Juni 1395 schrieb der Hochmeister Konrad v. Jungingen, daß Albrecht mit Begleitung in Reval eingetroffen und nach drei Tagen weiter gezogen sei zum Bischof von Dorpat (Dietrich Damerau, der mit dem Hochmeister in Feindschaft lebte); Konrad fragt, wessen mau sich zu demselben versehen habe. (Voigt, Gesch. Preußens VI, S. 52.) Denn man fürchtete Albrechts Beziehungen zu den Vitalienbrüdern. Zu Anfang des Jahres 1396 schreibt derselbe Hochmeister, der Bischof von Dorpat habe einen der Herren von Meklenburg zu sich eingeladen, ihm mehrere Burgen eingeräumt und wolle diesem einst sein Bisthum in die Hände bringen. (Das. S. 64.) Der Bischof Dietrich von Dorpat schloß am 26. März 1396 Frieden und Freundschaft mit Herzog Alexander (Witowt) von Litthauen und Bischof Andreas von Wilna mit wohlbedachtem mode, rechter witschop, volbort vnde rade des - hern Albrechtes, hertogen to Meklenborch etc., unses ieven gestikes sones, seines Capitels etc. (Bunge IV, 119.) In Briefen vom 11. Febr. 1397 sprach der Hochmeister noch gegen König Albrecht von Schweden seine Verwunderung darüber aus, daß sich Herzog Albrecht in seinen Streit mit dem Bischof von Dorpat gemischt, und dessen Brüder Johann II. und Ulrich I. ihm gleichfalls Absagebriefe gesandt hätten (daselbst S. 76). Späterhin wird aber Albrecht in Livland wohl nicht weiter erwähnt; seine Brüder wußten jedoch (s. o.) am 20. Februar auch noch nichts von seinem Tode. Am 15. Juli söhnte sich der Bischof von Dorpat mit dem Hochmeister aus, ohne daß dabei noch auf Albrecht Rücksicht genommen ward; allem Anschein nach lebte er damals nicht mehr. - Ueber Albrechts Verhältniß zu dem Bischof von Dorpat berichtet die Fortsetzung der Detmarschen Chronik z. J. 1396: By der sulven tid ward hertoghen Johans (II.) broder van Mekelenborch mit groter macht inghebracht tho Darpte; den untfenk de biscop van Darpete in groter ere und vroude, unde leet em up dat gantze stichte. (Ecclesiam suam sibin resignavit et in filium ipsum adoptavit, heißt es im lateinischen Korner, Eccard II, 1173 z. J. 1396.) Der Fortsetzer der Doberaner Genealogie berichtet kurz: Albertus in tutorem eclesie Tarbatensis fuit vocatus, vbi eodem anno obiit et sepultus requiescit. In Ribnitz, wo damals Albrechts Schwester Konstanze lebte, scheint man genauere Nachrichten erhalten zu haben. Wenigstens schreibt Slagghert (f. 164 b ): Albrecht ys gheesket vnde ghekaren in enen byscop der kerken vnde des stichtes Tarbatensis in Lyflant, darsuluest he des negesten

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jares na syner eskynge starff, vnde darsuluest begrauen. Wir tragen nach den obigen Zeugnissen kein Bedenken anzunehmen, daß Albrecht 1396 zum Coadjutor des Bisthums Dorpat gewählt, aber schon im nächsten Jahre zwischen dem 11. (oder 20.) Februar und dem 15. Juli zu Dorpat gestorben und daselbst begraben ist.

f. Constanze. - Mechthild von Werle, Tochter der Herzogin Agnes aus der ersten Ehe mit Nicolaus IV. von Werle, bedenkt in ihrem Testament von 1402 auch vnse sustere Constancien. Diese war also auch eine Tochter der Herzogin Agnes (und nicht aus Johanns I. erster Ehe mit Anna entsprossen, wie Slagghert fol. 162 b erzählt). Wahrscheinlich war sie Johanns I. jüngstes Kind. Denn nach Slagghert (fol. 163) ist sie erst 1373 geboren, 1376 (f. 164) tho Ribbenitz gheoffert. Am 5. Mai (des iiij. sundages na pasken) 1398 ward die Herzogin Ingeburg von Meklenburg (oben S. 183) zur Aebtissin in Ribnitz, froychen Constancia vurt dosuluest vthghekaren vor ene vicaria desses closters (f. 166 b ). Constancia starb 1408 in der pestilencie, do se olt was xxxv jar, an deme auende Mathei apostoli (20. Sept. fol. 167 b ).


X. Generation.

A. Kinder Herzog Johanns II.

Der Fortsetzer der Doberaner Genealogie nennt: filium nomine Johannes et duas filias, quarum senior in monasterio in Ribbenitze ordinis s. Clare est professa.

a. Johann III., zur Unterscheidung von Johann V. von M.=Schwerin auch de olde oder de oldere zubenannt, wahrscheinlich 1389 geboren, succedirte 1416 seinem Vater in dessen Landestheil Sternberg etc. ., ward am 28. Juni 1427 bei der Freilassung aus der vieljährigen Gefangenschaft brandenburgischer Lehnmann, 1436 erbte er mit seinem Stargardischen und seinen Schwerinschen Vettern das Fürstenthum Wenden. - Als den Todestag Johanns III. bezeichnet Marschalck (VI, 3): 1440, pridie calendas Januarias, d. h. nach unserer Rechnung den 31. December 1439. Doch setzt er denselben ohne Zweifel um ein Jahr zu spät an. Denn in Urkunden wird Johann als lebend zuletzt wohl am 2. December

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1438 genannt (Maltzan. Urk. III, S. 100, dinstedage na sunte Andreasdage); dagegen gab sein Nachfolger Herzog Heinrich d. a. allein am 11. November 1438 eine Münzordnung für das ganze Land Stargard (Boll, Starg. II, S. 418). - Nach Marschalck ist Johann III. in der Kirche zu Sternberg bestattet. Daß Latomus auf seinem Epitaphium das Todesjahr 1435 las (Westph. IV, 345), ist ohne Bedeutung, da dasselbe nach Franck (VII, S. 155) erst viel später gesetzt ist.

Gemahlin. Nach Marschalck heiratete Johann III. nach seiner Rückkehr aus der brandenburgischen Gefangenschaft (also nach dem 28. Juni 1427): Lutrudem, Alberti principis Ascaniorum filiam. Als Tochter Albrechts III. von Anhalt=Köthen war sie muthmaßlich eine Schwester von Anna, der ersten Gemahlin Wilhelms, des letzten Fürsten von Wenden. 1434, am 10. November (Boll II., 403), Schenkte Johann III. der Marienkirche zu Friedland die Bede von Willershagen in salicheit vzer selen, uzer husvrowen Luttrud zelen, vzer olderen - -. Nach einer Urkunde Heinrichs III. lebte Frau Luttrud noch am 4. Juni 1465. (Lisch, Maltzan III, S. 335: weret de fruve Lutrudt in got vorstorue.) Ihr Todesjahr ist uns nicht bekannt; in einem zu Lychen 1474, an sunte Barnabenss tagk (11. Juni) ausgestellten Zeugnisse finden wir schon die Worte: die furstinnen tho Lichen seliger gedechtnisse, hertzoginne vonn Stargarde. (Riedel, Cod. A, XIII, S. 87.) Ihr Wittwe nsitz Lychen ging nach Buchholz III., 227, am 21. Juli 1475 über an Ulrichs II. Wittwe ; vielmehr war letztere damals schon im Besitz desselben.

b. Hedwig (bei Marschalck VI, 2, irrthümlich Ingeburg genannt). - 1396, vp s. Katherinen (25. Nov.) übergiebt Katharine nach Slagghert ihre Tochter Hedewyg, do se olt was vi jar, dem Kloster Ribnitz; als sie 7 Jahr alt war, visit. Marie (= 2. Juli), ward Hedwig vom Weihbischof gekappet vnde ghecledet; 1423 froychen Hedewyg, do se olt was [x]xxij jar =, an deme dage Ludowici des biscoppes (19. Aug.), ys ghekaren - vor ene abdiske - vnde vort confirmeret van deme vader minister. Vom Mittwoch vor Oculi (27. März) 1467 haben wir von der Aebtissin Hedwig noch eine Urkunde. Am 16. September 1467 legte sie aber (nach Slagghert's Bericht) byna xlvij jar in deme ambachte, ihr Amt nieder, am nächsten Tage (in die stigmatum Francisci) ward sie vom vader minister entlassen. (Slagghert, fol. 167, 168, 176.) Die lateinische Uebersetzung des Slagghert

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(Westph. IV. 876) hat den Zusatz: E[odem] a[nno], d. h. 1467, feria quarta post, dna. Hedewigis, cum jam esset absoluta ab officio et regnasset annos 47 et esset annorum 69 (?), in senectute bona migravit ad deum. Danach müßte sie am 23. Sept. (am Mittwoch nach Franc. stigm.) 1467 gestorben sein.

c. Agnes. Marschalck VI, 2, kennt ihren Namen nicht, nennt sie nur alteram [filiam], quae Otoni duci Sidinorum nupsit. Nach der Pomerania I, 450, hat Otto II. von Stettin "genhomen Annen, hertzog Johans von Mekelburg Tochter, der in der Mark wol 7 jar gefangen saß", also Johanns III.!, der nach Marschalcks richtiger Angabe (IV, 3) nihil liberorum relinquens gestorben ist. Eichstädt nennt sie: Hedwig, Cramer und nach ihm Simonpauli und Chemnitz: Agnes; alle diese und auch Rudloff, der sie Hedwig nennt (II, 527), führen Ottos II. Gemahlin als eine Tochter Johanns I. auf. Das ist nun sicher ein Irrthum, schon der Zeit nach; denn Otto II. war 1396 - 411 Coadjutor des Hochstifts Riga und kann also erst nach dieser Zeit geheiratet haben. Ueberdies hätte Mechthild von Wenden in ihrem Testament vom 17. December 1402 sie gewiß neben ihren 3 Stiefbrüdern und der Stiefschwester Constanze bedacht, wenn auch sie eine solche gewesen wäre. Marschalcks Angabe findet aber auch eine Stütze darin, daß nach der Doberaner Genealogie Johann II. zwei Töchter hatte, und eine zweite neben der Aebtissin Hedwig sonst nicht bekannt ist. Und was die Hauptsache ist, der Herzog Ulrich II. gedenkt ihrer in dem Verzeichniß seiner Ansprüche an Herzog Erich von Pommern (1467/68): Item schelt vns to den suluen landen twe dusent Bemesge scok, de hertoge Otto de olde nham midt frowen Agnesen, vuser lieuen vedderken, medegift - alle in godt vorstoruen.

B. Kinder Herzog Ulrichs I.

Marschalck nennt (VI, 4) Hehricum et filias nonnullas; der Fortsetzer der Doberaner Genealogie sagt (S. 22) unbestimmter Vlricus (!) - iam filios et filias generanit. Vielleicht hat Ulrich Töchter in jugendlichem Alter verloren; in seinem Testament vom 19. März 1417 (Boll, St. II, S. 364) bestimmt er zunächst Anne filie sue, sanctimoniali in claustro Wantzik, ein Vermächtniß und ernennt nachher die Herzoge Johann und Albrecht von Meklenburg=Schwerin nebst seiner eigenen Gemahlin Margarete in filiorum suorum et filie sue terreque sue et suorum prouisores.

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a. Anna war vermuthlich das älteste Kind. Denn wenngleich sie in des Vaters Testament nur als Nonne (sanctimonialis) bezeichnet ist, nennt sie sich doch schon in einer Urkunde (über Pasenow) vom 13. Januar (des achten daghes na der hilghen drigher koninghe daghe) 1417: Wy vor Anne van Mekellenborghes, van godes gnaden ebbedische - to den Wantzeke, und am Dinsage vor Judica (23. März) 1417 giebt Herzog Ulrich I. ihr die Bezeichnung: vnser leuen dochter vor Annen, de abbatissen thu dem Wantzke. Sie lebte noch am 13. Juli (Margarete virginis) 1424. Denn an diesem Tage verlieh der Abt Andreas zu Colbatz illustri domine, domine Anne Magnopolensi, nobili heredi(!) ac abbatisse in Wantzik, und ihrem Konvent die Brüderschaft.

b. Albrecht II. Der kaiserliche Hofrichter Graf Günther von Schwarzburg beurkundet am 22. Juni 1417 (Lisch in Jahrb. XXIII, S. 234; vgl. S.74 flgd.), daß Herr Balthasar zu Wenden und zu Werle vor ihm geklagt hat auf Stargard, Neubrandenburg und Strelitz etc. ., das alles die hochgebornen fursten vnd herren her Albrecht vnd her Heinrich, gebruder, hertzogen zu Mekelnburg von Stargarden innehaben etc. Sonst werden diese Brüder wiederholt nur hertigen Vlrikes kyndere genannt, auch noch am 11. Februar 1421. Aber in der am 4. October 1423 der Stadt Malchin gegebenen Versicherung (Rudloff II, S. 591) erscheint Albrecht nicht mehr, sondern nur noch auf Johanns III. (der gefangen saß) und Heinrichs (d. ä.) von Stargard und Herzog Albrechts von Meklenburg=Schwerin Namen ist die Urkunde ausgestellt, ohne Zweifel, weil Albrecht II., Heinrichs älterer Bruder, nicht mehr lebte.

c. Heinrich, gewöhnlich zubenannt "der ältere", um ihn von dem gleichnamigen Herzog Heinrich IV. von Meklenburg Schwerin zu unterscheiden. Er regierte, Anfangs unter Vormundschaft, zu Neubrandenburg etc. ., ward 1436 Miterbe des Fürstenthums Wenden, succedirte 1439 auch zu Sternberg etc. . - Sein Todesjahr ist sicher 1466; am Pfingstmontag (26. Mai) verlieh er noch in Gemeinschaft mit Heinrich IV. von Mekl.=Schwerin an Bernhard Rohr einen Bach bei Kiwe; am Mittwoch vor Bartholomäi (20. August) 1466 bestätigte schon sein Sohn Ulrich II. als Landesherr die Privilegien der Stadt Neubrandenburg. - Nach Chemnitz ist Heinrich im Kloster Wanzka bestattet.

Gemahlinnen. 1466, Judica (23. März), beurkundete der "Bedeger" zu Tempzin Heinrich Hagenow die Memorienstiftung,

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welche hertich Hinrik der oldere, hertieh to Meklenborch, furste to Wenden, Rostock vnde Stargarde der lande here, mit Willen syner leuen husfrowen vor Margareten gemacht hatte, u. a. für syne husfrowen, also vor Jutte vnde Ingheborch, in god vorsthoruen syn, hertich Olrike, eren sone, auch für hertich Frederic von Luneborch vnde syne furstynne vor Magdalenen. Hiernach ist also Herzog Heinrich sicher dreimal vermählt gewesen.

1) Ueber Heinrichs erste Gemahlin, Jutta, Tochter des Fürsten Nicolaus V. von Werle=Waren, vgl. Tafel IV, X. Generation. Kinder aus dieser ersten Ehe sind uns nicht bekannt. Jutta ist frühe, allem Ansehen nach schon vor 1427 verstorben. Denn spätestens im Jahre 1428 wird Ulrich II. geboren sein, da er sich nach der Eheberedung vom Jahre 1444 (s. u.) schon Martini 1446 vermählen sollte. Dieser erwähnt aber in dem Verzeichnisse seiner Forderungen an Herzog Erich II. von Pommern (etwa 1467/68), dat hertoge Bukslaff [IX. † 1447] heft sine suster vnse lieue moder, gegeuen to der ee - alle seliger dachtnisse - 10000 ungarische Gulden etc. . (die aber nicht bezuyit seien): mithin war Ulrich II. Heinrichs Sohn aus dessen Ehe mit

2) Ingeburg, die schon von Marschalck (VI, 5 als Boosclaui Sidinorum (richtiger Pomeranorum) filia bezeichnet wird und auch nach der Pomerania (I., 459; II." 56) eine Tochter Herzog Bogislavs VIII. von Pommern (des Vaters von Bogislav IX.), 1387 - 1398 Bischofs von Cammin († 1418), war. - Ingeburgs Todesjahr ist nicht ermittelt; jedenfalls muß sie spätestens 1452 gestorben sein. Denn

3) am 4. September 1452 (Montag nach Argidien) schloß zu Dömitz Herzog Heinrich d. ä. von Stargard unter Theilname seines Sohnes Ulrich II. einen neuen Ehevertrag mit dem (in der oben angeführten Memorienstiftung von 1466 genannten) Herzog Friedrich (d. ä. oder dem Frommen) von Lüneburg wegen dessen Tochter Margarete. In der Witthumsverschreibung vom 4. Juni 1465 (Lisch, Maltzan III, S. 333) ward ihr das Schloß Plau, wenn es wieder frei sein würde, zum Wittwensitz bestimmt, aber auch die Rückkehr in ihre Heimath gestattet. Die ihr gemachten zusagen sind ihr jedoch später nicht gehalten; 1473 lebte sie in dürftigen Umständen zu Celle, 1498 ward sie von ihren Verwandten ins Kloster Wienhausen gebracht, ohne jedoch den Schleier zu nehmen. Dort starb sie - nach dem Todtenbuche des Klosters

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- 1512, in die parasceues (= 9. April), und ward in Gemäßheit ihres Testaments daselbst in der Allerheiligen=Kapelle begraben. - Vgl. über sie Lisch in Jahrb. XXV, S. 33 f.


XI. Generation.

Die Kinder Heinrichs d. ä. - Deren sind vier bekannt, zwei: Ulrich II. und Margarete (oder Margarete und Ulrich, denn die Altersfolge derselben steht nicht fest) aus der zweiten Ehe, und Magdalene und Anna aus der dritten.

a. Urich II., geboren (s. o.) spätestens 1428, nahm an seines Vaters Regierung schon eine Reihe von Jahren Theil, bevor er demselben 1466 succedirte. - Daß dieser letzte männliche Sproß des Stargardschen Hauses 1471 gestorben sei, berichtet Krantz (Wand. XIII, 5); die Lübische Chronik bei Grautoff II, S.337, stimmt nicht nur damit überein, sondern nennt in ihrem Bericht vom Jahre 1471 auch den Todestag: "Item in dessem iare, by sunte Margareten (13. Juli), starf hertich Olrich van Stargarden; vnde wente he nyne hinder naleth, dat mansnamen weren, so red Hinrick [IV.] van Mekelenborch in dat laut unde let sik huldegen van den guden luden unde van den steden unde van deme gansen lande alse eneme rechten erfheren des landes. Dieser Bericht ist aus guter Quelle geflossen. Denn die letzte bekannte Urkunde Ulrichs II. ist vom Montag in der großen Fastelabend 1471 datiert; am 15 Juli d. I. bestätigte aber Herzog Heinrich IV. schon bei der Huldigung die Privilegien der stargardischen Mannen und Städte, und noch in demselben Monat die Privilegien einzelner Städte. (Boll, Starg. II, S. 193). - Die angebliche Vergiftung Ulrichs II. berichtet zuerst Marschalck (VI, 6). - Ulrich II. "ist zu Wantzke im Kloster begraben, und daselbst sein Schwert, Helm und Wapen angehängt, und für etlichen Jahren das Epitaphium auff Herzog Ulrichs hochsel. Gedächtnus Begehr von Mylio, seinem geheimen Rat, alda gesetzet worden", berichtet Latomus (bei Westph. IV, Sp. 399, 400).

Gemahlin: Katharine, die Tochter Wilhelms, des letzten Fürsten von Wenden (S. Tafel IV, Gen. X.), durch ihren Mutterbruder, Herzog Barnim VIII. von Pommern, dem Herzog Ulrich am Freitag in den Pfingsten (5. Juni) 1444 zugesagt, aber noch nicht, wie dabei verabredet war [Lisch, Maltzan III, S. 149], Martini

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1446 vermahlt, sondern erst (nach längeren Streitigkeiten über den Brautschatz) in Folge des Ribnitzer Vertrags vom 24. Februar 1454. Der Hochzeitstag ist nicht bekannt, ist aber sicher zwischen den 24. Februar und den 15. September 1454 zu setzen; denn am letzteren Tage war Katharine schon mit ihrem Gemahl zum Besuch im Kloster Ribnitz (Slagghert fol. 173). - Katharine lebte urkundlich noch am 21. Juli 1475; aber in dem Landestheilungsvertrage der mecklenburg=schwerinschen Herzoge vom 13. Januar 1480, wo auch die Verhältnisse der fürstlichen Wittwe n berührt werden, ist von ihr nicht mehr die Rede.

b. Margarete. Chemnitz berichtet im Leben Heinrichs d. a. von Stargard unter Berufung auf eine näher bezeichnete "brieffl. Urkund": "Fräulein Margaretha, Herzog Heinrichs zu Mekl. ältiste Tochter, ist Herzog Erichen zu Stettin=Pommern verlobet worden." Er fügt hinzu: "hat aber nicht lang nach der Verlöbniß gelebet." Hiernach wäre sie also vor der Hochzeit verstorben. Indessen in dem schon wiederholt angezogenen undatierten Verzeichniß der Ansprüche, welche Ulrich II. (1467/68) an Herzog Erich II. von Pommern († 5. Juli 1474) erhob, behauptet jener u. a., er sei zu dem seligen Ohm König Erich von Dänemark etc. . ebenso nahe erbberechtigt gewesen, alz hertoge Erik (II.) von wegen syner husfrowe, vnser lieuen suster, geweßt ys. Der Ausdruck husfrowe beweist doch, daß Margarete wirklich mit Erich II. vermählt war. Da Letzterer nun aber im November 1451 mit Sophie, Herzog Bogislavs IX. Tochter, einen Ehebund Schloß, und diese ihn lange überlebte, so muß Margarete von Stargard Erichs erste Gemahlin gewesen und wohl schon vor 1451 verstorben sein. Wie aus ihres Bruders Andeutung über die Gleichberechtigung zur Erbschaft hervorgeht, war sie dessen rechte Schwester. Ob sie aber alter oder jünger war als Ulrich, ist aus den geringen Nachrichten, welche wir über sie haben (in den Stammtafeln der pommerschen Herzoge pflegt sie ganz zu fehlen), nicht zu ermitteln.

c. Magdalene. - 1) Schon am 23. November (Clementis pape) 1471 (Maltzan. Urk. III, S. 374) verlobten Herzog Heinrichs IV. Räthe Magdalenen, zeligen hertogen Vlrickes nalatene sustere, mit dem Herzog Wartislav X. von Pommern, dessen erste Gemahlin Elisabeth Tochter Johanns des Alchemisten von Brandenburg (und vor Wartislav schon mit Herzog Joachim v. P. vermählt), nach dem 13. Januar 1465 verstorben war. Das Beilager Magdalenens wird jedoch am 7. August

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(Montag vor Laurentii) 1475 noch nicht gehalten; indessen gelobte an diesem Tage Wartislav, 14 Tage nach Martini die Vermählung zu vollziehen, und nach einer vorliegenden Urkunde fand dieselbe am 25. November zu Schwerin statt. Am 12. August 1477 quittierte Wartislav noch über Brautschatzgelder seiner leuen huszvrowen Magdalenen. (Vgl. auch Lisch, Maltzan III, S. 394.) Die Ehe war aber von kurzer Dauer; denn Wartislav X. starb schon 1478, nach pommerschen Angaben am 17. December.

2) Magdalene ward hernach am 14.Juli 1482 abermals verlobt mit Burkhard, Grafen zu Mühlingen und Herrn zu Barby; aber im Jahre 1505 ist sie abermals Wittwe geworden. Ihres zweiten Gemahls Grabstein in der St. Johanniskirche zu Barby besagt: Burckart Grave und Her zu Barbi un Mueling starf am Dag Eustachii (= 3. Nov.) 1505. - Der daneben liegende Grabstein zeigt eine betende weibliche Figur und die Umschrift: MAGDALENA GBORNE HERZOGIN ZU MEKELBOR, GRAF BORGHARTS GEMAL STARF AM OSTERDINS. 1532 (= 2. April). Durch die auf dem Stein angebrachten Wappen, oben von Meklenburg und Braunschweig, unten von Brandenburg und Stettin, wird Magdalene unzweifelhaft als eine Tochter Herzog Heinrichs d. ä. von Stargard aus seiner dritten Ehe mit Margarete von Braunschweig nachgewiesen. (S. Lisch, Jahrb. XXXVIII, S. 65 flg.)

d. Anna. - Nach Slagghert fol. 179 war hertich Hinrikes tho Stargardt syne dochter froychen Anna 1465 geboren, wurde aus dem Kloster Wienhausen (wohin sie ihre Mutter gegeben, hernach aber zurückgenommen hatte) durch Dorothea, die Gemahlin Herzog Hinrichs IV. von Mekl., am 19. August 1473 nach Ribnitz gebracht und dort am 26. August 1475 eingekleidet. In Ribnitz ist sie als Nonne (nach dem Todtenbuche von Wienhausen) am 7. Januar, und zwar (nach der Chronik von Wienhausen) im Jahre 1498 verstorben. (Lisch, Jahrb. XXV, S. 49 flg.)


XII. Generation.

Herzog Ulrichs II. Töchter. - Marschalck nennt (VI, 6): Helizabetha, uirginum uestalium Renis praestes flaminica, Ingeburgis, quae nupsit Fberuino comiti Penthemio, und ihm folgt Slagghert fol. 175 b , bezeichnet aber Ingeburg irrthümlich als eine Schwester Ulrichs II.

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a. Für die ältere von diesen beiden Töchtern Ulrichs halten wir Ingeburg, weil Elisabeth erst in den letzten Lebensjahren ihres Vaters geboren zu sein scheint. - Ingeburg ward urkundlich nach dem 7. Juli und (kurz) vor dem 14. September 1489 verlobt mit dem Grafen Eberwin (II.) von Bentheim, und nach Cohn vermählt am 10. Mai 1490. Wenn nach Kamill v. Behrs Stammtafeln S. 93 (unter Berufung auf das Necrologium des Klosters Frenswegen) Ingeburg am 8. April 1519 verstorben sein soll, so bezweifle ich nicht den Todestag, vermuthete aber, daß das Todesjahr 1509 gewesen ist; denn nach einer Notifikation im Großhzgl. Archiv zu Schwerin lebte diese Gräfin am 7. August 1509 nicht mehr, sondern war jüngst verstorben. Ihr Grabstein in der Klosterkirche zu Frenswegen giebt leider keine Entscheidung, da derselbe (nach Dr. Crulls gefälliger Mittheilung) so sehr vertreten ist, daß er weder Jahr noch Tag des Todes jetzt erkennen läßt. - Eberwin II. starb nach v. Behr "13. December 1530 als Gem. Cordula's von Holstein=Schaumburg."

b. Elisabeth. - Slagghert berichtet fol. 179: Anno M. cccc. lx. froychen Elyzabeth, hertich Vlrykes dochter tho Stargart, ys gebaren, welke(r) in thokamende tydt ys gheworden eyn geystlyke juncfrow in deme closter tho Rene vnde na vorlope der tydt dar suluest ys geworden eyn pryore. Desse sulue noch leuet dorch den wyllen gades. - Diese Einzeichnung steht aber zwischen einer von 1467 und einer andern von 1473; die Jahreszahl wird also verschrieben sein. Der Uebersetzer bei Westphalen (IV, S. 876) hat dies bemerkt und willkürlich "An. 1468" dafür corrigirt, obwohl lxx. wohl näher gelegen hätte. Slagghert hat übrigens vergessen den Tod der Priorin Elisabeth nachzutragen: denn er erlebte denselben noch. Priorin war sie schon 1490 und verwaltete dieses Amt bis an ihren Tod, der wohl im Herbst 1532 erfolgt ist. Der Todestag ist noch nicht ermittelt; aber am 9. December (am Montag nach conceptionis Marie) 1532 sind zu Rehne - frowen Elizabet, gebornen hertzogin zu Mekelnborg, priorissen zu Rehne zeliger gedechtnis, nachgelassen guter stückweise inuentirt vnd beschrieben worden, was schon Lisch im Jahrb. XV, S. 306 mitgetheilt hat. - Mit ihr erlosch das herzogliche Haus Meklenburg=Stargard.


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Stammbaum
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Stammbaum
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Zu Tafel IV.

Linie Werle.

V. Generation.

Nicolaus I., der zweite Sohn Heinrich Burwys II., Herr zu Rostock und Werle, dann 1235 nach Abtheilung seines Bruders Heinrich Burwys III. (S. 150) zu Werle allein: Nicolaus in Gustrowe, scribens titulum dominii sui de castro Werle (Gen. Dob.). Dazu erwarb er aus der Herrschaft Parchim die Länder Plau, Goldberg und Parchim nach dem 28. September 1270 [U. 1201], aber wohl vor dem 23. März 1271 [vgl. U. 1218, 1225, 1254, 1267 etc. .). 1 ) - Kirchbergs Angabe (827), daß Nicolaus 1270 gestorben sei, berichtigt schon Krantz (VII, 35), der das richtige Jahr 1277 giebt. Nach den Abschriften des Necrol. Dob. starb er 1277, "nonas May" (= 7. Mai); doch haben wir von ihm noch eine Originalurkunde vom 10. Mai (VIo idus Maii) 1277 [U. 1435]. Seine beiden Söhne verliehen der Geistlichkeit ihres Landes das Privilegium des Gnadenjahrs in 3 Urkunden, U. 1437], von denen zwei nur vom Jahre 1277, die dritte aber vom 14. Mai (2. idus Maji) d. I. datiert ist. Darin legen sie den Geistlichen Seelenmessen ans ob salutem anime dilecti patris nostri dni. Nicolai de Werle felicis memorie et matris nostre domine Jutte necnon et nostri, postquam nos obire contigerit. Darum kann man sich nicht wundern, wenn am nächsten Tage, 15. Mai [in vigilia pentecostes, U. 1438] Heinrich und Johann die Geistlichkeit zu Parchim zu Memorien für ihren Großvater allein verpflichten, aber nicht auch für ihren Vater. Am 29. Juni (Datum Petri et Pauli, U. 1440) machen sie eine Schenkung als Landesherren. 1285 [U. 1781] gedenkt Nicolaus II. von Werle dni. Nicolai de Werle, aui nostri, et patris nostri felicis memorie. - Grab zu Doberan (Kirchb., Sp. 827).

Gemahlin. Nach dem Chron. princ. Saxon. (Scr. XXV, p. 476) erzeugten Henricus comes de Anahald und seine Ge=


1) Kirchberg berichtet Sp. 771, daß Pribislavs I. erwähnte Gebiete erst von Heinrich und Johann, den Söhnen von Nicolaus I., erworben sein. Allein, als diese zur Regierung kamen, lebte Pribislav längst nicht mehr; auch widersprechen jener Angabe die angeführten Urkunden.
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mahlin Sophia, soror lantgravii Thuringie: Juttam, quam duxit Nycolaus dns. de Werle, et genuit Johannem, qui duxit filiam Guntheri de Repin, Henricum seniorem, qui duxit Rixam filiam regis Svecie. - Die Vermählung Juttas mit Nicolaus 1. mag 1231 stattgefunden haben, da am 29. October 1231 [U. 391] Graf Heinrich von Anhalt und Bischof Brunward bei sämtlichen vier mecklenburgischen Fürsten zu Rostock waren. Am 10. März 1233 [U. 415] sagt Nicolaus: de pleno consensu et voluntate uxoris mee Jutte; 1244 [U. 558]: vxoris mee Judite. - Aus den oben angeführten Worten der Urkunden vom 14. Mai 1277 geht hervor, daß Jutta an diesem Tage noch lebte. Wir wissen ihren Todestag bisher noch nicht, auch ihre Grabstätte (Doberan?) ist nicht sicher bekannt. Ueber die ihr zugeschriebene Ziegel=Grabschrift in der Kirche zu Doberan vgl. unten (Generation X.) die Gemahlin des Fürsten Nicolaus V. von Werle.


VI. Generation.

Von den Söhnen Nicolaus I. ist nach Kirchbg. 827 Johann "der eldiste"; aber in den Urkunden, wo sie neben einander genannt werden, geht Heinrich seinem Bruder Johann stets voran (z. B. U. 557: Hinricus et Johannes, filii nostri; U. 558, U. 595 [1247, 17.Oct.]: domicelli mei Henricus et Johannes etc.). Seit des Vaters Tode (Mai 1277) stellten Heinricus et Johannes ihre Urkunden gemeinsam, hernach auch mit Bernhard aus (U. 1466 v. 18. Juli 1278: Henricus, Johannes, Bernardus, d. gr. dni. de Werle; U. 1490, von Johann allein gegeben, wird man datieren müssen: MCCLXXXI., x. tercio cal. Junii). 1281, am 5. Mai [U. 1578] urkundeten noch Heinricus, Johannes, Bernardus d. gr. dni. de Werle. Dann scheint aber eine Landestheilung vorgenommen zu sein. 1281, December 20. [U. 1593] urkundet Johannes allein über Hufen zu Goldberg, 1282 [1598] Johannes et Bernardus d. gr. dni. de Werle über Parchim, 1282, Januar 27. Johann über Parchim [U. 1611], 4. Februar 1282 [U. 1612] Bernhard über Prisannewitz (spätere Urkunden von Bernhard sind nicht vorhanden), 20. Februar 1282 Johann über die Mühle vor Plau, 1282, 1. August [U. 1639] Heinrich über Bobbin, 1283, 5. Februar [U. 1668] Heinrich und Johann über Kl. Grenz, 1283, 23. August [U. 1695] Heinrich über Penzlin; 1284, 9. Juni [U. 1729] Johanns Sohn Nycholaus dei gr. et fratres

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sui domicelli de Werle (testes: patruus noster dilectus Henricus de Werle et duo filii sui Nycholaus et Henricus, domicelli de Werle) etc.

a. Heinrich. - Geneal. Dob.: filiis domini Hinrici predicti patrem suum captiuare volentibus, contigit [a casu, setzt die Geneal. Parch. hinzu], ut patricide facti sunt. Es geschah nach den Annal. Lubic. 1291, in vigilia Dyonisii (= 8. Oct.), nach Detmar 1291, in sunte Dyonisius avende; das Necrol. Doberan. sagt von Heinrich: hunc filius suus interfecit a. d. 1291, octauo idus Octobris (= 8. Oct.); Kirchberg c. 174 (Sp. 828):

Das geschah in Rugia
by Zale (Saal) dem dorffe da,
du man schreyb czwelfhundirt jar
vnd eyn vnd nuynczig offinbar;
vnd wart begrabin vm daz virseren
zu Doberan mit großin eren.

