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Wendenkirchhof von Helm (bei Wittenburg).

Zwei Tage, an denen ich vergeblich nach Urnen graben ließ, überzeugten mich, daß der Kirchhof am Haidberge zu Helm wohl erschöpft sei. Darum liefere ich nachträglich die nöthigen Bemerkungen über den Platz.

Von der Spitze des Haidberges liegen einzelne größere Granitblöcke in 2 Linien nach Süden und Westen, fast im rechten Winkel gegen einander, welche hier die Grenze des Begräbnißplatzes bilden, der also von der Spitze des Berges aus an der südwestlichen Abdachung liegt. Im Süden und Westen aber mangelt jede Grenzbezeichnung und ist die Ausdehnung nach Westen namentlich gewiß noch groß gewesen, da auf dem hier angebaueten Boden sich Scherben von Urnen finden, auch bei Urbarmachung des Bodens nach der Erzählung der Dorfbewohner weithin Steine ausgebrochen und Urnen zertrümmert sind. Soweit der Boden noch nicht beackert und mit Haidekraut bewachsen war, habe ich den Platz überall untersucht in einer Ausdehnung von reichlich 420 Quadratruthen. Der Boden besteht aus rothgelbem Sande, unter welchem weißer Quarzsand steht in einer Tiefe von 3-6 Fuß. Die Urnen waren in dem gelben Sande eingegraben; Brandstellen zeigten sich nicht, obwohl bei einzelnen Urnen auch Kohlen gefunden wurden. Diese Grabgefäße standen in verschiedenen Entfernungen, gewöhnlich 6-12 Fuß auseinander, theils in bloße Erde eingesetzt (besonders schwarze Urnen), theils mit Steinen umsetzt, auf einem Steine stehend und mit einem andern bedeckt; noch andere waren mit einem 6 bis 10 Fuß im Durchmesser haltenden Steindamme von kreisrundem Umfange belegt, welcher bald dicht unter der Oberfläche, bald sichtbar zu Tage lag. Einzelne schwarze Urnen waren schon bei ihrer Einsetzung ohne Boden gewesen und diese hatten einen recht glatten gespaltenen Stein zur Unterlage.

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Der ganze Platz war aber in Abtheilungen getheilt, welche Streifen von 3 bis 5 Ruthen Breite bildeten und von Süden nach Norden in grader Linie sich erstreckten. Zwischen denselben blieb ein Zwischenraum von 1/2 bis 1 Ruthe Breite unbenutzt, welcher sich überall durch bemerkbare Senkung und größere Festigkeit des Bodens ankündigte. Sieben solcher Streifen waren noch bemerklich; der vierte von Osten lieferte die meisten Eisensachen und die Nadeln mit den bronzenen Halbkugeln; in dem fünften, worüber jetzt der neue Weg geht, standen die meisten Urnen und lagen die beiden Leichen; die drei ersten waren am unergiebigsten. Vielleicht hatte also jede Familie ihren eigenen Begräbnißort.

Wittenburg, 1841.

J. Ritter.