Gemahlinnen Heinrichs: 1) Rixa, filia regis Suecie, nach dem Chron. pr. Sax., s. o. - (1284) schreibt Heinrich socero suo karissimo (seinem Schwager) dno. E. (vielmehr Magno) regi Swecie (s. m. Note zu U. 1736). Am 13. December 1288 [U 1989] bedingen ihre Söhne Nicolaus und Heinrich eine Memorie pie recordacionis matris nostre Rickeze domine de Werle, quondam regine Suecie. Sie war die Tochter Jarl Birgers, des schwedischen "Königs ohne den Titel", dem König (Prinzen) Hakon d. j. von Norwegen 1249 verlobt, 1251 vermählt, am 30. April 1257 verwittwet. [Hist. Hakonis Hakonidae c. 268, 274, 288.] Darauf ward sie 1262 mit Heinrich Vermählt (Langebek, Scr. rer. Danic. II, p. 168). - S. m. Note zu Urk. 1989.

2) Mechthild von Lüneburg (Vgl. Lisch, Jahrb. XXV, S. 26 flg.). - Aus der Urk. (im M. U.=B. V, 2736) vom 11. Mai 1301 ergiebt sich, daß sie an diesem Tage noch lebte, und daß sie die Schwester des Herzogs Otto des Strengen, mithin eine Tochter des Herzogs Johann von Braunschweig=Lüneburg war (illustri principi dno. Ottoni duci de Brun. et Lun. ac inclite dne. Meichtildi, sorori sue karissime, quondam relicte nobilis uiri dni. Hinrici de Werle pie memorie. Gestorben ist sie am 8. Januar (Necrol. Hild., S. Mieh. Luneb., Winhus.), also frühestens 1302, im Kloster Wienhausen und dort begraben.

b. Johann I. Als lebend wird Johann in Urkunden zuletzt genannt am 1. September 1283 [U. 1697]. Nach dem Necrol.

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Doberan. [s. U. 1699] starb er 1283, octauo x° kal. Nouembris (= 15. Oct.); - vnd quam geyn Doberan -,

du man schreib czwelfhundirt iar
vnd dry vnd achczig recht gewis,
in dem achten kalendas Nouembris

(= 25 Oct.), Kirchbg. c. 173 (Sp. 828). Wahrscheinlich bezieht sich das Datum Kirchbergs nur auf das Begräbniß.

Gemahlin: Johannem, qui duxit filiam Guntheri de Repin (Chron. pr. Sax., s. o. S. 223). In ihrer und ihrer Söhne Urk. vom 25. November 1284 wird sie bezeichnet: mater eorum, Sophia nidelicet domina de Repin [U. 1758], und das anhangende Siegel "comitisse! Sophie de Slavia" zeigt die Fürstin mit dem graflich Lindowschen Wappen zur Rechten. Ihre Söhne Günther und Johann gedenken (als Mitbesiegler) 1284 [U. 1946]: dominorum Borchardi et Vlrici comitum de Reppin, awnculorum nostrorum. - Nach ihres Gemahls Tode pflegte sie zunächst - wohl als Mitvormünderin ihrer jüngeren Söhne - ihren Consens zu Urkunden zu ertheilen (1288 [U. 1955] und 1294 [U. 2288]). Ihren Wittwensitz hatte sie zu Plau [U. 1957: vidua sancta domina]; seit 1291 aber finden Wir sie zu Röbel (1291, 6. Januar [U. 2102], 17. März 1291 [U. 2110], 14. October 1296 [2415], 1298 [U. 2506]), wo das Dominikanerkloster seit 1285 auf der Altstadt, und das Kloster der Büßerinnen auf der Neustadt war, bis 1298 [U. 2505 - 7] das letztere nach Malchow verlegt ward, und die Dominikaner in die verlassenen Räume auf der Neustadt einzogen. In Röbel hat Sophie auch ihr Grab gefunden (Kirchb. 836: Johannis mutir), wohl auf der Neustadt. Am 18. Januar 1301 [U. 2726] gedenkt ihr Sohn Nicolaus noch ihres Consenses (damus de bona nostre matris et nostrorum fratrum voluntate); 1304, am 9. Juni [2938] wird sie aber als verstorben bezeichnet.

c. Ueber die nach Marschalck mit dem Fürsten Albrecht I. von Meklenburg vermählte Tochter des Fürsten Nicolaus I. von Werle vgl. oben S. 154.

d. Hedwig ist den mecklenburgischen Geschichtsquellen unbekannt. Aber im Chron. princ Sax. p. 479 heißt es: Johannes (I. v. Brandenburg, † 4. April 1266) - gennit Johannem, qui - vivente tamen patre duxit filiam dni. Nicolai Hedwigem. - In diesem dns. Nicolaus hat man in Ermangelung eines andern gleichzeitigen Fürsten dieses Namens, der nur den Titel dominus führte, mit großer Wahrscheinlichkeit Herrn Nicolaus I.

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von Werle erkannt. - Im Dominikaner=Kloster zu Prenzlau war aus einer Wand zunächst der Todestag des Stifters dieses Klosters, des Markgrafen Johann (II.), verzeichnet, darunter: Anno domini M°CC°LXXXVII°, V. idus Sept. (9. Sept. 1287), obiit domina Hedwig, vxor marchionis predicti, que dedit nobis ortum. (Riedel, Cod. C, Bd. 1, S. 13.)

e. Bernhard I., zuerst genannt 1273 [U. 1285: Nicolaus dei gr. et filii ejus dilecti Henricus et Johannes et Bernardus, domini de Werle], nimmt seit 1278 (s. o.) an der Regierung Theil, urkundet noch am 4. Februar 1282 (s. o.). 1282, am 9. März [U. 1619], wohl zu Roeskilde, übernimmt domicellus Bernardus, dominus de Werle, eine Bürgschaft für König Erich von Dänemark; dann verschwindet er aus den Urkunden. Nach dem Necrol. Dob. starb er am 10. October 1281 [U. 1869], eine Angabe, welche durch die Urkunde vom 9. März 1282 widerlegt wird. Kirchberg dagegen erzählt c. 172 (Sp. 825):

An erben jungher Bernhart starb,
daz her keynen erben warb,
do man schreyb czwelfhundirt jar
vnd ses vnd achtzig uffinbar,
vnd wart mit vngehabin
zu Doberan begrabin.

Diese Angabe widerspricht freilich den Urkunden nicht. Denn als verstorben wird er erst am 3. März 1288 [U. 1957] von seinem Neffen Nicolaus II. bezeichnet (patruum nostrum predilectum Bernardum pie memorie); immerhin aber bleibt es auffallend, daß Bernhard vier Jahre lang so völlig von der Regierung ausgeschlossen gewesen sein sollte, daß auch nicht einmal sein Name in den Regierungs=Urkunden mitgenannt wäre.


VII. Generation.

A. Heinrichs I. Kinder.

Heinrich gedenkt zuerst am 1. August 1282 [U. 1639] des Consenses seiner Söhne (filiorum nostrorum, Nycolai nidelicet et Heynrici, unanimi consensu), und von da an regelmäßig in Werleschen Angelegenheiten bis an seinen Tod. - 1291, nach dem Vatermord, wurden zuerst beide Brüder durch Nicolaus II. vertrieben; über ihre Vertreibung entspann sich aber ein langer Krieg.

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a. Nicolaus. - Am 15. Mai 1298 [U. 2499] waren beim Markgrafen Albrecht zu Soldin viele Fürsten, darunter domicellus Nycholaus de Werle. Seitdem fehlt jede weitere Spur von Nicolaus. Denn Nicolaus dei gratia dns. de Werle, der am 28. September 1309 zu Penzlin den benachbarten Grapenwerder und am 29. zu Waren den Werder Damerow [U. 3345 und 3346] verlieh, ist meines Erachtens der Sohn Johanns I., Nicolaus II.

b. Heinrichs I. Sohn Heinrich kommt nach seines Vaters Ermordung in Urkunden nicht mehr vor. Nach Kirchberg c. 173 (Sp. 828) fand er Aufnahme in Penzlin:

her reyd vordan geyn Pentzelyn,
zu herren dy in namen.

Dort scheint er sich gehalten zu haben bis zum Kriege der Markgrafen gegen Nicolaus II. von Werle (Vgl. Urk. vom 26. und 31. October 1306 [U. 3118, 3119] und Detmar z. J. 1308 mit Kirchberg c. 177, Sp. 832), also bis 1307 oder 1308:

Ouch gewan dy selbin frist
von Goltstede her Johan vil drad
Penczelyn, borg vnd stad,
ab dem junghern Hinriche
zu her Nyclaws hand gar gliche;
jungher Hinrich wart gentzlich do
virtriben vz dem lande so.

Gemahlin: Mechthild. - Kirchberg berichtet c. 171 (Sp.828):

Derselbe jungher Hinrich
nam im synd zu wybe glich
des herczogin tochtir von Stetyn.
Eynen son gebar dy frowe fyn,
Barnym desselbin name waz.

Kirchberg sagt sonst, dieser habe den Namen nach seinem Großvater erhalten. Dessen (Barnims I., Herzogs von ganz Pommern) Sohn Bogislav IV. gab (nach ges. Mittheilung des Archivars Dr. Prümers) 1280, am 30. August (III. cal. Sept.) der Marienkirche zu Stettin das Dorf Neuenkirchen de sororis nostre domine Mechtyldis, illustris ducisse Slauorum, et nostrorum coheredum perfecto consensu. Diese Mechthild muß nach Klempins richtiger Annahme die Gemahlin jenes Heinrich von Werle geworden sein. Denn von Barnims I. andern Töchtern ist bekannt, wie sie anderweitig vermählt sind, und die Tochter

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Heinrichs d. j. von Werle hieß auch Mathilde. - Ihr Todesjahr ist noch unermittelt. Nach Oelrichs, Das gepriesene Andenken der Pommerschen Herzoge S. 96, redet Bogislav IV. in einer Urkunde von 1299, durch Welche er der Marienstiftskirche zu Stettin das Dorf Lulow bestätigt, noch von seiner Schwester Mathilde.

c. Rixa. - Chron. ducum de Bruneswich d. a. 1282 (Leibn. II, p. 18): Sex filiorum ducis Alberti primus Hinr. - secundus, Albertus, duxit filiam Hinrici dni. de Werle. Danach mag die Vermählung Rixa's mit Albrecht dem Dicken von Braunschweig=Göttingen schon 1282 stattgefunden haben. Zu ihrer Mitgift bezeugt ihr Vater Heinrich I. am 18. März 1285 den Erlös von 22 Hufen auf der Feldmark Teterow und in dem Dorfe Strifenow - 1278 M. Lüb. verwandt zu haben (conuersas integraliter in solncionem dotis dilecte filie nostre, inclito Alberto duci de Brunswic matrimonialiter copulate, U. 1788, Vgl. 1713). - 1303, 22. Juli [U. 7247] verkaufte Herzog Albrecht den Benediktinern in Nordheim sein Vogteirecht zu Medeheim, et nos Ryckza ducissa in Bruneswich - nostrum consensum - adhibemus. Ihr angehängtes Siegel zeigt auf der Fahne in ihrer Linken den Werleschen Stierkopf. - 1317, am 26. November (in crastino b. Katharine virginis), lebte sie nicht mehr; ihr Sohn Otto machte damals mit seines Vaters Zustimmung schon eine Schenkung zu Seelenmessen für sie. Nach einer Urkunde des Capitels zu St. Blasien vom Jahre 1340 ruhet sie mit ihrem Gemahl († 1318) an der Südseite in St. Blasien neben einer Säule. (S. Lisch, Jahrb. XVIII, S. 210.)

B. Johanns I. Kinder.

Töchter Johanns I. werden in Urkunden nie erwähnt. Es ist aber beachtenswerth, daß von Nicolaus II. (Johanns I. ältestem Sohn) in einem Vertrage vom 9. August 1307 [U. 3178] unter seinen Mitgelobern (louere) an erster Stelle genannt werden: vns om her Buggeslawe, vns veddere Hinric van Mekelenburg, vns om Johann van Gutzecowe. Und in einer zu Neukloster am 14. December 1311 ausgestellten Urkunde [U. 3500] nennt Heinrich II. von Meklenburg als Zeugen: cognatus noster dominus Johannes comes de Gutzekow. Die letztere Bezeichnung erklärt sich leicht; Heinrich II. war Barnims I. von Stettin Enkel, und der Graf Johann II. von Gützkow (der von 1297 bis Ende 1314 regierte und der sicher vor 1317 starb) desselben Herzogs Urenkel. Dagegen deutet die von Nicolaus II.

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gebrauchte Bezeichnung om (avunculus) an, daß derselbe mit dem Grafen Johann II. durch eine Frau verwandt war. Wäre Johanns II. von Gützkow Gemahlin (etwa seine erste Gemahlin, bevor er Herzog Barnims I. Tochter Margarete [vor dem 13. Juli 1300] heimführte) eine Schwester des Fürsten Nicolaus gewesen, so hätte dieser ihn sicher nicht om, sondern swager genannt. Auch kann der Graf Johann II. nicht ein Sohn von einer Schwester des Fürsten Nicolaus II. gewesen sein; denn sein Vater Jaczo II., Graf von Gützkow, der sicher 1280 - 95 regierte (und 1297 nicht mehr lebte), war schon 1249 mit Cecislava von Putbus verlobt, und diese kommt noch 1295 als lebend vor; er ist nur einmal vermählt gewesen. Es wird daher nichts Anderes übrig bleiben, als mit Klempin (Pomm. Stammt. S. 7) anzunehmen, daß die Gemahlin von Johanns II. älterem (einzigem) Bruder Jaczo III. (Junker zu Gützkow 1280 - 86, Graf 1297 - 1303) eine Tochter des Fürsten Johann I. von Werle gewesen ist. - Welchen Platz wir derselben zwischen ihren Brüdern anzuweisen haben, bleibt ebenso ungewiß wie ihr Name.

Söhne Johanns I.

Sicher hatte Johann I. sechs Söhne. Denn Nicolaus d. gr. et fratres eius dilecti Johannes, Gunterus, Hinricus, Bernardus et Johannes, domini de Werle, bestätigten am 22. Juni 1284 die Gerechtsamen der Stadt Parchim [U. 1743], und 1291, 17. März, urkundete für Amelungsborn: Nicolaus d. gr. dns. de Werle - accedente - consensu dilecte matris nostre dne. Sophie et fratrum nostrorum Guntheri, Bernardi, Henrici et Johannis [U. 2110].

a. Nicolaus II. (Nicolaus secundus: schon in der Gen. Dob. genannt; denn die Vatermörder wurden von der Werleschen Linie nicht mitgezählt). - Nicolaus übernahm nach seines Vaters Tode die Regierung in allen seinen Landen (Parchim) für sich und seine noch unmündigen Brüder (1288 nennen Günther und Johann ihn ihren prouisor, U. 1946) und stellte die Urkunden mit Erwähnung des Consenses der Brüder unter seinem Siegel [U. 1729] auw, succedirte (1291) auch in seines ermordeten Oheims Heinrich Land (Güstrow). Erst seit 1309 gaben in der Regel Nicolaus und Johann die Urkunden (mitunter erscheint Johann auch nur noch als Zeuge, U. 3308, 3373). Während Nicolaus die Reise nach Montpellier machte (Kirchbg. 832), um von dem Aussatz befreiet zu werden (1311, 11. März - 15. Dec. fehlt er in unsern Ur=

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kunden), regierten Johann d. ä. (II.) und Johann d. j. (III.), des Nicolaus Sohn [U. 3458, 3459, 3460, 3463, 3498]; und nach Nicolaus II. Rückkehr blieben beide seine Mitregenten. - Nicolaus leprosus factus in Pustecowe (Püstow bei Güstrow) obiit (Stammtafel zur Gen. Parchim). Nicolaus 2 9 , dei gra. filius Johannis de Werle, obiit anno dni Mcccxvi., 4 to idus Octobris (= 12. Oct.): Necrol. Dob.; das Jahr giebt auch Kirchberg 832. - Begraben ist Nicolaus zu Doberan (Kirchbg. 832).

Gemahlinnen. 1) Rixa, Tochter des Königs Erich Gliplping von Dänemark. Kirchberg erzählt c. 173 (827):

Her Nyclaws ouch zu wybe quam;
eyns Thenischen koniges kint her nam,
dy hiez Rixa virwar
vnd waz nicht elder wan vier iar.
Daz hint man im antwurte do,
daz wart schon irczogin so
in dem clostir Dobertyn,
bis sy manber mochte syn.

Dann berichtet Kirchberg c. 175 (Sp. 831) (zur Zeit des Friedensschlusses zwischen Heinrich II. von Mekl. und Nic. II. von Werle):

Ein groz hof wart dy selbin czid,
da nam her Nyclaws sundir nyd
eyn[s] Denischin koniges tochtir da,
dy waz geheißin Rixa.

Eine päpstliche Vollmacht ward am 1. October 1291 an den Bischof von Schwerin ertheilt, den Verlobten Nicolaus von Werle und Ri[x]a, eiusdem regis (sc. Datie) filia, neptis dictorum marchionum (sc. Brand.), vom quarto consanguinitatis gradu zu dispensieren [U. 2722]. Ihre Verwandtschaft (s. m. Anm. zu U. 2722) war kurz diese:

Stammbaum

Die Vermählung ward also wahrscheinlich 1292 vollzogen. Sie erscheint als collateralis Nicolai 1301 [U. 2751] mit ihrem

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Siegel: S. Rixe domine Slavie, filie regis Dacie (worauf sie zur Rechten das Werlesche, zur Linken das dänische Wappen hat), desgl. 12. März 1303 [U. 2857]. - 1308, 27. Oct. [U. 3248] nennt Nicolaus II. sie schon unter den verstorbenen Verwandten. - Vgl. U. 3620.

2) Mechthild. - Ueber Mechthild, die Tochter des Herzogs Otto des Strengen von Lüneburg, vgl. Lisch, Jahrb. XVIII, S. 193 flgd. - 1314, am 10. Juli [U. 3702], versprachen Nicolaus II. und Johann II. von Werle, den Grafen Nicolaus von Schwerin schadlos zu halten: sibi precauere penitus de promisso prestito pro nobis duci Luoneborgensi dno. Ottoni illustri et filio eiusdem super dotalicio filie ducis eiusdem, dne. Mechtildis. - Andreas v. Mandelsloh, Registr. eccles. Verdensis, berichtet (aus unbekannter Quelle): Otto dux Luneburgensis bone memorie in ciuitate Ullesszen tradidit sororem suam nuptui comiti de Warningerode et filiam suam domino Nicolao de Warle, domino Slauie, solempnitatibus nuptiarum fere consummatis -. Eo tempore bellum magnum inter marchionem Woldemarum et ducem Luneburgensem (im Herbst 1315). Sie ward also vor dem 10. Juli 1314 verlobt, im Herbst 1315 zu Uelzen vermählt mit Nicolaus II., aber schon etwa ein Jahr später (12. Oct. 1316) Wittwe. In Meklenburg wird sie nicht wieder erwähnt, auch kein Kind von ihr.

b. Johann II. (Johannes secundus nennt er sich auf seinem zweiten Siegel; Johannes secundus, qui et Caluus dietus est, heißt es in der Geneal. Parch.; Johannes Calvvs de Gustrowe II. in der Stammtafel zu derselben.) Erst seit 1309 nahm er (S. oben S. 229) an der Regierung Theil, nach seines Bruders Nicolaus II. Tode schloß er am 2. Dec. 1316 [U. 3860] einen Erbtheilungsvertrag mit dessen Sohn Johann III., wodurch Johann II. der Güstrowsche, dem Neffen der Parchimsche Landestheil zufiel. - Johann II. starb nach dem Doberaner Necrol. und nach Kirchberg 837: 1337, 27. Aug. (sexto kal. Sept.) und ward nach Kirchberg zu Doberan begraben. (Am 18. Nov. 1337 gab schon sein Sohn Nicolaus III. als Regent eine Urkunde [U. 5822].)

Gemahlin: Mechthild. - Kirchberg berichtet c. 178 (Sp. 833):

[V]on Werle der andir Johan,
hern Nyclaws brudir sundir wan,
dy nam eyn wib erbar vnd mild,
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dy waz geheißin Mechthild,
wirdig, wyse vnd daby kurg,
herczogin Otten tochtir von Luneb[u]rg.

Dabei verwechselt Kirchberg Johanns II Gemahlin mit der gleichnamigen zweiten Gemahlin seines Bruders Nicolaus II. (s. o.). Denn am 23. October 1311 [U. 3493], zu Eisenach, genehmigte Agnes, Herzogin von Braunschweig, für sich und pro illustri domino Heinrico duce, conthorali nostro, die Ehepacten, welche ihr Bruder Markgraf Friedrich von Meißen mit Johann (II.), Herrn v. Werle, wegen ihrer Tochter Mechthilda abgeschlossen hatte. Mechthild, Johanns II. Gemahlin, war also eine Tochter Heinrichs I. (des Wunderlichen) von Braunschweig=Grubenhagen. Ihre braunschweigsche Herkunft zeigt auf ihrem Siegel [abgebildet zu U. 3995] das braunschweigsche Wappen zur Linken ihres Bildes. Ihr Leibgedinge war Plau; doch wies sie die Bürger von Plan am 22. Mai 1318 an ihren Gemahl [U. 3983]. Sie lebte [nach U. 7316] noch 1329, und sie erlebte nach Kirchberg c. 180 (p. 836) noch den Prozeß gegen die Juden im Jahre 1330 und die Stiftung zweier Vicareien in der Frohnleichnams=Kapelle am 1. Dec. 1332 [U. 5378], sowie deren bischöfliche Konfirmation am 24. Oct. 1333 [U. 5459].

Darnach dy edele furstynne mild,
hern Johannis wib fraw Mechthild,
starb dyses lebens kortzir vard.
Zu Rebele(!) dy begrabin ward
by hern Johannis mutir gar
vnd by sine brudere beyde virwar.

Sie mag also Ende 1333 oder 1334 gestorben sein. Urkundlich wird sie 1344 [U. 6390] als verstorben bezeichnet.

c. Günther. Nach der Dob. Geneal. und Kirchberg war Günther der dritte Sohn, ebenso wird er in den Urkunden vom 22. Juni 1284 und vom 18. October 1285 nach Johann II. genannt [U. 1743 u. 1817], in den späteren Urkunden aber vor demselben (ob vielleicht wegen seines geistlichen Charakters?). 1288 nennt er seinen Bruder Nicolaus noch seinen Vormund (prouisor, U. 1946, Vgl. 2474). Domherr zu Güstrow war er vielleicht schon 1296 [U. 2401]; 1301, Sept. 4: Nomina canonicorum - in eccelsia Gustrowensi: Hinricus prepositus, Johannes decanus, domicellus Guntherus, Nycolaus Ketelhot scolasticus etc.]; 1302, am 9. Oct. [U. 2825] nennt er sich Guntterus, Caminensis ecclesie postulatus (doch ward er nicht Bischof); 1303, 23. Febr.

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[U. 2854]: Gunterus dei gra. domicellus de Werle, canonicus maioris ecclesie in Maghedeburg. Am 8. Jan. 1306 (Guntherus de Slavia, U. 7251), am 25. Febr. 1307 (Guntherus de Wenden, U. 7256) und am 24. März 1310 [U. 7265] finden wir ihn auch zu Magdeburg; öfter aber in Meklenburg als Theilnehmer an den Regierungsgeschäften bis zum 20. April 1310 [U. 3392]. (Die Urk. 3562 ist unecht.) Nach Kirchb. 827 ist er zu Magdeburg gestorben, und vermuthlich ist er dann dort auch bestattet; wahrscheinlicher ist uns, daß er in Meklenburg gestorben und im Dom zu Güstrow begraben ist.

d. u. e. - Hinricum et Bernardum. Isti duo vltimi effecti sunt fratres predicatores in Robele, heißt es in der Geneal. Dob. So berichtet auch Kirchbg. c. 173 (Sp. 827):

dy lesten zvene monche worden
zu Rybele in santi Benedictis orden.

Er setzt hinzu: vnd worden ouch da begrabin. - Heinrich wird 1291, am 17. März, in der zu Röbel ausgestellten Urkunde 2110 (ohne Andeutung geistlichen Standes) zuletzt erwähnt; Bernhard dagegen lebte noch am 24. August 1309 (religioso viro nobili domino fratre Bernardo de Slauia, ordinis fratrum maiorum, U. 3341).

f. Henneke (Henning) ist weder den Verfassern der Dob. und Parch. Genealogie, noch Kirchberg bekannt geworden. Sein Bruder Nicolaus II. erwähnt seinen Consens nur noch am 17. März 1291 [U. 2110], hernach nie wieder. Er lebte aber noch, jedoch im Auslande, am 30. März 1311 [U. 3465], wo sein Bruder Johann II. eine Bürgschaft in locum fratris nostri Hen. absentis übernahm.


VIII. Generation.

A. Kinder Heinrichs des Vatermörders.

a. Barnim. - Ueber diesen berichtet Kirchberg c. 173, Sp. 828):

Der selbe jungher Hinrich (Heinrichs I. Sohn)
nam im synd zu wibe glich
des herczogin tochtir von Stetyn.
Eynen son gebar dy frowe fyn,
Bamym des selbin name waz.
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Der starb eyn monich zu Colbaz
Syns aldirvatir nam ward im,
den hiez hertzoge Barnym.

Otto I., Herzog zu Stettin (Barnims I. Sohn), gründete am 28. Febr. 1317 eine Domprabende zu Cammin für seinen Schwestersohn (avunculus) Barnim [U. 3882]; seit 1322, 2. Mai, erscheint Barnim de Werle als Probst der Domkirche zu St. Marien in Stettin [U.4344]; 1330, 13. Dec. [U. 5188], Barnym van Werle als Probst im Camminer Domkapitel, und in dieser Stellung noch am 10. März 1333 [U. 5403], aber nicht mehr am 26. Mai 1333. Die Herzoge Otto I. und sein Sohn Barnim III. von Stettin gedenken noch am 24. Juni 1335 nostri cari auunculi Barnym de Werle, ohne pie memorie oder einen Titel hinzuzufügen. Wahrscheinlich lebte er also damals schon als Mönch zu Colbatz. In diesem Kloster wird er gestorben und auch begraben sein. Nach der Pomerania I, S. 278, wäre er schon 1329 (S. 336) Propst zu Cammin gewesen, was vielleicht richtig ist, und folgends noch Abt zu Colbatz geworden, was uns wenig wahrscheinlich dünkt.

b. Mechthild. - Am 3. Januar (in octaua s. Johannis apostoli et euangeliste) 1356 zu Pyritz bezeugt Hzg. Barnim III. von Stettin, quod - Andreas Ryeman, prefectus et ciuis noster in Piritz, omnia bona sua in villa Strostorp, que a religiosis dominabus domina Mechtilde domicella de Werle, matetera nostra, priorissa, et a conuentu sanctimonialium prope Pyritz in pheodum habuit, - predicte domine Mechtildi priorisse et tot[i] conuentui sanctimonialium prope Piritz - resignauit - -. Dies ist bisher die einzige urkundliche Nachricht über Mechthild, welche uns bekannt geworden ist.

B. Kinder von Nicolaus II. (aus seiner 1. Ehe).

a. Johann III., wie er sich auf seinem großen Siegel (Johannis tercii) bezeichnet, während ihn die Geneal. Parchim.: Johannem tercium, alias van Ruden, nennt, seit 1312 seines Vaters Nicolaus II. Mitregent (s. S. 230), am 12. October 1316 sein Nachfolger. Ganz richtig heißt es von ihm in der Geneal. Doberan.: diuisit dominium cum patruo suo domino Johanne secundo post mortem patris [2. Dec. 1316, s. U. 3860] et constructo castro in Goltberg ibi habitauit. - Seit 1350 überließ er die Regierung ganz seinem Sohn und Mitregenten Nicolaus IV. [U. 7041, 7045, 7499 etc. .] Am 1. April 1352 lag Johann III. schon todkrank (U. 7597 sagt sein Sohn: Vnde were

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dat vse leue vader her Johan vtqueme, so schole wy her Nicolaus Clawes Hanen schepen synen bref, vses vaders -; were dat he nycht vt en queme, so schole wy - holden allent, dat desse bref spreckt.) Er scheint nicht wieder genesen, sondern bald gestorben sein. Wenigstens die Privilegienbestätigungen für Dargun vom 28. Aug. [U. 7651] und für Malchin [U. 449] gab Nicolaus IV. auf eigenen Namen, ohne dabei des Vaters Erwähnung zu tun. Nach Simon Pauli (bei Chemnitz) ist Johann III., wie vor ihm seine Gemahlin Richardis, im Kloster Malchow begraben.

Gemahlinnen. 1) Mechthild. - Otto I., Herzog von Stettin, beurkundet am 20. Januar 1317, dat wy - vns bevrundet hebben mit vnser dochter Metteken vnde Henneken van Werle, heren Nyclaus [II.] sone van Werle, und verzichtet dabei zu Hennekes Gunsten auf das Einlösungsrecht über Stavenhagen [U. 3874]. Diese Gemahlin kennt auch Kirchberg [Sp. 832, 837]. Nach Klempin (Pomm. Stammtafeln) ist sie 1332 gestorben; die mecklenburgischen Urkunden sagen nichts davon.

2) Richardis. - Von dieser weiß Kirchberg nichts, und wir kennen sie auch nur aus einer (in Abschrift erhaltenen) Urkunde [U. 6669], in welcher am 6. Juli 1346 Johann III. seiner Schwiegertochter zum Leibgedinge das Land Malchow verschreibt, prout nostra dilecta contoralis domina Richardis felicis recordacionis dinoscitur habuisse. Ueber ihre Herkunft haben wir nichts ermitteln können.

b. Sophia. - Kirchberg (831) kennt nicht ihren Namen, aber ihre Erlebnisse. Sophie ward am 17. Juli 1310 [U. 3406] mit Herzog Erich von Schweden (der auf seine Braut Ingeborg von Norwegen verzichtete) verlobt; sie sollte ihm am II. November 1310 als Gemahlin zu Falkenberg zugeführt werden [U. 3408], er verschrieb ihr am 9. August Morgengabe und Witthum [U. 3413]. Doch vollzog Erich die Ehe nicht, sondern sandte Sophie zurück, erklärte jedoch am 19. Juni 1313 [U. 3626], daß dies nicht wegen einer Untugend oder Schande geschehen sei, sondern nur, weil er sie "nach Gottes Gesetz" nicht habe ehelichen dürfen, und verstand sich zu einer ansehnlichen Geldbuße. - Darnach sy do zu wibe wart von Holtzten greuen Gerhart (Kirchberg 831), d. i. Gerhard III. (d. Gr.) Von Rendsburg, später Reichsverweser in Dänemark und Herzog von Schleswig. - Ein Privilegium für die Stadt Rendsburg vom 6. Dec. (Nicolai) 1339 beginnt: - Gherardus dei gracia comes Holtzacie et Stormarie, Sophia eadem

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gracia comitissa Holtzacie, Hinricus eadem gracia comes ibidem, Nycolaus domicellus, frater ipsius -. (Nach dem Corp. const. regio=Holsat. III, 807 mitgetheilt von AR. Dr. Hille.) - Graf Gerhard ward bekanntlich in der Nacht zum 1. April 1340 von Dänen auf seinem Bette zu Randers erschlagen; ob Sophie ihn überlebt hat, ist uns nicht bekannt.

C. Kinder Johanns II. von Werle=Güstrow.

In der Doberaner Genealogie heißt es S. 18: Porro dominus Johannes secundus reliquit post se heredes duos filios, Nicolaum et Bernardum, qui paternam diuiserunt hereditatem, ita quod Nicolaus Gustrowe, Plawe, Nyenkalant et Krakow optinuit, Bernardus vero Warne, Robele, Pentzelyn et Wredenhagen habuit [S. Theilungsurkunde vom 14. Juli 1347, U. 6779]. Iste Nicolaus tercins =. Töchter werden hier nicht erwähnt; aber nach Kirchberg 833 hatte Johann II. tochtere vil, während Marschalck (III, 7) nur von zweien weiß, ohne jedoch deren Namen etc. . anzugeben. Es ist leider uns auch nur gelungen 3 Töchter nachzuweisen (s. u.).

a. Nicolaus III. ist, wie in der Doberaner Genealogie, so auch auf seinem großen Siegel als Nie. tercius bezeichnet; hern Clawes [van] Wenden, geheten Stauelike 1 ), nennt ihn Hzg. Albrecht II. 1375, Sept. 10. (Cod. Plaw. S. 85). Er succedirte seinem Vater 1337 zunächst allein, seit 1339 [U. 5993] regierte er gemeinsam mit Bernhard bis 1347, seitdem dann allein in seinem Güstrowschen Landestheil. In der ersten Hälfte des Jahres 1360 kommt er noch öfters in Urkunden vor, zuletzt aber am 15. Juni (Schröder P. M. S. 1390). Wahrscheinlich ist er also nicht gar lange hernach gestorben; doch erwähnt König Waldemar von Dänemark in einer am 10. August 1360 vor Helsingborg ausgestellten Vertragsurkunde als noch lebend: iunchere Clawes van Gůzterow vnde Berende, sinen broder. Sein Sohn Lorenz (der damals vielleicht im Auslande verweilte, wie er auch 1363 mit Herzog Albrecht II. und dessen Sohn Albrecht III. nach Schweden zog) erscheint in Urkunden als Regent erst am 1. August 1361, wo er im Dom


1) Der Beiname Staueleke (Parch. Stammt.) oder Stauelike ist so wenig erklärt wie Johanns III. von W.=Goldberg Beiname van Ru o den. Nicolaus IV. von Goldberg mag den Beinamen Poggenoge von der Form und dem Ausdruck seiner Augen erhalten haben. Grafen Otto I. von Schwerin nannte man greve Rose (Detmar 1354), Graf Nicolaus II. hatte den Beinamen Pyst, wie eine Familie in Neustadt hieß.
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zu Güstrow eine ewige Lampe stiftete; und am Beggerower Landfrieden, 9. August 1361, nahmen die junchern Bernt vnd Laurencius von Werlescher Seite Theil.

Gemahlinnen: 1) Agnes, Tochter Heinrichs II. v. Mkl.; s. oben S. 166.

2) Mechthild. - Kirchberg berichtet Sp. 837:

Jungher Nyclaws vnd Bernhard,
dy namen zu wiben beide - -
eyns greuen tochtero sundir wan,
den hiez von Holtzten greue Johan.

Ebenso erzählt Detmar z. J. 1341 (im Anschluß an ein Ereigniß vom 22. April): Da ghaf oc to Plone greue Johan [III., der Milde] twe sine dochtere to manne twen iunkheren, Nicolawese vnde Bernardo van Wenden. Katharine, Tochter von Nicolaus III. und Wittwe Herzog Albrechts V. von Sachsen (daher Katherina, hertogynne van Sassen), leistete am 18. Oct. 1388 (Schl.=Holst.=Lauenbg. U.=S. II, 353) ihrem oem Alue, grenen to Holsten etc., Verzicht van vnseme anvalle vnde van der helfte, de vns vnde vnsen ernen mochte boren an deme lande to Holsten vnde Stormeren van vnser moder weghene vnde van deme brene, de[n] greue Johan van Holsten vnde Stormeren, vnse eldernader (d. h. Großvater), hefte gheuen vnseme vadere her Nicolaweze van Wende[n] vppe vnser moder brutschat. Die Namen der beiden Gemahlinnen der wendischen Herren stehen urkundlich fest; denn am 14. März 1344 [U. 6390] tun Nicolaus et Bernardus fratres, domicelli, dei gracia domini de Werle, Erwähnung: vxorum nostrarum Mechtildis et Elyzabet. - Mechthilds Todesjahr ist unbekannt; aber am 12. März 1390 gedenkt Bernhards Wittwe Elisabeth einer verstorbenen Schwester; wahrscheinlich war dies Mechthild.

b. Bernhard II., seit 1347 (s. oben) allein Herr zu Waren etc. . Man nimmt gewöhnlich an, daß er bald nach dem 8. Juli 1378 gestorben sei, weil man seine Urkunde von diesem Tage (sunte Kylianes daghe, Orig), in welcher er den Wedige von Plote zum Vogt des Landes Waren bestellte, für seine letzte hält. Und schwach mag er sich damals gefühlt haben; denn am 7. Juni 1378 (feria secunda infra quatuor dies festiuos festi pentecostes) verpfändete nicht er selbst, sondern Johan, van der gnade gades here to Werle, der Stadt Malchin seine Gerechtigkeit über die dortigen Juden, der also schon ganz als Landesherr austrat (Maltzan II,

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S. 316). Allein der zuverlässige Notar Clandrian führt in seiner "Registratur vnd kurtzem Extract der Brieffe vnd Instrumente in der Thumbkirchen zu Güstrow" v. I. 1580 noch drei spätere Briefe Bernhards auf; in dem ersten d. d. Warne 1381, in vigilia ascensionis Domini (22. Mai), giebt "Bernardus, Herr von Werle," dem Gerwin Teterow auf seine Lebenszeit das Opfer aus der Fronleichnams=Kapelle zu Güstrow, in dem zweiten, d. d. Warne, 1381, in uigilia Petri et Pauli (28. Juni) notistcirt "Herr Bernardus von Werle" solches dem Domkapitel zu Güstrow, und in dem dritten Briefe, Datum Warne 1382, feria quinta post octauas epiphanie Domini (16. Januar), giebt "Bernardus, Herr von Werle," obiges Opfer den Domherren und Vicaren am Güstrower Dom auf Gerwin Teterows Todesfall. Dies ist seine letzte bekannte Urkunde. Vom 24. Januar (des vrygdaghes vor sunte Pawels daghe) und vom 13. April (in dem achten daghe na paschen) 1382 haben wir Urkunden von Johann VI. [Maltzan II, 338, 435], i n welchen er seinen Vater nicht mehr erwähnt.

Gemahlin: Elisabeth, Tochter Johanns III. (des Milden) von Holstein, wie wir oben unter a berichteten. Ihr Leibgedinge im Lande Röbel wird oft erwähnt (z. B. 1362, 26. Febr. 1377: vnser vrowen vern Yseben, wie Bernhard sagt). Sie hat dasselbe eine Reihe von Jahren genossen. Am 12. März 1390 [Schl.=Holst.=Lauenbg. US. , S. 357 f.], zu Plön, leistete vor Elsebe (in einer 2. Ausfertigung heißt sie: vor Beke), van godes gnaden vrowe van Wenden, wannedaghes her Berndes wif van Wenden, dem god gnedig si, zu Gunsten des Grafen Klaus und des Herzogs Gerhard von Schleswig verzicht auf alle Erbansprüche. Dabei gedenkt sie auch ihrer Eltern (vnse vader Johan, greue to Holsten, unser moder - vor Myrslaves). Sie lebte auch noch am 10. August 1391; sie ist aber vor dem 15. Aug. 1410 verstorben. Denn am letzteren Tage verliehen Johann II. und Ulrich I., Herzoge von Mekl.=Stargard, dem Ritter Klaus Hahn schon dat gudt vnd annal, dat vns angestornen is von der edelen wolgeboren frowen frowe Elzebenn, herrn Berndes elikenn, hern to Werle, den godt gnade. (Lisch, Hahn II B, S. 46.)

c. Von den "vielen" Töchtern Johanns II. ward eine (deren Namen wir bis jetzt nicht kennen) 1341 die 2. Gemahlin des Herzogs Albrecht IV. von Sachsen=Lauenburg zu Mölln und Bergedorf, der in erster Ehe mit Beate, Tochter des Grafen Gunzel VI. von Schwerin (=Wittenburg) vermählt gewesen war, aber diese vor dem 3. September 1340 verloren hatte [U. 6067

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und Jahrb. XXXIV, S. 134]. Die Kunde von dieser 2. Vermählung verdanken wir lediglich Detmar, der z. 1. 1341 berichtet: In der tyd nam hertoghe Albert van Sassen sin andere wif, hern Johannes dochter van Wenden. Albrecht IV. starb nach desselben Berichterstatters Angabe schon 1343, do de vaste antrad. Von seiner 2. Gemahlin habe ich keine weitere Kunde.

d. Sophie. - Nach der Pomerania z. J. 1343 (I, S. 352) hat Barnim (IV.) von Pommern=Wolgast († 1365) "ghenomen fürst Johan von Wenden tochter Sophien, welche Hertzog Barnims (III) von Stettin Schwestertochter war." Diese starb an der Pest im September 1364 und ward im Kloster Marienthron (bei Neustettin) begraben (daselbst S. 387). Ueber diesen letzten Punct sind die Pommerschen Chronikenschreiber nicht einig. Nach Kantzow (S. 205) wäre Sophie zu Belgard bestattet, nach Klempzen (Pommerland S. 50) ist sie freilich 1364 zu Belgard verstorben, aber in Marienthron begraben. - Wir führen Sophie unter den Kindern Johanns II. von Werle auf, obwohl Barnims III. Schwester, Mechthild, welche in der Pomerania als Sophiens Mutter angegeben wird, nicht mit Johann II. von Werle=Güstrow, sondern (s. o. S. 235) mit Johann III. von Werle=Goldberg vermählt war. Denn in der Dispensation, welche "Barnim" und "Soffia" sich am 21. März 1350 [U. 7059] vom Papste Clemens VI. ertheilen ließen, weil sie trotz ihrer Verwandtschaft im 3. Grade (er infra vicesimum quintum et Soffia predicta infra vicesimum ipsorum aetatum) sich vermählt hätten, wird 1. Sophie vom Papst als nata quondam Johannis domini de Werle bezeichnet, während doch Johann III. 1343 und auch 1350 noch lebte, dagegen Johann II. schon 1337 gestorben war; 2. ist in der Dispensation zweimal von Sophiens Brüdern die Rede, daß nämlich fratres dicte Soffie mit Barnim und seinen Brüdern Kriege geführt hätten und die Ehe, fratr ibus Soffie - ordinant ibus et procurant ibus geschlossen sei, während doch Johann III. von Goldberg 1343 nur noch einen Sohn hatte (s. S. 240). Die Brüder Sophiens können also nur die uns wohlbekannten Fürsten Nicolaus III. und Bernhard II. sein; sie war demnach eine Tochter Johanns II. von Wenden. zu demselben Schlusse kam auch schon Lisch (Jahrb. XXVI, S. 71). Allein eine Schwierigkeit ist dabei noch nicht gehoben: wir wissen freilich, daß die Kinder Johanns III. mit Barnim IV. - weil beide Urenkelkinder Herzog Barnims I. - im 3. Grade mit einander verwandt waren, aber ein gleicher Verwandtschaftsgrad Barnims IV.

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mit den Kindern Johann II. von Werle ist noch nicht nachgewiesen. Letzterer beruhete wahrscheinlich auf den Ahnen von Barnims IV. Mutter Elisabeth, deren Herkunft noch nicht festgestellt ist.

e. Anna? - Eine Tochter Johanns II. war am 14. März 1344 bereits als Nonne zu Dobbertin ausgenommen, wahrscheinlich aber nicht lange zuvor, weil ihre Brüder an diesem Tage das Kloster dafür beschenkten [U. 6390]. Leider fügen sie den Namen dieser Schwester nicht bei. Woraus die Angabe bei Chemnitz, daß sie Anna geheißen habe, sich stützt, vermochte ich nicht aufzufinden.


IX. Generation.

A. Die Kinder Johanns III. von Werle=Goldberg.

a. und b. Johann und Nicolaus IV. Auf einem Secretsiegel des letzteren [an U. 6848] von 1348 lautet die Umschrift: Inschriftskreuz Sec. Nicolai domicelli de Werle quarti; auch in der Geneal. Parch. steht: Nicolaus quartus, aber in der (späteren) Stammtafel derselben: Nicolaus Pogghenoghe de Goltberch IIII. - Beide Söhne Johanns III. kommen zuerst 1331 vor: am 16. Juli [U. 5255] bezeugt Herzog Barnim (III.) von Pommern, daß die Stadt Parchim gehuldigt habe: nostris precordialissimis awnculis Nicolao et Johanni, domicellis generosis, filiis sororii nostri nobilis domicelli Johannis de Werle, filii domini Nicolai de eodem, und am 18. Juli 1331 [U. 5257] bestätigten zu Goldberg (unter ihren Siegeln) Johannes et Nicolaus dei gra. domicelli de Werle, filii et heredes Johannis domicelli de Werle, filii domini Nicolai secundi de eodem, die Privilegien der Stadt Parchim. - Man muß nach dieser ihrer eigenen Urkunde annehmen, daß Johann der ältere Bruder war. Daß beide aus der ersten Ehe ihres Vaters mit Mechthild von Pommern stammten, erweist Barnims Urkunde; und da sie schon siegelten, werden sie nicht später als 1318 und 1319 geboren sein. Johann wird dann in Urkunden nie wieder erwähnt, auch nicht in dem von den sämtlichen Fürsten von Werle [Ick Johan (III.), Nicolaus, myn szon (IV.), ick Nicolaus (III.) vnd min broder (Bernhard)] im I. 1341 [U. 6097] gegebenen Privilegium. Johann ist also vor 1341 verstorben, und zwar zu Ukermünde (Johannes,

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qui obiit Vkermunde, Parch. Stammtafel). Er wird unvermählt gewesen sein; wenigstens weder Gemahlin noch Kinder werden je erwähnt. (Her Johan der starb alsus in synen jungen tagen, Kirchb. 832.)

Nicolaus IV. schloß noch am 14. März 1354 einen Landfrieden ab [U. 7911]; aber am 16. November 1354 [U. 8006] verhieß der Markgraf schon den Fürsten Nicolaus III. und Bernhard II., sich nicht zu unterwinden eres angeuelles, dat en tů rechte von eren veddern Johanne (III.) vnd Clause (IV.) angeuallen is vnd noch von juncheren Hanse, hern Claus sůne von Werle, angeuallen mach etc.; hiernach muß Nicolaus IV. an diesem Tage nicht mehr gelebt haben. Am 23. Juni 1355 nennt der Knappe H. Kescin dnm. Nicolaum de Werle bone memorie.

Gemahlin: Agnes. Kirchberg schreibt c. 177 (Sp. 832): Do nam her Nycolaus des greven tochtir zu wibe sus von Landowe, der syn mag waz na angeborin sundir haz; und dasselbe erzählt er c. 181 (Sp. 837, mit Berichtigung des Namens Landowe: Lyndowe). - Am 6. Juli 1346 verschrieb Johann III. von Werle Stadt und Land Malchow dne. Agneti, conthorali nostri dilectissimi filii Nicolai, domicelli de Werle, pro suis dotaliciis et sponsalibus. [U. 6669.] Der Name des Vaters von Nicolaus IV. Gemahlin wird leider nicht genannt. Unmöglich kann sie die Tochter Ulrichs I. gewesen sein, wie Riedel (Cod. dipl. I, Bd. 4, S. 6) annimmt, da derselbe nur bis 1316 vorkommt; wahrscheinlich aber war sie die Tochter Ulrichs II., der bis 1360 regierte. Wenn Kirchberg den Vater der Agnes "syn (des Nicolaus) mag na angeborin" nennt, so stimmt das einigermaßen; denn ihre Verwandtschaft war folgende:

Stammbaum

Die Brautleute standen also immerhin noch in verbotenem Verwandtschaftsgrade. - Wahrscheinlich aber trat auch noch eine Verschwägerung hinzu. Denn ein Sohn Ulrichs II., also nach unserer Voraussetzung ein Bruder der Agnes, Albrecht II., hatte zur Gemahlin Sophie, welche nach Angelus z. J. 1384 "eines Wendischen Herrn Tochter" gewesen sein soll, und welche Bratring daher für eine Tochter Johanns III. und Schwester Nico=

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laus IV. von Werle hält. Auf einer Tafel mit einem Verzeichniß der unter dem Chor in der Klosterkirche zu Neuruppin bestatteten Mitglieder der gräflichen Familie soll nun freilich gestanden haben: "Anno M. CCC. LXXXIV. obiit inclyta domina Sophia, filia domini Stadiae, uxor domini Alberti de Lindo, hic sepulta". Doch ist Stadiae vermuthlich ein Schreibfehler in der uns allein erhaltenen Copie für Slauie. Dadurch würde dann allerdings eine nahe Verwandtschaft hergestellt: Nicolaus IV. hätte die Schwester Albrechts II., und Letzterer eine Schwester von Nicolaus zur Gemahlin gehabt. - Agnes wird am 29. August 1355 [U 8126] noch als Nicolaus IV. Wittwe erwähnt. Ueber ihre Wiedervermählung mit dem Herzog Johann I. von Meklenburg=Stargard s. oben S. 205 f.

Außer der soeben erwähnten muthmaßlichen Tochter Sophie, die Kirchberg nicht kennt, schreibt dieser c. 177 (Sp. 832) Johann III. noch 2 Töchter zu:

czw[e]ne sone vnd czwo tochtere clar - -
der tochtere eyne uf der vard
gar erbar(k)lich zu wybe wart
greuen Otten von Swerin,
dy andere quam geyn Dobertyn
vnd bleyb eyn jungfrow geystlich -.

Auch die Parchimsche Stammtafel kennt diese beiden Töchter: comitissa Zwerinensis; Rixa, priorissa et sanctimonialis in Dobertin. Beide Angaben bestätigen sich. Wir besitzen eine Urkunde vom 6. Oct. 1356, mit dem Eingange: Wi her Claus vnd iuncher Otto, bruder, van godes gnaden greuen tu Zwerin vnde tu Tekenborch, vnde wi ver Mekhilt, van der suluen gnaden greuinne tu Zwerin. Mechthild verlor ihren Gemahl bald hernach, zwischen dem 9. und dem 27. October 1356; sie wird noch am 7. December 1358 von Herzog Albrecht von Meklenburg "vnsse moddere vor Mechtelt, greuinne van Zwerin" genannt: und 1361: "domina dilecta nobis matertera Mechtilde, relicta Ottonis comitis Zwerinensis" Als moddere bezeichnet sie Herzog Albrecht II. wegen folgender Verwandtschaft:

Stammbaum
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Mathildens Leibgedinge scheint das Amt Neustadt gewesen zu sein. (S. meine Ausführungen in Jahrb. XXXIV, S. 132 f.) -

Rixa begegnet uns in einer Urkunde vom 9. October 1392 als Priorin des Klosters Dobbertin.

Von diesen drei Töchtern Johanns III. möchte ich nach den Zeitverhältnissen und um ihres Namens willen Mechthild als eine Tochter Mechthilds, der ersten Gemahlin, ansehen, die beiden andern Töchter mögen aus der zweiten Ehe hervorgegangen sein; zu einer sichern Entscheidung hierüber fehlt es für Sophie an Anhaltspunkten, bei Rixa dagegen spricht der Name selbst dafür.

B. Die Kinder Nicolaus III. von Werle=Güstrow.

Kirchberg kennt c. 180 (837) ihrer drei:

Her Nyclaws ouch cwene sone gewan,
her Laurencius vnd jungher Johan,
vnd eyn tochtir sundir lassin,
dy wart eyns herczogen wib von Sassin,
der do Belgirdorff! besaz;
ir name Katherina waz.

Dieselben 3 Kinder nennt auch die Parichimsche Stammtafel. - Kirchberg und Marschalck, die nur von der zweiten Ehe wissen, nennen die Söhne natürlich Kinder der Mechthild, dagegen Rudloff (II, S. 450) schreibt beide Söhne, als die ältesten Kinder, der ersten Ehe zu. Doch ist das eine bloße Vermuthung; denn wir wissen nicht einmal, ob die Ehe der Agnes, die bei ihrer Vermählung 1338 erst 13 Jahre alt war, überhaupt zwei Jahre bestanden hat. Lorenz stammt sicher aus der ersten Ehe, weil Katharine, seine Schwester, sich, indem sie auf halb Holstein verzichtete (1388), als die alleinige Erbin der zweiten Gemahlin ihres Vaters bezeichnete (S. 237). Dagegen Johann V. wird man mit mehr Recht für einen Sohn zweiter Ehe halten. Wahrscheinlich doch zumeist, weil er viel jünger war als Lorenz, führte Letzterer, wie viele Urkunden beweisen, von 1361 - 1365 die Regierung zu Güstrow allein, ohne auch nur seines Bruders Zustimmung zu erwähnen; und wenn er 1362, am 13. November (des sondages na s. Mertens daghe), ausnahmsweise einmal seinen Bruder nennt, indem Laurens, van der gnade godes here to Wenden, dem Schweriner Domcustos Vicke v. Bülow van vnßer wegen vnde van vnßes broders wegen, inncher Johanne, ihren Antheil am Parumschen See verpfändet und darauf Gelöbniß ertheilt (Dat louen wy Laurencius vorebenomed van vnßer wegenn vnde van vnßes

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broder iunchern Johan wegen), so kann man Wohl den Ausdruck van vnses broder wegen nur von der Vormundschaft über den Bruder verstehen. Aber am 21. September 1365 Schloß Johann IV. von Werle=Goldberg seinen Vertrag über die Einlösung von Plau, über Stavenhagen und über die Gesamthand schon mit vseme veddern her Laurencio vnde syneme brodere Johanne, heren to Werle. Dann stellte Lorenz eine Weile die Urkunden wieder allein aus; erst am 31. October 1366 gaben eines solche gemeinschaftlich: wy Lanrencius vnde Johan de junghere, syn broder, vnde Johan de eldere (von Goldberg), van godes gnade heren to Werle. (Maltzan, U. II, 191.) - Wenn in der aus S. 237 angeführten Stelle die Schwester Katharine nur sich allein als Erbe ihrer Mutter hinstellt, so spricht dies nicht gegen unsere Annahme; denn 1388 war Johann bereits todt und hatte keine Kinder hinterlassen, seine Schwester hatte also seine holsteinischen Ansprüche mitgeerbt.

a. Lorenzens Todestag ist bisher ungewiß. Der sogen. Rufus (Grautloff II, 459) berichtet z. J. 1400 : By der suluen tyd starff der Wende here Laurencius unde wart gegrauen in den dom to Gustrowe. Na em wart here der Wenden sin oldeste broder (lies sone) Balthasar, des broder Wilhelmus van Wenden lag in deme studio to Erphorde. Dagegen meldet Marschalck: Laurentius grandaeuus (?) obiit, sepultus in aede diuae Caeciliae in urbe Gustroina, anno millesimo trecentesimo nonagesimo tertio, ad calendas Octobris decimum septimum (= 15. Sept.). Am 24. Februar 1393 verlieh Lorenz noch Zehlendorf an das Domkapitel zu Güstrow; aber spätere urkundliche Zeugnisse von seinem Leben fehlen. Am 6. Mai 1394 leistete der Münzer Baumgarten zu Sternberg schon dem Sohne Lorenzens, dem Fürsten Balthasar, Urfehde; 1395, am 1. Decbr., verschrieb Tonyes Jorden den Fürsten Balthasar und Johann, Brüdern, ein Lösegeld; 1396, 15. September gab Balthasar den Lübeckern eine Soldquittung, am 10. November 1397 verhieß das Domkapitel zu Schwerin den Brüdern Balthasar und Johann aus 3 Jahre Beistand etc. . Lorenzens Gemahlin Mechthild nennt sich in einer Parchimschen Memorienstiftung vom 28. September 1397 Mechtildis relicta felicis recordacionis nobilis dni. Laurencii, quondam dei gra. dni. de Werle. Marschalck wird also Recht haben. Dann erklärt sich auch, warum Wilhelm, Lorenzens Sohn, der bei des Vaters Tode, wie oben angegeben ist, zu Erfurt studiert haben soll, in der Erfurter Matrikel, die mit dem

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Jahre 1392 anhebt, nicht genannt ist. Er wird eben schon 1391 oder schon früher die Universität bezogen und 2 oder mehr Jahre in Erfurt verweilt haben (aber doch schwerlich über 8 Jahre!).

Gemahlin: Mechthild, Tochter des Fürsten Nicolaus IV. von Werle=Goldberg. S. unten die X. Generation, S. 248.

b. Johann V. ("der jüngere") starb jung. Er lebte sicher noch am 24. August 1377 (Urkunde bei Pötker, Samml. 2, 27). Eine Urkunde (über die Verpfändung von Rey) vom 9. September 1378 gab aber Lorenz schon allein, ohne seines Bruders dabei zu gedenken, und ebenso in den folgenden Jahren. Ich halte darum den Fürsten Johann, der 1382 einen Vergleich mit dem Kloster Ivenack abschloß (Maltzan II, S. 345), für Johann VI. von Waren.

Gemahlin: Euphemia. - S. oben S. 181. In einer Urkunde Balthasars und seines Bruders Johann VII. von Sixti (6. oder 7. Aug.) 1400 (über Kl. Mistorf) erscheint als Zeuge: de hochgheborne vorstinne vrowe Eufemie, vrowe tho Werle. Da diese von Balthasar nicht als seine Gemahlin bezeichnet wird, halten wir sie für die Wittwe Johanns V.

c. Katharine. Nicolaus III. schloß zu Sternberg am 8. März (des dinghesdaghe[s] vor vastelauende) 1356 einen Vertrag mit Herzog Albrecht II. von Meklenburg, wonach des Letzteren Sohn Magnus des Nicolaus dochter Katherinen innerhalb der nächsten 5 Jahre ehelichen sollte. Allein diese Vermählung ist nicht vollzogen (s. oben S. 179); vielmehr ward Katharine hernach die Gemahlin Herzog Albrechts V. von Sachsen=Lauenburg=Bergedorf, wie schon Kirchberg und nach ihm Marschalck (III, 8) richtig angeben. Die Hochzeit ist spätestens am 25. Januar 1366 gefeiert. Denn an diesem Tage verhieß Laurencius, d. gr. dns. de Werle, den Herzog Albrecht von Mklbg. schadlos zu halten wegen des von diesem "suagero nostro karissimo dno. Alberto duci Saxonie pro dote nobilis sororis nostre Katerine, ducisse ibidem", geleisteten Versprechens. - Katharine ward früh (schon vor 1370) Wittwe. Wahrscheinlich ist sie dann in ihre Heimath zurückgekehrt; denn ihr Bruder Lorenz verkaufte 1372, cathedr. Petri (22. Febr.) und Oculi (29. Febr.), beide Male zu Güstrow, Bede aus Niex "mit Willen seines Bruders Johannis vnd seiner Schwester Catharinen, Hertzoginnen zu Sachsen", wie Clandrian registriert hat. Ihre Schwägerin Mechthild, Lorenzens Wittwe, bedachte in ihrem oben berührten Testamente u. a. auch

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vnses heren (Gemahls) zuster Katharinen, vruwen tů Zassen. Später ist uns die Herzogin nicht mehr begegnet. (Vgl. auch oben S. 237.)

C. Die Kinder Bernhards II. von Werle=Waren.

Der Verfasser der Geneal. Dob. berichtet: domicello Bernardo predicto filii nati sunt quatuor (die Zahl ist aber ausradirt!), quorum nomina michi penitus sunt ignota; die Geneal. Parchim: Dominus Bernardus gennit vnicum filium Johannem. Kirchb. erzählt c. 180 (Sp. 837):

Von dem junchern Bernhart
juncher Johan geborin wart
vnd darzu czwo tochtere ja,
fraw Mette, juncfrow Myrisla;
fraw Mette wart wib wirdiglich
von Mehilnborg herczogin Hinrich.

Marsch. (III, 12) kennt 4 Kinder: Joannes, Mizilaus, Matildis, quae nupsit Hinrico Megapolaeo, und noch eine Tochter (s. u.).

a. Johann VI., seines Vaters Mitregent in dessen letzten Jahren, dann sein Nachfolger. - Von seinem Tode sagt Marsch. III, 13: ueneno extinctus. Das Todesjahr steht nicht fest. In einer Urkunde des Klosters Malchow vom 16. October 1395 (s. Rudloff II, S. 532, p.) heißt es: den juncher Johan van Wenden, deme god gnedich si. Damals aber war er allem Anscheine nach schon längst verstorben. - Vom 5. März (Oculi) 1385 ist noch eine Urkunde von ihm vorhanden. [Maltzan II, S. 356.]

Gemahlin: Agnes, Tochter des Fürsten Nicolaus IV. von Werle=Goldberg, s. Generation X, S. 249.

b. Der Verfasser der Parchimschen Genealogie sagt bestimmt, daß Bernhard überhaupt nur einen einzigen Sohn gehabt hat (genuit). Der Dob. Genealoge ist offenbar unsicher; aber wenngleich er quatuor ausradirt hat, ist doch der plural filii nati sunt stehen geblieben. Immerhin könnte also ein zweiter Sohn Bernhards zur Zeit der Abfassung der Parchimschen Genealogie schon todt gewesen sein; und es ist die Angabe von Marschalck: Mizi[s]laus in aetate tenera obiit, nicht ohne Weiters abzulehnen. Aber ob die Namensform richtig ist? Marschalck nennt nämlich hernach die Mirislava (Bernhards Enkelin) auch Misiclaua. Ich vermuthe, der richtige Name des angeblichen zweiten Sohnes von Bernhard wäre Mirislav oder Merislav. Merislava hieß nämlich die zweite Gemahlin

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des Grafen Johann III. (des Milden) von Holstein, die - erst nach dem 15. März 1368 verstorbene - Stiefmutter von Bernhards Gemahlin. was aber Marschalcks Angabe von einem Sohne Bernhards Namens Mirislav äußerst zweifelhaft macht, ist der Umstand, daß die Tochter Bernhards, deren Namen Marschalck nicht kennt, - Myrisla hieß! Es ist zu befürchten, daß er den Kirchberg flüchtig excerpirt und den Namen Mirislav in seinem Exzerpte auf einen Sohn bezogen hat. Ich Wage daher nicht, denselben allein auf die Auctorität Marschalcks hin in die Stammtafel aufzunehmen, da er der Parch. Genealogie widerspricht.

c. Mechthild. - 1377, am 26. Februar beurkundet Bernd, v. g. g. here to Werle, dat wi vnd vse eruen deme hochgeborn vorsten hertogen Hinrike, des dorluchtigen hertogen Albrechtes to Mekelenborges sone, hebben ghegheuen vnse oldeste dochter vern Mechtilde to eneme eliken wiue, und verpfändet demselben für die Mitgift von 5000 Mk. Köln. Stadt und Land Röbel. - Mechthild war Heinrichs III. zweite Gemahlin, s. oben S. 173.

d. "Myrisla". Von ihr wissen wir urkundlich nichts. Marschalck sagt von dieser Tochter Bernhards: Altera filia Vestae sese dicauit in aede Eltaena (Eldena bei Grabow), quae morte praematura elata.


X. Generation.

A. Kinder von Nicolaus IV. von Werle=Goldberg.

Gen. Dob.: Nicolaus (IV.), - post quem dominatus est filius eius Johannes, alias dictus knese Janeke, adhuc (um 1364) superstes. - Gen. Parch.: Nicolaus quartus -; post qu[e]m dominatus est Johannes quartus, alias dictus kneze Janeke, filius Nicolai quarti iam predicti, qui incepit dominari anno domini M°CCC°L. (eine Zahl, die nur richtig wäre, wenn man sie aus Nicolaus IV. beziehen dürfte). - Kirchberg sagt c. 181 (Sp. 837) über Nicolaus IV. Kinder:

Eyn son von der frowen (Nic. IV.) quam,
knyse Janeke waz des nam,
vnd czwo tochtere schon vnd here - -.
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Ouch ubete sich zu rittirschaft
knyse Janeke vnde wart manhaft;
doch starb her an erben gar
in synre jungen jare var.
Syn lant, daz her hatte gelaßin,
syne czwo swestir daz besaßin
vnd brachten es zu mannen vord
mit iren vettirn in yrer gebord;
ir eyne dy wart wib vnd frouwe
hern Laurencius von Gusterouwe,
fraw Mechthild hiez daz selbe wyb,
dy trug wundirschonen lib;
so war der andirn swestir man
junghern Bernhardes son Johan,
Agnes dy selbe frawe hiez. 1 ) -

a. Mechthild. Diese ward 1355, am 29. Aug. [U. 8126] durch ihre Mutter Agnes und Herzog Albrecht II. von Meklenburg mit des Letzteren Sohn Magnus verlobt, nach 3 Jahren sollte die Hochzeit sein; doch folgte hernach keine Vermählung darauf, und Mechthild ward, wie Kirchberg richtig erzählt, die Gemahlin des Fürsten Lorenz von Werle=Güstrow. Sie nennt sich (s. o.) 1397, am 28. Sept. Mechtildis, relicta - Laurencii quondam dei gra. dni. de Werle. Am 17. Dec. 1402 errichtete Mechthild (corporis debilis) zu Parchim ihr Testament. Darin macht sie eine Stiftung zum Gedächtniß vnses heren (d. h. Eheherrn) her Laurencius, deme god gnedig zy († 1393), und giebt Legate: vnzem leuen brodere (Stiefbruder) byscoppe Rodolpho, bysscope tů Zwerin, - vnse sustere (Stiefschwester) Constancien tů Rybbenisse, vnser moder (Agnes) suster Beaten tů Lindow -, vnse zone Wilhelm (s. u.), vnser dochter Euphemien -, vnses heren (Lorenz) zuster Katherinen, vruwen tů Zassen (Albrechts V. Gemahlin), vnzen broderen (Stiefbrüdern), alze hertoghe Johan vnde hertoghe Vlrike, - miner zuster hinde (Kinder der Agnes, Gemahlin Johann VI. von Werle) tů Malchow Agnes und myner zuster dochter tů Queddelenborch (Mirislave). Wenn Marschalck III, 9, von Lorenz sagt: conjuge ante in Parchuno (l. Parchimo) in aede diui Francisci tumulata, so ist ante freilich falsch,


1) Marschalck hat diese Stelle so flüchtig gelesen, daß er III, 6 von Agnes behauptet: haec nupsit Bernardo! - Cben derselbe bezeichnet III, 5 Mechthild richtig als die Schwester, aber III, 8 falsch als die Tochter von Johann IV.!
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denn Mechthild überlebte ihren Gemahl etwa um 9 Jahre; aber an ihrem Begräbniß bei den Franziskanern zu Parchim ist nicht zu zweifeln. Wahrscheinlich waren die Söhne zu ihrer Bestattung dort, als Balthasar die von seiner Mutter (sancte memorie Mechtildis, mater nostra) zu Parchim gestifteten Memorien ihrem Caplan am 20. Dec. (vig. b. Thome apli.) 1402 verlieh de expresso consensu fratris nostri Johannis ibidem presentis.

b. Agnes. - Ald am 29. Aug. 1355 [U. 8126] Mechthild, wie erwähnt, mit Herzog Magnus verlobt ward, sollte, wenn sie vor der Hochzeit (binnen 3 Jahren) stürbe, an ihre Stelle ihre Schwester Agnes treten. Kirchbergs oben erwähnte Angabe über Agnes und ihre Vermählung mit Johann VI. findet durch das soeben besprochene Testament ihrer Schwester Mechthild eine Bestätigung. Denn Agnes und Mirislav sind anderweitig als Johanns VI. Kinder bekannt. Agnes lebte noch am 26. Sept. (des sonnauendes vor s. Michelis daghe) 1383 (Wy Johan, van g. gn. here van Warn vnd ouer dat landt to Wenden, vnd myn bedderue wyf bekennen -, Urk. über Deperstorf und Weitendorf). Da sie selbst aber in dem erwähnten Testament nicht mehr bedacht wird, sondern nur ihre Kinder, so wird man annehmen müssen, daß sie am 17. December 1402 bereits verstorben war.

c. Johann IV., in den Urkunden öfters Henning, von seinen Zeitgenossen knese Janeke genannt, stand bei seines Vaters Tode (1354) noch im Kindesalter. Die Mutter unterstellte ihn und seine Schwestern am 29. Aug. 1355 [U. 8126] der Vormundschaft Herzog Albrechts II., war aber hernach gegen diesen verstimmt, und Nicolaus III. von Werle=Güstrow trat als Vormund an dessen Stelle. In dem Gemeinschaftsvertrag, welchen Clawes vnde Bernd, brudere, v. g. g. heren tů Werle, am 3. Novbr. 1357 abschlossen, heißt es: - van vnses vedderen landen, iuncher Henninges, here Nicolaus [IV.] sone, deme got gnedich si, dar wy Nicolaus [III.] vormunder tů sin. Am 15. Juni 1360 thut Nicolaus III. Erwähnung patrui nostri Johannis domicelli de Werle, cuius pronunc iure hereditario et consuetudinario tutelam et curam gerimus. Der Tod Nicolaus' III. scheint Johann IV. von aller Vormundschaft befreiet zu haben; wenigstens gab Johannes dei gracia dominus de Werle, dictus de Goltberch, 1361, Dvonisii (9. October) schon selbständig eine Urkunde (über Kadow). - Am 31. Oct. 1366 schloß er mit Herzog Albrecht II. v. M.=Schwerin und dessen Söhnen einen Ehevertrag ab, nach welchem ihm Heinrichs III. v. Mekl. älteste Tochter Euphe=

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mia (die höchstens 4 Jahre zählte) Fastnacht 1379 als Gemahlin zugeführt werden sollte. (Lisch, Maltzan II, S. 190.) Allein Johann IV. ist schon 1774 - unvermählt - gestorben. Am 13. März 1374 stellte er (Johan, von godes gnaden here to Wenden vnde to deme Goltberghe) noch ein Zeugniß zu Rostock aus (Rost. Nachr. 1754, S. 122). Aber am 14. Decbr. 1374 (des donredaghes na s. Lucien daghe) lebte er sicher nicht mehr; denn unter diesem Datum bestätigten schon Berent vnde Johan, vse sone, Laurentius vnde Johan, brodere, van godes gnade heren tů Werle, der Stadt Parchim und den Mannen der Lande Parchim und Goldberg die Privilegien und alle redelike schult, de ene vse veddere Johan, deme god gnedich si, schuldig was. - Nach Chemnitzens Angabe ruhet Johann IV. zu Doberan. - Mit ihm erlosch das Goldbergische Haus der Werleschen Linie; die oben genannten Vertreter der Häuser Güstrow und Waren, von denen Lorenz und Johann VI. die beiden Schwestern Johanns IV., wie oben gezeigt, zur Ehe hatten, traten zunächst gemeinsam die Regierung seines Landestheiles an.

B. Die Kinder des Fürsten Lorenz von Werle=Güstrow.

Der Fortsetzer der Parchimschen Genealogie, die Parchimsche Stammtafel und Marschalck (III, 9) kennen die 4 Söhne: Balthasar, Johann, Nicolaus und Wilhelm, und zwar übereinstimmend in dieser Reihenfolge.

a. Balthasar finden wir zunächst nach seines Vaters Tode als Regenten (s. S. 244), aber am 11. Dec. 1395 schon Balthasar und Johann, und am 1. Mai 1401 neben ihnen auch Nicolaus. - Nachdem, wie S. 129, Anm. 1 mitgetheilt ist, Balthasar, Wilhelm und Christoph von Werle auf Grund von Chroniken am 4. Mai 1418 vom Bischof Otto von Havelberg ein Zeugniß über ihre königliche Abstammung erlangt hatten (Jahrb. XI, S. 330), nahmen sie den Titel: Fürsten zu Wenden, Herren zu Werle, an. - Marschalcks Angabe (III, 10), daß Balthasar peste ipse saeva correptus, nihil liberorum relinquens interiit, tumulatus in urbe Gustroina in templo diuae Caeciliae, anno fere 1421., ad nonas Apriles (5. April), findet in den Urkunden keinen Widerspruch.

Gemahlinnen. Nach der Pomerania I, S. 437, ist Balthasar vermählt gewesen mit Agnes, einer Tochter des Herzogs Bogislav (VI.) von Pommern=Wolgast (der am 7. März 1393 verstarb). Aber Marschalck (III, 10) kennt diese Gemahlin Balthasars

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überhaupt nicht, und urkundlich wissen wir nur von der Verlobung dieses Paares. Zu Alten=Treptow, 1397, des neghesten mandaghes na deme achten daghe der h. dryer konynghe daghe (= 15. Jan.), schloß Balthasar mit Barnim (VI.) und Wartislav (VIII.), Brüdern, Herzogen von Stettin und Fürsten zu Rügen, einen Ehecontract um juncvrowen Agnes, hertoghe Buguslaues (VI.) dochter, deme god gnedich zy, und verschrieb ihr Stadt, schloß und Vogtei Goldberg zum Leibgedinge. Mit ihm gelobten seine leuen brodere Johan, Clawes vnd Wilhelm, heren to Werle. Ob aber auf diese Verlobung die Hochzeit noch gefolgt ist, darf man billig bezweifeln; denn nur 9 Monate hernach finden wir Balthasar schon als Gemahl einer mecklenburgischen Prinzessin. Wahrscheinlich liegen der Angabe der Pomerania nur obige Ehepacten zum Grunde. Es dünkt mich viel wahrscheinlicher, daß entweder Balthasar von jenem Contract vor der Hochzeit zurückgetreten, oder daß Agnes als Braut verstorben ist.

1) 1397, am 18. Oct., leisteten Balthasar und vnse leue husvrou Offemye, des hertogen Magnus (von Meklenburg) dochter, Verzicht auf alle Ansprüche an Meklenburg, und Balthasar verschrieb ihr für den Brautschatz Schloß, Stadt und Land Goldberg zum Leibgedinge. Dieses war, wie Eufemia, vrowe vses heren Balthasars, selbst am 25. Juli 1402 (Maltzan II, S. 443) bekennt, nunmehr vreleen van vseme heren. Am 22. Aug. 1402 zahlten König Albrecht und Herzog Johann IV. an Balthasar noch einen Theil vom Brautschatz seiner Gemahlin aus. - Marschalck (III, 10) berichtet, Euphemia sei in urbe Gustroina tumulata, nennt aber ihren Todestag nicht. In einem Vertrage vom 16. October 1417 wird sie als verstorben erwähnt; auf ihrem Leichenstein im Dom zu Güstrow las Thiel (Güstr. Domkirche 121) das Todesjahr 1416.

2) Heilwig lernen wir im Jahre 1417 als Balthasars Gemahlin kennen. Sie willigte am 18. April 1417 in die Verpfändung des Gerichts zu Parchim an die Stadt. Dafür beleibzuchtete Balthasar am 2. Mai 1417 vrowen Heylewich, vrowe to Werle, des dorluchtighen fursten heren Gherdes, wandaghes hertoghen to Slezewik, deme ghod gnedich zy [er war am 5. Aug. 1404 von den Dithmarsen erschlagen], dochtere, vnses, heren Balthazars, echlike wyf vnde leuen husfrowen, mit Stadt und Vogtei Lage etc. . - Balthasars Wittwe vermählte sich zum andern Mal mit dem Grafen Dietrich dem Glücklichen von Oldenburg und soll vor dem 14. August 1433, nach Andern erst 1436 gestorben sein. Ihre

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erste Ehe war kinderlos geblieben; ihr Sohn Christian aus der zweiten Ehe gelangte auf den dänischen Thron.

b. Johann VII. regierte mit seinem Bruder Balthasar. So erscheint er noch in einer Urkunde vom 1. November 1412; und am 26. Juni (dinxtedaghes na sunte Johannis baptisten daghe) 1414 (Lisch, Maltzan II, S. 489 - 492) vermittelten er und Herzog Johann IV. von Meklenburg einen Waffenstillstand zwischen der Stadt Rostock und den v. Maltzan bis zur Tagfahrt auf den 16. August zu Bützow. Diese Tagfahrt hat er aber nicht mehr besucht, sondern zu Bützow am 18. August 1414 beurkundete der Rath von Rostock, daß here Johan, hertoghe to Mekelenborgh etc., vnde Balthazar, here to Werle, ghedeghedinget vnde verramet tuschen vns vnde - - de Moltzane (Maltzan II, S. 493). Nach Marsch. III, 11 ist er sine liberis elatus, apud maiores (d. h. zu Güstrow?) conditus, anno millesimo quadringentesimo decimo quarto, ad calendas Septembres. Am 17. December 1414 (Maltzan II, S. 494) wird er neben Balthasar und Christoph bei einer Verpfändung nicht mehr erwähnt.

Gemahlin. Catharinam duxit, ducis Brunopolitani ac Lunaeburgiani filiam, sagt Marschalck III, 11, obwohl er schon das Richtige bei Krantz, Wand. X, 25, fand, daß sie Katharine hieß, eine Tochter Erichs IV., Herzogs von Sachsen=Lauenburg, war und als Wittwe Johanns VII. sich Wiedervermählte mit Johann IV. von Mkl.=Schwerin. S. v. S. 189.

c. Nicolaus. Am 1. Mai 1401 sagte das Domkapitel zu Güstrow den Fürsten Balthasar, Johann und Klaus (heren Wilhelme vnde em to truwer hant vnsen gnedighen heren Balthazar, Johanne vnde Clawese, synen brodern) die Wahl ihres Bruders Wilhelm zum Propste zu. später ist Nicolaus nicht mit Sicherheit nachzuweisen. Marschalck III, 9 berichtet: Nicolaus crepundiis uix egressus (Uebertreibung) e uita migrauit, in urbe Gustroina conditus.

d. Wilhelm. - Diesen zerspaltet Marschalck in 2 Personen. Von Lorenzens Sohn dieses Namens sagt er (III, 9): Guilielmus re nulla memorabili gesta elatus; hernach aber (III, 16) führt er unter Johanns VI. Kindern einen Guilielmus auf und erzählt von diesem: Guilielmus, Joannis filius -, litteris ab aetate ineunte imbutus, in canonicum templi diuae Caeciliae urbis Gustroinae adscitus, mox dignitate praepositus illis est, quibus magna cum laude aliquamdiu praefuit. Verum

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enimuero contribulibus gentis Herulae iam uniuersis elatis (das war 1425, 25. August, der Fall), quum unus omnium extaret, ut repararet ipse familiam illam -, Annam, Alberti Ascaniorum principis filiam, conjugem ducit etc. Alles dies gilt aber von Wilhelm, dem Sohne von Lorenz; des Letzteren Wittwe Mechthild bestimmte in ihrem Testament vom 17. December 1402 vnse[m] zone Wilhelme ein Legat. Bei dem Tode des Fürsten Lorenz studierte dessen Sohn Wilhelm zu Erfurt (s. o. S. 244); am 1. Mai (Philippi vnde Jacobi) 1401 sagten ihm (und für ihn seinen Brüdern, s. o.) die Domherren zu Güstrow die Dompräpositur zu auf den Fall, daß dieselbe durch den Austritt oder den Tod des Propstes Johann v. Bülow frei würde. Johann v. Bülow lebte noch am 11. Mai 1404, machte au diesem Tage aber sein Testament und mag bald hernach sein Leben beschlossen haben. Ob dann Wilhelm wirklich Propst geworden ist, wie Marschalck sagt, vermögen wir nicht zu beweisen; denn in Urkunden (die freilich erst mit 1408 wieder beginnen) wird er nicht als Geistlicher oder als Propst bezeichnet, sondern wie seine Brüder Schlechtweg als Herr von Werle (und seit 1418 als Fürst zu Wenden). Z. B. 1408, des anderen zundages in den vasten, verkauften Balthazar, Johan vnde Wylhelm, von godes gnaden heren to Werle, Rente aus Kavelstorf. Nach dem Tode ihres Bruders Johann VII. regierten Balthasar und Wilhelm gemeinschaftlich, seit Balthasars Tode (1421) Wilhelm allein zu Güstrow; und nachdem 1425 (s. u.) Christoph von Werle=Waren gefallen war, succedirte Wilhelm auch in den Warenschen Landestheil, so daß er nun alle Werleschen Lande noch einmal wieder vereinigte. Er führte jetzt (30. Mai 1426) den Titel: Wii Wilhelm, v. g. gn. furste to Wenden, to Gustrowe, to Warne vnde to Werle here, oder (1426, Briccii, 13. November): Wilhelmus dei gracia princeps Slauie Inferioris, dominus de Werle etc. - Am 28. August 1436 schenkte Wilhelm, Fürst von Wenden, Herr zu Werle, Waren und Güstrow, der Aebtissin Hedwig von Meklenburg und dem Konvent zu Ribnitz Renten zu seiner Memorie, und am 30. August beurkundete der Vorsteher des Antoniushauses Tempzin, daß her Wilhelm, fforste to Wenden vnde here to Werle, Waren vnde Gustrow, dort zu Tempzin eine Memorienstiftung gemacht hat für synen leuen vader, - heru Laurencius van Wenden, vnde syne leue moder, de hochgeborn fforstynne vor Mechtilden, vnde syne leuen brodere heren Baltazar vnde hern Johan seliger dechtnisse. Dies ist seine letzte bekannte Handlung. Nach Marschalck starb er anno millesimo quadringentesimo trigesimo (wobei sexto versehentlich aus=

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gefallen sein wird), ad septimum idus Septembris (= 7. Sept.). Am 22. November 1436 beschlossen schon seine Nachfolger, die Herzoge von Meklenburg=Schwerin und von Mklbg.=Stargard, die Werleschen Lande (außer dem zu theilenden Schlosse Stavenhagen nebst Zubehör) im gemeinsamen Besitze zu behalten. Sie führten seitdem auch den Titel: von godes gnaden hertoghen tho Mekelenborch, fursten to Wenden, Rostock vnd Stargard der lande heren (z. B. Maltzan III, S. 196); lateinisch ward forsten to Wenden nicht selten durch Sclauie Inferioris principes wiedergegeben (z. B. daselbst S. 198). Die Schwerinsche Linie fügte aber noch den Titel graue to Zwerin hinter forste von Wenden ein (z. B. das. S. 253, 310).

Gemahlinnen: 1) Anna, von Marschalck, wie S. 253 erwähnt ist, als Tochter Albrechts von Anhalt bezeichnet, also der Zeit nach Tochter des 1423 verstorbenen Fürsten Albrecht III. von Anhalt (= Köthen). Daß Wilhelm dieselbe erst nach dem 25. August 1425 heimgeführt hätte, wie Marschalck andeutet, ist höchst unwahrscheinlich; aber auch Chemnitzens Angabe, daß sie 1425 verstorben sei, ist nur Vermuthung. 1426, Briccii (13. November), stiftete Fürst Wilhelm eine Vicarei in der H. Bluts=Kapelle zu Güstrow in - nostri et parentum, progenitorum et amicorum nostrorum atque felicis memorie domine Anne, quondam conthoralis nostre, animarum remedium. Dies ist das einzige mir bekannte urkundliche Zeugniß über sie. Kinder hat sie nach Marschalck nicht hinterlassen; auch in Urkunden werden solche nicht erwähnt. Nach Chemnitz ist sie im Dom zu Güstrow bestattet, was allerdings an sich wahrscheinlich ist.

2) Sophia, Vratislai Sidinorum, Rugiorum ac Bardorum ducis nata, Marsch. III, 16; auch nach der pomerania (II, 18, 51) war sie die Schwester von Herzog Barnim (VIII.) zu Barth und von Herzog Swantibor IV., also Tochter Wartislavs VIII., der im August 1415 starb. Die Herzoge Johann III. und Heinrich von Stargard und Heinrich IV. und Johann V. von Mekl.=Schwerin beurkunden am 22. November (Cecilien) 1436: alse de hochgheborn fiurste here Wilhelm, fiurste to Wenden zeligher dechtnisse, vnse leue veddere, de hochghebarn ffurstinnen vrowe Sophien, syne eleken husvrowen, heft beleghen to enem rechten lifghedinge etc., und versichern ihr den ungeschmälerten Besitz des Witthums, oder wollen ihr, wenn sie dasselbe verlassen will, 5000 Lüb Mk. in deme vorstendumme to Ruyen, wor er dat euenst kumpt, auszahlen. (Lisch, Maltzan

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III, S. 80.) Sie ist nach Pommern zurückgekehrt. Am 1. April 1452 und am 17. März 1453 lebte sie zu Barth.

e. Die Genealogen kennen nur die Söhne von Lorenz. Aber seine Wittwe Mechthild gedenkt in ihrem Testament vom 17. December 1402 auch: vnser dochter Euphemien. Weiter ist von deren Schicksalen nichts bekannt.

C. Kinder Johanns VI. von Werle=Waren.

Nach Marschalck III, 13 starb Johann (VI.) superstitibus Nicoloto, Christophoro, Viuiano, qui in puericiae annis uita excessit, Guilielmo ac Misiclaua.

a. Nicolaus V. succedirte als natu maximus seinem Vater zu Waren u. s. w. und regierte dann gemeinschaftlich mit seinem Bruder Christoph (schon 1401). - Marschalck berichtet III, 14 von Nicolaus: post quam (sc. conjugem) et ipse die emortuali elatus, Doberani, ut tabulis ipse supremis in mortis collimitio jussit, tumulatus, anno millesimo quadringentesimo sexto, ad XII. calendas Septembres (= 21. Aug.). In der Jahreszahl irrt Marschalck; denn Nicolaus stellte noch am 11. November 1406 (über Federow) eine Urkunde aus und gab noch 1408, Agnetis (21. Jan.) dem Kloster Ivenack eine Bestätigung über Besitz zu Kittendorf (Lisch, Maltzan II, S. 474). Das Todesjahr wird also 1408 sein.

Gemahlin. Marschalck berichtet III, 14 von Nicolaus V.: Vxorem duxit Sophiam, ducis Sidinorum cognomento Juliae Augustae (Wolgast) filiam, Frici, Alberti Sueuorum oceani regis eiusdemque ducis Megapolaei filii, conjugem superstitem, e qua Juditham sustulit, quae Henrico nupsit, duci Megapolaeo. (Er fügt hinzu, daß sie vor ihrem Gemahl verstorben sei.) Dagegen berichtet die Pomerania I, 437: daß Herzog Bugslaff von Wolgast nur zwei Töchter, Sophie und Agnes, gehabt habe. "Sophie nham hertzog Erich von Mekelburg -; aber er ist bald gestorben, darvmb hat die fürstinn wiederghenommen Johan von Wenden". Beide Schriftsteller stimmen also, obwohl sie aus verschiedenen Quellen schöpfen, darin überein, daß Erichs Wittwe Sophie mit einem Fürsten von Wenden wieder vermählt sei. Bei Marschalck fällt es sehr auf, daß er VI, 5 von Heinrich d. ä. von Stargard (der doch allein gemeint sein kann) nur eine Gemahlin, Ingeburg, angiebt, aber der Judith keine Erwähnung tut; er muß sich gar nicht klar gemacht haben, von welchem Herzog

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Heinrich von Meklenburg er schrieb. Nichtsdestoweniger ist aber urkundlich bezeugt, daß wenigstens die erste Gemahlin Herzog Heinrichs v. Starg. Judith hieß (s. oben S. 215), was sehr für Marschalck spricht. Daß Heinrich d. ä. wegen Judiths nicht mit Erbansprüchen an die wendischen Lande hervortrat, verschlägt nichts, da dieselbe sicher kinderlos schon vor 1428 verstorben sein muß. Da Sophie in Meklenburg blieb, konnte der pommersche Chronikenschreiber immerhin die Namen der gleichzeitigen Herren von Werle leicht verwechseln. - In der Kirche zu Doberan ist, nahe dem angeblichen Grabe Heinrichs II. von Meklenburg, ein zweites Grab, welches zu Häupten auf 3 Ziegeln die Inschrift hat:

Inschrift

- Lisch, Jahrb. IX, Sp. 431, vermuthet, hier sei Jutta, die Wittwe des Fürsten Nicolaus I. von Werle, bestattet. Allein gegen das 13. Jahrhundert spricht entschieden die Minuskelschrift in Fraktur; und man müßte annehmen, daß diese Inschrift mindestens erst ein Jahrhundert nach dem Tode der Gemahlin des Nicolaus I. angefertigt wäre. Wir sind daher vielmehr geneigt anzunehmen, daß dieses Grab die Gebeine Sophiens, der Gemahlin des Nicolaus V., birgt, zumal wir wissen, daß ihr Gemahl auch - in Folge seiner testamentarischen Bestimmung - in Doberan ruhet.

b. Christoph regierte mit seinem Bruder Nicolaus V. bis zu dessen Tode und hernach allein zu Waren. Wie Balthasar (s. o. S. 250) nahm er 1418 den Titel eines Fürsten zu Wenden an. - Nach der so genannten Rufus=Chronik (Grautoff II, S. 537) und dem lateinischen Korner (Eccard II, 1264) fiel er 1425 gegen die Brandenburger bei Pritzwalk. Krantz (XI, 4) folgt in seiner Erzählung vielleicht Korner, nennt aber keine Jahreszahl;

mithin kann Marschalck nicht, wie Boll (Starg. II, S. 122) annimmt, seine Zeitangabe von Krantz entlehnt haben, wenn er (III, 15) von Christoph erzählt: Cum Marcomanno infoeliciter belligerauit, toelo perfossus, Rebellione (Röbel!) sepultus in aede diui Dominici, anno millesimo quadringentesimo quinto supra uigesimum, octauo calendas Septembres (25. August). - Man kann wohl in Zweifel sein, ob hiernach der Todestag, oder ob der Begräbnißtag der 25. August 1425 war; allein die erstere Deutung wird vorzuziehen sein, da Marschalck das Datum wohl aus einem Necrologium oder aus der Umschrift eines Grabsteins erfahren hat. Für das Jahr 1425 spricht außer Korner und Marschalck übrigens auch noch eine nach den Jahren geordnete brandenburgische Berechnung der von den Meklenburgern verübten

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Schäden in den Jahren 1423 - 38, wo es heißt (Riedel, Cod. B. IV, 46): Anno etc. xxv - -, do de Wendeschen heren vnd hertoge(n) Hinrich van Stargharde, de van Rotstock vnde vele anderen Mekelenborgher myt deme here vor Priszwalk legghen, branden ze aff etc. - Trotz der Uebereinstimmung dieser von einander unabhängigen Quellen setzen doch Rudloff (II, 598) und Lisch (Maltzan 11, 550 f.) den Tod Christophs in den August 1426, weil in einer vom 27. Jan. (des sondages na sunte Pawels dage siner bekeringe) 1426 datierten Accessionsacte zu dem pommersch=stargardisch=werleschen Schutzbündnisse vom 1. Mai 1425 Christoph noch als lebend betrachtet wird: Wy Otto vnde Casemer - hertogen to Stetin - vns - vorbinden myd den hochgebaren vorsten vnde heren, hern Cristophoren vnde Wilhelme, vedderen, vorsten to Wenden, heren to Werle etc., Wartislaff vnde Barnym, broderen, vnde Barnym vnde Swantibur, hertoch Wartislaus hinderen sel. dechtnissen, ok broderen, alle hertogen to Stetin, vnde hern Buggheslaff, hertogen to Pomern, vnde hern Johanne [der seit Jahren in brandeub. Gefangenschaft schmachtete!] vnde hern Hinrik, hertogen to Mekelenborgh vnde heren to Stargarde. Das Original (in Schwerin) zeigt in den ersten vier Zeilen (in der vierten steht Christophs Name) sehr blasse Dinte, ist dann aber von derselben Hand, jedoch in etwas kleineren Zügen (anscheinend zu einer andern Zeit) fortgesetzt und beendigt; die anhangenden Siegel sind wohlerhalten und, wie die ganze Urkunde, unverdächtig. Aber von der Gedankenlosigkeit in dem Ausschreiben der Bündnisurkunde vom 1. Mai 1425 zeugt, daß die Bestimmung in letzterer, wonach das Bündniß währen sollte: van gheuinge desses breues wente to sunte Mertens daghe nv negest tokomende vord ouer tein jar, also bis zum 11. November 1435, einfach in die Accessionsacte herübergenommen ist, obwohl die Worte nun bis 11. November 1436 bedeuteten. Es ist darum auch sehr Wohl denkbar, daß der Schreiber der Accessionsurkunde in seiner gedankenlosen Flüchtigkeit auch die ganze Reihe der Paciscenten, Christoph eingerechnet, abschrieb. Jedenfalls muß man aber, wenn man das Jahr 1425 verwirft, auch den Monatstag, welchen Marschalck nennt, zurückweisen; denn, wie wir S. 253 gezeigt haben, führte Wilhelm, Christophs Vetter und Regierungsnachfolger, am 30. Mai 1426 schon den Titel: furste to Wenden, to Gustrowe, to Warne vnde to Werle here. An diesem Tage lebte also Christoph sicher nicht mehr. 1 )


1) Anm. Boll (Starg. II, S. 121, 122) verlegt konsequent die ganze Reihe der zusammenhangenden Kriegsereignisse lediglich wegen jener Accessions= (  ...  )
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Gemahlin? - In Urkunden ist von einer Gemahlin Christophs oder von der Versorgung einer Wittwe desselben nie die Rede. Wenn aber Marschalck III, 15 schreibt: Christophorus - etsi matrimonio conjugem legitimo accepisset, sine liberis tamen illa nita functa est, so verstehe ich diese Stelle nicht mit Rudloff 11, 598 "von seiner unbekannten Gemahlin", sondern der Genealoge will vielmehr (wie ich aus dem Conjunctiv entnehme) sagen: wenn Christoph auch eine Gemahlin gehabt haben sollte, so ist diese doch jedenfalls kinderlos verstorben. - Spätere Genealogen wollen sogar wissen, daß dieser Fürst mit einer Gräfin von Lindow=Ruppin vermählt gewesen sei; ich finde für diese Vermuthung aber keinen Anhalt.


(  ...  ) acte ins Jahr 1426, aber nicht ohne großen Zwang gegen die Quellen auszuüben, und doch ohne den Abschluß durch das Treffen bei Pritzwalk vor dem 30. Mai zu erreichen. Vielmehr stehen alle Quellen mit einander in wesentlicher Uebereinstimmung, wenn man von der Accessionsacte vom 27. Januar 1426 absieht. Nach der Rufus - Chronik (S. 533) eroberten die Pommerschen Herzoge Prenzlau 1425, in deme vastelauende, do se alle in der stad drunken weren unde in der Morgenstunde vaste slepen, im lateinischen Korner ist dafür 1425, feria quinta ante dominicam Esto mihi [15. Febr.] gesagt, und Angelus braucht dafür: Dag nach Valentini [= 15. Febr.]. Die Brandenburger nahmen aber nicht schon im Mai, sondern erst im Sommer 1425 Prenzlau wieder, nach einer alten Handschrift bei Seekt II, 11 am 24. Juni 1425, nach der Pomerania (II, 19) erst in der Woche Maria Himmelfahrt (also 12. - 18. Aug.) 1425. Daß die pommersche Occupation aber nicht, wie Boll annimmt, erst in den Frühling und Sommer 1426 fiel, beweist der Magdeburger Schöffenspruch vom 13. Martii 1426 [Riedel A, XXI, 4I8 - 420] über eine langwierige Rechtssache aus der Zeit der verflossenen pommerschen Occupation (vor hertoghe Casemer, de der stad mechtigh was (nicht is!) boven den rad). - Inzwischen hatten nun aber am 1. Mai 1425 die pommerschen Herzoge das Bündniß mit dem Herzog Heinrich von Stargard geschlossen, und nachdem die Brandenburger Prenzlau wieder genommen hatten, sei es nun am 24. Juni (was ich für die richtigere Angabe halte) oder etwa 12. oder 13. August, erfolgte der Rachezug bis in die Gegend von Wittstock und auf dem Rückzuge das Gefecht bei Pritzwalk am 25 August 1425, in welchem Christoph von Wenden fiel. Damit war aber der Krieg nicht beendigt, die Herzoge Otto und Kasemar konnten also immerhin dem Bündnisse auch am 27. Januar 1426 noch beitreten (nachdem sie inzwischen mündig geworden waren). Der erste Bundesgenosse, welcher zurücktrat, war Herzog Heinrich von Stargard, der am 7. Februar 1426 mit Brandenburg einen Waffenstillstand schloß und diesen unter dem Beitritt Wilhelms von Wenden am 10. October 1426 verlängerte, bis am 19. Juni 1427 der Friede zu Demplin zu Stande kam. Die pommerschen Herzoge ihrerseits verhandelten auch seit dem October 1426 mit dem Kurfürsten und schlossen endlich am 22. Mai 1427 mit ihm Frieden.
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c. Wilhelm beruht nur auf Marschalcks Versehen wegen des Fürsten Wilhelm von Werle=Güstrow, S. oben S. 252.

d. Uiuianus ist ein Name, der sich weder in den hiesigen Heiligenkalendern (die am 28. August den Augustinus E. hatten), noch, so viel wir wissen, in der väterlichen und mütterlichen Verwandtschaft fand. Vielleicht beruht auch dieser nur auf einem Schreib= oder Lesefehler oder Mißverständniß Marschalcks; wir wagen nicht, denselben allein auf diese Auctorität hin in die Stammtafel aufzunehmen.

e. Agnes dagegen ist nicht nur im Testament ihrer Tante Mathilde (s. S. 248) bezeugt (miner zuster hinde tů Malchowe Agnes), sondern auch Christoph gedenkt in einer Urkunde von 1411, Matthei (21. Sept.) seiner Schwester Agnes als Nonne zu Malchow, und als solche kommt sie noch am 21. October 1449 in einer Urkunde Herzog Heinrichs von Stargard und Herzog Heinrichs IV. von Schwerin vor: Ok vmme zundergher bede willen vnser leuen vedderken Agnete van Wenden, closterjuncfrowe tho Malchowe, gunne wy vnde gheuen de lleenware der beyden kerken, alze Jabele vnde Swerin [Alt=Schwerin], deme proueste tho Malchowe. (Maltzan III, S. 197.)

f. Mirislava. - Die Wittwe des Fürsten Lorenz, Mechthild, gedenkt in ihrem Testament vom 17. December 1402 (s. S. 248) auch myner zuster (Agnes, Johanns VI. von Waren Gemahlin) dochter tů Queddelenborch. In demselben Jahre wird Myritzlav von Wenden in einer Urkunde als portenaria zu Quedlinburg genannt, 1407 und 1411 als Dechantin. Aber das letztere Amt bekleidete 1428 schon eine Burggrafin von Dohna. Damals hatte Mirislava die geistliche Würde also schon niedergelegt, und wahrscheinlich ist sie ganz nach Meklenburg zurückgekehrt. Wenigstens am 28. November 1436 (amme midweken vor s. Andreas auende) finden wir sie zu Malchin; hier leistete Mirislaw, van godes gnade fforstynne to Wenden vnde frochen to Werle (auf ihrem Siegel: s. myritzlai di. gr. domicelle de Werle) den Herzogen von Meklenburg Verzicht wegen Ansprüche an das Fürstenthum Wenden. Später wird sie unsers Wissens nicht genannt. - Vgl. über sie v. Mülverstedt im Jahrb. XLVI, S. 284 ff.


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XI. Generation.

A. Des Fürsten Wilhelm von Güstrow Tochter aus seiner zweiten Ehe, Katharine, war beim Tode des Vaters nach der glaubwürdigen Versicherung der Pomerania (II, 51) noch "sehr jung", sie zählte höchstens 8 Jahre. 1441, am 17. März erklärten Sophia, v. g. gn. forstinne to Wenden vnde vrouwe to Werle (Wilhelms Wittwe), vnde Barnym de jungere, der zuluen gnaden to Stettin hertoge vnde fforste to Ruyen, als vormundere vnde vorwesere - sich - van vnszer dochter vnde moddere wegene, ffrouweken Katherinen to Wenden, Wilhelmes van Wenden, vnszes lieuen erliken heren vnde swagers, deme god gnade, nagelatene dochter, mit 20000 Rh. Gulden für die Ansprüche der Mündel an das Fürsten Wenden befriedigt. (Maltzan III, S. 115.)

B. Nicolaus V. Kinder.

a. Krantz erzählt Wand. VII, 42]: Bernhardus in Werle reliquit filium Johannem [NB. VI], is Nicolaum [V.], is Johannem, et in eo defecit linea. Da keine andere Quelle dieses Johann, Sohnes von Nicolaus V, Erwähnung tut, so nehmen wir an, daß Krantz sich geirrt und vielleicht eine Verwechselung mit Johann IV., des Nicolaus IV. Sohn von Werle=Goldberg, begangen hat.

b. Ueber die dem Fürsten Nicolaus V. von Marschalck zugeschriebene Tochter Jutta s. oben S. 255, 256.


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Stammbaum
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Zu Tafel V.

Die Linie Rostock.

V. Generation.

Heinrich Burwy III., der dritte Sohn Heinrich Burwys II., s. oben S. 149 f. Es ist schon früh aufgefallen, daß er Anfangs in den Urkunden Heinrich genannt wird [z. B. U. 368 (1229 U. 411 (1233)], er selbst aber sich, seitdem er (1236) selbständig zu Rostock regierte, in den Urkunden [U. 446 Vom 5. Februar 1236 und dann weiter] und auf seinem Siegel [abgebildet zu U. 463] stets Burwinus nennt. (Geneal. Doberan. S. 14: Hinricum, qui et Burwinus dictus est, mutato fortassis nomine in confirmatione!). - Nach Kirchberg Sp. 838 erblindete er, woraus sich leicht die Mitregierung seiner Söhne erklärt (s. u.). In Doberan, wo er (nach Kirchberg) begraben Ward, nahm man im 14. Jahrh. an, er sei 1260 gestorben (Doberaner Necrol. und Kirchb.). Das ist aber ein Irrthum, der wahrscheinlich daraus entsprang, daß sein Sohn Waldemar seit dem 27. October 1266 allein die Urkunden ausstellte. Am 11. December 1275 gedenkt er wieder des väterlichen Consenses [U. 1381], und am 11. Novbr. 1276 gaben Borwinus et Woldemarus filius ejus, dei gra. dni. de Rostock [U. 1411], der Geistlichkeit ihres Landes Rostock ein Privilegium über Testamentserrichtung und Gnadenjahr. Waldemar ertheilte daneben jedoch auch eine Ausfertigung auf seinen Namen allein [U. 1412], von gleichem Actum (also wohl später gegeben!). Zuletzt erwähnt Waldemar des Vater Consens am 2. December 1277 [U. 1444].

Gemahlin: Sophie. - Kirchberg (837) kennt nicht ihren Namen, aber ihre Herkunft: des koniges tochtir da von Denemarhin; Krantz (VII, 36) und nach ihm Marschalck (IV, 1) nennen sie filia regis Danorum Margareta (Cimbrorum regis filiam). Ihren wahren Namen und ihre dänische Abstammung erweist der Schild mit den 3 Löwen zu ihrer Linken auf ihrem Siegel an der U. 463 vom 15. Februar 1237, mit der Umschrift:   Inschriftskreuz SIGILLVM DOMIN e SOPHI e D e R[OST]OK. Da ferner König Abel von Dänemark in einer Urkunde vom 25. April 1251 [U. 675] Burwy seinen Schwager (gener) betitelt, wird man kaum fehl gehen, wenn man Sophia für Abels Schwester,

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also für eine Tochter König Waldemars II. nimmt. - Wenn Burwy in einer Urkunde [527] vom 24. April 1241 für das Kloster Dargun quondam vxoris nostre domine Sophie, filie regis Swetie, gedenkt, so findet dieses seine zureichende Erklärung in der Annahme, daß diese Urkunde vom Kloster Dargum entworfen und dem Fürsten hernach in Rostock zur Besiegelung vorgelegt ist. Sie trägt übrigens kein Siegel; sondern dieses ist von der seidenen Schnur, wenn es überhaupt existiert hat, abgeschnitten. Als verstorben gedenkt Burwy ferner am 14. September 1252 [U. 706]: domine S., nostre conjugis iam defuncte, und ihr Sohn Waldemar am 17. Februar 1268 matris nostre domine Sophie [U. 1143]. Ihre Begräbnißstätte ist unbekannt; wahrscheinlich ruhet sie aber in Doberan, da dort auch die Königin Margarete von Dänemark (und nicht in dem doch von ihr gestifteten Kreuzkloster zu Rostock) ihre Ruhestätte gefunden hat, auch Sophiens jung verstorbene Söhne in Doberan bestattet sind.


VI. Generation.

Die Kinder Burwys III.

a. 1262, 18. Juni geben Borwinus dns. de Rozstoch, Johannes et Waldemarus, filii ejusdem, der Stadt Rostock ein Privilegium. Der domicellus Johannes kommt auch noch in einer Rostocker Stadtbuch=Inskription [U. 1140] vor, deren Datum sich jedoch nicht näher bestimmen läßt, als daß sie vor dem 17. April 1268 gemacht ist. Am 17. Februar 1268 aber machte Waldemar [U. 1143] schon eine donatio (günstige Grenzberichtigung) pro nostra nostrorumque salute, matris videlicet nostre domine Sophie et fratris nostri Johannis. Höchst wahrscheinlich ist aber Johann bereits vor dem 27. October 1266 gestorben; denn an diesem Tage tritt

b. Waldemar allein als Regent zu Rostock auf [U. 1096] und erwähnt erst 1275 wieder den Consens des Vaters (s. o.). Er succedirte demselben nach dessen Tode als einziger hinterbliebener Sohn. Seine letzte Urkunde [U. 1634] ist datiert vom 3. Juli 1282, wodurch die Angabe von Krantz (Wand. VII, 36), daß sein Tod ins Jahr 1281 falle, widerlegt wird. Nach dem

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Dob. Necrol. ist er 1282, v° idus Nouembris (= 9. November gestorben. Dagegen berichtet Kirchberg c. 183 (Sp. 83 8):

Nach syme tode sundir wan
wart her begrabin zu Doberan,
mit im dy konigynne .da
von Denemarken Margareta -,
recht do man schreib czvelfhundirt jar
vnd czwey vnd achtzig, daz ist war,
in dem vierden idus
Nouembris des manen sus.

Das ist also der 10. November. Vielleicht ist in der Abschrift des Necrologiums V nur ein Schreibfehler statt IV; denn daß der Fürst schon am Tage nach dem Ableben begraben sein sollte, wird kaum anzunehmen sein.

Gemahlin: Kirchberg c. 183 (Sp. 838):

[D]o her Burwyn tod waz war,
du nam syn son her Woldemar
zu wybe eyns greuen tochtir da,
den hiez man von Holtzacia.

In der Zeitangabe irrt Kirchberg; denn schon am 17. August 1272 beurkunden Gerhard I. und Johann II., Grafen von Holstein, einen Verkauf - de consensu heredum fratris nostri Johannis pie meurorie, videlicet Heylewigis, vxoris domini Ottonis marchionis, Agnete, vxoris domini de Rostocke, - -. Nach dem Tode ihres Gemahls regierte Agnes für ihre unmündigen Söhne zu Rostock [U. 1676] Am 1. October 1286 gaben Agnes, dei gra. dna de Rozstoc, et Nycolaus, filius ejusdem, noch gemeinsam eine Urkunde [U. 1868]; am 25. März 1287 urkundete schon Heinrich I. von Werle als tutor domi[celli N. de Rostoc] [U. 1895]. Agnes wird also zwischen dem 1. Oct. 1286 und dem 25. März 1287 ihr Leben beschlossen haben.

c. und d. Seltsamer Weise kennt Kirchberg c. 182 (Sp. 838) den Fürsten Johann gar nicht, dagegen außer Waldemar zwei Söhne von Burwy III., die nie in Urkunden erwähnt werden:

dry sone, der hiez eyn Woldemar
vnd den andirn Hinrich,
den dritten den hiez Erich.
- - -
Jungher Hinrich vnd Erich
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ane erben storben beyde glich 1 )
vnd worden beyde recht vordan
begraben da zu Doberan.

Eben nur durch ihr Begräbniß zu Doberan sind sie anscheinend Kirchberg bekannt geworden. Daß sie neben der Mutter und Johann am 17. Februar 1268 [U. 1143] von Waldemar nicht genannt werden, beweist noch nicht, daß sie damals noch lebten; wahrscheinlich sind sie im zarten Kindesalter gestorben, da sie auch in des Vaters Urkunden nicht vorkommen. - Uebrigens ist die Vermuthung nicht ausgeschlossen, daß Kirchberg den abbrevirten Namen Hen[neke] unrichtig Hen[ricus] gedeutet hat.


VII. Generation.

Waldemar, Fürst zu Rostock, hinterließ - nicht, wie Kirchberg (Sp. 838) meinte, einen Sohn (Nicolaus), sondern drei.

a. Johann. Johannes, Nicolaus et Burwinus, dei gracia domicelli de Rotzstoc, eadem gratia Agnes, ejusdem ciuitatis domina predictorum domicellorumque mater, stellten am 9. April 1283 zu Rostock eine Urkunde [U. 1676] aus; es siegelten nur Johann und die Mutter. Auch in einer Rostocker Stadtbuch=Inschrift von 1284 [U. 1723] erscheinen noch domina nostra (Agnes) de Rozstoc, Johannes, Nycolaus et Borwinus, domini de Rozstoc. - Aber seitdem finden wir Johann und Burwy nicht mehr 2 ) Am 29. November 1284 [U. 1760] nennt


1) Anm. Nicht uninteressant ist für die Charakteristik Marschalcks, was er aus Kirchbergs Nachricht von der Erblindung Burwys III. und von der harten Behandlung desselben durch seine Söhne (d. h. doch wohl vornehmlich durch Waldemar, der auf eigene Hand viele Jahre lang bei des Vaters Lebzeiten regierte) gemacht hat. Er erzählt IV, 1 von Buruinus: sustulit Baldomarum, Hinricum et Ericum, qui postremi patrem nobili impietate persequentes, luminibus eum priuarunt, ob id non multo tempore morte prematura elati, juxta patrem, qui obiit anno a natali christiano millesimo ducentesimo sexagesimo, in conditorio Doberanaeo tumulati.
2) Klempzen verzeichnet freilich eine Neuenkamper Urkunde: 1298. Borewinus, domicellus tho Rosstock, gifft dem kloster (Neuenkamp) die Mole Marlow; allein in der Jahreszahl muß ein Fehler stecken, der Borewinus domicellus muß noch Burwy III. sein. Denn es ist undenkbar, daß sein gleichnamiger Enkel während 14 Jahre nie neben seinem Bruder Nicolaus genannt wäre; und hatte er noch 1298 gelebt, so hatte er nicht ohne seines regierenden Bruders Bestätigung eine Mühle verschenken können.
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schon König Erich bei seinem Beitritt zum Landfrieden als Vertreter des Rostockschen Fürstenhauses nur noch domicellus Nicolaus de Rostock; und

b. Nicolaus allein gab der Stadt Rostock am 27. Februar 1286 eine Urkunde [U. 1836]. Er erwähnt dabei auch nicht einmal seiner Brüder Einwilligung, wohl aber handelt er de consensu matris - Agnetis, necnon nostri patruelis Henrici, nobilis viri domini de Werle, tutoris nostri. Noch am 2. Juni 1291 [U. 2121] sagt Heinrich I. von Werle: patruelem nostrum Nycolaum domicellum de Rostoc, cujus tutelam gerimus. - Zu Ende des Jahres 1300 nahm Nicolaus das Kind [schon in der Dob. Geneal.: Iste est cognominatus Puerulus de Rozstok propter fatuitatem suam] sein Land vom König Erich von Dänemark zu Lehn (s. U,=B. IV, 2643, 2644; Bd. V, 1740). - In Urkunden treffen wir Nicolaus zuletzt am 15. December 1312 [U. 3577] gestorben ist er nach der Umschrift auf seinem Grabstein, der ehemals in der Johanniskirche (s. Lisch, Jahrb. XXV, 76) zu Rostock lag: 1314 Katarine (= 25. Nov.). Die ältere Abschrift des Dob. Necrologiums giebt: Obiit anno domini M. CCC. tercio decimo, VII. kalendas Decembris (= 25. November); doch beruhet tercio wohl aus einem Lesefehler III. statt IIII. (s. U,=B. VII, zu U. 3720); denn Fabricius hat gelesen (s. S. 113, Anm. 1): M. ccc. xiiii.

Gemahlin. Nicolaus verlobte sich nach Kirchberg (838) zuerst mit [Euphemia], des greuin [Günther I.] tochtir von Lyndouwe, die hernach mit Hakon von Norwegen vermählt ward; 2) auf den Rath Heinrichs II. von Meklenburg mit dessen Schwägerin, der Beatrix Schwester Margarete, Tochter des Markgrafen Albrecht, seit 1296 Wittwe des Königs Przemislav von Polen (vgl. auch Ann. Lubic. und Detmar z. J. 1300); doch brach er auch das zweite Verlöbniß und ehelichte (1299) auf Anrathen Wizlavs von Rügen:

Margarete, Tochter Herzog Bogislavs IV. von Pommern=Wolgast (filiam Buxlai, principis Slauorum, Ann. Lub. Sp. 417). Sie überlebte Nicolaus. Am 14. Januar 1316, zu Vordingborg, ließ sie ihr Witthum (Ribnitz, Sülz und Marlow) dem König Erich von Dänemark auf und empfing für ihre und ihrer Tochter Ansprüche an die Herrschaft Rostock Güter ihres Gemahls in Blekingen, Laaland und Jütland (Huitfeldt I, Sp. 385, und M. U.=B. 3802, 3803, 3805). - Sie vermählte sich zum andern

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Mal mit Herzog Johann von Glogau=Steinau. Am 12. Sept. 1324 beauftragte Papst Johann XXII. den Erzbischof von Magdeburg mit der Legitimation der Ehe Johannis ducis Slesie et dilecte in Christo filie nobilis mulieris Margarete, sororis nobilis viri Wartislai [IIII.], ducis Stetinensis [Sohns von Bogislav IV.], welche sie, ohne von ihrer Verwandtschaft 3. Grades zu wissen, geschlossen hatten, - nachdem sie nun insimul aliquandiu sicut conjuges habitassent. [Nach Theiner im M. U =B. X, U. 7302.] Margarete starb nach Klempin (Pomm. stammt. S. 8) vor 1337, Johann von Glogau=Steinau nach Grotesend (Schles. Stammt. S. 4) zwischen dem 23. April 1361 und dem 9. Juni 1365.


VIII. Generation.

Elisabeth, Tochter des Fürsten Nicolaus. - Aschermittwoch (16. Febr.) 1317 gab König Erich Frl. Elisabeth, die Tochter des weil. Herrn Nicolaus von Rostock (gaff kong Erich Frøicken Elisabeth, Her Nicolai fordum aff Rostocks Daater, Huitfeldt I, 394 und M. U.=B. VI, Nr. 3877) dem Grafen Christian von Delmenhorst mit einem Brautschatz von 1000 Mark Silbers, der spätestens ein Jahr nach der Hochzeit gezahlt werden sollte. - Von Elisabeths vier Söhnen nahmen zwei: Johann, Domherr zu Köln und zu Bremen, und Christian, Domherr zu Bremen und Osnabrück, den Greifen, die Wappenfigur der Mutter, als Träger des oldenburgschen Balkenschildes in ihre Siegel auf. (S. Urk. vom 16. Juli 1352, M. U,=B. XIII, U. 7633 mit einer Siegelabbildung.)


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Stammbaum
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Zu Tafel VI.

Linie Parchim(=Richenberg).

V. - VII. Generation.

Pribislav (I. als Stammvater seiner Linie), der vierte und jüngste Sohn Heinrich Burwys II. (s. Taf. I, Gen. V), empfing bei der Abtheilung von seinem ältesten Bruder Johann etwa das alte Land Warnow (bis zu der Grenze des Landes Bützow nördlich der Mildenitz (U. 782), der Elde und dem Plauersee), also die Lande

Parchim, Plau, Goldberg, Sternberg. Er führte Anfangs den Titel: dei gracia dominus in (oder de) Parchem bis 1248 (U. 599), dann dei gracia dominus de Richenberg 1249 [U. 633] bis 1256 [U. 771], jedoch schon einmal im April 1255 [U. 750] und nach der Einbuße seines Landes (in Folge seiner Fehde mit dem Bischof Rudolf von Schwerin) 1261 [U. 927] wieder de Parchem (wie auch 1261, 17. Juni [U. 921] Von "der Scheide der Lande parchem und Bützowe" gehandelt wird). Wie Schließlich seine Lande: Sternberg an die Linie Meklenburg (wohl erst durch Heinrich I. [U. 998; Kirchberg, Sp. 771), und Goldberg, Plau und nach vielen Wirren auch Parchim an Nicolaus I. von Werle kamen, haben wir hier nicht zu verfolgen. Am 12. Februar 1270 [U. 1180] erscheint plötzlich wieder zu Schwerin (bei seinem Schwager Grafen Gunzel, s. o. Taf. I, Gen. V) Pribezlaus dei gracia dominus in Wolin, dictus de Slavia. Dies ist aber auch sein letztes Auftreten in unsern Urkunden. Immerhin beweist dies Aktenstück die Unrichtigkeit der Angabe im Doberaner Fürstennecrologium: Pribislaus dei gra. dns. in Richenberch, 4tus filius dni. Hehrici, qui dedit bona Zoschelin(!), anno dni. MCCLXII(!), kalendas Augusti. Wahrscheinlich lebte Pribislav I. am 6. Juli 1273 nicht mehr, weil an diesem Tage an seiner statt sein Sohn Prybico, domicellus de Wolin, erscheint, und es liegt nahe, den 1. August 1272 (M.CCLXXII.) als den Todestag des unglücklichen Fürsten anzunehmen.

Ueber sein Haus war in Doberan nicht viel bekannt. Die Doberaner Genealogie berichtet kurz: - - Plawe, Parchem et

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Sternebergh. Que tamen opida vendidit fratribus suis propter captiuitatem, quam incurrerat, et exul factus in Pomerania cum vnico filio suo nomine Pribizlauo stirps sua deleta est de progenitorum contubernio. Kirchberg, der, wie man aus seinem Tadel über Pribislavs Kargheit gegen dieses Kloster (Sp. 771) entnehmen kann, auch aus Doberan seine Nachrichten über diesen empfangen hatte, weiß ein wenig mehr zu erzählen (Sp. 771):

Syn wip geborin waz von geslechte;
von Polenen waz sy hoch irkorin.
Von ir so wart eyn son geborin;
den waz ouch Pribisla genant.
- -
- -
Von Pomeren herczoge Mestuwyn
der gab ym (dem Sohn) dy tochtir syn;
vor synen brutschatz im da wart
eyn veste, dy hiez Belegart.
Do her von Sterrenberge quam,
ir yglich do dy wonunge nam.

In dieser Ueberlieferung sind etliche Irrthümer. 1 ) Die Urkunden ergeben nämlich, wenn sie auch noch Manches unausgeklärt lassen, daß Pribislav I. zweimal vermählt gewesen ist und aus jeder der beiden Ehen einen Sohn Namens Pribislav gehabt hat.

a. Am 3. Sept. 1261 Schließt Pribislav I. mit dem Markgrafen Johann von Brandenburg zu Sandow einen Vertrag in presentia - Richardi domini de Frisach, nostri soceri. Daß eine Schwester Pribislavs an einen Edlen von Friesack vermählt gewesen sei, davon findet sich keine Spur; es liegt daher am nächsten der Schluß, daß Pribislav I. - je nachdem man socer als Schwiegervater oder als Schwager deuten will, was beides nach dem damaligen Sprachgebrauch zulässig wäre - eine Tochter oder eine Schwester Richards zur Gemahlin hatte. Da wir nun Richards Gemahlin und deren Herkunft nicht kennen, so wäre auch die Deutung zulässig, daß diese und Pribislavs Gemahlin


1) Marschalck (II, 42) hat diese Stelle äußerst flüchtig gelesen; er identifiziert Pribislav II. mit dem Vater! Accessere - Pribislao (I.) Parchuni et finitimi, qui solus sine liberis uita excessit - -. Duxit tamen in conjugem Mistaeuonis Sidinorum ducis filiam, cum Bellegarda ciuitatula, ubi consenuit!
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Schwestern und - weil Kirchberg die eine als solche bezeichnet - polnischer Herkunft gewesen seien. Allein Kirchberg (oder sein Gewährsmann) scheint gern mecklenburgische Fürstinnen, deren Heimath er nicht kannte, für Polinnen angesehen zu haben, so namentlich auch Mechthild, Heinrich Burwys I. erste Gemahlin, die Tochter Heinrichs des Löwen; wir dürfen hierin ihm nicht zu viel Gewicht beilegen. Zum andern finden wir Pribislav I. mit den Edlen von Friesack in so enger Verbindung, daß wir schon darum eher annehmen möchten, die Gemahlin des Ersteren sei eine Edle von Friesack gewesen. Nicht allein, daß Richard von Friesack (oder von Jerichow) den mecklenburgischen Stierkopf zu seinem Wappenbilde in sein Siegel aufgenommen hat (s. Note zu Urk.=Buch I, Nr. 765), sondern merkwürdiger Weise nahmen am 24. Juni 1287 [U. 1911] auch Pribzlaus dei gratia dominus de Belgarden (der Sohn Pribislavs I., wie wir sogleich sehen werden) und H. et Rychardus de Vrysach dicti von den Markgrafen von Brandenburg zu gesamter Hand (manu conjuncta) die Länder Belgard, Daber und Welsenburg zu Lehen, und gelobten nebst Andern mit Pribislav, daß Letzterer (der also der eigentliche Lehnsinhaber war) in seiner Vasallentreue verharren und keinen Krieg ohne Zustimmung der Lehnsherren führen wolle. Vergleichen wir hiermit aber eine Urkunde Herzog Mestwins II. von Ost=Pommern (Pommerellen) vom 1. April 1269 [U. 1160]! In dieser trägt der Herzog nämlich den Markgrafen von Brandenburg dafür, daß sie seine Tochter vermählt haben (quod filiam nostram viro matrimonialiter copulauerunt, cui mille marcas examinati argenti superaddemus, maritus vero centum marcas eidem nomine dotis assignabit annuo excipiendas -), all sein Land (bona nostra et proprietatem omnium bonorum nostrorum) zu Lehn auf, welche dies dann Mestwins II. Gemahlin und Kindern (pueris) wiederum verleihen - mit Ausnahme des Landes Belgard (preter castrum Belgart cum terra adjacente et omnibus suis pertinentiis, quod ad suos usus sibi libere reseruabunt) etc. . Hieraus geht hervor, daß am 1. April 1269 Katharine, die Tochter Herzog Mestwins II., bereits - durch Vermittelung der Markgrafen von Brandenburg - die Gemahlin Pribislavs II. (des Sohnes von Pribislav I.) war, aber ihr Gemahl noch keinen Brautschatz erhalten hatte (vermuthlich also auch noch nicht lange vermählt war), hernach aber wahrscheinlich - wie Kirchberg erzählt - für den Brautschatz das Land Belgard empfing, das 1269 noch nicht den Markgrafen aufgetragen war, 1287 aber von Pribislav denselben aufgetragen ward. Am 27. Jan. 1289 [U. 2002] schenkte Pribislaus

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de Slauia, dominus terre Doberen et terre Belgarth in Cassubia (an der Persante) dem Kloster Bukow 200 Hufen im Lande Belgard consensu dilectissime conjugis nostre Katerine pro salute anime nostre et dilecti fratris nostri beate memorie Pribislai et parentum nostrorum, und Herzog Bogislav IV. von Pommern 1 ) bestätigte am 20. August 1291 diese Schenkung, a domino Pribeslao, suffraganeo nostro, genero dni. Mestwini ducis Pomeranie, factam [U. 2131]. - Endlich führen wir noch an, daß am 1. Jan. 1312 Abt Gottfried von Pölplin [U. 3509] die Verpfändung des Sees Malsche (bei Preuß. Stargard) an den Deutschorden von Seiten des Fürsten Pribislav II. mit Einwilligung seiner Gemahlin und seiner Kinder beurkundet: Quem lacum nobilis vir dominus Primico, princeps generosus, licet nullius terre vel provincie celebri nomine tituletur, una cum uxoris sue Katherine ac suorum liberorum, filii sui Mestwini et filie sue Luchardis, consilio et assensu - obligauit. - Später kommt Katharine wohl nicht mehr in Urkunden vor; und vielleicht hat mit ihrem Tod ihr Gemahl alles Gebiet, welches er in Pomerellen durch sie besessen hatte, wieder verloren. Denn er erscheint noch einmal wieder im Westen; wenigstens nahm nach Krantz (Wand. VIII, 5) Pribislaus dominus Wandaliae (und ebenso nach der Stralsunder Chronik bei Lisch, Maltzan I, S. 240) noch an der Schlacht vor Stralsund am Hainholz, 21. Juni 1316, Theil. Gegenüber diesen beiden Berichten erscheint die Angabe des Doberaner Fürstennecrologiums: Pribizlaus secundus, dei gracia dominus in Richenberch, obiit anno domini M. tricentesimo xv. einen Irrthum zu enthalten.

Richtig aber mag die Angabe der Genealogia Doberan. sein, daß mit Pribislav II. das Haus Parchim=Richenberg - im Mannesstamme - erlosch. Denn sein Sohn Mestwin wird, so viel bekannt, nach dem 1. Januar 1312 in Urkunden nicht mehr erwähnt, er mag also immerhin vor seinem Vater verstorben sein.

Dagegen überlebte diesen die Lucardis, welche uns in der Urkunde vom 1. Januar 1312 als Pribislavs Tochter genannt wird, sehr lange. 1342 war sie die zweite Gemahlin des Herzogs Wla=


1) Bogislav IV. spricht 25. Dec. 1290 [U. 2086] vom Siegel cognati nostri Pribezlai, domini de Belegart; wahrscheinlich, weil Bogislav und Katharine, Pribislavs Gemahlin, von Mestwin I. abstammten. Vgl. oben S. 128, Anm. 2, wo aus gleichem Grnnde Pribislav II. als cognatus Wizlavs III. bezeichnet ist.
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dislav von Kosel (dessen erste Gemahlin Beatrix von Brandenburg schon vor dem 26. April 1316 verstorben war). Verwittwet (nach dem 16. November 1351), lebte Lukardis noch am 20. Juni 1359 auf ihrem Leibgedinge Beuthen, und nach Grotefend (Schlef. Stammtafel, S. 9) hat sie erst nach dem 3. Juni 1362 ihre Tage beschlossen. Das Necrologium der Prämonstratenser zu St. Vincenz in Breslau, welchen das Patronat der Propstei zu St. Margareten in Beuthen zustand, führt (worauf mich Archivar Dr. Pfotenhauer aufmerksam macht) zum 11. October eine Lucardis auf, jedoch ohne jede weitere Bezeichnung (als domina, ducissa etc.); es bleibt also ungewiß, ob die Herzogin gemeint ist. Daß aber diese in Beuthen gestorben und zu St. Margareten bestattet ist, darf man als Wahrscheinlich ansehen.

Die Edle v. Friesack muß die erste Gemahlin Pribislavs I. gewesen und, da am 1. April 1269 ein Sohn derselben schon vermählt war, spätestens um 1250, wahrscheinlich aber schon einige Jahre früher, von ihm heimgeführt sein. In Berücksichtigung der Zeitverhältnisse sind wir dann geneigt, dieser Ehe die am 12. Februar 1270 noch unvermählte Tochter (filiam nostram adhuc maritandam) zuzuschreiben, welche Pribislav I. damals seinem Schwager, dem Grafen Gunzel III. von Schwerin, und dessen Bruder Helmold übergab, um sie bei sich zu behalten und zu vermählen [U. 1180]. Ob dieser Wunsch in Erfüllung gegangen ist, wissen wir nicht; überhaupt sind uns die weiteren Schicksale dieser Fürstentochter nicht bekannt. Da ihr Bruder Pribislav II. ihrer am 27. Januar 1289 (s. o.) nicht gedenkt, sondern nur des verstorbenen Bruders, so darf man wohl vermuthen, daß sie damals noch am Leben war. 1 )

b. Am 3. September 1261 [in U. 927] nannte sich Pribislav I.: dei gratia dominus de Parchem, Nicolai, Johannis et Borewini, dominorum Slauie, frater, dagegen am 12. Februar 1270 (s. o.) dei gracia dominus in Wolin, dictus de Slauia. Zwischen die beiden obigen Daten fiel also die Erwerbung der


1) Wenn Steinbrück (Pomm. Klöster S. 158) um 1270 eine "Maria, Prinzeß aus Meklenburg", als Priorin zu Verchen nennt, so hat diese Angabe in den Urkunden keinen Anhalt. Denn 1269 hieß die Priorin daselbst Gisle (Pomm. U.=B. II, S. 220: G. priorissa, S. 223: preposito Johanni dicto de Duberkowe, Glislen! priorisse), und hernach wird bis 1278 keine Priorin zu Verchen mit Namen genannt.
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Insel Wollin. Aber wie erwarb er dieselbe? Es besteht unter den Genealogen kein Zweifel darüber, daß er durch eine zweite Vermählung in den Besitz derselben gekommen ist, und daß sie nach seinem oder nach seiner zweiten Gemahlin Tod an einen Sohn aus dieser zweiten Ehe überging, der am 6. Juli 1273 unter den Zeugen einer zu Damm gegebenen Urkunde Herzog Barnims I. von Pommern (hinter den Rittern) als nobilis vir Prybico de Wollin erscheint und ebenso sich wiederum im Jahre 1276 im Gefolge desselben Herzogs zu Cammin befand (Lisch, Behr. Urk. I, S. 120 und 132). dessen aber am 27. Jan. 1289 Pribislav II. als fratris nostri beate memorie Pribislai (s. S. 271 f.) gedacht hat. Allein wer war die Mutter dieses jüngeren Sohnes von Privislav I., den wir Pribislav III. nennen? - Klempin äußert sich hierüber in seinen Stammtafeln des Rügisch=Pommerschen Fürstenhauses S. 4 so: "Wartislav III., Herzog von Pommern=Demmin, † 17. Mai 1264. Gem.: Sophia, Tochter Wladislaw's Odonicz, Herzogs zu Polen, beleibdingt mit Wollin, heiratet in 2. Ehe Pribislaw, Fürsten zu Parchim, † 1276." Danach wäre dann doch etwas Wahres an der Angabe Kirchbergs, daß Pribislav I. mit einer polnischen Fürstin vermählt gewesen sei. Indessen trotzdem haben wir diese Vermuthung schon in Anm. 2 zu S. 128 als äußerst fraglich bezeichnet, und wir können uns derselben nicht anschließen. Denn dann könnte Pribislav III. frühestens 1265/66 geboren sein; es erscheint uns aber unglaublich, daß er schon im Alter von 7 bis 8 Jahren (6. Juli 1273) vom Herzog Barnim I. als Zeuge herangezogen wäre. Auch ist es kaum wahrscheinlich, daß Wartislav III. seiner Gemahlin nicht in seinem Gebiete (Demmin), sondern in Wollin ein Leibgedinge verschrieben hätte. Für viel annehmbarer halten wir die Vermuthung Cohn's (Tafel 146), daß die Mutter Pribislavs III. eine Tochter des Herzogs Barnim I. (also eine Schwester Anastasiens, der Gemahlin Heinrichs I. von Meklenburg) war und ihrem Gemahl als Brautschatz die Insel Wollin zubrachte. Ihre Vermählung mit Pribislav I. kann aber nach unsern obigen Erörterungen nicht schon 1244, wie Cohn meint, vollzogen sein, sondern die Insel Wollin wenigstens scheint Pribislav, wie oben bemerkt, erst nach dem 3. September 1261 empfangen zu haben; viel früher dürfen wir daher auch die Vermählung nicht ansetzen. 12 - 14 Jahre alt konnte aber, nach andern Beispielen zu schließen, Pribislav III. immerhin schon als Zeuge bei seinem Großvater fungieren. - Nach dem Jahre 1276 hören wir von ihm nichts mehr; auch Kinder von ihm werden nie erwähnt.

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Die große Schenkung von 200 Hufen, welche Pribislav II. dem Kloster Bukow 1289 für das Seelenheil seines Bruders, seiner selbst und der Seinigen überhaupt machte, läßt vermuthen, daß er in diesem Kloster eine gemeinsame Begräbnißstätte für sein Haus erwarb, und daß Pribislav III. dort sein Grab gefunden hatte. Denn Wollin wird nach dem Tode der pommerschen Gemahlin Pribislavs I. an die Landesherrschaft zurückgefallen sein, und nicht sicherer war der Besitz Pribislavs II.


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Stammbaum
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Stammbaum
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Zu Tafel VII.

Die Linie Meklenburg=Schwerin bis zur
Abzweigung des Hauses Güstrow.

XIII. Generation.

Da die Linie Rostock schon 1314, die Linie Parchim wenige Jahre später, die Linie Werle (Wenden) 1436 und von der Linie Meklenburg das Haus Stargard 1471 im Mannesstamme erloschen waren, auch von Heinrichs IV. Söhnen Albrecht VI., Johann und Balthasar kinderlos verstarben: so beruhete alle Hoffnung auf den Fortbestand des Fürstengeschlechtes allein auf Magnus II. Er ist der Stammvater aller nachfolgenden Generationen XIII. bis XXV.

Seine Kinder zählt Marschalck VII, 8 auf: Henricum, Ericum, Albertum, Sophiam, Annam, Dorotheam, Catharinam, richtiger aber nach der Altersfolge Slagghert fol. 179 b : Hinrick, Dorothea, Sophia, Erick, Anna, Katherina, Albrecht.

a. Heinrich. Slagghert setzt fol. 179 Seine Geburt unrichtig ins Jahr 1477 (die Hochzeit der Eltern fiel erst ins Jahr 1478!); dagegen glaubwürdig berichtet das Verzeichniß von Daten 1477 - 1524: m. iirj c lxxix., amme daghe des hilgen cruces nha ostern, is vnse g. here H. Hinrich gebaren, also am 3. Mai 1479. Seinem Vater succedirte er mit seinen beiden Brüdern 1503, und regierte seit Erichs Tod mit Albrecht VII., der wiederholt nach völliger Landestheilung trachtete, aber auch am 22. December 1534 nur eine partielle (eine Theilung des Domaniums) auf 20 Jahre erreichte, wobei Heinrich V. wesentlich den westlichen (Schwerinschen) Landestheil, Albrecht den östlichen (Güstrowschen) erhielt. - Heinrichs V. Todestag sieht durch gleichzeitige Zeugnisse fest. Z. B. berichten die Daten von 1525 - 64: "Anno 1552, den 6. Februar ist Hertzogk Heinrich tzu Mekelenburgk etc. . zu Schwerin gestorben vnd daselbst im Thumb begraben" (richtiger: beigesetzt. Sein Sarg ist noch im Gewölbe vorhanden. S. Jahrb. XIII, 175.)

Gemahlinnen. 1) Ursulas Hochzeit fand aktenmäßig Fastnacht 1507 statt. - Ueber ihren Todestag stimmen die Akten und Schriftsteller ziemlich überein; nur Marschalck irrt (VII, 10) im

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Jahre: 1511, ad decimum quintum calendas Octobres (17. Sept.). Nach ihres Gemahls Brief starb sie am "Mittwoch nach Lamberti" (= 18. Sept.) 1510; nach dem Verzeichniß von 1477 - 1524: m. v c . x., des anderen dages na Lamberti episcopi (= 18. Sept.). Slagghert berichtet (fol. 184) ausführlicher: Anno M. v c . x. Froychen Vrsula, hertich Hinrikkes tko Mekelenborch vorstynne vnde husfrowe -. An deme dage(?) ofte nacht Lamberti, des mydwekens in der quatertemper vor Michaelis (= 18. Sept.), welker ys de dach der entfanginge der hilgen V vunden Francisci, tho Gustrow vp deme slate - ys ghestoruen -. Se ys begrauen myt groter mo o ghe vnde swarheyt in dat closter tho Dubberan; wente id was nene wyse ofte wanheyt, ock nicht ghehoret(?), dat men vorstynnen hadde begranen tho Dubberan, men allene de heren vnde vorsten. - Die Differenz in den Daten um einen Tag findet sich so oft, daß man annehmen muß, daß der Eine die ganze Nacht schon zum nächsten Tage rechnete, der Andere wenigstens die Stunden bis Mitternacht zum vorausgehenden Tage.

2) Helena. Nach Häutle, Genealogie des erlauchten Stammhauses Wittelsbach (München, 1870), S. 41, war Helena am 9. Febr. 1493 zu Heidelberg geboren; aber sie ist nicht, wie dort angegeben, am 12. August 1513 zu Wismar vermählt, sondern, wie Slagghert z. J. 1513 genau angiebt: hertich Hinrick - heft genamen eyn vorstynne frochen Helena - - des sundages na den achten daghen des hilgen lychammes, d. i. am 5. Juni. Der Einzug in Wismar und die Trauung fanden am 4. Juni (Sonnabends) statt, das große Hochzeitsfest sontag Bonifacii (= 5. Juni), das Turnier Dienstag den 7. Juni (S. Lisch, Maltzan IV, S. 430). - Ueber ihren Todestag meldet das Verzeichniß von Daten 1477 - 1524: m. v c . xxiiij., amme daghe Oswaldi regis, starff frowe Helena, das wäre am 5. Aug.; dagegen berichtet Slagghert (Jahrb. III, 116): In deme suluesten iar (1524), an deme daghe Justini prester, vp den dunredach, welker was de iiii. dach des maentes Augusti, de - hertogynne frowe Helena, hertich Hinrickes tho Mekelenborch husfrowe, - ys gestornen to Swerin - vnde darsuluest in deme dome begrauen - in de capelle des hilghen blodes. Die Grabschrift aus ihrem bronzenen Epitaph aus P. Vischers Werkstatt (s. Lisch in Jahrb. XXVII, S. 257 f.) giebt gleichfalls das Datum: 1524 Am Donnerstag nach Petri ad Vincula - 4. August. - Ueber die Grabstätte vor dem H. Bluts=Altar s. Lisch, Jahrb. XIII, S. 174.

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3) Ursula. - Ursula, die jüngste Tochter des am 1. Aug. 1543 verstorbenen Herzogs Magnus I. von Sachsen=Lauenburg, ward durch ihre Mutter Katharine (von Braunschweig) und ihren regierenden Bruder Franz I. mit Herzog Heinrich V. verlobt, ihre Hochzeit fand am 24. Mai 1551 zu Schwerin statt. Ihre Ehe ward schon im 9. Monat durch Heinrichs Tod aufgelöst. Ursula ist dann Wittwe geblieben, hat aber ihre Tage nicht in Meklenburg beschlossen. Nachdem sie von ihren Neffen, den Herzogen von Meklenburg, wegen ihrer Witthumsansprüche abgefunden war, nahm sie ihren Wohnsitz dauernd in Minden. Herr Oberlehrer Dr. Schröder daselbst, der sich speziell mit der Geschichte Mindens beschäftigt, hat die Güte gehabt mir brieflich mitzutheilen, "daß Bischof Georg 1560, Montags nach Jubilate (6. Mai), der Herzogin Ursula auf Intercession der Königin Darothea von Dänemark und des Herzogs Heinrich von Braunschweig den bischöflichen Hof in Minden auf Lebenszeit eingeräumt, und diese denselben bis zu ihrem Tode 1578 bewohnt hat. Es ist anzunehmen, daß sie im Dome (zu Minden) bestattet sei, da sie sich gewiß bis zu ihrem Ende zur katholischen Konfession bekannt hat; da aber in dem Dome sehr viel seit jener Zeit verändert ist, so wird sich schwer eruieren lassen, ob ihr Grabmal sich dort befunden hat."

b. Dorothea ist nach Slagghert am 21. October (an deme dage Vrsule, der hilgen juncfrow) 1480 geboren (fol. 180), wozu stimmt, daß 1480 am Mittwoch nach Martini (15. Nov.) Herzog Magnus II. den Rath zu Wismar zur Taufe seiner Tochter auf den mandag na concepcionis Marie (11. Dec.) einlud. - Nach Slagghert (fol. 180) ward Dorothea zu Ribnitz 1489, Luce (18. Oct.) gekleidet, 1498, Mathie (24. Febr.) zur Aebtissin erwählt (fol. 182). Slaggherts Fortsetzer berichtet (fol. 212): Anno domini M. v c . xxxvii. (so, nicht 1538, wie in der lateinischen Uebersetzung!), im tage Egidii episcopi (= 1. Sept.), is in godt dem Heren van hir gescheidenn vnd entschlapen frouch[en] Dorothea, vnd hefft das Ampt der Ebdischenn ein gantz jar leddig gesta[n]

c. Sophie. - Sophie ist vor dem 18. December 1481 geboren. Denn an diesem Tage (dinstag na Lucie virginis) entschuldigt schon Herzog Friedrich von Br.=Lüneburg sein Ausbleiben bei der an der hilgen drier koninge dage bevorstehenden Taufe des frouchens. - Ihre Hochzeit mit dem Herzog (dem späteren Kurfürsten) Johann dem Beständigen von Sachsen ward zu Torgau am 1. März 1500 gefeiert. - Ihr Todestag ist in

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Schwerin nicht urkundlich bekannt; nach v. Keller ist sie am 12. Juli 1503 zu Torgau gestorben und auch dort bestattet. - Johann vermählte sich 1513 wieder mit Margarete von Anhalt, ward jedoch 1521 abermals Wittwer. Er starb am 16. Aug. 1532.

d. Erich (II.). - Dessen Geburtstag war der Mittwoch nach Aegidien (3. Sept.) 1483 (Chemnitz). - In Bezug auf seinen Todestag irrt merkwürdig Marschalck, wenn er (VII, 10) als solchen den 14. Januar (postridie idus Jan.) 1505 bezeichnet; auch Mylius (S. 245) irrt, indem er das Jahr 1506 annimmt. Denn Erich begegnet uns nicht selten noch bis zum Herbst 1508. Auf seinem Grabmal zu Doberan ist angegeben, er sei am 24. Dec. 1508 zu Schwerin entschlafen; aber auch das kann nicht richtig sein. Denn schon am Freitag nach Thomä (22. Dec.) 1508 ward Ritterschaft aufgeboten, am nächsten Dienstag (26. Dec.) des Herzogs Leiche in Wismar zu empfangen und nach geziemenden Vigilien und Todtenmesse am 27. nach Doberan zu geleiten. Ob aber die Daten von 1477 - 1524 mit der Angabe: m. v c . viii. starff H. Erich der anderen dages S. Thome apostoli (= 22. Dec.) Recht haben, oder Slagghert, der fol. 183 z. J. 1508 berichtet: Hertich Eryck - an deme dage Thome, des hilgen apostels (= 21. Dec.), heft betalet de plycht des vleskes vp desser erden -, bleibt unentschieden.

e. Anna. - 1485, die crucis (wohl 3. Mai, sonst 14. Sept.), meldete die Herzogin Dorothea von Plau aus ihrem Sohne Magnus II., daß ihm an diesem Tage ein junges frowchen geboren Sei. - Nach Slagghert fol. 182 z. J. 1500 ward zu Torgau bei Sophiens Hochzeit jegen den vastelauent Anna verlobt mit dem Landgrafen Wilhelm II. von Hessen=Cassel (geb. 1468), und vp sunte Lucas dach (18. Oct.) in Hessen vermählt. Aber Slagghert irrt. Denn erst am 21. Mai 1500 starb Wilhelms erste Gemahlin (verm. 1497) Jolanthe, Herzog Friedrichs von Lothringen Tochter, und Annas Hochzeit fand nach gleichzeitigen Angaben zu Cassel erst am 20. October statt. Anna ward am 11. Juli 1509 Wittwe, regierte für ihren Sohn Philipp 1514 - 18 (Kantate) und ward von diesem 1519, am 7. April dechargirt. Sie vermählte sich (1519) aufs Neue, wie Slagghert fol. 191 richtig erwähnt, mit greue Otte van Solmes (Solms=Laubach), verlor aber diesen wieder am 14. Mai 1522. Nach Angabe ihres Leichensteins soll sie selbst am 6. Mai (sexta Maji) 1525 verstorben sein, aber nach dem gleichzeitigen Bericht Balthasars gen. Schutenbach, Amtmanns zu Gießen, an den Landgrafen Philipp ist sie schon am Freitag vor Jubilate (5. Mai) Nachts um 11 Uhr (zu Rödelheim) entschlafen.

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Ihre Leiche ward Anfangs (15. Mai) zu Marburg in der Franziskanerkirche beigesetzt, am 27. Mai 1546 aber in die dortige Elisabethkirche übertragen. 1 ) S. Hoffmeister, Hist.=gen. Handbuch 28, 29.

f. Katharina. Deren Geburtstag ist im Schweriner Archiv nicht aufgefunden. Aber in der hdschr. Chronik über die Rostocker Domfehde heißt es (Jahrb. XLV, S. 45) von des Herzogs Magnus II. Gemahlin (1487, 12. Jan.):

fruwe Sophie done mit swaren vote
vnder grotem volke was malkes genote;

sie wird also in den nächsten Wochen oder Monaten entbunden sein. Aber nicht von Herzog Albrecht VII.: denn dieser ist nach den Daten 1477 - 1524 im Jahre 1488 geboren, und nach andern Nachrichten Ende Juli (S. u.). Hiernach nehmen wir an (womit auch die Reihenfolge der Kinder bei Slagghert stimmt, die er gewiß Katharinens Schwester, der Aebtissin Dorothea, verdankte), daß Katharine in den ersten Monaten des Jahres 1487 geboren ist - Nach Slagghert fol. 185 ward sie 1512 bei dem großen Turnier zu Ruppin vp den vastelauend - deme eddelen heren hertich Jurgen (am Rande berichtigt: Heinrichen) tho Mißen - thoghesecht vnde thosamen dar ock vortruwet van dem biscop Jheronimo des stiftes tho Brandenborch. Vnde vp den somer sint se thosamen kamen tho Dreßden (vielmehr zu Freiberg) vnde de koste gheholden dar suluest. Nach Archivnachrichten langte Herzog Heinrich V. mit dem Brautzuge zu Friberk am montage na Visit. Marie (5. Juli) an, und die Festlichkeiten währten vom 6. - 9. Juli. - Sie verlor ihren Gemahl am 18. August 1541 und starb - nach der Inschrift auf ihrem schönen Epitaphium zu Freiberg - am 6. Juni 1561.

g. Ueber Albrechts VII. (des Schönen) Geburtstag weichen die Angaben sehr von einander ab. Daß Marschalck ihn für den jüngsten Sohn, Slagghert ihn für das jüngste Kind von Magnus II. ausgeben, ist bereits bemerkt; der jüngste Sohn war er sicher, da er in den mit seinen Brüdern gemeinsam ausgestellten Aktenstücken an letzter Stelle steht. Die älteste Angabe über seinen Geburtstag finden wir in: "H. Albrecht zu Mekelborg natiuität 1517": "xxx Jare am tage patilionis pantalionis," die auf der Rückseite eines Briefes von "Jo. Talle" steht. Der Brief ist wahrscheinlich ge=


1) Ihre beiden Grabsteine (deren einer auf der Grabstätte liegt, der andere zu Füßen an der Wand der Kapelle steht) ließ ihr Sohn Philipp erst 1553 durch den Steinhauer Jakob Steindecker und den Bildhauer Th. Galer zu Marburg anfertigen. S. Hoffmeister a. a. O.
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richtet an Hz. Heinrich V. und lautet: "Gnediger Here. Die gebort mynes g. Hern Hertzogen Albrechts ist gewest im glucksamen gesternte Sondages Pantaleonis Anno dni. Millesimo quadringentesimo octuagesimo septimo, xxix. dach des Mants Augusti, sub Imperatore Frederico." Diese Aufzeichnung ist etwas verwirrt. Denn der 29. August war nirgends ein Pantaleonstag; gewöhnlich war es der 28. Juli, anderswo auch wohl der 27. Der 29. August fiel nun aber im Jahre 1487 auf einen Mittwoch, der 28. Juli auf einen Sonnabend; vielleicht wollte der Nativitätssteller Jo. Talle also schreiben: "Sondages na pantal. - XXIX. dach des Mants Julii," oder, was glaublicher ist, er irrte, da er auf der Rückseite den Pantaleonstag nennt, im Kalender. Daß aber das Jahr dann falsch sein muß, haben wir soeben (S. 282) gezeigt. Die der Zeit nach nächste Angabe ist dann die schon angeführte der Datentafel von 1477 - 1524, welche das Jahr 1488 als Geburtsjahr Hzg. Albrechts nennt, und dazu stimmt weiter Slaggherts Angabe, daß Albrecht das jüngste Kind von Magnus II. sei; aber der Pantaleonstag (28. Juli) fiel 1488 auf einen Montag. - Wenn Hz. Albrecht nach seines Sohnes, Hzgs. Johann Albrecht I., Angabe auf dem Monumente im Schweriner Dom, zu Anfang 1547 bei seinem Tode im 60. Lebensjahre stand, so müßte er 1487 geboren sein, was, wie bemerkt, nicht richtig sein wird. Sonst nahm man in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts an, Albrecht VII. sei Jacobi (25. Juli) 1486 geboren, so u. a. Mylius (S. 247), Chyträus (Saxon. XVI), Hederich, Simon Pauli und spätere.

Nicht minder verschieden lauten die Angaben über Albrechts VII. Todestag; jedoch darin, daß er im Januar 1547 gestorben ist, herrscht Uebereinstimmung. Nach der Einleitung zu dem am 12. Juli 1547 errichteten amtlichen Inventarium über seinen Nachlas (Jahrb. XXII, S. 194) ist er "am abendt Trium Regum" (also am 5. Jan.), "Anno etc. xlvii., zwischen sechs vnd sieben "vhr fur mittage, durch den allmechtigen auß diesem elendt gefordert "worden," und "volgents am thage Anthonii" (= 17. Jan.) - "zu Dobran - zur Erde bestatet worden." Diese sehr genaue Angabe verdient, weil sie ausgezeichnet ist, als noch das Ereigniß in frischer Erinnerung stand, entschieden den Vorzug vor den späteren. Nach der Inschrift auf dem schon erwähnten heraldischen Monument im Dom zu Schwerin, welches ihm viel später von seinem Sohn Johann Albrecht I. (der, beiläufig bemerkt, beim Tode des Vaters nicht in Meklenburg war, sondern erst ein Vierteljahr später aus Oberdeutschland heimkehrte) gesetzt ward, starb

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Albrecht VII. V[itae] A[nno] LX: D. S. OB[iit] SVVER VII. ID. JAN. AN. XLVII, d. J. am 7. Jan.; wahrscheinlich entnahm diesem Monument Mylius (der zur Zeit, da Albrecht VII. starb, noch nicht in Meklenburg war) dasselbe Datum: den "7. Januarij" (Annalen S. 257). Endlich findet sich in den "Daten 1525 - 64", die wenigstens zum Theil auf Herzog Ulrich zurückgehen, verzeichnet: "Anno 1547, den 10 Januarij Ist Hertzogk Albrecht zu Mekelnburgk etc. . zu Schwerin gestorben vnnd zu Dobbran begrabenn." - Ueber Albrechts Grabstätte zu Doberan vgl. Lisch in Jahrb. XIX, S. 371 flgd.

Gemahlin: Anna. Slagghert schreibt f. 187, z. J. 1522: Dosuluest in deme jar hertich Albrecht tho Mekelenborch, hertich Hinrickes broder, heft ghefryet vnde syck thoseggen laten vnde vortruwen froychen Anna, des marckgreuen Jochim dochter tho Brandenborch, ghebaren vth des konynges dochter konynck Hans tho Dennemerken, vor syne vorstynne Nach den Ehepakten vom 13. November 1521 sollte die Vermählung am 22. November 1523 zu Berlin stattfinden; doch ward sie verschoben, am 4. December 1523 das Beilager aber auf den Sonntag Antonii (17. Jan.) 1524 festgesetzt, und ohne Zweifel auch gehalten. Denn Slagghert erzählt fol. 188: Anno M. d. xxiiij., des negesten sundaghes na den achten daghen der hilghen dre konynge (d. i. am 17. Jan.), de - hertich Albrecht tho Mekelenborch heft geholden synen hotf vnde koste tho deme Berlin; darsuluest he heft entfanghen syne eddele brut froychen Anna -, vnde darna iegen den vastelauent ys syne gnade gekamen tho der Wysmer -. Darsuluest hebben se haueret myt steken vnde myt breken - -. Ueber der Herzogin Anna Ableben zu Lübz am 19. Juni 1567 und ihre Beisetzung im Dom zu Schwerin am 25. handelt ausführlich Lisch im Jahrb. XXII, S. 44 flgd.


XIV. Generation.

A. Kinder Heinrichs V.

1) Erster Ehe:

Slagghert sagt fol. 183 von Heinrich V. und seiner ersten Gemahlin Ursula: Myt er heft he entfangen iij gheslechte, also froychen Zophien, hertich Magnus, froychen Vrsula. Die Reihenfolge ist richtig, und mehr Kinder kennen wir auch aus Urkunden und Akten nicht.

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a. Sophia. - "1508, Mytweckens na Judica" (12. April), von Gottorp aus, gratulirte die Herzogin Anna auf Hzgs. Magnus Anzeige zu der Geburt einer Tochter. Deren Geburtstag wird nicht angegeben. Slagghert berichtet f. 204 b z. J. 1528: des dinxtedages in dem pinxten (= 2. Juni) heft - hertich Hinrick tho M[e]kelenborch syne dochter froychen Sophia, de oldeste, vortruwen laten hertich Eryk [lies Ernst] tho Luneborch -, welke(r) thosamen syn vortruwet na cristliker wanheyt dorch den wygelbyscop tho Zwerin, broder Diderick Huls, ordinis sunte Francisci; vnde de koste schach vnde de brutmisse des mydwekens in deme pinxten (= 3. Juni) Diese Angabe wird bestätigt durch ein Einladungsschreiben an den Kurfürsten von der Pfalz zu diesem Feste. - Sophiens Todestag ist im Schweriner Archiv nicht sicher bekannt; nach ihrem interessanten Grabstein in der Kirche zu Celle starb sie 1541, am 8. Juni. Vgl. Steinmann, Grabstätten des Welfenhauses, S. 251, auch S. 253.

b. Magnus III. - Chemnitz berichtet unter Berufung auf Simon Pauli, Magnus III. sei 1509, 4. Juli (Vlrici), zu Stargard geboren. - Er starb nach einer Anzeige vom Mittwoch nach Convers. Pauli (29. Jan.) 1550: "gestern Abends um 8 Schlägen", nach einer andern vom 2. Febr.: "am nächst verschienenen Dienstag" (= 28. Jan.). Daten v. 1525 - 64: "Anno 1550, Dingstags vor Lichtmessen (= 28. Jan.), ist hertzogk Magnus zu Mekelenburgk etc. . zu Bützow seliglich gestorben, Sonnabendts vor Lichtmessen gegen Dobbrann geffuret vnd daselbst auff Lichtmessentagk (= 2. Febr.) zur erden bestettigt." - Unrichtig steht auf dem von Hz. Johann Albrecht I. ihm gesetzten Monument im Dom zu Schwerin der 29. Jan. (IV. calend. Februar.) als Todestag angegeben.

Gem.: Elisabeth. - Daten 1525 - 1564: "Anno 1543, Sontags nach Bartholomei" (= 26. Aug.), "ist Fraw Elisabeth, Geborn aus Konniglichem Stamme zu Dennemarcken etc. ." Hertzogk Magnussen zu Mekelenburgk zum Kiell vormehlet worden."

c. Ursula ward nach Slagghert fol. 184 b : 1510, na deme dage decollacionis Johannis baptiste (= 29. Aug.), also wohl am 30. Aug. geboren, (Vgl. fol. 206: bet [to d]eme (oder na d[eme]?) daghe decollacionis Johannis baptiste ofte Felicis, Adaucti, [welk]er de negheste dach darua was.) - Die Taufe ward auf den Dienstag nach Michaelis (30. Sept.) angesetzt. - - 1515 (fol. 185) ward sie ins Kloster Ribnitz gegeben, so se noch nicht iiii jar(?) vul olt was -, 1522 (fol. 186 b ) in deme daghe

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Marien bort (= 8. Sept.) vp den mandach - becappet vnde ghecledet, - 1524 (fol. 188) an deme dage der hilghen drevaldicheyt (= 22. Mai) - ghenamen vth der scholen - vnde also angenamen tho deme proueiar -, 1525 (fol. 190) tho deme hilgen horsam genomen, vor dat altar gheoffert vnde in de venie gelecht - vnde gade deme heren vortruwet -, 1528 (fol. 206) an deme daghe diuisionis apostolorum zur Vicaria erwählt. Als 1537, 1. Sept., die Aebtissin Dorothea gestorben war, wollte ihre erkorene Nachfolgerin Ursula das Amt der Aebtissin nicht übernehmen. "E. f. G. hat op ande[re] Wege "deliberirt, sich des Closters zu begeben vilicht, Aber vp der Junck "frowen villefaltiges bitten nehest anderen guden frunden hat "sie volgendes Jhars das Ampt im Namen Christi angenamen," so lautet eine mindestens 40 Jahre jüngere Notiz in der Handschrift des Slagghert fol. 212, und eine auf der nächsten Seite, fol. 213: "Anno Domini M. v c xxxviij Ist froulin Vrsula thom Regimente gekamen, do das Closter vnd Regimentt Ein gantz Ihar ane regiment" etc. . - Danach muß Ursula im Herbst 1538 Aebtissin geworden sein. - Ihr Todestag war nach gleichzeitigen Quellen der 22. April 1586. Mylius (Gerdes, S. 246) bezeugt ausdrücklich, wohl aus eigener Erinnerung, Ursula sei in Ribnitz "gestorben und begraben".

2) Zweiter Ehe.

d. Philipp. - Caspar v. Schönaich notirt: "Fraw Helene hat 1514, am 12. tage Septembris, als die Glock Vmb den Mittag zcu 12 gewest, geboren eynen jungen Sohn. Zwischen 12 und 11 (sic) ist das kint geboren." - In Folge einer Verletzung beim Turnier war er lange Jahre hindurch geisteskrank und lebte nach des Vaters Tode am Hofe Herzog Ulrichs. - Daten 1525 - 64: "Anno 1557, den 4. Januarii, Ist Hertzogk Philips zu Mekelenburgk etc. . zu Güstrow gestorben vnnd den 14. Januarii zu Dobbran begraben." Dieser Todestag ist auch anderweitig bezeugt; nur Mylius (S. 246) giebt den 3. Jan. als solchen an. "Liegt zu Dobberan begraben."

e. Margarete ist geb. am 8. April 1515. - Ihre Hochzeit fand zu Wismar am 12. Nov. 1537 statt. - Nach Sinapius (Olonographia [1707] I, S. 170) ist sie zu Bernstadt am 30. August 1559 verstorben und in der fürstlichen Gruft vor dem hohen Altar neben ihrem Gemahl und einer Tochter beigesetzt. (Mitgetheilt von Archivar Dr. Pfotenhauer.) Ihr Gemahl war nach Grotefend S. 23 am 29. März 1507 geboren und † am 2. August 1548; Margarete hat ihn also um 11 Jahre überlebt.

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f. Katharine ward am 3. März 1538 zu Liegnitz mit Herzog Friedrich III. (der nach Grotefend S. 18 am 22. Febr. 1520 geboren war und am 15. Decbr. 1570 verstorben ist) vermählt. sie selbst starb am 17. Nov. 1581; ihre Ruhestätte fand sie (nach Dhebestus, Liegnitz'sche Jahrb. II, S. 209, wie mir Pfotenhauer mittheilt) "in der fürstlichen Gruft zu St. Johannis" in Liegnitz.

B. Die Kinder Albrechts VII.

Mylius zählt sie S. 248 auf: "Magnum, Johann Albrecht, "Ulrichen, Georgen, Anna, Ludwichen, Johann, Sophia, Christophern "und Carln. Von diesen ist der erste Hertzog,

a. "Magnus, bald nach der Geburt zu Berlin gestorben." Danach erzählt Chemnitz: "Herzog Magnus, Herzog Albrechts erster Sohn, ist ao. 1524 zu Ende des Jahres zu Berlin geboren, bald nach empfangener tauffe gestorben und daselbst begraben worden". Und allerdings kann Magnus nicht viel früher geboren sein. Neuere Genealogen geben als den Geburts= und Sterbetag den 19. November an.

b. Johann Albrecht I. - Daten 1525 - 64: "Anno "1525, den 22. Decembris, ist Hertzogk Johanß Albrecht zu "Mekelenburgk etc. . geboren, 2 stundt nach Mittage." Doch Slagghert (fol. 194): Anno M. ccccc. xxv. frowe Anna, vnses gnedighen heren Albrechts, hertich tho Mekelenborch, vorstynne, heft erem heren ghetelet eynen schonen sone vnde jungen heren ghenomet Hans Albrecht vp den sonnauent vor der bort Cristi (= 23. Decbr.) vnde ginck in kerken vp den vastelauent; dartho weren vele heren vnde vorsten ghebeden. Diese genaue Angabe eines gleichzeitigen Schriststellers, die ohne Zweifel auf der Mittheilung der Aebtissin Herzogin Dorothea beruht, verdient den Vorzug vor jener erheblich späteren Aufzeichnung. Die Gratulation des Markgrafen Joachim v. Brand. ist erst datiert: "sonabents nach Innocent. pueror. 1526" (d. i. 30. Dec. 1525). - Ueber Johann Albrechts Todestag herrscht in den Angaben keine Verschiedenheit. Mylius (Annalen S. 299) berichtet als Augenzeuge seiner letzten Tage: "Den 12ten Februar, war ein Sonntagnachmittag", zwischen 2 und 3 Uhr hat der Allmächtige Gott - "Hertzog Johann Albrechten aus diesem Jammertal zu sich in die "ewige Seeligkeit gantz Christlich abgefordert." - "Den letzten "Februar (29.) ist die Leiche in die Thumbkirchen getragen, bey die "andern daselbst ruhenden Herren, in das Fürstliche Begräbnis, "gesetzt worden." - Ueber die Oeffnung seines Sarges s. Lisch in Jahrb. XIII, 176.

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Gemahlin: Anna Sophia. Daten 1525 - 64: "Anno "1555, ans Esto mihi (= 24. Febr.), Ist Hertzogk Johanß Albrechten zu Mekel. etc. . Fraw Anna Sophia, geb. Marggrauin "zu Brandenburgk vnd in Preussen, zur Wismar vormhelet worden." - Ueber ihr Absterben zu Lübz am 6. Februar und ihre Beisetzung zu Schwerin im Dom am 17. Februar 1591 s. Mylius, Annalen S. 307.

c. Ulrich. - Slagghert erzählt fol. 204 b z. J. 1528 In desseme iar frowe Anna, hertich Albrechtes tho M. eeghemal vnde vorstynne, heft erem heren ghetelet [eynen] iungen heren, ghenomet hertich Vlrich, welke(r) tho kerken [inck] des dinxtedages in dem pinxten (= 2. Juni). Zu dieser Nachricht vom Kirchgange am 2. Juni würde vielleicht eine Angabe im Archiv stimmen, wonach Ulrich am 22. April geboren sein sollte; und Herzog Karl hat Sogar einmal darauf gewettet, daß sein Bruder Ulrich 1528 geboren sei. Allein trotzdem kann man nicht bezweifeln, daß Slagghert seine Auszeichnung erst etwas später niedergeschrieben und Ulrich verschrieben hat für Jurgen. Wenigstens betrachtete Ulrich selbst als seinen Geburtstag den 5. März 1527. Es heißt in den oft erwähnten Daten 1525 - 64: "Anno "1527, den 5. Martii, ist Hertzogk Ulrich zu Mekelenburgk "geboren, 2 stundt 35 Minuten nach Mittage." "Anno 1528, "den 22. Februarii, ist Hertzogk Georg zu Mekelenburgk geboren", 1 stunde 20 Minuten nach Mittage." - Und bestätigt wird Ulrichs Angabe über sein Geburtsjahr dadurch, daß König Christiern II. von Dänemark dem Herzog Albrecht von M. zu "Berlin, Sontag Quasi modo geniti xxvij." (= 28. April) zur Geburt eines Sohnes gratulirte, Ulrich aber älter war als Georg. Auf des letzteren Geburt bezieht sich dann die Gratulation des Markgrafen Joachim v. Brand. vom "Donrestag nach Misericordias etc. ." (30. April) "1528". Georgs Taufe fand Pfingsten (31. Mai) statt. - Als Ulrichs Todestag steht der 14. März 1603 nach vielen Akten fest.

Gemahlin. 1) Daten 1525 - 64: "Anno 1556 auf Esto "mihi (= 15. Febr.), Ist Herßogk Vlrich zu Mekelenburgk etc. "Fraw Elisabeth, Geboren aus Königlichem Stammen zu "Dennemarcken, Hertzogk Magnussen seligenn Gemhall, zu Coppenhagen "vermehlet worden." - Nach Herzog Ulrichs Anzeige vom 15. Oct. ist sie nicht am 14., sondern am 15. Oct. (heut zu nacht zwischen ein und zwei vhrn) 1586 aus der Reise zu Gesör verstorben.

2) Daß die Hochzeit Ulrichs mit Anna (Tochter Philipps I., Herzogs von Pommern=Wolgast, geb. zu Wolgast 18. September

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1554) am 9. December 1588 zu Wolgast gefeiert ward, ist mehrfach bezeugt; sie starb auf ihrem Witthumssitz, Schloß Grabow, am 10. September 1626. Bestattet ward sie neben ihrem Gemahl im Dom zu Güstrow. 1 ) - Vgl. über sie L. Bacmeisters Leichpredigt.

d. Georg. - Ueber seinen Geburtstag s. o. Ulrich, über seinen Todestag und seinen Sarg zu Schwerin Lisch in Jahrb. XIII, S. 175.

e. Anna. - "Hertzogk Caroln zu Mek., desgleichenn Fraw Annen, geborn zu Mekel., Hertzoginnen zu Churlandt etc. ., Geburtstage sind s. f. g. Hertzogk Vlrichenn zu Mekelenburgk etc. . unbewußt." (Daten 1525 - 64.) - Ihr Geburtsjahr 1533 steht fest, auch der Octobermonat ist nicht zweifelhaft; es wird aber der 6., und mit größerer Wahrscheinlichkeit der 14. October als Geburtstag genannt. Aus Königsberg lief ein vom 17. November 1533 datiertes Gratulationsschreiben ein. Die Taufe geschah Katharinen (25. Nov.). - Das Beilager ward zu Königsberg nach Mylius (Annalen S. 284) am Sonntag Reminiscere (10. März), aber nach den Einladungen vielmehr am Sonntag Esto mihi (24. Febr.) 1566 gehalten. - Nach Mylius (Gen. S. 248) "starb" Anna "zu Schwerin, liegt zu Dobberan begraben". Diese Worte rühren aber nicht von Mylius her; denn Anna starb erst etliche Jahre nach ihm (4. Juli 1602), und sie ist nicht in Doberan bestattet, sondern (wie schon Chemnitz richtig angiebt) am 23. Januar 1604 zu Mitau.

f. Ludwig und g. Johann. - "Hertzog Ludewig, in Dännemarcken gebohren, auch bald gestorben", sagt Mylius, Geneal. S. 248, der von Johann nichts als den Namen anführt. - - Chemnitz: "Ludowicus ist a. 1535 zu Kopenhagen in der Belagerung geboren, daselbst gestorben und in St. Marienkirche beerdigt worden. Johannes ist ao. 1536 geb. und nach empfangener Nothtaufe gestorben." - Die Belagerung Kopenhagens währte vom 8. April 1535 bis zum 29. Juli 1536. Eine Notification Herzog Albrechts VII. über die Geburt eines Sohnes während dieser Zeit liegt uns nicht vor. Am 9. Januar 1536 schreibt er allerdings, daß er seine Gemahlin in ihrem dermaligen Zustande weder verlassen noch mit sich nehmen könne. Das könnte man


1) Der Dom zu Güstrow diente wahrend der Durchzüge der Franzosen und ihrer Verbündeten nach Schwedisch=Vorpommern und zurück (1808 f.) als Fourage=Magazin. Wahrend dieser Zeit ward das Dormitorium Ulrici erbrochen und wurden Ulrichs und seiner Wittwe zinnerne Särge geraubt. 1811 ließ der damalige Landesherr Friedrich Franz I. die Kirche wieder säubern und die umherliegenden Gebeine des herzoglichen Paares in einen hölzernen Sarg sammeln und wieder bestatten.
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wohl aus ein Kindbett beziehen; und damit würde stimmen, was Waitz, Wullenweber III, S. 304, von der Noth zu Kopenhagen am Ende der Belagerung berichtet, daß man nämlich von allen vorhandenen Rindern nur eine Kuh verschont habe, um Milch für den kleinen Prinzen zu haben, aber nicht Waitzens weitere Angabe, daß die Herzogin damals im Kindbette gelegen habe. Der Nachricht bei Chemnitz von dem Begräbniß Ludwigs in Kopenhagen widerspricht ein Brief der Herzogin Elisabeth (Ulrichs Gemahlin) vom 23. Februar 1574 an Mylius, der in ihrem Auftrage einen Stammbaum entwarf und angefragt hatte, "ob der erste Hertzogk Albrechts Soen, so zum Berlin geboren vnd daselbst gestorben, mit namen Magnus", [in den Stammbaum] "zu setzen, Item die andern, so in Ihrer Kindheit gestorben". Die Herzogin meint: - - "so kann man doch Ihre namen, auf das man wisse, das sie gelebt haben, mit kurtzem woll ausdrücken, Vnd muste auch also hiebei deß jungen herchen Hertzogk Ludewigen, so zu Koppenhagen geboren vnd alhie zu Gustrouw im Thumb zur erden bestettigt, desgleichen auch des Frewleins Sopheien gedacht werden, Wie dan auch - Hertzogk Johans Albrechten erster Sohn Albrecht, so in Preussen gestorben, gleicher gestalt zu benennen." - Auffallend ist hiebei, daß die Herzogin hier nicht auch Johanns Erwähnung tut. Wahrscheinlich dünkt uns, daß die Herzogin beide Brüder Ludwig und Johann identifiziert, und daß Ludwig 1535 in Kopenhagen geboren und dort gestorben und begraben ist, Johann aber daselbst im Sommer 1536 geboren ward und mit den Eltern heimgekehrt, aber nicht lange hernach zu Güstrow gestorben und bestattet ist.

g. Christoph. Die oft angeführten Daten von 1525 - 64 enthalten die Notiz: "Anno 1538, den 10. Aprilis, ist Hertzogk Christoff zu Mekelenburgk geboren, 5 stunde 35 Minuten nach Mittage", und nach Mylius (Gen. S. 251) ist er "zu Augspurg um das 38. Jahr geboren". Diese Angaben beruhen aber trotz ihrer anscheinenden Genauigkeit aus einer Verwechselung der Geburtstage Christophs und Sophiens. Denn Ersterer ist allerdings zu Augsburg geboren, aber im Jahre 1537, und zwar nicht, wie Lisch in Jahrb. XXII, S. 19 berichtet, am Johannistage (24. Juni), sondern am 30. Juni. Herzog Albrecht VII. meldet nämlich aus Augsburg am Sonntag nach Peter und Paul (1. Juli) 1537, seine Gemahlin sei von einem Sohne entbunden "itzo am Sonabent, ein fierthel fur die Elff vhr fur mitternacht." - Christoph starb nach Archivnachrichten zu Tempzin am 4. März 1592; er ruhet

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im Dom zu Schwerin unter dem Schönen, von seiner 2. Gemahlin für sie beide gegründeten Grabmal.

Gemahlin: 1) Dorothea (geb. 1528) ward zu Kolding am 27. Oct. 1573 vermählt. Gestorben ist sie auf dem Bischofssitz zu Schönberg im Stift Ratzeburg am 11. November 1575, aber beigesetzt zu Güstrow. Ueber das ihr von ihrer Schwester Elisabeth im Dom zu Güstrow (Haec moesta Elisabeth posuit monnmenta sorori) gesetzte Epitaphium s. Jahrb. XXXV, S. 27.

2) Elisabeths Hochzeit fand zu Stockholm am 7. Mai 1581 statt. Sie starb in Schweden am 20. November 1597; sie ist aber nicht unter dem ihrem Gemahl und ihr selbst bestimmten Grabmal zu Schwerin beigesetzt, sondern nach gefälliger Mittheilung des Reichsantiquars Dr. Hans Hildebrand im Dom zu Upsala.

h. Sophie. Daß Sie am 10. April 1538 geboren ward, ist schon bemerkt. Chemnitz nennt bestimmt dieses Datum unter Berufung auf Simon Pauli, und fügt hinzu, sie sei "jung hinweggestorben". Wahrscheinlich hat sie ihr erstes Jahr nicht überlebt.

i. Karl. - "Carolus, Hertzog Albrechts letzter Sohn", ist nach Mylius, Geneal. S. 252, "Anno 1540 zur Neustadt gebohren". Diese Angabe ist richtig. Der Herzog Albrecht VII. beruft sich in einem an den Propst zu Eldena gerichteten Briefe, d. d. "Goldberg, am tag Francisci confessoris" (4. Oct.), "Anno etc. 40", auf ein früheres Schreiben aus Neustadt, wonach seine Gemahlin von einem Sohne entbunden sei "am tag Wenceslay, das ist den xxviij. tag des Monats Septembris, bald nach 9 vrn gegen abenth". Und nach Albrechts VII. Brief an König Ferdinand vom Freitag nach Michaelis (1. Oct.) aus Neustadt war die Entbindung erfolgt "auf dem abent Michaelis kegen nacht, balt nach Neuen vrnn", also nach beiden Briefen am 28. September; die Taufe sollte Andreä (30. Nov.) zu Schwerin sein. Worauf die Nachricht (bei Lisch, Jahrb. XXII, S. 19), daß Karl zwischen Neustadt und Grabow geboren sei, beruht, ist mir unbekannt, vermuthlich ist es eine Sage. - Gestorben ist Karl zu Güstrow am 22. Juli 1610 und dort im Dom bestattet.


XV. Generation.

So ausgebreitet das mecklenburgische Fürstenhaus in der XIV. Generation war, so sehr finden wir es zusammengeschmolzen in der XV., wo es nur durch 3 Söhne Johann Albrechts I. eine Tochter Ulrichs und eine Tochter Christophs vertreten war.

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A. Kinder Johann Albrechts I.

1) Albrecht, geb. zu Schwerin am 18. December 1556. - Mylius, Ann. S. 273: "1561 starb Hertzog Johann Albrechts erster Sohn, Herzog Albrecht, bey dem Herrn Groß=Vater, Hertzogen in Preussen, dahin er von der Frau Mutter - für etlichen Jahren mitgenommen war, zu Königsberg, den 2. Martii; ligt daselbst im Kniphoff begraben." - Vgl. S. 290.

2) Johann VII., geb. 7. März 1558. - Ueber seinen Tod (zu Stargard) am 22. März 1592 s. den Bericht seiner Gemahlin in Jahrb. XV, S. 86 f., über sein Begräbniß zu Schwerin im Dom daselbst S. 88.

Gemahlin: Sophie. Ihre Hochzeit feierte sie zu Reinbeck, 17. Februar 1788 (s. ihre Autobiographie in Jahrb. XV, S. 85). Sie starb zu Lübz auf ihrem Wittwensitz am 14. Nov. 1634, und fand in der Kirche daselbst ihre Grabstätte. S. Jahrb. VIII, Jahresber. S. 134 S.; IX, S. 456 f.; XII, S. 475 f.; XV, S. 80.

3) Sigismund August (so genannt nach dem König von Polen), nicht am 10., wie Mylius S. 272 angiebt, sondern am 11. November 1560 zu Schwerin geboren. - Wegen seines "blöden" Geistes hatte ihn sein Vater, der das Primogeniturrecht für sein Haus einzuführen beabsichtigte, von der Regierung testamentarisch ausgeschlossen. Er starb auf seinem Wohnsitz zu Ivenack am 5. September 1600, ward aber am 4. Mai zu Schwerin im Dom beigesetzt. S. Jahrb. XIII, S. 177.

Gemahlin: Clara Marie, geb. zu Neuenkamp 10. Juli 1574 als Tochter Bogislavs XIII., Herzogs v. Pommern=Barth, ward mit Herzog Sigismund August zu Barth am 7. October 1593 copuliert. - Als kinderlose Wittwe vermählte sie sich zu Strelitz am 13. December 1607 mit dem Herzog August d. j. von Braunschweig=Lüneb., damals noch zu Dannenberg (seit 1635 zu Wolfenbüttel). Sie starb zu Hitzacker am 19. Februar 1623 und ward am 4. April beigesetzt in der Pfarrkirche zu Dannenberg. 1 )


1) Vgl. I. Beccerus, Zwo Christliche Trost=, Klag= vnd Leich=Pedigten bei Graf Behr=Negendanck und Julius Frh. v. Bohlen, Personalien etc. . XXI. Ueber die Verwüstung des Erbbegräbnisses in der Johanniskirche zu Dannenberg i.l. 1812 vgl. jetzt C. Steinmann, Die Grabstätten der Fürsten des Welfenhauses, S. 73 f.
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B. Tochter Ulrichs (erster Ehe).

Sophie, geb. zu Wismar am 4. September 1557, zu Kopenhagen am 20. Juli 1572 vermählt mit König Friedrich II. von Dänemark, Wittwe 4. April 1588, † 4. October 1631. =Grabstätte: Dom zu Roeskilde. - Vgl. über sie Werlauff in Jahrb. IX, S. 131 - 165.

C. Herzog Christophs Tochter.

Herzog Christophs erste Ehe blieb kinderlos; aus der zweiten entsprang:

Margarete Elisabeth, geb. zu Schönberg am 11. Juli 1584. Sie ging mit ihrer Mutter nach Schweden und blieb nach deren Tode am Hofe zu Stockholm. Dort ward sie am 9. Oct. 1608 vermählt mit Herzog Johann Albrecht II. von Meklenburg=Güstrow. Sie starb zu Güstrow am 16. November 1616, und ward im Dom daselbst beigesetzt.


XVI. Generation.

a. Adolf Friedrich I. "Anno 1588 - den 15. Dezembriß ist Mein Sohn Adolff F[riedrich] geborn zwischen 10 vnd 11 vhr auff einen Sontag abent zu Schwerin." - (S. Tafel VIII.)

b. "Anno 90, den 5. Maij, zwischen 2 vnd 3 vhr in der Nacht ist Hanß Albrecht geboren zu Wahren, vnd weil ehr zu zeittig gekommen vnd schwach gewesen, ist ehr also balt getauft." (S. Tafel X.)

c. "Anno 91, den 29. (lies 19.) Septembriß ist mein tochter Anna Sophie geborn des morgens zwischen 4 vnd 5, damals den montag, zu Schwerin." so berichtet die Herzogin Sophie in ihrer Autobiographie (Jahrb. XV, S. 85 und 86). Der Geburtstag der Tochter war auch nach einer Notification des Vatrers von demselben Tage der 19. September (nach dem alten Kalender ein Sonntag). - Anna Sophie lebte seit dem Tode ihrer Mutter zu Rehna (vgl. Jahrb. XV, S. 97) und ist dort am 11. Februar 1648 gestorben. Aber beigesetzt ist sie im Schweriner Dom unter dem Epitaphium Herzog Christophs (wo dessen 2. Gemahlin Elisabeth zu ruhen gewünscht hatte, s. S. 291). Lisch fand (Jahrb. XIII, S. 174) auf ihrem Sarge die Inschrift: V. G. G. A. S. │ H. Z. M. F. │ ANNO │ 1648.

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Stammbaum
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Stammbaum
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Zu Tafel VIII. (Ergänzungen.)

Vorbemerkung. Die auf den Tafeln VIII. - XI. angegegeben Geburts=, Vermählungs= und Todestage der dem Großherzoglichen Haufe angehörenden Personen sind gleichzeitigen Correspondenzen und offiziellen Notificationen im Großherzoglichen Archiv oder amtlichen Bekanntmachungen entnommen, so weit nicht ein Anderes bemerkt wird. Wir beschränken uns auf einige Zusätze. Es sei nur noch daran erinnert, daß in Meklenburg, wie in den anderen protestantischen Ländern, das 17. Jahrhundert hindurch nach dem alten Kalender gerechnet ward.

XVI. Generation.

Adolf Friedrich I. - Sein Sarg ward vorläufig in die Heil=Bluts=Kapelle des Doms zu Schwerin gebracht und erst am 24. August 1692 zugleich mit dem Seines Sohnes Christian nach Doberan übergeführt, wo schon lange seine erste (am 4. Sept. 1622 mit ihm zu Vörde copulierte) Gemahlin Anna Marie, sowie deren jüngste Tochter Juliane, die zwei Tage vor der Mutter verstarb, ruheten.

Die 2. Gemahlin Adolf Friedrichs I., Marie Katharine, verstarb am 1. Juli 1665 auf ihrem Wittmensitz, dem Schlosse zu Grabow, und ward zunächst in der Gruft unter der dortigen Schloßkirche beigesetzt, 1725 aber, nachdem am 3. Juni das Schloß durch Brand zerstört war, nach Schwerin in die Gruft unter der Nicolaikirche gebracht.

XVII. Generation.

vertreten durch die 19 Kinder Adolf Friedrichs I., 8 erster und 11 zweiter Ehe.

A. Erster Ehe.

Diese 8 Kinder sind alle zu Schwerin geboren mit Ausnahme von Johann Georg, der während der Verbannung des Vaters durch Wallenstein zu Lichtenburg in Sachsen, und Hedwigs, die zu Lübeck geboren ward.

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a. Christian I. ward schon am 26. August 1625 zum Administrator des Bisthums Schwerin postuliert, gelangte aber nicht zum Besitz, als dieses durch den Tod des Administrators Ulrich III., Prinzen von Dänemark, am 12. August 1633 erledigt war. - Nachdem er zu Paris am 29. September 1663 zur katholischen Konfession übergetreten war, nahm er am 30. bei der Konfirmation von seinem Firmelpathen König Ludwig XIV. von Frankreich den Beinamen Louis an, unterzeichnete sich aber auch später vielfach bloß Christian. - Sein Ableben erfolgte im Haag am 11./21. Juni 1692; andere Angaben sind nur dadurch entstanden, daß sein Tod Anfangs geheim gehalten wurde. Seine Leiche ward bis Dömitz zu Schiff gebracht, dann über Schwerin am 24. Aug., wie schon bemerkt, nach Doberan und dort bestattet.

Gemahlin: 1) Christine Margarete, 2. Tochter Johann Albrechts II., Herzogs von Meklenb.= Güstrow (s. Tafel X.), geb. 31. März 1615, zuerst am 11./21. Februar 1640 vermählt mit dem Herzog Franz Albrecht von S.=Lauenburg, † 10. Juni 1642 (an den bei Schweidnitz empfangenen Wunden), dann mit dem Erbprinzen Herzog Christian von Meklenburg am 6. Juli 1650 zu Hamburg copuliert, durch ein von diesem eigens hiezu niedergesetztes geistliches Gericht wegen böswilliger Verlassung am 19. October 1660 (da sie in einer ihr gelassenen zweimonatlichen Frist nicht zu ihrem Gemahl zurückkehrte) geschieden. Von ihr ist diese Scheidung nie anerkannt; doch ward dieselbe im Sommer 1663 von 10 Professoren des kanonischen Rechts an der Universität Paris und von der Sorbonne für rechtmäßig erklärt und in päpstlicher Vollmacht vom 6. August durch den Cardinal Barberini (wegen zu nahen Verwandtschaftsgrades ohne vorausgegangene päpstliche Dispensation) zu Paris am 3. October bestätigt, desgleichen am 8. Jan. 1664 vom Kaiser Leopold. Christine Margarete beschloß ihre Tage am Hofe ihrer Schwester Sophie Elisabeth zu Wolfenbüttel am 16. (nicht am 15.) August 1666. Sie ruhet in der Marienkirche daselbst unter dem hohen Chor. S. Steinmann, Grabstätten des Welfenhauses S. 61.

2) Isabelle Angelique, nach Filleul, Isabelle Angelique de Montmorency, duchesse de Chatillon (Paris 1878), geb. im Jahre 1626, in erster Ehe (1647?) zu Château=Thierry vermählt mit Gaspard, Sohn des Herzogs v. Coligny=Chatillon, der am 9. Februar 1649 bei Charenton eine tötliche Wunde erhielt. Der Tag ihrer Vermählung mit Christian Louis I. ist hier im Archiv nicht aufgefunden. Der Herzog nennt ihn nicht in dem Schreiben

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vom 1./11. April 1664, durch welches er seinen Räthen von der vollzogenen Ehe Kenntniß giebt. Andererseits ward erst am 28. Febr. 1664 der Contract über die zu vollziehende Ehe abgeschlossen, und am 2. März 1664 quittierte Herzog Christian über baare Mitgift, Mobilien etc. . Wahrscheinlich ist die Hochzeit am 3. März gefeiert. (Auf Ludwigs XIV. Vorstellung sind sie nach Christine Margaretens Tod noch einmal getraut.) - Gestorben ist die Herzogin Isabelle zu Paris 1695; die Angaben über den Todestag schwanken zwischen dem 13./23. und 14./24. Januar. Beide Ehen Christians blieben kinderlos.

b. Sophie Agnes. geb. in der Nacht vom 11./12. Jan. 1625, war 1650 verlobt mit dem Erbprinzen Erdmann August von Brandenburg=Baireuth (der seine erste Gemahlin Sophie, Markgräfin von Ansbach, 1646 verloren hatte); da dieser aber vor der Hochzeit (am 27. Jan. 1651) starb, gelobte Sophie Agnes im jungfräulichen Stande zu bleiben. Am 2. November 1654 verlieh ihr Vater ihr das Kloster Rühn, und als Regentin dieses Klosters behauptete sie sich durch einen Spruch des Reichskammergerichts vom 22. December 1661 später gegen ihren Bruder Christian. Sie starb zu Rühn am zweiten Weihnachtstage 1694 und ruhet in der Gruft unter ihrem reichen Epitaphium neben dem Altar der Klosterkirche.

c. Karl wohnte zu Mirow und ist dort auch bestattet.

d. Anna Marie, am 23. Nov. 1647 zu Schwerin vermählt mit des Kurfürsten Johann Georg I. von Sachsen 2. Sohn August, der (als Administrator des Hochstifts Magdeburg auf Lebenszeit) zu Halle residierte, auch nachdem er durch väterliche Verfügung mit Weißenfels etc. . abgetheilt war. zu Halle ist Anna Marie auch gestorben, aber (nach gefälliger Mittheilung des Ober=Regierungsrats v. Hirschfeld zu Merseburg) in der Schloßkirche zu Weißenfels beigesetzt. - Herzog August ging am 29. Januar 1672 eine zweite Ehe ein mit der Gräfin Johanna Walpurgis von Leiningen=Westerburg, die ihn († 4. Juni 1680) überlebt hat.

e. Johann Georg erlangte nach seines Bruders Karl Tode die Comturei Mirow. Er starb in Folge eines ihm versehentlich statt einer Medizin gereichten Giftes am 9. Juli 1675 und ward zu Mirow bestattet. - Seine Gemahlin Elisabeth Eleonore, mit welcher er erst am 2. Februar desselben Jahres zu Wolfenbüttel vermählt war, ward 1681 die zweite Gemahlin des Herzogs Bernhard von S.=Meiningen, 1706 abermals Wittwe und starb am 15. März 1729.

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f. Hedwig starb bei ihrer Großmutter, der Herzogin Sophie, zu Lübz und ist dort auch bestattet.

g. Gustav Rudolf lebte mit seiner Gemahlin zu Franzhagen im Hzgth. Lauenburg, und ist dort auch beigesetzt, wie später seine zu Billwerder am 22. Aug. 1689 verstorbene Wittwe. Als das Schloß Franzhagen abgebrochen ward, sind ihre beiden Särge in die Kirche zu Büchen gebracht.

h. Juliane, s. o. S. 296.

B. Zweiter Ehe.

i. Juliane Sibylle ist zu Rühn gestorben und "ist", wie das Rühnsche Kirchenbuch berichtet, "d. 8. 10bris nach Dobberan geführt, ohne Leichpredigt, u. daselbst in das fürstl. Begräbniß beygesetzet."

k. Friedrich beging seine Hochzeit zu Wafelingen (in der Provinz Sachsen), auf dem Schlosse des berühmten brandenburgischen Helden, Prinzen Friedrich II. (nachmaligen Landgrafen) zu Hessen=Homburg. - Fr. wohnte auf dem Schlosse zu Grabow (daß Amt war seiner Mutter Pfandgut gewesen und von ihr auf ihre Kinder vererbt) und ist dort (an den Blattern) gestorben. Seine Wittwe hat daselbst bis an ihr Ende gelebt. Ihrer beider Särge sind nach dem Brande des Schlosses vom 3. Juni 1725 in die Nicolaikirche zu Schwerin übergeführt.

l. Christine hat ihre Grabstätte zu Gandersheim gefunden; vgl. über sie v. Klein S. 70.

m. Bernhard Sigismund, n. Auguste, q. Adolf Ernst, r. Philipp Ludwig und s. Heinrich Wilhelm sind im Dom zu Schwerin beigesetzt.

v. Marie Elisabeth hatte 1701 auf Grund einer väterlichen Verfügung sich mit List in den Besitz des durch den Tod ihrer Schwester Juliane Sibylle erledigten Klosters Rühn gesetzt, war zwar daraus entfernt, erlangte es aber doch am 15. September 1705 durch einen Vergleich auf Grund eines Spruches des Reichkammergerichts wieder. - Nach v. Klein S. 71 ist sie nicht zu Gandersheim, wo sie Aebtissin ward, sondern "in der Fürstl. Begräbniß zu Rühne - beygesetzet worden."

p. Die Herzogin Anna Sophie von Würtemberg=Juliusburg hat am 13. August 1726 ihre Tage zu Juliusburg beschlossen und in der fürstlichen Gruft daselbst ihre Grabstätte gefunden. 1 )


1) Aktenmäßige Mittheilung des Hrn. Landgerichtsrats Hirsch zu Oels.
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t. Ueber Adolf Friedrich II., der erst nach des Vaters Tode zu Grabow geboren ward, den Stammvater des Hauses Meklenburg=Strelitz, vgl. Tafel XI.


XVIII. Generation.

Die Kinder des Herzogs Friedrich sind alle zu Grabow geboren.

a. Friedrich Wilhelm starb auf der Rückkehr aus Schlangenbad zu Mainz am 31. Juli 1713. - Mit seiner Gemahlin (reformierter Konsession) ist er zu Cassel copuliert. Ihren Wittwensitz hatte sie zu Bützow, wo allein im Lande eine reformierte Gemeinde bestand. Dort ist sie auch gestorben, aber neben ihrem Gemahl in der Gruft der von diesem neuerbauten Nicolaikirche auf der von ihm zur Stadt (Neustadt Schwerin) erhobenen Schelfe beigesetzt.

b. Karl Leopold starb zu Dömitz, wo er in seinen letzten Jahren residiert hatte; seine Leiche ward aber nach Doberan gebracht.

Gemahlinnen: 1) Sophie Hedwig (deren Vater schon 1696 verstorben war) wurde durch ihren ältesten Bruder Johann Wilhelm Friso (1708 Prinz von Oranien) mit Karl Leopold verlobt, und am 27. Mai 1708 zu Leeuwarden (wo sie auch am 8. März 1690 geboren war) vermählt. Karl Leopold wohnte mit ihr auf dem Apanagialamt Doberan. Wegen Mangels an gegenseitiger Zuneigung erfolgte durch das Consistorium zu Greifswald, auf welches sie compromittiert hatten, am 2. Juni 1710 die Scheidung des Paares, welche die Herzogin hernach, da über ihr Leibgedinge keine Einigung erzielt ward, nicht anerkannte. Sie verlebte ihre Tage fortan auf dem Wittwensitz ihrer Mutter (Amalie von Anhalt) zu Oranienstein bei Dietz an der Lahn, wo sie am 1. März 1734 gestorben ist. Sie ist in der Gruft unter der Kirche zu Dietz beigesetzt. - Vgl. Frh. v. Sell in Jahrb. XLIX, S. 280 flgd.

2) Am 7. Juni 1710 ließ sich Karl Leopold in der Stille vor wenig Zeugen zu Doberan mit Christine Dorothea von Lepel copulieren (morganatisch). Diese war eine Tochter des Eutinschen Hofmeisters Klaus Friedrich v. Lepel († 1. Jan. 1706) aus seiner zweiten Ehe mit Leveke von Plessen (aus dem Hause Parin), welche als Wittwe zu Lübeck wohnte († 1732). Auch die zweite Ehe war für den Herzog keine glückliche; Christine ging bald

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nach Lübeck zu ihrer Mutter zurück und war nicht zu bewegen wieder nach Doberan zu kommen. Beide Gatten compromittierten dann aus das Lübecker Consistorium, und dieses sprach auf ihrer beider Wunsch am 2. Oct. 1711 die Scheidung der Ehe aus. - Christine Dorothea von Lepel verheiratete sich wieder mit dem mecklenburgischen Oberkammerjunker Hans Christoph v. Bibow. Sie soll 1728 gestorben sein.

3) Zu Danzig, am 19. April 1716, ward durch Peter den Großen dessen Nichte Katharine dem Herzog Karl Leopold zur Gemahlin gegeben. Während dessen späteren Aufenthalts zu Danzig (1721-1730) kehrte sie nach Rußland zurück, wohin Karl Leopold ihr nicht folgen wollte. Sie starb zu Petersburg am 25. Juni 1733 und ward dort im Alexander=Newsky=Kloster beigesetzt.

c. Christian Ludwig feierte am 13. Nov. 1714 seine Hochzeit mit Gustave Karoline zu Güstrow (bei deren Großmutter, der Verwittweten Herzogin Magdalene Sibylle). - Gestorben sind beide zu Schwerin und ruhen daselbst in der Nikolaikirche.

d. Am 18. April 1684 ward die Herzogin Christine Wilhelmine von einem todten Prinzen entbunden. Dessen Sarg ist 1725 aus Grabow nach Schwerin übergeführt und in der Nikolaikirche beigesetzt.

e. Sophie Louise wurde am 19. Nov. 1708 zu Schwerin p. procur. copuliert, am 28. Nov. zu Oranienburg das Beilager gehalten mit König Friedrich I. in Preußen, der vorher 1) 1679 mit Elisabeth Henriette von Hessen=Cassel († 1683) und 2) 1684 mit Sophie Charlotte von Hannover († 1705) vermählt gewesen war. Der König † 25. Februar 1713. - Seine Wittwe lebte, gemütskrank, erst in Grabow, dann eine kurze Zeit zu Neustadt, hernach zu Schwerin auf dem Schlosse. Dort starb sie auch am 29. Juli 1735 und ist in der Nicolaikirche bestattet. - Vgl. meine biographische Skizze in Jahrb. XLI, S. 3 =97.

XIX. Generation.

A. Karl Leopolds Tochter:

Elisabeth, geb. zu Rostock am 18. Dec. 1718, empfing bei ihrem Uebertritt zur griechischen Confession den Namen Anna Karlowna und ward mit Anton Ulrich am 3./14. Juli 1739 zu

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Petersburg vermählt. Nach dem Tode ihrer Tante, der Kaiserin Anna († 17./28. Oct. 1740), regierte sie für ihren Sohn Iwan, wurde aber nach ihrem Sturze (Dec. 1741) mit ihrem Gemahl durch die Kaiserin Elisabeth nach Cholmoghori (oberhalb Archangel am Einflusse der Pinega in die Dwina) verbannt. Dort ist sie am 8./19. März 1746 (im Wochenbette) gestorben, ihre Leiche aber im Alexander=Newsky=Kloster zu Petersburg beigesetzt. Ihr Gemahl soll die ihm 1766 angebotene Erlaubniß nach Braunschweig zurückzukehren abgelehnt haben. Er starb an seinem Verbannungsorte. - Vgl. Brückner, Die Familie Braunschweig in Rußland, und Steinmann, Grabstätten des Welfenhauses S. 140 f.

Anm. Im October 1721 verordnete der Herzog Karl Leopold von Dömitz aus ein Kirchengebet wegen Schwangerschaft seiner Gemahlin; aber am 3. März 1722, von Danzig aus, befahl er dasselbe einzustellen. Wahrscheinlich ist also seine Gemahlin zu Danzig von einem todten Kinde entbunden. Weiteres ist in den Archivakten darüber jedoch nicht aufgezeichnet.

B. Christian Ludwigs II. Kinder.

Die vier ältesten Kinder sind zu Grabow geboren.

a. Nach Angabe des gleichzeitig lebenden Superintendenten Stieber wurde die Herzogin Ludwig am 9. Juli 1715 von einem todten Prinzen entbunden.

b. Friedrich. - Vgl. meine Mittheilungen aus dem Leben Herzog Friedrichs in Jahrb. XLV, S. 53 - 176. - Friedrich starb in dem von ihm erbautem Schlosse zu Ludwigslust und fand seine Grabstätte in der gleichfalls von ihm erbautem lutherischen Kirche daselbst.

Gemahlin: Louise Friderike, als deren Geburtstag die Stammtafeln den 3. Febr. 1722 bezeichnen, hatte ihren Vater, den Württembergischen Erbprinzen Friedrich Ludwig schon am 23. Nov. 1731 verloren, war dann von ihrer Mutter, Henriette Maria, Tochter des Markgrafen Philipp von Brandenburg=Schwedt, auf deren Wittwensitz zu Göppingen erzogen und lebte hernach mit derselben zu Schwedt. Dort verlobte sich Friedrich mit ihr am 11. Mai 1744, und dort ist auch 1746 ihre Hochzeit gefeiert. - Ihr Wittwensitz war das Palais zu Rostock; sie pflegte aber der Oper wegen öfters Hamburg zu besuchen, und bei einem solchen Besuche ist sie am 2. (nicht am 22!) August 1791 zu Hamburg gestorben. Beigesetzt ist sie, wie ihr Gemahl, in der lutherischen Kirche zu Ludwigslust.

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c. Ulrike Sophie ward am 27. Febr. 1728 zur Regentin des Klosters Rühn erwählt, leistete auf dasselbe aber am 5. Juni 1756 gegen eine Entschädigung Verzicht. Sie hatte, während Friedrich zu Ludwigslust residirte, ihre Wohnung auf dem Schlosse zu Schwerin, desgleichen

f. Amalie. Auch

d. Ludwig hielt mit seiner (zu Coburg am 25. April 1755 mit ihm copulierten) Gemahlin Hof zu Schwerin. Charlotte Sophie bewohnte als Wittwe das Palais auf der Schelfe. Alle diese fürstlichen Personen haben ihre Ruhestätte in der Nicolaikirche zu Schwerin gefunden.

e. Louise ward zu Rühn am 10. Febr. 1730 geboren und am 13. daselbst getauft (nach dem dortigen Kirchenbuche); sie starb aber schon am 12. Juni dasselben Jahres zu Neustadt. Beigesetzt ist sie in der Nicolaikirche zu Schwerin.

g. Nach v. Behr ist die Herzogin Gustave Karoline am 9. Aug. 1735 von einem todten Prinzen entbunden. Aktenmäßiges ist mir darüber nicht bekannt.


XX. Generation.

Diese vertreten nur die beiden (zu Schwerin gebornen) Kinder des Erbprinzen Ludwig:

a. Friedrich Franz I., s. Tafel IX, und

b. Sophie Friderike, vermählt zu Kopenhagen, gestorben auf dem Lustschlosse Sorgenfrei, bestattet im Dom zu Roeskilde (nach einer gleichzeitigen Correspondenz aus Kopenhagen).


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Zu Tafel IX. (Ergänzungen.)

Vorbemerkung. Um die Tafel übersichtlicher zu halten, sind nur die Rufnamen in derselben angegeben; die andern Taufnamen lassen wir hier nach den Angaben in den Staatskalendern folgen.

XX. Generation.

Friedrich Franz I., geb. zu Schwerin, gestorben - im 52. Jahre seiner Regierung - zu Ludwigslust, beigesetzt in der Kirche zu Doberan.

Gemahlin: Louise - vermählt am 31. Mai (nicht am 1. Juni) 1775 auf dem Schlosse Friedenstein (zu Gotha) -, starb zu Ludwigslust und ist dort beigesetzt in der für sie erbauten Louisengruft hinter dem Schlosse.

XXI. Generation. Die Kinder des Großherzogs Friedrich Franz I.

a. Laut amtlicher Bekanntmachung ist die Herzogin Louise am 7. Mai 1776 von einer todten Prinzessin entbunden,

b. desgleichen am 11. Mai 1777 von einem todten Prinzen. Beide Kinder sind in der Gruft unter der Nikolaikirche zu Schwerin bestattet.

c. Friedrich Ludwig. - Sein Sarg steht in der für seine erste Gemahlin erbauten russischen Grabkapelle (Mausoleum) zu Ludwigslust, in welcher seine drei Gemahlinnen beigesetzt sind.

Gemahlinnen: 1) Helene Paulowna, vermählt zu Gatschina, † (an der Schwindsucht) zu Ludwigslust.

2) Karoline Louise, vermählt zu Weimar, † zu Ludwigslust.

3) Auguste Friderike, vermählt zu Homburg, † zu Ludwigslust.

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d. Louise Charlotte, am 2. November 1795 verlobt mit König Gustav IV. von Schweden. Diese Vermählung ward durch russische Einflüsse vereitelt. Hernach feierte Louise zu Ludwigslust am 21. October 1797 ihre Hochzeit mit Emil Leopold August, dem damaligen Erbprinzen von Sachsen=Gotha (der 1804 am 20. August succedirte). Sie starb im Wochenbett am 4. Januar 1801, "und wurde Dero verblichener Leichnam den 10. Januar =in das Herzogl. Begräbniß zum Friedenstein beigesetzt". (Kirchenbuch der Hofkirche zu Gotha.) - Der Erbprinz schloß am 24. April 1802 eine neue Ehe mit Caroline Amalie von Hessen=Cassel, die ihn überlebte.

e. Gustav Wilhelm ist in Ludwigslust gestorben (wo er in der von ihm erbautem Villa Gustava viele Jahre gewohnt hatte) und daselbst in der Louisengruft beigesetzt, desgleichen

f. Karl August Christian, welcher, nachdem er 1814 in Paris seinen Abschied aus dem russischen Militärdienst genommen hatte, seinen Aufenthalt zu Ludwigslust nahm und dort auch gestorben ist.

g. Charlotte Friderike ward am 21. Juni 1806 freilich (zu Ludwigslust) mit ihrem Vetter [dem Sohne des dänischen Erbprinzen Friedrich und s. Gem. Sophie Friderike, der Tochter des Erbprinzen Ludwig von Meklenburg=Schwerin, - s. Tafel VIII.], Christian, dem nunmehrigen Erbprinzen von Dänemark (da der Kronprinz Friedrich (VI.) seine Söhne verloren hatte), vermählt; allein die Ehe war keine glückliche und wurde wegen Mangels an Uebereinstimmung zwischen dem fürstlichen Paar am 31. März 1810 durch König Friedrich VI. geschieden. Charlotte, "Prinzessin von Dänemark", erhielt als Wohnort Horsens in Jütland angewiesen, begab sich aber 1829 nach Italien und trat dort zu Vicenza am 29. September d. J. zur katholischen Kirche über. Sie nahm hernach ihren Aufenthalt zu Rom und beschloß daselbst ihre Tage am 13. Juli 1840. Sie fand dort ihr Grab zu St. Marien in Campo Santo. - Ihr Gemahl schloß am 22. Mai 1815 eine neue Ehe mit Karoline Amalie von Sonderburg=Augustenburg. Er bestieg am 3. Dec. 1839 als Christian VIII. den dänischen Thron, † 20. Januar 1848.

h. Adolf Friedrich las nach einer überstandenen Gemütskrankheit zu seiner Erholung die Geschichte der Religion Jesu vom Grafen von Stolberg und ward durch dieselbe für die katholische

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Kirche gewonnen (s. seinen Brief bei Janssen, Friedrich Leopold Graf zu Stolberg seit seiner Rückkehr zur katholischen Kirche, S. 444); am 13. Aug. 1818 nahm er zuerst das h. Abendmahl nach katholischem Ritus zu Lausanne. Er starb 1821, 8. Mai (an den Masern) zu Schwerin. Sein Sarg steht in der katholischen Kirche zu Ludwigslust.


XXII. Generation.

Die Kinder des Erbgroßherzogs Friedrich Ludwig sind alle in Ludwigslust geboren.

A. Erster Ehe.

a. Großherzog Paul Friedrich, † zu Schwerin, ist beigesetzt in der H. Bluts=Kapelle im Dom daselbst.

Gemahlin: Friderike Wilhelmine Alexandrine Marie Helene, geb. Prinzessin von Preußen, vermählt in Berlin, residirt zu Schwerin.

c. Marie Louise Friderike Alexandra Elisabeth Charlotte Katharine starb zu Meiningen, und ward beigesetzt zu Altenburg, wo auch ihr am 3. August 1853 zu Hummelshain verstorbener Gemahl ruht. 1 )

B. Kinder zweiter Ehe.

c. Albrecht, gestorben zu Ludwigslust und daselbst im schon erwähnten Mausoleum bestattet.

d. Helene Louise Elisabeth. - Vermählt ward sie mit dem ältesten Sohn Ludwig Philipps, Königs der Franzosen, dem Kronprinzen Ferdinand Philipp Ludwig Karl Heinrich Joseph zu Fontainebleau, wohin ihre Stiefmutter sie geleitete. - Sie lebte nach dem Sturze des erwähnten Königs abwechselnd in England und zu Eisenach, starb aber 1858 zu Richmond in England und ward zunächst zu Weybridge beigesetzt, 1876 aber nach Dreux übergeführt.


1) Ihr Sohn Albert, geb. 31. October 1827, † zu Ludwigslust am 28. Mai 1835 und ist daselbst im griechischen Mausoleum beigesetzt.
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e. Magnus ist nicht am 3. Mai (wie die Staatskalender angeben), sondern am 2. Mai 1815 geboren und noch im ersten Lebensjahre zu Ludwigslust gestorben und im Mausoleum daselbst beigesetzt.


XXIII. Generation.

Die Kinder des Großherzogs Paul Friedrich (sämtlich zu Ludwigslust, wo derselbe als Erbgroßherzog residierte, geboren).

a. Großherzog Friedrich Franz II. Alexander ruhet im fürstlichen Begräbniß zu Schwerin im Dom mit seinen beiden ersten Gemahlinnen und seinen Söhnen Nicolaus und Alexander, sowie seiner Tochter, der Prinzessin Anna.

Gemahlinnen: 1) (vermählt zu Ludwigslust): Auguste Mathilde Wilhelmine, geb. zu Klipphausen bei Dresden am Pfingstmorgen 1822, † zu Schwerin.

2) (vermählt zu Darmstadt): Anna Marie Wilhelmine Elisabeth Mathilde, † zu Schwerin.

3) Marie Karoline Auguste, geb. zu Rudolstadt, vermählt ebendaselbst.

b. Louise Marie Helene Auguste, vermählt zu Ludwigslust, † zu Venedig, beigesetzt zu Wagensberg unweit Laibach. - Der Fürst Hugo von Windisch=Grätz lebt seit dem 9. October 1867 in zweiter Ehe mit der Fürstin Mathilde, Tochter des Fürsten Friedrich Wilhelm Radziwill.

c. Friedrich Wilhelm Nicolaus, † zu Heidelberg, beigesetzt im fürstl. Begräbniß in der H. Bluts=Kapelle des Doms zu Schwerin.

Gemahlin: Friderike Wilhelmine Louise Elisabeth Alexandrine, vermählt zu Berlin, residirt z. Z. im Schlosse Marly bei Potsdam.

d. Eine Prinzessin ward todt geboren am 9. April 1828 (beigesetzt im Mausoleum zu Ludwigslust).


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XXIV. Generation.

A. Die Kinder des Großherzogs Friedrich Franz II.

1) Kinder erster Ehe.

(Die fünf ältesten Kinder sind zu Ludwigslust geboren.)

a. Großherzog Friedrich Franz III. Paul Nicolaus Ernst Heinrich, mit der Großfürstin Anastasia Michailowna, geb. 16./28. Juli 1860, vermählt am 12./24. Januar 1879 zu Petersburg.

b. Paul Friedrich Wilhelm Heinrich, zu Schwerin am 5. Mai 1881 vermählt mit seines Vaters Schwestertochter Marie Gabriele Ernestine Alexandra, Prinzessin zu Windisch=Gratz, geb. zu Wien 11. December 1856.

c. Marie Alexandrine Elisabeth Eleonore, welche seit ihrer Vermählung (zu Petersburg) mit dem Großfürsten Wladimir Alexandrowitsch den Beinamen Paulowna führt.

d. Nicolaus Alexander Karl Friedrich Heinrich, † zu Schwerin, beigesetzt im Dom daselbst.

e. Johann Albrecht Ernst Constantin Friedrich Heinrich.

f. Alexander Theodor Georg Friedrich Heinrich, geboren und gestorben am 13. August 1859 am Heiligen Damm bei Doberan, beigesetzt im Dom zu Schwerin.

2) Tochter zweiter Ehe.

g. Anna Elisabeth Auguste Alexandrine, geb. zu Schwerin, † eben dort, beigesetzt im Dom daselbst.

3) Kinder dritter Ehe.

h. Elisabeth Alexandrine Mathilde Auguste ist zu Ludwigslust geboren,

i. Friedrich Wilhelm Adolf Günther,

k. Adolf Friedrich Albrecht Heinrich und

l. Heinrich Wladimir Albrecht Ernst sind auf dem Schlosse zu Schwerin geboren.

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B. Die Tochter des † Herzogs Wilhelm:

Friderike Wilhelmine Elisabeth Alexandrine Auguste Marianne Charlotte ist im Schlosse Bellevue bei Berlin, der damaligen Residenz ihrer Eltern, geboren.


XXV. Generation.

A. Kinder S. K. H. des Großherzogs Friedrich Franz III.

a. Alexandrine Auguste, geb. zu Schwerin,

b. Erbgroßherzog Friedrich Franz Michael, geb. in der Villa Belmonte Aqua Santa bei Palermo.

B. Kinder S. H. des Herzogs Paul Friedrich.

a. Paul Friedrich Karl Alexander Michael Hugo, geb. zu Schwerin.

b. Marie Louise Auguste Alexandrine Olga, geb. in der Villa Bir=el=Drudg zu El=Biar in der Provinz Algerien.

c. Marie Antoinette Margarete Auguste Mathilde, geb. zu Venedig.


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Zu Tafel X. (Ergänzungen.)

XVI. Generation.

Johann Albrecht II. ist am 5. Mai 1590 zu Waren geboren. - Seine erste Vermählung fand am Hofe zu Stockholm statt, wo Margarete Elisabeth lebte, die zweite zu Cassel, die dritte zu Güstrow. - Die 2. und die 3. Gemahlin bekannten sich zur reformierten Confession, zu welcher Johann Albrecht 1617 selbst übertrat. - Johann Albrecht und seine beiden ersten Gemahlinnen sind zu Güstrow gestorben und daselbst im Dom beigesetzt, wohin auch die Leiche der Herzogin Eleonore Marie, die auf ihrem Witthumssitz Strelitz ihr Leben beschloß, übergeführt ward.


XVII. Generation.

Diese ist vertreten durch die neun Kinder Herzog Johann Albrechts II., von denen 4 aus der ersten, 5 aus der dritten Ehe hervorgegangen waren. Von diesen sind während des Exils Anna Sophie zu Harzgerode, Johann Christian und Eleonore zu Lübeck geboren, die andern zu Güstrow. - Sophie Elisabeth, die 3. Gemahlin des Herzogs August von Braunschweig=Wolfenbüttel - seine erste Gemahlin war die Wittwe des Herzogs Sigismund August, Clara Marie von Pommern, † 1623 (s. oben S. 292), seine zweite Gemahlin: Dorothea von Anhalt, † 1634, gewesen - ist auf ihrem Wittwensitze zu Lüchow gestorben, ihre Schwester Christine Margarete - vgl. oben S. 297 - zu Wolfenbüttel: beide sind (vgl. Steinmann, Grabstätten des Welfenhauses S. 61, 62) in der Marienkirche zu Wolfenbüttel beigesetzt. Die andern 7 Kinder des Herzogs Johann Albrecht II., auch die 1649 zu Brieg vermählte und zu Parchwitz 1666 verstorbene Herzogin Anna Sophie von Liegnitz und die zu Strelitz bei ihrer Mutter verstorbene jüngste Tochter Louise (sowie auch Herzog Gustav Adolfs Gemahlin) haben ihre Grabstätte im Dom zu Güstrow gefunden. - Die Kinder Johann Albrechts II. aus der dritten Ehe, sowie auch Sophie Elisabeth und Christine Margarete, bekannten sich

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zur reformierten Confession; aber Gustav Adolf ward durch seinen Oheim und Vormund, Herzog Adolf Friedrich I., der Mutter entrissen, um lutherisch erzogen zu werden, und blieb ebenso wie seine Gemahlin (die am 28. Nov. 1654 mit ihm zu Gottorp copuliert war) der lutherischen Confession treu.

XVIII. Generation.

Die Kinder des Herzogs Gustav Adolf sind sämtlich auf dem Schlosse zu Güstrow geboren. Johann, Eleonore, Magdalene und Karl sind dort auch gestorben und im Dom daselbst beigesetzt; auch Marie, die zu Strelitz, und Auguste, die auf ihrem Leibgedinge Dargun ihre Tage beschlossen, ruhen in Dom zu Güstrow.

Im Einzelnen bemerken wir nur noch:

b. Eleonore ist nach dem Güstrowschen Taufregister am 1. Juni 1657 getauft. Vielleicht war sie an demselben Tage auch, wie gewöhnlich angegeben wird, erst geboren. Denn ihr älterer Bruder "Hanß" ward nach demselben Register gleichfalls schon am Tage seiner Geburt, 2. December 1655, getauft.

c. Sophie war die vierte Gemahlin des Herzogs Christian Ulrich von Würtemberg=Oels. Dieser hatte sich (vgl. Grotefend, Schlef. Stammt.) 1) 1672 vermählt mit Anna Elisabeth von Anhalt=Bernburg, † 1680: 2) 1683 mit Sibylle Marie von Sachsen=Merseburg, † 1693; 3) 1695 mit Sophie Wilhelmine von Ostfriesland, † 25. Januar 1698. - Sophie von Meklenb.=Güstrow lebte als Wittwe seit 1704 auf dem herzoglichen Lustschlosse zu Vielguth bei Bernstadt, sie ist jedoch zu Oels am 7. Juni 1738 gestorben und am 10. Juni in der herzoglichen Gruft der Hofkirche zu Oels beigesetzt. (Nach gef. Mittheilung des Landgerichtsrats Hirsch zu Oels.)

f. Christine, am 14. Mai 1683 zu Güstrow vermählt mit dem Gr. Ludwig Christian zu Stolberg=Gedern (geb. zu Ilsenburg 8. Sept. 1652), ist (nach freundlicher Mittheilung des Archivrats Dr. Jacobs zu Wernigerode) am 3. August 1749 zu Gedern gestorben und dort auch bestattet. - Sie war die zweite Gemahlin des genannten Grafen. Seine erste Gemahlin, Sophie Dorothea, Tochter Herzog Friedrichs zu Würtemberg=Neustadt

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(vermählt 16./26. September 1680), war schon am 23. Juli 1681 gestorben.

g. Karl, der Erbprinz, starb zu Güstrow am 15. März 1688 unerwartet schnell an den Blattern. Seine Gemahlin Marie Amalia (mit welcher er erst etwa 7 Monate vorher zu Potsdam seine Hochzeit gefeiert hatte) ward in Folge des Schreckes und des Schmerzes über den plötzlichen Verlust ihres Eheherrn viel zu früh von einem todten Prinzen entbunden, und dadurch die Hoffnung auf den Fortbestand des Güstrowschen Hauses zerstört. - Die verwittwete Herzogin Amalie Schloß am 25. Juni 1689 eine neue Ehe mit Herzog Moritz Wilhelm von Sachsen=Zeitz, der am 15. November 1718 zu Weida starb. Sie bezog hernach ihren Wittwensitz, das Schloß zu Schleusingen; dort hat sie am 17. Nov. 1739 (nach dem dortigen Kirchenbuche) ihr Leben beschlossen. Ihre Leiche ward aber (auf den Wunsch ihrer Tochter, der Landgräfin Dorothea Wilhelmine) am 4. Januar 1740 nach Cassel abgeführt und im dortigen fürstlichen Begräbniß beigesetzt. 1 )

h. Hedwig beging zu Güstrow am 1. December 1686 ihre Hochzeit mit August, dem (damals) 2. Sohn des Herzogs Christian I. von Sachsen=Merseburg (geb. 15. Februar 1655) und verlebte mit diesem einige Jahre zu Stargard i. M., später aber wohnten sie zu Zörbig welche Stadt ihm nach des Vaters Tode († 1691) sein regierender Bruder Christian II. überließ. Dort auf dem Schlosse ist August am 27. März 1715, seine Wittwe, die Herzogin Hedwig, am 19. August 1735 gestorben. Beigesetzt ist sie neben ihrem Gemahl im Dom zu Merseburg. Mit ihrer Tochter Karoline Auguste, welche von 8 Kindern allein die Mutter überlebte, erlosch am 23. September 1747 das Haus Sachsen=Merseburg.

i. Louise ward bald nach ihres Vaters Tode, am 5. Dec. 1695, zu Kopenhagen copuliert mit dem Kronprinzen Friedrich von Dänemark (geb. 11. Oct. 1671), der seinem Vater Christian V. am 25. Aug. 1699 als König Friedrich IV. succedirte. - Nachdem die Königin am 15. März 1721 zu Kopenhagen gestorben und am 3. April zu Roeskilde im Dom feierlich beigesetzt war, vermählte sich schon am 4. April d. J. König Friedrich IV. wieder mit Anna Sophie, der Tochter des Großkanzlers Grafen Konrad v. Reventlow, welche er zur "Herzogin von Schleswig" erhob. Diese hat ihn überlebt.


1) Ueber Amalie, Hedwig und Elisabeth verdanke ich Herrn Oberregierungsrat v. Hirschield zu Merseburg ausführliche Nachrichten.
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k. Elisabeth ward zu Güstrow am 29. März 1692 mit einem jüngeren Bruder von dem Gemahl ihrer Schwester Hedwig, mit dem Prinzen Heinrich von Sachsen=Merseburg (geb. 2. Sept. 1661) copuliert, dem sein regierender Bruder Christian II. die Herrschaft Spremberg in der Niederlausitz überlassen hatte, und der am 21. April 1731 seinem Neffen Moritz Wilhelm in der Regierung des Herzogthums Merseburg folgte. - Auf einer Reise von Merseburg nach der Lausitz erkrankte der Herzog und starb zu Dobrilugk am 28. Juli 1738; seine Gemahlin, die ihn begleitet hatte, starb eben daselbst am 25. August. Am 19. December sind beide im Dom zu Merseburg bestattet.

l. Ueber Auguste vgl. Wilhelmi's ausführliche Biographie im Jahrb. XLVIII, S. 89 f.


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Stammbaum
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Zu Tafel XI. (Ergänzungen.)

Vorbemerkungen. Da nicht alle Daten des Großherzoglichen Hauses Mekl.=Strelitz aus dem Großherzoglichen Geheimen und Haupt=Archiv zu Schwerin zu ermitteln sind, so folgen wir im Allgemeinen den Stammtafeln, welche jährlich der Mekl.=Strelitzische Staatskalender bringt, und den in demselben enthaltenen Annalen der voraufgehenden Jahre, und begnügen uns hier einige wenige Abweichungen und Ergänzungen anzuführen. Um die Tafel XI. nicht zu überfüllen, sind in dieselbe nur die Rufnamen, wo sie zu ermitteln waren, gesetzt, die andern Namen lassen wie hier folgen. Die Todestage der in der Gruft dieses Großherzoglichen Hauses zu Mirow beigesetzten Personen hat uns Herr Präpositus E. Becker zu Mirow gütigst mitgetheilt. Nur bei den nicht zu Mirow bestatteten fürstlichen Personen geben wir allemal die Grabstätte an.

XVII. Generation.

Adolf Friedrich II. Als der II. wird er regelmäßig bezeichnet, obwohl er der I. dieses Namens in seinem Hause ist, weil sein Vater als gemeinschaftlicher Stammvater beider Großherzoglichen Häuser Schwerin und Strelitz mitgezählt zu werden pflegt. Ebenso wird der Großherzog Karl von Mekl.=Strelitz als II. bezeichnet in Rücksicht auf den im Jahre 1610 verstorbenen regierenden Herzog dieses Namens. - Ob Adolf Friedrich II. zu Strelitz in seinem Residenzschlosse, oder vielleicht zu Bergfeld, wo er gern in seinem Jagdschlosse verweilte, gestorben ist, habe ich nicht erfahren.

Gemahlinnen: 1) Maria, geb. zu Güstrow, dort auch vermählt, starb zu Strelitz, ist aber in dem Dom zu Güstrow beigesetzt; dagegen 2) Johanna und 3) Christiane Emilie Antonie (vermählt zu Strelitz, † zu Mirow) ruhen in Mirow bei ihrem Gemahl.

XVIII. Generation. Die Kinder Herzog Adolf Friedrichs II. sind zu Strelitz geboren.

a. Adolf Friedrich III. starb in Neustrelitz, wie er die von ihm bei seinem Jagdschlosse Glineke gegründete Stadt benannte,

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und ward zunächst dort in der Schloßkapelle beigesetzt, aber als dieselbe abgebrochen werden sollte, am 3. September 1859 nach Mirow übergeführt.

Gemahlin: Dorothea Sophie feierte ihre Hochzeit zu Reinfeld. - Als Wittwe lebte sie zunächst in Schönberg, aber gestorben ist sie (nach dem Mirower Todtenbuch) zu Fürstenberg und zu Mirow bestattet.

b. Magdalene Amalie, c. Marie und d. Eleonore Wilhelmine sind im Dom zu Güstrow bestattet. Ihre drei kleinen Särge sind in einen größeren eingeschlossen.

e. Ueber Gustave Karoline vgl. S. 301.

f. Sophie Christiane Louise ruhet wahrscheinlich in einem der beiden nicht genauer bestimmten Kindersärge zu Mirow.

g. Karl Ludwig Friedrich. - Als dessen Hochzeitstag bezeichnen die Staatskalender und Masch den 15. Februar 1735, dagegen der gleichzeitige Geschichtsschreiber Franck und auch neuere Genealogen, z. B. v. Behr und v. Keller, den 5. Februar. - Nach v. Keller wäre Elisabeth Albertine am 4. August 1713 geboren; nach Masch und den Staatskalendern war aber ihr Geburtstag der 3. August.


XIX. Generation.

A. Kinder Adolf Friedrichs III. Beide Töchter sind zu Strelitz geboren.

a. Marie Sophie ward auf Grund eines Erkenntnisses des Reichskammergerichts vom 15. Juli 1718 am 21. April 1719 als Aebtissin (Regentin) zu Rühn eingesetzt, sie verblieb jedoch, weil sie kaum 9 Jahre alt war, bei ihren Eltern, und gestorben ist sie in Rühn auch nicht; wenigstens fehlen ihr Ableben und ihr Begräbniß im Rühnschen Sterberegister. Der Vater meldete am 23. Februar von Strelitz aus, daß diese Prinzessin am 21. d. M. einem hitzigen Fieber erlegen sei. Wahrscheinlich ruhet sie in Mirow.

b. Magdalene Christiane birgt ohne Zweifel der eine der beiden nicht näher bestimmten Kindersärge zu Mirow.

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B. Kinder Karl Ludwig Friedrichs.

Sie sind zu Mirow geboren.

a. Christiane Sophie Albertine.

c. Adolf Friedrich IV. succedirte seinem Oheim Adolf Friedrich III., da des Letzteren Bruder und des Ersteren Vater ein halbes Jahr vorher gestorben war, am 11. December 1752.

d. Elisabeth Christine, geb. 13. April 1739, starb "ein Jahr nachher", wie Franck (19, S. 107) ganz richtig angiebt. Denn ihr Todestag war nicht, wie v. Behr schreibt, der 9. April 1741, sondern nach den Staatskalendern und dem Mirower Todtenbuche der 8. April 1740.

e. Karl II. Ludwig Friedrich wohnte, bevor er seinem Oheim Adolf Friedrich IV. succedirte, in Hannover, wo er die Würde eines Generals en chef von der Infanterie (später eines Feldmarschalls) und eines Gouverneurs bekleidete. Dort sind seine Kinder geboren und seine beiden

Gemahlinnen: 1) Friederike Karoline Louise (nach der Notifikation am 18. September 1768 zu Darmstadt vermählt) und deren Schwester

2) Charlotte Wilhelmine Christiane Louise, gestorben. Beide sind aber, wie auch Karl, beigesetzt zu Mirow; Friederike und ihre 2 Tage vor ihr entschlafene Tochter Auguste Albertine umschließt ein Sarg. Die Mutter der beiden Herzoginnen, Landgräfin Marie Louise Albertine, beschloß zu Neustrelitz ihr Leben am 11. März 1818 und ruhet gleichfalls zu Mirow.

f. Ernst Gottlob Albrecht, Gouverneur zu Celle, kön. großbritannischer und kurf. hannoverscher Feldmarschall, verlebte seine letzten Jahre zu Neustrelitz.

g. Sophie Charlotte, Königin von Großbritannien, starb zu London, wurde am 2. December 1818 zu Windsor beigesetzt, unter dem im Osten der Georgs=Kapelle belegenen Wolsey=Tomb=House, in dem von König Georg III. für sich und seine Familie hergerichteten großen Grabgewölbe. Vgl. Steinmann, Grabstätten des Welfenhauses S. 348.

h. Gotthilf ist am zweiten Tage seines Lebes gestorben, und zwar sowohl nach dem Mirower Todtenbuche wie nach den Staatskalendern und Masch am 28. October 1745.

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i. Georg August starb als kaiserl. österreichischer General=Major in Ungarn, zu Tyrnau, und ward zu Bösing (in Ungarn) beigesetzt; sein Sarg ward aber am 6. August 1852 nach Mirow gebracht.


XX. Generation.

a. Charlotte Georgine Louise Friderike wurde am 3. Sept. 1785 die Gemahlin des Herzogs Friedrich von Sachsen=Hildburghausen. Sie ist in Hildburghausen gestorben und dort auch beigesetzt. Ihr Gemahl starb als Herzog von Sachsen=Altenburg (seit 1826) am 29. September 1834 zu Hummelshain und hat zu Altenburg seine Grabstätte gefunden.

b. Karoline Auguste Friderike Sophie Albertine (wie der Staatskalender sagt, am 10., laut Notification aber am 11. Jan. 1773 verstorben), c. Georg Karl Friedrich, e. Georg Karl Friedrich Ernst, i. Friedrich Karl Ferdinand und k. Auguste Albertine sind alle fünf in Hannover verstorben und zu Mirow beigesetzt.

d. Therese Mathildis Amalie starb als verwittwete Fürstin von Thurn und Taxis zu Schloß Taxis

f. Louise Auguste Wilhelmine Amalie, am 24. December 1793 zu Berlin mit dem damaligen Kronprinzen, seit 16. Nov. 1797 König Friedrich Wilhelm III. von Preußen vermählt, † auf dem Schlosse Hohenzieritz am 19. Juli 1810. Sie ruhet (mit ihrem Gemahl) im Mausoleum zu Charlottenburg. - König Friedrich Wilhelm III. hat sich am 9. November 1824 (morganatisch) mit Auguste, Fürstin von Liegnitz (geb. Gräfin von Harrach), wieder vermählt.

g. Friderike Karoline Sophie Alexandrine ward 1) zwei Tage nach ihrer Schwester Louise, gleichfalls zu Berlin, mit dem Prinzen Friedrich Ludwig Karl von Preußen, dem Bruder Friedrich Wilhelms, copuliert, aber dieser starb schon nach 3 Jahren. - 2) Mit dem Prinzen Friedrich Wilhelm von Solms=Braunfels wurde sie am 10. December 1798 vermählt, am 13. April 1814 ward sie aber zum zweiten Mal Wittwe. - 3) Ihre dritte Ehe wurde am 29. Mai 1815 zu Neustrelitz vollzogen. Gestorben ist sie als Königin von Hannover an ihrem Geburtsorte Hannover und ruht mit ihrem 3. Gemahl, König Ernst August, in dem

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Mausoleum zu Herrenhausen. - Vgl. über dieses jetzt Steinmann, Grabstätten des Welfenhauses S. 331 - 333.

h. Großherzog Georg Friedrich Karl Joseph starb am 6. September 1860 im Schweizerhause bei Neustrelitz; seine

Gemahlin: Marie Wilhelmine Friderike, vermählt zu Cassel am 12. August 1817, starb, fast 85 Jahre alt, zu Neustrelitz.

l. Karl Friedrich August, das einzige Kind aus seines Vaters zweiter Ehe, starb (unvermählt) zu Berlin, als königl. preußischer General und Kommandeur des Gardecorps, am 21. September 1837. Er ist in Mirow beigesetzt.


XXI. Generation.

Die Kinder des Großherzogs Georg sind zu Neustrelitz geboren.

a. Karoline Louise Friderike Marie Therese Charlotte Wilhelmine Auguste ist am 1. Febr. 1842 zu Rom gestorben, ihre Leiche aber nach Mirow übergeführt.

b. Friedrich Wilhelm Karl Georg Ernst Adolf Gustav, Großherzog seit dem 6. September 1860, vermählte sich als Erbgroßherzog am 28. Juni 1843 zu London mit

Auguste Karoline Charlotte Elisabeth Marie Sophie Louise, Prinzessin von Großbritannien.

c. Karoline Charlotte Mariane ward zu Neustrelitz am 10. Juni 1841 vermählt mit Friedrich Karl Christian, dem Kronprinzen von Dänemark (geb. 6. October 1808 aus König Christians VIII. erster Ehe mit Charlotte, der Tochter des Großherzogs Friedrich Franz I. von M.=Schwerin, s. Tafel IX.). Sie war des Kronprinzen zweite Gemahlin. Von seiner ersten Gemahlin: Wilhelmine Marie (der am 1. Nov. 1828 ihm vermählten Tochter König Friedrichs VI. von Dänemark) war er im Sept. 1837 geschieden. Seine zweite Gemahlin ließ sich am 30. Sept. 1846 gleichfalls von ihm scheiden, und die "Herzogin Karoline" wohnte seitdem, alle ihre Kräfte der Wohltätigkeit widmend, zu Neustrelitz, wo sie auch am 1. Juni 1876 gestorben ist. - Kronprinz Friedrich, seit dem 20. Januar 1848 König Friedrich VII., vermählte sich am 7. Aug. 1850